Pr. 26Ä Zweites Blatt LS7.Jahra-rna Donnerstag 7. November 1907 Orlchekn tsgklch mÜ Auvnahine befl Sonntag». General-Anzeiger für Gberhesfen £ Rotationsdruck und Verlag bn Vrühl'Khen Unioerfuäifl - ®ud>- und ^tetnbructticL R. Laag«. Lietzen. Redaktion. ExvedMon und Druckerel' flraße ? 6i;peöitlon und Verlos t^a# t>L Revaktwme^UL. Tell-Adr. An«et«erL^tzen. £te Mflfßfner FamittenblStter- werden dem otermal wöchentlich beigeJtgt, das „Hrctsblan fflt den Krell Giehen" zweimal M-cherUlrch. Der ^ffeffsiche timdwirf erscheint monatlich einmal. Der Stielt um ^urUtt. Um nun auch die Gegenseite zum Worte kommen zn assen, veröffentlichen wlr hellte zwei weitere Zuschriften, ohne edoch für deren Form und Inhalt dem Publikum gegenüber rgend welche Verantworluug zu übernehmen. Sehr geehrte Redaktion l Tie L"lle der Zuschriften gegen Ghirlitt, die Sie erhalten haben, ivie eriüüufd)i eine Tisktüsion am Abcnb des VoittageS |elb|i Zweien wäre. Tob sich die okadenuich gebildeten Lehrer gegen üurhtl ivenben, ist wohl begreiflich. Denn mcifiens verteidigen ne Dienlchen em System, dessen Glieder sie selbst sind. Äluch uerben ui der Regel nur diejenigen Lehrer werden und die ^animalischen Fächer wählen, die aus der Schulbank nm wenigsten mter fern bisherigen Betrieb gelitten haben. Tas Thema des Vortrages bezog sich aber auf die Unzufriedenheit weiter Greife , ts deutschen Volkes. Uiid wie berechtigt diese Behauptung st, zeigt nicht mir der staunenswerte Erfolg der GnrlUt'ichcn Bücher, ondern auch der Bei'all, den die große Gießener Versammln,tg iuie so manche andere) spendete. 'IVas die beiden auSiührlichen Zuschriiteti anbetrifft, die Sie >er6ffeiultd)ien, so haben mich diese keines,vegs davon überzeugen öiiiien, daß durch unsere „vielen, vielen" Re'ormen nun wirklich l(i6 Verhältnis des grammatisch - formalen Unterrichts zu dem n l) a H l i et) anregenden und das der Sitzarbeil ztl dem natur- ichen körperlichen Betätigungsdrang ein gesundes geivorben sei. luch kann ich aus meiner Erfahrung (als Schüler ioie Le hrer) eraus nur urteilen, daß zum Verständnis z. B. eines Schillerschen DiamaS eine elhiich-philosophische Vorbildung viel notwendiger Däre, als die grammatiichnoimale oder als der Lulher'jche Rale- hiSniU*. Tte historische Bedeutung des leljieren in allen Ehren! Iber Träger wirtlich lebendiger religiöser Gefühle ist er mir wie chr, sehr vielen deutenden Menschen schon aut der Schulbank nicht >ehr gewesen. Ich beide, als ehrlicher Mann, bem bie echte teligiositat eine höchst heilige und ivichtige innere Angelegenheit t, hat man die Pflicht, solche Beobachtniigen an sich und anderen uszujprechew Was den Wert der alten Geschichte anlangt, jo ebe ich zu, daß man ihn höher emschähen kann als ©urlitf, vor Ile in m lojialer und veriasjungsrecutlicher Beziehung. Leider sind an die m bet Schule üblichen Darstellungen nicht immer frei von )detflachlichkeuen und Gesinnungsmache. Den wiederholten etwas häinuchen Hinweis auf Gurlitts ileint|d)e Uebnngsducher begreife ich nicht. Meint man beim, der Hann haue gleich am elften Tage seiner Lehrtätigkeit zu seinem urchgicüendcn Urteil kommen sollen? Ist es Nicht vielmehr em .eugnis für seine GewifsenhaNigkeit, daß er früher auch eist einmal ui dem Wege der (lernen Iheioimcii innerhalb des LyUems oor- )äus zu kommen gesucht hat, ehe er das ganze System als solches er kritischen Sondierung unterzog? Jetzt freilich ist ihm der iebulbsfnben gründlich zerrissen. Ich meinerseits begreife auch basj Tr. S 1 recker, Oberlehrer. * Gurlitt. Taff der Vortrag von Pros. Gurlitt unter den zünftigen lerrtn lebhafte Gturüstung Hervorrufen würde, war klar. Aber tchlS konnte besser werben für Herrn Gurlitts Sache als die io Ml im „Gießener Anzeiger" abgcbrucktcn Enlgegnungen. Inivefenb war keiner der Herren Skrfaffer, außer bem ElciuLN- .rbuch kennen sie vo» Gurlitt anscheinend aucy weiter nichts, bcr sie haben bas Referat gelesen, unb dem einen hat man )gar was erzählt. So wird es leicht, schief wiedergegebene -atze Gurlitts zu bekänrpfen. Aber meine tperren, nicht Hein» ches Benörgeln von Einzelheiten war es, was Prof. Gurlitt en reidjen Beifall ernten ließ, sondern die großzügigen Grund- edankeu. Es handelt sich euen nicht um bessere Bentilations- tnrichlungen und Schulbänke (im Schuldeutsch Subsellien). Tie roße Masie aller Geoildeten ist unzufrieden mit unserer Schule, a hilft selbst bie geistreich,re Lage bcr verschiedenen Unterrichts- unben, bie Herr L. ersinnen mag, nicht, das Uebel muff an er Wurzel gepackt werden. Und das tat Gurlitt. Es begann mit einer Rede pro homo Herr Holzmann, der schon über 21 Jahre den Cicero doziert. Ter lange Umgang nut dem „mehr breiten als tiefen -Arpinaten" ist in seinem Artikel zu erkennen. Fürwahr, das muff schon eine sehr schlechte Sache sein, für bie sich gar nichts GunstiaercS air- sühren läßt. Viel Beachtenswertes und Schönes steckt in der römischen Literatur, das wird keiner bezweifeln. Herr Holtzmann hält es aber doch für nötig, ausführlich zu erzählen, welch lateimidje Leckerbifsen am hiesigen Realgymnasium für die hungrige Knabenseele bereit liefen. Was soll hier wieder der Einzelfall, an anderen Schulen ist der Speisezettel doch wieder anders. Ach nein, Herr Holtzmann, danach hungert und dürftet die Seele des beutidjcn Knaben nicht, sondern nad) Herumtoben und Betätigung der Lebensfreude. Aber statt dessen muff der arme Junge seit seinem neunten Jahre wöchentlich 7 Stunden Latein pauken, beim er soll ja später an der Rede be impcrio — „die Ausaroeitung einer schulmaßiaen Disposition" bewundern. AKr aber nennen das eine sinnlose Vergeudung der schönsten Kräfte unserer Jugend. Und hat schließlich Herr Holtzmann selbft schon alle Perlen der Wettliteratur in der Uriprache gelesen? 