Wr. L33 Erstes Blatt 186. Jahrgang Donnerstag 4. Oktober 1906 Erscheint tügltch außer Sonntags. Dem Gießener^lnzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Eietzener Familien« blätter viermal tn der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stetn- druckerei. R. Lange. Redaktion, Erpedttio» und Druckerei: Schnlstratze 7. Redaktion 118 Verlag u.Exped.e-qAbl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Eichener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen VezugSvretSt monatlich 7bPf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnununer bis vormittags 10 Uhr, ZeilenpreiS: lokal 12Ps« auswärts 20 Pig. Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Wtttko- für „Stadl und Land' und ,Gerichtssaal': Ernst Heß; für den Anzeigenteil: Hans Sed. Ate heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. politische Tagesschau. Minister v. PodbielSkt beim Kaiser. Unser Berliner R.-Korrespondent schreibt: „Aus der Berufung des Landwirtschasts Ministers'v. Pod- bielski zum Kaiser nach Rominten folgern mehrere Blätter, daß die Zeit der Ungewißheit über das Verbleiben dieses Ministers im Amt nunmehr zu Ende gehe, daß die Entschließung des Kaisers bevor st ehe. Nach unseren Erkundigungen darf das jedoch als wenigwahrscheinlich gelten. In Hostreisen ist man der Ansicht, daß der Kaiser auch diesinal in Herrn v. Podbielski lediglich den I a g d g a st geladen habe, dessen urwüchsiger Humor zur Erhöhung der Weidmannsfreude beiträgt. Die Wesensart des Oberförsters von Rominten, Frhrn. Speck v. Sternburg, ist beiläufig der des Herrn v. Podbielski verwandt, deshalb spielt der äkaiser besonders gern mit diesen beiden Herren den Jagdskat. Die Entscheidung über die weitere Minister- schaft des Herrn v. Podbielski dürfte in Berlin fallen, und da der preußische Landtag erst im Januar Zusammentritt, ist es zweifelhaft, ob die Angelegenheit an maßgebender Stelle für so dringlich erachtet wird, wie von einem Tell der öffentlichen Meinung. Jedenfalls steht Herr v. Podbielski Unverändert beiHose in Gun st. Der Meinung ist auch' die agrarische „Tagesztg.", die heute abend bemerkt: Es könne aus der Einladung nur geschlossen werden, daß das persönliche Verhältnis des Kaisers und des Ministers keine Trübung erfahren habe/- Soweit unser Berliner Mitarbeiter. Auch wir meinen, daß politische Kombinationen an Podbielskis Reise nach Rominten schon aus dem Grunde überflüssig sind, weil der Kaiser am Samstag bereits Rominten verläßt, um nach kurzem Aufenthalt in Kabinen nach Berlin zu- rückzukehren und er also Herrn v. Podbielski die lange Reise nicht machen zu lassen brauchte, um einen Vortrag in der Dippelskirch-Affäre einzufordern. Es ist ja möglich, daß der Minister jetzt im Herbste die schon lange angekündigte Demission gibt, es ist aber auch ganz gut möglich, daß Herr v. Podbielski in Amt und Würden erhalten bleibt.. Hätte er das Vertrauen seines kaiserlichen Herrn eingebüßt, dann würde er sich schon in die Stills seines Landgutes zurückgezogen haben. Wie er mit dem Reichskanzler steht, ist dabei Nebensache. Jedenfalls besitzt er an maßgebender Stelle mehr Einfluß als der höchste Reichsbeamte, sonst hätte ihn das papierne Geschoß, welches Fürst Bülow aus seinem Moniteur auf ihn abfeuerte, umgeworfen. Wie der „Börsen-Courier" meint, soll Herr v. Podbielski zum Kaiser beföhlen worden sein, um über die Fleischversorgung im deutschen Reich im allgemeinen nnb in Preußen im besonderen Vortrag zu halten. Es sei daher zu der Annahme berechtigt, daß bei dieser Gelegenheit auch Maßnahmen, b,ie zur Hebung der Fleischnotdienen können, u. a. auch die Aufhebung der Grenzsperre, zur Erörterung gelangen werden. Daran glauben wir aus dem angegebenen Grunde auch nicht. Daß er auf telegraphische Einladung des Kaisers nach Rominten reifte, wird vom leider offiziösen „Lok.-Anz." bestätigt. Freiherr v. Heyl der'sich nationalliberal nennt, i)at jüngst in Viernheim im Kreise Worms eine Rede gehalten, der wir einige recht charakteristische Stellen kritiklos entnehmen. Ueber die Einigung aller Liberalen führte er aus: „Nun verlangt man gar, die bürgerlichen Liberalen sollten sich einigen! Dabei stellt der bürgerliche Links- liberalismus in Darmstadt dem aussichtsvollen national- liberalen Reichstagskandidaten den nationalsozialen Pfarrer Ko rell entgegen und stimmt in der Stichwahl für den Sozialdemokraten. Aber abgesehen von Einzelheiten hcuwelt es sich bei der Gegenüberstellung von Nationalliberalismus und Linksliberalismus um verschiedene Weltanschauungen: dort um das religiös-sittliche Element, hier um zunehmenden Atheismus. (Lebhafte Zustimmung.) Mit was für Leuten und Parteien sollen wir Nationalliberalen uns einigen? Nun, die sog. deutsche Volkspartei alias Demokratie, o. h. Frankfurter Zeitungspartei hat bet den Reichstagshauptwahlen 1903 91217 Stimmen erhalten, d. i. 1 Proz. sämtlicher überhaupt abgegebenen Wahlstimmen, die'freisinnige Vereinigung 243000 und die freisinnige Volkspartei 588000 Stimmen. Macht für alle drei bürgerlich-linksliberalen Gruppen 9 Proz. der Gesamtstimmen. Das sind machtlose Truppen, und mit denen sollen wir ein Bündnis schließen, uns ihnen vielleicht gar unterordnen und uns später mit $fnen gemeinsam der Sozialdemokratie nähern? Ein eigentümliches Verlangen!" Später streifte er die Frage der Fleischteuerung in folgenden Sätzen: „Das Fleisch ist allerdings auch bei uns im Preis in die Höhe gegangen. Unser Viehstand hat sich im Lause der letzten Jahre um 2 Milliarden im Wert vermehrt; aber unsere Bevölkerung ist unverhältnismäßig schneller gewachsen und nährt s i ch j e tz t a u ch b e s s e r, daher denn vornehmlich die Fleischteuerung. Aber unser Landvolk will auch leben, trotzdem zu bemerken ist, daß die Fleischproduktion im hiesigen, rechtsrheinischen Gebiete nichts eülgebracht hat. Wenn wir die Grenzen öffnen, verseuchen wir unser deutsches Vieh und erhöhen bann erstrechtdie Fleisch p.r.e i s e. Aber trotz alledem steht noch immer der erfreuliche Unterschied zwischen einst und jetzt fest: Früher aß der Arbeiter zum Frühstück Brot mit Schmierkäse. jetzt Butterbrot mit Wurst. Die Sozialdemokratie arbeitet politisch einseitig nur für den Konsumenten, wir für Konsumenten und Produzenten; diese Arbeit, die zugleich ausgleicheird wirken will und soll, ist natürlich schwieriger und in ihrem politischen Eindruck auf den Unverständigen undankbarer. Jedoch ein ehrlicher Politiker muß eben alle Stände in gleichem Maße berücksichtigen.