Nr. 804 trldiflnt tArIIJ> rnrnet SonntaaA. Dem (Atebener 91n$etqet TDerben nn itfecbfel mit dem kesstschen Landwirt die ftiefjtner Familien, blätter otennal tn der tocrhe beiqelegL fRoiattonSbrud u. Verlag bei Brühl 'lchen Unwerl.-Bucd-u. Stetn- bruderet, fli. Sange. Hebaftton. trpebthow unb Pruderet: Echot ft ratze ?. Redaktion 111 Verlag n.Exveb.^Köl Ubreh'e für Teeei dien: Anzeiger Wiehe«. 15«. Jahrgang Erstes Blatt Freitag 28. Dezember IVOS ©eiwflOreUt Q mimailid) <5 xntrtek V jährlich Dtk. L20. durch Abhole- u. Zweigflellea monatlich 6b Pl.; durch biePost 2.—viertel- jät)rL aus|d)L Beslellg. Annahme von 2ln$etgei für bte Tafle»iiumiiiet bis oormUiagfl 10 llhr. ßetlenpretfl; lokal 12PI* auSwärkS 80 Ptg. verantwortlich tül den polit unb allgem. Amts- und Anzeigebiatt für den Kreis Gießen MW KrKannlmallimig. Betr.: Beurlaubung deS Großh. KreisoeterinärarzteS Knell. Vom 80. Dezember 1906 bis 1. Januar 1907 ist Großh. KreiSveterinärarzt Knell beurlaubt und wird in Sachen der Fleischbeschau durch Kreistierarzt Dr. Köhler in Gießen vertreten werden; bte Geschäfte deS Großherzog- lichen KreiSveterinäramtS Gießen in dringenden Seuchenfällen führt während dieser Zeit das Großh. KreiSveterinär- amt Grün berg. Gießen, den 27. Dezember 1906. Großberzogliches Kreisamt Gießen. I. 53.: Langermann. Aie Kandidatur Kcylig nstardt. Gießen, 28. Dezember. Von freisinniger Seite wird unS mitgeteilt: Die nationalliberale Parteileitung in Gießen ist seit dem 18. d. Mt«. davon verständigt, daß die s r e i s i n n t g e P a r t e t nicht beabsichtigt, bei Ausstellung eines Kandidaten selbständig vorzuaehen, vielmehr arimdlätzlich eine Einigung mit den Nationalliberalen anstrebt. Sie behielt sich nur vor, falls die Generalversammlung sich mit der Kandidatur beyligenstaedt nickt einverstanden erklären sollte (roaS unwahrscheinlich ist), der nationallideralen Partei einen anderen Kandidaten oor- zuschlagen. Die Sorge, daß die liberale Einigung in Gießen, die Jahre lang nicht nur in Hessen, sondern in ganz Deutschland als vorbildlich anzusehen war, angesichts der etwa? voreiligen Aufstellung deS Kommerzienrats Heyligenstaedt durch die hiesigen Nationalliberalen ohne vorherige Verhandlungen mit den Freisinnigen in die Brüche gehen werde, Ist dadurch beseitigt. Die Gießener Freisinnigen haben sich einsichtsvoll genug gezeigt, dieses Vorgreifen nicht tragisch zu nehmen und deswegen den liberalen Karren durch eine zweite liberale Kandidatur an den Abgrund zu treiben. Der Vorstand deS hiesigen freisinnigen Vereins erkannte Heyligenstaedl auch als seinen Kandidaten an, und es ist ohne weiteres anzunehmen, daß die Generalversammlung gleichfalls der praktischen Vernunft zum Siege verhelfen und die Kandidatur Heyligenstaedl proklamieren wird. Der große Moment zeigt also bei un? in Gießen kein kleinliches Geschlecht. Als eine kraftvolle Phalanx steht der Gießener Liberalismus vereint wie ehedem da, bereit, für deS Reiches Ehre und die Erfüllung der nationalen Pflicht energisch und geschlosien einzutreten. Nachdem durch die Aufstellung deS Frankfurter Mindest- programmS ein äußerlich einigendes Band um die verschiedenen liberalen Fraktionen geschlungen war, hatte der Liberalismus jene taktische Geschlossenheit sich wiedergegeben, die nun einmal die notwendige Grundbedingung seiner Existenz ist. Auf dieser Grundlage war eS dem Liberalismus möglich, alsbald nach der Auflösung des Reichstages seine Anhänger aus den verschiedensten Lagern zu sammeln. Er vermochte es, in der entscheidenden Stunde als eine bedeutsame Macht auf dem Plane zu erscheinen, als eine Partei, deren unantastbarer parlamentarischer Ruf die Gewähr eines Sieges gegen jene Tyrannis bot, die sich in verwerflicher Weise zur SluSbeuterin des deutschen Reichsparlaments aufgeworfen hatte zum schaden der deutschen Nation. Die erneute Einigkeit der liberalen Parteien gegen Krumm und Köhler ist daS beste Zeugnis für die nationale Besonnenheit und die Charakterstärke der Führer des Gießener entschiedenen Liberalismus, der freisinnigen Volkspartei, in ernster und entscheidungSooller Stunde. Wieder steht der Gießener Liberalismus geschlossen da, und entschlossen in Reih und Glied, um unter Entrostung des liberalen Banners für Parlamentsreinheit und nationale Pflichterfüllung der großen Masse der Wählerschaft auS allen bürgerlichen Parteien in Stadt und Land als Sturmbock zu dienen. Die Situation ist geklärt. Den Führern der Gießener freisinnigen Volkspartei sei weite Anerkennung nicht versagt. Sie haben sich als gute Patrioten zusammengetan, um die bereits von nationalliberaler Seite proklamierte Kandidatur eines Mannes auS dem Volke, eines echten und rechten VolksmanneS, unseres bisherigen Reichstagsabgeordneten Heyligen staedt, gleich im ersten Wahlgange mit allen Kräften, mit allen Mitteln zu unterstützen. Die nationale Pflicht gebot es, und alle, alle kamen. Und alle werden kommen, kein liberaler Wähler wird ausbleiben, um am Wahltage durch ihre Abstimmung daS Abkommen zu besiegeln. Mit zuversichtlichem Vertrauen kann die liberale Bürgerschaft von Gießen und dem Gießener Kreise dem Wahltermin, der heute in vier Wochen bereits statt hat, entgegengehen, stolz auf die neue, ober vielmehr die alte, tinzerstör- bare Einigkeit. Die Ration über der Partei! Das gelte heute wie immerdar, hier wie sonst im Reiche, vornehmlich aber auch in dem benachbarten Wahlkreise Lauterbach- AlSfeld-Schotten! Unter diesem Zeichen ist bei rüstiger Maftentfaltung der Sieg wieder wie anno 1903 unser! » Der Landesausschuß der freisinnigen Partei in Hessen tritt nächsten Sonntag, 30. Dezember, nochmals in Frankfurt zusammen, um