Donnerstag 6. Juni 1907 Nr. 130 Zweites Blatt 157. Jahrgang Gießener Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. General-Anzeiger für Gderhesien » Redaktion, Expedition und Lruckereir Schul- ftraße 7. Expedition and Verlag i 61. Redaktion: e^IlL Test-Ad roAn»»ig«« letzen. Die „Siebener FamNienblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Der „hessische tanbtoirt” erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck und Verlag der vrühlfchen Universität! - Buch- und Vteindruckerei. 9L Bange, »tetzen. Vorlage — ein weiteres Entgegenkommen der Regierung sei ausgeschlossen — und die Mahnung zur Ruhe und zur sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit. Mtt Rücksicht auf die für die Seeleute so wenig günstige Lage hat sich der StrerkauSschuß, der den Namen „VerteidrgungsLmitce" führt, veranlaßt gesehen, nach allen Laien zu telegraphieren und die Ausständigen zur Wiederaufnahme Ler Arbeit aufzufmLern. Vorläufig hat dieses Einlenken aber kleinen großen Erfolg gehabt und die Geister, die man rief, wird man nun nicht mehr tos. Aus den Laupthafenplätzen Tarn die Antwort zurück, daß' man im Ausstand verharren wolle, bis die Forderung der Seeleute erfüllt sei. Tie in Paris roeifcnbcn Delegierten der Streikenden erhielten sofort die Weisung, die Verhcmdlungen abzubrechen: die Aussichten auf eine Einigung erscheinen daher im Augenblick sehr getrübt. Dazu konrmt noch, daß der Ausstand nach Mgier übergegriffen hat. Die Reeder haben die verschärfte Situation selber veranlaßt, weil sie der Negierung beizulpringen glaubten, in Wirklichkeit aber ihr in den Arm gefallen sind. Infolgedessen begegnen die Seeleute auch in solchen Kreisen großer Sympathien, die ihnen sonst vielleicht nicht zugefallen wären. Wäre die unkluge Laltung der Reeder nicht dazwischen gekommen, die in den Seeleuten die Befürchtung bestärkt hätte, daß sie, wenn sie erst einmal der Regierung entgegengevommen wären, auch später den von der Regierung unterstützten Reedern sich fugen müßten — so wäre auf eine baldige Beilegung des Streiks zu rechnen gewesen, da ja die Regierung grundsätzlich und tatsächlich ihr Entgegenkommen betätigt hatte und der Kernpunkt der Differenzen damit beseitigt war. lieber die Löhe der Pensionen hätte sich sicher reden lassen, und es fehlt in der Teputiertenkammer nicht an einflußreichen Leuten, die es sich angelegen hätte,: sein lassen, die Interessen der Seeleute zu vertreten. Jedenfalls scheinen die Ans- ständigen aber doch diesmal der Not gehorchen und der Klugheit besseren Teil erwählen zu wollen. Trotz der anfänglichen Standhaftigkeit beginnt der Streik abzuflauen, «ehr viel trägt bei den Seeleuten auch die Erwägung bei, daß sie sich in bie äußerste Gefahr bringen, wertvolle Vorrechte für immer zu verlieren und obendrein noch die geplante Erhöhung der Pensionen in Frage zu stellen. Unter solchen Umständen wird man es Der» stündlich finden, wenn dem provokatorischen Auftreten der Streikführer die große Masse der Seeleute auf die Dauer nicht Folge leisten sollte. Die Reeder aber sowohl wie die Regierung sollten sich heute schon gesagt sein lassen, daß selbst bei einem schleunigen Erlöichen des Streiks es sich für die Seeleute nur um einen Aufschub handeln kann. Der Einzug des neuen Regenten in Braunschweig. Braunschweig, 6. Juni. Der Sonderzug mit Herzog Johann Albrecht und Gemahlin traf um 2 Uhr im hiesigen Bahnhof ein. Eine Ehrenkompagnie des braunschw. Infanterie-Regiments hatte Aufstellung genommen. Unter Glockengeläut und dem Jubel der Bevölkerung erfolgte der feierliche Einzug in die Stadt. Der Wagen des Herzogspaars wurde von einer Abteilung des Husaren-Regiments Nr. 17 eskortiert. In den Straßen bildeten Vereine, Schulen und Truppen Spalier. Am Friedrich- Wilhelmsplatze hatten die Spitzen der städtischen Behörden und Ehrenjungfrauen Aufstellung genommen. Oberbürgermeister Netemeyer hielt eine Ansprache, in der er zunächst auf das Vertrauen hinwies, welches die Stadt dem Regenten entgegenbringe. In seiner Regierungsführung in Mecklenburg habe der Herzog erkennen lassen, welch hohes Pflichtgefühl ihn beseele und wie er die Aufgaben eines Herrschers darin erblickt habe, in selbstloser Hingabe, in treuer Pflichterfüllung dem Vaterlande zu dienen. Dabei habe der Herzog aber auch unzweideutig kundgetan, daß ihm auch das Wohl des Reiches am Herzen liege. Die gleichen Gefühle beseelten auch die Einwohner der Stadt, die zwar mit allen Fasern ihres Herzens an ihrer engeren Heimat und ihrer Vaterstadt hängen, darüber die Pflichten bcni Reiche gegenüber aber nicht vcrgessen. Redner schloß mit einem Hoch auf das Regentenpaar. Der Herzog dankte für die freundlichen Begrüßungsworte und den warmen Empfang in der Residenzstadt, die ihn und seine Gemahlin aufrichtig erfreut hätten. Hierauf bewegte sich der Zug nach dem Schlosse, wo zunächst der Empfang deS gesamten aktiven Hofstaates stattfand. Sodann wurden die Mitglieder des Staatsministeriums zur Vollziehung des Patents über den Regierungsantritt empfangen. Hierauf wurden die Mitglieder des Landtags vom HerzogS- paar begrüßt. Den Abschluß des heutigen Festtages bildete eine Vorstellung im Hoftheater. Die Stadt ist reich illuminiert. Die amtlichen „Braunschw. Anzeigen* veröffentlichen das Regierungsantriltspalent des Herzogs Johann 'Albrecht. Dasselbe Blatt veröffentlicht einen aus Anlaß deS heutigen Regierungsantritts deS Herzogs Johann Albrecht von letzterem bekannt gegebenen Amnestie-Erlaß. Danach wird allen denjenigen Personen, gegen welche bis zum heutigen Tage durch Urteil oder Strafbefehl eines braunschweigischen ZivilgenchtS oder durch Strafverfügung einer braunschweigischen Polizeibehörde oder gemäß § 459 der' Strafprozeßordnung durch eine Strafverfügung der braunschw. Verwaltungsbehörde wegen Uebertretungen auf Haft- oder Geldstrafen oder wegen Vergehen, auf die Freiheitsstrafen von nicht mehr als sechs Wochen ober auch Geldstrafen von nicht mehr als Mk. 150 erkannt worden ist, diese Strafen, soweit noch nicht vollstreckt, und die noch rückständigen Kosten erlaffen werden. politische Tage-scha«. Das Urteil im Prozeß Pöplau. In dem Prozeß gegen den ehemaligen Koloniat- beamten Pöplau ist zum ersten Male der „Arnim-Paragraph" des Strafgesetzbuches zur Anwendung gelangt. Der Angeklagte wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Eine harte Strafe für einen gebildeten Mann, doppelt hart für einen äußerst nervösen Menschen, der sich nach und nach in den Gedanken förmlich verrannt hat, ihm sei von der vorgesetzten Behörde das bitterste Unrecht geschehen. Doch er hat immerhin noch die Hoffnung, daß das Reichsgericht dem Revisionsantrag stattgibt und die Auslegung des Ai> nim-Paragraphen seitens d^s Gerichtshofes nicht als zutreffend ancriennt Was die Handlungsweise des Angeklagten betrifft, so liegt unzweifelhaft auf seiner Seite eine schwere