Rr. 156 Viertes Blatt General-Anzeiger für Gberhesfen Vorstandschaft mit Ausrufen wie Schwindler*, ,Lumpen und , (Saurier* überschüttet. Der Vorsitzende, der drei der 157. Jahrgang sur den Personentarif zu ermäßigen, um die Fahrpreise inll. aller Nebenabgaben wieder auf das frühere WmeS? bringen. Gewiß hat man im Reichstage die Lamd zur Berke^sverteuerung geboten, indem man, um andere Ab- ftrrche zu decken, die Fahrkartensteuer einführte; aber den Vätern dreser Idee graut letzt selbst vor ihrem Kinde und es wird nicht an Bemühungen fehlen eine Ermäßigung der jetzigen Fahrürrtenfteu« herbeizufuhren Auch durfte die Agitation für eine „Reform der Perlonentarlfreform" nicht nachlassen, um die in Frage kommenden Stellen Nicht im Unklaren über die Stimmung im Volke zu lassen Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Hictzener KamilienblStter- werden dem /Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krdsblatt • fflr den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der hessische Landwirt erscheint monatlich einmal. Zwischenrufer auSschließen wollte, wurde umringt, durch, geprügelt und mit Faustschlägen und Tritten traktiert, am Boden durch den Saal gezogen und schließlich zur Tür hinausgeworfen. Hieraus wurde eine Vertretungskommission gewählt und bei der Polizei die sofortige Sperrung der Kasse beantragt. * Nürnberg, 4. Juli. Der Juwelenraub des Schauspielers Felix Lütte scheint weit umfang, reicher zu sein als anfangs angenommen wurde. Außer den am nieisten geschädigten Juwelieren in Wien und Nürnberg, die allein für 800 000 Mk. Juwelen einbüßten, melden sich iminer neue Opfer. Die Nachricht, daß eine in Brüssel vorgenommene Verhaftung mit dem Juwelendiebstahl Lütte's in Verbindung stehe, erweist sich als irrig. * Die Mehrausgaben dec deutschen Arbeiterversicherung, die auf Rechnung des Alkohols kommen, werden in den sehr empfehlenswerten „Beiträgen zur Alkohol- srage aus dem Reichs-Arbeitsblatt, die jetzt in den Mäßigkeitsverlag des „Deutschen Vereins gegen den Mißbraüch geistiger Getränke", Berlin W. 15 übergegangen sind, auf viele Millionen Mark durch verschiedene Fachleute geschätzt. „Da die Arbeiter nahezu die Hälfte der gesamten — zurzeit fast 1/i Milliarde betragenden — Versicherungskosten selbst aufzubringen haben und es sich bei allen vorbeugenden Maßnahmen der Acbeiterversicherung gerade um ihre eigenen Interessen, die Erhaltung von Leben und Gesundheit handelt, so erhellt ohne weiteres, daß alle diese Fragen die Arbeiterschaft auf das engste berühren und zur wirksamen Lösung der Mitwirkung der Arbeiter bedürfen." • Eine spanische oppositionelle Zeitung in Valencia hat soeben dem Ministerium einen hübschen Streich gespielt. Sie veröffentlichte einen Artikel, der einer Erzählung von Alphonse Daudet entnommen war, aber merkwürdig auf die spanischen Verhältnisse paßte und dem Ministerium sehr unangenehm sein konnte. Der Verleger des Blattes, Rodrigo Soriano, wurde vor den Zivilgouverneur gerufen und gefragt, wer dieser Daudet, der Verfasser des mißliebigen Artikels, wäre. Soriano antwortete mit der ernstesten Miene, es wäre einer der Redakteure seines Blattes. Daraufhin wurde ein Gerichtsverfahren gegen Soriano und den Sennor Alfonso Daudet eingeleitet l Das Blatt beeilte sich natürlich, dieses Vorgehen der Behörde aller Welt bekannt zu machen, und in Spanien amüsiert man sich höchlichst über diesen literaturkundigen Gouverneur. "Weil er nicht mehr zu ihrer Zimmer, einrichtung paßt, will sich Frau Meudith, eine New-Porter Schöne, von ihrem Manne scheiden laßen. Herrn Meudith ziert eine Haarpracht von echt venetian ischem Rotblond. Diese