erneut Stellung zur Reichstagswahl zu nehmen. AuS Darmstadt wird uns geschrieben unterm 27. Dez.: In einer beute nachmittag von der nationalliberalen Partei ein- berufenen Bertrauensmännerversammlung des Wahlkreises Darm- stadt-Groß-Gerau wurde der Vorsitzende des nationalliberalen Landesausschusses, Rechtsanwalt Dr. Osann U., einstimmig zum Reichstagökandidaten proklamiert. Der Vorsitzende, Dr. Rehling, sprach zu Beginn der Versammlung daS tiefste Bedauern des Nyrstandes darüber auS, daß die Einigungsverhandlungen ge- scheitert seien. Recktsanwalt Dr. Osann entwickelte darauf m ehu»r 11/2 stündigen Rede seine politische Stellung zu dm hauptsächlichsten Taaesfragen. Dann konstatierte der Vnrsi^ende die einstimmig gebilligte Kandidatur Dr. OsannS. Im Laufe der Diskussion kritisierte Stadt». Wolfs kehl das Ansinnen der Freisinnigen, die Nationalliberalen einer Kandidatur Störet! zu unterwerfen: eine solche hätte den lautesten Widerspriich und Unwillen in b?r eigenen Partei erzeugen müssen, schon deshalb, weil Pfarrer Karell m't keinem W-rt aeaen d'e Abkommandierung seiner Wöhler in das sozialdemokratrsche Lager aufgetreten sei. Die Parteivorsitzenden in Eberftadt. Pfungst-dt und Arbe'laen sprachen ihre Freude über die Wahl Dr. Osanns zum Kandidaten aus und versprachen, mit allen Kräften für ihn eintreten zu wollen. Nach bvffnungsfrohen Worten des Vorsitzenden auf einen Sieg am 25. Januar trennte sich die Versammlung mit einem dreimaliaen föocB auf den Reichstigskandidatm Dr. Osann Für den Wahlkreis St. Goarshausen-Montabaur haben die Sonaldemokraten Vetters aus Gießen als Kandidaten aufgestellt. ; Dor den Wahlen. Aus Berlin, 27. Dezember, unS geschrieben: Der bisherige Führer der Freis. Bolksvartei, Dr. Müller- Sagan, ist aus GesundheitSrücksiMen genötigt, aus dem parlamentarischen Leben a u s z u s ch e i d e n. Die Fraktion deS entschiedenen Liberalismus muß sich also schon wieder ein neues Oberhaupt wählen, kaum ein Jahr nach dem Tode Eugen Richters. Merkwürdigerweise steht die Partei jetzt in derselben politischen Frage aus feiten der Regierung, in der Ende Mai d. I. Dr. Müller-Sagan eine der schärfsten Reden gegen die Regierung hielt, speziell gegen den Obersten v. Deimling, der es durch schroffes Hervorkehren der militärischen Autorität mit der Volksvertretung verdarb. Die Partei Richters steht jetzt bei den Wahlen vor der schwersten Probe. Sie darf nicht mehr auf die Unterstützung seitens be5 Zentrums rechnen bei dem Kampf um die Mandate, die sie früher in der Stichwahl errang. Die Zen- trumöhülfe wird diesmal teils den Konservativen, teils den Sozial- demokraten zugute kommen. Es ist sogar fraglich, ob das einzige Mandat, welches die Freis. Volkspartei bei den letzten Wahlen auS eigener Kraft gewann, ihr bei der Hauptwahl am 25. Januar nochmals zusallen wird. Die Unterstützung durch den Regierungsapparat, die der Partei jetzt zuteil wird, ist allerdings nicht zu unterschätzen. Aber bei der ungewöhnlichen politischen Konstellation wird diese Unterstützung schwerlich entscheidend ins Gewicht fallen. Selbst wenn indessen die Wahlen eine Schwächung der bürgerlichen Linken bringen sollten^ so wäre das noch nicht gleichbedeutend mit einer Schwächung des Gesamtliberalismus. Haben doch kaum jemals die Berührungspunkte innerhalb der liberalen Parteien so im Vordergründe gestanden, wie gegenwärtig, und kann es zudem nicht fehlen, daß die jungliberale Bewegung hier ihre vermittelnde Straft betätigt. Als zukünftiger Führer der Freis. Volkspartei gilt Dr. SB i em er, ein Berufspolitiker und Schüler Eugen Richters. Sein Mandat in Nordhausen wird freilich durch die Antisemiten bedroht, für die Stichwahl hat er jedoch bessere Chancen als der Gegenkandidat. Richters alter Wahlkreis dürfte kaum behauptet werden können. • Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt unter der Ueberschrist „Konfessionelle Schlagworts: „Gegenüber dem Mißbrauch, der in den Wahlkreisen des Ostens unter der katholischen Bevölkerung mit konfessionellen Schlagworten getrieben wird, fei an die Worte erinnert, die der Kaiser am 9. August 1905 in Gnesen gesprochen hat. Der Kaiser verwies auf seine früheren Aeußerungen in Posen und erklärte feierlich: „Wie damals, so auch heute möckte ich wiederholen, daß ein jeder katholische Pole wisse, daß seine Religion geehrt wird von mir und daß er bei Ausübung derselben in keiner Wesse gestört werden wird, daß er aber Ehrfurcht und Achtung vor den anderen Konfessionen zu bewahren hat, ebenso wie wir vor der seinen." In derselben Rede erwähnte der Kaiser für alle Katholiken, ob polnisch ober deutsch: „Als bei meinem letzten Besuch im Vatikan der greife Leo XIII. von mir Abschied nahm, da faßte er mich mit beiden Händen und gab mir — trotzdem ich protestantisch bin — seinen Segen m'.t folgendem Versprechen: Ich gelobe und verspreche Euer Majestät im Namen aller Katholiken, die Ihre Untertanen sind, sämtlicher Stämme und jedes Standes, daß sie stets treue Untertanen deS deutschen Kaisers und Königs von Preußen fein werden." — Auch dieses Wort des verstorbenen Papstes darf als Mahnung zur loyalen Führung des Wahlkampfes in Erinnerung gerufen werden. e In K 0 burg stellten die Nationalliberalen Rechtsanwalt Bassermann -Mannheim als Reichstagsrandidaten auf. Basser- mann hat die Kandidatur angenommen. Von einem Wahlduell wird aus Plauen i. V. berichtet. Dort kam es in einer Versammlung der Nationalliberalen bei der Erörterung der Reichstagskandidaturfrage zu einem heftigen Redegefecht zwischen dem Vorsitzenden des Bezirks Vogtland des Alldeutschen Verbandes, Rechtsanwalt Dr. P e tz 0 l d , der die Kandidatur des