Erstes Blatt Nr. 2 1S7. Jahrgang Donnerstag 3. JannarLSVV Grs -«tat tLgltch außer Sonntags. Tem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien. Hatter viermal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich das AmtroerkünRgungeblatt für de« Kreis Siebe«. Redaktion 112 Verlag u.Exped.e^Köl Gietzener Ameigei Adresse für Tepeschen: t>offlffon5öni(f u. vrrlaa ter VrShl'schen Univ.-vuch- und Zteindruckerei. K fange. Redaktion, Expedition u. Druckerei: 5chnlstratze 7. Anzeiger Gieße». ' ve»«g»pretsr monatlich 7dPs., viertel- jährlich WtL 2-20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Ps.; durch die Post 2)lt. 2.—viertel- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tageönummer biS vormittags 10 lU)r. Zeilenpreis: lokal 15Ps., auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den polit. und allgern. Teil: P. Witt ko: für „Stadt und Vaitö4 und -toend)ts|aar: Lrnst pefe; für den Anzeigenteil: Hans Beck. 4)tt ocutiflt Ziummkl umlaijt 8 weiten. Kiyligtnstacdt liberaler Kand.dat. Gießen, 3. Inn. 1907. Gestern abend haben die Freisinnigen Gießens tn ihrer Generalversammlung beit Beschluß ge,aßt, die Kvn- bibatui des LvmmerKicnrats Heyligeustaedt Beigeordneten der Stadt Gießen, bei der bevorstehenden Reichöiagswahl wieder -u unterstützen. Sie werden krästig sllr die Wahl dieses Kandidaten eintretcn. Dec Wert dieses endgültigen Entschlusses ist unschätzbar, und der Entschluß ist um so höher an-uerkennen, als die Übermütigen Darmstädter Machenschaften ganz dazu angetan waren, bie von vornherein geplante Einigung jäh- UugS zu vernichten. Jetzt ist bie Zupimmuna ber ßiet)innigen zur Kandidatur Hewigensta^)t formell ersolgt, ohne die es bisher Leiber nicht möglich war, mit ber Agitation zu beginnen. Der Wahlkreis Gießen konnte seit 1903 stolz darauf sein, daß ec, auch dem schärfsten antisemitischen uno sozialdemo- kiatischen Ansturm zum Trotz, durch den Abgeordneten einer liberalen Partei im Reichstage vertreten wurde. Um so bitterer würde der Schlag empfunden werden, wenn es diesmal wieder dem Langsdorser Poftagcntdn gcungen sollte, das Banner des vernunstlosen Antisemitismus in dem Reichstagswahllrcise Giesten-Grünberg-N.dba auszuziehen. J,l Giegen, der Hess. Uritverjitätüstadt, und allen anderen Städten und Dörfern des Kreises, Hal der liberale Gedanlc feite Wurzeln. Und eö wäre schmachvoll, wenn daS Bürgertum einer deutschen Universitätsstadt durch einen von Vorurteilen triefenden Mann, den man in seinem Heimatorte des höchsten Ehrenamtes zu entkleiden sich veranlaßt sah, vertreten werden sollte. Die Freude an Gießens politischer Stellung in der deutschen Volksvertretung würde sich in Trauer und Scham verkehrew In den jetzt kommenden Tagen frohen, frischen, fröhlichen Kampfes wird das Bürgertum des Wahlkreises Gießen sich aufraffen und alles daran setzen, um den Gegnern wieder eine Vttederlage zu bereiten. Der erste Schritt dazu ist mit der Aufstellung eines ManneS ais gemcinfanien liberalen Kandidaten für die Re.ü stagswahl geschehen, der als Persönlichkeit ein Mann uev Vertrauens bei der Bevölkerung in Stadl und Land ist. Nicht durch schöne Versprechungen be,itzt er das Vertrauen weitester Streife der Land- und Stadlbevölkerung. Sticht ein bis in daS Kleinste hinein ausgearbeitetes Programm, an dem man die einzelnen Forderungen hinauf und hinab rechnet, wirbt für seine erneute Kandidatur, sondern feine ganze vertrauenswürdige Persönlichkeit. Und so freuen nm uns, daß eine Persönlichkeit auss neue erkoren wurde, die mit ihrer reichen Kenntnis von Gießen und ber Gießener Gegend wirtschaftlichem und geistigem Leben in Verbindung mit einer durchaus nationalen und liberalen Gesinnung eine Sicherheit dafür bietet, daß unser Wahlkreis in ihr wieder eine sachverständige und würdige Vertretung im Reichstag finden würde. In voller Wucht und Entschlossenheit gilt eS nun, den Wahlkamps sofort zu beginnen. Eine vielgestaltige Arbeit der Agitation und Organisation hat nun drei Wochen hindurch m der Oeffentlichleit und im Stillen zu geschehen. Es gilt, wie anno 1908, opferfreudig dafür zu wirken, daß auf Gießens Zinnen die Fahne des Liberalismus aufgepflanzl bleibe und uns wieder ein Platz im deutschen Reichstage erobert werde inmitten der Männer, die des Vaterlandes Größe und eine vollsfreundliche, liberale Politik als Aufgabe ihrer parlamentarischen Arbeit ansehen. Mag die liberale Gesinnung unserco Kandidaten Heyligen- staedt für manche links Stehenden em Opfer bei der Mit- arbcit an ber Wahl erheischen, wir