L 57. Jahrgang Eeneral-Anzeiger für Cderheffen r?r. 4 Drittes Blatt Erscheint tö-Nch mit VuTnahme deS Sonntag«. Ti« „rletzener Lamlllendlätter" werden dem ,An,eiger^ oiermal wöchentlich beigelegt, baS '.Lrelrdlatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Ter..hesstsch« Landwirt" erscheint monatlich einmal. amstag 5. Mannar 1907 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Uniöcrfuät« - Bilch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Truckerei: 6 di ul- strabe 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzetgerGießen. polttiid>e (Zagcsfcban* Tie preabllchen Beamten hosten. R. Berlin, 4. Jan. §S ist in Dreien üblich, das Geheimnis des Staatshaushalts zu hüten bis zu dem Tage, da der Chef der Finanzver- Wallung in der EtatSrede im Landtag den Schleier lüftet Hoffentlich bringt die demnächst durch yrhrn. v. Rheinbaücn erfolgende Enthüllung des ElalSgeheimniffes keine Enlläufämng für die- ienigen, die da erwarten, es werde die Steigerung der Staatseinnahmen — bei der Eisenbahn ist fic sehr beträchtlich — auch ihnen zugute kommen. Gemeint sind die prcub- Beamten, auch die der preuß.-hcss. Eisenbahngemein, schäft, insbefoiidere die Unterbcamten. Sie rechnen zuversichtlich aus Gewährung einer Teuerungszulage, wie sie von vielen Kommunalverwaltungcn bereits an städtisch Beamte und Angestellte ausgezahlt worden ist. Es liegt überdies bekanntlich em nationalliberaler Antrag vor, der die Regierung um eine derartige Zuwendung an bie UnleroeaMt.u erwart. Sollte sich die Regierung ablchiiend verhalten, dann könnte die Miß- sliinniung unter den so gering besoloetcn Beamten bei der Rcick)S- tagswahl in uncrwünscyter Weise zum Ausdruck kommen. Zu dem Thema „Kolcnial-AffefsoriSmuS" liefert die Zeitjchnst »Der Turmcr" (m Stuttgart) einen in- tereffanten Beitrag: „Ein mea.enourgischer Pfarrcrssohn kam nach Windhuk. etanth-öDoruneue beeiißUn nicht fernen Horizont. Ehrlich ver. diente er jein Brot als saurer. Avec er H..Ue leine vielte, wo er fein H^upt yinkjeii tüiinie. Au, einem hemen Huget besä-log cr |io> fein HauSchcn zu bauen. Seine Arvelt bmite er maji Qujgeuen, modle er niuji am ^ungcctuche n^gen. Bvm Tuge gehörten ihm nur b.e brennend bauen wtldugsnundiM und die lnhdn Wioimicheuuiachte. Beide verwandte er zu seinem Hausbau. Es dauerte zwar lange, aber gedu.dige, z^he Ausdauer brachte das Haus unter Dach. Es beioährie fich durchaus bn dem nachften |polienurua>artijcn Tropeilregeu. Der Bentül toux |u>U auf fern Hausu-em Es war der ernt Schrid vorwärts. Dvch Re Ereuoe dauerte Nicht lange. Unfer tyre anb tour buio gezwungen, zwei Schritt zurück zu machen. Er er vielt den B e. fehl, das Haus abzubrechen, weil der zu oem Gebiet« des neuen t-jauite gehöre. Bald faß der jung« S^edien» buxgtt üi einem Zett und Mle Zeit mib uJiufje, üuer den cr »ieheichen Einflug schckanojer AiieiforenwciShcll naa-zudenren. Aber bteier luftige Aujenlhattsvrt war für die Dauer nicht für ihn bttommiiu-. Er bclam einen langen, harten Zieberanfack, der Nicht nur seine lnugiuin errungenen irriparmne brrzehrte, sondern ihn auch un den Rand des Grabes brachte." Unb bann wundert nmn sich, warum tüchtige strafte, die arbcilcn wollen, auS der stolome wieder hinausgehen. vcutschc» Nelch. Berlin, 4. Jan. Zum Gedtinsiage des Kaisers flehen, wie von mjorimeucr Seite verlautet, mililärucl)e Be- fürderuiigen von Prinzen des königlichen HaufcS in Aussicht; und zivar spricht man von einem Avancement des stronpruizen unb des Prinzen August Wllhelni. — Wie der Truppenlornmandeur von Südwestasrika, Oberst v. Deimling, meldet, ist bie Rücksendung von weiteren 6Uü Wtann vor dem 1. April in die Wege geleitet. — Wie die »Deutsche TageSztg.* mitteilt, denkt man an die Errichtung eines preuß. WafferbauministeriumS zniiächsl nicht, da bie Wkinumjen über bie Zweckmäßigkeu einer solchen Wlaßregel in den beteiligten streifen noch aus- kinandergehen. staltoivitz, 4. Jan. Gegen den Abg. storfanty ifi ein gerichtliches Ermittel ung Sve rsa h ren eingcleitei worden, weil er Beamte der Bergverwaltung veranlagt haben soll, verlranliche Akten heraliSzugeben, deren Inhalt er im Reichstage behandelte. In dem einen Falle handelt es sich um eine amtliche Lohnstatifuk der oberschlesischeii Bergarbeiler, auf die er sich bei der Jleischnot-DebaUe stützte, im anderen Falle um angebliche Abmachungen des Fislus mit der stohlen-Großfirma Wollheim, beten Erörterung im Parlament privatim in Aussicht gestellt wurde. Seine Ver- nehmung fand gestern vor dem Uiitersuchungsrichter statt. Stuttgart, 4. Jan. Die vereinigten Handwerks- kammern des Landes haben in der heutigen Vorschlagswahl für einen Vertreter des Handwerks zur Ersten stammer gewählt: Malermeister Schmdler-Göppmgen und Flaschnermeister Lorenz-Stuttgart. Ter stönig ernennt einen dieser beiden. stüln, 5. Ian. In amtlichen Kreisen ist man sich nach der »Köln. Ztg.