Rr. 207 General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe« Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siebener Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck unb Verlag der Bru hl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. Zweites Blatt L 56. Jahrgang Dienstag 4. September 1806 Gietzener Anzeiger Prolog zu Mannheim. In einer der letzten Nummern des sozialdemokratischen gentralorganS sind die Anträge zunl sozialdemokratischen Parteitag in Mannheim veröffentlicht worden. Sie sind sehr reichhaltig, drehen sich aber meist um die drei Hauptpunkte: Bericht des Parteivorstandes, Presie und Massenstreik. Der angehäufte Zündstoff zeigt sich bereits in den Anträgen und namentlich in Bezug auf die Massen streik- frage wird der Parteitag eine harte Nuß zu knacken haben, um so nlehr, als gerade in letzter Stunde durch eine Indiskretion seitens eines sozialdemokratischen Mitgliedes ein anarchistisches Blatt in der Lage ist, ein gewerkschaftliches Geheimprotokoll zu veröffentlichen, aus dem hervorgeht, daß die Mehrzahl der sozialdemokratischen Gewerkschaften in der Theorie für den Maffenstreik, in der Praxis aber durchaus dagegen ist. -*>■ Die Frage dieses Kampfmittels, das die Extremen so gerne als den einzig richtigen Weg zum großen Kladdera- datsch und zum Zukunftsstaat anpreisen, wird wohl zienllich leidenschaftliche Erörterungen in Mannheim Hervorrufen, man hat sich auf eine Neuauflage des Dresdener Jungbrunnens gefaßt zu machen, denn die Streiter sind „geladen", wie man zu sagen pflegt, und die Meinungen werden hart genug aufeinanderplatzen. In den Anträgen zum Parteitag spricht sich freilich die Mehrheit der Antragsteller für den Generalstreik aus, aber das hat unter den gegebenen Umständen nichts oder doch nicht viel zu bedeuten. In jenem gewerkschaft- ichen Geheimprotokoll steht zu lesen, wie die Gewerkschaften selber über die Sache denken. Genoffe Silberschmidt sprach die allgemein gebilligte Ansicht aus, daß, wenn einmal ein Objekt vorhanden sei, das die aufzuwendenden Opfer lohne, der Frage der Machtprobe nähergetreten werden muffe. Schon um den ewigen Aussperrungen seitens der Unternehmer mit Erfolg entgegentreten zu können. Nun wurde aber die Frage aufgeworfen, wer eventuell mit dieser Machtprobe zu beginnen hatte, und darüber stürzte das ganze Massenftreik-Karten- haus ein. Der Vertreter der Textilarbeiter, Genoffe Schmid, erklärte einfach, mit den Textilarbeitern könne ein solcher Kampf nicht ausgefochten werden. Man ging zu den Metallarbeitern, die doch einen sehr großen Teil der organisierten Arbeiterschaft tmsmachen. Aber deren Vertreter Schern: bemerkte kurz und bündig, die Metallarbeiter müßten es ablehnen, als Versuchs- faninchen für die übrigen Gewerkschaften zu gelten. Und schließlich kam man so weit, daß von der Inszenierung eines Massenstreiks allgemein abgeraten wurde. Mit Recht, wie uns dünkt, denn unter den heutigen Umständen wäre ein Maffenstreik das grüßte Unglück, das die Arbeiterschaft überhaupt treffen könnte. Sie sind bei aller straffen Organisation nicht in der Lage, die Unternehmer aushungern zu können, sondern würden einfach selber ausgehungert werden. Welch ungeheueres Elend durch eine solche Machtprobe über die deutsche Arbeiterwelt heraufbeschwören werden müßte, liegt auf der Hand. Von dem Schaden, den die Industrie erlitte, wollen wir gar nicht erst reden. Die Gewerkschaften sind also in geheimer Beratung zu ungefähr dem gleichen Resultat gekommen, wie Bebel ursprünglich, daß der Maffenstreik nicht zu propagieren sei. Als Bebel aber diesen Satz aussprach, da hatte er die Gewerkschaften zu Gegnern und der bekannte Kampf zwischen dem Parteiführer und seinem gewerkschaftlichen Gefolge war um des Kaisers Bart, da ja auch dieses Gefolge nach reiflicher Ueberlegung zu der Ueberzeugung kam, in der sich Bebel merkwürdigerweise wankend machen ließ. Es wird nun Sache des Parteitages sein, die Ansichten über den Maffenstreik zu klären, und da wird es nicht ohne Blitz und Donner abgehen, schon damit der Schein nach außen hin gewahrt bleibt. Damit könnte man eventuell gleich den Bericht des Parteivorstandes verbinden, der sich wohl auch um die Massenstreikfrage wesentlich drehen wird. Ein gesondertes Kapitel ist der Frage der sozialdemo- kratischen Presse eingeräumt und man darf wohl erwarten, daß der ganze Vorwärtsskandal noch einmal brühwarm vor das Forum der Genossen gebracht wird. Denn bte hinausgeflogenen Sechs haben sich wohl einst geduckt, werden aber jetzt einige Genugtuung haben wollen und der Parteitag wird sie nachträglich, da cs nichts kostet, wohl gewähren. Ueber den Ton, den sozialdemokratische Blätter gegeneinander anschlagen, soll auch debattiert werden — vielleicht erhält Herr Franz Mehring da§ Referat hierüber. Das kann ganz besonders interessant werden, wenn Paul L, der sicher wieder am Präsidium sitzen wird, den Sauherdenton, den Mehring kultiviert, auch in der Debatte einreißen läßt — vermutlich ergibt sich eine nennenswerte Bereicherung des deutschen Schimpfwörterlexikons. Der Mannheimer Parteitag muß schon sehr klärend in Sen Reihen der Sozialdemokratie wirken, sonst geht e§ bergab. Das verkennen auch die einsichtsvollen Genossen selber nicht, die seit langem ihre warnenden