Nr. 155 Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr. T. Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieß«, Erscheint tlgNch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gic&eiter Zamilienblatler" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Reifliche Landwirt* erscheint monatlich einmal. Zweites Blatt L5G. Jahrgang Donnerstag 5. Juli 1806 yjS®w X zfX Kav. A a. aa aa a a I a A jsa Rotationsdruck und Verlag bet Vrühl'sch« fW*"? WM WW Universitätsdruckerei. R. Lange, Gieße«. UJIVyVIivl olljviyil General-Anzeiger. Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. politische Lagesschar». Ein ander Bild. In führenden italienischen Blättern ist der Wind nach der D reib und ecke nmgesprungen. Die Mailänder Presse richtete die herzliche Bitte an Kaiser Wilhelm, zum Besuch dec Ausstellung nach Mailand zu kommen und durch eine Zusammenkunft mit König Viktor Emanuel die beste Antwort auf die Stimmen des Neides und der Bosheit zu geben, welche die Harmonie des Dreibundes zu stören versucht hätten. Wobei freilich unerwähnt bleibt, daß auch Mailänder Blätter an dieser Störung beteiligt waren. Gleichzeitig markieren Pariser Preßorgane, darunter der offizöse „Temps", Unzufriedenheit mit dem .italienischen Minister Litton i, weil er angeblich beim Abessynienvertrag mit Frankreich und England Schwierigkeiten macht, und überhaupt auf den Dreibund viel größere Rücksicht nimmt, als seine Amtsvorgänger. Dieses Ränkcspiel der guten Freunde Italiens ist zu durchsichtig, um nicht vom Minister Tittoni nach Gebühr gewürdigt zu werden. Man macht Italien den Vorwurf „übermäßiger Bundestreue", um zu rechtfertigen, daß man ihm ein vergleichsweise nur geringes Maß von Nutznießung am Abesiynienvertrag einzuräumen willens ist. Es wird abzuwarten sein, ob Tittoni sich verblüffen läßt. Verdächtige Höflichkeit. R Berlin, 4. Juli. Die Berliner Geschäftsstelle der kaiserlich russischen Finanz- und Handelsagentur wird zum Herbst d. I. aus dem Westen, dem „Geheimratsviertel", ms Zentrum der Stadt verlegt werden. Der neue Leiter der Agentur, Staatsrat von Miller, beabsichtigt, in rege persönliche Beziehungen zu den führenden Männern der hiesigen Kaufmannschaft zu treten, um sich über die Wünsche und Bedürfnisse der maßgebenden Kreise im deutsch-russischen Handelsverkehr bestens zu informieren. Im Zentrum Berlins liegt aber auch die Börse, und es sei dahingestellt, ob der Staatsrat nicht auch den Auftrag hat, mit der Hochfinanz Fühlung zu gewinnen, um für eine neue russische Anleihe, deren Notwendigkeit in nicht ferner Zeit unnachweisbar werden dürfte, Stimmung zu machen. Die Geflifientlichkeit, mit der der Vertreter des russischen Finanzministeriums den Wünschen der Berliner Kommerzkreise entgegenzukommen trachtet, erscheint nicht ganz unverdächtig. Wenn der Russe höflich wird, zumal 'm Handelsverkehr, dann ist Vorsicht geboten. Frhr. v. Tschirschky. Es ist wohl als eine Folge der Erkrankung des Fürsten Bülow anzusehen, daß bet Staatssekretär des Auswärtigen, Frhr. v. Tschirschky, stündig in der Begleitung des Kaisers sich befindet. Er ist seit der Vertagung des Reichstages nur vorübergehend in Berlin gewesen. Die gleiche Art der Repräsentation war bei dem früheren Staatssekretär Frhrn. v. Richthofen nicht zu bemerken. Es tritt darnach jetzt mehr die diplomatische, als die reine Verwaltungsseite dieses Staatssekretariats in Geltung, und Frhr. v. Tschirschky wird in der nächsten Parlamentssession in der Lage sein, in Sachen der hohen Politik die Regierung rednerisch zu vertreten, was Frhr. v. Richthofen während seiner Amtszeit nicht ein einziges Mal getan hat. Aus dem Umstand, daß Frhr. v. Tschirschky den eigentlichen Verwaltungsdienst in Berlin weniger regelmäßig versteht, erhellt auch der unveränderte Wille der Regierung, die kolonialen Angelegenheiten vom Auswärtigen Amt ressortmäßig zu trennen. * Ter Wettbewerb auf See. Den Bemühungen der argentinischen Regierung um Begründung einer neuen Schnelldampfer Verbindung mit Europa ist Erfolg beschieden. Englische Rhedereien haben sich bereit finden lassen, unter den von der Regierung in Buenos-Ayres gestellten Bedingungen eine Anzahl schnell- fahrender Dampfer unter argentinischer Flagge für den regelmäßigen Verkehr zwischen London imd Bnenos-Ayres in Dienst zu stellen. Es handelt sich bei dem Unternehmen in der Hauptsache um den Massentransport von Fleisch und Fleischivaren, worüber mit zwei argentinischen Schlachlhausfirnden langfristige Kontrakte abgeschlossen sind — eine Folge der Abweisung des amerikanischen Büchsenfleisches von den europäischen Märkten. Den deutschen, den Verkehr mit Argentinien vermittelnden Rhedereien erwächst aus der Gründung dec englisch-argentinischen Schiffahrtsgesellschaft eine Konkurrenz, andrerseits aber aus dec rapid steigenden Warenausfuhr Argentiniens neue Verdienstgelegenheit, die mit erstklassigem Schiffsmaterial wahczunehmen sich verlohnt. Wohl zu diesem Zweck erhöht jetzt die Hamburg- Südamecikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft ihr Betriebskapital auf dem Anleihewege um 10 Millionen All. Zur Geburt des deutschen Thronerben. Unser Berliner R.