Dienstag 4. Dezember 1906 156. Jahrgang Erstes Blatt Are Heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. elabeudt, WW5 f Äus S.aor uno tuno. Glegen, den 4. Dezember 1906. •• In Audienz empfangen wurde von Sr. königlichen Hoh. dem Groß Herzog am Samstag u. a. Real- schuldireklor Karg von Butzdach und Reglerungsrat Weicker von Gießen. — Charaktererteilungen. S. K.H. der Großherzog Haden dem Oberlehrer an dem Gymnasium zu Worms, Diehl, und dem Lderleheec an dem Seminar für VolkS- schullehrerinnen zu Darmstadt, Noack, den Charakter als Professor erteilt. ** Kollekten für Wohltätigkeitszwecke, die namentlich zur Weihnachtszeit von Befugten und Unbefugten gern vorgcnommcn werden, sind nur mit behördlicher E» laubnis gestattet. Wenn Uolleklanten leine schriftliche, nut dem Amtssicgel deS Großh. UreisamlS oder des Polizelamts ver- fehene ErlaubniSbeichemigung oorzeigen können, ist anzunehmen, daß es sich um Schwindel handelt. In diesem Fall empfiehlt eS sich, die Polizei m Kenntnis zu setzen. ** Für 0 i e u 11 e n 11. a, e biyung oer Stabt» verordn eten--Versammlung um Donnerstag, den 6. Dez., nachm. 4 Uhr, i)t folgenoe Tagesordnung vorgesehen : 1. Baugesuch des Kart Nesseldreher für die Ro0- heimerstraße. 2. Buugesuch des Hans Fvrrsch für die Kirch- straße. 3. Errichtung eines Hüynerftalies aus einem städt. Lriebviertel. 4. Gesa/äflsretiamen an städtischen Gebäuden. 5. Instandsetzung des städtischen 5pau,es Neuenweg 2. 6. Verlegung des SZetaileiujiotaid. 7. Vetpachtung der siaot. Bleichen, b. Crrichrung einer Ziegenzucytstation. 9. $t.iü- bereinlgung in der Gemartung Gcegen rechts der Lahn; hier: ÄoiteiianteU der Stadt. 10. Kosten für üie Feldberei- nigung links der Lahn. 11. Ferdvereinigung tinls der Lahn; hier: Gewannbezeichnung. 12. Erwerv von Straßenland an der Marburgerstrage. 13. Erwerb der Hofreite des Heinrich Noll VLL zur Durchführung der Grogen Mühl- monnilid)76>BL, ptertel» jährlich M. 2.20; durch 9lbbole- u. ^weigsiellen monathdi 6o M.. durch diePosl 'DI!. 2.— viertel- jährt, ausscht. Beilellg. Aniiahme von llnzetge« sür Die laqeSiuiiiiinex bis Donnilingfl 10 Uhr, ßeilenpretS; lokal 12'Bt< auSivärlS 20 Verantwortlich tüt den poltL und auqem, Seil; P. Witiko 'ü, .Stadt und Canb* und -tüerichtölaal'. Utnfl p e 6 . hi< den 91 n» zeiaeuteil; HanS Beck. Die ttolonialdebatte im Reichstag. V. R. Berlin, 3. Dezember. ES geht immer aufgeregter im hohen Hause zu. Die Flut der lvlon. Anklagen und Beschwerden will sich nimmer erschöpfen. Dernbürg muß sich auf den Versuch beschranken, Oel auf die Wogen zu träufeln. Der Erfolg ist kaum nennenswert. Es machte heut beispielsweise geringen Eindruck, als vom Kolonialdirektor versichert wurde, die Pensionierung des Geh. Legationsrats Hellwig habe mü der Affäre deS Dr. Peters nichts zu tun. Der Unmut, von dem die Volksvertretung durch die kolon. Vor- komnlsse erfüllt ist, kam sehr bald wieder zum Durchbruch und steigerte sich bis tur lebhaftesten Entrüstung wahrend der Anklagerede des Abg. Roer en (Ztr.), bei deren düsterem Hintergrund die prophetischen Auges von Dernburg erblickte kviomaie „Sonne" jählings verblaßte. Roeren versügt, wie er sagt, über eine Liste kolonialer Vtrs fetalen, deren Aufzählung einen ganzen Tag in Anspruch nehmen würbe. Er teilte heute nur einige mit, von denen er behauptete, daß sie der Regierung längst bekannt seien, ohne daß eingegriffen worden wäre. Der