Donnerstag, 7. März 1907 157. Jahrgang Nr. 56 von iou beute au Wicba: UrlllÄ ö«n-u.Wlani« 41 lU9‘ bügeln erlern rMen griinbl (iiaM) Hüallto iww i, IL Deutscher Reichstag. 11. Sitzung vom 6. März. 1 Ul)t. 2lm Tische des BunbesratS: Dernburg, Frhr. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. ■öni16.fmx *1 ä?SÖn^erQ(ü Wink 8e' Sur e4 8^'-^°"arbritcr ■öm db xjuhip nit Jioeboie umer 015® Steift« erbeten, Paulen üeugn. in AÄrte“«w5 l- lu Haushalt, loiää) W^teuen Bauei "U'ektioa. r< kKlLi' Rotationsdruck und Verlag der Vr üblichen IlnwersuäkS - Buch- und ©tembrudeteL R. Lange, Dietzen. Redaktion, Dxpedinon und T ruderet: Schulst» atze 7. Erpebrnon und Verlag: 6L gUbalnome^ 112. Tel.-Adr_ AnzergerGretzen. nen jjoeiienuwwuiffltl mW tnitn vow WW' ■ ^oeffi&S?Wail gebiweien SW Heirat 'Ss. L7M p*d'*5 -ZM.; Stengel u. a. m , Auf der Tagesordnung stehen die beiden Nachtrags- GtQgm f£^(nb"nx?Mn“298sroiawn‘Cn'au3 Anlaß des eingeborenen. Aufstandes gefordert, im zweiten 8 900 000 als erste Rate zu Forisuhrung^ der Eisenbahn Lüderihbucht-Kubub bis Keetnwns- Hoop. Tteser Deiraa und d,e folgenden Raten für be »ajn werden dem Schutzgebiet als Darlehen gegeben und müssen mü 3J/a Proz. verzinst werden. Kolonialdirektor Dernburg: Die zur Beratung stehenden Nachtragsetats sind im wesentlichen Reproduktionen der bereits in der letzten Tagung vorge. Icaim und dort tm Plenum und in der Dudgetkominisiton au», sichtlich behaiidelt. Ich lann mich daher auf wenige Worte be- Freunde werden die Nachtragsetats ohne ÄommissionSberatung gleich im Plenum erledigen. (Beifall.) Abg. Fehrenbach (Zentr.)r Im vorigen Jahre waren wir bereit, 20 Millionen zu bewilligen. Wir meinten, daß man damit auskommen könnte, unb dies um so mehr, da bereit? mit der Zurücksendung der Truppen begonnen war. Wir erklärten uns jedoch bereit, durch ein Kredit, gesetz im Notfall noch mehr zu bewilligen. Nach den Erklärungen des Kolonialdirektors haben sich die Verhältnisse jetzt entschieden gebessert, man kann schon jetzt von einem FricdenSzustand sprechen. Deshalb kann man jetzt mit viel geringeren Mitteln auskommen. Wir erklären uns deshalb bereit, 20 Millionen zu bewilligen, bleiben jedoch bei unserer früheren Erklärung, datz wir bei be- sonderen Unzuträglichkeiten auch noch einem weiteren Kredit, gesetz zustimmen werden. Ich bemerke noch ausdrücklich, datz wir mit unserem 2500 Mann-Antrag nur die Stärke der Truppen vor dem Feinde gemeint haben. Der Bahnvorlage stimmen wir gu; und wir können unserer Genugtuung Ausdruck geben, datz die Bahnvorlage auf eine Grundlage gestellt ist, die wir in der Bud- getkommission gefordert haben. Den Truppen in Südwestafrika sprechen auch wir unseren Dank aus, eine glänzende Versorgung werden wir allerdings wohl kaum bewilligen können. Dies war auch bei den Kriegern von 1870/71 nicht möglich. Abg. Dr. Semler (natL): Ich will in meinen Ausführungen den Gedankengängen fol- gen, wie wir sie zunächst vom stellvertretenden Kolonialdirellor und sodann von den anderen Rednern gehört haben. Der Kolo- nialdircktor hat zunächst ausgesprochen, der Krieg sei beendet, mit dem 31. März wird der Kriegszustand aufgehört haben. Es ist gesagt worden, die Bedingungen dieses KrtcgSabschlusics hatten nicht ganz dem entsprochen, was man hier und da erwartet hatte. Ich rufe nun btc Verhanblungen der Budgctkommission vom vorigen Jahre ins Gedächtnis zurück. Sie wissen, mit welchen autzer- ordentlichen finanziellen Schwierigkeiten wir damals zu rechnen hatten. Sie wissen, datz damals der Oberst von Deimling diesen Beratungen bcigewohnt hat. Ich bin nun der Meinung, datz bn* jetzige Vorgehen des Obersten von Deimling vollständig gerecht- fertigt ist, nämlick, datz er, sobald sich ihm die geeignete Gelegenheit bot, den Aufstand durch eine Verbindung mit den Hotten, tottcnführcrn niederzuwerfen, durch friedliche Verhandlungen statt durch kriegerische Taten, diese ergriff. Gerade durch bte;e I Bereitwilligkeit hat er sich in unseren Augen ein ganz autzerordent- n. I ^^Jn spätestens acht Tagen hoffe ich. Ihnen mitteilen zu können, welche Mittel erforderlich sind. Mit 2500 Mann werden wir allerdings auch nachh'r nicht auskommen können. Hand in Hand mit bei Verminderung der Truppen mutz eine wesentliche Erhöhung der P o l i z e i m a ch t gehen. Ick möchte auch hier gleich der Anschauung entgegentreten, die in der Presse mehrfach laut oeworden ist, als ob eine Gendarmerie erheblich wohlfeiler wäre^als eine Schutztruppe. Das ist nicht der Fall. Die Gendarmerie verursacht auch wieder ihre besonderen Kosten. Die dort anzusiedelnden Gendarmen müsien verheiratet fein, damit kein Verkehr mit schwarzen Weibern stattfindet, was ihre Autorität den Eingeborenen gegenüber erheblich untergraben könnte. Auch sind zunächst die Gehaltsverhältnisie der Gendarmerie noch nicht derart geregelt, datz sie eine große Anziehungskraft ausubcn könnten und viele bereit wären, hinzugehen. Andererseits hat eine Polizeitriippe den Vorzug, datz die Leute die ganze Zeit dort bleiben und auf Grund ihrer Erfahrungen das ganze Gebiet genau kennen lernen, wodurch dann wiederum Mannschaften erspart werden. Das ist sowohl ein pekuniärer wie ein administrativer Erfolg. Es wird jetzt eine Wehrordnung für das Schutzgebiet ausgearbeitet, und es wird daran aedacht, mit deren Hilfe eine -and- wehr von 1200 Mann zu schaffen. Doch alles dieses hängt noch von besonderen .Faktoren ab. Einer der wichtigsten ist der von der Eisenbahn nach Keetmanshoop, ferner auch die zunehmende Besiedelung des Schutzgebietes mner- halv der von der Beücdelungsverordnung gezogenen Grenzen. Ter Kaiser bat bereits in der Thronrede den tapferen Truppen den wohlverdienten Tank gezollt. Ich möchte ihn hier nochmals aus- sprechen und nach dem Vorgehen eines Redners aus dem Häme den Missionaren beider Konfessionen danken für ihre Bemühungen zur Pazifizierung des Schutzgebietes. Zur Hebung der wirtschaftlichen Lage werden wir auch beizutragen haben. Im Ergänzungsetat werden wir von Ihnen eine Beihilfe für die geschädigten Farmer fordern. Sicfe, warten bereits mit llngebulb darauf. Der Krieg hat auch sonst noch mancherlei anormale Zustände geschaffen, sodaß eine Anzahl Existenzen dort auf sehr schwachen Füßen steht. Dir müssen hoffen,^datz durch die fortschreitende Besiedelung auch diesen wirtschaftlich schwachen die Möglichkeit einer Aufbesserung unb einer gesicherten Fortexistenz gegeben wird. Sehr erfreulich ist die Tatsache, daß in der deutschen Nation das Jntcresie für die Kolonie beständig un Steigen begriffen ist. Es hat sich eine große Anzahl von Personen gemeldet. IjwSr IL tUt Wort oder W NjtQU- liches Verdiei-jt erworben. (Zustirnmuna.) bin ube^ugt. b ß.« en^tidA’11 ।--W ÄÄ 0Cma®cftatkn Sie mir, datz ick jetzt einmal, waS ich bisher noch nie getan, auf doS Hinweise, was ich dort unten m Afrika selbst erlebt und mitempfunben habe. ___ SBcr tote ich in KectmanShoop unter ben borhgen De.halt. niilen geftanben hat. wer bie autzerorbentlich schwierigen Verhältnisses unter benen die Mannschaften und besonders die Pferde zu leiden hatten, gesehen hat, der war nicht zweifelhaft, datz auch m militärischer Beziehung der Friede durchaus war, um unsere Leuten dort unten eine Erholungspause zu gon en. Auch ar- wer, die ick do., tm Lande gesprochen have, hatten nur den einen kurzen Wunsch: Endlich einmal Friede, erinnere mich emeS Ausspruches eines Farmers, der durchaus nicht Scueigt war, für -ichtta zu halten, was von hoher Stelle kam, datz er Nicht geglaubt hätte, datz die Viehentziehung, die ^crst ^ciniling vorg nommen hat, zum Ziele fuhren wurde, datz die Gegner durch ihre Hilfsmittel *en kleinen Guerillakrieg fort,etzcn konnten. Dtt Redner verliest einige Aeutzerungen, die ihm gegenübervon .5 mern in Südwestafrika gemacht worden sind. Alle sprachen den Siunfdi aus. nwgliü fdincO in tti-di.chen 8u,t°nden zu leben um nur arbeiten zu können. Darum empfinde ich es dirett als em Bedürfnis, namens meiner politischen Freunde ^cr wieder und wieder dem Danl Ausdruck zu geben, datz es eben gelungen 1^ noch zur reckten Zeit Frieden zu fdjhcfeen. sich dw Hotten- totten nun verhalten werden, müssen mir abwarten.Jch glaube aber, “a“ es “ cm (Sejcb-.d unteres -u-g-zeichn-t^ G°u°--ueu-- w°hl gelingen wird diejenigen kleinLN Mangel, die mit in den Ka I ?u nehmen der Oberst Deimling verpflichtet war, auszugleich^n. Ta der Staatssekretär einen Nachtragsetat über die ^"^erslutzung der Farmer in Aussicht gestellt hat, will ich nur kurz auslprecken, auch wir dies“ U^efstutzuug sür eine unb-d>ngi- R-w--nd^ welche mit dem notwendigen Kapital auSgestattet find und sich dort ansiedeln wollen. Dieser Bewegung müssen wir zunächst einen gewißen Einhalt gebieten, weil die Vermestung m der Kolonie noch nicht genügend fortgeschritten ist, doch werden die VermetzungS- arbeiten beschleunigt. Mit den sich meldenden P^sonen werbcn Vorverträge abgeschlosien. Eben,o ,ind zur Hebung der M.ueral. schätze des Sckutzgebieies verfchiedene Erpeb.tlonen ,m Gange, von der Südwestafrika-Kompagnie, von der Baul-Ge>eN'chatt m sranb futt a 2JZ Es wird von den Ge,ell,ckaften beao,lchtigt, ein Ob- servatorium zu bauen, unb es ist bie Hoffnung vorhanden batz eine der allerersten deutschen ElektrizitatSfirmen die erforderlichen Ar- beiten ausführt. Daneben hat sich das Shstem der W a s 1 e r - s u ch u n g . m S ch u tz g e b »e r sehr bewahrt An ver.ch,ebenen stellen sind starke Quellen entdeckt worden. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, von welch ausschlaggebender Bedeutung das für bie ganze Entwicklung der Kolonie ist. Der wichtigste Gegenstand aber, der uns beschädigen wird, ist nunmehr die Bahn von Kubub nach Keetmans'00p. Sie ist auSreich-nd begründet in der D«nk,chrift und zwar wesentttch auf Grund wirtschaftlicher Erwägungen. Es ist, trotzdem ja die Zeit für den Bau inzwischen weitergerückt ist, eine Aendernng in den oiffem ber Vorlage nickt vorgenommen, weil ja die eummen der Natur der Sacke nach übertragbar sind. Denn bie|e Bahn nach ben Wünschen ber Bubget-Kommission gebaut wird, auf Grund eines TarlehnS-Gesetzes, so entspricht das durchaus denjenigen Absichten, die die verbündeten Regierungen geäußert haben. Es soll also anstelle eines Zuschußes des Reiches ein Tarleben gegeben werden Ick möchte mich aber dagegen verwahren, daß dre Fest- sctzung eines Termins für die Rückzahlung auf daS Jahr 1811 irgend eine Gewähr dafür bieten soll, daß in dieser Zeit das Schutzgebiet auch in der Lage ist, den Betrag zu decken; im Jntercue einer klareren Nebcrsicht und Buchführung ist ein Zeitpunkt eingestellt Ich glaube, daß das erwachende Jntereße für Südwest- afrika dazu führen wird, daß eine große Anzahl guter deuticker Bürger dort ein ausreichendes Auskommen finden wird. Ich glaube, datz auch daS Teutsclie Reich für die erheblichen Opfer, die bisher gebracht worden sind, auf seine Rechnung kommen wird, wenigstens bis zu einem gewißen Grade. Ich glaube, daß wir an dem Schutzgebiet Freude haben werden. Ich empfehle Ihnen die Vorlage zur unveränderten Annahme. (Beifall.) Abg. Nognlla von Dicberstein (kons.)t Der Kolonialdirektor hat uns ja schr erfreuliche MltteiliM- gen gemacht. Besonders erfreulich ist es, daß jetzt Daßer gefunden ist. Dies wird von sehr großer Bedeutung sein, da das Kubikmeter Daßer 40 Mk. kostete. Meine politischen Freunde werden den Vorlagen zustimmen, auch dem Tarlehensvertrag, da bteicr nur einen Beschluß der früheren Budget-Kommission entsprach. Dankenswert anzuerkennen ist es, daß der Kolonialdirektor der Resolution des Reichstages entgegengekommen ist und ohne -sd)avt» gung des Reichs den Vertrag mit Tippelskirch gelöst hat Auch bezüglich der Rücksendung der Truppen hat der Kolonialdirektor den Wünschen des Reichstags nachgegeoen, doch möchte ich warnen, in dieser Beziehung einen zu starken Druck auf den Höchstem, mankierenden auszuüben, wir könnten es sonst bereuen. Tie Lore des Deutschen Reiches verlangt es, daß wir Südwestafrika halten, nachdem es so viele Opfer gekostet hat. Deshalb müßen wir außer der Polizeitruppe auch noch vorläufig eine starke Sckutztruvve halten, damit ben Eingeborenen jede Lust vergeht, wieder einen Aufstand zu wagen. Erfreulich ist eS, daß eine Beihilfe den ge- schädigten Ansiedlern gezahlt werden soll. Ich meine aber, der Reichstag kann sich auch der Pflicht nicht entziehen, den Hinterbliebenen der gefallenen Ansiedler eine Pension zu zahlen, eS wird sich hier nur um eine geringe Summe handeln. Daß sich jetzt schon so viele Leute gemeldet haben, die sich dort ansiedeln wollen, be- weist doch, daß das Land nicht so wertlos sein kann. . Ter Kolonialdirektor sprach auch von einer Beteiligung des .Kavitals. Ties ist erfreulich, zwingt uns aber, auch eine starke Schutztruppe zu halten, sonst wird sich das Kapital wieder zurückziehen. Was nun den Bau der Bahn nach Keetmanshoop angeht, so gibt es wohl keinen Menschen im Deutschen Reiche, der die Notwendigkeit dieses Bahnbaues leugnen würde. Dir wünschen, daß die Dahn so schnell als möglich gebaut wird. Auch wir sprechen unseren tapferen Truppen unseren Tank auS. Viele kommen krank oder verstümmelt wieder. Es ist eine Ehrenpflicht des Reiches, für diese Leute nicht nur auskommend, sondern glänzend zu sorgen. Meine ki‘ e“Ctoörc eine -mglM-rlich- ^czs.chticl-ij wie nach den ungeheuren Ausgal>en, die wir für unsere Schutzgebiete auf gewandt haben, nun nickt auch den Farmern für Weitere 1 Wicklung der Kolonie die erforderliche Hilfe augede'^n laßen. lScbr tvabrl) Ich will durchaus nicht behaupten, baf} id? oc»» halb, weil ich in den Schutzgebieten war, alles durd>aus richlig beurteilen kann. Aber bas glaube ich doch alsunztoeifelhaft hin stellen zu sollen, datz das Land vom Süden bis über Windhuk hlnauS ganz neu bearbeitet werden mutz. Diese offene Wahrheit mutz hier «ussprechen, damit mir nach keiner Richtungschonfarberei vorgeworfen werden kann. Die Verwaltung der Schutzgebiete wird letzt vor sehr vielen neuen Ausgaben flehen. Man darf nach dieser Richtung hin wohl vor Uebersturzung warnen. Wir haben in unseren Kolonien unaefahr 200 000 Q.-Km. ^\°"lQnöe^e f und dies ist das einzige Aequ-valent rur uniere ungeheueren Opfer. Um diese Opfer wieder einigermahen einzubrmgen. mutzte man auf diese Kronländer natürlich nach einer grotzen Karen^eit eme Rente legen. Die etwaigen M l n e r a l i e n j ch a tz e des £xmbe8 laßen sich nicht eher heben, als es gelungen ist, das Land w'r^ schaftlick zu entwickeln. Das nutzt es einem wenn er für 20 Mart Gold gräbt und 21 Mark für Bücksen. unb Konfervenfleisch habet ausgeben muh! Auch nach dieser Richtung mutz vor Uebersturzung gewarnt werden. Ich habe ebenso wie der konseroattve Redner die Ueberzeugung, datz, wenn wir die Bahn nach KeermanShoop ve- reits gehabt hätten, uns dann ber Aufstanb erspart geblieben wäre. Tie heutige Erklärung des Zentrums begrutzen wir banX- bar. ebenso bie kleine 92uancierung, bie durch den Zentrumsanrraa in die Vorlage hineingebracht worden ist. Wir könnten überhaupt mit einer viel geringeren Truppenzahl rechnen, wenn das ganze Gebiet vom Norden bis zum Süden eine Eisenbahn, wenn auch provisorischer Natur, erhält. Man brauchte nickt gleich heute mit dieser Bahn zu beginnen, kann eoentl. die überflüssig gewordenen Gleise der übrigen Bahnen hierzu verwenden. Wegen die,es Bahnbauprojektes hat man uns uferlose Kolonialpo.itlk vorge« warfen. Tas gerade Gegenteil ist der Fall. Wir wunfchen der Kolonialpolitik dadurch eine Begrenzung zu geben, datz wir Diejenige Gegend, die wir in wirklichen Schutz nehmen wollen, in htejc rau Arndt, Leichellwärtcriu. ite Pciijiou n GymnMen Lbev ger) zu Cfietn gesucht LüngMei-l. Preisen; erbeten Selber IKaumilet äug 'i.driMiewelg.Zu°p LMNllr. 4^ LIL IQltf au der MM ü k" vervaÄtta. HcßuÄer öof. D de einen enannehMn.?--mF lä^anb^M--' ^d)ct Unlttriäjf Bahn einsck)achteln. Auf eine Prüfung der einzelnen Posten will ich heute map eingehen. Wir haben ja jetzt nur einen Nachtragsetat vor. Ich mache aber den Vorbehalt, datz wir beim ordentlichen Etat die,s Kostenfrage prüfen werden. Unsere Bereilwilligkeii, für Die not# wendigen Bedürfnisse der Kolonien einzutreten, steht autzer Zweifel, sie darf aber nicht dazu führen, die rzrage der Er,parnis außer acht zu laßen. Wir werden daS in der Kommi,,ion tun. (Abg. Kopsch ruft: Kommt ja gar nicht dahin!) Die Vorlage kommt allerdings noch in die Kommißion. , Ich wende mich nun zu den Gedanken, die über bic_ g-tage beS Krebits uiü) speziell des Bahnbaus geäußert worden lrnd. -iuch ich begrüße den Standpunkt der Vorlage als zweckmäßig. Ich bin auch der Meinung, prinzipielle, weittragende SluSgaben für bte Kolonien auf dem Wege des Kredits zu decken. Das Mut erlaub muß ber Gläubiger ber Kolonien werden, und das nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus politischen Gründen. Das giw insbesondere für Südwettafrika. EL ist nicht allgemein bekannt, datz in Südwestafrika das Burenelemeni eine große Rolle ipieit. Die Schul- und Erziehungsfrage, zu deren ^fung dw Mittel ja auch besonders in Betracht kommen, hangt mit der Burenfrage aufs innigste zusammen. Dieser Gesichtspunri ist bis letzt noch. ni# genügend in den Vordergrund geschoben worden. Das Burenelement ist durch den früheren General v., ytotf)a1 rKftntkti1 ge stärkt worden. Sein militärisches Bedürfnis nach zuverlaingen Führern war stärker als die Fürsorge für das ^eutimtum m der Kolonie. Tie Burenführer haben dadurch an Einfluß und Zahl gewonnen. Die Förderung dieses Elements ist unter dem Nach- folger des Generals von Trotha, dem Oberst Dahme,, zum -Stillstand gekommen, und Oberst von Deimling har das beutle Element mehr geförberi. Augenblicklich liegt keine Veranlaßung vor, zu klagen aber diese Frage will beadjiei werden. Denn ogne Zweifel bekommen auch ton in Südwestafrika eine Afrikanderbewegung. Jc mehr das Burenelement geneigt ist, ganz Südafrika als Buren- besihtum anzusehen, um so mehr mutz das Deutsche Reich dort zur Ausredjterhaliung des Deutschtums bie ihm mögliche Kraft entfalten. Ist es dock selbst den national starken Engländern nicht gelungen, der Afrikanderbewegung Einhalt zu gebieten. Das die Engländer nicht fertig bekamen, wird auch uns Teurscken nicht l"icht werden. Und daher möchte ich die Kolonialverwaltung dringend ersucht haben, auch dieser Seite der Sache ihre Aufmerksamkeit zu- zuwenden. (Lebhafter Beifall bei ben Natlonalliberalen.) 