Generalleutnants v. Siebert befürwortet, und dem Chefredakteur der „Neuen Vogtl. Ztg." Arno Günther. Bei dem Redegefecht soll Dr. Günther die Tätigkeit des Rechtsanwalts in Sachen der nationalliberalen Neickstagskandidatur als „G e - baren" bezeichnet und damit eine Beleidigung (?) ausgesprochen haben. Durch seinen Kartellträger ließ Rechtsanwalt Dr. Petzold dem Chefredakteur Dr. Günther eine s chw ere Duellforderung auf Pistolen zugehen. Der letztere hat diese Forderung abgelehnt und recht fertigt sich in einer Erklärung über die Angelegenheit in seiner Zeitung. Zur Unterwerfung der Aondklzrvaris. Bei dec Wiedergabe der Meldung über die Unterwerfung der Bondelzwarts erinnert die .Köln. Ztg." an die von dem Vertreter deS GenerafstabS Oberstleutnant Kubl bereits am 7. Dezember in der Budgetkommifsion deS Reichstags abgegebenen Erklärungen, daß die Reichsregierung ihrerseits sehr rasch eine Harfe Verminderung der in Deutsch- Südwestafrika stehenden Truppenzahl eintreten lassen werde, sobald die militärische Lage dieS erlaube. Oberstleutnant Kuhl führte in dieser Rede auS: Ueber den Verlauf krieoerifcker Ereianisfe kann man nicht prophezeien, doch ist die begründete Aussicht vorhanden, daß das vom Oberst Deimling eingefcklageue Verfahren Ettolg haben wird. Tie Summe der kleinen Erfolge w'rd voraussichtlich bald zu einem glücklichen Ende führen unb den Feind mürbe machen. Sobald die Kriegslage es gestattet, wirb die Truppe fofort oerminbert. Niemand hat Int er ehe daran, daß ein Mann mehr im Felde steht, als irpenbrote nötig ist, am allerwenigsten bet Generalstab. Aber eine plötzliche bedeutende Herabsetzung der Truppenstärke, die von hier aus zu einem bestimmten Zeitpunkte verfügt würde, könnte nnler Umständen den Verlust dcS FeldzugeS und damit den Verlust der Kolonie herbeiiuhren. Eine Verminderung kann daher unbe- dmat erst uack Maßgabe der Kriegslage verfugt werden. Es ist begründete Aussicht vorhanden, daß dies tn nicht zu ferner Zeit stattfiuden wird. Ein ZcntrumSblatt dagegen, die »Köln. VolkSztg.*, hat auS dem Ereignis die Nutzanwendung gezogen, die neuen lüdwestasrikansschen Meldungen seien ein schlagender Beweis für die Richtigkeit der Haltung deS Zentrum« in Sachen deS Nachtragsetats. Dieselbe Folgerung wird die Sozialdemokratie zur Rechtfertigung ihrer Haltung ziehen. Indessen weder das Zentrum noch die äußerste Linke konnten in den entscheidenden Dezembertagen wissen oder vorauSsehen, daß die BondelzwartS sich unterwerfen würden. Es wird daran erinnert, daß der Zentrumsführer Dr. Spahn selbst mit der Möglichkeit rechnete, daß man die Schutztruppe für Süd- westafrika trotz etwaiger Annahme deS ZentrumSantragS, später wieder verstärken müsse. Daraus geht klar genug hervor, daß daS Zentrum nut für den Augenblick seinen Antrag auf Herabsetzung der Truppenzahl durchbringen wollte, auS alter Gewohnheit, die Entschließungen deS Reichstag« nach seiner maßgebenden — unb lange genug auch von der Regierung al« maßgebend anerkannten — Auffassung zu beeinflussen. Daß ein Teil deS afrikanischen Erfolges jetzt erreicht wurde, kann sehr wohl mit der Auslosung des Reichstages insofern Zusammenhängen, als die Auflösung den Aufständischen die Gewißheit brachte, daß Deutschland gewillt sei, den Aufruhr vollständig niederzuwerfen. Von Kennern Afrikas kann man die Versicherung hören, daß es zum Aufstand im Süden der Kolonie überhaupt nicht gekommen wäre, hätte sich nicht bei den eingeborenen Führern der Glaube festgesetzt, Deutschland „könne" den Versuch eines Entscheidungskampfes nicht durchführen. Nichts liegt näher, als die Möglichkeit, daß dieser. Glaube gerade durch die Auflösung des Reichstages beseitigt wurde. Die „Voff. Ztg." bemerkt zutreffend: Die Nichtigkeit der Annahme des freisinnigen Antrags und des Pachtrags- etats kann durch solche Ereignisse (Unterwerfung der Bondelzwarts) nicht in Frage gestellt, die Verkehrtheit der Abstimmung des Zentrums und der Sozialdemokratie nicht widerlegt werden. Dagegen macht sich das „Berl. Tagbl." einigermaßen die Zentrumsauffassung nt eigen, indem es schreibt, es sei völlig ausgeschlossen, daß das Oberkommando in Südwestafrika nicht schon seit längerer Zeit über die Stimmungen und Absichten der Bondelszwart unterrichtet war. Das wird unseres Erachtens schwer zu beweisen sein, daß die Regierung auf die günstige Wendung hoffen konnte. Und Hoffnung ist keine Gewißheit. Zu bedauern bleibt, daß das Ergebnis nicht um 14 Tage früher eintrat. Dann allerdings konnte die Reichstags- auflösung erspart werden. Die Bondelzwarts hatten seit November 1905 sich nicht bloß aller Verfolgungen zu entziehen gewußt, sondern auch den Unseren vielfach schweren Abbruch getan. In letzter Zeit bildete die Bande Johannes Christians den Kern der Aufständigen und gerade sie war das größte Hindernis für einen schnellen und befriedigenden Abschluß der kriegerischen Operationen.