Nr. 129 Zweites Blatt 166. Jahrgang ertoetni *«11» müBu^me M Sonntags. /5F T A AA Die „Siebener FamMrnblSttcr" werden bem ß B® H W< VfB [ff 2* [ fi[ Ij .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der 0 B I M, A/SL B I W H&l fl „Hessische Landwirt" erscheint monaUich einmal. II ” ^rV ■ " Dienstag 5. J»m« 1906 Rotationsdruck und Verlag der Brühl Ich« UntversltätSdruckerei. 8t Lang«. BteG«. Redaktion. Expedition ».Druckerei? Vchulstr-R» Tel. Nr. 6L Lelegr.-Adr. t Anzeiger Gieße». General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. KekannlmaHmig. Unter dem Schweinebestand des Bäckermeisters Holzapfel zu Lollar ist ein Fall von Rotlaufseuche sestgestellt worden. Stallsperre ist verhängt. Gießen, den 2. Juni 1906. Großherzoguches Kreis amt Gießen. I. V.: Dr. Wörner. Aas Nombenatlentat in Madrid. Madrid, 4. Juni. In Torrejon de Ardoz (Prov.Madrid) entleibte sich ein Mann, den man für einen Anarchisten Mateo Moran (ober MoraleS) hält. Der Mann war einem Gastwirte verdächtig vorgekommen. Er wollte der Polizei hiervon Mitteilung machen, inzwischen war aber der Verdächtige geflüchtet. Unterwegs begegnete ihm ein Polizist, der ihn nach seinen Papieren fragte und ihn, als er sich weigerte, verhaftete. Jener ging anfänglich ruhig mit, zog aber dann seinen Revolver und erschoß den Polizeiagcnten, worauf er die Waffe gegen sich selbst richtete, als er keinen Ausweg mehr sah. Sofort nachdem der Vorfall in Madrid bekannt geworden war, wurde der Eigentümer des Hauses, von welchem auf die Bombe geworfen worden war, nach Ardoz entsandt, der die Leiche als die von Morales rekognoszierte. Die Leiche zeigte Brandverletzungen am Finger. Morales hatte nach seinem Verschwinden aus Madrid neue Arbeiterkleider angelegt und sich in Ardoz verschiedenen Personen gegenüber abfällig über das Attentat geäußert; u. a. hatte er erklärt, wenn der Täter gefunden würde, müßte er mit Nadelstichen zu Tode gemartert werden. »Die ausgesetzte Belohnung von 26 000 Pesetas soll der Witwe deS von dem Täter erschossenen Polizeiagenten zuerkannt werden. Die Leiche von Morales wurde nach Madrid gebracht und nach dem Militärhospital überführt. Dasselbe mußte geschloffen werden, da zahlreiche Personen seine Leiche sehen wollten. Die Polizei entdeckte, daß man in einem Hause eine ganze Bombenwerkstatt eingerichtet hatte. Es wurden chemische Substanzen gefunden, welche dies unzweifelhaft machen. Aber kurz bevor das Attentat vollführt werden sollte, zerbrach eine GlaStube, und diesem Umstande hat der König wahrscheinlich die Rettung seines Lebens zu danken. Der Attentäter erhielt an der Hand beträchtliche Schnitt- lüunben und suchte daS Blut zu stillen. Man fand ein mit Blut beschmutztes Taschentuch, welches das beweist. Infolge der Explosion der GlaStube verlor der Attentäter seine Ruhe und durch die Verwundung die Geschicklichkeit der Hände. Er verfehlte den richtigen Moment und diesem Um» stände hat das Königspaar seine Rettung zu verdanken. Einer der Verhafteten legte ein Geständnis ab, man habe den König deshalb ermorden wollen, weil dieser anläßlich seines Hochzeitstages keinerlei Amnestie für die verurteilten Separatisten erlasien habe. Ein Korrespondent interwievte den Minister des Innern -Comte de RomanoneS. Der Minister sagte: „Ich kann versichern, daß der Attentäter kein bekannter Anarchist, sondern ein abseits stehender war. Französische, englische und italienische Polizei hatte uns mitgeteilt, daß in den Kreisen der Anarchisten kein beunruhigendes Symptom zu bemerken sei. Mateo Moran hat seit seinem Eintreffen in dem Hause, wo er ein Zimmer gemietet hatte, vorzüglich Komödie zu spielen gewußt. Er zeigte sich als großer Blumenfreund und ließ sich täglich Buketts bringen. Am Tage vor dem Attentat stellte er sich