Dienstag 8. April 1907 157. Jahrgang Nr. 7 I Aus Aus Aus Aus Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, dem Truck von (Biebeln und Dächern, der Strafen quetschender Enge, der Kirche,l ehrwürdiger Stacht 3lu» Stadt und Land. Sprechstunden der Redaktion: 1/2 12—1 Uhr vorm., Vs 7—Vs 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme' von Samstag und Sonntag). Gießen, den 2. April 1907. M Rücktritt vom Universitätsrektorat. Man teilt uns mit: S. K. H. der G r 0 ß h e r z 0 g haben durch allerhöchste Entschließung vom 27. März geruht, den Großh. Geh. Medizinalrat Tr. Bostroem aus fern Nachjuchen von dem Amte des Rektors der Landesunlversiiät mit Wirkung vom 1. April zu entheben. An sei u er Stelle übernimmt der Exreklor, Geh. Hosrat Pros. Tr. B e h a g h e l, das Rektorat. Geheimrat Bostroem ist, wie wir hören, seit Monaten erkrankt und auch der Aufenthalt in einem Sanatorium hat ihm wohl einige Besserung, aber nicht vollkommene Genesung gebracht. Sein Entschluß, das Rektorat niederzulegen, ist umso bedauerlicher, als bisher in seinen Händen nn weseni- optimistisch gehalten, um die öffentliche Meinung günstig für bic energische Aktion Frankreichs zu stimmen. Am 24. v. M. uv formierte Frankreich die Mächte von seinem Vorgehen, ohne deren Zustimmung -u verlangen. Einer solchen Mitteilung gegenüber blieb den Staatskanzleien nichts anderes übria, als lediglich deren Empfang zu bestätigen. Offenbar beabsichtige Franl- reich alle Verantwortung für die Entwicklung der Dinge au, Tenn sie sind selber aujerslauden niedriger Häuser dumpsen Gemächern, Falstaff, die iveihevolle Type von Proiessor Olto Huppes. Tas ist itilurgie in Bilchstaben. Mit einem präzisen last zu krä'tlgen Rhythmus der Form verkündet sich bei der Huppe'jcheu Druckjchrnt deutsche Frömmigkeit und heiliger Ernst. Kein Geringerer alS 'Altmeister Dürer schaute (so mutet diese Type an), beim Schaffen und Nachsinnen Huppes über die Schultern. Toch nicht von Buchstaben allein lebt die schwarze Kunst. Die entzückenden Zieraten eines Heinrich Vogeler, Cijsarz, E h m k e und Engels sind wichtige Faktoren unseres modernen BuchdruckschmuckeS. Das Beste von Vogeler zeigt die Ausstellung: seine Monatsbilder und Jahreszeiten. Tann der ehemalige Tarmsiädter Künsllerkolonist Eisjarz. Wie frisch ist feine Auffassung in den ausgestellten Rheinlandschasten. Tas lebt und freut sich des LebenS. Ehinke tritt hervor durch solche Ornamentwappen für Chroniken, Engels allerliebste Zierleisten sind zur Genug« bekannt. Wer in dieser intimen, aber so hochbedeutsamen Ausstellung an den Blältern entlang wandelt, den überkommt ein Geiühl dec Widerwärtigkeit und des Ekeis, wenn er an die sündhaste Geschmacklosigkeit denkt, die heute noch auf Titelseiten und in Druckwerken sich breit macht. Dabei umgibt uns das gedruckte Wort vom ersten Au'jchlag unserer Augen bis zur finfenben Nacht von dem Tage, da wir zum erstenmal die Fibel in die Hand nehmen bis zu der Stunde, da der Strahl unseres Auges bricht. Welche Un- lumme Gedrucktes überfliegen wir täglich, ja stündlich. Ta ist es eine Broschüre, dort eine Reklameschritt, bald eine Menukarte, bald em Zeitungsblatt, bald em Wis,eu,chastliches Buch, bald Untet- haltunuslekiüre. Wie aber ist da o't die Type, wie das typographische Bild? Schauderhait. Aeußerer FtrmS, nn Kenne aber untünsilerisch bis zum Al scheu. Tabei sind — nun höre man und staune — die gute moderne Schritt und der Truck des künstlerischen Zierats billiger als der gleißende Schund, den wir tagsüber gerade m Gutenbergs Reich zu sehen kriegen. Wenn em Kunstgebiet daher mit aller Macht vorwärts schreiten muß, dann das des Buchdrucks und Schmucks. Tas Schriit- turr/unb seine Gestaltung ist ja ein lünstlerijcher Gradmesser für das deutsche Volk. Ta handelt es sich nicht um Luxus, um die Befriedigung jettener Wütijche, da spricht loder joltte es wenigstens) em ganzes Volk mit. Und das wunderbarste: Bet dem Sclut't- tuin kann es keine reltgiöjen oder jotistigen Alelnungsveilchleden- yeiten geben, die etwa stotenb in den Weg treten fönnten. Trum ist es an der Zett, daß die Wege, die Eckmann, Behrens und Huppe uns gezeigt haben, weiter befchrnten werden. Wie wir durch das Buch Belrhruiig oder Unterhaltung schöpien wollen, so soll uns der tote Buchstabe, in tünstlcrnche Form gegoßen, em weiterer Kultur- laltor jein und werden, em Kultursaktor, der als Ziel M» Schöne, den guten Geschmack hat. Wo die sel'gen Geister geh'n, Wo nach heißer Tage Glut Unser Freund im Frieden ruht . . . Unsere Friedhois- und Grabmalskunst liegt noch arg danieder. Wir begnügen uns mit oben abgebrochenen Marmorsäulen, mit stereotypen GrabeSengeln. Damit ist unsere Grabmalskuiist schon am Ende ihrer Erfindungsgabe. Toch noch em zweites kunstgewerbliches Handwerk gibt es, das bis heute ein Stiestmd geblieben ist. Und dieses vernachlmsigte Handwerk ist die Kunst, die em Gutenberg uns geschenkt hot: D 1 e schwarze Kunst. Wie iveit wir im künstlerischen Buchschmuck und -Truck noch zurück sind, wie voran wir aber sem könnten, sein müßten, das sagt uns eine A rtsstell u n g, die gegenivärtig im Kunst- ge werbe- Musenm zu F ra n tf u v t a. M. zu sehen ist. Ta ichaul das Ange auf dmtlelblauem Wandhintergrimde in weißen Rahmeii Blätter um Blätter, bie von der Kunst eines bei aller Zierlichkeit doch kräftig wirkenden Otto Eck mann künden, uns e t e r Behrens' feierliche Typen anfimmeti heißen, uns nut dein .liturgischen" Buchstaben von Otto Huppes bekannt