____________________________ politifebe Tagerscharr. Japanische Umtriebe gegen Nord-Amerika. Sonderbare Kunde kommt auS New-Pork. Dortigen Blättern wird auS Havana gemeldet, daß die Japaner eine Insurrektion auf Kuba, den Philippinen unb Havaii oorbereiten, um die nordamerikanische Oberherrschaft zu erschüttern. Eine amtliche Bestätigung liegt bisher nicht vor, und wir glauben nicht daran, daß ein Zusammenstoß zwischen Nord-Amerika unb dem Reich des Mikado in der nächsten Zeit erfolgen wird, weil die Japaner sich von den Folgen ihreß Krieges mit Rußland finanziell und militärisch noch nicht ganz erholt haben. Ihre Menfchenverluste auf den mandschurischen Schlachtfeldern konnten sie noch nicht ersetzen durch ein gleichwertiges Soldatenmaterial, das sie erst wieder heranbilden müssen. Dann werden sie sicher nic/t eher losschlagen, bevor sie nicht ihre Flotte durch die Teil noch im Bau begriffenen Mammuth- und Schlachtschiffe unb Riesenpanzerkreuzer ergänzt haben. Aber sie treff, n Vorkehrungen. Die starke autijapanische Partei im Washingtoner Kongreß wirb die Nachricht sicher zum Vorwande nehmen, um auf eine weitere Steigerung der Norbamerikanischen Kriegsrüstungen hinzuarbeiteu. So ballt sich denn in Ost- Asien ein neues, schweres Ungewitter zufanunen. Teruffe Scheidemann und Tenoffe Bebel. ,®ine alberne Lüge ist e8, baß die Sozialdemokratie die Landwirte beschimpft." Genosse Scheidemann in der Reichstagssitzung vom 11. Dezember 1906. Mit „Sehr wahr" stimmten die Sozialdemokraten dem zu. IL ,E8 gibt keinen egoistischeren, keinen rücksichtsloseren keinen brutaleren und auch keinen bornierteren Rtenschenschlag als die bauerliche Klasse, gleichviel welcher Gegend." „Genosie" Bebel auf dem Parteitage in München. „Sehr richtig", riefen auch hier die versammelten Genossen. Deutsches Reich. Berlin, 27. Dez. Das Kaise rpaar hat das Weih nachtsfest in gewohnter Weise im Familienkreise verbracht. Am zweiten Feiertage wohnte die gesamte Kaiserliche Familie mit den Damen und Herren der Umgebung der Vorstellung im Königl. Schauspielhause bei. Gegeben würde Blumenthals Lustspiel „DaS Glashaus". — Den reichstreuen Bergarbeitern in Niederschlesien, die dem Kaiser kürzlich ein Huldigungs-Telegramm übersandten, ist ein vom Geh. KabinetlSrat v. Lucanus unterzeichnetes Kaiser!. Danktelegramm zugegangen. — Prinz August Wilhelm von Preußen hat sich heute mit der Prinzessin Alexandra Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg verlobt. Prinz August Wilhelm, der vierte Sohn unseres KalserpaareS, ist am 29. Januar .1887, Prinzessin Alexandra Viktoria am 21. April 1887 geboren. Die Braut ist die zweite Tochter des Herzogs Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein. Ihre älteste Schwester, Prinzessin Viktoria Adelheid, hat sich am 11. Oktober 1905 mit dem Herzog von Sachsen-Koburg- Gotha vermählt. — Prinz Adalbert, der vierte Sohn des KalserpaareS, ist noch unvcclobt. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Fürstbischof Kopp begeht heute die 25. Wiederkehr des Tages, an dem er im Dom zu Fulda die Weihe als Bischof empfing. Als hingebungsvoller Diener seiner Kirche und treuer Patriot hat Fürstbischof Kopp segensreich vorbildtich gewirkt. — DaS Blatt fügt eine Schilderung de- Lebenriau'es von Kopp an und hebt fein Wirken für die Herstellung der Beziehungen zivlichen dem Staate und der katholischen Kirche hervor, sowie Jemen Anteil an den Verhandlungen zur Beseitigimg der Folgen des Kulturkampfes, sowie bei der Schaffung der entsprechenden Gesetze. — Dem Redakteur Dr. Tyrol wurde der Titel eines Direktors des „Deutschen Reichs- und königl. preuß. Staats- anz." mit dem Range der Räte vierter Klaffe verliehen. — Der Fall, daß cm Reichstags-Abgeordneter aus einer Fraktion ausgeschlossen wird, ereignet sich sehr selten. Wie jetzt bekannt wird, wurde der ReichStags- Abg. für den Wahlkreis Pyritz-Saatzig, der anllsemitische frühere PastorKrösell, nach einer Erklärung des Fraktions- Vorsitzenden der wirtschaftlichen Vereinigung, Liebermann von Sonnenberg am Auflösungstage des Reichs- tages aus der Fraktion ausgeschlossen. Er soll im Falle seiner Wiederwahl in die Fraktion nicht wieder aufgenommen werden. — Die nationalliberale Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses brachte eine Interpellation ein, wie sich die Verfügung des Kultusministers vom 4. Men 1906 betreffend die Beschlüsse der Schuloerbände, insbesondere der Stadtgemeinden, auf Erhöhung der Lehrergehälter vertrage mit den berechtigten Jnteresien der Schuloerbände, insbesondere der Stadtgememden an der Hebung ihres Standes. Ferner beantragen die Nationalliberalen, einer ander- weitigen Feststellung derWahlbezirke und der Zahl der von ihnen zu wählenden Abgeordneten, erhöhtes Wahlrecht auch bei höherer Bildung und höherem Alter, ein erweitertes Wahlrecht derWähler dritter Klaffe, Beseitigung derindirektenWahlund Ermöglichung einer Vertretung der Minderheiten. Unter den sonstigen An- trägen der Nationalliberalen befindet sich ein solcher aus schleunigste Bereitstellung staatlicher Mittel für Unterbeamte roegen der andauernden Verteuerung der Lebens- mittel, auf Ermäßigung der Eisenbahnpersonen, tarife mit Rücksicht auf die Verteuerung durch die Reichsfahrkartensteuer, auf Regelung der Haftung des Staats für die durch seine Beamten herbeigeführten Schäden und auf allgemeine Einführung einer fachmännischen Schul- aufsicht. — Auf eine Anfrage hat die Eilgut-Abfertigung in Halle a. d. S. mitgeteilt, daß die Versetzung von Fleisch, von frisch geschlachtetem Vieh in den Eilgut-Speztal- tarif sich nur auf frisches Fleisch von Zweihufern beziehe, also von Rindern, Schafen und anderen. Pet dieser Inter- pretation wäre also grade frisches Schweinefleisch, bei dem die Verbilligung besonders notwendig und erwünscht war, von der Tarifvergünstigung ausgeschlossen. — Dem Vernehmen nach steht eine Aenderung des jetzt geführten Infanterie-Gewehr-Modells bevor Straßburg i. Els., 27. Tez. Der G-w.einde'r°t bewilligte zunächst versuchsweise für die Dauer eines Jahres 5000 Mark zur Begünstigung der Versicherung gegen Arbeltslosigkeit. Alle cm Jahr in Straßburg ansässigen .Arbeiter und JJhtgliebcc eines Berufsoereines erhalten 50°/ Zuschuß zu dem Unterstützungssätze ihrer Arbcilslosenunter- slutzungskaffe tm Höchslbetrage von einer Mark pro Tao ausgenommen im Falle eines Streikes. Vom polnischen Schulstreik. Posen, 28. Dezember. Die streikenden Schulkinder der Stadt wurden Weih, nachten von den katholischen Geistlichen reichlich beschenkt Auch aus der Provinz laufen Nachrichten cm, wonach vermögende polnische Gutsbesitzer re. die streikenden Schulkinder ihres Bezirkes au den Feiertagen zu sich luden und m demonstrativer Weise beschenkten und bewirteten. Gegen den Rechtsanwalt Tr. v. Swinarski in Hohen- salza hat die Staatsanwaltschaft auf Grund des § llo detz Str.