Donnerstag, 29 November 1906 Nr. 281 156. Jahrgang Eichener Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag?. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieben daß die Firma TippclSkirch u. Co. sogenannten Kolonialskandalen konnte deshalb Herrn Dcrnburg sondern wir müssen kolonisieren, iat dadurch die Achtung, die er Redaktion, Exoedikion u.Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. Die „Gießener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. hatte, zweitens die seiner vorgesetzten Dienstbehörde schuldige Achtung verletzt, drittens gegen Beamte der Kolonialverwaltung böswillig oder leichtfertig unwahre Beschuldigungen erhoben habe. (Na, na, bei den Soz. Hört, hört, rechts.) Tie Achtungsverletzung wurde in verschiedenen Eingaben des Angeschuldigten an mich, den Reichskanzler, gefunden. Es heißt in den Emschcidungs- —jt.. -rser Angeschuldigte hat dem Reichskanzler mit "istände gedroht, um ihn seinen «Beamten nicht von vornherein Anspruch auf Beachtung oder gar auf volle Glaubwürdigkeit hatten. (Sehr richtig 1 rechts. — Lachen bei den Soz.) Aber auch noch einem anderen Vorwurf sollte ich begegnen: Ich hätte nicht dafür gesorgt, hat man gesagt. Rotationsdruck und Verlag der ruf) Pf eben UnwersilälSdruckeret. R. Lange, Gießen. gründen wörtlich: »Ter Angeschuldigte hat dem Reichskanzler mit der Veröffentlichung angeblicher Mißstände gedroht, um ihn seinen Ansprüchen geneigt zu machen, und hat dadurch die Achtung, die er seinem höchsten Vorgesetzten schuldig ist, in dreister Weise verletzt." Sie tocrdcn mir zugeben, meine Herren, daß die Aussagen dieses zu beschäftigen. Man hat sich nicht darauf beschränkt, wahre Tat» fachen wiederzugeben, man hat sich unzweifelhaft Uebertreibungen, Verallgemeinerungen und Entstellungen schuldig gemacht. (Leb-' haste Zustimmung rechts, Widerspruch bei den Soz. und im Zentr.) Ich habe schon neulich, vor gerade 14 Tagen, darauf hingewiesen, wie kehr bei uns die Unsitte eingerisien ist, heimische Mißstände durch ein Vergrößerungsglas zu betrachten und in der Verzerrung zu schildern. Anläßlich der Vorgänge auf kolonialem Gebiete erscheint mir diese Manier, die in solchem Grade bei uns grassiert, besonders stark. (Lärm bei den Soz. Sehr richtig! rechts.) Jeder einzelne Fall wird eingehend bebandelt und als Symptom der Durchsuchung breitgetreten. Solche Ucbcrtreibimg und Verallgemeinerung werden dann vom Auslande mit Behagen aufgenommen und mit großem Vergnügen schadenfroh weiter verbreitet. Mir sind Briefe zugegangen von Deutschen im Auslande, es sei unerhört, wie dadurch der deutsche Kredit, das deutsche Ansehen in der Welt geschädigt worden wäre. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Im Auslande bildet man sich wirklich ein, es wären bei uns Milliarden gestohlen worden, unser ganzer Beamtenstand sei verseucht, es sei überhaupt fein ordentlicher, pflichttreuer und braver Beamter mehr in Deutschland anzutreffen. In englischen, französischen, amerikanischen und spanischen Blättern erschienen frohen lange Artikel, ausgefüllt mit deutschem Klatsch und Trarsch unter der Ueberscbrift „Das deutsche Panama". Demgegenüber will ich vor dem Inland und vor dem Ausland, vor der ganzen Welt feststellen, daß der / deutsche Beamtenstand von keinem anderen übertroffen wird (lebhafte Zustimmung rechts, Lachen beim Zentrum und bei den So;., Schluß- rufej an Gewissenhaftigkeit und Integrität. Ich will feststellen — die Unterbrechungen machen mich daran nicht einen Augenblick irre (großer Lärm links) — daß die große Mehrzahl 2>er Beamten, die unter schwierigen Verhältnissen arbeiten, ordentliche und pflichttreue Beamte sind. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Ich will feststellen, daß die vielbeklagten Ereignisie in unserer Kolonialverwaltung nicht dem ganzen deutschen Bearnlenstand zur Last geschrieben werden können, ich will feststellen, daß solche Vorgänge auch in der Kolonialgeschichte anderer Völker stattgefunden haben und in weit höherem Grade, in weit größerem Umfange, als bei uns. Die Engländer, Franzosen, Amerikaner haben noch ganz andere koloniale Schwierigkeiten, ganz andere Kolonialskandale überwunden als wir. (Sehr richtig! rechts.) Wie man solche Schwierigkeiten, wie man solche Nöte überwindet, mutig, das können wir von den Engländern, das können wir auch von den Franzosen lernen. Ich will endlich feststellen, daß diejenigen, die solche lieber» treibungen und Verallgemeinerungen schreiben oder lesen, ja selbst im Grunde davon überzeugt sind, daß unser Beamtenstand im großen und ganzen durchaus intakt ist. (Sehr richtig!) Ausnahmen sind Gott sei Tank nur selten. Ich werde gegen jeden Beamten, der sich eine Unregelmäßigkeit zu schulden kommen läßt, rücksichtslos einschreiten. (Beifall.) Ich werde aber auch jedem Beamten — das erkläre ich vor dem Lande — der feine Schuldigkeit tut und zu Unrecht verdächtigt wird, meinen vollen Schutz angedeihen lassen. (Erneuier Beifall.) Möge unser Beamtenstand, auf den das deutsche Volk gewohnt ist, stolz zu sein, auf den das deutsche Volk nach wie vor mit Stolz zu blicken ein gutes Recht hat, sich nicht entmutigen, möge er sich auch nicht verbittern lasten. Denn hinter ihm steht nicht nur die Regierung, hinter ihm stehen alle gerechtdenkenden Leute, und die haben in unserem Volke noch immer die Mehrheit gehabt. (Sehr richtig! rechts,) Ich habe in rastloser Arbeit mit den Regierungen die Wege beraten, die uns zum gemeinsamen Ziele führen. Bewilligen Sie, was die Regierungen nach gewistenhaftcr Prüfung als notwendig erachten! Damit werden Sie unseren Kolonien, damit werden Sie Deutz Varerlande den besten Dienst erweisen. (Lebhafter Beifall rechts.; Zischen bei den Soz.) Kolonialdirektor Dernburg: Meine Herren! Wenn Sie mich mit einer gewissen Hebet* raschung hier vor Ihnen sprechen sehen, so gestehe ich Ihnen gern, daß auch ich diese Uebcrraschung teile. Als mir in den letzten Tagen des Augusts der Kaiser durch seinen obersten Ratgeber den Antrag machen ließ, die Leitung der Kolonialgeschäfte des deutschen Volkes zu übernehmen, habe ich nicht geglaubi, mich diesem Anträge vei' ließen zu dürfen, sondern in patriotischem Sinne gemeint, ichwere Aufgabe mir meiner bisherigen Tätigkeit veröd wir wollen oder nicht. Ter Trieb zur Kolonisation, zur Ausbreitung des eigenen Volkstums ist in jedem Volke vorhanden, das sich eines gesunden Wachstums und einer kräftigen Entwicklung erfreut. Darum war das deutsche Volk seit seinem Eintritt in die Weltgeschichte, seit zweitausend Jahren, ein kolonisierendes Volk, und wir werden es bleiben, solange wir bestehen. Die Form der Kolonisation wechselt freilich, ebenso wie die Vorteile, die das Mutterland von seinen Kolonien zieht. In den Zeiten nationaler Uneinigkeit und Ohnmacht gingen die über unsere Landesgrenze hinausoringenden Kräfte unseres Volkstums verloren, während andere Völker in der neuen Welt ihre Kräfte und ihren Unternehmungsgeist betätigten und große Kolonialreiche schufen, verzettelte Deutschland seine Kräfte in häßlichen konfessionellen Strett'g- leiten und in törichtem partikularistischen Bruderzwist. Wir wurden zum Kolonialdünger für andere Völker. Eine Wendung zum Besseren trat erst ein in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit der wirtschaftlichen und politischen Wiedergestaltung. Tie deutsche Schiffahrt fing an, sich zu entwickeln, es entstanden deutsche Unternehmungen in überseeischen Ländern. Diese Unternehmungen konnten auf die Tauer nicht des Schutzes durch unsere politischen Machtmittel entbehren. Diesen Schutz zu gewähren, war für Deutschland besonders schwierig. Wir dürfen nicht vergessen, meine Herren, wie sehr anfänglich nicht nur die Engländer, sondern auch andere Völker sich uns gerade auf überseeischem Gebiete überlegen glaubten. Als das Ausland anfing, zu merken, wie viel kaufmännischer Unternehmungsgeist und wirtschaftliche Energie in Deutschland vorhanden war, die auf Entfaltung rechnete, fing man an, unseren Unternehmungen Schwierigkeiten in den Weg zu