Freitag 10, Mai 1907 Blatt tch7üP^, viertel- ) Mk. ajO; durch !9 39 M > RJ M A An- ben jfW ben, ittel, 157. Jahrgang Nr. 108 «rßchstnt ta außer Sonntag*. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mtl dem herrschen Landwirt die Gieheaer Fantilien- blättet viermal tn der Woche betfltlegt un zweimal wöchentlich do Ktelsblon fflt den Kreti Sieben. Fernivrech-An- schluß s. d. Sredaktion IU Vertag u. Expedition hl Adresse für Depes^en: Anzeiger Gießen. Schweinefleischpreise ein. Den Antrag Wtzler hoben wir bereits mitgeteilt, der trag Weil lautet: „Die Stanzuter möge beraten, wie ist herrschenden Schweinesleischnot entgegenzutreten mib wie ist Leute spät abends noch die Schule besuchen. Au der roeitnxn Debatte beteiligen sich noch zahlreiche Redner. In der nach einer Erfrischungspause nachmittags Vr 2 Uhr fort» gesetzten Beratung über die Fvrtbildungsschulfrage betonte der Generalsekretär Oekonomierat Dr. Müller, daß bi* Landwirte durchaus keine Gegner der Fortbildungsschule seien. Man sollte nur dafür sorgen, daß dec Unterricht durch eine zutreffende Auswahl des Unterrichtsstoffes möglichst anziehend gestaltet werde. Ein Antrag Walther wollte die Unterrichte- zeit auf 1—4 Uhr nachmittags gelegt wissen, die Kammer nahm aber schließlich den Antrag Hensel an, uvnach also der Unterricht von 7—9 Uhr abends stattfindet. Dann folgte die Beratung des' neuen Jagdgesetzes, über welches namens des Ausschusses Abg. Kühler Bericht erstattet hat, der eine Reihe von Mänderungen beantragt. In der Generaldebatte wurde ivesentlich darüber Klage gefügt, daß die Wildschadencrsatzbestimmungeu für bie Landwirte sehr schädigend seien. Insbesondere wurde angeregt, die Regierung zu ersuchen, Vorschriften zu erlassen, die das Abschießen der Lapins mehr ermöglichten, welche sich in ganz Rheinhessen, bis Bingen hinauf und bis zur Pfalz sehr stark zeigten. Oberregierungsrat Dr. Heinrichs erklürtc hierzu, daß diesbezügliche Weisungen bereits an die Kreisamter ergangen feien. Im Art. 3 wird bestimmt, daß die Gemeindejagden auf „mindestens neun Jahre" zu verpachten find. Die Kammer beschloß, dafür auf „minDeftens sechs Jahre" zu setzen. Im Artikel 4 erfolgte die Streichung des ersten Absatzes: „Der Wert einer Jagd ist vor jeder Verpachtung von der Obcr- sörsterei ab-uschätzen", weil die Versammlung der Meinung ist, daß der Oberförster nicht in erster Linie, besonders aber in dem wald- und obersürsterarmen Rheinhessen nicht, als der „Ohne-Wetteres-Jagdvei ständige" anzusehen sei. Weiter rvurde die Streichung des Art. 8 beschlossen, da man die Bestimmung, daß s. r die Pachtung eines Bezirks nur drei Pächter znzulassen seien, als veraltet, unziveckmägig und schablonenhaft bezeichnete und Widerspruch gegen die Behauptung der Regierung erhob, diese Bestimmung habe sich seither bewährt. Weiter wird noch bestimntt, daß bei der fteihändigen Verpachtung nicht die Genehmigung des Kreisamts erforderlich sein soll, weil das ja dem Verwaltungsrecht der Gemeinde widerspricht. Artikel JL8 des Gesetzentwurfs soll durch folgende Bestimmung ersetzt werden: „Zur gemeinschaftlichen Pachtung oder Benutzung zusammenhängender Jagdgebiete oder Jagdbezirke töniun Genossenschaften gebildet werden". Schließlich sollen die Ständo- fanrntern ersucht werden, der Großh. Regierung eine Fassung der Art. 13, 14 15 und 16 vorzuschlagen, die dahin zielt, daß , es den größeren örtlichen Vereinigungen (Genossenschaften) ermöglicht werde, Gemeindejagden zu pachten und die Jagd durch beauftragte Jagdverständige zu ihrem eigenen Besten ausüben zu lassen. — Die Kammer beschäftigte sich dann noch mit der Eingabe des deutschen Landwirtschaftsrats an den Reichstag, eine Herabsetzung der Zuckersteuer auf 10 Mark pro Doppelzentner eintreten zu lassen und stimmte dem Antrag bei. Zum Schluß wurden noch die Wahlprüfungen u. a. m. erledigt. Die Sitzung dehnte sich wieder bis nachmittags gegen 5 Uhr aus. 2lus Statt unt Land. Gießen, den 10. Mai. Dom städtischen Vtranjchlag. IV. Straßenunterhaltung. Einnahme 7050 (0900) Mk., darunter Erlös aus Gras von Feldwegen 250 (200) Mk., aus der Kreiskaffe Vergütung für die übernommene Unterhaltung der innerhalb der Ortsdurchfahrten liegenden zlreißstraßenstreLm 3600 (4000) Mk., für leihweise Ueberlasiung der städtischen Sttaßen- walze sowie für Ueberlassung alter Pflastersteine usw. 500 (600) Mark, Ersatz für Wiederherstellung beschädigter Straßen 700 (600) Mk. Die Ausgaben sind auf 94 600 (93 690) Mk. fest-, gesetzt, nämlich Besoldungen der Straßenwarle 4550 (4550) Mk., Bedarf an kleingeschlagenen Decksteinen 18150 (20 020) Mk., Lahnkies und Basaltgrus für die nichtgepflasterten Fußwege 5700 (6010) Mk., für Sttastrichandarbeiten, welche die Straßenwärler allem nicht bewältigen können, und für Fuhr löhne 15 000 (16 000) Mk., Unterhaltung des Sttaßenpflasterü cinfchl. Beschaff- unb von 50 Kubikmeter Pflastersteinen 6500 (8450) Mk., Wegfahren von Sttaßenabraum 6500 Mk., Fahren der Sttaßcn- ivalze und Wasserbedarf für das Begießen der Sttaßen 6050 (.6030) Mk., Unterhaltung der gewöhnlichen Feldwege und Durchlässe 1500 (3000) Mk., bauliche Unterhaltung der Brücken und Stege 1000 (200) Mk., Umpflasterung der Westanlage 1600 Mk., Straßenbefestigung der Bahnhofstraße 16 500 (10 000) Mk., Straßenbeiestigung des Selterweges 10 700 (5000) Mk. Straßenbeleuchtung ein fehl, der Unterhaltung der Laternen 39 000 (38 000) Mk. Ausgaben. Oef fentliche Anlagen. Einnahmen 150 (170) Mk., Ausgaben 17 355 (21 510) Mk., darunter Besoldungen 3905 (880) Mark, Unterhaltung der Anlagen und Baumpflmrzungen üutcr» halb der Stadt 9000 (9030) Mk., Wasserbedarf zum Sprengen der s2Lnlagen und für den Teich in der Ostanlage 2600 (2600) Mk., Vermehrung der Bänke im Philosophenwald und in den An-, lagen 1500 (1000) Mk. Brunnen. Wie im Vorjahr sind für den Wasserbedarf der öffentlichen Brunnen 3200 Mk., für ihre Unterhaltung unh Bemiss ichtigung 100 Mk. vorgesehen. Bäche. Einnahme aus Pacht nnb EraSnutzung der Wiesecb, böschmegen 220 Mk., Ausgaben 2240 (2140) Mk., näntlich Räw, mung der Wieseck 800 (800) Mk., Unterhaltung der beiden Lahn^ wehre 500 (500) Mk., Kosten des Freibades 870 (800) Mk. Kanäle. Einnahmen 50356 (15000) Mk., darunter Gebühren auf Grund der noch zu erlassenden Gebührenordnung! 