^ • Ein deutscher Fleischtrust? Mit der Absicht, einen Fletschtrüst für Deutschband ins Leben zu rufen und aus diesem Wege die Ausschaltung des Zwischenhandels zu ermöglichen, soll sich, wie die „Deutsche Fleischer-Ztg." angeblich auf Grund unanfechtbarer Geheimdokumente behauptet, die agrarische Zentrale für Vieh Verwertung tragen. In einem Schreiben des Landesökonomierats Ring dom 26. Juli d. I. befindet sich folgender Satz: „Gleichzeitig erlauben wir uns zu bemerken, daß uns ganz direkte Anträge gestellt woroen sind, die darauf hinaus gehen, mit amerikanischem (Selbe in Deutschland einen Fleischtrust in Szene zu setzen. Da diese Anträge sehr ernstlich gemeint sind, sind wir zunächst darauf eingegangen und hoffen auf diese Weise noch manches zu lernen." • Zur braunschweigischen Thronfolgefrage nimmt die offiziöse „Südd. ReichS-Korresp." das Wort und erklärt: Aus der publizistischen Erörterung der braunschweig. Frage darf man alles, waS auf der Annahme einer preuß. Sonder-Politik beruht, als gegenstandslos ausscheiden. Kaiser und Kanzler handeln in dieser Angelegenheit weder als preußische Partikularisten noch als Unitarier, wohl aber im Verein mit anderen berufenen Faktoren als Hüter der Reichsverfastung. Daß gerade preußische amtliche Stellen, vom Ministerium des Aeußeren abgesehen, schon Anlaß gehabt hätten, sich mit der braunschweigischen Frage lebhaft zu beschäftigen, glauben wir nicht. Eine bestimmte Kandidatur für Braunschweig, sei eS als Provisorium oder als Desini- tivum, ist von Preußen aus nicht betrieben worden, sondern die Richtschnur war von Anfang an, die Braunschweiger, soweit dies nach der Natur der Sache möglich ist, ihre Angelegenheit ohne fremde Beteiligung regeln, überhaupt jede bundesfreundliche Rücksicht walten zu lassen, die mit dem ReichSintercsse vereinbar erscheint. Diesen Eindruck wird der braunschweigische Staatsminister von Otto aus seinen Unterredungen mit dem Reichskanzler mit fortgenommen haben und der braunschweigischen Landesversammlung wird in der Achtung vor der Selbständigkeit ihrer Entschließung eine Einwirkung des nationalen Sinnes zuteil werden, womit sie sich selbst zur Treue gegen das gesamte Vaterland bekannt hat. • Wahlpflicht. Deströe und Vandervelde, die Führer der belgischen Sozialisten, sind eifrige Verfechter der Einführung der Wahlpflicht. Sie nennen die obligatorische Abstimmung eine ^wohltätige Bestimmung" und erklären, daß sie der Partei „ausgezeichnete Dienste leistet, um den politischen Jndifferentismus zu bekämpfen und jene Wähler unabhängig zu machen, die Elend oder Unterdrückung von der Urne hätten fernhalten können'. Als Dr. Schlegel im österreichischen WahlreformatlSschussc einen Antrag auf Statuierung der Wahlpflicht stellte, sah man den Führer der österreichischen Sozialdemokratie in der ersten Reihe der Opponenten. Dr. Adler entdeckte in dem Antrag eine reaktionäre Tendenz und findet in ihm die Absicht, „das Gewicht jener Schichten zur Geltung zu bringen, die politisch am allerwenigsten nachdenken und eigentlich keinen politischen Willen besitzen". Die ablehnende Haltung der österreichischen Sozialdemokratie in der Frage der Wahlpflicht ist sehr bemerkenswert. Denn sie läßt vermuten, daß die Partei den großen Massen mißtrauisch gegenübersteht, und daß sie ihre Mobilisierung fürchtet. Wenn die sozialdemokratische Partei in Oesterreich die Organisierung der „Indifferenten" ablehnt, so beweist sie damit mehr ihre Klugheit als ihr Machtbewußtsein und ihre Prinzipientreuc. Bei den letzten österreichischen Wahlen entschieden gerade die einstigen „Indifferenten" vielfach gegen die Sozialdemokratie. Russisches. An der Küste bei Peterhof soll sich ein sonderbarer Vorfall zugetragen haben. Neun Leichen, alle fürchterlich zerschossen und entstellt, wurden an Land geschwemmt gerade an einer Stelle vor dem kaiserlichen Palast, der dicht am Strande liegt. Die Petersburger Polizeibehörde brachte in Erfahrung, daß für Mittwoch nachmittag gegenüber dem Börsengebäude ein Ue6 er f a II aus den aus der Rentei mit großen Geldsummen zurückkeh-reuden Kassierer einer Regierungsbehörde geplant sei; in der Nähe der Börse waren Polizisten aufgestellt, nachdem schon am Dienstag abend einer der Hauptbeteiligten cm dem Anschläge festgenommen worden war. Die Polizisten ver- chafteten fünf verdächtige junge Leute; ein sechster suchte zu entkommen, wurde aber durch von den Schutzleuten nachgesandte Schüsse getötet. Bei allen .Verhafteten wurden Repetierpistolen gefunden. Anfi Dienstag Begann in Petersburg ein Riesen- pr ozeß gegen den ehemaligen Petersburger Arbeiterdepnt.iertenrat. Von den 52 Angellagten erschienen nur 30. Sie trugen alle rote Rosen oder Nelken ün Knopfloch. Die Anklage lautet auf Bildung einer Vereinigung zum Umsturz der bestehenden Staatsordnung. Die Verteidigung lehnte einen der Ständevertreter ab. Das Gericht erkannte die Ablehnung als berechtigt an und ernannte einen anderen Vertreter. Zur Orientierung über dessen Persönlichkeit wurde die Verhandlung aus drei Tage vertagt. Nach einer anderen Meldung aus Petersburg ist ein neuer Pogrom in Kiew im Gange, wo- die Anhänger der sogen, russischen Patriotenliga auf den Straßen schießen und morden. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht grenzenlose Panik. In der Nacht auf den 2. Oktober fand auf dem von Suchau nach Obschemtschenje auf dem SchwarzenMeere gehenden Dampfer „Zesarewitsch Georgi" ein frecher Raubüb er fall statt; 25 augenscheinlich an verschiedenen Punkten vorher eingestiegene, mit Revolvern und Gewehren bewaffnete Räuber überfielen die Passagiere dritter Klasse und die Maupschast in dem Raume dritter Klasse und beraubten die Post und die Schisfskasse um 12 0 00 Rubel. Die Passagiere erster Klasse schossen auf die; Räuber; diese drohten jedoch, zwei Schisfsoffiziere und vier Matrosen als Geiseln zu erschießen, worauf man sie unbehelligt in Begleitung der Geiseln mit der Schaluppelanden ließ. Ueber die Hu n g er s n o t in Rußland wird gemeldet: Im Gouvernement Ufimsk leiden 120 000 Menschen furcht-. Baren Hunger und leben in unbeschreiblichem Elend. Jm> Gouvernement Dziemiersk haben mehr als eine Million Menschen keine Nahrungsmittel und nicht die geringste Gelegenheit, sich einen Lebensunterhalt zu verschaffen. In beängstigendem Umfange beherrschen Hunger und Bauernunruhen das gesamte Wolgagebiet, in zahlreichen Gegenden, herrscht bereits Hungertyphus. Aehnliche Nachrichten kommen aus dem Gouvernement Woronosk. Ueber eine Grenzverletzung wird der „Königsb. Harfi Ztr." aus dem ostpr. Dorfe