-Mitarbeiter schreibt uns unter dem 4. b. 2R.: c. _ Ein nationaler Festtag — das war die Signatur m den sonnendurchglühten Straßen der ReichslMUptstadtam heutigen Vormittag. Offiziere in Gala eilten durchs die . Straßen, von allen Seiten wogte der Menschenstrom den historffchen „unben zu — kurz, es herrschte eine Bewegung, eine unruhige '^tunm- nng, daß über die säwrenweise in der Friedrichstadt lisitwandelnden heimflüchtigen-yiu s s en eine bange Erinnerung an die Borgange an der Newa, Moskwa usw. gekommen sein mag. -out erdenklichen Zei n ist die Nachfrage nach dem „NeidManz. Nicht w ungestüm gewesen, wie die nach der heutigen Sonderausgabe. Telephonanschluß zu erhalten, hielt um die Mittagszeit überaus schwer. An den öffentlichen Ferusprechstellen, m Zigarr^n- aeschäften, Restaurationen — überall standen froh gestiMNite Leute, das noch druckfeuchte Zeituugsblatt in der Hand, um mc ö-renbci:- botfchast weiterzugeben. Am Nachmittag, wurde rüstig, vand angelegt zu Vorbereitungen für eine festliche Illumination, zu patriotischen Feierii, wie die rege Nachfrage nach Büsten des Kronprinzenpaares erkennen ließ. Und die politischen Bemerkungen, die aus den Straßengesprächen herausklangen? Nun, sie spiegelten das nationale Empfinden in einer Stärke wieder, daß über die unveränderte Festigkeit des Bandes der Treue, das sich um die Nation und das Haus Hohenzollern schlingt, kein Zweifel sein kann. Die „Voss. Ztg." trifft den Nagel auf den Kopf, wenn sie schreibt: „Die Anhänglichkeit an irie Dhnastie wurzelt so tief im Volte, paß auch bei Irrungen der Politik der republikanische Gedanke bei der überwältigenden Mehrheit keinen Boden gewinnen kann." So ist es in der Tat. Der Ausdruck freudiger Teilnahme des Volkes an dem Ereignis, durch das die Thronfolge des Hauses Hohenzollern wiederum in der dritten Generation gesichert ist, trägt das Gepräge der Wahrhaftigkeit. Die Sonderausgabe des „Reichsauz." bringt folgende Bekanntmachung: Ihre K. H. die Frau Kronprinzessin des deutschen Reiches und von Preußen ist heute vormittag 9 Uhr 15 Min. im Marmor- Palais zu Potsdam zur Freude S. M. des Kaisers und Königs, I. M. der Kaiserin und Königin und des ganzen königl. Hauses von einem Prinzen glücklich entbunden worden. Dieses freudige Ereignis wurde der hiesigen Einwohnerschaft durch die üblichen Kanonenschüsse bekannt gegeben. Die hohe Wöchnerin sowie der neugeborene Prinz erfreuen sich des besten Wohlseins. Berlin, 4. Juli 1906. Der Minister des königl. Hauses v. Wedel. Die „N o r d d. A l l g. Z t g." schreibt u. a.: Die Thronfolge des ganzen Hauses Hohenzollern ist wiederum in der dritten Generation gesichert, Unser erlauchtes Kaiserpaar nennt seinen ersten Enkel sein Eigen. Wir danken dem Allmächtigen für das Glück, das dem Herrsck-erpaar beschieden war, und teilen bewegt die hohe Freude, die das frohe Ereignis für die Majestäten bedeutet, und wir bringen unsere ehrfurchtsvollsten Glück- und Segenswünsche dem Kaiser und Könige, der Kaiserin und Königin. Möge der junge <->proß der Hohenzollern- Dhnastie, unter deren kaiserlichen .Herrschaft das deutsche Reich zu bedeutender Macht und neuer Blüte gelangt ist, heranwachsen, seinen allerhöchsten Großeltern und erlauchten Eltern zur Freude und zum Segen der Nation zu einer glücklichen Zukunft. Golt schütze und erhalte den Kaiser und die Kaiserin, das kronprinzliche Paar und den neugeborenen Prinzen. * Ferner liegen uns folgende Meldungen aus Berlin vor: Die Geburt nahm einen völlig normalen Verlauf. Der kleine Prinz soll sehr gut entwickelt und sehr gewichtig sein. Die Kronprinzessin hat die Geburt gut überstanden und fühlst sich ungemein wohl. Zwei Berliner Spezialärzte, Geheimrat Professor Burnrn von der Berliner Unwersilät, und Dc. Keller, wurden telegraphisch herbeigecufen und trafen kurz nach 6 Uhr ein. Das über die Entbindung dec Kronprinzessin ausgegebene Bulletin lautet: Die Kronprinzessin wurde früh 9.15 Uhr von einem kräftigen, gesunden Knaben entbunden. Ihr Befinden ist den Umständen nach befriedigend. gez. Burnrn. Keller. In der ersten Stunde zogen viele Hunderte, festlich gekleidet, und Kinder, zum Teil mit Fähnchen, nach den Linden, um dem Lösen des Saluts beizuwohnen. In vielen großen Geschäften waren die Büsten des Kaiserpaares und der fron» prinzlichen Herrschaften ausgestellt. In den Kasinos nahm dec älteste Offizier Gelegenheit, den ersten Toast auf den zukünftigen deutschen Kaiser auszubringen. Die öffentlichen Gebäude und zahlreiche Prioatgebäude haben geflaggt. Der Kaiser, der bekanntlich nm Dienstag die Nor d- lan d reise angetreten hat, ist durch Funkentetegraphie von der Geburt seines ersten Enkels benachrichtigt worden. Die Zahl der Glückwünsche und . Glückwünschenden wächst von Stunde zu Stunde. Au der Stelle, wo das Buch zum Einträgen ausliegt, ist ein andauerndes Kommen und Gehen. Die Zahl der Telegramme, die dem künftigen Erben der deutschen Kaiserkrone begriißt, ist enorm. Als einer der ersten traf der Draht grüß des Kaisers ein. Den ersten persönlichen Glückwunsch gab der Oberhofmarfchall Gras zu Eulenburg ab. Es folgten alsbald die Prinzen August Wilhelm, Friedrich Heinrich, sowie Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold. Gegen 12 Uhr fuhr die "Prinzessin Viktoria Luise mit ihrer Begleiterin vor. Um 41/2 Uhr erschien die kaiserliche Großmutter. Die Kaiserin blieb den ganzen Tag über im Marmorpalais und teilte sich mit den Schwestern dec Kronprinzessin in die Pflege dec hohen Wöchnecin. Erst mit Einbruch dec Dunkelheit kehrte die Kaiserin in das Neue Palais zurück. Wie die , Zentc.