ungeti bei NLonarchei zrößten Nutzen habe Autsllund und Wußland. Die Begegnung von Swinemünde ist nun vorbei. Ist mn auch gewiß von den Vorgängen, die sich an Bord der ü'aiseryacht im engsten Kreise abgespielt haben, nicht viel m die Ocsfentlichkeit gedrungen, so steht es doch außer Z-rnge, daß die Entrevue als ein bedeutendes politisches Ereignis auaesprochen werden muß; denn um einen bloßen )öslichkeitsatt hätte sich der Zar angesichts der ihm dro- senden Gefahr nicht ans seiner stark bewachten Residenz regeben. Eine Aussprache war wohl beiden Monarchen m Hinblick auf die verschiedenen Veränderungen in der Konstellation der Mächte erwünscht. Rußland hat durch )LN ostasiatischen Krieg und die schweren inneren Wirren raglos an politischer Machtsülle beträchtlich eingebüßt, mmerhin ist aber ein gutes Verhältnis zum Zarenreich richt gering einzuschätzen. Es ist wohl denkbar, daß aus >en Besprechungen in Swinemünde, wenn sie auch nicht ille Gebiete der Weltpolitik umfaßt haben mögen, sich roch eine Verständigung über die wichtigsten Punkte )erauskristallisieren wird. Zwischen Rußland und Japan sind kürzlich Verein- inrungen über Ostasien zustande gekommen, wenn auch Deutschland dadurch kaum tangiert wird, so haben wir )och im fernen Osten auch mancherlei wirtschaftliche Jn- eressen, deren Respektierung unbedingt gefordert werden nuß. Dieser Punkt dürste zweifellos zwischen Bülow und Fswolsty zur Erörterung gelangt sein, wie auch sonst rnsere Interessent in Asien eine Verständigung mit Ruß- Von allen offiziösen oder inspirierten Kommentaren zur Kaiserbegegnung bei Swinemünde würdigt die „Nordd. Allg. Ztg." nur die Ausführungen des „Wiener Fremden- blatt" der Wiedergabe und erkennt dadurch ihren Inhalt als aurhentifch an. Der Schwerpunkt der Erklärungen des Wiener Blattes liegt in dem Satz, daß es nicht gelte, eine neue politische Situation zu schaffen, sondern nur, em Ein- verständnis in der Beurteilung der gegebenen Situation feflzustetlen. Daß die Erzielung dieses Einverständnisses gelungen sei, schließen Privatdepeschen aus den zur Zufriedenheit verlaufenen Besprechungen zwischen Fürst Bulow und Minister Iswolsky. Ferner gilt der herzliche Verkehr der beiden Herrscher als ein Zeichen für die Besestigung der deutsch-russischen Beziehungen. Der Zar kam m gedrückter Stimmung an imb sott jetzt sehr aufgeräumt, ja heiter wie lange nicht, sein. Daraus wird man nicht ohne weiteres aus eine größere Intimität zwischen Rußland und Deutschland schließen können. Es ist erklärlich, daß auf Nikolaus II. das Gefühl einer lange entbehrten persönlichen Sicherheit im Schutz der deutschen Flotte wohl- tuend und befreiend einwirle mußte^— and wünschenswert erscheinen lassen. Dies gilt in erster üinie von den Verhältnis!en in Persien, wo auch Rußland zroße Kapitalien investiert hat, gantz abgesehen von den militärischen Gründen, die dort für das Zarenreich obwalten müssen. Es ist wohl nicht von ungefähr, daß die Zusammen- 'unst auf der Reede von Swinemünde kurz vor der Begegnung Kaiser Wilhelms mit König Eduard auf Schloß Wilhelmshühe ersolat und man darf mit Sicherheit darauf 'chließen, daß zwischen beiden Entrevuen ein gemein- lan les Bindeglied vorhanden ist. Es hat nicht an deutsch- eiüblichen Stimmen an der Newa während des letzten Jahres gefehlt, die Bemühungen, Unfrieden zwischen beiden Nachbarreichen zu säen, find aber ohne Erfolg geblieben und man darf der lleberzeugung sein, daß die Besprechungen der Monarchen und ihrer obersten Ratgeber den größten Nutzen haben werden. Swinemünde und demnächst Wlhelmshöhe dürsten den Beweis erbringen, daß Die Bestrebungen, Deutschland zu isolieren, ihren Höhepunkt überschritten haben. ein wesentlicher Zweck der Begegnung gewesen, dem Zaren die Möglichkeit dieser Erholung und Ablenkung zu schassen. Telegraphisch wird uns über die Swinemünder Kaiserbegegnung folgendes gemeldet: Swinemünde, 5. August. Um 10 Uhr begab sich Kaiser Wilhelm im Verkehrsboot „Hulda" nach dem „Stcmdarl" und fuhr von hier mit dem Kaiser Nikolaus an Bord der „Deutschland", die alsbald die Großadmiralsflagge im Vortopp und beide Kaiserstandarten im Großtopp setzte. Die beiden Kaiser waren von den Herren ihres Gefolges von der Armee und der Marine begleitet. Um IO1/* Ühr lichtete die gesamte Flotte die Anker, woraus ein Exerzieren der Flotte auf hoher See folgte. Das Wetter ist sehr schön. — Gegen 2 Uhr nachmittags kehrte die Flotte aus die Reede von Swinemunde zurück. An Bord der „Deutschland" sand hierauf ein Frühstück bei dem Flottenchef, Prinzen Heinrich, statt. Um 3l/2 Uhr verließen beide Majestäten die „Deutschland". Der Kaiser geleitete den Kaiser Nikolaus zürn „Standart". Aiis sämtlichen Schiffen der Flotte brachten die Besatzungen ein dreisaches Hoch auf den Kaiser Nikolaus aiis. Die Kapellen spielten die russische Hymne; die Flotte feuerte Säliit. Später unternahm Kaiser Wilhelm eine Segelfahrt auf der „Iduna". — Heute abend 8 Uhr gab Kaiser Nikolaus an Bord des „Standart" ein Diner, zu dem auch die deutschen Adinirale 'und Kornmandaitten geladen waren. Kaiser Wilhelm, von, Reichskanzler und den sämtlichen Herren der Umgebung begleitet, begab sich im Verkehrsboot zu der russischen Kaiseryacht, wo er vom Zaren am Fallreep empfangen wurde. — Der Sicherheitsdienst für den Zaren ist abermals, verstärkt ivorden. Gestern vormittag traf hier der Chef der russischen Geheimpolizei ein und begab sich aus den Negierungsdampfer „Swante", der ihn zur „Standart" brachte. Kein Boot darf sich dem Schiff nähern, aus dem