9h*- 131 Erstes Blatt 157. Jahrgang Freitag . Juni 1SV7 vrschetut täglich «egw Ä Bezugspreis: außer Sonntags. A W ■ monatlich 75 Pf^viettel- XtÄ4&jAHA4tA« 1| A A« LLM« dem hefflfchen candwir; M ■> ■ flVBZ MM ■ ■ IV W MW ■ ■ ZlV > M M 1V öiei'oftaJlLSL-otert* die Siebener Familien. M W M W H ■ W< Q /ä BR «4k »AW K iährl. auSschl. Bestell-. ELä^ l'Viivll'Vv 441 V1 h ▼ ▼ Kreisblatt für den Kreis auswärts 20 Pfennig. =— General-Anzeiger für Oberhessen WM Adresse für Depeschen: — * .Gerichtsfaal*: Lenst Anzeiger Gießen. Rotat'onrdruck und Verlag der vrühsschen Univ.-Vuch. und Zteindruckerei. TL Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze r. *>.*&; für den An- geiqenteti: ponö <5cd Iie heutige Yummer umfaßt 12 Seiten. preußisches Abgeordnetenhaus. Berlin, 6. Juni. Der Antrag Brühl, der die Bestimmungen des Wasserstraßengesetzes auch aus den Erweiterungsbau des Kaiser Wilhelm- Kanals angewandt wissen will, wird definitiv angenommen. Es sogt die zweite Beratung LfeS Nachtragsetats, der die zur Gewährung der Teuerungszulagen nötigen Summen verlangt. Der Antrag des Abg. Schiffer (nl.), den Nachtragsetat der Budgetkommission zu überweisen, wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Ein Antrag Ghßling (ff. Vpt.) und Brömel (ff. Vgg.) fordert für die mittleren Beamten 150 Mark Teuerungszulage. Ein Antrag Nölle will den mittleren Beamten noch in diesem Jahre 100 Mark gewähren. Ein Antrag Frhr. von Zedlitz (ff.) dehnt diese Bestimmung auch auf die einen eigenen Haushalt führenden Lehrer mit weniger als 1200 Mk. Grundgehalt aus. Ein Antrag Schiffer (nl.) will diese Zulage den mittleren Beamten geben, deren Gehalt das der Unterbeamten nicht übersteigt. Abg. Brömel (sich. Vgg.) meint, durch Quotisierung der Einkommensteuer könnten die Mittel beschafft werden. Es sei unerhört, daß in einem Etat von drei Milliarden kein Raum sei für die paar Millionen für Beamtenausbesserung. Inzwischen ist ein Antrag der Abgg. von Heydebrandt (ff.), Herold (Ztr.) und des Frhr. v. Zedlitz (ks.) eingegangen, in den Nachtragsetat statt 8 Millionen 13 Millionen einzustellen, zur Erhöhung des Dispositionsfonds zur Untertzützung gering besoldeter mittlerer Beamter. Abg. Nölle (b. k. F.) meint, die Staatsbeamten dürften nicht schlechter gestellt werden, als die Neichsbeamten, deshalb wolle sein Antrag allen mittleren Beamten, die nicht mehr als 3000 Mk. Gehalt haben, 100 Mk. Zulage gewähren. Der Kommissionsantrag Herold-Zedlitz wird mit dem Gesetzentwurf an die Budgetkommission verwiesen. Es folgt die Beratung des Antrages Viereck (ff) wegen Beseitigung des Dualismus im Strafvollzüge. Abg. Viereck begründet seinen Antrag mit dem Hinweis darauf, daß die Unterstellung der Gefängnisse unter verschiedene Ministerien zu Mißständen führe und die Kosten erhöhe. Auf Vorschlag des Präsidenten wird die Beratung über diesen Gegenstand abgebrochen, » Die harte Rinde um das Herz des preußischen Finanz- nrinisters ist geschmolzen: er will dem Verlangen des Abgeordnetenhauses entsprechen und fünf Millionen aus dem so sorglich von ihm gehüteten Staatsschatz herausgeben für Teuerungszulagen an die geringst besoldeten mittleren Beamten in Preußen. Je 100 Mark auf den Köpf — viel ist das wahrlich nicht, wenn man berücksichtigt, daß ber in seiner Finanzwirtschaft viel ungünstiger gestellte Reichsschatzsekretär die Mtttel flüssig machte zur Unterstützung aller mittleren Reichsbeamten mit je 150 Mark. Tas reiche Preußen hätte sehr wohl ausnahmslos die Zulagen bewilligen können. Zum Trost mögen die zu fürs fommcnben und besonders die leer ausgehenden preußischen Beamten daran erinnert fein, daß in den