50 000 (15 000) Mk. Ausgaben find 32 506 (28 514) Mk. vorgesehen, nämlich für Reinigung und Unterhaltung sämtlicher Kanäle innerhalb der Stadt 16 000 (13000) Mk., Betrieb der Kläranlage 11000 (13 000) Mk.. Ausräumung ber Flutgräben 1300 (1008) Mk., Beschaffung eines Kranenwagens für die Kanalreinigung 2000 Mk., Sohlbefestigung deS Hauptfluigrabens ine Neustadter Feld 1700 (1200) Mk. Entwässerungsan st alten 160 (310) Mk. Ausgaben für Unterhaltung und Betrieb der Pumpstation. ** Po st-P ersonalnachrichten. Versetzt sind die Postassiitenten Börner von Aachen nach Büdingen, Bresch von Bad-Nauheim nach Aachen, Nessel von Mülheim (Nubr). nach Bad-Nauheim, Nott von Eschweiler nach Gießen, Rosen-, meher von Melle nach Nidda, Vöhl von Friedberg mich Heinsberg (Rheinland) und Weinberger von Büdingen nach Geilen-. kirchen-Hünshoven. — Etats mäßig angestellt sind als Postsekretär der charakterisierte Postsekretär H o ch in Butzbach, als Postassistent Postanwärter Gut hier in Alsfeld. — Ernannt ist Postpraltikant Haag in Gießen zum Postsekretär. — Angenommen sind die Real- bezw. Oberrealschüler Appe l, Senßfelder und Ulrich und die Schüler Möller unb, Beier in Gießen; als Telegraphengehülfinnen Kath. Dotzeu- rod, Johanna Kruse und (£nta Orbig in Gießen, Katharina^ Schütz in Friedberg; als Postagenten Landwirt Adam üt Rendel, Rechner Ebel in Münzenberg, Posthülfstelleninhabw Peter in Klein-Karben. — Freiwillig ausgeschieden, ist Pvstagent Metzler in Münzenberg. •• Oef f ent lief) e Lesehalle. Im April wurden. 2131 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1140, Zeitschriften 403, Jugendschrcsten 196, Bersdichtungen 53, Literaturgeschichte 7, Länder- und Völkerkunde 50, Kultur-, geschlchte 8, Geschichte und Biographien 72, Kunstgeschichte 13, Naturwissenschaft und Technologie 99, Heer- und Seewesen 9,. Haus- und Landwirtschaft 7, Gesundheitslehre 11, Religion unb: Philosophie 31, Slaatswisfenschast 19, Sprachwissenschaft 8, Fremdsprachliches 5 Bande. Nach auswärts kamen 69 Bände. X Pohl- Göns, 8. Mai. Gestern fand hier Bürger-, meister wähl statt. Der nunmehr seit 18 Jahren nn Amte befindliche Bürgermeister Konrad Schepp VIII. wurde bei starker Wahlbeteiligung mit 111 Stimmen wiedergewählt. Em Gegenkandidat war nicht aufgestellt. ^.Lauterbach, 8. Mai. Gestern nachmittag führ', ein Automobil der Firma Schepeler aus Frankfurt a. M.' am Bahnübergang des Bahnhofs »Lauterbach Neu* (Maarer Straße) einer Maschine der Vogelsberger Bahn in die Seite. DaS Auto wurde stark beschädigt und mußte mit der Bahn nach Frankfurt transportiert werden, während bie' beiden Insassen mit dem Schrecken davonkamen. — All- gememe Erbitterung herrscht unter der hiefigen Bevölkerung wegen dem Verhalten der hiesigen Fleischerinnung. Trotzdem der Einkaufspreis für fette Schweine nur noch höchstens 48 Pfg. für das Pfund Schlachtgewicht beträgt, nehmen die Metzger immer noch 90 Pfg. für das Pfund Kochwurst, während man dieselbe in anderen Städten mit 70 Pfg. und noch billiger kaust. B Büdingen, 7. Mai. Dieser Tage wurde hier in einer Versammlung, in der Dr. Strecker-Bad-Nauheim und Parteisekretär Kuhlmann-Darmstadt sprachen, ein linkSltberaler Wahlverein gegründet, dem sofort 50 Mrtglieder beitraten. . Gelnhaar, 7. Mvi. Irr unserer Gemarkung brach mfolge des heftigen Regenwetters und der bemut verbundenen Uebenchwemmung der Damm an dem vor einigen Jahren angelegtenIr, chterch. Die sämtlichen Karpfen schwammen balb auä dem reiche fort. Der Gemeinde erwächst, ein empfindlicher Schaden. Ä 2luS dem Lemptale, 10. Mai. In den letzten Tagen zirkulierte in unfern Orten eine an den Landtag üblen großen Schenkungen der Preise für Schweine und Schweinefleisch, die die gesamte Schweinezucht und damit die Bolkser- nährung schiver schädigen, roirffant zu begegnen ?" Köhler -Langsdorf begründet eingehend feinen Antrag, und tveist auf die gooyen Mißverhältnisse bezüglich der Fleischpreife hin. Er sucht dann nachzuweisen, daß eine sog. Fleischnot gar nicht vorhanden gewesen und die Klagen darüber nur leeres Geschrei gewesen seien. Für die hohen Fleischpreise seien nur die Metzger, nicht aber die Landwirte verantwortlich zu machen. Des Wetteren fordert der Redner die möglichste Beseitigung des Zwischenhandels unb die direkte Fleischabgabe an die Konsumenten. Am deutlichsten gekennzeichnet werde daS Verhalten der Metzger durch die Tatsache, daß nach einer Statistik des OeLo- nomierats .Dr. Müller das Schweinefleisch z. Zt. m Frankfurt 90 Pfg., in Darmstadt und Mainz 80 Pfg., in Worms dagegen nur 60 Pfg. lostet. Dagegen werde auf dem Lande nur ein Echweinefleischpreis von 50 bis 54 Pfg. bezahlt. (Hört, hört!) Leit auf die anderen Fleischsort en bezüglichen PassuS seines Antrages zieht