Nr. 186 Zweites Blatt 157.3 Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Sonntags. General-Anzeiger für Gberheßen 5U Graf zu Stolberg. Sr. Hochwohlgeboren Sobald der Reichstag zujammengetreten fein ivird, werde ich einer münblidjen Ansjprache gerne bereit jein. In ausgezeichneter Hochachtung bin ich Euer Hochwohlgeboren sehr ergebener Di- „Siebener FamttknblStler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Der „hesstfche Landwirt" erscheint monatlich einmal. Vorgehens enthält und in dem um die Hülfe Frankreichs zur B'strafung b:r Schuldignr gebeten wird. — Der Kreuzer „Forbin" ist aus Casablanca, das er gestern abend nach der Ausschiffung von Truppen verlassen hat, hier eingetroffen und bestätigt, daß 2000 Soldaten die vollständig geplünderte und in Brand gesetzte Stadt besetzt haben. Tie Marinetruppen hatten 2 Tote und 15 Verwundete. Ter spanische Kreuzer „Rio de la Plata" ist angekommen. Das Eintreffen des Panzerkreuzers „Jeanne d'Arc" ist gemeldet. — Ter Kreuzer „Forbin" bringt ferner die Nachricht mit, daß in Casablanca vollkommene Ruhe herrsche, daß alle Flüchtlinge von den. Dampfern wieder an Land gegangen und in ihre Wohnungen zurückgekehrt seien. Tie Stadt liege allerdings in Trümmern. Durch Funkentelegramme hat der britische Konsul in M a z a g a n um Entsendung eines britischen Dampfers ersucht. Ein solcher ist zurzeit dorthin unterwegs. — Ein Augenzeuge berichtet, daß bei den Straßen- kämpsen am letzten Sonntag drei spanische Matrosen von den Rebellen umzingelt wurden und sich heldenhaft verteidigten. Ein spanischer Unteroffizier, den plötzlich die Wut Packte, warf sein Gewehr fort und sprang einem seiner An- greifer an die Kehle und erwürgte ihn. — Das kommende Winterhalbjahr der Ludo- v i c i a n a bringt eine Fülle von Vorlesungen ans den verschiedensten Wissensgebieten, die auch für weitere Kreise, für frühere Akademiker und Nichtakademiker, Interesse besitzen. Wir heben nur folnenbe Kollegien hervor: Werden und Wachsen des Ultramonlan s "us im 19. Jahrhundert, 6)eh. Kirchenrat Prof. Dr. Krüger; — Ech il* Hygiene (für Nichtmediziner), Prof. Dr. Kassel; Familiensori^,ung unb Vererbungslehre (für Angehörigen aller Fakultäten) Prof. Dr. Sommer; Forenfische Psychiatrie für Mediziner und Juristen, mit Besprechung von Begutachtimgssällen und Vorstellung von Geisteskranken, Pros. Dr. Tanneinann; — lieber Wesen, Ursprung und Entwickelung der Sprache, Geh. Hoirat Proü Dr" Siebeck: TaS Gefühls- und Willensleben des Kindes, Prof. Dr. Groos; Geschichte der Philosophie von Kant bis auf unsere Tage, Prof. Dr. Kinkel; Schiller als Philosoph, Prof. Dr. Kinkel; Ucbev den Begriff und das Lebeii der nienschlichen Seele, Prof. Dr. K nkel: Chemisches Praktikum für Landivirte, Pros. Dr. Elbs; Weltverkehr und Welthandel, Prof. Dr. Sievers; Italienische Malerei, Prof. Dr. Sauer; Niederländische Malerei, mit Lichtbildern (bei genügender Teilnehmerzahl je eine Exkursion nach Kassel iinb Frankfurt am Schluß des Semesters), Tr. Rauch; Tas griechische Drama (für Studierende aller Fakultäten), Tr. Körte; lieber Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit, Geh. Hofrat Pros. Tr. Behaghel; Tie Wortbildung des Deutschen, Behaqhel; Geschichte des deiitschen Dramas un 19. Jahrhundert voll Hebbel bis Hauptmann, Prof. Dr. Collin; Geschichte der altgernianischen Religion, Prof. Tr. Helm; Entstehung und Entwickelung des modernen Romans, Dr. Küchler; Ausgewählte Kapitel aus Kultur imd Literaturgeschichte der Re- nniffnnce, Dr. Küchler; Robert Schumami unb ‘ ferne Werke, mit Erläuterungen am Klavier, Prof. Trauunann. — O diese S ch n a k e ii! Nun sind die heißen Sommertage doch noch gekommen uiid nut ihnen die übelsten Plagegeister, die dem Mitglied des Reichstages, Vize-Präsidenten Herrn Köhler-Langsdorf, zu Langsdorf i. Großh. Hessen. Berlin, 9. Aug. Der Abg. Bassermann traf zum Besuch beim Reichskanzler in Norderney ein und hatte mit d e m F ü r ft e n Bülow eine längere Besprechung. — Der zweite Delegierte des Deutschen Reiches bei der Algeclras-Konserenz, Graf Tattenbach, ist heute früh aus Lissabon im Hotel Kaiserhof hier eingetrosfen. Man wird diese Reise mit den plötzlichen Ereignissen vor Casablanca in Verbindung bringen dürfen. — Wie die „Nordd. Allg. Zig." meldet, hat ein Austausch von Ratiflkatlonsurkunden zu der neuen deutsch - französischen Urheberrechts - Ueberein- kunft vom 8. April 1907 am 31. Juli stattgefunden. Die Samstag 10. August 1907 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UntversitätS - Buch- und Steindruckeret. R. Lange, Gießen. Schnaken. Ein kmrpsiger Lebensphtlosoph im stattlichen Mannesalter von 4 Jahren vertündete mit ernsten Minen feine Sommerempirie in folgendem Satze: „So ein eoinmer ist dumm. Zuerst regnets alle Tage und bann kommen die Schnacken, wenn die Sowie scheint. Muttchen, mir jucken die Hosen und die Strümpfe auch." Und welche Erfahrungen sammelt, wer abends am Walde behaglich Platz nimmt bei Bier und Butterbrot. Nomina sund odiosa. „Ach, wie schön! Wie herrlich!" Wie windstill! Er muß lächeln. Sein Tischnachbar kratzt sich gerade auf der Glatze herum. Wie das komisch aussieht! lind dann — die Dame da! Nein, das schickt sich nicht! Die reibt sich das Bein. Bald möchte er laut ausplatzen. Mama errötet. „Schau weg, Bubi", j/igt sie zum Sohn. Papa schaut dahin, von wo Bubi wegschauen soll. Eine junge Dame stößt taktmäßig einen fremden Herrn mit dem Füßchen. Feine Familie! Papa spielt den Entrüsteten. Da muß er sich plötzlich auch kratzen; und zwar auch auf dem Kopf; und da darauf keine Haare sind — auch auf der Glatze. Die verdammten Schnaken! Maina fuchtelt mit dem Taschentuch um sich herum. Sie ist putlerrot. Jetzt fährt sie mit der Hand talabwärts. Sie greift nach der Wade und reibt und reibt. Papa schielt verlegen hinunter. Ganz iuie bei jener Dame, über die er sich schier totlachen wollte. »Was stößt du mich beim immer fo?" fragt jetzt plötzlich ärgerlich die Mutter den Sohn. Ter hat auch begonnen, zu „sicheln", ganz ivie das junge Mädchen da drüben. ,M'ch beißt etwas entsetzlich auf dem Fußrücken, Mama." Papa packt beide Glasdeckel und klopft wie em Besessener und rüst die Bedienung, lind als er eben das Geld aufzählen will, muß die Linke plötzlich die Rechte ablösen, denn eine große Schnake „arbeitet* darauf fieberhaft. Papa will nach ihr schlagen, vergißt aber, daß er Geld m der Hand hat. Tie Schnake ist tot; mausetot. In der Luft aber fliegen die Fünfziger, Groschen und Pfennige herum und fallen zu Boden, sich im Sande verkriechend. Alan lacht. Uederall. Hier, da und dort!! Papa ist luiuenb. Er sucht das Geld; Mama, Bubi mit. Natürlich auch der Kellner. Endlich hat man's zusammen —- dis auf einen Fünfziger. Papa geht nut seiner Familie. Er schimpft auf die Gäste, die Schnaken und das schöne Wetter. Das schlechte Wetter ivar doch angenehmer. O liebe Schnalenkommission, wohin bist du entjchivunden! — Tie Vorstellungen des Gr. Hoftheaters zu Darmstadt werden, wie uns geschrieben wird, am 8. September mit der Oper Templer und Jüdin beginnen. Tas Schauspiel soll mit Wüdcnbruchs a b e n ft e i u e r t n" eröffnet werden. — Ludwig Fulda hat die deutsche Bearbeitung eines nachgelassenen Werkes von Ibsen übernommen, der das Bruchstück einer epischen Dichtung in gereimten Versen ist. Fuldas Verdeutschung soll im Herbst erscheinen. — Der französische Gesandte in Tanger, Reg- nault, wird nach seiner Rückkehr aus Karlsbad die Aw- Ichauungen Clomenceaus über die in Marokko zu ergreifenden nachitcn Maßnahmen dem Minister Pichon mitteilen, mit dessen Instruktionen versehen auf seinen Poften nach Tanger zurückkehren und das diplomatische Korps einberusen. Ein Teil. Uer Pariser Presse fährt indessen fort, die Regierung zu einer Aktion in größtem Umfange zu drängen. Tie'französische Zollbehörde müßte um jeden Preis in ik/oen Funktionen belassen, d. h. durch Militärgewalt unterstützt werden. Tie Trikolore dürfe von Casablanca nicht herabgeholt tverden. Minister Pichon denkt, wie man bestimmt versichert, in diesen Punkten viel ruhiger und findet bei Fallieres