Stimmen hören lassen. Die Partei ist heute in sich selber uneins, denn sie marschiert heute ohne ersichtliches Ziel. Der Glaube an den Zukunstsstaat ist erschüttert, man wagt diesen ZicklmstSstaat ja nicht einmal mehr als AgllationSmaterial zu verwenden, rmd außerdem fragen sich viele Genossen, ob man, dieses idealeren Zieles bar, nicht am besten getan hätte, sich den Wegen der Revisionisten anznschlleßen, die Erreichbares verlangen und positive Politik treiben wollten. Der Revisionismus ist nicht tot, er hält sich nur vor dem Donnerkeil der Unentwegten verborgen. Vielleicht feiert er gerade in Mannheim eine fröhliche „Urständ" der Sozialdemokratie und dem deutschen Parteileben überhaupt könnte das durchaus nicht zu Schaden Bereichen, politische Tagesschau. Nene Steuervoriagen. Aus Berlin wird uns geschrieben: Tw Sitzungen des Bundesrats werden erst Ende Sep- tember oder anfangs Oktober wieder beginnen. Aüßer den sozmlpolitischen Gesetzen über die Rechtsfähigkeit der Berufs- Vereine und die Sicherung der Bauhandwcrkerforderung wurden von Vorlagen, denen der Bundesrat die letzte Form zu geben habe, noch die Novelle zum Börsengesetz genannt. Merkwürdigerweise sind bei dieser Aufzählung in der Presse dre neuen Steuergesetze ganz vergessen worden. Man soll nicht meinen, daß nach Annahme der Steuervorlagen im Ma: d. I. das Reich nun im Golde schwimme. Tas ist kemesweas der Fall und das Gegenteil macht sich bei der Etatsaufstellung sehr fühlbar. Wie erinnerlich, hatte das Reichsschatzamt den Fehlbetrag der komnrenden Jahre im Be- harrnngözustand aus 230 bis 250 Millionen IRark berechnet. Tie Steuerkomuiission hatte auf Grund sorgfältiger Erwägungen und Berechnungen zugeben müssen, daß mindestens 200 Millionen Mark beschafft werden mufften. Nun haben aber Kommission und Plenum durch ihre Vorschläge und Beschlüsse nur einen Betrag von etwa 180 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Es wird also daran gedacht werden, auch die vom Reichstag in der Form von Resolutionen gewünschten Steuern, vielleicht die Wehrsteuer oder auch die Mühlenumsatzsteuer ihrer Verwirklichung näher zu führen. Zugesagt ist bereits die «Abänderung der M a i sch- raumsteuer, deren nachteilige Folgen für den Reichs^ fiskus durch das 'Ansteigen des technischen Konsums an Spiritus immer fühlbarer werden. Auch über diese finanzpolitischen Pläne wirch sich der Bundesrat in Kürze schlüssig machen. Die Parteien und die Landarbeiter.' In den Kreisen der Lgrarkonservativen bemerkt man mit Verdruß, daß die anderen Parteien der Arbeiterfrage auf dem Lande erhöhtes Interesse zuwenden. So ist z. B. die „Kreuzztg." in Harnisch gebracht durch den Vorschlag des Verbandsvorsitzenden der katholischen Arbeitervereine Süddeutschlands, die letzterer: möchten bei der Organisation der Landarbeiter sich hilfreich betätigen. Tas dem Zentrum sonst so freundlich gesinnte Blatt rät den katholischen Arbeitervereinen, die Sorge um die Organisation der Landarbeiter getrost der Landwirtschaft selbst zu überlassen, denn die katholischen Stadtarbeiter hätten genug zu tun, um ihre eigenen Interessen zu Oertreten. Dieser Einwand kann natürlich nicht durchschlagend sein für eine Partei, die für Förderung jeglichen Arbeiterfchutzes eintritt. Das Zenttum verhehlt füij gewiß ebensowenig, wie irgend eine andere Partei, daß bei den eigenartigen Verhältnissen auf dem platten Lande die Sozialreform dort nicht in demselben Mäße fortschreiten kann, ttne in der Stadt. Mer das Zentrum ist sich wohl gleich anderen bürgerlichen Parteien der Pflicht bewußt, an seinem Teil mirzuwirken an der Besserung der Lage der Landarbetter, eben mr Interesse der Landwirtschaft, deren DLangel an heimischen Arbeitern erst schwinden wird, wenn die Leute der sozialen Ver- günsttgunaen teilhaftig werden, deren sich die industrielle Arbeiterschaft erfreut, und dazu gehört in erster Linie das volle ungeschmälerte Koalitionsrecht. Ter abweisende Standpunkt ist nicht recht verständlich, grabe bei der „Kreuzztg.", einem Blatte, das bei jeder Gelegenheit auf die sozialdemokratische Agitation warnend aufmerksam macht. Die Verhandlungen des Mannheimer Parteitags werden erkennen lassen, wie die äußerste Linke bemüht ist, unter den Landarbeitern Anhänger zu gewinnen. Sollten die bürgerlichen Parteien demgegenüber die Hände in den Schoß legen? Ist es nicht im Gegenteil richtiger, daß auch von bürgerlicher Seite den Landarbeitern soziale Fürsorge bekundet wird? Be- der heutigen VerkehrSent- wickelung und Zeitschriftenverbreitung ist es wohl ausgeschlossen, daß die Landarbeiter nicht Kunde erhielten von den politischen Begebenheiten. Der westpreußische. Agrarier Abg. v. Oldenburg erzählte zwar einmal im Reichstage, das landwirtschaftliche Gesinde motte, nicht viel wissen von den modern-sozialen Wohltaten; eine seiner alten Hofgänger- innen wäre erkrankt, aber nicht zu bewegen gewesen, ins Krankenhaus überzusiedeln oder eine Badekur zu gebrauchen. Solche Ausnahmen mögen vorkommen, aber die alte Generation, der sie anzugehören pflegen, ist im Aussterben. Aüch die Regierung macht nicht Halt vor berarttgen Vorurteilen, sie wird bie obligatorische Krankenversicherung binnen kurzem auf die Landarbeiter ausdehnen. T.e Sozialreform schreitet unaufhaltsam