Nr. 178 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gtetzener FamNien- blätter viermal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich das Kreisbiatt für den Kreis Lietzen. Fernsprech-An- ichlußs.d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnunnner bis vormittags 10 Uhr. Rotationsdruck und Verlag der vruhl'schen Univ..Vuch- und Strindnickrret. N. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei - Schuistrstz« 7. Bezugspreis: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.3.—viertel- jährll ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuilleton und „Vermischtes" P. Wittko; füt „Stadt u. Land" und „Gerichts- Erstes Blatt 157. Jahrgang Donnerstag 1. August 1907 GiehenerAnM General-Anzeiger für Oberhesfen -jg----IIIÜ-W.-.11 J'I'I Ire heutige Dummer umfaßt 10 Seiten, Militärische Luftschiffe. Als vor einigen Wochen anläßlich des Nationalfestes 'n Paris dec lenkbare Luftballon „Patrie" aufstieg, konnte sich die französische Presse nicht genug tun mit diesem kolossalen Erfolge, der wieder einmal den Beweis liefere, daß Frankreich stets an der Spitze stehe, wenn es sich darum handle, die Kriegstechuik durch neue Erfindungen zu bereichern. Bekanntlich waren auch die französischen Unterseeboote die ersten und damals lobten ebenfalls die Pariser Zeitungen den französischen ErsindungSgeist mehr als es nötig war. Clemenceau und Picquart machten selbst einen Aufstieg mit der „Paine" und scheinen nach den Zeitungsberichten von der Bedeutung der Militärballons sehr viel zu halten, denn es ist bereits von großen Krediten, die Rede die von der Kammer zur Anschaffung weiterer Luftschiffe verlangt werden sollen. Unsere Marine- verwaltung ist noch heute von den Unterseebooten wenig rrbaut, aber das Kriegsministeriuni widmet seit Jahr und Tag seine ganze Aufmerksamkeit unserer Luftschifferabteilung, zur Vervollkommnung der lenkbaren Liistschiffe weder Mühe noch Kosten scheut. Und so ist es ihr denn auch ganz kurze Zeit nach den französischen Erfolgen gelungen, einen deutschen Ballon herzu stellen, der die Leistungsfähigkeit der „Patrie" in mancher Hinsicht sogar übertreffen soll. Bei uns in Deutschland arbeitet man eben ruhiger und diskreter, als in bem heißblütigen Frankreich, wo man alles sofort an die große Glocke hängen muß. Während die Pariser Blätter ganze Spalten über die Leistungsfähigkeit der „Patrie" veröffentlichen konnten, ist die deiitsche Presse aus kurze Berichte über .die Luftfahrten imseres Ballons angewiesen, weil eben unsere Militärverwaltung im geheimen arbeitet und vermutlich erst dann mehr an die Oeffentlichkeit treten will, wenn sie den richtigen Zeitpunkt für gekommen hält. Die Hauptsache ist jedenfalls die, daß die bisherigen Fahrten des deutschen Luftschiffes die gehegten Erwartungen vollständig erfüllt haben. Wenn Frankreich etwas schneller gearbeitet hat, so braucht man sich darüber nicht zu wundern, denn ihm standen reiche Privatmittel zur Verfügung, wodurch die Arbeiten naturgemäß gefördert wurden, während bei uns wohlhabende Privatleute die Militärverwaltung in ihren Bestrebungen so gut wie gar nicht unterstützt haben. Deutschland ging bei diesen Experimenten sehr sparsam vor und im vorigen Jahre war im Militäretat sogar für diesen Zweck nur eine halbe Million Mark ausgeworfen. Die militärische Bedeutung des lenkbaren Luftschiffes ist ohne Zweifel groß und der Konstrukteur des französischen Ballons hat bereits die Berwendiing als Kampfmittel ms Auge, gefaßt, die „Patrie" hat sogar bereits in dieser Hinsicht Versuche angestellt, die von Erfolg begleitet gewesen sein sollen, aber ernstlich wird man erst an die Verwendung von Luftschiffen im Kriege denken können, wenn ihre Tragfähigkeit und Fahrtdauer erheblich weiter ausgebildet sein werden. Der Ballon kann aber schon heute als Aufklärungsmittel sehr gute Dienste leisten und bietet ferner zum Photographieren einen vorzüglichen Ausgangspunkt. Daß die französischen Bemühungen, das lenkbare Lustschiff im Kriege in dieser Weise dienstbar zu machen, fortgesetzt werden, beweist schon dec Umstand, daß es drei neue Militärdallons bauen läßt, damit' die fünf großen Heerlager im Osten je ein lenkbares Luftschiff zur Verfügung haben. Unsere Militärverwaltung wird wohl, nachdem das deutsche lenkbare Luftschiff dem französischen ebenbürtig geworden ist, gleichfalls nicht umhin können, weitere Bollons zu bauen und vom Reichstag die erforderlichen Mittel 511 verlangen. Ohne Frage werden cnid) in der kommenden Session bei der Beratung des Militäretats Anfragen an die Regierung gerichtet werden, was sie 311 tun gedenkt, um den französischen Anstrengungen auf dem Gebiete der Luftschiffahrt die Spitze bieten zu können. Kriegsminister v. Einem wird dann entweder in öffentlicher Plenarsitzung oder aber auch geheim in der Budgetkommission nicht umhin können, befriedigende Erklärungen abzugeben. Sollten die Mitteilungen des Ministers bei den Abgeordneten den Ein- druck Hervorrufen, daß größere Mittel bewilligt werden müssen, dann wird e§ auch unserer Militärverwaltung daran nicht fehlen dürfen. Die Haager Konferenz. -Haag, 31. Juli. Anläßlich der ge,tt'igen Feier der Grundsteinlegung des Friedenspalastes hat die Königin Carnegie durch Ernennung zum Großoffizier des Ovanje-Nassau-Ordens ausgezeichnet. „ ± In erfreulicher Weise bahnt sich zwischen, den dcutscyen und englischen Vorschlägen über ein O b e r p r t| e nge richt eine Verständigung an, sodaß zu erwarten ist, daß das Oberprisengericht als wichtiges unch praktisches Ergebnis aus der Konferenz hervorgeht., ZTie Engländer pachten die wichtige Konzession, daß auch die Staatsangehörige n d e 1 111 eg - führenden Mächte in gewissen Fällen M den Prtsenhof appettwieNokomiiU.^ Die Blätter kommenderen sortgb- setzt sehr abfällig die untergeordnete Rollte, die England aus der Haager Kouserenz spiele, wahrend ^“cutfclpr» chnd die Fähruug übernommen habe......... rr| Zur Lage in Rußland. Petersburg, 31. Juli. Der fr ü he r e A b g e or dn e te zur zweiten Reichsduma Priester Tichwinski wurde zur A u s st 0 ß - ung aus dem geistlichen Stande verurteilt, weil er derLinken angehört hat. — Heising fvrser Blätter melden, daß eine neue Festung aus den Schären bei Hangö erbaut werden soll. General Stachewitsch hat bereits mit 15 Generalstabsoffi^ieren das Terrain untersucht. Sweaborg entspricht den modernen Anforderungen nicht mehr. W a r s ch a u , 31. Juli. Wie aus Lodz gemeldet wird, streiken dort 32 000 Arbeiter trotz des Widerstandes der Nationalisten. Ter Generalstreik ist erklärt worden. Tie elektrischen Straßenbahii- wagen, die die Fährt nicht einstellen wollten, wurden mit Steinen bombardiert. In mehreren Fabrikeii fanden K ä in p f e z w i s ch e n Sozialisten und N a t i 0 n a l i st e il statt. Ein Fabrik- meister wurde erschossen, 2 Arbeiter verletzt. In der Stadt herrscht Panik. Tie „Voss. Ztg." meldet aus Riga: In Libau wurde der Obermeister einer dortigen Fabrik, ein Ausländer namens Dünger, auf der Straße meuchlings erschossen. Aus die den Mördern nachspürenden Polizisten wurde ebenfalls aus dem Hinterhalte geschossen. Tie Polizisten erschossen einen der Angreifer und