157. Jahrgang Nr. aiJfi Zweites Blatt Erscheint ISgNch mit Ausnahme des SomMgS. Die ..Gletzener ZamUienblälter" werden dem ^Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisölatt für den Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion:^^N2. Tel.-Äldr.:AnzeigerGießen« Dienstag 10. September 1007 yk AA Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen ^TlT /fw'y ▼ Universitäts - Buch- und Steindruckerei. B H 9 R. Lange, Gießen. Kleine und Kunstnachrichten. daß Mascagni die „Festa del grano“ nicht in Rlusik setzen wird; er wird die Dichtung dem Herrn Salvatori zuriicksenden, wenn er das nicht bereits getan hat. „Ich kann keine Philosophie in Musik setzen", sagte Mascagni. — D i e „Gewänder Karls des Großen" als T a p e t e n m u st e r. Die Tapetenfirma Winkelnmnn in Leipzig hat Tapeten ausgestellt, deren Motive von großem künstlerischen und historischen Interesse sind. Es sind Kopien von den zwei kostbaren Decken, in die man die Gebeine Kaiser Karls eingehüllt fand, als auf Veranlassung des Kaisers im vorigen Jahre in der Aachener Kaisergruft der Schrein Karls des Großen geöffnet wurde. Die eine Decke zeigt ein Elesanteninotiv und gilt als Arbeit byzantinischer Seidenweberei aus dem 10. Jahrhundert, während die andere mutmaßlich durch sarazenische Seidenwirker, die ihr Kunstgewerbe im 12. und 13. Jahrhundert zu Palermo ausübten, gefertigt wiirde. 0. ordentliche Vertreter-VersammLung des Reichs- verbaudcS der natiouattiberaLen Jugend. (Nachdruck verboten.) S. u. H. Kaiserslaut ern, 8. Sept. Am Samstag abend fand eine öffentl. Versammlung statt. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Fischer-Köln sprach über die jung- liberale Bewegung und die politische Lage. Der Redner faßt das Empfinden der im Reichsverband organisierten jungliberalen Vereine zusammen in folgende Sätze: „Die Vertreterversammlung^des Reichsverbandes der Vereine der nationalliberalen Jugend betrachtet die Politik einer Sammlung der nationalliberalen Parteien, wie sie sich im Reichstage angebahnt hat, als die aus dem Reichstagswahlkampf sich ergebende unumgängliche Grundlage für eine weitere gedeihliche Entwickelung'der Wohlfahrt unseres Vaterlandes. Sie erkennt freudig die Tätigkeit der nationalliberalen Abgeordneten im Rahmen dieser Blockpolitik an und schöpft aus deren bisheriger Tätigkeit die feste Zuversicht, daß der liberale Gedanke auch in dem Gefüge des nationalen Blocks zum Siege kommen werde. Sie hofft aber vor allen Dingen, daß die gemeinsame realpolitische Arbeit der liberalen Parteien innerhalb des nationalen Blocks diese in gegenseitiger Rücksichtnahme aufeinander zu dem Einvernehmen führen werde, das die unerläßliche Voraussetzung jeder Machtgewinnung des Liberalismus ist. Nur auf gutem Einvernehmen der liberalen Parteien kann die zielbewußte Fortführung der Sozialreform sich gründen, die als die Grundlage des sozialen Friedens die Voraussetzung ist für die Entfaltung der wirtschaftlichen Kräfte unseres Volkes." Dem Vortrag folgte lebhafter Beifall. Landtagsabgeordneter Hübsch- Nürnberg besprach folgende Anträge des Vereins Nürnberg: 1. „Der Reichsverband wolle beschließen, mit dem National- vereiu für das liberale Deutschland in Unterhandlungen wegen seines (des Reichsverbandes) ■ ev. korporativen Beitritts einzutreten." 2. „Der Reichsverband wolle die nachstehende Einigungsresolution der bayerischen Jungliberalen vom 17. Februar 1907 unterstützen, an die Partei weitergeben und auf dem Parteitag in Wiesbaden energisch unterstützen: Als wichtigste Aufgabe des Gesamtliberalismus ergeben sich aus dem Ausfall der Neichs- tagswahlen: a) die Notwendigkeit eines gemeinsamen taktischen Borgehens der vier liberalen und demokratischen Fraktionen im Reichstag, b) die Erstrebung einer programmatischen Zusammenfassung aller derjenigen Punkte, die den liberalen und demokratischen Parteien des Landes gemeinsam sind. Selbstverständliche Voraussetzung dabei ist die Aufrechterhaltung der vollen Selbständigkeit aller Parteiorganisationen. Zur Erreichung dieses Zieles empfehlen wir die Bildung eines Ausschusses der vier Fraktionen und die Herbeiführung einer Aussprache der Parter- führer unter Zuziehung der Vorsitzenden der einzelnen Landesorganisationen. Wir bitten den Reichstagsabgeordneten Basser- mann als Führer der stärksten Organisation, die Initiative zur Durchführung dieser Anregungen zu ergreifen." Inzwischen ist eine Resolution von Lasaulsc-Frankfurt a. M. eingegangen: „Der Reichsverband stellt seinen Vereinen und deren Mitgliedern den Beitritt zum Nationalverein freu" L ü tz e r t - Darinstadt: Der Nationalverein vertritt die liberale Weltanschauung, die von den Liberalen nicht immer genügend vertreten wurde. Der Nationalverein kann die liberale Welt- anschauung nicht getrennt durch wirtschaftliche Momente zur Geltung bringen. Der Liberalismus soll wieder eine Religion werden. Der Nationalverein ist ein wichtiger Kern der ganzen liberalen Bewegung. (Beifall.) , Nach weiterer Debatte wrrd ent Schlußantrag angenommen, ebenso die Leitsätze von Dr. Fischer und die Resolution von Lasaulsc. Es wird dann ein Antrag Köln beraten, der eine würdigere Behandlung' des Publikums vor Gericht fordert. Nach langer Debatte, in der ausdrücklich hervorgehoben wurde, daß den Juristen im allgemeinen kein Vorwurf gemacht werden solle und daß auch bei anderen Behörden das Publikum nicht immer rücksichtsvoll genug behandelt werde, wurde der Antrag in folgender Fassung angenommen: „Es sind in den letzten Jahren häufig Klagen über ungemeßene Behandlung des Publikums durch Richter und Beamte aller Art erhoben worden, insbesondere über unnötige Bloßstellung unb ehrverletzende Angriffe von feiten der Staats- und Rechtsanwälte, sowie über schroffe Behandlung durch Verhandlungsleiter vor Gericht. Auch werden dem Publikum Zeitopfer weit über Gebühr uud Notwendigkeit augemutetf und durchweg fehlen Warteräume, die jeden berechtigten hygienischen und ästhetischen Anforderungen entsprechen. Der Reichsverband stellt an die Abgeordneten des Reichstages und der Einzellandtage Has Ersuchen, für die Abstellung der vorgenannten Mißstände einzutreten, und bei Beratung der Strafprozeßreform im Sinne dieser Resolution anregend und beschließend tätig zu sein." • stück wurde von Klaus Tiele abgekauft. Bauherren waren: Wüftenhöser und sein Sohn Dietrich, Konrad Dilph und Landschultheis Johann Hungerckhausen, daneben, Pfarrer Gretzmüller, Seeretarius Daum und Landsehreiber Spricast. Das Amt Driedorf mußte