krank und ließ Medikamente holen. Nachdem er die Bombe geschleudert hatte, ging er ruhig fort und antwortete den bestürzten Nachbarn, die die Treppe heraufeilten, er wolle sehen, waS vorgegangen sei." Von gut unterrichteter Seite wird erzählt, in der Nähe deS königlichen Palastes sei eine Bombe gefunden worden, die mit einem halben Pfund Sprengstoff gefüllt war. Die Polizei verheimlicht den Fund, um die Erregung, die ohnehin in der Bevölkerung herrscht, nicht noch mehr zu Zum Rembrandt-Jubiläum. Die Kulturländer der Erde, Holland an der Spitze, rüsten sich in einigen Wochen die dreihundertste Wiederkehr des Tages zu feiern, an dem Rembrandt vcm Rijn, der größte und originellste Maler der Holländischen Schule, geboren wurde, dessen Einfluß als „künstlerischer Erzieher" wir auch in unseren Tagen kaum minder spüren als frühere Zeiten Ja, wir können mit Recht sagen, daß dre überragende Größe dieses einzigartigen Künstlers erst ui unserer Seit voll gewürdigt wird. Tie Veranstaltung eines großen Rembrandt-Festes in seiner Heimat und die Errichtung eines ehernen Standbildes in Leiden mögen als äußere Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit gellen. In Deutschland, wo nicht, wie in Holland, Staatsmittel zur Veranstaltung einer wohlfeilen Ausgabe der Hauptwerke Rembrandts zur Verfügung stehen, wird der Kunstverlag von Richard Bong, Berlin, durch die Herausgabe des großen Lleferungs- Prachtwerkes „Rembrandt in Bild und Wort" m besonderem Maße dazu beitragen, die Meisterwerke Rembrandts jedermann zugänglich zu machen und eine Sammlung des Bedeutendsten zu schassen, was die Welt ferner Kunst verdankt. Dieses auf 20 Lieferungen berechnete Werk ist gedacht als „eine Tat wärmster Dankbarkeit, die sich in den Dienst des toten Meisters stellt, und mehr als alle Feste und Denkmäler geeignet ist, vor aller Welt Jur die ermge Jugend dieses Genies aus den Tagen einer großen Vergangenheit zu zeugen". In den ersten 3 uns vorliegenden Lieferungen dieses Sammelwerkes, dem feines geringen Breites wegen die Verbreitung in den weitesten Kreisen gesichert ist, werden bereits einige der charakteristrsch,ten steigern. Die Polizei erhielt ein Schreiben, in dem eS heißt, der Schreiber wolle gern gegen eine ansehnliche Belohnung — die Summe wird nicht genannt — Angaben über die Existenz einer Bombenwerkstatte machen, doch muffe Stillschweigen über seine Person beobachtet werden, da er die Rache der Genoffen fürchtet.' Die Polizei verhaftete bis jetzt 25 Anarchisten, die einer Gruppe angehörten. Die Gruppe führte den Namen ,Dcr vierte Mai* und soll das Attentat schon feit langer Zeit vorbereitet haben. UeberaQ, wo die Menge der Verhaftung eines verdächtigen Individuums beiwohnte, versuchte sie den Arrestanten zu lynchen. Die Polizei konnte nur mit großer Mühe Ausschreitungen verhindern und die Verhafteten der Volkswut entreißen. Die sozialistischen Mitglieder des Stadtrates erHärten, daß sie die Opfer deS Attentates bedauerten, aber an der Freude über die Errettung des Kö- nigSpaareS nicht teilnehmen könnten. Diese Haltung ruft allgemeine Entrüstung hervor. Obwohl der König den ausdrücklichen Wunsch ausgesprochen hat, daß die Feierlichkeiten ihren ungestörten Fortgang nahmen, ist die ganze Hauptstadt um ihre Festfreude gebracht und allgemein herrscht tiefe Depression und Erschütterung. Es machte einen gewaltigen ernsten Eindruck, als die mililar. Opfer der Explosion in feierlichem Leichenbegängnis zum Kirchhof geleitet wurden. Einen erschütternden Konstrast bildete e5, als die schwarz verhängten Totenwagen die mit heller Blumenpracht geschmückten Pforten passierten. Barhäuptig und schweigend stand die Menge, während die Trommeln dumpf dröhnten und die Trauermarsche geblasen wurden. Den Getöteten folgten in