* nicht zweifelhaft darüber, baß die Regierung zur Fortführung dec Ansiedelungspolitik m den vom ölen tum bedrohten Landesteilen für den 1. April n. Js. neue Mittel anfordern muß, da bis zu diesem Zcitpunki der Ansiedelungsfonds bis auf einen geringfügigen Rest erschöpft fein wird. Auch darüber scheint in amtlichen Kreisen kaum noch em Zweifel zu bestehen, daß die bisherige An- siedelungspolitik in mancher Beziehung fehlerhaft geivesen ist, unb baß es in Zukunft, um zu einem Erfolge zu gelangen, in verschiedener Richtung einer Abänderung der bisherigen Maßnahmen bedarf, ob dazu auch eine Verstärkung der bisherigen Machtmittel des Staates notwendig sein wird, wird eingehend erwogen. Karlsruhe, 5. Jan. Die Red aktionen der Bad. Landesztg., des Volkssreundes sowie des Bad. Laudesboten, Guer auch ein Redakteur in seiner Privatwohnung sind gestern vormittag in eine Art Belagerungszustand versetzt worden. Es handelt sich um folgendes: Vor einigen Tagen erschien im totalen Teil der hiesigen Presse eine Notiz, wonach den Angestellten verschiedener Hofämter u. a., auch des Hoftheaters, Teuerungs-Zulagen in Höhe von 50 biS 100 Mark gewährt worden seien unb daß anläßlich des Jubiläums des Großherzogspaares die Tcheaier-Arbeiter eine besondere Grati.itatton ec hatten hätten. Schon am folgenden Tage erhielten,,Bolts,reund" wie Lanoesztg. die Mitteilung, daß die Jubiläums-Gratifikation nur in 2/4 L i t e r L> e i n bestanden haoe und daß die Teuerungszulagen noch nicht ausgezahlt, sondern nur in .Ausfuhr gestellt se.en und zwar in ininuna.ee Hohe. Inzwischen stellte sich heraus, daß die Bad. Landes^g. mit ihrer ersten Nachricht durch die gefälschte llnrerschrift eines Beamten aus dem Bureau der Zivilliste irre geährt worden war und daß bie Berichtigungsnotiz im allgemeinen zutraf. Je.)t fahndet die Kriminalpolizei nach oem Fälscher der Unterschrift, aber auch nach dem Verfasser, dem in seiner Stellung Unannehmlichkeiten entstehen könnten. Man ging nun so weit, daß man bei einem Redakteur > is zur körperlichen Untersuchung schritt mit dem Resultat, daß der Derichtigungsbrief auch t a t s ä ch l i ch gefunden wurde. Ausland. Wien, 4. Ian. Wie m militärischen Kreisen verlautet, wirb bie Reorganisation des österreichischen GeneralstabeS nach bet» t sch em Muster im Laufe des Frühjahrs erfolgen, desgleichen auch bie Reorganisation bei Kriegsschule. — Aufsehen erregt hier ber heutige Leitartikel be§ FrembenblatleS, der scharf gegen bie Erhöhung des Postporlos, ber Telegramm-Gebühren unb Telephon- Abonnements polemisiert. TaS Blatt fragt, ob baS der Be- ginn ber zielbewußten Industrie-Politik sein solle, welche die Regierung angelüubigt habe. Diese Erhöhung sei im höchsten Grade wirtschaft- unb kullurseinblich. Washington, 4. Ian. Das neue Fleischbeschaugesetz in den Vereinigten Staaten cifotbed eine so große Anzahl von Tieiärzten unb Flesichuispelloren, baß ber Nachfrage nicht genügt weiden kann. Um ben Export von Schlächterprobuklen auf ber Höhe zu hatten, Haden jetzt einige Schlächtereibesitzer der Universität Illinois eine Summe von einer 2?hllion Mark unb etnen großen Bauplatz umsonst angeboten, bamil der Staat batauf eine tierärztliche Hochschule errichte. Ter Piäsibent IameS von ber IllinolS-Unlversität soll bie Vesten Tierärzte Europas engagieren unb wirb zu diesem Zweck eine Reise nach Deutfchlanb, Frankreich unb ber Schweiz unternehmen. 2lu* £*aot uno tuuö. Sprechstunden l. .. ...... - u,-. . ji.;. , —'/°8 Uhr abdS. Gießen, den 6. Januar 1907. - Der Wahlaufruf bcc vereinigten liberalen Parteien liegt der heutigen Stummer beS Gießener Anzeigers als besonbere Beilage bet. — Eisenbahn Personalien. S. K. H. der Großherzog haben ben Bahnmeistern Ioh. Borger zu Hart- maniiShaiu, WÜh. Jo osl zu Bübingen, starl Ludw. stiefer zu Lauterbach uiib Karl Friedr. Schmibt zu Dieburg; den Eisenbatznassistenien Iohs. Hey de zu Manikür unb Herrn. Ioh. starl Gg. ströcker zu Fulda; dem BahiihofSverwaller Hch. Karpf zu Nlücke bie unkündbare Anstellung verliehen; ebenso rourbe den Bahnhofsauff ehern Iohs. 91 le bern hü fer zu Ortenberg unb Hch. holpert zu Stieber-Ldmen; bem Lokomotivführer Hch. Herrn. Fischer zu Bebra; bem Wagen- meister Hch. Friebr. Pfeiffer zu Frankfurt a. M.; ben Zugführern Hch. Techert zu Gießen unb Gg. Herr inann zu Gebern; ben Weichenstellern 1. Klasse Aug. Jungk zu Gettenau-Bingenheim, Ioh. Gg. Schmitt zu Villingeu, Hch. Schmitt zu Obbornhofeu-Bellersheim, Wilh. Benber zu Ober-Schmitten, starl Bender zu Melbach unb Karl Funk zu Salzschlirf unb dem Stellwerkswelchenslellcr Ioh. Gg. Görncrt zu Gießen bie unkünbbare Anstellung verliehen. •* Vostpersonaknachrichten. Verlieben ist von S. M. dem Kaiser dem Postmeister S e e l g e n in Laiuerbach der Charakter als Reelnmngsrai, von S. K. H. dem Großhcrzog dem Tver-Posisebassner Schröder in Gießen das Allgemeine Ebren- zeichen mit der Jnfchrnl »Für langjährige treue Tiensle" am Bande des iOerdienflordens Philipps des Großmüligen und zwar beiden denn Seheideu aus dem Tienfl. Versetzt fuib Poliselretär li i ft von Alsield nacl) Filehne, Tvcr-Poslaisisienl S ch l i e h von Kömgswmier »ach Gießen unb Poslassislent Gröniuger von Gienen nach tXlien «Ruhr). Clatsmäßig angefieHt sind als Poftiekrelär der charok- lerisierle Poslfelrelar Drescher aus Gießen m Alsleld. Ernamu ui nun Lder-Posiielreiär Poslfekretar Weber m Gießen. Angenommen sind als Teiegraphengehütsimien Auguste Bebauer und \ohanna yuker in Fnedverg unb Hedwig Kotter m Butzbach; als Poitaaenteu bie Landwirte Hch. 9t ü h 1 m 9liedermoos und Gg. o u 1 a b a cb in Rockenverg. Freiwillig ausgeichieden i|t Poslagem