2lbg. Lattmann (Wirtsch. 23gg.): Wir wollen in Sübafrila keine Solbcuenkolonie, sondern eine wirtschaftliche Kolonie. Deshalb werden wir auch die StachtragS- öttfiratbcilcH nellu. billig auSgeW W ilheliu Kührlg, Reimer Struge Ä, Vögel isgejtoosL W alcuchler, Schulllr U- er1»rfnl «gilt» be« BonntagS. W D «ääää's; yjlVrjvIlvl UlljvlUvl General-Anzerger für GderheMn «Hessische Zweite Kummer. R.-B. Darmstadt, 6. März. Am Minilterlische: Staatsminister Ewald, Finauznrinister *2>r. Guaulh, Munster des Innern Braun, Geh. Staatsrat Krug (tk Nidda. Präsident Haas eröffnet die Sitzung um Uhr. Die Etatöberatung wird bei Kapitel 14, S t a a t s m r n t st e r i u m, fortgesetzt. Die Ausgabe hierfür beträgt 88 06u Alk. Für Unterhaltung und Ergänzung der Moblliarmventarienstücke in den RepräfeittattonS- rätnnen des Siaatsminlsterluins fmb einmalig 4440 Alark eingestellt. Abg. Naab (foz.) nimmt dies Kapitel zum Anlaß, Beschwerden ■über die jüngsten Reichstags wählen vorzubringeii. Besonders beklagt er, daß die S t a a l s b e a m l e « sich an der Agitation beteiligt hätten, auch die Geistlichkeit unb die Lehre rjchaft. Be'onderes Mlß'allen herrsche m der Bevölkerung über das Verhalten der Beamten, die von der Negierung zum Eintritt in deil Wahlkampf veraiilaßt worden feien; sie hätten auch 'nicht immer „mit Anstand" gekampti. Blatt behandle die Sozialdemokraten immer als Staatsbürger ztveiler Klaiie unb glaube sich gegen sie alles herausnehmen zu können. Tas könne ia auch mchl Wunder nehmen, luemi die Negierung selber ihren Vertretern die Beiähigung zur Belleidimg von öffenittchell »emteui /rbjprichl. Er protestiere dagegen und Hoge, düst die,er ^ufianö Hal? tetoHfigen, wie wir eS schon im Dezember taten. Für die Bahn sind wir auch, da sie einen hervorragenden wirtschaftlichen Wert hat. Daß der Süden auch etwas wert ist, hat der Vortrag des Prof. Hahn überzeugend nachgewicsen. Nur die Sozialdemo. Sratcn lasten sich nicht belehren, sie sind die rückständigste Partei, die es gibt. Bald aber werden die Herren Bebel und Singer außerhalb des Hauses wohl nur noch die Zustimmung Anita Augsburgs finden. Denn in den „Soz. Monatsheften'^ betont selbst Kairoer, der Ncichstagskandidat der Sozialdemokraten für Holzminden, die Notwendigkeit einer Kolonialpolitik. Auch Bcriistein äußert sich in ähnlichem Sinne. Der Kolonialdircktor hatte in Einern Vortrag so ganz nebenbei bemerkt, daß eine Tattclkiste verloren ging und daß man an dem Ort nach einigen Jahren drei Meter hohe Tattelbäume fand. Diese kleine Geschichte hat im Wahlkampf eine große Rolle gespielt. Die Sozialdemokraten Laben sie sogar zum Gegenstand eines Flugblattes gemacht und danach die ausschweifende Phantasie unseres Kolonialdiocktors nachzuweisen versucht. Sie haben dadurch nur bewiesen, daß sie keine Ahnung vom Pflanzenbau und von der Fruchtbarkeit der Tropen haben. Allerdings gebe ich zu, daß der Kolonialdirektor manchmals etwas zu rosig gemalt hat. Je ruhiger und nüchterner wir die Sache behandeln, desto besser ist c5. LaZ Taclehensgesetz begrüßen wir mit großer Freude. Y Dbg. Erbprinz zu HohenloHe-Langenburg (Rp.)'t 'NamenS der Reichspartei habe ich zu erklären, daß meine politischen Freunde den vom Bundesrat vorgelegten Nachträgen in voller Höhe zuzustimmcn beabsichtigen. Es ist nicht meine Absicht, bei dieser Gelegenheit auf große allgemeine kolonialpolitische Fragen einzugehen. Ich möchte nur doch auch meinerseits der Freude und der Befriedigung Ausdruck geben, daß der Krieg, welcher dem deutschen Vaterlande so große Opfer an Gut und Blut gekostet hat, nunmehr als beendet anzusehen ist. (Beifall.) Es ist auch heute vielfach von den Leistungen unserer Truppen und ihres Führers die Rede gewesen. Alle heute zu Worte gekommenen Redner haben übereinstimmend ihre große Bewunderung und Anerkennung diesen tapferen Soldaten gezollt, welche für die Ehre des Vaterlandes draußen geblutet und sich allen Anstrengungen ausgesetzt haben. Ich glaube, es ist kaum notivendig, hier noch ein Wort hinzuzufügen. Wir alle sind ja in dieser Beziehung einig, ohne Unterschied der Partei. (Lebhafter Beifall.) Wenn wir uns jetzt des wicdergewonnenen sicheren Zustandes im Schutzgebiet er. -freuen dürfen, so verdanken wir das ganz sicherlich den braven Truppen, die dort gekämpft haben. (Sehr richtig!) Es ist zu erklären, daß sie alle, welche diese Strapazen durchgemacht haben, die Sehnsucht nach Frieden empfinden, von der Herr Semler vorder sprach. Ich meinerseits möchte gewiß dem Kommandeur der Schutztruppe daraus keinen Vorwurf machen, daß er einen Frieden 'abgeschlossen hat, wie er uns vorliegt. (Sehr richtig!) Wenn 'auch gewiß anzuerkennen ist, daß der jetzige Zustand gewisse Ge- fahren in der Zukunft in sich birgt und uns dazu mahnt, vorsichtig zu fein und nicht zu früh mit den Maßregeln aufzuhören, die für die Aufrechterhaltung des Zustandes nötig sind. Meiner Ansicht «ach ist die Bewilligung der Nachträge, welche uns jetzt vorgelegt worden sind, für vieles Haus gewissermaßen eine Konsequenz aller derjenigen Bewilligungen, die im Laufe der Jahre für Südlvest- afrika gemacht worden sind. Es sind ja enorme Summen bewilligt worden, in der Erwägung, daß es sich um unsere Wasfenehre handelt. Aber eine so große Beachtung dieser Gesichtspunkt verdient, der jedem Patrioten warm am Herzen liegen muß, wäre es doch traurig, wenn wir unsere Waffcnehre an ein ganz nutzloses Objekt yefttzt hätten. Ich bin der Ueberzeugung, daß wir um ein wertvolles Gut dort draußen gekämpft haben. Die Meinungsverschiedenheiten hierüber werden noch lange Jahre andauern, wie es bei einem so großen Gebiet, von dem nur ein geringer Teil erschlossen, und das nur mangelhaft erforscht ist, auch gar nicht anders sein kann. Wir werden erst dann zu einer Uebercinstimmung kommen, toenn die Erfahrung vorliegt, daß zahlreiche Deutsche dort wirklich ein lohnendes Unterkommen gefunden Haven. (Sehr richtig D Vis dahin werden wir nnS mit einer Wahrscheinlichkeitsrechnung begnügen muffen, die allerdings sehr viel Wahrscheinlichkeit für sich hat. Wenn man aber der Ueberzeugung ist, daß in diesem Schutzgebiet ein Wert steckt und es unrichtig wäre, auf Verzinsung und allmähliche Rückzahlung der Ausgaben ganz zu verzichten, dann muß man auch etwas Erhebliches dafür tun, um dem Schutzgebiet die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln. Diesen Zweck haben die Nachtragsetats. Wie viele Truppen jwir brauchen, um den noch latenten Widerstand im Laufe der Zeit vollständig zu überwinden, das zu beurteilen ist Sache des Gouverneurs und der Kriegsleitung. Als Reichstagsabgeordnete müssen wir die Höhe der Nachträge als richtig annehmen, die nach sorgfältiger Prüfung uns vorgelegt werden, denn wir müssen uns dabei auch der Veranlworlung bewußt sein, _ die wir den Ansiedlern gegenüber haben. Ich habe es mit lebhafter Freude begrüßt, daß der Kolonialdireltor es verstanden hat, als die Zn- ttünde im Schutzgebiet sich wieder normal zu gestalten anfingen, das deutsche Kapital ausgiebig heranzuziehcn. 