vertrauen auf aller liberale Gesinnung, daß sie dieses Opfer bringen werden. Ratwnal- libecalismus und Freisinn vereint wollen in diesen Wochen des Kampfes wieder hosfnungssroh um die Siegespalme ringen. Tun wir unsere Pflicht — so wird hoffentlich ber Erfolg nicht fehlen! • Nachstehend em sachlicher Bericht über den Verlauf der gestrigen Gießener freisinnigen Wählerversammlung: Der freisinnige Verein nahm gestern abend in einer gut besuchten Generalversammlung Stallung zur Reichstagswahl. Nachdem der Vorsitzende, Justizrat Metz die Anwesenden, insbesondere bic eingeladenen Vertreter der Nationalsozialen, begrüßt hatte, schilderte er in längeren Ausführungen den Verlau der leider erfolglos gebliebenen Einigungsverhandlungen in Hessen. Nachdem auch der letzte Versuch, hinsichtlich der Wahlkreise Gießen und Bingen-Alzey eine Einigung herbeizuführen, gescheitert sei, b<üe für die freisinnige Partei die Sache so gelegen, ob man durch ^-sstellung einer besonderen Kandidatur die Wahlgeschäfte der Sozialdemokraten oder der Antisemiten besorgen wolle, oder ob man trotz allem Vorausgegangenen wieder Kommerzienrat Hey- ligeastaedt unterstützen solle. Trotz der entgegenstehenden schrveren Bedenken habe man sich dazu entschlossen, der Generalveriammlung die Unterstützung deS nationalliberalen Kandidaten zu empfehlen. AuEchlaggedcnd für diesen Antrag sei gewesen, den Wahlkreis dem Liberalismus zu erhalten, die Haltung Heyligcnstaedts im Rei^stag, die außer bei der Reichs finanzresorm vom sreis. Standpunkt aus einwandfrei gewesen sei, der bei der Kürze der Leit zu erwartende Mißerfolg einer eigenen Kandidatur und nidyt Sulcht die Haltung der hiesigen Nationalliberalen in den Eini- guino-Verhandlungen. Sie hätten sich nicht nur bei ihrem Lan)esausschuß für die Unterstützung des freisinnigen Kandidaten Schriidt-Elberseld im Wahlkreis Bingen ins Zeug gelegt, sondern häwn auch bei ihren Bingener und Alzeyer Freunden nachdrücklich iu diesem Sinne gewirkt. Auch habe ein MuaUep her nationalliberalen Partei (Pros. Dr. Biermcr) sich bereit erklärt, im Wahlkreise Bingen-Alzey sür Schmidt zu sprechen. Die An- l'dfauungen des Vorstandes seien in solgender, von Justizrat Dr. Gutsleisch und ihm außgearbeiteten Resolution niedergelegt, bie einstimmig zur Annahme empfohlen werbe: /Die Generalversammlung des frei,innigen Vereins deS 1. Ober- hessischen Reichstugsivahtkreiies bedauert, baß die Verhandlungen der Landesausschüsse txr liberalen Parteien des Großk^rzogtums Hessen zu einem Resultat nicht gesührt haben. Sie bedauert namentlich, baß der letzte Vorschlag des Landesausschusses der ireiiimngen Partei, wonach als Gegenleistung für das Eintreten Der Freisinnigen für bie Kandidatur Heyligeustaedt bie Nr.t.vnal- liberalen im Wahlkreise Vingon-Alzcy sür den Freisinnigen Schmidt-Elbcrfeld eintretcn sollten, seitens dcS nationalliberalcn LanRsausichuiscs nicht angenommen worden ist. Namentlich diese letztere Tatlache hat der freisinnigen Partei in Gießen das Eintreten für den seitherigen Abg. Heyugenstaedt erschwert. ES wurde aber folgendes erwogen: 1. Der Wahlkreis Gieren, dec m mehreren Wahlperioden infolge früherer uiieüußtcü dcr Liocralen durch einen Antisemit.n octiteten war, wurde bei der letzten Wahl nach hartem Kampfc von den oereinigten liberalen Parteien dem Srberatißmus zurückerobert. 2. Damals spielte die Zuge!)örigkeit deS Kandidaten zu einer ubvr der and ren liberalen P rtei keine Stolle. Vielmehr hatte da. muls die nauoiiulUb. Partei in erster Linie dem freisinnigen LauR t.gsnbgeordneten Dr. Gut,.eisch die Kandidatur angeboten, welcher abiebme; und erst dann sand eine Einigung beider Paiteien au, ocn naiionaitiberalcn Heriii Heyligeustaedt statt. 3. Die ykationarlibeca.en Cie^c.iä habe i hcecjeus ucreitroilliö zugejagt ur.o ihre Parteigeiwsjen in A^b-Buigeu dringend aui- geiordert, für den occt|mnigeji Schmü-t-Etberieid euizutreten. 