meisten anderen deutschen Bundesstaaten die Beamtcw- besoldungen noch weit kärglicher sind, und daß ein Teil von den preußischen Beamten Jahre hindurch den Reichsbeamten gegenüber im Vorteil war, nämlich durch den Genuß der Ostmarkenzulage, die den in Betracht kommenden Neichsbeamten erst mit Hülfe der Blockmehrheit verschafft werden könnte. Es findet jetzt in ge- wissem Sinne ein Ausgleich statt. politifctyc Lage»?eha-r. Eine Ente. Der für Anfang Juli zu erwartende Besuch des Kaisers in Dänemark wird von dem Deutschland nach wie vor unfreundlich gesinnten Teil der englischen Presse in Verbindung gebracht mit Bestrebungen Deutschlands auf Neutralisierung des Sundes und der Belte. Zu Unrecht. Es handelt sich bei dem Besuch um tzinen Höflichkeitsakt, der sich gründet auf eine Einladung seitens des dänischen Hofes. Wie überdies der „Voss. Ztg." aus Kopenhagen gemeldet wird, ist dort die Begleitung des Kaisers durch die Kaiserin, die noch nie in Dänemark war, angekündigt — Beweis genug, daß nicht politische Absichten den Kaiser nach Norden führen. In unterrichteten Kreisen ist von Neutralitätsplänen der angedeuteten Art nichts bekannt. Es mißfällt offenbar den Widersachern Deutschlands, die gern auch das ganze Skandinavien in ihr Lager ziehen möchten, daß zwischen Berlin und Kopenhagen ein durchaus angenehmes Verhältnis besteht. Um eine Unterstellung sind diese Unversöhnlichen ja nie verlegen. Ire englischen Journalisten in Köln. Köln, 6. Juni. Nachdem die englischen Journalisten heute vormittag die Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt hatten, folgten sie heute mittag einer Einladung der Verleger der „ftoln. Ztg.", Kommerzienrat Tr. Neven-Dumont und dessen Bruder Alfred Neven-Dumont zu einem Lunch in den Räumen ihres Neubaues. Zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten und aus Köln und Umgegend waren anwesend. Herr Kommerzienrat Dr. Neven-Dumont begrüßte die englischen Gäste mit längerer Rede, in der er aus die Geschichte der „Köln. Zig." zu sprechen kam. Die K. Z. ist feit ihrer Gründung, die nun mehr als ein Jahrhundert zurückliegt, Eigentum einer und derselben Familie. Die Chefs dieser Familie haben von Anbeginn selbst mit in der Arbeit gestanden, haben selbst schreibend und leitend inmitten ihrer Redaktion mitgearbeitet. Waren doch mein Urgroßvater und Großvater die Chefredakteure. Wenn dann auch später die Vergrößerung des Unternehmens die Doppeltätigkeit als Verleger und Chefredakteur unmöglich machte und verschiedene Personen diese Posten übernehmen mußten, so sind doch die Verleger bis auf den heutigen Tag niemals vollständig aus der Redaktions- ardeit ausgeschieden. Diesem Zusammenarbeiten, der daraus bedingten Wertschätzung der Arbeit des andern, verdankt die K. Z. ihr Wachsen und Blühen. In den letzten Jahrzehnten waren nur wenig Leute in leitenden Stellungen bei der K. Z., die nicht .England, sein Volk und seine Sitten, die Entwicklung seines Zeitungswesens an der Quelle studiert hatten. Mein ältester Sohn lebt zerzeit als Student in Oxford. Mehrere weitere Reden folgten. Am Abend gaben die Verleger der „Köln. Bolksztg.", Franz und Robert Bachem, ein Bankett im Wintergarten der Flora. Es sprachen u. a. der Redakteur der „Köln. Bolksztg.", Dr. Otto Bresemann, der meinte, die Journalisten seien ein neues glückliches Element in der Geschichte der Völker und wenn sich die öffentliche Meinung zweier Völker in ihren berufensten Vertretern einander nähern, dann ist das eine wahre Friedenskonferenz, eine wirkliche Abrüstung; ferner der Chefredakteur der „Berk. N. Nachr.", v. Massow, und der Führer der englischen