legen und uns den Vorsprung merken zu lassen, den politische Machtmittel und territorialer Besitz auch auf wirtschaftlichem Gebiete gewähren. Darüber durften wir uns nicht wundern, und doch war es eine Notwendigkeit für das deutsche Volk, im kolonialen Wettbewerb nicht allzu sehr zurückzubleiben. Es ist bekannt, daß sich Fürst Bismarck im ersten Jahrzehnt nach Gründung des Reiches gegen alle kolonialen Bestrebungen ablehnend verhielt. Die vorsichtige Behandlung, welche der große Kanzer anfänglich dem kolonialen Problem angedeihen ließ, ist der beste Beweis dafür, daß sein späteres aftives Eingreifen in die kolonialen Angelegenheiten, unsere 1884 und 1885 Schlag auf Schlag erfolgende Erwerbung großer Gebiete in Polynesien und in Afrika nicht aus der Eingebung einer Augenblickspolitik hervorging, nicht aus phantastischen Vorstellungen oder unangebrachter Großmannssucht, sondern aus reiflicher Abwägung unserer wirtschaftlichen und politischen Notwendigkeiten und unserer wirtschaftlichen und politischen Machtmittel. Meine Herren, ich glaube, daß der damals vom Fürsten Bismarck betretene Weg der richtige ist, daß wir auf diesem Wege weiter fortschreiten müssen, und vor allem, daß wir das erworbene Land, das unter unserem Schutze steht, unterhalten müssen und können. Davon werden wir uns nicht abbringen lassen, auch wenn zurzeit Nöte und Sorgen mit dieser Erwerbung verknüpft find. Wir befinden uns in einer Krisis, dber diese Krisis wird hoffentlich zu einer Gesundung führen, und zu dieser Gesundung genügt nicht die Niederwerfung des Auf- gute Säftcl, Stiefel und Mäntel lieferte. (Heiterkeit rechts. — Sehr richt g! bei den Soz.) Meine Herren, ich frage Sie. ob eS einen vernünftigen Menselien gibt, der bona kicke vom Reichskanzler verlangen fann"— ich sage natürlich, bona kicke, von dialektischen Kunststücken rede ich nicht —, der bona fide vom Reichskanzler verlangen kann, daß er sich um alle Details der ihm unterstellten Ressorts kümmere. (Sehr richtig! rechts. — Lachen bei den Soz.) In keinem Lande der Welt gibt es einen Beamten, der so viele und wichtige Funktionen in sich vereinigt, wie bei uns der Reichskanzler. (Ironisches Oh! Ohl bei den Soz.) Daß aber der Reichskanzler außer der Vertretung der Regierungsgcschäfte vor dem Reichstage, im Bundesräte und in beiden preußischen Häusern, außer dem amtlichen Verkehr mit Seiner Majestät dem Kaiser, mit den Bundesfürsten und allen Ressortchefs, außer der Leitung der Staatsministerialsitzungen^ der persönlichen Fühlung mit den hier akkreditierten fremden Missionen, außer einer umfangreichen Lektüre von Berichten und zahlreichen Eingaben, außer der Verantwortung für die ganze auswärtige Politik und den ganzen Gang der inneren preußischen und deutschen Politik auch noch sorgen soll für Stiefel, Sättel und Mäntel, die den Regen nicht durchlassen (große Heirer- Tcit), das ist zuviel verlangt (Erneute große Heiterkeit, Gelachter und lärmende Zurufe der Sozialdemokraten.) Ich kann wirklich nicht in alle Röcke hineinspringen und alle Winkel durchstöbern, um nachzusehen, ob dort alles in Ordnung ist. Mein Blick ist auch begrenzt, und toenn eine Unregelmäßigkeit einmal vorkommt, dann darf man mir nicht gleich die Schuld zumessen. (Zustimmung rechts. — Lachen bei Den Soz.) Nun, meine Herren, will ich noch eins sagen. Seit Monaten hat ein Teil unserer Presse seine Aufgabe darin gefunden, sich mit den kolonialen Angelegenheiten und insbesondere mit den mit gutem Gewissen Sr. Majestät dem Kaiser als Nachfolger des Prinzen Hohenlohe Vorschlägen. Damit, meine Herren, ist bei uns für mich ein alter Wunsch in Erfüllung gegangen. Schon als ich vor 9 Jahren Staatssetre- tär des Aeutzeren wurde und der damalige Kolonialdirektor, der seitdem leider verstorbene Freiherr von Richthofen mir als Unterstaatssekretär zur Seite stand, hätte ich gern einen Mann aus dem praktischen Leben an die Spitze unserer Kolonialverwaltung gestellt. Die Verhandlungen, die damals Herr von Nichthofen kn meinem Auftrage in Hamburg und Bremen führte, blieben leider erfolglos. Ein angesehener hanseatischer Kaufmann ließ mir damals sagen: Des vormittags bin ich an der Börse, am nachmittag fahre ich mft zwei schönen Füchsen aufs Land hinaus, und da soll ich mit der Schinderei und den Aufregungen der Wilhelmstraße tauschen! ((Große Heiterkeit.) Damals habe ich auch bei dem Direktor des Norddeutschen Lloyds, .fierrn Wiegand, sondiert, der sich aber wegen einiger großen wirtschaftlichen Transaktionen tm Lloyd nicht von seiner Stellung trennen konnte. Es freut mich, daß es mir wirklich gelungen ist, einen Gedanken zu verwirklichen, den ich für gesund und lebensfähig halte. Dieses hohe Haus aber bitte ich, dem neuen Herrn in der Kolonialverwaltung mit Vertrauen entgegenzukommen, denn nur bei vollem gegenseitigen Vertrauen lassen sich die Aufgaben löi'cn, die uns auf kolonial- politischem Gebiete gestellt sind. Diese Aufgaben bestehen nicht nur in der wirtschaftlichen Erschließung unserer Kolonien, es gilt auch augenscheinliche Missstände in der Kolonialverwaltung zu beseitigen. (Sehr richtig.) Worin diese Mißverständnisse bestehen, brauche ich nach den Ereignissen dieses Sommers nicht darzulegen. Niemand kann es aufrichtiger bebauem, als ich, der verantwortliche Leiter der Reichsgeschäfte, daß einige der gegen die Kolonialverwaltung erhobenen Beschwerden und Anklagen sich als begründet herausgestellt haben. (Hört! hört!) Ich bin mir bewußt, daß ich keine Vertuschungspolitik getrieben habe, sondern eingeschritten bin, sobald ein Verdacht zu meiner Kenntnis gelangte. Man hat mir vorgeworfen, daß ich hätte rascher zugreifen und schneller die Untersuchung gegen die schuldigen Beamten anordnen sollen, man hat insbesondere gesagt, daß ein Subalternbeamter Pöplau schon im ^ahre 1904 und 1905 Anzeigen an mich erstattet hätte gegen Beamte, denen keine Folge gegeben worden wäre. Meine Herren, der Beamte Pöplau hatte sich schwerer Disziplinarvergehen schuldig gemacht (hört! hört!), als er dazu überging, unter grober Verletzung seiner Dienstpflicht amtliche Schriftstücke Tritten mitzuteilen, mußte die Tisziplinaruntersuchung gegen ihn eröffnet werden. Ter AuSgang dieser Untersuchung konnte die beste Aufklärung darüber bringen, ob das von Pöplau vorgebrachte Belastungsmaterial zutreffend sei. Deshalb wurde der Ausgang dieser Untersuchung abgewartet, bevor Beschluß gefaßt wurde über ein Eingreifen gegen die von Poplau verdächtigten Beamten. Durch Erkenntnis des Kaiserlichen Tisziplinarhofes vom 2. April 1906 ist gegen Pöplau auf Entfernung vom Amte und auf Dienstent- lassuna erkannt worden. In dem Urteil ist festgestellt, daß erstens der Angeschuldigte von amtlidjen zurzeit geheimen Schriftstücken einen die Amtsverschwiegenheit verletzenden Gebrauch gemacht standes und auch nicht die Pazifizierung unserer Schutzgebiete; es ist auch das offene Bekenntnis erforderlich, daß Fehler in der Kolonialverwaltung begangen sind, es ist der feste Wille erforderlich, diese Fehler nicht zu wiederholen und augenscheinliche Mißverständnisse zu beseitigen. Ich habe schon vor zwei Jahren vor diesem hohen Hause die Grunozüge einer Reorganisation entwickelt, die meine» Erachtens für unsere koloniale Zentral- und Lokalverwaltung notwendig sind. Ich habe schon damals die Loslösung dex Kolonialabteilung vom Auswärtigen Ami und die Errichtung eines selbständigen Reichskolonialamtes als dringend wünschenswert bezeichnet. Zu meinem lebhaften Bedauern ist durch einen während meiner Erkrankung gefaßten Beschluß dieses hohen Hauses die Forderung in dritter Lesung abgelehnt worden. Ich bebaute das, meine Herren, nachdem dieses hohe Haus in zweiter Lesung in Würdigung Der von der Regierung borgetragenen rein sachlichen Gründe sich mit stattlicher Mehrheit für ein Neichskolonialamt ausgesprochen hatte. Ich will auf diese Frage jetzt nicht mehr eingehen, sondern nur feststellen, daß die verbündeten Regierungen die Schaffung eines selbständigen Neichs- kolonialamtes nach wie vor für dringend wünschenswert