L57. Jahrgang M. 313 Zweites Blatt Lrfcheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. 11 id General-Anzeiger für Oberheffen Die „Slehener Famillenblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „KrcUblatt |flr den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der„hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion.^^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießew Mittwoch 11. September 1907 Rotationsdruck und Verlag der Br Ührchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. '! ----- —!-----1 y Iie Manöver. In Westfalen spielt sich jetzt der „Krieg im Frieden" änB, in Wäldern und Feldern hallt es wieder von den Massen der Infanterie und Artillerie und die Erde erdröhnt unter dem Gestampf der Rosse. Ein ernstes Spiel ist es, das sich dergestalt alle Jahre wiederholt, gilt es doch die Kriegsbereitschaft zu stärken, Neuerungen zu erproben und veraltete Einrichtungen über Bord zu werfen. !( Das meiste Augenmerk widmet man allerdings den sogen. ■J Kaisermanövern, die sich vor den Augen des höchsten Kriegs- V Herrn abspielen, und der selber das Kommando übernimnrt, um sich zu üben und zu lernen; hier werden ungeheure Massen entfaltet, wie sie der moderne Krieg verwendet, und hier werden auch in allererster Linie die Neuerungen geprüft, )! die man auf Grund der Erfahrungen eingeführt hat oder n allgemein noch einführen will. Namentlich in einer Be- ii ziehung haben sich die Kaisermanöver gegen früher be- deutend geändert: in der Ausgestaltung des Kriegsmäßigen, A das soweit wie irgend möglich durchgeführt wird. In J früheren Jahren sah man sehr schöne „Bilder", alles ging wie am Schnürchen, da es vorher sorgfältig vorbereitet war, man kannte ziemlich genau den Ort, wo die „Schlacht" geschlagen wurde, man kannte auch mit ziemlicher Sicher- jj heit deren Ausgang, und Ueberraschungen waren so gut 'i wie ausgeschlossen. Auch die Dispositionen waren viel- {] fach von der Lage des Hauptquartiers und Unterbringung der hohen Gäste völlig abhängig. Das ist alles völlig anders geworden, der Kaiser selbst kennt keine Schonung und lagert, wenn es erforderlich ist, inmitten der Truppen; - die sogenannte Generalidee wird nicht mehr bis in alle !) Details genau ausgearbeitet, um als Richtschnur zu dienen, * sondern den beiderseitigen Führern wird völlig freie Hand '' gelassen, sodaß nicht nach dem Schema F. operiert werden " kann. Eine Hauptänderung in der ganzen Taktik auch im 1 Manöver hat bekanntlich sowohl der Burenkrieg, wie ganz , besonders der russisch-japanische Krieg gebracht, deren j, Lehren man jetzt in Deutschland beherzigt. Sind doch unsere - sogenannten Exerzierreglements für alle Waffen gründlich > umgeändert worden, die Bestimmungen sind vom modernen Geiste getragen, der „Gamaschendienst" ist auf ein Mindestmaß beschränkt, das Hauptgewicht auf die Ausbildung für das Gefecht gelegt. Diese Reform hat sich ganz vorzüglich bewährt, so daß wir mit Ruhe ernsten Ereignissen entgegen- ; sehen können, zumal auch sonst alle Fortschritte auf dem Gebiete der Kriegstechnik ihre stüchanwendung bei uns gefunden haben. Die verschiedenartigsten Hilfsmittel, über die man früher lächelte, werden verwandt, Telegraph und Telephon finden eine ausgiebige Verwendung für Rekognoszierung und Befehlsübergabe; selbstverständlich fehlt auch der optische Telegraph und die Funkentelegraphie nicht. ’ Nicht minder Beachtung hat auch die militärische Luftschifffahrt gefunden, auf diesem Gebiete stehen wir gegenüber Frankreich in nichts zurück. Gegenüber diesem Lande sind wir auch hinsichtlich der Artillerie, deren Umbewaffnung jetzt vollendet ist und deren neues Reglement jetzt zum erstenmal unter den Augen des Kaisers erprobt werden soll, nicht mehr zurück. Auch aus anderem Gebiete, dem der Biwakunterbringung, Verproviantierung usw. sind alle Einrichtungen so getroffen, als ob es sich um einen Ernstfall handle. So trifft alles zusammen, um unseren Manövern einen hohen tnilitärischen Wert zu verleihen, da man sich nicht mehr in Äußerlichkeiten erschöpft, sondern wirklich prüfen will, ob die in auswärtigen Kriegen gemachten Erfahrungen Beherzigung gefunden und die dadurch bedingten Aende- rungen unserem Heere eine weitere Stärkung und Festigung verschasst haben. Dazu kommt der gute Geist, der unsere Soldaten, hoch und niedrig, beseelt und auf den man im Auslande, speziell in Frankreich, wo man mit der Disziplin so traurige Erfahrungen machen muß, mit erklärlichem Neide blickt. Backfischpatriotismus. Der Brief eines in Pommern heimischen Backfisches, der die Wonne auskosten durfte, an den Kaisertagen in M ü n st e r teilzunehmen, und den die „Tägl. Rundsch." der Oeffeittlichkeit üb ermittelte, soll in seinen wesentlichsten Stellen auch unseren Lesern nicht vorenthalten bleiben. Zuerst kommt die K l e i d e r f r a g e, wie es bei einem jungen Mädchen natürlich ist: „Vier Tage miiyte man andauernd weiß mit schwarz-weist-roten Bändern u. s. iv. rumlaufen. Und ein paar schmutzige Kleider waren diese h i m m- 1 lischen Tage wohl wert. Ach, es war zu, zu schön!" Dann kommen die kaiserlichen Gäste: „Der Kaiser will bald mit seiner Frau wiederkommen, hat er gesagt, und alle Prinzen waren ent- ückt. Und nun stellt euch vor, tuie entzückt wir unschuldigen Back- ische dann erst sem müssen I Aber es ist ja gar mcht annähernd u beschreiben, w i e es war, und ihr würdet es