Koadjuten berichtet: In einer der letzten Nächte versuchte der Besitzersohn Naujoks aus Laschunen in Rußland heimlich auf preuß. Gebiet zu, gelangen. Hierbei wurde er von einem russischen Grenzsoldaten bemerkt, der eine Anzahl Schüsse aBfeuerte, obwohl Naujoks die preußische Grenze schon passiert hatte. .Eine Kugel zerschmetterte dem Fliehenden den Oberschenkel. Am folgenden Tage ist er in das Grenzlazarett zu Tilsit überführt worden. Bon der österreichischen Wahlresorm. Wien, 3. Oktober. Der Wahlreformausschuß beriet heute über den Antrag Pollinger, betreffend das Pluralwahlsystem. Der Ministerpräsident Baron Benk betonte, daß die Wahlreform in gewissem Maße die Steuerleistung bei der Wahlkreis- cinteilung berücksichtige. Die Aufteilung der Mandate werde keineswegs eine schonungslose Majorisierung der Minderheiten zur Folge haben. Tie Einführung deS Pluralvotums nach irgend einem System müßte dagegen eine mehr oder minder weittragende Verschiebung des durch den Ausschuß festgesetzten Stinunenverhältnisses herbeiführen. Durch Heranziehung des Steuerzensus würde die wesentliche Bedeutung der Reform, namentlich die Schaffung der Rechtsgleichheit auf dem Gebiete des Wahlrechts, erheblich abgeschwächt werden. Die Bevorzugung des Bildungsgrades, die nur einem kleinen Kreis zu gute käme, hätte kaum einen praktischen Einfluß aus daZ Wahlergebnis, ebensowenig wäre auch der Bevorrechtung deS Alters und der Verehelichung ein praktischer Erfolg vorauszusagen, wenn auch diese Pluralitätsmomente zweifellos gewisse Vorzüge besitzen, wie überhaupt von irgend einem Plural- wahlrecht eine einheitliche Wirkung oder ein nennenswerter Einfluß auf das Wahlresultat kaum erwartet werden darf, abgesehen von der Erschwerung der Wahlvorbereitungen und der Kontrolle der Wahlberechtigung. Anders sei es allerdings, wenn die Schaffung eines Pluralwahlrechtes gelingen würde, da§ die Grundlagen unversehrt ließe, dabei aber doch klare politische Effekte erzielte. Die Regierung vermochte trotz gründlicher Bemühungen ein solches Pluralwahlsystem nicht zu finden und auch der vorliegende Antrag entspreche nicht den Anforderungen, welche mit Rücksicht auf die Mannigfaltigkeit und Vielgestaltigkeit der wirt- schaftlichen, politischen, nationalen und kulturellen Ver- hältniste an ein Diehrstimmensystem gestellt werden müßten. Sollte der Ausschuß indeffen über den Antrag schlüssig werden, der sich als ein die Fertigstellung des Werkes förderndes Kompromiß der Parteien darstelle, würde die Re- gierung, dem bisherigen Vorgehen getreu, einer solchen Ergänzung der Reform nicht hinderlich im Wege flehen, nur dürfen die von der Reform erwarteten günstigen Wirkungen, nämlich feste Verankerung des Staatsgedankens und Steigerung des Staatsgefühls Bei den großen Masten, nicht mehr preis- gegeben werden. Die Reform dürfe nicht zur Verschärfung des nationalen Kampfes dienen, muß vielmehr zur Ent» ivaffnung der sozialen und nationalen Parteien beitragen und ein Friedenswerk sein und bleiben. Heer und Flotte. — Vom Schlosserlehrling zum General. General Linde, der neue Präsident des Reichsmilitär- gecichts, hat einst als einfacher Schlosserlehrling angefangen. Er trat gleich nach der Konfirmation in eine kleine Schloster- werkstatt ein, um praktisch zu lernen. Bald aber sagte ihm die mechanische Arve» nicht zu, er ging auf? Gymnasium zurück und trat 1866 in ein Artillerie-Regiment ein. Dann machte er schnell Offizierskarriere. __ Im Verlage der Hofbuchhandlung von Karl Sieg'S- mund in Berlin SW., Dessauerstr. 13, erschien StechertS Armee-Einteilung und Quartier-Liste des deutschen Reichshceres und der Kaiserlichen Marine. Rach dem Stande vom 1. Oktober 1906. Rach amtlichen Quellen bearbeitet und herausgegeben von der Redaktion des Deutschen Soldatenhortes. Einzelpreis 80 Pf. — Die seit 48 Jahren regelmäßig erscheinende Armee-Liste enthält eine tabellarische Zusammenstellung aller Truppenteile der deutschen Armee mit namentlicher Angabe der Chefs (Inhaber), Kommandeure :c. :c. Die Abteilung ^Kaiserliche Marine" enthält die Personalien deS Reichs-Marineamtes, die Oberkommandos und Inspektionen, die Küstenbezirke, Verwaltungsbehörden, Schutztruppen für die Kolonien, das ostasiatische und südmestafrikanische Expeditionskorps und eine genaue Liste Sr. Maj. Kriegsschiffe nebst Deplazemcnt und Pferdekräften. Deutsches Reich. Berlin, 3. Okt. Zu Beginn der Sitzung der Internationalen Law Association verlas der Präsident folgendes von dem Kaiser eingegangenes Telegramm: Rominten, 2. Okt. Mit dem Danke für Ihre mich erfreuenden Huldigungsworte begrüße ich die Mitglieder der International Law Association als Gäste in meiner Haupt-- und Residenzstadt Berlin. Mögen die dem Wohle der Menschheit gewidmeten Arbeiten der Konferenz auf deutschem Boden und inmitten des von starkem Rechtsbewußtsein erfüllten deutschen Volkes besonders gedeihlich und erfolgreich sein. — Im königl. Schlosse fand heute zu Ehren der Mitglieder der Law Association ein Frühstück statt, wobei Prinz Friedrich Leopold als Vertreter des Kaisers die Honneurs machte. Als Vertreter der Regierung waren die Staatssekretäre Graf Posadowsky und Nieberding und Justizminister Beseler anwesend. Es gelangte eine Itesolution zur Annahme, nach welcher durch das Exekutivkomitee ein Komitee eingesetzt werden soll' um die Frage der Freiheit des Privateigentums zur See zu prüfen in Verbindung mit den inbezug auf den Begriff der Kontrcbande aufgetauchten Fragen. Justizrat Schneider-Berlin sprach über die Pr o z e ß s i ch e r u n g von Ausländern im Ar m en recht und schilderte die Rechtsbeziehungen zwischen ^Großbritannien und Deutschland. Rechtsanwalt Goldschmidt behandelte die Sicherheitsleistung für Prozeßkosten. Den Beschluß der heutigen Verhandlungen bildete der Vortrag von Dr. Wittmann-Budapest über Naturalisation und Nationalität. — Das „Militürwochenbl." meldet: v. Deines, kommandierender General des 8. Armeekorps, in Genehmigung seines Abschiedsgesuchs zur Disposition und gleichzeitig ä la suite des Husarenregiments Nr. 7 gestellt. Generalleutnant Schubert, Kommandeur der 39. Division, zum Gouverneur der Festung Ulm ernannt. Generalmajor Briese, Kommandeur der 71. Jnfanteriebrigade, mit der Führung der 35. Division beauftragt. In Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche sind zur Disposition gestellt: General der Infanterie und Gouverneur von Köln Freiherr von Egloffstein, General der Inf. und Gouverneur von Ulm v. Rosenberg-Grase-Yinski, Generalleutnant und Kommandeur