-Kocr." wissen will, hat dec Kaiser schon vor seiner Nordlandreise den Termin für die Taufe seines neugeborenen Enkels auf den 12. August festgesetzt. Ferner soll der Monarch bestimmt haben, daß der Prinz den Rufnamen Wilhelm führen soll. Hofprediger Dryander werde auf Anordnung des Kaisers die Taufpredigt halten. Aus gut unterrichteten Londoner Kreisen verlautet, daß König Eduard die Stelle des Taufpaten bei dem Sohne des deutschen Kronprinzen übernehmen wird und deshalb zu mehrtägigem Aufenthalt nach Potsdam kommt. Das königliche Haus Hohenzollern ist durch eine so stattliche Anzahl männlicher Glieder ausgezeichnet, wie sic wohl kaum eine andere regierende Familie aufzuweisen hat. ^cr Kaiser und seine Familie zählen jetzt 8 männliche Mitglieder, nämlich den Kaiser, seine sechs Söhne und der jetzt geborene Enkel. Der Bruder des Kaisers, Prinz Heinrich, hat zwei Söhne (ein dritter ist bekanntlich gestorben); Prinz Friedrich Leopold be)itzt drei Söhne und Prinz Albrectst, Regent des Herzogtums Braunschweig, gleichfalls drei. Zusammen weist das königliche Haus Hohenzollern letzt also 19 männliche Mit- a lieber auf. Der Senior deS Hauses ist Prinz Albrecht, Regent von Braunschweig, der im 69. Lebensjahre steht (geb. 1837). Im besten MauucSalteh stehen der Kaffer (geb. Prinz Heinrich (geb. 1862) und Prinz Diedrich Leopold (geb. 1865). Die Söhne deS Prinzen Albrecht, Prinz Friedrich Heinrich, Joachim Albrecht und Friedrich.Wilhelm zahlen 32, 30 und 26 Jahre. Alle übrigen 12 männlichen Mitglieder des Ranies sind nod) jungen Alters: der Kronprinz ist 24, Prinz Eitel 23, und Prinz Adalbert 22 Jahre. Prinz August Willxlm steht im 20. Lebensjahre, Prinz Ovlar vft 18 Satyrc alt, Xrinj Waldemar ältester Sohn des,Prinzen Heinrich, 17 Jahre und Prinz Joachim, der jüngste Sohn des Kaiser paar es, 16 Jahre. brH Sölmc des Prinzen Friedrich Leopold: p-ncdrich ^igiS- munb (aeb 1891), Friedrich Karl (geb. 1893) und Friedrich Leo- S> (geb 1895) fteTen im 15., 13. und 1L Lebensjahre, Prinz Sigismund endlich, der zweite Sohn des Prinzen Heinrich, ist noch nicht 10 Jahre. Nächst dem Kaiser nimmt Prinz Albrecht den höchsten mili- tärijd^eii Rang unter den Prinzen des Hohenzollern-Hauscs ein, er ist Generalseldmarschatl und General-Jnsvelleur der 1. Armee- Inspektion ; Prinz Heinrich ist Admiral und General der Infanterie, Prinz Friedrich Leopold General der Kavallerie, Prinz Friedrich Heinrich Oberstleutnant und Kommandeur des 1. Brandenburg. Dragoner-Regiments Nr. 2, Prinz Joachim Albrecht Major und Bataillonstommandeur im Kaiser Alexander Garde- Grenadier-Regiment dir. 1, Hauptleute bezw. Rittmeister sind der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich und Prinz Friedrich Wilhelm; Prinz Adalbert ist Oberleutnant zur See, alle übrigen Prinzen sind Leutnants, mit Ausnahme des Prinzen Sigismund und des jüngsten Sprossen des Hauses, welche beide noch keinen militärischen Rang in der Armee einnehmen. Die Meutereien von Mel'ostok. Die zur Prüfung der Vorgänge nach Bjelostok aus Anlaß der dortigen Judenmetzeleien entsandte Ko mm isst on von Dumamitgliedern hat einen Bericht veröffentlicht, der im Auszüge folgendermaßen lautet: Seit der Ermor d un g des dortigen Polizeimeifters Derkatschew waren Gerüchte über einen bevorstehenden Pogrom im Umläufe. Die Polizeimannschaften waren durch die Ermordung mehrerer Mitglieder ihrer Truppe, die sie den Juden zusck)rieben, mngebractyt und Agitatoren reizten die niederen Volksschichten gegen d i e Juden auf und versuchten auck- die Truppen burd) Flugschriften aufzureizen, wobei Juden und Revolutionäre als identisch hin- gestellt wurden. Bereits vor dem 14. Juni erhielten die Feldwebel eines Regimentes den Befehl, den Mannschaften mitzuteilen, daß am 14. Juni eine orthodoxe und eine katholische Prozession siattsinden würde. Juden würden eine Bombe werfen und ein Pogrom würde folgen. Als am 14. Juni die orthodoxe Prozession in die Jnstitutsstraße cinbog, wurde sie aus einem Hause beschossen und einige Teilnehmer bemerkten, daß etwas Zischendes geworfen wurde. Sofort erschienen Truppen, die bereit gehalten worden waren, und feuerten auf die Häuser. Dieselbe Szene wiederholte sich auf dem Bazar, wo die zweite Bombe geworfen wurde. Es folgte bann ein Ueberfall von Vagabunden auf eine Apotheke, und der Pogrom begann. Vagabunden und Polizei plünderten die Läden und raubten Waren, und die Soldaten folgten ihrem Beispiele. Es entwickelte sich eine Hetzjagd auf die Juden, die man aus ihren Hausern trieb, um sie draußen zu erschießen. Auch auf dem Bahnhofe sammelten sich Haufen von Vagabunden, um flüchtende oder entkommende Juden abzufangen, trotzdem der Bahnhof von Dragonern und Infanterie besetzt war und Offiziere der in Bielostot stehenden 3 Regimenter im Bahnhofsrestaurant saßen. Ain 14. Juni traf auch der Gouverneur von Grodno ein, ohne daß sich jedoch Polizei, Soldaten und Vagabunden durch seine Anwesenheit stören ließen. Auch am 15. dauerte das Morden fort. So würden beispielsweise von zehn mit einem Zuge eintreffenden Juden