machen, uns zum Verweilen zwingen bei der anmutigen Kunst des Worgsweders Heinrich Vogeler, ups die seltene, irisch zu- grelfende Kunst eines Cijsarz, E h in k e, König, Fuchs, Kleukens und T 0 e g b a r S (d. I.) ms Gedächtnis zurückruien. Kurz, die Ausstelliliig zeigt uns die Hunfi 1 in Buchdru cf. Tie OffenbacherFirrnaGebrüderKlingsporistdie Ausstellerin. In der weitverzweigten Offizin ist Jahr um Jahr unermüdlichen Schaffens vergangen, um die deutsche Kunst um einen neuen grünenden, blühenden Zweig zu bereichern, uni die Buchdruckkunst. Ein Otto Eckmann wurde beeilten. Er zeigte, daß nicht nur der tote Buchstabe in feiner alten überlieferten Form em Werk füllen darf, daß jede Seite eines Buches ein Bild, in sich ab- gejchlosfen, darstellen muß. Zn den Typen gesellte er die llm- rahmung, 0 r n a m e n t a l e 3 1 e r ft ü cf e. Ans den römischen Vettern gestaltete er Buchstaben von Wucht und Gröue. GoihikundRenatssance mußten znni Eckniami'fchen Buchstabenreiormiverk ihr Beites her- geben. Tas tvar wohl nn Jahre 1900. Im folgenden Jahre roar bereits Peter Behrens am Werke. Tie Blatter an den Wanden der Buchte nckkunstauSslellung lassen Vergleiche zwischen Eckmann und Behrens zil. Hier der Fritlwerstorbene nut seiner imposanten einheitlichen Wirkimg, zuweilen kapriziös im Einzelnen, dort Behrens mit der Strenge des Notbteuljchen. Tie Behrens-Typen sind wuchtig, sind keine Bncbiiabempielereien, sondern geboren aus echtem Künstlerherzen, finö ernst-feierlich. «Diit dem Strebe» und Luchen nacb neuen Typen erhielt auch der Buchschmuck em jcköncs, ornamentales Gesicht, Buchstaben und Buch wurden cm inniges künstlerisches Ganze durck) deii typographischen Schmuck ditrch Bänder, Ränder und Zierleiste». Sieben Lehrens bann bie maiesiänjche Köiiig-Annqua, bre Rellamejchrist sich zu nehmen. ~ Und alle anderen Mächte schauen zu, tote Frankreich, das doch durch die Algeciras-Konserenz von gefährlichen Marokko-Plänen abgehalten werden sollte, sich in Marokko sestzuseyen beginnt. Vor Jahressrist waren wir imhe an einem Kriege mit Frankreich um Marokkos willen, und nun legen wir die vände beschaulich in den Schoß, obwohl Frankreich den Fall M a u ch a m ps als erwünschten Anlaß nahm, seine egoistischen Pläne dort durch- zusetzen. Auch tote Besetzung von Udschda und bas Schweigen Deutschlands dazu ist ein Zeichen dafür, wie erfolglos für uns die Algeciras-Konserenz war. Das Vorgehen Frankreichs hat sicht- barlich nur in Spanien ernste Besorgnisse wachgeruttn. Möglicherweise um dies ezu zerstreuen, wurde vor Ostern angckündigt, Clemenceau, Pichon und Sarraut würden auf Ferienbesuch über die Pyrenäen gehen. Der franz. Ministerpräsident Clemenceau hat indes seine beabsichtigte Reise nach Spanien au,gegeben, weil er einen allgemeinen Ausstand der Angestellten der Lcbens- mittelbrauche befürchtet. Der Minister des Aeußern Pichon bagegen wird nicht nach Spanien, sondern gleich direkt n a ch Marokko reisen! Ossiziell heißt es, er hätte nichts weiter als den Austrag, am Sarge des ermordeten Arztes Mauchamps das Kreuz der Ehrenlegion niederzulegen. Was er sonst dort zu Gunsten seines Landes machen wird, das werden wir wohl erst erfahren, wenn wir dabei den Kürzeren gezogen haben werden. Beachtet zu werden verdient auch, daß der offiziös so deutschfreundliche marokkanische Sultan soeben mit einem englischen Hause eine zirke Vlacsa wüteten an vier Orten furchtbare Schlachten. Bauern- ttupps von je 2000 kättipften gegen Militär, das Kanonen an- ; waiidte. Zwei Horden wurden bei Clejani und Dimbowitza gänz- ■ lieh zertrümmert. — Selbst wenn man zugibt, daß viele der Meldungen bettächttich übertrieben haben, so muß doch die Situa- Dcr tote Buchstabe, seine Kuvst und Zukunft. (Zur Luchdruckausstellung im Frankfurter Kunstgewerbemuseum.) Von I 0 s e f M. I u r i n e k-Jranksurt a. M. (Nachdruck verboten.) Wenn wir heute zurückbenketi an bie Anfänge und den seltsamen Eiitw'ckeliingsgang, den unser mobernesKunstgemerbe durch- gemacht Hai, jo muß uns cm' gelinder Schrecken befallen. Und doch iprccheii wir erst von moderner kunstgewerblicher Bewegung seit etwa 18)0. Gerade diejes Gebiet der Kunst war bis bahnt vernachlässiot, brach höchstens dann und wann in die Garten der sephaften Ki »stgejchwister ein und fristete als Notslanbslinb der Kimsl tem ärmliches Tajein. Ta kam auch für diejes Heimchen am beutjchen Kunstherde der Tag, da es aus seinem Dornröschenschlaf erwachte und sah, wie viel es durch Tatentojlgkett und Gleichgültigkeit verloren, wie viel es nicht geleistet halte. LezejjioniSmus, Realismus und Impressionismus feierten bereits Orgien, man opferte ihuei schon atif den Altären der Volksgunst und Popularität. Tos Kuiislgewerbe dagegen tat sich noch gütlich und verstecken im l.rväterhausrat. 