Nr. 288 Sechstes BlE Lrlchetni tLgllch mit Ausnahme des Sonntags. General-Anzeiger für Gberhessen 157, Jahrgang Die ^Stetzemr gamtltenb!8tter,e werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsbisrt für den Kreis Gießen" zweimal wüchenUlch. Der ..hesstfche Landwirt" erjchemt monatlich eimnoL Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- slraße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:112. TeU-AdruAnzeigerGreßen. Samstag 7. Dezemder 1907 XV. Rotationsdruck und Verlag der BrühNchen j Unwersitäts »Buch- und Stetndruckerel. j wT m R. Lange, ©tefeen. flggggSB"---!■"■ gggggg!BEggüS! Ztgarren-Kiandclotefteuer. Die Regierung hat in der Denkschrift, mit der sie vor zwei Jahren die von ihr vorgeschlagene Zigarettensteuer begründete, darauf hingewiesen, daß mit dem zunehmenden Zigarettenkonsum große Nachteile für die Zigarrenindustrie, für die Reichskajse, für den Raucher und für den einheimischen Tabakbau verbunden seien und daß es sich empfehle, diesen Nachteilen durch eine Sonderbesteuerung der Zigarette zu begegnen. Angesichts dieser Begründung dürfte es, wie die „Süddeutsche Tabakzeitung" in ihrer letzten Nummer ausführlich darlegt, schwer sein, jetzt nach Verlauf von kaum 2 Jahren eine Zigarren-Banderolesteuer vorzuschlagen und sachlich zu begründen. Die Regierung müßte nämlich in diesem Falle ihr ganzes in ihrer Denkschrift zur Zigarettensteuer aufgestelltes System u m st o ß e n; die von ihr betonte Ungleichheit zwischen Zigarette und Zigarre würde wieder hergestellt werden. Wenn sie vor zwei Jahren gesagt hat, der Zigarettengenuß sei gegenüber dem Zigarrenrauchen gesundheitsschädlich, so müßte sie jetzt vielleicht daraus Hinweisen, die Pfeife sei der Zigarre mit Rücksicht auf die Feuersgefahr vorzuziehen. Nach weiteren zwei Jahren könnte sie dann nach Gründen suchen, um auch den Rauch-, Kau- und Schnupftabak der Banderolesteuer zu unterwerfen. Vor zwei Jahren wurde zu Gunsten der Zigarrenindustrie geltend gemacht, daß sie fast ausschließlich auf Handarbeit angewiesen sei und über 125 000 berufsgenossenschaftlich angemeldete Arbeiter beschäftige, während in der Zigarettensabrikation die Verwendung von Maschinen in ausgedehntem Umfange eingeführt sei; „eine auch nur einigermaßen erhebliche Verdrängung der Zigarre durch die Zigarette müßte daher die Arbeiterverhültnisse auf dem Gebiete der Tabatverarbei- tung ungünstig beeinflussen." Diese Gründe sprechen aber heute viel stärker «och als vor zwei Jahren gegen eine Zigarrensteuer. Seit Einführung der Zigarettensteuer hat sich die .Zigarettensabrikation mehr und mehr im Großbetrieb kon- jzentriert. Das Gleiche würde der Fall sein bei der Zigarrenindustrie, und die Folge wäre die Entlassung zahlreicher Arbeiter. Viele Arbeiter würden aber auch durch den Rückgang des Konsums überflüssig werden. Der Konsum- wückgang würde natürlich die ausländischen Tabake treffen, während der Verbrauch von inländischem Tabak vielleicht etwas zunehmen würde, weil die „P salzet und andere Zigarren aus inländischem Tabak natürlich in die unterste Steuerstaffel kommen würden. Die Regierung wird damit rechnen müssen, daß eine solche Verschiebung im Verbrauch von inländischem und ausländischem Tabak — nicht zu- cketzt der dann sicher, speziell in Arbeiterkreisen, eintretende Ülebergang von der Zigarre zur Pfeife — der Reichskasse Verluste bringt, die den Ertrag der Zigarren steuer zum Mildesten stark schmälern würden. Aber auch die Erfahrungen, die man nach der „Süddeutschen Tabakzeitung" bei der Zigarettensteuer hinsichtlich der Höhe der Erhebungs- und Verwaltungskosten und des Amfanges der