4. Von der (£ia|iu/i uno bem Patriotismus der National- liberalen in Alzey-Bingen darf erwi.net werden, Riß sie auch ebne Weisung leitens it-re- Land.sai.s,cyu|scs im eigenuen Partei- interesie und im Jntereiie des geiarnten LiberatiSiuus im ytampje gegen bie Ultramontanen und bic Sozraldenwlratie für die freisinnige Kandidatur eintreten werden. Nach allen dieien Erwägungen lönnen aber wir Freisinnigen uns Nicht eiitjcksticßcn, mit Rüalicht aus außerhalb des Wah.. kieises geschehene RRtucr.ichL Vorkommnisse, au, welche bie hiesigen Parteien keinerlei ElNfiuij auszuuben vermögen, dcr dahier nach langen Berband.ungen seinerzeit mühsam ciiieJcii Einigung der liberalen durch ^uisteliuug euica eigenen ztanoidaten ein EnR zu bereuen und d..d .rcy unter Umskauoen eine Stichwahl zwilchen 'eintiienutcn und ^oLialdcuwkratea l-erbeizuiühten, womit der Wahllrcis sür den Liberalismus ver^ren wäre. Die freisinnige Partei beschließt demnach, oljue sich damit sür die Zukunit zu binden, mit den Natwnatliberulen für die Wiederwahl des seit- icitherigen Abgeordneten Kommerzienrat L. He^ltgenstaedt in Gieße« einzutreten Derielbe l)ut, wenn wie aua> seinerzeit seine Abstimmung bei Den Steueroorlagen nicht überall gebilligt haben, im übrigen durch sein Wirken im Reichstag, durch seine ganze Persönlichkeit, sowie seine Leistungen im sozialen Leben, insbesondere in der Gemeindeverwaltung und in gemeinnützigen Vereinen sich das Vertrauen auch der freisinnigen Wäh.er unseres Wahlkreises erworben und gibt uns Garantie dasür, daß er im Reichstage bte liberalen Interessen, das Wohl des Wahlkreises und damit auch die Wol^lahrl des Reiches fördern wird. Die Freisinnigen des 1. yeiiiia>en Dieiu-stags.uahlkreises aber geben sich der Hostnung hin, daß ihr Beispiel in anderen Wahl- (teilen Nachahmung j in den und speziell in Den übrigen hessischen Wahlkreises in absehbarer Zeit unter Außerachtlasjuilg aller nebensäcl)tichen Slreiugicitcn Die im Interesse Der friedlichen unD ireiheitlichen Entwicklung unseres engeren und weiteren Vaterlandes unbedingt notwendige Einigung der Liberalen aller Parteirichtungen em treten möge. In der sich anschiießenoen Debatte sprao-en sich alle Redner, Kaufmann Petry, Bibliothekar Dr. Ebel, Veig. Georgi, Stadtv. H a n b a ch und Privatdozent Dr. Vogt zustimmend zu dem Antrag des Vorstanoes auS. Jedoch kam in der Debatte zum Ausdruck, daß die freisinnige Partei mit ihrer jetzigen Stellungnahme sich sür die kommenden Wahlen sreie Hand behält und insbesondere den Wahlkreis nicht als nationalliberalen Bejitz- ftanD anerkennt. Das in der Versammlung anwesende Mitglied des freisinnigen LandesaussckMsses Elösser aus Darmstadt entwickelte in längeren Darlegungen die Gründe, bie dagegen spräck)en, Heyligeustaedt bedingungslos zu unterstützen. Wenn man eine Einigung des hessischen Liberalismus in absehbarer Zeit erreichen wolle, müsse man erst einmal die Nationalliberalen auf der ganzen Linie durchsallen lassen, denn eher kämen sie nicht .zur Einsicht. Durch die beoingungslose Unterstützung einer anderen Partei richte man bloß die eigene Parteiorganisation zugrunde. Zum mindesten solle man nicht eher feine Zustimmung geben, als bis man bie binbenbe Zusage bcs nationalliberalcn Landesaus- schusses habe, in Vingen-Alzcy den frei]innigen Kandidaten unterstützen zu wollen. Bei aller Würdigung der von Herrn Elösser vorgetragenen Grunde stellten sich die Übrigen Redner auf den Standpuiilt, Heyligenstaedl zu unterstützen, um hierdurch die Wahl des Antisemiten ober des Sozialdemokraten zu verhindern. Tie vorgeschlagene Resolution sand bei der Ab- stimmung keine Gegner, sodaß Kommerzienrat Heyligen- Raebt ausgestellt ist. Nacybem noch ber Vorstanb ermächtigt worben war, den im Entwurs vorliegenden gemeinsamen Wahlaufrus endgültig fcstzu- stellen, wurden 21 Mitglieder für den gemcinsameu Wahlausschuß (der heule abend im Kaiserhos tagen wird) gewählt. Hieran scyloß ber Vorsitzende die Versammlung mit dem Ausdruck des Wunsches, daß dcr gefaßte Beschluß dem Liberalismus, dem Wahlkreis und dem Vaterland zum Wohl und Vorteil gereichen möge. Ter von der Gießener nationalliberalen Partei nach bem Wahlkreis Bingen-Alzey gesandte Bries, von dem im vorstehenden bie Rede war, würdigt die Sachlage mit folgenden Worten: Gießen, 30. Dezember 1906. Verehrl. Vorstand des nationalliberalen Vereins zu Bingen a. Rh. resp. Alzey. Behufs Erhaltung des nach schwerem Kampf gemeinsam mit den Freisinnigen für unsere Partei errungenen Wahlkreises ist es tMßAäßl^, baß auch diesmal die Freisinnigen uns im Kampfe gegen Sozialdemokraten unD Vinnsemüen unterstützen. Der Vorstand des freisinnigen Vereins hat uns bieS nun auch zugesagt unb bie am 2. Januar stattsindenbe Generalversammlung wird voraussickstlich auch in diesem Sinn beschließen. Es ist nun an uns das dringende Ersuchen gerichtet worden, unsere dortigen Parteisreunde zu ersnck/cn, als Gegenleistung im ersten Gang bereits sür den seitherigen freisinnigen Abg. Schmidt zu stimmen. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß einseitige Parteisucht das Zusammengehen und das gegenseitige Unterstützen der liberalen Parteien in Hessen vereitelt hat. In dem Kampfe gegen die Roten und Schwarzen muß u. E. daS Vaterland Über den Parteien stehen. Soviel uns bekannt ist, stellen Sie selbst keinen Kandidaten auf. Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie sich entschließen könnten, enlfpredjenb der Parole unseres Berliner Parteivor- slanDeS den Besitzstand Ihres Wahlkreises zu erhalten und damit auch den hiesigen Besitzstand zu sichern und unserer Partei einen sonst verlorenen Wahlkreis zu erhalten. Wir sehen Ihren baldgesälltgen Nachrichten gern entgegen. Danken Ihnen im voraus für Ihre Bemühungen und verbleiben mit Parteigrußl Ter Vorstand Des n heit von F a 11 z u Fall zu geben. Den starken Gegensatz, der bisher zwischen den Parteien der Rechten und jenen der bürgerL Linken in wirtschaftlichen Fragen be;ianöeii hat, halte ich für kern u n ü b e r w i n d l i ch e s H i n d e r n i s. Ter unbedingt notwendige Schutz der Landwirtscha't ist in den neuen Handelsverträgen au, em Jahrzehnt hinaus gesichert, und mancher freisinnige Mann hat schon unter vier Angeu zugegeben, daß sie auch au, die städtischen Interessen nicht ungünitig gewirkt haben. Jedenfalls müssen die Gegner der Handelsverträge anertennen, daß sich Handel und Industrie sortdauernden Au,jchwunges erfreuen. Andererseits führt bereits eine gute Brücke über das trennende Wasser. Die konservativen Parteien und die Nationalllberalen sind in allen großen Fragen, wo es sich um Wohl und Wehe der Nation, ihrer Einheit und ihrer Machtslellnng handelte, zuverlässig gewesen. Tie älation geht ihnen über die Partei. Tas ist ja nun ihr Ruhm, den werden sie behalten. Je mehr auf der Linken die Bereitschaft zur Be,rtedigung der großen nationalen Bedünnisse für den Kolonialbesitz, für Heer und flotte zunimmt, um so breiter und fester wird die Gruppe werden, und wohl würden sich auch die national gesinnten Elemente, bie im Zentrum vorhanden sind, mit allen anderen bürgerlichen Parteien in solchen Fragen leichter zusammensinden, wenn mit dem Wegfall der Möglichkeit einer schwarz-roten Majorität der Fraktionsegoismus des Zentrums der Handhabe beraubt wäre, ihn rücksichtslos gegen die Regierung geltend zu machen. Die bedenklichste Folge davon, daß sich das Zentrum der sozialdemokratischen Summen bei der Bildung eines oppositionellen Blocks bedienen tonnte, ist die Bedeutung, die dadurch die Sozialdemokratie im verflossenen Reichstage erlangte. Ta bietet sich em weiteres hochwichtiges Feld gemeinsamer Sorgen und Arbeit aller nationalen Elemente. Entgegen der leider in einigen liberalen Kopien noch herrschenden Idee, daß die Reaktion dem Reiche von rechts drohe und Seite an Seite mit der Sozialdemokratie zu bekämpfen sei, liegt nach meiner festen Ueberzeugung die wahre Reattion, oder die wahre Gefahr der Reaktion bei der Sozialdemokratie. Sticht nur sind ihre kommunistischen Zukunftsträume kulturfeindlich, die '-Drittel zu ihrer Verwirklichung brutaler Zwang. Alles, was sich etwa irgendwo in Deutfchland an reaktionärer Gesinnung findet, gewinnt Kraft und Recht durch die sozialistische Unterwühlung der Begriffe von Obrigkeit, Eigentum, iHeligion und Vaterland. Auf den wild gewordenen Spießbürger und phrasenprunkenden Gleichmacher Robejpierre folgte der Degen Bonapartes. Der mußte kommen, um das franzosijche Volk von der frechen Herrschaft der Jakobiner und Ä'ommuni|ien zu befreien. Als nun c>aS Zentrum jogar bei einer Angelegenheit, die die deutsche Waffenehre uttd unser Aufehm vor der Welt berührte, und unmittelbar nach der freimütigen Aussprache über unerträgliche Einmischung in den inneren zkoIonia l d i e n st eigenwillig den verbmideten Regierungen eine un- annehmbare^Klauiel autzunöligen suchte, und als es dann mit Hülfe der Sozialdemokratie einen fachgemäßen freisinnigen Antrag nieberftimmte, mußte von dem verfaß ungsmäßigen Mittel zur Wahrung der Auwritat der Regierung Gebrauch gemacht und der Reichstag aufgelöst werden. Die Abstimmung vom 13. Dezember war ein Schlag gegen bie Verbündeten Regierungen und die nationale Würde. Ich arbeite mit jeder Partei, welche die großen nationalen Gesichtspunkte achtet. Wo diese GefichtSpunkte mißachtet werden, hört die Freundschaft auf. Niemand in Deutschland will em persönliches Regiment, die große Mehrt)eit des deutschen Volles will aber erst recht kein P a r t e i r e g i m e n t. Es ist deutsche Eigenart, deutsches Schicksal, daß wir unsere politische Stellung bis zur Stunde der Gefahr lieber nach Gefühlen und allgemeinen Begriffen als nach realen Interessen und