Farbe aber gefällt der schönen Frau Meudith nicht mehr, und da ihr Gatte sich beharrlich weigert, ein Haarfärbemittel zu gebrauchen, soll er aus dem Hause. In ihrer Klageschrift erzählt Frau Meudith Not des Mittelstandes. Der anhaltende Rückgang im Besuch dec Technischen Hochschule in Charlottenburg gab beim Rektoratswechsel am 1. Juli dem neuen Rektor, Profeffor Kammerer, Anlaß zu bemerkenswerten Darstellungen. Ec meinte, die Anforderungen im technischen Beruf seien gestiegen, die Aussichten aber gesunken. Dann herrsche in Deutschland immer noch das Bestreben, den geistigen Urheber hinter der Unternehmung verschwinden zu lassen, während im Ausland der Wert technischer Persönlichkeiten gebührend anerkannt werde. Rektor Kammerer hat hier ein Stück dec sozialen Frage angeschnitten, das die ernsteste Beachtung verdient. Der Rückgang in der Zahl der technischen Studieren- den ist ja nicht ohne weiteres zu bedauern, sondern als gesunde Reaktion anzusehen gegenüber dem früheren über- mäßigen Andrang zu den gelehrten Berufen. Um die Ge- simd ung der Erwerbsverhältnisse dort ist es aber leider nicht besser bestellt, als vordem. Nach wie vor sind gerade in den technischen Berufen Anstellungs- und Entlohnungs- Verhältnisse dec Kopfarbeiter nicht entfernt angemessen denen der Handarbeiter. So lange es Diplom-Ingenieure gibt, die sich mit geringerem Einkommen begnügen müssen, als e§ z. B. die Maurer tun, so lange wird jedem jungen Manu das kostspielige Studium unvorteilhaft erscheinen. Im Volk der Denker sollte es Ehrensache sein, den geistigen Urheber der nicht selten bewundernswerten technischen Werke nach Verdienst zu entlohnen. Das ist auch Mittelstandspolitik im edelsten Sinne des Wortes. Erfreulicherweise wenden jetzt die gesetzgebenden Faktoren der Notlage der technischen Angestellten mehr Jntereffe zu. Es ist eine Reform des Patentgesetzes in Aussicht genommen, und die freilich noch weit im Felde liegende Pensionsversicherung der Privatangestellten, die in die Wege geleitet zu haben, des Grafen PosadowSky letzte und wahrlich nicht geringste Tat ist, soll ja auch die Ingenieure und Techniker umfassen. Im übrigen bleibt selbst dem Staat noch zu tun an Berücksichtigung der berechtigten Forderungen seiner Ingenieure. Es ist unersindlich, warum nicht auch ein Mann der angewandten Wissenschaft fähig sein sollte, einen leitenden Posten in der Regierung zu bekleiden. Man ist doch dem Kaufmannsstand gegenüber ohne Vorurteile, der Bankdirektor Dernburg konnte Staatssekretär werden. Dann liegt der Marineverwaltung die Pflicht ob, ihr Ingenieur- personal materiell aufzubessern. Es hat Anspruch darauf, mit dem Seeoffizierkorps, dem es an wissenschaftlicher Durchbildung nicht nachsteht, in jeder Hinsicht gleichgestellt zu sein. Auch gesellschaftlich. Daß dem zurzeit anscheinend nicht so ist, geht aus den, in einer Münchener Zeitung mitgeteilten Beobachtungen des Abg. Müller-Meiningen hervor, eines Teilnehmers an der parlamentarischen Jnformations- fahrt nach Kiel. Kurz, die Hebung des Standes der Ingenieure in Deutschland ist eine unabweisliche Notwendigkeit, eine Pflicht der sozial Gesinnten in Regierung und Volksvertretung, sowie in den kapitalkräftigen Kreisen der technischen Großunternehmer, der Jndustriegesellschaften, chemischen Fabriken und der Elektrizitätsbranche. DermifdyttSe Essen, 4. Juli. Heber die Explosion in der Carborit-Fabrik in Schlebusch werden folgende Einzelheiten gemeldet: Die Fabrik liegt etwa 10 Minuten vom Dorfe Schlebusch entfernt im Walde. Die einzelnen Gebäude liegen getrennt von einander und sind von Wällen umgeben. Die ganze Anlage umfaßt einen Flächenrcmm