Nr. 284 Sri(f)eint täglich mü VuSnahnre des Sonntag«. Die „Gietzrncr ZamttienblSNer- «erden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigclegt Der Landwirt- ericheml monatlich einmal. 156. Jahrgang Montag 3. Dezember L80S Gießener Anzeiger Rotationsdruck und vertag der vrü hllchen UnwerftlätSdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Echukllr.7. Tel. 91t. 5L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießcn, Seneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen. Ktlrannlmachmlg. Betr.: Scharffchießübungen. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß daS Infanterie-Regiment dir. 116 am 7„ 8., und vo>n 10. biS einschließlich den 14. ds. Alts. Schießübungen mit scharfer fDiunition in dem Gelände zwischen Alten-Duseek- Großen-Buseck (nöcblid) der Straße) und Treis a. d. Lu>nda abhalten wird. DaL Gelände wird durch Posten abgesperrt. Straßen sind nicht gefährdet, es handelt sich niir um Absperrung von Feld- und Waldwegen. Geschossen wird von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags. Während der genannten Tage dürfen die gefährdeten Wege und Waldungen nicht betreten werden, namentlich dürfen Holzarbeiter oder Holzsammler sich in fraglichen Waldungen nicht aufhalten. Tie in Betracht kommenden Großh. Bürgermeistereien werden angewiesen, diese Bekanntmachung wiederholt in orts- üblicher Weise zur Kenntnis der OrtSeinwohner bringen zu lassen und sie anzuhallen, den Weisungen der ausgestellten Posten Folge zu teisicn. Gießen, den 3. Dezember 1906. Großherzogin o jiieiyumt Gießen. I. V.: La n g er mm.' Prinz Starl von Vaden f. Wir erhielten heule früh folgendes Telegramm: Karlsruhe, 3. Dez. Prinz Kart von Baden ist heute früh 71/, Uhr gestorben. Prinz Karl, geb. zu Karlsruhe 9. März 1832, war der jüngste Bruder beS GroßherzogS von Baden. Er war vermählt mit der Jrenn Rosalie Luise o. Beust, die vom Groß- herzog den Flamen Grüsin o. Rhena erhielt. 5U3 Präsident bei Ersten bad. Kammer hatte der Verstorbene einen Nicht unwesentlichen politischen Einfluß, den er in vornehm liberaler Gesinnung zur Wohlfahrt dcS Landes auszuüben verstand. ES ist erinnerlich, daß an den parlamentarischen Abenden t* seinem PalaiS auch sozialdemokratische Abgeordnete teilnahmen. Prinz Kart mar vor kurzem an Bronchitis der unteren Lungenpartien erkrankt. Veutjctze» Reich. Berlin, 2. Dez. Dem Reichstage ist heute die NlgeciraS-Vorlage zugegangen, die noch vor dem 1. Januar erledigt werden soll. Durch die Akte werden ge- wiffe ceichSgesetzliche Bestimmungen alteciert. Es ist daher in diesen Punkten eine gesetzliche Regelung notwendig, die durch die neue Vorlage herbeigeführl werden soll. Der Entwurf bezieht sich auf die nach Schluß der Hauptkonfereuz zwischen den Mächten vereinbarten Abmachungen, u. A. auf die Errichtung der Marokkobank. — Das preußische Staatsministerium trat am Samstag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Fürsten von Bülow zu einer Sitzung zusammen. Dem Vernehmen nach stand den Maßregeln zur Behebung der Jleischnot, auch der Termin, wann die Interpellationen über Fleischnot beantwortet werden sollen, zur Beratung. — Die einstimmige Wahl des Siadiv. Dr. Penzig zum Mitglicde der Charlottenburger Schuldepulation ist aber- Sangerkrarrz H.eßen. Das Lied von der Glocke. Der Sängcrkranz Gießen hatte für sein gestriges Konzert Schillers Lied von der Glocke in der Vertonung von Max Bruch vorgesehen und damit eine solche Anziehungskraft au5geuot, daß der Neue Saalbau schon lange vor Beginn der Ausführung dicht besetzt war. Max Bruch ist einer der bedeutendsten Komponisten auf dem Gebiete der Chorkomposition, die großen Werke für Soli, Chor und Orchester: Odysseus, Arminus, Achilleus, Das Lied von der Glocke bilden den Schwerpunkt seines Schassens. Freude an Schönheit der Klangwirkung, Schlichtheit und Natürlichkeit der Erfindung sind Bruchs hervorragende Charakterzüge. Trotzdem Bruch Gekünsteltes und Abfeitsliegendes vermeidet, stellt er doch an den Chor große, aber auch dankbare Aufgaben, und es ist rühmlich für den Verein, wie für den Dirigenten, sich eine solche Aufgabe zu stellen und mit so schönem und großem Erfolg durchzuführen, wie es gestern der Fall war. In diesen Erfolg teilen sich Dirigent, Chor, Orchester und Solisten in gleicher Weise* Herr Franz Bauer hat sich der schwierigen Aufgabe der Einstudierung deS gewaltigen Chorwerkes mit hingebungsvollem Eifer unterzogen und es namentlich auch verstanden, durch zweckmäßige Gruppierung und durch weise Zurückhaltung des Orchesters die schönen Klangbilder, die die verschiedenen Chöre bieten, ungetrübt durch allzulaute Orchesterbegleitung auf die Hörer wirken zu lassen. Der für das Tonwerk nich t allzu starke Chor, der namentlich in den Frauenstimmen und im Tenor eine stärkere Besetzung hätte vertragen können, kam hierdurch zur vollen Geltung. Ebenfalls ist es dem Dirigenten zu danken, daß der Chor die vielen Stimmungswechsel die Schiller in seine Dichtung legte, verständnisvoll auseinander schied, sondern nur da, wo es der Sinn des Textes notwendig machte, scharfe dlbschnitte markierte. Der Chor folgte mit großem Eifer, setzte im allgemeinen sicher ein und brachte iülles klangschön zur Geltung. Sehr glücklich war Herr Bauer auch in oer Wahl der Solisten gewesen. Als solche wirkten mit Frau Emmy Küchler (Sopran) aus Frankfurt v r r d n i ch l ab-, sondern a ti s g e r ü st e t, zii fände wie zn Wasser, in England wie in Frankreich. Unb es kann nicht ab- geleiignet werden, daß zwischen britischen imb französischen Sachverständigen bereits „technische" Vorbewrcchnngen für eine gegen Deutschland gerichtete Kooperation siaugimmden habeii, unbeschadet der rvohlbegründcten Friedensliebe der beteiligten Regierungen, unbeschadet auch der Anstrengungen des „nicht" amtlichen Pazisizismus." Posen, 1. Tcz. Die Königliche Akademie wählte den Ministerialdirektor Alt hoff wegen seiner Förderung der deutschen Kulturarbeit in dec Ostmark einstimmig zum Ehrenmitglied. Köln, 1. H)ez. Der Landtags- und ReichStagS-Abg. Treuer, Vertreter bcS Wahlkreises Euskirchen (Zentr.), ist im Alter von 75 Jahren auf seinem Gute Groß-Münchhof bei Niederaußen gestorben. Bonn, 1. Dez. Lberpräfident a. T. Dr. v. Rasse, Ehrenbürger der Stadt Bonn, ist gestern abend an den Folgen eines in Italien erlittenen Schlaganfalles gestorben. Der Verstorbene, geboren 1881, hat 52 Jahre in preußischen Diensten gearbeitet. 