verwundeten einen zweiten. — Unter den Kosaken, die über die pflichtmäßige Dienstzeit in den Wolga-Gouvernements zurückgehalten wurden, brachen Unruhen aus. Es wurde Befehl gegeben, sie sofort aus dem Dienst zu entlassen. Tas 18. Armeekorps wurde an ihrer Stelle zum Schutz der Güter tommandiert. Strcikcrrde Polizisten. London, 31. Juli. Rach Depeschen ans Belfast ist die Streik läge dort ernst. Am ©ommbenb läuft das den Behörden von der Polizeimannschaft gestellte Ultimatum auf Erfüllung ihrer Qorbcrimgcn ab, die sich meist auf bessere Bezahlung, Pensionierung und dergleichen beziehen. Die Polizei ist entschlossen im Falle der Nichterfüllung zu streiken. Die meuterische Polizei rechnet auf Unterstützung in Cork und anderen ,Hauptorten. Die Mehrzahl der Mannschaften ist nationalistisch gesinnt; sie droht offen, die Union mit England zu zerreißen. Unterdessen dauert der Streik der Dockarbeiter und Fuhrleute unvermindert fort, und die Erregung der irischen Bevölkerung ist im Wachsen. Als die Richter Kenny und Todd nach Abhaltung der Assisen, bei denen mehrere aufrührerische Streikec verurteilt worden waren, nach dem Bahnhof fuhren, wurde ihr Wagen mit Steinen beworfen und ein Bedienter verletzt. Mehrere Generale sind bereits in Belfast eingetroffen und der Höchst- kommandierende der Armee in Irland General Grensell wird dort errvartet. Belfast, 31. Juli. Ein weiteres Regiment S 01 d a t en mit Maschinengewehr-Abteilung ist heute nachnnitag eingetroffen. Nunmehr sind über 6000 Soldaten in der Stadt. Bedrohliche Lage in Marokko. Tanger, 31. Juli. (Havas.) Tie Nachrichten aus Casablanca lernten pessimistisch. Viele Israeliten verließen die Stadt auf einem Schiffe. Wie verlautet, sind drei Stamme, die über die Hafen- und Eisenbahnbauarbeiten erregt sind, in die Siiadt eingedrungeir und bedrohen die Ausländer. Ein Augenzeuge behauptet, die Stämme seien gestern vormittag in die Stadt emgedrungen und hätten den heiligen Krieg ausgerufen. Fünf Franzosen seien getötet lv-orden, ferner zwei Italiener und ein Spanier. Tie Läden von Eingeborenen werden geplündert. Die Europäer hätten mit Hilfe von Soldaten, die Hasen und Tore bewachen, fliehen können. — Tie bereits gemeldete Ermordung von Europäern in C,asablanca geschah gestern mittag. Bereits vorher hatten Eingeborene erklärt, daß in einigen Tagen die Stämme >aus der Umgegend in die Stadt eindringen, und den Erbauer des Forts, einen Franzosen, umbringen wollten. Die Opfer sind durch Stockschläge bezw. Messerstiche getötet, die Leichen nachher verbrannt worden. Erst Ijeute abend gelang es einigen Europäern aus der^tadt zu entkommen. Ter frianzösische Könsul ist auf seinem Posten geblieben. — Ter hier «aus Casablanca eingetwsfene französische Arzt Merle berichtet über die Ereignisse in Casablanca folgendes: Zahlreiche Eingeborene, welche unter dem Vorwand, auf dem Markt Getreide verkaufen zu wollen, in die Stadt gekommen waren, sammelten sich mittags am Hasen, beschimpften die eingeborenen Wächter, mißhandelten sie und mordeten einige Arbeiter. Europäer, die bewaffnet auf die Straßen geeilt waren^ wurde angegriffen und niedergeschlagen. Tie Israeliten schlossen ihre Laden und flüchteten auf einlSchiff. Ein Sekretär des japanischen Konsulats hat ebenfalls die Stadt verlassen. Ter Kapitän des Schiffes erklärt, die ganze Verantwortung für die Vorkommnisse treffe den Pascha. Tas französische Kriegsschiff „Gattlei" wird nach Casablanca sich begeben. — Ter englische Gesandte hat nach dem Empfang eines Briefes von Mac Lean, in dem Twhungen Raisulis enthalten sind, um Aufschub der Operationen gegen Raisuli bitten, passen. Es sind sogleich in diesem Simie Befehle gegeben worden. Urteile eines japanischen Generals über die KriegS- wafsen. Paris, 31. Juli. Ter japanische Wmiral Jjuin sagte einem Mitarbeiter des'„Journal", Untcrseebote seien für Küsten- und Hafenverteidigung gut zu gebrauchen und hätten vor Port Artt-ur gute Dienste leisten können, wenn Japaner oder Russen lvelche gehabt hätten, aber aus hoher See gegen ein Geschmader 'm voller Fahrt seien sie wertlos. Tas Unterseeboot sei eine Waffe der Zukunft, man müsse erst noch abwärts. Ter Admiral betonte übrigens, daß er zwar die Unterseeboote aller anderen großeic Seemächte, iricht aber die frair- zösischen kenne und daß Frankreich in dieser Waffe einen großen Borsprung haben möge. Bon den Torpedos versicherte er, sie hätte den JIapanern im letzten Kriege große Dienste geleistet, die Waffe aber, die Seeschlachten gewinne und sie ohne Zweifel noch Lange gewinnen werde, sei die Kanone. Ueber die kalifornische Zän ke re i äußerte sich der Grneral mit geringschätzigem Lächeln und drückte die Ueberzeugung aus, daß nichts Japans Freundschaft für s)chchanl,erika vermindern könne. • DEtsches Reietz. Arkona, 31. Juli. Die Ankunft des Kaisers vor Ssjüßnitz erfolg!e nach guter Fahrt gestern abend 10 Uhr. Der für heute morgen angesetzte Spaziergang nach Stubbem- kammer mußie liegen des zweifelhaften Wetters unterbleiben. Mittags sah der Käiser Frau Staarsminister Budde und den Zeremonienmeister von Esbeck-Platen nebst Gemahlin zur Früh- stückstafel. Berlin, 31. Juli. Die polnische Kinderspiel-^ schule in Rixdors wurde auf polizeiliche Anordnung geschlossen, da die erforderliche Genehmigung zur Errichtung dieser Anstalt weder von der Negierung noch von der städtischen Schuldeputatioic eingeholt worden sei. Flensburg, 31. Juli. Ter Obcrpräsident von Schleswigs-Holstein, von Bülow, hat den Antrag von. C8 nordschleswigschen Geistlichen auf Einführung eines zweistündigen fakultativen dänischen Unterrichts in den Volksschulen Nordschleswigs ab gewiesen. München, 31. Juli. Durch die Regierung bon Oberbayern wurde verfügt, daß die Dauer der werktägigen. Schulpflicht für alle schulpflichtigen Knaben sich auf ach: Jahre zu erstrecken hat. ArrsIanS. Wien, 31. Juli. Die ^Zeit" bringt aus diplomatischer Quelle Aufklärungen über ben Dreibund, die als authentisch gelten sollen. Danach soll der Dreibund bei einer weiteren Verlängerung über 1914 hinaus einer Neu- orbnung bebürfen. Es würbe von den Dreibundmächten festgesetzt, daß im Jahre 1912 jeder der Mächte das Recht zuslehen soll, Anträge wegen geeigneter Abänderung gewisser genau bezeichneter Punkte zu stellen, worüber dann in Konferenzen beraten werben soll. Die Wirksamkeit bet Abänber- nngeii hätte erst nach bem 1. Juni 1914 einzutreten. Allen drei Mächten steht das Recht zu, bas Vertragsverhältnis ein Jahr vor Ablauf, also bis Juni 1913, zu kündigen. Erfolgt 'Die Kündigung nicht, und beschließen die Mächte im Jahre 1912 nicht anderweitig, so läuft der Vertrag von 1914 auto- luatisch auf sechs Jahre weiter. Mährisch-Ost rau, 31. Juli. Mehrere Agenten, die Arbeiter des „Theresien"-Schachtes zur Lliiswaiiberung nach Deutschland zu verleiten suchten, wurden hier verhaftet. — In einer Versammlung der hiesigen anarchistischen Bergarbeiter wurde die Gründung einer föderativen anarchistischen Organisation und die Herausgabe eines anarchistischen Wochenblattes beschlossen. Budapest, 31. Jiili. Durch Entschließung des Mo- iiarchen mürbe bie Beitragsquote ber gemeinsamen Ausgaben für bie Dauer bes