Zentrumsmann kennzeichnete speziell die rohen Passionen gewisser Kolo n iald e a mter, nameiitlich die Anwendung brutalster Prügelstrafe. Eines der „Stäbchen", nut denen letztere vollzogen wird, ist Roeren aus der „Musterkolonie" Togo zugesandt worden. Er präsentierte den handjesten Stock dem Reichstag, mit dem Bemerken, man könne sich ungefähr einen Begriff machen, wie ein Knüttel aussehe, wenn dieser faustdicke Stock von Gewalthabern in den Schutzgebieten als „Stäbchen" bezeichnet werde. Abg. Roeren hat sein Material m der Hauptsache, wenn auch mittelbar, von den Missionaren, die selbst feinen leichten Stand im dunklen Erdteil haben, und, wie die Herren vom Zentrum mit Empörung vernahmen, bereits mannigfacher Willkür der „Uebermenjchen" ausgesetzt waren. Es ist in der Tat beschämend, wie Beamte des Reichs, die doch christliche Kultur und Gesittung nach Afrika tragen sollten, dort niederen Instinkten Raum geben, und wie in manchem Fall daS Recht den Eingeborenen gegenüber gebeugt wird. Da nmß man sich wundern, wenn Aufstände nicht auSbrechen. Das Schlimmste aber ist, daß die Regierung, obwohl sie um die Uebellalen gewußt haben soll, die schuldigen Beaniten fast sämtlich in den Kolonien belassen, ja teilweise wieder hinausgeschickt hat. Erfreulich ist nun, daß Abg. Roeren sein Material vor der Oeffentlichkeit mitteilen konnte, daß es nicht der Beschlagnahme verfallen ist, wie ein Teil des Erzbergerschen. Diese letztere Angelegenheit spielte übrigens heute in die Debatte hmem, wobei Präsident Graf Balleitrem sein Verhalten als Reichstags-Oberhaupt in der durch den Untersuchungsrichter im Sommer im Reichslagsgcbäude veranstalteten „Haus- snchung* rechtfertigte. Die Kolonialkritiker billigten den vom Präsidenten vertretenen Standpunkt, da die Rechte des Parlaments gewahrt scheinen. Das Bedeutsamste an der Sitzung war jedoch die Verteidigung der Regierung durch den Kolonialdintior Dernburg. Er kehrte die energische Seite seines Wesens heraus, die er durch Gereiztheit des Tones unterstrich. Das zeugte von Mut; ob eß aber diplomatisch war, darüber dürften dem Fürsten Bülow gelinde Zweifel kommen. Denn Dernburg behandelte die Beschwerdeführer aus den Missionen und aus dem Zentrum so schroff, daß die Freund- schäft zwischen der ausschlaggebenden Partei und dem neuen Herrn im Kolonialamt wohl bald in die Brüche gehen wird. Befremdlicherweise war heute iveder der Reichskanzler noch der Staatssekretär des Auswärtigen zur Stelle, Man ließ den parlamentarischen Neuling ganz allein im Kreuzfeuer, der dort in wilder Erregung rhetorische Hiebe austeilte, rücksichtslos mit den überlieferten Formen brach und den Abg. Roeren dadurch blosstellte, daß er ihm den der Regierung gemachten Vorwurf, zu vertuschen, doppelt und dreifach zurückgab. ES spielten sich heute Szenen ab, die an die Zolltarif- kämpfe erinnerten. Vielfach hatte man den Eindruck, als .hänge* Dernburg bereits jetzt nicht mehr an seinem Amte. Er sprach selbst wiederholt von der Mög- lichkeit seines Rücktritts; die gewaltigen Schwierigkeiten, die er vor sich sieht, haben die Farbe der Entschließung, die koloniale Reinigung durchzuführen, wohl schon angekränkelt. Wer eS so darstellt, als terrorisiere das Zentrum die Regierung, dessen Bleiben kann bei den heutigen Verhältnissen kaum lange fein. .Ein Deimling in Zivil! 