Journalisten, Mr. Wtlson. Dieser dankte allen, die die Reise so erfolgreich gestaltet hätten, in erster Linie dem deutschen Kaiser und dem König von Sachsen, sowie dem Prinzregenten Luitpold von Bayern. Er dankte ferner den Mitgliedern der Regierungen und Empfangskomitees, den Senaten von Bremen und Hamburg, den Stadträten und Handelskammern, den Verlegern und Redakteuren deutscher Zeitungen, dem Münchner Künstlerhaus, ferner dem Präsidenten des Reichstags für den Abend in der Wandelhalle, den verschiedenen Automobilklubs, dem Berliner Lehrer- und dem Kölner Männergesangverein, der Juternationalen Schlafwagengesellschaft, dem Norddeutschen Lloyd und der Ham- burg-Amerita-Linie, sowie der Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrtsgesellschaft. Der nächste Redner war der englische Konsul Meßen, welcher betonte, daß die Beziehungen zwischen England und Deutschland zurzeit tatsächlich sehr gute seien und daß alle Aussicht vorhanden fei, daß sie es auch in Zukunft bleiben würden. Stead dankte für die Ausnahme und sagte, es würde in Zukunft die große Pflicht der Teilnehmer an der Reise sein, mit Leib und Seele für die große Sache der englisch-deutschen Freundschaft zu wirten. Das Fest verlief in überaus herzlicher und sröylicher Stimmung. Gemeinsam sang man die Wacht am Rhein und andere Lieder. * Kiel, 6. Juni. 25 englische Journalisten sind, von Frankfurt a. M. kommend, hier eingetroffen und von einer Deputation des Kopenhagener Journalistenvereins, unter Führung Franz von Jessens, empfangen worden. Tie englischen Gäste sind nach kurzem Aufenthalt mit dem Postdampfer „Prinz Sigismund" nach der dänischen Hauptstadt zu einem fünftägigen Aufenthalt weitergefahren. Aus StaSt unH Land. Abdruck unserer durch Aorrespoudeuzzeichen kenntlich gemachten Orgiualartilel ist nur unter genauer Quclleuangabc (Gieß. Auz.) gestattet. Gießen, den 7. Juni. ** D i e neue st en Unfälle auf der Taunus- re n n st r e ck e. Bei der KarlZbrücke an der Saal bürg stürzte ein Rennwagen den Abhang hinunter und überschlug sich. Einer der Führer mußte verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden, während der Mechaniker und der andere Insasse unverletzt blieben. — Der Rennwagen 26 B (Bauer Fahrzeugfabrik Eisenach) kollidierte mit drei Bäumen und einer Telegraphenstange, konnte jedoch später die Fahrt fortsetzen. Infolge Regens sind die Stoßen ausgeweicht und schlüpfrig, sodaß sich noch mehrere kleinere Unfälle ereigneten. " Omnibus-Verkehr. Zu dem am Samstag, Sonntag und Montag stattsindenden Wohltätigkeitsfest verkehren Wagen von der Bürgermeisterei nach dem Festplatz. In der Stadt fallen die Fahrten 6.55, 7.05 morgens, 4.35 und 5.05 mittags auS. *• „Das 3. Bundesfest des Lahntal-Radler Bundes" in Allendorf a. d. Lda., das auf den 9. u. 10. Juni festgesetzt war, wurde wegen des Wohltätigkeitsfestes in Gießen an denselben Tagen um 8 Tage verschoben und findet nun am 16. und 17. Juni statt. Das idyllische Städtchen im herrlichen Lumdatal sucht bereits sein schönstes Festkleid hervor zum würdigen Empfang der Gäste. Die Festwiese hat die Gemeinde zuvorkommender Weife unentgeltlich zur Verfügung gestellt. ob. Laubach, 5. Juni. Tie Bestrebungen, am hiesigen Gymnasium die neue Tarrn stad ter Ferien orbnung ein- zuführen, haben einen günstigen Erfolg gehabt. Mchdem das Lehrerkollegium sich für Einführung ausgesprochen, erließ die Tirektion ein Rundschreiben an die Eltern der Schüler. Von diesen haben 97,70 Pwz. für, 2,30 Proz. gegen die Neuordnung sich ausgesprochen. Hiernach beantragte die Tirektion beim Ministerium Aenderung der Ferienordnung, welchem Antrag stattgegeben wurde. Tanach