9hm zum Lieligonsunterricht. Das urwüchsige Deutsch Martin Luthers wäre zwar gegenüber dem Latemoeutsch imjercr „Schulmänner" noch nicht so zu verachten, aber wenn auch Herr Holtzmann für feine Person dem Christentum sehr viel verdankt, so uri/t dod) die Vtehrzahl der Geoildeten dem Ehristen- rum fremd gegenüber. Was aber diesen Eltern als Fa.ei und Legende gilt, wird den K'llidern als heiligste Wahrheit gepredigt. Fürwahr, welche Quelle der unwürdigsien Heuchelei! „Fort mit bem Religionsunterricht aus der Schule" heißt aber dock) nicht jeden christlid-en Glaubens unterricht aufferhalv der Schu.e verbieten. Herr L. verdient keine eingehende Widerlegung. Er schwärmt von Vcniilatio.is.uirichtun^en, Sd-uloanken, Ein.ichtung des Stundenplans usw. Em Blick in unsere Schulklassen hat ihm gezeigt, daß wir keine Schwindsucht züchten. Ein Vlill auf "bie Statistik hätte ihm zeigen können, daß nur ein Viertel aller Studiere üben m 11 i t a r t a u g 1 i ch ist! An eine sklavische Rad-ahmung e.igli)d)cr Erziehturg beult in Deutsd). lanb niemaiib, auch Herr Gurlitt nicht. Erziehung zum Se^bft- bewußtsein leistet unsere Schule heute schon, schreibt derselbe Herr, der es nicht einmal wagt, feinen vollen Namen unter einen Artikel zu setzen, wenn er dein Gegner seichte Spässe, Phrasen- hastigkeit utw. voNvtrfll Jü das mannl)ast? W. Tiefenseei. Azrs Stafct unO Gießen, 7. Nov. 1907. Schulpflicht und Schulaufnahme. Ueber die Auslegimg der Actllel 19 und 20 unseres VolkSschulgefelzes, bie Bestimmungen über bie Aufnahme schulpflichtiger Kinder enthaltend, bestand seither, auch in unserer Stadt, vielfach Unklarheit, bie nun burch eine unzweibeutige Verfügung ber hefsischen Schulabteiliing vom 25. Oktober beseitigt ist. Die angeführten Gesegesparagraphen befllmmen uäiiillch, baß in Hessen ein Kind schulpflichtig ist, sobald es das sechfle Lebensjahr uoUeiibet hat, geistige unb körperliche Reife vorausgesetzt. Unter bevfelbcn Voraussetzung können jcboch außerbem auch solche Kinder nufgenonnnen werben, bie bis zum 30. September desselben Jahres bas sechste Lebensjahr vollenben. Dlese'Beslimiiiiingen würben seither hier und da in der Weise umgangen, baß em Kind privatim sich den Wisseiis- sloff des untersten Jahrganges ancignete und bann zu Ostern bes nächslen Jahres, mit beginnender Schulpflicht, gleich m die zweite Stufe cinrücfte, seine Allersgenossen also gleich von vornherein um ein Jahr überholend. Tie obecne Schulbehörde bestimmt nun, daß dies für die Folge nicht mehr statthaft ist, und daß ein Kind in keine höhere Klasse oder Abteilung ausgenommen werden kann, als die seinem Aller entsprechende. Um jedoch bei der konsequenten Durchführung dieser Bestimmung Härten zu vermeiden, wird bestimmt, daß in den Fällen, in denen die geistige Reife des Kmdes feine Aufnahme in eine höhere Klasse rechtfertigt, jedesmal die besondere Entscheidung der obersten Schulbehörde emzuholen ist unb, um jedem Mißbrauch dieses Verfahrens vorzubeilgen, daß em derartiger Schüler aus keiner Schule entlassen werden darf, ehe er das vierzehnte Lebensjahr vollendet hat bezw. bis zum 30. September dieses Jahres vollenden wird. Selbst bann behält sich bie oberste Schulbehörbe in jebem Einzelfalle besonbere Genehmigung vor, wenn Kinder, die auf Grund anderer lanbesgesetzlrchrr Bestimmungen früher in bie Schule kamen, nach Hesfen verziehen und dort in die ihrer geistigen Reife enisprechende Klasse ausgenommen zu weiden roün ch u. Des Beifalls eines jeden Kmderfreimds kann die Scyul- üblciüing sicher sein, wenn sie darauf hinweist, baß ber Zweck der Gesetzesbestimmungen über bie Schulpflicht ber war, einer Verjrühung bes Unterrichts vorzubeugeu unb bann fortfährt: »Ieber Versuch ber Eltern, biefe Bestimmungen zii umgehen, kann nur aus einer völligen Verkennung ber weisen "Absichten bes Gejetzgebers sowie ber wohlverstandenen Interessen der Kmber entspringen, unb es bars dem umso weniger nachgegeben werden, als gerade in Hessen bie Bestimmungen über bas Aller der Hinoer bei bcr Ausnahme in die Schule sowohl anderen Bunbesslaalen, iiiSbejondere Preußen, als auch den Zordeiungcn maßgebenben Pädagogen und Hygieniker gegenüber eine nicht unerhebliche Verfrühung aufioeijen.- Hoffe ult ich geht sie bald noch einen Schrill weiter und benimmt, baß in Zukunft nur solche Kmber zur Aufnahme zugelaffen iverden, bie am 1. Januar besjelben JahieS bereit» baS sechste Lebensjahr uoUcnbei haben. Eme solche Forderung stellt bas iRmbelimaß dessen bar, was schon feit Jahren von bcbeulcnben Psychologen, Aerztcn und Schulmännern ange|'uebt wirb. • ♦* Einfrieren der Haus Wasserleitungen. Wir machen die Hausbesitzer, bezw. deren Stellvertreter, auf die in heutiger Nummer dieses Blattes enthaltene Bekanntmachung des städtischen Gas- unb Wasserwerks, betr. „Vorkehrungen gegen bas Einfrieren ber H a us w a s serleitun gen" aufmerksam. Es empsiehlt sich, biefe Dekanntinachung auszubewahren unb geeigneten Orts anzubringen. — Der bezügl. Wb ruck wirb in unserem Blatte einigemal erfolgen, bamit alle mit ber Bebienung ber Hauswasserleitung betrauten Personen mit ihm versehen werben können. ** Opernvorstellung. Die Aufführung des „Barbier v o n S e v i l l a" am Freitag beginnt punkt- l i ch 7 Uhr. Das Publikum wird in seinem eigenen Interesse ersucht, seine Plätze schon vor dieser Zeit einzunehmen, da die Logenschließer angewiesen sind, nach Beginn des Spiels sämtliche Türen geschlossen zu halten. ** Selbstmord. Am 5. l. Mts. mittags, wahrend die Kompagnie zum Exerzieren war, erschoß fich in einer Gieszeuer Lradttheater. Ein idealer Gatte. Komödie in 4 Akten von Oskar Wilde. Wie, ist dieses Stück wirklich eine Komödie? Diese Frage rangt sich bem Zuschauer von Akt zu Akt immer mehr auf. 