1 Im gegenwärtigen Augenblick handelt es sich vor allem darum, im deutsck)en Vaterland das Vertrauen zur Kolonie zu erwecken, und die Erfolge des Kolonialdirektors nach dieser Richtung 'erfüllen uns mit hoher Befriedigung. Für eine unerläßliche Vorbedingung des Gedeihens der Kolonien halte ich dir Entwicklung der Verkehrsmittel. Das haben die andern Nationen längst erkannt, und wir müffen jetzt den Vorsprung unserer Konkurrcnren »inholen. Ohne die Bahn nach Keetmanshoop wären alle sonst aufgcwandten Mittel hinausgeworfencs Geld. Es ist uns eine Freude, daß diese wichtigen Vorlagen uns so bald nach Zusammentreten des Reichstags von den Regierungen entgegengebracht sind. _,(Beifall.), Dbg. Kopsch '(freis. Dp.): - " Die Friedenbedingungen, die den Bondelzwärts auferlegt jfTnb, halte ich für durchaus sachgemäß. Ten beiden Nachtragsetats wird die freisinnige Volkspartei ihre Zustimmung geben. Tas 'entspricht durchaus unserer Haltung Dor Der Auflösung des Reichstags.» Die Vorlage stellt einen glücklichen Ausgleich zwischen den 'Militärischen und wirtschaftlichen Bedürfnissen der Kolonie und den Interessen der Steuerzahler dar. Ein Ersah der Schuhtruvpe durch Polizeimannschaften ist in unseren Augen eine große Verbesserung. Er bringt eine Stabilisierung der Verhältnisse, während die Anwesenheit einer Schutztruppe immer einen Ausnahmezustand für die Kolonien bedeutet. Wenn wir also jetzt dem Rücktransport der Truppen entgegensehen, möchte ich nicht die Gelegenheit vorübergehen lasten, ihnen auch im Namen meiner Partei unfern Dank auszusprechen. Wir erwarten, daß das Vaterland seinen Verpflichtungen gegenüber diesen Kämpfern nachkommt, und daß es, wenn sie in die Heimat zurückgekehrt sind, für ihr ferneres Fortkommen Sorge trägt. (Zustimminm/, nm-r-1.- i-nr daran erinnern, baß wir der Veteranen und Invaliden nicht der- geffcn und daß baldigst für diese ein Pensionsgesctz zustande kommen muß. Nun noch ein paar allgemeine Bemerkungen: Hm Wablkampf haben wir oft die Behauptung gehört, daß unsere jetzige Haltung in den Kolonialfragen einen Bruch mit den Anschauungen unseres früheren Führers Richter darstellt. Das ist durchaus irrig, ja eine Verdächtigung. Wir handeln durchaus im Sinne und Geiste Richter?,. der notwendigen nationalen Ausgaben feine Zustimmung nicht versagt hat. Wir find nie prinzipielle Gegner der Kolonial- politi! gewesen; wir haben stets nur gegen das bisherige System unserer Kolonialpolitik Front gemacht. Wird dieses System geändert, wird die Kolonialpolitik nach gut kaufmännischen Grund- sätzen geleitet, so sind wir gern bereit, sie zu unterstützen. Dem Bahnbau werden wir unsere Zustimmung geben. Notwendig wird es fein, diejenigen, die den Vorteil von der Bahn haben, auch stärker zu den Kosten heranzuuehen. Um Auskunft bitte ich den Kolonialdirektor, was die Position I „Zum Erwerb von Grund und Boden 20 000 Mk." zu bedeuten hat. Ter Grund und Boden ist in Südafrika noch nicht so teuer. Auch möchte ich wiffen, wie der Betrieb der Bahn erfolgen soll. Vielleicht wäre es möglich, außer der Firma Lenz noch andere Firmen heranzuziehen, fönst besteht die Gefahr, daß die Firma Lenz ein Monopol erhält. Die Vorlagen werden ja jetzt bewilligt. So sehr zu bedauern die Kämpfe auch gewesen sind bei der Wahl, umso segensreicher ist das, was. sie bewirkt haben. Das Mißtrauen gegen unsere Kolo- nialpolitik ist geschwunden, nur eine Kolonialpolitik, die getragen ist von der Mehrheit des deutschen Volkes hat Aussicht auf Erfolg. (Beifall links.) Kolonialdireltor Dernburg:' Ich kann Ihnen Mitteilen, daß die Denkschrift über die Eisenbahnverhältnisse Ihnen demnächst zugehen wird. Für den jetzigen Nacktragsctat hat sie keinerlei Bedeutung. Sie wird aber ganz besonders zeigen, wie dringend der Eisenbahnverkehr ist. Es steht jetzt bereits fest, daß die Zolleinnahmen unseres deutsch-ostafrikanischen Schutzgebietes sich für das Jahr 1906 un- pefähr 1 Million über den Voranschlag stellen (Hört, hört!), ein Resultat, das im wesentlichen daher kommt, daß die Ugandabahn uns die Viktoriasee-Gegend erschlossen hat, und es steht weiter fest, daß wir in dem einzigen Hafen gegenwärtig 50 000 bis 66 000 Mark Zolleinnahmcn haben, während wir früher noch nicht einmal 100 000 Mark Handel im Jahre hatten. (Lebhaftes Hört, hört!) In welchem Umfange die Landgesellschaften zur Entschädigung heranzuziehen sein werden, toii'b wohl am besten in der Budgetkommifsion besprochen werden. Es handelt sich darum, das Terrain zu erwerben, das für die Eisenbahn notwendig ist, und alle Interessenten gleichmäßig zu einer gewißen Steuer heranzuziehen. Wir haben vor, der Landspekulation insofern entgegenzutreten, als wir alle die Gelände um die Bahnhöfe herum für das Schutzgebiet in Anspruch nehmen werden. Dieser wichtigste Teil wird daher einem etwaigen Landwucher entzogen werden können. Die Hoffnungen, die der Abg. Semler auf seinen Vorschlag setzte, eine gewisse Rente auf das Kronland zu legen, teile ich nicht. Dem Abg. Wiemer bemerke ich auf dis neuliche Frage, ob Aktien der South-West A'rican Company von einem geringeren Nomlnaliverte als 1000 Mk. bei einer preußischen Börse zugelassen werden sollen, daß sie nickt in meine Verwaltung gehört. Diese Gesellschaft ist seinerzeit mit Hilfe englischen Kapitals gegründet. . Sie hat eine Eisenbahn ermöglicht und besitzt infolgedessen jetzt einen großen Besitz der Aktien eines großen deutschen Vahnunternehmens in Südwest - Afrika. Wenn das deutsche Kapital nunmehr bereit ist, diese Aktien wieder zurückznerobern, so sehe ich vom Standpunkte der Kolonial- verlvaltung darin nur etwas Erfreuliches. Allerdings meine ick, daß derjenige, der 20 Mark für eine Aktie riskiert, auch ruhig 100 Mack riskieren kann. Ich bin daher daiilr, daß Pointe zu 100 Mark ausgegeben werden. Ueber die Größe des besiedelungsfähigen Landes befindet sick in der Druckschrift meiner Vorträge allerdings ein Druckfehler. Ich habe gesagt, daß etwa ein Gebiet so groß wie Preußen in Südwest-Afrika besiedelungsfähig sein könnte. Mit der Firma Lenz soll übrigens nicht nach diesem vorliegenden Kostenanschläge abgeschlossen werden. Das ist nur ein vorläufiger Anschlag. Sie baut mit einem Zuschlag zu den tatsächlichen Kosten und belommt eine Präniie, wenn sie schneller baut als vorgesehen ist. Die Bahn soll ihr auf lO Jabre gegen 550000 Mk. verpachtet werden mit der Maßgabe, daß jederzeit die Pacht aufgelöst werden kann, was nach 10 Jahren so wie so geschieht. Von einem Monopol kann hier nicht die Rede sein. Die Frage ist die: ist eine Firma vorhanden, die mit weniger als 7 bis 8 Proz. Zuschlag baut. Ich aber habe geblaubt, daß sich überhaupt kein anderer an dem Bahnbau beteiligen würde und daß der Vahnbau mit der Garantie eines Maximums und einem Zuschläge von 8 oder 9 Proz. nicht zu teuer ist. Abg. Ledebour (Soz.): - Es scheint, daß der Vertrag mit den Vondelzwards schon abgeschlossen war, als Der Reichskanzler hier mit dem Ausdruck der höchsten Entrüstung gegen den Abstrich in dem Nachtragsetat sprach. Darüber müssen wir Aufklärung haben. Ich glaube nicht, daß die Negierung wirklich 8000 Mann in Südafrika braucht, besonders jetzt nicht, nachdem der Friede wieder hergestellt ist. Es scheint also, daß die Truppen zu anderen Zwecken gebraucht werden sollen. Seit zwei Jahren arbeiten die alldeutschen Phantasiepolitiker dahin, daß wir in Südafrika eine große Truppenmacht halten, um gegebenenfalls in die Kapkolonie einbrechen zu können (Lachen rechts), und mit Hilfe aufständischer Buren die Kapkolonie zu erobern. Dies wird in einem Buch von Samassa eingehend dargelegt. Am 6. Dezember hielt ein Abgeordneter hier eine Rede (Zuruf: Das geschieht jeden Tag! Große Heiterkeit), in der ausgeführt wurde, daß die Bahn nach Keetmanshoop auch im Falle kriegerischer Entioicklungen mit England große Dienste tun würde. Der Herr, der diese Rede hielt, war der Abg. Lattnmnn, und der Negierungsvertreter antwortete und hüllte sich in Schweigen. (Heiterkeit.) Soll ich Ihnen noch mehr vorlesen? (Entrüstete Zurufe: Nein! Nein!) Da darf man sich doch nicht lvuudern, daß in England der Gedanke Platz greift, wir wollten in Südafrika gegen sie vorgehen. Das ist Ihnen natürlich unangenchin. (Znruf: Nein I Nein I) Ich werde Ihnen die Stelle nochmals verlesen. (Allgemeines Enftetzen, Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Dr. Panschc: H-rr Abgeordneter, ich glaube Sic unterschätzen die Auffassung?