halten und überzeugt sind, daß diese Notwendigkeit sich in_ben letzten Monaten noch mehr als früher herausgestellt hat. (Sehr wahr I red?t§.) Diese koloniale Reorganisationsfrage ist nun aber nicht das einzige Heilmittel für unsere Siolonien: sind auch sonst Ncforme« in capite ct membris nötig. (Sehr richtig! links.) Wir müssen uns vor allem die Frage vorlegen, wie heben wir die wirtschaftliche Entwicklung dieser Kolonien, wie fordern wir das Interesse und das Verständnis für unsere Kolonien im deutschen Volke, wie beteiligen wir mehr als bisher unseren Handel und unsere Industrie, unsere Geschäftsund Bankwelt an unseren überseeischen Unternehmungen? Der Gedanke lag nahe, die Losung dieser schwerwiegenden Fragen einer Persönlichkeit zu übertragen, die schon früher in enger Fühlung mit Den reichen wirtschaftlichen Kräften in unserem Volke gestanden hatte. Vei der Wahl eines Nachfolgers des Prinzen Hohenlohe, der sich seiner Aufgabe mit einem Fleiß unterzogen hat, den ich auch von dieser Stelle rühmend hervorheben mochte, habe ich in erster Linie nach den wirtschaftlichen und kaufmännischen Eigenschaften gesucht, die bisher in unserer Kolonial- abteilung sehr zu ihrem Schaden gefehlt hatten. Meine Herren, unser Kaufmannsstand hat sich eine große Stellung erworben, er hat zur Hebung des deutschen Wohlstandes und de? wirtschaftlichen Einflusses und damit des deutschen Ansehens beigetragen. _ Er zählt in seinen Reihen sehr tüchtige Leute, ausgezeichnete Kräfte. Tie Mitwirkung eines dieser Herren, eines unserer Headmen für Industrie, tote man sie in Amerika nennt, für die Geschäfte des Reiches zu gewinnen, erschien von vornherein vorteilhaft. In den eingehenden Unterredungen, die ich ,mit Herrn Dernburg hatte, ergab sich, Uebercinftimmung der leitenden Gesichtspunkte. Ich Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 128. Sitzung vom 28. November. 1 Uhr. Haus und Tribünen sind sehr gut besetzt. Am Bundesratsrisch: Graf Bülow, Dernburg., von Einem, Frhr. von Stengel, von Tschirschky, Kraetke u. a. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung der Nachtragsetats für Südwestafrika. (Aus Anlaß des E i n- geborenen-Auf standes Nachforderung von 29 220 000 Mark und als erste Nate für den Bau der Bahn Kubub — Keetmanshoop 8 900 000 Mk.) Beide Etats werden in der Debatte verbunden. Reichskanzler Fürst Bülow: Ich benutze die erste mir gebotene Gelegenheit, um mich vor diesem hohen Hause über unsere kolonialen Angelegenheitea auszusprechen. Ich bin gewiß, keinem Widerspruch zu begegnen, wenn tch sage, daß wir auf diesem Gebiet eine ernste Krisis durchmachen. Unsere Kolonien haben uns die schwersten Opfer auferlegt, Opfer an Blut und Opfer an Gut. Trotz der über jedes Lob erhabenen Bravour unserer Truppen ist es erst nach dreijährigen schweren Kämpfen gelungen, den Widerstand des Gegners zu brechen, und wenn auch der Hauptwiderstand des Feindes gebrochen ist, so wird voraussichtlich doch noch einige Zeit vergehen, bis wieder völlige Ruhe und Sicherheit in unsere Schutzgebiete einziehen. Die Kriegsführung auf so weite Entfernungen und unter so schwierigen und ungewöhnlichen Verhältnissen hat uns enorme Summen gekostet, weitere große Summen werden erforderlich sein für die Beendigung des Krieges, für die Wiederaufrichtung unseres Schutzgebietes und für seine wettere wirtschaftliche Erschließung. Daß alles räume ich ein. Aber, meine Herren, wenn die Regierung heule vor die Nation treten und ihr Vorschlägen wollte, es ähnlich zu machen wie weiland der Frankfurter Bundestag, der Hanibal Fischer den Auftrag erteilte, die deutsche Flotte unter den Hammer zu bringen — wenn die Regierung der Nation Vorschlägen wollte, unsere Kolonien zu veräußern, oder sich selbst zu überlassen, oder in irgend einer Form preiszugeben, so Dürfte eine tiefe Entmutigung gerade die besten Kräfte erfassen. Und mit Recht. Auch in der Flotte sah man damals vor 54 Jahren ein schlechtes Geschäft und warf deshalb die Flinte ins Korn in einem jener Momente moralischer Depression, wie sie nicht nur den einzelnen, sondern bisweilen auch ein Volk befallen. Wenn aber beide, Individuen und Volk, wieder mutig werden, schämen sie sich solcher Schwächeanwandlung. Ich bin gewiß, es wird sich kein deutscher Reichstag und kein deutscher Reichskanzler finden, der die Verantwortung dafür übernähme, unsere Kolonien aus dem Soll und Haben unseres Volkes auszuschalten. (Lebhafter Beifalls In der Auffassung, als brauchten wir keine Kolonien, zeigt sich meines Erachtens nicht nur ein unangebrachter Kleinmut, sondern auch ein Mangel an Einsicht in die treibenden Kräfte. Der Entwicklung der Volker — und der Weltgeschichte! (Sehr richtig 1) Die Frage steht nicht so, ob wir kolonisieren wollen oder nicht, 40-45 ewv nbrnMei. (Ob-____ SM*.. ! FrtilaP*! inH ö Mk. ftiftn fltfndit. 'il. liotje jtiffl Neßem M'mn nß bften u.Pchen. M*1- iß« ' bie ** ** ne «ÄT T-ch'-l. •ft eiiu"- *1 ■r Inventur der Organisation, über welche Nationen ife§ zu der Rechnung für das I Erfolge, < die iie dabei erzielt haben, befindet sich in Vorbereitung. versucht, ich eine vsid Titel könn desh eben muff Ausl ausg zu g eine bilar die und bat i bie 5. verlä nun Den wende wünsä zu eil heranz oUgm meerli ohne auch ■ die ß und desihl gibt, nriitii Milli prop der j Mut das । kolon wie unser sich- Rolon totnn als möglich geklärt werden kann. Wie Sie aus der Publikation, die die Firma Wocrmann jedem von Ihnen hat zugehen lassen, ersehen können, sind die Landungsgebührcn überall wiederholt herabgesetzt worden, und die Ausführungen der Firma hinsichtlich der Schwierigkeiten, der Verluste und Kosten bei den Landungen sind im wesentlichen richtig wiedergegebcn. Außer mit diesen Angelegenbeiten hat sich die Kolonialverwaltung in der letzten Seit hauptsächlich mit der Vorbereitung für ein Rcchnungsgesctz besaßt. Die Verwaltung muß anerkennen, daß cs in dem gegenwärtigen Zustande nickt weitergehen kann, daß ein gründlicher Wechsel eintreten muß und in Zukunft die Rechte dieses hohen Hauses auf eine beschleunigte Vorlegung geprüfter Rechnungen strikter gewahrt werden müssen. (Bravo!) Es muß hier betont werden, daß an den Verzögerungen die Kolonialzentralverwaltung im wesentlichen keine Schuld trifft; das wird hier in allen Einzelheiten bezw. in der Kommission nachgewiescn werden. Die Schwierigkeiten liegen in 1 ,fÜ6 .der Vmckericht des Rechnungshofes zu eine gti ihre ch schassen mtn ro Ei setzmg, balanc der damit dieser paffiei gestell für ik für de fei es lungd rechne: 3 aber ei seht tni diger $ derjtän toeiß, i sehen i komme toeife wenn Man kann annehmcu, daß von den Naturschätzen, die sich in Togo, in Kamerun, in Deutsch-Ostafrika vorfinden, überhaupt ir u r h ö ch st e n s 20 P r o z e n t auf Grund der gegenwärtig möglichen Transportwege nuschar gemacht werden können. (Hört, Hörti rechts.) Ein sehr großer Teil dieser Produkte kann nicht ver- IveNdet werden, weil der Transport zur Küste, zum Weltmarkt zu teuer ist. (Sehr richtig I rechts.) Ein sehr deutliches Beispiel ist die Station Mumtda am Viktoria Nyassa-See. Der Gesamthandel dieser Station betrug vor drei Jahren 341 000 Mark. Seitdem ist die englische Ilganda-Bähn eröffnet und cs ist bequem, nach Muanda zu Schiff zu kommen. Daher betrug im Jahre 1905 der Ausfuhrhandel von Muanda 2 478 000 Mark. (Hört, hört! rechts.) Hier ist der Beweis erbracht, wie die Eröffnung einer leider nicht deutschen Bahn den Verkehr geschaffen hat. (Sehr richtig! rechts.) Dieses Resultat ist auch deshalb so erstaunlich, weil für Südwestafrika beinahe gar keine .Kapitalwerte eingesetzt sind. Eine bescheidene Schätzung stellt den V i c h b e st a n d der Hereros vor dem Ausbruch des Krieges auf 200 000 Stück Großvieh fest. Diese 60 Millionen Kapital sind natürlich nicht berücksichtigt worden, denn erstens existiert es zum großen Teile nicht mehr (Heiterkeit), zweitens kommt es nicht in den Exporthandel. Merkwürdig ist an sämtlichen Feststellungen, daß nur 17 Prozent des gesamten europäischen Kapitals, das dort