1874 war er Hilfsarbeiter im Ministerium beS Innern, 1888 Unterstaatssekretär im Kultusministerium und zwei Jahre daraiif erhielt er da» Oberpräsidium der Rheinprovinz. Straßburg, 1. Dez. Gestern abend hielt hier der ehemalige franz ös. Kammerpräsident Dori wer in französischer Sprache unter lebhaftem Beifall einen sehr stark besuchten einstündigen Vortrag über die europäische Kolonisation. Der Redner betonte, bie Völker Europas laufen infolge ihrer Uneinigkeit Gefahr, von der gelben Rasse überflügelt nnb mit einer Invasion überzogen zu werd em_________ politische Lagesfcharr. Die Kolouiatdebalte am Samstag verlief nicht so gemütlich wie bisher, denn der heißblütige Bebel redete in 2x/a Stunden alles herunter, was er auf dem Herzen hatte und wurde gigen Schluß so ausfallind, daß es einen kleinen Skandal gab, der beinahe an die Parlamentsschlachten am Wiener Franzens» ring erinnerte Er interpellierte u. a., daß der Geh. Legationsrat Hellwig ein Opfer der Herren Dr. Aiendt, Grafen Arnim und von Kardorff geworben sei. Er warf dem Dr. Arendt vor, unerhörten Mißbrauch mit seiner Stellung als Abgeordneter getrieben zu haben! Jn- mit Orchester unb Chor boten sie vollendetes, was umsomehr Anerkennung verdient, als naturgemäß nur wenige Gesamtproben möglich waren. Auch das Orchester, die Kapelle des Infanterieregiments Kaiser Wilhelm, zeigte sich der ihm gestellten Aufgabe vollauf gewachsen und führte seinen Part unter Herrn Bauers zielvewußtem Dirigenten- stab töacker aus. Das Publikum folgte der Ausführung, die etwa zwei Stunden in Anspruch nahm, mit andachtsvoller Spannung, wohl der beste Beweis, wie tiefgehend die Wirkung war, die das herrliche Tonwerk ausübte. Der große Erfolg, den der Sängerkranz mit dem Lied von der Glocke erzielte, war aber auch ehrlich und vollauf verdient und wird sicher dem rührigen Verein ein Ansporn sein, auch fernerhin seiner Aufgabe mit gleichem Eifer und gleich gutem Gelingen nachzustreben. A r • r Mnfller-Konzerr. Gießen, 3. November. Derufskünstler hatte der Konzertverein gestern zur Tätigkeit herangezogen. Zwei Jnstcumentalsolistiunen stell- ten fick uns vor, Frl. Elsa Nuegger aus Brüssel und Frau Florence Bassermann aus Frankfurt. Cello und Klavier ertönten im Saale des Gesellschaftsvereins. Das Klavier ist uns zwar als Begleitinstrument vertrauter, aber was vermag ein Meister bezw. eine Meisterin aus ihm hervorzuholen! Dabei ist nicht zu vergessen, daß man m Solistenkonzerten an das Klavier höhere Anforderungen stellt als an andere Instrumente, eben, weil es das bekannteste ist, während es bei weitem noch nicht am leichtesten zu spielen ist. Seltener als auf dem Klavier läßt sich aber eine Solistin auf dem Cello hören. Trotzdem das Violoncell schon ca. 300 Jahre alt ist, hat es sich doch noch nicht so recht eingebürgert. Während aus dem Klavier nur sehr bekannte Meister zu Worte kamen, waren die Cellostücke bis auf Schumann und Boccherini jedenfalls den meisten unbekannt. Popper, de Swert und auch noch den Italiener möchte ich auch eher Cellovirtuosen als Komponisten neunen. David Popper, ein Böhme, und de Swert, ein Landsmann von Frl. Nuegger und Schüler von Servals, haben beide die Anzahl der Cellokompositionen um ein beträchtliches vermehrt. Ebenso haben Boccherini, der letzte Vertreter der italienischen Kammermusik aus dem 18, Jahrhundert, und Saint-Sa ins, der französische Symphoniker, neben ihren zahlreichen anderen Werken auch die Celloliteratur bereichert. Selbst Schumann kam gestern abend auf dem Violoncell zu Gehör. folge dessen bekam er einen Ordnungsruf, unb als er erklärte, nichts zurücknehmcn zu wollen, setzte es die zweite Zurechtweisung. 9!un ging der Lärm auf allen Seilen des Hauses los, unb aus dem Spektakel konnte man nur heraushören, daß auch der Sozialdemokrat Zubeil wegen eines unparteiischen Zwischenrufes zur Ordnung gerufen wurde. Inzwischen hat der ,Berl. Lok.-Anz.* Veranlaffung genommen, „an der allein für diesen Gegenstand konlpetcnten Stelle* Elklmdigungen einzuziehcn, über deren Ergebnisse er wie folgt berichtet: Der Geh. LegationSrat Hellwig halte, nachdem er zehn Jahre lang den Posten des Dirigenten bei der Kolonialabteilung mne gehabt haue, allen Grund, an feine Gesundheit zu denken. In der enticheibenden Unterredung zwischen dem Staatssekreiar. Frciherrn v. Riclnho'en und Hellwig ift von der Affäre Peters und der Nolle, die Hellwig in dieser gcipiclt, nicht die Siebe gewesen. Sem Aus- scheiden wurde von Freih. o. Nichlhcüen lehr bedauert. Tis von Bebel wiedergegebene Aeußerung des Geheimrats Hellivig gegenüber Erzberger muß mißverstanden worden sein. Ter Eintritt Hellwigs m die Firma Lenz ist aus folgenbe Weise zustande ge- kommeu: Lenz Halle den aus dem Staatsdienst ausgcjchiedenen Eisenbahnpiäsideulen Simson als technischen Lener für Babnbauten gewonnen und sah in dem Beitritt Hellwigs eine glückliche Ergänzung insofern, als er glaubte, die kolonialen und die Kenmmfse des allgemeinen VerwaltungsdiensieS, die Hellwig sich in langer Dienstzeit ungeeignet halle, nützlich venverlen zu können. Hellivig ging umso lieber auf das Lenzsche Aneibietcn ein, als sein Arzt ihm geraten haue, nach so langer arbeitsreicher Zeit nicht nnver- niitielt umälig zu bleiben, sondern eine seiner Arbeitskraft angemessene nicht tuih'cgcLbe Beschäftigung zn suchen. Auch glaubte Hellwig auf diese iiciic der Kolomalabteilunh weiter nützliche Xteufte leisten zu können. Dcnischcr 131. Sitzung vom 1. De-emver. Die Kolonialdebatten werben fortgesetzt. ©tellDivtr. Kvloni.'