Steuerhinterziehungen gemacht hat, sprechen nicht dafür, die Banderolesteuer nun auch bei der Zigarre in Anwendung zu bringen. Aus S.aOt uuo Ratto. Gießen, 7. Dez. 1907. **§in berechtigter Wunsch. Man schreibt uns aus Lehrerkreisen: In vielen, oder den meisten Kreisen Hessens wird den Lehrern ihre Besoldung aus der Gemeindekasse im Einklang mit der Uebung der Staatskassen pränumerando ausbezahlt. In anderen Kreisen aber ist die Mtimobezahlung der Gemeindebesoldungen bis heute beibehalten worden. Wohl mögen an dieser verschiedenen Zahlungsweise eines und desselben Gehaltes Schwierigkeiten bedingend {ein, wie öfterer Wechsel in den Schulstellen u. dgl., sicher aber sind diese Hindernisse nicht unüberbrückbar, so daß auch in der Gehaltsauszahlung der Gemeindebesoldung in Hessen eine von den Lehrern erwünschte Gleichheit eintreten könnte. ♦* Nebenbahnprojekt Mücke — Ulrichstein. Das Großh. Ministerium der Finanzen hat der Firma Lenz u. C o., G. m. b. H. in Berlin, auf die Dauer eines Jahres die Erlaubnis erteilt, Vermessungen und Vorarbeiten für eine normalspurige Nebenbahn von Mücke nach Ulrichstein aus führen zu lassen. m. Bad-Nauheim, 6. Dez. Fünf Landstreicher stiegen gestern in einen Garten ein, um die darin zum Trocknen ausgehängte M ä s ch e zu stehle n. Der Besitzer kam dazu und hielt einen der Diebe fest, während die übrigen entkamen. Sie wurden später in der Friedberger Herberge verhaftet. X Lan denh ausen, 6. Dez. Die Gemeindevertretungen von Salzschlirf und hier beschlossen, zwecks Ausführung der geplanten gemeinschaftlichen Wasserleitung ein Projekt durch die Großh. Kulturinspektion Gießen ausarbeiten lassen. In Salzschlirf wünscht man die Ausführung noch vor Beginn der Saison. -s- Elchenrod, 6. Dez. Der zum Beigeordneten gewählte Konrad Bläser hat auf Grund stichhaltiger Gründe die auf ihn entfallene Wahl abgelehnt. Demnächst wird deshalb eine nochmalige Wahl stattfinden. Q Laubach, 6. Dez. TaS neu erbaute, an der Detterfelder Straße gelegene Wohnhaus der Lehrer Schäfer Erben ging durch Verkauf zum Preise von 13 000 Mk. in ben Besitz des Zigarrenfabritanten Wilhelm Nepp üiber, der daneben noch ein Fabrikgebäude zu errichten beab« fichtigt. Eme Wertzuwachssteuer würde keine Anwendung kinden, da mehrere tausend Matt an dem Vettaussobjekt verloren werden. — Von mehreren hiesigen Leuten wurde gestern abend ein gewitterartiges Wetterleuchten am westlichen Himmel beobachtet. Em Gewitter im Dezember, gewiß eine Seltenheit. Offenbach, 5. Dez. In der gestern abend abgehal- tenen und sehr stark besuchten Generalversammlung des sozialdemokratischen Konsumvereins wurde festgestellt, daß eine bis jetzt provisorisch ausgestellte Bilanz bereits ein Defizit von mindestens 12000 Mark ergeben hat, also wiederum eine Bilanz, „soweit ein Ueber- blick über die Geschäftslage des Vereins möglich toar"! Man wird also annehmen müssen, daß das Defizit bedeutend höher ist und daß einen genauen Aufschluß hierüber erst die int Januar stattsindende neue Generalversammlung bringen wird. Einstimmig beschloß die Versammlung die Wsetzung der Vorstandsmitglieder Winkler und Pfeiffer. Worms, 6. Dez. Gestern abend %9 Uhr erschoß sich der 2-1 Jahre alte ledige, hier in Arbeit stehende Schrcinergeselle Ernst Ujhelyi aus Budapest in seinem Logierzimmer Cornelius Heylstraße 17. Wie vermutet wird, hatte er die Absicht, vorher seiner Braut, der Tochter eines Fabrikarbeiters, ebenfalls ein Leid anzutun, denn er hatte sie kurz vorher in sein Zimmer gelockt; als diese aber merkte, daß er in äußerst aufgeregtem Zustand einen verdächtigen Griff Unter sein Bett machte, lief sie davon. Unmittelbar