investiert ist, Anlagen des Deutschen Reichs und des Landfiskus sind, _ und daß 83 Prozent von deutschen Privaten oder Gesellschaften gestellt toer- ben. In der Heimat ist cs eine anerkannte Politik, gegen welche sich eigentlich niemand wendet, daß Eisenbahnen und Verkehrswege einen uronopolistischen Charakter tragen und deshalb Staatsbetriebe sein sollten, und deshalb ist c5 sehr eigenartig, daß man hier das vrivate Kapital so wert vor bem öffentlichen Kavital hat vorgehen lassen und gerade da, wo die wirtschaftliche Betätigung erschwert wird durch die Ungunst des Klimas oder durch ungünstige Produktionsverhältnisse, das private Kapital abschreckeu, da wird die Schaffung von Verkehrswegen von Reichs wegen es auch crmög- lichen, die Bilanz günstiger zu gestalten. Der Arzt muß zum Kranken kommen, der Gesunde hilft sich von selbst. Während die erste Denkschrift also die wirtschaftliche Grundlage der Kolonien, wie sw heute ijt, festzusetzen bestimmt war, enthält die zweite die Feststellung der administrativen Lage und der Fortschritte, die darin gemacht worden sind. Die Grundsätze, nach denen diese Aufstellungen gemacht worden sind, sind gleichfalls in der Denkschrift angcgkcken. Es sind im wesentlichen Tabellen, die zunächst zeigen, daß die Einnahmen alle miteinander in einer sehr schön ebenmäßig ansteigenden Linie fortschreiten. Wenn das hinsichtlich der letzten Jahre anscheinend nicht der Fall ist, so mache ich darauf aufmerksam, daß für 1904 und 1905 nicht die Abrechnungen haben benutzt werden können, sondern die Etatszahlen. Jeder von Ihnen weiß, daß Etatszahlen auf Grund einer Rechnung entstehen und daß sie mit der Wirklichkeit gar nichts zu tun hÄen. Nun ist meine Verwaltung angegriffen worden deshalb, weil die Schutztruppen hierbei ausgc- schiüden worden sind. Das bedarf einer eingehenden Rechtfertigung; erstens, wenn mau gern wissen will, was die Zivilverwaltung gebraucht und gekostet hat, darf man die Soldaten nicht hinein- rechnen. Zweitens, die Erwerbung von Kolonien vollzieht sich nicht dadurch, daß kühne patriotische Leute irgendwo eine Anzahl von schwarz-weiß-roten Flaggen aufzieht, sondern dadurch, daß diese Gebiete tatsächlich okkupiert werden. Diese Okkupation soll natürlich mit den Mitteln der Kultur, mit den Hilfen, die die religiösen Gesellschaften geben, durchgeführt werden, wo es geht. Wo es aber nicht geht, ..iuß militärische Machtentfaltung cintreten. Deswegen können Sie nicht sagen, daß der Etat eines Schutzgebietes für em elnfiä reu q es fäf 8'elmi Wann haben auch, sarnti foeldji dild Reich fest" forde ab f ßtain nur i die ß rein i nicht kehrsi Schuf mittet haben bestes < H d wäre, hatte, $)Het U nd i p9un oez q fahrt, hat, c wären winde f-nb, । afrikor reiA kann. aUÄ' nachf soff, lind Es ivir mit hat fReid daß UNd eine lant «otf viel Mr ftiflfi etngi Gros mich sind nehmen können, weil das Risiko erheblich ist. Diese Aufgabe ist nun eine der allersckwcrstcn und umfangreichsten der Kolonial- verwaltung. Jeder schritt bedarf der allersorgfältigsten lieber; lcgung und der gründlichsten Vorbereitung, denn jeder Fehler rächt sich schwer und lostet ungezählte Summen. Bei der Berufung in die Kolonialverwaltung habe ich zunächst kaufmännische Prinzipien dadurch anzuwenden, daß mente und Akten und nach meiner geschäftlichen Erfahrung bilden konnte, hier gebührenden Ausdruck geben würde, auch wenn sie von bisher landläufigen Ansichten abweicht (Beifall rechts), selbst auf die Gefahr hin, daß ich mißverstanden werde. Ick bin mir durchaus meiner Verantwortung bewußt, besonders Denjenigen gegenüber, die mir ihr Vertrauen entgegengebracht haben. Die Denkschriften führen den Nachweis, daß sich das deutsche Kolonialwesen in verständigen Bahnen bewegt, daß in den letzten 20 Jahren sehr erhebliches geschaffen ist und daß die Aussichten für die Zukunft nach jeder Richtung gut sind. Das in den Schutzgebieten angelegte deutsche Kapital einschließlich der diesen Schutzgebieten dienenden Schiffahrtsgesellschaften übersteigt bereits, ohne Rücksicht auf ein Adigo die Summe von 370 Millionen. Daran bat der deutsche Reichsfiskus einen Anteil von etwa 60 Millionen, das Privatkapital von 300 Millionen und die Missionen haben 8 Millionen beigesteuert. Das ist eine sehr erkleckliche Summe, die weit über das hinausgeht, was in sehr vielen Kreisen angenommen wurde. ...... hinausgeht, was :n sehr bielcn Kreisen ange Dabei sind naturgemäß nicht berücksichtigt die englischen Kapitalien, die im Plantagenbau an der Westküste von Afrika angelegt sind, und auch nicht die außerordentlich großen Beträge, die die Inder in unserer Ostafrikanischen Kolonie besitzen. Auch das ist ausgeschlossen, was der Postfiskus an Post- und Tele- graphcnanlagcn dort besitzt, weil die Zahlen in der kurzen Zeit nicht zu erhalten waren, denn wir haben im ganzen noch nicht zwei Monate für diese Denkschrift gehabt. Die sämtlichen Unternehmungen sind auf die Rentabilität untersucht worden, nicht etwa eine Durchschnittsrentabilität, derart, daß man aus gutgehenden und minder gutgehenden den Durchschnitt gezogen hat, sondern die Unternehmungen sind jede für sich untersucht und in die Klassen der rentablen, der werdenden und der unrentablen eingeteilt worden. Da hat sich herausgestellt, daß über 250 Millionen Dieses Kapitals in den Kolonien bereits rentabel angelegt sind, und ungefähr 100 Millionen sich in einer werdenden Rentabilität befinden, d. h. daß die Einnahmen im Verlause mehrerer Jahre eine aus- steigende Richtung gezeigt haben, wie das z. B. bei allen Plantagengesellschaften Eintritt und cintreten muß, und daß nur ein verhältnismäßig kleiner Teil unrentabel ist. Dabei sind an die Rentabilität außerordentlich scharfe Kriterien angelegt worden. Man hat sogar unterlassen, solche Zinsen, die die Unternehmungen zu zahlen hatten und zahlen konnten, der Rentabilität zuzuschlagen, obwohl das ganz richtig gewesen wäre, weil es ja auch nur eine Verzinsung des in diesen Unternehmungen steckenden Kapitals dar- gestellt hätte. Am meisten angefochten in den Denkschriften ist der Versuch, den Wert der Anlagen der Eingeborenen festzustellen. Es ist natürlich nicht die Absicht gewesen, urbi et orbi zu verkünden, der Wert des Grund und Bodens und der barauf wachsenden Kulturen in unseren Kolonien sei 616 Millionen und kein Pfennig mehr oder weniger. Es sollte vielmehr, und zwar möglichst Mich in Form einer Summe gezeigt werden, daß bereits heute sehr große Kapitalien der deutschen Nationalwirtschaft dienstbar sind, daß die Eingeborenenwirtschaft den nationalen und wirtschaftlichen Bedürfnissen schon große Dienste leistet. Dieses Resultat ist ein ziemlich erstaunliches. (Zuruf bei den Soz.) Jawohl, es ist deshalb ein so erstaunliches, weil es erzielt ist, ohne daß die notwendigen Verkehrswege geschaffen sind. (Sehr richtig! rechts.) des gegenwärtigen — nicht des gewesenen, auch nicht des zukünftigen — Standes des deutschen Koloiiialwescns habe aufstellen lassen. Solche Aufstellungen sind der Natur der Sache nach sehr umfangreich, sie verlangen eine sehr genaue Arbeit und ein vorsichtiges Urteil, die Quellen sind nicht leicht zu erreichen, uni) die Zahlen müssen in vielen Fällen auf ihre Zusammensetzung geprüft werden. lSehr richtig! bei den Soz.) Ich kann Ihnen demnach diese Arbeit jetzt noch nicht in vollem Umfange vorlegen, dem Hause ist zuiiächst eine Denkschrift über die deutschen Kapitalinteressen in den deutschen Schutzgebieten ohne Kiautschou zugcgangen — Kiau- tschon deshalb nicht, weil es nicht der Verwaltung der Kolonial- abteiluiig untersteht; ferner eine Denkschrift mit dem Titel: „Die finanzielle Entwickelung der deutschen Schutzgebiete ohne Kiautschou"; cii'.' weitere Denkschrift über das, was die europäischen ~ i h Eisenbahnbau in Afrika geleistet haben und über die Jahr 1896 ausführlich ausspricht. (Hört, hört!) AuS dem Vorgesagten werden Sic es begreiflich finden, daß es z. Z. nicht möglich ist, Ihnen eilt vollständig ausgearbeitetes Programm vorzu- lcgen. Es wird Ihnen jedoch recht