Halbjahres für Oesterreich auf 6646/49 und für Ungarn auf 333/49 festgesetzt. Budapest, 31. Juli. Ter gewesene Minister bc" Innern, Krist 0 ffy, weilt aus Berufung des Barons Fejervari) seit einigen Tagen in Ischl, wo er über die Schaffung einer! neuen radikalen bürgerlichen Partei beraten wird-, die schon im Herbst sichsiam politischen Leben beteiligen soll. Tie neue Partei, welche vorwiegend Elemente der früheren liberalen Partei umfassen wird, kündigt als rhr Programur an: das allgemeine Wahlrecht, Gewissensfreiheit, unerrt- geltlichen Vo lks schulnn t e rr ich t, Befreiung des Besitzes der „Toten Hand" und des gefundenen Besitzes. Rom, 31. Juli. Blättern zufolge beschäftigt sich der Papst zurzeit mit dem von seinem Vorganges Leo XII1. aus- gLarbeitelen Plane öett. die Vereinigung aller schiss malischen Katholiken zu einer einzigen Kirche. Paris, 31. Juli. Im Lause des AsimatsSeptember werden zwei französische Kreuzer den Besuch der japanischen Kreuzer in Frankreich erwrdern und ver- ichiedene japanische Häfen anlaufen. Eher bürg, 31. Juli. Heute sanden an Bord des Unterseebootes Opal Versuche mit bem neuen Petroleum- motor statt. Tie Versuche verliefen sehr befriedigend. Die erforderlichen 600 Pserdekräfte wurden übertroffen. Konstantinopel, 31. Juli. Im Anschluß an die an Griechenland gerichtete Note teilt bie Pforte den macebo- nischen Provinzgouverneuren den' Entschluß bes Sultans mit, bem verbrecherischen Treiben bev griechischen Banben unb ber Tätigkeit ber Komitees endgültig em Ziel zu setzen. Die Pforte hält bie Fortsetzung bes Reformwerks für unmöglich, wenn bie Mächte Griechenland nicht daran hindern, die Reorgauisations- pläne zu durchkreuzen und rechnet darauf, bah bie Mächte bie leitenden Kreise in Athen nachbrücklichst in diesem Sinne beeinflussen werden. Die Note hat bie Griechen in große Erregung versetzt. Washington, 31. Juli. Aus einem Bericht des jetzt ausgeschiedenen Acünzdirektors Roberts geht hervor, baß der Golbbestanb ber Vereinigten Staaten 135 Millionen Dollar weniger beträgt als angenommen worden war. Die falsche Schätzung sei aus Nechnungs- fe hler zurückzusühren, bie sich seit dem Jahre 1873 summiert hatten. ________________________________________________ "Are dritte Säkularseier 0er ^ubovlnana. 1. Gießen, 1. August 1907. Wie sehr das ^Volk der Denker^ an seinen Hochschulen hängt, hat gleich der gestrige erste Festtag zur Evidenz gezeigt. Der Freude schöner Götterfunke war in bie Herzen Aller gefallen, der Professoren wie ber Stubenten, ber Gäste wie ber Bürger, und entzünbcte sie zum flammenben Jubel über ber ganzen Stabt. Glückliches Geschlecht, bas bie Begeisterung bieser Tage erleben darfl In biesenTagen bars e§ burch bieverschwenberisch geschmückten Straßen schreiten, mit Blicken freudigen Stolzes entbieten sich Gäste und Heimische die Hand, eilen sie von Genuß zu Geniiß, bald geistiger, bald materieller, doch immer erlesener Art, unb bies alles in bem erhebenden Bewußtsein: Wir feiern einen Ehrentag und haben ein Recht dazu. In erhebender Form, unter außerordentlicher Beteiligung zahlreicher Koryphäen unseres wissenschaftlichen LebenS, in Gegenwart II. KK. HH. des Großherzogs und der Groß Herzogin sowie der höchsten Würdenträger des Landes vollzieht sich die Jubelfeier. In den seit heilte täglich unserer Zeitling beiliegenden Jubiläumssonderblatte, das den Titel „Ludoviciana" trägt und dem der Darmstädter Künstler Cissarz die Aufschrift gab, wird auf das eingehendste über sämtliche Festlichkeiten berichtet, und es bleibt uns nur übrig, einige. Ergänzungen dazu zu geben. In den Straßen unserer Stadt flirtet cs von Einheimischen and Fremden in nie gesehener Fülle. In dein festlichen Menschengedränge fallen die alten Semester, die keck ihre bunte Studentenmütze und das Dreifarbenbaiid tragen, besonders auf. Sie, die alten, graubärtigen Biirschcn, errichten vor allen anderen die Herrschaft der Freude und lassen dcii Geist des wiedererwachten Jugend-Frohsinns walten. Wir haben gestern Nachmittag die Freude gehabt, das Großherzogspaar zu empfangen und durch die Stadt 311 dem ihm aufs beste bereiteten alten Schloß zu geleiten, wir haben am Abend dem außerordentlich iniposanten Fackelzuge beigewohnt und haben unsere Häuser alle in hellstem Licht- glanze erstrahlen lassen. Um dieses einzigartige Schauspiel mitzuerleben, waren zu den Tausenden und Abertausenden Gießenern und Festgästen in stattlichen Scharen die Landbewohner der näheren und ferneren Umgebung, sowie zahlreiche Besucher aus den Nachbarstädten herbeigeströmt. Der Aufforderung zur Illumination hatte die gesamte Bürgerschaft gern und freudig entsprochen, sodaß sich mit der einbrechenden Dunkelheit ein glänzendes Schauspiel bot. Naturgemäß war die Beleuchtung in den Hauptstraßen der Stadt, durch die der Fackelzug der Studentenschaft und später die Rundfahrt des Großherzogspaares ging, am reichlichsten ausgefallen, aber auch in den Nebenstraßen und Gassen verkündeten flackernde Lichter die Freude der Bewohner an ihrem Feste. Auch diesmal wieder wirkten Behörden und Bürgerschaft zur Erzielung eines harmonischen glänzenden Bildes zusammen und es hält schwer, irgend jeinandem den Preis für die schönste Illumination zuzuerkennen. Es sei deshalb von vornherein auf eine Wertung und Abmessung all des vielen Schönen verzichtet, das Gießen gestern abend seinen Besuchern bot, und in zwangloser, nicht auf Vollständigkeit Anspruch machender Reihe eine Anzahl der bemerkenswertesten Straßen und Häuser genannt. Den Mittelpunkt der ganzen Illumation bildete naturgemäß der Aulaplatz, wo sich die Huldigung der Studentenschaft vor ihrem Rector Magnificentissimus abspielte. Hier zeigten das Universitätsgebäude und das Chemische Institut eine wirkungsvolle einheitliche Beleuchtung, der sich die der umliegenden Privatgebäude schön anpaßte. Pechpfannen mit lodernden Flammen warfen über das Ganze einen magischen flimmernden Schein. Einen anderen Kulminationspunkt der Illumation bildete der Marktplatz, wo namentlich das alte Rathaus, die Seite hinter dem Kriegerdenkmal und das Haus Eccarius wirkungsvoll sich abhoben. Auch der Straßenzug MäuSburg, Kreuzplatz, Seltersweg, in dem kein Haus unbeleuchtet war, bot einen hübschen malerischen Anblick. Hier waren cs namentlich die Häuser Ernst Balser, Haas und die beiden Häuser Nowack, soivie der große Söller des Appelschcn Hauses, die sich durch wirkungsvolle Beleuchtung auszeichneten. Malerische Bilder boten dann noch verschiedene Gürten, in denen sich die Beleuchtungstechnik mit dem natürlichen Schmuck der Blumen zu einem herrlichen Effekt vereinigte, z. B. der Garten des Photographen Zimmer am Ludwigsplatz. Erwähnt seien noch das Haus des Prof. Dr. Strack und das Haus Schaffstädt in der Ost-Anlage, das Brück'sche Haus am Kanzleiberg, das Bürgernieistereigebäude und die Loge. Neben den einfachen farbigen Beleuchtiingskörpern waren namentlich die Jahreszahlen 1607 und 1907, die Jiiitialen S. K. H. des Großherzogs, das Landes- und das Stadtwappen als ivirkungSvolle Dekorationsstücke bei der Beleuchtung. Bis gegen Mitternacht dauerte das glänzende Schauspiel und selbst nachher zeugten einzelne Lichtlein