voller, glänzender Paradeuniform hohe Offiziere und Zivilpersonen. Mancher hatte einen Verwandten unter den Opfern, und selbst die Männer konnten sich der Tränen nicht enthalten. DaS KönigSpaar hat den Hinterbliebenen der Opfer seine herzliche Teilnahme übermitteln lassen. Der König hat angeordnet, daß alle Personen feines Dienstes, die wahrend der Explosion verwundet worden sind, eine erhöhte Pension Zeit ihres Lebens empfangen sollen. Desgleichen wurden den Angehörigen der Opfer reiche Unterstützungen und Pensionen zu- gewendet. Immerhin bestehen noch Zweifel an der Identität des Selbstmörders mit MoraleS. Deshalb sollen noch deffen Verwandte veranlaßt werden, die Leiche zu besichtigen. Wie an den vorhergehenden Tagen war ganz Madrid auch an den Pfingsttagen festlich beleuchtet und an vielen Orten wurden Konzerte, sowie Ball unter freiem Himmel abgehalten. Der König nnb die Königin machten am Sonntag nachmittag im Automobil einen Ausflug nach dem Schlöffe Aranjuez und wohnten am Abend der Galavorstellung im königlichen Theater bei. Kaiser Wilhelm richtete an den König und die Königin ein im herzlichen Tone gehaltenes Telegramm, in dem er seiner innigsten Teilnahme Ausdruck gibt. Der Reichskanzler Fürst Bülow sandte aus Norderney in seinem Namen und im Namen deS Auswärtigen Amtes eine die wärmste Teilnahme für das spanische KönigSpaar aussprechende Depesche an den spanischen Botschafter in Berlin. Politische Lagesschan. Ein bedeutungsvolles Jubiläum. In Breslau hält gegenwärtig der allgemeine deutsche Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande seine 26. Jahresversammlung ab. AlS im Jahre 1881 ein kleines Häuflein deutschgesinnter Männer zusammen- trat, um einen Verein inS Leben zu rufen, der den Zweck verfolgte, die im Auslande lebenden Deutschen durch Gründung deutscher Schulen in ihrer nationalen Gesinnung zu fördern, da fanden diese Bestrebungen anfänglich wenig Beachtung und Unterstützung. Denn das deutsche Reich stand damals auf dem Gipfel seiner Macht und die politischen Parteien rechneten garnicht mit der Möglichkeit, daß dem nationalen Besitzstände in anderen Ländern Abbruch getan werden könnte. 1,1.1 u. ——PSaMM——— Zeichnungen und Radierungen des Meisters stimmungsvolle Landschaften und berühmte Gruppenbilder: Nachttvache, Anatomie, Simsons Hochzeit usw. in wundervollen Kupserdruck- Kunstblättern reproduziert, Me dem Besitzer immer von neuem einen exquisiten künstlerischen Genuß gewähren. Andere Wunder der unvergleichlich begnadeten Hand Rembrandts werden folgen, darunter hoffentlich auch das berühmte FrankfurterStädelbild„SimsonsBlen- b u n g", dieses weitaus bedeutendste Bild des ganzen kostbaren Frankfurter Museums, ja das bedeutendste Gemälde, das man in ganz Südwestdeutschland zu bewundern Gelegenheit hat. Es ist überwältigend [in seiner grausigen Lebendigkeit! Das Städelsche Institut besaß vordem nur ein ganz kleines, unfertig nnrkendes Bild von Rembrandt. ♦ — Vom Heidelberger Schloß. Dem bad. Landtag ist eine Denkschrift zugegangen betreffend das Heidelberger Schloß. Hiernach kann sich die Regierung auf Grund der Gutachten der Sachverständigen der Ueberzeugung nicht länger verschließen, daß der Augenblick gekommen ist, in welchem die Wiederherstellung des Otto Hein- richbaues in die Wege geleitet werden muß. Als leitender Grundsatz hat hierbei zu gelten, daß die Wiederherstellung auf das unumgänglichst Notwendige zu beschränken ist. Nach dem Urteil der Sachverständigen, dem die Großh. Regierung sich anzuschließen in der Lage ist, M die Wiederherstellung die Ausbesserung der Umfassungsmauern, die Ergänzung und, soweit nötig, Neuherstellung der zur Gewährleistung der Standsestiakert des Baues notwendigen inneren Mauern und endlich Erst als in der habsburgischen