Bellinger tu Rockenberg. Gestorben ist Poflageni Konrad R ü h l m Riederuioos. " Unser Regiment halt demnächst mit bem Marburger Jäger-Bataillon eine größere Feld- dienst üb ung ab, die sich in der Gegend pon Kirchners unb Frouhausen abipielcn wirb. Die kürzlich durch die Blätter gegangene Nachricht, daß die hiesige unb bie Butzbacher Garnison eine gemeinsame größere Hebung abhalteu würden, ist unrichtig. -Die B e e r b i g u n g beS so früh verstorbenen Max Herrscher fand am Donnerstag in Frankfurt unter zahlreicher Beteiligung statt. Tie hiesige Bühne war durch eine Deputation vertreten unb Tircktor Stein- qoetier widmete im Namen des Personals dem heben hochtalentierten Kollegen ein paar letzte Worte des 9iachruss. — 91 n l a g e m u f i t finbet morgen vormittags 12 Uhr in der Süb-Anlage mit folgendem Programm statt: 1.Ouvertüre au8 Frau Luna, Luicke. 2. Maritana, Walzer v. Dellmger. 3. Jiilrodultivn unb Ehor aus Loheugrin, Wagner. 4. Ar- meemarsch 9ir. 123. - Dem Rechtsanwalt Kraft in Bubrngen, ber heute sein bOjähriges D1 e n 11 j u b i l ä 11 m feiert, wurde oon Er. Königl. Hoh. bem Gr oßherzog ber Charakter als Iustizrat verliehen. . ‘ - Allerlei Schwindel. Tas Verfandhau- cüfsgott' in Tluste in Galizien hat unlängst durch Zeitungen Prospekte verbreitet, m denen frische Butter, das Postkolli (10 Pfund) franko für 9 9JIL angeboten werben. Ein Einwohner eines bcnachbaricn Ortes ließ sich eine solche Senbung ziischicken, er lüfte cs auS, mußte aber außci dem Betrag vou 9 Alk. noch 1 Mk. Zoll bezahlen. 9113 er daS Paket öffnete, befanden sich barm 4 Pfunb Butter unb der Rest war Schmierkäse. Jedenfalls recht teurer Schmierkäse, bas Pfund zu 1 Rik. Eme Reklamation bei bem Verjanb- haiiS blieb unbeantwortet. — Der sog. Sp.ielverein »Merkur* in Rixborf bei Berlin suchte durch ProseMe Personen zum Beitritt zum Verein zu veranlassen. Es hanb^te ich um eine monatliche Gclbsendung an ben Verein, wogegen ber Emsenbenbe angeblich an einer 9lnzahl Lose Teilhaber werben sollte. Tie Erlunbigimgen ergaben, baß ber Vorsitzenbe des Vereins, ber Buchbmber Stephan Schuster zu Stixborf, keinerlei Garcuitie für em solches Unternehmen viele, unb sein Unternehmen wurde polizeilich inhibiert. ES ist deshalb bei einem BetrugSversuch geblieben, sofern nicht chon Leute (Selb an Schuster abgesandt haben. — stönig l. V r e 11 ß. st t a s s e n - L 0 11 e r i e. Tie Ziehung der 1. Kiasje 210. Königl. Preuß. stlassen-Kollene wird nach plan- mäßiger Beslumiruug am 10. Januar b. I., früh 8 Uhr, ihren Anfang nehmen. _ 0 Leihgestern. Am 3. Januar waren es 25 Jahre, daß Lehrer Jung hier fein Amt antrat. Zur Feier dieses Tages halten seine Schüler den Kathcdec geschmückt und ihm in ber Ttorgendämmerung einen Fackelzug bargebracht. Am Abeub bewegte sich ein stattlicher Fackel- jug, indem bie Gemeinbebehörbe, ber Schul- unb Kicchen- uoriiaiib, sowie sämtliche Vereine beS Orte« vertreten waren, unter Vorantritt einer Musikkapelle nach bem neuen Schul- Haus. Hier beglückwünschte Tekan Strack den Jubilar unb dankte ihm im Warnen der Gemeuibe für feine ersprießliche Wirksamkeit. Bürgermeister Heß überreichte ihm als sichtbares Zeichen ber Anerkennung eine golbcne Uhr. Beibe Gesangvereine, bie die erhebcnbe Feier durch ihre Lieber vcr- herilichten, ließen ihrem früheren Lehrer Ehrenbiplome überreichen. Sichtlich gerührt bankte Herr Jung für alle biese Ehrenbezeugungen unb gelobte, ber ihm anvertrauten Jugend auch fernerhin em treuer Lehrer sein zu wollen. Zur 9lach. feier versammelten sich bie Vereine in ihren Stauunlolalen, währcnb bie Behörbeu, stollegen beß Jubilars unb bie Vor- ftänbe ber Vereine sich zu einem stommers in bem Lokale öeß Wines Tern vereinigten. Die schöne Feier wirb der Einwohnerschaft noch lange im Gebüchtnis fein. = Aus dem Lumdatal, 4. Jan. In unserer Gegend wütet seit einigen Wochen die Influenza wieder, jung unb alt wwb von ihr befallen; älteren unb schwächlichen Leuten bringt vielfach ben Tod. — Infolge des schnell euigetretencn TauwetterS cpht bie Lumda mit Hochwasser unb ist hier unb ba über die Ufer getreten. . -I Grün berg, 4. Jan. Hier starb der langjährige Beigeorbnete Georg Keil. Ec wucbe gestecn unter äußerst zahlreicher Beteiligung beecbigt. Am Grabe legte Bürgermeister Zunmer einen stranz für die Stabt nieder, unser ältester Einwohner, Rentner (Silier, einen solchen un Warnen des Voischußvcreins unb Herr Zliumer-Bmgmuhle ben vou bem Grünberger Pferbeversichenuigsvcrein gefpcnbeten. § Offenbach, 4. Jan. In der gestrigen Sitzung ber Stadtverordnetenversammlung wurde bezüglich der Bürgerin eist etwa bl einem Antrag ber nur aus sozial- bemokratischen Whtgliebern zufammengesetzten Wahlkomimsjion gemäß beschlossen, die drei in bie engere Wahl gekommenen Bewerber, Tr. Roth, Vogt unb Tr. Tullo emzulaben, nach den Reichstagswahlen in öffentlicher Sitzung V 0 c tr a g darüber zu halten, wie sie ihre Stellung als Bürgermeister einer Stabt wie Offenbach auffassen. Die Reisekosten werben nach den hier gültigen Sätzen vergütet. Gegen den Antrag limimten die bürgerlichen Stabtverorbneten, die nach wie vor an der Wiederwahl des Oberbürgermeisters Brink festhalten. (Ta bie Amtszeit des jetzigen Oberbürgermeisters schon am 1. Februar abläuft, wirb