9lod) länger hätte bie Tatenlosigkeit gedauert, wenn nicht mit Automobtlgejchwiudlgkeit unsere itebeiis- gewohnheilcn verfeinerter, raffinierter (sagen wir es getrost heraus) genußreicher geworden wären. Wir wollten gemeyen nicht nur mit dem S nue des Geschmackes, dem Gaumen und der Zunge, ondern es erfaßte uns urplötzlich em Heißhunger des Auges, cchon wollten wir Kunst um unS, Kunst in linieren Bauten, innerem Heim, unseren Gärten; Kunst l Kunst! Tie Resormler wuchien und schonen am. Co viele ihrer erstanden, so wenige bachteii an bas, was uns vom ersteii bis zum letzten Tage wie ein ewiger Begleiter umgibt: Tas gedruckte Wort; kurzweg : Ter Buchstabe. Unsere Möbel wurden kuustgerechier, unsere Häuser m etwas lueniqiteus dem Moloch Alltäglichkeit entufjen, untere Straßen- und ctäöubilöer bekamen Farbe. Wenn die Sonne ihr Wolken- boudolr verließ, da brannte sie nicht mehr aus eintöniges Gemäuer hernieder, das höchstens durch goldene Zinnen und kiipierne^Tacher umerbrochen war, nein, da unten in den Städten, in den -Straßen unb Gaßeir war es fnrbenlebenbig geworden; es leuchtete wieder auf m sat em Grün der Fenstergesimse und Türverjchalungeu, in dunklem cder hellerem Rot des Gesteins, in matten, abgetönten Farben rud Schattierimgen. Tie Balkone wurden wieder mit Blumen bepflanzt und bie Straßenwanberer grüßten and den Hohen bet Stockverke farbenfrohe Blütenköpfchen. Aber vor einet Psotie ha)en bis jetzt bie Reformier des modernen Kunstgewerbes immer ucch Halt gemacht, jenen Toren, von denen Heute trostspendend singt: Vor des Friedhofs dunkler Pforte Bleiben Leid und Sorgen steh'n, Dringen nicht zum herfgen Orte, Sind sie alle ans Licht gebracht." Aus Licht gebracht wurden in der Karwoche mit Hülse beider Kammern em paar für bas Großherzogtum Hessen hochwichtige Reforiuen, bie sog. kleine Finanzresotm und die Reform m den Einkünften bet Staatsbeamten rmb Lehret. Von symptomatischer Bedeutung war die freiwillige Unterordnung der Ersten Kammer unter bie Beschlüsse der Zweiten Kammer. Diese im Interesse der "Allgemeinheit geschehene 9ladigiebigfeit von einer solchenSene verdient bie uneingeschränkte Anerkennung aller Beoölkerungskreise des xtanbes. Warme Worte und eine offene Hand fand man auch in der Ersten Kammer zu Gunsten der Landesunwersität sowie der Gießener meteorologijchen Station, wofür man ihr in unserer Stadt besonderen Tank wissen wird. Fürst Bülow verbringt bie Osterzeit in Rapallo. Am Karsamstag besuchte ihn bort bet ital. Minister des Aeugern T i 110 n 1. Ter Zweck der Unterredung ist unbekannt. Möglich, baß er mit einer Aussprache über die Haager Konferenz zujammenha>igt, außerdem auch die Politik des Alittelmeeres betrifft, bie burch bie marokkanische Frage nicht nur, sondern auch burch bie nie ihrer Vöiung entgegengehenbe kretische Frage und die Frage der Balkanpolitik bauernd m der Schwebe gehalten wird. Tau Teuisch- lanb eine neue Orientierung, oder gar einen neuen Kurs in der Balkarnrage vorzunehmeu beabsichtige, kann man aus den bis jetzt vorliegenden Tatsachen nicht schließen. Möglich wäre es freilich immerhin. Ttemerlenswert sind einige ital. Pretzsttrnrnen. Die rorn. „Tri. una", ein offiziöses Blatt der ital. Regierung, schrieb, sie lonnc versichern, Deutschland unb Italien Betrachteten mit gleicher Ruhe die marokkanische Frage. Was die Abrüstung anbettifst, so habe Tittoni schon im vorigen Jahre in der Kammer erklärt, daß er den engl. Vorschlag mit Genugtuung betrachte und oaß er den italienischen Delegierten bei der Frieden-: kotiserenz den Austraa geben werde, die englische Initiative zu unterstützen. „Gionale del Popolo" brachte aus angeblich guter Quelle folgeiide Information über die Stellung bei Mächte zur Maroktosrage: Obschon ein Grund zu Alarm- nachrichten fehle, seien doch die Pariser und Londoner Meldungen geeignet scheinen. Deutsches Reich. Berlin, 1. April. Ter Kaiser hat in Sachen der Wittener Roburitkatastrophe amtlichen Bericht vom Dberprübbcntcn über schwere Anschuldigungen der Presse wegen verspäteter Au s z a h l u n g s e in e r U n te r st u tz u n g S- gelber eingeforbert. Bekanntlich hatte der Kaiser 25 000 Mk. Hilfsgelder telegraphisch gespendet, aber keiner der Hinterbliebenen batte bisher auch nur einen Pfennig ter Kau er spende gesehen. Endlich nach vier RLonaten ist das Geld auf großem Umwege über die verschiedenen Instanzen in Witten eingetronen — Ter Kaiser hat tem Wirkt. Geb. Oberregierungsrat Carl Gamp, Besitzer des Fideikommisses Massauen in ter Provinz Ostpreußen, Mitglicde des Abgeortettenhanses, den erblichen Adel ,unb die Freiherrliche Würde verliehen. — Auf Anordnung des Kultusministers sind in der Provinz West Preußen zur Bekämpfung des S ch u l str e i k s vierzig Schulgemeinden, in denen der Streik polnischer Schulliiider unvermindert andauert, vom 1. April ab sämtliche Stautsbcihilfcn zur Unterhaltung ter Schulen entzogen worden, wodurch die Schulsteuern beträchtlich erhöht werten. Osnabrück, 1. April. Tte Regierung lehnte bet der Verstaatlichung des hiesigen katholischen bischöflichen Lehrerseminars die Uebernahme der g e i st l i ch e n S e m i - narlehrer mit Ausnahme des Direktors ab. (Rat. Ztg.) Hamburg, 1. April. Aus Anlaß ter Aufnahme der SehiifSi Verbindung mit Westasrika in den Dienst ter Hamburg Amerika-Linie richtete der Kaiser an den Generaldirektor Ballm, ein Glückwunsch-Telegramm. Mannheim, 1. April. Ein anarchistischer Kongreß, ter in einem entlegenen Stadtteile abgehalten werden sollte, wurde polizeilich aufgelöst. (Den in Offenbach und Franksutt ang^ kündigten, aber verbotenen Anarchisten-Kongreß halte man sich anfangs entschlossen, „in ter diühe von Ottenbach" abzuhalten. Nach einer Rieldung aber scheint man auch davon abgekvmmen zu sein und sich in Mannheim versammelt zu haben, wo inteß die Polizei auch nicht mit sich hat spaßen lassen. D. R.) Karlsruhe, 1. April. Dem Chefredakteur der „^traßb. Post" Pascal David in Straßburg und dem Chefredalteur der „Karlsr. Ztg." Katz in Karlsruhe ist teis R i 11 e r f r e u j 1. Kl. des Ordens vorn Zähringer L ö w e 11 verliehen Worten. tioit bort recht kritisch und Reformen speziell aui agrarnajcm Gebiete bringend notwenbig sein, um berartigen Zuständen, bie bas Ansehen bcs Lanbes und seine Krebitsähigkeit schwer schäbigen können, für die Zukunft vorzubcugen unb Maßnahmen zu treffen, bic eine gebeihliche wirtschaftliche Entwicklung zu jichern /HrlrtSF Q © moLaihfai zweimal wöchentlich das ouciuäits 20 V'enntg. General-Anzeiger für Oberheffen . MW w. T«"'ch-N- Rofationsöru(f und Verlag der vrLHNchen Unlv.