Verletzung des Amtsgeheimnisses vor. Ob der Inhalt der von Pöplau in die Öffentlichkeit gebrachten Urkunden erheblich oder weniger erheblich war, kann bei der Beurteilung der Handlungen nicht ins Gewicht fallen. Jedenfalls war die Veröffentlichung geeignet, besonders durch die sensationelle Weise, die der Abg. Erzberger für die Verwertung des ihm überlassenen Materials wählte,, die Kolonialabteilung und die koloniale Sache überhaupt auf das unangenehmste zu diskreditieren. Gerade die Verbindung mit dem Abg. Erzberger ist, wie aus den Ur- teilsgründen hervorgeht, dem Angeklagten zum Verhängnis geworden. Das Gericht hat angenommen, daß der Angeklagte die Abschriften aus den Akten Kiem und Kannenberg — in dxm letzteren Fall handelt es sich um eine angeblich ungesetzlich erfolgte Pensionierung — dem Abg. Erzberger zugehen ließ, „um an anderen Beamten, von denen er glaubte, daß sie ihm hinderlich wären, Rache zu nehmen". Der Angeklagte hat während des ganzen Prozesses mit größter Entschiedenheit diesen Beweggrund in Abrede gestellt; es sei ihm nur darauf angekommen, das Seinige dazu zu tun, daß im Kolonialdienst begangenes Unrecht nicht ungesühnt bleibe. Es gibt solche Fanatiker des Rechts, die ihre Ueberzeugung bis zum äußersten verfechten auch in Angelegenheiten, die sie selbst nicht angehen. Nur kommt hier in Betracht, daß Pöplau insofern kein unbefangener Freund des Rechts war, als er einen erbitterten Kampf um Ansprüche an die Behörde führte, dieselbe Behörde, die durch die Preisgabe von Urkunden von ihm bloßgestellt wurde. Es hält unter diesen Umständen schwer, den Bruch der Amtsverschwiegenheit auf nichts als ideale und reine Motive zurücrzuführen. Deutsche» Reich. Berlin, 5. Juni. Ter Kaiser traf heute im Automobil in Töberitz ein und besichtigte das Garde-Kürassier-Regiment und das 3. Garde-Ulanen-Regiment. An die Besichtigung schloß sich eine Gefechtsaufgabe. — Tas Abgeordnetenhaus überwies heute den Gesetzentwurf betr. den erweiterten Grunderwerb am Rhein-Weser-Kanal der Budgetkommission und nahm den Antrag betr. Erweiterung des Kaiser-Wilhelm-Kanals in erster und zweiter Lesung an. Alsdann wurde in die Beratung eines Gesetzentwurfes wegen eines Nachtragsetats eingetreten, in welchem ca. 8 Millionen zu außerordentlichen Beihülfen für untere Beamte gefordert werden, und die erste Lesung erledigt. Oldenburg, 5. Juni. Im 3. oldenburgischen Reichstags- Wahlkreise, in dem infolge der Ernennung seines bisherigen Vertreters B u r l a g e zum Neichsgerichtsral eine Neuwahl zu erfolgen hat, wurde von der Organisation des bürgerlichen Mittel-, standes Psarrer Wöbken als Kandidat ausgestellt. Trier, 5. Juni. Tem katholischen Dechanten Schleier in Osann, Kreis Wittlich, der in einer Wahlrede den Oberpräsidenten Ter Streik der Seeleute. Von unserem Pariser Mitarbeiter. Wie ein Blitz aus heiterem Limmel ist über die französischen Handelsherren der Streik ihrer Matrosen gekommen. Erst aus den Zeitungen erhielten sie von der Tatsache Kenntnis, und als man sich den Brand betrachtete, da erschien er bereits so groß, daß er wichtige Interessen ernstlich zu gefährden drohte. Und dabei wendete.sich der Streik zunächst garnicht gegen die Arbeitgeber, die Reeder, sondern die Regierung, was in den besonderen Verhältnissen Der französischen Seeleute begründet erscheint. In Fransireich nämlich kann sich jeder, der das Matrosenoder Fischergewerbe treibt, in die Dienstrolle der Kriegsmarine eintragen lassen. Dadurch stellt er sich dieser vom 18. bis 50. Lebensjahre — abgesehen von der aktiven Dienstzeit — jederzeit zur Verfügung. Außerdem zahlen diese sogenannten „Jnserits maritimes" einen ziemlich beträchtlichen Jahresbeitrag — 5 Proz. ihrer Löhnung — für eine unter staatlicher Aufsicht und Verwaltung stehende Jnvalidenkasse. Für diese Leistungen genießen sie eine Reihe von Vergünstigungen: sie allein dürfen von den Reedern beschäftigt werden; die Fischer unter ihnen sind von der Gewerbesteuer befreit; gegen Krankheit und Unfälle sind sie versichert und nach 25jähr. Dienstzeit haben sie ein Anrecht auf eine Pension von 204 bis 780 Fr. Der Staat leistet seinerseits an die -HZensionskasse einen jährlichen Zuschuß. Die Streikenden verlangen nun eine erhebliche Aufbesserung der Pensionsbeträge. Dem steht aber die Leistungsfähigkeit der Pensionskasse entgegen. Da der Jahresbeitrag der Jnserits an sich hoch genug ist, so geht die Forderung dahin, daß die Regierung ihre Subvention erheblich vermehren müsse. Dies wird damit begründet, daß die Negierung in Zeiten der Not zu verschiedenen Malen der Kasse Beträge im Gesamtbeträge von gegen 350 Millionen für allgemeine Staatszwecke entnommen habe, ohne jemals au Rückerstattung oder Verzinsung zu denken. Es läßt sich schwer feststellen, wieweft die Jnserits mit diesen Schlußfolgerungen auf rechtlichem Boden stehen. Auf alle Fälle hat der Marineminister einen Gesetzentwurf eingebracht, der eine Erhöhung der Pensionen auf 360 bis 1000 Fr. — je nach dem Dienstalter — in Vorschlag bringt. Demgegenüber hat der Abg. Siegfried eine Erhöhung von 600 bis 1800 Fr. beantragt, und diesem Anträge möchten die Streikenden durch die jetzige „action birecte" zur Annahme verhelfen. Die Seeleute in Marseille haben die Streikparole ausgegeben, und sie ist mit überraschender Schnelligkeit und Einmütigkeit überall aufgenommen worden. Fast überall haben sich die Schiffsoffiziere ban Ausstand «amgAylofsen, und die Schifiahrtsgesell- schaften haben darauf $um Teil mit der sofortigen Entlassung geantwortet, wodurch ine Sage noch erheblich verschärft worden ist, zumal sich die Matrosen mit den Offizieren solidarisch erklärt haben. Natürlich bat der Ausstand die gröblichsten Störungen im Gefolge. Die Schiffe können zum größten Teil nicht auslaufen, and die vinkommenden werden meist sofort von der Mannschaft verlassen. Passagier-, Güter- und Postverkehr stocken, und der Lafendienst liegt still. In Le Havre wurden z. B. 2 Dampfer aufgehalten: 2400 Auswanderer harren hier der Abfahrt. Abgesehen von kleinen Tumulten ist aber noch nirgends die Ruhe gestört worden, sondern die Ausständigen bewahren überall eine anerkennenswerte Besonnenheit. Dem Drängen der Reeder hat nun die Regierung nachgegeben, Matrosen der Kriegsmarine zur Verfügung gestellt und so für Aufrechterhaltung des Verkehrs nach Möglichkeit zu sorgen gesucht. Auch den Postdienst hat die Kriegsmarine in die Lände genommen ; ebenso sind Marinetransportdampfer für den Passagierverkehr mobil gemacht worden. Jedenfalls hat es augenblicklich den Anschein, als ob es an Arbeitskräften nicht mangelt — wenn man geringfügigere Verkehrsstockungen nicht berücksichtigt. Aber die Reeder haben sich der Regierung gegenüber auch dankbar gezeigt. Als sie merkten, daß sich durch das Eingreifen der Behörden die Lage stark zu Ungunsten der Streikenden verschob, nahmen sie Veranlassung, gegen die Institution der Jnserits überhaupt Sturm zu laufen, um sich von dem Zwange inbezug auf die Rekrutierung ihrer Mannschaften zu befreien. Gelänge es ihnen, in dieser Beziehung eine Bresche in die Organisation der Matrosen zu schießen, so würde^dies für jene eine wirtschaftliche Schädigung bedeuten, gegen die ein etwaiger Erfolg in der Pensionsfrage mir wenig in die Wagschale fallen könnte. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Streikenden allmählich an fang en, Einkehr zu halten. Tie Ndarinekommission der Deputiertenkammer und der Ma- rineminifter empfingen eine Abordnung der ausständigen Seeleute, die um Abänderung und Erweiterung der Regierungsvorlage ersuchte. Beide Audienzen verliefen aber wenig glücklich für die Streikenden. Der Vorsitzende d.r MarineLommission machte der Abordnung keine Hoffnung, daß das Parlament eine Vorlage aw- nehmen würde, roelcfoe mit größeren Ausgaben als die Regierungsvorlage verbunden wäre, und erklärte rundweg, es sei Pflicht der Regierung, die Scehandelsbeziehungen und den Seeverkehr sicher zu stellen, da deren Aufhören Frankreichs Handel und Industrie der Gnade der auswärtigen Konkurrenten ausliefere. Tas Resultat der Audienz war ein gllattes „Nein" in Sachen der Pensions- Alerne» Feuilleton. — D i e „alte Wache" 5 u H a f i e I. Tein bevorstehenden Hoftheater-Neubau in Kassel lallt auch das Auetor mit seinen beiden 1782 errichteten Wachthäuschen zum Opfer. Mit diesen alten Gebäuden ist eine Erinnerung an Heinrich Heine verbunden. In seinem „Klagelied eines altdeutschen Jünglings", der bei Karten- und Würfelspiel um sein Geld gebracht wurde, heißt es nämlich: Und als sie mich besoffen gemacht Und meine Kleider zerrissen, Da ward ich armer Jüngling Zur Tür hinausgeschmiffen. Und als ich des Morgens früh erwacht, Wie mund'r ich mich über die Sache! Da saß ich armer Jüngling Zu Kassel auf der Wache. — Wilhelm Busch und Ern st v. Possart. Ernst v. Possart, der frühere Münchener Hoftheater-Jntendant, hat jüngst zur Nachfeier des 75. Geburtssesles unseres großen Humoristen Wilhelm Busch einen Busch-Abend veranstaltet und dazu den 9)1 elfter eingeladen, der aber in einem humorvollen, liebenswürdigen Gedicht mit einem Lob auf München seiner Gesundheit halber dankend ablehnte, v. Possart, der den Ertrag des Abends für wohltätige Zwecke bestimmte, hat auch des Dichters nicht vergeffen und diesem in origineller Form seine Grüße erwidert. Er tat es, indem er ihm eine Sendung Hoibräuhaus-Bock in Flaschen in seine Heide- Einsamkeit sandte, begleitet von nachstehendem Gedicht, das auf die Zeit anspielt, da Possart in München selbst mit Busch zusammen fröhliche Stunden verbrachte. Die Verse lauten, der „Münch. Allg. Ztg." zufolge: „Was leg' ich für Dein freundlich warmes Grüßen Dir, weiser Weltentsagender, zu Füßen? Wär' ich ein Fürst... ? Doch Ehren, Orden, Titel Sind Dir ein überwundenes Kapitel, Du sitzest in der traulich stillen Klausen — „Wer einsam ist, hals gut" — froh zu Mechtshausen, Blickst in die sprossende Natur: „Ei, ei, Der Mai ist da — der liebe, schöne Mai." Wir feiern, teurer Meister, ihn auch hier, Und Mai-Bock fließt; ich bitte Dich, probier' I Von vielem Schönen, was die Mönchesladt An rühmenswerten Kunstprodukteii hat. Ist dieser Labetrank für alle Seelen — Du kennst die Bock-Kur — höchlichst zu empfehlen; Er macht die wandermüden Füße jung, Er weckt das letzte Glück: Erinnerung! So hol' aus Deinem Harzer Paradieschen ’n Handvoll selbstgezogener Radieschen, Und kiigeln lustig sie auf Deinem Teller, Dann denk', Du sitzest jetzt im Hofbräukeller. Ich trink' Dir zu wie Anno daztimal Und rufe durch den lärmerfüllten Saal: „He, Bock-Musik, spiel' anf^ Und einen Tusch Für unfern großen Meister Wilhelm Busch!" — AusBriefenvonBerlioz. Man weiß, daß zwischen Hektor B e rlio z und Liszt «.ine enge Freundschaft bestand. In der „Neuen Rundschau" (Juniheft) werden nun mehrere Briefe des französischen Meisters an seinen Weimarer Kollegen ver- öfsentlicht. „Unlängst sprach ich," heißt es in einem Briefe, „mit einer für die Größen der Kunst begeisterten Dame viel von Tir. „O, Liszt.'", jagte sie, „ich liebe Liszt dermaßen, daß, wenn ich die Wahl zwischen einer guten italienischen Oper und einer musikalischen Soiree von Liszt hätte, ich mich, glaube ich, ohne Zögern für Liszt entschiede." TaS erinnert mich an eine Pariser Posse, darin Bouffe die Rolle eines zum Tode verurteilten Buckligen spielte, dem inan Der seiner Hinrichtung die Erfüllung der von ihm zu äußernden Wünsche zusagte. „Geben Sie mir eine Melone", bat Pep Leihe bucklige Mann, — „Aber, es gibt jq im Winter feine Melonen." — „Es gibt feine Melonen? Nun gut, so bringen Sie mir Walter Scott! Ja, wirklich, reiflich erwogen ist mir Walter Scott lieber!" In einem anderen Briefe erkundigt sich Berlioz nach Liszt Töchtern. Eine ist bekanntlich an den früheren Minister Lllivier verheiratet worden, die andere ist Richard Wagners Witwe. „Ich wüßte gern," schreibt Berlioz, „ob Tu Deine Töchter bei Tir in Weimar hast. Alle beide sind nach jeder Richtung hin reich begabt. Ich kenne sie erst seit einem Jahre. Vor einigen Wochen brachte ich mit der älteren und ihrem Gatten einen Abend bei Wagner zu. Madame Ollivier spricht von ihrem Vater stets mit einer zärtlichen Bewunderung, die alle entzückt, die Zeugen dessen sind. Ihre Schwester habe ich nicht so oft gesehen; doch scheint sie mir eine Persönlichkeit von seltener Vornehmheit, und ihre Verehrung für Dich offenbart sich in jedem -ihrer Worte." — Vier Millionen für eine Kunstsammlung. Wieder nimmt, wie der „Frs. Ztg." aus Newyork gemeldet wird, eine große europ. Kunstsammlung ihren Weg über den Ozean. Pier- pont Morgan, der schon so viele Kunstschätze nach Amerika entführte^ hat jetzt die Höntschel-Sammlung von Bildl^ruerarbeiten, Schnitzereien und Möbel, die als eine der interessantesten kunstgewerb^ lichen Sammlungen der Welt gilt, für eine Million Dollar er-, worben. Obwohl die Ausfuhr von Kunstioerken aus Frankreich nicht wie in Italien verboten ist, wurden die Verhandlungen doch völlig geheimgehalten, da man eine Intervention der französischen Regierung befürchtete; jetzt ist aber bereits die letzte Sendung der kostbaren Werke auf dem Wege nach den Vereinigten Staaten. Ncorgan will einen großen Teil dem „Metropolitan Museum of Art" überweisen, das dadurch eine außerordentliche Bereicherung erfahren wird. Tie Sammlung ist von größtem hiswrischen Werte. Shanghai, 3. Juni. Im Beisein von den Konsulatsver- tretem, den Proiessoren Dubois, Raymond und Schindler eröffnete Sanitätsrat Plautun die Vorschule der deutsch- chinesischen M e d i z i n s ch u l e. Tie Schule zahlt swanzig chinesische Schüler. vo« S^nckenier mit einer Reblaus" verglichen hatte, wurde die Ortsschnlinspektivn entzogen. Tas Gleiche war vorher schon vier katholischen Geistlichen im selben