acht sofort getötet. Auch der auf dem Bahnhof anwesende S t a a t s a n w a l t s ch a f t s g e h i l f c und die übrigen dort anwesenden AIntspcrs onen rührten feinen Finger, nm den Gewalttaten gegen die Inden ein Ende zu machen. Nachdem nod) eine Anzahl von Aussagen von Augenzeugen über jene blutigen Vorgänge angeführt sind, geht der Bericht zu folgenden Schlußfolgerungen über: Vor allem ist^bic Planmäßig keit bes Pogroms hervorzuheben, bie an Strafexpebi- tionen erinnert. Wer war ber Organisator? Der G ou - o er n c ur von Grodno Küster. Er war vor dem Pogrom um Entfernung des Pristaw Scheremetjew ans Bjelostok als den Haupthetzer von einer jüdischen Abordnung gebeten, verweigerte dies aber. Entweder wußte er von dem Pogrom und ließ ihm seinen Lauf oder er stand den Vorgängen infolge einer geheimen C&nuaÜ ohnmächtig gegenüber. . Als die Dumaabgg. Jakobson und Schcftel am 15. Juni sich an den Minister des Innern mit ber Bitte um Ergreifung von Maßregeln, um dem Morden Einhalt zu tun, wandten, wurde dieses z u g e s a g t. Ein Erfolg ist aber, wenn solche Maßnahmen überhaupt angeorbnet worden sind, nicht zutage getreten. Die Polizei unterließ von Anbeginn an nicht nur lebe Maßnahme zur Unterdrückung bes Pogroms, sondern entfesselte nod) obendrein durch ihre niederen Organe wilde Leidenschaften. Die Polizei ordnete die Erichieß- ung von Personen an, bie sie zu Revolutionären gestempelt hatte. Sie führte Vagabunden an^als‘ biete plünderten und Juden ermordeten. odnieBltm ist zu bemerken, daß die Militärobrigkeiten die Gewalt in der Stadt vor der Verhängung des Kriegszustandes an sich genommen und bie Stabt Schutzleuten nnb bewaffneten Soldaten ausgeliestrt haben, bie auf Weisung von Schutzleuten und Vagabunden oder nach eigenem Ermessen unbewaffnete Juden, die keinen Widerstand leisteten, erschossen. Von wem ist dem Gouverneur am 14. und 15. Juni die ihm zustehende Gewalt entzogen und diese den Militärbehörden übergeben worden? Diese Frage must das Kriegs- Ministerium aufkläreu. Dem Bericht der Abgeordneten liegt eine Reihe von Dokumenten als Beweismaterial bei. Ein Petersburger Berichterstatter meldet, daß eine allgemeine Panik unter den Juden in allen Teilen Rußlands Platz greift, weit die schwarze Hundert überall antisemitische Unruhen anstifte. Die russische Revolution dauert jetzt anderthalb Jahre. Fast 18 Monate sind verflossen, seit man wehrlose Arbeiter unter Anführung des Popen Gapon niedergeschoffen hat, seit der Schnee am Rewsky-Prospekt vom Blute Unschuldiger gerötet ward. Welch eine Summe von Entsetzlichem hat sich in diesen 18 Monaten int „heiligen, schweigenden Rußland" zugetragen! Wer dereinst die Geschichte dieser latenten russischen Revolution schreiben wird, der wird so Entsetzliches zu berichten müssen, wie dec Geschichtsschreiber der französischen Revolution. Vielleicht noch Schlimmeres. Und noch immer ist kein Ende abzusehen. ' Die Reichsduma ist in ihrer Mehrheit demokratisch und macht daraus kein Hehl. Und was vermag sie? Sie stellt, wie oben berichtet wird, barbarische Greueln fest, vceübk unter den Augen ber Obrigkeit, sie beschließt einstimmig die Vorlegung von Gesetzentwürfen bett, bie Abschaffung der Todesstrafe oder die Agrarfrage, aber die Regierung schweigt dazu, wenn sie sich nicht direkt ablehnend- verhält. Goremykin hält sich passiv, und die schioersten Anklagen gegen sein Kabinett und gegen die Machthaber prallen ab an feiner eisernen Stirn. Man kann aber längst nicht mehr von Fr er h eit v- kämpsem sprechen — es sind vielfach Mörder, die heute der Regierung mit dem Dolch und mit dem Revolver gegen« Überstehen. Und so liegt die große Gefahr vor, daß ein Volk sich an das nackte Verbrechen gewöhnt, an den Mord, an den Raub. Und je länger der gegenwärtige Zustand tNnicrt, beftp stärler tmrb htcjc Gefahr — ein Losbrecheu des bewaffneten Aufstandes Ware beinahe als eine Erlösung zu betrachten. Die Bluthunde, die Verbrechen auf Verbrechen auf sich geladen haben, die den Mob auf Unschuldige hetzten und Bestialitäten verüben ließen, bleiben beamtet. Mag sein, daß der gegenwärtige Zustand noch eine Reihe von Monaten andauert; ein Kompromiß zwischen den Gewalten, die sich setzt bis zum Acußcrsten bekämpfen, gibt es nicht. Und zu allem Haß im Volke kommt noch die Tatsache, daß es im Militär nicht nur gürt, sondern daß auch die verläßlichsten Regimenter glatt sich den Befehlen ihrer Vorgesetzten widersetzen. Selbst die Kosaken lehnen sich auf. Möge dieser Schrecken schier ohne Ende sich in ein Ende ohne Schrecken verwandeln. Deutscher Reich. Berlin, 4, Juli. Der Dampfer „Hamburgs mit dem Kaiser an Bord, begleitet von dem Kreuzer „Leipzig" und dem Depeschenboot »Sleipner", hat gestern abend Kalundborg un Großen Belt passiert. — Reichskanzler Fürst Bülow bleibt bis 26. September in Norderney und geht dann voraussichtlich nach Homburg v. d. H. — Im Herrenhause setzte man heute die Beratung deS Schulunterhaltungsgcsctzes fort. Es wird in der Schlußabstimmung gegen die Stimmen der Linken angenommen. Samstag soll die letzte Beratiing dieses Gesetzes stattsinden. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Die „Brest. 