auf das platte Land vor, ebenso unvermeidlich erweitert sich der politische Gesichtskreis der dortigen Arbeiter. Ans Stabt und £anö* Gießen, 4. Sept. 1906. • • Eisenbahnlinie Gießen-Queckborn-Lau- b a ch. Stadtverordneter Kirch als Vertreter der Stadl Gießen, Bürgermeister Krämer-Steinbach als Vertreter der in Betracht kommenden Landgemeinden und KreiSarntmann Dr. Merck als Vertreter des Kreises Gießen hatten an: SarnStag bei dem Finanzminister Exz. Gnauth eine Audienz, um ihn für das Projekt einer direkten Eisenbahnverbindung Gießen -Queckborn- Laubach zu interessieren. Nach mehrstündigen Auseinandersetzungen, bei denen besonders darauf hingewiesen wurde, daß zehn Ortschaften durch eine Verwirklichung des Projektes des so sehr nötigen Eisenbahnanschluffes teilhaftig werden würden, gab der Finanzminister den Herren zu verstehen, daß er persönlich dieser Eisenbahnverbindung sehr sympathisch gegenüberstehe. Der Unterredung wohnte der Dezernent für Eisenbahnwesen Ministerialrat Dr. Seiffart bei. * • Goldene Hochzeit. Ein seltenes und schönes Fest wurde am verflossenen Sonntag in unserer Stadt begangen. Landrichter i. P. Karl Bott und seine Ehefrau Sophie, geb. Fresenius, feierten in außerordentlicher körperlicher und geistiger Frische ihre goldene Hochzeit. S. K. H. der Großherzog ließ sein Bildnis mit eigenhändiger Unterschrift und huldvollem Schreiben dem Jubelpaare übermitteln. Möchten den: ehrwürdigen Paare noch recht viele gesunde und frohe Tage beschieden sein. * * Gießener Volksbad. Im August wurden 9520 Bäder verabreicht gegen 12867 im Juli 1906 und 10170 im August 1905 oder im Durchschnitt pro Tag 307 Bäder gegen 415 im Jul: 1906 und 328 im August 1905. Ter Besuch im einzelnen hat sich ivie folgt verteilt: Schwimmbad: 3741 Männer, darunter 587 zu 10 Psg., „ 1582 Frauen, „ 484 „ 10 „ Wannenbäder 1. Klasse 287 Männer, 103 Frauen, < „ 2. „ 668 „ 603 Brausebäder 1. Klaffe 765 Männer, 126 Frauen, „ 2. ., 1235 „ 279 „ Dampf- u. Heißluftbäder, sowie Massage zus. 111 Männer, 20 Frauen. Tie Personenivage wurde von 280 Personen benutzt und daS Bad von 2 Personen besichtigt. * * Ein führun gS kurse in bie soziale Hilss- arbeit. Jrn Oktober beginnen in Frankfurt a. M. bie Cinführungskurse in bie soziale HitsSarbeit, die gebildeten jungen Mäbchen unb Frauen Einblick in bie einzelnen Gebiete der sozialen Arbeit gewähren und bie Gelegenheit bieten, bie in Frankfurt so reichlich bestehenben gemeinnützigen Einrichtungen unb Bestrebungen tcnneii zu lernen unb sich bie für eine Mitarbeit nötigen Kenntnisse anzueignen. Neben her praktischen Unterweisung in Säuglingspflege, Hilfe im Kindergarten, Besichtigungen gemeinnütziger Anstalten, Armenbesuchen unb Mitarbeit bei einzelnen Vereinen, sinb theoretische Unterrichtskurfe in (Äesundheits- lehre, Bürgerkunbe, Fröbelscher Beschäftigung und ein Vor- tragszyllus eingerichtet. Letzterer behanbelt bas Thema Armenpflege unv Sozialpolitik. Tie einzelnen Fächer sinb auch allein zu besuchen, ebenso toirb' bei ber praktischen Anweisung auf besondere Neigung unb verfügbare Zeit Rücksicht genommen. Eine berartige Ausbildung ist für junge Mäbchen eine gute Grundlage für ben späteren Beruf der Hausfrau unb Mutter unb ermöglicht zugleich durch vollste -Ausnutzung weiblicher Beanlagung eine befriedigende Tätigkeit im Interesse des Gemeinwohls. Nähere Auskunft und Anmeldungen Börsenstt. 20, I. Stadibund. Montags und Mittwochs von 10 bis 12 Uhr. ** Friedberg, 3. Sept. Die 18 5 6 au§ dem Lehrerseminar zu Friedberg entlassenen Abiturienten treffen sich Umgegend Ijat gestern nachmittag in einer Sitzung folgenden Beschluß einstimmig gefaßt: Der Verband beschließt, daß die Brauereien trotz der Msatzverminderung vorerst ihre Bettiebe im Interesse ihrer Arbeiter tunlichst aufrecht erhalten. Die Frage der BetriebSeinsttllung und der Arbetterentlassung soll zu erneuter Beschlußfassung für bie Tagesordnung einer auf den 6. September anberaumten Versammlung gesetzt lveröen. t Kirchh ain, 1. Sept. Ter Maurer Ehr. Vaupel von Wohra stürzte dort von einem Dach und erlitt solch chwere Verletzungen, daß seine Uebersührung iu die Marburger Klinik nötig würbe. IS. deutscher evangelischer Kirchenvereinstag. Schleswig, 3. Sept. Der 19. deutsche evangelische Kirchcngesang- dereinstag wurde gestern nachmittag 3 Uhr im Ratyaus- saale zu Schleswig durch den stellv. Vorsitzenden, Oberkonsistorial rat D. Flöring - Darmstadt eröffnet, dlnwcsend waren u. a. Generalsuperintcndent D. Kaftan-Kiel, Kirchenrat D. .Herold-Neustadt (Bayern), Professor Tr. Hielscher-Schwelm (Wests/>, Dekan Petzold-Brackcnheim (Württemberg), Superintendent Rothert-Nien- burg (Hannovers Musikdirektor Schmidt-Rothenburg a. T., Propst Stoltenberg-Schleswig. Aus dem von dem Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht sei das folgende mitgeteilt: Der Bestand des Evangelischen Kirchengcsang-Vereins für Deutschland bat sich gegen das Vorjahr nicht wesentlich verändert: er umfasst 22 Landes- und Provinzialvcrcine und 6 Einzelvcreine mit etwa 1600 Kirchen- und 400 Schülerchören. Neu beigetreten ist der Kirchenmusikvcrein zu Schwerin. Eine Reihe von Kirchenbehörden und Synoden hat es auch im vergangenen Jahr an tatkräftiger Unterstützung der Kirchengesangvereinssache nickt fehlen