nationalen Zielen nehmen. Obgleich es für Kaiser und Bundessürsten nicht Katholiken und Protestanten, sondern nur schlechtweg Deutsche gibt, die den gleichmäßigen Schutz der Gesetze genießen, besteht doch die stärkste Partei im Reichstage ausschließlich aus Katholiken. Für Wahrheit und Freiheit steht im Programm des Zentrums. Ist es aber wahr, wenn es in dem Ausruj der rheinischen Zentrumspartei heißt, im Hintergründe lauere em neuer Ktutur- kamps? Im paritätischen Deutschland geht es der katholischen Kirche roofrier als in manchen katholischen Ländern, und lein Vertreter der Verbündeten Regierungen denkt daran, die Parllät aufzuheben, die Gewissenssreiheck zu oerretzen und die tatl)olische Religion zu bedrängen. In jener Behauptung dient die Religion nur als Büttel zum Schutze politischer Fraktwnsüiteressen. Obgleich es ferner keinen Staat gibt, der mehr für die Gegenwart und Zukunft der Arbeiter, für ihre materielle und geistige Bedürfuisie getan hätte, als das Deutsche Reich, obgleich die beutfefren Aroeiter bie oeftgebilbeten ber Welt finb, halten boch Millionen bewußt ober als Mitläufer zu einer Partei, die den Staat unb die Gefellsä>a,t bon Grund aus umwälzen will. Von folchem Druck muß das deutsche Volk sich frei machen. Der liberale Städter unb Laudmauu ist daran nicht weniger beteiligt als der Konservative. Mögen die Ver- hältnisse in den einzelnen Wahlkreisen iwch so große Verschicdcu- heii aufiuetfen, die Parteien, die am 13. Dezember an ber Seite ber Regierung standen, werden von bornheretn im Auge zu behalten haben, was sie damals einigte: der Kamps für Ehre und Gut der Ration gegen Sozialdemokraten, Polen, Welfen und Zentrum. Ich stelle bie Sozial- benwtraten voran, loeil jede Niederlage der ooöialüeniolralie eine Warnung für ihren blinden Ucbcrmut, eine Stärkung des Vertrauens üt den ruhigen Fortschritt unserer inneren Entwicklung und eine Befestigung unserer Stellung nach außen wäre, und well dadurch zugleich die Möglichkeit erschwert wurde, daß eine bürgerliche Partei mit Hülfe ber sozialdenwkratischen eine bouii- nicrenbe Stellung gegen bie anberen bürgerlichen Parteien ein» nimmt. Man glaubt Bülow reden zu hören, wenn man sein Schreiben liest. Die Kundgebung hat viel rhetorischen Schwung unb sie ist, wie eine mündliche Darlegung, auf eine geschickte Steigerung der Wirkung angelegt. Das .Hört! Hönl" werden parlamentarisch geschulte Leser an mancher Stelle selbst ergänzen; weniger oft vielleicht „Zustimmung" ober „Lebhafter Beifall". Am meisten mußte natürlich bei einer Wahlkundgebung des Reichskanzlers intercssiereii, wie sie über das Zentrum sich äußert. Fürst Bülow bezeichnet allerdings als Wahlparole den Kampf für Ehr und Gut der 'Diotion gegen Sozialdemokraten, Polen, Welfen und Zentrum; ober er macht doch merkliche Unterschiede in der Bewertiing dieser zu befehdenden Gruppen. Die Mitwirkung des Zentrums im neuen Reichstag gibt Fürst Bülow keineswegs preis, er rechnet vielmehr ausdrücklich auf den Zusammenschluß der nalionalgesinnten Elemente im Zentrum mit den konsero. Parteien und den Nationalliberaleu. Als nationalgesinnt wird selbstverständlich das gesamte Zentrnm gelten wollen, in diesem Sinne könnten also Regierung und Zentrum gleich wieder zusammenarbeiten. Lider daß das Zentrum, wie Fürst Bülow alizunehmen scheint, ans die lang innegehabte Machtstellung verzichten und sich bescheiden damit begnügen sollte, die vom Reichskanzler herbeigemünschte Mehrheit der Rechten und der Liberalen zu verstärken — das ist denn boch eine allzu optimistische Auffassung. Fürst Bülow kennt doch das Zentriim lange genug, um zu wissen, baß es darauf halt, nicht etwa die erste Geige zu spielen, fondern das Konzert zu dirigieren. Fürst Bülo>v, obschon erben Zustand der Abhängigkeit der parlainentarijchen Ergebnisse von dem guten Willen einer Partei „immer als nicht llnbebcnkllch gesunden", hatte, wie er gleich darauf erklärt, keinen Grund, diesen Zustand zu ändern, solange das Zentrum mit der Regierung positive Arbeit leistete und seine parlamentarische Stärke nicht mißbraiichte. Ohne jegliche DeutungS- tünftclei wirb aus ben beiden Sätzen zu entnehmen fein, baß die Beziehungen wieder angeknüpft werden können, wenn das Zentrum zu dem Prinzip klugen Maß- haltens zurückkehrt. —_______________________________________ poütiSdK Tagestzeharr. Das Wahlflugblatt 6er Gießener Sozialisten vom 25. Dezember — so roiro uns geschrieben (wir selber haben es gar nicht zu Gesichte bekommen. D. Red.) — redet unter anderem von der