Bezirke wegen ihrer Wahlagitation geschehen. Iie englischen Journalisten am Mein. Rüdes'heim, 5. Juni. Die englischen Journalisten trafen heute vormittag hier ekn und wurden am Bahnhof von den Vertretern der Stadt Rüdesheim und Mitgliedern des Kölner Empfangskomitees begrüßt. Der offizielle Empfang fand in der Rheinhalle unter Darreichung eines Ehrentrunkes statt, wobei die ältesten Rüdesheimer Weine kredenzt wurden. Bürgermeister Alberti betonte, Rüdesheim habe sein Bestes geboten, näm- lich seinen Wein. Derselbe wachse am Hange des Niederwaldes, dessen Abhang das Friedensdenkmal trage. Mr. Wilson erwiderte mit Worten des Dankes und unter Bewunderung des köstlichen Weins und des herrlichen Flusses. Den englischen Gästen wurde ein Erinnerungsblatt mit einem Gedicht auf Rüdesheim von dem verstorbenen Rhein- landpoeten Emil Rittershaus! überreicht. Um 11 Uhr 50 Min. «rsolgte die Weiterfahrt auf einem Extradampfer nach Köln. Köln a. Rh., 5. Juni. Die englischen Journalisten trafen um 6 Uhr 20 Min. mit Kem festlich geschmückten Salondampser „Ernst Ludwig" hierein. Zu Beginn der Fahrt hielt Stadtv. Dr. v. Mallinckrodt- Köln eine Begrüßungsansprache. Im Minen der Engländer dankte Wilson und sagte, nachdem sie die User des Rheines gesehen, begriffen sie wohl, daß dieser (Strom eines Kampfes wert gehalten wurde. An Bord des Dampfers herrschte die fröhlichste Stimmung, zu der besonders der gemeinsame Gesang des Loreleyliedes und der „Wacht am Rhein" beitrug. Kürz nach 1 Uhr begann das von der Kölner Derlagsansralt veranstaltete Gabelfrühstück, in dessen Verlaus D-r. Heimann-Köln, Direktor der Kölner Ver- lagsanstalt und Truckerei-Aktiengesellschaft, eine Ansprache hielt. Namens der Engländer sprach Kurd in deutscher Sprache den herzlichsten Dank aus. Seine Gefährten, sagte der Redner launig, hatten durch das heutige Hochlebenlassen und durch das Singen von: „Fvr hi is a good fellow" ihre Stimmen verloren, .aber was tue dps, sie hätten ja aud) ihre Herzen verloren. Am Deutschen Eck, hoch oben, auf der um das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms führenden Galerie, hatte eine Regimentskapellc Platz gefunden. Heute abend begann ein Festessen zu Ehren der englischen Journalisten mit dem Vorttag der Tannhäuser-Ouverture unter Leitung des Generalmusikdirektors Steinbach. Nach Beendigung des Konzertes trug der Kölner Männer-Gesangverein einige Chöre vor. Nach dem ersten Gang sprach der Beigeordnete Farwick. Tie Orgel intonierte danach die Nationalhymne, die die Verjamm- luug stehend mitsang. Hierauf sprach Mr. Shorterin in deutscher Sprache. Es sprachen noch Chefredakteur Posse von der „Köln. Ztg.", Christians und viele andere. Neues aus Rußland. Die zweite Tochter des Zarenpaares, D a t i a n a, ist in Peterhof an D i p h t h e r i t i s erkrankt. Die Zarin verbleibt bei ihr, der Zar ist mit den anderen Kindern nach Ferm-Pavillon übergesiedelt. In den Wandelgängen der Rcichsduma wird die Auflösung d e r D u m a als prinzipiell beschlossen hingestellt, obwohl diese von den amtlichen Stellen widersprochen wird. Man betrachtet die Entscheidung darüber als eine Frage der allernächsten Zeit, wenn auch jetzt die eigentliche Veranlassung dazu fehle. Die Einberufung der neuen Duma wird voraussichtlich nächstes Frühjahr stattfinden. Aus Anlaß der Aeußerung des Zaren bei dem letzten Empfange des Dumapräsidenten, daß die Duma saumselig arbeite, erschien am 5. Juni Golowin zum ersten Male persönlich bei verschiedenen Kommissionssitzungen, um die Mitglieder zu eifrigem Arbeiten anzufeuern. Beispiels- weies teilte er der Kommission, die das Gesetz über die Unantastbarkeit der Person ausarbeitet, mit, dies Gesetz müsse unbedingt bis Montag fertig sein. In Petersburg drangen drei Räuber in ein Postamt und beraubten die Postkasse um 1000 Rubel. Ein s-ßoft> beamter, der sich zur Wehr setzte, wurde tödlich verletzt. Ausland. London, 5. Juni. Nach einer Meldung aus Hongkong wurde der amerikanische Methodisten -Missionar P o l l a r d in Chottungfu von einem Chinesen mißhandelt und durch einen Stich in die Lunge verwundet. Die Missionare aus dem Distritten von Swatow und Pakhoi eilen nach Hongkong. Sie loben die chinesischen Beamten, die dem Bauern-Auf st and zu widerstehen suchen. Paris, 5. Juni. Die Deputierten Staeg und Puech beabsichtigen, einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den der Einfuhrzoll auf Getreide und Mehl aufgehoben wird. Es soll hierdurch der drohenden Brotnot abgeholfen werden. Brüssel, 5. Juni. Die Session des in ter n atio n a l en kolonialen Instituts wird hier am 17. Juni vom Minister des Auswärttgen eröffnet werden. Staatssekretär Dernburg wurde zum wirklichen Mitgliede gewählt Luxemberg, 5. Juni. Graf Georg Nikolaus Merenberg, der Sohn des verstorbenen Prinzen Nikolaus von Nassau aus Hessen morganat. Ehe mit der Gräfin Merenberg, geb. Puschkin, hat, wie der „Rheinische Kurier" meldet, gegen den der luxemburgischen Kammer vorgelegten Gesetzentwurf betreffend die Erbfolge im Großherzo gtum Luxemburg ,Protest bei dem luxemb. Staatsministerium und bei dem Präsidenten der luxemburgischen Kammer eingelegt und seine Ansprüche auf die Thronfolge geltend gemacht. . Wien, 5. Juni. Die D eutschradika len (früher Alldeutschen) werden unter Aufrechterhaltung des engeren Klubverbandes ui der gestern gegründeten deutschnationalen Verband eintreten. Die Automobil-Wettfahrt um den Herkomer-Wander- preis begann am Mittwoch in Dresden in Gegenwart des Königs Friedrich August. Die Abfahrt der Wagen, die in bestimmten Zeitabständcn fuhren, war um 7 Uhr 36 Minuten beendigt. Im ganzen starteten 161 Automobile. Die zurückgewiesenen Wagen fahren nicht außer Konkurrenz, sondern mit 40 Kilogramm Belastung. Als erster startete Baron de Türckheim mit feinem großen de Dietrich-Wagen, während der vorjährige Sieger, Tr. Stoß, den Beschluß bildete. In Leipzig trafen die ersten Wagen um 9 Uhr 50 Minuten ein. Die Polizei hatte keinerlei Vorbereitungen zur Absperrung getroffen. Auf diese Weise hat einer der ersten Wagen emen M a n n ü b e r f a h r e n. Wagen 20 von Ernst Sachs- Schweinfurt fuhr gegen ein Haus und zertrümmerte. Der Bianchi-Wagen von Friedrich Sctiön-Charlottenburg (Nr. 39) erlitt einen doppelten A a) j e n b r u ch. Frau Dr. Sternberg-Grünewald überfuhr in Freiberg einen Arbeiter, der einen Hund retten wollte. Ter Verletzte trug sehr schwere Rückgratverletzungen davon, so dan er kaum am Leben erhalten wird. Tann fuhr Frau Tr Sternberg gegen eine Villa; ihr Wagen wurde kampfunfähig. Oskar Büchel-Gotha, dessen Wagen die Nr. 131 führt, überfuhr ein Kind. In Gößnitz ist ein Mädchen vom Wagen Nr. 138 der Herkomerfahrt erfaßt und eine Strecke mi-geichleifc woroer- jodaß es. eine erhebliche VerleLuna an der rechten Schulter erlitt. In Altenburg wurde ein Schulmädchen bei Seite geschleudert und leicht