157.£oljrßanfl Zwcitcö Btntt Nr. 8 Lricheinl tügNch mit Ausnahme beS Sonntags. General-Anzeiger für Gderheffen aus vöieocn uio -urorr -ui e uiyjcyiung ,n’eid)neic de, en Lernen,.e Herr Sommer Die „eiffirner FamiUenblLNer" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« '.Urfisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Ter „Yefstfche Landwirt" erscheint monatlich einmal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^$> 61. Rebaktioiue-SKIIL. Tel.-Adru AnzeigerGießen. Deutsche» Neich. 7— Die Freikonservativen des 9lbgcorbnetcn*i hauseö bereiten Anträge vor auf Erhöhung der Lehrer-' besoldungen und Richtergehälter sowie Revision der Fahrkartenstcuer. — Auch die Zentrumsfraktion hat im Abgeordneten-! Hause Anträge cingebracht, die eine Besserstellung der mittleren und unteren Beamten bezwecken, nnd bereitet, was besonders bcnierkcnswert ist, einen Antrag auf Ein-! Führung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts in Preußen vor. — Das gegen den Pfarrer T r a u b in Dortmrmd wegen seiner! Haltung im Falle Cäsar vom Konsistorium in Münster ein*1 geleitete Disziplinarermittelungsverfahrenist vom! Konsistorium eingestellt worden. Fried eck (Westpr.), 9. Jan. Die hiesige Stadtgemeinde hat den Kardinal Dr. v. Kopp zum Ehrenbürger ernannt. Dresden, 9. Jan. Einem Mitglieüe des sächs. Schiffer- Vereins erklärte Finanzminister Liügcr, Sachsen werde gegen die Schif f ahrcks ab g a b en stimmen. Wahrscheinlich werde Preußen jedoch die Frage überhaupt nicht vor den Bundesrat bringen, sondern sie durch Verhandlungen mit den Einzelstarten in seinem Sinne zu erledigen suchen. Eine Anzahl deutscher Handelskammern tritt am 18. Januar in Dresden zusammen, um j zu der Frage der Schisfahrtsabgaben Stellung zu nehmen. Berlin, 9. Jan. Fürst Philipp Er-rst zu Hohenlohe- Schillingsfürst, an den der Kaiser unmittelbar nach dem Erscheineu der Hohenloheschen Memoiren auf Gruno einiger Sätze, die ihm zur ftcnntni-3 gelangt waren, das bekannte mißbilligende Tele- gramm über die BeröffentlickMNg gerichtet hat, war dieser Tage in Berlin. Er ist vom Katser empfangen, sehr freundlich auf* genommen und zur Frühftückstasel eingeladen worben. — Der Kaiser konferierte heute mit dem Fürsten Bülow und dem Staatssekretär v. Tschirschky und empfing den Schloß- hauptmann v. Cranach, der Entwürfe und Zeichnungen roma* nisckfen Stils seines Bruders, Professors v. Cranach, für die Wartburg vorlegte. — Tas „Militärwochenblatt" meldet die Ernennung des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen zum General» inspektor der 1. Armee-J-nspektion mit Standort Berlin, sowie di- Dispositionsstellung des Generalleutnants Wollmar, Jn- sp ,eur der 4. Jngenieur-Jm'pektion. — Auf eine Zustimmungskuudgeoung einer Anzahl höherer Reichs beamt er zu fernem Auftreten im Reichstage hat der neue Kolonialdirektor Dernburg zu Händen eines der Unterzeichner folgende Antwort ergehen lassen: „Die Götter brauck>cn manchen guten Mann Zu ihrem Dienst auf dieser weiten Erde; Sie Haven noch auf bild) gezählt. (Goethe, Iphigenie II 1). Mit freundlichem Tank und Gruß Bringt hc mit den national empfindenden Zentrumswählern an die Urne, und sie geben den AuSschlag gegen die Soziatdemotratie. Erz Verger sucht heute in bei .Germania' umere Rrutf seiner Wahlbroschüren zu entkrä len, und kommt dabei zu dem Schluß, daß ihm kein Fehler nachgewiesen werde. E. passiert dabei das Ihiflhid, daß er cmgidt, wir hätten den Zuwachs des beutichen Nationalvermögens, den wir als Beweis ber oerntehrten siuanztcllcn Leistiiiigsfähigkcit ber Nation anfübrien, m 22 Jahren auf 3 Milliarden Mark angegeben. Er stellt diesen 3 Milliarden die Erhöhung ber ReichSschuldenlast gegenüber, die m der gleichen Zeck den gleichen Betrag ausmache. Äicht um 8 Milliarden, sondern mindestens um dreißig Milliarden Mark ist unsere Nation reicher geivorden. In immer weitere Kreise dringt die Einsicht, welch große Be- deutung für den Ausgang der Wahlen die Partei der Nichtwähler habe. Aui allen Seiten wird der Appell an das Pllicht- gefuht der drei ThUionen Staatsbürger wiederholt, die bei den letzten Wahlen den Urnen serngeblteben sind. Mit Genugtuung verzeichnen wir die Nachrichten, nach denen die Durchsicht der Wählerlisten diesmal viel reger gewesen sei, als je zuvor. Wlan darf darin ein Anzeichen bahlr sehen, daß eine eitrige Wahlbeteiligung sich vorbereitet. ES hängt tatsächlich sehr viel davon ab, bau die politische Energie jetzt endlich bie bisherigen Ntchtwähler ergreist. Will man von ihren drei Millionen selbst eine Million als durch $tranfl)eit, Reisen nnd besondere Umstände entschuldigt gellen lassen, jo hat der Rest von zwei Millionen bei den Wahlen noch immer em solches Gewicht, daß man sagen darf: Wie das Zentrum bisher die ausschlaggebende Partei im Reiche war, so ist die Partei der Richt Wähler ausschlaggebend. Wie die /Jtorbö. AUg. Z.' hört, suche man in den Kreisen dec schwäbischen