.ldirctwr Dernburg ertärt, eS fd ouj- gcfaUen, baß er sich nicht geäußert habe zu Der Behauptung des Aba. Erzbcrger, daß Geheimrat Seitz eine objektiv unrichtige Nachricht gegeben habe. Die Angabe Seitz', baß nur Tip-pels- kirch Khakigoffe lieferte, sei nicht genau, aber an feinem guten Glauben sei nicht zu zweifeln. Die Angelegenheit des schwarzen Fonds sei noch nicht geklärt; die Anzeige sei vor drei Wochen erstattet; die Untersuchung schwebe noch. Er hoffe, baß sich eine andere Erklärung finden werde, aber prinzipiell hatte a ausrecht, was er gestern gesagt habe. Abg. Bebel sührt aus, noch nie seien einem TriumiHawv so Weihrauch, Myrrhen und Rofcn gestreut worden, rote Dernburg von Erzberger. (Heiterkeit.) Seinen Parteifreunden cd» scheine er nicht als der Herkules im Augiasställe der deuv- scheu Kolonialpolttik. Die Art des Kvlonialdirektors, wie er den Abgeordneten das Material zu entwinden suchte, habe bei ferner Fraktion lebhaftes Aiißtraucn erweckt. (Große Unruhe rechts, Beifall bei den Sozialdemokraten.) Er, 9?ebner, wolle auch nicht einstimmen in den lebhaften Dank, den die verschiedenen Redner dem Kolonialdirektor dafür gezollt haben, daß er die Verträge mit Tippelst.cch und Wörmann gelöst hat. Der Vertrag mit Tippinsürch habe gelöst werden müssen, weil das eine Anitands- Pslicht der Firma war nach der scharfen Kritik, nach der ungeheuer^ lichen Kapitalentziehnng, der sie sich gegen das Reich schuldig gemacht hatte. Und von der Firma Wönnamr gelte eS, daß das Unglück Deutschlands — und dieser Aufstand fei unser Unglück — das Glück der Firma fei. (Lcbh. Zustimmung der Soizaldemokraten.) Die Herren, die sich so aus Kosten des Reiches bereicherten, seien natüriich c-nsgezeichnete Patrioten. (Lachen links.) Die Beamten seien kräftig verteidigt worden; sie hatten immer im guten Glauben gehandelt, das sage man sogar von Herrn Peters. Aber die Verträge, die sie abgeschlossen hätten. Sein „Carnuvtt" schien Den ätern ves AbendS darzustelleu. Ein Genrebild des jungen Schumann, eines von den ersten 23 Werren, die er aussHießlich dem Klavier widmete, ßartn hett und Innigkeit, auch noch in dem Wühlen der Leidens fchafk, untlar in den Formen, aber doch nicht formlos, kurz und einsilbig, wie es der Meister selbst war, Vlumenduft- wellen vergleichbar, die sich schnell verflüchtigen, dabei etwas verschwommen, etwas sentimental — das ist der Charakter Dieser Klaoicrwerte. Schumann liebte es, solchen Genrebildern ein feinsinniges „Programm" beizugeben, das die Phantasie anregen soll. Verständnisvoll hatte man Dieses „Programm" Des „Carnaval" mit auf die Programme Drucken lassen. Brahms glänzte ebenfalls Darauf. Das Intermezzo wie die Rhapsodie ließen auch, gestern wieder Den Meister herrlich auf uns wirken. Neben Diesen beiden bot uns Frau Bafsermann noch Chopin, ungestüm, unge^ bändigt im Präludium, um so vollkommener in dem Walzer, Den nur ein Chopin vollständig beherrschender Wnstler tadellos zu Gehör bringen kann. Dieser Walzer wgr kein sklavischer Begleiter des Tanzes, sondern eher ein Nach^ klang der TanMusik. Von den beiden größeren Cellostücken wird wohl die Sonate vorgezogen werben, weil sie leichter verständlich und vor allem im zweiten Teil große Schönheiten birgt. Nichtsdestoweniger war das T-moll-Konzert als Einleitung ganz am Platze. Die herrlichen Lieder, wie überhaupt das ganze Programm bis ins kleinste zu sezieren, würde zu wett führen. Aber das klare, durchsichtige Abendlied, das melodisch gleitende „Le cygne" und oas schnurrende „Spinnlieb" dürfen nicht unerwähnt bleiben. So bot m-ajn uns zwar feine tiefernste, getragene Musik, aber eine äußerst interessante, wenngleich Dem Programm die Einheit fehlte. Als ich sah, daß beioe Damen ohne Notenblatt spielten, glaubte ich, daß ich es mit zwei Virtuosinncn zu tun hätte. Ich habe im Laufe des Abends mein Urteil andern müssen. Die Virtuosin ist Frau Bassermann. Sie hatte eine schwere Aufgabe. Hätte man zur Begleitung nicht noch eine dritte Kraft gewinnen funnen, statt alles der einen Dame zu überlassen? Es ist bewundernswert, daß Frau Bassermann keine Spur von Ermüdung zeigte. Ihr Spiel war rein und frisch, ihre Technik fiajer und vollkommen. Aber mit der Seele spielte sie doch nur in ihrer Zugabe. Gerade beim „Carnaval", der muslergiltig vor- getragen wurde, hätte der richtige seelische Ausdruck Die 2änge und manche Eintönigkeit sein überdecken können. Auch bei Frl. Rueggcr dursten wir ein ruhiges, vornehmes ^piel, eine sichere Bogenjt.mmng, einen reinen Strich bewundern,. [oDajj dieser» schon zur Volltontnienhett ihrer! hätten uns hundert von Million« getoitet Wenn er, kkoel, Reichskanzler nur eine Stunde lang wäre, würde er bestimmen, daß alle RessortchefS dem Reichstage verantwortlich seien. Er verstehe cS nicht von dem Kvlonialdirektor, wie er als Bankier und Kaufmann eine solche Etatisierung, wie die vorgescklagene. vornehmen könne. Daß der sog. K'olonialrat ein Unsinn sei,, das wisse man seit Jahren. Warum habe Herr Lattmcmn in seinem überschäumenden Patriotismus nur die englischen Grenzverletzungen angegriffen, nicht aber die fortwährenden Grenzverletzungen durch die Russen. (Zurufe links!) Mit brutaler Gewalt raube man den Eingeborenen ihr Eigentum und zwinge sie tn fremden Dienst. (Sehr richtig? bei den Sozialdemokraten.) Man fei mit dem rms nicht gehörenden Eigentum in unwittschaftlicher Weise verfahren. Man habe nicht gehandelt, wie Kulturmenschen, fonbern wie Barbaren. (Lebh. Zustimmung bei den Soz.) Redner empfiehlt für die Kolonien die Schaffung eines Expropriattons- gesetzes, dann werde man mit den großen Landgesellschaften tm Handumdrehen fertig werden. Barbarisch sei die Kriegführung in Afrika. Nicht niederwerfen wolle man die Völker, sondern niedermeheln. DaS sage offen der bekannte Aufruf des Generals von Trotha an die Hereros. Und dieser Mann erkläre dann noch, er kehre mit weißer Weste zurück (Hört! Hört!) Und das seien die Männer, die das Christentum predigen. Da gehe man jeden Sonntag in die Kirche und veranstalte selbst auf Schiffen große K'irchenfeiern und halte große Reden, aber mit den Taten sehe es außerordentlich traurig aus. (Unruhe rechts, Beifall bei den Soz.) Südwestafrika sei der vielen Opfer nicht wert: der Optimismus des Kvlonialdirektors, dort ein Neudeutsch- land zu schaffen, sei Utopismus der schlimmsten Art (Sehr richtig! bei den Soz.) — Während des zweiten Teiles der Debel- schen Rede hat sich der Saal allmählich geteert. Bebel schlägt erregt auf daS Pult und richtet Angriffe gegen das Zentrum, das als regierende Partei an der ganzen Kvlonial- politik schuld sei. Unsere ganze Kvlonialpolitik sei nur eine kostspielige Fata morgana. (Sehr richtig bei den Soz.) Wie stehe es eigentlich mit Herrn v. Puttkamer? Es werde altes vertuscht, was in den Kolonien vorgeiallen sei. Die Schuldigen seien in asten Slesten, bis hinauf zum Reichskanzler, er selber sei mitschuldig an diesen Zuständen. (Sehr richtig links). Bebel bringt neue Beschuldigungen vor, wonach Puttkamer auf verschiedene schwereVerschuldungen hin nicht eingegriffen habe. Ein hoher Beamter in Kamerun habe ein schwarze? Weib gehabt, das mit anderen Schwarzen geschlechtlich verkehrte. Da der Beamte die Täter nicht gekannt habe, habe er drei Verdächtige ihrer Männlichkeit berauben lasten. (Lebh. Hott! Hott! und P'üiruse.) Ein Leiltnant Dominik habe nach Einnahme eines Dorfe? 