sich also Offenbach eine Zeitlang ohne Bürgermeister behelfen müssen. BemerlenLivert ut, daß dieser Beschluß ebenso wie der über die Wahl des^Stadlv. Weipert ziun Beigeorbneten in nichtoffentlicherSitzu n g gefaßt wurde. Wüt dem sonst oon ber Sojialbcmotratie so ,ehr betonten Grunbsatz dec Oeffentlichleit steht dieses Gcheimoecsahren m grellem Wlberspruch. Allerdings ist man ja 011 derartige Widersprüche bei ber Sozialdemokratie da, :uo sie bie Wiehrheit hat, laugst gewöhnt. D. Web.) ll Hechtheim b. Mainz, 4. Jan. Ter sozialdemokratische (Scmcinbcrat, Wiaurec Reifert II. wurde gegen den Zentrums-Kandidat Landwirt A.artin ste im zum Bürger- meisicrei-Beigeocdneten gewählt. Reifert erhielt 319 unb Keim 291 Stimmen. Die Bestätigung ber Wahl liegt dem . Kreis-AuSschuß ob. Ir. Frankfurt a. WL, 4. Jan. Rach den letzten Hoch- wasicrnachcichten i|t heute nacht bas Els von Schweinfurt und Würzburg bei einem Wasferitcmb von 2,40 m abgetrieben. Born Obermain wirb starkes Steigen gemeldet. In panau ist ber Main oon gestern auf heute roieberum um einen halben Wider gestiegen. Ter Stanb ist 2,46 m. Das Wasser steigt jetzt ziemlich schnell. Auch die Kinzig ist m raschem Steigen. Ter Rhein ist in Mannheim auf 3,69^ in Maxau auf 8,80, in stehl auf 2,26 m gestiegen. Auch üer Sleckar ist über 9lacht sprunghaft weiter gewachsen. In Bingen ist der Rhein über einen halben Nieter gestiegen. Ein großes Schachtunglück im Hunsrück bei dem etwa 40 Arbeiter verschüttet Wurden, ist am gelingen Freitag nachmittag 4 -Ihr beim Bau der H u ns- r üei 6 a 1)n Boppard-Castell aun vorgetommen. Zwischen Lamscheid unb Lefningen, in der Nähe von ©aucrbEuim, wurden zwei Arbeiter verschudet. ^ie sollten gerettet wec- oen, wozu von Der Baufirma eine Anzahl Aroetter nach llngläasi^tte abgeorbnei würben. Tie Arbetter veriiuMeu in den im Hinteren Teile verschütteten Schacht emzudrrngen. Dabei stürmten plötzlich gewaltige Erdmassen ein und etwa 30 bis 40 Arbeiter wurden unter den Erdmassen verschüttet. Die Firma Grün und Bisinger sandte sofort weitere Hülfszüge nach der Unglüc^stelle. Am Abend wurde, der „Frkf. Ztg." zufolge, die Leiche eines Arbeiters geborgen, zwei weitere Leichen nur zum Teil, da man sie in der Nacht noch nicht aus dem Erdmaterial ganz herausbringen konnte. Tie verschütteten Leute stammen zum größten Teil aus den benachbarten Orten. — Kurz vor Schluß der Redaktion wird uns noch telegraphiert: Bis heute früh waren 9 T o t c und 9 Verletzte geborgen. Eine Anzahl Arbeiter, deren genaue Anzahl noch nicht festgestellt ist, befindet sich noch unter denErdmassen und ist w a h r s ch e i n l i ch tot. Aerzte und Arbeitcrkolonnen wurden in ausreichender Zahl an die Unalücksstelle abgesandt, doch ist ihrck Arbeit sehr behindert, da fortwährend neue Erdmassen nachstürzen. Nach einem weiteren uns zugegangenen Privat-Tele- aramm find bis 5 Uhr 10 Leich en und 15 Schwer - und Leichtverletzte geborgen, darunter befanden sich ein 18 jähriges Mädchen und 2 Kinder. Es herrscht hier große Panik. Tie letzte uns zugegangene telegraphische Nachricht besagt: B o p p a r d, 5. Jan. Heute morgen 6 Uhr befanden sich noch 15—20 Personen unter den Erdmassen, während 10 Tote und 15 Verwundete geborgen waren. — Nach einer Meldung der Koblenzer Zeitung befinden sich unter den Verschütteten auch Zuschauer, die von einem aus morschen Felsblöcken und schlechtem Schiefergestcin bestehen- den Hügel aus den Rettungsarbeiten zusahen. — Ter Mannheimer Firma Grün und Belsinger ist eine Depesche von hier zugegangen, nach der die Zahl Der Verschütteten sich auf 30 belaufen soll. vermischter. * Berlin, 4. Jan. Einen Mordversuch verübte gestern der 23 Jahre alte Barbiergehilfe Ferdinand Kopf an seinem Brotherrn, dem Friseur Emil Heinrich aus Adlershof, auf der Chaussee zwischen Adlershof und Rudow. Zwischen der Frau und dem Gehülfen des Heinrich bestand seit etwa einem Jahre ein Liebesverhältnis, von dem Heinrich durch ein Geständnis seiner Frau vor einiger Zeit Kenntnis erhielt. Kopf, welcher sein.'n Meister durch einen gefälschten Brie» auf die Chaussee gelockt hatte, gab auf diesen drei Revolverschüsse ab; eine Kugel drang Heinrich in die zum Schutze vor den KvPf gehaltene Hand, aus der sie bisher nicht entfernt werden konnte. Alsdann ergriff der Attentäter die Flucht. Der Verdacht lenkte sich sogleich auf Kopf, der gestern abend im Geschäft Heinrichs, wo er tagsüber ruhig gearbeitet hatte, verhaftet wurde. Kopf, der geständig ist, ist der Sohn eines Steuerbeamten aus Wendisch-Buchholz. * P a r is , 4. Jan. Ein m p ste r iö ses D ue l l fand zwischen dem Leutnant Spritzer des dritten Kürassierregiments in der Garnison Vouziers und dem Leutnant Anoreai vom gleichen Regiment statt. Die beiden Gegner waren bisher Busenfreunde. Ursache: cherchez la femme. Die Gegner hatten fünfundzwanzigmaligen Kugelwechsel aus Dienst-Revolvern vereinbart, mit dem Rechte, nach dem ersten Kommando beliebig zu schießen. Spritzer stürzte nach dem sechsten Schüsse schwer verletzt zu Boden. Sein Zustand ist besorgniserregend. * Kleine Tageschronik. Der Münchener Magistrat hat gegen die Stimmen des Zentrums und des ersten Bürgermeisters v. Borscht beschlossen, von der Negierung die Erlaubnis zum Bau und Betrieb eines