Zentrumswähler dem Gerücht Eingang zu verschaffen, in Südioestafrika solle gleich nach ber Rieberwerfung der Hottentotten der Felbzug gegen die Ovambo 8 inS Werk gesetzt werden. Es handelt sich bei dieser Ausstreuung lediglich um ein Wahlmcmöoer. Für die Kolonialoerwaltung lag nie ein Anlaß vor, sich mit dem Gedanken militärischer Unternehmungen tm Cöambolanbe zu beschäftigen. Die Maßregeln waren gerade umgekehrt darauf gerichtet, ein Eingreifen mit Zwangsmitteln in diesem Gebiete nach Möglichkeit zu vermeiden und die Eingeborenen nicht zu beunruhigen. Deshalb wurde baß Oocunboland für den Verkehr weißer Händler gesperrt. Ein dummer Streich ist burgerlicherseüS im Wahlkreis« Recklinghausen verübt worden. Den S oz ta l b emo*t k raten, welche für ihren Kandidaten Pokorny eifrig agitieren, wurde im Orte Suderwich, wo sie eine Versammlung abhalten wollten, kein Lokal überlassen. Sie beschlosien, in einer benachbarten holländischen Gemeinde eine Zusammenkunft i zu veranstalten. Selbstverständlich wird durch Derartiges du Sozialdemokratie törichterweise nur Vorschub geleisiet. Tonuerötag 10. Januar 1V07 * * Rotationsdruck und Verlag der vr üblich« f Aur UniversttäiS-Auch- und Sieindruckerri. j Va m R. Lange, Gießen. Mon dcr Wahlvcweguttg im Weiche. Mir meldeten, daß man in Meppen Dernburg, den stellv. Direktor der Rolonialabteilung, als Zählkandidateu aufgestellt hat. Nach der ^Norbd. Allg. §>.* ist das weder mit feinem Willen noch mit seinem Wissen geschehen. In Hanau hat, wie uns geschrieben wird, eine nat(.- konservative VertrauenSmannerversauimlung beschlossen, an der Kandidatur br3 Dr. Lucas sestzuhalten, trotz deS BeschlusieS der Zentrumspartei, für diesen Fall ihren Wählern Stimmenthaltung zu empfehlen. Die „Rordd. Allg. Ztg.^ schreibt: In Hanau wurden 1903 bei der Hauptwahl abgegeben : Für Hoch (Soz) 15 170 Stimmen, LnkaS (natL) 9762, Müller (ßentr.) 4814 und fturntner (Fcs. 93p ) 1863 Stimmen. In der Snchwahl siegle Liikas über Hocb nut 17 867 gegen 16 547 Stimmen. Diesmal hat das Zentrum Stimmenthaltung proklamiert. Es will den Wahlkreis lieber tn die Hände ber Sozialoemokratie fallen lassen, als den Liberalen in der Stichwahl bann voraussichtlich ben Steg zu- kommen zu lasten. Aehnlich ist die ZentrumSparole in anderen Wahlkreisen. Wir möchten bezwei'eln, baß die Wählerschaft durchweg dieser Parole Folge leisten wird. Wir hoffen, daß em großer Teil davon sich bewußt bleiben wirb, daß der ZentrumSwä'hier in nationalen, sozialen und fulmrellen Fragen den liberalen Parteien uäherstcht als der Sozialdemokratie. Lcireundet sich d:e Part. >- (emnig des Zentrums vielleicht jetzt eher mit ber Stärkung der sozialdemokratischen als der hb. Elemente im Reicurtage, so kann sie bet dieser Wahllaknk nur bie Erhaltung der ausschlaggebenden Stellmrg des Zentrums als loniejsionelle Partei tm At.ge haben. Ten kaiholtjchen Wählern ist mit dieser einseitigen Vewmmg des konfessionellen Staubpunktes zwetiellos nicht gedient. Soweit sie an der Bekämpfung der Sozialdemokratie teilzunehmen jur ihre Pflicht halten, haben sie es mit den bisherigenNichtwähleni in der Hand, die Berechnung der Paitei^uung über den pausen zu iverien. Die Zahl der Nichtwähler betrug 1903 in Hanau 7535 Mann. deren Kulii enreich er einige interessante EntlMlunnen machte. .Xinn ergriii Herr Löber aus Gießen das Wort zur Empfehlung deyligcn^aeoiS und teun zugunsten einer Partei in irgend einem Crtc unsetes Tales ober eines der Seuculätcr eihoberu Tie einzige Propaganda haben bie Sozialdemokraten begonnen durch Austiaguug sozialdem. Ualender, m selbstverständlich rotem Einband, und soztaldemokicu. Flugblätter. Da letztere von Jünglingen anSgeiragen wurden, bie DaS Wahlrecht nach lange nicht besitzen, so tain es auch vor, baß inan bicen ZickunitSitaatsbürgern das lioct) wies, daS Der Zunmer- mann gdafien. Diese Ruhe vor Dem Wahi läge ist aber nicht allem den fehlenden Agitatoren znzufchreiben, obschon durch sie ntehc tieben in bie Wähler käme, jonbern diese siehen hier ganz allgemein ber Reichstags wähl gleichgültiger gegenüber als i o n ü. Wenn rüdesten diese Gleichgültigkeit und Jnleresjenlosigkeil bestehen bleiben sollte, so wird zwcüello.' auch eine gioße Zahl von Wahlberechtigten vom Rechte der Wahl keinen Gebrauch machet,, dadttrch aber einer Partei zum Stege verhelfen, für bie man gar leine Sympathie hegt. AuS Darmstadt wird uns geschrieben: Wohl zur intereflantftcn Versammlung im Wcchl- kampie des hiesigen Kreises geitaltcie sich Die heute von Den Jung- liberalen eir.beruiene ösfentltche BolkSversammlung, in lei Tr. Brun Huber au» Sie In sprach. Die Ausführungen bev Redners waren ein ehrliches liberales BckemilniS, dos darum auch bei den sehr zahlreich erschienenen Freisinnigen starkem Betsall begegnete. Der Slaiibibat der vereinigten Liberalen, Psarrer K o r e 11, gab ber wesentlichen Uebereinltiimnunfl mit Der 'JieDc GrunhuberS Ausdruck utio bedankte sich für die