's ist eine sehr ernsthafte Geschichte mit einem beinahe mehr ls tragischen Hintergrunb. Sie Kriegen" sich freilich und alle onflitte lösen sich zum Schluß scheinbar in Wohlgefallen us. Ter alte Earl von Caversham ist sogar eine rech! ^mische Figur, und die nicht gerade besonbers geistvollen Interrebungen mit seinem Sohne, bem Viscount Goring, ent- )d!eii bem Zuschauer wohl manches Lachen, aber es ist kein csreienbes herzerquickenbes Lachen. Hem heiliges Lachen, bas ie bitterernsten Erdenbiiige unter sich sieht. Es i|t eine equälte Heiterkeit in biesem Stücke, sie schnieekt unb riecht so chr nach Londoner Rebclivetler unb noch allem Trostlosen nb Traurigen eines bis ins Innerste freublosen Lebens -er unglückliche Dichter, ber bes Lebens Höhen unb Tiefen nnen gelernt hat wie kein anderer, er hat auch sicherlich hon zu ber Zeit, als er bicses Stück schuf, ben dunklen Ab- runb gesehen, dem er zustrehte. An solchen Abgründen steht vielleicht jeder Mensch ein- ia(, aber nicht jeden verschlingt bcr Abgrund. Da spielen Ujamc Zufälle mit unb retten ben Nichtsahnenden, wie es ei dem Helden dieser Komödie der Fall ist. Sie könnten in aber auch ebenso gut verderben. Der von seiner Frau ls idealer Galle angebetete Unlerstaatssekretär Lir Robert hiltcrn steht an einem solchen Abgrund. Eine Abenteurerin at einen ihn im höchsten Maße kompromittierenden Bries in änben unb will ihn verderben. Seine Fraii, bie^nun er- >hU, baß ihr Gatte nicht ganz der Rlann ohne Fehl und adel ist, für den sie ihii gehalten hatte, sagt Sich von ihm >S, unb es fchemt nun so, als wenn wirklich alles unter im zufainmenbrechen wollte. Ta fügt es ber Zufall, baß n treuer Freund der Abenteurerin den Brief entreißen kann, nb Sir Robert Chiltern ist gerettet. Auch bie Versöhnung vijchcn den beiden Gallen fommt zustande. Lady Ghillern minit zu der erlösenden Erkenntnis, baß bie Frau ben Dlanu icht zum Ideal unb Götzen umschaffen bürfc, unb daß eS ec Beruf ber Fraii ist, zu vergeben, nicht zu [trafen. Klingt es nicht wie ein Aufschrei aus bes Dichters igenem gequälten Herzen, wenn er fernen Halben an einer stelle ■gen läut: Warum könnt ihr Frauen uns Ntaimer nicht nut unsren erlern lieben, warum wollt ihr uns nur als ^dealrnenichen Auch dem Nienschen Oskar Wilde hat man es nicht verziehen, baß er nicht bcr Jbealrncnsch war, für ben man ihn gehalten hatte. Als seine Verfehlungen bekannt würben, stieß man ihn für immer aus jenem Kreise, bessen verhätschelter Liebling unb Abgoll er bis bahin gewesen war. Oskar Wilbe hat es verstauben, allen seinen Problemen eine elegante Form zu geben. Seine Stücke find fern aufgebaut und spannend, unb an überraschenden Wendungen unb Entwickelungen sinb sie reich. Der Dialog ist bei ihm freilich mitunter etwas gar zu breit, aber bas rein Phrasenhafte wirb man barm boch nie finben. Wilbe ist vor allem ein unnachahmlicher j)hi|‘ter ber Schilderung jener großen, glänzenden Welt, in ber er einstmals gelebt hat. Die Aufführung seines gestrigen Stückes war unter ber Leitung be§ Oberregisseurs H e r m a n n B a k o f ganz vorlrefflich. Die prächtige Ausstallung namentlich im crfien Akt konnle auch bem verwöhntesten Geschmack genügen, nur bie Konversation hätte vicleicht in einem etwas schnelleren Tempo vor sich gehen können. AIS Sir Chiltern bot Hermann Bakof einen Charakter von großer innerer Wahrheit unb Kraft. Richt ganz frei von Ucbertreibimg hielt sich Helene Schumann als Lady Chiltern. Was au§ der recht schwierigen Rolle bes allen Earl von Caversham zu machen ivar, nrachte Bruno Reiner-Schlegel mit guter Komik. Die äußerst sympalhifchL Gestalt bes Viscount Gonng gab Rnbolf Goll üoUenbct wieber. Eine recht niebliche und anmutige Miß Mabel war Rofa Wmberste in, bie Rolle der bösen Miß Eheveley wußte Käthe Garbun g mit echtem Leben zu erfüllen. Das Spiel war fein nuanciert unb die prächtigen Roden verrieten einen geradezu raffinierten Geschmack. Die Aufführung war alles in allem genommen eine der besten, bie ich bisher in unsrem neuen Siabllheater gesehen habe. Derselben Rlcinung Schien auch baS Publikum zu sein, benn es spenbete sehr lebhaften Beifall. E. A. Hessische Landesausstellung Darmstadt 1908. D i e Wirtjchaftsanlage. P.-A. Ein besonberes Interesse nimmt die Wirtschaftsaulage, ber Nestauratwnsbetrieb, in der Ausstellung in Anspruch. Es war zunächst vorgesehen, ein größeres Restaurationsgebäude als Abschluß der Gefamtanlage nach Osten hin zu emd)ten. Da jedoch der beredftigte Wunsch laut wurde, das Hauptrestau- rationsgebäube wieder m ben von ber früheren Ausstellung her populär unb beliebt gewordenen Platanenhain zu verlegen, so entschloß sich die Ausstellungsleilling, diesem Wunsche nachzukommen und Professor Albin Muller ist es nun vortrefflich gelungen, die Anlage des Restaurationsgebäudes sozusagen durd) den Platanenhain „hindurchzusailängeln" und zwar^ in einer Weise, daß der letztere im Verein mit dem zu errichtenden Gebäud« eine völlig in sich geschlossene architektonische Gesamthell bildet und das elftere zugleich einen stilgeuiäßen Abschluß des Ganzen nad) Westen hin bedeutet. Der Architekt hat sich hierbei von dem Prinzip leiten lassen, der gesamten Anlage den Charakter einer Kunstausstellung bis ins kleinste zu wahren. Betritt der Besucher die Ausstellung, so bietet sich