- gäbe des Hauses, wenn Sie solche Stellen zlveimal verlesen. (Stürmische Heiterkeit.) Abg. Ledebour (fortfahrend): Und da greift der Reichskanzler den „Vorwärts" an, weil der „Vorwärts" in einer Korrespondenz aus En"li"d ’ i"l' gebracht. Der Reichskanzler glänzt wieder mal durch Abwesenheit. So hat er es ja in letzter Zeit häufig gemackt: erst irgend eine Behanvtuiig in die Welt geschleudert, dann, wenn diese Behauptung sich als unwahr erlvies, sich dadurch der Verantworinng entzog, indem er einfach nicht herkam. (Lebh. Zurufe b. d. Soz-, Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Dr. Paasche: Herr Abgeordneter, Sie haben nickt das Reckt, an der Tätigkeit des Reichskanzlers in dieser Weise Kritik zu üben. (Stürmische Unterbrcckuugen seitens der Soz. und einiger anderer Abgeordneter. Die weiteren Worte des Vizepräsidenten gehen völlig verloren. Er versucht hierauf zunäckst vergeblich, sich durch die Glocke Ruhe zu Vers baffen. Als es ihm endlich gelungen ist. fährt er fort:) Sie haben gesagt, daß der Reichskanzler sich jedesnial der Verantwortung entzog. (Stürm. Zurufe b. d. Soz.: Allerdings I Sehr wahr! Stets tut er das! Besonders der Abg. Geyer macht sich durch leidenschaftliche Zlirufe bemerkbar und dadurch, daß er mehrmals hintercinauder von seinem Sitz aufspringt und die Arme lebhaft in die Luft wirft.) Darüber, waS der Reicks- kanzlcr für sein Recht hält, hat der Abgeordnete nicht zu entscheiden. ** (Erneuter Lärm bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ledebour (fortfahrend): Darüber haben wir zu entscheiden, wie wir das Verhalten des Reichskanzlers beurteilen. (Stürmische Zustimniimg bei den Sozialdemokraten.) Ich wiederhole, der Reichskanzler hat in letzter Zeit die Gewohnheit angenommen, nach heftigen Angriffen, die, wenn sie bewußt gemacht und Verleumdungen genannt werden müßten, (Große Unruhe rechts.) sich der Veraut- ivovtung dadurch zu entziehen, daß er nach Aufdeckung der Unwahrheit nicht er|chei»t und daß er auch nicht durch einen Vertreter, etwa durch den immer anwesenden Herrn von Löbell, diese, seine unwahre» Behauptungen richtig stellt. (Anhaltende Unruhe rechts, lebhafte Zuslimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich tvollle, der Abg. Lattnmnn redete noch oft zur Unterstützung der Dernburgschen Politik, dann würden wohl selbst Caliver und Bcrustein zu der Ueberzeugung kommen, daß si: eine kolossale Dummheit begangen hätten. Redner gehl dann auf die Verhandlungen der Budgetkommission ein und greift den Kolonialdirektoc heftig an, weil er bezugnehmend auf die Aeußerungen des Farmers Schlettwein eine zu große Rentabilität des Farmerbetriebs ausgerechnet hätte. Der Kolonialdireltor besitzt ja eine lebhafte Phantasie und ist ein Optimist, aber dies gebt doch über das Maß des erlaubten, da hat er uns zu bluffen versucht. Präsident Graf Stolberg: Bluffen ist ein Ausdruck für eine unehrliche Handlung im Spiel. Sie dürfen diesen Ausdruck nicht auf deu Stol'ouiülDiÜLtor. anwenden. Ich rufe Sie zur Ordnung. , Abg. Ledebour: ES ist eine Gewiffenlosigkeit, wenn der Kolonialdireltor'mit solchen Angabe» operiert. Präsident Graf Stolberg: Ich rufe Sie zur Ordnung. > Abg. Ledebour (fortfahrend): Der Farmer Schleltlvein hat die Eingeborenen anfS ungeheuerlichste ausgeveutet und einen solchen Manu beruft man in die Budget- kommission als Vertrarlensmann. Wir bekämpfe» die Kolonialpolitik prinzipiell. Eine merkwürdige Wandlung haben die Freisinnigen durchgemackt. weil ein Vankdireltor Kolonialdirektor wurde, der eine liberale Vergangenheit gehabt haben soll. Aber der eine Konzessionsickütze wird an der allgemeine» Jimlerponkll nichts ändern. (Lebhafter ironischer Beifall rechts^ Abg. Schrader (freis. Vg.): So hoch haben wir das Selbstbewußtsein der Sozialdemolrafte noch nie gehen sehen tote jetzt: „Alle anderen Parteien sind nichts wert, nur wir, wir verstehen alles I" So (lang es aus der Rede des Abg. Ledebour. Aber ich denke: seine Ausführungen sind diesmal noch toeuiger ernst zu nehmen als sonst. (Sehr gut!) Herr Ledebour scheint keine große Vorliebe für die Alldeutschen zu haben. Ganz tote ich.. Aber er brauchte ihren Reden wirklich nicht eine so große Bcdeutnng beizumessen. Es ist doch eine geradezu unglaubliche Annahme, daß wir mit unseren paar Tausend Mann das Kapland erobern wollen. Solche Phantasien nimmt auch in England kein Mensch ernst, und die Sozialdemokratie braucht sich derartige Weisheiten wirklich nicht von ihren englischen Freunden mitteilen zu lassen. (Sehr wahr 1) WaS Herr Ledebour sonst sagte, war niclts als die bekannte Art der Sozialdemokratie: sie hangen sich an Kleinigkeiten und zerreiben sie dann mit großem Aplomb. Eine phantastische Kolonialpolilik wollen auch wir nicht treiben. Sckönmalerei ist auch nicht unsere Sache, aber evensoivenig kleinliche Nörgelei. Ich glaube nicht, daß die Mehrheit des Volkes an den Ausführungen des Herrn Ledebour große Freude haben wird. (Beifall.) Abg. Bindewald (Antis.) " erklärt namens seiner fünf politischen Freunde die Zustimmung zu den Vorlagen. 2)(att solle sich an anderen Völkern ein Beispiel nehmen! Daß i» Südafrika etwas zu holen sei, beweise die eine Tatsache, daß es in Swakopmund schon eine israelitiiche Gemeinde gebe. (Große Heiterkeit.) Kolonialdireltor Dernburg weist den Vorwurf des Abg. Ledebour zurück, daß We Regierung dem Hause falsche Informationen gemacht habe, Im „Vorwärts" hat gestanden, daß e5 ein Gewinn für Deutschland sei, toenn wir die Kolonien loS wären. Dies ist ein Grund, weshalb die Sozialdemokraten die Hälfte ihrer Sitze verloren haben. Denn so etivaS läßt sich das deutsche Voll nicht gefallen. Weil die Sozialdemokraten nichts gegen untere Kolonien sagen können, versuchen sie meine Person zu diskreditieren. Man hat mich angegriffen wegen meiner Erzählung von der Dattelkiste. Ich habe hier ein Buch, darin steht: „In Südasrika ist es so fruchtbar, daß auf einem Morgen 200 Dattelpalmen wachsen." Das Buch heißt: „Die Frau" und ist geschrieben von August Bebel. (Stürmische Heiterkeit.) Ich verzichte darauf. Ihnen zu antworten. Ihre Angriffe lasten mich unberührt, ich lasse Sie in der papiecneu Welt, in der sie leben. (Lebhafter Beifall.) Hiermit ist die erste Lesung beendet, die zweite wird im Plernu» stattfindcn. Das Hans vertagt sich auf Donnerstag 1 Uhr. (Etats- Not-Gesetz und Interpellation über daSWein- g e s c tz. R pr1v. und diese offiziöse Bekämpsung der Soztaldemokratie ein Ende nehmen werde. Tas Kapitel wird darauf ohne weitere Debatte genehmigt. Kapitel 15, Auswärtige und Bundesoerhältmsse, Ausgabe 36 000 Alk., Kap. 16, Kabmettsdirektlon, Ausgabe 12 500 Mk., Kap. 17, Ober-Nechuuugskammer, Ausgabe 243 520 Alk., Ver- wallungsgerlchtshof 7840 Alk., Kap. 19, paus- und Staatsarchiv, 15 430 Alk., Kap. 20, Rheinjchisfahrt, 3250 Alk., Kap. 21, Sterbe- quartale, 1500 Alk., und Kap. 22, Porto, Telegraphengebühren rc., 3500 Alk., werde» oebaitelos genehmigt. Beim Etat des Al t n t st e r i u m s des Innern (8. Haupt- abteilung) »nacht zu Kap. 23, Ministerium, Abg. Tr. F r e n a y (Ztr.) auf die Notwendigkeit einer weiteren Durchführung und Verheuerung der G e w e r b e a u s s i ch t, lotute des Schutze» der Heitnarbeuer, aufmerlfatn, und empfiehlt dte Erweiterung der Gewerbeariisicht durch Hinzuziehung von Arbeitern, tvie es jetzt auch m Württemberg gejcljeljen fei. Redner lichtet auch an die Großh. Reglerurig die Bitte, un Bundesrat energisch auf die Wetterführung der soziale» Rejoimeli hinzuarbeilen. Wetter plädiert der Redner lür die Schaffung von Trinkerheilanstalten, in welche notorische Trinker auch zwangsweije verbracht tuerDeu joUleu, und für die Bestimmiing von Zwangsarbeit für pstichlvergefsene Ehemänner, die nicht für ben Unterhalt ihrer Familien sorgen. Abg. Adelung (Soz.) beschäftigt sich emgeyend mit der Frage der Zwangserziehung für Al i n d e ri ä h r t g e. Der Staat habe ein Recht, verwahrloste Kinder ihren Eltern zu entziehen und Selber für deren Erziehung zu sorgen. Ader er muffe bann auch bafür sorgen, baß bieje Zwangserziehung wirklich eine bessere sei. Rebner bringt verjchiebeiie EinzeUälle vor, in beneit Almberjährige infolge unzuretchenber Erziehung völlig verborben luurbeu unb spricht sobann ben Wunsch aus, baß bie Regierung eine besonbere Behörbe für Zwangserziehung, dte aus Berireteiu Der entsprecheuben Behörden, der Gemeinde, der Schulabteiluiig rc. bestehen könnte. Tie Landestvaifenanslalt zahle als Beihulfe für die von ihr unlerzubringenden Lehrlinge nur 150 Alk., das fei zu wenig für eine 3- bis 4 jährige Lehrzeit. Redner geht dann auf die Kinderfürjorge in Alamz naher em und wünscht, daß die Rechte des dortigen Erziehungsbeirats eine Erweiterung tu Bezug auf Die KmDer der Laubeswaijenpftege erfahre. Tie zur (Seivecbeauf* ficht herangezogeneu Arbeiter erhielten nur 1200 Alk. Entjchäbtgung, Das fei zu wenig, man tollte bie Summe auf 18u0 Alt. erhöhe». Tte Gewerbeauificht fei in Worms unb Mainz liicht jo gründlich, ivie anDerwäris; das komme daher, weil beide Bezirke noch temen Assistenten hätten. Redner legt dann noch Verwahrung gegen die „Gellnnungsjchiliiffelel" em. In Alamz fei die Polizei, die dem Kreisamt imieiliellt ist, beauftragt worden, Erkuiidigiuigen übet die polttijche Gesinnung der Gastwirte einziizieheu. Tas muffe von Jedermann auis |d)drille verurteilt werben. Avg. Reinhart (imt.