zum Kirchbau den Kalk liefern. Der Turm der Kirche soll aber noch 'älteren Ursprungs sein- lieber die Beschaffung der Kirchenglocken fei folgendes mitgeteilt: Die „Feuerglocke" ließ Graf Georg in Emmerichenhein gießen, die zweite wurde vom Grafen Ernst zu Isenburg-Büdingen gegen 100 Hämmel eingetauscht, die dritte kam aus dem Kloster Thron- Da im Jahre 1620 dem Grafen Georg die Herrschaft Dillenburg zufiel, verlegte er seine Residenz nach Dillenburg. Die Herrschast Beilstein aber trat er an die Linien Dietz und Hadamar ab- — In der norwegischen Stadt Bergen hat am 9- Septemoer die Einäscherung der Leiche des Komponisten G r i e g, stattgefunden. Beim Niederlegen des, Kranzes, gab der deutsche Gesandte der Teilnahme des deutschen Kaisers und des deutschen Volles an Griegs Tode Ausdruck und hob die Bedeutung hervor, welche Griegs Musik für Deutschland hat- —- Man meldet aus Tromsoe, daß die norwegisch eNord- polexpedition unter Rittmeister I s a ch s e n vom nördlichen Eismeere am 8. b. Mts. dort eintraf. Sie berichtet, daß Well- m a n n am 26. August noch nicht a u f g e st i e ge n war Seitdem herrschten Nordwind, Nebel und Schnee, was den Aufstieg verhindert. Falls der Aufttieg bis zum 5. ds. unmöglich sei, wollte Wellmann den Plan für dieses Jahr aufgeben und die Versuche im nächsten Jahr fortsetzen; er wird dann Ende September mit dem Dampfer „Frithjof" in Tromsoe erwartet. — Mascagni ist seit geraumer Zeit vom Unglück verfolgt. Mit allen seinen nach ber „Cavalleria rasticana“ eiitftnubeiicu Opern hat er keine Erfolge erzielen fönnen, und mit seiner längsten Arbeit hat er ein ganz bejonbercS Pech gehabt. Der Mailänder Verleger Sonzogno hatte ihn mit ber Komposition einer Oper „La Festa del grano“ beauftragt, aber Mascagni machte von vornherein fein Hehl baraus, das; ihm ber Text biejev Oper nicht liege, und erstellte es als möglich hin, das; ev auf feine Bearbeitung werbe verzichten müssen. Davon wollte der Verfasser dieses Textes, Salvatori, der für sein Libretto bereits von Sonzogno 2d 000 Lire erhalten hat, nichts hören. 9lun ist aber endgültig entschieden, Aleines Feuilleton. — Das Albert Schumann-Theater in Krank- furt a. M. übt, wie man uns von dort schreibt, eine Anziehungskraft nicht nur auf die Frankfurter selbst, sondern auch auf die zahlreichen auswärtigen Besucher der alten Mainstadt aus. Und mit Recht: Das große, vornehm ausgestattete £>au§ bildet an sich eine Sehenswürdigkeit- Doch was an Artistischem! geboten wirb, ist durchaus ungewöhnlich. Da ist zunächst die Trapez- und Vertikalseilkünstlerin Elvira Schwarz, deren Kunststücke eine außerordentliche Körperkraft, gepaart mit vollendeter Grazie zeigen- Die Sistcrs Allison betragen sich wie — Gummü- b litte- Sie führen die schwierigster^ akrobatischen Tänze mit einer Leichtigkeit, Schnelligkeit und Eleganz aus, wie man sie Geschöpfen von Fleisch und Blut und Knochen nicht zutrauen möchte- Freunden der Tierdressur bietet, Ernst Perzina mit Affen, Katzen, Kaninchen und Papageien viel Vergnügen- Die sehr jugendliche Violinvirtuosin Paula Theißen verfügt über einen warmen vollen Ton und über sehr gute Technik- Dann kommen die vier Roeders mit halsbrecherischen, kaum zu überbietenden Pistungen am fünffachen Reck, und er, der Humorist der Humoristen, Otto Mutter! Er ist noch immer der nämliche, nud überwältigende seiner Komik- Unsere Politik und die, die sie machen, glossiert er nach wie vor so zündend als treffend- Das Publikum will ihn nie von der Bühne lassen- Die^ Toma- Truppe mit ihren schwierigen Akrobaten-Leistungen, ein Hof- hunde-Schauspiel-Ensemble und ein amerikanischer Biograph bilden den Schluß. -k. — Aus Beilstein wird uns geschrieben: Ebenso interessant wie die Geschichte der Ruine und Kirche zu Greisen-; stein ist die Geschichte der Nachbarburg und Kirche Beilstein, die z- 3t. von Grund auf renoviert wird. Im Jahre 1607 erhielt Graf Georg die Herrschaft Beilstein und residierte von 1612 an auf Burg Beilstein. Er erbaute von 1614 bis 1616 die hiesige Kirche, die vom Jahre 1617 ab als Pfarrkirche in Gebrauch genommen wurde, während bis dahin (1616) die Kirche im nahen Wallendorf als solche gedient hatte- Noch_ bis heute wohnt der Pfarrer von Beilstein in Wallendorf- Meister Dietrich Wüsten Höfer, Wundarzt und Barbier zu Beilstein, schenkte seine unbebaute Hofstatt zmN hiesigen Kirchbau, ein anstoßendes Grunt»- 2llldeutscher Verbaudstag. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S- u. H. Wiesbaden, 7. Sept. Der alldeutsche Vcrbandstag, der heut hier in der „Wartburg" zusammcngetreteu ist, ist äußerordentlich gut besucht- Zahlreiche Korporationen haben Abgeordnete entsendet, so der deutsche Flottenverein, der AllMmeinc Schulverein, der Reichs- verband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, der Evangelische Hauptverein der deutschen Auswanderer, die nationalliberale Partei, der Bund der Deutschen in Böhmen, der Verein Deutscher Studenten usw- Den Verbandstag leitete eine Vorstandssitzung ein- Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten berichtete Landrichter Dr- Hahn-Flensburg über die Lage in Nordschleswig- Er schilderte die Geschichte des Grenzlandes Schleswig, das schließlich zur preußischen Mo-- narchi^kam^NeuerdingshatdasÄestrebcn^Deuts^lands^u Rudolf Presbers Neubearbeitung von Calderons „Arzt seiner Ehre" fand am Residenztheater zu München beifällige Aufnahme. Schließlich bleibt aber das große Dichterwerk des Spaniers einem deutschen Publikum durch die starre Auffassung des Ehrbegriffs fremd- — Wilhelm Holzamers, deS soeben verstorbenen feinsinnigen Novellisten letztes Werk ist betitelt „Vor Jahr und Tag". Dieser der Zeitschrift „Daheim" zum Eritabdruck überlassene Roman spielt in der rheinhessischen Heimat Holzamers- — Der Dogenpalast zu Venedig soll teilweise in ein Museum verwandelt werden- Die Mafien- sammlung des städtischen und des Llrsenal-Museums, alle Kriegstrophäen, die Münäensammlung, kur^ alles was sich auf die venezianische Geschichte bezieht, sott im Togenpalast ein würdiges Unterkommen finden- — In Wiener Künstlerkreisen verlautet, daß der Tenor Caruso für jedes Auftreten bei seinem! Gasti'piel im Operntheater 12 000 Kronen, im ganzen 48 000 Kronen erhält- Er tritt -auf in „Aida", „Rigoletto", „Bohöme" und „Lucia di Lammerrnoor." — Die Meldung der Magd. Ztg., der Großherzog habe das Entlassungsgesuch des Prof. Olbrich abgelehnt, ist nach den „N. Hess. Volksbl." aus der Luft gegriffen. Der Großherzog habe bis jetzt in der fraglichen