ihn: von dem als Eingangstor gedachten Rundtempel, ein durchaus ein- l>eitlid)er, bem Charakter bes Ganzen enlsprechenber Anblick. Gerade vor sich, am Ende des Mittelweges, ficht er ben Musikpavillon, in welchem der größte Teil unserer^ Gcoßh. Hofkapelle verstärkt durch auswärtige Musiker (etwa 50 Mann) drei Monate hindurch konzertieren wird. Dieser Pavillon ist mit dem links in der Ecke liegenden, über den Platanenweg hinwegreichenben Hailptrestaurationsgebäube burch Balustraden verbunden. Nad) den Ausstellungsgebäuben selbst gelangt man von hier aus durch den Palmenham, bcr so gewissermaßen eine vorbereitende, bem Wesen des kümllerischen UnterneHmens entsprechende Stimmung verinillell. Dem in der Norbwest-Ecke liegenden Hauptrestaurati- onsgebäube, das als Wein- und Bier-Restaurant gedacht ist, liegt in der Sübwest-Ecke das in der Fassade gleichgestellte Ca,ee-Restaurant gegenüber. Beide Gebäude meiten durch eine Arkadenstellung, einen Laubengang, mit einander verbunden. Dieser Wandclgang enthält eine Anzahl offener chamlnes separes ober Lauben, bie burch Blumen unb Basen dekoriert sind. Bor den tragenden fßfedern des Verbindungsweges bezw. der Wandelhalle sind Leine Brunnen angebracht. Tie Fern.er unb Glastüren bes Restaurationsgebänbes können zusammengelegt wevoen, sodaß auf diese Weise bei schönem Wetter offene Hallen gebildet werden können und so eine direkte Verbindung des ReslaurationsgebäubcS mit dem Platanenhain möglich ist. Täe Täd)er der Gebäude sind sehr niedrig gehalten, sodaß sie noch unter den Aesten der Bäume Platz finden. So wird kein Daum in seiner Wirkung gesd)ädigt unb ber Hain an sich überhaupt nicht gejuört, ber Charakter ber Anlage als solche bleibt volli'liänbig gewahrt. Tcr einfachen gebicgeiien äußeren Ausstattung entspricht bie innere Einrichtung. Erwähnt fei schließlich noch, baß an bem früher für bie Anlage bes Haupt- reßaurationsgebäubcs in Aussicht genommene Platz ein sieben- restaurant errid>tet werben soll, ffodaff ber Ausstellungsbesucher ber auf biesem Enbe weilt und eben eine kleine Erfrischung zu fid) nehmen will, nidjt erst gezwungen ist, von dem hinteren Teil ber Ausstellung freu ganzen Weg zum Ptatancnha.n zi.ruck- zuiegen. Dieses Gebäude ivirb mit ben dort ebenfalls zu errichtenben Terrafsen in birefter Verbinbung Stehen, woburch eine herrliche Aus,id)t nach ber Rosenhöhe wie nach bem Odenwald eröffnet wird, ©arten an lagen mit Springbrunnen und Terrafsen wie das Gebäude felbii bilden auch h.er den notwendigen wirksamen Abschluß des Geländes und wiederum in l-armonifcher Einheitlichkeit sdstießen sich hieran nach ber anderen Seite zu bas Oberhefsstschc Haus, die Billen Sutter und Gewin und das kleine Avöeiterdorf. Frankfurter Itörwe, 7. November, 1.15 Uhr. Beichsanleihe 93.— 81.7- 93.40 iterimer llorse, 7. November. Anlangskurse. . 137.50 141.' 196.6- 218.- 28.2' 82.70 93.40 82.60 92.40 92.40 96 95 96.90 92 40 101.6C 206Z 192.3t 122.4t 196.51 219.- 108.2: lüO.Ui 151.0< 123.' 223.0( 137.01 167.31 13 -.al 197.21 Uarpener Bergwerk LauraUiltte i.umbarden E. B. Nordd. Lloyd . . i lukeiiluse . ♦ . 282- 138.5* 117.2- Deutsche Bank . . Durtnmnder-L"nion C. Dresdner Bank . Tendenz; träge. do. Konsols do. Hessen Oberhessen hNannschastsstube in der Kaserne der Musketier Tro n ber 8. Komp, mit seinem Dienstgewehr mit einer Platzpatrone. Er war re vier krank, sollte aber wegen eines Geschlechtsleidens, das er zu verheimlichen gewußt hatte, in baä Barrett ausgenommen werden. In den von ihm hinterlassenen Briefen an seine Angehörigen hatte er geschrieben, baß er unheilbar krank sei, sich deshalb den Tod gebe und die Tat mit voller Ueberlegung ausführe. Aus einem weiteren zurückgelassenen Zettel bat er die Offiziere der Elektriz. Lahmeyer . . ‘Elektriz. Schlickert . . . Esch weil er Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Ainenk. Paket!. Barpener Bergwerk. . Laurab litte *\ordd. Lloyd . . . Ubeischles. Eisen-Industrie Berliner ilandelsges. Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . , Deutsch-Asiat. Bank . . Diskonto-KommandiL . Dresdner Bank . . . Kreditaktien Baltimore- und Ohio- Eiseulahn Gottbardbahn . . . . . Lomuard. Eisenbahn . . Uesterr. Staatsmann . . . i'riuee-lleiin-Eisenbahu . der auch den Reichsgedanken immer hoch gehalten habe. Kammerpräsident Haas ließ sich vertreten und einen Kranz am Grabe niederlegen. -n. Rödgen, 6. Nov. Unsere Kleinkinder schule, die erst in diesem Sommer eingerichtet wurde, entwickelt sich allem Anschein nach recht günstig. Sie wird von etwa 50 Kleinen täglich besucht. Eine Schwester, die in dem schmucken Neubau Wohnung genommen hat, beaufsichtigt und erzieht die muntere Schar. In nicht allzuferner Zeit wird auch eine Krankenschwester ihre Wirksamkeit am Orte entfalten. — Schon seit Jahresfrist treten hier Scharlach und Diphtherie bald vereinzelt, bald häufiger unter den Schulkindern auf. Im Sommer mußte sogar die Schule einige Zeit geschlossen werden. Auch im benachbarten Annerod sind in den letzten Wochen einige leichte Diphtheriesälle vorgekommen. 3^°/( 3% 3-6 Canada E. B Darmstädter Bank 200.— 114.20 - 146 50 . 123 20 . 223.40 Negieruugsrat Dr. Merck sprach der Stadt Lich warme Anerkennung und Dank aus, gedachte lobend aller an dem Bau Beteiligten, vor allem dem Baurat Dieym, der den Plan zu dem Gebäude gemacht hat, und dem fürstl. Bauinspektor Schön, der den Plan ausgearoeitet uno die Bauleitung geham hatte. Sein Hoch galt der Stadt Lich. Für dieie DanLe Bürgermeister Dörmer, der sodann dem verdienstvollen Förderer, Geheimrat Ar. Breib er t, ein Hoch ausorachte. In seiner Erwiederung sprach^Geheimrat Dr. Breid ert die Hoffnung aus, baß die an die Schule geknüpften Hoffnungen und Wunsche sich in reichem Maße erfüllen möchten. Er trank auf das Wohl der Lehrer und Schmer der An,kalt. Damit war die einsachwürdige Feier beendigt. 