von der verschwundenen Pracht. Bevor sich dec Fackelzug an dem Universitäts-Gebäude vorüberbewegte, spielte sich von etwa 8 Uhr ab in der großen alten Aula der Empfang der Ehrengäste durch den Rektor ab. Während die Herren zu zwangloser Plauderei in fortwährend wechselnden kleinen Gruppen beieinander standen, ward ihnen von nimmer müder Dienerschaft Sekt und kalte Platte serviert. Das Begrüßen und Händeschütteln wollte kein Ende nehmen. Emsig sah man unsere Professoren die Honneurs machen und allerlei noch auf das Fest und seine Reden bezügliche Konferenzen abhaltcn. Reden wurden nicht gehalten. Eine Stunde später erschienen dann Ihre Königl. Hoheiten, draußen von der zahllosen, auf der breiten Ludwig- straße und an allen hellerleuchteten Fenstern der anstoßenden und gegenüberliegenden aufs schönste geschmückten Häuser harrenden Menge stürmisch begrüßt. Sie traten gleich aus den von einem Baldachin umspannten Balkon und cand. med. I m mel, der Vorsitzende des Gesamt-Ausschusses der Studentenschaft trat, während sich Chargierte aller 'Korporationen zu den von den Ehrengästen ehrfurchtsvoll umringten Herrschaften hinauf begaben, drunten auf der Straße hervor und hielt folgende Ansprache: Allerdurchlauchtigster Großherzog, allergnädigfter Fürst und Herr! Tie Studentenschaft der Ludoviciana beut Ew. Kgl. Hoheit, ihrem rector mabnificentissimus, heule abend ihren WiUkommen- gruß, voll von jubelnder Freude, wie unsere Kommilitonen vor 200 Jahren, als sie Ew. Kgl. Hoheit erlauchtem Vorfahren zur ersten Jahrhundertfeier der Universität in die Mauern unserer Stadt einholten. Tiefes leuchtende Fackelmeer, auf das Ew. Kgl. Hoheit herabblicken, ist ein Widerschein der Freude und der Begeisterung, die aus den Augen dieser meiner lausend alten und jungen Kommilitonen Ew. Kgl. Hoheit heule abend eillgegenstraht, einer Begeisterung, hervorgerufen durch die Freude an diesem seltenen Feste der Treihundertjahrfeier unserer Universität, hervorgerufen nicht weniger dadurch, daß Ew. Kgl. Hoheit diese glanzvollen Tage mit uns zusammen feiern wollen. Darum eröffnen wir auch den Festesreihen mit dieser Huldigung an unfern Fürsten und Landesherrn. Tie Hoffnung des ersten Kanzlers des Reichs war die akademische Jugend; denn wir sind noch keine leer- georannten Herzen, jugendliche Begeisterung weht durch unsere Reihen, Vaterlandstreue und Fürjtenliebe leben in der Brust eines jeden echten deutschen Studenten. Und daher auch der Jubel und die Freude, die uns heute abend zu Beginn dieses freudigen frohen Festes zu unserem Fürsten geführt haben, die uns, -ajXte und junge Studenten, einstimmen lassen in den Riis: Unser allerdurchlauchtigster Großherzog, der rector magnift- centissimus, unserer Universität, er lebe hoch! hoch! hoch! Darauf wurde das Lied gesungen: Heil unserm Fürsten Heil! Der erste Festabend verlief so im wahrsten Sinne des Wortes aufs glänzendste, und der heutige Festmorgen brach erfreulicherweise herrlich an, damit die Befürchtungen zerstreuend, die man wohl wegen der Witterung für den heutigen Tag hatte hegen müssen. In den Morgenstunden fanden Festgottesdienste statt. In dec Johauneskirche fanden sich die Großherzogl. Herrschaften und zahlreiche Damen und Herren in großer Toilette ein. Prof. Trautmann dirigierte den prachtvoll erhabenen Bach'fchcn Choc v£ob, Ehre und Weisheit nnb Tank" und ein Knabenchor fang dann unter Herrn Görlachs Leitung den Choral ff9(mcn zu aller Stund". Die Gemeinde sang nach der Liturgie „9lUein Gott in der Höh' sei Ehr unb Dank", worauf Prof. D. Drews die Kanzel bestieg. Er legte seiner Predigt den Text 1. Korinther 13, Vers 1 u. 2 zu Grunde. Morgen ivird in dec „Ludoviciana"-Beilage ausführlich darüber berichtet werden. Der katholische Festgottesdienst begann um 9 Uhr in der Pfarrkirche. Er wurde vom Dekan Bayer abgehalten und bestand aus Hochamt mit Ministration uni) Tedeum. Als Vertreter des Landesbischofs nahm Domkapitular Dr. Bend ix von Mainz daran teil, ferner die der katholischen Religion angehörenden Ehrengäste, die beiden katholischen Studentenverbindungen Hgsso- Rhenania und Nassovia, sowie ein großer Teil der katholischen Gemeinde Gießens. Nach einem Imbiß der Ehrengäste und der Mitglieder des Lehrkörpers in der alten großen Aula begann um llft/4 Uhr der Festakt in der neuen Aula, dieses im Auftrage der Staatsregierung von Neg.-Baumstr. Frey geschaffenen schönen Bauwerkes an der Goethestraße, zwischen dem Universitätsgebäude und dem Physikalischen Institut gelegen. Währenddessen bewegte sich durch die Hauptstraßen der Stadt mit verschiedenen Musikkapellen der Gießener und Marburger D. C. in feierlichem Aufzuge. Es schloß sichdaran einBurschenschafter-Frühschoppen auf dem Landgraf Philipp-Platz. Kurz darauf durchzogen mit Musik die Hasso-Rhenanen die Stadt. Die Besucher der Festvorstellung im Stadttheater werden darauf aufmerksam gemacht, recht frühzeitig zu erscheinen, damit beim Erscheinen der Großherzoglichen Herrschaften sämtliche Festteilnehmer ihre Plätze bereits eingenommen haben. lieber das Feuerwerk, das am Sonntag abend den Schluß des Polksiestes bilden soll, seien folgende Einzelheiten mitgeteilt: Es ivird zunächst auf dem Festplatze neben der Festhalle von dem Kimstseuerwerker Herrmann ons Mainz ein großes Brillant-Feuerwerk in acht Fronten ab-- gebramit werden, etwa in der Zeil von 10^—11 Uhr. Unmittelbar daran wird sich eine bengalische Beleuchtung des Nahrungsberges und des Schiffenberges anschließen, die von dem Gießener Feuerwerker Bourgeois ausgesührt wird. Ungefähr um 11% Uhr findet eine große Beschießung der Burg Gleiberg statt, 511 der der ausführende Kunstfeueriverker F. Woesch in Würzburg folgende Erläuterung milteitt: Ter letzte Tag der Burg, die sich ani 9. Juni 1646 nach tapferer Gegenwehr ben Schweden ergab, soll uns als großes Brillant-Feuerwerk vor Augen geführt iverden. Als leiteiide Idee des Schauspiels ist angenommen, daß die feind- liehen Truppen bis dicht vor die Burg gedrungen sind. (Segen Mitternacht wird mit Leuchtkugeln die in nächtliches Dunkel gehüllte Gegend beleuchtet und sofort setzt das Bombardemeiit auf die Bitrg ein. Erst vereinzelt, dann in immer rascherer Folge gehl eilt wahrer Regen von Raketen und Leuchtkugelbontben auf die Burg liieder, Geivehr- und Geschützfeiier dröhnen, Brandraketen sausen pfeifeiid durch die Lust und stürzen prasselnd auf die Dächer. Die überraschte Besatzutig setzt sich kräillg zur Wehr und erwidert das Bombardement energisch, bis es gelingt, die Bitrg durch mächtige Feuerbrände in Brand zu stecken. Schwere Rauchwolken steigen auf, haushoch schlagen die Flamnten empor, weithin den nächtlichen Himmel färbend. Einslürzendes QJtcnier- tverk treibt mächtige Funlengarben in die Hohe, bis dröhnend der Munitionsvorral in drei vollen Raketenbündeln in die Litft fliegt. Niin muß sich die Burg ergeben, das Bombardement schweigt. — Ten Schluß des Ganzen ivird eine bengalische Beleuchtung deS Gleibergs, des Netzbergs und der Bisntarcksäule bilden. Tie Herren Kommerzienrate Wilhelm Gtnl und Louis Emmelius, sowie Brauereibesitzer Bichler haben in dankenswerter Weise die Kosten für diese Beleuchtung übernommen nnb