sich der Zar befindet. Für die Absperrung des Schiffes sind jedesmal sechs Da inpfp inassen der deutschen Hochseeflotte beordert. Der Regiecungs- dampfer „Swante", der angeblich als Gepäckdampser dient, ist in Wirklichkeit ein Polizeiboot. Auf jeder Fahrt, die der Dampfer macht, befinden sich zwei russisch sprechende deutsche Geheimpolizisten an Bord. — Der Kaiser von Rußland verläßt die Reede von Swinemünde morgen vormittag 11 Uhr und kehrt nach Rußland zurück. Kaiser' Wilhelm verbleibt bis morgen abend 10 Uhr in Swinemünde und begibt sich von hier direkt nach dem Truppenübungsplatz Alten-Grabow. — Der Kurgarten, wo drei Musikapetlen konzertierten, war abends mit über 2000 Lämpchen geschmückt, während auf dem von einer dichten Menschenmenge besetzten Strande Feuerwerk abgebrannt wurde. Auch die gegenüberliegende Flotte war festlich beleuchtet. — Es ist natürlich unmöglich, über das politische Ergebnis der Kaiserbegegnung authentische Mitteilungen zu erhalten, doch hört man, daß ztmfchen dem Fürsten v. Bülow und dem Minister Iswolsky, die häufig miteinander konferieren, vollste Uebereinstimmung herrscht. Allgemein ist der Eindruck, daß eine weitere Festigung der deutsch-russischen Beziehungen erreicht worden ist. - Wie man hört, ist die Idee zu der Käiser- begegnung in dem Umfange, wie sie jetzt vor sich geht, von Kaiser Wilhelm ausgegangen. Der Zar wollte an» sanglich nur auf hoher See mit Kaiser Mhhelm^u- mir saß, brach in ein spontanes ^Eer aus , Verdutzt sah ihn unser würdiger Germanist an und inhr dann sehr ernst fort. Sie glauben es nicht, — es ist aber doch so!" . Zum Widerspiel dieses trockenen Vortrags war noch ein schöngeistiger Liteyaräfthetiker da, der durch fernen blumelnden Vortrag Beti M= Damruw-lt entzückt-, «to Wen ein« Sw hebe fite Spirituosen den Spitznamen „das Loch hatte. Bei diesem belegten wir in geringer Zahl ein Kvlleg über Shakespeare, aber «reich Nach iber Einleitung kniffen alle Zuhörer außer mir aus Da sollte ich nun dem Aesthetikcr nicht zumuten, meinetwegen zu lesen, aber er hielt mich mit dem üluS» f ^fres faciunt'collegiumf: „®h bin ich, dann N e und noch der Geist Shakespeares !^ und so mußte ich Aushalten ; in einem anderen Kvlleg aber über „Literarclsthetik erlaubte ich mir oft zu schwenzen. Nun war eä für ble Sti- ht'nhinten — und ein solcher war ich auch ^ntte, sich ut ewem Testierbogen den Besuch der Kollegien zensieren, zu lassen und da brachte ich den sckMgeWgen Professor doch m Verlegenheit' es pflegte in der Regel mit //sehr fleißig oder „flei- &Wert zu werden, und letztere Note stjauo nn Rufe der ä«Ö'- p V suudurck daß sehr" im besuchten und „sleitzig" L"KchwLtL"Veg Änd^S- rettete er seine Seele vor eines zerstreuten Gelehrten war der bereits Mivatdozent B! Um seine Geistesverlorcnhcit auf dikÄbe M Nn stellten ihm seine Zuhörer einmal be° n^ilem Tiaae ein brennendes Dicht auf den Katheder, und er es gar nicht M bemerkem B-r seinem LÄggang wollte ? „:n Student entfernen, doch Pa sagte er: „Bitte, lassen Sie 1 ffw meinen Nachfolger brennen!" Einmal kam er moraens früh nicht zur gewohnten Stunde zum Frithltück zu Lnei^SauÄeuten herunter Als cS bedenllich spät ward, ang- ^ate man sich wegen seines Ausbleibens und wollte Nachsehen, er iwch chlEfe oder irank (ei. Da fand man ihn >m ve.ude und barfuß vor seinem Studiertisch Mhen und ganz versunken in einem sioliantcn lesen, und dabei war es bitterkalt^ Der Oriainale gab cs damals unter gebildeten wie unge- bildeten Leuten^ in Gießen viele; eine der originelMn Figuren Gießener Studenten-Kkinnrrungen. (Schluß.) Schon als Gymnasiast empfand ich es alS einen alten Zopf, daß man uns ewig bis in die hochren Aalsen im alten dellas und Roni hcrumtummelt-, uns aber von emh-nrufcheN Mythologie und Literatur wenig zu sagen wußte. Um diesem Bildungmanko aufzuhclsen, wollte ich mich -mchdmGer^ manisiik umsehen. Nun hatten wir m auf diesem Gebiete e ne Celebrität, den Fortseher des Grimmschen, Wörterbuchs, das Urbild eines (S'cklTiteii. Kam man in leine Wohnung bei dem Stiefel^ Herren- und Tfamcnschuhmacher", dem sog. Grafen T so tra man deii freundlichen Professor in vorsundflutlichem Schlafrock inmitten wahrer Türme von Büchern, bte auf allen Möbeln unb Magmitenartig von der Erde auf emporragten und ?nnk tr.>;, feiner wiederholten höflrchen Emladung, frch setzen «BStsei»1*= von seinen Begegnungen mit bernhmteii Mannerm 'Ude^er stün- -d’ Ld 'iÄte ihm die SehensLigkeitm Gießens zcigem tw M Ö w,e CTS LZMMSLM« bas Nibelungenlied undWucher Hoffnung, in } aber njie loatb ich enttäuscht! ttÄW, »>'d bS #.T JWHWÄB s“b“Ä“SäufaS1 gmimirA........... 6™ “6m zweifelsohne iriar aber das bewegliche Kirchenrätchen E u g e l. Bei allen Hochzeiten brachte er feine typpcyen Redensarten: an, wie folgende: „Ja, ihr Leitcher, ich hab e gut Leim- vünnche, ich hab schon manch Kirche zusammegeleimt und es hat immer gehalte" und bei Tische brachte er dann folgenden gereimten Trinkspruch, wie zur Warnung, aus: „Tie Ehe ist em Vogelhaus: Wer drinnen sitzt, der will heraus; Wer draußen ist, der will hinein, - Wjas Menschen doch für Vogel fein!' Vom Teufel war er kein großer Freund. Einmal brachte ibm ein Kandidat eine Probepredigt zur Durchsicht, es war darin viel vom Satan die Rede. Bedenklich schüttette er oerm Turchlesen das Haupt, nahm seinen Bleistift und sprach: „Das Teiwelche, des Kerlche wolle mer emol streif! und tats. Kur Dämpfung seines unverwüstlichen Lebenshumow hatte ihm dlas Schicksal eine wahre Xanthippe zum Eheweib gegeben. Als sie ihn endlich durch