Angelegenheit weder eine Entscheidung getroffen, noch habe Prof. Olbrich eine Audienz nachgesucht. merkte, daß er das Berg- und Jagdgesetz für einen Fehler halte unb begegen gestimmt habe, für die Interessen ber Beamten (Teuerungszulage) warm cingetreten sei- lieber bie preußische Landtagswahlrechtsvorlage äußerte ftch der Aogeord- ncte dahin: Ich halte das jetzige preußische Wahlrecht zum Landtage für unnivbern, es muß mehr sozial, mehr liberal wcrden-i Die Landtagsabgeordneten Bähr und Köhler ließen sich über Vorkommnisse im hessischen Landtage aus, wobei u- a. Abgeordneter Köhler folgendes sagte: „Geheimerregierungsrat Haas, dem "bekannten Reichsänwalt der landwirtschaftlichen Genossenschaften, diesem bedeutenden Manu, dem seine eigenen Parteigenossen, die Nationallibcralen, fallen lassen wollten, haben wir aus gewiß anzuerkennender politischer Einsicht und Selbstlosigkeit das Mandat und das Kammerpräsidium erhalten-" Tie Stadtverordneten Kraus-Münster i- W., L a a ß-Frankfurt a- M. und Götz-Darmstadt berichteten über ihre Tätigkeit in den Gemeindevertretungen- Es folgte der Bericht des Gmeral- sckretärs H e nn in g sen-Hamburg über den Reichsverband der deutschsozialen Partei- Aus demselben geht hervor, daß die Kosten! während der letzten Reichstagswahl sich für die Partei auf 25 582 Mark stellten, daß Einnahme und Ausgabe vom 1- Jan. 1907 bis 1- Sept. 1907 mit 38 214 Mk. balancierten (im Jahre 1905 balancierten dieselben mit 27 322 Mk-). Die Aufklärungsschriften werden an 11000 Abonnenten versandt, der Reichs- verband zählt bis zum 1- Sept. d. I. 10 064 Mitglieder. Die meisten Mitglieder weist der Reichstagswahlkreis Gießen- Nidda-Büdingen auf, der auch der am besten organisierte sei- Hieran anschließend berichteten Rechtsanwalt Jacobsen- Hamburg über die „Deutsche Vereinigung" und Abgeordneter Raab über den Verein „Aufwärts". Zum Schlüsse wurde die Wahl des ParteivorsitzenRen sowitz die von Mitgliedern der Parteileitung vorgeiwmmen. Liebermann v- Sonnenberg wurde wiedergewählt als Parteivorsitzender (13 Stimmen fielen auf den Abgeordneten Köhler), ebenso bie seitherigen Mitglieder der Parteileitung: Kaufmann Richard Döring, Hamburg; Kaufmann Carl Falkenroth, Essen a- d. Ruhr; Oberlehrer Dr- Stöcker, Wandsbek; Z ckmarzt Strumpf-Berlin und Kaufmann H. Thams, Hamburg. Um 4 Uhr fand gemeinsames Mittagessen in den Alemannia-Sälen statt, worauf um 8J/2 Uhr abends der Festkommers ebenda begann. 4. Generalversammlung der deutschen Mittelstands- Vereinigung. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S u. H. Straßburg i. Els., 7. Sept. Ink Sängerhause zu Straßburg i- Els. trat die Delegierten- Versammlung der deutschen Mittelstands-Bereinigung unter zahlreicher Beteiligung zusammen- Zunächst beschäftigte man sich mit der Frage der Stellung der Mittelstands-Bereinigung und nahm folgendes Programm an: „Die deutsche Mittclstandsvercinigung ist eine rein wirtschaftlich berufene Organisation zur Förderung der Standesinteressen des gefilmten. Mittelstandes, eine Organisation zur Durchführung der Selbsthilfe und zur Anregung der Staatshilfe. 2.Parteipolitische und konfessionelle Bestrebungen sind grundsätzlich ausgeschlossen-, Die Mittelstands-Vereinigung erwartet bestimmt, daß die bürgerlichen Parteien ihre Interessen vertreten. 3. Dies schließe jedoch nicht aus, daß die Vereinigung durch ihre den verschiedenen Parteien angehörigen Mitglieder systematisch und ständig auf die Parteien einwirkt, um so letztere zu einer energischen; Vertretung der Mittelstands-Interessen zu veranlassen. 4. Die Vereinigung steht auf dem Standpunkt, daß ihre nächste Ausgabe! darin bestehen muß, sämtliche Glieder des Mittelstandes bist auf den letzten Mann für die Vereinigung zu gewinnen- Nur auf der Grundlage einer lückenlosen Organisation läßt sich etwas-Ersprießliches für den Mittelstand erzielen- 5. Zur Durchführung ihrer Aufgaben hält die Mittelstands-Vereinigung einen, engen Zusammenschluß aller auf dem Boden der vorstehenden! Leitsätze stehenden Mittelstandsvereinigungen zu einem Gesamt-, verbände für unerläßlich-" 1 In später Abendstunde kam dann noch ein Antrag Köln zur Besprechung, der auf die M i ß st ä n d e der Eisenbahn- t a r i f r e f o r m hinweist und folgende Forderungen aufstellt: „Die Vertreterversammlung des Rcichsverbandes der Vereine . der nationalliberalen Jugend begrüßt es fteudig, daß durch die Eisenbahntarifreforni vom 1. Mai 1907 eine Vereinheitlichung des Tarifwesens geschaffen wurde, die als ein erster Schritt auf dem Wege zur deutschen Einheit auch auf dem Gebiete des Verkehrs gelten darf. Sie weist aber mit Nachdruck darauf hin, daß durch diese Tarifteform, namentlich in Verbindung mit der Fahrkartensteuer, der Personen- unb auch der Gepäckverkehr auf den deutschen Eisenbahnen eine Verteuerung erfahren hat, die nur vom Standpunkte kurzsichtiger Fiskalität zu rechtfertigen ist. Zur Abstellung dieses Atißstandes, der ernste Konsequenzen nicht nur privat- sondern auch volkswirtschaftlicher Natur haben muß, hält sie es für nötig, daß 1. bie Erhebung von Schnellzugszuschlägcn auf große und internationale Züge (D- und L-Züge) beschränkt werbe, wie das ursprünglich von der Negierung als Tendenz der Reform bezeichnet wurde, 2. auf allen Bahnstationen des deutschen Reiches Fahrscheine für Personen- und Gepäckbeförderung nach allen deutschen Bahnstationen ausgegeben werden, 3. bei Uebergang in eine höhere Wagenklasse nicht wie jetzt die Hälfte des Fahrpreises dieser, sondern nur die Differenz zwischen dem gezahlten und dem Fahrpreis der höheren Klasse nacherhoben werde, 4. die gegenwärtige Berechnung der Gepäckgebühr reformiert werde. im Sinne eines nach Dekaden abgestuften Gewichts- und Zonentarifs. Die Vertreterversammlung ersucht die nationalliberale Fraktion des Reichstags in diesem Sinne auf die Neichsregierung einzuwirken." Der Antrag wurde angenommen und hierauf die Sitzung geschlossen. Teutsch-sozialer Parteitag. F. C. Franks n r t a. M., 8. Sept. Gestern abend fand im „Kölner Hof" ein „Begrüßungsabend" statt- Zahlreiche Delegierte waren ievschicnen, besonders' aus Nvrd- und Mitteldeutschland- Fcrner^waren anwesend die Reichstagsabgeordneten Liebermann v- Sonnenberg, Raab, Schack, Gräf, Herzog und Böhme, die Landtagsabgeordneten Bähr, Frhr- von Richthofeu, Hirschel- £ „„ .. _ Stadtverordneter L a a ß-Frankmrt begrüßte die Erschienenen, worauf Zieichstagsabgeordneter Böhme-Marburg daS Kaiserhoch ausbrachte. Pfarrer B e r n b e ck -Okarben überbrachte