kräftige Unterstützung. Ter.Antimiditarist Professor Serbe veröffentlicht m semem Mattle „Sa guerre sociale" einen heftigen: Artikel gegen bi e Expedition nach Marokko svk- wie gegen die Beschießung von Casablanca und bedauert unter anderem, daß die Antimilitaristen nicht in der Lage seien, die Ausschiffung von Soldaten durch einen Streik unmöglich zu machen. Er drückt weiter den Wunsch aus, daß die Franzosen vom Sultan von Marokko in derselben Weise cinblangen werden möchten, wie die Italiener boni Negus von Abessinien empfangen wurden ober daß sie zu Tausenden verenden möchten, luie in Madagaskar. Sanger, 9. Aug. Tas Eintreffen der vier französischen Kriegsschiffe, lvelche das Vombardement der Kreuzer „Galiloe" und „Forbin" unterstützen, erfolgte am 7. August 11 Uhr vorm Das rechtzeitige Eintreffen dieser Kriegsschiffe war ausschlaggebend für bie Zurückwerfung der angreifenden Aufrührer, denen die kleine Ableiluiig Fratizoseil nicht langer hätte Widerstand leisten tonnen. Admiral Pyilibert ließ durch Maueranschlag bekanntgeben, welche Absichten Frankreich verfolgt. Am Nachmittag des 8. August schlug General Trude in der Nahe der Stadt einen Angriff von 5—6000 Reitern ab. Casablanca ist zurzeit von 2000 Mann besetzt. — Ter spanische Kreuzer „Rio de la Plata" und der französ. Kreuzer „Forbin" sind heute in Tanger eingetroffen; sie wechselten mit dem Fort Salutschüsse. — Nach dem Bombardement des arabischen Stadtteils und der Umgebung Casablancas besetzte ein Bataillon Fremdenlegion, das von der Division Philibert gelandet wurde, den Strand. Tie Tore und Walle wurdeii von Pionieren gesprengt. und besetzt; wo sich Gruppen von Arabern bildeten, wurden sie durch Kanonenschüsse zerstreut. Der Dampfer „Nive" ist gestern angekommen und landete sofort 2200 Mann. Ter Panzerkreuzer „Admiral Aube" ist nach Mazagan entsandt worden. — Berichte ausCasablanca melden, daß die deutsche Post ausgeraubt und 4500 Pesatos gestohlen wurden. — Ter ftanzö fische Konsul M al per tu y in Casablanca erhielt sofort nach seiner Ankunft einen Brief von Muley Hamid, der eine i r r ’ ’ ' * ‘ ' zogen habe. Ein Angriff von 5000 bis 6000 Reitern wurde energisch zurückgewiesen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. 9lebattion:e^ii2. Tel.-AdruAnzeigerGießen. Aus einer Gießener LeihbiSLiothek vor IW Jahren. Ter Zufall hat mir ein Blättchen in die Hand gespielt, das die 9ieueingänge der Kriegerischen Leih- und Lesebibliothek in Gießen für das Jahr 1806 enthält und anscheinend als Zeitungs- bcilage zu dem damals hier allwöchentlich einmal mit 4 Seiten Text erscheinenden „Giesser Anzeigungs-Blättchen", der Ahne des Gießener Anzeigers, erschienen ist. Es gewährt einen interessanten CiuöUck in die damalige geistige Kost des deutschen Kleinstädters, die nach unseren Begriffen außerordentlich niedrig zu betonten ist,, zumal wenn man bedenkt, daß Gießen doch auch damals^ Universitätsstadt war und in seiner Um g eg end zahlreiche Adelsfamilien saßen, die ihre literarischen Bedürfnisse sicher ebenfalls zu einem großen Teil in der Hauptstadt Oberhcssens deckten. Tas 29 verschiedene Werke umfassende Verzeichnis, das im Januar 1807 gedruckt wurde, enthält vorwiegend Belletristik und Lustspiele, jedoch auch einige historische Werke ufto. Von heute noch bekannteren Autoren finben wir, soweit sie überhaupt angegeben sind, Kotzebue, Lafontaine und Archenholz. Auffallend ist das gänzliche Fehlen zeitgeschichtlicher Werke, wenn wir nicht die unter 2412 stehende Prozeßbeschreibung dahin rechnen wollen. Offenbar fürchtet der Besitzer der, Leihbibliothek durch Aufnahme zeu.geschichtlicher Bücher das dNißtrauen und Mißfallen der ja damals in den Rheinbundstaaten allmächtigen Franzosen zu erregen. Doch lassen wir das Verzeichnis selbst reden. Es verzeichnet im wesentlichen: Alphonsine, oder der Zögling unterirdischer Liebe von Fr. v. Genlis für Deutsche bearb. Augio- tina, die liebende Büserin, von A. W. Rose. v. Archenholz, I. W., (beschichte Gustavs Wasa, Königs von Schweden. Cyaereas and Kallirhon, ober die Folgen der Eifersucht, eine antike ^tovelle oon Schmieder. Ter, Emeritus, Seitenltück zum Landprediger, oon Lafontaine. Erwina, oder die Geheimnisse der unterirdischen Gruft, vom Verfasser Lorenzo. Eudocia, Gemahlin Theodosius )e<3 Zweyten, eine Geschichte des dien Jahrhunderts, zwei Bände, nit Kups. Fiametta, aus dem Italienischen des Boccaccio über» 'etzt, von Brentano. Grünberg, ein Roman vom Vers, der Gerichte eines Strumpfbandes. Der Hagestolz, oder die sieben chebschasten, von Schmiedtgen mit Kupf. Julius, oder das 6ctterhaus, von Müller, v. Kotzebue, A., kleine Romane, Er- .ühlungen, Anekdoten und Miszellen, 3. Bändchen. Carolus Mag- lus, ein Lustspiel in 3 Aufzügen. (Fortsetzung der deutschen c'leinfiäbter) von Kotzebue. Tie Hussiten vor Naumburg, von ^'otzebue. Blinde Liebe, ein Lustspiel in 3 Aufzügen, von A. v. -iotzebue. Tas Organ des Gehirns, ein Lustspiel in 3 Aufzügen. Lafontaine, Sittenspiegel für das weibliche Geschlecht, 2 Bände. Nar-Hanna, oder die Pilgrime aus Renten, eine heilige Kunde wn dem Buche der Menschheit. Die merkwürdige Maskerade, >ber der seltsame Tausch, vom Verf. der Angelika. Maria Rcont- Aie in WaroLüo. ♦r 9. Aug. Die Lage In Casablanca ist allen Telegrammen aus Tanger zufolge furchtbar. Nicht einmal die unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der tn ()er _e>tabt befindlichen Europäer ist behoben, da eS fraglich erscheint, ob die französischen Landungsttuppen, deren Zahl nut insgesamt 2000 entschieden überschätzt wird, einem vereinigten Ansturm der durch die Beschießung auss äußerste er- bitterten, durch Zuzug von >Ltammesleuten aus der Nachbarschaft verstärkten Stadtbewohner gewachsen wäre. Tie Munition der Kreuzer ist durch das 28stündige Vombardement nahezu er s ch öp f t. D»er größte Teil der Stadt gleicht einem rauchenden Trümmerhaufen. Tie Straßen sind von verwesenden Maurenleichen iiberfät. Tie Luft ist verpestet, die Zufuhr von Lebensmitteln hat so gut wie aufgehört. T,ie Bureaus der Staatsbank sind zertrümmert, ihre Kassen völl i g ausgeraubt. Am schrecklichsten ist das Judenviertel zugerichtet. — Tie Tribüne meldet aus Tanger: Ter Stamm der And scher steht jetzt nahe bei Tanger. Man hört den Lärm eines Feuergefechtes, unter den Europäern herrscht große , .Mael Ain in, der Groß-Sherif der Sahara ruckt mit 8000 Anhängern gegen Mogador vor. Ec will die Christe n au^rotten. Die Bevölkerung ist im Aufruhr gegen den Pascha. — Einer Meldung des Reuterschen Bureaus auA Mogador vom 30. Juli zufolge ist Cap Juby von den Stämmen Aituyusa mio Ailchemal überfallen und angegriffen worden. Mehrere Soldaten der Garnison wurden getötet, die übrigen gefangen genommen. Vorräte und Proviant wurden geplündert. Ter Gouverneur entkam in einem kleinen Boot nach dem Jnsel- fort Mulainen. Auch eine Karawane von Adrar nach Cap Juby ist übersullen und zur Rückkehr genötigt worden. — Ter Berichterstatter der „Daily Mail" in Casablanca, Namens Hands, sendet als Zeuge der ersten Beschießung der etabt eine ausführliche Darstellung der Ereignisse, woraus hervorgeht, chaß der marokkansicye Stadtkommandant Mulai Amin seiner Pflicht nach Kräften nachgekommen ist, daß aber die voreilige Landung einer ungenügenden Zahl franz. dNatrv^rn vom Kreuzer ,,Galil6" zum Schutze des französischen stvnjulats bie jueitertn blutigen Vorfälle verschuldete. — Ter „Times" berichtet aus Tanger, daß dort eingetroffene mavokkaniiche Beamte einen Brief des Gouverneursvon -etuan erhalten haben, wonach Mac Sean von SlaifuH m Freiheit gesetzt worden ist. Die Freilassung soll auf die Initiative des Stammes der Chmes zurückzuführen sein. Paris, 9. Aug. ($in Telegramm des französischen Ge- WflöträgerS in Tanger an den Minister des Aeußeren, Pichon, vefü)reibt im einzelnen die äußerst tapfere Haltung der am 6. August morgens mit dem Schutz des französischen Konsulates^ beauftragten Abteilung und fügt hinzu, daß viele Ausländer Zeugen der Tapferkeit und Geistesgegenwart der Mannschafteiü toaren und mit Worten der Bewunderung nicht zurückhielten. Ein