ihren Tod voii feinem .oMartyrium erWue und ihm ein Freund einen Beileidsbeimy machte, sprach er' Mertste net, w>as jetzt im Hause für e lauft Suttcfje weht? Ein Original war auch ein sehr beliebter und bekannter Arzt. Ms einmal einer erzählte, die Kanarienvögel seien m rhrer veimat grün und färbten sich beim Transport gelb, da ergänzte er mit der wichttgsteu Miene: „Ich vergaß einmal das Türchen an meiuE Käfig zu schließen, b.a HÜMte mein Kanarienvogel au, meinen Schreibtisch, soff mein Tintenfaß und verwandelte sich vor meinen Augen in eine DchwarzamiEm andermal Nihmte ein Ameriöaner die Findigkeit ihrer Detektivs. ,,^av ist noch ßiar nichts gegen unseren Polizeirat N.; der laßt i>u Svitzbuben gleich photographieren unb hängt xljre Bilder an ent- lich aus, so daß man sie gleich kennt." Uni den Peruaner von der Wahrheit zu überzeugen, führte man ihn an die R.-lche Buchhandlung, wo und, os gibt awer alsemol aromatische Gliederschmerze und de» dcervekosiüm wird ebbes angegrisfe". Einmal wurden wir alle zur Begrüßung durchreisender schleswig-holsteinischer Deputierter lan die Bahn beordert und rückten mit unseren „Schieße prügeln" fiuss Perron. Gerührt trat ein Schleswiger vor un- sere ^ront und redete uns an: „Tas ist schön von Ihnen, daß ^>ie für un|ere ^iache mit den Waffen eintreten wollen. Nun Einmal sehen, ob Sie auch kriegerisch vorgebildet sind. v>ch selbst wär Offizier und will Ihnen einmal ein paar Llvm- rmrndowvrte zurufen." Und nun erfolgten seine Kommandos, ober es klappte recht schlecht bei uns. Ta sagte er lächelnd: „Nun, es haperte iwch hie und da, aber das wird schon die Be- geliterung erleben!" Glücklicherweise wlar unsere Hilfe nicht nötrg, lonst würg es am Ende anch so gekommen, wie 1848, als 7» -. ""ln: dem Schneidermeister H. auf dem Trieb einexerzierteu Bürgerwehrgardilten zum ^ukkurs des Frankfurter Atten- lats zrehen wollten und unterwegs bei jeder Station ein Haufe zurullblieb; zuletzt als in Langgöns der Hauptmann H. Umschau hla ߣSlf rf V nur.1IÜC^ ^inen Tiambour, der zum Sammeln daü Haltofen bearbeitete. Ta rief er: „Fleck, hör uff z« trommele: Mer zipaa «Haans, mir zwinge es doch net!" Und o zogen Puch sie retour. Aber schön wars doch, und die bie tzrrUche Studentenzeit ist uns allen unauS- wichlich geblieben, ^chön ist die Jugend, sie kehrt nicht mehr! I. N. Beu Akicwa hott noch lang nett rähcht. In de Schulschtroaß' hott's en Ufflaaf gewe Aich hun in meine ganze Lewe Sou ebbes nett geseh. Nenschierig tät aich näher trete Se seh' was des bedeute täte Daß alles Hai blieb schteh. Hott meu aan Taschedieb gegriffe Is e Kassierer ausgeknisfe E Bomb oam Enn verplatzt Hott aaner 'nen Postbol iwerfalle Odder hott vor Gift un Galle E Fraa ihr'n Mann verkratzt? Des Rätsel tat sich baal druff löse Torch aa'n, der in der Post gcwese Un zoil der Menge seggt: ^Jhr Lent', aich glaabs, daß Ihr verwumiert »Denn m bene drei Joahrhmmert „Zeit in Gäiße schun beschteht „Dä'i hessisch' Universität „Hott kaa Schtnrreud so was pexiert „Woas ebbe uff der Post passiert „Aich woar ganz baff un konnts nett fasse „Doch derit Ihr Euch fest druff verlasse „Daß aich Euch nix uffbimte tu «Drum haalt en Aageblick mol Rouh „Un hört, daß der Schlurrend Schosch Griewe „E Postaaweisnng hott geschriewc." Fraa H a n n e w a ck e l. Tie Zweite Kammer würde sich zur Totengräberin ihrer eigenen Rechte und zum Verräter der Volksrcchte machen, wenn sie die angesonnene Verfassungsänderung annimmt. (Starker Beifall.) Redakteur W i t t r i s ch- Offenbach hat den Auftrag, für die Genossen aus Friedberg-Büdingen zu erklären, daß diese auf Stellung eines Mißbilligungsantrags wegen der Zustimmung der Fraktion zur Glückwunschadresse an den Großherzog verzichten, aber doch diese Zustimmung verurteilen. Es könne sich hier nicht um eine private Handlung handeln, sondern um einen politischen Akt, der nicht den Interessen des Proletariats entspricht. Wir brauchen uns dieserhalb nicht gerade zu zanken, aber wir werden wohl der einstimmigen Ansicht sein, daß die Zustimmung ein Fehler war. Äbg. Ulrich will sich nicht gegen die Kritik wenden, wohl «aber gegen die Art, wie Kritik geübt wird! Ich klebe nicht am Mandat, ich bin auch nicht Abgeordneter meiner Person willen und verlange von den Parteigenossen, daß sie uns w behandeln, wie sie selbst behandelt werden wollen. (Zurufe: ^>ehr richtig!) Ich will nicht anaespuckt werden. (Zustimmung.) Wenn Busold an unserer Stelle stände, dann würde er es noch schlechter machen, (^chr richtig und Heiterkeit!) Was die Gegner über mich sagen, ist mir cgiil, aber die Parteigenossen dürfen nicht vergessen, daß wir für unsere Haltung unsere guten Gründe hatten. Auch jetzt nach der Kritik der Parteigeiwssen kann ich nicht ei lieh en, d,aß wir einen Fehler gemacht haben. Wir haben damals keine Ovation für die Monarchie mitgemacht, sondern in einer Situation gehandelt, in der unsere Gegner den Großherzog scharf machen gegen die Sozialdemokratie. Eine Ver- umpiung der Parte: kann doch daraus nicht entstehen. Es ist besser, dem Fürsten, der doch nun mpl historisch an seiner Stelle teht, gelegentlich zu sagen was ist, als beiseite bleiben auS Angst, das Prinzip könnte notleiden. Wenn Busold erwartet, daß ich „es nicht wieder tue", so hoffe ich, dfrß er die Art seiner Kiitik nicht wiederholt. (Große Heiterkeit.) . Nüg- T)'r. Fuldg: Es wäre ein Akt der Ungezogenheit gewesen, wenn wir uns bei der Gmtulation serngehalten hätten: .20 sehr wir .auch Gegner der Monarchie sind, so müssen wir doch mit den gegebenen