-Vuch. °nd Stelndruckerel. ». rangt, «edam»». Ssv-dttwn und vruckerel- rchulftra«. 7. »'q6,'l,tlhn£l<1T. *,ni Anzeiger Gießen. ««c— g)te heutige Kummer umfaßt 10 Seiten. politische Wochenschau. Gießen, 2. April 1907. Tie O st er feiertags find nun vorüber und mit frischen Kräften gebtS jetzt nach den Ruhetagen wieder in die Lebensarbeu hinein. Älit ungewöhnlicher Genugtuung dürfen wir auf die diesmaligen Osterfeiertage zurückbticken. Tie gütige Natur batte den Erholungsbedürftigeii wahre Festtage gespendet, wie im Vorjahre. In den leicht sich grünenden Büschen jubelten die Vögel. In de» Gärien sah nmn die ersten lieblichen Vlinnenkinder des Lenzes: bie Crocuffe und Leberblümchen, Veilchen und Tulpen rc., und allenthalben lag glänzender Sonnenschein. Die Lntt war so schmeichlerisch, nulte, so wohltuend, als ob eine Verschiebung des llatenders emgetteten schien. Wenn Pfingsten sein Renominee wahren ivill, wird es besondere Anstrengnngen nötig haben, um den Effekt zu übertreffen, den die Osterfeiertage dieses Jahres hinterlassen haben. Das herrliche Wetter, bas sich tm vollen Einklang mu der Weiterprognofe zeigte, gab natürlich das Signal zu fNaffen- wanberuugeu. Vielleichi blieb nur immer der zweite oder drille Emivohner m seinem Heim zurück, und man sah die Well nm jenem weihevollen Oslerzauber umspannt, den kein Dichter er- jchöp'ender geschildert hat als Goethe in den unvergängtichen Versen: „Jeder sonnt sich heute so gern; Sie feiern die Auferstehung des Herrn, lichcn die niannigfachcn Vorbereitungen für die UniversitätS- jubelfcier ruhten. Es ist ein seltsames Mißgeschick, von dem gerade in letzter Zeit die Universität betroffen wurde. Der Tod der Professoren W. Oncken, Höhlbaum und Stade, mit denen ein hochbcdeutsames Stück der neuesten Geschichte der hessischen Landcsuniversität dahingegangen ist, machte sich in den Fest-Kommissionen sehr bemerklich. Dazu kam dann noch der Rücktritt einiger Herren von den ihnen übertragenen Kommissionsämtern. Die aus gesundheitlichen Rücksichten nun gebotene Niederlegung des Rektorats durch Geheimrat Bostroem ist die schwerste Unbill, die den Festvorbereitungcn zuteil werden konnte. Sie möge die letzte sein, und möge sich unter der Leitung des im Vorjahre als Rektor bestens erprobten Geheimrats Vchaghcl nun störungslos die gesamte Vorarbeit zum Feste vollziehen. S ch u l p e r s o n a l i c n. S. K. H. der G r o ß h e r z o g haben den Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Mainz Profeffor Dr. Joh. Baptist Seidenbcrger zum Direktor der Realschule zu Gernsheim ernannt. • * F o r st p e r s o n a l i e n. Am 23. März d. I wurden die Forstreferendare Edwin von Becker aus Dic- denhofen, Gust. Friedrich aus Alzey, Fritz Knaf aus Büdingen, Karl Reiß aus Offenbach, Gg. Wagner aus Alzey und Otto Zimmer aus Darmstadt zu Forstaffessoren ernannt. • • Verhaftet wurde der Metzger Bernhard Hoffmann aus Schleifer, weil er unechte Uhrketten für echt goldene unter den falschen Vorspiegelungen, er sei mittellos und in Noth, verkaufte und zum Verkauf anbot. Hoffmann hielt sich unter falschem Namen hier auf und hatte noch einen Komplizen bei. sich, der sich aber seiner Verhaftung !durch die Flucht entzog. Daß das Geschäft ging, beweist, daß beide vom 1. bis 2. Feiertag nickt weniger als zwei Dutzend für 50 Pfg. eingekaufte Uhrketten in Preislagen von 2.50—3.00 Mk. an den Mann brachten. • • Das altbekannte Restaurant zum Andres geht am 4. April an den seitherigen Pächter des »Hessischen Hofes" Kaltwasser über. - E i n e n t s e tz l i ch e r U n g l ü ck s f a l l, der einer jungen Gießenerin da§ Leben kostete, trug sich, wie uns aus Darmstadt telegraphisch gcnieldet wird, am 1. Osterfeiertag nachmittag ini dortigen neuen Hotel-Restaurant Heß zu. Im 3. Stockwerk des Hintergebäudes hatte das Personal gerade zu Mittag gegessen und das Geschirr sollte mit den, ziemlich schweren Materialaufzug nach unten gebracht werden, als das seit etwa 14 Tagen dort in Stellung befindliche Dienstmädchen P. Althaus den Kopf durch eine zerbrochene Scheibe des Aufzugs steckte und dem Führer zurief, er solle sie noch mitfahren laffen. Der Aufzug war aber in demselben Augenblick gerade in Bewegung gesetzt worden und schnitt den Kopf des Mädchens glatt ab, so daß es sofort tot war. Eine gerichtliche Untersuchung des Tatbestandes wurde sofort eingeleitet. Die Leiche des Mädchens 'würbe nach dem Friedhof gebracht. •* Der Vorstand der Landwirtschaftskammer von Hessen hielt am Samstag eine Sitzung ab, zu der auch die Vorstände der ProvinztalanSschüsse von Obcrhessen (Abg. Korell) und Rheinhessen zugczogcn waren. An Hand ausführlicher Referate rourbe bie Beteiligung an den Ausstellungen in Düsse l borf unb Mannheim besprochen und definitiv beschlossen. Weiter wurde beschlossen zur Ergänzung der Kaimner bei Sonderberatungen folgende Herren vorzuschlagen: Geh. Hofrat Prof. Dr. W a g n e r-Tarm- stadt, Prof. Dr. Gisevius-Gießen, Oekononuerat Goethe- Darmstadt, Forstmeister Dr. Weber-Konradsdorf, Land- tagsabg., Rechtsanwalt und Notar von Brentano- Offenbach, und Geheimrat Wilbrand-Darmstadt, sowie ein noch zu ernennender Vetcrinärarzt. Weiter beschäftigte man sich noch mit der Anstellung von Beamten. Ockonomieral Dr. Müller, sowie Dr. Hamman, die seit Jahren bei beni Landwirtschaftsrat beschäftigt sind, wurden definitiv als Beamte übernommen. ** Hessische Landes-Ausstellung 1908. Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die Platz geslaltung und die provisorischen Bauten der Hessischen Landesausstellung für freie und angewandte Kunst lin Darmstadt 1908 ist offen für alle im Großherzogtum geborenen ober dort ansässigen Künstler. Tie Entwürfe müssen bis zum 11. Mai eingereicht sein. Das Preisgericht besieht aus Geheimerat Frcih. v. Biegeleben, Geh. Baurat Professor Hofmann, den Professoren Olbrich, Pützer und Scharoogel. ,An Preisen stehen 3000 Mk. zur Verfügung. Der Wettbewerb erstreckt sich auf die Ausstellungsbauten, Gebäude «für angewandte Kunst, Kaufhallen und Resiauratiousgebäude. = Wieseck, 1. April. Am Samstag fand hier die Ersatzwahl für den kürzlich verstorbenen Bürgermeister Sommerlab statt, die recht ruhig und ordnungsgemäß verlief. Von 580 Wahlberechtigten machten 407 von ihrein Stimmrecht Gebrauch. Schreinermelster Karl S ch o m b c r erhielt 203, Landwirt Hch. Neckel 147 und Kaufmann Ailg. Seibert 57 Stimmen. Da Herrn Schomder zwei Stimmen an der absoluten Mehrheit fehlen, hat zwischen ihm und Herrn Neidet Stichwahl slaltzufiuben. — Klein-Linden, 1. April. Diirch das stetige Anwachsen der beiden Gemeinden Großen- und Klem-Linden haben sich die Amtsgeschäfte des Geistlichen derart vermehrt, daß eine Kraft dazli nicht mehr ausreicht. Das Großh. Oberkonsisloriiim hat diese Tatsache erkannt und geht nunmehr mit dem Plane um, für Klein. Lin den eincPfarr- Assislenten stelle zu errichlen und hier einen zweimaligen Gottesdienst emzurichtcn. Durch diese Maßnahme wird außerdem eine Verteilung der überaus zahlreichen Kirchenbesucher eintreten und die in Frage stehende bauliche Erweiterung unserer Kirche auf spätere Zeiten hinausgcrücki werden können. + Großen-Linden, 1. April. Das überaus günstige Osterwetter. hatte eine wahre Völkerwanderung nach den Waldungen in der Lindener Mark heroor- gcrufen. Es ist in der Tat ein unvergleichlicher Genuß, in den forstlich schön gepflegten Watdanlagen, abgeschieden von dem lärmenden und hastenden Stadt- und Straßenverkehr, das Auferstehungsfest m dieser friedlichen und lieblichen Waldeinsamkeit begehen zu können. Wem es int Hause zu enge wird, der suche unseren Wald auf — hier atmet alles Freude, Leben und Glück, ? Lich, 30. März. Der Gesangverein „Cacilia" veranstaltet Mitte Juli eine größere Festlichkeit, verbunden mit Fahnenweihe. Die Fahne, die in kunstvoller Sccken- Handstickerei ausgeführt wird, ist der hiesigen altbekannten Fahnenfirma Hermann Hisgen (vorm. Gg. Hisgen) zur Ausführung übertragen worden. Butzbach, 31. März. Ein hier ausUrlaub weilender Soldat des Dragoner-Regiments Nr. 23 siel heute nachmittag bei einem Spaziergang so unglücklich, daß er ein Bein brach. Er wurde noch am Abend in das Militärlazarett nach Gießen verbracht. — Friedberg, 1. April. Die Pachtung des Burg- bergS zwecks Herstellung von Anlagen und Promenaden ist jetzt von allen in Betracht kommenden Instanzen genehmigt. Tie Pachtung ist zwischen Stadt und Fiskus auf 25 Jahre abgeschlossen,'die Stadt zahlt 300 Mk. jährliche Pacht. Tie rege Bautätigkeit der letzten 10 Jahre hat die früher ausgedehnten Anlagen und Spaziergänge so beschnitten, daß ein Ersatz nötig ist, und so soll der schön gelegene Burgberg hierzu eingerichtet werden. Der Verschönerungsverein will 2000 Mk. beisteuern, wenn die Anlage nach den Plänen eines fachkundigen Landschaftsgärtners geschieht. X Harbach, 1. April. Der Sohn des Gastwirts Scheld von hier wurde heute tot aus dem Ortsteich gezogen. Was den Bedauernswerten in den Tod getrieben, ist unbegreiflich, da die Familie in guten Verhältnissen steht. Da§ Mitleid mit den Angehörigen ist allgemein. k. Vom Vogelsberg, 1. April. Der Bismarck- turm auf dem 780 Meter hohen Tau fstein wird im April bei günstigem Wetter bestimmt in Angriff genommen, nachdem jetzt die letzten Verhandlungen mit den Behörden sowie die Geldfrage geregelt ist. Tte Grundsteinlegung wird um Pfingsten, die Einweihung im Herbst erfolgen. Die Pläne hat Architekt Hofmann-Herborn entworfen, die Arbeiten führt Bauunternehmer Winn-Gießen aus. Von der Station Hart- mannShain an der neuen Vogelsbergbahn wird der Turm in etwa s/i Stunden zu erreichen sein. fc. Büdingen, 31. März. Die Hochzeit des Frhrn. Cornelius v. Heyl zu Herrnsheim mit der Prinzessin Mathilde zu Psenburg und Büdingen findet am 11. April im hiesigen Schlosse statt. fc. Frankfurt a .M., 31. März. Die Vereinbarungen zwischen der Stadt und der Frau Georg Speyer über ein vor einiger Zeit angekündigtes Vermächtnis zu wissenschaftlichen Zwecken sind jetzt endgültig geregelt worden. Die Stadt erhält nach dem Tode der Stifterin 3 Millionen Mark. Weitere 100 000 Mk. werden alsbald gespendet, damit die Verwaltung der Stiftung sofort in Funktion treten kann. Frankfurt, 31. März. Im Palmengarten sehen wir erst die Kätzchen der Weiden und Hasel, Schneeglöckchen und Wmterstern, während andere Frühblüher sich kaum zu regen beginnen. Blicken wir uns aber in den Schaiihäuiern des Palinen- gartenS um, so vermissen wir die Blüten des freien Landes nicht, beim hier sehen wir Blumen in reicher Fülle. Hervorragend sind besonders die Orchidee n vertreten, von