der 35. Division M ootz. Karlsruhe, 3. Okt. Die Verhandlungen der 23. Jahresversammlung des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke begannen heute mit einer nichtöffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses, in der 1L a. über die Arbeit auf dem Lande und die Fürsorge für die Kanalarbeiter berichtet wurde. Einen weiteren Gegenstand der Verhandlung bildete die Frage der Erlangung einer Statistik über die Einwirkung des Alkoholis- mus auf die Sterblichkeit. — Am Nachmittag fand die 7. öffentliche Jahresversammlung des Verbandes von Trinkerheilstätten des deutschen Sprachgebiets statt, der als Vertreter der Regierung Ministerialrat Nieser anwohnte. Prof. Griner-Tübingen begrüßte namens des Vorstandes die Versammlung. Stadtrat Dr. Waldschmidt-Char- lottenburg berichtete über die verschiedenen Formen der Unterbringung von Alkoholkranken. Mit dieser Frage stehe diejenige der Heilstättenbewcgung in engem Zusammenhänge, die einen erfreulichen Umfang angenommen habe. Leider besitze man nur indirekte Mittel, einen Zwang aus die Alkoholkranken inbezug auf die Unterbringung wie Behandlung auszuüben, doch fei ein gewisser Zwang notwendig bei allen auf alkoholischer Basis geisteskrank Gewordenen. Mildtätigkeit sei diesen Menschen gegenüber nicht am Platze. Braunschweig, 3. Okt. Zum Oberlandesgerichts- präfidenten hier ist der Rechtsanwalt und Notar Justizrat Wolff berufen worden. (Tie „Deutsche Juristenztg." verzeichnet diese Berufung in der Hoffnung, daß sie auch in anderen Bundesstaaten Nachahmung finde, insbesondere da man zur Ueberzeugung kommt, daß mehr als bisher höhere Richter auch aus den Reihen der Anwälte hervorgehen sollten.) Dresden, 3. Okt. Der Ch efred akteur des „Dr. Anz.",^ Dr. Lier, erhielt aus Anlaß des fünfzigjährigen Jubiläums dieses Blattes den Professortitel, Redakteur Georg Jrrgang einen Orden. Den langjährigen Beamten und Setzern wurden Ehrenzeichen und Urkunden verliehen. Der Rat spendete eine größere Summe für Ehrengaben an die angestellten Arbeiter und Austräger. Weimar, 3. Okt. Der Hauptvorstand der christlich-sozialen Partei hat bezüglich des preuß. Land- tagswahlrechtes folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Die christlich-soziale Partei hält fest an dem Wahlrecht des Reiches und betont die starke Reformbedürftigkeit unseres Landtagswahlrechtes, tn Je™cr gegenwärtigen plutokratischen Form die christlich-soziale Partei ebenso wie die Arbeiterschaft völlig vom Landtag aus sch ließt. Wir fordern erne Aenderung des Landtagswahlrechts, die dem Arbeiterstande eine Vertretung in allen einzelnen Landtagen sichert. Vor altem und zunächst fordern wir geheime Wahl und Verhältniswahl." RolonSalpoft. — Von großen Unterschlagungen in Südwest- afrika wird der „Schles. Volksztg." geschrieben: Bei einer Kompagnie wurden 2 4 Personen, Militärs und Zivilisten, wegen Veruntreuung fiskalischer Gegenstände beziehungsweise Hehlerei verhaftet. Einer soll allein 250000 Mk. dabei ,öerbient* haben. Ausland. Stockholm, 3. Okt. Zwischen schwedischen und norweq. Fischern kam es zu einem Grenz-Konflikt in Bohuslaeu, weil das schwedische Wachtschiff einige, norwegischen Fischern gehörende Geräte beschlagnahmte. Die schwedische Regierung behauptet, das Fischterritorium sei schwedisch. Sie stellte die Geräte zurück, setzte aber eine Kommission ein zur Feststellung der Grenze. Paris, 3. Okt. Die royalistische Vereinigung Action Franyaise teilt mit, daß sie für die von ihr angeregte Stiftung einer Ehrenmedaille für den General Mercier eine anonyme Spende von 10 000 Frcs. erhalten hat. Das letzte Viertel des Jahres hat begonnen. So laden wir denn zum Abonnement auf den Gießener Anzeiger für dieses Quartal ein. Einer Darlegung unseres Programm? oder Anpreisung des Inhaltes unseres Blattes, das sich weitesten Ansehens erfreut, bedarf es nicht. Der „Gieß. Anz." ist anerkanntermaßen die größte, und zwar völlig unabhängige, für die Versöhnung der Gegensätze zwischen Stadt und Land, sowie der beiden wesentlichen politischen Gruppierungen unter den bürgerlichen Parteien Hessens eintretendc, die berechtigten Interessen von Industrie und Landwirtschaft nach Möglichkeit fördernde Zeitung Oberhcssens. Ganz besonders machen wir auf den in dem wöchentlich viermal erscheinenden Beiblatt „Gießener Familienblätter" seit dem 12. September zum Abdruck gelangenden ungemein spannenden Roman „Im Banne de? Geheimnisses" aufmerksam, dessen Anfang auf Verlangen nachgeliefert wird. Die Bestellung ist sofort bei den Postanstalten oder unseren Boten zu veranlassen. Aus Stadt und Casrd. Gießen, 4. Okt. 1906. •* Die ordentliche Jahresversammlung der hessischen Rechtsanwälte findet am nächsten Samstag hier statt. Dem Bericht des Vorstandes der Anwaltskammer für das verflossene Jahr entnehmen wir nach dem ,D. T.-A.", daß zu Beginn die Zahl der Anwälte 180 betrug, von denen zwei durch Tod abgingen, während 17 Zulassungen (davon eine aufgegeben) erfolgten. Von der hiernach verbleibenden Gesamtzahl von 196 entfallen auf die Provinz Starkenburg 78, Rheinheficn 68 und Oberhcssen 50 Anwälte, wobei Darmstadt mit 39, Mainz mit 44, Gießen mit 24, Offenbach mit 17, Worms mit 10 bedacht ist und der Rest von 62 sich auf die Amtsgerichtsbezirke verteilt. Sieben Anwälten wurde der Titel Justizrat, einem (Hirschhorn in Gießen) der Titel Geheimer Justizrat verliehen. Die Inanspruchnahme durch Armensachen war beträchtlich, denn es wurden vom Ober- landesgcricht 64, vom Landgericht Darmstadt 295, vom Landgericht Mainz 270 und vom Landgericht Gießen 115 Armenanwälte bestellt. Die Anwaltskammer leistete einen Jahresbeitrag von 1000 Mk. zur Hilfskassc der Deutschen Rechtsanwälte und verwendete weitere 900 Mk. für Unterstützungen. ** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Als zweite Vorstellung — und zwar als erste Freitagabonnementvorstellung — ist zur Erinnerung an Henrik Ibsen ein Werk des verstorbenen Meisters angesctzt worden. In „Nora", demjenigen Werke Ibsens, das seinen Namen zuerst populär gemacht hat, sind in Hauptrollen beschäftigt die Damen Bayrbammer und v. Jagcmann, sowie die Herren Bakof, Kost und Herrscher. Die Leitung der Aufführung liegt in den Händen des Herrn Obcrrcgisscurs Vakof. *• Selbstmord einer hessischen Lehrerin? Im Hamburger Polizeibericht lesen wir: „Am Sonntag früh wurde in der offenen Elbe die Leiche einer schwarzgekleideten Dame aufgesischt. Anscheinend liegt Selbstmord vor. Die Persönlichkeit dec Toten, die Milte der zwanziger Jahre steht, ist noch nicht