fallen bie_ Ferien künftig zu Ostern von Palmsonntag 2 Wochen, zu Pfingsten 1 Woche; die Sommerferien beginnen mit dem Donnerstag, der dem 15. Juli zunächst liegt und dauern 4 Wochen, die Herbstferien mit dem dem 29. Sept, nächstgelegenen Donnerstag und wahren 2 Wochen, Weihnachtsferien wie seither 2 Wochen. Für dieses Jahr fallen also die Sommerferien in die Zeit vom 18. Juli bis 15. September. Die Verteilung der seitherigen fünfwöchigen Ferien auf zwei Abschnitte und die damit verbundene Abkürzung des Wintersemesters find die Hauptvorteile dieser neuen Ferienordnung, die wohl allgemein von den Interessenten mit Freude begrüßt werden dürfte. eb. Schotten, 4. Juni. Hier ist eine Typhusepidemie ausgebrochen. Vier bis fünf Personen liegen zurzeit darnieder. Ausfällig ist, daß unter ben Erkrankten sich ein Mädchen befindet, daß an jener Go n ter s kir cher Hochzeit teilgenommen hatte. •• Darmstadt, 6. Juni. Die Großherzogliche Familie hat "von heute Nachmittag ab das Hoslager nach Jagdschloß Wolfsgarten verlegt. Audienzen und Vorträge werden nach rote vor Mittwochs und SamStags im Residenzschloß hier entgegengenommen. Prinz und Prm- zesim Heinrich von Preußen treffen am Sonntag zu achttägigem Besuche auf Schloß Wolfsgarten ein.— Der Verkehrsverein hat an die Stadtverwaltung em Gesuch gerichtet, daß das von der Stadt s. Z. bei dem Umbau des Hoftheaters im Umtausch erworbene sog. Jntertmsthealer für VolkSvorstellungen nutzbar gemacht werde. D a r m st a d t, 6. Juni. Die Stadtverordneten-Ver- sammlung nahm ein Ortsstatut betreffend die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe an, nach welchem vom 1. Januar 1908 ab Gehülfen, Lehrlinge und Arbeiter, soweit nicht bestimmte Ausnahmen zugelaffen sind, an Sonn- und Festtagen nicht im Handelsgewerbe beschäftigt werden dürfen und ein Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen an diesen Tagen nicht stattfinden darf. Homburg v. d. H. 6. Juni. Ter Kaiser trifft am 12. Juni hier ein. Die Meldung, daß an diesem Tage die feierliche Grundsteinlegung für das Offiziergenesungsheim stattfinden soll, ist unrichtig, da der Kaffer den Wunsch auSgedrückt hat, das Modell an diesem Tage im Schlöffe 311 besichtigen. Wahrscheinlich wird nun hierbei der Termin der Grundsteinlegung besprochen werden. Fkf. Ztg. Aie Totenfeier für den Sladtv. Kirch. Gießen, 7. Juni 1907. Zum letzten Male versammelte gestern nachmittag um 4 Uhr Jean Kirch Tausende nm sich, eine unübersehbare Schar seiner Mitbürger. Die Bewohnerschaft Gießens nahm Abschied von dem Verstorbenen. Und bann sahen wir, was sterblich an ihm war, von uns gehen. Und als wir von der Feierlichkeit kamen, die in ihrer Würde seiner Bedeutung für die Stadt entsprach, da empfanden wir erst so recht die volle Schwere des Verlustes .... Für den Umfang der eindrucksvollen Feierlichkeit war die ungewöhnliche Persönlichkeit des Heimgegangenen maßgebend. Man hat von Simson, dem einstigen Frankfurter Parlaments-, späteren Reichstags- und schließlichen ReichS- gerichtspräsidenten, gesagt, er sei „dec gebotene Präsident" gewesen. Etwas von dieser repräsentativen Art besaß auch Jean Kirch, der ausgezeichnete Leiter zahlreicher Gesellschaften und Versammlungen, der kluge und geschickte, zum Vermitteln und Ausgleichen sozialer und politischer Gegensätze, zum Ueberbrücken von StandeSdifferenzen, zum Präsidieren seinem ganzen Wesen nach berufener Volksmann. Und dem entsprechend war der Verlauf der ganzen gestrigen Trauerfeierlichkeit. Düster und grau hatte soeben noch der Himmel dreingeschaut und ein heftiger Regenguß unsere Straßen heim- gesucht, deren mangelhafte Beschaffenheit der