danach krachte der Schuß. Der Genannte hatte sich seiner Braut gegenüber stets als der Sohn eines sehr reichen Weingutsbesitzers ausgegeben, was aber nicht zutraf. Die Furcht vor den Folgen der Entdeckung seiner unwahren Angaben scheint ihn wohl zu dem Selbstmord getrieben zu haben. Parlamentär — D i e Kommission \ ft t d i e Sicherung ber Sau« fordern n gen hielt heute ihre erste und einzige Sitzung vor Weihnachten. Obgleich man angesichts der offenkundigen Mißstände, die em gesetzliches Einschreiten erforderten, doh einer Generaldebatte absehen wollte, bewegte sich die Erörterung doch in ben Gleisen der ersten Plenarlejiing. ES ivitrden and) in der Hauptsache von beidell)en Abgeordneten dieselben Grünbe und Bedenken vorgebracht. Von einer Seite wurde eine Berücksichtigung ber anders gearteten Verhältnisse in S ü d d eu t s ch l a n d ge- wünscht und vielfach weitere Umfragen für erforderlich gehalten Ter Sozialdemokrat Dr. Frank und ber Konservative Pauli-Pots- bam begegneten sich in ber Forderung, auch bie öffentlichen Faktoren, Fiskus, Korporationen, Stiftungen und Anstalten des öffentlichen Rechts in bas Gesetz einzubeziehen, was der Regierungs- entiDitrf unterläßt. Nach Weihnachten wird man in die Einzelheiten ber Beratung emtreten. — Die Kommission für ben Versicherungsvertrag hat ihre erste Lesung in zwei Sitzungen zu Ende geführt. Es würben nur redaktionelle Aenderungen vorgenommen. Die Frage des Selbstmordes bleibt in der bisherigen Weise geregelt; die Duellfrag? ist nicht mehr zum Gegenstand, ton Anträgen gemacht. Zu den Paragraphen 191 und 192 über die ösfentlicKn Sozietäten lag ein sozialdemvkralischer Antrag Heine vor. Die preußische Rcgieruirg hat bekaruttlich zu dieser Frage in der vorigen Tagung die Erklärung abgegeben, daß, die preußischen Vorschriften in Einklang mit den Bestimmungen dcö Reichsrcchis gebracht werden sollen. Auf die Frage des Avg. Dove (freis. Vgg.), ob der Staatssekretär bezw. die Vertreter ber einzelnen Bundesstaaten sich dieser Erklärung anschließen bezw. wiederholen würden, erfolgten durchweg zustimmende Erklärungen. Bayern hat ja ein Reservatrecht, wird aber auch das Möglichste in ber bezeichneten Richtung tun, und ebenso wird Würtemberg seine Zwangsversicherung dem Reichsrecht anpassen. Damü tonnte der Antrag der Sozialdemokraten zurückgezogen werden. Die Gesetzentwürfe über Privatversich^-rungsoettrag und Seeversicherung wurden bann in erster Lesung einstimmig angenommen. — Die Kommission für das Quellenschutzgesetz trat heute zusammen, vertagte sich aber nach kurzer Auswrache. Es soll zunächst Material über die Verhältnisse in Wies- badenund Hamburb eingeholt werden. — Die Wahlprüsungs kommissivn verhandelte über die Wahl des Aog. Enders (fress. Vp.), Sonneberg-Saalfeld. Es wurde Beweiserhebung darüber beschlossen, ob es zulässig war, daß ber Wahlvorsteher den Amts schreib er mit seiner Amrs- mütze Sch-leppero lenste tun ließ. Dagegen wurde mit 7 gegen 6 Stimmen die im allgemeinen verpönte Unterzeichnung ton Wahlaufrufen ober Flugblättern durch Bürgermeister mit ihrem Amtstitel in diesem Falle für Zulässig erklärt. BörseuwoHenbericht. ---» Frankfurt a. M., 6. Dez. Der Blick der Finanzwelt bleibt andauernd über ben Ozean gerichtet. Auch der Botschaft des Präsidenten Roosevelt an den Kongreß hatte man mit Spannung entgegengesehen. Nun wird darin die Gründung einer £ entmine tenbanf, die den Geldverkehr des Landes regelt und die Währung schützt, alterdingS nicht angekündigt, man will sich vielmehr wieoer mit Palliativ Mitteln behelfen, trotzdem konnte sich an der Newyorllr Börse eine entschiedene bessere