Monarchie der Kamps de Deutsch-Oesterreicher gegen baS mächtig aufstrebend Sklaventum entbrannte, als in Ungarn unsere deutschen Volksgenoffen unter den Magyarischen Unterdrückungen zu leiden anfingen, als sich Rußland daran machte, baS baltische Deiitschtum auSzurotten, da dämmerte im deutschen Reich nach und nach die Erkenntnis auf, daß wir die Deutschen im AuSlande nicht so ohne weiteres ihrem Schicksal überlassen dürften. Was die Vorposten im Kriege sind, das bedeuten für unS unsere Stammesgenoffen in Rußland, in Oesterreich, in Ungarn, der Schweiz ic. 36 000 Mitglieder und 200 000 Mk. Jahreseinnahme weist heute der deutsche Schulverein auf, an sich recht stattliche Ziffern, aber klein*im Verhältnis zu der Kopfzahl beS deutschen Volkes und feinem nationalen Wohlstände. In der deutschen Schule liegt die Zukunft unseres Volkes und darum sollte überall der deutsche Schnlverein das regste Jntereffe und die eifrigste Förderung finden, besonders jetzt, in dieser politisch schweren Zeit! In Gießen hat er, soweit uns bekannt, noch keinen Zweigverein. Ist hier das Jntereffe für die Kinder der deutschen Brüder im AuSlande zu gering? Der Mangel an Theologen, der sich lebhaft fühlbar macht, hat den Vorstand der Freien landeskirchlichen Vereinigung von Hessen dazu veranlaßt, an die evangelischen Abiturienten der hessischen Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen eine Ansprache zu richten. Einige Sätze dieses Ausrufes sind von allgemeinem Interesse. „Wir, so heißt cS tn dem Rundschreiben, stehen in sehr ernsten teilen. DaS gesamte Denken ist in grundsätzlicher Umbildung begriffen, n dieser Umbildung hat das religiöse Denken nicht bloß teil, sondern die Religion hat auf die führenden Persönlichkeiten fauerieichartig gewirkt. ES genügt, in diesem Zusammenhang an Nietzsche zu erinnern, der ohne seine theologische Bergangcnheu und seine Erziehung im Pfarrhause gar nicht zu verstehen ist. In dieser kritischen Zeit aber können wir keine Umtc brauchen, welche bei jedem scharfen Luftzug, der ste einmal trifft, sich gleich eine geistige Erkältung holen. Unsere evangelische Lirchr braucht zur Zeit mehr wie je opferfreudige und opserfähige Menschen alS Diener und Vertreter. Solche Menlchen werden aber auch am ehesten Herr über allerlei andere kleinere Hindernisse, die sich heutzutage dem für religiöse Fragen begeisterten Stndenlrn m den Weg stellen und ihn abschrecken, Theologie zu studieren oder gar daS Ergreifen des kirchlichen Amts über- Haupt ernsthaft in den kreis seiner Erwägung zu ziehen. . . Nun weist man freilich in manchen Kreisen darauf hm und tut so, alS nur die sogenannte moderne Theologie und nicht vtelmehr der gesamte Protestantismus daS Recht der freien Forschung und des selbständigen Denkens verträte. Ja, man macht eS der modernen Theologie zum Borwurf, daß sie das tue; dadurch, daß ste die überkommenen Resultate, Anschauungen und Lehren grundsätzlich m Frage stelle, sei sie Trägerin deS kirchlichen Umsturzes, schaffe sie Atheisten ufro. Sie trage die Schuld, wenn junge Theologen mit gebrochenem Glauben und gebrochenem Gcwiflen ins Amt kämen. Darauf ist zu sagen: die Theologie ist ein Teil der Wissenschaft überhaupt. Sie ist Wissenschaft und als solche weder erbaulich im gewöhnlichen Sinn des Wortes noch auch niederrrißend, vielmehr einfach feststellend, was sich über die Eigenart religiösen Lebens und seine Geschichte und Ausprägungen seststellen läßt. Sie ist tn beständigem Fluß, steht unter beständiger Selbstkontrolle wie jede andere weltliche Wissenschaft auch. Tatsächlich hat sie auf die Studenten ebenso wohl befreiend, rettend und im besten Sinne des Wortes auf bauend gewirkt, wie sie allerdings auch auf andere zerstörend gewirkt hat. Wo sic aber auf letztere Art gewirkt