6200 63.20 91.60 87.45 92.40 141.00 47.20 82 00 Braun, der zu seinem Bedauern verhindert gewesen sei, selbst zu kommen. Der heutige Tag biete in doppelter Hinsicht^ein freudiges Ereignis. Mit ihm trete die Schule in das 3. ^zahr ihres Bestehens und zugleich erhalte sie ihr neues, schönes Heim. Verschiedene (Stabte batten sich um bie Schule beworben. Man habe sich für Lich entschieden wegen seiner zentralen Lage und der glänzenden Aussichten, die die Stadtvertretung geboten habe. Mit der Erbauung der Schule erfülle die Stadt ihr gegebenes Wort bereitwillig und in bester Weise. Daß die Schule notwendig sei, beweise schon ihr zahlreicyer Besuch. Alle Berufe hätten z. Zt. nicht leichte Kämpfe um ihre Existenz uno ihr Fortkommen zu bestehen und nicht am wenig* sten sei dies bei der Landwirtschaft der Fall. Tie Wissenschaft und Technik bringe auch für sie immer neues und die Kenntnis davon ihr zu übermitteln sei der Zweck der land- wirtschaitlichen Schulen. Tie neue Schule möge eine rechte Pflanzstätte für ihre Schüler sein und er könne nur wünschen, daß öie Schüler das Erlerntd später richtig verwerten und den Interessen der Allgemeinheit zugänglich machen würden. Oekonomicrat Weitzel übernahm mit freudigen Dankes Worten das Haus und dankte dann für bas schöne Heim auch im Namen der jungen Lanowirie, die die Schule besuchen, und Deren Eltern. Er sprach sodann allen Mitarbeitern an dem verint-chte». * Eisenbahnunfälle. Am 6. Nov. entgleisten >1 Weischlitz (Bogtl.) beim Anseinandersetzen des Güterzugs Nr. I hon , Eger gegen 20 abgestoßene Wagen, wie verlautet, infolge ,al,cher Weichenstellung. Fünf Wagen wurden vollständig zertrlM-- mert. Der Materialschaden ist bedeutend. Ein Bremser aus Eg^l lüurbe so sck)wer verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werd.n chußte. x$n der Nähe von Althofen (Ungarn) stieß am 6. Nov. em Personenzug mit einem Lastzüge zusammen. Mehrere Passt' giere wurden verletzt. Ilojtß ZZülow-Sirand. Berlin, 6. November. Vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II begann um 972 Uhr die Strafsache gegen den Schriftsteller B rand wegen Be- leiDigiuig des Reichskanzlers. Als Zeugen waren u. a. erschienen: Geheimrat Scheser, Fürst Eiilenburg. sticht erschienen, ivaren die Grasen Hohenau und Lynar. Der Staaisanwall teilt mit, daß der Angeklagte gestern noch eine Reihe von Zeugen vorgeschlagen habe, die meist in Rom wohnen. Er habe sich an den dortigen Polizei- präsidenlen geivandl, der telegraphisch geantwortet habe. Für die Ueberjetznng sei der itatiengche Tolmetscher geladen. Ter Verteidiger Brands erklärt, es sei zwestethaft, ob Brand im Staiide Mei, der Verhandlung zu folgen. Der Gerichtshof beschließt, einen Arzt zuzuziehn. Der Verteidiger gibt anheim, ob es Zweck hat, in bie Verhandlung emzulrelen, da viele Zeugen fehlen, namenllich (^ra, von der Schulenburg, auf den er unmöglich verzichten könne ebensowenig auf die Zeugen aus Roin. Der zugezogene Arzt erscheint hierauf, um den Angeklagten auf seinen Gesundheitszustand hm zu untersuchen. Hierzu tritt eine viertelstündige Pause ein. Rach der Pause wird der mhiminierte Artikel verlesen. Brand erklärt, daß er den Vorwurf der Homosexualität, der jemer Meinung nach gar kein Vorwurf fei, dem Fürsten Bülow nur deshalb gemacht habe, weil dieser einen solchen Vorwurf selbst benutzt habe, um seine Feinde zu stürzen. , Als eisler Zeuge wird Fürst von Bülo w vernommen. Er erklärt, dag ihm homosexuelle und normwidrige Neigungen stets I widerwärtig und unverständlich waren. Ties beziehe sich nicht mir auf Zuwiderhandtimgen gegen den § 175, sondern auch auf jebe derartige Empfindung. Tie gegen ihn erhobene Anschuldiauna lei urnvahr und stnnlos. Bülow schildert dann den Dienst der Beamten der Reichskanzlei, von denen ein hohes Maß von Flein und Gewisienhattigkeit verlangt werde. Als Aequivalent dafür erhtelten sie entjprechenDes Gehalt und Avancement. Er sei für Die Beamten em wohlwollender Vorgesetzter, aber von irgend einer ö-amtliartiat mit den Untergebenen, besonders mit Scheeser, sei niemals die Rede geivesen. Scheeser ivohne im Reichskanzlerpatals Damit er rascher zu erreichen sei und er habe nut ihm un Jahre öiei- oder Biennal an (einem Tische gegeffen. Weder in Rom noch gerüteifernC^ 61 6 mit ^azieten gegangen, gefahren oder > Alsfeld, 5. Nov. Die landw. Winterschule eröffnete heute unter zahlreicher Beteiligung von Eltern der Schüler und sonstiger Interessenten den diesjährigen Winterkursus. Ausgenommen wurden 49 Schüler. Von diesen stammen ihrer Heimatgehörigkeit nach 31 aus dem Kreis Alsfeld, 8 aus Lauterbach, 5 aus Schotten, 4 aus! dem preußischen Kreis Ziegenhain und 1 aus dem Kreis Gießen. 30 der jungen Leute wohnen hier in Alsfeld. Der regelmäßige Unterricht beginnt erst morgen. X Groß-Felda, 6. Nov. Zu den Auszeichnungen, die der Sattlermeister K. Völzing mit seinen Erzeugnissen erhalten hat, ist dieser Tage eine neue gekommen. Auf der Ausstellung für Hotel-, Brauerei und Wirtschaftswesen öU Mainz erhielt er für ausgestellte Geschirre den ersten Prns, die goldene Medaille. Solche Preise auf dem Lande zu erzielen, hielt man früher für kaum möglich 4% Uesterr. Goldrente 4'/» o« Uesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . , 4% Italien. Bente . . 6 "6 Portugiesen Serie I « 3% Portugiesen „ m 4/i°/o russ.Staatsaul. 