damit einen neuen Beweis ihres bekannten gemeiitnützigett Sinns erbracht. Zwischen der Be- leuchtung des Nahrtmgs- und Schiffenberges und dem Beginn der Beschießung der Burg Gleiburg wird eine Pause von 10 Minuten eingeschaltet werden, daniit die Besucher des Festplatzes Gelegenheit haben, sich geeignete Aussichtspunkte für das Schauspiel am Gleiberg auszusuchen, da die Ruine vont Festplatze selbst tiicht sichtbar ist. Tas Korps Teutonia tatsächlich die älteste Korporation der hiesigen Hochschule — gegründet am 1. Juni 1839 — feiert gleichzeitig mit der Jubelfeier der Ludoviciana sein 6 8tähr:ges Stiftungsfest. Das aktive Korps, zahlreiche Alle Herren und Gäste begaben "ich am Dienstag abend in langem Zug, voraus 5 aktive Korpsburschen und der Fuchsmajor in voller Wichs hoch zu Roß, zum Korpshaus zur Begrüßungskneipe. Tie herrlich ge- chmückten Räume des Korpshauses vermochten kaum die große Anzahl der Teilnehmer zu fassen. Der 1. Chargierte hieß mit herzlichen Worten Alte Herren und Gäste willkommen, namens .dieser dankte A. H. F ü r st z u Isenburg-Wächtersbach und trank auf das weitere Blühen, Wachsen und Gedeihen des Korps. Tie Festkneipe nahm äußerst gemütlichen Verlauf. Das Stiftungssestprogramm sah weiter vor Festessen im Hotel Großherzog, Ausflug mit Damen nach Braunfels, Gartenfest und Festkommers auf der Liebigshöhe. Wenn auch das Fest selbst auf Wunsch der Alten Herren als ganz internes Fest des Korps gefeiert ward, so ging doch das Programm über das Maß des Gewöhnlichen hinaus, galt es doch das Geburtstagsfeft des ältesten Korps und Korporation in würdiger Weise zv begehen. Aus Stadt und Land. Gießen, 2. Ang. ** Von der Landesuniversität. Der außerordentl. Professor bei der Theologischen Fakultät der Landesuniversität Lic. Dr. Walther Köhler wurde von der Theologischen Fakultät in Zürich anläßlich des Jubiläums unserer Universität ehrenhalber zum Doktor der Theologie ernannt. Ter Rektor von Zürich Prof. Dr. Hitzig-Steiner überreichte das Diplom persönlich. ** T a s ch e n d i e b st a h 1. Einem Jestteilnehmer wurde gestern nachmittag gelegentlich der Empfangsfeierlichkeiten im Gedränge das Portemonnaie mit Inhalt ans der Hinteren Hosentasche gestohlen. Der Bestohlene Hal nicht das Geringste bemerkt, sodaß keinerlei Anhaltspunkte für die Täterschaft gegeben sind. s. Oberkleen, 31. Juli. Nachdem das Interesse für die Tropfsteinhöhle durch die Tiauniden geweckt worden ist, sei hier kurz über die Nufräumungsarbeiten berichtet, t», Taunusklub hatte bekanntlich dieierhalv 200 Mk. zur V^rsüguuo ff aeüellt, um den Zugang zur Höhle möglich zu machen. Anfauas Mai wurde mit der Arbeit begonnen und der Emgang bis »ur zweiten Kammer erweitert. Schon dieser erste Versuch war r äußern beschwerlich, denn in dem engen Verbindungsweg ver- mochte man nicht aufrecht zu stehen, noch viel weniger zu arbeiten. , Tie bewilligten Mittel waren bald verbraucht und fo bis sie nach einer abermaligen Gewährung von 100 Mk. nach der Heuernte iviedcr aufgenommen wurde gatt nun, den verschütteten Zugang zur dritten Kammer aus. ziliinden. Hier läßt sich schon leichter an)eiten, zumal ber Streite Raum gröger ist als der erste und man auch aufrecht : stehen kann. Allein die Hindernisse in die schräg abwärts lauiende Schlucht sind so bedeutend, daß ein weiteres Vordringen einstweilen nicht möglich ist. Es wird daher auf eine ' Ncht'gung durch den Taunusvorstand gewartet, um durch ein gemeinsames Befahren der Höhle durch den Klub entscheiden zu layen, an welcher Stelle die Ausräuniungsarbeiten iortgesew werden sollen. Neben diesen größeren Räumen birgt der Berg noch viele kleinere Höhlen, in die man ohne Lebensgefahr nicht hmabklellern kann. Hoffentlich gelingt cs, die durch ihre Tropf, i Ucinjiauren schon seit dem Jahre 1831 Lcfanme Höhle für das Pubnlum zugänglich zu machen. R. Alsfeld, 31. Juli. Zur Prämiierung des am 29. Jiili hier abgchaltenen Pferde- u 118 Prämien- Marktes standen im ganzen 1450 Mk. ziir Verfügung- . hierunter vom Kreis Alsfeld 150 Mk., vom Landw. Bezirks verein Alsfeld 100 Mk., von der Stadt Sllsseld 250 Mk., ) vom Landespferdeziichtvcrein 250 Mk. und von der Pserdc- niarktkommission 700 Mk., zusammen 1450 Mk. Für die zur Verlosung 6efthnmtcn Fohlen waren ca. 1200 Mk. vor. gesehen. Dlirch die große Konkurrenz in gediegeiieiii Pferdematerial hatte die Prämiierungs-Kommission eine jchivere I Arbeit. lZ Vom Vogelsberg, 31. Juli. Man hat ver. ! schiedentlich von dciii Beeren re ich tu m der Wälder in diesem Sommer berichtet. Das Ergebiiis der Erdbeeren ist durchaus nicht besonders. Durch das ständige feiichte Wetter faulten die reifen Beeren sehr bald, and) der üppige Gras- wilchS in den Wäldern hinderte den Beerenwuchs, so daß der Erdbeerectrag nur minimal ivar. Der Topf Erdbeeren, den man sonst für 20—25 Pfg. kaufen konnte, mar nicht für 30 Pfg. erhältlich. Auch die Hiuibeereii tragen weniger reichlich wie sonst; sie werden auch ohnehin durch) die Aus- rottung des Gestrüppes seltener. Tie Brombeeren dagegen versprechen eine gute Ernte. Das von unseren Haussraiicn mit Recht so sehr geschätzte Becrengelee ist in diesem Jahre nicht so reichlich in die Vorratskammer gelangt. Worms, 30. Juli. Aus Schruns, 29. Juli, erhielt die Worms. Ztg. folgende telegraphische Mitteilung: Die gestrige Hüttenweihe nahm den schönsten Verlauf. Die Vorfeier in Schrmis fand bei zahlreicher Beteiligung statt. Heute war der Himmel wolkenlos. Beim Aufstieg zur Hütte, an deut etiva 150 Personen teilnahmen, entwickelteil sich fortivührend die herrlichsten Landschaftsbilder. Eine kernige Ansprache hielt Herr Apotheker Lorbach-Worms namens der Sektion Worms, ausklmgend auf die Rlonarchen und den Großherzog, die beifällige Aufnahme sand. Die kirchliche: Weihe der Hütte wiirde durch) ein wfftglicd der Sektion, Professor Hattemer-Worms und die Einführung in die Hütte durch) Herrn Dr. Dlarx-Worms vollzogen. Hieran schloß sich ein Festmahl, bei dem zahlreiche Sektionen vertreten„luarcn. ' X Lützellinden, 31. Juli. In unserer Gemarkung ist die M a u s e p l a g e zur wahren Kalamität geworden. Bei der nunmehr begonnenen Kornernte kann man das Berheerungswerl, das die Mäuse jetzt schon angerichtet haben, vor Augen sehen Aus manchen Aeüern in ein Viertel der vielverspre^noen Ernte volytändig zernagt, sodaß der Boden handhoch mit Häcksel über- deckt i)t. Aber auch in den Kartoffeläckern wühlen die sreß- grerrgen Nager und verzehren die Knollen, wie an den vielen welk gewordenen Kartoffet)träuchenl zu erienncii ist. Tie hiesigen Landwirte gehen darum den ungebetenen Gästen energisch zu Lerbe. Man ftreut Gift in die Müu,elöcher, gräbt halb mit Wasser gefüllte Töpfe in den Boden, oder legt die Rester bloß und schlägt die junge Brut mit dem Prügel tot. (:) G a r b e n h c i m , 31. Juli. Bei einem hiesigen Einwohner wuroe m der Nacht eingebrocheil und dabei 200 M arkBargel d , ein Fahrrad, Strümpfe und Eßwaren gestohlen. /X Botteilhorn (Dilllreis), 31. Juli. Tas m der Nahs uiifeveö Dorfes gelegene Klmgelhöier'sche D a m p f s ä g e w e r k ist em Raub der Flammen geiuorben. — Auch das gailze Llmvesen der Witwe Jakob Aßmanu zii Hartenrod ist vollsläiidig