Unterslütznng. Ter gleichfalls anroejenbe RetchsiagSkanDibat der Ratioiialliberalen, Dr. O s a n n, ergriff nicht das Wort. Im Wahlkreise Bingen-21 lzey ist die Situation ganz außerordentlich verfahren. Dec Rücktritt deS freisinnigen CefonomieratS Lichtenstein von dec Kandidatur wirb in weitesten Kreisen sehr bedauert und eS besteht die Ansicht, daß ihm daS fUtanbat jedenfalls zugefallen wäre. Ec hat, wie unS auS Niederingelheun geschrieben wirb, die Kanbldatur nur abgelehnt, um Schmidt nicht ins Handwerk zu pfuschen. Wäre Sch. zuruckgetcelen, hätten sich 9iationallibcrale und Freisinnige auf Lichtenstein geeinigt. Dieser Vorschlag war gemacht worden, aber Schmidt hält hartnäckig an seiner Kandidatur fest. Uno doch sieht dort, rote wir im ^Rheinischen Beobachter* lesen, biesem Herrn seit Jahren eine starke Strömung im eigenen Lager entgegen. Diese setzt sich auS den Wählern ber freisinnigen Bauernschaft zusammen. Sie ist verstimmt, mißtraut unb sucht nach einem Kanbibaten im eigenen Lager. Der Ramc Lichtenstein hat eß ihr angetan unb eß ist Niemanb stark genug, bem Bauern bie Ueber- zcugung beizudringen, baß ec von bem Jnduiiriellen Schmidt aus Elberfeld bcsier ober gleichtüchtig vertreten sei, als vom Lanbwirt Lichtenstein aus bem Kreis, ß. ist seit Jahren Prästbent beS lanbwirtschaftlichkN Proomzial-VecemS unb früher ernt Reihe von Jahren freisinniger Abgeorbncler deS Ingelheimer Grundes mt hessischen Landtag gewesen. 'Ulan hat, so heißt cS in dem genannten Blatte weiter, behauptet: die Ehre ber Partei erfordere eß, Reinhart Schmidt im Wahlkreise wieder alö Kandidaten aufzuslellen. Gewiß, wenn nicht der Wahlkreis auf deS Messers Schneibe stünde. Da bieS aber ber Fall ist, so müffen wir sagen: bie Ehre ber Partei er- sorbect eS, ben Wahlkreis zu erhalten, unb die Personenfrage ist unterzuorbnen. Umgekehrt gehanbelt, ist ber Wahlkreis vielleicht verloren unb ber Freisinn wirb bcciiniett. AIS ob es nicht möglich wäre, für Schmidt einen andern Wahlkreis zu finden l Es ist sicher, baß bie links-nattonallideralen unb bie katholischen Bauern geschloßen für Lichtenstein eintreten würben, sodaß eine naltonallibcrale Kandidatur wohl ganz unterbleiben unb Lichtenstein im ersten Wahlgang mit großer Majorität gewählt würde. Sollte Schmidt Nicht selbsl wünschen, daß man bie Partei seinem Namen voranstellt und auS btesem Grunbe unb bei seinem hohen Alter (er ist nahezu 70 Jahre) ablehnen? So schreibt unb spricht man in Ingelheim. Nun hat zum Uebersluß noch in Bingen eine Vertrauens- männerversainmiung b.r Zentrumspartei den Bauern- b ünb l er W o l j -Stuoeckcn als Kandidaten ausgestellt, um den Wirrwarr vollständig zu machen. 29oli hatte bereits, rns er vom Drirch der Stmb.virte uomiiiierc routc^, die Kandidatur obgelehnt. Vidlcicht nimmt er sie nun aber, da er b:e Zenlrumshiiie Hit, doch an uno kann mit Zuversick-i bem Wah'.kampse entgegensch.n, wenn sich Schmidt nicht doch nodj zum Rücktritt entjchließt und Lichtenstein auss neue zum alleinigen Kandidaten ber Linkslibe- ratcn proklamiert werden kann. , gut zoahlvcwcgung ib K fteu. Gießen, 10. Jan. 1907. Der liberale Wahlausschuß für den Wahlkreis Gießen- Grünberg-Nidda entfaltet fortgesetzt eine rege Agila- tionflläligleit Täglich finden mehrere Versammlungen statt, biv ersrculicherweise fast sämtlich schr gut besucht {inb und im allgemeinen einen für die liberale Sache günstigen Verlauf nehmen. Gestern fanden u. a. liberale Wählerversammlungen in Alten- B useck, Großcn-Buseck, Inheiden und Reiskirchen statt. In Reiskirchen sprach vor sehr zahlreicher Zuhörerschafi ber liberale Slanbibat Kommerzienrat Heyligenstaedt über bie Arbeiten des ausgelösten und die Ausgaben des kommenden Reick)S- tags. In dcr Versammlung gab cs gleich zu Anfang einen be- zeichnenoen Zwischenfall. Die Sozialdenwkraten harten sich Herrn Häuser aus Steinberg als Gegcnredner für Heyligenstaedt verschrieben uno alö der Versammlungsleiter, Lehrer B ü r st l e i n , mitieilie, daß nach dem Vortrag des Kandidaten freie Diskussion mit einer Redezeit von 15 Minuten stattsindcn werde, verlangte Herr Häuser unbeschränkte Redezeit. Nachdem von verschiedenen Scttcn darauf hingewiesen worden war, daß 15 Minuten öoÜftänDig ausieichciü) seien, um von dem Standpunkt deS Rese- teuien abweichende Ansichten zum Ausdruck zu bringen und der l.betftle Kandidat betont hatte, daß man gerade durch bie Erfahrungen, die man am Abend vorher mit .Häuser in Watzenborn geniacht habe (er hatte in einer liberalen Versammlung auf bie einftünbige Rede des liberalen Redners eine solche von Ihr Stunden folgen lassen), zu der Beschränkung der Redezett habe kommen müssen, gaben sich Häuser und seine zahlreich anwesenden Freundi zufrieden. Heyligenstaedt entwickelte dann in längeren Ausführungen ein Bild von den Arbeiten des aufgelöstcii und über seine Stellung zu ben wichtigsten Ausgaben des tomaienben Reichstages. Nachdem der Vorsitzende sestgesteUt hatte, daß