hat, bd wäre erst noch zu prüfen, ob es wirklich Glaube im evangelischen Sinn war, was sie zerstörte, oder nicht vielmehr ein auf evangelischem Boden höchst zweifelhafter Autoritätsglaube. Es ist kennzeichnend für Blätter bom Schläge der „Kreuzztg", daß sie sich höchst mißbilligend über diesen! vortrefflichen Auftnf äußern, von dem wir nicht zweifeln, daß er seinen Eindruck auf die xum Studium ^ranreifenbe Jugend nicht verfehlen ttntb. Wir meinen mit der „Voss. Ztg.", daß diese Ansprache geeignet ist, das Studium der Theologie von den Vorurteilen zu befreien, mit denen es von der herrschenden Orthodoxie belastet wird. Neue vereitelte Anarchistenpläue. Die Polizei in der italienischen Stadt Ancona hatte seit Wochen die Aussicht über die Anarchisten verdoppelt, weil der König von Italien am 24. Juni dorthin kommen wollte zur Grundsteinlegung des Hospitals. Am Samstag vor Pfingsten verhaftete sie den Barbier Gabbianelli und sand bei ihm drei apfelsinenförmige Bomben, sowie viel Material zur Anfertigung anderer. Infolgedessen wurden noch zwölf die Aufbriitgung eines Daches yi umfassen. Nur das Erdgeschoß soll vollständig ausgebaut tverden, weil in dieser Maßnahme ein besonders wirksames Mittel zur Erhöhung der Standfestigkeit des Hauses gegeben ist, während die Obergeschosse nur mit den von Kvnstruktions wegen erforderlichen Decken und Stützbogen zu versehen sind, wobei von einer künstlichen Herstellung und Ausschmückung der Räume der Obergeschosse nicht die Rede ist. Eine erste Teilforderung soll in einem Nachtragsetat zum Budget von 1906/07 angefordert werden. — Geheimrat Prof. Wallot in Dresden war um ein Gutachten erstickt worden. Er nannte den Vorschlag sehr beachtenswert, oen Geh .Oberbaurat Hofmann in Darmstadt auf dem Tenkmalpslegetag in Bamberg 1905 gemacht hatte: man solle die Fassade deS Otto-HeinrichSbaus bis zum Erdgeschoß ab tragen, wobei die Steine zu numerieren und die zertrümmerten durch neue zu ersetzen wären, und sie dann wieder ausbauen. — Professor Fischer aus Los Angelos in Kalifornien hat sensationelle Erklärungen abgegeben, wonach er seit Jahren falsche Mumien und Altertümer hergestellt habe, ioelche von verschiedenen Museen und Anstalten für sehr hohe Preise erworben worden seien. Er behauptet, daß sich in ganz Amerika nicht eine einzige echte Mumie befinde. Wien, 2. Juni. Der deutsche Otologenkongreß hat seine wissenschaftlichen Arbeiten beendet. Referate hielten Professor Bncger und Dr. Gutzmann-Berlin über die Ausbildung Taubstummer und Schwerhöriger, Dr. Blau über die Ohrmuschelform bei Geisteskranken und Verbrechern. Als Ort der nächsten VersammlunMwurde Bremen be stimmt. andere Anarchisten verhaftet. Ein italienischer Staatsmann versicherte, daß die Entdeckung in Ancona einen ernsten Charakter trage. Italien sei bereit, eine neue Konferenz gegen die Anarchisten einzuberufen, wenn die übrigen Mächte ihre Zustimmung geben würden. Meinungsaustausche hierüber seien bereits eingeleitet. Das Newyorker Blatt „Sun" berichtet aus Portland folgende sensationelle Meldung: Durch die Verhaftung eines Polen, der verschiedene Russen belästigte, brachte die Polizei in Erfahrung, daß einige Nihilisten die Ermordung de§ Präsidenten Roosevelt planten. Sie sollen mit dem Attentat nur gewartet haben, bis genügend Geldmittel gesammelt seien, um einige Genossen zur Ausführung des Planes nach Washington senden zu können. Die Polizei bat eine Untersuchung eingeleitet. Deutsches Reich. Potsdam, 4. Juni. Das Stiftungsfest deS Lehr- Jnfanterie-BataillonS fand heute unter den alten Linden auf dem Südflügel des Neuen Palais statt. Der liturgische Gottesdienst wurde von Hofprediger Keßler abgehalten. Demselben wohnten der Kaiser, die Kaiserin, der Kronprinz, Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, die