190a 4/^",0 Japan. Staatsanleihe Uonv. Türken von 1903 Türkeulose Griech. Monopol-Anl. . 4-6 äussere Argentinier . d°/0 Mexikaner 4>iv/o Uhiuesou .... Aktien: Bochum Guss Buderus E. W. . . Tendenz: ganz schwach. Telefonische Kursbericnte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt vou der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Der Neubau der landw. Winterschule zu Lich. Heule mittag 11/4 Uhr wurde das neue Gebäude' der^land- hD!.rt(l9a^ 1q Winterschule des Kreises Gießen eingeweiht das -^dt Lich mit einem Kostenaufwand von gegen 35 000 Ml. errichtet hat. Zu der Feier hatte sich als Vertreter der Grossti ßanhmirVorsitzende der Ministerialabteilung für ^ndel und Gewerbe Ministerialrat Dr. Usinger eingefunden, ferner Geheimerat Provinzialdirektor Dr Breidert einge unden, ferner Geh.-Rat Prov.-Direkt. Dr Breidnt Reo Bäumt Tiehm, fceiif5B. Schutt-1 Kleinschmidt, Bürgermeister Dormer von Lich mit sämtlichen MB- Stadtvorstandes, Kammerrat von Löw, Stifisdechant ^Erbauung \ MMS Schaefer sagt aus, es sei vollständig aus der Luft ge. griffen, daß es zwischen ihm und Bülow je 3U Zärtlichkeiten gekommen sei. Bülows Neffe, Bernhard von Bülow, fQgt in gleichem Sinne aus. Bülows Hausmeister Schrader Weitz auch nichts über die Behauptungen des Angeklagten zu bekundens Schriftsteller Gehlsen erklärt, er sei seit Jahren bemühh der männlichen Prostitution entgegenzutreten: er habe einm ' von Dr. Hirschfeld etwas derartiges gehört, daß Bülow das Lb, jekt von Erpressungen gewesen sei. Auch sei ihm bekannt daß geäußert worden sei, das Verhältnis Bülows zu Schaefer fCi sehr intim. Graf Schulenburg habe ihm brieflich auch eine solche Andeutung gemacht; er sei überzeugt, daß der Angeklagte in gutem Glauben gehandelt habe. Dr. Hirschseih erklärt, es sei ihm nichts Authentisches bekannt, woraus die Homosexualität von Bülows gefolgert werden könne; mit dein Angeklagten habe er über Bülow nicht gesprochen. Brand erklärt, er habe alles, was er über Schaefer erfahren, von Gehlsen gehört und dieser von Dr. Hirschfeld. Letzterer tritt dieser Darstellung entgegen; der Name Schaefer sei ihm ganz unbekannt gewesen. — Hierauf tritt die Mittagspause ein. Zn der Nachmittagssitzung würben die Zeugenvernehmungen sortgesetzt. Kriminaltommisfar v Treskow sagte aus: iyOr zwei oder drei Jahren sei, einige Tage nachoem er eine Unterredung mit Brand gehabt habe, sein sämtliches Material aus seinem Amtszimmer gestohlen worden. Im Monatsblatt oann Schneidt behauptet, das Material sei ihm von einem Unbekannten überbracht worden. Brand erklärt sehr erregt, bep ihm damit die ungeheuerste Beschuldigung gemacyt werde. rauf erklärt der Rechtsanwalt Sarnau un Namen Brands er habe auf Grund des Ergebnisses der VerhanDlungen die lieber- zeugung gewonnen, daß Die von ihm behaupteten f chweren idjuiDigungen, die er gegen Bülow erhoben habe, nicht der Wahrheit entfprechen. Er erkläre mit tiefstem Bedauern, daß er fjtz durch Die ihm gemachten Mitteilungen habe hinreißen lassen iar würde, wenn Bülow anwesend wäre, diesen um Borzeihullg oitten. Es tonne ihm nur noch Darauf ankommen, Darzulm daß er den ihm von verschiedenen Seiten gemachten Mitteilungen Glauben beilegen mußte. Der VerteiDiger beantragt hierzu hjx Vernehmung mehrerer Zeugen. Dies wird abgelehnt. Ehe die Beweisaufnahme geschlossen wurde, wurde die A uz. kunft des P 0 lizeipräsidiums Rom auf Die Anfrage der Staatsanwaltschaft verlesen, ob tatfächlich, wie Der Angeklagte k, yauptet, in den Akten Der römischen Polizei Fürst Bülow uch Geheimrat Scheeser als Homosexuelle figurieren. Die Antwor lautet, daß in dem Register und den Akten des Polizeipräsidimti Rom bie Namen Bülows und Scheefers als Homosexuelle nitr figurieren und nicht figuriert haben. Der Staatsanwalt führte in seinem Plaidoyer aus: Die vgr Brand behaupteten Tatsachen sind nicht erroieien worden, fon Dern als vollkommen und unwiderleglich unwahr fest- gestellt. Damit ist die Strafbarkeit des Angeklagten fest gestellt Bon der Wahrnehmung berechtigter Interest en kann nicht bie Rede sein. Der Angeklagte hat sich unerlaubter Mittel bedient und hat absichtlich den Reichskanzler beleidigt, um Aufsehen n- erregen und Sensation zu machen. Der Antrag des Staatsanwalts lautet auf 1V2 Jahre fr. sängnis. Der Verteidiger führt aus, bezüglich der vom An« klagten erhobenen Beschuldigungen sei er derselben Meinung wie bei Staatsanwalt. Der Angeklagte habe zweifellos gefehlt Damir, daß er auf tz-rund bloßer Mitteilungen gegen Den höchsten Beanuev des Reichs den von der Allgemeinheit als schwere Beleidigung empfundenen Vorwurf erhebe, daß er homosexuell veranlag: sei. Der Angeklagte sei aber ein Phantast und Fanatiker feimt Ueberzeugung, die den unwiderstehlichen Drang in sich sühw. das vorzubringen, was seiner Ansicht nach der Wahrheit entsprach, weil er glaubte, damit für Die Aufhebung des § 175 wirken. Zu verstehen sei das ganze Verhalten des Angeklagte nur aus Dem Zuge unserer Zeit heraus unD aus Der unglückliche Entwickelung, welche die homosexuelle Bewegung genommen hat:, Der Angeklagte glaubte die Interessen seiner Gemeinschaft zu vm treten. Der Angeklagte sei wegen Beleidigung zu verurteilen, der gute Glaube sei ihm aber nicht abzusprechen. Der Angeklagte bat in seinem Schlußwort, ihm zugiu^ a^-en' er zehn Jahre sein Blut geopfert habe für bi Abschaffung des § 175, und daß er sich jetzt nur in der Wa« der Mittel vergriffen habe. Der Angeklagte Brand wurde zu einem Jahr fechi Monate Gefängnis verurteilt und wegen Fluchtverdachts Die sofortige Verhaftung ungeordnet. Auch wurde 01» Unbrauchbarmachung Der