9lun, wir werden auch mit ihm fertig werden* — meinte bedächtig cm alter Zentrumskämpe in der Wandelhalle, wo der aulgeregte Heerbann Dr. Spahns lebhaft debattierte, während im Saale Abg. Dr. Arendt (Rp.) dem Kotomaldiretlor beijprang in der Abwehr und für Dr. Peters wie em Leu focht. Bitt der Bewilligung des Staatssekretariatz für Dernburg durch das Zentrum hat es wohl jetzt noch gute Wege. Ko nflikts- ft off liegt in der Luft. Der Kanzler wird aber wohl in privaten Verhandlungen sicherlich das äußerste versuchen, um ein Abschwenken deS Zentrums zur Opposuion zu verhüten. Nr. 285 trldielni tAgflJ) aufoer 6omuoq4. Dein Gießener Anzeiger werden im Werbtel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen« blätter viermal in der Woche betqelegL Rotationsdruck u. Verlag der Brühl 'schen Univers.-Buch-u. Stein» bruderet. 9t Lange. Redaktion, Erveditioa und Druckerei: Eibolpraße 7. Redaktion 112 Verlag u.Exved. e-qAbl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen *’,tlen2Ä£ [jamltuen Wt» N!(it E „ wir Allen, die un- Seuurf S-d°*»L )Cr}ü4‘» IallL £ iechthild und Fräu g II gegen pünllllcht taten» l! weise Rückzahlung un Lemnbarg-zu lechen diente ■‘■Ss- ff ’S -sucht 9 “U6,Mri8, itiflien t,eU *“1111, UuiUlulI Ak. 5 Mädchen •einsloj^i Äffe? Lus eck, 3. ^lagneL^. SÄ5* SB W NmNra f aber sväier gesucht. ^leichsirahe 28 u,^ tifler Nauimauu nöe Nebkubeschästlg, n zu bauit Allgfote unter 0M !**er Anzeiger erbeten. Möchrn l fiiidjenarbtu, sowie 'iahen und bügeln tt- W angen. Litllr, Off. 0 pofiL ißab iRaubtim, 7182 Hl * ' nnStelnfl0,n* ‘**1» »'S« Händedruck dem Verurceiiren gegenüber den Wunsch aus-» sprach, daß es ihm beschieden sein möge, die Strafe zu überstehen und dann wirklich ein ordentlicher Mensch zu bleiben. * Dem falschen Hauptmann von Köpenick sind in der Not gute Freunde genug erstanden. Eine sehr vermögende Berliner Dame hat sich an die Verteidigung Voigts gewandt und die Absicht kund gegeben, ihm eine lebenslängliche Rente zu stiften, sodaß er den Rest^seines Lebens nach Entlassung aus dem Ge,angnis gegen Sorgen geschützt verleben kann. Voigt hofft, die 4 Saijre Gesang- nis bei guter Gesundheit zu überwinden. Südwcstäsrlk^üttd^dt^^äugelifche Mission. Wir erhielten folgende Ziischrick: In dec intcrenanten Rede des Zentrumsabg. Erzberger gelegentlich dec hlvlonialdebatte im Reichstage am 30.. November kommt u. a. die Stelle vor (zitiert nach dem Bericht des Gieß. Anz. Nr. 283): „Was ist übrigens geschehen, um d.e Eingeborenen friedlich zu gewinnen? Einmal i|t em Missionar dazu ent- saiidt worden, mehr habe ich wenigstens Nicht gelesen." Merlwurdig i|t, daß der in anderen ko lammen Dingen so unheimlich bewanderte Herr in diesem Punkte )o wenig orientiert ist — es haiidelt sich allerdings um evangeli|che Misirons- arbeit —, meriwurdiger noch i)t, baß von leiten der Regierung [eine RichtigiteUung erfolgte. Es durite die Oeneuliichkeit interessieren, auf die oben genannte Frage des Abgeordneten eine authentische Antwort zu vernehmen und zwar von feiten des Jnspettors der Rheinischen Million, Haugieitec, degen Misswu ui lsudwe,ta|rita arbeitet. Dieser schreibt hierüber: „In den beiden -sammellagern Omburv und Otjihaenena hatten die Rheinilchen Miisionace Kuhlmann und W. Diehl bis zuni 1. Auguit 8 <22 Herero gesammelt; darunter waren an 23U0 Alälmer mit 320 Gewehren. Dreier Eriolg |and die Anerkennung der Behörden in |olchem Maße, daß Gouverneur XluU>eqiiiii Ende Juli iwch eine 3. Sammel necke in Olioiongvmbe