Redner zurück. Fritsch-Dilshofen bespricht feinen ähnlichen Arttrag und weist darauf hin, daß die Landwirte früher deut Metzger nur zwei Pfund Fleisch zuzugeben brauchten, während dieselben jetzt fünf Pfund Zugabe verlangen. B a u e r-Ächmalmühle spricht sich gegen die Erhebung nochmaliger Fleischbcschaugebühren aus', wie sie jetzt in Hessen bei der Einfuhr von Fleisch in die Städte noch bestehe. Es solle für das Fleisch in Hessen dieselbe Freizügigkeit bestehen, wie in Preußen. Breidenbach -Dorheim ersucht die Versammlung, den Antrag Köhler der zweiten Kammer gleichfalls in offizieller Weise mitzuteilen. Nachdem Oberregierungsrat Dr. Heinrichs der Stammet inbezug auf die Anregung des Vorredners die Unterstützung der ^Regierung zugesagt hat, wird der AntragKohler einstimmig angenommen. Die Versammlung nimmt darauf folgenden Antrag des Vorstandes an: Die Hauptversammlung wolle die Wahl folgender Sachverständiger nach Art. 8 des Gesetzes beschließen: 1. Geh. Hvf- rct Prof. Dr. Wagner -Darmstadt, 2. Prof. Dr. G isev ius- Gießen, 3. Landesöbinomierat Goethe-Darmstadt (diese Wahl wttd vorläufig ausgesetzt), 4. Abg. Dr. Web er-Konradsdorf, 6. Abg. Justizrat Dr. v. Brentano-Offenbach und 6. Lber- landstallmeisler v. W i l l i ch-Darmstadt. Die Versammlung bestätigt bann die Wahl des Abg. Brauer als Mitglied ber Zentralstelle für die Landesstatistik. Zu Mitgliedern des deutschen Lmtdwirtschaftsrats werden Präs. Haas, Bähr-Hemhaag und Cetonomrcrat Lichtenstein, als' deren Stellvertreter die Herren Bauer, Köhler und Höhn gewählt. Zu Vertretern im Bezirlseifenbahnrat ernennt die Versammlung Haas, Walther, Hauffer, Bähr, Lutz und Schmidt -Guntersblum. — Zur Mttunterzeichnung von Urkunden nach § 53 ber Satzung wählt die Kammer Bürgermeister Hahn-HaAoch und Köhler -Langsdorf. Der Antrag des Vorstandes auf Uebernahme der Einrichtungen und des Vermögens des hessfichen Landwir tscha f ts- rates lautet: „1. Uebernahme der angetragenen Einrichttingm und des Inventars, letzteres bewertet nach der Aufstellung vom 31. Dezember 1906 zu 9209 Mk., 2. Annahme des dem- itächstigen Restvermögens des Landwirtschastsrats", und wird einstimmig angenommen. Desgleichen erfolgt die Uebernahme der Einrichtungen und des Vermögens der landwirtfchaftlichen Provinzialvereine in Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen nach Antrag des Vorsllntdes. Es folgt die Beratung der Anfrage des Großh. Ministeriums heS Innern, betr. die Molkereischule in Lauterbach. Bähr wendet sich entschieden gegen jeden Zuschuß an die Molkereischule und beantragt, zu beschließen, daß der von der zweiten Kammer schon bewilligte Zuschuß von 6000 Mk. wieder gestrichen und der Bettag dem Reservefonds^ zugefügt werde. Lutz-Elbenrvd bittet, da die Molkereischule für die Heranbildung von RLolkereipersonal von großem Werte sei, derselben den schon bewilligten Betrag zu belassen. Bürgermeister Elba ch i|t der Meinung, die Schule habe für Hessen wenig Wert; sie werde zumeist von Ausländern besucht und führe nur zur Ueberprvdu ktion von Molkereipersonal. M o g k-Grund-Schwal- herm bemerft, die Genossenschaft werde durch die Stteichung des Zurchunes nicht gefährdet werden. Bähr weist 'noch auf die von der Schule den Landwirten der bortigen Gegend bereiteten Konkurrenz hin, Bürgermeister Jost stimmt ben Ausführungen von Bähr und Mogk zu. Schließlich wttd der Antrag Bähr mit allen gegen eine Stimme angenommen und die Regierung ersucht, den Bettag von 6000 Mk. der Landwttt- fchaftskammer zur freien Verfügung zu stellen. — Eine längere Debatte entfpuint >uh dann noch über einen Antrag He nsel- Dvrtelwell, bett, die Verlegung der Unterrichtsstunden der obligatorischen Kort- bilduugsstbule Der Anttag geht dahin, bie Regierung zu ersuchen, die UnterrichtsMtnde der obligatorischen Fortbildungsschule in den Landgemeinden auf die Abendzeit von 7—9 Uhr zu verlegen. Der Antragsteller begründet seinen Antrag damtt, daß die jetzige ungünstige Zett von 5—7 Uhr den kleinen Landwirten großen Schaden bereite; es gehe durch den frühzeittgm Beginn ein halber Tag verloren. Anton Schmitt I.-Bretzenheim wies dagegen auf die große Bedeutung des Fortbildiingsichulunlerrichts am Nachmittage hin; eine Erweiterung liege sehr im Interesse der Landwirtschaft. Man könne nicht verlangen, daß die ju: Aus dem Reichstag. R. Berlin, 8. Mai. „Auf die'lange Bank geschoben" werden durch die Geschäftsdispositionen des Parlaments alle Resolutionen, bie zum Etat bes R e i ch s s cd a tz a rn t s gestellt sinb. Darob gab es heut der Reihe ber interessierten Fr-ttlttnen nach ein ,,herzliches Bebauern" unb den Ausoruck des Wunsches, baß sofort nach Zu- fammentritt des Reichstags im Herbst bie selbftverstänblich burch- weg wichtigen Resolutionen auf bie Tagesordnung gesetzt werden möchten. Es handelt sich u. a. um die Mühlenumsatz- unb Zuckersteuer und die Veteranenbeihilfen. Das int Zeichen der sommerlichen weißen Weste stehende hohe Haus kam über diesen Vertagungsschmerz schnell hinweg. Es zeigte sich auch nicht geneigt, eine Haupt- und Staatsaktion zu machen aus der P a r i t ä t s k l a g e, die im Interesse derStraßburgerevangelisch-theologischenFakul- tät Abg. Evcrling (nl.) erhob. Festgestellt wurde aber doch aufs Nachdrücklichste durch den Abg. Schrader (Fr. Vg.), daß ber Protestantismus nicht ber gleichen Fürsorge bei ber Lanbesregierung Elsaß-Lothringens begegne, wie ber Katholizismus, ja, daß in dieser Beziehung der Protestantismus zur Zett der französischen Herrschaft