Strömung durcharbeiten. Seitdem die Einigung der beiden Matadore Harriman und Hill erfolgt ist, wird der Markt wieder im Sinne der Hausse bearbeitet. Dabei liegen drüben die Verhältnisse noch lange nicht rosig; die Barzahlungen find iwch nicht einmal wieder ausgenommen und man ist noch fortgesetzt bemüht, aus der alten Welt Gold heranzuziehen. Gerade diese Bestrebungen erzeugen am europäischen Geldmarkt eine andauernde Beunruhigung. In London war bereits eine Erleichterung eingetreten, ja man trug sich sogar schon mit der Hoffnung, daß die Bank von England mit ihrer Rate zurückgehen könne, da trat aber wieder bie amerikanische Geldnachfrage dazwischen und das Bild änderte sich wieder. Heute legt man sich in London wieder größere Zurückhaltung auf. Besonders ungünstig liegen die Geldverhältnisse aber in Deutschland. Die Reichsbank wurde nach ihren letzten Ausweis ungewöhnlich stark in Anspruch genommen, dabei ist das Wechselangebor noch fortgesetzt sehr stark, der Privatdiskonto flieg auf 7Vs Proz., also nahe an die Grenze des offiziellen Banksatzes. Unter diesen Umständen sieht man mit einiger Besorgnis dem Schluß des Jahres entgegen. Für Ultimogeld nimmt, man bereits heute einen Satz zwischen 8 und 9 Proz. in Aussicht. Das läßt an den deutschen Börsen eine freudige Stimmung nicht recht aufkommen, man folgt nur zögernd der Anregung, die von New- york ausgeht. Auch im Geschäftsleben wird lebhaft Klage darüber geführt, daß bie Gelder schlecht eingehen, die Konkurse mehren sich, und auch die Preisherabsetzungen, die fortgesetzt erfolgen, beweisen, daß die wirtschaftliche Ssnjuntlui ün .Abstieg ife Dennoch konnre sich unter der Einwirkung Newyorks das Kursniveau diese Woche etwas heben. Auf dem Fondsmarkt waren Mexikaner begünstigt, weil die steigenden Zolleinnahmen Zeugnis für die gute wirtschaftliche Entwicklung des Landes aolegen, Bahnaktien nur mäßig gebessert, amerikanische Bahnen, Aktien und Bonds, einige Prozent höher, auch Prince Henri stiegen 3 Proz. Lesterr. Staatsbahn auf den JnvestitionS- erlaß gedrückt. Montanpapiere meist einige Prozent besser, andere Jndustriepapiere ungleichmäßig. Aktien chemismer Fabriken höher, ebenso Elektrizitätswerte. Kin furchtLarcs ®ui6enunßlü& in Amerika. In ben Kohlenavub-en der Eon,o^idaled E^ai Company bei M o u a n g a h e l o (Westvirginien), die aus beiden Seilen des Westforksiusses gelegen sind, aber eine unterirdische Verbindung Huben, erfolgte am 6. b. M. eine furchtbare Explosion fchlagenber Werter, als ca. 500 Bergleute einge* fahren waren. Das Grubenunglück ist anscheinend das schwerste, das je in Amerika vorgekommen ist. Die Explosion war so gewaltig, daß ein Schacht Haus über wttmongahcla in ben Fluß flog. Dw Belegschaft bestand zum größten Teil aus Ungarn, Poien und Italienern. Die Grubenverwaltung hat 300 Särge bestellt. Nach einer weiteren Meldung sind 4 25 Bergleute um gekommen. 2lls Ursache der Explosion werben Gase oder Kohlenstaub angegeben. Die urplofion führte Dampite,jei-Ex- plofionen in ben anderen Teilen Der Bergwerke herbei. Bis jetzt sind acht Tote gesunden, die sehr entstellt sind. Wie es heigt, brach das Feuer im Bergwerk aus, als die Lüstungsvorrichtungen in Betrieb gesetzt wurden, um das Gas aus den Schäcpven zu entfernen. Das Rettungswerk wurde da^chsozusapen^zurl^ gemacht. Vermachtes. * Eigentümliche Duellanten. Du§ Sofia wirb geschrieben: Eine „Ehren"affäre mit folgendem Verlauf wird hier stark glossiett. A., der eine hohe Stellung einnimmt, schickt feine ftarteiiträgcr dem B., well dieser in einem Blatte A. beleidigt habe, indem er B. als talentlos, servil, kränklich bezeichnete. B. wollte