ja doch nicht' ver- tehen. Rach anderthalbstündigem Warten kamen sie. Wir zwei brüllten geradezu unser „Hurra". Der Kaiser und seine Söhne waren so freundlich, besonders der Kronprinz grüßte lachend und nickte allen zu, so daß für ihn alle entflammten, besonders aber alle jungen Mädchen." Ja, der Kronprinz! Von ihm fließen Herz und Mund und ' Feder der jungen Briefschreiberin über. Man höre, wie sie weiter I schwärmt: „Und dann kam der Freitag — den Tay vergesse ich sicher nie! Vorimttags standen wir Spalier. Alle grüßten freundlich, als sie von der Parade kamen; der Kronprinz war der alleren t z ü cf e n b ft e und schürte die Flammen, die für ihn lohten, mächtig, als er nun sogar umkehrte und noch einmal an uns vorüberiuhr. Wir gingen danach zur Schule, ivo wir uns etwas auSruhten, um gleich wieder loszugehen zur Eimveihung eines Krankenhauses, das Prinzessin Schaumburg eiilweihte anstelle der Kaiserin. Das war nicht sehr interessant; doch beschlossen wir da, dem Kroiiprinzen ein Ständchen zu bringen, das Seminar und die erste und zweite Klasse. Tas iviirde leider durch einen Lehrer vereitelt, der uns wütend auseinandertrieb. Doch liefen wir weg und ich mit drei anderen Mädchen machten einen Umweg Die Lage in Marokko. Paris, 10. Sept. Wie AdmiralPhilibert unter dem 9. d. M. telegraphiert, ist der Kreuzer „Galilse" im Begriff, nach dem Süden abzugehen, während der Kreuzer „Gueydon" nach Rabat in See geht. Aus Casablanca, Mcv- zagan, Rabat' und Mogador sind keinerlei Zwischenfälle gemeldet worden. In dem ganzen Küstengebiet herrscht Ruhe. — Wie der „Temps" aus Tanger meldet, hat der in der Nähe von Marrakesch wohnende Stamm der We- nagna den Stamm der Semene angegriffen, der Muley Hafid günstig gesinnt ist. — Zum Schutze der Deutschen in Tanger sind, wie der „L.-A." von unterrichteter Seite erfährt, alle Vorkehrungen getroffen. Als Gebäude, in welchem die Deutschen Zuflucht finden könnten, sind das Haus der deutschen Legation sowie noch ein anderes bezeichnet und entsprechend instand gesetzt worden. Außerdem wird, im Einverständnis mit den Mächten in Tanger, eine marokkanische Miliz aus Eingeborenen als provisorische Polizei gebildet. Frankfurt a. M., 10. Sept. Die „Frkf. Ztg." meldet aus Berlin: Den durch das Bombardement von Casablanca geschädigten deutschen Reichsangehörigen wird die Reichsregierung, da die Frage der Entschädigungspflicht noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, sofort auf die ihnen zustehende Entschädigung einen Vorschuß von 250000 Mark auszahlen. London, 10. Scpt. „Daily Mail" meldet aus Tanger: Die Beziehungen zwischen der fran- zösischen und spanischen Regierung sind recht heikel. Die Spanier wünschen eine größere Truppenmacht auszusenden, als die Franzosen wollen, und das Kommando der kombinierten Armee einem spanischen General übertragen sehen. Frankreich weigert sich absolut darauf einzugehen. Casablanca, 10. Sept. Das beabsichtigte Vorgehen der französischen Truppen gegen das Lager von Taddaert ist aufgeschoben worden. Das Befinden des Generals Drude hat sich gebessert und die Operationen werden morgen wahrscheinlich in größerem Umfange wieder ausgenommen werden. Eine große Anzahl Araber erschienen gestern bei den spanischen Vorposten, ohne jedoch einen Angriff auf diese zu unternehmen. Der eingetrofsene Fesselballon wird heute seinen ersten Ausstieg unternehmen. Den Marokkanern flößt der Ballon große Achtung ein und fte erklärten, wie berichtet wird, daß sie wohl gegen Menschen kämpfen, aber nicht gegen den Teufel vorgehen würden._______________________________________ Die japanfeinvlichen Ruhestörungen. London, 10. Sept. Aus Vancouver wird gemeldet, daß der w e i ß e P ö b e l gestern abend wiederum Ruhestörungen verursachte. Zuerst begab er sich ins Chinesenviertel, wurde aber von der Polizei mit ihren Knüppeln verstreut. 26 Rädelssührer wurden verhaftet. N e w y o r k, 10. Äpt. Tie Chinesen in Vancouver beantworteten ihre Mißhandlung mit der Einstellung derArbeit in denjenigen Hotels und Restaurants, die auf sie angewiesen und nun lahmgelegt sind. Tie Japaner unternahmen einen Umzug und versorgten sich mit Waffen. Sie drohen jetzt ihrerseits den Frieden zu stören. Ottawa, 10. Sept. Ter japanische Generalkonsul machte gestern beim Kabinettschef Maura und bei dem Senatsbeamtcn Laurier Vorstellungen über die Zwischenfälle in Vancouver. Man glaubt, daß die kanadische Regierung sich bereit erklären wird, Japan Genugtuung zu geben. Inzwischen werden die Verhandlungen betr. Einschränkung der japanischen Einwanderung fortgesetzt. Deutsche» Reich. Berlin, 10. Sept. Tie „Nordd. Allg. Ztg." teilt mit: Ter japanische Botschafter Graf Inouye ist am 9. Sep- tember in Norderney eingetrofsen, um sich vor seiner Abreise nach Japan vom Reichskanzler Fürsten von Bülow zu verabschieden. — Wie der „Frkf. Ztg." aus Berlin gemeldet wird/! weilt der Abg. Frhr. v. Gamp von der Retchspartei heute zum Besuch beim Reichskanzler Fürsten Bülow in Nor- oerney. — Wie die „National-Zeitung" gegenüber anders lautenden Nachrichten von unterrichteter Seite erfährt, ist es ausgeschlossen, daß der vom Reichsamt des Innern ausgearbeitete Gesetzentwurf über das Apothekenwesen schon im kommenden Winter den Reichstag beschäftigen wird. Rom, 10. Sept. Eine vatikanische Persönlichkeit teilt mit, daß die Nachricht des „Dziennik Posnanski", der Vatikan habe die