Verstorbene so oft beklagt und zu deren Verbesserimg er selber nach Möglichkeit beigetragen hatte. Da tat die Sonne plötzlich, kurz vor der festgesetzten Feierstunde, einen neugierigen Blick hinter den Wolken hervor, und über die Dächer der Stadt gleitend senkte sie voll ihre Strahlen auf den alten Friedhof und über die große Trauerversammlung, die sich aus dem Inneren der Friedhofskapeüe weit über deren Tore hinaus ergoß. Dem nun vom Tagewerk, vom emsigen Schaffey am Wohle der Stadt allzu früh Ausruhenden bereitete der soeben erst ins Leben gerufene Gesangschor des Kaiser Wilhelm- Regiments unter Leitung des Musikdirektors Krauße die erste Huldigung. Aus 200 frischen Soldatenkehlen brauste der Sang des ergreifenden niederländischen Liedes: „Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten" und eine seltsame Weihe breitete sich über den Friedhof. Es war wohl die erste Meisterleistung des jungen ChoreS. Dann begann dringen an dem von einer unendlichen Blumenfülle bedeckten Sarge die Rede des Pfarrers Euler. Der Rede des Pfarrers lag das Wort 1. Cor. 13, 8, „Die Liebe höret nimmer auf" zu Grunde. Sie ging aus von dem jähen und erschütternden Ende des auf der Höhe des Lebens Dahingeschiedenen und zeigte, im Blick auf des Verstorbenen Lebensgang, seine Eigenart und Persönlichkeit, sein Familienleben und öffentliches Wirken — daS, was unS bleibt, wenn al,ch der Tod wieder uns raubt. Dann trat Oberbürgermeister Mecum an den Sarg und hielt folgende Ansprache: „Hochanschnliche Trauerverfammlung! Tas ernste, traurige Won, bas in ben letzten Tagen üöer die Schwelle eines jeden Hauses unserer Stabt gebrungen ist, bas Wort: Unser Kirch ist lot! es ist uns heute zum Rufe geworben, uns noch einmal um seine irbifche Hülle zu bereinigen, und mir als den Vertreter ber Körperschaft, bie am härtesten von diesem Verlust betroffen ist, liegt bie schwere Pflicht ob, ben Empfindungen, bie uns bewegen, einen bes Toten würdigen Ausdruck zu geben. Wenn ich mich aber frage: was klingt wohl aus dieser Versammlung als blas allen gemeinsame heraus? Da darf ich vor allem das eine dankbaren Herzens aussprechen: ber Mann ist es, der uns hier^ zusammengeführt hat, und nicht nur seine Stellung in dieser Stadt: dem abgeschlossenen Leben voll Hingebung und Treue, voll Geist und Kraft, voll ernster Arbeit und schöner Erfolge, ihm gilt unsere Teilnahme. Wir mögen berufen gewesen fein, mit ihm zu arbeiten oder in amtlichen ober geschäftlichen Verkehr mit ihm zu tteten oder als Freunde in seinem Hause zu wellen, ober von fernerem Standpunkre aus feine Tätigkeit im öffentlichen Leben zu beobachten, der Mann ist es imnur gewesen, der ben tiefen Eindruck auf uns gemacht hat, und ber Schmerz, am Sarge eines solchen Mannes stehen zu müssen, ist es, der uns hier vereinigt. Ich darf nicht den Versuch machen. Ihnen bie Züge dieses Mannes nochmals zum geistigen Bilde zusammenzufassen,- müßte ich doch fürchten, das Bild, wie es rein und klar vor Ihrer Seele steht, zu trüben; aber von dem, was er uns, was er unserer Stadr gewesen, davon heißt unser Tank uns reden, und de erinnere ich zunächst Sie, verehne und liebe Kollegen vom Stabworstand, des 8M7< 3 3% Portugiesen III Türken lose . . . . 139.00 92.50 96.60 Prince-Heun-Eiseubahn . 225.00 ISerliner .fiiörse, 7. Juni. Anfangskurse. D16/. 26.60 144.10 132.20 russ.StaatsanJ. 1905 4>S °/0 japan. Staatsanleihe 4% Couv. Türken von 1903 49.50 83.80 I Elektriz. Lahmeyer . . Elektriz. Schuckert . . Eschweiler Bergwerk . . 121.40 . 106.75 . 222.