-G.-B. em Strafverfahren eingeleitet wegen Beihilfe zur Ueberschreitung des genannten Paragraphen. Tie Staatsanwaltschaft behauptet nach einer polnischen Blätternielüuna daß Dr. Swinarski die Anträge um Erteilung des polnischen Religionsunterrichts verfaßt und verbreitet hat. J AusLand. Melilla, 27. Dez. In den Territorialgewässern von Al- hueemas hat sich gestern ein Zwis chenfall ereignet. Das englische Schmuggler sch iss „R i c a r b o", welches Eier an Bord nahm, empfing das Zollboot, welches die Zollhinterziehung verhindern wollte, mit Drohungen und lichtete die Anker. In derselben Nacht wurden einige Schüsse auf die Stadt abge- feuert. Die spanhaien Behördcn t,al>en uie Aus.v^ung per Eingeborenen, welche bei der Beladung des „Ricardo" mitgewirkt haben und die Bestrasung der Schuldigen gefordert. Der Zwischen- satt ist damit erledigt. Tanger, 27. Dez. Der Kriegsminister G e b b a s ist in Tanger eingezogen. und hat den B i e h m a r k r, der bis dahin von den Leuten Raisulis bewacht wurde, besetzen lassen. Raisulis Leute haben sich ohne Widerspruch zurückgezogen. Die marokkanischen Beamten erklären, daß in wenigen Tagen allesinOrd- n u n g sein werde. Die Spannung unter den Europäern hat seit dem Erscheinen der Reg.ierungstruppen nau-getassen. Die Lage hat sich fraglos gebessert. u n i» , 21. Dez. Zehn Matrosen und der zweite Offizier euic» d e u ts chen D a m p f e r s, die am letzten Sonntag i.n Kaffeehai'se in Sfax in betru.iU.nem Zuimuoe Unfug verübt hatten, wurden heute zu z i^e i T a g e n G e s ä n g n i s unu fünf Franken Geldstrafe verurteilt. Wie verhält es sich mit dem Schlagwort „Marinismus"? Man schreibt uns: AlS vor kurzem im Reichstage anläßlich der Anfrage des Abg. Bassermann unsere allgemeine politisaw Luge, unter anderem unser Verhältnis zu England erörtert wurde, ließ die äußerste Linke wieder den alten Vorwurf ertönen, baß die Vermehrung unserer Flotte von England als eine gegen sich gerichtete Drohung angefeljen werde. Demgegenüber seien zrvei Stellen aus Reden englischer Staatsmänner ersten Ranges angeführt, von denen mindestens der eine — Lord Balfour — der Präsident des letzten konservativem Ministeriums, m dem Rus steht, unserem Vaterlande nicht besonders hold zu sein. Leide Reden wurden bei Besprechung des Abrüstungsantrages des jetzigen liberalen englischen Ministeriums, der aus der Haager Kvnserenz behandelt werden soll, gehalten. Lord Goschen, irüher wiederholt Minister liberaler Kabinette, mindestens einmal Marineminister, führte aus: „Nicht aus eitler Prahlerei, sondern aus Notwendigkeit vermehre Deutschland und die Vereinigten Staaten ihre Seemacht. Die Haager Kvnserenz wird diese ^Notwendigkeit nicht leugnen. Machen wir doch das Volk nicht weis, daß eine einfache europäische Konferenz genüge, uns zu erlauben, und jeder militärischen Anstrengung zu enthalten. Es ist nickst die Rolle eines ersten Ministers, dem Lande den Glauben an das Hirn- gespinst beibringen zu suchen, daß eine Konferenz in dem Haag die Rüstungen hemmen werde." Balfour sagte: „Ich glaube nicht, daß die in dem englischen Marinebudget ange,e§te Minderausgabe einen Eindruck aus bie Konferenz machen wird. Wie werden Sie Ihre Auf- riastigkeit beweisen? Jiidem Sie sagen: Es ist richtig, daß wir un,cre Militärischen Ausgaben vermindert haben, aber wir haben unser Heer um 50 ,Proz. stärier gemacht. Wir haben unsere Ausgaben sür bie Flotte vermindert, aber unsere Admirale ver- licherii uns, daß selost nach diesen Verminderungen wir immer noch am stärkiten finb. Wie sollen die fremden Diplomaten, die sich nach dem Huag begeben, diese ganze Geschichte glauben. Das ist einsach absurd." Unser politisches Leben ist so vergiftet, daß in gewissen sehr großen Kreisen die Aussagen unserer Autoritäten — siehe Reichs- latzsauslösung — entweder als falsch, zurechtgestutzt oder mindestens als zweifelhaft angesehen werden, wenn sie gerade nicht in den Kram passen. Was sagen unsere über Marinistnus schimpfenden Kreise zu diesen Worten zweier englischer Parlamentarier, denen man nach ihrer ganzen Vergangenheit nicht unterstellen wird, daß sie int Sinne hatten, den Ausbau unserer Flotte in chauvinistischer Weise zu fördern? Sind diese beiden Staatsmänner als englische Patrioten etwa verletzt durch unsere Bestrebungen, unsere Marine den eigenen Bedürfnissen eillsprechenb ausznbauen? In dem Pariser „Matin" setzt der französische Chefingenieur der yJiarüie Laubenf auseinander und unterstützt seine Worte durch Schiffe in relativen Größen, daß die englische Flotte 1910 nod) so groß sein wird, als bie Flotten Frankreichs, RußlandÄ und Deutschlands zusammen. Er kommt zu dem Schluß: „Es ist uns ulso völlig unmöglich, in dem Haag ein Jnnehalten in unseren Schigsoauten anzunehmen." Ww stehr eS bet uns? L. Aus S.aot uuo Luuo. Sprechstunden der „.CL.at.v.i n - i ulyc vor.u., ' .