lassen, und auch die Eisenacher Konferenz deutscher Kirckenregierungcn hat bei der Verhandlung über die Nebengettcsdienfte der Wirksamkeit der Kirchengesang-Vereine zur debung des gottesdienstlichen Lebens anerkennend gedacht. Der Bericht geht sodann auf die von den einzelnen Landes- und Provinzialvereincn gefeierten Jahresfeste sowie auf die, hervorragenden Vcreinsmitgliedern im vergangenen Jahre zuteil gewordenen Ehrungen näher ein. Das „Korrespon- qenzblatt" des Vereins hatte im letzten Jahre ein finanziell günstiges Ergebnis zu verzeichnen. Von der in 2500 Exemplaren gedruckten „Denkschrift über den 18. deutschen evangelischen Kirchengesang-Vereinstag in Rothenburg" sind 2183 Stück verkauft worden. Außerdem wurde die Denkschrift an sämtliche Kirchen- und Kultusbehörden zur KenntnisnalMe übersandt. Das Konsistorium der Provinz Sachsen hat infolge der auf dem vorjährigen Kirchengesang-Vereinstag gefaßten Resolution in der Provinz eine Umfrage veranstaltet, welche Stiftungen zum Zwecke der Ausbildung der Schüler höherer Lehranstalten in der Kirchenmusik gemacht worden sind und noch jetzt dafür Verwendung finden. Men Kirchenregierungen wurde für das bekundete Interesse und Wohlwollen wärmster Dank zum Ausdruck gebracht. Den Vorsitz im Vorstand des Zentralausschusses, der sich nach wie vor der Führung und Unterstützung durch seinen hochverehrten Mrenvorsitzenden Geheimen Kirchenrat D. Köstin-Cannstatt erfreut, bat im Oktober v. I. auf Wunsch der Vorstandsmitglieder Herr Oberkonsistvrialrat D. Flöring-Darmstadt stellvertretend übernommen. Die Jahresrechnung schließt mit 1317,76 Mk. in Einnahme und 1028,81 Mk. in Ausgabe ab, also mit einem Kassenbestand von 288,95 Mark. Die Herausgabe einer Denkschrift über die Schleswiger Tagung wurde beschlossen, ebenso die Fortsetzung des Vereinskatalogs. Der Kirchengesangvereinstag im Jahre 1907 wird in Stuttgart gefeiert und damit das Jubiläum des 25 jährigen Bestehens des deutschen Gesamtvereins verbunden werden. Dem Vorstande des Zentralausschusscs und besonders Oberkonsistorial- rat D. Flöring wurde auf Antrag des Kirchenrats D. Herold warmer Dank für seine Tätigkeit ausgesprochen, und die Sitzung sodann nach zweistündiger Dauer geschlossen. Abends 8 Uhr fand im Rathaussaale eine Begrüßungsversammlung statt, die einen sehr angeregten Verlauf nahm. Namens des Festausschusses und der Gemeinde SchleÄvig begrüßte Propst Stoltenberg mit herzlichen Worten die Erschienenen. Die Reihe der Begrüßungsansprachen eröffnete in geistsprühender Rede Generalsuperintendent D. Kaftan- Kiel als Vorsitzender des Provinzialvereins zur Pflege kirchlicher Musik in Schleswig- Holstein, der zugleich die Grüße des Deutschen evangelischen Kirchenausschusses zum Schleswiger Feste übermittelte. Namens des Vorstandes und des Zentralausschusses' des Evangelischen Kirchengesangvereins für Deutschland sprach Oberkonsistvrialrat D. Flöring- Darmstadt, der die patriotische Seite des Festtages, des Tages von Sedan, anklingen ließ, im Auftrage des bayrischen Landesvereins Kirchenrat D. H c r o l d , als Vertreter des würt- tembergischen Vereins Dekan Petzold. Zwischen den einzelnen Reden erfreute der Schleswiger Lehrergesangverein unter Leitung des Kontors Ehlers die Versammlung durch prächtige Liedervorträge. Vermischte». * Berlin, 1. Sept. Gestern abend machte der Motor- Ballon des Herrn v. Parseval auf dem Uebungsplatze des Luftschiffer-Bataillons in der Tegeler Heide abermals einen Aufstieg, der in Gegenwart des Generalleutnants v. Werneburg technisch zwar erfolgreich verlief, aber mit einem sehr traurigen Unglücksfalle endete. Rach Beendigung der Fahrt wurde der Ballon wieder in die aus Wellblech hergestcllte Ballonhalle zurückgebracht. Bei dem Schließen der Schiebetüren der Halle geriet das Söhnchen des Waffenmeisters Priesecke des Luftschiffer-Bataillons, welches ungesehen in der Schiebetür gespielt hatte, zwischen diese und die Hinterwand der Halle, wobei ihn: der Schädel völlig eingeklemmt wurde. Der Knabe war sofort tot. "Dresden, 1. Sept. Der hiesigen Kriminalpolizei ist heute früh die Verhaftung zweier Falschmünzer aus Berlin gelungen. Der eine ist ein 21 Jahre alter, mehrfach vorbestrafter Kaufmann, während es sich bei dem anderen um einen ehemaligen Hypothekenvermittler und Bademeister aus Potsdam handelt, der bereits einmal wegen Verausgabung von falschem Gelde bestraft worden ist. Das Falschmünzerpaar hatte sich in Berlin, wo sich beide nach ihrer gleichzeitigen Entlassung aus einer Strafanstalt kennen lernten, zusammengetan und sich bald darauf nach Leipzig, Chemnitz, Freiberg und Dresden begeben, wo sie überall falsche Einmarkstücke in Massen in oen Verkehr brachten. Die Falschmünzerwerkstätte wurde in einem Dresdener Hotel gefunden, wo beide logiert hatten. Der Hypothekenvermittler spielt im Gefängnis den wilden Mann. "Interlaken, 1. Sept. Im Hotel „Jungfrau" hat heute mittag während der Table d'hote eine etwa 22jährige russische Dame einen Herrn durch mehrere Revolvcr- schüsse getötet. Das Opfer ist ein Rentier aus Paris Namens Charles Müller im Alter von 75 Jahren. Müller verstarb nach einer Stunde. Die Russin wurde sofort verhaftet. Bei der Untersuchung erklärte sie, sie sei beauftragt, den früheren russischen Minister