ermittelt. Vorgefundenen Auszeichnungen nach scheint die Tote eine Lehrerin aus einer hessischen Stadt zu sein. Alle die, welche irgendwelche Angaben hierin machen können, werden ersucht, sich in Hamburg, Polizeiamt I, zu melden." '* Hessische Hagelstatistik. Nach einer Zusammenstellung von Negierungsrat Knöpfel in der neuesten Nummer der „Hess. Landw. Zeitschrift" wurden im Jahresdurchschnitt des siebenjährigen Zeitraums 1899 bis 1905 von je 100 Gemarkungen des Großherzogtums sechs durch Hagelschäden geschädigt. Die geschädigte Fläche machte 1,4 Prozent des Ackerlandes aus. Der jährliche Hagelschaden betrug 460000 Mk., pro Hektar des gesamten Ackerlandes 1,17 Mk., pro Hektar der geschädigten Fläche allein 84 Mk. Die Versicherungssumme belief sich pro Hektar auf 470 Mk. Von der verhagelten Fläche war nur fnapp. der dritte Teil versichert. Am wenigsten Hagelschaden wurde aus dem Odenwald, mit Ausnahme des oberen Mümlingtales, gemeldet, wahrend andererseits Rheinhessen und die Wetterau schwer unter Hagel zu leiden hatten. Wetzlar, 3. Okt. Die Stadtverordneten beschlossen, zu der bereits früher genehmigten Umsatzsteuer nunmehr auch eine Wert; uwachssteuer einzuführen. — Für den Neubau einer Gasanstalt wurden 165000 Mk. — ausschließlich der schon früher bewilligten 50 000 Mk. zum Geländeerwerb — genehmigt, die bei der hiesigen KreiS- sparkaffc aufgenommen und mit 4 Prozent verzinst werden sollen. (F. Ztg.) h. Frankfurt a. M., 3. Okt. Zu dem gemeldeten Ueberfall im Walde zwischen Walldorf und Mörfelden teilt die Bürgermeisterei Walldorf mit, daß die ganze Angelegenheit eine Erfindung dec zwei unreifen und angetrunkenen Burschen gewesen sei. Die Wunde habe sich Geiger, als er in betrunkenem Zustande mit einem großen Dolchmeffcr hcrumhantierte, selbst unfreiwillig beigebracht. Es ist Anzeige wegen dieses groben Unfugs erstattet. H. Soden i. T., 3. Okt. Bei dem Landwirt Heinrich Dinges wurde ein schwerer Einbruch-Diebstahl verübt. ES mürben entwendet: 3000 Mk. in Hundertmarkscheinen, 2000 Mk. in Gold, ungefähr 1500 Mk. in Silber und ein Depotschein der Frankfurter Bank Nr. 16 649 über ein Depot von 25 000 Mk. Man hat Verdacht auf einen Knecht, der vor einigen Tagen entlassen wurde. [] Marburg, 9. Dff. Noch bevor das Wintersemester seinen Anfang nimmt, werden hier mehrere wissenschaftliche Kurse abgehalten. So begann gestern ein solcher für akademisch gebildete Oberlehrer, das zwar nur 2 Tage dauert. Vom 10. bis 12. Oktober findet dann der hessische und nassauische theologische Ferienkursus statt, zu dem eine große Anzahl Geistlicher und Neligionslehrer aus Heffen- Naffau und dein Großherzogtum Hessen erwartet werden, und endlich wird vom 8. bis 17. Oktober an der medizinischen und Poliklinik ein unentgeltlicher ärztlicher FortbildungSkursus abgehalten, der sich auf das Thema: „Therapie innerer Krankheiten" beschränken wird. Fulda, 2. Okt. Von dem Postzug, der um 1.48 nachm. in Bebra abgelassen wird, ist heute zwischen Hers- feld und Hünfeld die Maschine entgleist. Infolge Gleissperrung mußte der Schnellzug aus Frankfurt auf der hiesigen Station liegen bleiben und fuhr eine Stunde später als fahrplanmäßig (3.50) ab. ** Kleine Mittcl'ungen aus Hessen und d^n N a ch b a r st a a t c n. In Ruppertenrod fiel in einem unbewachten Augenblick ein 17 Monate altes Knäblein in eine zum Ausleeren aufgedeckte Puchlgrube und ertrank. — In Wetzlar wird feit einigen Tagen der 8 Jahre alte Walter B o n i g vermißt. — Pfarrer Weber in Dalheim und seine Haushälterin sind nach dem Genuß von Bückingen unter Vergiftungserscheinungen erkrankt; sie befinden sich jedoch jetzt außer Geiahr. — In K e r h e i m e r s ch o ß sich der verheiratete Weinbergschütze Georg W e h r h e i m mit seiner alten Wingertvistole, die er mit Wasser geladen hatte. Der Kops wurde ihm vollständig auseinandergerissen, sodaß die Gehirnmassen bis zur Decke flogen. Er hinterläßt Frau und zwei Kinder. Die Gründe der Tat sind noch unbekannt. — Der 13jährige Schulknabe Otto Braun aus Sangen- selbold wollte dort auf einen schon in Bewegung befindlichen Zug der Hanauer Klembahn springen. Er glitt auS und fiel unter die Räder. Schwer verletzt wurde er in das Hanauer katholische Krankenhaus gebracht, wo er alsbald seinen Verletzungen erlag. Regelung des Verkehrs mit Kraftfahrzeuge«. Am 1. Oktober traten neue polizeiliche Vorschriften zur R e - gelu ng des Verkehrs mit Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Wegen und Plätzen in Kraft. Die Regierungen sämtlicher deutschen Staaten haben vereinbart, den Verkehr mit Kraftfahrzeugen einheitlich zu regeln, so, daß vom 1. Oktoberl. Js. ab eine erhebliche Besserung der Verhältnisse zu erwarten ist. Es dürfen, wie die „Darmst. Ztg." offiziös mitteilt, in Zukunft durch das zuständige Kreisamt nur solche Kraftfahrzeuge (b. h. Kraftwagen unb Krafträder) zum Verkehr auf öffentlichen Wegen und Plätzen zugelassen werden, die den Vorschriften der Verordnung über beit Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 24. September 1906 entsprechen; daß diese Voraussetzung erfüllt ist, muß durch Vorlage des Gutachtens eines amtlich anerkannten Sachverständigen nach- geiviesen werden. Die Kraftfahrzeuge, die unter da? Reichsstempelgesetz vom 3. Juni 1906 fallen, dürfen zum Verkehr erst dann zugelaffen werden, wenn bei dem zuständigen Hauptsteueramt der Reichs- ftempet entrichtet ist. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, dann wird durch das Kreisamt dem Fahrzeug eine Erkennungsnummer zugeteilt. Aus nachstehendem Man ist zu ersehen, welche Kennzeichen in den einzelnen deutschen Staaten geführt werden. Für Hessen kommt in Betracht die römische Ziffer V; und außerdem für Starkenburg der Buchstabe 8, also V 8, für Oberhessen der Buchstabe 0, also V 0 und für Rheinhessen der Buchstabe R, also V R; ferner wird jedem Fahrzeug eine Nummer zugeteilt. Es ist Sache des Besitzers des Fahrzeugs, daS Kennzeichen an der Vorder- und Rückseite des Fahrzeugs anbringen zu lassen; das am Fahrzeug angebrachte Kennzeichen wird mit dem Stempel des zuständigen Kreisamts versehen; das rückwärtige Kennzeichen muß bei Dunkelheit beleuchtet werden. In Zukunst darf das Führen von Kraftfahrzeugen (d. h. Kraftwagen und Krafträdern^ nur solchen Personen gestattet und nur solchen Personen überlassen werden, die mit den Einrichtungen und der Bedienung des Fahrzeugs völlig vertraut sind und sich hierüber durch ein von einer sachverständigen Behörde oder einem amtlich anerkannten Sachverständigen ausgestelltes Zeugnis au§- weisen können. Nur ausnahmsweise kann Personen unter 18 Jahren vom Kreisamt die Erlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen erteilt werden. Alle weiteren Einzelheiten sind aus der Verordnung selbst ersichtlich. Plan für die Kennzeichnung der.Kraftfahrzeuge. 