sein, wenn ich jetzt bereits einige Leitsätze ansspreckc, in deren Richtung sich meine Weiterarbeit zu bewegen haben wird. Tas Ziel einer verständigen Kolonialverwaltung muß es fein* die Schaffung von mit dem Vaterlande eng verbundenen, administrativ unabhängigen, wirtschaftlich gesunden Kolonien. Hierzu bedarf es einer großen Anzahl von Veränderungen, so der Schaffung einer leistungsfähigen, in guter Tradition erwachsenen, verläßlichen und dem Heimatlande treu ergebenen Beamten- s,ch ast.. Eine solche ist nur erzielbar auf der Basis einer gesetzlichen Feststellung der Rechte und Pflichten und einer auskömmlichen Dotierung und Versorgung gegenüber den aus dem Kolonialdienst erwachsenden Aufgaben, Gefahren und gesundheitlichen Schädigungen. (Sehr richtig!) Eine solche Festlegung ist von diesem hohen Hause wiederholt gewünscht worden. Es haben unter meinem Vorsitz eingehende Besprechungen stattgefunden, wie diese überaus wichtige Frage gelöst werden kann. Ich hoffe, daß die Resultate dieser Beratungen in nicht zu langer Zeit diesem hohen Hause werden vorgelegt werden können. Der Gang der Dinge dieser Welt wird nicht durch Einricktungen, sondern durch Personen bestimmt, und eine erfolgreiche koloniale Verwaltung hat zur Voraussetzung, daß für sie die besten Personen gefunden werden. (Lebhafte Zustimmung auf allen Seiten des Hauses.) Für den Dienst in unseren Kolonien ist der beste Mann und Charafter gerade gut genug. (Lebhafte Zustimmung auf allen Seiten.) Eine absolut fleckenlose weiße Weste ist die erste Vorbedingung. (Lebhaftes Bravo! auf allen Seiten.) Ich gehe mit drei Worten auf die sogenannten Kolonialflandale ein, die der Herr Reichskanzler vor mir berührt hat. Die Angriffe sind im wesentlichen gegen Beamte der Kolcmialabteilung und gegen Offiziere der Schutztruppen gerichtet. Bei der verantwortlichen Stellung, die die Kolonialbeamten einnehmen, der Gefährdung, die durch unsachgemäße Behandlung dem Deutschen Reiche und seinen Finanzen entstehen kann, ist es absolut notwendig, daß jeder Kolonialbeamte sich der hohen Pflichten seines Amtes in jeder Sekunde bewußt sei. Die Verwaltung wird alle Verfehlungen unnach sichtlich vor das gehörige Forum ziehen. Es wird niemand seiner gerechten Strafe entgehen dürfen, aber ebenso ist das notwendige Korrelat einer solchen Praxis, daß auch diejenigen, weitaus die größte Anzahl bildenden Beamten, welche im Dienst ihres Vaterlandes in ungesundem Klima unter schwierigen Eingeborenenver- hältnissen bei nicht übermäßig glänzenden 91 Enumerationen treu ihre Pflicht tun, von Amts wegen gegen unberechtigten und heimtückischen Angriff geschützt werden (Beifall rechts), ebenso wie schuldige Beamte bestraft werden. Es soll auch eine Praxis der Verwaltung sein, so weit sich die Anschuldigungen als Verleumdungen oder Ehrenkränkungen Herausstellen, daß die Verwaltung gegen den Verleumder ober Beleidiger vergeht. (Sehr richtig!* rechts.) Bezüglich der bisher erhobenen Anschuldigungen hat der Reichskanzler auf meinen Antrag eine Kommission eingesetzt, bestehend aus zwei preußischen Richtern und einem Staatsanwalt, Bemnten, welche mit der Kolonialverwaltung bisher nichts zu tun gehabt haben. Diese Beamten werden sämtliche Fälle, welche entweder in diesem hohen Hause oder in der Presse oder sonstwo vorgebracht sind, auf das Eingehendste untersuchen, und es wird diesem hohen Hause von den Resultaten dieser Untersuchungen Kenntnis gegeben werden. (Beifall rechts.) Eine weitere Voraussetzung für die Errichtung selbständiger und leistungsfähiger Kolonien ist die Etablierung derjenigen Basis, auf welcher europäische Kultur fortschreiten kann. Hierzu gehören die außerordentlich schwierigen und verwickelten Fragen des Ein geborenen- Rechts und ber (Singebore# nenbehandlnv g. Vor allen Dingen aber ein gutes Einverständnis mit den der Shiltur bienenden, verdienstvollen Missionsgesellschaften und Missionaren, die ja zum Teil Vorläufer der staatlichen Gewalt gewesen sind, und die zum Erwerb unserer Kolonien das ihrige beigetragen haben lieber diese i Gegenstand sich ausführlicher auszulaffeu, wird die Beratung des Etats für das Jahr 1907 Gelegenheit geben. Ferner aber gehört zu diesem Gebiet die Frage der wirtschaftlichen Selbständigkeit, zu deren Erzielung sowohl der Staat als das Priva'kapital das ihrige beizutragen haben. Eine wirtschaftliche Selbständigkeit von Kolonien muß sich gründen auf deren eigenen Einnahmen. (Beifall rechts und in der Mitte.) Diese Einnahmen können neben denjenigen, die au5 werdenden Anlagen des Staates bezw. des Kolonialfiskus geschehen, nur entstehen durch die Begünstigung privater wirtschaftlicher Tätigkeit, sei es von Personen, sei es von Gesellschaften, welche den Boden und bie Naturschätze der Kolonie in sachgemäße Bewirtschaftung nehmen, und darauf Produkte erzeugen, löcldic die deutsche Nationalwirtschaft vom Auslande unabhängiger gestalten und die Lebenshaltung der arbeitenden Klassen erleichtern. Wenn es demnach die Ausgabe der Staatsverivaltung ist, die Entstehung und erste Entwickelung, dieser privatrechtlichen Unternehmungen nach Kräften zu fördern und zu erleichtern, so muß das Reich andererseits von vornherein Vorkehrungen dagegen treffen, daß schon von Anfang an die Möglichkeit angemessener fiskalischer Leistung nicht ausgeschlossen ist, denn nur aus solchen fiskalischen Leistungen in Form von Zöllen und Steuern kann das Substrat der wirrschaftlichen Selbständigkeit gelvonnen lverden. Gerade nach dieser Richtung hin ist in der Vergangenheit manches verfehlt wordep. Manches kann allerdings noch verbessert werden, aber der Gesichtspunkt muß im Auge behalten werden, daß die Grundlage, auf der sich wirtschaftliche Gebilde aufbauen, Geschenke, Konzessionen von feiten des Reiches sind, und daß das Privatkapital nur die Befruchtung dieser Grenzen übernimmt. Auf dieser Basis und einer gesunden Erkenntnis, was das Privatkapital an Renten, an Einkunft notwendig hat, werden sich die privatwirtschaftlichen und die fiskalischen Interessen die Hand reichen. Zu diesem Abschnitt gehört die Beschaffung von Berkehrsivegen, lvelche daS Privatkapital nicht oder noch nicht hat in die Hand tauschen zu sollen. Ich habe eS m der Hoffnung getan, daß cs meinem ehrlichen und festen Willen gelingen wird, klare und saubere Zustände zu schaffen und richtige wirtschaftliche Grundsätze einzuführen, sowie in ber Erwartung, baß durch eine strikte Wahrung der Rechte dieses Hauses und, soweit möglich, auch durch die Erfüllung feiner Wünsche, es mir gelingen würde, mir für meine Arbeit die Unterstützung ber Vertretung des deutschen Volkes zu sickern, ohne welche diese Arbeit natürlich vergeblich bleiben muß. Ich will dabei nicht verhehlen, das; mich auch die Aufgabe gereizt hat, einen Kolonialbesitz in der fünffachen Größe deS Deutschen Reiches für das deutsche Volk miterobern zu helfen, den Versuch zu machen, die vielen Opfer, die unser Volk gebracht hat, durch entsprechende Erfolge wieder wett zu machen, und die Freude am Kolonialbesitz tu heben und zu stärken. Selbstverständlich mußte meine Ausgabe zunächst in eingehendem Studium der Beschlüsse und Verhandlungen dieses Hauses aus den letzten Jahren bestehen. Daneben lag mir eine große Anzahl admnnstrativer Maßnahmen ob, welche die Arbeitsfähigkeit der Abteilung kräftigen und zum Teil sogar erst wieder Herstellen sollen. Dazu kommt, daß die Aufgaben der Kolonialverwaltung an die Person chres Leiters bei der gegenwärtigen Organisation Lnforderungen stellen, denen ein einzelner Mann unmöglich ge- tvachsen sein kann, ganz abgesehen von der schweren Verantwortung, die diesem Leiter auch noch obliegt als Vertreter des Reichs- LmzlerS in den Geschäften des Oberkommandos während eines Krieges. Die Verwaltung hat sich deshalb bei mir mehr ober weniger darauf beschränken müssen, von einem Tag zum andern zu leben und sich den täglich an sie herantretenden Aufgaben zu widmen. Zu einer zielvollen, über den Tag hinausgehenden atuninistrativen ober legislatorischen Tätigkeit habe ich der