von etwa 300 Morgen. Die Explosion entstand im Gelatinierraum. Dieser, der Mischraum und das Maschinenhaus sind vollständig verschwunden. Der Brand übertrug sich auch auf die anderen Teile der Fabrik, konnte jedoch noch rechtzeitig gelöscht werden. Sämtliche Fenster des Fabrikgebäudes wurden zerstört. Glücklicherweise waren nur 4 Arbeiter in dem Gelatinierraum anwesend, in dem die Sprengstoffe lagern. Alle vier wurden getötet, drei von ihnen in Stücke gerissen. Die Detonation rief überall das größte Entsetzen hervor. Durch die herum- fliegenden Glasscherben wurden 5 Arbeiter verletzt. Der Brand konnte in kurzer Zeit gelöscht werden. Von Bergisch- Gladbach traf eine Sanitäts-Kolonne ein und leistete den Verletzten die erste Hülse. Die Leichen der Verunglückten sind inzwischen geborgen worden. Die Verletzten befinden sich sämtlich außer Lebensgefahr. Wie die Explosion entstanden ist, ist noch unaufgeklärt und wird sich wohl über- Haupt nicht aufklären lassen, da diejenigen, die Auskunft geben könnten, ihren Tod gefunden haben. * Halle a. d. S., 4. Juli. Wegen Zweikampfes mit Pistolen wurde der stud. jur. Albert, dec seinen Gegner, einen Leutnant Jacobs, durch einen Schuß in die Leber schwer verwundet hatte, von der Strafkammer zu 5 Monaten Festung verurteilt. * München, 4. Juli. Bei der Generalversammlung der Krankenkasse selbständiger Handels- und Gewerbetreibender Deutschlands in München, in der die Liquidation beantragt werden sollte, kam es zu tumultuarischen Szenen. EL wurde die Absetzung des Vorstandes wegen Unredlichkeiten beantragt, nachdem aus der Mitte der Versammlung heraus unter stürmischen Beifall die Frage gestellt war, wer von dem Vorstande der größte Lump sei. In dem darauf folgenden Tumult wurde die Eine nationakliöerale Abwehr. Vvn hochgeschätzter nationalliberater Seite wird uns geschrieben: Unter der Ueberschrift „Nationalliberales" bringt das hiesige Organ der Sozialdemokratie folgende Sätze und zwar fast vollständig in großen Lettern: „Der parlamentarischen Verhandlungen, der Preßfreiheit, der Pjarteien, der Vereine, der Koalitionsfreiheit und der Wahlen hatten wir nach der Meinung Vieler und nicht Unverständiger mehr als genug." „Ter Liberalismus schien (1878) seine geschichtliche Rolle Samstag 6. Juli 1907 Rotationsdruck und Verlag der Br Ührchen Unwersttäts-Duch. und Srrrödruckeret, R. Lauge, VteHen. Redaktion. Expedition and Druckerei, Schul- straße 7. Expedition und Vertag» 6L Redaktion: ^^112. TeU-Adr.- An-eigcrDte»«. Spieß umdrehte, um,dieser in politischem Interesse gehandhabten wirtschaftlichen Tyrannei ein Ende zu machen. Was bedeutet Preßfreiheit, wenn man das Lesen anderer verbietet? Dürfen die 5tt>alitionsfreiheit fordern, die - rr n.11- t Loben, Leuten von «anderer politischer Gesinnung, lelust wenn sie diele I-rc nicht offen aussprechen, wirtschaftlich den Krieg zu erklären? Tsa fehlt es entweder an dem Begriff der wahren Frerheit, oder die ganze Sache ist eitel Heuchelei. T»ie Bürgerschaft m ^tabt und Land wird aber heraus- fmden, auf welcher Seite man für wahre Freiheit, für Gesittung und Menichenwohl kämpft. Eisenbahntarifreform. Jetzt zu Beginn der großen Reisezeit machen sich die „Segnungen", die uns die Fahrkartensteuer und die jogenannte Re- form der Personentarise gebracht haben, doppelt schmerzlich bemerkbar, denn anstatt lediglich eine Vereinfachung des Fahrkartensystems rc. zu bringen, ist eine ganz beträchtliche Verteuerung des Reisens eingetreten, ganz abgesehen davon, daß auch der Wegfall des Freigepäcks erhöhte Mehraufwendungen nottoenbig macht. Für einfache Reisen ist 'allerdings eine Ermäßigung eingetreten, aber