denen wir in der vorderen Abteilung von Haus 10 eine prächtige Kollektion sehen. In den mannigfachsten Formen und Farben zeigen sich diese Bewohner der tropischen und subtropischen Zonen, bie Cattleyen Columbiens, bereit schöne Farben so auffallcnb sind, die Lycacten mit den großen dunkelrot nüauzierten Blumen, verschiedene Ten- drobien von indischer Herkunft, darunter das reinweiße Tendrobiuin iormosum gigantum aus Moulrnain, bie leuchtend goldgelben Önci= bium Eavendishit aus Guatemala, der aus Assam stammeude Phajus assanucus, bie Cypripebien, sie sinb im Verein mit zierlichen Formen zu einem anmutigeu Bilde vereinigt. In Haus 3 ist das Topsrosensortiment, bas dort auch getrieben worden ist, ausgestellt; der eben beginnende Flor wird einen Glanzpunkt der blunustischen Darbietungen des Gartens bilden. Auch Haus 7, 8, 12 und 13 erfreuen durch ihren Neichtluu au lieblichen Blüten, wir finden dort Camellien, Primeln, Cyclamen und Begonien. Wie in den Schauhäuseru, so ist auch in der B ütengalerie immer etwas Neues zu sehen. Neben den immer noch schönen Cameltien sind Hyazinthen, Tiilpen uiid Crocns vertreten, herrliche Fliederbüsche, Schneeball und andere schöitblühende Sträucher teilen über zu dem Azalienftor, der in seiner Schönheit immer wieder bewundert wirb. Alan sieht überall das Bestreben, den Besuchern das Beste zu zeigen und stete Abwechslung zu schassen. ** Kleine Mitteilung c u t. s 4) c 11 c n und den Nachbarstaaten. In Laubenheim spielte gestern em lOjähriges Mädchen mit einer Platzpatrone. Die Vatroue explodierte und das Kind wurde tödlich verletzt. — In Eschenrod wird demnächst eine Wasserleitung gebaut werden. — In Mainz ft a r b , 76 Jahre alt, der Tomkapuular Tr. R a i ch, Deriasser bebeutenber kircheugeschichtlicher Werke. Hessischer Handlungsgehilfe»^. sd. Frankfurt a. M., 31. Mär-. Der dritte hessische Handlungsgehülfentag, her von dem Deutschnationalen Handlungsgehülfenverband eingerufen war, tagte heute hier. Es waren von auswärtigen Organisationen Höchst, Homburg, Hanau, Gelnhausen, Gr.-Anheim, Marburg, Gießen, Limburg, Fulda, Darmstadt, Wiesbaden rc. vertreten. Auf der Tagesordnung standen besonders zwei Referate. Der erste Referent, S ch e l l i n-Hamburg, berureitet sich ausführlich über die Schäden der Frauenarbeit im Han-- delsgewerbe und suchte, auf reiches statistisches Material gestützt, die Behauptung, daß die Frau ihrer natürlichen Veranlagung nach für £ien ungesunden Kaufmannsstand nicht geeignet fei, zu begründen. Da sie ferner den ergriffenen Beruf niemals als einen dauernden betrachte, sondern immer die Ehe erstrebe, fehle ihr von Anfang an der nötige Ernst. Die moralische und die physische Kraft der Frau leide unter ihrer Tätigkeit im Kaufmannsberufe und darum müsse dieser drohenden Gefahr 'eilens der männlichen Gehülfen Einhalt geboten werden. Die weibliche Arbeitskraft müsse auf die Familienberufe übergcleitet werden, wenn dem deutschen Volke ein gesundes Geschlecht erhalten werden solle. Eine von dem Redner vorgeschlagene R e so- lut i 0 n, in der die Forberungcu der Handlungsgehülfen nochmals erläutert werden, fand einstimmige Annahme. Tas nächste Referat: Die staatliche Pensionsver-- icherung für bie Privatangestellten behandelte Herr Bott-Frankfurt. Er erklärte, daß die Forderung der Hand- lungsgehülfen nach einer staatlichen Altersversicherung alt fei, da der Handlungsgehülse, der im Alter mit dem Schwinden feiner Kräfte sein Brot verliere und der sich durch sein meist geringes Einkommen nichts ersparen könne, dann der Not preis- gegeben sei. Die Lebensversicherung sei durch die hohen Prämien illusorisch, zudem bei längerer Nichtzahlung der Prämien alle Ansprüche verloren gingen. Die Geschästskaffen wären der Konjunktur der Zeitverhültnisse unterworfen und böten keine dauernde Garantie. Eine zwangsweise Regelung der Altersversicherung durch beit Staat sei wünschenswert uni) dieses Verlangen habe zur Gründung des Hauptausschuffes zur Herbeiführung einer starten lautlichen Pensionsversicherung geführt, in dem über 400 000 Privatangestellte vertreten sind. Dieser Ausschuß vcraustaltetc eine Umfrage, die die Regierung veranlaßte, sich ebenfalls mit der Frage zu beschästigen. Tie Regierung beauftragte den Ausschuß, die Grundlage für einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, der in seinen einzelnen Vorschlägen fast eiustitnmig die Zustiinmung der Regierung fand. Diese Verständigung führte zu der Denkschrift, die kürzlich dem Reichstag vorgelegt wurde, und es sei zu hoffen, daß bei der Sympathie, die alle Parteien dieser Frage entgegenbringen, das Gesetz auf Grund dieser Denkschrift zu stände komme. Auch hierzu wird von der Versammlung eine Entschließung einstimmig genehmigt, welche dem Reichstag zugehen soll. In den Ausschuß zur Vorbereitung des 4. Hess. HandlungSgehülfentages werden gewählt Schellin-Franksurt als Vorsitzender, ferner: Aßmus, Duwe, Kneil-Frankfurt, Sauer- Offenbach, Koch-Höchst a. M., Zirkenbach-Fulda, Haarmanu- Wiesbaden, Ohlen-Darmstadt, Weidmann-Kassel und G r 0 s ch. Gießen. Lingeiandt. lFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die RedaUck-' R"b'irurn gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Bcigeordnetenwahl in Oueckborn. Der Verfasser des Artikels über die Beigeordnetenwahl in Queckborn in Nr. 73 des Gieß. Anz. will nicht als sicher bezeichnen, daß Familienzwistigkeiten bei der Wahl vorgekommen sind. Wenn nun ein Ehemann seiner Frau sagt: „Wenn dein