Durnewo zu töten, verweigerte aber jede weitere Auskunft. Die Dame war vor vier Tagen in Begleitung eines älteren Herrn hier cingetroffen; sie ließen sich unter dem Namen Herr und Frau Stafferd einschreiben. Ersterer verließ gestern das Hotel und sagte, er wolle einen Ausflug in die Berge machen. "DaS Loch in der Hosentasche. Diebe sollen keine Zerrissene Taschen tragen, sonst geht es ihnen wie dem Miffetäter, der jetzt in Paris abgefaßt wurde. In dem Hause des bekannten Sportmanns Thorne wurden einige Reparaturen an Kaminen vorgenommen. Die Arbeiter waren einige Momente unbeobachtet und benutzten die Gelegenheit, einige wertvolle Gegenstände verschwinden zu lassen. Dec Kammer- diener des Hausherrn bemerkte den Verlust sogleich, sagte auch den Arbeitern den Diebstahl auf den Kopf zu, die aber empört ihre Unschuld beteuerten. Als sie das Haus verließen, folgte ihnen jedoch der Diener unbemerkt. Plötzlich sah zt, tote emer der vermißten Gegenstände einem Arbeiter langsam aus dem , rechten Hosenbein herausrutschte; i der. Diener las die kleine Kostbarkeit auf. Auf demselben Wege verließen auch die anderen Gegenstände die Hose des Mannes. Als der Kammerdiener alle Gegenstände bei einander hatte, ließ er die Diebe verhaften. Gerichtssaat. R. B. Darmstadt, 3. Sept. Wegen K i r ch e n d i e b st a h l s hatte sich heute vor der Ferienstrafkainmer der 1884 in Böhmen geborene Kellner Ernst Bock zu verautivorten. Er hatte sich im Juli d. I. gelegentlich einer Kindtanse in der katholischen Kirche zu Offenbach scheinbar sehr eifrigen Bußübungen hingegeben und sie so lange ausgedehnt, bis er allein int Gottesbause war. Dann begab er sich zu dem Opserstock. Da er ihn aber nicht erbrechen konnte, versuchte er durch mit Leim bestrichene dünne Stäbchen ein Geldstück nach dem andern herauszuangeln. Der Kirchendiener, dem das Gebühren des angeblichen Büßers sckoit vorher aufgesallen war, kam aber hinzu und veranlaßte die Verhaftung des Missetäters. Er ist auch dringend verdächtig, vor einiger Zeit einen ähnlichen Diebstahl in der Kirche ausgeführt zu haben, doch konnte in diesem Falle nicht der bestimmte Nachweis seiner Täterschaft erbracht werden. Da aber der Angeklagte schon mehrfach vorbcstrast ist und nach den bei ihm ausgesundcnen Kirchenverzeichnisseit zu urteilen, sein Handwerk gewerbsmäßig zu betreiben scheint, wurde er zu einer Zuchthaus st rase von zwei Jahren verurteilt. — Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde weiter gegen den in Dieburg wohnenden Schuhmacher Georg Adam Sauer, gebürtig aus Unter-Schönmattenmag verhandelt, der jahrelang fortgesetzter schwerer Sittlichkeitsocrbrcchen gegen die eigene über 14 Jahre alte Tochter angeklagt und geständig war. Der unnatürliche, schon 54 Jahre alte Vater wurde git fünf Jahren Zuchthaus u n d zehn I a h r e n Ehrverlust verurteilt. München, 1. Sept. Das hiesige Landgericht verurteilte den Oberdruckcr im Kricgsministerium Seidl, der einem Kandidaten der Rechtswissenschaft gesprächsweise in einem Gasthause Mitteilung von einer Prüfungsaufgabe machte, ohne allerdings einen pekuniären Vorteil zu haben, wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses zu z c h n M a r k G c l d st r a f e. Der Rechtskandidat hatte seinerzeit mehreren Kommilitonen von seiner Wissenschaft Kenntnis gegeben, und das hatte zu der Aufsehen erregenden Aussetzung der Prüfung noch am Prüfungstage geführt. ICuuff und Wissenschaft. Berlin, 2. Sept. Im Südwesten der Stadt wurde gestern unter der Direktion des früheren Wiener Hofschauspielers Max Garrison eine neueVolksoper, dasLortzing-Theater, mit einer vortrefflichen Aufführung von Zar und Zimmermann eröffnet. Die erste Vorstellung bedeutete einen erfreulichen künstlerischen Erfolg. Köln, 1. Sept. Dem hiesigen Arzte Dr. Otto Schmidt ist es angeblich gelungen, den E r r e g e r d e r K r e b s kr a n k- heit in einem besonderen Schimmelpilz zu züchten, der auf Pflanzen vegetiert und dessen Uebertragung auf Tiere bei diesen echten Krebs hervorruft. Heidelberg, 2. Sept. In der wissenschaftlichen Sitzung zur Eröffnung der ärztlichen Studienreise, die heute vormittag um 9 Uhr in der medizinischen Klinik stattfand, machte nach der Eröffnungs- und Begrüßungsansprache Geh. Hosrat Dr. Fleiner die Mitteilung, daß soeben Geh. Hosrat Professor Dr. V i e r o r d t an einem Herzschlage in der Ambulanz der medizinischen Klinik gestorben sei. Die Sitzung, in der Professor Dr. Vierordt einen Vortrag halten wollte, wurde dem „Heidelberger Tageblatt" zufolge abgebrochen. Der Verstorbene stand im 51. Lebensjahre. — In der letzten Stadtratssitzung wurde laut „Heidelberger Tageblatt" ein Schreiben des Finanzministeriums mitgeteilt, nach welchem der Groß her zog auf die Vorstellungen des Heidelberger Stadtrates das Heidelberger Schloß betreffend nicht die Ueberzeugung zu gewinnen vermocht habe, daß ein öffentliches Preisausschreiben ein geeignetes Mittel darftelle, die Lösung der Frage der Erhaltung des Otto-Heinrich- Baues zu fördern, und daß er deshalb davon abseyen müsse, die Bitte des Stadtrates in weitere Erwägung ziehen zu lassen. Im übrigen werde die Großh. Regierung der Erhaltung dieses Baues in seiner gegenwärtigen Gestalt, soweit und solange dieses sich als möglich erweise, nach wie