3tg.' bringt die Nachricht, daß die aus nationalen Gründen getroffene Anordnung der Regierung, nach der die polnischen landivirtschaftlichen Saisonarbeiter aus Rußland und Galizien in den Win ter monaten wieder in ihre Heimat zurückkehren in ässen, aufgehoben worden sei. Diese Nachricht ist völlig unzutreffend. Mit Rücksicht auf die Landwirtschaft hat der Minister des Innern angeordnet, daß die Beschäftigung ausländischer polnischer Arbeiter und Familien, die bisher nur ausnahmsweise in den vier östlichen Grenzprovinzen zulässig war, allgemein bis auf weiteres nicht verhindert werben solle, sofern die Familien keine schulpflichtigen Kinder mit sich führen und die allgemeinen Zulassungsbcdingungen erfüllt sind. Selbstverständlich müßen diese Familien ebenso wie die alleinstehenden Arbeiter in den Winterinonaten in ihre Heimat zurückkchren." Hamburg, 4. Juli. Heute fand die Taufe dc§ neuen Schiffes der Hamburg-Amerika-Linie statt. In der Taufcede, die der König von Sachsen hielt, dankte er der Hamburg-Amerika-Linie für die Einladung. Mit besonderer Genugtuung erfülle es ihn, zum erstenmale in Hamburg öffentlich bekunden zu können, daß hier durch die Wafferstraßc der Elbe Sachsen sich unmittelbar an den überseeischen Weltverkehr anschließe. Frau Bürgermeister Burchard ließ hierauf eine Flasche Champagner am Bug des Schiffes zerschellen und taufte das Schiff „König Friedrich August". Nach dem Stapellauf besichtigte der König das BiSmarck-Denkmal. Daran schloß sich ein Besuch der Brandstätte. Der König verweilte etwa eine halbe Stunde. Braunschweig, 4. Juli. Der Zentralverband norddeutscher Brauereien, umfassend die Bezirke Braunschweig, Bremen, Detmold, Hannover, Kiel, Leipzig und Magdeburg, erhöhte den Hektoliter-Bierpreis um 2 Mark. Breslau, 4. Juli. Justizrat Mamroth hat vom Staatsanwalt den Bescheid erhalten, daß die Nachforschungen nach dem Schutzmanne, der dem Arbeiter Biewald eine Hand abschlug, erfolglos geblieben sind. Karlsruhe, 4. Juli. Tie Budget-Kommission der Zweiten Kammer befaßte sich heute nachmittag mit der Heidelberger Schloßfrage, und beschloß, die Regierung zu ersuchen, ein Preisausschreiben für neue Vorschläge zur Erhaltung der Ruine zu erlassen. Köln, 4. Juli. Der Korrespondent der „Köln. Ztg." in Washington telegraphiert: August Rosenberg, dem man anarchistische Gesinnung zuschreibt, reifte am 1. Mai von Seattle nach Hamburg. Um diese Zeit ging der deutschen Regierung ein Warnungsschreibcn aus Seattle zu, sie solle sich auf ein Attentat auf den deutschen Kaiser gefaßt machen und Vorkehrungen treffen. Die bentsche Regierung setzte den hiesigen Konsul in Kenntnis, auf dessen Anregung unternahm die Polizei gestern eine Haussuchung in dem vormals von Rosenberg bewohnten Hause. Es wurde eine vollständige Einrichtung znr Herstellung von Bomben und Höllenmaschinen, sowie ein Vorrat von 200 Flaschen mit Säuren und Sprengstoffen vorgefunden. preußisches Abgeordnetenhaus. Berlin, 4. Juli. Zunächst wird eine Bittschrift des Deutschen Buchdrucker- Vereins zu Leipzig gegen die Erweiterung des Buchdruckereibetriebes in den Strafanstalten nach warmer Befürwortung durch den Abg. Malkewitz (kons.) der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. — Eine Bittschrift des allgemeinen deutschen Zentraloerbandes zur Bekämpfung des A l k o h o l i s m u s zu Bremen wird dem in Bildung begriffenen Zentrulwohlfahrtsamt überwiesen. Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfes über die Zulassung einer Verschutdungsgrenze für land- und forstwirtschaftlich benutzte Grundstücke. Die Kommission empfiehlt die Vorlage zur Annahme. Abg. Dr. Erüger-.Hagen lfrs. Vpt.) hält es nicht für richtig, eine derartig wichtige Vorlage in solcher Eile zu erledigen. Von einer Notlage der Landwirtschaft könne man unmöglich sprechen. Minister v. Podbielski führt aus, es sei die höchste Zeit, die Landwirte den Händen der Geldleute zu entreißen. Ein Weg müsse endlich beschritten werden, um durch Unterstützung der Landwirtschaft die Sanierung herbeizuführen. Abgeordn. Glatze l lntl.) erklärt, daß er und seine Freunde Gegner des Gesetzes seien. Mit dem ganzen Gesetz sei nichts zu machen. Wenn die Landwirtschaft vorwärts kommen wolle, sei sie gezwungen, sich ordentliche Maschinen anzuschaffen. Abg. Reinhard lZtr.- befürwortet das Gesetz, wenn auch ein Teil seiner Freunde große Bedenken hätte. Abg. Krcth (kons.) tritt im Interesse der Erhaltung eines kräftigen Bauernstandes für das Gesetz ein. Ebenso ".'lbg. Engelbrecht lfreikons.). Tas Gesetz wird in allen Paragraphen unverändert in der Kommissionsfassung in 2. Lesung definitiv angenommen. Ausland. London, 4. Juli. Nach einer Meldung aus Shanghai ist in China ein Niesenaufstand ausgebrochen. Die Aufständigen verfügen über eine gute bewaffnete Armee von etwa 60 000 Mann. Ein ausständiges Heer von 50000 Mann griff Hseischen an und nahm die Stadt nach einem hartnäckigen Widerstand seitens der Garnison. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Verwundete. Die kaiserlichen Truppen versuchen, den Aufstand zu unterdrücken. In mehreren Bezirken wurden Staatsbeamte von den Ausständigen ermordet. Zahlreiche Kirchen von deutschen, englischen und amerikanischen Missionen, protestantischen wie katholischen, - sind zerstört worden. — „Morning Leader" meldet aus Johannisburg, daß die Gewalttaten der chinesischen Arbeiter am Naud überhand nehmen. Gestern griffen 25 Chinesen den Laden eines europäischen Händlersan und plünderten ihn aus. Viele Chinesen entkommen ciu§ den Lagern, stehlen Gewehre und strolchen durchs Land, eine Gefahr für die Farmer in der Kolonie. Infolge dieser Untaten wächst die allgemeine Auflehnung gegen den Aufenthalt der chinesischen Kulis in Transvaal. Wien, 4. Juli. Im Budget-Ausschuß fand hellte die Vorladung der früheren Minister v. fiorber, Call und Böhm-Bawcrk statt. KörberS Beantivortung ließ ihn in glänzendem Lichte erscheinen. Er führte in einstündiger Rede mit großer Klarheit seinen Anteil au der Hafenbau-Affäre auS, worauf Call und Böhm-Bawerk seine Ausführungen ergänzten. Körber versicherte, daß er überhaupt feine meri- torische Entscheidung getroffen habe. Die ganze Affäre sei mit einer Reinlichkeit geführt worden, wie er sie für alle Geschäfte wünschen möchte. DaS wolle er hier allen ehrlichen Leuten gesagt haben. Für Verlelundmlgen, die sich von außen an Sie herandrängen, erklärte Korber, habe er nur Verachtung. Die Rede KörberS machte tiefen Eindruck und rief lebhaften Beifall hervor. Konstantinopel, 4. Juli. Infolge einer der Pforte von Sofia zugegangenen vertraulichen Mittcillmg, daß das armenische Komitee eine Verschwörirng gegen den Sultan vorbereite, wurde Nedschib Pascha nut der Durchführung einer strengen Untersuchung beauftragt. Nachts fand eine Haussuchung in vier Redaktionen armenischer Zeitungen statt, deren Direktoren verhaftet wurden. Washington, 4. Juli. Der Staatssekretär für Ackerbau hat einer Anordnung des Präsidenten zufolge, einen Bericht veröffentlicht, welcher besagt, daß der amerikanische Vie Hst and der gesündeste der Welt sei. Die großen Weiden de§ Westens produzierten Herden, in welchen der Prozentsatz von Erkrankungen besonders niedrig ist. Nichtig sei, daß dem Ackerbaubcpartcment die Ermächtigung unb das Geld gefehlt (!) haben, zu einer wirksamen Aufsicht über die Durchführung der sanitären Vorschriften und über die bei der Herstellung von Büchsenfleisch ange- ivandten Methoden. Jetzt ist es mit hinreichenden Geldern und Vollmachteil versehen, um die Anordnungen durchzuführen. Die Beaufsichtigung und Untersuchung soll auS- gedehnt werden von der Weide bis zur Verpackung und die bundesstaatliche Zinnplombe soll nicht nur für die Gesundheit des Tieres bürgen, sondern auch dafür, daß die Ware in einer einwandsfreien Umgebung ohne Zusatz schädlicher Chemi- folien ober Konservierungsmittel behanbelt wirb. Shanghai, 4. Juli. In bem Kampf zwischen ben japanischen unb ausländischen Nhedereien wirft der Präsident einer japanischen Schiffahrgesellschaft allen Mitbewerbern den Fehde-Handschuh hin, indem er erklärt, daß cs die Pflicht und die Absicht der Japaner sein müsse, jedes Eindringen fremder Firmen in die östlich des Suez-Kanals gelegenen Gebiete 51t verhindern. Der selbstbewußte Ton der Erklärung, der in erster Linie auch deutsche Interessen bedroht, ist dahin aufzufassen, baß bie japanische Regierung ben europäischen Schifffahrts-Interessen feinblich gegenübersteht. Aus und Land. Gießen, ben 5. Juli 1906. In Audienz empfangen würbe von S.K.H. bem Großherzog am Mittwoch u. a. Pfarrer Hoh- graefe von Gonterskirchen. ** Gießener V 0 lksbad. Im Juni würben 12531 Bäder verabreicht gegen 11 754 int Mai 1906 unb 12 777 im Juni 1905 ober im Durchschnitt pro Tag 418 Bäder gegen 379 im Mai 1906 unb 426 int Juni 1905. Der Besuch hat sich im einzelnen wie folgt verteilt: Schwimmbad: 5489 Männer, darunter 1065 zu 10 Psg., „ 1635 Frauen. „ 365 „ 10 „ Wannenbäder 1. Klasse 309 Männer, 156 Frauen, m , .. 2. „ 833 „ 634 Brausebäder 1. Klasse 919 Männer, 178 Frauen, m f ,2. „ 1811 „ 384 „ Tampi- u. Hetßlustbäder, sowie Massage zus. 147 Männer, 36 Frauen, Tie Persouenwage wtirde von 300 Personen benutzt unb bas Bad von 5 Personett besichtigt. Ein Ansbilbungsknrs für Lehrer an Handwerker schulen findet vom 16. bis 28. Juli in Darmstadt statt. Ter Unterricht findet an allen Wochentagen vormittags und nachmittags (die Samstag-Nachmittage ausgeschlossen) statt und erstreckt sich auf Freihand- und geometrisches Zeichnen, sowie aus die Besprechung eines einheitlichen Untcrrichtsgangcs und der Lehrmittel. Auswärtigen Teilnehmern und insbesondere solchen, welche sich Zimmer mieten müssen, kann eine Unterstützung von 50 Mk. für die Tauer des Kurses sowie Ersatz der Fahrkosten für 3. Wagcnklasse gewährt werden. Anmeldungen zur Teilnahme sind bis zum 10. Juli an die Großh. Zentralstelle für die Gewerbe in Darmstadt zu richten. ** Das Lahntalsängerfest wird am Samstag abend durch einen Zapfenstreich in ben Straßen eröffnet werden, woran sich die Begrüßungsfeier in der schmucken, luftigen Festhallc anschließcn wird. Außer den üblichen Ansprachett usw. wird die Feier hauptsächlich aus Vorträgen der Gesangvereine und Militärkonzcrt bestehen. Ter Festsonntag ist im wesentlichen dem Fcstzng und dem Gesang der 15 Bundesvercine gewidmet. Während von vormittags 9 Uhr ab der Wcttgesang in der Halle des Turnvereins stattfindct, vereinigen sich sämtliche Sänger des Btlndes nachmittags 4 Uhr zu dem Vortrag der Gesamtchöre, die der Bundesdirigent, Lehrer Görlach üoh hier, dirigieren wird. Am Montag vormit-- tag ist der B u n d e s s ä n g e