verletzt. Ein Teilnehmer stürzte kurz vor Erfurt aus dem Automobil und zog sich eine schwereVerletzungzu. Er wurde in das Erfurter Krankenhaus gebracht. Ein anderer Insasse eines anderen Automobils erlitt eine Verletzung an der Stirn infolge eines leichten Zusammenstoßes. Automobil Nr. 52 hatte einen leichten Zusammenstoß mit einem Wagen der elektrischen Straßenbahn. Nach Vornahme einer Reparatur konnte das Automobil die Fahrt fortsetzen. In Gotha wurde ein 10 jähr. Knabe beim Ueberschreiten oer Straße von einem Automobil überfahren. Das Kind erlitt einen Beinbruch. Ein anderes Automobil fuhr gegen einen Baum uitb wurde stark beschädigt. Bei Eisenach rannte der Wagen Nr. 75 des Leutnants Fritsche-Flensburg beim Ueberholen gegen den Wagen 139. Ein Insasse des letzteren erlitt einen Knöchelbruch, der Kontrolleur eine Stirnwunde. Der Wagen Nr. 1 des Barons de Türckheim geriet in B r a n d, der jedoch gelöscht wurde. Aus Stadt und Land. Gießen, 6. Juni. • • Geheimrat Köstlin -j-. Soeben geht uns aus Stuttgart die Trauerkunde zu, daß am 5. Juni Geh. Kirchenrat Köstlin, früher Professor der Theologie in Gießen, Ehrenvorsitzender der evangelischen Kirchengesangvercine für Deutschland, 1870 Feldprediger der 2. württemb. Feldbrigade, im Alter von 60 Jahren in Cannstadt gestorben ist. Die ganze theologische Welt wird diese Nachricht mit herzlicher Trauer entgegennehmen. Gehörte doch Köstlin zu den seltenen johanneischen Geistern, dessen tief einpfindsames Herz ganz erfüllt war von der köstlichsten Blüte des Menschengeschlechts, der Liebe zu den -Mitmenschen. Eine Art Nathanael ist in ihm dahingegangen, ein Mann von reichstem Wissen und eifrigstem Schaffen im Dienste der christlichen Kultur, ein Mann gleich verdient und hoch bedeutend als Seelsorger wie als Gelehrter, als Prediger wie als Lehrer. Geboren 4. September 1846 in Tübingen als Sohn des hervorragenden Juristen und Novellendichters Ehr. Neinhold Köstlin, studierte er 1864 bis 1868 Philosophie und Theologie zu Tübingen und promovierte zum Dr. philos. in Tübingen im Jahre 1876. 1868—1869 war er Pfarrvikar in Weilheim bei Tübingen, 1869 bis 1870 (Juli) Erzieher bei dem würitembergischen Gesandten in Paris, nachmaligen Minister des Auswärtigen, Baron von Wächter-Laudenbach. An dem Kriege 1870/71 nahm er, wie gesagt, als Feldprediger der K. württ. 2. Feld- brigade (Startloff) teil, machte die Gefechte von Wörth, Sedan, Mont-Musly mit und erhielt das Eiserne Kreuz 2. Kl. am weißen Bande. 1871—1873 war er Repetent am theologischen Seminar in Tübingen (Repetitorium über Logik, Geschichte der Religionen, Dogmatik und Dogmengeschichte. Vorlesung über Geschichte der Musik). 1873—1875 wirkte er als Diäconus in Sulz a.N., 1875—1878Pfarrer in Maulbronn,1878 bis 1881 Pfarrer zu Friedrichshafen, 1881—1883 Pfarrer in Stuttgart. 1886 wurde er zum D. theol. honoris causa von der theologischen Fakultät der Universität Gießen ernannt. 1883—1891 war er ordentlicher Professor der Theologie zu Friedberg i. H. und Pfarrer daselbst, 1891—1895 Oberkonsistorialrat in Darmstadt und Superintendent der Provinz Starkenburg. 1888 erhielt er seine Berufung als ordentlicher Professor an die Universität Greifswald, ebenso 1892 an die Landes - Universität, welche er beide abzulehnen durch amtliche Verhältnisse genötigt war. 1871 wurde er Ritter 1. Klasse des Württembergischen Friedrichs-Ordens, 1888 Ritter 1. Klasse de§ Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Durch Dekret vom 10. April 1895 mit Wirkung vom 1. Oktober 1895 wurde er zum ordentlichen Professor in der theologischen Fakultät der Landesuniversität ernannt für die Lehrfächer der praktischen Theologie und Pädagogik. Am 1. Oktober 1895 wurde ihm der Charakter als Geh. Kirchenrat verliehen. Durch Großh. Dekret vom 29. Dezember 1900 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1901 in den Ruhestand versetzt. Gleichzeitig wurde ihm das Ehrenkceuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Im Herbst 1901 verzog er nach Darmstadt, im Herbst 1904 nach Cannstadt. Unter seinen Schriften fanden weitere Verbreitung und hohe Anerkennung eine „Geschichte der Musik", „Die Tonkunst", eine „Geschichte des christl. Gottesdienstes" und „Die Lehre von der Seelsorge nach evangel. Gottesdienste." Sein Andenken wird in weitesten Kreisen Hessens wie des ganzen deutschen Reiches als das eines des hervorragendsten Theologen unserer Zeit stets in höchsten Ehren gehalten werden. * * Einberufung znr Kriegsakademie. Zur Teilnahme an der am 1. Oktober beginnenden untersten Lehrstufe der Kriegsakademie in Berlin sind von der 25. Division die Leutnants Mattel und Hilgers des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 in Gießen und Frhr. v. Fritsch des Großh. Artillerielorps in Darmstadt einberufen. * * Wegen Vergeh en s gegen § 183 des Reichs-Strafgesetzes wurde heute vormittag ein hiesiger Fabrikarbeiter in Untersuchungshaft genommen. * * Der Schneider Adam Bayer bittet uns um nachstehende Veröffentlichung: Durch das zufällige Zusammentreffen des Vornamens und des Anfangsbuchstabens des Familiennamens, bin ich schon von mehreren Bekannten für den, in dein gestrigen Strafkammerbericht genannten, verheirateten Schneider Adam B. gehalten worden. Dagegen lege ich Verwahrung ein. Ter bestrafte Adam B. ist ein anderer. Mich als geborenen Gießener kennen viele; ob das bei dem genannten Adam B. der Fall ist, fragt sich, da derselbe meines Wissens nicht von ^l)ier ist. Dieses hiermit zur Erklärung. Wir geben dieses Schreiben mit dem Bemerken wieder, daß dec verurteilte Schneider Adam Becker heißt. - k- Lollar, 6. Juni. Alle Reisenden, welche auf dec Strecke Lollar—Gießen die 3. Klasse auf Monatskarte benutzen, wird es interessieren, zu erfahren, daß die Karte dieser Klasse monatlich 6 Mk. 20 Pfg., dieselbe Karte aber, in Gießen gelöst, Gießen—Lollar 5 Mk. 60 Pfg. kostet I Da man nun wohl sicher annehmen darf, daß die Entfernung Lollar—Gießen nicht größer ist als die Gießen—Lollar, so ist es unklar, weshalb dieser Preisunterschied besteht. Büdingen, 6. Juni. In Gelnhaar, einer kleinen, an den südlichen Abhängen des Vogelsberges gelegenen Gemeinde, ist infolge ungenügenden Zustandes des seitherigen, über 200 Jahre alten Pfarrhauses die Erbauung eines neuen Pfarrhauses dringend notwendig geworden. Tie baupflichtige bürgerliche Gemeinde Gelnhaar bat sich debalb entlcblotten, gemeinschaftlich mit der KiiüiL= gemeinde Bergheim ein neues Pfarrhaus zu erbauen, welcheA jetzt vollendet ist. Die bezüglich einer Unterstützung hier allein in Betracht kommende Gemeinde Gelnhaar hat herkömmlich zwei Drittel der zu 15 000 Mark veranschlagt gewesenen Kosten, also 10 000 Mark zu tragen, eine Summe, welche die 544 Einwohner zählende, meist aus kleinen Landwirten, Wald- und Fabrikarbeitern bestehende rein evangelische Gemeinde, da gänzlich unvermögend, ohne kräftige