die Grüße der christlichsozialen Partei. Er bedauerte, daß der christlichsoziale Parteitag in Elberfeld zugleich mit dem deutschsozialen Parteitags stattfinde. Zu seiner Freude könne er kcnstatiercn, daß die Beziehungen zwischen D e u 11 ch s o z i a l e n, und Christ- l i ch s o z i a l e n immer enger wurden. „Am deutsch-^ und christlich- sozialen Wesen wird dereinst die Welt genesen." Sein Hoch galt den Reichstagsabgeordnctcn. L i e b e r m an n v. Sonnenberg tjedachte in warmen Worten des Hofpredigevs Stöcker, der leider durch Krankheit verhindert sei, am christlichsozialen Parteitage in Elberfeld teilzunehmen. Herr v. Liebermann trank auf die Damen, die Nachkommen der blauäugigen Germanenfrauen^ die schon bei Aquä Sextiä den Ruhm' der deutschen Frau begründeten- Hierauf nahm Redakteur Obersteiner-Frankfurt das Wort und überbrachte die Grüße des Bundes der Landwirte- Der Bund werde int Verein mit den Deutschsozialen im Stande sein, bei der nächsten Reichstagswahl in der hiesigen Gegend eine Anzahl Wahlkreise zu erorbern und die jetzigen „Waschlappen" hinwegzufegen. Wir sind stark in der Liebe, aber auch stark im Hassen. Wir hassen alles, was undeutsch ist unb lieben allesl, was national ist. In beredten Worten feierte auch Amtsrichter Mahr -Darmstadt deutsches Volkstum'. Es sprachen noch Reichstagsabgeordneter Herzog Obernkirchen, Oberamtsrichter Gräf-Weimar uno Lehrer Sonntag-Frankfurt- Dann folgten patriotische Gesänge. _ Heute vormittag 10 Uhr eröffnete in den Alemannia-Sälen der Parteivorsitzende, Reichstagsabgeordneter Lieber mann von Sonnenberg den Parteitag. Der Redner forderte zu einer strammen Organisation innerhalb der einzelnen Wahlkreise auf, damit für die Zukunft Iveitere Erfolge nicht ausbleiben- Erst das Vaterland, dann die Partei, das fei ber Leitstern, bie Richtschnur der Deutschsozialen. Dieser Grundsatz hätte es zu Wege gebracht, daß man in Frankfurt a. M. bei der letzten Reichstagswahl für den Denwkratcn Oeser ein getreten fei- Reichstagsabgeordneter Raab- Hamburg berichtete über bie Tätigkeit im Reichstage unb brachte zum Schlüsse folgende Resolution ein, (bfie einstimmig angenommen wurde: „Der deutschsoziale Parteitag erklärt die Mitarbeit natfonalgesinnter Arbeitnehmer, bie das Vertrauen ihrer Verufsgenossen besitzen, in den Volksvertretungen für bringend wünschenswert- Den Partü- gevossen wird daher empfohlen, überall, wo sich geeignete Bewerber finden unb bie Umstünbe einen Erfolg erwarten lassen, für bie Ausstellung von Arbeiterkanbibaturen einzutreten." Lanbtagsabg. ,Oberlanbgerichtsrat Freiherr von Richt Hofen gab hierauf einen kurzen Ueberblick seiner Tätigkeit im Weimarschen Landtage, Abgeordneter, Amtsgerichtsrat £a.tt = mann einen solchen im preußischen Abgeordnetenhause. Er be- Universitäts-Nachrichten. Salzburg, 9 Sept Der deutsche Hochschullehrer- ,den nächstjährigen Hochschullehrertag m der ersten Halste des Oktober m Jena abzuhalten. Sport. — Der Kosteuanschlag der geplanten Rennbahn tm H u n dsrück i|i dem larserl. Automobilklub Darnach ivürde die Rennstrecke 45 Kilometer, 2 385 000 Pik. koften. Innerhalb des gesamten, für die Anlage in ckrage kommenden Geländes liegen weder Dörfer, noch Gehöfte noch Wiesen und Felder; cs sind nur dem preußischen Staat gehörige Waldungen. /m, y \ vermischter. • Schmugglerinnen. Bei der Ankunft des französ. D a inp fs ch i ff es ,La Savoie" in New-Vork rvurdc von. ben Behörden das Gepäck von 20 Damen beschlagnahmt. Sie mußten sich auch einer Leibesolsitation durch Angestellte | des Zollamts unterziehen. Es stellte sich heraus, daß die Damen große Wiengen der wertvollsten französischen Roben, Hüte und Spitzen, auf denen ein sehr hoher Zoll lastete, em- schtuuggeln wollten. Tie Hüte sind konfisziert worden. Anführerin der eleganten Schmuggelbande ist eine junge Dame der reichsten Rewyorker Kreise, die in Amerika und Europa einen gewissen gesellschaftlichen Ruf genießt. Die Zollbeamten behaupten, daß von derselben Schmugglergruppe schon französische Luxuswaren nu Böerte von Millionen eingeschmuggelt worden seien. (B. T.) wußte Reisende, da gerade durch gesteigerten Fremdenverkehr ide arme ländliche Bevölkerung sich von den Irredentisten wirtschaft- (—) gegenüber der Vorwoclic folgt: nt wie Weizen Roggen Hafer 3) ) (— ) (+ 17) (+ ( Weltmarktpreise: Dez. 226.50 (-f- 6.50). (4- ( + (4- 170 165 172 174 182 193 168 77,) 6 ) 200 191 195 200 194 9) 4) 7) 12) 7) (4- i (4- (4- (4- (+ (+ , 14- (+ (+ (-- (-- 2) 4) 5) 3) 193 I95V3 102 193 199 201 200 , 206 207 220 205 211 200 2077, 198 10) ü) 165 (— 177 (— 77- 4 4 3 5 5 6 4 3 15 6 2 meriebezirks Oberhessen, eiugesunden. Das Töchterchen des Schloßverwalters Obst überreichte nach dem Bortrage eines Gedichtes I. K. H. der Großherzogin ein herrliches Blumen- bukett. Die Herrschaften unterhielten sich mit den erschienenen Herren und sprachen sich sehr erfreut über die Schmückung der Straßen und den schönen Empfang aus. Sie erklärten sich bereit, die Huldigung der Einwohnerschaft in Form einer Serenade in den nächsten Tagen entgegenzunehmen. Morgen MH fahren die Herrschaften im Automobil in das Manövergelände bei Windecken, wo die Pferde bestiegen werden. Nach Schluß der Manöver erfolgt die Rückkehr hierher im Automobil. Mittwoch den 11. d. M., 1 Uhr nachmittags, findet im Kürhause zu Bad-Nauheim eine Mittagstafel statt, zu der die Generale und Stabsoffiziere der 25. Division geladen sind. Einen wunderbaren Anblick gewährt die herrlich geschmückte Kaiserstraße, insbesondere der nördliche Teil, wo an dem Eingang der Usagasse eine Ehrenpforte errichtet ist. Bon da ziehen sich Flaggen-, masten, durch Girlanden verbunden und mit Fahnen und Wimpeln in Licher und hessischen Farben verziert, bis in die Burg, wo sie am Schloßtor ein Ende nehmen. Königsberg Danzig Stettin Posen Breslau Berlin Magdeburg Halte Leipzig Hamburg Düsseldorf Mannheim Stuttgart Straßburg München genommen. > Der Alldeutsche Verband fordert, daß die Reichsregicrung 1. in deutlicher, auch den Marokkanern zur Kenntnis gelangender Weise das Vorgehen Frankreichs mißbilligt, 2. den Schuh der deutschen Handelsinteressen in Marokko selbst in die Hand nimmt und sür die Gleichberechtigung des deutschen Handets mit dem anderer Nationen im Sinne der Akre von Algeciras wirksam eintrüt, 3. die Entschädigung der in Casablanca geschädigten Deutschen durch den Schaden stifte r, d. i. Frankreich, mit allem Nachdruck betreibt, 4. wenn jedoch die Gefahr näher tritt, daß Frankreich auf den Etappen der zeitweiligen