Telegramm des Generals Trude an den Kriegs'minister! Picquart meldet: Am 7. August erfolgte die Befitzergrei- । un g von Casablanca, das feit 5 Uhr früh von einer! Marinealsteilung verteidigt wurde, von der zwei Ossiziere und 10 Mann verletzt und zwei Mann getötet wurden, als sie die l'Nehrzahl der diplomatischen Agenten beschützten. Die Verteidigung ehre alle Teilnehmer. Ein Telegramm des Admirals Phrlibert bezüglich des am 7. August von den französischen und spanischen Seeleuten zurückgetoiesenen kräftigen Angriffes auf bas Kvnsulatsviertel, besagt, daß rwch fünf Matrosen von dem Kreuzer „Tu Chayla" getötet wurden, und daß auci) die Spanier Tote und Verwundete hätten. Die gegen den Machsen aufrührersichen Stämme haben, wie es im Telegramm weiter heißt, bedeutende Verluste erlitten, die noch durch das Feuer der Kreuzer „Galilee" und „Forbin" erhöht wurden. Vier Kreuzer #unb Panzerschiffe kamen morgens elf Uhr noch zur Zeit an, um den Angriff, dem die Abteilungen nicht mehr lange hätten widerstehen können, zum Stillstand zu bringen. Cs wurden Truppen gelandet, nachdem 15 Minuten lang gefeuert worden war, um die Umgebung der Stadt zu säubern. Tie Landung ging schnell vor sich, trotzdem die See sehr hoch ging. Tie Stadr wurde« besetzt. Die Landung des Materials wurde bei dem Licht der Scheinwerfer die Nacht hindurch fortgesetzt. Admiral Philibert und General Drude ließen an Land eine Proklamation anschlagen, die die Absichten Frankreichs kund- giot. Ein ferneres Telegramm Philibecls am -8. August Nach- miu.'go meldet, ^daß^Trude in der Nähe dcr Stadt Lager be- Das Ltaiserpnür auf Schloß Wilhelmshvhe. Wilh e lms h öhe, 9. Aug. Ter Kaiser konferierte heute mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, von Tschirschky, und dem Gesandten v. Jenisch. pesier, Prinzessin von Orleans, ein romantisch Gemälde aus den Zeiten Ludwig XlVten, von Muller. Ter Prozeß Ludwig be*> XViten und dessen Gemahlin, von Posselt, 2 Teile. Röschens Verlegenheiten, von G. F. Fischer, mit 1 Kupfer. Tobias cktos- mariiistengel, ober Abenteuer, Ausflüge und Verwandlungen eines jovialen Windbeutels, ein komischer Roman mit 3 ausgemalten Karikaturen. Ruinen, die, in der Geisterburg, ober die warnende Stimme um Atitternacht. 3. Teil. Skelette, aufgestellt von K. Fr. Töhnel. Wanderungen und Abenteuer zwischen Dorf und Stadt, vom Verfasser der Heliodora. Wanderungen der Phantasie int Gebiete der Wahrheit. Also kein Werk unserer Klassiker, nichts von Goethe und Schiller, den bekanntlich ein Jahr vorher sein deutsches Vaterland so früh verloren hatte. Ihre Vorschläge in Betreff der Reichstagstagung werde ich dem c'V“v •'-'vuit.M i ©ciiiorencoiivente gerne uorlegen. Ich muß aber allerdings sagen, offizielle Billigung des französ. daß dieselben doch etwas zu schematisch zu fein scheinen. nält und IN dem nm hie kckilfe ^rnnfreidia Zunächst werden Sie sich wohl mit Ihren engeren Freunden über dieselben zu einigen haben. ttfyr traf der König von Siam mit seiner Begleitung auf dem Bahnhofe Wilhelmshöhe ein. Der Kaiser der den Ueberrock der Posener Jäger zu Pferde trug, war zum Empfang auf dem Bahnhofe erschienen. Mit dem Kaiser waren anwesend der Kommandant des Hauptquartiers, Generaladjutant v. Plessen, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, v. Tschirfchky, der Gesandte Freiherr v. Jenisch, die Adjutanten und die zum Ehrendienst kommandierten Herren. Leide Majestäten begaben ich im offenen Automobil nach Schloß Wilhelmshöhe; ein zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden und begrüßte die Majestäten herzlich. Bei seiner Ankunft im Schloß Wilhelmshöhe wurde der König von Siam vom Oberhofmarschall Grafen Eulen- bur'b empfangen. Hierauf wurde der König zu der Kaiserin geleitet, die ihn empfing. Tie Majestäten, Prinz Paribatra und Prinzessen Viktoria Luise nahmen darauf den Tee im Garten in der Nähe des Schlosses ein; dann unternahmen der Kaiser, der König und der Prinz mit sämtlichen Herren der Umgebung eine Spazierfahrt im Autoniobil durch die Anlagen. Mit dem König von Siam ist auch der siamesische Gesandte in Berlin hier eingetcoffen. Ter Kaiser verlieh dem Prinzen Paribatra die Uniform des Kaiserin Augusta-Grenadier-Regiments, bei dem der Prinz seinerzeit Dienst getan hat. Heute abend sand auf deut Schloß Wilhelmshöhe bei den Majestäten ein Tiner zu Ehren des Königs von Siam statt. Hierbei sap der König links neben der Kaiserin und gegenüber saß der Kaiser. — Ter Kaiser stellte Den Prinzen Paribatra ä la suite des Königin Augusta- Grenadier-Regiments. Der Kaiser verlieh dem General- adjutanien Cyolv Phya Surawongse das Großkreuz des Roten Adlerordens und dem Oberst 9lon NarendS den Roten Adlerorden 2. Klasse. Deurichss Reich. — Aus bie Eingabe des Abg. Köhler-Langsdorf an den ReichstagSpräsidenten Gras zu Stolberg-Wernigerode, bie (Einführung einer freien Woche nach voransgegangener vierzehntägiger Sitzungsperiode, sowie die etwaige Ausdehnung der ganzen Session von Oktober bis Juni betreffend, hat der Präsident des Reichstages folgende Antwort erteilt: D ö n h o f fr ä d t L Ostpreußen, 8. 7, 07. Sehr geehrter Herr Kollege! Are Ue-chutdigung gegen Klga Molitor. Während des Prozesses Han bereits tauchte der Verdacht auf, daß bie Tochter der Ermordeten, Frl. Olga Molitor, mehr von den Vorgängen wisst, als sie in ihren Aussagen zugab. Erregte jjiciffcheiimassen, die für Hau Partei nahmen und sogar Hoch- ruse auf ihn ^ausbrachten, richteten Beschimpfungen gegen die „rote Olga". findet denn die Aufsehen erregende Behauptung des Herrn v. Lindenau, Irl. Olga Molitor habe ihre Mutter, vielleicht „aus Fahrlässigkeit", getötet, einen gewissen Boden. Trotzdem wird bec Bezichtigung dos seltsamen Werbers vor der Hand wenig Wert beizumessen sein, ganz abgesehen von der sonstigen Zweifelhaftigkeit dieses fpäten Zeugen. Es mag fa sein, daß er aus innerer Ueberzeugung seine Beschuldigung aufftellt. Tas Ni eine alte Erfahrung während jedes sensationellen Prozesses, der keine vollständige Aufklärung herbeifüh-rt.- so und soviele Perwnen sangen an sich zu erinnern inxb uiibedeutende oder unsichere eigene Beobachtungen mit dem durch die Beweisaufnahme Erwiesenen zu vermengen. Herr Dl Lindenau will der Herr mit dem grauen Bart gewesen sein, der am Mcordtage.in Baden-Baden der iöTau. Molitor und deren .Tochter in einiger Entfernung folgte. In dem Prozeß hat der Verteidiger an Frl. Molitor die Frage gerichtet, ob zur Zeit der Tat noch andere Leute in der Nähe waaren. Tie Befragte antwortete: „Jawohl, ich sah zwei elegante Herren und noch andere." Also kann Herr voll Lindenau nicht der einzige Zeuge des Vorgangs gewesen sein aus innerer Ueberzeugung feine Beschuldigung aufstellt. Tas Lindenau nicht- der einzige Zeuge des Vorgangs gewesen sein. Unhaltbar scheint die Behauptung Lindenaus, Frl. Olga Molitor habe ihn an jenem Nachmittage zu meinem Stelldichein geladen- „in einem ungewöhnlich geistreichen Briefe". Jedenfalls war, wie aus dein Prozeß feshgestellt ist, Frl. Molitor gar nicht aus dem Wege zu dem Rendezvous. Tenn Frau Molitor, die durch Hau telephonisch veranlaßt wurde, zur Post zu gehen, holte ihre Vochter zu diesem Gang aus einer befreundeten Familie ab, zu der Frl. Olga geladen war : Von Bedeutung waren allerdings einige Erklärungen 'übep Frl. Molitor und Hau. In einer Unterredung erklärte der Verteidiger Hau's, Dr. Tietz: Haus Verhältnis zu Olga Molitor habe zweifellos schon seit Jahren bestanden. Ja, es sei erwiesen, daß seinerzeit in Ajaccio ein recht ernster Flirt zwischen Olga und Hau sich entsponnen habe. Somit stehe es außer Zweifel, ,daß die Angaben Olgas, sie habe mit Hau nichts zu tun gehabt, anfechtbar seien, wenn sie auch beschworen wurden. Tie Ehe Hau's mit Lina habe von vornherein unter dem quälenden Eindruck gestanden, daß Hau Olga liebe. Diese dauernden Eifersüchteleien hätten schließlich ui Paris zu einem völlig haltlosen Zustand geführt, als dessen Folgen das bewußte Telegramm Hau's aus Paris anzusehen sei. Das Motiv für den Selbstmord der Frau Hau sei nur in der Eifersucht zu suchen. Lina -Hau hätte