Hey- ligcustaedt im Reichstag seine Aufgabe in patriotischem Sinne et lallt habe unb dem Vaterland ein Hoch auSgebracht hatte, stiach In der Diskussion zunächit Herr Häuser. Etwas wesentlich Neues sagte er nicht; daß für ihn und seine Partei die ganze KolonUuyoluil Narrheit unb Wahnsinn ist, weiß man längst, unb was er über Steuerjrage« usw. sprach, war weoer neu noch nck-tig. Seiner Ausfordermlg, baß die liberalen Parteien mit bta Sozialdemokraten im pairtotischen (I) Interesse zusammen- gehen sollten, trat Redakteur Heß aus Gießen mit der Bemerkung entgegen, daß davon insolange keine Rcde sein tönnc, als bi< Soziatdemokratie auf ihrem alles verneinenden Staiwpunkt bcrharre. DaS habe sie auch wieder bei den Kolonialsorderungen getan unb damit dem Zeittrmn zu einem billigen Triumph ver- b»l|cn. Auch bie von Häuser vorgetragenen Ansichten über die Lieuersragen wurden von den Herren Heyligenstaedt, Heß und Lürstlein von Gießen, sowie dem Vorsitzenden und Lehrer i c ü n - Reiskirchen einer näheren Beleuchtung unierzogeL, ebenso |elnc mii mehr Eifer als Sachkenntnis vorgctragenen Ansichten UDtr Heer- and Flottenfragen. Bemerkenswert ist noch, daß Häuser auf energische Interpellation hin auch den Schleier hinsichtlich des ZulunstSstaates lüftete nnd zwar war et so gnädig (wohl mit Rücksicht aus seine vorwiegend auS bäuerlichen Kreisen bestehenden Kuhürer), den Kleinbauern auch für den Zukunftsstaat den unan» gciochienen Besitz selbfterworbencn und ererbten selbstcrworbenen Besitzes zu versprechen. Die interessante Debatte hierüber zog sich bis 111/< Uhr hin unb bie Einberuser ber Versammlung ließen Häuser das letzte Wort, da sonst ein Ende der Debatte überhaupt | nicht abzujchen gewesen wäre. In Heuchelheim entstaub in der Hitze des Wahlgefechts in einer Wirtschaft unter jungen Leuten eine Schlägerei, bei bei es blutige Köpfe setzte. toelegemlid) einer Wahlrede für bie ReichStagSwahl verbreitete sich, wie uns vom Lande geschrieben wirb, der Redner vor einer ländlichen Versammlung auch über die Börjensteuer. „Woas?' nel em aller Landiuann, ,aach noch die Besen sollen versteuert roem ? Huh m'r nut genunk Sieuecn k Bleibt d'ham mit solcher Steuer P AuS Inheiden wird unS unterm 10. b. MtS. geschrieben: Hier hatte für gestern abend der liberale Wahlausschuß eine Versammlung einberufen, bie äußerst stark besucht war. Lehrer Sommer erössnete sie mii einem Hinweis auf bie wichtig« Versammlung und bet Versicherung, baß es jebermami fern läge, Köhler in den Staub zu ziehen. In seinem IVb stündigen Vorträge beschäftigte sich Herr Riedel aus Gießen gundärfl mit ber Borgejchichte der Reichstagsauslösung unb entwickelte bie Entstehung dec heutigen Lage. Nachdem er über bas ReichS- lagswahlrechi gefpcock)en, beleuchtete er bie Parieren b»6 Reichstages und waiivic sich vor allem gegen die Sozialdemokratie, auS baiitte ben Rednern und der Berfammlung. Für bie Köhlerpartei sprach noch Herr Stoll, dessen Angriffe auf H. aber tiiberlcgt wurden. Die Versammlung verlies vollkommen ruhig lind sachlich. Köhler war zu dieser Vetfammlung von der liberalen Parteileitung geladen, aber nicht erschienen. Man schreibt un§ aus RüddingShausen: Arn Sonntag abend sand hier von lenen der nationalliberaleu Onrtei bie erste Wählerveilammlung beim Aallwirt Müssig statt, die überaus stark besucht war. Nacybenr ber Vorsitzeube, Bürger- melster Braun, die Versaiumlnng eröffnet haue, ergriff Professor u l e 9 aus Gießen das Wort und schilderte in ca. 1'/,stündiger, Narer, leicht verständlicher Rede zunächst die Auslösung des ReicüS- lag« und ging Dann über air Kolontalpoluik. Hauptsächlich wieB ev aiü bie Erzeugiiisse unb Fruchtbarkeit von Deutsch-SÜDwesiairika, Itoinenin nnD Togo hin unD gmg Dann ziir RanDibamr Heyligen- fiaeDt über. Er wies auf besjen seitherige Verbienste hin unb empfahl dessen Wahl. Hieraus ergriff Gastwirt Mässig, ein xcivandter Redner, Das Wort nnd betonte zunächst, daß es angenehm berühre, daß Professor Luley den beiden Gegenparieien resp. deren KanDidaten seine Ächtiing nicht versagt habe. Ter Redner flveiite leicht die RetchstagSaullölung und geißelte in scharten Worten das Verhauen des Zentrums in ben letzten Jahren, ging bann zur ftolomaluolitif über und gab seiner Meinung dahin AiiSdmck, Daß TeutjchlanD m Ainka nicht mehr zurück könne, sondern es müfie sein Ansehen wahren und man hohe, daß unter Der Heilung £eni- durgs eine gejünDere Politik etntväte. Zum Schlüsse ergriff Herr R i e D e l auS Gießen das Wort und nahm die Regierung in Schutz, crnirteilte ireffeud Die Hirugespiniie der Sozialiiien, 'orderte Die AiuveseuDen aui, treu zum Vaterlaude zu halten und brachte ein hoch aui dasselbe aus, welches begeilien ausgenommen wurDc. AuS Dem Oh ml al, 9. Jan., wirb uns geschrieben: So ruhig wie gegenwärtig war bie Stimmung noch vor Kiner Reichstagswahl. Noch niemanb bar bis heule leine St mime , HerlIiann ktionTil.3<, iao bea 211)01lnefiieri .fcf- i