Lam Waterberg errichten ließ, die dem Millionär Z. Oliv (Ötjim-- binQuej übertragen wurde. Schon in den ergen Wochen sanden ,ich dort nut rpilfe deS zuruagekehrten Grohmanns Dimoiheus <00 Herero nut etwa <0 Gewehren ein. Da Otwiongomve viel näl)er am Gebiet der noch vorhandenen Hererower,te hegt, konnte Ombuco auzgehoben werden. Eben|o wuroe die ^ammeitätigteit in Otsihaenena eüige|telit, weil dec dortige Millionär von Mitte Sepleniber ab eine neue Sammelstelie in dem weck im Osten bei Gobabis gelegenen Ombataha einrichten )ollte. Daraus kann auch die in mi||wnari|chen Dingen au||ackend einseitig berichtende südasrikanische Pres,e ersehen, daß auf Beranlaisung bOS Gouvernements das friedliche Sammeln der zernreuten Herero auch jetzt noch fortg es etzt wird. Omburo undOtuhaenena bleiben von je 20 Hererolauiilien beletzt, die unter Deckung eines Millionärs oder Sanitätssoldaten hie dort gemachten Gartenanlagen pflegen sollen. Zum ischruß |ei lestgestellt, daß von den Herero, die bisher als Boten von Ombuco aus ihre Volksgenossen aus dem Felde zurüaholten, nur ö Prozent Ehrilten waren. Die anderen waren Heiden. Aber auch sie haben vertrauensvoll die Anordnungen des Missionars er,uckt, und znm Teil mehr getan, als ein billig denkender Alen sch von ihnen erwarten konnte. Daß es eine aktive Fr leiden spartet unter den Herero gibt, ist in er)ier Linie der evangelischen Mi|swn zu verdauten. ES hat sich gezeigt, daß tratz alter Verirrung ein guter, brauchbarer Stern im Volke vorhanden i|t, der bei richtiger Behandlung zum Vor- lchein tflnunt D i e verständige Fürsorge für die Eingeborenen i|t die wichtig,le von allen Kolonial- a u 10 a b e il 2hi matzgeoenoer stelle in Windhut in dies längst erkannt. Der Oe,ieickaa)ieck gegenüber muß dies aber |tus au,s neue betont werden." Auch über Meie letztere, wichtige Frage ist im Reichstage, wie betannt, verhandelt und von Sboionialdirettor Denwurg auf i>ie notwendige E>chaffuiig eines „Eingeborenenrechtes" hingewiesen worden. Glücklicherweise scheint es in die।er lüiiuierigen präge auch energud) vorwärts gehen zu socken, und dann erst wird die Blütezeit der „Koloniai|chnorrer", wie Erzberger treiiend bemerkte, vorüber sein. Gußmann, Pfarrer. ückerriku Monogramme sicher rc. in sauberer na. Frida Kieh(er atze 29, 1. .6941 Unterricht in Steno- S (ijitem Stolze-Schrej) bewahrter Methode a Preisen erteilt. Höingen untn 08847 euer feiger erbeten, (Minz Lhvb in üirzer zeit ht sich lucht durch M imfrrer Agentur L Derücler überall gi- llt jeden Äerui geeignet, erbeten an Postjach2S nm. Der Chef der Reichskanzlei, v. Lobell, ließ sich von Dernburg den Verlauf der dramatischen Szene schildern. Es wird also wohl in kürzester Frist eine Rucksprache des Fürsten Bulow mit dem jireitbaren Kolvniaidirettoc statl- haden. Letzterem erteilte heute schpn Abg. Roeren eine Antwort, wie sie einem RegierungSmitgiied wohl noch nie gegeben wurde. Zioeren sprach von „plumpen und rohen Beleidigungen", von „Bö r s e nso b b e r- ton", von Vertrauensbruch,, absoluter Unwahr h e i t ujw. „Nach;>i)rer ganzen Vergangenheit sind Sie nicht fähig, mich blog^u stellen, Herr Kolonialdirektor!" Dieses Wort Roerens schlug dem Faß den Boden aus. Es erhob sich im Zentrum uno aus der Linken ein Beisallsor lan, der Dernburg von seinem Sessel aussa'hren ließ und zur Wortmeldung veranlaßte. Er suchte sich zur Ruhe zu zwingen, die hochgradige