1. Preußen: Ziffer I und für die Provinzen die Buchstaben A. C, D, E, H, K, ML P, S, T, X, V Z, mithin I A. I C ufw. 2. Bayern: Ziffer H und Buchstaben A, B usw. 3. Sachsen (Königreichs: Die Ziffern I. II, III, IV, V. 4. Württemberg: Ziffer IH und Buchstaben A, B usw. 5. Baden: Bi ff er IV und Buchstaben A. B usw. 6. Hessen: Ziffer V und Buchstaben S, O oder R. 7. Mecklenburg-Schwerin: M I 8. Sachsen (Großherzogtum): 8. 9. Mecklenburg-Strelitz: M II. 10. Oldenburg : O. 11. Braunschweig : B. 12. Sachsen-Meiningen: S ML 13. Sachsen-Altenburg : S. A. 14. Sachsen-Koburg-Gotba: K. G. 15. Anhalt: A. 16. Schwarzburg-Rudolstadt: S R. 17. Schwarzburg-Sondershcnisen: S S. 18. Waldeck: W. 19. Renß ältere Linie: R. A. 20. Reuß jüngere Linie: R. I 21. Schaumburg-Lippe: S L. 22. Lippe: L. 23. Lübeck: H.L. 24. Bremen : H B. 25. Hamburg : H H. 26. Elsaß-Lothringen: Ziffer VI und Buchstaben A, B usw. Wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht. th. Gießen, 4. Okt. In der gestrigen letzten Verh-andkung vor den Geschworenen hatte sich der 24 Jahre alte, als 14jähriger Mensch wegen Körperverletzung mit vier Wochen Gefängnis vorbestrafte Monteur Heinrich Wargand aus Frankenthal in Bayern zu verantworten. Anklagevertreter war Staatsanwalt H o o s, Verteidiger Rechtsanwalt Peters. Der Tatbestand der Anklage ist: Wargand, der für eine Mannheimer Firma in M e r k e n f r i tz an der Kesselanlage für das dort zu errichtende Elektrizitätswerk arbeitete, war am 12. August d. I. in Hirzenhain. Er hat dort viel Bier getrunken, behauptet aber, nüchtern gewesen zu sein. Nachts kam es auf der Straße zu einer unbedeutenden Rempelei zwischen Wargand und einem jungen Burschen aus Hirzenhain, worauf der erstere einen Revolver aus der Tasche zog und aus einer Entfernung von 3 bis 5 Schritte auf den EmmaiTeur Georg Merkling einen Schuß abgab. Die Kugel traf die Brust Merklinsls, glücklicherweise prallte sie aber an dem sogenannten Brustbein ab und verursachte nur eine geringe blutende Wunde. Der Angeklagte wikl in Notwehr 'gehandelt haben und behauptet, daß er geglaubt hat, mehrere Burschen wollten ihm zu Leibe. Die Beweisaufnahme ergab aber, daß jene Burschen erst an den Angeklagten herankamen, als der Schuß gefallen war, sie wollten eben sehen, warum geschossen worden war. Staatsanwalt H o o s plaidierte auf Tötungsversuch, trat aber dafür ein, daß dem noch jungen Angeklagten mildernde Umstände zu bewilligen seien. Rechtsanwalt Peters führte aus, sein Klient habe geglaubt, sich in Notwehr zu befinden, er habe nur abwehren wollen einen ihm unmittelbar bevorstehenden Angriff. Sei dem so, so müßte auf Freisprechung erkannt werden. Zweifellos siege aber kein Totschlagsversuch vor, müsse man den Angeklagten bestrafen, so könne dies nur wegen Körperverletzung mittels esirer Waffe geschehen. Die Geschworenen bejahten die Frage wegen ver-- suchten Totschlags unter Zubilligung mildernder Umstände, worauf der Gerichtshof auf 1 I ahr Gefängnis erkannte, auf welche Strafe ein Monat der erlittenen Untersuchungshaft in Abrechnung kommt. Der Antrag des Staatsanwalts hatte auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis gelautet. vermischtes. • Ein Flachsmann-Drama bat sich soeben in Hamburg abgespielt, wo bekanntlich Otto Ernst, der Verfasser des zu weitem Rufe gelangten SchuldramaS, lebt und Jahre lang als Volksschullehrer wirkte. Ein seit einer Reihe von Jahren an einer dortigen Volksschule in Diensten stehender Lehrer wurde entlassen, weil sich herauSgestellt hat, daß seine Papiere gefälscht waren. Durch einen Zufall wurde auf Grund privater Nachforschungen festgestellt, daß der allgemein geschätzte Lehrer niemals eine Prüfung bestanden hat. "Der König und der Anarchist. Ein Londoner Blatt meldet auS Mailand, daß König Viktor Emanuel vor einigen Tagen in größter Lebensgefahr schwebte. Er wohnte im Palast zu Racconigi und ließ sich einen Kine- matographen vorführen. Rach der Vorstellung rief er den Eigentümer des Apparates zu sich, gab ihm die Hand, unterhielt sich mit ihm, und verabschiedete ihn sehr leutselig. Später entdeckte die Polizei, daß der Veranstalter der Kine- matographen-Vorstellung ein notorischer Anarchist namenS Tutto war. Er wurde schleunigst verhaftet. * Auf eine Heiratsannonce, nach der ein hübsches junges Mädchen mit 100 000 Mk. Mitgift einen passenden Lebensgefährten suchte, sandte ein junger Beamter von Dahlhausen, dem die Sache recht vorteilhaft vorkam, eine Offerte ein. Postwendend erfolgte ein Brief, worin die Photographie der reichen Dame gegen Nachnahme von drei Mark angeboten wurde. Einverstanden. Das Bild kam und gefiel. Sofort schrieb unser Kandidat nach Berlin und erklärte sich zur Hochzeit bereit. Einige Tage später kam die Botschaft, daß die Dame leider schon „anderweitig vergeben" sei. Das Heiratsbureau fin.+te aber noch andere Damen „auf Lager". Es erklärte sich bereit, drei Photographien gegen Nachnahme von neun Mark zur Auswahl zu senden. Auch jetzt merkte der Jüngling noch nichts Böses. Die Bilder trafen ein. Kaum hatte er die Auswahl getroffen und wollte antworten, als die Mitteilung kam, daß alte drei Damen „vergriffen" seien. Die Ber-? liner Firma empfahl weitere Photographien das Stück zu drei Mark. Doch jetzt roch der Liebende Lunte und merkte, da er ferne zwölf Mark los war, was für ein Schlauberger der Firmeninhaber gewesen. Kunft und Wissenschaft. — Ein neuer „N o r a" - S ch l u ß. Aus Wien wird geschrieben: Daß Ibsens „Nora* vom Dichter selber einst einen anderen versöhnenden Schluß erhalten, weiß man; man kennt die von der unvergessenen Hedwig Niemann-Raabe als erster deutscher Nora einst gespielte Schlußszene, wo der Gatte sie fragt, ob sie nicht noch einmal, ehe sie geht, nach den Kindern sehen will, und wie da, ganz geaen den Geist des Stückes, urplötzlich die Versöhnung erfolgt. Das Wiener Burgtheater dar? sich rühmen, nun noch einen neuen Schluß gebracht zu haben, in demselben versöhnlichen Sinne, aber gewissermaßen „diskreter". Es geschah das nun zwar nicht ganz frehoififq, immerhin ist es geschehen und roitrbe viel bemerkt. Bei der letzten Darbietung des Werkes ereignete es sich nä'mlicb, daß zum Schluß Frau Retty-Nora, nachdem sie sich von Herrn Dcvrient-Hellmer verabschiedet