Verhältnissen rechnen. Darnach ist der Großherzog keine qujantilü negligeable in der Verfassung, vielmehr cnl sehr wichtiger Faktor. Es wäre auch kein Fehler, wenn wir ins Schloß gingen und den Eid auf die Verfassung in M* Hand des Grvßherzogs ablegten, statt wie bischer im Parlament Wir würden uns damit nichts vergeben. Man sollte also vor. sichtig fein, so r:lte verdiente Parteigenossen, wie Ulrich, un, berechtigterweise zu bekritteln. (Leb. Zustimmung.) Es ist auch nicht zutreffend, Krß die Mehrheit der Partei im Lande di.' damalige Haltung der Fraktion mißbilligte. (Zustimmung.) Ter Redner zitierte noch ials Analogon eine jüngge Aeußerimg der Wiener Arbeiterzeitung, die sägte, daß die Erüffnung des Reichs, tags nicht als, ein höfischer,sondern als parlamentarischer Akt zu betrachten ist. Von einer >Ltraßendemonstration für das bireftn Wahlrecht erhofft der Redner nichts. Zur Annahme kommen sodann folgende Anträge: „Tas Landeskomitee soll nach der Landeskonferenz eine ein, heitliche Protestaktion (Arrangierung von Volksversammlungen Herausgabe und Verbreitung von Flugblättern usw.) durch das' ganze Land veranstalten und durch tüchtige Referenten die ge= Iamten Wählermassen über die reaktionären Bestimninngen aus- klaren." Ferner soll seitens 'der einzelnen Mitgliedschaften Qn bie Kreisvorstände alljährlich berichtet werden, ob und in welcheni Umfange die lohnarbeitende Vcvöllerung und Angehörige der sozialdenwkratischen Partei zn den Aeintern eines Lchösfen und Geschworenen zugezogen worden lind. Schließlich wurden die Frak- tionsmilglieder beauftragt, im Landtage dahin zu streben, das die Grobh.,.r53ritin|peltion in aller Kiirze eine LohnreguUeruna und Aufbeiierung für die Wpldarbeiler in den hessischen Staatsdomänen er|olgen zu lias|eii, ebenso für pünktliche Lohnauszohlmui -eeorge^ tragen zu wollen." Mit großer Mehrheit wurden zwei Resolutionen angenommen u. a.: „In der Frage der Maifeier stellt sich die Landes wnlerenz auf die auf den deutschen Parteitagen in Jena und wcannhelm beschlo|sene Resolution, ver,pricht im Sinne derselben äu wirken und stach Möglichkeit d.e Arbeitsruhe am 1. Mai äu mtreben. Ter Abfsatz dieser Resolutwn, (gegen den sich wesentlich die Gewerlichastler wandten), „ferner muß bei Abschluß von Tarifverträgen mit ben Arbeitgebern immer die Forderung, FreP gäbe des 1. Mai enthalten sein" wurde zurückgezogen" In der Nsachmittagssitzung sprach Abg. Ulrich über die Tagesordnung deö demnüchiiigen Parteitags in Essen. Er Mwrerte für Ausrechterhaltung der bisherigen Ansicht in der Mn r feier frage, weiter ^warnte er in der Al ko ho l- sr ogc vor Lym extremen Standpunkt. Den letzteren vertrat in der Diskus, um Redakteur Hitzler - Mainz. Das folgende Referat des Abg. O r b über die bevorstehenden Kommunialwahlen wandte fich gegen die Nichtbestätiguna von Bergeordneten in den verschiedensten Orten. Mch weiterer Debatte wird die Resolution Orb einstimmia angenommen: f x. -Tie Landeskonfereuz bestätigt die Notwendigkeit der Resolution der Mühlheimer Konserenz über die Taktik bei den Kom- niunalwahlen nnd erklärt weiter: „In Erwägung, daß es sich gezeigt hat, daß die Behörden, allem Gesetz und Recht zuwider gewählte sozialdemokratische Beigeordnete nickst bestätigt haben' erhebt die Landeskonferenz von Friedberg gegen dieses ungesetzliche Verehren energisch Protest und ersucht die Partei- genosien, welche iu ihrer Gemeinde die Mel-rheit der Wähler hinter sich staben, und über gee i g n e te Genossen verfügen, welche durch ihre seitherige Tätigkeit in der Partei bewiesen haben, daß sie nberzcugte und charakterfeste Parteimänncr sind, sowie die son- stigeii Eigenschaften besitzen, welche zu einem derartigen Amt er|oroerlich erscheinen, bei BürgerMeiläer- und Beigeordneten? wahleu nur Parteitändidaten aufzustellen und mit aller Energie ogfut zu sorgen, daß sie gewählt, und wenn sie nickst bestätnst werden, auch das zweitemal gewählt werden." Weiler kamen zur Annahme eine Resolution zu Gunsten ^o^!^?rgianisatiou, der für Anschaffung von Lite- ^ur 200 Mk. bewilligt werden; ferner eine Resolution: „Anblick) der Vorkommnisse auf dem deutschen Turntag in Worms hat sich deutlich gezeigt, daß in den Reihen der deutschen ^urnerichaft für Sozialdemokraten lein Platz mehr ist. Die in r)-riedberg tagende Landeskonferenz erwartet deshalb von den Par- tergenolien, die bis heute no-ch in der deutschen Turnerschaft sind, derielbeu ohne werteres den Rücken zu kehren. Die richtige Ant- Nwrt auf die Art, wie man dort gegen unsere Parteiangehörigeii vorgegangen i|t ist, daß die Parteigenossen, die an der Leitung von Tnrnv er erneu stehen, ihren Einfluß dsthin geltend machen und darauf hinwirren, ^rß Turnvereine in corpore aus der deutschen ^urnerschaft austreten und sich der freien Turnerschaft zuwenden." 