Krematoriums aus einem der Münchener Friedhöfe zu erbitten. Die Kosten sind auf 50 000 Mk. veranschlagt. — Die Witwe des verstorbenen Leiters der Hiberniagesellschaft, Bcrgrats Behrens in Bochum, stiftete 50 00 0 M k. für Zwecke der Kin d e r fü r s o r g e. — Der seit kurzem in Paris ansässige Pole Dranowski wurde in einem Ruhebette liegend von seinem 19jährigen Sohn e r st o ch e n. Seine Tochter half bei dem Morde. Sie gaben als Ursache Familienzwist an. — Infolge anhaltenden Regens sperrte ein aus der Nähe des Vesuv-Observawriums herabkommendcr Aschen- und Schlamm ström die Straße nach Resina, Pugliano und Frenwla. Der Führer Olivieri wurde von dem Strome überrascht und 700 Meter weit fortgetragen. Bei San Sebastiano wurde er von vier Bauern bemerkt und gerettet. Sein Zustand ist lebensgefährlich. Olivieri war während der Eruptionsperiode im April die rechte Hand des Professors Mateucci. — In Kopanina bei Königshütte (Oberschl.) erschlugen die Witwen Schima und Kalina den Arbeiter Morcziczek mit der Axt, weil er aus Eifersucht ihnen die Möbel zerschlagen hatte. Die Täterinnen wurden verhaftet. — Wie aus Perpignan berichtet wird, stürzte an der spanisch-französ. Grenze ein P o st w a g e n , der den Passagierverkehr über die Grenze versieht, in einen Abgrund. Zwei Passagiere wurden getötet, zwei schwer verletzt; einer wurde infolge des ausgestandenen Schreckens wahnsinnig. — Dem Vernehmen nach stiftete Andrew Carnegie 7 50 000 Dollars für die Errichtung eines Gebäudes, das als Zentralbureau für die amerikanischen Republiken dienen soll. Zu den Regierungsvorlagen über Wohnungsgeldzuschutz der Staatsbeamten und Gehaltserhöhung der Bottsschullehrer. 1L Die Vorlage über den Wohnungsgeldzuschuß bezieht sich nicht aus alle Staatsbeamten, sondern auf etwa drei Viertel, 2573 von 3329. Im Genuß einer Dienstwohnung, für die eine durch Gesetz bestimmte Miete gezahlt werden muß, sind 756. Diese 756 werden von der Vorlage in keiner Weise berührt, bleiben vielmehr in demselben Verhältnis wie bisher und zahlen die gesetzliche Miete weiter. Für die 2573 Beamten ohne Dienstwohnung ist ein Wohnungsgeldzuschuß vorgesehen. Dieser Zuschuß soll unter anderem auch den Ausgleich des Nachteils bilden, den die Beamten ohne Dienstwohnung gegenüber ihren Amtsgenossen mit Dienstwohnung bisher zu tragen hatten. Wie sich die Verhältnisse der Beamten und der Lehrer hinsichtlich der Wohnung im Prinzip unterscheiden, ist schon in unserem ersten Artikel dargelegt worden. Bei Beurteilung der Vorlage über die Gehalte der Volksschullehrer wird der geringe Anfangsgehalt am meisten beanstandet und darauf hingewiesen, daß er in anderen Staaten, z. B. in Baden und Anhalt, höher sei, als in Hessen. Das ist in der Tat richtig. Aber man darf dabei nicht außer acht lassen, daß in Hessen das Besoldungsdienstalter anders berechnet wird, als in jenen Ländern. Dort beginnt es mit der definitiven Anstellung, während es in Hessen, wie schon im ersten Artikel erwähnt wurde, von der ersten Verwendung nach der Schlußprüfung an zählt, also in vielen Fällen schon vom 21. Jahre an. Nun kann aber nach Artikel 38 des Schulgesetzes die definitive Anstellung erst mit dem zurückgelegten 24. Lebensjahre erfolgen. Wenn also der Schulverwalter die Schlußprüfung normal mit 21 Jahren besteht und mit 24 definitiv wird, so überspringt er den Anfangsgehalt ganz und beginnt mit der 2. Stufe, ebenso, wenn er unter jener Voraussetzung mit 25 und 26 definitiv wird. Erreicht ein mit 21 Jahren geprüfter Verwalter aus irgend einem Grunde die definitive Anstellung erst mit 27 Jahren, so überspringt er die zwei unteren Stufen und beginnt mit dem Gehalt der dritten. Die verhältnismäßig wenigen Lehrer aber, die in der untersten Stufe angestellt werden, beziehen den Anfangsgehalt oft nur kurze Zeit. Der badische Lehrer gelangt durchsn-nittlich im 27. bis 28. Jahre zur definitiven Anstellung und beginnt damit sein Besoldungsdienstaltcr, während der hessische in diesem Lebensalter unter normalen Verhältnissen schon mehrere Vesol- dungsdienstjahre erworben hat. Der frühe Beginn des Befol- dungsdienstalters gehört aber nicht etwa, wie man vermuten könnte, zu den Ausnahmen. So waren von 202 Schulverwaltern, die in den beiden letzten Jahren die Scblußprüfung bestanden, 20 Jahre alt — 28, } 21 Jahre all — 85, > 159 22 Jahre alt — 46, J 43 waren älter als 22 Jahre. Nun darf aber aus bent Umstand, baß namentlich in den Städten und größeren Landgemeinden nicht wenige ältere Schul- vcrwalter vorhanden sind, nicht etwa stets auf schlechte Anstellungsverhältnisse geschlossen werden. Denn gerade jener Modus, das Dienstalter zu berechnen, gibt nicht selten Anlaß, auf Meldung an etwas abgelegenere Orte zu verzichten und an einem größeren Orte so lange zu warten, bis sich eine genehme Stelle bietet. Dieser Berechnungsmodus, der in unserem Staatsdienst kein Analogon findet, hat gewiß manche Vorteile. Ein unzweifelhaft großer Vorteil liegt darin, daß Ungleichheiten in der Anstellung bis zu einem sehr hohen Grade ausgeglichen werden. Er hat aber auch den Nachteil, daß er die Verhältnisse der jüngeren Lehrer ungünstiger erscheinen läßt, als sie in Wirklichkeit sind. Und so spielt denn auch das Anfangsgehalt in der Agitation eine überfeine