-7—^8 Uhr abds. Gießen, den 28. Dezember 1906. ** Vom Großherzoglichen Hofe. I. K. H. der Großherzog und die Großherzogin werden am Neujahrstage die üblichen Gratulationen im Neuen Palais entgegennehmen. Am 2. Januar, abends 7 Uhr wird im Großherzoglichen Nesidenzschlosse eine Neujahrstafel zu 100 Gedecken stattfinden. Ein Hof ball wird voraussichtlich am 9. Januar 1907 im Alten Palais stattfürden. Landesuniversität. Dem Prioatdozenten des Kirchenrechts bei der hiesigen juristischen Fakultät Landrichter Dr. I. Friedrich wurde bie Venia legendi auf die Rechts- Philosophie ausgedehnt. Die Reinigung der Fußsteige von Schnee und Eis ist Sache der anliegenden Grundbesitzer, worauf wir unter dem Hmzufügen aufmerksam machen, daß die Polizei auf strengste Einhaltung der in der heutigen Bekanntmachung diescrhalb mitgeteillen Bestimmungen sehen wird. ** Gießen im Schnee. Seit mehreren Tagen prangt Gießen und die ganze Umgegend, wie das ganze Deutschland, in einem prächtigen weißen Gewände. Wohl seit 10 Jahren war ein so erdebücher andauernder Schneefall nicht zu verzeichnen, wie in den letzten Tagen und es ist zu erwarten, daß der gegenwärtige gelinde Frost dazu beiträgt, in den nächsten Tagen ein ebenso weißes Neujahrsfest feiern zu können, wie es das Weihnachtsseft war. Unter dllsen Umständen kommen Schlitten u..d Schuitick-nhe zu bejonbertn Ehren und seit langer Zeit gab eä hier meist so lustige Sehlittenpartien, wie am gestrigen dritten Feie,.tag. Ja ben benadjoarten Gebirgsgegenden kommt der hohe Schnee vor allem den Skiläufern zugute. So schreibt man uns j. B. aus dem Vogelsberg: Der S ch n e e s cl> n h s p o r t wird im Vogelsberg seit einigen Jahren fleißig grubt uno in diesem Allnll c ist die Schneeschuhbahn besonders am Hoherodskops vorzüglich. Auch eine F u ß Wanderung durck) den winter- co3 1 ^ogelsoerg i|t zurzeit äußerst lohnend. Auf gebahntem B>ege kann man von Schonen aus über Michelbach—Breunges- gant bequem zum Hoherodstvpf gelangen. Die Verpflegung im «?UWU3 -Qulc bcm voherodskopf wird allgemein gelobt. Die u'djaft. den ganzen Winter hindurch offen, sodaß die günstige G.chgenheu geboten ift, auch während des Winters im Klubhaus iU-'n°^lCa^lcri‘ Ä hö n liegt der Schnee durchschnittlich JJieier hoch, cm Kreinberg sogar noch wesentlich l-öher. — » 111 T|t Schneefall in gewaltigen Massen ein- gc treten. , Jk r Ä ahn verkehr iricib^t starte Veripatungen, nament- ^wipw.iu'.ne und der Linie St. Galten—München. Ter NachtfchneLi^ug NiaNchen—St. Gasten—Zürich traf am Donnerstag nvutag in St. Gallen mst ittbenaünbiycr Veripätung ein. ** Sein vierzigjähriges Jubiläum feierte gestern der Kutscher Wilhelm Bonarius bei der Weinhaudlung Gebrüder Schwan. In dieser langen Zeit hat Herr Bonarius seine Obliegenheiten treu und in gewissenhafter Weise erfüllt und sich damit die Anerkennung seiner Prinzipale un hohen Älaß erworben. • * Omnibus-Verkehr. Wegen des eingetretenen Schnees fallen die Fahrten aus, die nicht zu Zügen gehen. • • Amnestie. Tas Depeschen-Bureau Herold wußte zu melden, dem Großherzog habe das Weihnachlgsesl zu Begnadigungen Veranlassung gegeben. Diese 9lachricht ist insofern nicht zutreffend, als em abermaliger allgemeiner Straferlaß außer dem gelegentlich dec Geburt des Erbgropherzogs erfolgten, nicht stattgefunden hat, sondern es stch nur um daraus hervorgegangene, bisher noch von der berichtlichen Aeußerung der betreffenden Behörden und der Enticheidung abhängige Einzelfälle handeln kann. * * Der Turnverein .Gießen hielt seine Weihnachtsfeier am Älbend des zweiten Feiertages in seiner Tuciihalle bei sehr zahlreichem Besuch von den Slüglicbern und deren Familienangehörigen ab. Das sehr reichhaltige Progrannn bestand aus Konzert und Vortrag von Weih- iiachtüchören durch den Sängecchor des Vereins unter Leitung des Dirigenten Kasten. Em flott gespieltes Weihnachtsmärchen „Der Seegcist", das jubelnden Beifall fand und em wirtungs- volles lebendes Welhnachtsbild, bei dem über 30 Personen initwnkten, trug der Wechnachlsstimmung besonders Rechnung. Den Schluß des Unterhaltungsprogramms bildete eine reich ausgestaltete Verlosung und daran anschließend folgte em flotter Tanz. Gestern sand als Nachfeier des schön verlaufenen Weihnachtsfestes em Ausflug auf den Windhof statt. -b.- Oden hausen (Rabenau), 27. Dez. Heute nacht V, 3 Uhr wurden bie Einwohner unseres Ortes durch den Rus Feuer auigejcljvecft. Es brannten bie Detonomiegebäube des Rentners Fr. Wegner (jetziger Pächter I. I. Girnhardi). Die l)ie|ige, sowie bie Rachbarieueiwehren von Geilshausen und Rübding- ijauien waren bestrebt bas Feuer aut feinen Herd zu beschranken, was auch gelang. Wäre bie Scheuer, bie an 8 Rachbargebaude grenzt, nicht ein massiver Steinbau gewesen, so hätte bas Feuer ein gröberes Unglück angerichtet. Herr Girnharbt feierte am 2. Feiertage seine Hochzeit und bas Feuer war wohl lein angenehmes Hoch» zensgeschenk. S t e i n f u r t (Kr. Lauterbach), 26. Dez. Eine große Festver- sammlung hatte sich am 26. Dezember, nachm. 8 Uhr, am alten Schuthaus eingefuuben, wo ber derzeitige Lehrer AbschiebSworte sprach und der Schulerchor einen Abschiedsocrs sang. Dann ging- nut '1)1 ufit zum siaitlichen Neubau. Em Begrüßungsoers ivuröe gejungen. Pfarrer Kullmann-Altenschlirf betonte in der Weihercde, daß, ivo der rechte Bauherr nicht hilft, bie Bauleute vergebens arbeiten. Tas Holz zum Bau hat bie Gemeinbe bem eignen Wald entnommen. Daran fnüptte Schulrat Andres an, indem er einen schönen Vergleich zog zivischen Schule und Wald. Kreisbauinspektor Hechler sprach allen, bie am Bau mihmrtien, semen Tank aus, besonders dem rührigen Bauleiter, Straßenmeisier Stumpf und überreichte dann dem Kreisrat v. Bechtold den Schlüssel. Letzterer übergab das Haus seiner Bestimmung. Er schloß mit einem Hoch aus den Protekwr unseres hessischen Schulwesens S. K. H. den Großherzog. ? Burkhards, 27. Dez. Einen Dummenjungenstreich verübten hier drei Burschen, indem sie nachts an das Fenster einer Wohnung klopften, worauf