Kandidatur des Militärpfarrers Pre- z i n s k i auf den Posener Erzbischofssitz a b g e l e h n t, eine tendenziöse Entstellung sei. Tie Frage steht seit mehreren Monaten auf dem euren Fleck. Ter Vatikan hat sich über die verschiedenen Kandidaturen noch nicht geäußert und wird sich wahrscheinlich noch aus lange Zeit hinaus darüber nicht aussprechen. Ueber die Neubesetzung der Münchener Nuntiatur hat der Vatikan ebenfalls noch keine Entscheidung getroffen. Eine 6. Armee-Inspektion. Berlin, 10. Sept. Das „Armee-Verordnungsblatt" veröffentlicht eine Allerhöchste Kabinettsordre, nach der ab 1. Oktober statt der bisherigen fünf Armee-Inspektionen deren sechs gebildet werden, die folgendermaßen zusammengesetzt sind: Die erste Armee-Inspektion in Berlin aus dem 2., 8. und 9. Armeekorps; die zweite in Meiningen aus dem 6., 11., 12. (1. sächsischen) und 19. (2. sächsischen); die dritte in Hannover aus dem 7., 10., 18. und 13. lwürt- tembergischen); die vierte in München aus dem o., 4. und 1., dem 2. und 3. bayerischen; die fünfte in Karlsruhe aus dem 14., 15. und 16.; die sech ste in Berlin aus dem 1., 5. und 17. Bezüglich der Ernennung des General-Inspekteurs der sechsten Armee-Inspektion wird eine besondere Verfügung erfolgen. Allgemeiner Deutscher Bergmannstag. Eisenach, 10. Sept. Der Allgemeine Deutsche Bergmannstag wurde unter Beteiligung von über 1000 Teilnehmern im Saale der ,,Erholung" eröffnet. Handelsminister Delbrück, der weimarische Minister v. Wurmb, der Präsident des Reichsversicherungsamts Geheimrat Dr. Kaufmann und Oberbürgermeister Schmieder-Eisenach begrüßten die Versammlung. Berghauptmann Scharf-Halle a. S. und Ministerialdirektor Dr. Nebe-Weimar, sowie Generaladministrator Rudolph wurden zu Vorsitzenden gewählt. Gegen 11 Uhr erschien der Großherzog von Sachsen-Weimar. Der 16. Internationale Friedenskongreß. München, 9. Sept. Der 16. Internationale Friedenskongreß wurde heute vormittag hier eröffnet. Alle bayerischen Ministerien außer dem Kriegsministerium hatten Vertreter entsandt, ebenso die preußische, österreichische und russische Gesandtschaft. Uuiversitätsprofessor Harburger begrüßte die erschienenen etwa 25 delegierten und betonte, der Kongreß strebe nach einem hohen Ideal. Heute könne man nicht mehr sagen, das Ziel, Streitigkeiten durch ein Schiedsgericht zu erledigen, sei unerreichbar. Staatsrat v. Boehm begrüßte die Versammlung namens der bayerischen Regierung und hob hervor, das Deutsche Reich wolle den Frieden und beweise dies auch durch seine Beteiligung an der Haager Konferenz. Bürgermeister Dr. v. Brunner, der namens der Stadt München sprach, betonte, auch diejenigen, die über die Erreichbarkeit des Zieles skeptisch dächten, verkannten den idealen Wert der Friedensbestrebungen nicht. Ter 85jährige Vorkämpfer der Friedensbewegung Frederic Passy dankte namens ber, auswärtigen Delegierten. Von den früher verspotteten Zielen sei manches jetzt schon erreicht. §eute fänden die Bestrebungen der Friedensfreunde überall Sympathie. Allgemein erkenne man an, daß der Völkerhaß eine Gefahr für alle Kulturgüter fei, und daß die Wohlfahrt der Nachbarländer eine Mitbedingung sei für die Wohlfahrt des^ eigenen Volkes. Ter Friedenskongreß sandte hierauf Telegramme an den Prinzregenten und den Kaiser ab und beschloß ferner, ein Telegramm an die Regierungsvertreter bei der Haager Friedenskonferenz abzusenden, in dem dem Wunsche Ausdruck gegeben wird, daß die Beratungen der Konferenz zu einem greifbaren Erfolg führen. Außerdem wurde im Anschluß an die Mitteilung von dem Ableben des französischen Dichters P r u d h o m m e die Absendung eines Beileidtelegramms tut das französische Unterrichts- Ministerium beschlossen. Sodann erfolgte die Konstituie- im Trab, und iclj traf gerade an einer Ecke mit dem Kronprinzen zusammen und brüllte Hurra und winkte, und er nickte mir ganz allein zu. I ch w a r s e l i g l Ich rannte hinter seinem Auto, das zum Glück langsam fuhr, her und mit in den Adelshof, wo er ausstieg. Während er sich da mit einigen Damen unterhielt, stand ich iljm direkt gegenüber und sah ihn immerzu an, etwa zehn Minuten — denkt bloß, wie himmlisch! Und dann, wie die Damen weg waren, streckte ich ihm meine Hand hin, und er gab mir seine Hand und hat mich angesehen. Was ivar ich glücklich! Ich konnte mich kaum entschließen, meine Hand zu waschen, aber e§ mußte ja fein. Als er wegfuhr, bin ich ihnr noch nach gerannt; aber bald war er weg. Erst um 6 Uhr kam ich zum Mittag nach Haus." Es ist anzunehmen, daß die Briefschreiberin, wenn sie einmnl in späteren Jahren diesen Brief wieder in die Hand bekommt, selbst über ihren jugendlichen Ueberschwang als recht kindisch einschätzen und ihn belächeln wird. Daß aber die „Tägl. Rundschau" diese unsinnige Backsischiade nicht als das nimmt, ivas sie ist, sondern daß sie sogar ihre Freude hat an diesem „frischen, anmutigen Geplauder", daß sie es als ein „lebendiges Bild" von der in Münster herrschendeii (Stimmung bezeichnet, das ist bei einem Blatte, von dem man sonst mit Ernst und Achtung zu sprechen gewohnt ist, unbegreiflich. Tie Liebe ^u Kaiser urid Reich, zu Fürst und Vaterland ist gewiß etwas Schönes und Edles. Die Förderung aber eines gedankenlosen, kindlich blöden Hurra-„Patrio- tisinns", schweifwedelnden Byzautinertums zähleii wir zu deut Unwürdigsten, dessen sich die auf sich selber hallende bürgerliche Presse