tatsächliche Bedeutung weit hinausgehende Rolle. Aber auch die Bedeutung des neuen Endgehaltes wird vielfach verkannt. Man meint, ein Endgehalt von 3000 Mk. sehe ja an sich ganz gut aus; aber er werde nur so wenigen zuteil, daß er für die Beurteilung der Gesamtvorlage gar nicht ins Gewicht falle. Demgegenüber sei hier festgcstellt, daß, wenn die Vorlage Gesetz wird, am 1. April k. I. die stattliche Zahl von 221 älteren Lehrern in den Bezug eines Gehaltes von 3000 Mk. tritt. Wenn man bei 221 von „wenigen" redet, so heißt daS, mit der Wahrheit übel umspringen. Diese 221 aber werden die Zulage um so höher schätzen, als die Grundlage ihres Pensionsgehaltes damit auf 3200 Mk. steigt. Ueberhaupt sollte bei Vergleichung der Vorlage für die Beamten mit der für die Lehrer der Umstand nicht außer acht gelassen werden, daß der Wohnungsgeldzuschuß der Beamten durchweg nicht pensionsfähig ist, die für die Lehrer vorgesehene Zulage aber schon bei 18 Dienstjahren den Ruhegehalt um 104 Mk. erhöht. (Bei 30 um 140 Mk.,,bei 40 um 170 Mk., bei 50 um 200 Mk.) In einem neueren Artikel wird eine frühere Aeußerung unseres Blattes über die auf die Steuerzahler zu nehmenden Rücksichten angegriffen und gesagt, an den Lehrern fange man an, das Interesse der Steuerzahler zu berücksichtigen. Das ist denn doch nicht richtig. Denn die drei Vorlagm (für die Beamten, die seminaristisch gebildeten Lehrer an Höheren Schulen und die Volksschullehrer) gehen von dem Gedanken aus, daß eine Steuererhöhung vermieden und die für alle drei Vorlagen notwendigen Mittel anderweit aufgebracht werden sollen. Die Negierung darf es sich als ein Verdienst um die Steuerzahler und damit um das Land ainrechnen, daß sie diesen Weg betreten hat; aber auch als ein Verdienst >üm die übrigen Interessenten, die demnächstigen Empfänger. Denn praktisches Wohlwollen einer Regierung für ihre Untergebenen zeigt sich darin, daß ihre Vorlagen aussichtsvoll sind. Daß aber die drei eingebrachten Vorlagen durch das Absehen von jeder Steuererhöhung viel aussichtsvoller werden, als wenn sie die an sich schon hochgespannte Stcuerkraft des Landes noch weiter in Anspruch genommen hätten, das sollte eigentlich jeder cinsehen, dem nicht der Blick für die Wirklichkeit des Lebens getrübt ist. Der schroffe Ton, der in der Bewegung von 1900 so viel geschadet hat, macht sich leider auch jetzt wieder in einer Weise geltend, die von der überwiegenden Mehrheit der besonnenen Männer im Lehrerstand sicher bedauert wird, die aber den Freunden der Lehrer die Arbeit für die Interessen des Standes ungemein erschwert. Unter der jüngeren Lehrergcneration soll vielfach die Meinung bestehen, daß int Jahre 1900 jene sogenannte „scharfe Tonart" den Erfolg herbeigeführt habe. Wer die Personen in der Regierung und den Kammern auch nur einigermaßen kennt, wird anderer Meinung sein. __________________________________ ZCuitft und Lvisjenjchaft. — Aus Berlin wird uns geschrieben: Im Kleinen Theater gab es am Silvesterabend eine Premiere, die man für denselben Abend eigentlich im Deutschen Theater erwartet hatte. Die Direktoren der beiden Musentempel hatten sich bis zum letzten Augenblick um das Aufführungsrecht gestritten und am Ende erzielte Barnowsky vom Kleinen Theater einstweilen den Sieg durch eine vorläufige gerichtliche Verfügung. Einstweilen — denn es wird unentwegt weiter gekämpft, und dabei handelt es sich doch nur um ein herzlich mattes Stück, „Bunburh" von Oskar Wilde. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, so heißt'S im Sprüchwort, und dieser Dritte hätte im vorliegenden Falle das Publikum fein können, wenn die Aufführung etwas Besonderes geboten hätte. Leider aber können wir das nicht sagen, im Gegenteil, die Zuschauer langweilten sich und gingen enttäuscht nach Hause oder auch nicht, je nachdem, wo für sie die Silvesterbowle bereitstand, von der sie sicher ein Gläschen mehr als sonst getrunken haben werden, um die nötige Stimmung wieder zu bekommen. — Und wieder ein neues Theater in Berlin! In Anwesenheit aller hervorragenden Schriftsteller, Künstler, ja sogar Politiker — unter den letzteren auch Bebel und Singer — wurde am Neujahrstage das Charlottenburger „Schiller-Theater"" eröffnet. Sehr vornehm präsentiert sich der weitläufige Bau und erinnert ein wenig an das Bayreuther Festspielhaus, namentlich was die amphitheatralisch angeordneten Sitze im Zuschauerraum betrifft. Wenn aber auf diese Weise das Publikum die Vorgänge auf der Bühne besonders gut sehen, konnte, so war eS mit dem Dören dafür desto schlechter bestellt. Dies kam jedoch nicht etwa von der mangelhaften Akustik des Theaters her, sondern von der hier herrschenden Influenza. In einem fort wurde gehustet, geräuspert, genießt, durch alle Tonarten hindurch, sodaß man von den Schauspielern auf der Bühne nur selten mal ein Wort auffangen konnte, trotzdem „Die Räuber"" gegeben wurden, bei benen bas bonnernbe Pathos nicht gespart werden darf. Ein Schiller-Theater für volkstümliche Klassikervorstellungen zu billigen Preisen, das ist zwar eine Akquisition, die man freudig begrüßen darf, allein wenn's nur auch Geschäfte danach macht! — Besorgnis dieser Art braucht man dagegen für den Zirkus Busch nicht zu hegen. Der bringt immer wieder neue