Unterstützung allein aufzubringen nicht imstande ist. Sie hat sich deshalb nur in der sicheren Erwartung namhafter Unterstützung zum Bau und, dadurch veranlaßt, zur Ueber- nahme einer so großen Schuldenlast entschlossen. Wtznn auch aus dem kirchlichen Dispositionsfonds schon eine größere Beihilfe gewährt wurde, so ist doch weitere Hilfe dringend erforderlich. Der dahin gehenden Bitte des Ortsvorstandes entsprechend, haben deshalb S. K. H. der Großherzog zu genehmigen geruht, daß für die Gemeinde Gelnhaar für deren Pfarrhausbau im Laufe dieses Jahres in Ken evangelischen Kirchen des Landes eine Beckenkollekte erhoben werde. (a.) Lauterbach, 5. Juni. Der beim Aufschlagen eines Neubaues in Blitzenrod abgestürzte Zimmermann Rinninsland von hier ist heute infolge der Verletzungen g e st o r b e n. Dem Bedauernswerten war das Rückgrat gebrochen. Er hinterläßt eine Witwe mit zwei unversorgten Kindern. D a r m st a d t, 6. Juni. Vom 3. bis 7. Juli findet hier das große Preisschießen des Schießvereins deutscher Jäger statt. Dieser 1899 gegründete Verein erblickt fein Ziel in der Förderung der jagdlichen Schießen, weshalb er hierfür Regeln aufgestellt hat, die einem jeden Weidmann, der die Sck)ußwaffe im Revier mit einiger Sicherheit zu führen weiß, eine erfolgreiche Teilnahme an seinen Wettbewerben ermöglichen. Die früheren Schießen wurden in Neumannswaloe bei Neudamm abgehalten; heuer nun ruft der überaus rührige „Hessische Jagd- Klub", die größte Ortsgruppe des Schießvereins, die deutschen Weidgenossen nach Darmstadt, wo trefflich ein« gerichtete, modernen Forderungen entsprechende Schießstände vorhanden und die Vorbereitungen zu diesem Jägerfest in vollem Gange sind. H Offenbach, 6. Juni. (Tel.) Gestern abend um 11 Uhr explodierte in den Farbwerken zu Mühlheim am Main ein Oelfiltrierkessel. Der Arbeiter N. W. Semmel fand dabei seinen Tod. Das ganze Gebäude wurde zerstört und die Nachbargebäude vielfach beschädigt, Dächer abgedeckt, Fensterscheiben zertrümmert re. Frankfurt a. M., 5. Juni. Heute früh ereignete sich, wie der „Fr. G.-Anz.„ meldet, an der Saalburg bei dem Training zum Kaiserpreisrennen abermals ein Unfall Der Benzwagen 7 B, Führer Spam, fuhr bei der Station der Saalburgbahn die steile Böschung hinunter und überschlug sich. Der Führer wurde hinaus geschleudert, erlitt jedoch glücklicherweise nur leichte Verletzungen. Der Wagen wurde stark beschädigt. — Der Rennwagen 42 C geriet bei der Kurve in Oberursel aus der Bahn und wurde gegen eine Gartenumzäunung geschleudert. Der Wagen wurde beschädigt, die Insassen blieben unverletzt. Frankfurt a.M., 5. Juni. Dem Eibenbaum hatte sich gestern auf seiner Wanderschaft nach dem Westen ein Hindernis in den Weg gestellt. In der Wolfsgangstraße, wo der Baum jetzt angelangt ist, hinderten die großen Bäume in den Gärten den Weitertransport. Nachdem die Aeste fest- gebunden waren, konnte die Eibe ungehindert ihren Weg fortsetzen. — Einem Aufseher des hiesigen Untersuchungsgefängnisses entsprang bei der Vorführung der wegen Betruges in Haft befindliche Kaufmann Otto Kleemann. Der Durchgänger sollte in den nächsten Tagen nach Amerika ausgeliefert werden. r. Kinzenbach, 5. Juni. Nur noch wenige Wochen und auch hier steht die neue Schule vollendet da. Der Gesamtstächeninhalt des Baugeländes beträgt 24,24 Ar. EZ wurden 7150,80 Mark für den Platz bezahlt. Das neue Schulhaus nimmt sich stattlich in unserer schönen Bahnhof, straße aus. Es ist für zwei Klassen und eine Lehrerwohnung eingerichtet und kann wohl bis zum 1. August bezogen werden. (?) Launsbach, 6. Juni. Zu der am Sonntag den 16. Juni stattsindenden Bundesturnfahrt des Turnerbundes Lahn-Dünsberg nach Wißmac haben sich 81 Wett- turnet angemeldet. Es wird dort Stemmen, einarmiges Steinstoßen, Freihoch- und Weitspringen geben. § Marburg, 5. Juni. Im Restaurant Seebode wurde heute dec Verbandstag des Raiffeisen-Vereins des Kreises Marburg abgehalten. Demselben gehören jetzt 21 Vereine mit 1860 Mitgliedern an, der Geschäftsumsatz belief sich in 1906 auf 2 668 000 Mark. Nachdem mehrere Herren Verträge gehalten, fand ein Antrag Annahme, den Hauptverband zu ersuchen, hier in Marburg, als Mittelpunkt der hessischen Nationaltrachten, eine ländliche Haushaltungsschule ins Leben zu rufen. — Eine Abordnung der sämtlichen preußischen Landwirt sch aftS- kainmern besichtigte heute die Behringschen Institute. — Die Verlegung der landwirtschaftlichen Versuchsstation von hier nach Cassel gilt jetzt als beschlossene Sache. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Tie Ernennung des Landrats v. Heim- bur g--B ie d e n köpf zum Landrar des Landkreises Wiesbaden ist soeben erfolgt. Mit der Wahrnehmung der Landratsgeschäfte in Biedenkopf wurde Regierungsassessor Daniels-Kassel beauftragt. — In Friedberg fand dieser Tage die Einführung des neuberufenen Professors Tr. Karl Schoell aus Stuttgart statt. — Ter Groß Herzog hat dem Polizeidiener Johann Adam Bechtold zu Nieder-Wöllstadt das Allg. Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für 50 jährige treue Dienste" verliehen. — Ter Ortsvorstand von Nidda beabsichtigt, mit dem voraussichtlich am 2. September stattfindenden Herbstmarkte eine Verlosung von Vieh, landwirtschaftlichen Geräten und sonstigen Gebrauchsgegen- ständen zu verbinden, um die Mittel zur Prämiierung des aus den Markt gebrachten Viehs zu gewinnen. Tas Großh. Ministerium hat die Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 800 Lose aus- gegeben werden dürfen und mindestens 60 Prozent des Bruttoerlöses aus dem Verkanse der Lose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich wurde der Vecttieb der Lose in der Provinz Oberhessen gestattet. VerrnischteA. * EinPrinzin Konkurs. Wie holländische Zeitungen bekannt geben, hat das Gericht im Haag über das Vermögen des Prinzen Eberweyn zu Bensheini-Steinfurt, in Ous- Wasfenaar wohnhaft, den Konkurs verhängt und sein ganzes bewegliches und unbewegliches Eigentum gepfändet. Prinz Eber- weyn hatte auf olle seine Rechte verzichtet, als er im Herbst des vorigen Jahres in London eine Liebesheirat mit Fräulein Lilli i'-annmfelb aus Godesberg einging. n^at A N SS ada Stande O Sss» s L i)4 " ? M-LzK ^dei (ho'j, taJS**E e» Weä in "----niol, Ä» ^°rdasL mit fttoex unber, Mfinbet hier ^leBberein§ grunbete Verein ??*6en, i 'S"".