Art. 9^\ W«»7 'M' *,900-1 Mo u Mo-° !Mo-n Mo-Z «0OOmq iiaM.11 Loi)20M. [j "S’aiom.U Dernburg." Äiidwestafrikaniichcs. Der Wahlvecem alter Afrikaner teilt mit: Vor vier Tagcn wandten wir uns telegraphisch an Rechtsanwalt Dr. Nierensky in Keetmannshoop nut der Bitte, er möge sofort zu bem in Kalksontem internierten Johannes Christian reiten unb im Gespräch mit bem BonbelZwarlSfühcer, ber ihn als seinen früheren Dislnktschef von Warmbad her kennt, festzu* iteUen, auS welchen Gründen bie Hottentotten sich ergeben hätten. Darauf erhielten wir folgenbe Antwondepesche: »Die BonbelSivarts knüpften bereits Ende Oktober Verhandlungen wegen Ergebung an, wurden aber unter ' General DebH l ln»nd Scbßfer L w Stra^öyrg EU e H ben PteitL Lot.cn- ra mib sonnigen Vcir tcÜeyuJiabeiL hv;„ estaurant im Ttorch" Lammsirake 39 euwiohlen. OK ÜuiaieUiait« veblrnunz rieb Diergardt Inen Primaner wird för 'Aachoilie in dcr engl ijösischen Sprache grsut: Iliche Ängeboie unter all lebener Anzeiper erdeter empsiehlt sich im Wajcho Yen. _Jimbtngaile_ti,_l m beaumchilgt 8 Shrir v ün «her von 9-J ieittn/emgungöeiL^ n mit Knlnr. unter lö eich, d. W E M ‘8 Binder' on 4, 6 unb li N” cachend auf 4 Won- ficflciiclle. Meies e. i Amiszimwer, «öc >, Sladl, Aruienami , Lerue iueulLreidcn nwert^ n. Honorar Ü LU. RöoMLUM- MaildcmWege^ ^Duuno öieuutt-^’1 318 E —— laM ta®.. ■ÄdtnÄ, ,U o nkr Belorechun^ Sektion Giess» D.&08. Sonntag den E 3 ä bet Angabe, daß die Truppen bald zurückgezogen werden, von der weißen Grenzbevölkerung der Rap- folonte zur Fortsetzung deS Krieges aufgestachelt. Daß Verdienst endlicher Niederwerfung gebührt ausschließlich den Truppen. Die in dem Telegramm genannte weiße Grenzbevölkerung rekrutiert sich zum großen Teil aus jenen Händlern, die vom MunitionS- schmuggel leben und deren Geschäft zu blühen aufhören muß, sobald auch der letzte Hottentotte sich von ihnen nicht mehr weiß machen läßt, daß die deutsche Negierung die Kolonie aufgeben oder doch eine Verminderung der Truppenzahl vor- zeitig anordnen werde. Ausland. London, S. Jan. Der internationale wirtschaftliche Kongreß wurde heute eröffnet. Ter Minister Halda ne, der den Vorsitz führte, führte folaendes au8: WaS auch immer für Differenzen zwischen den Nationen vor- Händen sind, so besteht doch eine Bruderschaft der Wissenschaft, die sich von Jahr zu Jahr mehr offenbart; auf dem Gebiete der Wissenschaft muß ein internationales Zusammenarbeiten stattfinden. Gmunden, 9. Jan. Die Königen Marie von Hannover isi heute nachmittag gestorben. (Die verwitwete Königin, eine geborene Prinzessin von Sachsen- Altenburg, war 1818 geboren. Sie war die Gemahlin des 1866 enttronten Königs Georgs V. von Hannover, der 1878 starb. Ihr Sohn ist der 1845 geborene Herzog von Cumberland.) Wien, 10. Jan. Verhandlungen der Mächte über die Haltung der Dreibundmächte auf dec nächsten Haager Friedens-Konferenz haben zwischen den Negierungen von Wien, Berlin und Nom in jüngster Zeit stattgefunden. Bei der ersten Konferenz gingen die Delegierten der drei Negierungen nicht einstimmig vor. Für die nächste Konferenz ist nun ein vollkommen geschlossenes Eingreifen beschlossen worden. Die Delegierten werden gemeinsame Anträge stellen und sie sollen durch ihr einiges Vorgehen bei den Verhand- ungen den festen Bestand des Dreibundes kund tun. Attentate «nd Duelle in Rußland. In Petersburg wurde der Militärprokurator Pawlow, den die erste Reichsduma unter den Rufen „Mörder" im Juni auS dem Hause gewiesen hatte, ermordet. Der Anschlag wurde im Garten deS Ober-Militärtribunalgebäudes, in dem sich die Dienstwohnung PawlowS befindet, verübt. Ter Täter war als Militär-Jntendanturbeamter verkleidet, flüchtete in die nächste Straße und tötete bezw. verwundete noch zwei Schutzleute und einen Knaben, ehe er festgenommen werden konnte. Dank seiner Verkleidung war der Täter bis in den Garten deS Militärtribunals, in dem der General gerade spazieren ging, gedrungen, und feuerte sechs Schüsse ab, von denen vier in die Brust und zwei in den Nacken gingen. Der Ober-Militärprokurator verschied wenige Minuten darauf. Bei der Festnahme weigerte er sich, zu antworten. Seine Identität ist noch nicht festgestellt. In Moskau gab auf den Hofmeister der Großfürstin Elisabeth SchadrinSkij ein Unbekannter auf der Straße einige Schüsse ab, ohne den Hofmeister zu treffen. Er wurde verhaftet. Die Generale Drippenberg, Kaulbars und Sobolow haben den General Kuropätkin zum Duell gefordert, weil er in seinem Werk über den russisch-japanischen Krieg deren Tätigkeit einer überaus scharfen Kritik unterzogen hat. Lehrergehatte, Wohnungsgeldzuschttffe usw. Der 2. Kammer der Hess. Stände ist neuerdings eine ganze Anzahl Vorstellungen zugegangen, die sich mit den dem Landtag vorliegenden Regierungsvorlagen über die Erhöhung der Lehrergehalte und die Gewährung von Wohnungsgeldzuschüssen an Beamte beschäftigen. Der Landes-Lehrerverein teilt die (von uns bereits veröffentlichte) Resolution mit, die die Lehrer-Versammlung am 2. Januar zu Darmstadt beschloß. Eine Vorstellung deS kath. Lchrervereins macht folgende Vorschläge zur Regelung der Lehrer-Besoldungsfrage: daß a) das AnfangSgehalt definitiv cmgestelter Lehrer 1200 Mk., die Alterszulagen in dreijährigen Stufen je 200 Mk. und das Höchstgehalt, nach 27 Dienftjahren erreichbar, 3000 Mk. betrage, b) das Anfangsgehalt definitiv angestellter Lehrerinnen 1100 Mk., die Alterszulagen in dreijährigen Stufen je 150 Mk. und das Höchstgehalt, nach 21 Dienstjahren erreichbar, 2150 Mk. betrage, c) die Gehaltsstufen der Schnlverwalter und Schulverwalterinneu um je 150 Mk. erhöht werden. 