— 98.90 99 20 93.15 103.30 67.10 67.90 90.10 92.90 93.70 Berliner liandelsges Darmstädter Bank Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisen Lahn . Gotthard bahn . . Lombard. Eisenbahn Uesterr. Staats bahn . Harpener Bergwerk. Laurahütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . . i urkenlose . . 204.70 . 223.60 . 26.90 . 117.50 . 138.70 93.75 83.70 93.95 83.70 93.— 3 Canada E. B. . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . , Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz.: ruhig. 4% Uesterr. Goldrente. . 4l/69o Uesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . 4% Italien. Bento . . . 3% Portugiesen Serie I . Reichsanleihe do. Konsols . , do. . . Hessen Oberhessen Tie „Bert. Bülksztg." schreibt noch ohne Berechtigung: Trotzdem die Automobilruserei bei der Hcrkorncr-Fahrt schon mehrere Menschenleben gefordert Hal, gehl der mörderische Sport munter weiter. Nichts rührt sich. Kein Verbot erfolgt. Wenn bei jedem derartigen Rennen mit den Menschenleben nur so gespielt wird, dann erwächst für die Behörden die gebieterische Pflicht, dem Massenmorden ein jähes Ende zu bereiten! Sind die Landstraßen dazu da, daß deutsche Männer, Frauen und Kinder mir nichts oir nichts nieder oder totgefahren werden? Wir glauben nicht. Darum bleiben wir dabei, daß ungesäumt die behördliche Verfügung erfolgt: üerkomer-Fahrt — Schluß! 4% Griech. Monopol-Aul. 4% äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner 4>av/o Chinesen . . . Aktien: Bochum Guss .... Buderus E. W Tendenz: befestigt. * Stuttgart, 6. Juni. Tte Zweite Kammer hat heute einen Antrag des Zentrums, der mit Rücksicht auf die bet der .tzcrkomer-Wettfahrt^ dorgeloinmenen Unglüasfälle zunächst ein Verbot die > er Fahrr in Württemberg verlangte, in der allgemeinen Faftung eines Verbots von Wett- und Kvnkur- renzfahrtcn mit -id gegen 32 stimmen abgelehnt. Auch zwei Abänderungsantrage zu dem Zenrrumsantrag wurden mit großer Majorität abgelehnt. . 129.00 . 122.90 . 73.20 139.21 . 150.50 129.30 . 222.75 . 154.00 . 168.20 . 139.60 . 205.00 Telefonische Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank lilr Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse 7. Juni, 1.15 Uhr. Arveiterbervegurrg. Z n der in der B e r g a r b e 11 e r - D e w e g u n g des S a a r r e v i e r s wieder ausgestellten Forderung der zwangsweisen Einftchrung des JnstinilS der ArbeltertoulroUeure zur Untersuchung der Bane nuf ihre Sicherheit erfährt die Boss. Ztg., daß die preuß. Regierung einet1 gesetzlichen Regelung dieser Frage nicht zustnnmen wird. Eine allgemeine Gewährung dieser Rechte setze nach der Ansicht der maßgebenden Stellen ein gleichmäßiges, geistiges und soziales Niveaii der Bergarbeiter voraus, das tatsächlich nicht vorhanden ist. Bei den großen Unterschieden, ivelche in dieser Beziehung zwischen den Bergarbeitern des Ruhr- und Harzbezirkes gegenüber denen der oberschlestschen Gruben besteht, hält man die Zwangseinführung der Älrbenerkontrolleure nichc für angängig, zumal auch die Gefahr des Mißbrauches eines solchen Institutes zur politischen Agilation vorttegt. Tie Kriegerkameradschast Gießen hat sich wiederum um ihre umflorte Jahne versammelt, um ihrem langjährigen Ehren- mitgliede die letzte Ehre zu erweisen. Kamerad Kirch weilte gern in unserer Milte und hielt die Kameradschaft stets hoch Ich lege im Namen der Kriegerkameradschast Gießen diesen Kranz an seinem Sarge nieder. Wir werden dem Heimgegangenen ein ehrendes Andenken bewahren. Nach dem Vorsitzenden der Kriegerkameradschast nahm Oberst v. Lindenan das Wort und hielt folgende Ansprache: „Wie die alten Soldaten, so huldigen auch die jungen, den Manen des hier entschlafenen, echten deutschen Mannes aus tief bewegtem, dankerfülltem