schuldig machert kann. Wir lesen gleichzeitig in einem Amerika-Artikel eines anderen Blattes, daß die Augen der a ni e r i k a n i sch e n Backsische aus- leuchten, wenn ihnen erzählt wird, daß 15 000 Schweine täglich in den Schlachthäusern Chicagos geschlachtet werden können. Diese Riesenziffer macht das Herz amerikaiiischer Jungfräulein höher schlagen. Das ist jedenfalls ein vernünftigerer und erheblich gesunderer Patriotismus als jener, der es „himmlisch" findet, einen Prinzen 10 Minuten lang anstarren zu können und das durch ben Druck einer Prinzenhand „geweihte" Pätschu-7 • waschen zu wollen. ♦ — Tie 6. Hanptversammluna des Deutschen Medizi- nalbeamten-Vereins findet zurzeit in Bremen statt. Tort sprach u. a. Laqueur vom neuen Rudolf Virchow- Krankenhuus in Berlin über den Wert neuer physikalischer Behandlungsmethoden und ihre Anwendung durch nicht approbierte Personen. Er streifte dabei die besondere Stellung der die schwedische Heilgymnastik ausübenden Personen, die zwar nicht Aerzte.sind, aber eine spezielle ärztlich überwachte Fachausbildung genossen haben, wobei er die ärztlichen Pro teste Aeg en das „Müllern" durchaus unterstützte, weil dieses System von schwächlichen Personen übertrieben wird. Die Sormen- und Luftbäder seien als sehr wertvolle Heilfaktoren für gewisse Fälle anzusehen. Tie Luftbäder besonders zu Zwecken der Abhärtung sowie zur Bekämpfung der nervösen Schlaflosigkeit. Sie erforderten aber in ihrer Anwendung eine genaue Dosierung und dürften nicht schematisch verordnet und gebraucht werden. — K u n st ch r o n i k. Nach einer schweren Darmoperation starb im Frankfurter Krankenhanfe der preußische Kammersänger Julins Ai ü l l e r, der 20 Jahre hindurch an der König!. Bühne zu Wiesbaden wirkte und sehr beliebt war. — Ernst v. Wild en brach hat soeben einen neuen Roman vollendet, der unter dem Titel „Lukrezia" tm Herbst in Berlin erscheinen wird.— Herr Wilh. Diegelmann trat am 10. d. Mts. zum erstenmal als Just in „Minna von Barnhelm" auf der Bühne des Deutschen Theaters vor das Berliner Publikum. Sein ehrliches und fein nuanciertes Spiel trug ihm warmen Beifall ein. Vielleicht hatte er die Charakteristik etwas zu weich angelegt, doch waren ihm dafür Momerite gegeben, in denen! er ganz unmittelbare Wirkung fand. llo_- 112. (September: Heiter und trocken. Temperatur wie heute. Leichte h a f - I nördliche, Winde._____________________ der der wtg des Kongresses, dessen eigentliche Beratungen morgen beginnen. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hesse« am Donnerstag den Wiesbaden, 10. Sept. Dem „Wicsb. Gen.-Anz" zufolge wurde der Taglöhner Schmelzeisen Perl, J, t et, 'n dessen Wohnung ein seit mehreren Tagen vermißtes neunjähriges Mädchen sowie ein zwölfjähriges Mädchen mrt schweren Verletzungen aufgesurden wurden. An beiden Kindern, welche Schmelzeisen in der Wohnung eingeschlossen hatte, waren S i t t l i ch k e i L s v e r b r e ch e n begangen worden. 1 seinen Tank für die Einladung des Gesangvereins Heiterkeit aus. In später Stunde verabschiedeten sich die Licher Sänger ' mit dem Bewußtsein, einen fröhlichen-Nachmittag verlebt zu haben. 1 ** Der MiLtelwe st deutsche Stenographenbund „St o lz e-S ch r e y" hielt am 7. und 8. Sept, in . Rüdesheim seine 21. Jahres-Hauptversammlung ab, die sehr gut besucht war und an der sich auch 4 Mitglieder des Gießener Vereins beteiligten. Am Samstag abend fand eine Telegierten-Versammlung statt, worauf am Sonntag morgen das Wettschreiben folgte. Es wurde bis zu einer Schnelligkeit von 320 Silben in der Minute bei 5 Minuten lang dauerndem Tiktat geschrieben. Hieran schloß sich die Haupt-Versammlung, in der Tr. Fritz Wertheimer aus M ü n ch e n einen Vortrag über „Tie gegenwärtige Lage und die Zukunst der Stenographie" hielt, der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Um 2 Uhr versammelten sich die Mitglieder bei einem gemeinsamen Festessen im Felsenkeller. Alsdann wurde eine Auffahrt nach dem Niederwaiddenrmal unternommen, woran sich ein längerer Spaziergang nach der Rossel und durch die Zauberhöhle schloß. Abends sanden sich die Teilnahmer in der geräumigen und sehr schön dekorierten Turnhalle zusammen. Hier fand die Preisverteilung statt. Es errangen Preise von Gießen bei 120 bis 150 Silben den 1. Preis Herr Kreiling und bei 150 bis 180 Silben den 1. Preis Herr Lischta- Gießen. Ter Wanderpreis, gestiftet von Ferd. Schlottner-Honiburg, fiel für die beste Turch- schnittsleistung im Wettschreibeil dem Verein Frankfurt- Sachs en hausen auf die ^auer von 1 Jahr zu. Ein fröhlicher Ball hielt die Festteilnehmer noch bis zum hellen Morgen zusammen. ** Wozu eine Nebenbahn benutzt wird. Als dieser Tage der erste Zug von Lauterbach nach Gedern um 7.26 aus der Station Oberwald eintraf, stand eine altere Frau vor dem Stationsgebäude. Tie Beamten waren allgemein der Ansicht, daß die Frau, mitfahren wolle und brachten den Zug zum Halten. Wie groß war aber ihr Erstaunen, als die Frau die Beamten fragte, ob sie keine Streichhölzer hätten. Sie wolle in der Nähe Kaffee kochen und have ihr Feuerzeug vergessen. O Lich, 11. Sept. Bei der heute abgehaltenen Gern e i n d e r a t s w a h l wurden nachstehende Herren wieder gewählt: Glasermeister Ludwig Scherfs mit 293, Bäckermeister Jakob Jhring mit 178 und Orgelbauer Aug. Förster mit 174 Stimmen. Ausland. Rom, 10. Sept. Die Enzyklika des Papstes, die innerhalb