meder-. gebrannt. Versichert ist nichts. Zum Fall Hau wird berichtet: „Nach einer Mitteilung des in Karlsruhe erscheinenden „Volksfreund" hat sich in Baden-Baden ein F räubern Eisele gemeldet, das angibt, sie erinnere sich bestimmt, baß sie am Abend des Mordtages einen vermummten Herrn von dem in der Verhandlung geschilderten Aussehen in der Fremesbergerstraße in eine Troschke habe einsteigelt und nach der Promenade in entgegengesetzter Richtung der Atordstelle habe fahren sehen. Erst darnach habe sie den Schuß gehört. Rechtsanwalt Dretz, der Verteidiger des Verurteilten, traf in Baden-Baden ein, um festzustellen, wo Fräulein Eisele den von ihr gesehenen Mann in den Wagen einfteigen sah, und ob die Stelle mit derjenigen identisch ist, an der Rechtsanwalt Hau in seinen Wagen gestiegen fein will. Ferner wurden auch mit entern Omillimeterkalibrigeu Revolver verschiedene Schußversuche unternommen, um feststellen zu können, ob Fräulein Etscle von dieser Stelle aus nach der Abfahrt des Wagens den Schuß wirklich gehört hat. Tie Untersuchung an Ort und Stelle hat ergeben, daß tatsächlich an der Stelle, wo Fräulein Eisele den Unbekannten mit dem falschen Barte in die Droschke steigen sah, wirklich ein Schuß gehört werden fonnte, der an der Mordstelle abgegeben worden ist. Fräulein Eisele erklärt, daß Hau keineswegs bei" Mörder fein könnte, wenn er der fremde Mann fei, der an der betreffenden Stelle in die Drofchke gestiegen fei. Eigentümlich berührt die sellfame Handlungsweife, die die Kriminalpolizei Fräulein Eisele gegenüber anzuwenden beliebte. Fräul. Eisele hat am Mittwoch einem Kriminalbeamten erklärt, ihre Aussage zum Hau-Prozeß zu machen. Aber erst am Samstag konnte Fräulein Eisele ihre Aussage machen. Fräulein Eisele wiederholte ihre Wahrnehmungen gegenüber Schutzleuten, die sie nach der Größe des fremden RLannes fragten. Seltsam berührt die Frage, die der Kriminalbeamte bei der Vernehmung an Fräul. Eisele richtete .Die Frage lautete nämlich: „Was haben Sie eigentlich für ein Interesse, Han zu verteidigen? Wollen Sie ihn vielleicht heiraten? Fräul. Eisele erwiderte: „Oh, nein! Ich will Ihnen aber gleich sagen, daß ich nie für Hau eingetreten bin. Im Gegenteil, ich war stets gegen ihn, bis mir einfiel, was ich jetzt aussage." Jui weiteren Verlaus der Vernehmung fragte der Kriminalbeamte, ob der betreffende Herr, der in die Droschke gestiegen unb abgefahren war. Hau geweseii war. Fräul. Eisete erwiderte: „Nein, das weiß ich nicht. Ich will nur sagen, daß er nicht gesch0ssen haben kann, menn er in deu Wagen eingestiegen i)t." Auf diese Vernehmung hin fand die bereits ^ben gemeldete Untersuchung an Ort unb Stelle statt. Es bestehen jetzt nur noch Differenzen zwischen den Aussagen des Kutschers und des Fräulein Eisele, tvas die Abfahrtstelle be'r Troschke anbelangt. ; Hau ifl im GcfangniA @>cl)rci6geTegettT)iett rtib PeHüre entzogen worden. Er hat bisher seine Zeit im Tütenklebln zngebracht. Wie die ,.N. Z." erfährt, hat es der Staatsanwalt Dr. Bleicher abgelehnt, sich ciuf privatem Wege mit dem Verteidiger Karl Daus, dem jetzigen Rechtsanwalt und früheren Landgcrichtsrat Tietz, auseinanderzusetzen. Zum Prozeß Dau bildet folgendes Inserat, das sich in einer süddeutschen Zeitung findet, einen Nachklang: „Baden-Baden. Villa Molitor, in vornehmer Lage, ca. 17 Räume, Balkon, Veranda, Loggien, Badezimmer, elektrisches Licht, Zentralheizung, Wasser, Gas, Kanalisation, 3200 bezw. 4700 Quadratmeter Garten und Rasen, hypothekenfrei, preiswert zu verkaufen ev. zu vermieten. — Durch dieses Inserat gewinnt man einen Einblick, wie die Familie Molitor gewohnt hat. Es ist Wohl ein fürstlicher Sitz zu nennen, und nun wollen ihn seine Besitzer verlassen, da die eigentliche Herrin durch die Kugel eines Meuchelmörders fiel und so viel, des Jammers seitdem über dieses Haus gekommen war. Beim Schluß der Karlsruher Schwurgerichtssession richtete der Vorsitzende,, Landgerichtsdirektor Eller, der Präsident im Hau- Prozeß, an die Geschworenen eine Ansprache, in der er sagte: „Es waren in der diesmaligen Session große Anforderungen an die Ruhe Ihres Gewissens, Ihre unerschütterliche Ucberzeugung und Ihren Mannesmut gestellt. Sie haben sich bei Ausübung Ihres Amtes als echte deutsche Männer bewährt." VermUchtr». • Nheindiebach, 31.' Juli. Ein Automobil passierte die Straße zwischen Nieder-Heimbach und Nhein-Diebach. Ein Junge aus Niederheimbach warf nach dein Fahrzeug mit einem Apfelrest, der in das Automobil siel. Dieses hielt an, ein Herr sprang heraus, bewaffnet mit einem scharf geladenen Nevolner. Er fordert den Jungen auf, stehen zu bleiben, andernfalls er schießen würde. Der Junge lief jedoch weg, worauf der Automobilist sechs Schüsse abgab, ohne jedoch zu treffen. Eine Schar junger Mädchen ging vorüber und eine von diesen wurde von dem Geschoß getroffen. Das Mädchen, die einzige Tochter der Witwe Feld aus Rheindiebach, erhielt den Schuß in den Rücken; die Kugel konnte bis heute noch nicht entfernt werden. Während des ganzen Vorfalls stand die Gefährdin des Automobilfahrers mit einem geladenen Revolver am Wagen. Der Automobilist faste noch einen Jungen, der unbeteiligt dastand und würgte ihn am Halse, daß ihm nach Berichten eines Augenzeugen das Blut aus Mund und Rase lief. Ein Mann entriß dem Helden den Jungen, worauf sich das Automobil aus dem Staube machte. Die Nummer des Automobils ist sestgestellt. Das Mädchen, welches im Alter von 5 Jahren steht, ist, wie weiter gemeldet wird, schwer verletzt. Nach dem Automobil wurden bereits Nachforschungen in Wiesbaden cingelcitet. * Die Frauenmorde in Newpork, über die wir gestern berichteten, scheinen aus das Konto ein und desselben Verbrechers zn entfallen, der nach dem Vorbilde „Jack the Nippers" in wahnsinniger Mordlust seine Opfer hinschlachtete. Das eine der Opfer war eine schöne, ungefähr 25 Jahre alte Dame in eleganter Toilette; sie wurde im Vorraume des Souterrains eines Logierhauses in äußerst anständiger Gegend gefunden. Alle Anzeichen deuten auf einen furchtbaren Kampf des Opfers um sein Leben hin. Die Abdrücke an der Kehle beweisen, daß der Mörder abnorm große Hände hatte. Die Leiche war nach dem Tode mit einem Messer bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und ganze Fetzen Fleisch waren mit den Länden abgerissen worden. Der Polizeiarzt erklärte bei der Totenschau, daß alles aus ein Aufschlitzerverbrcchen hindeute; es sei kein Mord aus Rache, sondern das Werk eines Scheusals gewesen. Die Identität des Opfers ist noch nicht festgestellt. * Kleine Tages chronik Bei dein Versuch, seine Geliebte oon der Inhaftnahme zu befreien, ist der Zuhälter Menzel erschossen worden. — An dein Badestrande von N y cf auf Föhr land ein Arbeiter ein Paketchen Banknoten der National Provincial Bank of England in Dover im Werte von drei Millionen Mark. Der Fund wurde dem englischen Konsul übergeben. — Joses Hasselmann, der erste Assistent einer Löwenbändigerin wurde in Gloucester beim Reinigen der L ö w e n k a f i g e zerrisse n. Eine Vöroin brach aus und drang in eines der Ankleidezimmer, wo sie passelmann sofort anfiel. Hasselmann starb unmittelbar nach der Ueberführung im