2. Es mögen die einleitenden. Schritte geschehen — und diese Forderung halten wir für die wichtigste —, daß endlich die Volksschullehrer aus ihrer unerguick- lichen und für die Dauer unhaltbaren Ausnahmestellung heraus^ genommen, einer ihrer Vorbildung und beruflichen Stellung ent< sprechenden Beamtenkategorie eingerciht und damit zugleich die bestehenden, durch nickfts gerechtfertigte Vesoldunasuntcrsch-iede der seminaristisch gebildeten Lehrer in Stadt und Land an Volksschulen und höheren Lehranstalten beseitigt werden. Die Lehrer an den Staatsanstalten bitten, die Kammer wolle bei Beratung der Gesetzesvorlage vom 6. Dezember 1906 auf ihrem unterm 7. Juni d. I. einstimmig gefaßten Beschluß beharren und dahin wirken, daß die Gehalte der seminaristisch gebildeten Lehrer an den Staatsanstalten auf 2000—4000 Mark, erreichbar nach 27 Dienstjahren, festgesetzt werden. Die L e h r e r i n n e n v e r e i n e H e s s e n S (V. Mainzer Lehrerinnen, V. kath. Lehrerinnen in Hessen und der päd. V. d. Lehrerinnen in Hessen) bitten, daß a) die Gehälter der Lehrerinnen an Volks- und Mittelschulen und b) diejenigen der für höhere Schulen geprüften Lehrerinnen an höheren Lehranstalten (Höhere Mädchenschulen, Äolksschul- lehrerinnenseminar und höhere Bürgersclnilen) in demselben prozentualen Verhältnis gesteigert werden wie die der Lehrer der betreffenden Schulgruppen. Eine Anzahl in Landorten wohnender Staatsbeamten bittet, die Wohnungsgeldzuschüsse für sie gerade so hoch zu bemessen, wie für die in den Städten wohnenden Beamten. Die nicht in die Gemeinschafts-Verwaltung übergetretenen früheren Main-Neckarbahn- Beamten bitten auch für sich um die Bewilligung des für die übrigen hessisck>en Beamten ihrer Kategorien vorgesehenen Wohnungsgeldcs. Die in den Städten stationierten Steueraufseher petitionieren nm Belassung der ihnen seither zustehenden Stationszulagen, auch neben dem zu bewilligenden Wohnungsgeld. Den Vorstellungen der Steuerkommissariatsgehilfen, der Brückenmeistcr und Dammwärter wegen Gehaltserhöhungen u. dgl. beantragt der Finanzausschuß nach den vorliegenden Berichten keine Folge zu geben. Aus Stadt und Land. Gießen, den 10. Januar 1907. ** Personalien. S K d"r Grossßerzog haben den von dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die evanq. Pfarrstelle zu Güttersbach, präsentierten Pfarrassistenten Beyer zu Neckar-Steinach für diese Stelle bestätigt. — Ernannt wurde Konrad Lauer in Gießen zum Kanzleigehilfen am Landgericht. •• Landes-Universität Dr. a. o. Professor Dr. Gunkel in Berlin hat einen Ruf hierher als ordentlicher Professor der Theologie (als Nachfolger von Prof. Dr. Stade) erhalten und wird ihm wahrscheinlich Folge leisten. — Vahnprojekte in Oberhessen. Eine bei der 2. Kammer eingegangene Vorstellung des Eisenbahnkomitees Mücke—Ulrichstein—Rixfeld beschäftigt sich mit der kürzlich der Kammer zugegangenen Vorstellung des Eisenbahnkomitees für Groß-Felda und Umgegend zum Bahnprojekt Ulrich- nein — Mücke. Die Vorstellung gipfelt in der Bitte, es möchten die Einwände des EsienbahnkomiteeS für Groß- Felda und Umgegend gegen Erbauung der durch die Eingabe von 15 Gemeinden, sowie den Eintrag der Abgq. Schmalbach und Brauer erbetenen Eisenbahn von „Mücke über Groß-Eichen, Ruppertenrod nach Ulrichstein mit der Möglichkeit der Fortführung nach Rixfeld^ nicht berücksichtigt und letztere Bahnlinie genehmigt werden. — Eine Bahn von Vilbel nach Homburg v. d. H. erstrebt eine Eingabe, die vom Bürgermeister und von Einwohnern von Obercrlenbach an die 2. Kammer gerichtet wurde. Offenbach, 9. Jan. Ein Arbeiter der Fabrik von Vallmar n. Co. war von emem Kollegen beschuldigt, einen Geldbetrag aus dessen Hose, die im ArbeitSrcmm hing, entwendet zu haben. Der Arbeiter, der von dem Fabrikinhaber hierüber zur Rede gestellt wurde, lief aus der Fabrik fort und stürzte sich in den hinter der Fabrik befindlichen Weiher. Trotz sofortiger Hilfe konnte er, wie die „Frkf. 3tg/ berichtet, nur als Leiche herausgezogen werden. Mainz, 9. Jan. Landgerichtsdirektor Dr. Bocken- heimer, der sich durch seine vaterstädtischen Geschichtswerke große Verdieiiste erworben, wurde anläßlich seines morgigen 50jährigen Dienstjtlbiläums von der Stadt ,311m Ehrenbürger ernannt. Zu Ehren des Jubilars