des Monats September erscheint, bekämpft die v o r g e s ch r i t - lensten Vertreter Pes katholischen Modernismus. Außer dem Katholizismus untergrabe der Modernismus, der nichts anderes als vermummter Nationalismus sei, das Christentum an sich. Der Klerus dürfe sich als Lehrer des Glaubens nicht von Unberufenen verdrängen lassen. Antwerpen, 10. Sept. (W. B.) Zur Beilegung des Ausstandes wurde vom Bermittclungsamt ein Vergleichsvorschlag gemacht, der auf folgenden Grundlagen beruht: Erstens der Lohn wird um 50 Centimes erhöht; zweitens die Arbeiter verpflichten sich, vor Ablauf eines Jahres nicht mehr von Lohnerhöhung zu sprechen, drittens für Ueberstunden keinen Lohnzuschlag von 50 Proz. zu verlangen. Die Arbeiter scheinen geneigt, auf den Vorschlag einzugehen. Petersburg, 11. Sept. In Odessa wurde in der Nacht zum Sonntag in der Nähe des Bahnhofes von Angehörigen des Verbandes echt russischer Leute eine jüdische Familie beraubtu ud barbarisch behandelt. Die alte Mutter wurde erschlagen, alle Mitglieder der Familie auf offener Straße gefoltert, so daß alle infolge der erlittenen Verletzungen ins Hospital gebracht werden mußten. Warschau, 10. Sept. Nach telegraphischer Meldung aus Lodz hat dort heute nacht infolge der entsetzlichen Mord- taten der letzten Tage ein Pogrom begonnen. Elf Personen, darunter vier Frauen, wurden: erschossen, vier Personen, darunter zwei Frauen, verletzt. In der Balutyvorstadt dauerte die Schießerei noch am frühen Morgen fort. N e w y o r k, 10. Sept. (Reuter.) Eine hier aus Washington eingegangene Börsendepesche besagt, daß China sich entschlossen habe, die Goldwährung einzuführen m Sept. Heute vormittag fand vor dem choffengerlcht Verhandlung gegen die beiden Redakteure, undKs«^ßen von der Oberhesfischen Volkszeitung" und K l u g vom „Essenbacher Abendblatt" statt. Beide halten ,m ihren Zuckungen gegen den Möbelfadrikanten R. Geyer (-) Schotten, 10. Sept. Zur Berichtigung etwa unrichtiger Tarsteilungen der umlaufenden Gerüchte, „der im Bau gegriffene Bismarckturm auf dem Taufstein sei zu- sammengestürzt", diene die Mitteilung, daß wahrscheinlich infolge der feuchten Witterung der letzten Zeit und der heftigen Regengüsse i der Nacht vom 5. auf 6. d. Mts aus der westlichen Mauerfeite des bis zu ca. 10 Meter Höhe geförderten Bauwerks ein kleiner Teil der Mauer auf ca 2 Meter^Höhe abgerutscht ist. P. schlitz, 10. Sept. Tie Gräflich Görtz'sche Familie erhalt soeben die Nachricht, daß dem zweiten Sohne Sr. Erl., dem Grafen Wilhelm, Leutnant im Dragoner-Regiment Nr. 23, und seiner Gemahlin, geb. Freiin v. Riedesel, Henle in Darmstadt ein Sohn geboren ivurde. Mainz, 9. Sept. Nach dem Amtsblatt der hiesigen Eisenbahn-Direktion sind die Schaffner Berges in Alzey und Lauterbach in Bingerbrück wegen unsittlichen Benehmens gegen eine Reisende und der Schaffner Rech in Bingerbrück wegen Versuch des Diebstahls an Gütern entlassen worden. Gießener Strafkammer. X Gießen, 10. Sept. Aus uud Land. Gießen, 11. September 1907. •* Hülfe für Herbstein. Bis heute vormittag gingen bei unserer Geschäftsstelle weiter ein: Fran Geh. Rat Laubenheimer 10 Mk., Professor Dr. Koeppe 5 Mk., von der Gemeinde Muschenheim durch Pfarrer Köhler 5 Mk., von der Gemeinde Allendorf a. d. Lahn durch Bürgernieister Volk 30 Mk. Zilsainmen mit den bereits früher quittierten 4934,58 Mk. bis jetzt 4984,58Mk. — Unsere Geschäfts- stelle nimmt gern weitere Spenden für die Brandbcschädigten entgegen. Bei dem HülfsauSschuß für die Abgebrannten in Herbstein gingen bis heute ferner ein: Gemeindekasse Großen- Buseck 50 Mlst Sammlung in der Genicinde Wieseck diirch Pfarrer Hellwig 112 Mk., Sanimlung in der Gemeinde Stockhausen durch Bürgermeister Siippes 26,80 Mk., Sammlung in der Gemeinde LcmgSdors durch Beigeordn. Schiel 100,50 Mk. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 11. Sept. (Telegr. Orig.-Bericht des „(Siefe. Anz."). Anal. Notierungen derhenngen Viehmarklpreise. Zuin Verkaufe Itauben: 272 Ochsen, 78 aus Oesterreich, 51 Bullen 0 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 486 Kühe, Fersen, Stiere und Riiider, 0 aus Dänemark, 415 Kälber, 188 Schafe und Hännncl 00 Schafe ans Oesterreich, 0 Ziegen, 1260 Schweine. Bezahl! wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 84—86 Ä, 2. Oual 76—78 Mk., 3. Qual. 68—70Alk.; Bullen I.Qual. 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 67-69 Mk.; Kühe 1. Qual. 70-76 Alk., 2. Qual. 71—74 Alk., 3. Qual. 63-65 Mk, 4. Qual. 00—00 Alk., 5. Qual. 00—00Alk. Kälber: 1. Qual.92—95 Psg., Lebendgewichts—57 Pf., 2. Qual. 82—88 Pfg., Lebendgewicht 47—52 Pfg., Schlachtgewicht 60-65 Pfg. Schafe: 1. Qual. 84—00, 2. Qual. 78—80 Pfg. 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 70—00 Pfg., Lebdaeu. 55.00—00.00 Psg., 2. Qu. 68 — 69 Pfg., Lebeudgew. 54.50—00 Pfg., 3. Qual. 60—62 Pfg. Lebeudgew. 00 Pfg. Geschäft gut, fein Ueberstand; bei österreichischen Ochsen Uebernotiz. Die quittierte Rechnung. Bei der Schmückung der Stadt zum Universitätsfeste war Arbeiter K. M. aus Salza bei einem Frankfurter Gärtner, vorübergehend fern Geschäft hier betrieb, beschäftigt. Er bekam Den Auftrag, eine Partie Girlanden in ein Geschäft zu ^ngen. Als er sich seines Auftrags entledigte, wurde er von '>i? ^Tn )aberrnacf) bEr ^chmtng gefragt. Da er eine solche Mt mitbekommen hatte, der Geschäftsinhaber die Sache aber gern gleich beglichen hatte, erhielt er den Auftrag, für quittierte Rechnung zu sorgen Dieser Weisung kam er alsbald nach. Er ging m einen Papierladen, holte sich ein Rechnungsformular und ullte e_> aus und erhob den Betrag, nachdem er die Quittung mit einem salichen Namen unterzeichnet hatte. Mit dem er- SetrQm ? dNark begab er sich an die Bahn um Nordhauseii wohnenden Familie zu fahren. Als die Sache entdeckt mid angezeigt wurde, erfolgte feine Ver- Äfrima !