* ,er Mit einiger Teilnahme an *"Lchn°°n hessische Jagd- ereins, die deut, o trefflich ein! ."deEchießstänbe bielem Jägerfest 'siem abend um en zu Mühl, - Arbeiter N. W. ganze Gebäude >elfach beschädigt, :t rc. til) ereignete sich, -aalburg bei dem cmaltz einUn. m, fuhr bei der ung hinunter und geschleudert, erlitt en. Ter Wagen 142 L geriet bei nd wurde gegen Wagen wurde be- ibenbaum hatte dem Westen ein Wo/fSgangstraße, ’e großen Säumt l btt Meßt /euchren Weg fori« ^chungSgrfäng, wegen Betruges m. Der Durch, «nta autzgeliesert MS ch wenige Dchn lollendet da. Lee ägt 24,24 Sltfö zahlt. DaS schönen Bahri? ine Lehrerwohnr-, ist bezogen weck'. ■ am Sonntag ta ht deS Turner- ien sch 81 » mmen, einarmW leben. , . efiautont 6«i* laiff'ii'"-®“' j Semieiben K' I btt 0eW«l«- 'M M* , Antrag An-H«. I] in Marburg, °° "i„e l-udl'ch' "" _ eine tu en. - “ nndiui-tlch-!' iA.it ^nft'Inl ■ m m»#’1'“'1 i d-.! k^ die^inführE | W/S ÄuLgall u-! »S'ÄS Ä' «xS wurde w * KleineTageschronik. Infolge Unvorsichtigkeit dreier Individuen, die in zwei auf freiem Felde bei Wiesdorf (Rhcinl.) stehenden .Holzbaracken nächtigten, brach ein Brand aus, bei dem eine Person verbrannte. Die beiden anderen wurden mit schweren Brandwunden in d:as Mülheimer Hospital eingeliesert. — Zn Brüssel schoß ein wegen Wahnsinns vom Chefarzt des Saint-Jean-Hospitals, Teboek, zeitweilig internierter Arzt namens Tison mit der Jagdflinte auf den Chefarzt. Er verwundete ihn am Arm. Als er rum zweiten Male anlegte, warf sich ein Feuermann auf den Rasenden. Tison behauptet, Deboek habe ihn ruiniert, da er nie irrsinnig gewesen sei. — Auf den schlesw. Ostsee in seln erfolgten letzte Nacht mehrere Erdbeben in der Richtung von Nord nach Süd. In Jütland wurden gleichzeitig mehrere mittelstarke Erdbeben wahrgenommen. — Auf dem Gute K rusch Witz (Posen) schlitzte der Daisonarbeiter Neumann der Saisonarbeiterin Wozniak, die da- tzwischen trat, als er zwei Mädchen mit einem Taschenmesser an Kopf und Arm verletzte, den Bauch aus, sodaß sie bald starb Der Täter wurde verhaftet. — Ter flüchtige Veranstalter des Bochumer italienischen Ausstellungsschwindels, der angebliche Pro sessor Rosa, ist in einer Herberge bei Mecheln iHolland wegen Laschend,ebstahls verhaftet worden. — In Kali s cb (Posen) wurde der Inhaber der Wollakticnfabrik Pollatsch durch Revolverschüsse schwer verletzt. Man nimmt an, daß die Attentäter unter den Arbeitern der genannten Fabrik zu suchen sind, da dort Lohndifferenzen ausgcbrochen waren und sich die Erbitterung gegen den Fabrikbesitzer in den letzten Tagen außerordentlich gesteigert hatte. — In Genf ist unter dem Verdacht, L Millionen veruntreut zu haben, der Bant'aacnt Dumortier verhaftet worden. Die Hauptgläubigerin ilt die (Baronin Desmottes, die ihm V/* Million in Wertpapieren an- chertraut hatte. ______________________________ Gerichtssaal. München, 5. Juni. Im Prozeß Dr. Karl Peters gegen die soz. „Münchener Polt" hat die beklagte Partei die Ladung der Witwe des verstorbenen Kolonialdirektors Kayser auf den 26. b. Mts. durchgesetzt. Die Münchener Post erwartet von ihr, die kein Amtsgeheimnis zu wahren habe, sensationelle Enthül- lungen über Arendt nmd Kardorff. Arbeiterbewegung. Offenbach, 5. Juni. Zu bet Metallarbeitcraus- sperrung ist zu melden, daß die Verhandlungen noch in laufender Woche eine Einigung herbciführen dürften, nachdem man sich in den Hauptfragen der Lohnerhöhung und der Arbeitsoerkürzung näher gekommen ist. Berlin, 5. Juni. Dem ,,Berl. Tagebl." zufolge beschlossen die zentral- und lokalorganisierten Zimmerer von Berlin, auf allen Bauten, wo die Forderungen der Maurer nicht bc- bewilligt sind, auch die Zimmerarbeiten ruhen zu lassen. AIS Gegenleistung wird verlangt, daß auch die Maurer da, wo die Forderungen der Zimmerer nicht anerkannt find, die Arbeit ein* stellen oder nicht aufnehmen. Universitäts-Nachrichten. Göttingen, 5. Juni. J2cr 2000. hiesige Student, der Studiosus der neueren Sprachen Derten aus Zellerfeld, erhielt von der Stadt als Geschenk eine goldene Votiv-Uhr. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag den 7. Juni: Abnehmende Bewölkung, keine erheblichen Niederschläge; am Tage wärmer, westliche Winde. Landet. Von der Berliner Börse. Don Amerika wird wieder einmal große Festigkeit gemeldet. Tie Börsen folgten dieser, wenn auch zögernd, zumal die Festigkeit nicht mit großen Au trägen verbunden war und bald wieder allgcincine GcschäitsstiUe einlrat. Unter diesen Umständen blieb auch der etwas leichtere Geldstand ohne Wirkung. Einige Bevorzugungen erfuhren Montanwerte, weil den umlaiuenden Gerüchten über die weniger günstige Lage der Elscnindnslrie kein Glaube beigemessen wurde. Da aber später große Alontanverkänse von erster Seite durchgestihrt wurden, so trat ond) hier wieder Schwäche ein. Banken waren saßt unbeachtet. Lombarden anziehend aus neuerliche, unserer Meinung nach haltlose Lerstaatlichungsgerüchte. Amerikanische Bahnen lagen sehr fest, Cchisfahrlsaklicn waren erholt, da an Pen Ausbruch eines eigentlichen Ratcnkampses vorläufig nicht geglaubt wird. Laura- hittte gingen von 224,90 bis 224,10 zurück, Gelsenkirchener von 194 bis 192,70, Harpener verloren 1/10/(l. Privatdiskont "/s°/o> Märkte. fc. Franks n r t a. M., 6. Juni. (Telcgr. Lrig.-Bcricht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Noliertnigen der heutigen Viehinarkl- p reise. Zum Verkaufe standen: 20 Ochsen, 00 aus Oesterreich 5 Bullen, 0 aus Oesterreich, 47 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Rumänien, 874 Kälber, 53 Schafe und Hänunel, 4 Ziegen, 4 Zi.'genlätNmer, 3 Cchastämmer. Bezahlt ivurde für dg-ü Psund Schlachtgewicht: Ochsen: 1 Qualität 78—80 Alk., 2. Qualität 68-72 Mk., 3. Qualität 62—06 Mk.; Bullen: 1. Qual. 68—70, 2. Qual. 00—00; Kühe 1. Qualität 71—72 Alk., 2. Qual. 68-70 Alk., 3. Qual. —6860 Alk., 4. Qual. 00-00 Mk., 6. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 100—000 Pfg., Lcbcndge>vicht 60—00 Pfg., 2. Qualität 68—95 Pfg., Lebendgeivicht 51-55 Pfg., Schlachtgeiv. 66—70 Pfg.; Schafe: i. Qual. 82—00 Pfg., 2. Qual. 78—80 Pfg. Geschäft: gut, Ueberstand unbedeutend, bet Kleinvieh kein Hebe: stand.- Limburg a. d. L., 5. Juni. ivruchtmarrt Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen (Nassauischer) 17.43 Mk., weißer Weizen 17.40 Mk., Korn 15.43 Mk., Gerste 00.00 Mk„ Hafer 0.00 Mk. Erbsen 0.00 Alk.. Kartosielu 0.00 Alk. Briefkasten oct Redaktion. (Anonyme Anfragen blcibcn unberücksichtigt^ M. So viel uns bekannt, wird auch Souniag morgens auf der Strecke, auf der nächstens das Kaiscrpreisrennen ausgefahren werden soll, trainiert. Zamilien-Na^ richten. Gestorben: Herr Peter Formes, Lehrer i. P. in Darmstadt; Herr Ingenieur Alfred Paris in Darmstadt. Griginal-Drahtmeldungen. Berlin, 6 Juni Tie Gewi n n c r der 30O000 MT.