Prinzen August Wilbelm, Oskar und Joachim, Prinzessin Viktoria Luise und Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold mit ihren drei Söhnen und ihrer Tochter bei. Ferner war u. ci. zugegen der Staatssekretär Graf v. P osad owsky, der russische General Tatischeff und andere fremdherrliche Offiziere. Berlin, 4. Juni. Die „Post", welche vor kurzem die Mitteilung brachte, daß Rosa Luxemburg mit einem falschen Paß nach Rußland gereist ist, stellt heute fest, daß sich in ihrer Begleitung auch deren Sekretär Jogiches ' nach Rußland begeben hat, und daß auch dieser sich zu seiner Reise eines falschen Paffes bediente, den ihm ein Sozialdemokrat verschafft haben soll. Der Name der Frau, welche den Paß für Rosa Luxemburg besorgt hat, ist bereits bekannt Da der „Vorwärts" auf die bisherigen Mitteilungen geantwortet hat, daß die Sozialdemokratie dem Staate gegenüber sich als im Kriegszustand, befindlich betrachten, und daß dem Kriegsrechte gegenüber alles erlaubt sei, so fordert die „Post" die Staatsregierung auf, auch ihrerseits der Sozialdemokratie gegenüber das Kriegsrecht anzu- wenden. Papenburg, 2. Juni. Die preußische Staatsregierung hat die Genehmigung zur Vornahme der Vorarbeiten für den Kanal Oldenburg-Kampe-Dörpen bezw. Kalnpe- Leerort erteilt. Breslau, 4. Juni. Der Verein mittlererStaats- eisenbahnbeamten hielt hier seinen XIV. Verbands - tag ab, wozu auch die Ortsgruppe Gießen Vertreter sandte. Obergütervorsteher Glaubitz entwarf ein Bild über die Aufgaben des Vereins, dessen Bestrebung cs stets sein muffe, ein gutes Einvernehmen zwischen der vorgesetzten Behörde und dem Publikum und den Arbeitern zu erhalten. Der Ausschuß des Deutschen Haudclstages trat in Frankfurt a. M. kurz vor Pfingsten zu einer Sitzung zusammen, in der über eine Anzahl den Kleinhandel angehende Fragen verhandelt und u. a. die Forderung aufgestellt wurde, daß die den Genossenschaften bisher eingeräumte Sonderstellung in der Steuergesetzgebung beseitigt werde und die wie andere Gewerbebetriebe zu den (Einkommen- und Gewerbesteuern herausgezogen werden. Hingegen sollten bic_ bisher ihnen auferlegten Beschränkungen in bezug auf den Verkauf an Nichtmitglieder aufgehoben werden. Den Kleinhändlern sei zu empfehlen, Kredit- und Einkaufsvereinigungen zu gründen und für eine möglichst sorgfältige Ausgestaltung des kaufmännischen Fortbildungsschulwesens, insbesondere für eine bessere Ausbildung der Lehrlinge Sorge zu tragen. Zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs schlug der Ausschuß zunächst vor, daß der Bundesrat Bestimmungen erlassen soll, nach denen auf Packungen, in denen Haferpräparate, Maispräparate, Tee oder Fleischertrakt nach ausländischem Gewicht abgewogen sind und in den Einzelverkehr gebracht werden, in leicht erkennbarer Weise das Reingewicht in Gramm anzugeben ist. Ferner sprach sich der Ausschuß dahin aus, daß auch der Versuch des Verrats und der Verwertung von Geschäfts- oder Betriebsgeheimnissen strafbar sein soll. Zur Beseitigung von Mißständen im Ausverkaufs wes en sei zu fordern, daß als Konkursmassenausverkäufe nur solche bezeichnet werden dürfen, die unter Leitung des Konkursverwalters und für Rechnung der Konkursmasse stattfinden. Auf Beschleunigung des Gerichtsverfahrens, sowie darauf, daß in weiterem Umfange als bisher öffentliche Klage bei Vergehen gegen das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs erhoben werde, sei zu dringen. Weiterhin beschäftigte sich der Ausschuß mit einer großen Reihe von Fragen aus dem Gebiete des Verkehrs und der Sozialpolitik. Der Ausschuß sprach sich ferner gegen die Errichtung von Handelsinspcktionen, für die Wieder ab sch affung der Lohnzahlungsbücher für minderjährige Arbeiter, sowie für Verbesserung der