sie kommt nur einem ganz minimalen Prozentsätze der reisenden Bevölkerung zugute, die Mehrzahl fährt dieselbe Strecke zurück und für diese bildet Fahrkartensteuer und Schnellzugszuschlag eine wesentliche Verteuerung. Die Folgen machen sich bereits bemerkbar, denn die Fiahrkartensteuer bleibt nach den jüngsten amtlichen Ausweisen beträchtlich hinter dem Voranschlag zurück und weiter ist ein bedeutender Uebergang der Passagiere Jer 2. Wagenklasse in die 3., und aus der 3. in die 4. bemerkbar. In anderen Ländern macht man Reformen, um eine Verbilligung und dadurch eine Verkehrshebung herbeizuführen, bei uns ist es aber gerade umgekehrt, weil der Eisenbahnsiskus irotz seiner Riesenüberschüsse iwch immer mehr einraffen will. Diese Politik rächt sich jetzt, und vielleicht kommt man an den zuständigen Stellen zur Einsicht, daß man übel beraten war; hat man doch die willkürliche Einteilung zwischen den zuschlagsfreien Eilzügen und den zuschlagspflichtigen Schnellzügen zum 1. Juli auf die vielfachen Klagen hin bedeutend verbessert, da es oft vorkam, daß vom grünen Tische aus einfach Züge zu zuschlagspflichtigen Schnellzügen gestempelt wurden, die langsamer fuhren, als die zuschlagsfreien Eilzüge. Ter preußische Ersenbahnminister Breitenbach weilte dieser Tage in München, wo er mit seinen bayrischen Kollegen eingehende Konferenzen hatte, bei welcher Gelegenheit man hoffentlich auch sich über die Erfahrungen unterhalten hat, die man mit der wunderbaren Personentarisresorm inzwischen gemacht hat. Vielleicht nimmt der preußische Minister einige Belehrungen mit, zumal Bayern so vorsichtig war, sich für seinen röteren Verkehr den Satz von 2 Psg. in der dritten Wag entlasse zu reservieren, welcher Satz im übrigen Deutschland für die vierte Wagenklasse vorgesehen ist. Bei den Besprechungen dürfen allerdings auch noch a ndeve Fragen berührt worden sein, insbesondere die der Interessengemeinschaft, die s. Zt. gescheitert! ist, ebenso wie die der Betriebsmittetgemeinschaft, ja man spricht ogar von der kühnen Idee, im Hinblick auf den intensiven gegenseitigen Verkehr, auch Oesterreich in die Gemeinschaft zu Stehen. Erm BetnebsmttLelg^neröMft wurde die Losten, ganz Um nun den Lesern des „Gieß. Anz.", besonders auch den Arbeitern, die sich von den sozialdemokratischen Führern hier und ton der ,/Oberh. Bolksztg." noch nicht das Lesen anderer Blätter erbieten lassen oder um mit den Worten des sozialist Blattes rö dLr. 149 zu reden,chen Gießener Spießern and Tabakfabrikanten" — gewiß sehr geschmackvoll — .-Mcgenbeit zu geben, von dem positiven Inhalte des verbummelten Artikels Kenntnis zu nehmen, sei folgendes, dort teil- veife gesperrt Gedruckte, angeführt: . ,,Tie dringendsten Aufgaben des Liberalismus» liegen ruf den Gebieten der Sozialreform und der Volks bi l- ung. Ter Kampf gegen die despotische Gewalt ist von dem i-ttmpf gegen die Ungerechtigkeit des Schicksals, die das Los >er zahlreichsten und der ärmsten Volksklassen erschwert, und em Kämpfe gegen die Vorurteile und Dogmen der mittel- urerlichen Weltanschauung abgeM worden. Wohl wird es ein merrerö)bores Ideal bleiben, dielwirtschaftliche und geistige Lebens- ^ltang der Handarbeiter auf die Höhe zu erheben, die ihnen ihre idortsuhrer un Zukunftsstjaat versprechen, aber die Versuche, die ozialen Unterschiede auszugleichen und die Kluft zwischen den Ständen und Schichten des Volkes zu überbrücken, haben in der ^eireumgsgeichichte der Menschheit und in der Entwicklung der taltur denselben Wert wie einst die Eroberung der politischen Zweiheit. Die Errungenschaften der Wissenschaften durch die schicke dem Volke zugänglich und dadurch