52 Kinder im Flusse ersäufen lasten. (Lebh. Hort! Hort!) Drei znm Tode verurteilte Gefangene habe man in grausamer Weise durch Maschinengewehre töten lasten. Dem Abg. Arendt seien die Geheimakten zugänglich gemacht worden, ihm, Bebel, nicht. Er erwarte, daß die Budgetkommission Einsicht erhalten wirde. Ter Redner geht dann eingehend nochmals auf den Fall Peters ein. Dieser Mörder, der 15 Jahre Zuchthaus verdient habe, sei begnadigt worden. (Lebh. Beifall bet den Soz.) Legationsrat Hellwig' habe fasten mästen, weil er nicht für Peters sich verwendet habe. Er habe selbst erklätt: »Ich bin ein Opfer der Herren Arnim Kardorff und Arendt geworden. (Stürmische Pbnru'e der Linke», lebhafte Kundgebungen im ganzen Hatlse.) Diese Abgeordlteten hätten ihre Stellung gemißbräucht (Stürmische Kundgebungen au( allen Seiten.) Vizepräsident Graf Stolberg: Sie dürfen einem Abgeordneten nicht Mißbrauch seines Amts vormerfcn. Abg. Bebel (Soz.): DaS seien die DerwaltungSräte deS Deutschen Volkes. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) DeS HauseS hat sich eine große Erregung bemächtigt. Ballestrem übernimmt daS Präsidium. Viele Abgeordnete umdrängen die Tribüne, um sich zum Wort zu melden. Als Bebel schließt, bleibt er noch eine Weile auf der Tribüne stehen, die Abgeordneten stehen iu Gruppen zusammen, erregt debattierend. Endlich bittet Abg. Dr. Arendt (Rp.s zur Geschäftsordnung daS Wott: Da eben tüt heftig r Angriff auf seine Person erfolgt sei, bitte er um daS Wort Präsident Graf Ballestrem: DaS Wott könne er nur geben, wenn «S sich um eine objektive Richtigstellung handele. Abg. Dr. Ablaß (freis. Vpt.) stellt zunächst ouS seinem Akten- material als Verteidiger Pöplaus fest, 'daß der Reichskanzler unrichtige Angaben über den Fall Pöplau gemacht habe. Dem Pöplau sei bitteres Unrecht geschehen. ES sei nicht schwer, einen kleinen Beamten zu beseitigen, PodbielSki zu stürzen sei schon schwerer. (Heiterkeit.) Dem Kolonialdirektor stehe seine Pattei nicht mit Mißtrauen entgegen. Wir werden ab- warten, was geschehen wird. Redner geht dann auf den Fall Wlstuba ein. Schuld an den Mißständen sei, daß die Beamten in den Kolonien nicht die nötige Vorbildung für ihre Stellen haben. Die wirtschaftlichen Aussichten für die Kolonien seien nicht so glanzend, wie der Kolonialdirektor sie hingesiellt hat. Astestottsmus und Bnreaukratismus haben glänzend Schiffbruch gelitten. Sorgen wir dafür, daß die Säuberung von schlechten Elementen, die der Kolonialdirektor versprochen hat, wirklich eintritt, sorgen wir für Zucht und Ordnung in den Kolonien. (Beifall rechts.) Das Haus vertagt sich. Persönlich bemerkt Abg. Erzberger (Ztr.): Er habe dem Kolonialdirektor nur eine Liste seines Materials übergeben, nicht das Material selbst. Präsident Graf B a l l e st r e m eröffnet die Debatte wieder. Staatssekretärs. T s ch i r s ch k y: Im Jahre 1905 wurde durch ein Gesuch, das von Mitgliedern des Hauses unterzeichnet war, die Begnadigung des Dr. Peters erbeten. Dem Gesuch wurde zum Teil entsprochen. Von einer unzulässigen Beeinflussung kann keine Rede sein. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Arendt (Rp.) bemerkt persönlich: Ich will nur seststellen, daß Bebel heute nichts vorgebracht hat, was nicht schon längst bekannt war. Gras von Arnim und Herr von Kardorff Leistung genügte. Wie wußte sie aber die Komposition, zu Gehör zu bringen! Cello und Künstlerin scheinen miteinander verwachsen; hier spielt nicht mehr Verstand und gelernte Technik, hier spielt Herz und Seele. Namentlich das Allegro der Sonate und die drei Lieder waren einfach wundervoll. So sind die, welche nicht aus Schaulust das Konzert besuchen, sondern um einen hohen künstlerischen Genuß zu erwarten, voll auf ihre Kosten gekommen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich einmal zwei Mißstände zur Sprache bringen, die in jedem Konzertsaal — nicht allein in Gießen — zur Plage werden. Das eine ist, daß, ehe noch der letzte Ton verklungen, ja, womöglich ehe noch das Spiel geendet, einige Voreilige sofort ihre Hände in Bewegung setzen (meist vom hohen „Olymp" Herab) und dem Musikfreund sofort allen Genuß verderben. Der wahre Künstler fühlt sich, wenn er sieht, daß das Publikum, nachdem er schon geendet, doch noch atemlos lauscht, noch int Banne seiner Darbietung schweigt, durch diese Wirkung viel reicher belohnt, als wenn sofort tosender Beifall ihm zeigt, daß sein Name beklatscht wird und nicht seine Leistung gewirkt hat. Gestern abend schienen das auch viele Musikfreunde zu empfinden. Der zweite Mißstand ist die Mode des Zugabeforderns- Der musi- kalrsch Gebildete läßt sich an wenig Gutem schon als an einem reichen Schatze genügen und weiß, daß er durch solche Forderung den Künstler nur unnötig anstrengt, denn Hören ist leichter als Spielen. So fügte sich denn Frau Wassermann nur widerstrebetid dem Verlangen nach einer Zugabe, während Frl. Nuegger schon in vornehmer Weise abgelehnt hatte, als sie doch noch einmal herausgezwungen wurde. Ich begrüße die modernen Schauspielhäuser, in denen nicht applaudiert wird. Und zum Schluß noch eins: Könnte man es nicht bei einem solchen Konzert mit einem verdunkelten Saal versuchen? Der wäre gestern von großer Wirkung gewesen. △ hho eüvauU uni) lonneu Deute luc^i aiuu)oucn. ^>u» uua) ue- trifft, so will ich erklären: Ich bin nicht für das verantwortlich, was Herr Richtbofen gesagt. Ich habe mit dem Vorgesetzten von Herrn Hellwig niemals tm Sinne von dessen Absetzung gesprochen. (Hört, hört.) Ich lehne es ab, daß ich eine Haltung gezeigt bade, die Herrn Bebel Anlaß zu feinen Kraftausdrücken gegeben hätte. Abg. Bebel bezieht sich für die Richtigkeit ferner Artsführungen über Hellwig auf Erzberger und Dr. Eickhoff. Abg. Erzberger bestätigt die Aussührrtngen Bebels über Hellwig. Weiterberatung Montag. Aus 5»aot uno tano« Gießen, den 3. Dezember 1906. ** Die Roburitexplosion in Annen in Westfalen will man auch in dem oberhessischen Städtchen Ulrichstein gehört haben! Am