r t a g, sowie Frühkonzert. Hieran schließt sich das Festessen, das namentlich auch den Herren des Ehrcnausschusses Gelegenheit geben wird, dem deutschen Männergesang ihre Sympathien zu zeigen. Von 4 Uhr ab finden Volksbelustigungen und Konzert statt, während am Abend ein großes Brillant-Feuerwerk auf dem Festplatz und turnerische Aufführungen (Marmorgruppen) der Gießener Turnerschaft besondere Anziehungspunkte für die Festteilnehmer sein werden. Konzert und Tanz werden jeden Tag die Besucher des Festplatzes erfreuen, sodaß wohl jeder Besucher auf seine Rechnung kommen wird. ** Das Butzbacher Trachtenfest finbet nächsten Sonntag burch eine kleine Schlußfeier im Ausstellungssaale im Beisein bes Präsibenten Kreisrat Fey-Friebberg seinen Abschluß. Die Veranstaltungen bes Festes unb be- sonbers bie Ausstellung haben einen namhaften Ueberschuß ergeben. Es besteht beshalb bie Absicht, an sämtliche Zug« teilnehmerinnen, sowie an bie Dilettanten bcr „Hüttenberger" zur Erinnerung an bas hessische Trachtenfest eine Brosche zu verteilen, bie auf bcr einen Seite bie Daten bes Feste?, auf bcr cinbcren ein tanzenbes Paar in Hüttenberger Tracht' Zeigt. "Die Fe st flut, die alljährlich im Sommer in Stadt und Land herrscht, zeitigt von Jahr zu Jahr wunderlichere Blüten. So feiert z. B. am nächsten Sonntag der Karnevalverein Büdingen sein Stiftungsfest! s. Grünberg, 3. Juli. Am Sonntag, ben 8. b. Mts., wirb Obstbautcchnikcr Wiesner von ber Geschäftsstelle beS Oberhessischen Obstbauvereins Friebberg nachmittags 1/24 Uhr hier im Englischen Hof einen Vortrag über: Der Gemeinbe- o bstbau in bcr Provinz Obcrheffen unb bessert bare Erträge halten. Wir machen auf bieses beachtenswerte Thema alle Interessenten besonbers aufmerksam mit bem Bemerken, baß zum Schluffe eine GratiSverlosung von Obstbäumen unb extra großfrüchtigen Haselnußsträuchern unter bie an» wefenbert Vereinsmitglieder (auch au? Beltershain, Göbelnrod, Lauter, Stangenrod und Queckborn) stattfindet. A Ehringshausen. 4. Juli. Ein 10jähriger Junge stürzte gestern nachmittag vom Scheunengerüst herunter und siel direkt auf die flache Tenne. Mit einigen Gesichtsverletzungen und der Einbuße von mehreren Zähnen kam der Knabe noch ziemlich glimpflich davon. P Herborn, 4. Juli. Gestern ereignete sich in der Turmstraße eine schrecklicher Unfall. Bei einem Neubau lösten sich bie Haken, bic bas Gerüst für einen Spengler - gesellen trugen. Dieser stürzte in bie Tiefe. Er brach beibe Beine unb beibe Arme unb erlitt außerbem am Rückenmark eine Verletzung. Man brachte ben BebauernS- werten sofort zum Krankenhaus. Heute lebte er noch; boch besteht wenig Hoffnung auf Genesung. ** Darmstadt, 4. Juli. Die außerordentliche Generalversammlung der vereinigten Ortskrankenkasse beschloß gestern nach längerer Debatte einstimmig, die Mitgliederbeitrage um V«pCt. pro Kopf zu erhöhen, um das vorige Defizit von Mk. 20000 zu decken. Die Erhöhung macht für die höchste Klaste der ^Arbeitnehmer 7 Pfg. wöchentlich aus; die Kasse erhalt über Mk. 30 000 Mehreinnahmen. (Fkf. Ztst.) Frankfurt a. M., 4. Juli. DaS seit einer Reche von Jahren gegen ben bekannten Wettrabfahrer unb Fahr- rabsabrikanten Lehr schtvebenbe Konkursverfahren fanb neuerdings mit ber burch ben Konkursverwalter vollzogenem Schlußverteilung seinen Abschluß. Die Gläubiger muffen sich mit 1,23 Prozent ihrer Forberungen zufrieben geben. Hanau, 4. Juli. Die heute hier tagenbe Verbanbs- versammlung länblicher Genossenschaften, Rai ffe i se nsche Organisation für Hessen, ist von etwa 7—800 Teilnehmern besucht. Der Verbanb umsaßt ben Regierungsbezirk Kassel, bie Provinz Oberhessen unb bas Fürstentum Walbeck. Namens bcr Stabt begrüßte bie Versammlung Oberbürgcrrneister Gebeschus, nautens bcr Staats- regierung v. Beckerath. Auch bas Konsistorium tu Kassel ließ burch ben Supcrintenbcntcn Pfeiffer seinen Gruß ent- gegenbriugen. Letzterer betonte, bas Konsistorium sehe cs gern, baß bie Geistlichen in betn Raiffciscnvcrcin tätig seien. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen unb ben N a ch b a r st a a t e n. In F r i e b b c r g feierte bie Familie Gottfr. M 0nbigler bac Fest bes 125jährigen Bestehens ihrer K u p f e r s ch m i e d e in bcr Vorstadt z. Garten. Gegrimbct Ivurde ic am 4. Juli 1781. Der jetzige Besitzer ist der Urenkel des Gründers. Nächsten Samstag, 7. Juli, feiert das m weitem Kreisen bekannte und in Leihgestern sehr beliebte Ehepaar Oekonomierat Karl Müller und Frau auf dem Neuhof das Fest der silbernen Hochzeit. Lisesrbahn-Ieitung. — Wie bei» „Berliner Aktionär" bestätigt wirb, finben seitens ber StaatSeisenbaluinerwoltung zurzeit Erhebungen im Interesse einer burch- greifenden unb umfangreichen Weiterausbilbung ihrer Verkehrs- an lagen statt, die Staatsbahnen sollen danach systematisch auf einen olcheii Stard der Leistungsfähigkeit gebracht werden, daß selbst bei außergewöhnlichen BerkehrLsteigernngen die Regelmäßigkeit des Betriebes keine Einbuße erleidet. Es handelt sich dabei insbesondere um ben Ausbau bes bestehenben Bahnnetzes, bie Anlage neuer Hauptbahnen, bic Umwandlung von Nebenbahnen in Boklbahnen, die Erweite- ru n g v 0 n S t a t i 0 n e n, Rangier' und Güterumladecinrichtungen sowie die Erhöhung der Lcistungssähigkcit der Eiscnbahnwcrkstättcn. Mit