sofort die Hausfrau erschien. Kaum hatte dieselbe das Fenster geöffnet, so flog ihr ein dicker Schneeball vor die Brust, sodaß die Frau ohnmächtig zurück in die Stube fiel. Die Sache wird ein gerichtliches 9lachspiel haben. d. D u t e n h o f e n , 27. Dez. Am Abend des L WeihnachtS- feiertagcs fand, wie alljährlich, in unserer 5^irche die Weihnachtsbescherung ber Schüler und Schülerinnen aus den drei Schulklassen, die zurzeit 190 Kinder zählen, statt. Auch in diesem Jahre stiftete die Gemeinbe für bicien Zweck wieder 30 Mark, tou|ür den Kindern Bücher, Stahlfedern, Griffel u. q. m. verabreicht wurden. Das Programm der Feier war sehr reichhaltig und vielseitig; besonoers trug unser Gesangverein unter Leitung feines Dirigenten Schneider aus Münckcholzhausen durch Vortrag einiger Sieber für Männer- und gennfujten Chor viel zur Verschönerung bei. Ein Streichorchester mit Orgelbegleitung, dem die Lehrer und andere Musikkundige von hier und Münch- liolzhausen angehörten, führten Weihnackstsphantasicn von Manns für zwei Violinen mit Orgelbegleitung auf. Eine ebenso würdige Feier sand am Abend des zweiten Feiertages in unserem Vereins- Hause statt. Hier brannte der Meihnachtsbaum der Sonntagsschule. Die herrlichen Lieder, die der Sängerchor der ev. Ge- setlschast unter Leitung seines Dirigenten Pfeffer meisterhaft zum Vortrag brachte, trugen viel zur Verschönerung des Festes bei. lüinft unö Wissenschaft. — Alfred Messel und das Kaiserpaar. Infolge des Besuches, melden das Kaiserpaar vor nicht langer Zell dem neuerbauten Rudolf Virchow-Krankenhaus abftattete, wandte sich, so schreibt die „9iorbb. Allg. Ztg.", bie Kaiserin, welcher ebenso wie ihrem hohen Getnahl bie bauliche Anlage und Einrichtung bieses Diustertrankenhauses in hohem Grade gefielen, an den Schöpfer des Werkes, den Stabtbaurat Ludwig Hoffmann, mit dem Ersuchen, für das zu schaffende Institut für Säug, lingsernährung in Charlottenburg Pläne zu entwerfen. Baurat Hoffmann wies auf seine Verpflichtung als städtischer Beamter hm, die ihm jede andere Beschäftigung verbiete; er glaube aber, daß er mit Hülfe des Architekten Messel in der Lage sein würde, bie Entwürfe vorzubereiten. Dieser Vorschlag wurde angenommen, und so werden zurzeit die Entwürfe für das wissenschaftliche Institut, für dessen Zustandekommen die Kaiserin bie lebhafteste Teilnahme hegt, bearbeitet. Dieser Auftrag gab wohl den Anlaß zu der irrtümlichen Meldung von der Ernennung des Architekten Messel zum Hofbaumeister. — Es scheint also wirklich, als ob sich beim Kaiser in Kunstdingen eine kleine Revolution vollzogen hatte. Die Hoffmantt-Mefiel-Episvde ist übrigens ein schönes Beispiel nechloscr Mnstlerkoliegialität. — An „Studienfahrten na chklajsischenStätten der K u n st " , urjprüngltd) nur für Archäologen, Kunsthistoriker, Mehrer, Architekten bestimmt, sollen sich im Jahre 1907 auch andere Beruisklassen, soweit Plätze verfügbar, beteiligen dürfen. Außer Reifen nach Italien, Venedig, Florenz, Neapel, Pompeji, Capri, Amalfi und Nordafrika, Tunis, Chartago, das „airllamsche Pompeji", Timgad, Sahara und ihre Oasen, Algier, kommen noch Fahrten nach Aegypten, sowie nach Griechenland, nach Palästina und Syrien zur Ausführung. Hervorgehoben sei, daß dieje Studien- iahrten feine gefchäutichen Unternehmungen sind, wie dies nicht nur der sehr billige Gesamtpreis, sondern vor allein die Rückzahlung der sich bei einer größern als der, Der Berechnung zu Grunde liegenden Teilnehmerzahl ergebenden Ersparuiße bewegt. Jme- rcf|enten teilt Dr. phil. O. Haffner in Freiburg i. B. näheres nut * K I e i n e T a g e s ch r o u ». I Beim Spielen mit einem Revolver erschoß, wie die „Brest. Ztg." meldet, auf Schloß RotHkirch der 18jähnge Alajoratsherr Ewertn Freiherr von Roih- kirch iNi Schlafzimmer seinen Jagdgast, ehemaligen Aiil- schüler Der Ritler-Aladeuue, Viktor von Hemz aus Liegmtz und verübte dann Selbstmord. — Auf einem dicht mit Passagieren bcjcgieu Wiener Stadlbahuzuge platzte zwischen den Stationen Hutiendori und Schönbrunn das Rohr der Luftdruckbremse. Ter "okomotivführer uuD der Heizer wurden schwer verletzt. Da die Bremse versagte, konnte der Zug er|t in Aiodtmg zum Hallen gebracht werden. Die Passagiere kamen nut dem Schrecken davon. Der Gutsbesitzer Janaz Rosenzweig in Neuha u S (Böhmen) wurde nachts burtf) Revolverschüsse ermordet. Als der -tnt üerbächtiq wurde der Postaehilfe Dowrcak verhaftet. Es scheint ein Racheakt vor,«liegen. - An der Juuenstädtischen « p a r k a s s e ( -m ft ien-CftefetHcbnft) inBudavest wurde em grober Betrug verübt, indem ,hr mittels geiälschter Brieie mit dem Namen eines tüiitsbesitzers, der ein Devot in Höhe von 600,000 fronen bet der Sparkasse hatte, 300,000 Kronen entlockt wurden. Die Polizeii ver- haiiete einen irüheren Buchhalter der Vaterländischen Bank, Dorbricks, und den Redakteur eines volksivirtschaftlichen Wmkel- blatles, namens Döbröü. Bei einer Haussuchung wilden beim Ei üeren 100,025 Kronen in Bar und Effekten, beim Letzteren 39,600 Kronen in Bar vorgefunden, die aus dem Betrug herrunren. Die Polizei fahndet noch au' andere Mithel'er. — Aussehen erregt in i'iucrpol der Selb st mord des russischen Konsuls Robert de Mei mann, der seit einiger Zeit durch eine nur s, neu intimsten Freunden bekannte Privatsache lief bedruckt in Loudon iveilte. Am 26. Dezember stieb er sich zweimal em i.vlnches Dolchmesser in die Brust. Am 27. Dezember ist er ocr- jchicbcn. Als er noch bet Bewußtsein ivar, traf ein Telegramm c . , daß die bewußte Privatangelegenheit befriedigend erledigt sei. N'm teilte ihm den Inhalt des Telegramms mit; er murmelte: s.