Vater nicht bei uns wählt, hast du keine gute Stunde mehr bei mir", sind das nicht Zwistigkeiten genug in der Familie? Daß die Mehrzahl unseres Dorfes für Ruhe und Frieden ist, das ist selbstverständlich, wenn aber der Einsender des Artikels in Nr. 73 die Rnhestister bei seiner Partei sucht, so ist er dach auf dem Irrwege, denn die Mittelchen, mit denen diese Partei auf den Stimmenfang ge. gangen ist, hat nur Haß unter den Einwohnern hervvraerufen. So hat unter anderem jemand, der der Gemeinde zum Vorbild dienen sollte, verschiedene Gemeindediener zu sich kommen lassen und verlangt, bei seiner Partei zu wählen oder überhaupt nicht zu wählen. Jedoch vergebens, und das mit Recht, denn ein rechtlich Denkender wird seine Stimme auf diese Art und Weist nicht I)ergeben, auch nicht, wenn ihm mit Enthebung aus seinem Dienste gedroht wird. Die Schafe werden abgeschasft, um Rache an dem Schäfer zu üben, weil er nicht bei ihnen gewählt hat, und wenn noch ein Kuhhirte da wäre, der aiiqt wählte wie die Parole lautete, fo würden vielleicht auch manche ihre Kühe abschaffen. Und da will noch einer behaupten, diese Partei wolle Ruhe und Frieden! Es sollen weiter verschiedene mit K0t beworfen worden sein. Jedenfalls hat der Alkohol mehrere in den Kot geworfen. Tie Nichlwähier konnten sich in den Lokalen der lu nterlegenen Partei gar nicht aufhalten, denn sie wurden beschimpft umd sollten hinausgeworfen werden. Es wird rroch be» hauptet, viel Alkohol sei genossen worden unb besonders von bet siegreichen Partei, dnen biese hätte 2 Tage gefeiert. Wenn auch bie siegreiche Partei zwei Tage gefeiert hat, so brauchte immer noch keiner der Wähler nach Hause geführt oder getragen zu werden, und auch bie siegreiche Partei hat in den zwei Tagen wohl nicht so viel verzehrt wie die unterlegene in einem, denn die siegreiche Partei hat Mäßigkeit geübt Jnbezug auf die Reichs, tagswahl wird zugegeben, daß cs nur wenige gab, die ihre Gegner durch. Schreien mundtot zu machen suchten. Es gab aber welche, und die siick zu kennen. Zum Schluß möchte ich noch bemerken, daß keiner dcr siegreichen Partei mit Mistgabeln oder sonstigen Waffen gesehen worden ist. Meteorologische Beobachtungen der Station Gieße». April 1907 Q ~ ~ e c £ 3? * 2» 743,3 15,6 9" 743,21 8,8 7" 743,4 1 4,0 39 72 77 S still N Wetter I 1 4 Sonnenschein : still Klarer Himmel 2 Sonnenschein I i Höchste Temperatur am 31. März bis 1. April — 15,9* C. Niedrigste „ „ 31. „ „ 1. „ = 3,6' C. Sehrffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 27 März. (Per transatlantischen Telegraph.) Ter Doppelsckraubeii-Cchnellposckampier „Kaiser Wilhelm der Große", Kapitän P. Well in vom Norbdenlschen Lloyd in Bremen, rst gestern 10 Uhr abends wohlbehalten in Neivyork aiigekommeu. Br einen, 27. März. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben - Postbampfer „Großer Kurfürst", Kapiläu E. Prehn, vom Norbbeutschen Lloyb in Bremen, ist heute 1 Uhr morgens wohlbehalten in Newyork angenommen. Reb Star Linie. Ter Postbampfer „Zeelaick" bet „Neb Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 26. März wohlbehalten in New-Port angefominen. Telefonische Kurstie^ichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse, 2. April, 1.15 Uhr. 31^% Reichsanleihe . . 96.35 ‘6% do. . . 85.50 3>i% Kousols .... 96.35 '6% do. .... 85.75 3>j0/0 Hessen . . . 94.50 j^*7o Oberhesseu . . . 94 00 4% ücsterr. Goldreute. . 98.90 4l/5 56 Oesterr. Silberrente 99.60 4% Ungar. Goldreute . . 94.50 456 Italien. Reute . . . 102.50 356 Portugiesen Serie I . 67.50 356 Portugiesen „ III 68.00 u/0 rass.ütaatsanl. 190u 90.45 4h" 0 japau. Staatsanleihe 92.00 j 56 Uouv. Türken von 1003 93.— Ttirkenluse.....141.40 1% Gneeh. Ilonopol-Anl. 49 50 156 äussere Argentinier . 86.— ou/0 jüexiKauer . . . 65.95 4>s u/0 Chinesen .... 96.20 Aktien: Bochum Guss..... 223.25 Buderus E. W .... —.— Tendenz: fest. Berliner Börse, 2. Cauada E. B......168.50 Darmstädter Bank . . . 1ö6. Deutscue Bank .... 230.7b Dvrtmuuder-Uniou C. . . 74.7o । Dresdner Bank . . . 146.251 leudeiu; ungleichmässig. Elektriz. Lahmeyer . . , 131.00 Elektnz. Schuckert . . . 116,30 Eschweiler Bergwerk . . 23135 Gelsenkirchen Bergwerk . 199.20 Hamburg-Amenk. PukeU. 137.40 Harpener Bergwerk. . . 209.- Laurahütte...... 220.25 5ordd. Llojd.....127.— Ubeischles. Eiseu-Iudistrie 113.25 Berliner riandelsges . . 159.60 Darmstädter Bank 136.- Deutsche Bauk . . . 281.70 Deutsch-Asiat Bank . . 168.50 Diskunto-Koiumaudit, . . 172.60 Dresdner Bauk . . . 146.— Kreditaktieu.....214.— „Baltimore- and Ohio- .Lisenluhn . . . 107.75 Gottuardbahn . . . . — Lomuaid. Eisenbahn . . 27.90 Oesterr. blaatsuunu . . . 143.40 fnuce-Henn-L-istiubabi . 136,60 April. Aufangskurse. üurpeuer Bergwerk. . , 209.00 i.aurauütte .... 225.20 umüarden E. B. . 28.60 Aordd. Lloyd.....127.10 1 üraenluse . ... 141.40 im Taunus. N Sommerkur für ?r»n.k,e Warme geschätzte Lage am Südabhansre des Taunus fiehag PVTh lich pinL" 1 ichtete kleine Antalt KH11 Ja**'2*1 ’Töfhia Spezlall« ”11 anstatt. Centn! Hei “' ttl Ä I H $ O ;.Ä. t I >■ I, v: L &■ •fc °"d^ ^«eabortt Ä®S*i, i-Sr-S-tz « »ehr Ei’8®!* nit ^iksZKä ^•73«** den Gtimm/ - nn >°°hnern «*- .-.Sb -ZM> Me&ung eng [5 LVzLL Jle» Nch in den Lokc, - al.teu- denn fiz tollA ^den. Es wird iwcb b mti). besonders von h • .gefeiert Wenn auch £ i° brauchte immer mj )eHetrfl9?nJu Werber, "2n. smei Tagen iw- ’te mem, denn V oezug aus die Reich-, : lt wenige gab, die it | ltzn suchten. Es ' 1 schlich möchte ich K i tei mit Mistgabeln ob bachtnugen Ben. rpTi - Ä j ? 