zur Herstellung Der Broschüre benutzten Platten und.Formen erkannt. In der Urteilsbegründung heißt es: In dem Artikel Braud ist allgemein Der Vorwurf Der Homosexualität erhoben unb es? ist nicht gejagt, wie dieser Ausdruck gemeint sei. Ausdrücke wie „bessere Hälfte" und „Scheeferstuudeu" deuten darauf hin, daß der Angeklagte vielleicht auch eine Betätigung in Strafrechtlichem Sinne meinte. Der Schutz Der Paragraphen lv3, Wahrnehmung von berechtigten Interessen, ist Dem Angeklagten nicht zuzubilligen; Interessen, Die gegen Zucht unD Sittlichkeit verstoßen, sind nicht berechtigte Interessen. Erschwerend ist, daß sich Die Beleidigung gegen Den höchsten Beamten des Reiches richtet und daß sie öffuil* Uch durch Die Presse geschehen ist. £ie Behauptung des Angeklagten, er sei Der Gegenstand von Erpressungen geworden, fei unwahr. Ebenso unwahr fei es, Daß .Angriffen stehe, Die m Der „Zukunft" gegen verschiedene befannte Persönlichkeiten bezüglich Homosexualität und emeftamanlla gerietet worDeii imD. Als Reichskanzler und als Mensch habe er 8n)ei!en '^nter einen Raum zur 'Ve^ 1-UfUcht gehalten, Den gegen ihn erhobenen unerhürteii k? ni. ml ' r UL e- herzlichen Dank ansspreche.^ Heute ^L^uldigungen entgegenzutreten. Biilo.v erklärt aus Befragen r-e Ul Ö€r ~a9e, Den damals akzeptierten die öenamtten römischen Zeugen ihm größtenteils unbekannt ejMpW L» rnr van» A ä •säss* «ä ^VeTauidü Ä CV,te I)ÜÜe er UlC 11111 scheeler zusammen eine Gesellschaft besucht, uno auf die anderen Behauptungen brauche er woljl nicht zuruckzukommen. Graf Lynar kenne er gar nicht lieber yoDenau und Eulenburg seion ihm erst m Den lernen «n iliHPrln196 ,öeyicl2le ^gegangen. Er habe aber feine lanächlichen Un er agen gehabt um ofsiz.elle Schritte zu unternelinicn. I ev Honiosexualitat habe er semes WissetiS mit Eulenburg nie aeiurncnpn über Abschaf,ung des § 175. Aus eine9 Bulow, da,, er m Der Ernennung Scheefers zum Geh. Reoieruno^rm emiafieü." Je 1Zlu‘:ie'cl)"ll,l9 wird bann vorläufig zukommen. Erst 1905 sei Die^ her 'c)€ entgegen- WW-MSZ ff-MMWWW WVL-ZWM Verein sowie vor allem brr tornRh“1’«1..6™1 ^"^wirtschaftlichen Achtung der (Schule fic die Er- bem Minister des Jn^n Dr R L bante insbesondere lur bic Schule u . i der cm großes Interesse Öffnung Ä ^dadurch ,w,elen habe, „daß. er ihrer Er- V^n Nachfolger in der LandtchrUckan^ lk£ über8a6 sodann Dr. Ufmgec den Schlüssel inS?41 s Ministerialrat fernem das datz ihr auch Tr, UfUdu er,alte!1 bleiben möge, «1« «sess,.;" Kompagnie um Verzeihung. ** D i e Friseure haben sich veranlaßt gesehen, mit den Preisen bei ihren Abonnenten in die Höhe zu gehen. Früher war das Abonnement für eine zwölfmalige Bedienung mit 1.20 Mark eingerichtet, seit Dem 1. Ott. aber erhält der Kunde für dasselbe Geld eine Karte für zehnmalige Bedienung. Die Friseure weisen darauf hin, daß dies immer noch 20 Prozent billiger ist, als wenn der Kunde einzeln bezahlt. Ferner wird die Preiserhöhung ..... ....., ____________________ mit Recht damit begründet, daß der Komfort in unseren I herzlichen Dank aus und' schloß mit Dem Wunsche, Dab Friseuraeschäften gegen früher erheblich gesteigert sei und für alle Zu tun st ein guter Stern uueu Dem Haus unD Der wer- Den ist, dazu kommen noch Die gesteigerten ^vyne unö Der -n |e|ncnt n ^^putz recht gut ausnimmt unD allgemein erheblich verteuerte Lebensunterhalt, so daß sich hiermit Bewunderung fand. Das OD^rge,ct)oß entyult Die btwen Lehrallein schon der Aufschlag rechtfertigen ließe. läle und einige 9iebenraume, uno Das Dachgeschoß Die reichhaltige sd Darmstadt. 6. Okt, Die Beisetzung des Guts- Lehrmittelsammlung, Lhrcizimmer usw. In sehr prakc.scher ..J q'.kx.-. hnn Weife fino Die Schranke für Die Lehrmittel teilweise in son,. Besitzers Werth, der dem hejftschen Laiidtage vol < nutzlos daliegenden Wuitein, Die durch d.e Dacykon,.ruktion ver- bis 1903 als Mitglied der nationalliberalen Partei an-! uriacht finD, untergebracht^ Das ErDgeschoß Dient ats Spritzen- gehörte, hatte zahlreiche Freunde des Verblichenen an Haus. Auch dieses würbe befichtigt unD Dabei namentlich eim seinem Grabe dereiniat, 1L a. Joaren die Abgeordneten wohl 600 Jahre alte Speise bewunoert, die reich mu Br-id-nbach Erck und Hirsch«! sowie der frühere Ab- schloß sich ein gemeinsames geordnete Joeckel und der Reichstagsabgeordnete Graf Essen im Holländifchen Hof an, Das Die zahlreichen Teünchnicr Orio la erschienen. Im Namen der nationalliberaten lange in guter Stimmung zusammenhielt. GeheimeratTr. Brei- Partei widmete der Letztgenannte dem Parteigenossen ^?rt führte im Verlauf Des Mahles aus. Daß Die Förderung ».Ki«i6«.«M-N,ch-N iw*» । ass*$$g sxjväs Das Gedcihen Der LanDwtrt,chaft und es sei angefichts duffen Pflicht, bei einem landwirtschaftlichen Fest vor aLem Des LanDesfürsten zu gedenken. In Das auf Den Großherzog ausgebracyte Hoch wurDe be-! geistert eingestimmt. LWWMLM SMWWWU noch ZU Bekannten etwas öeoen allerhöchster Stelle, sestgehaltcn, daß Bülow seii?Areund sch B(Sr hnhi"6- bQIan getan, Das Darauf binmeiirn habe niemals etlvas Bülow gesponnen habe Damit 'fnff? hC ClHe 9lttr^öue gegen zufammen, als stände ei mit Den unerhorte Vorwurf Zusammenhang. t ^L l ^^gnffen auf Bülow im 3 '' H! k •I Zur Vorbereitung der diesjährigen Stadtverordnetenwahlen haben der Bürger-Verein, der freisinnige Verein, der nationalliberake Verein, der Nordostverein und der SüdZvestverein ans Grund einstimmiger Beschlüsse ihrer Generalversammlungen sich zu einem gemeinsamen Vorgehen geeinigt und haben dieselben einen aus Bürgern aller Berufs- uud Gesellschaftskreise und aller Stadtteile bestehenden