Tage nach dem Unglück wurde uns von dort geschrieben, man habe ein bonnerähnliches Geräusch dort gehört, daß die Vermutung von einem entfernten Unglück aufkommen ließ. Heute mm erhielten wir aus Ulrichstein folgenden Brief: An jenem Abend etwa 1/,9 Uhr hörte ich einen donnerähnlichen Knall, der mich an die Explosion des Mainzer Pnlvcr- magazinS erinnerte. Ich machte noch an jenem Abeno und andern Tags davon Mitteilung. Es wurde angenommen, es sei vielleicht ein entferntes Gewitter gewesen, was ich dem Schall nach be° zweifelte. Erst am folgenden Nachmittag lief die Nachricht hier ein von der furchtbaren Explosion bei Dortmund. Nun war mir die Sache klar, aber meine Karle an die verehr!. Redaktion schon 'ort. Der von mir gehörte Knall war nichts anderes als der Schall der D y n a nt 11 e x p l o s t o n bei D o r t >n n n d. Bis heute habe ich mehrere Personen gesprochen, die zu fraglicher Zeit im Freien waren und die gleiche Beobachtung wie ich gemacht und ausgesprochen hatten: „Es hat eben gedonnert." Aiich in ben Wolmnngen wurde der Schall vernommen und ein 17sähriges Mädchen hat alsbald den Ausspruch getan : „Eben ist ein Haus zusammen gefallen/ Die Explosion m Mainz, die geringer war als die Annener, wurde in dem größten Teil der Provinz Oberhessen gehört/ Trotz der zweifellosen sonstigen unbedingten Zuverlässigkeit unseres Ulrichsteiner Herrn Gewährsntannes können wir nicht umhin, hinter diese Mitteilungen ein Fragezeichen zu etzen. Bei uns in Gießen hat man absolut nichts Derartiges gehört, und doch liegt Gießen der westfälischen Unglucksstätte noch etwas näher als Ulrichstein. Auch haben wir nichts davon vernommen, daß irgendwo sonst in unserer Gegend etwas von dem Annener Unglück gehört worden ist. Mainz aber ist nicht einmal halb so weit entfernt wie Annen. Falls indes in anderen oberhefsischen Orten ähnliche Wahrnehmnngen gemacht sein sollten, dann wären wir sür gütige Benachrichtigung dankbar. ** Rabeneltern. Eine Frau von hiev, bereit Mann bereits seit einiger Zeit nach Amerika auswanderte und seine Familie sitzen ließ, verließ Samstag abend ihre drei Kinder und reiste unbekannt wohin ab. In einem zurückgelassenen Briefe erklärte sie einfach, die Kinder jetzt lange genug ernährt zu haben. Die Polizei nahm sich zunächst der Kinder an und sorgte für deren Unterbringung. ** Kriegervereinswesen. , Dem Vernehmen nach hat der Vorsitzende des HassiaverbandSbezirks Gießen, Bureauvorsteher Bruchhäuser, seine Stellung niedergelegt. Herr Bruchhäuser hat den Bezirk, der 36 Vereine mit 2500 Mitgliedern umfaßt, 7 Jahre lang nrit Umsicht und Tatkraft geleitet, und die Nachricht von seinem Rücktritt wird allen Bezirks-angehörigen nicht willkommen sein. ** Das Gießener Duell hat soeben seine gerichtliche Sühne gefunden. Das Insterburger Kriegsgericht verurteilte wegen Zweikampfes mit tödlichen Waffen den Leutnant Hans Oelmann vom Grenadier-Regiment König Friedrich der Große zu ü Monaten Festungshaft. In dem Duell, das in Gießen stattsand, wurde ein Student durch einen Pistolenschuß verwundet. Der Kartellträger, Leutnant v. Streit, erhielt einen Tag Festungshaft. TLe Verhandlung fand unter Ausschluß der Oesfent- lichkeit statt. -L Stadttheater. Gestern abend klingelte noch einmal das Blumenthalsche Verslustspiel „Der Schwur der Treue" seligen Angedenkens — freilich immer noch als Novität bezeichnet — über die Bretter. Möge es bald sanft ruhen neben seinen Prosa-Vorläufern! Das Theater war trotz der beiden Konzerte stark besetzt. Gespielt wurde recht flott. Ansprechend waren vor allem Fr. Bcryr- hammer und Herr Reimer-Schlegel, wähend Herr Kost beim „Schwimmen" etwas diskreter zu Werke gehen muß. Zu erwähnen wären noch die Herren Lippert und Goll und Frl. Schellenberg. Einige andere dürften ihre Rollen auch einmal über einen anderen Leisten schlagen. Applaudiert wurde natürlich stark. •• Bei der hessischen Gendarmerie werden nunmehr auch die bei der Armee schon lange eingeführten grauen Mäntel zur Einführung gelangen. Die seitherigen schwarzen Mäntel können von den Beamien des Genbarmeric- korpS noch aufgetragen werden. Die seit etwa 1 1/2 Jahren eingefnhrte Litwka soll sich, wie man hört nicht bewährt habeo, wenigstens ist der dazu verwendete Stoff nicht widerstandsfähig genug und zu rasch verbraucht. Eine Neuanfertigung dieses Kleidungsstückes findet daher vorläufig nicht mehr statt. •• Reichs tag? abg. Haas schreibt uns: Die mir erst jetzt zu Gesicht gekommene Nummer 267, zweites Blatt, des Gieß. Anz. vom 13. vor. Mts. enthält in dem Bericht über eine Bezirksversamlktlung des Bundes der Landwirte die Angabe, daß ein Redner, HerrOehlsen, die Behauptung mdgesteUt hat, ich hätte bei der Abstimmung über den Zolltarif im Reichstage gefehlt. Diese Angabe beruht auf Unwahrheit. Ich habe an allen ausschlaggebenden Abstimmungen teilte n o mm en. K Eine größere Sanitätsübung für Eifenbahnunfälle veranstaltete gestern nachmittag die Eisenbahn-Sanitätsabteilung gemeinschaftlich mit der freiwilligen Sanitätskolonnedes hiesigen Zweigvereins vom Noten Kreuz. Der Hebung lag folgende Idee zu Grunde: „Auf der Strecke Grünberg Lollar (Lumdatalbahn) ist zwischen Daubringcn und Lollar bei Kilometer 25 ein Personenzug entgleist, mehrere Per- sonenwagen wurden zertrümmert und eine Anzahl Passagiere schwer verletzt." Um 280 Uhr stand am Bahnhof der Hilfszug, bestehend aus einem Wagen I. und II. Klasse für die Bahnbeamten und Leiter der Hebung, Verbandswagen, Gerätewagen, Aerztewagen und Mannschaftswagen. Von der Sanitatskolonne waren die Vorstandsmitglieder Lcmd- gerichtsral Wiener, Kreisarzt Medizinalrat Dr. Haberkorn, Universitätsbibliothekar Dr. Heußer und der ausbildende Arzt Oberarzt Dr. Flath erschienen. Auch mehrere höhere Bahnbeamten bestiegen den Zug. Dazu kamen noch je etwa 30 Mann von der sreiwilligen Sauitälskolonne uno der tiijenuayiU'^aiiuüidtDlotuie nut Tragvayren und Gerätschaften. Hin 232 verließ der Zug den Bahnhof, in Lollar war ein kürzer Aufenthalt. Es stiegen noch Bahnbedienstete und 5 Herren der Marburger Sanitätskolonne zu. Bereits um 240 traf der Zug auf der „Hnfallstelle" ein, so eilten auch schon die etwa 60 Mann der beiden Abteilungen ans Werk. Decken wurden ausgebreitet, Tragbahren herbeigeholt und das Verbandzeug handgerecht gelegt. Dann ging es an die eigentliche Tätigkeit, es