innere Erregung gewann aber bald ine Oberhand und legte auch ihm |ch.arse Worte in den Mund. Besonders peinlich berührte int Zentrum die Vene|ung von Briefen des Abg. Roeren an den Reichskanzler uilD an das Kolonialanti, Die daS Bild der Millionen alleroiiigs in etwas vec|choben. Aus den Tribünen aber erntete Dernbu rg Hande- klatscheli. Der Chef der Reichskanzlei verwahrke sich eben|aiis sehr entschieoen gegen Roeren. Em stürmischer und vielleicht solgen|chwerer Lag._________________________ Kom Schufter-Kauprmuun in Köpenick. Gegen die Auöweimngs'PraLis der Polizeibehörde, wie sie im Berlau| des 'p^r,ze||es gegen den falschen Hauptmann von Köpenick Voigr ge|chiloert wurde, richtet sich eme Interpellation, die die national- liberale Fraktion emvr.iigen wirk. Es ist Aussicht vorhanden, daß über Dieje Fnierpeliation bald nach den Weihnachtsserren verhandelt wird. So wird Ulis heute aus iöeriui gemeldet. Die national* liberale Frakiwn handelt verdienstlich, daß sie die Ausweijuligspraxis, aus die in dem berühmten Prozeß ein so grelles Lick)k gefallen ist, zum Gegenstand einer Reichs- tagstnterpellorwn zu machen gedeutt. Der Verurteckle ist meljr als üreigigmal ausgew^,en worden, trotz redlichen Muhens lu,m einen ehrlio-en Erwerb. Wie der Staatsanwalt im Prozeg erhärte, fei die Polizeiaufsicht im Jn- tere)|e der Allgemeinheit notwendig. Was sie gefruchtet hat, zeigt der Handstreich des „Homptmanns", Der eine ^ladt mir 13 Mann ve|etzte, trotz oer Polizeiaufsicht! Notwendig erscheint also dock) wohl niajt sie, sondern vielmehr, daß die At e n s ch l i ch r e i t zu ihrem Recht kommt und oag nut veralteten, mitteiaiierliaien L>e)runmungen aufgeräumt toeroe. Dem Vernehmen nach sind bereits von der Reichsregierung Erhebungen über die Po- lizeiaufficht angeordnet. Man darf wohl daraus reajnen, dag junaajit aus oem Verwaltungswege für eine mildere Anwendung der betretenden Besugnisse ^orge getragen wird. Es unterriegk kaum einem Zweifel, daß Voigt sich heute seinen LevenSuuteryait ais ei)i)amer Schuster erwerben wurde, wenn ihn nicht die Polizei wie eui Freiwild von Ort zu Ort gehest hätte. Zn seiner Valer>iadt Lcksn tonnte er leinen Envero smven. Denn Dort kannte man seme Vergangenheit, uno wo er sonst nackcher Stellung |anD, er» reiajie «ihn überall Der porizeuiu.-e Ausweisungsbefehl. Das ist der Flrick/ Der Pviizeiau||ick)r! Auch Hennig war oev |u ALinlichen als existenz- oerniu)icnuen „Porizeiau,,cck)i" unbeaufsichtigt genug, um Den wcoro in rrvannsee bei Bemm oegeyen und lieg, monatelang Dem strafenden Arm der Zu|iü.ra etitziehen zu können. Unverstanoiick) i|£ es auck), dag nun Dem Boigt nach feiner leyieu ^n-apeiDUbUiig nicht Den von ihm er» oetenen Ausianospafj gao. Er hatte sich während feines husenlyaiies im ^uiyigaufe eine E,umme ge|pan, gerade genug, um davon vie ueberfahrt naaj, Amerika za be» H-reuen; wesharb al|o Ucfj man ihn Denn nicht laufen? Aber das ertaubte nie yeihge Bureautrakie nicht, Denn oann Ware Die Stellung umer PoilHe.aufftchl iiiusorifch geworden! Darum Our, re Der Mann Deut, cgi and nicht Der» tauen, und ,o drängte man ihn wieoer auf die Bahn des yerbreujen» zurück. Die für immer zu Verlagen seine größte Sehnsucht war! Der Fall Voigt beu.uiet eine neue ernste Mahnung, sowohl Den Sh.a,bori Mailand zum Gegenstände eingehender Beratungen gemacht worden ist, ist nunmehr auch an den Deutschen Handelstag das Ersuchen