in Elsaß-Lothringen besser gefahren sei. Der Schatzsekretär Frh. v. Stengel erklärte kurz und bündig, die Reichsverwaltung habe mit der Sache nichts zu tun, und der reichsländische Kommissar Geheimrat Halley vertrat den nüchternen Rechtsstandpunkt. Beim Etat der Zölle und Verbrauchssteuern gab es — keine Zoll- und Steuer de batte. Nicht einmal über die in ber Ertragfähigkeit so stark überschätzte Fahrkattensteuer würbe ein Wort ber Kritik verloren. Für biefe Angelegenheit bezeigt das preußische Parlament unleugbar regeres Interesse, wie ber im Herrenhause gestellte Anttag auf Abschaffung ber lästigen Verkehrssteuer erkennen läßt. So war schon nach kurzer Zett bie Reihe am Kolonialbirektor Dernburg, in Vertretung des Etats für Sübwest- a f r i f a. Das Zentrum steht noch immer mit einem Fuß im Schmollwinkel. Der Senior ber Fraktion Abg. Graf Hompesch — wenn es eine Erklärung abzugeben gibt, tritt stets dieser greife Herr vor die Front — tat kund und zu wissen, daß das Zenttum bei dem bie Schutztrupyenpräsenz betreffenben Etats- tttel, sich ber Abstimmung enthalten werbe, weil es von ber Notwendigkeit einer solchen Belastung des Etats jetzt so wenig überzeugt ist, wie in den denkwürdigen Dezembertagen. Das Prinzip ist jedenfalls gerettet, das Dekorum gegenüber den Zentrums- Wählern gewahrt, ein Schaden im übrigen nicht entstanden. Abg. Ledebour (Soz.) frellich, der als Mlonialkrttiker Bebel nachgerade übertrumpft, ließ Herrn Dernburg keine Ruhe. Er rügte scharf die Deportation ber kriegsgefangenen Hottentotten nach der Haimchbucht, wo ein großer Teil einer Epidemie zum Opfer gefallen ist. Vergeblich suchte der Kolonialdttektor chm plausibel zu machen, daß nach Lage ber Dinge unb nach dem Urteil des Kommandierenden nichts anderes übrig blieb, als die Unterbringung an der Haifischbucht. Auch bie Versicherung, bie Regierung teile bas tiefe Bedauern über ben Untergang so vieler Gefangener, beruhigte Herrn Lebebour nicht. Er fand vielmehr, der Kolonialdtt. habe im herabsetzendem Ton von den Schwarzen gesprochen, worauf ihn dieser, sich nur an bie Sache haltend, ersuchte, erst selbst einmal tausend Kilometer im tropischen Attika ^urückzulegen unb bann fein Urteil äu fällen. Das war ber letzte Wortstreit in ber kurzen Sitzung. Als bie Abgeorbneten in ben lenzgrünen Tiergarten hinaustraten, lag er noch im Schein bä Sauggas IDkohle, Hols etc. i-Löbtau trasse No 30, . M. B”I, 185 141084 w ffl 50 [8000] 812 143® » (25 81 90 UZ 83 BU * 1 ßOOj 616 M T® [1000] it K> 83« W 147081 toi 108 494 66164 811 ) 83 88 71? ö « 484 83 PO 151« 433 6T0 [3000] 746 «26 1520 163 61 88 »U U 156186 MB 421 »4» bOb B a » * ® , » tt _ 611M tu MB ,31» U8 tu um * 216 « 618 8U 166061 M M5 168105 U4 063 ; 620 M 90 MO 81 8U 171000 964 lison* m 122 JU 653 884 865 i 84 541 IM 848 176® 1,4 177105 Kl 11 M “ K 621 U4 « 41 48 SU HM6 22T16 68 [«Oti ? 4^93 728 1600) 821 » 1 «3783 184078 484 671 8 N 874 9» t8N« Ll .. ,,i gl MJ 91o lööU< •°yä* 458 «« »3 -aa| ih 8Ä 92b au )3 ^°lÄfoi5 64 3 45 71 6°°91* 1*001 ■2 615 ^,110*1 205i45 61^,b40 w'w 207*1 •32 411 ic4 631 208i°V,lä U 218 2no59 IS? 95 705 808 2" (3o0o] 185 1 410 508 -0J # 150* 271 W 4« i 221»*3 •hofO 'A 551 98 •« MA WK- Hi (30001 4L ö 1f •} 33 70» 46 cii 974 ..-SO-" 02° ?[30S0) »8 } 471 & 2711:! (looo) «oo»*jii 7* (jftjol lso^‘ ^3J«5f ,/jlCßOl ,0 65134- 874 S S’48 GietzenerAnzeiWM General-Anzeiger für Gberhefsen WW V 1 1 ” .Dettcht-faa^ «enft Rotationsdruck und Verlag der Vruhl'schen Aniv.-Vuch- und Lteindruckeret. K Lange. Redattto», LxpedMon und Druckerei: Zchulstratze ?. ^^nteu^Ha^« ÄS Aie tzeutige Kummer umfaßt 10 Seiten. Istsche LanöwirtschaftsKommer. R.B. Darmstadt, 8. Mai. Die heutige zweite Sitzung der Landwirtschaftskammer eröffnete Präsident Haas um 9Vs Uhr. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen wird von ber Versammlung folgendem Anttag des Vorst-nibes »ugestimmt: Die Hauptversammlung wolle bie Bildung nachfolgender Immissionen beschließen: 1. für Wirisch a f t s p o l i t i k, Gesetzgebung, Landrecht, Landesverwalt".ng; 2. für Handel, Verkehr und Versicherungswesen; 3. für Bodenkultur, Bersuchswesen und Maschinenwesen; 4. iür Tier- ucht unb 6. für Obst-, Wein-, Gemüse- luib Gartenbau. Nachdem die Mttglieder für diese Ausschüsse bestimmt sind, tritt die Versammlung in die Anträge bezüglich der Mark. Handel' des . . 121.20 Obcrschles. Eisen-Industrie 113.60 3?6 Portugiesen Serie I . 3% . . 142.00 Tiirkenlose . - . 97.10 Prince-Henri-Eisenbahn . 140.00 231.00 81.20 . 142.00 Blasse Lippen 4% Öesterr. Goldrente. . 41/, % Öesterr. Silberrente 129.20 114.00 233.75 213.00 134.25 209.60 230.30 23.00 146.60 209.50 . 231.00 Ungar. Goldrente Italien. Rente . Laurahütte . . . Nordd. Lloyd . Berliner Handelsges Darmstädter Bank Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . Gotthard bahn . . Lombard. Eisenbahn Öesterr. Staatsbahn . Harpener Bergwerk. Laurahütte - - Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . . Türkenlose . 95.70 84.35 95.60 84.20 93.75 4% 4?ä Reichsanleihe do. Konsols do. Hessen Oberhessen Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schnckert . . . Esehweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket!. Harpener Bergwerk. . . 4% Griech. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier 3% Mexikaner 4%°/0 Chinesen . . . er als derjenige wiedererkannt, der öfters bei "der Ermordeten Besuche gemacht Hat und auch zu der kritischen Zeit in ihrer Wohnung gewesen ist. Wegen eines Sittlichkeitsverbrechens ist Naumann bereits vor drei Jahren vorbestraft. Nach anfänglichem Leugnen hat Naumann denn auch gestanden, daß er die Frau Roßberg mit einem Bindfaden erwürgt habe. Er habe aber nicht die Absicht gehabt, sie zu töten: bei dem Anblicke des Geldes, das Frau Roßberg ihm gezeigt habe, sei er erst auf >en Gedanken gekommen, die Summe sich anzueignen und die Frau unschädlich zu machen. Naumann bat seinen Angehörigen viel Kummer bereitet. Doch war er in seinem Handwerk sehr tüchtig, er leitete selbständig eine Schuhmachersiliale und Der* . 157.90 133.65 . 229.30 . 171.50 . 173.20 . 144.75 . 208.60 igerichtet Eingabe, welche die Erschließung des Lemp- ItabeÄ tmb des weiter nördlichen Teiles des Kreises Wetzlar MM Gegenstände nimmt. Das Schriftstück hat eine große Zahl von Unterschriften erhalten. Handelt es sich hierbei doch nicht um Befriedigung de§ Verkehrsbedürfnisses, sondern mehr noch um eine Melioration diese? Gebietes. Dem Minister ist bereits eine Denkschrift von der Kreisver- waltrmg zugegangen, in der allgemein für Aufschluß deS abgelegenen, gebirgigen Nordteiles deS Kreises Wetzlar ein» getreten wird. Mit der jüngsten Bittschrift wird nun eine bestimmte Linie ins Auge gefaßt; nämlich die Erbauung einer Nebenbahn von Ehringshausen (Dill) aus durch unser Lemptal nach Gladenbach. Unserer Landwirtschaft und Viehzucht würde dadurch die Möglichkeit gegeben, ihre Erträge zu steigern und besser zu verwerten. Für die Nutzbarmachung der großen Waldungen und die Hebung vorhandener Bodenschätze (Eisen- und Kupfererze, Kramen- zelkalke, Phosphorit, Quarz, Kiesel, Jaßpis, Zinnober rc.) durch den Bergwerkbetrieb sind hier hinreichende Unterlagen geschaffen. Die Industrie wird sich beleben imb für viele Einwohner neue Erwerbsquellen abgeben. Wir hoffen zuversichtlich, daß der preußische Staat, der bis heute noch keine Eisenbahn im Kreise Wetzlar gebaut hat — die vorhandene Lahn- und Dillbahn sind von anderer Seite gebaut — unferm berechtigten Wunsche bald willfahrt, zumal der Kostenpunkt einer Bahn durchs Lemptal bei dem überaus günstigen Gelände sich nicht hoch stellen kann. || Bechlingen, 10. Mai. Unser Ort zählt zu den abgelegensten des Kreises Wetzlar: nicht eine Telegraphen- leitung führt hindurch. Dies empfinden wir besonders unlieb beim Rufen deS ArzteS in Ehringshausen und dürfen wir daher auch wohl annehmen, daß die Oberpostdircttion Frankfurt, an welche sich dieser Tage liefere Gemeinde und Breitenbach mit der Bitte um Bau einer Telegraphenleitung — von KSlschhausen auS abzweigend — nach hier, gewendet hat, unserem Wunsche entsprechen wird. • Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. Der Kriegerverein iu Saasen feiert am 16. Juni seine Fahnenweihe. — DaS Bezirksfest des Kriegervereinsbezirks in Grünberg findet am 7. Juli in Atzenhain statt. — Der Kriegerverein Eudorf feiert am 14. und 15. Juli seine Fahnenweihe. — In Bad-Salzhausen tritt vom 13. Mm bis 30. September wieder eine Postagentur in Wirksamkeit. — In Rendel wird eine Wasserleitung angelegt. — Am 1. Juni wird zwischen Friedberg und Ockstadt Kraftwagenverbindung eingerichtet. Das zu entrichtende Fahrgeld beträgt bei Benutzung innerhalr der Stadt 15 Pfg.; für die ganze Fahrt bis Ockstadt 25 Pfg. 99.30 99.80 94.10 102.75 67.60 68.60 91.50 93.40 94.00 3^70 3% 3^7° 3% 3H7» 3^7. Aus Aad-Dauheim. (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) Wie rasch hat sich alles zum Guten und Schönen geändert. Ende April bis in den Mai hinein stürmische Winde, kalte Regen, kaum ein Sonnenstrahl. Dann am 6. und 7. Mai die ersten wirklich warmen Tage und Nächte. Im April Unordnung überall, durch Lastfuhrwerk zerfahrene Wege und Rasenplätze, Trümmer, Grabenaufwürfe selbst noch auf der Terraffe, am Teichhaus, und mtn alles geglättet, sauber aufgeräumt, die Wege mit feinstem Flußkies überstreut. Wer hatte geglaubt, daß das alle? in so wenigen Tagen geschehen könnte. Es ist alles für die lang ersehnten Badegäste bereit, feiner derselben wird sich durch irgendwelche Unordnung beschwert fühlen können. All die Neubauten, Neuerungen, Verschönerungen werden dem Badegast ein beifälliges ,AH" entlocken. Und wie einsichtig war der Himmel wenigstens vom 6. Mai ab. Es grünt und blüht nach den paar warmen Tagen überall. Die Rasenplätze find tiefgrün, die Vögel jubilieren, die Amseln, die Drosseln mit ihren Flötenkehlen allen voran. Der niedliche Zaunkönig schmettert keck sein Lied herunter und hoch aus dem Tannengipfel gurrt in tiefen Tönen der Mann der sonst so scheuen Ringeltaube. Er hat auch alle Ursache dazu, denn in der Nachbarschaft brütet sie und wenn nicht alle Anzeichen trügen, liegen in den nächsten Tagen zwei mit gelbem Flaum bekleidete Junge im Nest, die den ganzen Tag die Schnäbel nach Futter aufsperren. Dann beginnen die Vatersreuden und Sorgen. Am Teichhaus ist der Platz wesentlich vergrößert durch eine Anschüttung. Die sonst viel umstrittenen Tischplätze.nahe am Wasser sind viel zahlreicher geworden. Die Flottille von Kähnen ist an* die eine Seite der Anschüttung gelegt, bequem für die Seefahrenden und nicht mehr lästig für die beschaulich an der Wasserkante Sitzenden. Die Schwäne ziehen wie immer stolz ihre Bahnen au dem ausgedehnten Teich. Eine ganze Anzahl folgen imKiel- waffer eines Nachen, der von einer Dame gerudert wird. Eine andere fitzt am Steuer und füttert die Schwäne. Zudringlich recken einzelne die langen Hälse über den Bord des Schiffchens, um womöglich einen guten Brocken aus der Hand der Schönen zu erlangen. Es