Hospital. — In Mailand sind drei Arbeiter infolge Hitzfchlag irrsinnig geworden. — Auf dem Truppenübungsplatz in Döberitz wurde ein Soldat des 1. Garde- Regiments in Potsdam, der in seiner Kompagnie in der Nähe der Sclneßstände exerzierte, von einer verirrten Kugel in den Kopf getroffen. Der Verunglückte ist seinen Verletzungen erlegen. — Auf einen Breslauer Schnellzug wurde bei Berlin, zwischen den Stationen Erkner und Hangelsberg bei Berlin, von einem bisher noch nicht ermittelten Täter ein scharfer Schub gegen den Zug abgefeuert. Die Kugel zertrümmerte die Scheibe eines Abteils 2. Klasse und streifte einen Reisenden während ein anderer durch umberfliegcnde Glassplittcr im Gesicht erheblich verletzt wurde. Nachdem der Zug zum Halten gebracht worden war, wurde eine Streife nach dem Attentäter abgehalten. Dieser war aber bereits verschwunden. — Der Bürgermeister Graf von Bebenhauseu (Bayerisch Schwaben) wurde v o n c i n e m S t i e r a u f g e s p i e ß t und mit aufgerisscnem Unterleib tödlich verletzt ins Krankenhaus gebracht. — In B u d a p e st ist infolge Unlerwaschung durch Gewitterregen ein Neubau eingestürzt. Mehrere Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben und getötet. — In Mac Greger im Staate Texas ist gestern eine Hitze von 47*/^ Grad Fahrenheit ini Schatten verzeichnet worden. Zahlreiche Personen erlitten H i tz s ch l ä g e. Viel Vieh ist durch die furchtbare Hitze umgekommen; einem Farmer krepierten allein 35 Stück Hornvieh. — Der Provisor Pinner in G o st y n (Posen) vergiftete sich in der dortigen Apotheke in dem Augenblicke, als er wegen eines Sittlichkeitsverbrechen verhaftet werden sollte. — In Toulon Bekanntmachung. Die unterm 17. Juli 1907, angeordnete Sperre der Ka th arkn en g a sse wird hiermit aufgehoben. Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die L a n d g r a f e. n- siraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrv-erkehv gesperrt. Gießen, den 29. Juli 1907. Großherzoglrches Polizeiamt Gießen. Herberg. Verkaufsstellen üachWEis durch die Generalvertriebsstelle; inschläqiqeii Geschäften stürmte ehr Soldat des 4. Kolonlalreglmenles' im Säuferwahnsinn mit gezückten! Seitengewehr durch die Straßen- Viertels und st a ch wüteub aus alle im begegnenden Personen ein, die zumeist schwer verwundet wurden. Er wurde nur mit Mühe überwältigt und verhaftet. LLn^verkrLeits-Nachvrchten. hc. Marburg. Für das Fach der inneren Medizin und experimentellen Pathologie habilitierte sich an der Universität Marburg Dr. mcd. Reinhard von den Velden, erster Assistenzarzt bei Prof. Brauer an der medizinischen Klinik. Seine Habilitationsschrift trägt den Titel „Eoordinationsstörungen des Kreislaufes". Märkte, ke. Franks u r t a. M., 1. Aug. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Anitliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe, standen: 60 Ochsen, 00 aus Oesterreich 3 Bullen,'0 aus Oesterreich, 96 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 00 aus Rumänien, 731 Kälber, 31 Schafe und Hännnel, 0 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schallämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1 Qualität 32—85 Mk., 2. Qualität 75—78 Alk., 3. Qualität 68-72 Mk.; Bullen: 1. Qual. 69—71, 2. Qual. 66—68; Kühe 1. Qualität 74—76 Alk., 2. Qual. 70-72 All., 3. Qual. 64—66 All., 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 92—95 Pfg., Lebendgewicht 55—57 Pfg., . 2. Qualität 82—88 Pfg., Lebendgewicht 49 — 53 Pfg., Schlachtgew. 65—70 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 82—84 Pfg., 2. Qual. 70—80,; Pfg. — Geschäft: bei Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend ; bei Kleinvieh lebhaft, lein Uclerstand. Limburg n. d. L., 31. Juli. Frucht m arkt. Durchschnittspreise pro Malter. 'Roter Weizen (Nassauischer) 60.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 16.10 Mk., Gerste 00.00 Mk., Hafer 10.25 Mk. Erbsen 0.00 Alk., Kartoffeln 8.00 Mk. Littgcßaudr. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dern Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Sehr geehrte Redaktion! Auch ich bin nur Privatabstinent und gehöre keinem Verbände irgendwelcher Art an, der seine Mitglieder verpflichtet, abstinent zu sein; aber auch hier gilt die Devise: „getrennt marschieren, vereint schlagen!" Und in diesem Sinne hat mich das Warnun^schreiben des Allgemeinen Deutschen Zenttal-Ver- bandes zur Bekämpfung des Alkoholismus sehr gefreut; denn man kann die kommende Wahrheit nicht oft, nicht eindringlich genug verbreiten. Sie muß immer und immer wieder gesagt werden, bis sie so alt und so allgemein geworden sein wird, daß sie jeder kennt. Galt nicht einstens auch die Sklaverei als ein anerkanntes Institut des Rechtes? Und wer einem alten Griechen oder Römer deren Abschaffung empfohlen hätte, wie wäre dem wohl begegnet worden? Nun, heute liegt die große Mehrzahl der Menschen in den Sklavenbanden des Alkohols, ob nun Wein, Vier, Punsch, Sekt, Schnaps, Likör re. u., das ist ganz nebensächlicher Bedeutung; die Hörigen waren im Grunde genommen auch Sklaven, und was in allen jenen Getränken der wirksame Bestandteil ist, bas ist eben der Alkohol. Und wem ist denn der — das muß gewiß anerkannt werden — eminente Fortschritt zu verdanken, daß der Trinkzwang ein gewaltiges Loch erhalten hat? Etwa den sog. „Mäßigen"? Nun, als mein Bruder Student wurde und als später ich derselben Burschenschaft angehörte, da waren feierliche Beratungen und Konventsbeschlüsse vonnöten, um uns von den Trinksitten zu dispensieren; das ist nun anders geworden, habe ich mir sagen lassen, und ich begrüße diesen Fortschritt mit Freuden. Doch wem anders wäre dieser Fortschritt zu verdanken, als solchen wackeren Kämpen, wie Bunge, Forel u. v. a., die sämtlich zur totalen Abstinenz halten? Tie Wassersuppe „Mäßigkeit" wäre nie fähig geworden, Einfluß zu gewinnen, wenn ihr nicht die Abstinenz den gewaltigen Rückhalt böte; wer heutzutage vor dem Sturmlauf der Abstinenzbewegung die Augen schließlich doch nicht ;nchr verschließen kann — das können mit gutem Gewissen nur noch die Alkoholkapitalinteressenten — wer die Wahrheit anerkennen muß, die Wahrheit, welche den Alkohol in jeder Form für schlecht erklärt, nun, und wer doch nicht auf die Genüsse des Alkohols ganz verzichten mag und kann, der wählt dieser Uebergangszeit „Goldene Mittelsttaße" und schließt sich der Mäßigkcitsbewegung an und sagt zum mindesten mit jenem alten Münchener: „I moan a, mit zeh Moaß könnt ma genua hobn!" Aber die Zeit wird kommen, wo die Ver- werfung der sog. Freuden des Alkohols ebenso allgemein sein wird, wie jetzt schon bei uns der Opiumgenuß und dergl. mehr. Heute ist es noch ein fernes Ideal und doch als solches schon nicht mehr ernsthaft bestritten, daß jeder von uns ceteris Paribus besser wäre, wenn er dem Alkohol entsagte! Daß viele ihn noch nicht entbehren mögen, daß sie für Aufmunterung, für ihre Begeisterung und Anregung des alkoholischen Stimulus noch nicht entraten mögen, ist doch nur ein Zeichen einer gewissen Schwäche, die es zu überwinden gilt. Die Abstinenz ist ein Ziel, das nicht von heute auf morgen errungen wird; aber ein ideales Ziel bleibt sie