Natur der Sache nach bisher nicht kommen können. Immerhin habe ich vielfache Anregungen für die unmittelbare Behandlung der Geschäfte der Kolonialabteilung aus den Verhandlungen dieses hohen HauseS in der letzten Tagung schöpftn können. Die damals gefaßten Resolutionen find sämtlich in der Arbeit, und soweit daraus bisher etwas hat erfolgen können, werden die Resultate hier mitgeteilt werden. Zunächst und hauptsächlich hat mich diejenige Resolution bc- schäftrgt, welche verlangte, daß die Reichsregrerung alle diejenigen sogenannten Monopolverträge losen möge, welche über ein Jahr himms laufen, sei cs zwangmaßig, sei eS auf dem Wege der Verhandlung. Ich kann darüber das Folgende mitteilen: Der Vertrag mit der Firma v. Tippe ls- rirch u. C o. ist gelöst. (Beifall links.) Das Reich leistet dieser Firma keinerlei Entschädigung. Die sämtlichen bisher entstandenen Differenzen sind derart geordnet, daß die Firma noch eine Zahlung an das Reich zu leisten hat. Die Aufträge, welche bereits erteilt worden sind, sind auf die Hälfte zurückgeschritten. ; -u starken nnd zu heben. Diese Entwickelung kann nicht vor sich gehen, wenn wir uns nicht in einer freien Atmosphäre bei der Behandlung unserer kolonialen Angelegenheiten bewegen. Wenn wir am KIeinlichen und Allzukleinlichen zu stark hängen bleiben, und wenn wir das Menschliche und Allzumenschliche, welches in jeder Verwaltung jederzeit vorkommt und in Deutschland an jedem Tage vorkommi, mit einer verbissenen Selb st zerfleischung beständig an die Oberfläche zerren (Sehr wahr! rechts), dann kommt das deutsche Volk in die Gefahr, dies als das Wesentliche an den Dingen zu erachten. Wenn es gelingt, die Hebel zu lüften, die sich zwischen die deutsche Nation und die aufgehenbe Sonne kolonialer Prosperität drängen, dann wird uns die Nation dankbar sein. Der Herr Reichskanzler hat vorhin ein Wort des Fürsten Bismarck zitiert, das dieser 1876, vor 30 Jahren, gesagt hat, -aß er seit längerer Zeit die Kolonialfrage eifrig studiere und zu der Neberzeugung gekommen sei, daß eine so große Nation, wie die deutsche, auf die Länge der Kolonien nicht entbehren könne, aber die Frage sei eine so überaus schwierige, daß er sich scheue, ohne entsprechende Vorarbeiten und ohne einen Impuls aus der Nation die Sache in die Hand zu nehmen. Auf dieses Programm hin sollten wir arbeiten, genau und sorgsam arbeiten, auch versuchen, in unsere Nation den Impuls zu tragen, den unsere Kolonien tatsächlich verdienen, und damit, wie der Fürst Bismarck an einer anderen Stelle,, nämlich im Jahre 1867 in einem Rundschreiben an die preußischen Vertreter bei den süddeutschen Staaten gesagt hat, den Strom der nationalen deutschen Entwickelung in ein Bett zu leiten, in dem es nicht zerstörend, fonbern befruchtend wirkt. Unsere koloniale Betätigung auf den in unserem Besitz befindlichen Kolonien wird unö aber von den anderen europäischen Nationen nur freundlich ausgelegt werden und nur Freunde machen können, denn was ist ein sichererer Beweis für die «mdauer.rde Friedensliebe der deutschen Nation, die ste unter der Führung Seiner Majestät des Kaisers seit so vielen Jahren bewiesen hat, als die Verlegung unserer expansiven Betätigung aus den nun seit langen Jahren gehegten Kolonialbesitz! Diese Friedensliebe und aufrichtige Politik hat gleichzeitig der deutschen Nation für ihre Betätigung das weite Meer und die überseeischen Gebiete mit Erfolg zugewiesen. Ich sagte daher, wenn auch hi einer nicht sehr schnellen Entwickelung, sowohl vom ethischen, wie von dem materiellen Gesichtspunkt, ist unser Kolonialbesitz eine Gunst des Geschickes für die deutsche Ration, vnd man darf die Hoffnung hegen, daß, sofern mit dem notwendigen inneren Ernst, der notwendigen Zähigkeit, der notwendigen Tatkraft und Opfermütigkeit die Entwickelung unserer Kolonien weiter bei uns betrieben wird, auch sie ein Denkmal sein werden deut- iße'f J?1-!^s,deutscher Tüchtigkeit, deutscher Kultur. (Lebhafter Mg. Dr. Schadler (Ztr.): Sch bedauere, dem Kolonialdirektor nicht folgen zu können; venn so w e i t geht mein Optimismus nicht. (Zuruf links: So weit!) Ja, so weit! Das übrige wird sich ja finden (Große Heiterkeit), und bis zur dritten Lesung ist noch lange Zeit. Der neue Kolonialdirektor hat sich persönlich nicht unvorteilhaft eingeführt (Heiterkeit), jedenfalls vorteilhafter, als durch seine Denkschrift. (Erneute Heiterkeit.) Der Reichskanzler hat hervorgehoben, daß unsere Kolonialpolitik sich in einer ernsten Krisis befindet. Das endlose blutige Ringen in Südwestafrika erweckte große Besorgnisse in weiten Kreisen unseres Volkes. Das Verhalten unerer Krieger auf unwirtlichem Feld einem tückischen Feind gegenüber ruft unsere höchste Bewunderung hervor. Wie wünschen nun, daß sie so bald wie möglich in die Heimat zurückbefördert werden. (Zustimmung.) Da der Widerstand des Feindes ja jetzt gebrochen ist, so mögen den 400 Zurückgekehrten bald Tausende folgen! Ich freue mich darüber, daß die Regierung jetzt die Fortdauer der Opfer für nicht vertretbar hält. In ernster Krisis, draußen und drinnen, befindet sich unsere Kolonialpolitik. Tausende von Menschen, Tausende von Millionen sind geopfert. Hoffentlich hören jetzt auch die Kolonialskandale auf! Den ganzen Sommer über hat es getröpfelt! (Heiterkeit.) Es kam bald diese, bald jene Enthüllung, so daß man wünschen könnte, der ganze Kübel sollte auf einmal entleert werden. Das Zentrum wurde beschuldigt, der Kolonialpolitik mißgünstig zu sein, gegen den Reichskanzler zu fronbieren sOh! Oh! bei den Sozialdemokraten) — nicht wahr, das setzt Sie selber in Erstaunen? (Heiterkeit); uns so etwas zuzumutenI (Heiter- keitl —, solch schwarze Gedanken wurden uns zugetraut (Heiterkeit).— na ja, können wir denn überhaupt andere Gedanken haben, als schwarze? Tie Farbe ist wenigstens waschecht. (Heiterkeit.) Mut nach oben wurde in letzter Zeit vielfach verlangt. Nun, da kann Regierung und Volk dem Kollegen Erzberger für fein Vorgehen dankbar fein. Wir identifizieren uns nicht mit dem Kollega Erzberger (Hört! Hört!), — das verlangt er auch gar nicht. Wir desavouieren ihn aber auch nicht. Wir halten uns an das, was er festgestellt hat. Der Reichskanzler sagte: die Besprechung solcher Dinge schadet unserem Kredit! Das tut nicht die Besprechung, das tun die Dinge selber! (Sehr richtig!) In der Oeffentlichkeit ist unsere Partei aufgefordert worden, Herrn Erzberger gegenüber Stellung zu nehmen. Das haben wir nicht nötig, ist langst geschehen. Herr Erzberger hat ja erklärt, daß er nicht Gegner der Kolonialpolitik sei, sondern nur der derzeitigen Verwaltung! Und das Zentrum hat zur Kolonialpolitik in zwei Wahlaufrufen offiziell Stellung genommen. Wir stehen dem neuen Herrn jetzt objektiv gegenüber; maßgebend werden für uns seine Taten sein. Interessant wäre es freilich, noch manches zu erfahren; z. B. woher er die bindende Zusage erhalten habe, daß ein s e l b st ä n d i g e s K o l o n i a l a m t geschaffen werden würde. Sollte dieser Plan vorhanden sein, Jo werden wir ihn ebenso gewissenhaft prüfen, wie das letzte Mal. (Heiterkeit.) , Ebenso interessant wäre uns eine Auskunft über die V o r - schßae sch i chte — bei uns wird überhaupt viel Vorschuß gegeben, Borschu« auf ! Man hat die Berufung des neuen Herrn als einen Bruch mit dem Bureaukratismus gepriesen; man sagte, jetzt werde der Amerikanismus seinen Einzug halten. Wir gratulieren der Regierung zur Entdeckung oder Selbstentdeckung des neuen Herrn. (Heiterkeit.) Wir begrüßen es auch, daß er hinsichtlich der reinen Hände im lukrativen Erwerb älteren Geschlechtern ein gutes Beispiel gegeben hat. (Sehr gut!) Wir freuen uns auch seiner guten Vorsätze. Aber, den Beweis wird er durch seine Wirksamkeit geben müßen. Die Grundzüge seines Programms verdienen durchaus Anerkennung. In der Zeitschrift „Deutschland" wird dem neuen Kolonialdirektor nahegelegt: er hüte sich vor dem Zentrum und vor dem Einfluß der Mission; das Zentrum fei eine wesentlich kolonial- feindliche Partei!, Diesen Vorwurf hat aber bereits