5 । : £ Weller h § ! 1. April = 15,9* a 1. , = 3,6* C. l I 4 eonnenWei ll ’ still AlarerHim 2 oonneuidy; «J sseu. ril, Lio übr. .131 . 116- .231 .A- . 2U- . 0 14 ' M Red Star Linie' - März wohlbehalten - . .M ,p oqb. oos, Rirdyenpl-i.. tischen Telegraph.» >r Wilhelm der W, d in Bremen, i[i gesun angefommen. Nischen Telegraph.! if. t hiursürlt', W; Bremen, ist heule 1M ommen. -Tu* eiii&bn • ' # ^^Liieubaba - rr dlLnrsvvuu. • söenciite ,B da Bank flr 11«* lz. Labmeyer • LZ, schlickert . eilet Bergwerk . kireben Bög«^ ‘ §-. ug-Amenk- Biket. □er Bergwerk. • • liütu- • • • ’ ‘ J27.-I er Haudelsges . • tadter B^ :be Bauk - :b-Asiat Bauk ^Kvinuiaudit. uer Bauk • Am 2. Osterfeiertage verschied sanft nach längerer Krankheit unser langjähriger Beamter Der Vorstand und die Beamten der Bank für Handel und Industrie ,rm 22»- ' M ' 'M Aulangs^6, euer laut'® n . .arden M , L Wd ' . jjiluse - Giessen, Darmstadt, Basel, den 30. März 1907. Jda Reatz geb. Stammler Marie Stammler Gustav Stammler Statt besonderer Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren lieben Gatten, Bruder, Onkel und Grossonkel, Rechtsanwalt Geheimen Justizrat Ur. Carl Ferdinand Reatz nach langem, schweren Leiden heute nachmittag 5 Uhr in seinem 75. Lebensjahre zu sich zu inten. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Herr Emil Boettichex Wir betrauern in dem Verstorbenen einen pflichtgetreuen Angestellten, einen lieben Kollegen und werden sein Andenken allezeit in Ehren halten. $,{> Giessen, 2. April 1907. Vilbel, Chicago, Sachsenhausen. Giessen (Diezstrasse 4), den 2. April 1907, Die Beerdigung findet Mittwoch, den 3. April, nachmittags 3 Uhr von der Kapelle des alten Friedhofes statt. D7, Todes-Anzeige Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen, hat unsem lieben Bruder, Schwager, Onkel und Neffen nach kurzem, aber schweren Krankenlager im 52. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Um stilles Beileid bittet Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Ludwig Boeiücner, Oberamtsrichter HMMsMe m Frl. ^nüniöiin, (sieben, Süd-Anlage 7. Beginn dcö Unterrichts in allen werblichcu Handarbeiten sowie Llunitarbeiten, Brandmalerei, Licidraud, >schuivercl, Lederptanlt ufiu. L22üb Kartoffeln Draütgeilechte eckig viereckig schlauten, Hasenschutzgitter, Rabitzgewebe, Drahtwäscheleinen 1719 Emil Pistor Nacht, Giessen. verzinkter Draht, Stachelzaundraht, Draht- gweijes u. SaiatfartoReln " L?x-------*" per 100 kg von G Mk. an, Saatkartotlein trübe und Wate emvnehtl zu btUtflit ^asesvrenen j. üankek Vteuen Baue 7. Herrn Emil Beetticher, Bankbeamten Die trauernden Hinterbliebenen i. d. N. Ludwig Rinn prima aufgesetzt D’A Heuchelheim, 2. April 1907. OV« statt. [2295 Born, Gerichtsvollzieher. 71 Der Ausschuß. 2292 N abgewiesen. MITIN [2281 Wieseck, den 1. April 1907. 2287 empfiehlt billigst 2217 Awgust Birösi, Seltersweg 12 2197 hv11/ G08theSChUlB,0ltabachLM weraenumei .auisicni aerDenrer gemacht. Das neue bchuliam- ■ h.eginntl>icnsfcag,9. April, Prospekte, durch die Direkt, [ss~7* gemahlen® Spezial äam.Ktkben 1 Geräte Magazin iä K - > MW WO das Drterall ro fiebern 5 Paoket 15 ff. ' erstklassiger Qualitäten in Emaille und inoxid. Geschirren Für die während dem Kranksein und bei dem Hin- scheiden unserer lieben Muttter uns in so reichem Masse erwiesene herzliche Teilnahme sprechen wir unseren tiefgefühlten Dank aus. Telefon 593 sowie Ausführung aller Photograph. Arbeiten. Privatrealschnle, verb. mitPensionat. Die häusl Auf gab. werden unter Aufsicht der Lehrer gemacht. 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Für bie vielen Beweise ber-licher Teilnahme bei dem Ableben unseres lieben Gatten, Vaters, Urgroßvaters, Großvaters, Schwiegervaters, Schwagers und Onkels Herrn Jakob Oswald ». sagen wir Allen innigen Dank. Die trauernden Hinterbliebene« Offeriere: Grossherzoglich hessische Domänenweine 1904er Bodenbeimer Ebersberg per Flasche Mk. 2.50 1904er Dicnbeimer Guldenmorgen per Flasche Mk. 8.80. Im Ausschank per Glas 35 und 45 Pfg. im Caf4 Skalitzky hier. A. Austerlitz: Telefon Nr. 865. [2245] Frankfurterstr. U. s jaiwiiiunnni .................................................... Minna Körner’s Schule für höheres Klavierspiel Westanlage 48 S _ Lehrfächer; Gehörbildung, Musikdiktat, Primavista-Singen, Theorie der Musik, Elementar Kiavierspiel, Höheres Klavierspiel, (Solo, Ensemblespiel, Hebungen im Begleiten). ä Anfang des Sommersemesters 1907; 8 Dienstag, den 0. April. 8 Festsetzung des Stundenplanes Montag, den 8. April, vormittags 11 Uhr. S Terpentin-3 3 Seife i S ist U Hefchäfts - Kröffnung Einem hiesigen und auswärtigen Publikum gestatte ich mir ergebenst arrzuzeigen, datz ich am heutigen Tage in dem Hause des Herrn Gastwirt Seeger, „Zum kühlen Grund", Neuen Baue 5 ein Stahlwaren Geschäft verbunden mit Messerschmiede und Schleiferei eröffnet habe. ES wird mein eifrigstes Bestreben sein, das Publikum nut guten Waren reell zu bedienen, und ich bitte bei Bedarf um gütigen Zuspruch. Anton Betz, Gietzen, den 2. Avril 1907. Messerschmied. 02160 Eigene Revaratur-Werkstättc mit Motorbetrieb. Reparieren von Waffen aller Art. Würzebnrgia“ beste Säemaschine der Gegenwart (sämtlich. Samenarten ohne Räderwechsel). Federzahn- Culüvatoren, Eggen 2c. empfiehlt J. Häuser Eisen- und Maechlnen-Handlung ar Prosvekte auf Wunsch zu Dienste«. "Ma 1955 Niarin Glanz In den meisten Geschäflen zu haben. Fabrikant. Carl Oentaer, Göppingen.