Bestimmungen über die Führung von Lohnbüchern in der Kleider- und Wäschekonfektion aus. Endlich beschäftigte sich der Ausschuß auch mit den zur Regelung des Dienstvertrages der technischen Angestellten vorliegenden Anträgen des Deutschen Technikerverbandes und trat hierbei u. a. dafür ein, daß sowohl für die technischen Angestellten, als auch für die Angestellten des Handels bei Verhinderung des Dienstes durch unverschuldetes Unglück kein gesetzlicher Zwang zur Fortzahlung des Gehalts eingefühU werde, daß aber, falls diese nach dem dem Reichstag vorliegenden Antrag Baffermann u. Gen. zugestanden werde, die Abzugsfähigkeit der Beträge aus der Kranken- und Unfall- versicherung gesetzlich freigestellt werde. Russisches. Eine sehr interessante Meldung kämmt heute aus Petersburg. Die dortige Zeitung „Rietsch" meldet, dec Ministerrat habe sich auf Antrag des Justizministers für Aufhebung der »Todesstrafe ausgesprochen. Bewahrheitet sich diese Meldung, dann schritte Rußland fortan in dieser Beziehung vor Deutschland. Denn von allen deutschen Gesetzeseinrichtungen halten wir die Todesstrafe für die kulturwidrigste. Von einer unlängst in Riga stattgehabten Massen- hinrichtung schildert ein Augenzeuge folgende ergreifenden Momente: „Man führte die Delinquenten, darunter Minderjährige, zur Richfftätte. Als man einen dreizehnjährigen Knaben und ein Mädchen in gleichem Alter von einer ganzen Eskorte Dragoner umgeben, zur Hinrichtung führte, krampfte sich einem das Herz zusammen. An die blutigen Schlachten des Krieges hat man sich schon allniählich gewöhnt, aber dieser Anblick war unerträglich, erschütterte den ganzen Menschen. Ich, meine Frau und Mutter mir weinten wie kleine Kinder bei dem Anblick der Tränen, des Jammers und Stöhnens der Mutter dieser Kinder, die sich wie wahnsinnig geberdete und vor Unglück den Verstand verloren zu haben schien. Die ganze Menge, die sie umringte, zitterte vor Entsetzen und Mitleid für. die Kinder, die für politische Verbrecher hingerichtet wurden. Spater erzählte man mir, daß der Junge wie ein Held gestorben ist. Er tröstete die Mutter, indem er ihr sagte, daß er zu seinem heißgeliebten Vater geht,^ den er bald wiedersehen wird. Welch ein heiliger Glaube an ein besseres Jenseits! Als die Soldaten ihm die Augen zubinden wollten, warf er die Binde weg und sagte, daß ehrliche Menschen mit offenen Augen dem Tode- entgegen gehen. Das Mädchen war weniger gefaßt, sie sträubte sich, weinte und litt fürchterlich, bis der Henker durch den Vollzug der Todesstrafe ihrem irdischen Leben ein Ende machte." Vierzehn Arbeiter-Abgeordnete der Reichsduma wenden sich an die russische Arbeiterschaft mit einem Aufruf, in welchem sie zunächst darlegen, daß die guten Absichten der Duma am Widerstande jener Leute scheitern, die den Zaren umgeben und in seinem Namen handeln. „Eine ohnmächtige, unter einem Beamtenregime stehende Duma," so heißt es in dem Ausrufe, „ist nicht fähig, die Forderungen des Volkes auszuführen. Das kann nur eine vollberechtigte konstituierende Versammlung, die auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts ohne Unterschied des Glaubens, der Nationalität und des Geschlechts gewählt ist. Indem Ihr Euch organisiert und vereinigt, sollt Ihr Euch aber durch keinerlei Provokation verleiten laffen und nicht ohne Not vereinzelte Zusammenstöße mit Behörden Hervorrufen. Laßt es nicht zu, daß unnütz Pröletarierblut vergossen werde. Augenblicklich ist es das Notwendigste, daß ganz Rußland, klein und groß, seine Ansicht über den Zusammenstoß zwischen öer Duma und der Regierung äußere. Sprecht Eure aufrichtige Meinung aus und schreibt Euren Deputierten, was Ihr auf den Meetings und Versammlungen beschlossen habt." Der Dnmapräsident Muronzew und die Abg. Kowalewski und Scher