der Ausführung der erforderlichen Erhebungen sind die königl. Eisen- bahndircktioncn betraut worden. Arbeiterbewegung. B c r l i u, 5. Juli. An die organisierte Arbeiterschaft Deutschlands erläßt im Vorwärts die Gencralkommission der beut« chen Gewerkschaften einen Ausruf, in bem die Arbeiteisschast aufgefordert wird, für die int Ausstand befindlichen Bu chbinder zu sammeln. -handel und Verkehr, Volkswirtsel^aft. Die Berliner Börse befindet sich augenblicklich in einer Nwsenllich besseren Verfassung. Erstens ist eine anständige Gelderteichteruug eingetreten, dann lautet ber Newyorker Börfen- berin t besser und drittens sind die rnssischen Werte gestiegen, da die Vildnng eines neuen liberalen russischen Kabinetts bevorstcchen soll. ES ist säst zuviel des Guten auf einmal. Tie russischen Fonds notierten ',2 Prozent höher, deutsche Banken waren erholt 1111b die Montanwerke erfuhr en eine kräftige Stei- ocrung. Von Bahnen waren Lombarben bevorzugt und Meribio^ nal-Aktieu stiegen ans italienische Käufe. Kaliwerke waren auch etivaS erholt unb nicht mehr so stark angcbolcii. .Der Privat- iskont notierte 3’/8 %. Explosion wurde dos Stahlwerk der Fabrik Prenn instellung der Wahrheit zu beraten. Unerreicht in Würzckraft und Aroma ist s Wiine.3Eflen ElSeltene Kaufgelegenheit!! 4150 Wohnungs-Veränderung Dienstag, den 10. d. Mt§>, Hausen öffentlich versteigert E Z IB’% K 6/06 3685 Mr. 2 bis 2.70, Damen für Herren, Damen und Kinder, K 28/06. IB7. Elektr. Licht 5. M. Schulhof. V j] lesJ7. MAGGI Neue Neue Neue nach dem Staatskirchenrecht des Grossherzoo-tums Hessen ußerordentliche Ge- rtskrankenkasse itte einstimmig, die pro Kopf zu er- 20000 zu decken. ^ffe der Ärdeit- ftafit echW. tott Siebt imsMotnent Obisre Artikel in allen Faqons Sommer-Artikel: *"*5' aus' c ic. § empfohlen von Opanken für Herren und Sandalen Tennisschuhe Turnschuue Fuf;ballschulie Donnerstag, d. 26.Juli 1906, nachmittags 3 Uhr, wird auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Ludwig Wagner und Ehefrau geb. Heim stehende Parzelle der Gemarkung Gießen 1/1012,8 = 1221 qm Hofraite in der Mühlgasse öffentlich meistbietend versteigert, jedoch nur die dem L. Wagner zusteheude ideelle Hälfte. Gießen, den 19. Juni 1906. Großh. Ortsgericht Gießen. G r o §. Temperatur der Lahn und der Luft in der M ü l l e r'schen Badeanstalt. Wasser 17° R. Visitenkarten liefert rasch and billigst Brühl’scbe Univ-Druckerei. Gießener Landwirtschaftlicher Wetterdienst. Boransstchtliche Witterung in Hessen für Freitag den 6. Juli 1906: In der Nacht Aufheiterung. Am Tage Trübung und Gewitterregen. Etwas wärmer. Schwache südliche Winde. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. L ein rschast Lflufn9en »er L cf°nbere k„/ölNer des '* °uf L tat ÄS*!- *U,b* 6t‘ 7 fettig6 1 tine WL '•> des F,;, . iu y. '"Sommer j, 3« 34t arm nächsten '8kn fem Sti^ Q9- den 8. d.M ; ^schäftSstelle des ajinttags ^4 Uhr ^rTemeinde- Mn bare Erträge Zwecke Thema alle dem Bemerken, daß von Obstbäumen crn unter die an- dterShain, Mein- startfindet. Ein 10 jähriger )m Lcheunengerüst idic Tenne. Mit nbuße von mehreren glimpflich davon, ■eignete sich in der Bei einem Neubau einen Spengler- :e Tiefe. Er brach erlitt außerdem am chte den Bedauerns- lebte er noch; doch Märkte. ko. F r a n k f u r t a. M., 4. Juli. (Telegr. Orig.-Bericht des ,,Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 14 Ochsen, 0 aus Oesterreich 2 Bullen, 0 aus Oesterreich, 53 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oester., 523 Kälber, 38 Schafe und Hämmel, 0 Ziegen, 0 Jiegenlämmer, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 78—82 Mk., 2. Qualität 70-72 Mk., 3. Qualität 00-00 Mk.: Butten 1 Qual 00—00, 2. Qual. 00—00 ; Kühe 1. Qualität 74—76 Mk., 2. Qual.' 70—71 Mk., 3. Qual. 52—54 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5^ Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 96—100 Pfg., Lebendgewicht 1)7—60 Pfg., 2. Qualität 92—96 Pfg., Lebendgewicht 55-58 Pfg., Schlachtgew. 70—75Pfg.; Schafe: 1. Qual. 78—80 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg. Geschäft: gut, fein Uebcrstand. Limburg a. d. 2., 4. Juli. F r u chtmark t. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen 16.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Alk., Korn Mk. 13.00, Gerste 00.00 Mk., Haler 8.90 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Alk. 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Ziel l? 5 eno t B. 'bür s Z Ub S (9 o? CO o O-J *»- 2 er 2 er o er =■ 3 13 O |" o <-• O - c c S-. T^=> Uo 3 er CO o _ Uo—T* r> o 2 <-i —" er 2 ° Uf> 5 *3 O <Ä - s co o o 2" er. O er 2 «« • 2> 0-^2 oA. ' L. = te^r-^2 o —- — n, « CO cs £T > "■ « s er ^co — e c 2- 2 x& = Ja er e o er U» rt o C¥?S o — er 2 tii" _ T* Otso — 15» « O 00 o ?t3 a< J? o o -=e c <50 (L " » — co er m c 3 -S. o (f)«? sa § o ÖG~* et- -□* *-t So 0 to 2 er 2 — — er — 2 o o >-. S* *■' D S'B, 2 = 2. Or = a- 2 o 2 c c er 'n r» t—. 3 —- er o x— " 2 3, «*:» S =. 2? -= «$u (O O ssZ.§H. o" er 2T -T- ^-2 3g 3 ry S —'•• ÖB« 50 ~ u>2X = “ — rT ö ^.'— rv o ( 3> 3 ziAE; — . 2? - • e-- r-172 r> © ■gf => S CD ro r> co O CO -‘ ts ««■An 3 Sf. er ro" ö AvO Z>i-> Ar- 1 •"mW ütoUffl ’ti8 *** e»*w «•ff gaK'fv. 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