doch. Freilich muß man nicht die Frösche nach ihrer Meinung fragen, wenn man einen Sumpf austrocknen will! Und noch ein Wort zu den guten Ratschlägen Ihres anderen Privatabstinenten: Wie wenig weiß er doch Bescheid, daß er nicht einmal weiß, wie umfassend die Arbeit der Gasthausreform bereits heute ist und wie viele Mühe auf die Herstellung der Ersatzgetränke bereits verwandt wird. Offenbar weiß er doch in der Literatur des „Weinkenner" besser Bescheid als in der alkoholgegnerischen. Sonst wüßte er, daß gerade in den von ihm bezeichneten Richtungen die allergrößten Anstrengungen gemacht werden. Er wüßte aber auch, daß gerade hier das investierte Alkoholkapital der mächtigste Gegner ist und er sollte auch wissen, daß alkoholfreie Getränke nur dem schmecken können, dessen Zunge des Alkohols entwöhnt ist. Die Weine von Bechtel, Nectar und andere — im Preise einfachen Tischweinen etwa gleichgestellt — sind nicht nur außerordentlich bekömmlich, sondern auch, besonders kalt gestellt, sehr frisch und wohlschmeckend — freilich nicht für Ortenbächer! Das beste und billigste, sobald es nur weiten Absatz findet, wird die natürliche Zittonenlimonade sein und bleiben; Feinschmecker können einen Schuß Himbeersaft oder alkoholfreien Rotwein darunter tun. Diese reinschmeckenden Getränke stehen weit über dem abscheulichen Gebräu verermgten Ungeschmäcks; dem Bier, in hem sich unvereinbare Ge-r schmücke nolens volens zusammenkomponieren lassen, hinunter bis zu mitgesottenen Katzen, Natten und Mäusen. Ilnterwerfen wir uns also getrost dem Urteil späterer Zeiten; das Schnupfen wollen wir dabei ruhig den Alkoholkapitalinteressenten überlassen und ihren Hörigen. Hochachtungsvoll . t Dr. Spohr, Rechtsanwalt. Gienen, den 31. Juli 1907. Mrehttche Nachrichten, Israelitische Neligionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbatfeier am 3. August 1907: Freitag abend 7.40 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittag 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 8.55 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.00 Uhr, abends 7.30 Uhr. Hsractitische Neligionsgeineirrde. Holtesdienll in der Synagoge (Südanlage). Sanis tag, den 3. August 1907; Vorabend 7.45 Uhr. Ri o r g e n s 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Predigt. Sabbatausgang 8.55 Uhr. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hesieu am Freitag bei; 2. August: Wolkig, weift trocken, fühl, miudig. Grkgittal-Drahtmeldttnge«. Lodz, 1. Äug. Der Straßenbahnverkchr ist wieder auf-, genommen. In der Stadt herrscht verhältnismäßige Ruhe, doch ziehen noch Kavallerie-Patrouillen durch die Straßen. Dresden, 1. Aug. Der 34 Jahre alte Bergmann Adam aus Zöllnen geriet auf noch unaufgeklärte Weise in Berührung mit der Starkstromleitung einer unterirdischen Berg^ Werksbahn. Er war sofort t o t. Haag, 1. Aug. Das Münchener Witzblatt S i m p l i c i s s i - m u s wurde auf Anordnung eines Kapitäns aus den Räumen des Norddeutschen Lloyd entfernt, wobei es als „Schweineblatt" charakterisiert wurde. Bei dieser Szene war der deutsche Friedenskonferenzdelegierte Freiherr Marschall von Bieberstein zugegen. Petersburg, 1. Aug. So viel hier bekannt, erfolgt die Abreise des Zaren heute abend. Die Jacht „Standard", sowie die sie begleitenden beiden Kriegsschiffe haben bereits vor Peterhof Anker geworfen. Alle Zugänge zur Küste sind streng abgesperrt. Prag, 1. Aug. Der Professor der montanistischen Hochschule in Przibram namens Groh nmternahm mit seinem Bruder und seinen vier Kindern eine Bootsfahrt auf der Eöbe. Infolge Sturmes fenterte das Boot. Der Professor und ein Kind ertranken, während der Bruder und die übrigen drei Kinder nur mit großer Mühe gerettet werden konnten. Innsbruck, 1. Aug. Der Statthalter hat die Bezirks- Hauptleute. in Trient und Rovereto telegraphisch angewiesen, wegen der gegen die deutschen Touri ft en ftattgehabten Ausschreitungen eine strenge Untersuchung einzuleiten und gegen die Schuldigen bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige zu er* statten. Lemberg, 1. Aug. In einer Mühle in der Nähe von Jawarow explodierten während des Mühlganges drei Dynamitpatronen, die ein Bauer zum Fischfang benutzen wollte, aber in der Mühle vergessen hatte. Die Mühle wurde beinahe voll- ftändig zerstört, 2 Personen in Stücke gerissen, mehrere verletzt. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse, 1. Ang., 1.15 Uhr. 3j^% Reichsanleihe . < 93.00 Elektriz. Lahmeyer . « . 116.00 3% do. . . 82.90 Elektriz. Schnckert . . . 102.00 3J4°/o Konsols .... 93.40 3% do 83.00 3%°/o Hessen . , . . 92.10 3^°/o Oberhessen . . . — 4% Oesterr. Goldrente. . 97.70 4l/6 % Oesterr. Silberrente 98,15 4% Ungar. Goldrente . . 94.35 4% Italien. Rente . . . 103.25 3% Portugiesen Serie I . 66.40 3% Portugiesen „ III 67.30 4%°l0 russ.Staatsanl. 1905 91.55 4^% japan. Staatsanleihe 90.20 4% Conv.Türken von 1903 94.60 Türkenlose ..... 141.00 4% Griech. Monopol-Anl.. 48.90 4% äussere Argentinier . 83.90 3°/0 Mexikaner « , . 62.50 4Chinesen . . « . 96.00 Aktien: Bochum Guss 206.25 Buderus E. W . . . 113.00 Tendenz: matt. Berliner Börse, Canada 172.50 Darmstädter Bank . . . 127.50 Deutsche Bank .... 222.50 Dortmunder-Union 0. . « 68.00 Dresdner Bank . . . . 136.60 Tendenz: matt. Eschweiler Bergwerk , * 188.25 Gelsenkirchen Bergwerk . —.— Hamburg-Amerik. Paket!. 132.00 Harpener Bergwerk. « . 192.60 Laura hü tte 216.00 Nordd. Lloyd 116.65 Oberschles. Eisen-Industrie 102.10 Berliner Handelsges . . 150.25 Darmstädter Bank , 127.25 Deutschs Bank . « , 222.50 Deutsch-Asiat. Bank • , 143.70 Diskonto-Kommandit. . . 167.50 Dresdner Bank . . . 136.25 Kreditaktien 203.40 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . . 3. ♦ 95.50 Gotthard bahn . . , . —.— Lombard. Eisenbahn . . 80.10 Oesterr. Staatsbahn . . . 140.20 Prince-Henri-Eisenbahn . 130.00 1. Aug. Anfangskurse. Harpener Bergwerk, « « 193.00 Laurahütte . , . . 216.50 Lombarden E. B. • . . 30.20 Nordd. Lloyd' . • « . • — Türkenlose . j * • » . 140.20 Dar Verzeichnis der Leilnehnier am Univerfiläts- Jubiläum ist zum preis von (0 pfg. in der Seschästr- steiie des Eiehener Anzeigers zn haben.__________ SsAsettr mit Firma biMgst vrübl'fche Univeriitats-Druckerek. ©ieftttt. B=V, $er«thäü M MinMttMttn. Die Kleinpflasterarbeiten für die Befestigung der Moltkesttaße zwischen Roonftraße und Wieseckbrückesollen DonnerStan, den 8. August dss. Js., vormrttagS 11 116r öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen wahrend der Drenttstunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum vorgenannten Zeitpunkt verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen an uns einzurelchem Zuschlagsfiist 3 Wochen. Gießen, den 31. Juli 1907. Städtisches Tiefbau amt Braubach. Die Restauration * im Bahnhof bleibt während der Festtage M ganze Nacht geöffnet. Arb eitsv eeg ebrmg» Die zur Vornahme baulicher Herstellungen im Schulhausö in der Westanlage erforderlichen Ä Schreiner und Weißbinder - Arberteu sollen Montag, den 5. August b. Js., vormittags 11 Ubr öffentlich vergeben werden. Die Beröingungsunterlagen liegen bei uns j)ur Einsicht offen. 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