galt, Vein-, Arm- und Schulterbrüche, Bauch- und Brustverletzungcn zu verbinden. Es war eine Freude mit anzusehen, mit welcher Gewandheit die Leute arbeiteten. Nachdem d.e Verletzten auf Tragbahren gebettet, mußten sie die steile Böschung heraufgetragen und in die Wagen gebracht werden. In den Wagen standen Mannschaften bereit, die die Bahren abnahmen und an Rollen und Stricken in den Wagen derart befestigten, daß jeder Ruck und Stoß vermieden war. In kaum 25 Minuten war die Arbeit vollbracht und zwölf „Schwerverletzte" in den drei Krankenwagen untergebracht. DaS gewandte Zugreifen der Leute, die genaue Arbeitsverteilung und die sichere Handhabung der Geräte gaben beredtes Zeugnis für die vorzügliche Ausbildung der Kolonnen und machte den ausbildenden Äerzten Dr. Flath, Dr. Schliep- hake und Zinßer, sowie dem früheren Sanitätsunteroffizier Bahnassistenten Brück alle Ehre. Auf der „Unfallstelle" hatte sich kurz nach Eintreffen des Sonderzugs eine äußerst zahlreiche Zuschauermenge aus Lollar und Daubringen eingefunden. Um 335 Uhr erfolgte die Rückfahrt; nach einigem Aufenthalt in Lollar traf der Zug um 4 Uhr wieder auf Bahnhof Gießen ein, wo die Ausladung der „Verletzten" erfolgte. Auf dem Bahnsteig hielt Oberarzt Dr. Flath eine kurze Kritik. Er führte aus, die Hebung sei im allgemeinen sehr gut verlausen. Er sei überzeugt, daß die Kolonne im Ernstfall ihr bestes leisten werde. Damit war die Hebung beendet. Bemerkt sei noch, daß diese Hebung die vierte war, die beide SanitatSkolonnen gemeinschaftlich abhielten. Die letzte gemeinsame Hebung fand im Januar d. I. bei Großen «L nden statt. Die Hebungen sind unstreitig von sehr großer Wichtigkeit und Bedeutung. gd. ©armHabt, 2. Dez. In dem vierten Vorträge des Professors Berghoff-Jsing über die Arbeiterfrage erwähnte der Redner, baß in Deutschlanb, abgesehen von kleinen Ausnahmen eine sozialistische Arbeiterbewegung erst viel später als in anderen Ländern eingesetzt habe. Erst in den 50er Jahren entstanden Arbeitervereine, die im Süden in demokratischem und im Slorbcn im fortschrittsparteilichen Fahrwasser segelten. Diese vertraten die LohnfonbStheorie. Hiergegen trat Lassalle auf. Er brachte das eherne Lohngesetz aufs Tapet, von dem auch der Bischof Ketteier von Mainz bestrickt wurde. Dieses Gesetz wirkt heute noch nach, obwohl es von der Sozialdemokratie preisgegeben ist. Laffalle lehrte, baß bas einzige, was bie Arbeiterschaft tun könne, um aus ber Misere herauSzukommen, bie Beseitigung beS Unternehmertums sei. ES sollten Probuktivgenostenschaften ge- qvünbet werben, in bem ber Arbeiter Probuzent unb Konsument zugleich sei. Das Gelb hierzu solle ber Staat, ber ja ein Proletarierstaat sei (bie besitzenben Klaffen seien verhältnismäßig klein) hergeben. Um ben Staat hierzu gewillt zu machen, forberfe L. ba§ allgemeine, gleiche, geheime unb birekte Wahlrecht unb lenkte so bie Arbeiterbewegung auf das politische Gebiet. L. gründete den »Deutschen Arbeiterverein^, der auf nationalem Boden stand. Bei seinem Tobe hatte bieser Verein 5 bis 6000 Mitglieber. Neben bem .Deutschen Arbeiterverein" beftanb ber „Verbanb beutscher Arbeitervereine", besten Hauptwortführer Bebel war. Diesen Verbanb erfüllte Liebknecht mit marxistischem Geiste unb führte ihn vom nationalen Pfabe ab. 1869 gaben sich bie Anhänger Liebknechts in Eisenach ein Programm unb grünbeten bie sozialbemokratische Partei. 1875 kam in Gotha bie Versöhnung mit ben Lassalleanern zustcmbe. Es würbe ein Kompromißprogramm beschlossen, bas ben Beifall von Karl Marx nicht fanb. 1891 gab sich bie geeinte sozial- bemokrattsche Partei in Erfurt ein neues Programm. Die Theorie vom ehernen Lohngesetz würbe sollen gelassen unb bofur bie Evolutionstheorie von K. Marx gesetzt, bie bie Verelenbung ber Mosten prcbigt. [] Marburg, 2. Dez. Die Schweinefleischpreise sind um 10 Pfg. gesunken. Das Pfunb gewöhnliches Fleisch kostet jetzt 70 Pfg. Ausland. Wien, 1. Dez. Ter Staatseisenbahnrat nahm heute einen Dringlichkeitsantrag an, noch bem bie Eisenba h n- tarife für Vieh- unb Fleischtransporte als Maßnahme zur Behebung ber Fleischnot herabgesetzt werben sollen. — DoS Abgeordnetenhaus erlebigfe die beiden letzten Gruppen der WahlresornrVorlage, worauf dos Gesetz sofort in dritter Lesung mit 194 gegen 63 Stimmen unter lärmenden Zwischenrufen der Alldeutschen unb unter lebhaftem Beifoll ber Christlich-Sozialen unb ber Sozial- bemofroten angenommen würbe. Das Annener Unglück. Die Beisetzung ber bei der Roburit-Kotostrophe umS Leben gekommenen hat am Sonntag nachmittag statt^efunben. Die Trauerfeicrlichkeit gestaltete sich zu einer erschutternben Knnbgebung, an ber sich viele Tausenbe beteiligten. Die Leiche be§ Dr. Kunze würbe nach Oberlahnstein überführt. Bis zum Bahnhofe gab ba§ OfsizierkorpS bem Sarge boS Geleit. Von ben übrigen Toten würben 10, barunter ein Schulknabe, auf bem evangelischen, einer auf bem altlutherischen unb 11 auf bem katholischen Friebhofe in neben einander liegenden Einzelgräbern beigesetzt. Als Vertreter beS Hanbels- ministerS nahm Geheimrat von Meyeren an ber Feier teil. Magistrat unb Stabtverorbnetc von Witten, bie Behörben von Annen unb Aborbnungen aus ben Nachbargemeinben gingen bem Zuge voraus. Hinter ben Särgen, bie auf umflorten Planwagen stanben, gingen bie Angehörigen unb Vereine. Ans bem evangelischen Friebhofe hielt Snperintenbent Dr. König bie Trauerrebe. Ein Sängerchor erhöhte bie Weihe der Totenfeier. Auf bem evangelischen Friebhofe würben 23 Verunglückte in einem gemeinsanien Grabe bestattet. Auf bem katholischen Friebhofe vereinte ein gemeinsames Grab elf Opfer. Die -'5 js$ ßä K' > D •» Sv1, >-fc< '<■. !W W A M W> »t T ,N /WK M U O' WM EM^MWMW Handel des . . 97.00 244.00 Perliner Börse, 3. Dezember. Anfantrskurse. Telephon 119. J. M. Schulhof. Marktstraße 4. Telefon 540 6652 Betr.: 7180 Kapelle be5 neuen Friedhofes auS. Nachruf! Bekanntmachung. 08868 Adalbert Hindewald, Zigarren-Fabrik Gießen, den 3. Dezember 1906. Berliner Randelages Darmstädter Rank . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskouto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Ei seni ahn . . Gotthardbahn . . . Lombard. Eisenbahn . . Gesten. Staatsbahn . . . Prince-Henri-Ei senbabn . 5240 89 50 67.50 98.25 87.05 98.10 87 10 97.40 Canada E B. . . Darmstädter Bank Deutsche Bank . Dortmunder-Union C Dresdner Bank Tendenz : fest. . 