1 1 1 rAntrag, den Wahlkreis Biirgen-Alzey in zwei selbständig zu verwlalteude Agitationsbezirke zu teilen, wurde angenommen. Für die cknsgesperrten Gießener Zi- Mrr e narb eiter ergab eine ausgestellte Sammlung in bei! Versammlung 44, <1 Mark Turch einstimmigen Besckstuß soll dre nächste Landeskonferenz in Mainz abgehalten werden. In dlas Landes ko mitee wurden zunächst die bisherigen Mit- glicder Ulrrch, Orb, Berthold, Stock, und neugewählt Busold- Friedberg. Um 6 Uhr schloß der Vorsitzende den Partei- — Zn dem in unserer s)li\ 180, 2. Bl., veröffentlichten „Er- mneuumjen aus Gießeu" wird uns geschrieben, daß bie Anekbote von dem Liebig-Reinr des „Vater Lenz", des Inhabers des Felsen- re Ilers, frei erfunden sei. Lenz selber habe sie empört als eine Luge bezeichnet. B u so l d-Friedberg hofft, daß die Landtagsabgeordneten nun auch darnach handeln. Tie Wahlrechtsvorlage sollte den Anlaß abgeben zu einer.umfassenden Agitation. Wir können im Großenganzen mit der Haltung der Landtagsfraktion zufrieden sein und wollen für diesmal die Haltung bei der Prinzen- grcrtulation verleihen. Tr. David: Die Kritik über die Prinzenasfäre ist ja nun gelinder ausgefallen, als es anfänglich schien. Aber ich bin auch nicht einmal gesonnen, die gnädige Zensur der Herren Wittrisch und Busold anzunehmcn. Es handelt sich nicht um eine Extra-Ovation. An jenem Tage liefen sümckiche Gegner im Landtage Sturm gegen eine Entscheidung des Großherzogs im Falle Eißnert. Und als dann die Adresse tarn, da warteten sie darauf, dem Großherzog zu zeigen, daß wir nicht einmal rein menschlichem Empfinden zugänglich sind. Man konnte es an ihren Gesichtern sehen, daß wir ihnen mit unserer Zustimmung zur Adresse diese Rechnung durchkreuzt hatten. Aber anch abgesehen davon, konnten wir uns nicht zurückziehen, ohne in den Geruch der Unanständigkeit zu verfallen. Behandelt uns ein Monarch anständig, dann haben wir auch unser Verhalten darnach zu richten. (Zurufe: Sehr richtig!) Die Parteigenossen, die ans der Friedberger Kreiskonferenz uns darob bekrittelten, hätten sich erst mal genauer informieren sollen. Nun macht die dort gefallene Aeußerung von dem Anspuckcn die Runde durch die gegnerischen Blätter und schädigt so die Partei selbst. Wir wollen keine angespuckten Abgeordneten sein, sondern müssen erwarten, daß man uns den Ernst unseres Tuns au traut. In Württemberg sind unsere Parteigenossen zum König gegangen, ohne daß man sie deshalb beschimpft hat. Sie haben auch das Budget bewilligt. Auch die Ocstcrrcicher smd zur Hochburg gegangen und sie haben nicht die Befürchtung, daß sie damit das republikanische Prinzip verletzt haben. Voll- mar hatte Recht, als er sagte: Das Prinzip hochhalten kann jeder Esel. Unser höchstes Bestreben aber muß sein, den Einfluß der Partei zu erweitern. Redakteur Schildbach-Mainz regt eine Massendemonstration aus dem ganzen Lande zu Gunsten des direkten Wahlrechts, etwa in Darmstadt, an. N ink- Urberach: Nach der „Gcfühlspolitik" der Landtagsfraktion müßten die Parteigenossen im Landtage konsequenterwcise jetzt eine Protestadresse an den Gwßherzog richten, weil er den zweiten Beigeordneten in Offenbach nicht bestätigt hat. Die Abgeordneten hätten sich damals mit der Er-flärung genügen müssen, daß wir uns mitfrcuen an dem Familienglück des Groß- Herzogs. (Große Heiterkeit.) i Hiassenzahl- Erbach ist auch nicht einverstanden mit der Prinzengratulation, aber es Müsse ein anderer Ton in der Kritik >,n)eim ich fein fahre lasse will, brauch ichs net ze tue; Ihr ärme, wenn Ihr Doktor seid und es verlangt Jemand von Euch, ^zhr sollt ihm emo'l hinne hin nrcife, do müßt Ihrs tun!" Seltsame Begrisfe hatte er von Geographie, Als er einmal hörte, einer feiner Kbllcgen hätte mit seiner Droschke nach England fahren niufien, sprach er nachdenklich: „Jetzt möcht ich nor wisse, Aw des Oos nut seine zwia alte, steife Klobe (gemeint sind die Plevde) iwer den Jordan gekomme is!" und als ihm einer den westsälischen Ort Laasphe nähre bezeichnen wollte, korrigierte er ihn: „2lch wos ! Äsie leit ja doch in Afrika do hinne!" Vicl könnte ich von Studentenstirricheii aus meiner Zeit ci> Kahlen. Als noch die Oellgteriien Vtode waren, die zur Erleuchtung der Straßen in Kasten henuitergeleiert wurden, war es ein Haupttvitz, in der Nacht sämtliche Straßenlaternen herunter zu drehen, sodaß man sie morgens mitten auf der Straße stehend fand, und als später die Gaslaternen cingeführt wurden, nettertc man an denselben hinan uiid löschte sie oben an den Schieberir pus. Sehr freie Begriffe hatte man vom Eigentum: eine jausgedängte Gans vom Fenster weg zu stibitzen, Ttannte man genial „ausführen". Einmal verabredeten sich zwei Studenten, einem Professor seinen Weihnachtsbraten ivegzustehlen. Zuerst alarmierten sie ihn, er möge seine Gans vom Fenster wegnehmen, sie sei in Gefahr, geflöhten zu werden; als er sic abhängen wollte, blendete ihn der eine mit einem Spiegelglas, wahrend ihm der andere mit einer Stange ans die Hand schlug, er. die Gans fallen ließ. Dann eilten unter Höllengelächter die Ranbcc mit ihrer Beute davon. Waren sie großmütig, io luden |ie ihn zum Verzehren seiner eigenen Gans ein, oder fte schickten ihm wenigstens lauf Neujahr die Sprenget davon aiwimni zu. Wie richtig das Lied singt: „Tie Phili|ler sind uns gewogen meist, ue ahnen im BursÄm, was F-reihieit heißt", bewiesen die PenMsch wiederkehrendcn Bierkmwalte. Wenn die 1 " ' ■ zog die sonst sich m Welcherlei Korporationen befehdende Studentenschaft, wie wei- land in Rom die Plebs ans den mons eucer, so auf den Gleiberni und nrcikic bei von .insivurts bestelltem Biere so lange bis die Bierbrauer nack-gabeii. Tann zogen die Studenten 'triumphierend Arm ui Arm Wied i hnt in ihre Mus n ladt ein Große Aufregung bMchle 1861 die schleswig-holsteinische »«wegung auch unter den Gießener Studenten hervor. Bach fcte Liberalen erscheinen schon jetzt als die begossenen Pudel; sie sind beinahe die betrogenen Betrüger. Das Geschrei der Liberalen nach Reform des L a n d t a as w a h l- rechts in Preußen ist nichts als hohles Gerede. Denn selbst wenn mich Bülow es wollte, ist der Einfluß der preußischen Junker viel zu groß. Tie letzten Wahlen haben bewiesen, daß der Liberalismus in Hessen nicht besser ist, als anderswo. Gewiß