vor ihre täti g c Fürsorge widmen. Turin, 2. Sept. Der Bühnendichter G-iuseppe Giacvsa ist in Parella gestorben. Sport. (m.) Am Sonntag standen sich auf dem Trieb die 1. Mannschaft des Fußballklubs „Viktoria" und die zweite Mannschaft des Gießener F. C. von 1900 in einem Wettspiel gegenüber. Trotzdem Viktoria durch einen Marburger Spieler verstärft war, siegte der Klub von 1900 mit 5:0. Halbzeit 2:0. Das Spiel fand vor einer großen Zuschaucrmenge statt und nahm unter der Leitung des Herrn Bürck einen schönen Verlauf. Baden-Baden, 1. Sept. Gro ßer Preis von Baden-Baden. Gvldpokal des Großherzogs und 50 000 Mark. Es liefen 7 Pferde. Erster: Hautbois: zwischen Hammu- rabi und Festino totes Rennen. Totalisator: Sieg 65 zu 10; Platz: 18, 20, 13 zu 10. Arbeiterbewegung. Königsberg, 1. Sept. Die ausständigen Speich erarbeit er haben sich heute zum größten Teil wieder zur Arbeit gemeldet. Die ebenfalls im Ausstand befindlichen $€ treibeträger haben in einer heute an die Arbeitgeber gerichteten Zuschrift um die baldige Festsetzung eines Zeitpunktes zum Zwecke der Aufnahme "ber Einigungsvorschläge ersucht. London, 1. Sept. 11 000 in den Kohlenbergwerken von Wales beschäftigte Arbeiter haben infolge der Weigerung der nicht organisierten Arbeiter, dem Bergarbeiterverbande beizutreten, die Arbeit niedergelegt und 10 000 weitere Arbeiter haben die Absicht funogegeben, aus demselben Grunde ebenfalls in den Ausstand zu treten. B u d a p e st, 2. Sept. Als heute trotz eines behördlichen Verbotes die ausständigen Arbeiter der Petrosenyer Kohlenbergwerke im Komitot Hunyad eine Vers ammlung abhielten und auch auf die Aufforderung der Behörde nicht auseinandergingen, wurde Militär requiriert. Dieses trieb die Menge mit gefälltem Bajonett auseinander, wobei mehrere Personen verwundet wurden, zwei davon lebensgefährlich. Die Ruhe ist wiederhergestellt. Sandel rind Verkehr, Volkswirtschaft. Deutsche Schiffahrtsaktien. Die beiden Hauptschi ffahrtsaktien bewegten sich in der letzten Zeit recht träge, sodaß ein zwar recht langsames, aber stetiges Weichen der Kurse zu beobachten war. Dies wird nun u. a. auch darauf zurückgeführt, daß die australische Regierung beschlossen hat, in Zukunft der englischen Flagge eine wesentliche Begünstigung zuteil werden zu lassen. Es würde dies für die deutsche Schiffahrt einen schweren Schlag bedeuten, weil die den Verkehr nach dem jüngsten Erdteil vermittelnde Flotte von dort nicht die nötige Rückfracht erlangen könnte, ohne die der Besuch der australischen Häfen völlig unrentabel werden würde. Ja, es würde der Verkehr dorthin überhaupt in Frage gestellt, weil eine Durchquerung des Ozeans ohne den erforderlichen Ballast unmöglich würde. Die Ham- burg-Amerika-Linie hätte unter einer solchen Maßregel stärker zu leiden als der Norddeutsche Lloyd. Eine allgemeinere Bedeutung aber würde dieser Vorgang auch noch in anderer Hinsicht gewinnen. Er zeigt deutlich, daß die Idee der unionistischen Politiker Englands, die man in letzter Zeit als eingeschlafen zu betrachten sich gewöhnt hatte, zu neuem Leben erwacht ist. Als Chamberlain das Kolonial-Portefeuille übernahm, schreibt die ,,Berl. Morgenpost", verstand er cs, zur Vorbereitung und Erleichterung der heute unter dem Namen „Chamberlainismus" bekannten Handelspolitik den Zusammenschluß der australischen Kolonien zu dem 1901 ins Leben getretenen „Commonwealth" mit gemeinsamer Zollverwaltung durckzusetzen. Das war der erste Schritt auf dem Wege zu dem Ziel, alle hauptsächlichen Nahrungsmittel und Rohstoffe innerhalb des britischen Imperiums in einem Umfange zu erzeugen, daß Greater Britain mehr als jeder andere Staat die Bedingungen eines geschlossenen Handels- staates zu erfüllen vermöge. Die Durchführung dieser imperialifti- scheu Idee soll nunmehr von der australischen Regierung um etliches gefördert werden. Frankfurter Brauereien. Dieser Tage gab die Bin- ding-Brauerei bekannt, daß der Absatz wesentlich höher als i. V. war. lieber die Dividende könne jedoch angesichts des Bier- boykotts keinerlei Mitteilungen gemacht werden. — Die Frankfurter Brauerei-Gesellschaft vorm. Heinrich Henninger u. Söhne erzielte einen Absatz von 214 344 Hektoliter gegen 209 616 Hektoliter im Porausgegangenen Jahr. Die Brauerei Stern Att.-Ges. Frankfurt a. M.-Oberrab _ hatte einen um etwa 6000 Hektoliter größeren Absatz als i. V. Eine Dividendenschätzung (i. V. 13 Proz.) muß jedoch fürs erste abgelehnt werden. Märkte. Gießen, 4. Sept. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.20—1.30 Mk., Hühnereier 1 St. 8—9 Psg., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Psg., Enteneier 0 Psg., Käse vr. Sick. 6—8 Pf.,' Käseinatte 2 Stck. 5—6 Psg. Erbsen p.Psund 22Pfg., Linsenp. Pfund 32Pfg., Taubenpr.Paar0,8Ö—l,00Mk., Hühnerpr.St 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stüä 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Psd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Psb. 80—86 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfuno 80—82 Psg., Schweine- fleisch pr. Pfund 80—94 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 80—84 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,00—8,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfund 15 bis 20 Psg., in Körben 00 