ist dämmerig, ich sitze und träume. Das Wasser wird dunkler, man erkennt nur noch die weißen Schwäne und die hellen Kleider der rudernden Damen. Es fällt mir ein, daß ich schon einmal in den Pfingst- ferten des Jahres 1865 hier saß. Wir kehrten von einer fröhlichen Spritzfahrt aus Heidelberg zurück nach Marburg. In Nauheim machten wir nochmals Halt, sahen den jungen Park mit den noch wenig Schatten spendenden Bäumen. Wir saßen in heiterster Stimmung am Teichhaus, zum Träumen hatten wir nicht Zett und Lust: groß und schön lag die Welt vor uns, so reich an Hoffnung. Es ist ganz dunkel geworden. Da klingt eine weiche, klagende Frauenstimme über das stille Wasser: lang lang ist's her, lang ist'S her. Ich erwache aus meinen Träumereien — es ist dunkle Nacht, ich suche mein Quartier auf. — Ja lang ist's her. Ein bestialischer Frauenmord. S. u. H., Leipzig, 7. Mai. Vor dem Schwurgericht kam heute ein Raubmord zur Verhandlung, der einen geradezu grauenhaften Einblick in die sittliche Benommenheit des Angeklagten tun ließ. Am 26. März wurde Frau Margarete Roßberg im Schlafzimmer ihrer Wohnung tot ausgefunden. Um den Hals war ihr ein starker Bindfaden geschlungen, der fest angezogen und am Bettpfosten befestigt Ivar, bis auf die Strümpfe war die Leiche völlig entkleidet, der Tod war offenbar durch Erstickung herbeigeführt worden. Zuerst glaubte man an einen Selbstmord der Frau Roßberg, aber die nähere Untersuchung ergab bald mit Gewißheit, daß hier ein Raubmord vorliege. Frau Roßberg, die seit dem Jahre 1904 mit dem Markthelfer Roßberg verheiratet war, war schon längere Zeit kränklich, was sie aber nicht gehindert haben soll, in Abwesenheit ihres Mannes Besuche anderer Männer zu empfangen. Zu schien gehörte auch der 21 jährige Schuhmacher Karl Otto Naumann, der am auf den Mordtag folgenden Tage verhaftet wurde, da sich der dringende Verdacht auf ihn lenkte, die Fran ermordet und beraubt zu haben. Man sand in der Werkslätte, in der Naumann arbeitete, in einem Versteck die aus» der Roßbergschen Wohnung geraubte Sparbüchse, auch wurde Telefonische Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse. 10. Mai. 1.15 Uhr. . 175.80 . 133.80 Börse, 10. Mai. Anfangskurse. 50.20 85.75 . 65.10 . 97.30 :i(f)feit statt. Das Urteil lautete auf Todesstrafe. 4H7o rass.Staatsaul. 1905 4^°,0 japan. Staatsanleihe 4 $o Conv. Türken von 1903 Aktien: Bochum Guss . . . Buderus E. W . . Tendenz: fest. Berliner Canada E. B..... Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz: schwach. diente wöchentlich bis zu 30 _______ Tie Anklage vor dem Schwurgericht lautete auf Mord und Raub. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffcnt- Gerichtssaal. München, 10. Mai. In dem Beleidigungs-Prozeß D r. Karl Peters gegen die soz. M ü n ch e n e r Po st hat die beklagte Partei den Eintrag gestellt, den deutschen Kaiser als Z engen zu vernehmen. Ter Verhandlungstermin ist auf den 23. Mai festgesetzt. Portugiesen „ III lCird>lid>e Nachrichten» Evangelische Gemeinde. Sonntag den 12. Mai, Exaudi. Hottesdienll. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer S ch w a b e. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markusgemeinde. Vormittags 97, Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthausgeineinde. Am 2. Pfingstfeiertag Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Anmeldung dazu vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. In der Johanneskirche. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Vormittags 97, Uhr: Professor D. Drews. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes- gemeinde. Pfarrer A u s f e l d. Abends 8 Uhr im Konfirmandensaal der Johanneskirche: Versammlung und Bibelbesprechung. Am 1. Pfingstfeiertag Beichte und heil. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Am 1. Pfingstfeiertag wird nach allen Gottesdiensten eine Kollekte für die Hessische Luther-Stiftung erhoben, am. 2. Pfingstfeiertag besondere Kollekten für die Armen. Katholische Gemeinde. Samstag den 11. M ai 1907: Nachmittags nm 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag den 12. Mai, 6. Sonntag nach Ostern. Vormittags von 67, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. , um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. , nm 8 Uhr: Die zweite heilige Messe. „ um 97, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht. Dienstag und Freitag abend um 61/, Uhr ist Maiandacht. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbatfeier am 11. Mai 19 0 7: Freitag abend 7.30 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Predigt. Nachmittag 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 8.45 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.00 Uhr, abends 8.45 Uhr. und fing an ua? zu übergeben, indem es an seinen Hals deutete. Bei näherem Nachsehen sah man blutige Eindrücke. von Fingernägeln, woraus man schloß, daß der Dieb das Kind, um es am Schreien zu hindern, gewürgt bat. , Erst am andern Tag fonnte das Kind erzählen, daß der'fremde, als er eintrat und sah, daß es wach ist, ihm die Kehle zudrückte und etwas aus einem Gläschen in den Mund goß, das heftig brannte. Auch fiel auf, daß der sonst sehr wachsame Svrtzhund, der unter dem Bette lag, sich nicht geregt hatte und am andern Tage derart aussah, daß man glaubte, er ginge ein. Man sand alles durchstöbert und es fehlte eine Uhr mit Kette im Werte von 70 Mk. Gelegentlich eines zu Friedberg vorgekommenen Diebstahls in einem Hotel, wobei außer Silbergeschirr etwas Geld