gerichtet werden, diese außerordentlich wichtige Materie in den Kreis seiner Arbeiten zu ziehen. Ai'.f ein diesbez. Schreiben des Deutschen Handelstages beschließt die Handelskammer zu berichten, daß sie eine internationale Regelung des Wechselrechts für höchst wünschenswert erachtet, ohne die Schwierigkeiten zu verkennen, die sich einer Vereinheitlichung der geltenden Wechselrechte der einzelnen Länder entgegenstellen werden., Als eine vortreffliche Grundlage für die Beratungen über diesen Gegenstand muß sie die Denkschrift über das „Weltwechselrecht" bezeichnen, welche auf Veranlassung der Aeltesten der Kaufmannschaft zu Berlin von einem Berliner KammergerichtSrat ausgearbeitet worden ist. 6. DaS russische Zolldepartement hat vor einiger Zeit zur Erleichterung der zollamtlichen Abfertigung der nach Rußland bestimmten Waren zugelassen, daß die Besichtigung und Verzollung auf Grund der durch die Poft ein» gesandten Originalrechnungen und Spezifikationen geschehen kann, diese Maßregel aber zunächst auf die Zollämter in Moskau. Sankt Petersburg, Odessa, Riga und Reval beschränkt. Die Bestrebungen der deutschen Bahnen, die Ausdehnung dieser Mo.ßreael au die deutsch-russischen Grenzstationen zu erreichen, sind russischerseits hinsichtlich der kleineren Grenzstationen abgelehnt und hin- fichtlich der bedeutenderen Grenzstationen W'rballen, Alexandrows und Sosnovice von dem Nachweis des Bedürfnisses abhängig gemacht worden. Da seitens der russischen Eisenbahnvertvalt- ungen betont worden ist, daß z. B. bei dem Hanptzollamt in Moskau wenig Gebrauch van der Einrichtung gemacht worden ist, wollen wir nicht unterlassen, die an dem Handelsverkehr mit Rußland beteiligten Firmen unseres Handelskammerbe,firkes darauf aufmerksam zu machen, daß es in ihrem eigenen Juteresse gelegen ist, diese Einrichtung so weit wie möglich zu benutzen: gleichzeitig fordern wir die Interessen ten hierdurch auf, und mitleilen zu wollen, inwieweit sie seither von der Einrichtung Gebrauch gemacht haben. 7. Eingänge: Von zuverlässiger Seite sind der Handelskammer noch Mitteilimgen zugegangen über a) Zweifelhafte Firmen im Auslande. b) Die Berechtigung b"r bulgarischer Zollämter und Handelskammern 3ui^ ^.-ilung von Äcw^de-Legitimal wnskarten. e) Veröffentlichung der Konkurseröffnungen in Finnland tnt Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen St-wtsanzeiger. b) Internationale Sport-Ausstellung im Jahre 1907. Nä^res hierüber erfahren Interessenten auf dem Bureau bet Handeskammer. * Kl c i n e Tages chronil. Der Postadjnnkt Gloßner au§ Nürnberg, der eine Partie ins K a i s e r g e b i r g e unternommen hatte, wird seit dem 21. November vermiß t. Er dürfte verunglückt sein. — In M ü n ch e n verletzte der Sergeant Schmidt die Metzgermeifterstochter Maner durch Nevoloerschüsse lebensgefährlich und tötete sich selbst durch einen Schuß. Es liegt ein Racheakt wegen eines öorlorenen Prozesses vor. — Ein Raub in der allen Sendlinger historischen Kirche zu M ü n ch e n ist einer der schwersten ft j r ch enreube, die bis jetzt in München voraekommen sind. Der Wert der gestohlenen Gegenstände beträgt 10,000 Mk. — Die M ü n ch e n e r S t r a ß e n b a b n e r verlangen von der Direktion eine Teuerungs-Zulage von monatlich 10 Alk. für das gesamte Personal, Kürzung der Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden und Entlastung der Schaffner durch Anstellung von