gibt es einige, die es ehrlich meinen mit ihrer demokratischen Gesinnung; aber die eigentlichen Macher bei den Freisinnigen sind nicht besser als die Osann und Gen. Was alles diese Leute um Korell an demokratischen Forderungen erheben, ist nur Gerede, lediglich zu dem Zweck, um die wirklich demokratischen Elemente im Lande binters Licht zu führen. Wer darum noch ehrlich demokratisch ist, muß angesichts der Blockpolitik zu dem Entschlüsse kommen, mit UnS zu gehen. (Lebh. Ucifall.) Abg. Orb erstattete sodann den Kassenbericht. Die Ausgaben betrugen 41951 Mk. Für den Rcichstagswahlkampf wurden insgesamt 48 092 Mk. ausgcgcben: davon 15 231 Mk. aus der Zentralkasse. Die Kosten des Landessekretariats betrugen 3457 Mk. Der Agitationskalender, der in 133 950 Stück Übgesctzt wurde, erforderte einen Mehraufwand von 1418 Mk. Das Vermögen beträgt 7199 Mk. An die Zentralkasse in Berlin wurden ab geführt als Beitrag 4562 Mk., also nahezu doppelt so viel wie im Vorjahre. Die Diskussion brachte verschiedentlich kritische Auslassungen, so über die Preßvcrhältnisse, die Beziehungen zu den Frankfurter!: usw. Bemerkenswert war hier eine Rede des Oß. Dr. David. Ihm stellt der Ausfall der letzten Reichs- tagöwahl die Frage der Selbstkritik. Tie Partei habe zu viel Verengungstaktik getrieben. Ein Hauptfehler war, daß wir, statt der Tendenz, eine allgemeine Volkspartei zu iverden, angefangeii hatten, weite Kreise der Bevölkerung abzustoßen. Das gilt besonders für die Landbewohner. Und die Schuld hieran trägt bet Mangel eines A g r a r p r o a r am m s. Es ist bedauerlich, daß in Breslau ein Agrarschutzprogramm für bie Bauern, die ihre eigenen Arbeiter find, nicht zustandekam. Was damals in Breslau an unverständlichen Aenßcrungcn bei uns gefallen ist, werde jetzt von unseren Gegnern hervorgeholt und uns in der Wahlagitation vorgehaltcn. Die Frage des Agrar- Problems müssen wir auf der Tagesordnung eines nächsten Parteitags setzen. Weiter haben uns mittelstandliche Existenzen und auch die geistigen Arbeiter verlassen. Wir haben uns besonders geschädigt, als mir in Dresden den Nimbus der geist- freien Partei zerstören ließen, daß der Glaube auf- konunen konnte, als wollten wir ein neues Papsttum, eine neue Kirche schaffen. Wir müssen die Partei der freien Forschung bleiben. In dem Moment aber, wo wir den Leuten gegenüber nervös wurden, die die schwierige Arbeit der Forschung auf sich genommen haben, setzten wir uns dem gefährlichen Vorwurf aus, daß die Partei nicht mehr ein Hort an Geistesfreiheit ift. Ich teile den Standpunkt Liebknechts, wenn ich sage, daß wir nicht nur eine Partei der Industriearbeiter, sondern eine ausgefprochenc V o l k s p a r t e i sein müssen. Wir muffen alle die Elemente zu gewinnen suchen, die am Kapitalismus nicht direkt interessiert sind. Tie Ausführungen Tr. Davids begegneten teilweisem Widerspruch. Dr. David hielt aber feine Meinung aufrecht, daß es falsch sei, zu, sagen, wer nicht für mich ist, der ist wider mich. Damit treibe man doch nur die Gegner zusammen. Vie l unshm- pathischer sei ihm ein Zusammengehen mit dem Zentrum, als mit einer Blockpartei. Wegen der .Gießener Stichwahlentscheidung kam es zu heftigen Kontroversen, die mit der Erklärung von einem telephonischem Mißverständnis bcigelegt wurden. Gegen 11 Uhr Nachts schloß die Sitzung. Am Sonntag wurdm die Verhandlungen fortgesetzt; zunächst über die Tätigkeit der Landtagsfraktion und deren Stellung zum Wahlgesetz. Referent hierüber war Abgeordneter Tr. Fulda, der einen gedruckten Bericht vorgelegt hat. Wenn er in seinem Bericht die motivierte Zustimmung der Fraktion zu der bekaunlen G r a t n l a t i o n sa d r e s s e an den Groß- Herzog nicht erwähnt habe, so sei dies nicht geschehen, um ttwaS zu verschiveigen, sondcrm weil er es für belanglos gehalten habe. (Zurufe: Sehr richtig!) Ueber die vorgelegten Berwaltungsg esetze, die eine Revision, nicht aber eine Reform darsteller:, hat Redner den Eindruck, als ob ein Ministerialbeamter dabei mit Schere und Kleistertopf gearbeitet habe. Das bcibehaltene plutokralische Wahlsystem zu den Selbst- vcrwaltungskörperschaften muß entschieden bekämpft iverden. Der Redner gedachte sodann der sog. klcinei: Fii:anz r eform , ferner der von der Ersten Kammer immer noch nicht erledigter: Wertzuwachssteuervorlage, der Er!veiterui:g der Gewcrbeaufsicht durch neue Hulfsarbeiterstellen, die Kommunalisierung der Apotheken, die Anträge über Entschädigung für unschuldig erlittene Straf- und Untersuchungshaft, über die Schössen und Geschworenen, der Vorlage eii:es neuen Jagdgesetzes usw. Die mit der neuen Wahlrechtsvorlage vorgeschlagene Verfassungsänderung zugunsten der Ersten Kammer ^.^okUsch unklug. Für die reaktioiräre Gesiunung des jetzigen Mmisteriurns spricht auch die (in den früheren Entwürfen n:cht enthaltene) Bestimmung, haß für den Fall des Aussterbcns einer standcsherrliehen Familie deren Recht auf Sitz uud Stimme m der Ersten Kammer einem sog. Agnaten Übertragei: werden kam:. Auch die geforderten „Käutelen" stelle:: eine starke Ver- schlechlerung der Vorlage dar. Die Wahlkreiseinteilm:g zeige offensichtlich die Tendenz, die Sozialbeniokratie zurückzudrängen. Wenn die vorgcschlagenen Versassnngsänderungen angenvmnien würden, dann könnten Regicrni:g und Erste Kaminer mit der Zweiten Kammer geradezu Schindluder treiben; weiter aber erstrebt die Negierung mit Hülfe eii:es ansgeklügeltm Gesetzes- w^chamsmus eine Vergrößeruug ihres EiiiflusjeS ans das Budget. Gerhard in Ulfa. Freiwillig auSgeschieden ist