Psd., Nüsse 100 Stück 00—00 Psg., Birnen per Psd. Mk. 0.00—0.00, Kirschen per Psd. 00—00 Pfg., Weißkraut per Stück 15—30 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit 7—1 Uhr. GBleichenbach, 3. Sept. Der heutige Schweinemarkt war mit Ferkeln und Einlegschweinen mittelstark befahren, etwa 180 Stück waren ausgetrieben. Die schwächere Zufuhr hatte ihren Grund in dem schönen Grummetwelter, welches die Käufer und Verkäufer auf die Wiesen führte. Die Preise für 10 Wochen alte Ferkel waren gegen frühere Märkte etwas geringere; 45 bis 48 Mk. waren gängige Preise für schöne Ware, mit 100 bis 115 Mk. wurde _ das Paar Einlegschweine bezahlt. In kurzer Zeit waren die Bestände, zum Teil von Händlern, aufgekauft. Eingesandt. (Für den Inhalt der unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Nachdem endlich die lange ersehnten Ruhebänke mit der Aufschrift,,Nur für Erwachsene" in den Anlagen aufgestellt worden sind und ältere Leute hoffen durften, dann und wann ein Stündchen in freier Luft sitzend zubringen zu können, scheu diese sich bitter in ihren Erwartungen getäuscht. Ich ging gestern gegen 5 Ulhr auf die Suche nach irgend einem schattigen Plätzchen auf der Anlage: aber was fand ich? Vom Walltor an, die ganze Ost- und Südanlage entlang, war jede neue, mit oben erwähnter Aufschrift versehene Bank besetzt mit großen Leuten und Kindern, die teils besetzte Kinderwagen geschoben hatten, teils schon laufende Kinder unter ihrer Aufsicht spielen, ließen. Besagte Erwachsene scheinen die Aufschrift auf den Bänken falsch zu verstehen; sie selbst nehmen die Bänke ein, stellen die Kinderwagen vor sich und lassen mehrjährige Kinder rund um im Sande spielen. Ich fand aber auch ganze Bänke voll Kinder zwischen 8—14 Jahren, die sich nicht regten, mir Platz zu macken, als ich suchend umher ging. Beide Kinderspielplätze auf der Ostund Südanlage waren dagegen nur schwach besetzt. Ich, und mit mir gewiß noch viele Bewohner unserer Stadt, bitte die Polizei, , doch gütigst ihr Augenmerk darauf richten zu wollen, und diese Bänke für Erwachsene ohne Kinder frei zu halten. Auch Eltern mit nur einem Kinde sollten gezwungen sein, sich auf dem Kinderspielplatz aufzuhalten. Man braucht noch lange nicht kinderfeindlich gesinnt zu sein, um das Spiel der Kinder störend zu empfinden, wenn man hinausgeht, um ein wenig Erholung zu schöpfen. Was ich schon in vielen großen Städten str e n g st e n s vom Publikum habe beobachten sehen, muß auch hier erreicht werden. Der Dank der älteren Leute, die sich schon lange auf diese Sitzgelegenheit freuten, wird gewiß nicht ausbleiben. Gießen, 4. Sept. 1906.Ein müder AIter. Die Marktpreise snr Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 3. September 1906. Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 85—87 Mk. 7, Kg.Schlachtgew.98— 102 Pf. V2 „ „ 79-00 „ 7, Kg. 80-86 Pfg. 7, „ 80—84 „ V, „ 86-90 „ Getreidepreise in Mannheim Brotpreise in Gießen Weizen 100 Kg. 18.75-00.00 Alk. Roggen (neuer) 100 Kg. 16.25—00.00 Mk. Weißbrot 2 Kg. 54 Psg. Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg, $pvlplaK drr verrirngten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 4. September*): „Der Freischütz." Mittwoch den 5. September, abends 6 Uhr: „Der Ring des Nibelungen." 2. Tag. „Siegfried." Donnerstag den 6. September: „Manon." Freitag den 7. September: Festvorstellnng. „Samson und Dalila." Samstag den 8. September: „Fra Diavolo." Sonntag den 9. Sept.: „Carmen." Montag den 10. September, abends 6 Uhr: „Der Ring des Nibelungen." 3. Tag. „Götterdämmerung." Schauspielhaus. Dienstag den 4. September*): „Der Kaufmann von Venedig." Mitttvoch den 5. September: „Kabale und Liebe." Donnerstag den 6. September, abends halb 7 Uhr: „Faust." 1. Teil. Freitag den 7. September: „Der Weg zur Hölle." Samstag den 8. Sept.: „Mamsell Nitouche." Sonntag beit 9. September, nachmittags halb 4 Uhr: „Der Helfer." Abends 7 Uhr: „Mamsell Nitouche." ') Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Meteorologische Beobachtungen _________der Station Gießen. September 1906 Barometer auf 0° reduziert e a. C K £ der Luft । Absolute 1 Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 3. 2” 749,6 25,0 14,7 62 SW 2 Bed. Himmel 3. 9" 749,7 17,6 13,6 91 2 Bew. , 4. 7” 751,5 11,6 9,6 95 S 2 Nebel Höchste Niedris Temp ifte eralitr am 2. „ 2. -3. C -3. eptemb V er — + 27,0 • C. + 10,1 • C. Blendend weiße Wäsche ohne Bleiche erzielt matr nur mit dein echten Dr. Thompsons Seifenpulver. Marke Schwan, dasselbe ist frei von jeder schädlichen ätzenden Substanz und greift btc Wäsche auch nicht int geringsten an. — Ueberall zu haben. Statt besonderes* Anzeige liebe. SlSt. im Alter von 73 Jahren 5297 Giessen, Cassel, den 3. September 1906 Herr Adolf Schäfer Marktplatz 15 Telefon 390. 5244 5294 Mäusburg 13. el. 386. 80-86 Psg. Ät-9 Vetter Seb. H'N" Familie Familie Familie Familie cn 00 M. . 0.00—O.OÖ^ Die Beerdigung findet Mittwoch, den 5. September, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus in Wieseck statt. Die trauernden Hinterbliebenen Familie Schäfer. Wieseck, den 3. September 1906. pr. Slücl yr. ^chiveine. pr- Wind pr- Psnnd Heute nachmittag; 2 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden unsere Ire Borgende Mutter und Grossmutter Die trauernden Hinterbliebenen Familie Wagenbach. Burkhardsfelden, den 4. September 1906. [5302 Um stilles Beileid bitten Lina Zülch, Lacke, Firnisie aller Art, , g .