eingesehen, daß sie als Kranke ihrem Manne doch nichts mehr fein könne, und daß ie die klügere Olga nicht ausstechen würde. Deshalb habe sie beschlossen zu sterben, aber auch Hau sollte fort. Sie hatte z w e i Fläschchen mit Opium bereit und bat Dr. Dietz, das eine dem Hau im Gefängnis zu übergeben. Hau liebe noch heute Olga Molitor leidenschaftlich und sehe alles daran, daß sie nicht in Verdacht komme. Er weiß, wie Dr. Dietz betonte, sehr wohl, daß der Verdacht besteht und schon lange bestanden hat, er gefällt sich aber als Märtyrer einer Liebe. Während der Verhandlung hat er ihm, seinem Verteidiger, mehrfach verboten, Fragen zu stellen, welche den Verdacht auf Olga Molitor lenken könnten. Damit waren Dr. Dietz die Hände gebunden. Dr. Dietz hatte am 9. d. Mts. wegen der Revisionsschrift eine Konferenz mit Hau. Hau erklärte, es tue ihm leid, daß eine Schwägerin neue Unannehmlichkeiten habe. Im klebrigen beharrt er auf dem von ihm beschrittenen Wege: er bleibt dabei, daß er unschuldig ist und übt große Rücksicht auf seine Schwägerin. Hau schweigt über alles, was Olga Molitor belasten könne. Rechtsanwalt Tr. Dietz sagte ferner, daß Olga Molitor, die 'ehr sexuell veranlagt sei, sich durch die längere Trennung von Hau in einem äußerst rabiaten Zustande befunden habe und sich der Tragweite ihrer Handlungen nicht bewußt gewesen 'ei. Tas Verhältnis der Olga Molitor zu ihrer Mutter sei nach Baden-Badener Zeugen, ein sehr schlechtes gewesen und zwischen Neberemkunft tritt nach Art. 7 einen Monat nach diesem Austausch in Kraft. Kiel, 9. Aug. Der bisherige Präsident des kaiserl. Kanalamts, Löw, ist, wie die „Kieler N. Nachr." melden, gestern gestorben. Osnabrück, 9. Aug. Entgegen der bisherigen Praxis l)cS sog. Bremserlasses genehmigte die Negierung zu Osnabrück die Anträge der Schulvorstände der Stadt Melle auf Erhöhung der Alterszulagen der dortigen Volksschullehrer. München, 9. Aug. Das Amtsblatt für die Erzdiözese München und Freysing veröffentlicht nun doch das Schreiben deS Papstes an Professor Dr. Commer in Wien in lateinischem Text und in authentischer Uebersetzung. — Zur Vermeidung der Wiederholung der großen Arbeiter-Unruhen im letzten Jahre haben im bayerischen Metallindustriellen-Verband längere Beratungen stattgefunden, idie zur Gründung einer Schlichtungs-Organisation des Verbandes geführt haben, welche die Aufgabe hat, durch gütliche Einigung mit den Arbeitern die Wiederholung von Streitigkeiten nach Möglichkeit zu verhindern. Zur Lage in Rußland. v- .Petersburg 9. Aug. In dem Torfe Belussow ber Moskau wurde eine terroristische Versamm- 1 u *1 9 ^gehoben, welche die Bomben-Fabrikation in großem Maßstabe betrieb. Wie die Polizei feststellte, plante diese Organrsatron einen großen Bankraub. Geleitet wurde dreie Vereinigung von einer politischen Gruppe, die sich am Raube nicht unmittelbar beteiligte, sondern nur einen gewissen Gewinnanteil einstreichen wollte. Ter Prozeß gegeii die Mitglieder der Bombenschule von Kuckala wurde gestern wiederum vertagt, nachdem fest- ba$ vwle Angeklagte mit falschen ^sen rns Ausland gerefft sind. Die russische Negierung stellte den Antrag aus Auslieferung der Schuldigen ^as Gericht rehnte aber die Berücksichtigung des Antrages ab bis zur Beendigung des Prozesses. 9*. An Bord des hier eingetroffenen zwischen^Bulgarien und Rußland verkehrenden Dampfers heute vier Anarchisten verhaftet die p e r s i s ch e Staatsangehörige sind. Zwei sind geborene Perser emer ein Armenier und einer ein Türke Es wurden on ihnen aufrührerische armenische Truck- t e n' ^ie beim Straßenkampf mit regulären rbeh-a^it1 folgende Vaktik, sowie genaue Pläne der Stadt Odessa mit der Kennzeichnung besonoerer Punkte der Stadt SM*," fcWMe" ““ «" °- Zungen Leuten erschossen. Äahr.cheinlich liegt etti Jt a cf) eatt vor. Rian nunmt an, daß die drei Leute Auftrag hatten, em T o d e s u r t e i l auszuführen, ' 9 * verwerten und den Gedanken der Gründung von Kernhäusern auf genossenschaftlicher Grundlage weiter auszubauen. Solche genossenschaftlichen Bestrebungen, die sich durchaus bewahrt haben, auch m schweren Seiten, müssen in jeder Weise und rüü- haltslos unterstützt werden. Solche Kornhäuser stellen die idealste und richtigste Form der Getreideverwertung dar. Ter Redner schildert eingehend die Verhältnisse bei dem Körnhause in Hofgeismar, wo b^ Landwirte mit der genossenschaftlichen Verwertung ihrer Produkte durchaus gute Erfolge erzielt hätten Sre erhalten für ihre Erzeugnisse bis zu dreivierteln des am Anfang feststehenden Tagespreises. Am Schlüsse des Jahres erhalten sie dann den Rest des Geldes und den Gewinn, der aus dem Verkauf des Getreides und dem Absatz von landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln sich ergeben hat. Tie Mitglieder dieser Kvrn- hausgenossenschaft sind bis jetzt sehr gut gefahren. Sie würden noch größeren Erfolg erzielt haben, wenn nicht verschiedene Miß- helligkeiten entstanden wären. Tiefes Beispiel zeige, daß die Landwirte sich mst aller Macht angelegen sein lassen müssen, die für fte so vorteilhafte Einrichtung der Körnhäuser zu bessern und weiter aus'zubauen. (Beifall.) Es wurde ein Anttag des Berichterstatters angenommen in dem auf die Nützlichkeit der Errichtung von Kvrnhäusern zu einem zweckdienlichen rentablen Getreideabsatz hingewiesen wurde. Ein spezieller Hinweis aus das iblühende Kvrnhaussystem wurde in der Resolution abgelehnt, da man sich nicht auf die Praxis bei einem einzelnen Kvrnhause festlegen wollte. Darauf berichtete Professor Dr. Bömer (Münster i. Ws der stellvertretende Vorsteher der Versuchsstation Münster über die wichtige Frage: Welche neueren Erfahrungen über Minderwertigkeit und Verfälschung von landwirtschaftlichen Bedarisartikeln liegen vor? Auf welchem Wege können fick' die landwirtschaftlichen Konsumenten am wirksamsten hiervor schützen? Ter Berichterstatter legte dem Gcnofsenschaststage folgenden Antrag vor: "Ter 23. deutsche landwirtschaftliche Genossenschaftstag erklärt: 1... In dem Selbstschutz der deutschen Landwirtschaft ist das wirffamste Mittel gelegen, um sich gegen Uebervorteilung im Handel mit landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln zu schützen- 2 zur wirksamen Ausübung dieses landwirtschaftlichen Selbst ichutzes ist der Zusammenschluß zu landwirtschaftlichen Bezugs- genojienseyaften geeignet und empfehlenswert; 3. es ist eine selbstverständliche Pflicht der landwirischaftlichen Berufsgenofsen- schasten, daß fte alle von ihnen bezogenen landwirtschaftlichen Bedarssartilel auf Gehalt und Qualität durch die landwirtschaftlichen Versuchs- und Kvntrollstationen untersuchen lassen; 4. es ttt bnngeub nötig, daß für den Handel und die Kontrolle der landwirtichaftlichen Bedarfsartikel baldmöglichst einheitliche Bestimmungen für ganz Deutschland erlassen werden; ö. in der stras- gesetzlichen Regelung des Handels mit Düngemitteln, Futtep- nnttelii und Sämereien ist ein geeignetes Mittel gelegen, um die Lelbsthilse der deutschen Landwirtschaft in ihrer Wirksamkeit zu unterstützen." — In der Debatte wandte sich Landesükonomie- rat Johannifen (Hannover) gegen den letzten Punkt dieser Resolution, in der eine strasgesetzliche Regelung des Handels mit Düngemitteln, Futtermitteln und Sämereien gefordert wird. Er glaubte nicht, daß eine solche strafgesetzliche Regelung zu erwarten sei. Daher Jei es besser, wenn die Landwirte beim Ein- ^^-bü ^Laren recht vorsichtig prüfen. — Tie Versammlung ich lost sich der Anjicht des Landesökoiwmierats^ Johannfsen an. Daraufhin wurde die Resolution unter Stteichung des letzten Absatzes angenommen. Als Ort für die Tagung int nächsten Jahre wurde Mains gewählt. Für das Jahr 1909 wurde Stettin in Aussicht genommen. Dann wurden die Verhandluitgen auf Freitag früh vertagt. AusScnrH. 