PostagentDer/.m Ulfa. Gestorben ist Postdirektor a. D Münch in Bad Nauheim. *♦ Beamtensürs orge. Der Neichsverband der Deutschcn landwirtschaftlichen Genossenschaften sorgt in vorzüglicher Weise für seine Beamten. Er hat für sie jetzt zwei Erholungsheime geschaffen. Eines davon, das herrlich gelegene Schloß Lichtenberg i. O., hat der Verband zu diesem Zweck für längere Jahre gemietet und am Sonntag sand nach erfolgter Herrichtung der Gebäulichkeiten durch den Staat imd der Jnnenräume durch den Verband die feierliche Eröffnung statt. Der Reichsanwalt Geh. Negierungsrat Haas hielt eine warm empfundene Ansprache. Die innere Ausstattung ist vornehm und elegant. Am Samstag sind sechs Kurgäste eingetroffen. Weitere werden in diesen Tagen erwartet. Im gangen werden vorerst 22 Zimmer vorgesehen. ** Der hessische Ob st bau verband tagte am Montag unter dem Vorsitz des Abgeordneten Breidenbach in Darmstadt. Es wurde die Beteiligung an der Deutschen Handels-Obst-Ausstellung, Ausstellung von Obstbäumen und Obststräuchern, verbunden mit einer großen internationalen Obst-Ausstellung in Mannheim eingehend besprochen und entsprechende Beschlüsse über die Beschaffung von Obst für die gemeinsame Beschickung, über die Verwendung einheitlicher Verpackungsgeräte, sowie über die Verwendung des Aus- stellungsobfles gefaßt. X Ulfa, 5. Aug. Gestern machte der Verkehrs- oerein Bad Salzhausen und Umgegend einen Ausflug hierher und hielt gleichzeitig im Döllschen Saale eine Volksversammlung ab, in der Herr Häuser von Bad- Salzhausen referierte. Der Vortrag fand reichen Beifall. Es wurde mehrmals zur Diskussion aufgefordert, nieniand meldete sich. Erst nachdem der Referent die Versammlung verlassen hatte, riet ein Herr den Ulfaer Bürgern vom Ver- kehrSoerein ab, da der Verein für Ulfa keinen Wert habe. Trotzdem hat der Verein auch hier durch Aufnahme einiger Mitglieder Eingang gefunden. :: Butzbach, 5. Aug. In einer am 29. Juli hier abgehaltenen gemeinsamen Sitzung, an der einige Vertreter des Landwirtschaftskammerausschusses für Oberhessen, Züchter des Kreises Friedberg nnd der gesamte Stadtvorsland von Butzbach teiliiahmen, wurde die Abhaltiing eines Zuchtviehmarktes am 26. September d. Js. beschlossen. Unternehiiier des Marktes wird der Landwirtschaftskammeraiisschuß für Oberhessen fein, der zur Durchführung desselben die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung gestellt hat, die Stadt Butzbach gewährt Dank ihrem bereitwilligen Entgegenkommen durch Ueberlassung der städtischen Markthalle und Einrichtung deS Marktplatzes dem Unternehnien eine selten schöne Heimstätte und die Züchter der Kreise Friedberg, Gießen und Büdingen werden nut ihren Zuchtprodukten dafür zu sorgen haben, daß den Käufern eine gute und reichliche Auswahl von Zuchttieren geboten wird; da im Bereich des Zulassimgsbezirks sehr leistungsfähige Zuchtvereine bestehen, ist zu erwarten, daß die Siiiimenthaler Lvkalznchtvereine in Rieder-Weisel, Reichelsheim, Burg-Gräfenrode, Rodheim, Ober-Hörgern, Langsdorf, die bekannten Schweinezuchtvereine Lang-Göns und RiederWeisel, sowie die rührigen Kreisziegenzuchtvereine Friedberg, Gießen und Büdingen werden ein Ziichtmaterial liefern, dessen sich die Gemeinde, Vereine und Private ohne Bedenken bedienen können. Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß man den Käufern von Zuchtvieh das Ankaufsgeschäft in dieser Weise erleichtert und verbilligt. Sache derselben wird es fein, von dieser günstigen Gelegenheit ausgiebigen Gebrauch zu machen. Hj Wetzlar, 5. Aug. Roch eine ganze Reihe von Gemeinden unseres Kreises zahlt weniger als 100% der Staatseinkommensteuer zur Gemeindekasse, davon neun Gemeinden 50%, eine 66%% und eine 75%. Neunzehn Gemeinden erheben 100%, acht 150%, sieben 200%; Nur sechs Gemeinden erheben 200—300%. Bei den Nealsteucrn kommen höchstens 200% vor. Die Stadt Wetzlar hat mit 255 948,73 Mk. die höchste und Bermoll mit 291 Mk. die kleinste Geineindesteuersumme. A Marburg, 5. Aug. Bei dem diesmaligen K ö ni g 8 - prämienschießen des Jägerbataillons Königin Margherita von Italien errang die 2. Kompagnie den von privater Seite gestifteten Ehrenpreis (ein Jagdbild). Weitere Ehrenpreise erhielten die Oberjäger Laqua (1. Komp.) und Velten (2. Komp.). Den Ehrenhirschfänger errang Jäger Wolf (4. Komp.). — Zur Niederlegung am Jägerdenkmal bei Wörth sandten aktive nnb ehemalige Jäger ein prachtvolles Blumenarrangement nach dort. — Tie Dreschmaschinen- befitzer des hiesigen und der umliegcnben Kreise schlossen sich gestern zu einer Vereinigung zusammen. Verband reisender Kaufleute Deutschlands! Den Bericht über die Rede des Direktors Müller- Leipzig beim 10jährigen Stiftungsfeste der Sektion Gießen bringen wir absichtlich etwas später, damit die interessanteii Ausführungen nicht in der Festwoche verloren gingen. Herr Müller führte ungefähr folgendes aus: Viel zu ivenig wird die friedliche Eroberung, die der Handelsstand Jahr für Jahr macht, gewürdigt. Wenn von Deiitschen die Rede ist, hört man meist nur von dem Volke der Denker ober dem Volke in Waffen; selten wird des Kaufmanns gedacht und doch ist bei aller Bescheidenheit der Kaufmann als Pionier deutschen Wesens und Sitte anzusprechen. Es ist selbstredend, daß ein Volk, dem ein Dürer, Menzel, van Diek, Rembrandt, Rubens usw. angehörten, auch Kaufleute haben mußte, mit denen „Staat" zu machen war. So sehen wir im Mittelalter die blühenden Handelshäuser der Fugger und Welsen, sehen die ungeheure Macht der Hansa, der sich Könige und Fürsten beugten. War