Geldverschwendung, die bei uns mit den Steuergrofchen des Voltes getrieben werde, insbesondere in Hinsicht auf die Kolonien. Es sei sür heute davon abgesehen, diese Ausgaoen näher zu erörtern, unb uns burch em Beispiel gezeigt, wie es ihre Gesinnungsgenossen unb deren nächste Verwandte im sranzöfisten Parlament machen, wo ihnen keine feststehende Persvnlich- reit und Regierung auf die Finger klopfen können. Bisher erhielt jeder Volksvertreter in den französv- schen Parlamenten 9000 Fr. jährlich. Wer die Bezahlung der Staats- und Privaibeamten in Frankreich kennt, weiß, was diese Summe bedeutet. Nun haben sich diese Herren im letzten Jahre 6000 Fr. jährlich zugelegt. Ein Abgeordneter bezieht also jetzt 15 U0O Fr. jährlich. Das matijt im Jahre für die 9d0 Herren 13ä/2 Mill. Die Gefamtzu - tage, die sie sich bewilligt haben, beläuft sich auf 5 400 000 Fr. jährlich. Warum auf einmal diese riesige Zulage? Die Schuldenlast Frankreichs beträgt mehr als das Dreifache der deutschen Reichsschuld, die Steuern sind dort viel höher als bei uns. Tie Sozialisten der französ. Kammer beschlossen, von ihrem Gehalt, also von Staatsgeldern, monatlich je 100 Fr. in ihre Parteikasse zu geben. Dieses Geld brauchen sie also zu ihrer Lebensführung nicht, und so fließen pro Kops der Sozialistenfrattion jährlich 1200 Fr. in die Parteikasie, das macht meines Wissens gegen 100 000 Francs jährlich. Hätten diese svziaiisiiscyen Voikstribunen nun gesagt: Wir brauchen keine 12 000 Fr. jährlich und die Steuern, die ja aber noch zum sehr großen Teile indirekte Steuern sind, sind sehr hoch. Wir sind zufrieden mit 900 Fr. monatlich, dann hätte das Land 900 mal 1200 Fr., also 1080000 Fr. jährlich gespart. Daran dachten diese Voltsbeglücker aber nicht. Natürlich erregte ihr Beschluß im Lande große Mißstimmung. In der Presse und in Reden sprach man vielfach seinen Unwillen darüber aus, so z. B. auch in dem republikanischen Watin. Tie Herren Voltsbeglücker aber waren nicht in Verlegenheit. Unser größter Dichter sagt: „Drum eben, wo Gedanken fehlen, da stellt ein Wort zu rechter Zeit sich ein." Dieses Wort kam. Es war das viel mißbrauchte Wort „Reaktionär", mit dem man jeden politischen Gegner totschlägt. Tie für ihre. eigenen Taschen so besorgten Volksvertreter redeten nun ihren Wühlern vor: Nur die Reaktionäre haben unse-rn Schritt verurteilt. Das half. Einer der Mitarbeiter des republikanischen „Matin", der gegen den Kammerbeschluß geschrieben hatte, erhielt jüngst einen Brief aus Limoges, der beiannten Porzellanstadt in Süd- Frankreich, in der vor einigen Jahren ein gewaltiger Streik wütete. In diesem Bries roiro ihm geschrieben, „duß er seine Leser für rohe Dummkopfe harte". — Der Arief- fchreiber hatte sich selbst erkannt — „daß man den Zipfel Ieiner schmutzigen Reattionannütze nur zu sehr sehe." Tas hat den Redakteur sehr belustigt. Man sieht, die Genossen in Frankreich roisfen, wie man es zu machen hat. Ist die Sprache des obigen Briefes nicht auch so gebildet toie die in Miseren sozialistischen Zeitungen und Flugblättern? Werden unsere Wähler sich auck) durch solche Redensarten vom Denken abhalten lassen? ♦ Sozialdemokratische Wahlpolitik. Man schreibt uns aus Gießener liberalen Kreisen: Welche Stimmenfängerei das hiesige sozialdemokratische Blättchen treibt, wie klug die angeblich für Wahrheit und Grab- hcit schwärmenden Herren gelegentiia) zu sein vermögen, zeigt ber Verfasser ber zwanglosen Plauberei in Nr. 77. Er streicht zuerst ben Freisinnigen um ben Bart, spottet über beit LanOtagsabg. Noack', dem er in seiner Ueoeuswürbigeii Weise eine Art Papage inatur beilegt, unb schmeichelt den Herren von der Freis. Partei in Darmstadt, die bei ber letzten Wahl seinen Parteigenossen Bert hol b unterstützten, wirft bereit hiesigen Ge- ininungSireunben einige Liebenswürbigkeiten an ben Kopf, um deren Stimmen für seine eigene Partei zu erhalten. Doch wer kaiin aus seiner Haut? Selbst der Teufel vermag ja seinen — Pferdefuß nicht zu verdecken. Ist es nicht beißenbee Spott, wenn der Herr Plauderer von den Sprüch eichen der „Freis. Ztg." gegen die iJ toten und Schwarzen redet? Daß die Natio- nalliberalen schlecht wegkommen, ist selbstverständlich. Sie sind seine Wahlgeguer, und die Stimmen der Freisinnigen will er gewinnen. Hat er denn vergessen, daß die Soziatdenwkraten bei der vorigen Wahi und auch schon bei früheren Gelegenheiten die hiesigen Freisinnigen mit den Natlib. in ben großen „reak- ticnären" Topf geworfen haben? „Reaktionäre Ma sje' las man einst in einem hiesigen