■ Bohnerwachs, Linoleum- 8L wichse, Stahlspähne, Pinsel, I ; ^au^‘ Fuhbodeuöl, insbes. raH. Fußbodenanstrichfarben, .j rasch und hart trocknend I empfiehlt Anglist Noll, Ktuz-IlMic, »gfr,. a cp AZ o- Möbel- BZrftsigerung Äüittwoch den 5. September, nachmittags 2 Uhr, werden Liebigstrafic 581 folgende gut er« fjdltenc Möbel ver|te;gett: Sofa und 6 gepolsterte Stühle, mehrere Setten, Kleiderschränkc, Bilder, Spiegel, jiüchenschrank mit Glasaufsatz, Stühle, Vor« hänge, Regale,Teppiche,Lampen, ÄauS« u. Küchengeräte, Kleider. Die Versteigerung findet bestimmt 5u66 Vorzügliches Sauerkraut wieder frisch eingetrofi'en u. billigst bei teuft Wallenfels Dorrn. H. E. Jughardt. MbodeWOlkh BernstcinlaÄf^rbc lose gewogen, Psd. 90 Pfg,, über Nacht trocknend, Spiritusfußbrdenlack lose gew., Psd. 80 ^,sof. trockn. Pitchpiucöl, sofort trocknend, Ltr.-Krng 1.— Mk., bei mehr billiger. 4854 Gust. Walter * ro - £ 2 ro " 6-od tz '^Z.2 Real- u. Handelsschule Marktbreit a. M. ss (gegründet 1845.) Des neue ScLinljahr beginnt am 18. Septbr. Der Lehrplan schliesst sich vollständig dem der staatl. Keal- schulen mit Handelsabteilung an. In dem mit der Sehnte verbundenen Pensionate gute Verpflegung, gewissenhafte Beaufsichtigung. Grosse Spiel-Turnplätze und Park (5600 qm). Nähere Auskunft durch den Inhaber F. Kiipp’., Direktor. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 5. September, nachmittags 5 Uhr von Kapelle des alten Friedhofes aus statt. ii-V?u6rif ^^nden Mild Wrfum Gegenüber (einerlei !t[ebn^rn Sübebünte mit da l ocn Anlagen ausgestellt wor- vunten, bann und wann ein Übungen zu.können, sehen biesc getauscht. TarQUi die Suche nach irgend Unlage: aber was sand ich"? und Lüdanlage entlang, war Msschnst versehene -Sank be- ^em, die teils besetzte Kindcr- n lausende Kinder unter ihur die Aufschrift auf den Mit men die Bänke ein, stellen die mehrjährige Kinder nmb um auch ganze Bänke voll Kinder ft regten, mir Platz zu macken, ' Ki'nbentzi'eWtze ans ber Ost- r schwach besetzt. liefe Bewohner unserer Stabt, Augenmerk daraus riffiten Wachsene o fit e Kinder frei einem Kinde sollten ge- sviMatz auszuhasten. Man iich gesinnt yi sein, um den, wenn man tfmansgM, . Städten strengstens vom ML auch hier erreicht werden, iich schon langt ans dieie W nicht auMeiben. Ein mübet JKIter._ ^VichUcht isch- und Brotpretfe nber 1906. sind in allen durch Plakate kenntlichen Geschäften zu haben. Hauptgewinne: 1 Viktoriatvagcn mit Pferd und silberplattiertem Geschirr, 1 elcg. Schlitten nr. Plüschgarnitur u. Pelzdecke nebst Pferd und vernickeltem Geschirr, 1 Lauterbacher Wagen mit Pferd und Kummetgeschirr, 7 Pferde und Kohlen, sowie Fahrräder, Nähmaschinen, Silbergegeustände usw. Zusammen 700 Gewinne Richard Buchacker General-Vertrieb [to38 Gießen, Reuen Baue 11 Daselbst il Lose f. Mk. io.— solange Vorrat (für Liste und Porto 25 Psg. mehr) S co Li. Danksagung. Für die i'iclcu Beiveise herzlicher Teilnahme bei dem plötzlichen Hinscheiden iiub bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels Herrn Ludwig Wagenbach Kanonier insbesondere für das ehrenvolle Begräbnis seitens seiner Vorgesetzten und Kameraden und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Gombel sagen mir auf diesem OUdAfl 1 IHM I Al t A On F K "5 = 2 S'S £ § S cS § & » Z " % O’C5CO •-> J-r rj dachte" ... ©teßeit.---- Mebigshöhe täglich frischen [5164 ^»eischnUhki Frau Karolina Zülch geb. Euler 2 « « ?©ce> trwencoeeo* S w- ='?•’§. §<» 2.» § s" 2=^02 22=^ shjSj- — )0gjjt ^firnnrnbrot —- ~ .rxw.' Wtwsck i: 'd/Melungen. Ter Wwfl °Lr. Manow S'|ÄnunbS«li'^ iellnnq. °^a ' Sonnlag jta Dravolo- ^g uhr'. ^Götterdämmerung- <& “n r?*« s cj X5 ’S <¥ £ o ti-* o »so. ej Z u CJ s F e «-» «ft to uQ 2 <3 j- ig'StS AI.. «§N jQ -52 O =s E «ft t 1 § Z X> ** 5 2 «5» c G O VD p c 2 y -52 <3 2 : c> -52 2 2 i» T E H *©• a> o VD 5 -m e "o 2 -Jr X S" t£v«G w L*— *ö jO o E . g1 3 5 NZ K«» 2 <3 N en'TT « L «ft ° gjg- Vd- s Z-d M^Z> £ . o 3 «’ .5^' 5.^5 8I 2. 3 c"r-= L-; cp = «ft V. <3> "C .9 ° 2 «ft r>» -o »'5*0 a> h <7< *2 L . 2 P .5.8 a"” •-*«* 3?c = >R o Z. g J5 U Q5./D 2 «ft 2 «N K ü ’H l« c n- ZK L — 23 —» >-— <3 Q W C 2 -*- -e-s;^ 3 m ° o •a — ,S 2 "5- -"EoH-ZZK S 12 'G- » co ^8 o o s V ,- 2". 2 2? L-ZGR L' XP 2 A o 05 2 "2 _2 u— o „ s2'*gs a7 •* -2 <— H O« P 5 . O p Ä £CQ "t~* o at ‘ „ •4—<® 2 tflSto- 2 X^XP ?ZCS— o -2< 2 1-2- 2502 M §2 Ö <™> zr 2 2 2 «3> !±= 05 c" '^Oft ' ,:Q PS Q jJ «J w 2 ‘2 2 170 «-> 05 2 CP jjCQCQ^ 2>g- 1 ®5oo 2 = ,2hOO <3 rQ *“,£i. ^ig”r P - o . 2 oft §rs S /D y O -O 2.^. ö cj cj 2 en': C O5:O N ZL 2 §3 3K 2 2 .5 aj M 2 £■ g y C5 05, 34 HOjQ « n- fD2> E E s A Oft ^,<5 shl M 2 LZL S 9=» fi" 02 2-SiS 2'L « ■ o kg'rfr« S _ 2 2" o E^> o 2 «X y sä?" «Ä-tt« E.U rt o «05- G y ü 2 ’o 5-SoSgg äJ*b7s i~» 2 «5t X uQ a> ,"*9 1/3 sS-2-O JPT ^xt K^sZFLZ y :-5 a o «3'Äß 2 2 **22» S JE ää Ö ,g c^p® yp 051-> 2N w “qgPs; ‘eöSE" e: -=l E 2*§ c ej •— a /-> q q« N 32 d" «St X> G± 2 -3 O W a. 2 2-. E 2 n U CJJ 2 g* 05 E «st s — .fT'-gyp aJ ■'—«ft -k 3*Q a> p« cj a> A -H O L— V -*±5 ■»>*&■ « g^-S 2 2 a> -j a- OvOiu 2:ö? 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