-D0 wegen Urkundenfälschung HntPrrirA 0 ? Gefängnis, abzüglich 3 Wochen Untersuchungshaft, verurteilt wurde. J Ueber die Beförderung des Herrn v. Lindenau geht uns aus dem Manövergelände folgende Drahtmeldung zu- Der Kommandeur unseres Regiments Oberst von L i n d e n a u erpielt heute im Manovergelände eine Allerhöchste Kabinetts- c - / bw ihn zum Generalmajor der Armee mit Belassung Wohnsitzes in Gießen befördert und für den 1. Oktober iyu/ rum Kommandeur der 76. Infanterie-Brigade in Erfurt ernennt. Oberleutnant und Regimentsadjutant Menges wurde^zum Achutanten der 56. Infanterie-Brigade in Rastatt Staatsminister Ewald ist aus dem Urlaub zurückgekchrt und hat die Leitung der Geschäfte wieder übernommen. ** Ordensverleihung. Dem Eisenbahn-Gütervorsteher Rudolf Ploch ist das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen worden. 311 den R u h c st and wurde versetzt der Lehrer an her Gemeindeschule zu Mainzlar Gg. Kammer auf sein jliachsuchen, unter Llnerkennung feiner langjährigen treuen ^ienite, mit Wirkung vom 1. Oktober an und ihm aus diesem Anlaß das Silberne Kreuz d.es Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone verliehen. ^er hiesige freisinnige Verein wird auf dem morgen in Berlin beginnenden Parteitag der frei» durch fein Vorstandsmitglied Herrn ^llhelm Hornberger vertreten sein. Ter Gesangverein Heiterkeit feierte am ^^ö.angenen Samstag fein 29jähriges Stiftun g s fe st in feinem Veremslotal „Schiptapaß" durch einen ^ieT = fol^e ei^ gemeinschaftliches Festessen. Am Sonntag Ausflug mit Familie auf den Windhos, an dem auch der befreundete Gesangverein Cäcilia in Lich teilnahm. Herr Seidewand, Vorsitzender der Heiterkeit" begrüßte die Licher Sänger herznch, yob die freundschaft: lichen Beziehungen zwischen beioen Vereinen hervor und frAa^fCrfCinc?0^ rQU^ ul-c ^^oilia aus. Tanii wurde gemein- schastlich „O ^chutzgelst" gesungen, iväyrend abwechselnd schone geschulte Lieder zum Vortrag gebracht und dann auch getanzt, wurde. Präsident Schmidt PM. der sprach ** General von Lindenau. Ter Kommandeur 'des Infanterie-Regiments „Kaiser Wilhelm" Oberst von Lindenau wurde von S. M. dem Kaiser zum Generalmajor und Kommandeur der 76. Jnfairteriebrigade befördert und wird uns am 1. Oktober verlassen. Oberst v. Lindenau, der seit 22. April 1905 als Kommandeur unseres Regiments hier wohnte, Hai es in der kurzen Zeit seines Hierseins verstanden, außer der Lieb^ und Verehrung seiner Offiziere und Soldaten sich die allgemeine Hochachtung und Wertschätzung der gefcimtcn Bürgerschaft zu erwerben. Tas kam namentlich zum Ausdruck bei den verschiedenen Festen, die unsere Stadt in letzter Zeit feiern konnte. Sie wurden von Herrn v. Lindenau und seinem Regiment nicht nur mitgefeiert, sondern auch mit vorbereitet und durchgeführr. Noch im frischen Gedächtnis ist der große Wohltätigteitsbasar für die AfrikaSieaer und aus jüngster Zeit das Konzert für Herbstein, deren .Erfolg wesentlich der Unterstützung unseres Negimeiits zu verdanken war. Und unvergessen werden die Gießener Käisertage bleiben, die wir während des Hierseins des Obersten von Lindenau feiern konnten. Hauptsächlich dem liebenswürdigen Entgegenkommen des Regimentskommandeurs war es zuzuschreiben, daß die Ehrentage des Regiments auch zu Ehrentagen der Stadt wurden und die gesamte Einwohnerschaft sie mit feiern konnte. Es liegt in der Natur des militärischen Lebens, daß der Offizier m keiner Stadt eine dauernde Stätte findet, aber trotzdem ift es unferm seitherigen Obersten gelungen, sich tzin dauerndes Gedenken bei unserer Bürgerschaft zu verschaffen. — Tie Brigade des Generalmajors v. Lindenau be- steht aus dem 3 Thür. Juf.-Rcgt. Nr. 71 (Erfurt und und dem 6. Thür. Inf.-Regt. Nr. 95 (Gotha Hildburghausen und Koburg). Ter Sitz des Stabes und somit der künftige Wohnort des Herrn v. Lindenau ist ^Erfurt.' ' falsche Ladung. Oer S chneide r H. V. von N i e d e r-O hm eu batte im vergangenen ^ruchahr gegen mehrere Bewohner feines Heimat- auck angestrengt, mit denen sich auep die Strafkammer als Berufungsinstanz zu befassen hatte. Zu einem dieser Termine hätte V. gerne einen Zeugen geladen ®tierrnaI,M,nfC T 6Ct8'Ä ba dieser es auf Anraten seines Vaters ablehnt, ohne gerichtliche Ladung zum Termin zu er- oerichtliche Ladung erging aber nicht, weil ein ^U5>iecDrOrlC9rl!r^ "lcht entrichtet war, überdies das Zeugnis nicht °rf°rd-rüch. erschren. V. bot aber alles aus, um den Zeugen er'?» ivrany? t,rm£!en/ ®nt Abend vor dem Termin erschien ffieriAt übergab ihm eine Ladung, die ihn: vom Aushändigung an ihn, zugesandt lvorden sei, mit 61 sir19^ am ?.n^crn üor der Strafkammer zu erscheinen welchem Auftrag, die,er auch nachkam. Später stellte sich heraus, M H .. V- mit )einem Bruder Wilhelm V. eine an den erftereii P efe^hlreLt9erQÜ)tCte Sab^n9 ÜJ ber Weise abgeäudert hatte, daß L sfofb€n ^'ugen paßte. Aus erfolgte Anzeige erging gegen sCöeu ^al!d^ng cniei öffentlichen Urkunde. Während uck