910 111, 9. Aug. Der Abgeordnete Giacomo Ferri warf während einer bürgerrechtlichen Tagung des Landgerichts Modena dem 9^ichter Vignochi vor, die Urteile der ihm zum Bericht übergebenen Rechtssachen mit den Anwälten der Parteien zu vereinbaren. Ferri stellte sich dem Gericht zur Verfügung. Tie Tagung wurde sogleich abgebrochen. Haag, 9. Aug. Laut amtlicher Meldung wurde bei Tomori an der Ostküste von Celebes eine Patrouille überfallen. Zwei Offiziere und 31 Mann, darunter 9 Europäer und 22 Eingeborene, sind gefallen. Amsterdam, 9. Aug. Eine Depesche der Zeitung „Telegraaf" meldet auS Batavia, daß am 19. Juli in bec Landschaft Mori auf der Insel Celebes eine Jn- fanterieabteilung niedergemetzelt wurde. Den neuesten Nachrichten zufolge seien wiederum 45 Soldaten und Sträflinge nebst zwei Leutnants getötet worden. Toulon, 9. Aug. Die Untersuchung über die Erplosion an Bord des Kriegsschiffes „Counne" ist beendet. Die Explosion wird auf einen Unfall beim Verschließen des Geschützrohres zurückgeführt. Paris, 9. Aug. Der französische Kammerpräsident Do nm er schifft sich am 16. er. von Bordeaux nach Brasilien ein. Er wird in Rio de Janairo Vorträge halten. 51o n sta n t ino p el, 9. Aug. Der hierher berufene Fürst von Samos, Konstantin Theodori, gab im Vildiz dem Großvezier, mit dem er eine dreistündige Unterredung hatte, genügende Aufklärungen über die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen und Intrigen; er soll nächste Woche nach Samos z u rückte hren. — Ein Erlaß des Justizministeriums ordnet die Einführung des Friedensrichteramts für alle Bezirks- unterabtci(ungen des ganzen Reiches, nicht nur, wie ur- verlautete, für Mazedonien an. Eine neue russische Anleihe in Deutschland. London, 9. Aug. Eine Petersburger Meldung der Londoner Tribüne behauptet, daß bei der Entrevue in Swinemünde auch der Neubaude rrussischenFlotte berührt worden sei. Es sei vorgeschlagen worden, fügt der Korrespondent der Tribüne hinzu, daß Rußland mit Deutschland über eine Anleihe von 25 0 Mill. Mark in Unterhandlungen trete unter der Bedingung, daß das Geld ausschließlich zum Bau von Kriegsschiffen verwendet werde, für welche die Bestellungen nur in Deutschland untergebracht werden könnten. ' Diese ganze Meldung ist glücklicherweise n i ch t s a l s e i n b a l l o n d'e s s a i. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, und auch nicht gerade wünschenswert, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine neue russische Anleihe in Deutschland zustande rommen möchte. Der türkisch-perfische GrenzkonMt. Konstantinopel, 9. Ang. (Wiener Korresp.-Bur.) Meldungen über den Zwischenfall an der türkisch- persischen Grenze widersprechen einander. Nach der türkischen Version griffen 1500 Soldaten der regulären persischen Armee mit 1000 persischen Revolutionären und 15 000 revolutionären Armeniern aus Kaukasua, die sich auf dem Marsche nach Bitlis und Musch befanden, das türkische Lager in der umstrittenen Ortschaft Margevar an, die türkische Truppen während des türkisch-persischen Grenzkonflikts besetzten. Die türkischen Truppen erwiderten die Angriffe und trieben die Perser in die Flucht. Nach der persischen Version wurden die persischen Truppen, bestehend aus 1500 Mann Infanterie und Kavallerie, die auf Verlangen der Vereinigten Staaten entsendet waren, um die Mörder des im Vorjahre ermordeten amerikanischen Missionars Lobry zu bestrafen und die kurdisch-persischen Briganten zu züchtigen, beim Dorfe Tule (Provinz Urmisch) plötzlich von einer aus vier Eskadronen Weiter gedenkt der Generalanwalt des internationalen Bundes , der ländlichen Genossenschaften, der unlängst gebildet worden . fei. Darauf betrachtet der Generalanwalt die Inneren Angc- tegenheiten des Reichsverbandes. Er begrüßt die zahlreichen .ceugründungen von ländlichen Genossenschaften, wodurch die £ Lesttungsfähigkeit des Reichsoerbandes erhöht werde. Auf einen engeren Zusanunenschlnß der Geiwssenschaften soll -jt r wacker hin gewirkt werden. Er gedenkt der Genossenschafts- Ichulen, die die Aufgabe haben, den Genossenschaften und Verbanden brauchbare Leute heranzuziehen, und pie dieser Aufgabe immer mehr gerecht werden. Er wies ferner darauf Yin, daß die Beamtenwohlfatzrtskaise auch im vergangenen Jahre wieder Gutes gewirkt habe. Er geht dann dazu über, über die Ent- wickelung des Genossenschaftswesens statistische Daten zu geben. Qnn-V9al}1 r. ländlichen Genossenschaften ist von 20128 auf 20 973 gestiegen., Ter Umsatz der Zenttatkasse ist erheblich gewachsen. Er ist auf 4113 000 Mk. gegen 3 587 000 Mk im <>abre 1805 angewachien. Auch die Zahl der Spar- und Dar- lehnstanen hat sich erheblich vermehrt. Der Gesamtumsatz ist gewaltig gestiegen. Es konnten erhebliche Summen in die Re- wrven gelegt werden. Bei der Zentral-Ein- und Verkaufskasse ’i'X Jur, 11 Millionen Mark landwirtschaftliche Erzeugnisse be- steltt worden, sodaß der ge,amte Warenumsatz von 153 Millionen im ^ahre 190a auf 171 Millionen im Jahre 1906 gestiegen ist. dln- des ReichAverbandes bezeichnet der Generalan- die Hebung des Scheckv erkehr s. Ferner sei eineZest- traliiation der Warenbezüge in Aussicht zu newneir gegenüber der zunehmenden Kartell- und Shndikatsbilduug. Auch muffe daran gearbeitet werden, die Bestrebungen der Milchprodu- oenten auf Erhöhung des Milchpreijes mit den Zielen der Mol- kereigenoifenschaften m Einklang zu bringen. Sodann wurde an den K a i f e r ein H u l d i g u n g s t e l c- gramm abgelandt. (Lebh. Beifall.) ü (V* ^e!erent rum Vortrage über genossenschaftliche fVe Vv * 1 * * * * * * * de v e r w e r t u n g ist Oekonomierat A x r o t h (Kassel), das Thema in längerem Vortrage und berichtete nina b hpa & kwbnijfe der genossenschaftlichen Verwer- lung des Gerreides in den Bezirken, in denen heute noch nüCK beinahe 10 jährigem Bestehen mit gutem Er- bcn Landwirten noch keinerlei Verluste gebracht solche Korn hau,er bestehen in Pommern, Ostpreußen usw. . Ge.reideverwertung habe sich das geiwssenschaft- !ä^^EriP außerordentlich gut bewährt. Allen gegnerischen KoNid^ü^b^,^?n .müsse gesagt werden, daß gut geleitete Wenn l!ür nnft FH^^s.ahig und existenzberechtigt seien. b ¥ ^wrnhau,er Nicht den erwünschten Erfolg liege die Schuld an der Neuheit bet bet der noch wenig Erfahrungen zu verzeichnen seien Leitung. Auch bie Luuhcit'd-r S nirfr & r.biet ^^ben angerichtet und die Folge gehübt, daß iQnimpS? er' f^ensrem) hätten wirken können, zu- jAE^brachen. Ev sei unumstrittene Wahrheit, daß gutge- k luirb ein s5an“yutcn 0®6c VoNcilc bringen. Dn?ch vreisnivetti^-^ .^'eichlurj vermieden, denn sie üben eine u m nf,UHß. °us. Ausgabe der Landivirischast sei es, die mu tun Kbruhnusern gemMterr KrsaHrimgen weiter zu >23'. Deutfthsr LaudwirtschaftLicher Genoftenschaftstag. (Unöcreiptigter . verboten.) II. S. u. H. Münster i. W., 8. Aug. Unter Beteiligung von etwa 400 Delegierten.trat heute vormittag im Plenarsitzungssaale des hiesigen Rathauses der 23. deutsche landwirtschaftliche Genosseuschaftstag zusammen. Ter Vorsitzende Generalanwalt Haas (Darmstadt) erstattete den Jahresbericht. Die Entwickelung des genossenschaftlichen Lebens sei auch im vergangenen Jahre gut gewesen. Neue Genossenschaften seien aller ^Orten entstanden, und die alten hätten sich gefestigt, j Ein Fortschritt aus der ganzen Linie sei unverkennbar. Der geiwsstiischbrstliche Gedanke habe eine überraschende Ausbreitung gefunden. Aber auch der innere Ausbau der Genossenschaften geht unausgeietzt von statten. Mit Eifer werde daran gearbeitet, die Organisation der Genossenschaften zufftärken und zu verbessern. Eine systematische Nachprüfung der allgemeinen or- | ganisatorischen Grundlagen des ländlichen Genossenschaftswesens sei im Gange. Erklärlicherweise gehe diese Zlrbeit nicht sehr ra,ch von statten, da mit der größten Genauigkeit und Vorsicht vorgegangen werden müsse, wenn dauernde Grundlagen für die Weiterentwickelung geschaffen werden sollen. Im Zusammenhänge damit steht die Entschuldungsfrage, die von großer Be- ObUtuiig ist. Auch die bedeutsame Frage der Versorgung des Volkes und des Heercs bedarf einer sorgfältigen Nachprüfung. Desgleichen wird auch die Entwickelung des genossenschaftlichen We,ens in den Kolonien einer eingehenden Beobachtung unter» Sogen werden müssen. In dieser Beziehung ist ein bedeutsamer tzchritt vorwärts getan worden, mb-ent ber Reichsverbanb einen Sachverständigen nach