und dann verlängerten Besetzung des Landes tatsächlich politisch und wirtschaftlich Besitz von marokkanischen Gebieten ergreift, so hat Deutschland eine gleichwertige territoriale Entschädigung zu be- ansprucAn- Diese Entschließung wurde mit lebhaftem Beifall angenommen. Am Abend fand eine Festkneipe im Festsaale der „Wartburg" ' statt- Ein Markstein in der Geschichte der Tuberkulosebekämpfung 230 226 214 226 232 228 220 225 223 220 220 233 225 230 234 lich frei machen könne. Die Irredentisten würden durch einen Boykott nicyt geschädigt werden, da sie ihre Einnahmen aus landwirtschaftlichem Gruridbesitz ziehen. (Beifall.) Zur Marokkofrage wurde eine Entschließung einstimmig an- Arrs Stadt uitO Land. Gießen, 10. Sept. 1907. Dann sprach Rechtsanwalt Putz-München über die Heb erfülle auf Deutsche in Südtirol am 26. und 27. Juli ds. Js. in Per sc n und Calliano. Er betonte, daß die Täter fast ausschließlich aus eigens zu den Uebetfällcn zugereisten Tricntinern und Rovreitern bestanden, und daß die eingeborene ländliche Bevölkerung sich gänzlich fern gehalten habe- Redner wandte sich mit aller Schärfe gegen den verschiedentlich aufgetauchten Vorschlag eines Boykotts Welschtirols, verlangte vielmehr im Gegenteil verstärkten Besuch durch deutsch bc- einep Annäherung an Dänemark zum Januarvertragc 1907, wonach die Nachkommen der Optanten Preußen werden können, geführt. Diese Politik ist nicht als Milde, sondern als Schwäche und Furcht von den Dänen em Pfunden worden und Hot nur die Begehrlichkeit der Dänen geweckt. Ein Ausgleich mit Dänemark ist erst möglich, wenn nach hinreichender Eindeutschung Nordschleswigs der dänische Chauvinismus nicht mehr die Neigung spüren wird, sich an deutschem Gebiet den Magen zu verderben. .Auch die Regierung dürste inzwischen beobachtet haben, daß sie die dänischen Wünsche nie voll erfüllen kann. Die Versammlung .nahm einstimmig eine Kundgebung -an, die die in Mrdschlcswig plötzlich bekundete Politik der Schwäche verurteilt, die um vermeintlicher Vorteile der äußeren Politik willen die bisherige ruhige, dem Deutschtum günstige Entwickelung in Frage stellt- heblrcher Besserung chres Zustandes, nachträglich abgcletmt und |o blieben für den Beginn der Jüvalideufürsorqe im Großherzogtum Hessen zwei Kranke übrig. Für die baldige gänzliche Belegung der für lungenkranke Rentenempfänger zur Verfügung ftehenden Betten ist aber bereits Sorge getragen. Der Vorsitzende der Landesversicherungsansra" Großh. Hessen, Geh. Regierungsrat Dr. Dietz in Darnutadt vollzog selbst die Ausnahme der ersten Krauten una- einigen Worten der Ermunterung an die Patienten, der An- eiferung an Arzt und Pflegepersonal. Der erste bedeutungsvolle Schritt auf dem für Hesfeu neuen Gebiete ist nun getan. Möge die neue Fürsorge sür Invalide, die der Versicherungsanstalt erhebliche materielle Opfer auserlcgt, den Kranken und der Menschheit zum Segen gereichen! Getrerdewochenbcricht des Deutschen Landwirtschaftsrats. Die erregte Stimmung im Getreide handel hält an. Einer Wits scheinen Befürchtungen hinsichtlich der Weizenernte irn Now- westen dcr Vereinigten Staaten und in Kanada auf eine Schmälerung der nordamerikanischen Leistungsfähigkeit hinzudeuten, an dererseits gibt die Verkaussenthaltung Rußlands andauernd Veranlassung zu ermsten Erwägungen. Für die Versorgung d s westeuropäischen Bedarfs kommen aber vorerst nur diese veiden Gebiete in Betracht, denn Argentinien beteiligt sich schon feit längerer Zeit nur in bescheideneiii Maße am Weltexport und von der Donau wurde zuletzt manches zurück gehaudelt- In den Importländern aber sind die alten Vorräte erschöpft und die Lage wird außerdem noch durch den Umstand verschärft, daß das Erzeugnis der ohnehin spät gereisten eigenen Ernten um einen Monat später als in normalen Jahren seiner Bestimmung zuge- suhrt werden kann- Es ist 'dies namentlich in Deutschland der Fall, wo sich die restlichen Ernt-arbeiten unter sehr schwierigen Berhaltnisien vollziehen. Die in der Berichtswoche zu täglich gediegenen Preisen erzielten Umsätze bestanden daher nur zum kleineren Teil aus inländischem Weizen- Der Berliner Markt Hai der Notwendigkeit, sich den ausländischen Forderungen anzupass rn mit einer Wertbesserung von 7—8 Mk- nicht in vollem Maß^ Rechnung getragen- Der Roggewmarkt steht liach wie vor unter dem Eindruck russischer Rückkäufe. Auch m diesem Artikel bleiben Zufuhren aus dem Jnlande noch immer gering, während die Kauflust wieder lebhafter hervortrat, so daß sich die wesentlich erhöhten Forderungen, sofern es sich um einwandfreie Qualitäten^ handelte, meist glatt durchsetzen ließen . In Berlin hat der^eptentbertermiN i zumteil infolge der schwierigen Beschaffung tontrattttcycn moggens seit 8" Tagen unt ungefähr 8 Mk- ange- iOQen. Hafer wurde von dcr allgemeinen Festigkeit weniger berührt, trotzdem sich namentlich in Süddeutschland noch ziemlich viel von dieser Frucht auf den Feldern befindet und durch die ^ditteruug gelitten haben dürfte. Immerhin war die Nachfrage darin weniger lebhaft als das Angebot- Für Braugerste wurden von Händlern höhere Preise bewilligt, namentlich die schönen Qualitäten, die Nieder-Bayern, Mittel- und Unterfianken liefern bereitwillige Aufnahme. Die Brauereien standen dem Geschäft noch fern- Für Futtergerste unb Mais mpßte der lebhafter cmgreftende Bedarf den erl-öhten Preisansprüchen des Auslandes folgen- im Großh erzogtum Hessen ist der 2. Sept. 1907. Während die bisherigen Bestrebungen auf diesem Gebiete dahin gingen, das volksverherende Uebel durch im Anfang der Krankheit einfetzende Kuren in der Ernst-Ludwig-- und Elevnvren- Heilstätte an der Wurzel zu fassen, war für die schon länger an dieser Krankheit Leidenden wegen vorgeschrittenen Leidens aber nicht oder nicht nochmals zur Heilstättenbehand- lung geeigneten Versicherten der Landesversicherungs-An- nichts geschehen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die an der schwereren Form der Tuberkulose Erkrankten eine außerordentlich große Gefahr sür ihre Umgebung find. Die Ansteckungsgefahr für die Mitmenschen, besonders' für die nächsten Allgehörigen des Erkrankten durch seine Jfolierung zu beseitigen, ihm außerdem durch ausreicheude Verpflegung und ärztliche Behandlung in dafür geeigneten Krankenhäusern allenfalls die Möglichkeit zur Erholung und Kräftigung zu geben, sollte und mußte der Zweck des iveite- ren Mittels gegen die Ausbreitung der Tuberkulose sein. Um zu sehen, ob und inwieweit in den Kreisen der Erkrank- ten ein Bedürfnis