durch außerhalb der Vereine stehende Personen ergänzten DürgerschastsausHuß gewählt, welcher mit Aufstellung einer Kandidatenliste beschäftigt ist und dieselbe im Laus der nächsten Woche zur öffentlichen Kenntnis bringen wird. Es wird jetzt schon gebeten, diese Liste einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen, und im Interesse der Vermeidung einer Stimmenzersplitterung weitere Eiuzelvorschläge möglichst zu vermeiden ober doch solche zunächst zurückznstellen. Gießen, den 29, Oktober 1907, n. Vorkehrungen gegen das (mfricmi der Sans-Wasserleitungen. Unter Hinweis auf die „Bestimmungen über Airlage der Haus- wallerleiluugen zu ©iefjeu" machen wir darauf ausmerksam, daß um dem (Einfrieren des Wassers in den Hanswastcrlcitnngcn bei eiutrzicndcr Kälte vor^ubeugen, es erforderlich ist, öie pauslvaffevleiUingen des Abends für dre Tauer der Stacht 311 entleeren. Dies geschieht dadurch, daß zuerst der vor deut Wasser- meiser befilidliche Harrptabsperrhahn geschlossen und bann das seitlich desselben befindliche Entlccruugshähuchen, nachdein ein passendes Gesäß untergestellt, geöffnet wird uird dies so lange geöffnet gehalten wird, bis das in der Hausleitung stehende Wasser voll- släirdrg abgelaufen ist, worauf bezeichnetes Hähnchen wieder geschlossen wird. / Um eine vollständige Entleerung zu enoirfen, ist es geboten, wächrelid derselben das iu dem obersten Stockwerk deS Hauses befindliche Zapfventil der Hausleitung osscn zu halteil, danrit die Luft Zutritt in die Leitung erhalte. — (rin größerer Teil des Wassers kann auch schor: durch das Zapfventil der imterften Küche entleert werden, wodurch die (Entleerung im Keller vereinfacht wird. — Aach stattgehabter Entleerung sind die Zapfventile, ivelche dem Eintritt der Lust uni) ber (Entleerung des Wassers dienten, wieder zu schließen. Tas Schließen des HauptabsperrhahueS erfolgt durch Aufsetzen des beigegebenen Schlüssels auf den vierkantigen Hahnzapfen und Drehung im Sinne ernes Uhrzeigers, bis Widerstand erfolgt. — Das Oessueu des HauptabsperrhahueS geschieht durch Drehung m entgegengesetztem Sinne, bis Widerstand erfolgt. Behufs Wasserentnahme muß des Morgens der Hauptabsperrhahn wieder vollständig geöffnet werden, bis Widerstand eriolgt Abzweigleitungen nach Waschküchen, Badezimmern, überhaupt nach ungeheizten Räumen, Hosräumen, Gärten usw., sind auf die Dauer deren Nichtgebranchs, bezw. des ganzen Winters, mittelst ihrer besonderen Vorrichtungen auf ähnliche Weise zu entleeren und abzustellen. — Bet anhaltender außerordentlicher Kälte empfiehlt es sich, die Wasserentnahme auch während des Tages auf kürzere festgesetzte Zeit zu beschränken und während der übrigen Tageszeit die Hauswasserleitungen gleichfalls in oben angegebener Weise abzustellen. Dem (Einfrieren solcher Wasserleitungen, welche durch Küchen unbenutzter Wohnungen geführt sind, kann man durch Unterhaltung eines klemen Herdfetlers vorbeugen. Auch empfiehlt es sich, in falten Klosett- oder sonstigen ungeheizten Räumen, durch welche die Wafferleitung führt, feifern daselbst die Leitung nicht schon durch eine ausreichende Umhüllung gegen Kälte geschützt ist, die Temperatur durch ein Oefchen ober geeigneten Falls etwa durch eine Gasflamme auf genügender höhe zu erhalten. Sehr kalt stehende, insbesondere atlch abgestellte und vorübergehend nicht in Gebrauch befindliche Klosetts (wie in Vereins- Häusern usw.) werden durch (Einstreuen von etwas Salz (Viehsalz) m das Schlußwasser des Syphons (Wasserabschlusfes) gegen Auffrieren der Schüsseln geschützt. Die Wassermesser nebst dem nächstanschließeudcn Teil der Rohrleitung sind während des Winters mit Stroh, Säcken oder ähnlichen Schutzmitteln gegen Kälte zu umkleiden, auch namentlich die betr. Kellerfenster geschiofsen zu halten. — Die Herstellung aller Wassermesscr, die in Folge ungenügenden Schutzes gegen Kälte Schaden erleiden, erfolgt auf Rechnuug der Hausbesitzer. — Im übrigen müssen die Wassermesscr jederzeit leicht zugänglich bleiben. Nach vorliegenden Erfahrungen sind es namentlich Nenbauten und unbewohnte Stockwerke, deren Wasserleitungen nicht immer die erforderliche Fürsorge geschenkt wird, insbesondere sind atich schon öfters infolge Nichtabsperrenö öon Garten-Wasserleitungen während des Winters, große Bcschädignugeu und namhafte Wasserverluste entstanden. Durch die empfohlenen Vorkehrungen wird dem Wasserabnehmer die Lieferung des Wassers möglichst gelvährleistet, dem Hausbesitzer aber roerben Beschädigungen au Leitung und Gebäude fern gehalten. Wir empfehlen daher vorstchcude Vorsichtsmaßregeln allen Beteiligten znr ganz besonderen Beachtung. Länger andauernde Absperrungen, Einwinterungen, Reparatnre» nnd Auftaunngen von Hauswasserleitungen werden am zweckmäßigsten und schnellsten von denjenigen JnstallatiouSgeschäften besorgt, welche die betr. Hauowaffcr- leitungen s. Zt. anSgeführt haben nnd daher die örtlichen Verhältnisse mit ihren cmpfindlichenPnnkten am besten kennen. Gießen, den 6. November 1907. Städtisches GaS- uud Wasserwerk Gießen. Otto Bergen. B lu Restaurant Vogel, Bahnhofstr. 48. Epczial-Ausschauk der Wattius-Sraukrti Aiymi LorziiMcr MtagötW im Abomicmciit Mk. U.?ü u.l.lü Reichhaltige Abendkarte. Ö710 Der gewühlte Bürgerschaftsausschuß. 6846 Hochachtungsvoll C’hr. Kiegelmann. Sonnenstr. 6. Telefon 235. 6417 Giessen Blockstrasse 14—16. Stl° werden an ollen ) Plähen namhaft gemacht Abzahlung pro Woche und mit kleinster Anzahlung erhalten kann. Jeder neue Käufer, der diese Annonce vorzeigt, erhält 1 Hark an der Kasse in Baar. 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