hatte, statt fortzugehen, an der Tür stehen blieb, bis daß der Vorhang fiel. Sie hatte es nicht fertig gebracht, das „Puppenheim" zu verlaßen, im letzten Moment versagte ihr die Kraft. So hatte man meinen können. In der Tat, dieser Nora fehlte die Kraft. Aber nicht die seelische. Denn trotz aller Anstrengung war es Frau Betty nicht gelungen, die Tür auszubekommen. So mußte sie sich denn vor dieser Tür beugen, die da zu streiten gewillt war, zu streiten gegen die zarte Hand der Darstellerin und somit gegen Ibsens Geist und den Geist des Stückes. — In München starb am 1. Oktober der auch bei uns in Gießen beliebte Tier- uird Landschaftsmaler Professor Ehr. Mali. Universitäts-Nachrichten. Hamburg, 3. Okt. Die Bürgerschaft nahm den Antrag auf Schaffung einer Professur für Nationalökonomie mit Hinzufügung des Wunsches an, daß der Senat baldtunlichst der Bürgerschaft eine Vorlage zugehen laßen möge, durch welche eine organisierte Hochschulbildung f ü r Kaufleute vorgesehen wird. — Dr. Benediktus Niese, ordentlicher Prokeffor der alten Geschichte und klassischen Philologie an der Universität Marburg wurde als Nachfolger von Ulrich Wilckens nach Halle berufen. — In Newyork wurde eine sozialistische Hochschule mit 90 Studenten eröffnet. Unter den Profeßoren befinden sich zwei Mitglieder der kolumbischen Universität. Landwirtschaft. p. Aus demKreis Wetzlar, 4. Okt. Infolge des Gebirgsschutzes gegen die kalten Nordwinde und der 22 395 Hektar Wald, der bekanntermaßen Hitze und Kälte regelt, hat unser Kreis durchweg ein mildes Klima. Deshalb können alle Obstsorten, auch edle, bei uns gut sortkommen. Hierzu tritt noch, daß erst 10 Dörfer von den ca. 80 Ortschaften des Kreises hoher als 300 Meter und nur zwei — Greifenstein und Hohensolms — über 400 Meter liegen. Auf der etwa 40 Prozent des Kulturlandes ausmachenden Acker- und Gartenstäche wird denn auch dank der rührigen Arbeit der .Kreisverwaltung jetzt ein ergiebiger Obstbau betrieben. Durch Abhaltung von entsprechenden, unentgeltlichen Unterrichtskursen sucht sie ibn immer noch mehr zu fördern. Bedeutet doch schon heute der Obstbau eine Haupteinnahmcquelle unserer Landteute, zumal der Zentner guten Tafelobstes z. Zt. mit 12—15 Mk. bezahlt wird. — Der „MarchS Fran?ais" teilt mit, die französische Getreideproduktion habe in diesem Jahre 130974 396 Hektoliter betragen gegen 129 531 263 Hektoliter im Vorjahre. Der mittlere Ertrag für das Hektar betrage 20,21 Hektoliter, das ist 0,28 Hektoliter mehr als im Vorjahre. Diese Zunahme übertrifft die amtlichen Schätzungen. Gerichtssaal. Leipzig, 3. Okt. Das Schwurgericht verurteilte den Tischler Franz Köhler wegen vollendetem schwerem Totschlags, Totschlagsoersuchs und schweren RücksalldiebstahlS zu lebenslänglichem Zuchthaus, weiteren 12 Jahren Zuchtbaus und dauerndem Ehrverlust. Köhler hatte am 10. Juli den Schutz- m a n n Tag erschossen. — Arbeiter Reetz erhielt wegen vollendetem schweren Rückfalldiebstahl; 4 Fahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Hannover, 3. Okt. Wegen vorsätzlicher Tötung seiner eigenen Mutter wurde vom Schwurgericht heute Abend der 25 Jahre alte Arbeiter Otto Baqhermaun zu 12 Jahren 3 Monaten Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Er hatte, um fiel in den Besitz von Geldmitteln zu setzen, wahrscheinlich in der Sylvesternacht seine 55 Jahre alte Mutter, die Wäscherin Karoliue Buehrmauu, erwürgt und stahl zwei Sparkassenbücher. Die Leiche wurde erst vier Wochen nach der Tötung in der verschloßenen Wohnung im Bette ausgefunden. Der Rheinisch-Westfälische Effektenmarkt. Tagesbericht der Firma Walter Hammer st ein. Mülheim a. d. Ruhr, 3. Okt. 1906. Aus dem Kohlenkurenmarkt entwickelte sich ein lebhaftes Geschäft m einigen Werten, ohne daß die Kurse nennenswerte Veränderungen aufwiesen. Alte Haase, Altendorf, Anneliese, Borussia, Earolus Magnus, Eharlotte, Freie Vogel, Langenbrabm, Lothringen, Mont Cenis, S ' ürbank, Tremouia, Trier und Viktoria b. Kupkerdreh wurden gehandelt. Die übrigen Werte lagen ohne Jntereße. Der K a l i k u r e n in a r k t lag ziemlich unverändert und neigte zur Schwäche. Gehandelt wurden Justus-Aktien, Neu-Bleicherode, Prinz Adalbert, Beienrode, Güntershall, Hansa Silberberg, Hohenfels und Wilhelmshall. Bessere Nachfrage bestand für Kaiseroda und Wintershall. Ter Erzkuxenmarkt lag ruhig. Die Kurse waren kaum verändert mit Ausnahme von Concordia, welche um ca. 100 Mk. anzogen. Aon Braunkohlenkuxen wurden Bellerhammer, Lucher- berg, Humboldt, Schallmauer mehrfach umgeseht. Der Markt ist fest. Arbeiterbewegung. Aachen, 3. Okt. Die Direktion des Hüttenvereins „Rote Erde" erklärte einer Arbeiterabordnung, die zum Zwecke einer baldigen Beendigung des Ausstandes bei ihr vorsprach, die Situation sei lediglich durch die Arbeiter verschuldet. Die Arbeiter allein könnten eine Aenderung herbeisühren, wenn sie zur Zeit kämen. An zuständiger Stelle wird. die Nachricht, der Stablwerksverband habe beschlossen, die Generalsperre zu verhängen, wenn binnen 14 Tagen der Ausstand nicht beendet sei, für unbegründet erklärt. Zwickau, 7. Okt. Die Hand - und Maschinenstricker im Schneebergbezirk sind in eine Lohnbewegung getreten. Sie fordern einen Minimaltarif für alle Artikel und Rapporte sowie für die Benutzung der Fädelmaschincn und Garnlieferung zum Selbstkostenpreise. Infolge der Lohnbewegung in der Edel- metallindustrie in Hanau, Schwäb''sch-Gmstnd, Pforzheim schweben Verhandlungen über fri? Schaffung einer Arbeitgebervercinigung für ganz Deutschland. Athen, 3. Okt. Die Eisenbahnangestellten der alten Bahnlinien Pyräos und Pelopones sind heute in den Ausstand getreten. Der Verkehr ruht vollständig. Schisf-irachrichten. Red Star Linie. Der Postdampfer „Zeeland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 1. Oktober wohlbehalten in New-Pork angekommen. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag, den 5. Oktober: Wieder stärkere Trübung und Regen. Temperatur nicht verändert. Auffrischende südliche Winde. Original-Drahtnrelduilgerr. Berlin, 4. Okt. Unter der Anklage der Majestätsbeleidigung stand der frühere VorwärtS-Redakteur EiSner vor der 2. Strafkammer des Landgerichts 2. Auf Grund der Notizen zweier Gendarmen soll er in einer Versammlung gegen das Volksschulgesetz nichtachtende Bemerkungen über das Hohcnzollernhaus gemacht haben, die sich auf den jetzigen Kaiser hätten beziehen müssen. Der Staatsanwalt beantragte 4 Monate Gefängnis, der Gerichtshof erkannte nach kurzer Beratung auf Freisprechung mit der Begründung: „Wenn die Gendarmen zweifellos die beste Absicht gehabt hätten, in ihrem Bericht Richtiges zu melden, so fehle es ihnen doch wohl an der nötigen Bildung, um den Gedankengang eines Mannes, wie des Angeklagten durch kurze Notizen zweifelsfrei festlegen zu können." Kassel, 4. Okt. Bei einer Besprechung über den Theater-Neubau teilte Generalintendant v. Hülsen in der Stadtverordnetenversammlung mit, das Hausministerium werde außer den bewilligten 6 00 000 Mk. noch 700000 Mk. erbitten. Leipzig, 4. Okt. Die Stadtverordneten lehnten einstimmig eine vom Rate vorgeschlagene Abänderung des Dreiklassenwahlrechts in ein Wahlrecht nach den Berufs ständen ab. Kreuznach, L. Okt. In dem benachbarten Bretzenheim äscherte heute nacht ein Großfeuer zwei Wohnhäuser mit Nebengebäuden und drei Scheuern mit sämtlichen Futtervorräten ein. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Chemnitz, 4. Okt. In der bedeutenden Frankenberger Tabakindustrie versuchte der sozialdemokratische Tabakarbeiterverband eine Lohnbewegung hervorzurufen. Eine Versammlung verlief indes wegen schwachen Besuches resultatlos. Bamberg, 4. Okt. DaS Schwurgericht verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den Gendarmen Schlöreth ans Pforzheim wegen Ermordung seiner Geliebten zu 5 Jahren Gefängnis. Der Staatsanwalt dürfte Revision einlegen. Paris, 4. Okt. Ein mit der indo-chinesischen Post eingetroffenes Blatt meldet unter Vorbehalt, daß der König von Annam, Anton Martin, mehrere seiner Frauen hinrichten ließ, sowie den ältesten Prinzen seines Hauses durch einen Reoolvcrschnß tötete. Der König weigerte sich, den französischen Residenten zu empfangen. Nantes, 4. Okt. Die Kassiererin einer hiesigen Zeitnng und deren Bruder, ein Steuereinnehmer, ertränkten sich in der Loire. Die Gerichtsbehörde ordnete die Untersuchung der den beiden anvertrauten Kassen an. Petersburg, 4. Okt. In den letzten sechs Tagen fällten die Feldgerichte 2 5 Todesurteile. Die Gesamtzahl der von ihnen gefällten Todesurteile beträgt bis jetzt 54. Warschau, 4. Okt. In Minsk wurde das dem ältesten Zweige der preußischen Familie Radziwill gehörige Schloß Niewifs teilweise durch eine FeuerSbru nst zerstört. Tiflis, 4. Okt. Heute, am Tage der Gehaltszahlung, wurden hier durch bewaffnete Räuberbanden die Kassierer von vier Instituten ans offener Straße überfall en und großer Geldsummen beraubt. Es gelang nur, einen der Räuber zu verhaften. Newyork, 4. Okt. Auf der Pennsylvania Division der Ncwyorker Zentral bahn wurden drei Versuche gemacht, in frevelhafter Weise ein Unglück herbeizuführen. Schienen und Balken wurden quer vor einer Brücke in bet Nähe von Sencva über das Geleise gelegt. Ein Strecken- Wärter verhütete das Unglück. — 9hn 2. dss. Mts. nachts stürmte eine blutgierige Menge das Gefängnis in Mobile (Alabama), um einen Neger zu lynchen, weil er ein kleines Mädchen schwer angegriffen haben soll. Die Türen des Gefängnisses wurden mit Stangen der Telephon- leitung eingerannt und die Gefängnismannschaften beschossen. Inzwischen gelang es dem Neger, durch eine Hintertür sich in Sicherheit zu bringen. Dabei wurde ein Mann getötet, eine Anzahl wurde verletzt. Te&efomscfoe Kursberichte des Giessener Anzeigers, mito-eteilt von der Bank fllr Handel und Industrie, Ole«qon. Frankfurter Rör««». 4. Oktober, 1.15 Uhr. Beichsanleihe 98.60 Portugiesen III Türkcnlose . . . . 146.60 . 97.35 3°/0 Mexikaner . 4y°/0 Chinesen . 53 90 89.00 68.40 4% Oesterr. Gold reute. . 4*/s Gestern Silberrente Unaar. Goldrente . . Italien. Pente . . . Portugiesen Serie I . 4% Griech. Monopol-Anl. X% äussere Argentinier . do. Konsols do. Hessen . . Oberhessen russ.Staatsanl. 1905 4y°'o jr.pan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 86.55 98.65 8G 55 97.95 Elektriz. Lahmerer . . . Elektriz. Schnobert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Benrwerk . Hamburg - Amerik. Paketf. Harpen er Bergwerk. . . Lanrahiitte Nordd. Lloyd Ober sei iles. Eisen-Industrie Berliner Handelsses . . "Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . Deutsch-Asiat. Bank . . Diskonto-Kommandit. . . Dresdner Bank . . . Kreditaktien Baltimore- und Ohio- Ei sent ahn . Gotthardbahn Lombard. Eisenbahn . . 3)47- 3% 3147- 3% 3147- 314°', 4-4 3% 3% 99 30 100.10 95.40 102.70 69.40 70.50 A6.30 93.40 94 20 Aktien: Bochum Guss . . . . 244.90 Gestern Staatsbahn . . Prince-Hcnri-Eisenbahn Buderus E. W . ... 128.60 144.50 129.75 247.10 227.00 158.80 216 30 248.50 126.70 131.90 173.50 139 70 240.00 173.00 184.20 15S.50 212.00 125.25 37*00 146.30 146.50 Tendenz: ruhig. Berliner Börne, Canada E. B 182.80 Darmstädter Bank . . . 139.60 Deutsche Bank .... 240.20 Dortmunder-Union C. . . 84 50 Dresdner Bank .... 158.60 Tendenz: ruhig. - Oktober. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 215.70 Lanrahiitte 248.60 Lombarden E. B. ... 37.40 Nordd. Lloyd 126.80 Türkenlose 147.40 Mrbeitsvergebuug. Nachstehende Arbeiten zum Neubau des Stadttheaters in Gießen sollen im Wege des öffentli^jen Angebotes vergeben werden. 1. Steinbildhanerarbeiten. 2. Lieferung von Granitstcinen ca. 15 ebnu Zeichnungen, ArbcitSbeschreibungen, Bedingungen und Angebots« formularc liegen im Bureau des Architekten Hans Meyer, Westanlage 6, dahier, zur Einsicht offen und können daselbst zum Selbstkostenpreis erhoben werden. Die Angebote find bis zum Eröffnnngstermin am Donnerstag, den 18. ds., vorm. 11 Uhr, mit entsprechender Aufschrift versehen, portofrei an uns cinzureichen. Gießen, den 3. Oktober 1906. x«/ Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Samstag, den 6. Oktober 1906, vormittags 10 Uhr, sollen im Bürgermeistereigebäude die in den Forstwarte,en I und III (Brück und Geisel) sowie in der Forstwartei Hangelstein (Lotz) sich ergebenden Birken-Befenrciser, geschätzt im ganzen auf 70 bis 80 Wellen, in verschiedenen Losen meistbietend versteigert werden. Gießen, den 3. Oktober 1906. ß07190 CT^reunbl. möbl. Zimmer zu ner- 0 mieten. Steinstr. 10, III. Sch. möbl. gr.Part.-Zimmer per sofort zuvertn. Ludwigspl.8. [6006 Schön möbl. Zimmer zii vermieten. Schanzeustrabe 4, 1 Tr. 07254] nächst der Bahnhofstr. 2 möbl. Zimmer zu vermieten. 07234]__________Asierweg 2. Schön möbliertes Zimmer zu vermieten. [07239 Blerchstraße 6, Nebeuhauö. Niöbl. Zimnier sofort zu ver» mieten. Bahnhofstr. 59, I. fr975 Möbl. Wohn- u. Schlafzimmer zii v. Hofmaiiiisir. 4, pt. [5991 Niöbl. Zimmer zu vermieten. 5990 Seltersweg 73, I. I Lj&den etc' | Großer Laden Seltersweg, zu vermieten. 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