nach solcher Fürsorge vorhanden ist, hat der Vorstand der Landesversicherungsanstalt Großherzogtum Hessen anfangs Februar d. Js. an etwa 500 tuber- ^1O|rJ^n?ertem^'än92r bie Anfrage gerichtet, ob sie den Wunsch haben, gegen Wtretung ihrer Rente auf Kosten )er Versicherungsanstalt Aufeilthalt in einem Sanatorium zu nehmen. Tas Ergebnis dieser Rundfrage war verhült- Ni^maftig erfreulich. Tie sehr zahlreich eingegangenen > Zuschriften lassen ersehen, daß die Erkenntnis, welche dre an Tuberlmlose Ertränkten für ihre Mitmenschen hinsichtlich der Ansteckungsmöglichteit sind, tief in alle Schichten der Bevölkerung eingedrullgen ist, und daß dieser Gefahr, soweit es die Wohnungsverhaltllisse und die. Mittel der einzelnen Kranken gestatten, auch entgegengetreten wird. m Iallen verzichteten verheiratete Erkrankte lediglich mit Rücksicht auf ihre Familienverhältnisse unter dem Aus- druck des Tankes auf die ihnen angebokene, für vorteilhaft uvtrg erachtete Unterbringung in einem Sanatorium, io (11 mannlrche und 5 weibliche) Rentenempfänger erklärten sich ogne ^verkeres zur Aufnahme bereit, 17 andere wünsch- FnnfräUÜsSX lln? Verpflegung nährre Aus- sv irr.9 udj-?c‘“ tlsfc gejiajert war, konnte der Anstalt-vorftand mit den als Sanatorien in Betracht kommenden Mantenhausern des Landes in Verbindung treten. biyci: ^niühungen entsprach zwar nicht ganz den gehegten Erwartungen, doch ist es infolge dankens- werren Lntgegenioinmens einigen Anstaltsverwaltunaen ae- sungen, loutel Raum sür lungenkranke Rentenempfänger zu Ochern, als zunächst nötig sein icirb. Zur Unterbringung haus Är" lft ^läufig das Kreiskranke?, olvita E Zgenstadt a. M für die weiblichen das Hospital in lernt) exm ausevseheu worden. Tie Be- ^stcrcu tonnte bisher nicht erfolgen, weil nötige baulla-e Veränderungen noch nicht beendet sind; im Laufe dev nächsten Monats wird das voraussichtlich möglich fein. 9 E ^ogung des Hospitals Viernheim ist aber am - . Dll An>ang gemacht worden; von den 5 zu- 1 ,1 Ö‘ECI.9C kommenden Personen sino inzwischen Mvei eine hat, anscheinend .infolge eingekretener er- 11 wurde bestimmt, daß der nächstjährige Sängertag in T e ck e n b a ch abgehalten werden soll. — Nach Erschöpfung öer Tagesordnung blieben die Sänger bei fröhlichem Gesang noch einige Stunden in heiterster Stimmung beisammen. Erst mit Einbruch der Dunkelheit trennte man sich mit dem Bewußtsein, einen schönen Tag verlebt zu haben. Za Butzbach, 9. Sept. Ein Menschenauflauf entstand heute nachmittag zwischen 5' und 6 Uhr vor der Wohnung des Oberamtsrichters, da dessen Tochter laut um Hilfe schrie. Tie bald anwesenden Beamten der Gerichtsschreiberei konnten feststellen, daß das Tiensimädchen des Ober- amtSrichters auf dem Flur an Kopf und Arm blutend mit krampfhaften Zuckungen am Boden lag. Nach einigen Minuten erfuhr man, von der Verwundeten, daß sie überfallen worden sei. Ter Täter sei ein ihr von früher her bekannter Strolch, der sich Brachmann schreibe. Ta nun die Tat unmittelbar vorher begangen sein sollte, so gingen alle Anwesenden auf die Suche nach ihm. Tas Resultat war erfolglos und außerdem konnte man inzwischen seststellen, daß der N a u b a n f a l l von dem Tienstmädchen selbst fingiert war und daß es sich die Wunden selbst beigebracht hatte. b. Friedberg, 9. Sept. II. KK. HH. der Großherzog und bie Großherzogin trafen heute mittag nm 121/2 Uhr vom Jagdschloß Wolfsgarten kommend hier ein. In ihrer Begleitung befanden sich die Prinzessin Viktoria zu Schleswig-Holstein, die Prinzessin Ludwig von Battenberg mit ihren beiden Söhnen, den Prinzen Georg und Franz Ludwig. Der Erbgroßherzog traf mit dem Zug um 1.13 Uhr ebenfalls hier ein. Im Gefolge der Herrschaften befanden sich die Oberhofmeisterin Freiin von Grariei, Hofdame Freiin von Rotsmann, sowie die Hofdame der Prinzessin zu Schleswig-Holstein Miß Loch, ferner Oberstallmeister Riedesel Freiherr zu Eisenbach, General- Adjutant von Wachter, Hofmarschall F-reiherr von Ungern- Sternberg, Flügeladjutant Rittmeister Freiherr von Massenbach und Ordonnanzoffizier Leutnant von Schröder. Zur Begrüßung der fürstlichen Herrschaften hatten sich im Schlosse Kreis rat Fey, Bürgermeister Stahl und Oberstleutnant Schmidt aus Gießen, Kommandeur des Gendar- ** Der Verein Edelweiß-Gießen feierte am LI. Aug., 1., 7. und 8. September l. I. sein 15. Stiftungsfest. Es wurde eingeleitet durch einen Festkommers am 31. August im dekorierten Saale des „Frankfurter Hofs" Er verlief unter zahlreicher Beteiligung der ihm befreundeten Vereine aufs Beste. Sonntag, 1. September er, tanb tafelt ft Frühschoppen mit Musik und nachfolgender photographischer Aufnahme statt. Am Samstag, 7. l. Mts., verewigte man sich wiederum im festlich geschmückten Saale des ^Hotel Einhorn", um bei Konzert, Gesangs-Vortragen und darausfolgendem Ball zusammen zu sein. Ter Abend wurde durch die Gesangsvorträge des G-ejangvereins Gemütlichkeit" aufs Beste verherrlicht. Zum Schlüsse fand Sonntag, ein Ausflug nach der Karlsruhe statt.' Allen Fest- teilnehmern werden die schön verlebten Stunden noch lange in Erinnerung bleiben. . /in Langsdorf, 10. Sept. Am Sonntag, 8. Sept., wurde hier eine Station für Krankenpflege errichtet und zu diesem Zwecke eine Kranken-Schwester durch den Pfarrer Deggau vom Diakonissinnenstist zu Darmstadt, der früher selbst Pfarrer zu Langsdorf war, durch einen kirchlichen Akt eingeführt. Vom Kirchenpatro- nat war die Frau Mrstin zu Solms-Lich und der kleine Erbprinz Philipp zu Solms erschienen. Tie neue Einrichtung verdankt ihr ursächliches Bestehen der Initiative des früheren Biirgermeisters Köhler-Langsdorf, der vor Jahren schon die Bewilligung eines Zuschusses von jährlich 500 Mk hurch dre Gemeinde zum Zwecke der Armeupflege beantragt .hatte. Außerdem gelang es ihm, bei dem Großh. Finanz- iNiNisterium irrtümlicherweise zuviel augeforderte und gezahlte 500 Mk. Erbschaftssteuer der Erben des ver- ftorbenen Fruchthändlers Christian Köhler VII. in Rück- A?huw9 zu bringen und dem guten Zwecke zuzusühren. Dafür wurde dem neuen Bürgermeister Schiel und den: Gememderat der sich dieser Bewilligung nicht widersetzt batte, der öffentliche Tank durch Pfarrer Mahr ausgesprochen und auch des Alt-Bckrgevmeisters Erwähnung getan. Wir wünschen der Krankenschwester Gottes Segen und dem ganzen Unternehmen das Vertrauen und die reichlichste Unterstützung der Gemeinde. (4- 10) (+ 1) (+ b) (— 14) (+ 10) (+ 5) (+ 7) (+ 2) s^Aten ich die für inländisches Getreide am letzten in Mark pro 1000 Kilogramm je nach