veranstalten morgen die Richter und Rechtsanwälte ein Festbankett. — Seit Monaten werden hier zahlreiche Sittlichkeitsoerbrechen an Kindern verübt, ohne daß es gelingen wollte, den Uebeltäter zu ermitteln. Gestern wurde dieser nun endlich in flagranti von einem Kriminalschutzmanne ertappt und festgenommen. Ter Verhaftete, der geständig ist, ist der ehemalige Kaufmann Velten aus Bonn, der als Rentner in Wiesbaden lebt. (Fkf. Ztg.) Kassel, 9. Jan. Auf einen NeujahrSgruß von in einem hiesigen Cale versammelten Russen antwortete der Zar auS Zarskoje Sselo mit folgendem persönlichen Danktelegramm: „Ich bitte Sie, in meinem Namen den im Auslande wohnenden Balten meinen wärmsten Tank auszusprechen für die mir dargebrachten treuen Wünsche. Nikolaus. * vermischtes. * In der Fremdenkolonie von Florenz hat sich eine Liebestragödie abgespielt. Bei einer reichen Dame Namens Charlotte Nalcigh drang der junge Tenor Martinelli ein, der sie seit geraumer Zeit mit Liebesanträgen verfolgt. Er versuchte, die Dame zu umarmen. Der Verwalter ihrer Besitzungen Namens Pugi kam hinzu und feuerte einen Schuß auf den Eindringling ab. Die Kugel drang diesem in den Kops und er war auf der Stelle tot. — Der Newnorker „Herald" berichtet, daß der Milliardär Rockeseller drei Millionen Dollar zur Verfügung gestellt hat, um den alten Professoren der Universität zu Chicago eine Pension zu sichern. Die Universität Chicago war seinerzeit von d?r bereits gemachten Stiftung Nockefellers im Betrage von 10 Millionen Dollar ausgeschlossen worden, weil die Professoren durchweg Baptisten waren. * Der schmausende Tote. In Eimsbüttel bei Hamburg kam zu einer als wohltätig bekannten Dame eine ärinlich gekleidete Frau, die unter Tränen den Tod ihres Mannes und die Not ihrer Familie schilderte. Die Dame versprach Hülfe und begab sich mit einer Freundin in die bezeichnete Wohnung. Dort lag in einer Holzkiste der Tote mit blauem Gesicht. Vier Kinder standen verschüchtert daneben. Die Frau erhielt 150 Mk. für die Beerdigung, weitere 50 Mk. für die Familie und das Versprechen, daß fernerhin für sie geborgt werden solle. Zwei Stunden später vermißte die eine Dame ihre Handtasche, die sie in der ärmlichen Wohnung zurückgelassen hatte. Sie begab sich dorthin zurück. Als sie fast lautlos die Tür aufklinkte und das Zimmer betrat, glaubte sie ihren Singen nicht trauen zu sollen. Helles Lachen und lautes Stimmengewirr tönten ihr entgegen. Am Tische saß frisch und gesund der „Tote", noch mit der bläulichen Gesichtsfarbe, die, wie man beim hellen Schein der Lampe erkennen konnte, durch Schminken hergestellt war. Vor sich hatte er mehrere Flaschen Weiß- und Rotwein stehen, ein saftiger Braten dampfte auf dem Tische, daneben standen große Mengen feines Dosenkompott und jedes Kind hatte ein Weinglas vor sich. Die Dame verlangte entrüstet ihr Geld zurück, das ihr der über den neuen Besuch ganz verstörte „Tote^ 51ml größten Teil noch auS- händigen konnte. * Heber eine drollige Warnung zur Vorsicht wird aus FlenSburg berichtet: Am Eingang des Standesamtes wird mittelst Schrill an der Mauer aus dieses hingewieien, an dieser selben Wand befhibet sich nun ein Auszug. Hm die Vorüber» gellenden auf diesen Auszug au'merksam zu machen, steht, wie vorgeschrieben, an dieser selben Wand: Vorsicht 1 und das zweimal. Nun sieht die Sache lolgendermaßen aus: Vorsicht! Vorsicht l Zum Standesamt. * Kleine Taaesch > ' niI In Zweibrücken entstand in der Buchdruckerei des „Pfalz. Merkur" Feuer. Die Bureau- räumlichkeiten und die Setzerei brannten aus, der Maichinensaal wurde gerettet. Der Schaden ist bedeutend; die Zeitung konnte nicht erscheinen. miiö Wissenschaft. — Der Vorstand des Deutschen Sprachvereins hielt in Bersin unter dem Vorsitz des Geh. Oberbaurats Dr. O. Sarrazin eine Versammlung ab, die aus allen Gauen des Deutschen Reiches und Deutsch-Oesterreichs besucht war. Ein dem Sprachverein -»gewendetes größeres Vermächtnis des verstorbenen Frei- yerru Thomson v. Biel aus Kalkhorst in Mecklenb>'rg-Schwerin! wurde angenommen. Für das vom Verein erlassene Preisausschreiben „Die Anschauungen Goethes von der deutschen Svrackie" ist die Frist zur Einlieferung der Arbeiten auf Ende 1907 festgesetzt. Die Hauptversammlung soll in den Pfingsttagen in Freiburg i. Br. ftattfinden. Die Tagesordnung betraf im übrigen meist innere Angelegenheiten des Sprachvereins, der in lebhaftem Aufblühen begriffen ist und zurzeit über 300 Zweig- vercine — darunter acht im AuSlaude — mit mehr als 27 000 M itgliedcrn zählt. Gerrchtssaat. Dresden, 9. Jan. Das Kriegsgericht verurteilte den Major Wolf von Zcschwitz vom Bezirkskommando Freiberg, der seinen Burschen dreimal geohrfeigt hatte, zu a ch t W 0 ch e n F e ft u n g. Pyritz, 9. Jan. Der bisherige Reichstagsabg. Pfarrer K r ö s e l l wurde vom Schöffengericht zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt, weil er in das Prttokollbuch des verkrachten Pyriher landwirtschaftlichen Ein- und V"rkaussvereins die Worte eingetragen hatte: „Hierauf entfernte sich Hans Lange, indem er d"s %-ffoWbnf'h st i e h l t." Arbeiterbewegung. Bochum, 9. Jan. Auf einer Vertrauenskonferenz von Vertretern der organisierten Bergarbeiter des Ruhrgebietes wurde beschlossen, n a ch d c n N e i ch s t a g sw a hl e n den Grubenverwaltungen abermals die bekannten Forderungen der Arbeiter zu unterbreiten und für den Fall einer Nickriannahme sich d'e Entt^ech-'" r d-> viHf.'