Weichenstellern. — Ein A u t o m o b i l, das ander Fernfahrt Paris-Atonte Earlo teilnahm, überführ bei Oistonles einen Soldaten des 4. Kolonial- Regiments, der auf der Stelle getötet wurde. — In Ehorzow (Cberfchlefien) stand die Hnttenarbeitersirau Golla auf einem Stuhl am Fenster. Ihr dreijähriges Kind rüttelte an d, Stuhle, worauf die Frau aus dem Fenster fiel und das Genick brach. — Tie Kirche St. Germain in P a r i s wurde nachts von Dieben erbrochen und einer großen Anzahl wertvoller Kunstgegeuslände beraubt. — ^n Milazzo (Bukowina^ wurde ein sehr heftiger Erdstoß, dem ein westenförmiges Erdbeben folgte, dgs mehrere Sekunden andauerte, verspürt. Tie Bevölkerung verließ die Häuser. — In Venedig wurde bei dem reichen Rentner Rocca Lucca im Garten eine Bombe zur Explosion gebracht. Ter Täter ist unbekannt, Schaden wurde nicht angerichtet. — Ans Princeton im norbamerif. Staate Kentucky wird berichtet: 300 ,mo§firte Banditen griffen die Polizeistation an, besetzten die Wasserleitung und steckten zwei große Tabakfabrik en in Brand. Dann zogen fie sich zurück unh deckten ihren Rückgang durch Geivehr« und Revolverschüsse. Die beiden Fabriken find völlig zerstört, ebenso eintae umliecenbe Gebäude nieberaebrannt. Sitzung des Provinzial-Ausschusses. Gießen, 1. Dezember. Zur Beschleunigung des Baues beV Bahn Stockheim- Vilbel, insbesondere der auf hessischem Gebiet belegenen Teilstrecke Stockhcrm-Höchst a. N. hatten sich die Gemeinden Stockheim. Glau- berg, ßinbheim, Altenstadt, Höchst a. N., Oberau, Lenstadt, Kou- radsdorf, Engelthal-Opoelshäufer Hof zu einem Konsortium zu- sammengeschlossen, das die kostenlose Stellung des Geländes gesetzlicher Vorschrift gemäß dem Unternehmer, der preußisch - hessischen Eisenbahngemeinschast, garantierte und die erforderlichen Verband- hingen einleitete. Es wurden bann unter Leitung Gr. Kreisanils Büdingen die Gemeinben und Geniarkungen ermittelt, die nach Aiificht der übrigen Beteiligten an dem Bahnban interessiert find und sonach an den Kosten der Geländestestuug teilzunehmen haben. Als beteiligt wurden angesehen aste Gemeinden und Gemarkungen, die höchsiens 6 Km. von einer Haltestelle mit Güterverladung zu liegen fommen und die gesamten Geländereriverbskosten sodann auf sämtliche Gemeinden und Gemarkungen, die als beteiligt an- geseheu wurden, nach einem von dem Konsortium aurgefte(lteit Maßstabe, bei welchem zur Hälfte die Eiiiwohuerzahlen und zur Hälfte die Steuerkavitalien zugrunde gelegt wurden, ausgeschlagen. Ein Teil der Gemeinben, denen diese Berechnung zur Anerkennung mitgeteilt wurde, beftritt das Vorliegen eines Interesses, so daß das Konsortium genötigt war, durch seine Anwälte klagend gegen sie vorzugehen und zwar wurde die Klage bet dem Provinzial- Ailsschuß erhoben, da Gemeinden und zwei Kreise beteiligt waren. Der Provinzial'Aiisschuß forderte zunächst Gutachten der betreffenden Kreisaiisschüsse ('Bübingen und Friedberg) ein. In der heutigen Sitzung wurde sodann eingehend zur Sache verhandelt, die Beschlußfassung aber ausgesetzt. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Giesrencr Fleisch- und Brotpreise am 3. Dezember 1906. Höchste Schlachtvießpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gießen Dchsen 50 Kg. Schlachtgewicht R6—92 Mk. Kälber '/, Kg. Schlachtgew. 