Windthorst im Jahre 1881 in einer Erklärung widerlegt, der seine Freunde ein für allemal gegen eine derartige Beschuldigung verwahrte; sie seien vielmehr für eine vernünftige Kolonialpolitik stets zu haben. Wir sind keine Gegner der Kolonialpolitik, wohl aber der Kolonialskandale! Da allerdings heißt es: nicht vertuschen, sondern mit scharfer Hand zugreifen! Dazu wird man uns stets bereit finden. Gerade diese Skandale haben das Interesse an den Kolonien im Volke wesentlich herabgemindert. Ter Reichskanzler warnte davor, diese Skandale zu verallgemeinern, die ganze Beamtenschaft herunterzureißen. Wann und wo ist das geschehen? Die wichtigste Frage, vor der wir jetzt stehen, ist die der Eingeborenenbehandlung, da wird der Kolonialsekretär (Heiterkeit) — ich meinte Kolonialdirektor, Sie können das ja als Omen betrachten, wenn Sie wollen (Hört!, hört! und Heiterkeit) —, da wird er zeigen können, was er leistet. Dem neuen Herrn wird nachgesagt, daß er pünktlich fei, daß er stets punkt 9 Uhr im Automobil vorfahre und dadurch auch seine Beamten zum pünktlichen Erscheinen veranlasse, die früher selten vor 11 Uhr kamen. Ferner, daß er angeordnet habe, alle wichtigen Sachen müßten ihm persönlich borgelegt werden. „Das soll früher nicht geschehen sein, ja der Kolonialdirektor soll früher die meisten Eingaben überhaupt nicht erhalten haben! (Hört! hört!) Es soll früher da so eine Art Belobigungsverein der Kolonialbeamten existiert haben! (Heiterkeit.) Während die Namen der, fleißigen Beamten anderer Ressorts unbekannt sind, werden die der Kolonialverwaltung der undankbaren Welt täglich in die Ohren geschrien. Ordnung im eigenen Haushalt! " Das muß das m'te Jeim Notwendig ist bann vor allem Geschäftskenntnis und Geschaftsgewandtheit, damit, beim Abschluß der Verträge nicht wieder so grobe Fehler passieren, und diese nicht eine Quelle der Ausbeutung werden, an der einige Firmen ihren Patriotismus gut verzinsen. Es war für uns angenehm zu hören, daß diese Vertrage zum Teil gelöst, znm Teil in der Lösung begriffen fmb. Der Reichskanzler beklagte, daß die Intaktheit unseres Beamtenstandes angegriffen sei. Von wem und wo? Gerade weil unS die Intaktheit des BeamlenstandeS so sehr am Herzen liegt, suchen wir alle Flecken zu entfernen. Wir erinnern nur an die Affäre Fischer. Ein andrer, viel genannter Mann hat durch das Niederlegen seines Ministerporteseuilles geführt!, was er auf diesem Gebiete gefehlt Bat Möge er auf diesem Gebiet keinen Nachfolger finden! Ein aus dem ©teuergelb deS Volkes Dividenden ziehender Minister muß ein Einzelfall bleiben. Ferner: der Beamtenstand in den Kolonien muß sich aus den besten Männern rekrutieren. Minderwertige Elemente, und wenn sie königliche Prinzen wären (Hört! hört!), sind nur geeignet, den deutschen und den christlichen Namen in den Staub zu ziehen! (Wahr! Richtig!) ■' Die Denkschrift macht den Eindruck, als ob der Kolonialdirektor sich _ noch nicht vollständig aus dem Bankdireklor herausgemausert hat. Sie ist in einem gewissen Prospektton gehalten über ein Unternehmen mit 1 Milliarde Gesamtwert (der Kolonialdirektor lächelt zustimmend). Ich glaube kaum, daß die Begründung der Zahlen ausreichend ist. Die Denkschrift ist als Tendenzroman, Feuerwerk und Amerikanismus gekennzeichnet worden. Natürlich eigne ich mir diese Kritik nicht an. Ich erwarte aber die näheren Unterlagen noch in der Kommission. Desgleichen erwarte ich in der Kommission genaue Auskunft über die Heber« schreitungen, die in den vergangenen Jahren Oorgefommen sind, in erster Linie, wie hoch diese Heberschreitungen sind und woraus sie bisher gedeckt wurden. Der Kolonialdirekwr hat ang-’Iünbigt, es müsse ein besonderes Kreditgesetz erscheinen. Ich schließe daraus, daß eine Deckung aus dem Ordinarium völlig ausgeschlossen ist, daß diese Heber- schreitungen eine ganz bedeutende Höhe erreicht haben. Diese Aukinidigung scheint nur ein Anfang zu fein, um das kommende dicke Ende einstweilen vorzubereiten. In der Kommission miiffeii wir bann noch eingehender unterrichtet werben über die wirtschaftlichen Zielpunkte, die sich der Herr Kolonialdirektor gesetzt hat. Sie gipfeln in dem möglichst raschen ausgiebigen Eisenbahnbau. Er Bat eine Denkschrift über b e n Eisenbahnbau zugesichert, und ich möchte anregen, diese Denkschrift anSzudehnen auf sämtliche Kolonialbahnen, die bisher gebaut sind. Man hat von 300 Millionen gesprochen, die dafür gefordert werden sollen. Das ist desavouiert worden. Aber der Kolonialdirektor hat mit solcher Begeisterung von dem Bahnbau gesprochen, daß ich glaube, diese Summe soll nun verteilt werden. . Dann verstehe ich noch eins nicht: Der Kokonialdirektor hat gesagt, durch Ersparnisse an Trägerkosten nach vollendetem Bahnbau würden allein 2 Millionen erzielt werden. Wo sollen denn diese Ersparnisie herkominen? Sie können doch nur gemacht werden, wenn Truppen im Lande sind, und deren Zurückziehung hat der Reichskanzler gerade versprochen. Vor allem muß ein Kolonial- recht geschaffen werden. Bisher ist alles auf dem Ver- ordnungsweg geschehen. Es sollen bis jetzt nicht weniger als 1906 solcher Verordnungen erlassen worden sein. Und daS gegenüber Eingeborenen, denen man erst die Grundlage solcher Anordnungen , bringen muß, die Buchstabenkenntnis! Es ist höchste Z it. die Regelung dieser Materie in Angriff zu nehmen. Notwendig ist es, daß den Missionen ausreichender Schutz und Unterstützung zu Teil wird. Das Weitere auf diesem Gebiete wird noch einer meiner Freunde besonders darlegen. Jedenfalls hoffe ich, daß man sich allmählich daran gewöhnen wird, in den Missionaren die Berater der Eingeborenen zu erblicken. An ein Preisgeben unserer Kolonien ist nicht zu denken, einmal nicht wegen unsres Prestiges, und bann, weil wir Kolonien unbedingt brauchen. Ausdauer aber ist notwendig, wenn man ernstlich will, baß die Kolonien sich in politischer, wirtschaftlicher und ethischer Hinsicht entwickeln. (Beifall im Zentrum.) Abg. Ledebonr (Soz.): Aus den eingehenden Darlegungen des Vorredners Babe ich leider nicht entnehmen können, wie sich beim nun eigen..ich das Zentrum zu dieser Vorlage stellt. (Sehr gut! bei den Soz.) Der Reichskanzler wurde heute erst ioarm, als er feine Beamten in SchnH nahm. Damit aber habe er offene Türen eingerannt, beim es ist auch niemandem von uns eingefallen zu behaupten, van alle unsere Kolonialbeamten unfähig ober korrupt seien. Aber nichts ist charakteristischer für den Reichskanzler, als daß er hier einen Subalternbeamten preisgab, ihn als anrüchig Biustellte, weil et einigen Abgeordneten Mitteilungen Batte zugehen lassen. (Widerspruch rechts.) Tas war sein ganzes Verbrechen. _ (Große Unruhe und erneuter Widerspruch rechts ) Die großen Mißerfolge unserer kapitalistischen Kolonialpolitik sind zweifellos zum großen Teil darauf zurückzusühren, baß in den Kolonien unreifen und rohen Personen oft eine nahezu unbeschränkte Machtvollkommenheit eingeräumt ist. Algier ist ein ganz unpassendes Vergleichsobjekt für unsere Kolonien, denn mit unseren Kolonien wird nie etwas zu machen fein, auch in Jahrhunderten nicht. Die Ausführungen des Staatssekretärs über Algier waren also durchaus überflüssig. Wenn bas Programm des Kolonialdirektors in die Wirklichkeit umoesetzt wird, dann können wir uns ja auf schöne Dinge gefaßt machen. Eine ganz merkwürdige Inventur hat der Staatssekretär in seinen Denkschriften gemacht. Es scheint, als ob er unsere Exportziffern mit 20 multipliziert Bat, um zu der von ihm gegebenen Berechnung zu kommen. (Der Kolonialdirektor schütielte lebhaft verneinend den Kopf.) Zum Teil handelte es sich sogar um Multiplikationen mit 33^. Solche Berechnungen sind geradezu ungeheuerlicher Hnfinn. (Heiterkeit.) Sie grenzen an die Berechnungen der Finanzgenies der Trebertrockuungsgesellschaft. (Erneute Heiterkeit.) Der Kolonialdirektor hat sich sogar seines Optimismus gerühmt. Auch wir Sozialdemokraten rühmen uns des Optimismus. Wir sind auch feine Schwarzseher, denn wir hoffen mit der ganzen Gesellschaft, die jetzt in Deutschland