erft wahrhaft nutz- • rrögcnb zu mtachen, und das religiöse Empfinden der Jrja Men, denen es durch den Gegensatz zwischen dem Wissen >nd dem ^ogmenglauben verloren zu gehen droht, durch die 'auterung des Kirchenwesens von Gewissens- ni an g und die Betonung des geistigen undmora- iseben ©ehaltesdesEhristentumsvorseinemdog- iprischen zu erhalten ist von jeher die edelste Aufgabe des ttberalismus gewesen. Hier ist der Zusammenhang zwisc^n den üannern der praktischen Politik und unseren Denkern und LicMcriL, Gerade weil das Zentrum und die Sozialdemokratie n d i e i e n Herzens- u n d G e m ü t s f r a g e n, die uns er em ''Olle liets die teuersten waren, v ö l l i g v e r s a g e n, die Sozial- emotraten in der Religion nur eine Privatfache sehen und .as Zentrum das Denken, Dichten und Glauben des deutschen >olke6 der Unfehlbiarkett des Papstesl unterwirft, ist der Libe- .alisröus der berufene Vertreter desl Deutsch- umj> Luthers und Kants, Lessings und Herders. _ -jn oem Zentrum wie in der Sozialdemokratie nimmt die .rüanung und Unduldsamkeit beständig zu, der Liberalismus erjungtlichindersozialenArbeit, indem Kampf m die Freiheit der Bildung und des Gewissens nd veritärkt sich durch die Einigung und den Zusammenschluß tner Parteigruppen." zu lesen in der Rationalzeitung. Warum schweigt das malqiildje Blatt die beiden Hauptaufgaben des heutigen ibeialismus: „So z i a l r c f o r m" und „Volksbildung" ot? Liegen sie ihm nicht am Herzen? Bedeutet ihm diese ra ktische Arbeit weniger, als die theoretischen Erörterungen oer allgemein politische Fragen? Bonder Freihett des Menschen ti Geip.es- und Wirtschaftsleben, ja auch im polttischen Leben ft eint es einen schönen Begriff zu haben. Wie oft hat es benw wie hiesige fozialistische Führer in Reden die Arbeiterschaft ufgesvrdert, keine bürgerlichen Blätter zu lesen, und versucht, e so (auf die Lektüre der Oberhessischen Volkszeitung zu be- ftränken. Wer dieses Blatt und andere dabei liest, kann er- lessen, was für eine Bildung, was für eine Welt- und Menschen- ynntnrö den Opfern dieses Fanatismus beigebracht wird. In der Nummer vom 1. Juli steht mit gewaltigen Lettern edruckt: „Arbeiter! Parteigenossen! Kauft nur in solchen Ge- Häften, die in Eurem Organ inserieren und nehmt bei allen Ankäufen auf die „Oberhessische Volkszeitung" Bezug." Man ersteht sich auf das Geschäft. Was ist dabei die Hauptsache: : nnoncen für die Zeitung — also Geschäfte ober Leser für das Matt zu bekommen? Wahrlich, es wäre zu begreifen, ob- 'ohl wir aus Rücksicht auf die in einer Zwangslage befindlichen leichustsleute keineswegs diesen Weg der Notwehr zu beschreiten nsaten möchten — wenn man auf bürgerliche; Sette einmal „Ter Liberalismus schien (1878) seine geschichtliche Rolle ausgespielt zu haben, als seine Forderungen erfüllt waren. — Es handelt sich für den Liberalismus" nicht mehr darum, neue Alitische Rechte und Freiheiten zu erobern." — K. Fr. in der Nationalzeitung vom 30. Juni 1907 (Friedberg?). Tiefe Sätze sind einem größeren Artikel: „Die liberale Bewegung" in ddn 301 der Nationalzeitung und zwar aus verschiedenen Abschnitten entnommen. Zu welchem Zwecke, braucht nicht ent gesagt zu werden. Schade, daß das obige Blatt nicht den ganzen Ausfatz zum Abdruck gebracht hat. Wenn man zttiert um zu charakterisieren, verlangen es Anstand und Ehrlichkeit entweder so zu zitieren, daß die wesentlichsten Ideen des Verfassers frum Ausdruck kommen oder wenigstens der Charakter des Ganzen gewahrt bleibt. Nun ist von den oben angeführten Zeilen in dem Original Tein einz-iges Wort gesperrt gedruckt, wohl aber anderes und zwar etwa 20 Zeilen. In diesen