Deuts ch-Südwestafrika entsandte. Das große Problem der Milchversorgung der Großstädte und der Jn- bastriezeiitren wird schon feit langem erwogen und nimmt auch auf dem diesjährigen Genosfenschaftstage einen breiten Raum ein. Tie Frage soll nicht in einseitiger Weise beraten werden, sondern unter dem Gesichtspunkte, daß die'Interessen der Großstädte mit denen der Landwirtschaft m diesem Punkte gemeinsam ffien. Tic akute Frage der Viehverwertung ist einen guten sSchritt vorwärts gebracht worden durch die Errichtung von ländlichen Schlachthäusern auf geiwssenschaftlicher Grundlage. In dieser Beziehung ijt vom Reichsverbande durch Studienreisen usw. viel getan worden. Hamidia-Kavallcrie, 4000 irregulären Kurden und zwei Batterien bestehenden türkischen Truppenmacht unter dem Kommando eines Divisionsgenerals angegriffen; letzterer stellte ein Ut tim atum, in dein er die Perser aufforderte, innerhalb dreier Stunden ihr Lager abzubrechen, widrigenfalls er es beschießen werde. Der Kommandant der Perser verlangte eine kurze Frist, um Instruktionen einholen zu können, aber nach Ablauf der dreistündigen Frist begannen die türkischen Truppen das Bombardementt Die Perser ergriffen die Flucht, wobei sie mehrere Tote zurückließen. Die irregulären Kurden plünderten hierauf Tule und töteten etwa 60 Frauen und Kinder. Der Schaden, den die Perser im Lager erlitten, soll sich auf 20,000 türkische Pfund belaufen. Die Perfer behaupten, der ganze Kampf spielte sich auf persischem Gebiete ab, die Türken behaupten das G e g e n t e i l. Der persische Botschafter unternahm wiederholt Schritte im Yildiz und erhob energische Vorstellungen bei der Pforte, von der er Genugtuung verlangte. Gerüchtweise verlautet, daß der russische Botschafter heute die persischen Schritte unterstützte. Teheran, 9. Aug. (Reuter.) Die türkischen ^rnppen sind nicht weiter auf persisches Gebiet vorgerückt. Die Kurden halten die Umgebung von Urmia besetzt, so daß die Stadt von allen Zufuhren abgeschnitten ist. Die Kurden habennoch verschiedene andere Dörfer zerstört, nachdem sie die Häuser geplündert und die Einwohner getötet hatten. Am 8. August gab der Unterrichtsminister im Parlament namens der Regierung Aufklärung über die Sachlage und erklärte, daß die Regierung auf diplomatischem Wege zu einer Verständigung mit der Türkei zu kommen suche Mutter und Tochter sei es oft zu Handgreiflichkeiten gekommen. Olga soll der Mutter verschiedene Male an b : Vu'tjle gesprungen sein. - Staatsanwalt Tr. Bleicher dagegen erklärte, er wolle, fall.' es zu eurer zweiten Verhandlung kommen sollte, was er übrigens für ausgeschlossen hält, noch erdrückenderes Bc weismaterial gegen Hau zu Tage sördern Namentlich soll ein bei seiner Gattin gefundenes Tagebuch, äußerst Belastendes enthalten. Tie Verhältnisse Han's sollen einer noch schärferen Beobachtung unterzogen werden urrd namentlich dnr.ch das Zeugnis des Newhorker Partners oon Hau, dem der Verurteilte große Summen schuldet, hofft er den endgültigen Beweis zu erbringen, daß Hau das Messer an der Kehle saß, und daß er jeder Verzweiflungstat fähig gewesen sei, um sich Geld zu verschaffen. Was den Mann mit dem grauen Bart betrifft, so glaubt Staatsanwalt Bleicher, daß sich Hau beim Verlassen des Postgebäudes den Bart mit Puder bestäubt habe, um hiermit den Zusammenhang zwischen dem Mann mit dem schwarzen Bart am Telephon und dem Mann mit dem grauen Bart in der Gegend der Mordstelle zu verwischen. Fräulein Olga Molitor hat den Brief, den Lindenau anonym an sie geschrieben hat, ihrem Bruder, dem Oberleutnant Molitor übergeben, der den Brief sofort der Staatsanwaltschaft übermittelt hat. Tiefe Uebergabe des Briefs soll sofort nach der Verurteilung Hau's erfolgt sein. Zu den Aussagen Li'ndenaus sind folgende Tatsachen in Betracht zu ziehen: Tas Geschoß ist durch den Körper gegangen, und die Kugel ist nicht aufgefunden worden. Ter Mantel und die Untertaille, sowie das wollene Hemd, das Frau Medizinalrat Molitor trug, sind angesengt und riechen nach Pulver. Der Schuß kann, wie gerichtlich festgestellt worden ist, nur aus einer Entfernung von 10 bis 20 Zentimeter abgeseuert worden sein. Für die Beweiserbringung, daß von Lindenau tatsächlich an dem Tage der Ermordung der Frau Medizinal rat Molitor in Baden-Baden gewesen ist, hat Rechtsanwalt Gönner bereits drei Zeugen ermittelt. Erstens den Chauffeur der „Villa Tanfani", zweitens einen Tiener aus der „Villa Kann" und drittens einen Zeitungsträger. Von Bedeutung wäre der Brief zum Stelldichein in Baven- Vaden, den Lindenau erhalten haben will, und der ihn dorthin führte. Auf die direkte Frage antwortete Lindenau, & pflege „Briefe in Mariage-Sachen" stets nach einigen Wochen zu vernichten. Bei dringlicher Nachfrage aber gab er auf den Hinweis, daß man solche wichtige Dokumente doch aufzubewahren pflege, zu, da ß der Brief Wohl noch vorhanden sein könne. Tas fragliche Schriftstück müßte also demnach entweder sich unter den be- schlagirahmten Papieren und Briefen befinden, oder es ist in Sicherheit gebracht worden, wenn es überhaupt existiert hat. Es ist bekannt, daß sich Herr v. Lindenau viel Mühe gegeben hat, vor allem durch eine einmalige Abfindung von 3000 Mk., ein Kind zu adoptieren. In Karlsruhe bat er sich als Bauunternehmer betätigt. Vor einem Jahre ungefähr ist über sein Vermögen Konkurs verhängt worden und seine Grundstücke im Werte von 15 bis 20 000 Mk. wurden gepfändet. Er hat dann in sehr beschränkten Verhältnissen bei einem Schuster- gewohnt und soll sehr solide gelebt haben. Nach einer Priöat- meldung aus Karlsruhe ist die vom Baron v. Lindenau gegen seine Inhaftnahme eingelegte Beschwerde vom Landgericht Karlsruhe als unbegründet abgelehnt und die Fortdauer der Untersuchungshaft wegen dringlicher Kollusionsgefahr verfügt worden. Frhr. v. Lindenau ist übrigens in Mainz geboren als Sohn eines österreichischen Offiziers. Er sollte gleichfalls in die österreichische Armee eintreten, lunrbe aber dato wegen allerlei Vergehen, zum Teil Eigentumsvergehen, mit Kerker und Degradation bestraft und schließlich davongejagt. ___ Aus Stadt und Land. Gießen, 10. August. — L e h r e r p e r s o n a l i e n. S.K. H. der Groß Herzog haben dem Lehrer Jak. Helfrich zu Hergershansen ans Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone verliehen. Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bermersheim. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. ** Der Fernsprechverkehr zwischen Gießen und Antwerpen nebst Vororten wird heilte eröffnet. *• Ei n Fahrrad, Marke „Cito", on§ den Cito-Fahrradwerken in Köln-Plettenberg, mit der Fabrik-Nr. 13037, das noch gut erhalten ist, wurde hier an einem Hause der Goethestraße in einer Gartenhütte niedergestellt. Das Nad ist entweder nach einer Reparatur irrtümlich dort hingestellt worden oder rührt von einem Diebstahl her, bei dem der Täter sich des Rades dort entledigte. Der Eigentümer des Rades oder die, die Ansprüche darauf zu machen haben, werden ersucht, sich bei der Kriminal-Abteilung des Großh. Polizeiamts, Zimmer Nr. 2, zu melden. *' Der 2. Bezirkstag des Hassia- Bezir ks Gießen findet am 25. August hier statt. + Dorlar, 9. Aug. Tank der Beihilfe der ehorde konnte auch die hiesige Gemeinde endlich den Schulhnus- neubau beginnen, der zur Notivendigkeit geworden war. Gilt doch die hiesige Schule mit ihren beengten niedrigen Räumen wohl als die älteste im Kreise Wetzlar. Die neue Schule erhebt sich an der Straße nach Atzbach in schöner freier Lage. Sie darf als ein Musterschulhaus gelten und unserm Dorf zur Zierde gereichen. Man hofft, sie mit Beginn des Schuljahres 1908 beziehen zu können. Für zwei Klassen und zwei Lehrerwohnungen bietet der Neubau genügend Raum, Auch wird bei ihm ein Sehulgarten nicht fehlen. 