94-97 Pf. Schweiue „69-00 „ Getreidepreise in Mannheim ’/, Kg. 82-88 Psg. 7, v 80-84 „ V. „ 86-90 „ Brotvreise in Gießen Weizen 100 Kg. 19 00-00.00 Pst. Weißbrot 2 Kg. 54 Pta. Roggen 100 Ko. 17.06-00.00 Mk. Schumrihrot 2 Kg. h0 Bfg. Märkte. Gieße«, 3. Dez. Marktbericht. Auf heutigem Wocheumgikte kosteten: Biitter vr. Pfd. 1.20—1.25 Mk., Hühnereier 1 St. 9—10 Vfg., 2 Stck. 00—00 Psg., Ggnfeei'er 00—00 Psg., Enteneier 0 Pfg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Kgfemgtte 2 Stck. 5-6 Pfg., Erhfeii v.Pfd. 18-24Pfg., Linsen v. Psb.25-40Pfg., Tauheii vr.Br.0,80—1,00Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne vr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enteil vr. Stück 1.80—2,20 Mk., Gänse ur. Psd. 60—70 Psg., Ochsensteiscb vr. Md. 82—88 Pfg., Kuß- und Rindfleisch vr. Pfund 80—82 Pfg., Schweinefleisch vr. Pfund 86—90 Psg., Scbweiuefieiich, gemhen, vr. Mund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 80—84 Psg., Hgininellleisch pr. Mund 60—80 Pfg. Welfche per Pfund —.— Kgrtosseln vr. 100 Kg. 6,00—7,00 Mk., Zwiebeln vr. Ztr. 4,00—5.00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aemel ver Zentner 15 bis 24 Mk., in Körben 00 Mb., Nüsse 100 Stuck 30-40 Mg., Birnen ver Pfd. Mk. 0.08 —0.12, ner Ztr. 9—15 Mk., Weißkrgut per Stück 8—12 Psg., per Zentner Mk. 2.20—2.50. — Mgrkkreit 8—2 Uhr. Telefonisch« des Giessener Anzeigers, mit»e und Tnilnsti Frankfurter Bör*< 3^6/0 Beichsftnleihe . . 98.25 3% do. . . 86.90 3^7o Konsols .... 98.30 3% do 87 00 3^°/0 Hessen 97.45 3%°/n Oberhessen . . . — 4 °a Oesterr. Goldrente. . 100.20 4VS °h Oesterr. Sflberrente 100.35 4°-o Untrar. Goldrente . . 96.30 Italien. Rente . . . 103.05 3% Portugiesen Serie I . 69.60 3% Portugiesen „ III 69 80 4X°ZO rnss.Staatsanl. 1905 90.95 4%0,n iapau. Staatsanleihe 94-30 4 % Conv. Türken von 1903 94-10 Türkenlose 144.80 4 % Griecb. Monopol-Anl. 52-40 4% äussere Argentinier . 89-25 3°/0 Mexikaner . . . 67.20 4>$ °/0 Chinesen .... 96.90 Aktien: Bochum Guss 244.00 Buderus E. W . ... —.— Tendenz: fest. Berliner Börse, 4. Canada E. B 188.50 Darmstädter Bank . . . 140.60 Deutsche Bank .... 242.00 Dortmunder-Union C. . . 84 50 Dresdner Bank . . . 158.80 Tendenz : fest. Kursberichte teilt von der Bank für Handel io. Giessen. 4. Dezember, 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . 142.90 Elektriz. Schuck er t . . . 121.80 Fschweiler Bergwerk . . 250 00 Gelsenkirchen Bergwerk . 227.20 Hamburg- Amerik. Paket!. 159.50 Harpen er Bergwerk. . . 214 25 Lanrahfltte 246.00 Xordd. Lloyd 131.50 Obeischles. Eisen-Industrie 127.75 Berliner Handelsges . . 174.00 Darmstftdter Bank . . .140 80 Deutsche Bank . . . 241.75 Deutsch-Asiat. Bank . . 171.50 Diskonto-Kommandit, . . 186.20 Dresdner Bank . . . 158.90 Kreditaktien 215.90 Baltimore- und Ohio- Eisen l. ahn . . . 121.60 Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 35 75 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.60 Prince-Henri-Eisenbalm . 150.00 lezember. Anfangslmrse. Harpener Bergwerk. . < 214.70 Laurahütte .... 346.20 Lombarden E. B. ... 35.90 Xordd. Lloyd 131.60 Türkenlose ..... 145.70 bevorstehendem Feste bitte ich bei Bedarf in Welhnachtsgesci 462 6856 günstigste Gelegenheit seine Einkäufe angenehm zu Ordnung der Waren bietet jedem Interessenten betätigen. offenen, billigen Preisen geschätzten Besuch meiner Verkaufslokale. Reichhaltigste, konkurrenzlose Auswahl bei übersichtlicher, feiner EE 7192 Bahnhofstr. 20 Fl*. 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