herrscht, »och einmal fertig zu werden. (Große Heiterkeit.) Aber der Optimismus des Kolonialbirektors grenzt an den deS russischen Staatsmanns, der der Kaiserin Katharina blühende Dörfer aus Pappe vorzauberte. Hub geradeso wie man bisher von Potemkinschen Dörfern sprach, wird man künftig von Deruburgschen Inventuren reden. (Stürmische Heiterkeit.) Sollte die Reichsregierung sich mit diesen Jnventurkunststücken identifizieren, bann wird man ihre Berechnungen überhaupt nicht mehr ernst nehmen können. Gehen nun diese Jnventurkunststücke von einer Person aus, die den Ruf einer finanziellen Kapazität besitzt, dann meine ich, kann man von gutgläubiger Hmeintapserei (Heiterkeit) nicht mehr reden, bann handelt es sich bereits um eine planmäßige Täuschung des Reichstags. (Unruhe rechts.) Präsident Graf Ballestrem: *■ Sie dürfen den Ausdruck „planmäßige Täuschung des Reichstags" auf ein Mitglied des Bundesrats nicht anwenden. Das entspricht nicht der Ordnung, und ich bitte Sie, das nicht wieder zu tun, sonst müßte ich Sie zur Ordnung rufen. Mg. Ledebonr (fortfahrend): Wenn dieser Ausdruck nicht zulä'sig ist, dann will ich ihn durch den parlamentartschen Ausdruck ersetzen: corriger la fortunp Präsident Graf Ballcstrem: Mir ist diese Redensart bekannt, sie ist noch schlimmer als bfc erste. (Zustimmung rechts.) Ich rufe Sie zur Ordnun g. (Beifall rechts.) Mg. Ledebonr (fortfahrend): Ich habe es sehr bedauert, daß der Mg. Semler Propaganda dafür macht, daß den afrikanischen Aufständischen alles Land weg- genommen wird. Ich frag? benKolonialdlrektor, ob man bavonAbstand genommen hat, auch bas Hottentottenland zu konfiszieren. Weiß er überhaupt darüber Bescheid? Ja, er, der sonst immer mit dem Kopfe nickt oder den Kopf schüttelt bei den Reden der Abgeordneten, er rührt sich jetzt garnicht. (Große Heiterkeit.) Darüber schweigt sich die Denkschrift ans, darüber schweigt ich der Reichskanzler aus, darüber schweigt der Kolonialdirektor, darüber schweigt alles. Herr Semler will, daß mit Ausnahme von Ovamboland alles Land der sogenannten Aufständischen konfisziert werben soll. Dagegen müssen wir entschieden Verwahrung einlegen. Wir fordern im Gegenteil, daß den Eingeborenen so viel Land zurückgegeben wird, als sie zur Bewirtschaftung brauchen. Redner wendet sich sodann gegen die Natioualliberalen, die, nachdem der Reichstag im Sommer die Bahn abgelehnt habe, sich auf den Boden dieses Beschlusses stellen müßten, wenn es ihnen wirklich ernst tväre (Zuruf von den Nationalliberalen: Machen Sie e8 denn auch so?) mit ihren Bemühungen, dem persönlichen Regiment ein Ende zu machen. Sie haben hier vor wenigen Wochen durch einen Ihrer Redner schwungvolle Reden gegen das l ersönliche Regiment halten lassen. Wir müßten damals annehmen, daß Sie einen gewaltigen Anlauf nehmen wollten — ganz gegen Ihre sonstige Gewohnheit (Lachen bei den Nationalliberalen) — derartigen Uebelftänben in Deutschland entgegenzutreten. Mit Reden richten Sie nichts aus. Sie müssen Taten zeigen und das Budget verweigern. (Erneutes schallendes Lachen bei den Ml. Auch der Kronprinz lachte.) Sonst toerden Sie wiedermn an die Wand gedrückt, daß Sie quietschen. (Lachen.) Mit bloßen Reden über das persönliche Regiment ist es nicht getan, man muß vielmehr gegen das ganze System zu Felde ziehen. Denn das persönliche Reg'ment ist nur die Krönung des Gebäudes. Denn Sie nicht darauf eingehen, den Willen des Volkes zur Geltung zu bringen, soweit er durch das Parlament zur Geltung gebracht werden kann: _ wenn Sie also nicht die Parlamentsherrscha't erstreben, die absolut notwendig ist, dann werden Sie gar nichts ausrichten. Wir verlassen uns nicht auf Sie, denn bann wären wir verlassen. Alle Ihre Reden erweisen sich als leeres Schau mgepxäge für die Oeffentlichkeit, wenn Sie sich nicht ernstlich vornehmen, die Macht des Parlaments auszunutzen, um daS persönliche Regiment in Deutschland zu brechen. (Lachen bei den Nl.) Vor allem müßten Sie mit Entschiedenheit jeder Nichtachtung der Parlamentsbeschlüsse entgegentreten. (Sehr richtig 1 bei den Soz.) Unterer Kolonialpolitik fehlt jeder weite Blick (Lachen', bi« Kolonialpolitik, die Sie treiben, ist nichts weiter als eine schwach- liche Imitation der Kolonialpolitik anderer Nationen. Dem Volk« toerden dadurch kolossale Lasten aufgebürbet. Wie der Kolonial- direktor sich einreden kann, daß in Südtvesiafrika etloaS zum Vesten der Massen in Deutschland geschaffen toerden kann, ist mir rätselhaft. Im Vergleich zu den heutigen Staatsmännern ist die Enthaltsamkeit, die Fürst Bismarck in kolonialen Angelegenheiten gezeigt hat, ein Beweis von staatsmännischer Klugheit. (Hört! hört! rcchtsO Ich möchte nur wünschen, daß Fürst Büloto den gleichen Mut fände und die gleiche Entschlossenheit, auf Dinge zu verzichten, von denen,' nach allen Tatsachen, die wir darüber wissen, dem deutschen Volk nur Unheil und Nachteile erwachsen. (Beifall b. d. Soz.). Hierauf v e r t a g t das Haus die weitere Beratung auf Donnerstag 1 Uhr. Schluß 6 Uhr. Zum Tode StaVleiEis. ' Die Feierlichkeiten zur Uebcriübrnng der Leiche des verstorbenen Erzbischofs Tr. v. Stablewski begannen am 28. d. M. in Posen. Di» gesamte Geistlichkeit beider Diözesen begab sich in das erzbischöfliche Palais, wo eine Traueroesper abgesungen wurde. Anwesend als Vertreter des Kaisers war Oberpräsident v. Waldow, ferner waren erschienen die Spitzen sämtlicher weltlicher Behörden. Unter dem Geläut der Glocken des Domes und sämtlicher katholischen Kirchen setzte sich nunmehr der Trauerzug unter Bora'ntritt von 350 Geistlichen in Bewegung. Der Sarg wurde von Geistlichen getragen. Gewerkvereine und Brüderschaften bildeten Spalier. Im Dom hielt Domprobst Michalski die Trauerrede. Der Dom blieb die ganze Nacht für das Publikum geöffnet. Das Gnesener Dom-Kapitel wählte seinen Senior- Prälaten Dorzewski zum Kapittilar-Vikar mit der Befugnis ztir Verwalt trug des Vistutus während der Sedisvakanz des erzbischöflichen Stuhles. Die Wahl bedarf der Bestätigung des Oberpräsidenten. Ein Stufruf zu einem Stablewski-Fonds wird unter Polen verbreitet. Die gesammelten Gelder sollen zur dauernden Förderung des Unterrichts polnischer Kinder in ihrer Muttersprache dienen. Das Mitglied des preußischen Herrenhauses, Graf von Koszielski, der sich zur Zeit in Lemberg aufhält, hat sich bei einem Gespräch mit einem Redakteur über die Nachfolgerschaft deS Erzbischof v. Stablewski geäußert. Herr van Koszielski meinte, es sei begründete Aussicht, daß die römische Kurie sich gegen die Ernennung eines Deutschen zum Erzbischof von Gnesen-Posen ividersetzen tverde. Man müsse deshalb auf eine Verschleppung dieser Frage gefaßt fein. Der Widerstand der polnischen Jugend gegen den deutschen Unterricht sei nicht abgcschwächt. Die deulfthe Negierung werde gegen die Kinder nichts auSrichten und ihre Repressiv - Maßregeln müßten bald aufgegcbeu werden. Hmöcrffitätes’Kadiriditett* — Der Roosevelt-Professor Burgeß, der bekanntlich zurzeit an der hiesigett Universität Vorlesttngen über amerikanische Verfassungsgeschichte hält, wird auch die Universitäten B o n n, Jena und L e i v z i g zu dem gleichen Zweck besuchen. Auf Anorbuung des Kaisers wird Prinz August Wilhelm, der gegemvärlig in Bonn studiert, den Vorlesungen beiwohnen. 9ir. \ Sr blätter 6 Vocde " Aolai'o"^ llnwerftvu bruderet- 1 Mttio". und Schulst' Redaktion Verlag E sibrefie ’"T Anzeiger Seit. Das an die Wil — Kreit erwarten, der Bora Die zu den 2 im Zimm stattsinden (Sie' Sin ( Sn 1 hat in Offizier unsere i Beobacht dem „I sich des uns Sn: vor der Armee, des Hee: native e ij unbefange ifyn Arm, bie heerese ihren Geifi mit dem schreibt, s oem stand nnd Tat das burc tzeere ei, den in: der Trad Nische Be und der Mit gern Verh.iltni Göttinger lagesal Haltungen Mögtiente- "acherl amerikani Subalt darum c Stellung unö daß des Trag mann hl dem am, zwei aus 17 ßetre, Untcroffs Dienst n Muktio Asch d Hauptgru t r W ich msstger Q Melige Melheit ßleid)en ( der weit Hl-fel r > be- S* „Un Aund , Leihen \ ^yuenie ®°n Sulfat Itiluno-