4 Ost heim b. Butzbach, 9. Aug. Ein Einbruchsdiebstahl wurde heute am Hellen Mittag bei dem Handelsmann Heinrich Petri Hierselbst begangen. Ein schon am Vormittag im Ort nach Arbeit suchender Schweizer hatte beobachtet, daß Petri ' sein Wohnhaus verließ und hinter sich abschloß. Ter Schweiz-er versuchte nach kurzer Zeit durch das Kellerfenster im Hof in das Haus einzudringen, was ihm auch gelang. Beim Durchsuchen einer Kommode fielen ihm 500 Mk. in die Hände, womit er in der Richtung nach Bad-Nauheim zu verschwanö. Kurz darauf kam Petr: in die Wohnung zurück und bemerkte den Verlust. Ein Junge aus der Nachbarschaft hatte den fremden Menschen sich entfernen sehen; man setzte zunächst die Bahnpolizei in Bad-Nauheim in Kenntnis, doch der Zufall wollte es, daß man ihn nicht dort, sondern in Butzbach am Bahnhof o e r h a s t e n tonnte, nachdem der Gauner seine Spur durch Veränderung seiner Wegerichtung zu verwischen gesucht hatte. Tas vermißte Geld sand sich noch in seinem Besitz. Lr gab an, Albert Haase zu heißen und in Jena geboren -u sein. lp Aus derWetterau, 9. Aug. Tie Ernte arbeiten find seit etwa 10 Tagen in vollem Gang. Körn und Gerste sind bereits geschnitten, und man ist jetzt an dem Hafer. Tie Haupternte bildet der Weizen; er beginnt jetzt rasch zu reifen, sodaß nächste Woche mit dem Schnitt begonnen werden kann. Tann herrscht aus den Fluren der Wetterau ein emsiges Treiben und Hasten. Hier und da sieht man bereits die Dreschmaschine in Tätigkeit. Ter Landmann ist bestrebt, seine Frucht so rasch wie möglich nach Hause zu schaffen, da die Feldmäuse in Scharen auftreten und ungeheueren Schaden anrichten. Vorzüglich stehen auch sdie Kartoffel- und Zuckerrübenfelder, sie persprechen, ehne gute Ernte. An Allee herrscht großer lieber^ Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Sonntag den 11. August: Meist heiler und trocken. Warm. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 9. August. Berwsrfcne Berufung. Tie am letzten Tienstag unterbrochene Verhandlung gegen H. St. 11. von Rieder-Ohmen, der ein Urteil des Schöffen- geriehls Grünberg, nach roelcbem er wegen Beleidigung durch die Ausdrücke „Papa und Mama" zu 10 Mark Geldstraie verurteilt worden ist, angefochten hat, führte zur Verwerfung der Berufung des Angeklagten, da alle Umstände darauf schließen ließen, daß es ihn: darum galt die Klägerin zu beleidigen. Ein Epileptiker. Die kürzlich durch Gerichtsbeschluß angeordnete Untersuchung des Ai a l e r g e h ü l j e n G. Sch. aus Eisenach, der sich hier verschiedentlich an schulpflichtigen Mädchen verging und ein Mädchen nm Hellen Tag in einem Neubau verfolgte, "ergab nach den Aus« 'ührungen des Sachverständigen, daß der Angeklagte für sein Tun und Treiben nicht verantwortlich gemacht werden kann. Ter Sach« verständige hielt ihn für einen Epileptiker, der erblich belastet ist. Wenn er auch keine Krampfanfälle hat, so ließ sich doch indirekt Nachweisen, daß bei ihm Dammer- und Traunrzustände vorkommen. Er hat ein sehr erregbares Nervensystem, bekommt fieberische Zuckungen und plötzliche Weinanfälle. Nach seinen eigenen Angaben ist seine Mutter nervenkrank; er selbst ist vor mehreren Jahren aus beträchtlicher Höhe gestürzt, hat dabei Arme und Beine gebrochen und ist bewußtlos liegen geblieben. Seither leidet er an Schwmdel- ansä'llen und Kopfschmerzen. Im Hinblick auf das Gutachten des Sachverständigen hielt es das Gericht nicht für nötig, die näheren Latumstände festzustellen. Weiin es auch eine Geisteskrankheit nicht für positiv feststcllte, so mußte es doch mit der Möglichkeit rechnen, daß er die ihm zur Last gelegten Straftaten m einem Zustande begangen hat, der feine freie Willensbestimmung au5- jchloß. Es mußte deshalb Freispruch emtreten. Märkte. Gießen, 10. Aug. Marktbericht. Aus heutigem Wockenmarktt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.00—1.15 Alk., Hühnereier 1 St. 8—9 Vfg.» 2 Stck. 00—00 Psg., Gänseeier 10—00 Pfg., Enteneier 8 Pfg., Käst pr. Sick. 6—8 Pf., Käsemalte 2Stck. 5-6 Pfg., Erbsen p.Psd. 18-24Pfg, Linsen p. Psd.25-40Pfg., Taiiben pr.Pr.0,80—l,00Mtt, Hühner pr.St« 1,00—1,60 9JIL, Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Alk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Alk., Gause pr. Pfd. 00—00 Pfg., Lchsenfleifch pr. Pfd« 82—88 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 80—82 Pfg., Schweine- fleisch pr. Pfund 70—84 Pfg., Schwemefleifch, gesalzen, pr. Pfund 88 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 80—90 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 64—84 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 8—9 All., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—7,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Kirschen das Pfund 25—30 Pfg., Nüsse 100 Stück 50—00 Pfg., per Ztr. 9—15 Mk., Weißkraut per Stück 15—30 Pfg^ per Zentner Alk. 0.00—0.00. — Marktzeit von 7—1 Uhr. ! << Q heiratctcr Kaufmann verhaftet. Neue Festnahmen flehen bevor. Im Wäldchen bei Bublitz (Pommern) ist ein 15jähriges Mädchen Ida Kirchenwitz ermordet aufgefunden worden; vermutlich ist an ihr ein Sittlichkeitsverbrechen begangen worden. Außerdem iverden zwei Kinder vermißt. — Die Chemnitzer Strafkammer verurteilte den Volksschullehrer Weißflug aus Oberwiesenthal wegen Sittlichkeitsverbrechen an Schülerinnen zu zwei Jahren Gefängnis. ^Kleine Tageschronik. Unweit Kö n i gs ber g (Pr) ber Arnau geriet ein von Pionieren errichteter Ponton, als der ihn schlepp mde Dampfer Villdamapf g^b, in eine starke Strömung, juuröe ?ollge;chlagen und ging in Wenigen Augenblicken unter, £te Leiche» der ertrunkene» neun Pioniere wurden sämtlich geborgen. - Nach dem Genus; von Blutwurst verstarb der Zmlmermelfter Keske in Ernsthof bei Bublitz ffBommw-nV zwei Gesellen schweben in Lebensgefahr. - Ter P e iers b nr^ Medizmalinfpektor teilt mit, daß ein Fuhrmann, der Gurken verzehrt und Kwaß getrunken habe, unter untrüglichen Anzeichen von Cholera gestorben sei. Tie Stadtverwaltung ergreife dre größten sanitären Vorsichtsmaßregeln. — In Bezug auf die Augelegenh.it des Ehepaares Gold, welches beschuldigt ist m Monte Carlo eine Schwedin ermordet und deren zer- ftüaeLte Leiche in einem Koffer nach Marseille gebracht zu haben wird gcmejbet, daß alle Juwelen der Halbweltdame aufgefunden wurden. Ter Wert derselben wird auf 1500 Franks geschätzt ^o.^d gehört einer alten irländischen Familie an.' vcrsnirch.es. * Ter folgenschwere Un,alldes D-Zuges52 Eydtknhnen-Thorn-Berlin in der Nacht vom 6. zum 7. August ereignete sich nach der jetzt vorliegenden amtlichen Darstellung auf der gerade in einem Gefälle von 1:325 liegenden zweigleisigen Strecke zwischen Tremessen und Gnesen etwas 1 Kist-meter vor dem Haltepunkt Thalsee in einem Einschnitt von etwa 5 Meter Tiefe. Ter Zug war 52 Achsen stark und wurde von zwei Lokomotiven befördert. Es entgleisten die beiden Lokomotiven, der Packwagen, vier Personenwagen, darunter drei neue sechsachsige T-Zug- wagen, und wurden zum Teil starr beschädigt. Der vierte Wagen schob sich etwa mit der Hälfte der Länge in den drirten Wagen hinein, dessen Reisende teils getötet, teils schwer verletzt wurden. Die Zahl der Opfer belauft sich nach den bisherigen Feststellungen auf zehn getötet, bezw. bald nachher gestorbene und drei schwerverletzte Personen. Tie Leichtverletzten entfernten sich größtenteils bald nach dem Unfälle, so daß sich die Zahl, die als nicht erheblich angesehen wird, bisher nicht genau feststellen ließ. Tas Gleis, auf dem der Unfall sich ereignete, befindet sich zurzeit im Umbau. Mehrere hundert Meter waren im Laufe der letzten Wochen schon erneuert worden. In der Unsallnacht sollte eine weitere Gleisstrecke von 60 Meter Länge umgebaut, hierzu die bisherige Kies'bettung durch Kleinschlag, sowie der Oberbau durch neue Schienen und Schwellen ersetzt werden. Es handelt sich hierbei um eine infolge Abnutzung in regelmäßigen Zeitabschnitten wiederkehrende Gleiserneuerung. Eine solche wird auf Strecken, wo der Zugverkehr am Tage hinreichende Pausen für die Ausführung nicht bietet, auch in die Nachtstunden verlegt. Tie Arbeitsstellen werden durch Signale gedeckt, durch die die passierenden Züge zu vorsichtiger und langsamer Fahrt veranlaßt werden. Das war auch hier der Fall. Für die Arbeit war die längere Pause hinter dem Zuge D 52 in Aussicht genommen. Zur Erleichterung der Arbeiten während dieser Zugpause wurde indessen vorher und