und Weißzeug gestohlen wurde, nahm man den Kellner L. 5?L aus Wehlheiden fest, der von Frankfurt aus mit dem hier in Bettacht kommenden Menschen den Diebstahl ausgeführt batte. Der Untersuchungsbehörde gelang es unter schwierigen Umständen, den sich damals' Schmidt nennenden Komplizen des A. als den zu Brücken in Waldeck geborenen 25 jährigen K. L. zu ermitteln, der aus dem Untersuchungsgesängnis zu Osnabrück entwichen war imb den man später auf Grund Steckbriefs in Geldern verhaftete. Trotzdem er mit Bestimmtheit erkannt worden ist, leugnet er die Diebstähle in Eudorf und Ober-Jossa, während er dm Friedberger zugibt. Das Gericht hatte keinen Zweifel an seiner Schuld bezüglich der anderen zwei Taten, zumal er eine Reihe von Vorstrafen hat und von mehreren Behörden verfolgt wird. In seinem Besitz fand man außer dem Einbrecherwerkzeug eine Anzahl gefälschter Papiere. Als die schwerste Tat wurde die in Ober-Jossa angenommen und hierfür 6 Jahre Zuchthaus an- gesetzt, für die in Eudorf 4 Jahre 6 Monate und die in Fnedberg 3 Jahre 6 Monate. Die verschiedenen noch zu verbüßenden Gefängnisstrafen von zusammen über 5 Jahre wurden in 3 Jahre 8 Monate Zuchthaus umgewandelt und diese Sttafen auf eine Gesamt Zuchthausstrafe von 13 Jahren reduziert; die bürgerlichen Elnenrechte wurden ihm auf 10 Jahre abgesprochen und auf Zulässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt. Demnächst wird er sich in Hanau wegen Einbruchs und in Saarbrücken wegen Betrugs und Unterschlagung zu verantworten haben. Bezüglich des A. wurde wegen des in Friedberg verübten Diebstahls unter Einbeziehung früherer Sttafen auf eine Gesamt- gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten erkannt. Hierbei wurde die Jugend mtb schlechte Erziehung, sowie der Umstand, daß er der Verführte war, strafmildernd berücksichtigt, wahrend das Gericht bezüglich des L. der Ansicht war, daß das öffentliche Interesse es gebieterisch erheischt, derartige Elemente auf möglichst lange Zeit unschädlich zu machen__________________________________ Mattigkeit, verbunden mit Kopfschmerzen, Herzklopfen, Schwindel, Appetttlostgkeft, Verdauungsstörungen usw. sind oft ganz sichere Beweise für Blutarmut und Bleichsucht Um diese rasch, fWr unb auf angenehmste Weise zu beseittgen, trinkt man einige Wochen lang täglich Bioson, wodurch auch die Ausgaben für Kaffee, Tee und Kakao erspart werden. Was Bioson als Bluterzeugungs-, Krastigungs- und Nervenstärkungsmittel leiste^ das sieht man mrs nachstehendem Brief: Darmstadt, Kahlertsttaße 5, den 18. Februar 07. Wir haben bis jetzt ca. 5—6 Pakete,,Bioson mit Kakao" verbraucht und zwar hauptsächlich alS Frühstück für unsere drei Kinder. Dasselbe i|t - - vorschriftsmäßig zubereitet — gerne von den Kindern genommen worden. Nur unsere Zweitälteste, welche den Kakaogeschmack überhaupt nicht leiden mag, ging weniger erfreut als die beiden Anderen zum Frühstücksrisch. Hauptsächlich haben wir es gegen Blutarmut und die bannt zusammenhängenden Begleiterscheinungen, als bleiches Aussehen und große Müdigkeit, gebraucht und sind mit dem Erwlge insoweit auch recht zufrieden gewesen, als das Aussehen und die ursprüngliche Lebhaftigkeit sich gebessert bezw. wieder eingettellt haben. Daß wir mit Ihrem Bioson zufrieden waren, mag Ihnen be.en ien daß wir Ihr Präparat auch bereitsin unserer Familie, ui• ;\ o. ji vc einer Schwägerin in Halle, empfahlen. Hochach- iungsvoll W. Gerhard!. Bioson ist in Apotheken, Drogerien usw. das Paket zu drei Mark erhältlich, welches für ca. 14 Tage ausretcht. b7t Gießener Strafkammer. )( Gießen, 7. Mai. Diebstahl und Betrug. Kürzlich würbe der Dienstknecht I. F. von Eckelshausen wegen eines im Rückfall begangenen Diebstahls von der Sttaf- fammer zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Es stellte sich heraus, daß er um dieselbe Zeit eine Frau zu Hungen veranlassen wollte, ihm einen Arbeitsrock ihres Sohnes zu über- laffen. Als die Frau das Llnsinnen zurückwies, entfernte er sich, um kurz darauf wieder zu erscheinen mit der Behauptung, der Sohn habe ihm den Rock verkauft, worauf er ihm auÄ- gchändigt wurde. Vvn da begab er sich zu einem Kaufmann, dem er unwahrerweise angab, er sei vom Militär entlassen .worden; er habe Kleider nötig, die er, falls ihm solche auf Kredit verabfolgt werden, am nächsten Zahltag bezahlen werde. Auf Ghninb dieser Mgaben erhielt er von dem Kaufmann Kleider und Wäsche, womit er verschwand, ohne sich wieder sehen zu lassen. Weiter ist ihm der Diebstahl eines Paar Manschetten zur Last gelegt; doch in dieser Beziehung konnte eine Verurteilung nicht 1 erfolgen, da er den Diebstahl bestritt und es nicht ausgeschlossen erschien, daß die Manschetten durch einen anderen weggenommen worden sein könnten. Aiich bezüglich des Bettilgs zum Nack)- teil des Kaufmanns hielt man den Beweis nicht für erbracht, da nicht festgestellt werden fonnte, daß er beim Einkauf der Kleider schon die Absicht hatte, diese nicht zu bezahlen. Wegen des einen Betrugs erkannte das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten, die es in 6 Monate Zuchthaus umi- -wandelte und mit 3 Monaten in Ansatz brachte, was eine Gesamtstrafe von drei Jtttzren sechs Monaten Zuchthaus ergab. Eine erfolgreiche Berufung. Gegen den Landwirt PH. Sch. von Nied er-Weisel war ein Strafbefehl ergangen, weil er die vor seiner Ho freite vorbeiführende Straße nicht gereinigt batte.. Er focht das seinen Einspruch zurückweisende Urteil des Schöffengerichts an, indem er gellend machte, daß, da