174.30 . 140.60 . 241.90 . 171.70 . 186.00 . 158.75 . 215.50 . 121.50 X% Griech. Monopol-Anl. 4% äußere Argentinier . 143.50 121.00 247 00 226 50 163.80 214 75 245.50 131.70 127.75 86 25 145.60 149.00 100 20 100.40 96.20 103.05 69.80 69.90 90.4’- 94.45 9450 Beerdigungs institut Friede Frankfurter Str. 41 und Kaplansgasse 27 roerber bei Pyritz durch einen Schrotichuß erheblich verlebt. — InCHarleville (Deoartement Ardennes) wollte der Senator Coukant nu§ einem Schnellzug fteigeu, ncicbbcm dieser sich bereits wieder in Bewegung gefeht batte: er wurde dabei überfahren und q c t ö t e t. — Aus einem Postwagen wurden von Toulouse Wertstücke im Bctraae von 700,000, nach anderen Meldungen nur 15 - 20,000 Francs geraubt. Die Verbrecher benähten eine kurze Abwesenheit des Postschaffners zur Ausführung der Tat. 3°/0 Mexikaner 4M°/o Chinesen . . Aktien Bochum Guss . . . Buderus E. W . . Tendenz: fest. ein ehrendes Andeoken bewahren. Giessen, den 3. Dezember 1906. Versteigerung. Dienstag, den 4. Dezember, nachm. 2 NHr, versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: a. 1 neue Nähmaschine, 1 eiserner Karren, 1 Vieh-Geburtshelfer, 1 Milchzentrifuge, 3 Rohrstühle, 1 Tllch, 1 Spiegel und 1 eiserner Blumentisch. b. 1 Pferd mit Geschirr, 1 Wagen, H Kivvwagen, I Sopba, 1 Spiegel mit Trnmeaux, 2 Sessel, 1 Berti- kow, 4GaSlüster u. andere Sachen. Die Versteigerung zu a. findet bei immt statt. 7164 Born, Gerichtsvollzieher in Gießen. Bekanntmachung. Wie oben. Die dem Installateur Fritz Jung dahier gewährte Zulassung zur Ausführung von Anlagen im Anschluß an daS städtische Elektrizitätswerk ist widerrufen worden. Gießen, den 30. November 1906. Großherzogin e B"ra -meisteret Gießen. I. B.: Eur sch mann. Telefonische Kursberichte Giessener Anzeigers, miteeteilt von der Bank fllr und Industrie. Glessen. Frankfurter g Dezember, 1.15 Uhr. | IlebtWhU sümtlichkk Arbtitm bei Aerlieslüleii. | _1 IWMII IliHPtnw, Bekanntmachung. Behufs einer Ergänzungswahl bes Vorstandes unserer Gemeinde für das nach dem Dienstalter austretende Mitglied Herrn Josef Stern liegt die Liste aller Stimmberechtigten drei Tage lang zur Einsicht der Beteiligten auf dem Bureau des unterzeichneten ersten Vorstehers offen und können Einwendungen gegen den Inhalt der Liste nur während dieser Frist zugelassen werden. Georg Throrn beabsichtigt, aus dem Grundstück Flur VM Nr. 56 V,o der Gemarkung Gießen einen Dampfkessel zu errichten. Plane und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang vom Erscheinen dieses im Kreisblatt für den Kreis Gießen an, gerechnet, aus dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Gießen zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meidung des Ausschstlsses bei Großherzoglicher Bürgermeisterei Gießen vorzubringen. Gießen, den 22. November 1906. Großherzogliches Kreisamt Gießen. gez. I. V.: Welcker._______ Cmmcricher Kaffee. Unerreicht, per Psd. 1,30 1,40 1,60 1,80 Mk, Allein bei |7109 Grigriial-Drahtnreldririgen. R. B. Darmstadt, 3. Dez. Prinzessin «Heinrich von Preußen ist heute vormittag 10 Uhr hier angekommen und von S. K. £>. dem Großherzog am Bahnhof empfangen worden. Die vom Wolffscken Bureau verbreitete Meldung, daß auch Prinz Heinrich auf der Reise nach Darmstadt begriffen sei, ist unrichtig. — In dem Prozeß der Kammersängerin Kaschowska gegen die Hoftheaterdirektion sind auf Veranlassung S. K. H- des Großherzogs Vergleichs verhau dl ungen eingeleitet worden, die nach ihrem bisherig"n Ergebnis eine friedliche Regelung der Angelegenheit erhoffen lassen. — Von anderer Seite wird uns zur Kasch ow s ka-Affäre gemeldet: Soeben wird bekannt, daß der Generaldirektor Werner die Kündigung zurückgenommen habe und die Sängerin schon in den nächsten ^Tagen wieder auftreten werde. Im Zusammenhang damit verlautet gerüchtweise, daß Generaldirektor Werner um seine Entlassunguachgesucht habe. Berlin, 3. Dez. Ter falsche Hauptmann von Köpenick, Wilhelm Voigt, scheint sich schnell in sein Schicksal ocfiinben zu haben. Er ist vollkommen zufrieden mit dem Urteil, das er allem Anscheine nach bedeutend härter erwartete. Um ihm seinen Lebensabend zu erleichtern, veranstaltet die „Welt am Montag" für ihn eine Subskription. Paris, 3. Dez. DaS „Echo de Paris" erzählt von einem Attentatsversuch, der gegen den Großfürsten Wladimir von Rußland unternommen worben sei. Ein fein gekleideter Herr habe dem Großfürsten in seinem Pariser Hotel persönlich einen Blumenstrauß überreichen wollen. Als man ihn veranlaßte, den Strauß zunächst einem Diener zu übergeben, habe dieser unter den 53 In men einen scharf geschliffenen Dolch gefunden. Der gefährliche Besucher sei verhaftet worden. Im Hotel und auf der Polizei will man von der Angelegenheit allerdings nichts wißen. Elektriz. Lahmerer . • • f-'lektriz. Schn<’k»rt . . . Eschwoiler Farbwerk ■ . Gelsenkirchen Berywjrk - Hamburg-Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Lanrahiltte ...... Nordd. Lloyd..... ObeiRchles. Eisen-Industrie Statt jeder besonderen Anzeige. Freunden und Verwandten hiermit die traurige Mitteilung, daß unser lieber Vater, Bruder und Onkel Herr PhiBigsgi Sehreänei* Werkmeister am Sonntag morgen um 71/» Uhr, nach langem, schweren Leiden im Alter von 48 Jahren sanft verschiedeni st. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen (Walltorstraße 73), Alten-Buseck, den 2. Dezember 1906. Die Beerdigung findet Dienstag, den 4. ds. Mts., nachmittag? 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. [08869 31«;7o 396 3^°/o 3% •Wo 3K°/o Beichsanleihe do. Kousols do. Hessen . • - Oberhessen . . 185.70 . . 140.40 . . 241.80 . . 84 70 . . 158.50 In der Frühe des gestrigen Sonntags verschied nach langem, mit grosser Fassung ertragenen Leiden mein Werkmeister Herr Philipp Schreiner. Dem Verblichenen, der in langjähriger, musterhafter, treuester Pflichterfüllung meine volle Achtung und Dankbarkeit erworben hat, werde ich stets Bekanntmachung. Vetr.: Gesuch des Georg Throrn von Gießen um Genehmigung zur Aufstellung eines Darnpskessels. Tie nachstehende Bekanntmachung bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 1. Dezember 1906. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. !1X Damit mar daß diese Hebung En Meinschasllich land im Januar ebungen sind im- Bedeutung. । vierten Vackage 't die Arbeiter- schland, abgesehen Arbeiterbewegung 'gesetzt habe. Erst ine, die im Enden chchrittSparteilichen . LohnsondSiheorie. das eherne Lohn- Bischof Kettelcr von kt heute noch nach, gegeben ift. Lassalle Haff tun könne, um eitigung des Unter» genossenschaften ge* robujent und Kon« )Ce der Staat, der Klassen seien Der* ■aal hierzu gewillt che, geheime unb iterbewegunq aus rutschen Arbtckr» M \tW Tadr Aden dem .Verband deutscher hebel mar. Diesen istischem Geiste und 1869 gaben sich W rogrumm und grün* 175 kam in Gotha ** ES m-d- iZ den Beisall von die geeinte sozial' z Programm. SM fallen gelassen und °-k M 6ie i,c einefleiW*?™ gcn>8f)nli^8 M ^itötSfnln n' 'N Uh r?lonnt ‘«teilet S"1* v8 galt, m.^ ‘ >“»»■ '■s* j? ™111"« test Mt u«k WI- ‘ “"tetgtbra^ »-be«L ®er“te gaben S^Sdtlieb. öer "Unfallstelle" W eine äußerst ®aubtmgen ein» 9«: nach einigem M toitber auf der „Verletzten" • ?rzt Dr. Flatb düng sei im all- Nur immer kaltes Blut, mein Sohn! Tu brauchst noch lange nicht zu verzagen/weil der Katarrh r gar nicht weichen will — es gibt doch Fays ächte Sodener! Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen, die einfach brillant «MW» in der Wirkung sind, laß dir eine Schachtel für 85 Pfg. holen, MW1 gebrauche die kleinen Dinger nach Vorschrist und bu wirst FH! mir dankbar sein, daß ich dir Fays Sodener empfohlen habe. Die sind bei mir unentbehrlich und die Kinder sind ganz versessen darauf. Versnck's, mein Junge.|hvt?/9 baintit sw** Der Vorstand der israelitischen Neligionsgemeinde Gießen. S. Heichelheim. mb- »ÄMd. 6«-9‘618 :b<" 1 >1- " lllL Sitte”' ? Lniei*’ । gW' „nb$,t' Kss .(5(fle v Prima Kosnak § Spezialmarke, garantiert franz. Verschnitt, ärztlich empfohlen, per Literflasche 2 Mk., ist der preiswerteste und beliebt wegen seines vorzüglichen Geschmackes. Ferner gelten meine französischenKrgnaks unter Originalverschluß als die besten, welche der Märst bringt. E. Dort, Walltorstraße 45. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß gestern früh 11 Uhr meine liebe Frau, unsere treu sorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Christine Heß geb. Ferber im 64. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: I. d. N. Adam Hetz, Scsireinermeister Grabenstraße 11. Gießen, Vebra, Alsfeld, den 3. Dezember 1906. Die Beerdigung findet Dienstag, den 4. Dezember nachmittags 81/, Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. 7183 Harpener Bergwerk. . . 214.00 Lanrahtttte ..... 245.30 f omhardeu E. B. ... 36.40 Nordd. Lloyd ..... 131.60 Türkenlose . .... 145.60 T ödes» Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß unsere innigstgeliebte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwägerin und Tante Frau Friederike Wigandt Wwe. im 80. Lebensjahre ganz unerwartet sanft entschlafen ist. Die ticftraueruden Hinterbliebenen: Familie Carl Wigandt, Schlossermeister. „ Franz Wigandt, Restaurateur. „ Conrad BonarinS, Kontrolleur. Gießen, den 2. Dezember 1906. Die Beerdigung findet statt: DienStag, den 4. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der 4 X0/n rnss.Staatsanl. 1905 4X\ japau. Staatsanleihe 1 % Conv. Türken von 19U3 Titrkenlose ... • • 146.00 4 % Oesterr. Goldrente. . 4’/b0* Oesterr. Silberrente 4 % Tne-ar. Goldrente . . 4% Italien. Bente . . . 3 66 Portnciesen Serie T . 3^ Portugiesen III Leichen einiger Anderer wurden gesondert, teils außerhalb WittenS beiqesetzt. DaS Feuer in den Trümmern der Roburitfabrik ist nunmehr gelöscht. Die Gefahr einer weiteren Explosion wird als beseitigt angesehen. Märkte. kc. Frankfurt a. M., 3. Tez. (Orig.-Telear. des „ließen. Anz/) 9lmtlirbe Notierungen der beutiaen Kruchhn arf tnre ii e. weizen Mk. 18.00—18.25, Kurbessilcber Mk. 18.00—18.25, 9a Vlata Mk. 20.00-21.00, Kanias Mk. 19.25—20.25. Noagen ilnesiaerl Mk. 1 a.75—17.00, ßterfte iwetterauerl Mk. 17.75—18.50, Rranfen- felber Mk. 18.75—19.50, Hafer 17.00—18.00, T}ai§TlM3.5O—13.75, Weizenmehl 27.00—28.25, M. 00—00. 2. Qualität Mk. 2o.2o bis Mk. 26.25, 3. Qualität Mk. 23.25-23.75; Nogaenmebl 0 Mk. 25.00-25.50,1. Qualität Mk. 24 00-24.50, Weizenkleie Mk. 10.00 bis o»f. 10.50. Noaaenkleie Mk. 11.00-11.25, Maiskeune Mk. 11.00 bis Tlf. 11.50, Franken, Pfälzer, Nied Mk. 18.00-18.50. Alles per 100 Kg. ab hier. M . ,, . , . fe. Frankfurt a. M., 3. Dez. kDelear. Qr,a.-Bencht des „G,eß. 9lnz/l. 9(mtf. Notieiningen der beutiaen Pi ebmark tpre,' e. Zum Aerkau'e ffanben: 374 Crbfen, 90 au? Qestreicb, 36 Bullen, 13 aus Qesterreick. 0 au? Dänemark, 741 Kübe. Ferien, Stiere und Ninder, 0 au? Dänemark, 855 Kälber, 336 Schafe und Hammel. 00 Scbafe aus Cefterreirb, 0 Biegen, 1162 Schweme. Bembl, wurde für 100Pfund Schlacktgewicht' Qcksenl. Qualität 86—9- Mk., 2. Qual 76—80 Mk., 3. Qual. 67—70Mk.: Bullen l.Qual. 76 bl« 78 Mk.. 2. Qual. 72—74 Mk.: Kühe 1. Qual. 76—78 Mk., 2.Qual. 68—72 Mk., 3. Qual. 58- 60 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—OOTlf. Kälber: l.Qual. 94—97Mg., Lebendgewicht 55—57 Vf.. 2. Qual. 78—85 Pfg., Lebendgewicht 45—50 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 63—67 Pfg., Schafe: l.Qual. 78-80, 2. Qual. 00—00 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfa.: Tcbweme 1. Qual. 69—00 Pfg., Lebdaew. 54.00—00.00 Pfg.. 2. Qu.67 - 68Pfg., Lebend- gern. 53.00—00 Pfa., 3. Qual. 55—60 Pfg. Lebendgew. 00 Pfg Geschäft bei Donivieh Markt mittelmäßig, kern Ueberftand: bei Kleinvieh gedrü Schweine aut kein Ueberstand. »Klein e^T a g e * * r o n t ’ Der frühere Direktor der Preußischen kwvothekenbank Eduard Sanden, der krankheitshalber aus der Strafanstalt Plölzensee beurlaubt wurde, ist infolge Schlaganfalles vor völliger Perbüßimg seiner fünfjährigen Gefängnisstraße gestorben. —- Unweit G ü ft e n fand ein Kampf zwischen Wilderern und Beamten statt. Von den letzteren wurden vier verwundet, darunter einer schwer. Die Wilderer, die auch Verletzungen erlitten, entkamen unerkannt. — Fn einem in A lten- essen ausgebroehe>zen Fam'lienstreit svaltete der Bergmann Susfeck dem Bergmann Lebwald mit einem Beil den S ch a d e l und stellte sich selbst der Polizei. — L a n b r ar von Köller würbe wäbrenb einer Treibjaab auf bem R'ttergute Schone &5 Für Weihnachtsgeschenke geeignete, preiswerte Gegenstände L. Steinhäuser. 7186 Ji r 322 ■I —,80 5 ,90 ö | Möbl. Zimmer j Mannheim. 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