bie Beleidigungen nicht zurückzichen und gestern sollte die Ehre A.'s mit Rapieren wiederhergestellt werden. A., B. und die Sekundanten erschienen auf der Duellstätte, die Rapiere werden gekreuzt, eins, zwei . . . Hall! kommandiert ber Duelletter und gleichzeitig Sekundant A.'s: ,^Jch mache den letzten Versöhnungsvorschlag!" worauf B.: „Ich ziehe nichts zurück. Gegen A. als Privatperson habe ich nichts. Mir paßt er nicht an ber verantwortungsvollen Stelle." „Top," meint A., „ich trete vom Duell zurück. Tie Erklärung B.'s soll protokolliert werben." Am Abend erschien das Blatt B.'s mit einem Protokoll, worin erklärt wurde, bie Ausdrücke „talentlos", „servil" und „kränklich" seien nicht aegen bie Person A.'s gerichtet, sondern gegen den Chef des Generalstabes als solchen. A. ist nämlich Chef des Generalstabes, heißt NaSlmnon und ist noch Generalmajor. Rismn teneatiS. * Die Familienzigarre. Laut „M. N N." ist daS wichtigste Möbel im Hause der Bewohner der Phllippinen die Familienzigarre, an welcher alle Angehörigen bei Familie, vom Großvater unb ber Großmutter bis zum kleinsten Kinbe, ein Anrecht haben, nur bie Wickelkinber sinb ausgenommen. Diese Familienzigarren sinb, was ihre äußere Ausstattung anbelangt, ziemlich verschieben von benen, oie wir hier rauchen, aber Europäer, die den großen Vorzug genossen haben, einmal ein paar Züge an einer solchen Familienzigarre tun zu dürfen, sind von dem Gd- schmack derselben sehr entzückt. Die Dinger sind gewöhnlich anderthalb Fuß lang und haben einen guten Zoll im Durchmesser, also eine Festrübe, wie sie im Buche steht. Wenn sie gerade nicht geraucht wird, ruht sie in einem besonders für sie eingerichteten Loch eines der Bambuspfähle in dem Hauptraum des Hauses. Jeder, der nun Lust hat, ein paar Züge zu tun, steckt sie frisch an und legt sie, wenn er befriedigt ist, wieder an ihren Platz zurück. Uebrigens wird das Loch höchst rücksichtsvoll immer so tief angebracht, daß auch bie jüngsten Familienmitglieber bie Zigarre erreichen können. Es ist ein feltjamer Anblick für ben Fremben, biefe kleinen Philippinenkindei mit ben riesigen ichwarzen Zigarren zu sehen, bie manchmal beinahe ein Drittel ber Größe des Kindes selbst haben unb gewöhnlich das kleine gelbe Gesicht gräßlich entstellen. Niemanb hat ein Recht, bie Fa- milienzigarre aus bem Haus herauszunehmen, sonbern sie muß immer innerhalb besselben zu finden fein. Kommt ein Gast in das Haus, unb man will ihn willkommen heißen, so wirb sofort bie Familienzigarre aus dem Loch geholt unb ihm bargereicht. Befürdet sich bie Zigarre aber gerabe im Gebrauch, so wirb sie ohne weitere Formalitäten bem Betrefsenben aus dem Munbe genommen und dem Gast übergeben, der sie unter keinen Umständen zurückweisen darf, denn das würde bie größte Beleidigung sein, bie er seinem Gastgeber zufugen könnte. Es wäre ungefähr so, wie wenn man bei uns sich weigern wollte, die dargebotene Hand zu ergreifen. Vielen Europäern, bie sich zuerst nicht übertoinben konnten, eine Zigarre weiter zu rauchen, die aerabe einem schmutzigen Kinde toeggenonunen worden war, ist bie Zurückweisung sehr schlecht bekommen. 5«inihC6i=2lan,etd?ten. Verlobte: Fräulein Anna Hambuch in Eudorf mit denn Konrad Welker in Ramrod. Fräulein Marie Seim in Wahleii nut Herrn Ludwig Tickham in Arnshain. Fräulein Lma Schäfer in Darmstadt mit Herrn Jacob Wolf in Friedberg. Gestorbene: Herr Karl Lamm in Naunheim. Frau Elifabeihe Waldeck in Alsfeld. Frau Luise Koehler in Rohrbach. Frau Pfarrer Doering in BreungeSham. Herr Hans Krcegk in Darmsiadi. Ä^vercoroLogrsche Beovachrenrgen der Station Gießen. WeNer 1907 e-> s c