=hb.) macht ver|chrebene Ausführungen uibetceif ber vom Abg. Frenay gegebenen fozialpolittichen Anregungen. Ter Rediter, ber von jemein ben Journalisteuplätzen ge> ' döllig^ Nit-, die 38 der ? '"- !>'- Jw> 10**k^ SS*fr> ** ht*? * s J* 1 fr««™«'” te'S t »>$ «•ÄS HLVJ M wloinnibirdt ,'nerbetricbz *? I?b6nite ch über das SS ■b' < 'tz Jfm oTenWirtHot" tii 'i? uig^emWte wn in die 2?utflet» Jien die Kolonial« blmifl haben die >or Kolonialdirrllor t haben soll, öder 'einen ZMleipoM 113^1 ' er ToMmolmsie Parteien sind niditi ) es au5 der Diebe ührungen sind dies« ■nft (Sehr pull) ir bk HObtniittn ren SRtbtn w/rttich boä tint geradezu ir Laujenü Mann ix n\u\mt Qt\& ’vr atttttn bx»W M tn^iäjtn freunden err Ledebour sonst ozialdemolralie: sie ie dann mit grogem ollen auch wir nicht be, aber ebensowenig vrehrheit des Voiles jroge ßreude haben He Zchmwmg za Söllern ein Bei!p>el i, beweise die eine raelit'iche Gemeinde daß He WW macht W ein ° los waren. ? » olrotea d>e was w d°S , ^jialbemottatfn ’nen, o-'w-hen f« w*wS jobe hier ewBuch, ß aus einem Morgen ssfä S'S» folge des traurigen Vorfalles alle Vorkehrungen getroffen sind, um ähnliche Ueberfälle durch Geisteskranke in Zukunft auszu schließen. Bezüglich der Gehaltsbczüge der außerordentlichen Professoren an der Teckpiischen Hochschule erkenne die Regierung die Notwendigkeit einer Verbesserung an und «werde im nächstjährigen Budget entsprechende Vorschläge macken. Im Ausschußberiäst sei auch schon darauf hingewiesen ' worden, daß solche Vorfälle, wie der mit dein „Hauptmann hon Köpenick" bei uns nicht möglich seien, da bei uns seit genubet ungünstigsten Platz aus spricht, ist aus der ^ribune fast ,gar md)t zu verstehen. .. . . ^Ibfl Tr. Weber (wild) fragt an, rote es mit Dem m der Thronrede augekündigleu Gesetzeul.vurt mbetreff derFursorge für b t e G e in e i n D e b e a >u t e n stehe. Abg <31 o 11 () n n (Ztr.) ersucht um Auskunft darüber, wie es mit der erneuten Eindringung einer Vorlage über Die Ge. meindesteuerreform stehe. Ferner habe man auch schon lauge von Dem Ausschuß für Die l nicht mehr citls bieiem üaiiötng zur Berabjchiebuug kommen werde. er Ausschuß habe allerdings seit drei Mouaien keine Sitzung mehr ab- .^ballen, aber die Schuld daran trügen die jüngNen ReichstagS- wahlen uiid die Etatsberalungen des Finanzausschusses. 4,et- Ver° waliungsgesetzausschliß habe aber bereits 25 Sitzungen abgehalten imb die Landgemeindeordnung und die Slädleordnung erledigt, ltr hoffe auch, dag die Beralinig der Verivaltungsgefetze noch in diesem Frühjahr im Plenum der Kammer werde erfolgen können. Vorerst mühe natürlich zunächst bas Budget erledigt werden. Abg. Tr. Osann (imt.-lib.) fragt an, wie es mit Der Ver- t stcherung resp. F a m l l i e n f ü r s o r g e für die Verun- I glückten in Staatsbetrieben stehe, z. B. des Geiida' men I Zuckert und des Oberarztes Tr. Weber ui der Laudesirrenaunalt | Philippsho''.'!ial. (Ls müßten auch genügende Aiulel zur Hinter- I bliebeneii .^iorgung zur Ver'ügmig stehen. Ferner tragt otedner, ? was die Regierung zur Regelung der G e h a l t s v e r h a l l n i s e | bet a-o. Professoren an d e r T e ch >i i s ch e n Hochschule >' um werde, und weiter, ob in Hessen genügende Vorkehrungen ge- | trofien seien, daß ein Vorfall, iuic der mit dem Hauptmann ? von Köpenick, bei uns nicht Vorkommen könne. Minister des Innern Braun meift darauf hin, dap ihm das große Bündel von Anfragen und Wünscheii gerade zu scinem ein» j a t> r i g e n i n i ft e r j u b i l ä u mrt übermittelt werde. Er wolle versuchen, wenigstens einen Teil der Fragen zu beantworten. U eher die Frage der Ausübung des Li e i ch s l a g s w a h l r e ch l g i \i i bekannt, daß Jeder fein Wahlrecht da ausübe, ivo er feinen I Wohnsitz hat. Taß der Aiifenthalt in einer Heilanstalt als Jobber aiuufebeii fei, habe der Pravinzial-Ausschuß verneint. Tie endgültige Entscheidung des Verwaltungsgerichkshvss darüber siebe noch aus. Zu der Ausrage bezüglich des Bachgesetzes könne er mitieilen, bay ein solches den letzten Erwägungen im Ministerium » unterliege und schon in den nächsten Tagen dem Hause vorgelegl it/röen würbe. Tein Abg. Frenay könne er bemerten, daß der Lesetzentwurs über den Bauhandmerkerschutz eine sehr eingehende und sorg'äliige Bearbeitung exiorbert habe, aber ebenfalls nahezu adgeschlässen sei. Tem Abg. Adelung bemerke er, daß bie konfessionellen Anstalten ganz besonders geeignet seien, auf dem Gebiete btr Zwangserziehung segensreich zu wirken. Je tiefer die religiöse i Grundlage der Erziehung ruhe, um so glücklichere Resultate werde sie erzielen. Hier müsse in erster Lnile auch das Herz, nicht allein btr Kops Mitwirken. Für bie von bemselben Redner geivunschte erweiterte Familieupflege der Kinder fehle es leider an Familien, welche dieselben auinebmen. Tie Frage der Zwangserziehung sei ilt crhaupt cm sehr schwieriges Gebiet. Wenn der Redner auch , b;e Bezüge der Arbeiter bei der Gewerbeaufsicht rüge, so erinnere er daran, daß bie V o l k s f ch u l l e h r e r erst nach Annahme der neuen Vorlage Den Gehalt von 1200 Mark erreichten; für bt-efe Arbeiter sei ein Gehalt von 1200 bis 2000 Mark cmgesetzt, sodaß also das mittlere Salär 1 600 Mark betrage Tann kämeii noch die Tagegelder hinzu. Auch bie Klagen über die Dezentralisation der Gewerbeaufsicht , könne er nicht teilen; bie letztere befinde sich dabei in Hessen g»nz iwohl. Wenn ein ^orrebner ausführte, daß bie Regierung noch miä)ts zur Prüfung der Frage inbetreff der Llebernabme aller KZolksschullasten, ,auf den Staat getan habe, | so sei das unzutreffend, die Regierung sei zurzeit mit der Bearbeitung der eingelaufenen Berichte beschäftigt. Auch mit der Frage der ttebernahme sämtlicher Ar men lasten auf den Staat sei die Regierung beschäftigt. Ferner seien wohl alle Parteien darüber einig, daß ein wirksames Arbeiterschutzgesetz geschaffen werden 'müsse; er hoffe, daß ein Reichsgesetz den dahingehenden Wunsch bald erfüllen werde. Auf die Anfrage des Abg. Dr. Weber bezüglich der Vorlage über die Ge mt i n be b e a m t e n ; ei Härt der Minister, der Entwurf sei soweit fertiggestellt, daß er nach in der lausenden Tagung an den Landtag gelangen werde. > L ic Anfrage des Abg. Molthan nach dem Stand der Gemeinde- [tie ue rr e f o rut beantworte er dahin, duß der Gesetzentwurf feitiggefteht sei und an allen Stellen ein Einverständnis darüber * bestehe. Es würde jetzt nur noch das Probematerial, das der / ftammer mit vorgelegt werben solle, einer genauen Durchsicht unterzogen, dann werde der Gesetzentwurf im Herbst, spätestens • in ben ersten Wintermonaten, dem Hause vorgelegt werden. Dem Wfcg, Dr. Osann tdnne er, der Aiinister, für dessen Anfragen ? nur dankbar feilt. Er rufe den in treuer Pflichterfüllung dahin- i gc schiedenen iOtännern, wie dem Wachtmeister Rückert, dem Oberarzt Tu'. Weber und dem Wärter der AKstalt zu Hofheim ehrende Worte dcs Dankes und der Anerkennung nach. Für die Hinterbliebenen sei gesorgt worden. Tie Witwe des Wachtmeisters erhalte 700 Mark Pension und dazu eine Gnadenpension von 400 Mt. Für bie Angestellten vhne Beamtenqualität enthalte das Gesetz eine Lücke, die aber denrnächst ausgesüllt werden solle. Ten Hinterbliebenen des Wärters seien zunächst bie 1000 Mt. ausgezahlt hiurbcn, die derselbe nach Ablauf seiner Dienstzeit erhalten haben luurbe. Es sei schon im Ausschuß mitgeteilt worden, daß in- bk M ta ,U sorgen. elllt ^eyung vou g aus, dnö ^viieien' hung' b,Liiabieiiu»9^ nut loO/' t bann J Sied"?. K die Sie» rouniM ,J^eju91111 nüeiteru«t0 J^eiuerbcau’ .re. Tie l'*1 'lÄ “dfw^Tei tf1*“ och Poli el, u den 0° Fahren eine geeignete Fürsorge für die Zurückführung entlassener Lträflinge in eine geordnete Arbeitstätigkeit getroffen sei und die Polizeiaufsicht in diskreter Weise unter weitgehendster Mithülse der Vereine zum Schutze entlassener Strafgefangener aus- gcabt werde. Abg. Ulrich (Sozd.) führt, aus, es handle sich hier weniger um die Frage, ob die religiöse K'indererziehung die richtigere sei, sondern welche Art der Erziehung besser fei, die in den Familien oder die in den Staatsanstalten; er ziehe die letztere vor. Jedenfalls sei die Frage der Kinderfürsorge eine so nichtige, daß