- Prämie der preußischen Klassenlotlerir sind in der großen Mehrzahl in Berlin und Rixdorf zu suchen. Es sind verhältnismäßig wohlhabende Leute. Flensburg, 0. Juni. Im angeltrebtcn Wiederaustiahme- versähreu des angeblich u n s ch u l d i g I> i n g c r i ch t c t e n Marti n T e p p ist vom Justizminister die Erhebung sämtlicher von der Bertcidigung angebotenen Beweismittel augeordnct worden. Auch die Behauptung der Täterschaft des wegen ähnlicher flinbennorbe in Grei-swald verurteilten Lustmörders Teßnow ist zum Gegew- stand gerichtlicher Nachprüfung gemacht worden. London, 6. Juni. Tailh Telegraph verzeichnet das Gerücht, daß mehrere Parlaments-Mitglieder wegen verbrecherischer Handlungen politischen Charakters verhaft et werden sollen. Tas Blatt erklärt, weitere Einzelheiten nicht geben zu können. Paris, 6. Juni. Tie eingeschriebenen Seeleute von Saint Nazaire und Marseille haben heute früh die Arbeit wieder ausgenommen, nachdem das Zentralkomitee bestätigt hat, daß die Wiederaufnahme allgemein erfolgt. .Budapest, 6. Juni. Tie sozialdemokratische Parteileitimg plant aus Anlaß der heute erfolgenden Ankunft des Kaisers Demonstrationen zu Gunsten der Einführung des allgemeinen Wahlrecht s. Die Arbeiter werden die Straßen, durch welche der Kaiser fährt, rechtzeitig besetzen. M o s k a u , 6. Juni. Die Agrarbewegung in den Gouvernements Tula, Smolensk und Tschernigow nimmt gefährliche Dimensionen an. Tie Bauern verweigern den Gutsherrn die Dienstleistung. Tas Gut des Adelsmarschalls Saltykow wurde völlig ausgeraubt und niedergebrannt. Tunis, 6. Juni. Ein Dampfer, an dessen Bord sich große Quantitäten Munition befanden, welche für Schmuggler bestimmt waren, ist in der Nähe von Zayzy (Zayzys) in dieLuft geflogen. Es heißt, daß 50 Personen dabei umgelommen seien. Todes™ Anseage im 36. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Otto Von-Eiff. Giessen (Bismarckstr. 14), Grünberg, Bad-Nauheim, Baltimore, Lauterbach, den 5. Juni 1907. Die Beerdigung findet Sonntag, den 9. Juni, nachmittags 4 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 3776 Todes-Anzeige Gestern nachmittag VJ Uhr entschlief sanft meine liebe Frau, unsere gute Mutter Km Elisabeth Hatz geb. Rücker im 31. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Albert Hatz. Gießen «Läwcngasse 34), den 6. Juni 1907. Die Beerdigung findet Freitag, den 7. Juni, nachm. 4 Uhr von der stapelte des neuen Friedhofs aus statt. 01032 Heute nachmittag 2 Uhr entschlief sanft meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwester, Schwiegertochter, Schwägerin und Tante Christiane Margarethe Von-Eiff geb. Decker Danksagung Für die herzliche Teilnahme bei unserem schweren Verluste, sowie für die trvftrelche.i Worte des Herrn Pfarrer Groth sagen wir herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hütterblicbcnen: Beinrich Körber. Rödgen, den 6. Juni 1907. 3777 Zeichnung auf Mild 7000000 4°/o HMOmlMjM Serif 22 der LandeskrcdMnffe zu Cassel Kündigung und Wrsosung öis zum 1. Seplemöer 1914 ausgeschlossen. Garantiert vom Bezirksverband des Regierungsbezirks Cassel (vormaliges Kurfürstentum Hessen). Mark 7000000 den aus Grund des Gesetzes vom 16. April 1902 tGes.-Slg. S. 82) in Gemäßheit des von dem Herrn Oberpräsidcntcn der Provinz Hcssen-Srassau genehmigten Emisfionsbeschlusses vonr 11. Januar 1907 zur Ausgabe gelangenden 4°/oiocn Schuldverschreibungen Serie 22 wirb ein Teilbetrag von am 8um Kurse von Montag dm 10. Juni 1907 — 100 Prozent — jusflsü« SÄnt d°- g°,°ichn°I-n Betrages zu »interlegcn. Schlußschein-Stemvel trügt der Zeichner. Die Abnahnw de^zugewckten^SchuldocrWe'ibungen gegen Zahlung kann vom 20.,Juni cr. ab ersolgew dic Zeichner such jedoch verpflichtet," bis spätestens 5. Juli cr. d,c eine Halste und bis späte,Lens 15. August cr. die andere Halste dev zugcteiltcn Betrages abä>mehmen.^.^jbungen jütb eingeteilt in Stücke zu 5000, 2000, 1000, 500, 300, 200 und 100 Mark und mit März- und es trewändlaen^Urfkauts zur Berl°sungs°er,ei«Ee.und Reftanienllften, mprflpn nder in^ben To^•qe^^^^ebencn auch in Berliner unb Frankfurter Lageszeitungcn veronentlicht | roerben aufrx m g1 HS der Landeskreditkasse bilden Hypotheken, welche.au, tm Regierungsbezirk Canel fflJuSciacntum^innVrüa b ber erS des durch amtliche Schätzer ermittelten Berkau,swerteS eingetragen und, wwte t^lweiseD^rle^n^an KEmunalv^bärche.^ Llußer dem Bermögen der Landeskreditkasse haftet der Beztrtovcrband des Ncgicruugs- bezirks Cassel für Kapital und Zinsen unbeschränkt. . _ ., .... ** 6 Unsere Bank in Berlin ist offtzieüe Zetchnungsftelle und nehmen wtr Zeichnungen entgegen. Bank für Handel mib Industrie Dcpositenkasse Gießert (Darmstädter Bank). Wilssel'lttrk i)er blenieiniic Lllllter. Vergebung der Arbeiten und Lieferungen. Die zur Herstellung einer Wasserleitung für Lauter bei Grünberg in Obcrhesscn notwendigen Arbeiten unb Lieferungen sollen auf Grund des Ministerialerlasses voin 16. Juni 1903 ^,das Verdingungsmesen betreffend" in 2 Losen im ganzen oder geteilt öffentlich vergeben werden. Es uuifaßt: Los I: Die Arbeiten und Lieferungen für Herstellung des Hochbehälters von 80 cbm FassungSinhalt aus Beton, Los II: Die Herstellung der ca. 1800 m langen Orts» leitung mit HauSanschlüssen einschließlich Lieferung der Armaturen, jedoch ausschließlich Lieferung der gußeisernen Muffen- röhren und Formstückc. Tie Bedingungen, Zeichnungen und Angebotsvordrucke sind ivährend der üblichen Dienststunden bei unterfertigtem Amt „Baubureau der Gruppenwasfcrversorgimg, Saline Nr. 3" und in der Bürgermeisterei Lauter cinzuschen. Bedingungen und Angebotsoordrucke werden, soweit der Vorrat reicht, gegen Ersatz der Herstellungskosten vom Großh. Tiefbauamt Bad- Nauheim abgegeben. Angebote sind verschlossen und getrennt mit entsprechen- der Aufschrift bis zum 15. Juni 1907, vormittags 10 Uhr, an uns emzurcichen. Die Ocffnung derselben erfolgt um die genannte Zeit in Anwesenheit der etwa erschienenen Bewerber im Salinensaal, Saline Nr. 3. Zuschlagsfrist 14 Tage. Bad-Naitheim, den 28. Mai 1907. De/e Großbcrzogliches Ticfbauamt. Pr. Ochscnfieifch (fein Stierfleisch' ä Pfb. 80 Pfg. Roastbeef u. Lenden ä Pfb. b2 Pfg., empfiehlt iXi.074 Sulcus Roscnbaum, Delcph. 310. Ladcneint ic?.ti!ns zu vcr kaufen. Linbenvlatz 4. 2 schimkdcriscrue Kessel zu verkaufen. M>51j E. L. Sack, Walliorstr. 4. Habe noch St. 25 000 Stück- 6ül3cc avzugebcn. Jtfceinricii Stracch I., 03912 Borsoori b. Ribba.__ Gut erh. Siinbcttoasicu billig zu verkaufen ^emurstr. 13 Ul. 04020 Mein Haus, Tn nahe an der Bahnstation gelegen, in welchem feit5, Jahr. 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Der Ant der Budgetkomm abgelehnt. «« • fordert für die An Antrag No d-Md«I-A führenden Lehr Ims. Ein Antra. Beamten geben, d- Abg. Brömel (h lontmenftcuer kon erhört, daß in e; für die haar Mrl ein Anttag der des Frhr. v. 3 statt 8 Millionen Dispositionsfonds Beamter. Abg. durften nicht sch! deshalb wolle fei mehr als 3000 i Der Kommis fetzentwurf an di Es folgt die seitigung des Du eck begründet sei Unterstellung der Mißständen führ Sidenten wir! tlL -2.Z ll- ~ OD|.§re'^,re AZH^Z-WW “a-2.re£^3& = ; ^2 Wd re ö?S w L-.Ä' S 8 2-ÖPg c o"ff R Die Archen |‘= frjJWUli jnb egp des n, &ÄQfc11 Ät artigen I ' ic™ sJtt <= cr§) pu ESl^SSsg^sJ B2Z«®§5ä3 ZHLMJM3 c'd ‘ S'rt D:re" M-3 —.” re re re re- V--2 s'reA^Z o"re n W «3’ re S S> ' . S» ^-2 »2 J O e-j- 'S KW^sstz» S? —'re*“ S retP—. wrore^M.^'h* --^2S.ZMl3»S sre «1^'2 D •Sb 3 re- Mafg-s-g. o ä GP3 3