Herzen. Einen Kranz legt das Regiment an diesem Sarge nieder, wie es solchen sonst den eignen Söhnen weiht. Dem treuen vaterländischen Empfinden des hier Entschlafenen war des Vaterlandes Heer keine in sich abgeschlossene Kaste, sondern das Volk in Waffen, zu dem der Entschlafene allezeit gerne in Berührung trat, in dessen Mitte er gerne weilte und in dessen Kreisen auch er immer gerne gesehen war. Sein letztes Tun und Wirken galt den tapferen Söhnen dieses Heeres, die in Afrikas Erde ruhen. Der Fürsorge ihrer Himerbliebenen hatte er seine letzien Tage und seine letzte Kraft geweiht. Tiefer, unauslöschlicher Dank lebt darum in unseren Herzen. Gewiß, er war ein schlichter, einfacher Bürgersmann! Aber selten gute Eigenschaften schmückten ihn. Unter allen strahlte eine mächtiger als die anderen: die helle Freude an seinem deutschen Vatcrlande. Wie Ullrich von Hutten, so war cs auch ihm eine Lust, in diesem deutschen Lande zu leben. In froh- geinutetcm Sinn hat er fördernd und anregend unter uns ge- iriri't, wacker kämpfend für seine Ideale. Im Anklange an Ullrich von Huttens Wort möchte ich sagen: ,,Es war eine Lust, mit Dir zu schaffen, ruhe sanft Du echter deutscher Streiter!" Oberst Weimer aus 5iiöbn rief im Namen der Logenbrüder des südlichen Teiles der Provinz Oberhessen dem Verstorbenen ehrende Worte der Anerkennung und des Dankes nach. Herr Reiber sprach dann im Xiamen der Gießener Rudergesetlschaft, der derHeimgegangene seit seinem 25. Lebensjahre als treues und eifrigstes Mitglied angehört und die er 14 Jahre als Vorsitzender geleitet hat, und später noch einmal un Namen der Frankfurter Nudergesellschaft. Geheimrat Pros. Dr. Netto widmete namens des Eisvereins dem Toten einen letzten Schcidegrnß. Hauptlehrer Schaaf pries die Fürsorge des Verstorbenen für die Gießener VolkSschullehrer- jchaft. Und endlich sprach als Delegierter der Rudergeselljchast Fraulsurt-Sachsenhausen, der Redakteur des Frankfurter Organs des Bundes der Landwirte Flurer, ein paar Worte des Dankes an den Verstorbenen, der dem Sachsenhäuser Ruderverein in schweren Zeilen seine tatkräftige Unterstützung hat zuteil werden lassen. Alle diese Herren legten prächtige Kränze am Sarge nieder. Die schlichten und ergreifenden Worte der Sprecher mußten die gesamte Trauerversamnllung, in der wir alle Schichten der Bevölkerung versammelt sahen, Beauitenschaft, Bürgerschaft und Arbeiterschaft, Professorenschaft und Offizierskorps, zu herzlicher Rührung stimmen. Als dann der eichene Sarg mit dem Toten aus derHalle hinausgetragen wurde, da ordnete sich alsbald der Zug. Voran schritt die Kapelle des Kaiser Wilhelm-Regiments, an der Spitze Musikdirektor Krauße. Dann kam eine Deputation der Kriegerkameradschast mit ihrer Fahne. Dem Sarge folgten zunächst der Ober- bürgermeister und die Vertreter der Stadtverwaltung und das wohl nahezu vollzählige Stadtverordneten-Kollegium, die sonitigen Spitzen der Behörden und dann die vielhundert- köpsige Schar der Leidtragenden aus allen Ständen und Bevölkerungsklasseii der Stadt. Der Zug bewegte sich durch die Grünbergerstraße, Ludwigstraße unb Liebigstraße zum Bahnhof. Dort stand hinter dem Hotel Kühne, an steinerne Rampe ein nut frischem Waldesgrün geschmückter Eisenbahnwagen bereit zur Aufnahme des Sarges. Noch eine wehmutsvoll klingende Melodie, gespielt von der Regiinents- kapelle. Dann ivard der Sarg in den Wagen gehoben und schloß sich langsam vor den Augen der letzten Begleiter. Heute nachmittag findet die Einäscherung in Offenbach Itatt. Oberbürgermeister Mecum und drei Herren vom Nationallib. Verein, Kommerzienrat Em melius, Oberlehrer Dr. Krausmüller und Stadtverordneter Petri, werden auch dieser letzten Feierlichkeit beiwohnen. — Jean Kirch hat der Stadt Gießen das Charakterbild eines Mannes hinterlassen, der ein ganzer Alaun war und dem liberalen Bürgertum ein aufrechter und zielbewußter Führer. Gelsenkirchen Bergwerk . 