stehen Dinge, die die „Oberh. Volkszeitung" mit Freuden hätte begrüßen müssen, wenn sie objektiv wäre. Der Artikel der Nationalzeitung gibt m großen Zügen einen Ueberblick über die programmatische Ent- rvicklung des Libemlismus. Es geht daraus hervor, daß und wodurch der Liberalismus einmal eine große Rolle in unserem Staatsleben gespielt hat und wird bargetan, wie wesentliche liberale Forderungen jKanz oder Minähernd erfüllt worben sind und schließlich geiagt, daß der Liberalismus nach einer Zeit der Stagnation, der Eritorrung jetzt wieder zu neuem Leben erwacht ist. Das sozialdemokratische Organ hat, wie anscheinend die Mehchett der von ihm vertretenen Partei, noch nicht so viel Menschen-, Welt- und Selbsterkenntnis um eingesehen zu haben, baß es in oem Leben des einzelnen Menschen, wie der Parteien, ja ganzer Generationen eine Zeit der Erschöpfung, der Erschlaffung gibt, ebenso wie die Verhältnisse und die Fragen des Kultur« und Wirtschaftslebens und der Politik nicht immer in derselben Form ?rsck>eineu, so..dem wechseln. Was bedeutet liberal? Eine betontere Art des Denkens. Der Inhalt des liberalen Programms hangt ttb von den besonderen ,Verhältnissen der Zeit. Eine Orthodoxie gibt es dabei nicht. Tas können frellich orthodoxe Sozialdemokraten nicht begreifen. Die eine Zett steht im Zeichen >er Glaubens- und Gewissensfragen, eine andere in dem des nationalen Interesses, und eine andere wieder im Zeichen der toirrichastlichen Entwickelung. Jede Zeit erzeugt durch ihre Entwicklung Fragen, und hebt sie so in den Vorder gründ > e s I n t e r e s s e S, tfafc sie andere bisher im Nwdergründ stehende üoerragen, obwohl sie selbst vorher kaum im Keim vorhanden raren. Diese Erkenntnis kommt in dem Artikel der National- r.itiing sehr scharf zum Ausdruck, und dqs hat genannte hiesige Zeitung nicht gesehen. —1 In Da ltaS (Texas) irt großer Schaden durch einen Zb' l.o n angenchtet worden. Viele Ortschaften wurden zerstört Ererche Hauser itürztcn ein. Ob Menschenverluste zu verzeichnen E noch nicht festgestellt. — In Gladbach zerstörte freue? im Mnchpaum der Spinnerei Mauser größere Baumwolbnen, gen Ter Schoden wird auf 30 000 Mk. geschätzt, der Betrieb ist nicht gestört. Universitäts-Nachrichten. he. Ernst v. LendenS Lehrstuhl. In Berliner Blättern wird gemeldet, daß für den v. Leyden'ichcn Lehrstuhl an dritter Stelle Professor His in Göttingen von der Berliner medizinischen frakultat vorgeschlagen sei. Dies ist nicht richtig. Vielmehr ist von der frakultat an dritter Stelle Profestor Moritz in Straf, bürg, früher in Gießen und Greifsivald, vorgeschlagca worden. Es ist aber wohl anznnehmen, daß die Fakultät, nach, dem die Profestoren Müller in München und Krehl in Heidelbeia abgelehnt haben, weitere Vorschläge niacheii wird. mit ehrlicher Entrüstung, wie in ihres BtlsenS Tiefen dieser Haß gegen den Rotkopf zu keimen begann. Grün ist der «Madame Meudith LieblingSfarbe, darum hat sie vor einigen Monaten ihre ganzen Wohnung grün tapezieren lassen. Die Möbel wurden mit Stoffen und Ueberzügen von derselben Karbe bekleidet. Plötzlich aber rnachte Frau Meudith die fürchterliche Entdeckung, daß zwischen der prächtigen Ausstattung ihrer Zimmer und dem „goldenen Vließe ihres Mannes ein schreiender Farbenmißklang bestand. Von dem Grün der Tapeten hebt sich der rotgelbe Kopf wie eine Höllenflamme ab. DaS ist mehr als die zarten Nerven der Frau Meudith ertragen können. Diese Unstimmigkeit der Farbentöne bringt sie ganz auS der Fassung und ruft Wutausbrüche hervor, die mit schweren Nervenkrisen enden. Herr Meudith weiß nicht mehr, wo er in der Wohnung, die doch gewissermaßen auch ihm