vor dem Eintreffen oes verunglückten D-Zuges das Bettungsmaterial zwischen einem Teile der Schwellen aus dem Gleise entfernt. Inwieweit hierbei gegen technische Regeln allgememer Vorschriften verfloßen, und ob hie Signaie gehörig ausgestellt und beachtet wurden, wird die sofort eingeleitete gerichtliche Untersuchung ergeben. Vom Minister der öffentlichen Arbeiten ist eine befondere technische Kommission zur Teilnahme an der Untersuchung entsandt worden. * I m m e r neue V e r g u n f ä l l e. Am Pizzo Manco (Oberengadin) sind zwei Kurgäste aus Sils Maria, ein Sechzigjähriger Namens Kind aus Turin und der dreißigjährige Albert Weber aus Wien ab gestürzt und als schrecklich verstümmelte Leichen auf dem Tschiervagletscher aufgefunden worden. Sie hatten am Montag ohne Führer die Besteigung des gefährlichen Berges versucht. — Von Sils Maria traf am Mittwoch abend spät bei der Rettungsstation Pontresina ein Gesuch ein um Nachforschung nach Den Herren Kind und Weber im Berninagebiet. Die Station sandte noch in derselben Nacht je zwei Mann in vier Klubhütten der Berninagruppe. Bald daraus wurde aus Tschierva berichtet, das dortige 5Mtenbuch enthalte folgende Eintragungen: August Kind, Kaufmann, Turin, und Albert Weber, Wien- Turin. Der 5Mttenwart von Tschierva sagt aus, die beiden , Touristen hätten am Montag früh die Hütte verlassen und nach ihrer Aussage die Morteratsch- oder Tschiervatour aus- । führen wollen. Daraufhin wurden tion_ zwei Seiten Ret- tungskolonnen in dieses Gebiet abgesandt. Auf dem Tschierva-Gletscher, am Fuße des fiijmec zu besteigenden • Pizzo Bianco wurden die Leichen am Donnerstag nachmittag \ cuifgesunden; ihren Transport besorgten 25 Führer aus ! Pontresina. Die Absturzstelle bildet eine ziemlich senkrechte, j gegen 600 Nieter hohe Felswand. — Von der Bettelspitze ; (Tirol) ist der Tourist Küiser aus Weinheim abgestürzt; ; er starb sofort. In der L a n g k o s e l g r u p p e stürzte ein Wiener Tourist, Namens Keil ab; er wurde schwer verletzt. * Sittlichkeitsv erbrech en. In Troppau in österreichisch Schlesien herrscht in allen Bevölkerungsschichten tiefste Entrüstung über die von der Polizei ausgedeekten Sittlichkeitsverbrechen an Kindern. Bis jetzt sind 33 Schulmädchen im Alter von 8 bis 13 Jahren sestgestellt worden, an denen unsittliche Attentate verübt wurden, unter ihnen viele, die die Klosterfchule besuchen. Bisher wurden ein aktiver Hauptmann, ein RechnungSsührcr und ein jung ver- . JpolHnarlS WEL T- TAFEL GE TRÄNK. Niederlage bei; Jean Weisel, Sonnenstr. 6. fiuß, viele Landwirte lassen den snee zu Hcu trocknen. Nur die Obsternte zeigt ziemlich geringe Aussicht. -m Friedberg, 9. Aug. Ein H a ftp f lich tp r o z e ß, der einen romanhaften Beigeschmack hat, wird demnächst die Gerichte beschäftigen. Bei einem hiesigen Fabrikbesitzer ist gegenwärtig ein Dienstmädchen, das anscheinend lieber mit dem Gewehr, als mit dem Strickstrumpf hantiert. Vor etwa drei Wochen, als der Hausherr verreist war, nahm die Amazone einen Flobert, um auf Spatzen zu schießen. Zufällig arbeitete em junger Schreinergeselle in dem Garten, als ein Schuß siel, die Kugel streifte seinen Kopf, als der junge Manu einen Warnungsruf anSstieß, erfolgte fast unmittelbar der 2. Schuß, der leider besser traf. Die Kugel, ein 9 Millimetergeschoß, drang ihm in die Bauchhöhle, in nächster Nähe der Schlagader, wo sie bis heute nicht gefunden werden konnte. Der junge Mann liegt im Hospital, und ist, wenn auch nicht lebensgefährlich, doch so schwer verletzt, daß seine Wiederherstellung noch längere Zeit dauern wird. Das Niädchen gibt an, von seinem Dienstherrn mit dem Spatzenschießen beauftragt worden zu sein, was nicht gut glaubhaft ist. Die Entschädigungsklage richtet sich in erster Linie gegen das Mädchen, in 2. Linie gegen den Dienslherrn als Eigentümer des Geivehres und Auftraggeber zum Spatzenschießen. v Wiesbaden, 9. Aug. Unter auffallenden Umständen ist in einem hiesigen kleinen Hotel ein Hotelbesitzer aus Schlangenbad m der letzten Nacht gestorben. Er war mit einer Dame, die anscheinend der Halbwelt angehörte, im Hotel abgelegen; als man den Gast später tot auffand, war die Begleiterin verschwunden. Eine Untersuchung ist eingeleitet. § M a r b u r g, 9. Aug. Bei der heutigen Ergänzung swa hl der Stadtverordneten in der 1. Wählerklasse wurden General a. D. Feyerabend und Prof. Reissert gewählt. — In dem Vj4 Stunden m nordwestlicher Richtung liegenden Dörfchen Aiichelbach steht noch eine aus dem 13. Jahrhundert stammende, im romantischen Heber» gaugsstil erbaute Kirch e. Wie jetzt mitgeteilt wird, soll diese unter Leitung des hiesigen Architekten Dauber ihrem alten Charakter entsprechend wieder hergestellt werden. Dei Staat hat eine namhafte Beihülfe zu den Kosten bewilligt. Riichelbach, jetzt ein kleines Dörfchen, war früher der Sitz eines Erzpriestecs. Grigirral-Drahtmelvungen« Frankfurt a. 2JL, 10. Aug. Zur Berhütuna vov E i f e n b a h n u n f ä l l e u har die Generaldirektion der Reichs^ elfenbahuen verfügt: Zusammenstöße von Güter- mit Personenzügen sind neuerdings häufig dadurch veranlaßt, daß die zulässige Fahrgeschwindigkeit überschruten wird und daß Züge infolgedessen vor dem „Jn-Halt-Slettung" stehenden Einfahrts-Signal nicht zum Stehen gebracht werden konnten. Das Lokomolivpersonal ist fortgesetzt, namenlkich in den Unterrichtsstunden, gründlich zu belehren, daß die durch das Fahrplanbuch festgesetzte Höchstgeschwindigkeit, nach der die kürzeste Fahrzeit berechnet ist, nicht überschritten iverden dari. Die Anzahl der zu bremsenden Wagenachsen ist allein für diese Geschwindigkeit bestimmt, und wenn diese überschritten' wird, reicht die Bremsenzahl nicht aus, um den Zug rechzeitig zum Halten zu bringen, auch ivenn der Lokomotivführer alles aufbietet, diese Bremswirkung zu erhöhen. Metz, 10. Aug. Kardinal Erzbischof Fischer-Köln hielt aus der gestrigen Generalversammlung des Kongresses eine Rede, worin er sagte, daß die große sakramentale Prozession am Sonntag nicht d e n C h a r a k t e r einer H etzHerausforderung gegen Andersgläubige haben, sondern den Ausdruck der Liebe und Versöhnung tragen solle. Nicht in allen Ländern seien zurzeit solche Kundgebungen katholischen Glaubens möglich, man brauche nur über die westliche Grenze zu blicken. Er danke deshalb den Behörden und vor allem dem Kaiser. Ter Erzbischof teilte weiter mit, daß der Lvngreß 1908 in London und 1909 in Köln tagen werde. London, 9. Ang. In letzter Stunde au5 Tanger ein* getroffene Telegramme berichten, daß die Zahl der in Casa- blanea getöteten und verwundelen Atarokkaner auf 3000 geschätzt wird. Der englische Konsul in Mazagan ersuchte um Entsendung eines Dampfers, der auch unverzüglich abging. In Ak a z a g a n ist die Ruhe vorläufig wiederhergestellt. Ebenso bestätigt es sich, daß in Rabat Ruhe herrscht. Zwischensälle iverben dort nicht mehr erwartet, da der französische Zoltkontrollcur die Stadt verlassen hat. Ein spanisches Kriegsschiff mit einem Teil der spanischen Bewohner Casablancas ist in Tanger ciiigetroffen. Spanier berichten, daß die sraiizöstschen Kriegs^ schiffe fortfahren, ab und zu Granaten in die Stabt zu werfen, um sich ansammelnde marokkanische Truppeil zu zerstreuen. Tanger, 10. Aug. Ter spanische Dampser .James Hayner", der von Casablanca hier ankam, halte 6 0 Flüchtlinge an Bord. Sie ergänzten die bisherigen Meldungen über die Ereignisse in Casablanca durch die Erzählung, daß dieLei ch en der getöteten Europäer um die Stadt geschleift und zum Gegenstaiid des Gespötts gemacht worden seien. Die Haltung der spanischen Alatrosen fei sehr gut gewesen. H, part. ümmerw. sofort zu vermiet. Wetzsteingasfe 13. 05710] Hause zu vermieten. [05558 Schön möbl. Zimmer zu verm 05679] Bahnhofstr. 64, II. Belitz. 4543] LU vermieten. 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Reinartz« Slenographen-Vcreiu Stolze - Schrey Gießen. Donnerstag, den 14. August, abends 9 Uhr wichtige Besprechung. Bericht über den Mannheimer Stenographentag, Vereinsange- legenheiten. Zahlreiches Erfchei» neu dringend erwünscht. 5139] Der Vorstand. 1