192.20 Hamburg-Amerik. Paket!. 130.50 Harpener Bergwerk. . . 205.00 Laurahütte...... 223.60 hordd. Lloyd.....117.60' Obeisehles. Eisen-Industrie 105.— kcm bd5, was er unserem Kollegium lange Jahre hindurch gewesen -ist. Nachdem er schon vielfach im öffentlichen Leben sich betätigt unb zahlreiche Verdienste erworben hatte, übertrug ihm das Vertrauen seiner Mitbürger im Jahre 1895 das hohe Ehrenamt eines Stadtverordneten. Wie er als solcher stets für das Beste der Stadt und ihrer Bürger besorgt und tätig war, wie er seine reiche Lebenserfahrung und aussergewöhnliche Arbeitskraft in vollem Maße hierfür einsetzte, des sind >vir alle Zeugen. Immer licbens- ,würdig und zuvorkommend, lieh er jedem, auch dem geringsten seiner Mitbürger gern sein Ohr, und feinem versagte er feinen wertvollen Rat. Bei seiner Entschließung beharrte er nie bei । einer vorgefaßten Meinung, sondern er würdigte immer auch die !Gründe des Gegners, unb mehr als einmal sprach er aus, daß seine frühere Ansicht irrig gewesen und er sie demgemäß berichtigt habe. Es ist ganz natürlich, daß die Stadtvcrordneten-Versammluug Einem Manne von so hervorragenden Eigcnschafteit älsbald eine Reihe weiterer Ehrenämter übertrug. Er wurde Mitglied der /städtischen Vorschlagswinmisfion, der Finauzlommission, des Schul- iVorstandes, dec Deputation für den Arbeitsnachweis, der Ver- stehrskommission, der Theaterkoinmission und Vorsitzender Der städt. Pjerdemarktkommissiou. Was er in diesen Deputationen und Kvrn- Missionen geleistet hat, ist nur zum kleinsten Teil in weiterem Kreise bekannt und kann w:r von Denen recht gewürdigt werden, die hier mit ihm zusammen arbeiteten. Ganz besonders lag ihm am Herzen, das Ansehen unserer Stadt nach außen zu heben und ihre Verkehrsverhältnisse zu verbessern. Das betätigte sich in hervorragender Weise in Dem Aufschwung, den der städtische Dserdemarkt unter seiner Leitung nahm, in der Begründung und der Leitung des Omnibusunternehmens und £cn vielfachen Verhandlungen, Die er int Auftrage Der Bürgermeisterei wegen Auflage weiterer Eisenbahnen in unserer Provinz führte. Sein Sinn 'für gemeinnützige Veranstaltungen zeigte sich ferner in feiner Tätigkeit als Mitglied des Aussichtsrats der Bezirlsspa'rkasse uuo seinem lebhaften Interesse für das neue , Zimmer Nr. 2 bis 20. Juni 1907 entgegen. Gienen. 3. Juni 1907. . Tic Armcn-Tcvutatron der stadt Grcßen. Curschmann. Bekanntmachung. Betr.: Bcrgebung der Zinsen aus der Christian Gerhard $’G" ^Aus obiger Stiftung sind zehn Gabcnzu 19 Mk. dm an zehn bedürftige Familien bcziehungsweltc Wrtwcr oder ^ltwen zu vergeben. Anmeldungen und brs zum 20. xiunt bei dem Armenamt Neuen Baue 25, Zimmer Nr. 2 oorzubringen. Gießen, 3. c$unt 1907. • Tie Armen Tcputatron der Stadt Gießen.B6/» rÜSSBODEN-OELLACKFARBE JzFRAUE» garantirt blei- u. giftfrei Bester Fussbodenanstrich haltbar, hochglänzend, elegant, über Nacht trocknend. Alleinige Niederlage: 2762 Kreuz-Drogerie Emgel. Aldkilkrmkii Gießen Sonntag, den 9. Juni nachm. 2’/a I hr BesichtignngdesTüberkulose-lKnsenms unter Führung des Herrn Medizinalrat Dr. Haberkorn. Anschluß auch für Nickitmitglieder frei. v7/« PREIS I 1057 Statt besonderer Anzeige Giessen Uarburgerstrasse 13), den 7. Juni 1907. Für die trauernden Hinterbliebenen: Anna BrieB Die Beerdigung findet Sonntag, den 9. 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