gehört, sitzen oder sich verkriechen soll! ES wäre ihm nun zwar ein leichtes, sich seiner Zimmereinrichtung anzupassen: er brauchte sich nur daS Haupthaar wegrasieren oder übermalen zu lassen; obwohl er aber im gewöhnlichen Leben ein recht friedlicher und gemütlicher Herr ist, weigert er sich ganz energisch, einer Laune seiner Frau wegen mit seinem Haarpigment eine Aenderung vornehmen zu lassen. Der schönen Frau Meudith bleibt also nichts anderes übrig, als sich an die Justiz ihres Landes zu wenden, auf daß sie diesen außerordentlichen Fall durch ein ScheidungS- urtetl aus der Welt schafft. Lieber einen neuen Mann als neue Tapeten k * Kleine Taaescbronik. In Ko bürg wurde die bedeutende GrieSbach'sche Porzellanfabrik durch Feuer fast gänzlich zerstört. — Ter Pariser Polizei ist es gelungen, vier deutsche ReichSanqehorige, die bemittelte Deutsche bei ihrer Ankunft in Paris Geld zu entlocken verstanden, zu verhaften. - In BreSlau erschoß sich der 61jährige nervenkranke Rittergutsbesitzer Dr. Kunze, nachdem er vorher seine Ehefrau erschossen hatte. Tas Motiv zur Tat ist unbekannt. Pekuniäre Schwierigkeiten lagen nicht vor. — In Striegau entsprang auS der Strafanstalt der zu acht Jahren Zuchthaus verurteilte Schlosser Bar eck, bisher fehlt jede Spur von dem Entflohenen. Bareck halte noch sechs Jahre zu verbüßen. - Durch Großfeuer wurde gestern morgen gegen 6 Uhr die große Hollen- stedterGetreidemühle bei Einbeck ein geäschert. Etwa 2500 Sack Mehl nebst Getreidevorräten sind mitverbrannt. Sämtliche Maschinen-Anlagcn wurden zerstört. — Ter am Schlepp- tau des der Hamburg-Südamerikanischen Tampfschiffahrtsgescll- schast gehörenden Dampfers „Cordoba" hängende Schlepper „S a o Bento" ist im Biskayabusen untergegangen. Der Käpitan und die aus sechs Mann bestehende Besatzung ist er- ertrunken. — frpau Geheimrat Krupp stellte 3 00 00 0 Mk zur Verfügung, vus deren Zinsen erholungsbedürftig« 9Üt6 eitet fr lauen und Kinder der Kruppschen Werke verpflegt werden sollen. — Der vermißte Bürgermeister Dr. Böcksch in Oppeln befindet sich wohlbehalten wieder bei seiner Familie: er hatte eine kurze Vergnügungstour unternommen und während derselben drei Tage lang seine Angehörigen ohne Nachricht ge- Lassen, die daher befürchteten, daß ihm etwas zugestpßen sei. — Bei einem Dachstuhlbrand in Schöneberg, an dessen Bekämpfung die Feuerwehr längere Zeit arbeitete, ereignete sich ern Unglücks fall. Dem 21jährigen Bäckergeselleii Weiß siel ein Stück Brett vom Dsach auf den Kvpf, sodaß er schwer verletzt zusammenbrach. Er wurde ins Schöneberger Krankenhaus gc* Spielplan des Grotzhcrzogl. Kurhaus-Theaters Bad-Nauheim. Direktion Hermann Stein goetter. Montag den 8. Juli: Unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Boccaccio/ Komische Operette in 3 Akten von Fr. v. SuvvS. Mittwoch den 10. Juli: „Komtesse Gucker!/ Lustspiel in 3 Akten von Fr. v. Schönthan und Fr. KoppeldEllleld. Freitag den 12. Juli: Unter Mitwirkung der Kurkapelle: /Sie lustige Witwe/ Operette m 3 Akten von Fr. LehLr. Samstag den 13. Juli: „Ter Schwur der Treue/ Lustspiel in 3 Akten von Osk. Blumenthal. K a Emen Posten Kleiderstoffe in Voile, Etamine, Alpacca, Mohair, Streifen und Schotten. Wert Meter 2.— bis 5.— Mk., jetzt Meter 1.— Mk. Einen Posten Seidenstoffe für Kleider und Blusen geben wir weit unterm Selbstkostenpreis ab. Halbfertige Roben in Seidenbattist, Tüll, Voile, weissem und farbigem Leinen geben wir ebenfalls teilweise unterm Kostenpreis ab. haben wir in allen Abteilungen grosse Posten Waren ausgelegt, die wir zu ganz besonders billigen Preisen abgeben. 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