-er var-"behalten. HanSel und VcrFcbr, Volkswirtschaft. Märkte. M.,10. 3«n. (-Eelenr. Crta.-V,riebt bei ,Wtcß. Anz.".) Amtliche Notierungen her heutigen Viebmarkt- v " 1 s e. Zum Verkaufe standen: 16 Ochsen, 2 au9 Oesterreich 1 Bullen, 0 aus Oesterreich, 99 Rühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Rumamen, 707 Kalber. 192 Schafe und Hammel 0 Ziegen 0 Zteoenlammer, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für bas Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 80—85 Mk 2. Qualität 72—76 Mk., 3. Qualität 64—66 Mk. - Bullen °°—°0: Kühe 1. Qualität 76-78 Mk., 2. Qual. 74—7o Mk., 3. Qual. 62—64 Mr., 4. Qual. 00_00 Mk 5- Qual. 00—00 Tif. Kälber l.Qual. 102—106 Psg., Lebendgewicht 61-63 Psg., 2 Qualität 90-95 Pfg, Lebendgewicht 53- 57 M-! -Lchlachtgew. 68—73Pig.; Schale: 1. Qi,al. 78—80 Psg., 2 Qual. ,0-00 eint den Sinn seines Vaters für Sparsamkeit nicht zu hoben. Der Kriegsminister, der erste Vertrauensmann des neuen Schahs, ist bei einer gewissen Priester- Partei, welche auf Mizzaffir einen starken Einfluß geübt hatte, nicht beliebt, lieber das Datum des erften Besuchs in Europa tft noch nichts bekannt. Der Schah gilt als mißtrauisch und soll nicht leicht von Entschlüssen sein. Er wird, bevor er in den schwebenden auswärtigen Fragen endgültig ensscheidet, mehrere seiner Gesandten nach Teheran kommen lassen. Paris, 10 Jan Bei dem gestrigen Bankett deS Kolonial-, Verbandes tieft der frühere Kolonialminifter Harmang eine Ansprache, m der er sich mit den .Kolonien der verschiedensten euro- vässchen Mächte beschäftigte und ein Einverständnis mit Deutschland auf ko lo n i a l w i r t s ch a f t l i che m Ge- 6 "te b c f u r wo r tet e angesichts der großen Ausdehnung, welche die deutschen Kolonien genommen haben und im Hinblick auf das Anwhen, welches Deutschland in Ostasien genießt. Dann amg der Redner auf.die Verhältnisse in Jndochma ein und bi bauerte bte Nachlässigkeit der Kolonialbehörden gegenüber dieser Kolome. ^pies sei vielleicht dadurch zu erklären, daß man sich darauf gefaßt mache, über kurz oder lang mit dem Verlust ^ndochrnaS rechnen zu müssen. . Innsbruck, 10. Jan. Ein starkes Erdbeben wurde in der vergangenen Mitternacht in WolderS beobachtet. Die Häuser erzitterten, der Schnee fiel polternd vom Dach. Im Josesinum bekamen die Wände Sprünge. ol V ? t § burg , 10 Jan. Durch die Ermordung des Generals Pawlow wurde eine Ora anisation von mUi- Li 1 - gekleideten Terroristen aufgedeckt. Di« Attentäter und ihre Kvinplizen, von denen einer die Uniform etne§_ Offiziers der Grodno-Leibhusaren trug, wurde verhaftet. In Hoffrepen wirkt das Attentat auf die Aufdeckung der Orga- upation beängstigend, da neue Morde durch Flugblätter ani gekündigt werden. T a n g er , 9. Jan. Heute abend sind zwei Geschütze mit Munition für die Regierungstruppen nach Zinat abgegangen. Die gruppen erhielten Befehl, den Stamm, bei welchem Rassuli Ausnahme gesunden hat, unverzüglich anzugreifen. 3000 Monn weitere Truppen sollen zur Verstärkung demnächst in Zinat ein# treffen. .Philadelphia, 9. Jan. Hier ist nach dreijährigem eifrigem Suchen einer der erfahrungsreichsten Minen s chwind- ler, Dr. Flower, verhaftet worden. Flower, von de« leftgeftellt wurde, daß er nut bemerkenswerten hypnotischen Kräften ausgerüstet. ist, durch die er zahlreiche Frauen bewog, ihr Vermögen bei seinen papiernen Unternehmungen zu riskiere, hat weit über 10 000 Opfer gehabt und das von ihm erschwing bette Geld beläuft sich auf über 12 Millionen. <2 -e B 2-3 C (7? S? 2» s - s 67 L §§lSÄ c; D7 w c T Co ^cÖ & -b i— czz: V> 00 QJ » ? CJ e 15 N >E DK 5tti tVÖ) K ti *ö « w-b _M ti) o> Gl 5- c p 5 -"b W D 5$ C-j G'?c= 2 Ä- Q Q 9 N an o> § g Ä p p£> 9 tR ,-a» Q an a«e ’S' Q i € e c — E» ►fcf B an © c ® & esCQ >b 2 C7 -2/ © L ti <5 i£-CT G stzL-S c 3‘ S fltrn yrdni tm, wie dIi t au! von auiroirtl Mi VZ- «n eres a CO 9 -s- =c D E~ co r-i an S- c o P 15 •e 1> 1-» I * 2 p .2 o CQS I "h cn an 1 N an CI S 2 E a in jC c9 an U o • an Ö «n Xo“ - LS 2 «‘S' E 8 (5 .2 ti £ E ® c# tu c_ N « g rr « := en 8« C-, 1Ä ■Sg c 2. y ’S ev Z- <20 Z T-1 eü’8' o 2 3 S c pW H ffO o»C» — en >e“ 2 CD se 28 E E 5 § M« E 00 ä« e 'S E UL o >Q 8S ® °ZZ 8? 5 £ ■- - £'§“?■? ®5gSg m n« o Uo 5--S® äP ZL L . El c S ° £5S 'S « 0Q o C S 2 5 b-S; kfe1 Ws>'. 2*1 = o •e ' (5 ldungen. 28 jährige Villenbesihs heute ivegen zahlreiiha :5tigiti3 timirtfilt sokShms der limine Hal! ingt. 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