der fragliche Platz keine Straße ist, er mithin zur Reinigung nicht verpftichtet sei. Das Berufungsgericht stellte durch Augenschein fest, daß zwischen der -Hofreite und der eigentlichen Sttaße em Gelandestreifen liegt, der nicht als ©träfe: angesehen werden kann, mithin die Polizei- Verordnung, welche nur von Sttaßenreinigung spricht, keine Anwendung finden kann. Das Urteil mußte hiernach aufgehoben unb auf Freispruch erkannt werden. Ein schwerer Junge. Am Morgen des ^.August 1905 fanden die Bewohner einer Wirtschaft zu Eudorf, welche die Nacht im zweiten Stock ,zu gebracht hatten, ihren Parterrestock in einem Zustande, der darauf schließen ließ, daß darin Diebe ihr Unwesen getrieben haben. Schränke und 'Schreibtisch waren durchstöbert unb an .Letzterem das Schloß durch Ausschneiden der Holzteile frei- gelegt. Es fehlten außer etwa 500 Mk. Bargeld verschiedene Wertsachen, darunter ein Portemonnaie mit einer Anzahl außer Kurs gesetzter Zwanzig Pfennigstücke und ein Champagnerbrecher. Die Frau des Wirtes lenkte den Verdacht sofort auf einen Radfahrer, her tags zuvor ihre Wirtschaft besucht hatte und dem Gelegenheit geboten war, die Frau zu beobachten, als sie Geld in ihrem Schreibtisch wechselte. Der Fremde erzählte, daß er Vvn Arolsen über Frielendorf käme und in seine Heimat in der Nahe von Hünfeld wolle. Die Ermittelungen waren vorerst ohne Erfolg, bis ein Gendarm zu Grebenau nach einiger Zeit einen jungen Mann an hielt, dessen Signalement auf den Verdächtigen zu passen schien. Da wach dem Ausschreiben Verschiedenes auf den Angehalteiren nicht zuttaf, wurde er entlassen, ttDtzdem sich bei ihm von den außer Kurs gesetzten .Zwanzigpfennigstücken vvrsanden. Als man aber kurz darauf auf chem Abort, den der Arretierte während der Befragung durch den ^Gendarm benutzt hatte, den Champagnerbrecher fand, sah man den durch die Entlassung gemachten Fehler ein. Kurz darauf erschien derselbe Mensch in der Wohnung eines Maschinenschlossers izu Ober-Jossa, mdem er sich stellte, als sei er versehentlich -in das .Haus geraten, da er das an dem Hans angebrachte Schild für em Wirtshausschild gehalten habe. Schon in einer der folgenden Nächte wurde auch in diesem Hause ein Einbruch verübt. Die Frau des Schlossers bekundete, daß derselbe Mensch, den sie einige Tage zuvor in ihrem Hause gesehen hätte, in der fraglichen Nacht in ihrem Zimmer gewesen sei. Sie hat ihn, La in dem Zimmer ein Lickst brannte, genau erkannt: der Schrecken beim Anblick des Fremden habe sie aber dermaßen gelähmt, daß sie nickst in der Lage war, ihren im nämlichen Zimmer schlafenden Mann zu rufen. Sie wollte sich aus dem Bett begeben, fiel aber, einen Schrei ausstoßend zur Erde, 'wodurch ihr Mann wach wurde, worauf der Fremde von diesem verfolgt zur Türe hinausflüchtete. Bei seiner Rückkunft sand er das in: nämlichen Zimmer befindliche sechsjährige Söhnchen -im Bette sitzend vor; es fonnte keinen Laut von sich bringen Bleiches Aussehen Müde Augen, c ** 22 L - i-5 3 3 .Z e Ls SÄ tw ftÜA (9^ g^= £§? g 52S? JS B ’** * Cr» , U ' ’ •- V L L ■e "3(9 » £- -»d «AN^ S-. « S tZOA 'S ö ns»" ?L e^’g £S geJSil s- ä SZ «$* 2 Ö5€ g K.L B o 3 e.3 S 5 19 ArZ S§ A t£ö»= N 0g?S e se 3 J519 « 3 s tz N — Ä. S) F L B? -8 8 B «L Z le to"P 2 £ = °.Sjk 5 El 3 -■ää 'BXg'- C’?.'£2-^ L?I :3 >Q A^3 O^SOQ o ^SNNN- dPZLLZI £ o S--S e? 2 5 £85, 6 KZZ ;^xs £ 5 - E*e‘_5 * S ®'€- e» 4LZ t-h u-rb c 12-- 5 3 fea-^w ° « oW s5«J< 19 S” - - 3 S - S = * c * £ '”)->•— । sAtz 'S “»To SS 2 e j*# !5» c® üs £*8^ •= 3 ÄL 3--'-5 e LZ- 11 ö©c e " e|*? -ZKIZ = o2 . JO p | ^| 1ZL = «s® Ls 19 _ P -o* IjJ ■°£ -- I pa-£ J LL 3 L «Z^Fl 2 •gsZ^SNl a cä g 2 05 2> 5 KS--4ZZZZZ s S«.s ä|tg|3ss 3 «r El« -E«m «h W^gA « 3M 3 2 19 3 L ti) s L E 8 3 L S 8 B »o (M SS -a> ^.<$> S - I^inoleum-Teppiche' InnA VnrktrAn in bedruckt Qnd dnrchgedruckt UHU T t?I Idjy vH Neueste Dessins! Billigste Preisei Ernst Bloedner, Seltersweg. 283* Samstag, den 11. Mai abends ft Uhr in der Turnhalle (Lswaldsgartcn) Oeffentlrcher Vortrag über ABkühoS u^d Vo^kswsha gehalten von Dr. med. Tine*, Kassel. Freie Diskussion! 03283 Eintritt frei! Gntempler Loge „2ahnburg . Speiseöl AllerfeinsteS Tafelöl „Adlermarke" nur in Flaschen zu Mk. 180 und Mk. 1.-. Vorzügliches Salatöl offen, Liter Mk. 1.40. (2886 Adler-Drogerie, Seltersweg 39. iSfssiy Telephon 399- Kaplansgasee 18- Lieferung durch eigenes Fuhrwerk. 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Im Gaswerk findet nur Verkauf von über 5 Zentner Koks statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Klmmdms der Mohs von 1 bis 5 Zentner eingerichtet, nämlich bei: Andreas Euler, Steinstraße 11, Joh. Fischer, Alicestraße 19, I. Happel, Neustadt 56, Karl Hcusel, Walltorsiraße 10, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 161, Ed. Kliukcl, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Krrchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Llcherstraße 2, August Struck, Bismarckstraße 16, Georg Unverzagt, Grünbergerstraße 13. Daniel Wirth's Rachs. (Th. Geilsus), Westanlage 51. Diese Finnen berechnen obenslehende Preise unserer Gaskots samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben anch in Mengen unter 5 Zentueru. Tie Preise unserer Gaekoks für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gietzeu ermäßigen sich um den Betrag der Oktroirückvergütuug von 4 Pfg. für den Zentner. Gießen, den 3. Mai 1907. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gieße«. 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