en h u“M“4«ng lm wesentlichen geständig waren, W N ^er^nb^9 als schuldlos hinzustellen. Ladung aus Ulk abgeäudert haben, jedoch hätte in hpr wa"ien '8eugen nicht beigefügt. Sein Bruder H. will mbpn ^ung sei echt, diese dem Zeugen überbracht has a Tl)rerk Verteidigung nicht weit fernen, zeigte öa« Urteil. H W. wurde zu 4 Wochen ^efängn^^ Per. ährend, sein Bruder mit 2 W o ch en durchkam. GrigittaL-Drahtmetdungen. Wien, 11. Sept. In Pillichsdorf luütete eine furchtbare Feuersbrunst, bei der zwei Kinder im Alter von 5 nnd 6 Jahren beit Tod in den Flammen fanden. — Der italienische Artillerie-Leutnant Amadro Guillot aus Verona wurde wegen des dringenden Verdachtes der Spionage in Folgaria verhaftet. Sofia, 11. Sept. Der O b e rb e fe h l sh a b er a ller bulgarischen Banden in Mazedonien, der ehemalige bulgarische Offizier Todoroff, ist bei Kirtschewo im Kamps mit türkischen Truppen gefallen. Paris, 11. Sept. General Drude berichtet aus Casablanea, daß der Stamm der Aidin einen Vertreter zum deutschen Konsul in Casablanca entsandt hat, mit der Bitte, zu Gunsten der Einstellung der Feind- feligkeiten zu intervenieren. Clemenceau, über diese Nachricht befragt, erklärte einem Berichterstatter, dieser Schritt sei resultatlos verlausen, da sich alles in Casablanca auf die korrekteste Weise vollziehe. Madrid, 11. Sept. Ministerpräsident Maura und der Minister des Aeußeren hatten gestern eine längere Konferenz mit dem französischen Botschafter. Die Presse gibt jetzt zu, daß im Ministerium Meinungsverschiedenheiten bestehen. Gerüchtweise verlautet, daß Frankreich angesichts der von Spanien geltend gemachten Vor^ behalte darauf verzichtet, die marokkanischen Hafenstädte zu besetzen. Vancouver, 11. Sept. Die St r a ß e n d e s a s i a- tischen Viertels werden dauernd von bewaffneten Japanern durchzogen, von denen sich gegen 5000 zusammen gerottet haben. Der Bürgermeister hat den Ge- nieinderat einberufen, um über das Verbot von Versammlungen der antiasiatischen Liga zu beraten. Ottawa, 11. Sept. Der Premierminister Saurier wiederholt Unterredungen mit dem japanischen Konsul. Er versicherte diesem, daß er hoffe mit der japanischen Regierung eine V e r st ä n d i g u n g ü b e r d i e E i n w a n d e - rungsfrage zu erzielen. Mutter, Tochter und Äetie! , r .Die Unterschrift des nachstehenden Brieses ist amtlich bc- lttanbiat: Großsalza, 29. Mm 190/. Die Polizeiverwaltung, Robert Polizeifetrelär. Großsalza, den 8. Atai 07. Bon den guten Eigen' chasieil oes Bivson vm ich überzeugt. In meiner Familie wurden bis letzt 1 Pakete nut Katao verbraucht. Weine Frau nahm es taguch zwei Acal als Stärkungsmittel bei schwächlichen fernen. Jj g? kurzer Zen war Beßerung int Appetit und im Altgemembe- nnben empetreten. Mein l;ähnges Töchterchen hat gleichzeitig Bioson bekomuien zur Rekonvaleszenz nach überstandenem Lust' röhien-statarrh. Sie nahm es sehr gerne, die vorhandene Schwäche' FN bald vernhwuiiden und das Alkgemembesinden rtach nicht tanger ^/t das frühere. Des Geichmackes tuegen haben mir die Mischung !> '! Kakao vor gezogen. Ein Ijähriger Nesse von mir hat ebenfalls ^wso>i bekommen als dcahrniigsnutlel. Es hatte großen Erfolg. werde Blown uniner im Auge behalten und ost anwendeu $rn ultgSUÜ ls ^.Faßhauer,Poinetretar. Bioson ist in Apokhete l- mZKchu erdättUch, welches jur ca. u Tage C1/» : schwere Anschuldibmigen veröffentlicht, deren Haltlosigkeit sich bald herausstelttc. Tas Gericht verurteilte den Re. dakteur Vetters zu 10 0 Ak k., den Redakteur Klug zu 20 Up Geldstrafe. Dem Kläger Richard Geyer wurde die Befugn^ zugesprochen, den entscheidenden Teil des Urteils in der „Oberhessischen Zeitung", sowie in der „Oberhessisch^ Volkszeitung" und dem „Offenbacher Abendblatt" auf Kosten der Beklagten zu veröffentlichen. Der Schutz des § 193 des St.-G.-B. wurde den Beklagten nicht zugebilligt. Kleine Tagcschronik. * Unglaubliche Vorgänge im Kölner Ge. fängnisse brachte eine Gerichtsverhandlung zutage, in der zwölf Personen wegen Bestechung angeklagt waren. Tie Aufseher wetteiferten um die Gunst der bessergestellten Ge. sangenen. Sie vermittelten Geschenke der Angehörigen, die sie durchweg für sich behielten. Ein Zeuge, der Monate lang im Gefängnis verweilt hat, bekundete, er habe nachts in Uniform Dienst verrichtet, während die Aufseher in feiner Zelle schliefen. Die Aufseher duzten sich mit den Gefangenen und nahmen mit ihnen an Gelagen teil. Alle Angeklagten wurden sreigesprochen, weil erwiesen wurde, daß die Aufseher die Gefangenen verführt hatten. Nach einer Depesche aus 5an Antonio (Texas) ereignete sich in der Las Ejperancas Mine eineIchwere Explosion schlagender Wetter, durch die 27 Bergleute getötet und 130 verwundet wurden. Jusolge der Explosion entstand eine Feuersbrunst, durch die 200 Arbeiter in der Grube €in, geschlossen wurden. Die Nettungsarbeiten wurden sofort in Angriff genommen. Man fürchtet aber, daß es nicht möglich sein wird die unter Tage Ein geschlossen en lebend zu bergen». Ein großer Posten eine£ kurz vor der Ausgabe stchendet, BuwO, das den Titel „Tagebuch einer Dame" führt, ist in Leipzig b e s ch l a g n a hm t worden. Die Kviifiskatiou ge, schal) auf Antrag der Staatsanwaltschaft in München. Tas „Tagebuch der Dame" schildert angeblich Verhältnisse am bayrischen und sächsischen Königshofe. Die Ehe Leopold Wölflings, des früheren Erzherzogs mit der früheren Schauspielerin Adamovie ist jetzt endgültig ge. schaden. Das erstinstanzliche Scheidungsurteil des Genfer Gerichtes ist rechtskräftig geworden, da Frau Wölfling nicht Be- rusung eingelegt hat. In dem liebenbürgischen Städtchen Bros ist der Ober- kasfierer der Stadt, Moritz Schuller, durchgegangen Es verlautet, daß ein Manko Won über Vs Millionen Kronen vorhanden ist Der Deftaudant soll nach Rumänien go flücytet sein. Der Graf Potocki erlitt in der Nahe von Tro uville (Frft) einen Automobilunfall. Der Graf kam mit leichten Verletzungen davon; schwer verletzt wurde dagegen ein mit- fahrender Herr v. Kowalski. 