-ül" und verschied. — lieber 1000 Weihnachts-Pakete, die । i h ^lachen bestimmt waren, verbrannten im Dussel- b o r- f c r Hauptbahnhofe. Der Brand entstand vermutlich durch Platzen einer umgesallenen Lampe. — Ein angeblicher Kellner Rlärker, der eine auf 600 Mk. lautende gefälschte Postanweisiing bei der Poft eingefch'nuggelt hatte, wurde in Halle festgenommen. Plan vermutet in ihm den Mann, der kürzlich in Leiozig das Attentat au den reelbbricftrnner verübt hatte. — In Zweibrücken er- | ch o s; s i ch ber 61sährige Bahnarzt Dr. H e s s e r t infolge Schwer- mu t am TodeStag seiner vor einem Jahre gestorbenen .zweiten Frau. - In Berlin hat der 26 Jahre alte Schneidergeselle Friedrich Neu- manu aus Frankfurt a. M. seine nm fünf Jahre jüngere fbinnt Helene Reimann ermordet, indem er ihr mit dem Taschenmesser den Hals durchschnitt. Nach Verübung der Mordtat beging er S e l b st m o r d. Er brachte sich mehrere Stiche in der Herzgegend bei und stürzte sich dann vom Balkon der Woh- i mg auf die Straße. Der Tod trat auf der Stelle ein, lieber da? Motiv der Tat fehlt jede Aufklärung. — Direktor Alfred Stender-Stefani vom Berner Stadttheater sprang in einem Anfall von Schwermut von der imqph',ner hoben Kirchenfeldbrücke in Bern in d i e Aar hinunter. Slender wurde nur leicht verletzt herausgezoacn und erlangte bald das Bewußtsein wieder. Uner- guickliche Verhältnisse zwischen dem Verwaltungsrat und der Direktion sollen die Ursache zu diesem Selbstmordversuche fein. Universitäts-Nachrichten. — Die Verfassungsstatuten der technischen Hochschulen zu Berlin, Hannover und Aachen sind n"u g-rcgelt worden. Die Lehrer werden sich forten in fünf Klassen teilen: etatmäßige Professoren, Honorarprofessoren, Do'enten, Privatdozenten, Lektoren. Die Honorarprofessoren werden von dem Kultusminister ernannt. Paris, 26. Dez. Der höhere Rat für den öffcntlick^n Unterricht hat den Entwurf eines Dekrets auSgcarbcittt, nack welchem arkadischen Aerztcn und Studierenden der Medizin, welche die Vorbedingungen für die Doktorprüfung in ihrem Lande erfüllt, gestattet sein soll, falls sie sich später naturalisieren lassen, das französische Diplom alZ Doktor der Medizin unter Befreiung von höchstens drei Prüfungen zu verlangen, vorausgesetzt, daß sic daS Baccalaureat einer Mittelschule besitzen oder Lizenttaten des Science- sind. — Der Lemberger Professor Kasrmkr Mroblewski, bekannt als polnischer Literarhistoriker, der mit seiner jungen Frau die Feiertage über in Radymno weilte, ist dort durch Gcsaus- strömung im Schlafzimmer mit seiner Frau erstickt. handel und verkehr, Volkswirtschaft. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 2«. Dez. ^Orig.-Telegr. de? „Gieß. An,z.^ V i e h m a r k t. Zum Verkaufe standen 726 Kälber 250 Schafe und Hammel. 646 Schweme, 5 Ziegen. Schweine: 1. Qual. 72—00 Pfg. Lebendgewicht 67.00—00.00 Ps, 2. Qual. 71—00 Pf., Lebendgewicht 56.00- 00 Pfg., 8. Qual. 60—65 Pfg. Kälber 1. Qual. 95—08 Pf., Lebendgewicht 56—58 Pfg., 2. Qual. 82—88 Pfg., Lebendgewicht 48-62 Pfg., Schlachtgewicht 65-70 Pfg. Schafe 1. Qualität 78—80 Pfg., 2. Qualität 00 - 00 Pfg. Geschäft: bei Halber und Schafen lebhaft, kein Ueberstand; bei Schweinen gedrückt, Heber* stand unbedeutend. Gießener Wetterdienst. -roranSsichtliche Witterung für Hessen am SamStag dem 29. Dezember: Meist trüb. Schneefälle. Temperatur nicht verändert. Veränderliche Winde. Griginal-Drahtmeldungen. Berlin, 28. Dez. Gouverneur v. Lindeqnist ist a u 5 London zurückgekehrt, nachdem über alle wesentlichen Wünsche der deutschen Reichsregierung in Bezug auf gemeinsame Maßregeln für den Grenzschutz bei Ginge- borenen-Aufständen ein Einverständnis mit dem Londoner auswärtigen Amte erzielt worden ist. New York, 28. Dez. Die Newyorker ,-• Im Namen der Hinterbliebenen: Familie Reichhardt Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Verluste unseres so plötzlich verstorbenen lieben Vaters, Schwiegervaters und Grossvaters, des Herrn Bürgermeister Georg Widdersheim für die sehr zahlreiche Begleitung zu seiner letzten Ruhestätte, für die reichen Kranz- und Blumenspenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Stotz, sprechen wir hiermit unsern innigsten Dank aus. Der Verein Deutscher Studenten zu Giessen LV. d. F.V. Adolf Becker, cand. phil. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem schweren Verluste, für die überaus zahlreichen Blumenspenden und die trostreichen Worte des Herrn Psarrassistenten Steiner am Grabe des teuren Verstorbenen sagt innigsten Dank. Gießen, den 28. Dezember 1906. Schellfische allerfelnste Nordseefiache lebendfrisch sra billig-ctemTages- preis empfiehlt |697J. Georg Wallenfels Marktplatz 21 Telephon 46 gegenüber der Engel-Apotheke. Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem uns betroffenen Verluste sagen besten Dank. Familie Gnst. Schneider, Wieseck. 09221 Rotwein '/.Flasche 55 Pfennig ohne Mas '^ebrGder Adami 14 Mausburg 14 “u Unterfertigter Verein erlaubt sich, seine lieben A. H. A. H. a. i. a. a. i. a. exm. !. a. exm. i. a. i. a. i. a. und a. a. hiermit von dem Tode seines verehrten Ehrenmitgliedes, des Herrn £ Stets vorrätig: 25 Flügel | von Sechsteln, Blüthner, Berdux, 150 Pianlnos | Kaps, Schiedmayer etc« 100 Harmoniums von Mannborg, Hofberg etc. Spezialität: Rudolph-Patent-Pianinos mit bis jetzt unerreicht guter Stimmhaltung 10-20jährige Garantie. — Freie Lieferung D”A* Monatsraten von 5—20 Mk. Höchster Barrabatt — Illustrierte Kataloge gratis . Gespielte Pianos zu allen Preisen • Pianos zu vermieten auch Harmoniums. — Monatliche Mietpreise 2—12 Mark Jede Reparatur an Pianos und Harmoniums wird in eigener. 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