Kasscn- zugstücke, bei denen die Leute das Gruseln lernen können und das lockt mehr an als alle Klassiker der Welt. Augenblicklich sind es die Gebrüder Brockmann, die ein „Radfahren im Todesreifen" vorführen, bei dem einem das Herz stillstehen muß, wenn der tollkühne Fahrer mit seinem Rade in der Luft arbeitet und dort windschnell die Pedale tritt, damit die Ad- häsionskraft auch für die offenen Stellen des Reifens ausreicht. Und das nennt man bann ein Vergnügen! Offen geftanben: Mir ist ber bümmfte Witz vorn bummen August lieber. -j- GerlchtssaaL. sb. Darrn stabt, x. ui. Herausforderung zum Zwei kamps standen heute der in Seligenstadt wohnende Kaufmann Rudolf Katz, ein iJeuerreidjet uno Rewroeossizsir, und wegen Ueberunngen der Forderung, KarteUtragens der Rechts- anwalt Dr. SturmselS in Groß-Umstadt vor der lyiejigen ^traifammcr. Katz war iriifcr mit dem Prack. Arzt Dr. Kappen beireunbet, bis Die irechertu^en Anseyauungen dc- Katz, der audj 1 Freimaurer war, während ber Kappen als frommer Katholik diese Anschauungen nicht verstehen konnte, bas Verhältnis trübte. Mit der Zeit schnitten sie sich und grüßten sich kaum. Das Schicksal wollte eS nun, daß eines Tages die Ehefrau des Katz einen bedenklichen Beinbruch erlitt, sodaß Katz in Ermangelung eines anderen Arztes, zudem seine Stimmung gegen Kappen jedenfalls keine allzu feindselige war, zu dem Dr. Kappen eilte, um seine Hülse zu erbitten. Der Arzt kam aber nicht gleich und Katz hörte von den Dienstboten, daß der Pfarrer oben mit dem Doktor ein Glas Wein trinke. Als dann endlich Dr. Kappen auf bett Balkon trat, um mit bem Hülsesuchenden zu sprechen, war dieser zu einem andern Arzt geeilt. Durch diesen Vorfall verschlimmerte sich bas Verhältnis noch mehr. Dem Katz wurden schließlich Gerüchte überbracht, nach denen Kappen gesagt haben sollte, einem Freimaurer brauche er nicht zu helfen, Kappen habe in einem Zentrumsblatt über Katz geschimpft, auch sei in einem Prozeß von Kappen dem Katz ein schlechtes ärztliches Zeugnis ausgestellt worden. Als dies zu Ohren des Katz kam, beauftragte er seinen Freund Dr. Sturmfels, zu Kappen zu gehen und ihn zur Zurücknahme dieser Aeußerungen zu bewegen, andernfalls ihm aber eine Forderung auf Pistolen zu überbringen. Kappen bestritt damals schon alle ihm in dieser Richtung gemachten Vorwürfe und konnte sich deshalb zu keiner Zurücknahme verstehen. Tie Forderung erfolgte, wurde aber von dem Ehrenrat, dem sie Dr. Kappen als Stabsarzt vorgelegt hatte, nicht für begründet erachtet, sodaß sie abgelehnt wurde. Katz kam aber wegen Duellforderung vor die Strafkammer, die ihn zu einem Tag Festungshaft Verurteilte. Dieselbe Strafe erhielt sein Kartellträger Dr. SturmselS. fc. Fecbenhei m, 4. Ian. Ein hiesiger Fabrikarbeiter, der im September v. I. vom Ho»e der Reinhard'schen Schreinerei aus einen S ch u ß auf einen vor b erfahre üben Elfen- bahnzug abgegeben batte, wurde jetzt vom Schöffengericht in '•Sergen zu sechs Monate n Gefängnis verurteilt. Stettin, 4. Jan. Wahrend des biefigen. Vafenarbetleraus- standes wurden Arbeitswlllige über fallen und schwer verletzt. Das Landgericht verurteilte die deswegen Angeklagten zu Gesängnisstra en von zwei Wochen bis zu sechs Dlonnien. Handel und Oerkehr, Volkswirtschaft. Von der Berliner Börse. Es machte sich eine merkliche Abschivächung auf den meisten Gebieten bemerkbar, weil befürchtet wird, daß die Erleichterung der Reichsbank sich nicht so leicht vollziehen wird, daml befürchtet mail die Schatzscheinbe- aebungen itnb weitere ungünstige Nachrichten alls New-Pork. Tie vorsichtigen Aellßerungeil der Eiseilfachblätter haben die Spe- klllation mißtraulfch gemacht. Einstweilen roaren aber die Realisationen in Montanaklien nicht bedeutend. Die anttdynastlschen Ruiibgebungeit in Serbien drückten auf Handelsanteile. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 4. Jan. b e it- it nb Stroh- m arkt. Alan notierte: Heu Mk. 3.10 bis 3.40, Stroh Mk. 3.00 bis Alk. 3.20. Tendenz: fest. Universitäts-Nachrichten. — he. Sliktunge n. Auch im obge(anfenen Jahre haben die Universität Heidelberg, sowie einzelne Sammlungen zahlreiche, zlim Teil sebr wertvolle Geschenke erhalten. Oas archäologische Institut erhielt zwei größere Geldzmvendungen, beide mit der Bestimmung, sie zur Vermehrung der Sammlung von Original- arbeiten des antiken Kunsthandwerks zu verwenden: 1000 Mk. von Geheime Hosi-al Dr. Buhl und 500 Mk. von Herrn Rudolf Bücking in Alsfeld, dieser um seinem Dailkgelühl für die ihm mld feiner Frau gestattete partielle Teilnahme an der badischen Studieiireise Ausdruck zu geben. — Alan berichtet ans B o n n: Der o. Professor für Mineralogie und Geologie m K i e l Dr. Reinhard Brauns früher in G i e ß e n, hat den Rick als Nachfolger voll Geheimrat H. Lasveyers an die hiesige Universität angenommen. f ifrberjidit brr o“rbrnfällr in dkr-IM Metzln 52. Woche. Vom 23. bis 29. Dezember 1906. Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 linkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 17,62 °/no, nach Abzug von 2 Ortsfremden: 14,10 Q/a*70 Chinesen .... 97.10 Aktien: Bochum Guss..... 246.25 Buderus E. W . ... —.— Tendenz: fest. Berliner Börse, 5. Canada E. B......198.20 Darmstadter Bank . . . 14o.no Deutsche Bank .... 