1 1 1 1 1 1 1 1 1, 1' 2i tt A le n । I zu staunend billigen Preisen mit bedeiitenclem Ki Telephon 3S9 veranschlagt zu Mk. den 11. 1. den zu 1542,20 407.50 2. Die Verdingungsunterlagen liegen aus Großh. Bürger- 683.05 8. 274.40 4. 800.00 Ln/g der Bcuderwiesen- 685.35 12. 13. Stücksteine zu den Kreisstraßen- 16. 106350 kaufen Sie zu billigsten Preisen bei August Benner LindenpL 5 Telephon No. 639. *1 19. 20. Abt. I Abt. II 912.00 234.00 228.00 228.00 750.00 1350.00 1300.00 552.83 114.20 400.00 250.00 1873.00 1826.01 1020.00 1240.00 360.00 905.38 583.05 170.00 458.87 237.90 141.50 653.00 683.00 10. 11. 9. 10. Brechen dec absahrten Lieferung des Verlegen der 59.80 82,80 em= etwa Basaltgruses Zementrohre und Räumung dec 14. Die Verschleisung des alten Weges „Auf dem Ried" 15. Lieferung der benötigten Zementrohre Chausseegräben Chaussierung det Kreisstraßenabfahrten Abt. A Chaussierung der Kreisstraßenabfahrten Abt. B Die Herstellung des Hauptableitungsgrabens in den Wiesen am Köstgraben Die Verschleisung des Köstgrabeus und Anlage eines Bewässerungsgräbchens daselbst Die Herstellung der Bewässerungsmulde am Weg Nr. 33 2C. Die Verschleisung des Rains am Viehtrieb und Herstellung des Weges mit Mulde daselbst Angebots vergeben werden. 1. Die Melioration dec Seewiesen Die Anlage des Grabens Nr. 1 Die Anlage des Kulturgrenzweges mit Bewäss- erungsmulde nördlich den Weimarswiesen re. Die Verlängerung von zwei Drainageauslässe am Köstgraben (Erdarbeiten) Die Verschleisung des Holzweges 5. Die Herstellung des Viehtriebweges von Weg Nr. 23 bis zur kleinen Bach 6. Die Planierung der Wiesenwege re. 7. Die vollständige Verschleisung weghohle 8. Planierung der Gewannwege 9. Planierung der Gewannwege WAWWMEWKAWWHKMMßMKM Einrichtungen oder einzelne Möbel, welche für später lieferbar gekauft werden, können bis dahin an meinem Lager verbleiben. Frankolieferung durch eigenes Fuhrwerk, Verdingung von Erdarbeiten. Für die Feldbereinigung Inheiden sollen am Montag den 16. September, vormittags 9V2 Uhr, nachstehend aufgeführte Arbeiten, getrennt in einzelnen Losen, auf dein Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. veranschlagt zu Mk. Unterricht tut Zuschneidcu von Damen-.u. Kindergarderoben nebst Vorarbeiten u. Garnieren erteilt nach leicht fatzttcher Methode jLIIIM‘ Weilihanh, ausgebildete Lehrerin Babrchofstraire 43 II. Eingang Westanlage. riägp Beginn meines Kursus täglich. Gleichzeitig halte ich mich den werten Damen im Aufcrtigett vonMlerdern und .Kostümen aller Art bcttes cmvwblcn. linäü. sahrten Anfahren der Stücksteine Lieferung des Uebergründilngsmaterials zu Abfahrten Anfahren des Uebergründungsmaterials Gießen, den 9. September 1907. Großh. Kulturinfpettion Gießen. BergelMg non WMionsMiten. Die zur Herstellung einer Wasserzu- und Ableitung der Oberförster- und Forstwartwohnung zu Treis d. Lda. erforderlicheii Arbeiten nebst Matecialliefecungen Weg- und Grabenherstellung an der altenStraße Die Verschleisung des Bruderwiesenweges Die Verschleisung der alten Straße pp. „Am steinernen Kreuz" Die Planierung der Gewannwege Abt. I. Die Planierung der Gewannwege Abt. II. Lieferung der benötigten Zementrohre Brechen der Stücksteine zu den Krcisstraßenab- Komplette Herren-, Speise-, Wohn- und Schlafzimmer, Salons, moderne Küchen-FJnrichticngen, Büffet«, Verflkowa, Salonschränke, Trumeaux, Spiegel, Bücher-, Spiegel- und Klelderschräuke, Schreibtische, Näh-, Sota- und Auszugtische, Waschkommoden, Nachtschränke, Rohrstühle, Salonstiihle, Triumphklappstühle, selbstgefe^tigtc kompl. Betten, Sofas, IHvans, Chaiselongues. Garnituren in Plüsch, Tuch und Gobelin. 250 Vorlagen und 100 Teppiche in % 10[4 und 12/4. 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Die Verzinsung beginnt - wie seither schon üblich - mit dem Tage der Einzahlung. erklärt wordenjnk “ V0™ Orossh' -u- Anlage von Mündelgeldern geeignet die AktleDnied«MtataHwn.S„"^ iS* .Darmstädter Bank- allgemein bekannt und eudt S Instltuts werden an der Borse und in den Coursblättem mit „Darmstädter Bank« bezeichnet Die Bank beschäftigt mehr als 1200 Beamte. Kassestunden: Vormittags von 8 bis 12 Uhr, nachm. von 2 bis 5 Uhr, Samstags nur bis 4 Uhr. Treffe Donnerstag früh wieder mit einer Sendung 06659 Blwrneeikohl auf dem Brand ein. Josef Habermalz, Blumenkohl-Gärtnerei, Erfurt. Neu einactrosfen Spiel im Freien, amüsant für Kinder u. Erwachsene, bei p740 J. H. Fuhr, Sonnenstr. 25. Billigen Mittagstisch für 45 Pfg., sowie Kost und Logis erhält man bei 106634 Gastwirt Abel, Asterweg 7. Wasserdichte 5651 Wagenbeckeu Dm von Mk. 1.50 an empfiehlt ludmg Laprus, Allkliiikg!) ßjörbc u. Stühle werden schnell u. billig geflochten. F. Glückte, Seltersw.81. omob oorm.Parthier. Freitag, den 13. 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