Wahlflugblatt. Unb mie fr.it Herr Krumm ben Freisinnigen VorstaiiO bei ber großen WaReiveriarnmlung vor^ drei Jahren behandelt ? Har Herr Krumm bei den letzten Stadtverordiietenwahlen nicht alle Kan- bibatcit der Freis. Partei außer Jnstizrat Dr. Gutfleifch und ~r; -k '* nU3 feiner Dste geimdkii V Ist das berg elfen? Iß auefr Die gerufrisrolK Art verg.o.m, mit ber bie Sozialisten ben toten Eugen Richter behandelten? — Treten nach denen, die man bekämpft, schmeicheln denen, die man gerade braucht, wenn man sie sonst auch beschimpft, ist das ehrlich und wahr? Bon der Berliner Freien Studentenschaft wird uns geschrieben: Unausgesetzt ist die Berliner Freie Studentenschaft — d. h. die Organisation aller Berliner keiner Verbindung angehöriger Studenten — bemüht, ihren Grundsatzungen gemäß auf dem Boden der Gleichberechtigung aller Konfessionen unb politischen Anschauungen ihre allgemein studentischen Ziele zu verfolgen. Mit welchem Eifer man daran arbeitet, das zeigen die Leistungen der verflossenen ersten Hälfte des Semesters. Ein Flugblatt des Verbandes ehemaliger Freistudenten warb durch die Macht der darin erläuterten freistudentischen Grundsätze, ein zweites mußte bei Gelegenheit der Lesehallenwahlen Unterstellungen von anderer Seite abwehreu. Auf der ersten allgemeinen Versammlung, die von etwa 600 Studenten und Hörerinnen besucht war, sprach der bekannte Naiionalökonom Geheimrat Professor Dr. Adolf Wagner über „Akademisches Frauenstudium" und erregte mit seinen Ausführungen berechtigtes Aufsehen. Auch von den Abteilungen wurden größere Vortragsabenoe außerhalb der gc« wöhnlicheii Zusammenkünfte abgehalten, so von der Abtellung sür Literatur und brenn. Kunst ein Karl Henkell- und ein Ludwig Fulda- Abend, und in der Abtellung für Rechcs- und Staatswissenschaften lockte ein Vortrag des Grafen von H o e n s b r o e ch, bet über ben Doleranzamrag des Zentrums sprach, 500 bis 600 Personen an. Auch die sonstigen Vorträge in ben Abteilungen fanoen rege Beteiligung, Fechten unb Fuß- wanbern manefre Freunde, die Exkursionen zu Besiaüigungen bedeutender Jnstttuie viel Interesse. Das Arbsiteramt vermittelte manchem Studenten einen kleinen Nebenerwerb, manchem eine Hauslehrerstelle, das Bücheramt Käufe und Verkaufe, und an den Arbeiterunterrichtskursen, die von der fr. St. eingerichtet sind, erhielten mehr als 1U0U Arbeiter uno Arbeiterinnen durch Studenten Unterricht in den Elementarlächern. Bierabende unb ein glänzenb verlaufenes Winterfest, bei bem auch eine studentische Revue mit Serenissimuszwischenspielen vielen Beifall fand, brachen auch die Gemütlichkeit zu ihrem Recht. Tausende sind es ohne Zweifel, die in den vergangenen zwei Monaten durch die freie Studentenschaft Anregung und Unterstützung fanden, scywarzes Brett und Geschäftszimmer waren stets außergewöhnlich besucht. Das alles zeigt, daß das Interesse für bie junge freistubentische Bewegung immer weitere Kreise ergreift. Hosfenilich hält bie Aufwärtsbewegung an unb führt bie akabemische Jugenb einer neuen piilunft entgegen! __________________ ________ VernrischSrA. • DaS neue ft e Eisenbahnunglück. In der Nähe von AltaVista (KausaS) sind auf der Chicago-Rockislaud- Pacisic- Eisenbahn zwei Personenzüge zusammengesioßen. Btehiere Wagen fielen eine Böschung hinab unb gerieten in Bianb. Nach amtlicher Feststellung würben 35 Personen getötet unb 21 Personen verletzt. Die Ursache des Unglücks war ein Versehen eines Telegraphenbeamlen, der entfloh, jedoch eingehott unb verhaftet wurde. * Kleine Tageschronik. In Chemnitz bedrohte ein Schlosser, als et früh um ö Uhr freirnkehrte, seine Frau unb seine sechs im Alter von 12 bis 21 Jahren ftehenben Kinber. Die Bebrohten sprangen aus Angst aus dem Feniiet unb erlitten teilweise schwere Verletzungen. — Internationale (£inbrea>er raubten aus ber Pfandleihe in ber Nähe bes Stettiner Bahnhofs zu Berlin 10000 Mark in Bar, 5000 Mark in Papier, golbcne Uhren unb Kostbarkeiten. Die Berbreck>er gelangten burch ein über ber Pfandleihe gelegenes Hotel, in dem sie Zimmer mieteten, zu ben Kaff erträumen. Die Dieve spracfren eine ftembe Sprache unb sind unermittelt. — In Mannheim gerieten in der vergangenen Nacht ein ITjäfriiger Eisendreher unb ein 18 Jahre aller Schreiner wegen sajneeballeniuenend in Streit Der Eiienbreher schlug bem Schreiner Namens Drunk mit einer Pistole auf ben Kopf, bie sich entlud unD bem Trunk ben Kopf zerschmetterte. Trunk war sofort tot. Ter Etseubreher würbe verhaftet. — 22 Werke haben unter Krupp-Eisen wegen Exptofionsichaben eine gemeinfafaftuche Schabenersatzklage gegen bie '21 n neuer Roburitfabrik eingereicht. — Der / jährige Werkmeister Albert Musch aus Essen, ber ben Sohn seines Pariser Arbeitgebers Denimel eriihossen hatte, n>urb: in Paris freigesprochen . Die Jury nahm tierminberte Zurechnungsfähigkeit an, weil Denimel sich rühmte, Musch's Geliebte verführt zu haben. lliiivcriitätssUad?ricl?t€it. — Ein äußerst bummer Truckielüer findet sich unter uusereir gestrigen Univ.