243.50 Dortmunder-Union C. . . 87 du Dresdner Bank .... 159.2u lenden/.; fest. Elektriz. Lnhmeyer . . . 142.20 Elektriz. Schnckert . . . ]23.80 Eschweiler Berzrwerk . . 252.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 222.30 Hamburg-Amerik. Paketl. 157.60 Harpener Bergwerk. . . 215.20 Lanrahtitte......—.— Nordd. Lloyd .... 132.00 Obeischles. Eisen-Industrie 125.50 Berliner Handelsges . 175 60 Darmstädter Bank . . . 141.40 Deutsche Bank . . . 243.00 Deutsch-Asiat. Bank . . 175.80 Diskonto-KominaudiL . . 187.20 Dresdner Bank . . . 159.30 Kreditaktien.....217.30 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . . . 123.40 Gotthardbahn.....—.— Lombard. Eisenbahn . . 35 00 Gestern Staatsuaim . . . 148.10 Pnnce-Henn-Eisenbalin . 150.75 Januar. Anfangskurae. Harpener Bergwerk. . . 215.70 Lauranütte .... —-— ..umbardeu E. B. ... —.— Nordd. Lloyd ..... 131.80 furkenlüse.....148.00 Die nach- A p p 17 ♦ sind Sonntag, den 6. Jan. von stehenden Uül Llü i> Uhr mittags bis U Uhr nachts sicher anzutrellen. |I)6/t II. Arndt, Bahnhofstr. ö9. — JL>r. .Kipper, Wilhelms tr. 2. Mr. Heyerhofi, Neuen Baue 27. Wirtschaft. m tine merfl *net bQJ, weil be- 'böntfa nicht io ble -Ächcheinbt. 1 °"s New-^ork er h"ben die ^öe, 11 aber die Recili. >e aulldynasiilche« Weile. '’p" 1 •teS i'tiS ^$5 Men und lich Dl- ft htm den ^>dven J diesen 'em £ *n gN?urden i'S? Ä. Sn? «Ä*a Mitarbeit,. ~SS* f^i'arbeiteram. 8«% Wonaien. 6 ' und Eirotz. Stroh Mk. 3.00 len. enen Fakire fiobm ^ammliiiiflen killten Oos orcfiiio« nbiiiigeir, beide mit linifl von CriflinaU öen: J000 M. von öerni Rn doll Fanfflefühl tut die h>ne an der babi- or h‘ir Minerolooie nher in Giehen, Lasveyers an tt^Müchu r 1906. 600 Mann Militär) Kinder it vom isjahr: 2.-16. Jahr ? 2 in neben an, wie öid jon auswärts nach om Sonnt«, iläcte, Nachts Frost, Ißinhe. ___ richte Bank für Handel 1-1f,Ohr' 142.20 meyer. - • ]23-8o ickert. - • 25? oo er-rwerk 1 ’ «oo 30 ii Ber^ä[‘ ' ,57.60 Mrik. W«u- Uz, rgwerk. * 1 _ _ - - ' ' 132.00 I . ,■ '126.50 Sigen-IndM1116 [766o ndeli^ ' j41.40 ' Bank - - ' 743.00 »»k - ’ 175 80 it Bank • 187.20 mmaudit. • • ^9.30 jjk - * ‘ 217-30 ,ud Ohio- , 12Z.40 iseiibabn • itguaun • • ^Kiseubaho • 3500 *j48J0 '150.70 ilavesw»«- 215.70 .ergwerk. ' ' rt B. • * * 131-30 y. ■: :> Grlginal-DrahtinelSungen. Stötn 5 Jan. In einer ZrntrumSwählcr-Bttsammluns erHärte btt frühere ReichStagSabg. Trimborn: „Denn eS mir darauf ankäme, einen Entrüstung-sturm zu entfachen, so würbe ich von ben Kolonialskandalen reden. Ich totU nicht im Schmutz wühlen. Wenn wir aber dazu gezwungen werden, scheuen wir auch davor nidyt zurück. Tie Ehre der Partei ist in der beleidigendsten Weise angegriffen worden. Wir müssen zeigen, das; die deutschen Katholiken eine andere Sprache reden als die «ranzösischen. Tas Zentrum will eine christliche, nicht eine atherische Kolonialpolitik. Es wäre ein nationaler UnglückStag. wenn der Einfluß deS Zentrums als einer eminent wichtigen Partei gebrochen würde." Freiburg t D., 5. Ian. Die 26jährige Studentin der Mathematik und Naturwissenschaften SiNa SimonS aus Norden in OstsrieSland hat sich auS unbekannten Gründen von einem Eisenbahnzuge überfahren lassen. Sie war so- fort tot. , r . München, 5. Ian. In Frickenhausen wurden einer im DirtShause rastenden Reisegesettsckxift mehrere Schrauben an dem Automobil heimtückischerweise entfernt. Als die Fahrt fortgesetzt werden sollte, erfolgte ein Achsenbruch. Tie Insassen flogen auS dem Fahrzeug und erlitten alle schwere 83c Hebungen. Dem Täter ist man auf der Spur. Belgrad, 6. Jan. Tie sensa ionellen Nachrichten über einen angeblich demnächst zu erwartenden Umsturz der f er • bischen Staatsordnung werden hier nickt ernst gc- nommen. Man weiß wohl, baß nicht alle Welt in Serbien zufrieden ist, hält jedoch die gegenwärtigen Anstrengungen über diese Umtriebe für spekulative Machenschaften, die die Begebung bet neuen Anleihe beeinflussen sollen. Tanger, 4. Ian. Ter Wächter be5 LeuchtturmeS Kap Sparte! berichtet über zahlreiche Feuersbrünste, welche bie Truppen ReisuliS hervorgerufen haben. Weiter verlautet» Raisuli habe seinen Anhängern in Arzila den Befehl erteiltalle Juden zu ermorden, bevor bie Stabt den Negierungstruppen übergeben würde. Raisuli selbst hat die Ortschaften in der Umgebung von Arzila geplündert und in Brand gesteckt. Die gefangen genommenen Einwohner werden als Geißeln zurück^ gehalten. Gießen, den 2. Januar 1907. 83etr.: Die Voranschläge der Landgemeinden deS Kreises Gießen für daS Rechnungsjahr 1907. Ta§ (6rof]lirrto(ilidie Kreisamt Gießen au die Grosth. Vürgermeiftereicn der Landgemeinden deS Kreise». Indem wir die baldige Erledigung unserer Verfügung vom 28. August v. IS. — KreiSblalt Nr. 108 — nochmals in Erinnerung bringen, erwarten wir Vorlage der noch rückständigen Voranschläge bis längstens 6. d. MtS. oder Anzeige der HinderungSgründe. Tr Breidert. KcliailiUmachllng. B etr.: Notlaufseuche. Nachdem bie unter dem Schweinebestand deS Oekonomen Wilhelm Kitz in Dießen ausgebrochene Notlaufseuche er- lojchen ist, werden die unterm 31. Oktober 1908 angeordneten Sperrmaßregeln hiermit aufgehoben. Dießen, den 2. Januar 1907. Droßh. VoUzeiamt Gießen. Ö e r b e r q. 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