Qualität, loo- ber das Mehr (+) beziv- Weniger ' — Klammem ( ) beigefügt ist. Weizen: Berlin Sept. Budapest Okt. 195.35 Edel sei der Mensch, Hilfreich und gut. -r. Stangenrod, 9. Sept. Gestern tagte in dem geschmückten Saale des Gastwirts Bock hier der 19 Sängertag des Ohm-Lumdatal-Sangerbun- be§. Bon den 12 Bundesvereinen waren anwesend die Vertreter, d. h. die Präsidenten und Dirigenten der Gesangvereine von Bernsfeld, Deckcnbach, Groß-Eichen, K'esselbach Lehnheun, Merlau, Nteder-Ohmen, Sellnrod, Stangenrod' D-eitershain und Wettsaasen. Bon Burg-Gemünden waren keine Vertreter erjchieiien. Bon fast jedem Bnndesvereine waren außerdem noch einige Sänger mitgekommen: der Gesangverein „Konkordia"-Stangenrod war vollzählig erschienen, so daß im ganzen etwa 75 Sänger anwesend waren Der Bundespräsident, Lehrer Ge mm er-Merlau, hieß die Vertreter und Sänger willkommen und alsdann wurde in die Beratung der reichhaltigen Tagesordnnng eiuqe- treten. Ter Präsident erteilte zuerst dem Schriftführer des Bundes, Lehrer Bender-Stangenrod, das Wort zur Verlesung des Protokolls vom 18. Sängertag. Alsdann wurde durch den Bundesrechner, Schreinermeister Hofmann - Nieder-Ohmen, die Rechnung für 1907 verlesen unb ba sich kein Anstanb ergab, auch genehmigt. Dem Rechner wirb Entlastung erteilt. Die finanziellen Berhält- niise bes Bunbes sind gut. Das bare Bereinsvermöcien betragt über 400 Mk. Das 14. BuudeSfesi sand am 30. Juni oiefes Hahres in Merlau statt. Mit diesem Feste verband der Gesangverein „Eintracht" daselbst sein 25 jähriges Stif- her9wm SelbeX f,attC ^st sehr unter der Ungunst der Witterung — cy regnete saft den ganzen Tao — Z leiben, o daß der Verein mit einem Defizit abschloß. Der Sangertag bewilligte daher - statt wie seither 25 Mk - emstiimmg dem Verein eine Untcrstüaung von 50 Mk 2a alle 12 Bunde-verei.ie )etzl im Wi£ °ou Fahn n fmb, jo »urbc alle zwei Jahre ent LmideS est abzuhatten; Ausnahmen finden statt bei 25- reip. 50> jährigen Jubelfeiern der einzelnen Vereine. .Durch das Los Märkte. Gießen, lO.Sept Aiarktberickt. Auf heutigemWocbemnattte 9Ü£e/?lnn ^nnSP1'- D L20-L30 Hühnereier 1 Sl. 8-9 Vsg., 2 Stck. OO-OOPsg., Gauseeier 10-00 Psg., Euteneier 8 Pfg, Käie Pr- Stck. 6—8 Pf-, Kasematte 2 Sick. 5-6 Psg., Erbseu p.M. 18-24 Pfg. ^ailbeupr.Pr.0,80-l,OOAck.,puhtierpr.St. 1,00—1,60 Mit., Hahne pr. Stäck 0,80—1,80 Wck., Enten vr (Siiicf 0O-WPsg., OchliMfL ZZ. P'd 82—88 Pfg Kuh- und Rmdsleifch pr. Pnmd 80—82 Pfg., Schweine- -O—64^Pfg., Schwcmefleisch, gefaizen, pr. Pfd. ^albflepch pr. Pfd. 80—90 Pfg., Hammelfleisch pr. PW. ß4 o-cI,^c pcv ^Ilmb —Kartosselu pr. lOOKg. 6—7 Pik., Zwiebeln pr. Zlr. 6/00—7,00 Pir., Milch per Lilei 2l> Psg., Nüsse 100 Stück 50—00 Pfg., per Ztr. 9—15 Mk., Weiß' fmut per Stuck 15—30 Pfg., per Zentner Pik. 0.00—0.00. — Marktzen von 7—1 Uhr. . « - Kartofselmarkt-Bericht vom 9. Sept. Für Kar- tofteln m Wagenladungen von 10 OOü Kilogr. ist bezahlt worden ^ %rUUrsrn5° ßlI°9r* - Friedberg (Hesse.i): Role Sorten 1.75-2.00, Piagnum boiuim 2.10—2.30, weiße runde 1.75—1.90 Frankfurt M.: Rosen (frühe) 2.25, frühe weiße Kaiserkrone 2.50, Fruhgelbe 2.75. 230.50 (Z- 7.75), Sept. 190.90 (4- 2.75). Liverpool Dez. 178.40 (-k~1.9(j) ^ Clücaao Sept. 148.40 (+ 6.35), Dez. 156.10 (+ 5.40).^loggen: 207.50 (+ 7^-) Dez.198.50 (4- 7.25). Hafer ^Bctti.r Sep!! 17o.2o (4- 3.—), Dez. 170 (fi- 4.50) Mark. * Mordtaten in Schwaben. Im konigl. Schloß- garten zu Ludwigsburg ist der 70 Jahre alte der nnttoctc Portier Dambach ermordet worden. Er wollte eben ein Portal zuschließen, als aus dem Hinter halte Nevolverschüsse auf ihn abgegeben wurden. Der Ueberfallene konnte noch rufen: „Der Meier hat mich ermordet!" Vorübergehende, die den Mörder halten wollten, wurden von diesem mit dem Revolver bedroht. Als Mörder wurde indes in einer Wirtschaft der Inhaber einer Privat irrenanstalt, Hermann Krauß, festgenommcn. Bei der Fest nähme zog er einen Revolver. Krauß war früher selbst in einer Anstalt und lebte mit Tambach, einem Manne von heftiger Gemütsart, in Unfrieden. — Im Landorte Altdorf wurde die 86 jährige Witwe Eitel, die ein kleines Haus allein bewohnte, erdrosselt. * In der Mord-Affäre Kamarowski zu Venedig hat die Geliebte des ermordeten russischen Grafen, die Frau v. Tarnowska, im Polizeiverhör gestanden, daß sie den Anschlag im Verein mit dem Rechtsanwalt Prilukow ersonnen habe. Prilukow sagte aus, daß die Ermordung des Grafen ein Komplott sei, das von der Tarnowska angestistet worden ist, um die hohe Versicherungssumme von 500 000 Kronen zu erhalten. Graf Kamarowski hatte ein Testament in Wien aufgestellt, in dem er sein bewegliches Eigentum Frau v. Tarnowska, das unbewegliche einem in ihrer Obhut befindlichen Knaben, jedenfalls seinem natürlichen Sohne, im Ganzen 3 Mil- lionen Rubel, vermachte. Die Versicherungs-Gesellschaft „Anker" wird die Gültigkeit der Police ansechten, weil ihr die wahren Tatsachen bei dem Abschluß der Versicherung verschwiegen wurden. * Automobilunfälle. Der auf der Hochzeitsreise befindliche Privatier Otto Katsch aus München ist in Hallein im Salzkammergut zwischen Golling und Abteuau beim Bergabfahren infolge Ausgleitens seines Automobils, durch die Straßenbarriöre durchbrechend, in die Lammer^ge- stürzt. Katsch und sein Ehaufscur sind tot, seine Frau ist verletzt. — Aus Salzburg kommt die Nachricht, daß Rudolph Gritzner, Mitglied des Aussichtsrates, früherer Mitinhaber und Vorbesitzer der Gritznerschen Maschinenfabrik in Turlach, auf einer Automobilfahrt tödlich verunglückt ist. Sein Bruder Julius Gritzner und der Ehausfeur wurden erheblich verletzt. — Der Kraftwagen des bekannten Industriellen Freiherrn v. B o ch, Mitinhabers der Firma Villeroy u. Boch in Mettlach, fuhr bei Bern kastel infolge Versagens der Steuerung gegen einen Baum. Frau v. Boch und ihr Begleiter wurden durch die Scheiben des coupe- förmigen Wagens geschleudert und beide schwer verletzt. * Wiedervermählung der Gräfin M o n t i g - noso? Eine Nachricht, deren Bestätigung jedenfalls ausbleiben wird, verbreitet heute ein bekanntes Berliner Sensationsblatt. Tie Gräfin soll danach heute (10.) in London ein- trefsen, wo ihre Trauung mit dem 26jährigen Florentiner Sänger Toselli stattfinden soll. Gräfin Montignoso hatte bekanntlich die letzten Jahre in Florenz ihren Aufenthalt genommen, wo sie mit ihrer kleinen Tochter Pia Monica eine Villa bewohnte. Seit ihrer abenteuerlichen Fahrt nach Sachsen im Dezember des Jahres 1904 Hütte die Öffentlichkeit keine Veranlassung mehr, sich mit der