-Ltachr. Ter verstorbene Geh. Jnstizrat Prof. Dr. L e i st war ber älteste Jenaer Hoch ichnlleyrer. — Am 2. Jannar ist der berühmte Archaeologe SektionSchef Dr. Otto Benndorf, Professor und Direktor Des archaeologijchen In- snlntes der Wiener Universität, im 69. Lebensjahre gestorben. £amHieti;Kad?rtd?ten* Gestorben: Herr Direktor Christian Braun in Darmstadt. TeEeionische Kursberichte des Giessener Anzeigers, nutgeteüt von der Bank fIIr Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter llörwe, 3. Januar. 1.15 TJbr. 3>5% Reichsanleibe . . 98.35 3% do. . . 87.30 3 >5 °/6 Konsols .... 98.35 i% do..... 87 40 3>$0/6 Hessen .... 96.70 3>j°/0 Oberhessen . . . 95.00 4 »6 Uesterr.’Goldrente. . 100.05 4l/8 % Gesten. Silberrente 100.20 4% Ungar. Goldreute . . 96.60 4% Italien. Rente . . . 102.80 3 96 Portugiesen Serie I . 69.20 3% Portugiesen „ 111 69.80 4>$o/6 russ.Staatsaul. 1905 92.00 4>6" 0 japan. Staatsanleihe 94 35 J % Conv. Türken von ll)u3 94.00 Türkeuluse......147.60 4% Griech. Mouopol-Anl. 52.10 4% äussere Argentinier . 88.30 3°/0 llexiKaner . . 66.90 Chinesen .... 96.90 Aktien: Bochum Guss..... 243.80 Buderus E. W .... 129.50 Tendenz: fest. Elektriz. Lalnneyer . . . 142.00 Elektnz. Schuckert . . . 121.— Eschweiler Bergwerk . . 250.— Gelsenkirchen Bergwerk . 223.— Hamburg-Arnenk. Paketl. 167.80 llarpener Bergwerk. . . 214.25 Laurahütte...... 245.50 Isordd. Lloyd.....132.— Obeischles. Eiseu-Indnstrie 124.65 Berliner Handelsges . . 176.80 Darmstädter Bank . . . 141.10 Deutsche Bank . . . 243.60 Deutsch-Asiat. Bauk . . 174.75 Diskouto-Koinmaudit. ; . 187.10 Dresdner Bauk . . , 169.20 Kreditaktieu.....218.60 Baltimore- uud Ohio- EiseuLahu . . . 122.86 Gotthard bahn.....192.— Lombard. Eisenbahn . . 34.60 Uesterr. Slaalsouini . . . 148.60 Pnuce-Hcun-Eiseubahu . 151.— Berliner Börse, 3. Canada E. B......196.20 Darmstädter Bank . . . 141.2U Deutsche Bank .... 243.90 Dortmunder-Union C. . . 84.7c, Dresdner Bank ... 169.4U Tendenz: fest. Januar. Anfangskurse. Barpeuer Bergwerk. . . —.—* Laurahütte .... 245.20 ..ombardeu E. B. ... — .Xordd. Lloyd.....132.10 fürkenlüse.....147.20 Bali-Seide V. 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EnixTarmiIc^. »richte . Bank Nir en. ich unter unseren .uftijrat Pia', vr. »ologe Ceklionsches rchaeologischen In« ssahre geüorbem ’ 1^8.00 . \»v.- i ■ •, ’ seubahn • .^jseubahu Bd Ohio- 122.86 * 34.60 l.*5,Ubr' 142.» lUieyer' ‘ 121.— ackert . ■ lergwerk ■ ■ _ U BekrgPakeu‘ 1Ö7.80 raerik- W 2]4 2ö jrgwers. • 1 • * ' *. 'M- Un-Indnstrie|g jdelages • ■ )411q Bank - • ' 243.60 iik ' ]71"5 tBauk - ' ]8;jo Diualldlt' • ' j^g;20 uk • ' ' 218.60 E. B' d . langst66- ltgwetk. 245.20 132’10 141> so o o o 5 CB e 3* g • » s 2~o er o' § i- GS 5 S- o 3=3 05- s er Co 3 er e rt - M 3 e--= 3 3 3 3. - v 3 - 3 2 § L 2 R» o 3 ° 3. " ° - 2 3 3 K ^3. «q = •* er Aß £ 2 _ —i —t <1 .. o 'S- o 3 O 3 P CP «3 c- £a rt n 3 cm PPP X3- 2 p1 —» rt o © D ^2 3 S o 3 CT- Sr to r> 2 4 3 o o er n n 2 CT ro 3 f5 c a n € Z5 CM O co 3 3 xS' p er er <Ä 3 CP 3 d TP» o cp“3- o- CO r* ' =2 c" 2 "p !5 ^^3 o 27 3 s cz 5 M 3 CX to 2 3 5 3 3 3 er 3 CP or 3 « er o •3 2 7 E 3 3 R CP 'S *33? o- a pi ~ e* ps er L-25- 3 a 3 » 3 2 x 5- c 2- cr <-t 1 w " er Z8Z 2 <$Bx8' X*. 0 » 3* 3 3 c —r, o 1 ff) CT P 3 3 « o P 3 TT "C « £* «» ® - CP rt CP 3 3 ’B'g « 3 a S.p 3 sZl sa*-ös r-, 57- 2. rt 2-

>? er. OK - «> 3 CP f-S CP 2. c 3 3 3 LS <5 £, S ZL23g ® 3 äß 3 rt ft. 3 o- <-. rt rt. a 5 p pSc *5*0 a< <5 D o (9 S5 ff) 8 S 3 p Cc s s *» sr Q 3 JS eg* D V rt St ti» 3 & 3* cz B s ■ S p 2.^ & L X& 8 0 2 a. 2 ss 5 'S o & 3- kp o & Cs s SO 7 V iS 5, $ p_a- « 2 ff) 3 bC CO 6) 3 ♦2 3 - 3 Ö ff) a ©s 2 1 3 —« rr -e 005 3 2. 3 3 „ O rrt - S»A5 Z' 3 3 'S s == rt 3» W S'^5* s> 5 K co sr CO CO rt rt rt r*2. M 3 3 s g& s.§:? §*£*1 3 "tB 3 s 3 s p- = «V e6Q ^5? ff)o Cb - cm e SJ er 8 S‘_ T- 2 ß 3 "3 0 S 3 LLJ 6P 5" M X » ® & 2 3'3 er 3 "rt L 2 c» 3 -R, - 2 $2-tä x" 2*3 " ?s^ ? ö p zrx rL- to ff) £ a 3 a 1 CS I 53 ^Automaten. U 4 Neustadt Inhaber: Louis Weit U rx. 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