es doch die Hansa, die in der trostlosen deutschen Vielstaaterei mit ihren Kirch - lurmsinteressen, das Ansehen Deutschlands repräsentierte. Wie groß die Macht dieser Handelshäuser war, geht /schon daraus hervor, daß sie sogar versuchten, in Amerika Niederlassungen zu gründen, die allerdings durch spanische Bedrängung zu Grunde gingen. Der Verfall des Reiches brachte den Handel gänzlich herab, daß sogar 1829 die Herrn Seeräuber in Marokko die Republik Hamburg an den fälligen Tribut (für Schutz ihrer Schiffe) mahnen durste. Die Religionskriege (jaben bewirkt, daß, während wir uns um den Himmel stritten, die übrigen Länder die Welt teilten. Ein Lichtblick war die Gründung des „Deutschen Zollvereins*, der erst die Bedingungen schaffte, unter denen der Handel seinen Siegeszug durch die Welt begann. Redner bespricht dann eingehend die neuzeitliche Entwickelung des Handels und der Industrie in Deutschland. Unsere Handelsmarine steht beinahe an der Spitze der ganzen Welt. Deutsche Schiffahrtsgesellschaften haben den Erdball mit einer großen Reihe von Verkehrsnetzen umsponnen, mit einem Worte, überall sehe man blühendes Leben) Man bürte hoffen, daß diese Entwickelung durch die Politik der „offenen Türe" gefordert würde und daß die Hochschutzzollbewegung nur eine hoffentlich bald vorübergehende Episode im Welthandel bleiben werde. Erforderlich sei, daß auch in der Diplomatie mehr kaufmännische Erwägungen Einfluß auf die Gestaltung der Handelsbeziehimgen der Rationen gewinnen; ein Anfang sei schon durch DernburgL Berufung geniacht worden. Zu allen Erfolgen des Deutschen Handels haben in erster Linie der reisende Kaufmann beigetragen. Es sei eine Lust zu sehen, wie diese Vorposten und Bahnbrecher deutscher Tüchtigkeit und Fleißes m allen Weltteilen unermüdlich tätig sind. Ueberall wo es gilt, kaufmännische StandeSehre, Fortschritt, Hinwegräumimg von Verkehrshindernissen (Fahr- tartenfteuer, Aufhebung des Freigepäcks, Schnellzugszuschläge, Kosten der Agentenbricfe) zu fördern, habe der Verband reisender Kaufleute an der Spitze gestanden. Wie der Reisende und seine Firma zusammenhalten, so sei auch der Verband mehr wie nur eine Organisation der Reisenden; gehören ihm doch circa 5 0 00 Firmen, Handelskammern, kaufmännische Korporationen :c, an, sodaß zu hoffen sei, der Verband werde mehr und mehr eine Vertretung des gesamten Handels werden. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß, wie der Verband so auch der ganze deutsche Handel das Bild glänzender Entwickelung auch fernerhin in immer steigendem Maaße zeigen möge. Der Sektion Gießen sind eine ganze Anzahl ordentlicher und außerordentlicher Mitglieder (Firmen) neu beigetreten; m Anbetracht der gemeinnützigen, humanen Tätigkeit des Verbandes hoffen mir, baß bie noch fernstehenden Kollegen und Firmen durch zahlreichen Beitritt seine hanbelsförbernde Tätigkeit unterstützen helfen. Gr. T. gpwlplak drr vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Mittwoch den 7. August, abends halb 8 Uhr: „Ton Juan." iVolksvorstellung.) Donnerstag den 8. August*): „Die Jüdin." Freitag den 9. August, abends halb 8 Uhr: „Salome." Samstag den 10. August, abends halb 7 Uhr- „Lohengrin." Sonntag den 11. August: „Tie Zanberftote." Momag den 12. August, abends halb 8 Uhr: „Tie lustige Witwe." Schauspielhaus. Mittwoch den 7. August, abends halb 7 Uhr: „Faust." Erster Teil mit Prolog im Himmel. Donnerstag den 8. August, abends halb 8 Uhr: „Die Rabensteinerin." Freitag den 9. August: „Ein Blitzmädel." Samstag den 10. August: „Die Rabensteinerin." Sonntag den 11. August, nachmittags halb 4 Uhr: „Alt-Heidel- vcrg." Abends 7 Uhr! „Mamsell Nitouche." Montag den 12. August: „Die Rabensteinerin." •) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. i möbl. Zimmer sofort zu Franks. Str. 39, II. [05600 an verin. W Für die 5 Zimmer zu Gießen. Handschrift. De/, Schuhwarenhaus Marktstr. 9 Telephon 434 Wetter^asse Nachhilfe u. Mk. r Seife ff. iieutö sdiiertrayt A. Salomon & Cie. enrpfehlen empfehlen wir: “ 18 Reisekissen Gebrüder Berta 3 Zimmer SS10/, 1 Lahrburshk gesucht. ÜÖ609 2 Zimmer und des [hv!/s Zu verkaufen $1rll cib(i:)chfd)f 3n ucrmictiä WeWülche llcrrdiiebcncv. (Offene Stellen WM Vereine w cn ) Sport-,Strand- Gebirgs- und Promenaden- Schuhe und Stiefel in mod, formen u.sehraparten janz neuen färben. Die Gerichlsfchreiberei Gr. 2lmtsgerichts Schotten jucht für anfangs Oktober einen Schreibgehilfen mit guter i ) Hand-Arbeite A. Salomon & Cis., Schulstr. 4. 8, 10, 12 10 Neue Kartoffeln X in bekannter la. Güte verkauft Karl Pcufch, Kinzenbach. 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ES wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung beß ernannten ober bie Wahl eines anberen Verwalters, sowie über bie Bestellung eineß Gläubiger- auZschusseS unb eintretenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Donnerstag, den ö.Septbr. 1907, vormittags 9 Uhr vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer Nr. 18, Termin anbe- caumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben ober zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen ober zu leisten, auch bie Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache unb von den Forderungen, für welche sie aus der Sache, abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 28. August 1907 Anzeige zu machen. Großherzogliches Amtsgericht L-Ziuun.-Wohn., l.St. m. Mans., Babezunm., Küche, Zubetz, an ansl. kleine Familie zu vermieten. Zu erfr. 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