sie die Regierung stets im Auge behalten müsse. Cs müßten Staatsanstalten geschaffen werden, die mit allen Einrichtungen ausgestattet sind, die zur Erziehung der Kinder dienen Dnnen Die Wstinenzbewegung sei mehr und mehr erstarkt, über der Alkoholiker gehöre häufig nicht in eine Zwangs- mftalt, fondern in ein Krankenhaus. Ein polizeiliches Vorgehen -gegen die Trinker schade vielleicht mehr, als es nütze. Die Bezahlung der Gewerbeaufsichtsg e hülfen mit 1200 ML |et zu gering; man nehme doch meist ältere Leute dafür. Der Redner irrenbet sich bann in langen Ausführungen gegen bie militärische Organisation der Gendarmerie und die darin betrieb en e „-Lcharfmacherei". Man arbeite darauf hin, daß möglichst viele Anzeigen gemacht würden. Ihm seien zwei Distrikts- bejehle aus den Jahren 1893 und 1895 auf feinen Tisch geflogen, ;üi denen die Gendarmen förmlich instruiert iverden, daß sie Mt viele Anzeigen machen sollen. Der Mainzer Distriktskom- nLsar rügt in dem einen derselben, daß so wenig Anzeigen verschiedenen Orten eingegangen seien, und meint, daß z. B. ui Oppenheim keinerlei Vorgehen wegen Felddiebstahls, Tier- qu ilerei usw. vorgekommen seien, könne doch niemand glauben; Ist seien nur nicht zur Anzeige gekommen. Wenn der Gendarm siLichtgemäß feine Anzeigen mache, so könne man nichts dagegen stMn. Aber ihn zu veranlassen, daß er mehr Anzeigen bringen me, liege weder im Jntercjie der Bürgerschaft, iwa) der Land- bewolkerung. Er hoffe, daß eine öffentliche Kritik dieser Ding: mt besten zur Gesundung führen werde. Abg. Dr. Fr en ah (Zentr.^ erwidert auf einige Ausführungen des Ministers Braun. Er wolle für die Trinker keine Polizei- maßregeln, sondern vorbeugende und Schutzmaßnahmen, zu denen auch die Errichtung von .Heilanstalt.'n gehört. Gegen die Alkoholgefahr, die degenerierend auf unser ganzes Familienleben ein» wirke, Ninsse mit allen Kräften vorgegangen werden. Die Sitzung wird darauf um l1/! Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung Donnerstag früh 9 Uhr^ Die Finanzausschüsse beider Ständekammern hielten heute nachmittag iwchmals eine gemeinsame Sitzung unter dem Präsidium des Frhrn. Ludwig Riedesel zu Eiscnbach ab, welcher als Vertreter der Regierung Staatsminister Ewald, Finanzminister Tr. G n a u t h und Minister des Innern Braun beiwohnten. Den Beratungsgegenstand bildeten die Gesetzentwürfe zur Nachtragsvorlage, besonders die Vorlagen über bie Wohnungsgelbzuschüsse, bie Lehrergehalte und die Abänderung des UrlundenstenipelS. Die vom Finanzausschuß mit der Negierung zuletzt vereinbarte erhöhte Gehaltsskala für bie Bolksschullehrer, also bie Sätze von 12C<9, 1350, 1500, 1650, 1800 Mk. rc., ift fidjerem Vernehmen nach in dieser Sitzung einstimmig genehmigt worden, ebenso die Ge- Haltsregelung für die seminaristisch gebildeten und die technischen Lehrer an den höheren Lehranstalten. Es darf also als z w e i f e l- los angenommen werden, daß diese Gehaltsskala nun auch von beiden S t ä nb e l a m m e r n gebilligt und z u m Gesetz erhoben werden wird. Dagegen wurde in der heutigen gemeinschaftlichen Sitzung eine Verständigung über die Wohnungsgeldzuschüsse- Vorlage noch nicht erreicht. Der Finanzausschuß der ersten Kammer soll sich nämlich, wie verlautet, der C' isicht nickst verschlossen haben, daß den vielen Besch^verden über die vorgeschlagene Einführung einer Junggesellen st euer für die Beamten ein berechtigter Kern inne wohne, da bekanntlich den unverheirateten Beamten nur die Halste der Wohnungsgeldzuschüsse gewahrt werden soll. Die erste Kammer resp. bereit Ausschuß will nun den Wünschen dieser Beamten insofern weiter entgegengekommen, als er eine anderweite Regelung dieser Bestimmung im Sinne des § 5 des preußischen Umzugskosten- gesetzes verlangt, welcher lautet: „Beamte ohne Familie erhalten nur die Hälfte der Umzugskosten. Unter „Familie" sind nicht nur Ehefrauen, Kinder ohne Eltern, sondern auch andere nahe Verwandte und Pflegekinder zu verstehen, sofern der Beamte diesen im eigenen Hausstand Wohnung und Unterhalt auf Grund einer gesetzlichen oder moralischen Unterstützunas- verbindlichkeit gjewährt." Mit der Aufnahme einer solchen oder ähnlichen Bestinimung im Wohnungsgeldzuschußgesetz würde ohne Frage eine viel gerechtere Verteilung der Wohnungsgelder, die ja ausgesprochenermaßen als Teuerungszulage gelten sotten, erreicht und Unzufriedenheit aus der Welt geschafft werden! — Auch bezüglich einiger Sätze der Vorlage über den Urfunben- stempel bestehen zwischen den beiden Finanzausschüssen noch Meinungsdifferenzen. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer wird daher zwecks endgültiger Schlüssigmachung über diese beiden Punkte am Donnerstag vormittag noch eine weitere Beratung abhaltcn, die während einer Pause in der Plenar- beratung statlfinden sott.___________ Ans Sra-r und Land. Gießen, den 7. März. "Schutz den Anlagen. Zur Zeit kann man tagtäglich die Beobachtung machen, daß Hunde auf den Grasplätzen der Einlagen frei heruinlaufen und durch Kratzen und Scharren den Nasen beschädigen, sodaß die Pflanzen eingehen müssen. Besonders bei den Promenadekonzerten kann man zahlreiche Hunde sich in den Anlagen tummeln sehen. Wie wir erfahren, hat die Schutzmannschafl Anweisung erhalten, die Besitzer von Hunden, die die Anlagen in dieser rücksichtslosen Weise beschädigen, unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Außerdem wird der städtische Hundesänger, dessen Tätigkeit aus der Zeit Der Hundesperre noch in Erinnerung sein wird, alle Hunde, die sich herrenlos in den Anlagen aufhalten, cinfangen, in den städtischen Hundestall in der Nodheimer- straße abliefern und evtl, töten. Außer der Strafe haben Die Hundebesitzer auch die Kosten der Verpflegung rc. zu tragen, sowie für Abholung des Hundes zu sorgen. Es wird auf die betr. Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts verwiesen. ^Studenten aus Arbeiter kreisen. Was die Freunde der allgemeinen Volksschule als deren volle Konsequenz verlangen, daß nämlich befähigte Kinder aus ben unteren Ständen auf Kosten der Allgemeinheit die höchste Bildung genießen, die der Staat in seinen Bildungsanstalten gewährt, das konnte seit Jahren in Darmstadt zur Durchführung kommen durch die ^Schwa bstiftung^. Ein national- gesinnter Mann aus den ersten Kreisen iz^rmachte in seinem Testament eine größere Summe zur Ausbildung hervorragend beanlagter Kinder aus unbemittelten Familien. Haben sie drei Jahre die Volksschulen besucht, so können sie auf Vorschlag ihres Klassenlehrers und des Oberlehrers der Schule von dem Vorstände der Schwabstiftung zum Besuche einer der dortigen höheren Lehranstalten ausgewählt werden. Bis zur Ataturitätsprüfung wird ihnen das Schulgeld bezahlt. Während des Besuchs Der Hochschule erhalten sie jährlich 1200 Mark. Gegebenenfalls wird die Unterstützung auch für das Militärjahr gewährt. In den letzten Tagen beschlossen der Vorstand der Schwabstiftung und die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung, daß auch für den nach Beendigung des Stu- diums erforderlichen unentgeltlichen Vorbereitungsdienst Beihülfe (jährlich nicht über 600 Mk.) gewährt werde. Zurzeit studieren von den Söhnen eines unbemittelten Handwerkers zwei; ein Dritter konnte dem Vorstand der Schwabstiftung ebenfalls vorgeschlagen werden. Die segensreiche Wirkung dieser Stiftung findet allgemein Anerkennung; was sich aber in Darmstadt bestens bewährte, dürfte auch für andere Städte und Gaue Deutschlands sich zur Nachahmung empfehlen. *• 3 n Amerika verstorbene Hessen. Frau Sannchen Wolf geb. Pfeil, aus Gießen, in Troy. — Frau Katharina Mohr geb. Heil, aus Schlitz, 90 Jahre alt, zu Victor, Java. — Frau Dorothea Schölch aus Neu-Isenburg, 81 Jahre alt, zu Boston. □ Ro dheim a. d. Bieber, 4. März. Die hiesige Ortsgruppe des deutschen Flottenvereins, die weit über 100 Mitglieder zählt, entfaltet fortgesetzt eine rührige Tätigkeit. Für den 12. und 13. März sind kinematographifche Vorstellungen in Aussicht genommen. Sie finden bei Gastwirt Kremmers statt und für Mittwoch, 13. März, sind zwei Vorstelliingen für die Kinder von Rodheun und Umgegend vorgesehen. Wie bet früheren Vorführungen, so wird wieder eine Militärkapelle Mitwirken. --- Villingen bei Hungen, 4. März. Eine Paul Gerhardt-Feier fand im Saale des Gastwirts Strack statt, die von Der ganzen Gemeinde sehr zahlreich besucht war. Pfarrer Engel-Oppernhofen hielt einen miereffanteii Vortrag über „Paul Gerhardt und seine Lieder". Er schilderte Gerhardts Leben und hohe Bedeutung für die evangelische Kirche als Dichter ihrer schönsten