ehemaligen Kronprinzessin zu beschästigen, die übrigens dieser Tage ihren 37. Geburtstag begangen hat. — Tie Nachricht wird in Wien, wie von dort gemeldet wird, wohl mit Recht, nicht geglaubt. Tie Gräfin ist seit ihrer Scheidung wieder Mitglied des österreichischen Kaiserhauses geworden. Für ihre Wiederverheiratung ist die Ebenbürtigkeit unb die Zustimmung des Kaisers als Chef des Hauses nötig, die in diesem Falle gewiß nicht erteilt werden würde. Turch ihre Wiederverheiratung würde die Gräfin ihrer finanziellen Unterstützung, die sie aus Oesterreich bezieht, vollständig verlustig gehen. Kleine Tageschronik. Gegen das Vermögen des General-Bevollmächtigten der „deutschen Armee-, Marine- und Kolonial-Ausstellung" jit Berlin, des Direktors Albert Huster, ist ein Arrestantrag und gegen die Ausstellung selbst der Antrag auf Konkurs-Eröffnung gestellt worden- In Berlin wollte gestern eine von Verfolgungs-Wahnsinn befallene russische Studentin angesichts einer großen Menschenmenge von dem Fenster des 3. Stockwerks der Rosenthalerstraße auf'die Straße springen. Der Feuerwehr gelang es, die Unglückliche in einem Sprungtuch aufmfangen und anscheinend unverletzt nach dem Krankenhaus zu bringen- In dem Bassin der städtischen Kläranlage zu Berneastel erfolgte eine gewaltige Explosion in dem Augenblicke, als der Installateur Engel mit einer brennenden Lampe hinabstieg. Engel kam, in eine Feuersäule gehüllt, zu Tage und starb bald darauf- In Schiltigheim (Elsaß) ging der Nachtwächter Knösscl in einem Hausflur auf seinen Nachbarn, den Straßenbahnarbeiter Klein mit geladenem Revolver zu- Als Klein floh, verfolgte ihn der Angreifer in seine Wohnung und gab mehrere Schüsse ab, die aber Klein nur leicht verletzten- In seiner Augst sprang der Bedrohte aus dem Fenster, wobei er sich schwere Verletzungen zuzog. Knössel ging daraus in seine Wohnung, vergiftete seine beiden Kinder, eilt fünfjähriges Mädchen und einen dreijährigen Knaben, mit Lysol und schoß sich dann eine Kugel in den Kopf- Er erlag seinen Verletzungen auf dem Wege zum Hospitale- Im dritten Tunnel der Neubaustrecke der H u n s r ü ck b a h n bei Boppard erfolgte abermals ein großer Felssturz. Der ganze Tunnel ist bis ans eine kleine Oefsnung zugeschüttet. Glücklicherweise waren zur Zeit des Einsturzes keine Arbeiter im Tunnel- Der vollbeladene G ü t e r s ch r a u b e n d a m p f e r „Eadeniat" der Mannheimer Laaerhausgesellschaft, der in Koblenz vor Anker lag, kam am 8- d. Mts. plötzlich zum Sinken, indem er sich auf die Seite legte- Ein Matrose wollte die Rettungsarbeiten verhindern und bedrohte die Arbeitenden mit einem Revolver- Er wurde verhaftet. Die Besatzung konnte den Dampfer- verlassen. Der Maschinenraum steht unter Wasser. Die Dampfpumpen halten den Dampfer noch über Wasser- Ob ein Verbrechen vorliegt, wird die Untersuchung erst ergeben- NttrvertzsLäts-NcrchrichSen. Marburg, 9. Sept. Der bisherige außerordeutliehe Professor an der Universität Berlin Tr. Karl Goldner ist zmn ordent- lichen Professor in der philosophischen Fakultät' der hiesigen Universität ernannt worden. findet am 12. Oktober vor dem ersten Strafsenat des Reichsgerichtes tatt. MgchkiiMe lltbrrfiiM brr MeM!? in htr Sichtßiffrn 35. Woche. Vom 25. bis 31. August 1907. Einwohnerzahl: angenommen zu 30 000 iinkl. 1600 Alaun Militär). Sterblichkeitsziffer: 22,53 °/00, nach Abzug von 6 Ortsfremden: 12,13 Von. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Angeborener Lebensschwäche 1 Kl) _ Altersschwäche 1 1(1) — Diphtherie 1 — — 1 Tuberkulose 2 1 —— 1 Krankheiten der Atmcmgsorgane 1 1(1) — Krankheiten der Kreislauforgane 1 1 — — Krebs 1 1 — -- Kropf 1 1(1) — — Verunglückung 1 KD — — attderen Krankheiten 3 2 (l) 1 — Srnnme 13 9 (5) 2(1) 2 TeJefomscSw Kursberichte des Giessener Anzeigers, *mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Franldurter Hör 3%°/. Beichsanleihe . . 93.00 3% do. . . 82.60 3^°/0 Konsols .... 93.10 3-z do. . « . . 82.70 o%°/0 Hessen . . . . 91.50 3H°/0 überliessen . . . 90.10 4% Oesterr. Goldrente. . 98.20 4^5 zo Oesterr. Silberrente 97.90 4-z Ungar. Goldrente . . 92.50 4% Italien. Bente . . . 102.95 3-6 Portugiesen Serie I 66.00 3-o Portugiesen „ 111 —— 4^°[9 russ.Staatsanl. 19O.‘> 9130 4^°,0 japan. Staatsanleihe 89.50 4% Conv. Türken von 1903 93.20 Tiirkenlose ..... 139.60 4-6 Griech. Monopol-Anl. . — 4% äussere Argentinier . —• — 3°/0 Mexikaner < . . 61.50 4}*7o Chinesen . . « . 95.00 Aktien: Bochum Guss 207.00 Buderus E. W. . . . 114.50 Tendenz: still. *e, 10. Sept., 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . 114 OÖ Elektriz. Schlickert . . . 100 50 Eschweiler Bergwerk . , 212.25 Gelsenkirchen Bergwerk . 192.00 Hamburg-Amerik. Paket!. 129.00 Harpcner Bergwerk. . . 195.10 Laurabütte 219.00 Nordd. Lloyd 112.20 Obeischles. Eisen-Industrie 100.00 Berliner ilandelsges. . . 150.70 Darmstädter Bank . . . 125.75 Deutsche Bank .... 223.20 Deutsch-Asiat. Bank . . 140.00 Diskonto-Kommandit. . . 168.40 Dresdner Bank . . . 138.00 Kreditaktien 198 60 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn 92.50 Gotthardbahn — Lombard. Eisenbahn . . 30 85 Oesterr. Staatsbahn . . . 141.20 Prince-Henri-Eisenbahn . 126.50 Berlin, 10. Sept. Der Hochverrats-Prozeß gegen Dr. Karl Liebknecht wird am 9. Oktober vor dem Reichsgericht zur Verhandlung kommen. Berlin, 9. Sept. Das Schöffengericht Berlin-Mitte sprach nach mehr als siebensti'mdiger Verhandlung den Obersten a. D. Gaedke von der Anklage der unbefugten Führung des Oberstentitels frei. Sämtliche Kosten des Verfahrens fasten der Staatskasse zur Last. Generalstaatsanwalt Dr. Wachler, Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel und, im Auftrage des Kriegsministeriums, Geheimer Kriegsrat Tr. Romen wohnten der Verhandlung bei. Leipzig, 9. Sept. Die Revision im Prozeß Hau Berliner Börse, 10. Sept. Anlangskurse Canada E. B 160.40 Darmstädter Bank . . . —.— Deutsche Bank .... 223.00 Dortmunder-Union C. . . 66.00 Dresdner Bank . . . 137.00 Tendenz: still, aber fest. Harpener Bergwerk Laurabütte Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . ♦ . 112*00 140.10 -------- -------- ■---1 ■■■'_> Bei der jetzigen Jahreszeit kann der tägliche Genuß von Dr. Michaelis Eichel-Kakao nicht warm genug empfohlen werden. Aehnlich wie die Eichentohe gerbende Eigenschaften hat. erhöht die Eichelgerbsäure des Dr. Michaelis Eichel-Kakao die Widerstandsfähigkeit der Verdanungsorgane gegen Störungen. Dabei ist er ein schmackhaftes und nährkräftigeS Getränk für Jung und Alt. D5/9