Lieder. In einem zweiten kurzen Vortrag sprach noch Pfarrer Brill -Oder-WidderS- heim übet Südwestafnka, seine Bedeutung und ©ntroidlungl» ähigkeit. Beide Redner ernteten lebhaften Beifall. § Merlau, 6. März. Die Preise für das Brennholz übersteigen die vorjährigen recht bemerkenswert. Der strenge, lang anhaltende Winter hat Die Vorräte an Brennholz sehr zusammenschrumpfen lassen, weshalb ein starker Bedarf vorliegt. Bei der jüngsten Holzversteigerung aus Dem benachbarten Burgwald kosteten 4 Nm. Buchenprügel 27 bis 28 Alk., 4 Nm. Buchenicheit 35 und 36 Mk. Aehnlich hohe Preise kostete das Brennholz in den nachbarlichen Riedeselschen Waldungen, nämlich 4 Rm. Buchenprügel bis zu 28 Mk., 4 Rm. Buchenwellen bis zu 40 Mk., 6 Rm. Buchenreisig zu 8 und 9 Mk. □ Zell-Romrod, 5. Marz. In den letzten Jahren hat auf unserem Bahnhof Der Güter- und Personenverkehr so zugenommen, daß er bei Weitem nicht mehr ausreicht. Die BahubehörDe hat deshalb die Erweiterung dcS Bahnhofs begonnen, das Gelände wird enteignet werden, Da mit den Landwirten keine Einigung erzielt wurde. An Gütern wird Haupt ächlich Holz verfrachtet, das in den ausgedehnten Waldungen der Umgegend gefällt wird. -4- Friedberg, 5. März. Nachdem im Herbst eine Bürgermeister - Versammlung zu Bad-Nauheun die Einrichtung einer Kreishaushaltungsschule nach dem Beispiel des Kreises Gießen beschloß, fand in den letzten Wochen der erste Kursus in Nie der-Weisel statt, der am Samstag geschlossen wurde. Tie Slnmelbungen dazu waren so zahlreich, daß viele Mädchen im ersten Kursus keine 2lufnahme finden konnten. Um diesen und den Nlädchen von Osiheim Gelegenheit zum Besuch eines Kursus zu geben, wurde gestern ein zweiter Kursus in Nieder-Weisel eröffnet Für nächsten Herbst haben sich bereits mehrere Gemeinden für die Kurse gemeldet. x Bermoll (Kreis Wetzlar), 5. März. In große Trauer ist die Witwe Schupp von hier versetzt worden und das ganze Dorf erzeigt ihr herzliche Teilnahme. Ihr im zweiten Jahre in Atalnz bei der Artillerie dienender Sohn Fritz, der es in der kurzen Zeit schon zum Obergefreiten gebracht hatte und demnächst zum Unteroffizier befördert werden sollte, ist nämlich nach einem hier eingegangenen Telegramm plötzlich geftorben und gestern beerdigt worden. * Kleine Mitteilung u aus Hefirn und bett Nachbarstaaten. Ten Kreis Hanau haben die Sozialdemokraten freilich in Der Stichwahl durch eigene Krau er* obert, ledoch wäre Der Kreis auch durch stärkere Eöahlbeieitigung zu erobern gewesen. Es hatten namtich 14 296 Wähler nicht gewählt. _______________ Gießener Strafkammer. Gießen, 5. März. Schwerer Diebstahl. Im verflossenen Herost fuchte Der 20jährige Schweizer A. W. aus 'JJtöoiSburg auf einem Guts Hof beiLich um Arbeit nach. Sein Dienstaiitritt sollte erst später erfolgen, doch wurde ihm gestattet, bis dahin in Dem Gesindezimmer zu schla,en. Schon am nädjfften Alorgen war er verschwunden und mit ihm ein Portemonnaie mit 12 Mk. Inhalt, sowie eine Tasä>enuhr und ein Dolchmesser mit Scheide. Weiter sand man zwei auf geschnittene Reisetaschen vor, aus denen er Wäsche und Legitimatwns- papiere mitgenommen hatte. Erst um die Neujahrszeit gelang es der Behörde, seiner habhaft zu werden, wobei e» sich herausstellte, daß er inzwischen mehrere Straftaten verübt hat, wofür er in Hatte a. S. zur Rechenschaft gezogen worden ift 9)ian neigte zu der Mnah-me, et habe sich nur deshalb vermietet, um Diebstähle aus führen zu können. Er beftriit dies jedoch; er will den Dienst nur um deswillen nicht angetreten haben, weil ihm der Statt nicht gefiel. Er wurde wegen schweren Diebstahls, unter Einbeziehung der in Halle erkannten Strafen, die auf einen Monat reduziert wurden, zu einer Gesamtstrafe von 1 Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen unrichtiger Kosteuverteiluug war ein Schöuengcriastsurteil ange,ochten worden. Ein Lehrer stand Imit Dem Vater einer Schülerin auf gespanntem Fuß, was diese in der Schule zu fühlen bekam. Wegen einer in der Schule dem Kinde gegenüber gebrauchten Aeußerung wurde er von dem Vater des Kindes zur Rede gestellt. Es kam in dem Garten deS Lehrers zu einer Auseinanoerseßung, bei der Der Angeklagte so laut schrie, daß Die Leute lauf der Straße stehen blieben und der Lehrer sich veranlaßt sah, ihn zum Verlassen seines Besitztumsl aufzufordern, was er erst nach mehrmaliger Aufforderung taL Auf Strafantrag des Lehrers und seiner vorgesetzten Behörde wurde ioegen Beleidigung, Hausfriedensbruchs und Ruhestörung Anklage erhoben. Die Verhandlung führte aber nur zur Verurteilung wegen Hausfriedensbruchs und Ruhestörung, während wegen Beleidigung Freisprechung ein trat. Trotzdem setzte bad Schöffengericht dem Angeklagten sämtttche Kosten zur.Last. Die Strafkammer gttb der Berufung statt und legte die Lwsten, soweit sie durch Erhebung der Anklage wegen Beleidigung entstanden sind. Der Staatskane auf, ebenso sämtliche Kosten der Berufungsinstanz, sowie die dem Angeklagten erwachsenen notwendigen Auslagen, wozu auch die Kotten des Amoalts zu rechnen sind, da Dem Angeklagten als rechtsuntnndigen Menschen nicht zugemutet werden kann, sich selbst zu verteidigen. Bor fünf Fahre« kam der Gärtner F. R. trau Gönningen in eine Wirtschaft vs. Bad-Nauheim und iwachte eine Zeche von 30 Pfennig. Als er zur Zahlung aufgeforbert wurde, legte er feine Legitünations- Papiere vor und erklärte, er habe kein Geld, doch sei er bereit, die Zeche zu begleichen, sobald er in der Lage sei. Es wurde gegen ihn Anklage wegen Zechbetrugs erfaßen, trotzdem er später Die Schuld durch Ueben’enöung von Freimarken beglich. Erst in diesem Jahr wurde er zu Rieder-Erlenbach in Diensten stehend ermittelt, woraus die Verhandlung angesetzt wurde. Auf Grund seiner Erklärungen konnte das Gericht eine Femtellung seiner Schuld nicht trefsen, auch stiegen ihm Zweifel auf, ob Der Angeklagte zurechnungsfähig ist, zumal ihn während Der Verhandlung ein epileptischer Krampfanfall ereilte. Das Gericht ließ Frei- sprechung eintreten, worauf seine Aufnahme in die psychiatrische Klinik verfügt wurde. Verjährte Veleidtgnngen. Die Frau des Buchhalters B. zu Treis-Horloff hat gegen die Frau des Wirts B. Privatkbage wegen Beleidigung erhoben. Bezüglich der einen unter Anklage gestellten Aeußerung ließ das Schösiengericht Freisprechung mangels Beweises eintreten, wahrend bezüglich Der anderen das Verfahren eingestellt roetDen mußte, da bei Erhebung Der Klage die Dreimonatige Antragssrist abgelauien war. Tie Folge war, daß Die Klägerin mit sämtlichen Kvstell belastet wurde. Sie erhob Berufung und bestritt, schon jrüijer gewußt zu haben, daß Die Angeklagte ihr dieses nach jage, sie Habe an dem Dage, an Dem sie davon gefart habe, ihren Vertreter mit Klageerhebung beauftragt. Auch bezüglich weiterer Aeußerungen bot )ie Beweis an. Naco längerer Verhandlung und großer Beweisaufnahme tarn die Strafkammer zur Bestätigung des Urteils. iBrswi-Seisie D’/jt — Zollfrei: — Muster an jedermann: — Seidenfabrikt. Henneberg, Zürich« Kleiderstoffe schwarze weisse u. far>3$ige in allen modernen Geweben, trotz grosser Preissteigerung zu aSten billigen Freisen Modewarenhaus Carl Nowack Jijii-wfmiiis 9, 1363 ;s Los fi ik. | 1453 annehmbaren Preis verkauft. GibrohneMöhe - mW breit hv*A, ^51 Stuttgart [bV. LV Schulstrasse 10 Giessen .rfiAdl Weiss- und Manufaktur waren 1443 Crünberger Str. 10, A. •Ünttt tzr ’.’j 9 9 k i>" RS81/. hv5/? d. 6 I I ■I« II ■■■/ ■ ' , ochneririnen 4 ”5 besseret nicht zu finden 1 II Lose 10 Mk. 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Dcutidjcu Mmcs. Gflt den unterhaltenden teil haben der Maschinenbauer- Gesangverein, sowie ördulein Oda Stammler und die Herren Blumeuau und Schätiler ihre MuwtrtuniZ zugesagL D5/a Alle Evangelischen sind herzlichst eingcladeu. ---- Eintritt frei. ========= Theater - Wreiii. 7. Vorstellung: Montag, den 11. März Gesamtgastspiel des Frankfurter Schauspielhauses, iphigeme m TatsHs von W. von Goethe. Anfang 8 Uhr pünktlich. Ende 10 Uhr. Eintrittskarten za Mk. 5.—, 4.—, 8.—, 2.— bei Herrn Challier am Neuenweg und an der Abendkasse. v*/, Die für „Fuhrmann Henschel“ gelösten Karten bleiben für „Iphigenie“ gültig. CitßkmMht- tot ä 1 lllsrli Ziehung 28. März d. I. sind wegen ihrer gllnittgen Gewinnchancen sehr behebt und tn allen durch Plakate kenntlichen Gefchänen zu habem Zur Verlosung kommen: 3 Eimvanner, 9 Pferde ' nnd Fovicn^ Nähmaschinen, Fahrräder, tilberne Gegenstände rc. Generaloerlrieb llich. Duchacker. Neuen Baue 11. Daselbst 11 Lose für 10Mk. (Porto u. Viite 25Pf. uiehr. 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