eschene witsch wurden als Professoren der Moskauer Universität bestätigt. Dagegen wurde Schis chepkins Gesuch zur Belassung in seiner Professur in Odessa abschlägig beschieden. In Czenstochau in Polen wurden zwei P olizisten am Hellen Tage unweit der Jutespinnerei von Bleschno erschossen. Die Celluloidfabrik von Weinberg u. Co. wurde in Brand gesteckt. Der Kassierer der Spukatfabcik Oschemtho wurde im Bureau überfallen und verwundet; der frühere Oberst und jetzige Gutsbesitzer Stätkewitz wurde von neun Banditen überfallen, verwundet und um 2000 Rubel beraubt. In der Nähe der Wohnung des Direktors Richter wurde ein Arbeiter von zwei Soldaten erschossen. Das Näuberunwesen nimmt in Polen täglich zu. Die Behörden sind machtlos, eS fehlt an geeignetem Polizeimaterial. Ausland. Brüssel, 2. Juni. Bei der heute hier begonnenen Beratung von Vertretern der interparlamentarischen Vereinigung machte der Vorsitzende Staatsminister Beenaert die Mitteilung, daß das englisch^ Kabinett den Wunsch geäußert habe, daß die interparlamentarische Vereinigung vor der nächsten Haager Konferenz noch eine Sondertagung in London abhalten möge. Auf der Tagung werde Premierminister Campbell Bannerman sprechen. Es wurde beschlossen, auf die Zeit vom 23. bis 25. Juni eine Versammlung nach London einzuberufen. Auf der Tagesordnung dieser außerordentlichen Sitzung soll die Frage der Einschränkung der Rüstungen und als deren Folge eine Einschränkung des Kriegsbud gets gesetzt werden. Einladungen zur Teilnahme an der Tagung sind heute an alle Kulturstaaten abgegangen. Paris, 2. Juni. Der Ministerrat setzte heute die Budgetberatung fort. Es gelang, das Defizit für 1907 von 19 4 auf 108 Millionen herabzusetzen. Rom, 2. Juni. Der neue Finanzminister hat beschlossen, den Einfuhrzoll auf Benzin herabzusetzen, um die Automobil-Industrie zu unterstützen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 5. Juni 1906. ** Personalien. S. K. H. der Gr o ßherzv g hoben den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Darmstadt Dr. Hugo Freiherrn von Leonhardt auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen, den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Büdingen Dr. Wilh. B e r n b e ck zum K'reisamtmann bei dem Kreisamt Darmstadt, den Kretsamtmann bei dem Kreisamt Alßey Dr. Karl Lös lein zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Büdingen, den RegierunaSassessor Dr. Wilh'. Anton Diehl aus Mainz zum Kr'eisamtmann bei deut Kreisamt Alzey, den Regierungsassessor Karl Hemmer de aus Darmstadt zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Worms und den Regierungsassessor Ernst Pi stör aus Worms zum Ministertalsekretär bei dem Ministerium des Innern ernannt, dem Oberförster der Oberförsteret Dornberg, F^riedr. Klein- ko p f zu Dornberg, den Charakter als Fvrstmeister verliehen, den Revisionskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Darmstadt Phil. Lohnes, zurzeit zu Offenbach, zum Revisions-Inspektor bei dem Hauptsteueramt Offenbach, den Assistenten bei der Bezirkskasse Darmstadt 1 Gust. Krüger zu Darmstadt zum Bezirkskassier der Bezirkskasse Altenstadt und den Fmanzaspiranten Johs. Kleppner zum Assistenten des Rechners der staatlichen Betriebskrankenkaffe ernannt. ** Erledigt sind: die Stelle eines Ministerialrevisors bet der Buchhaltung Großh. Ministeriums der Finanzen, des Revisionskontrolleurs bei dem Hauptsteueramt Darmstadt und des Bezirkskasseasfistenteu bei der Bezirkskasse Darmstadt 1. * *. D er freisinnige Landesverein für Hessen beabsichtigt die Anstellung eines Parteisekretärs. In Darmstädter freisinnigen Kreisen besteht ferner der Plan, demnächst eine linksliberale Tageszeitung ins Leben zu rufen. * * Der Pfingstv er kehr gestaltete sich durch das herrschende trübe und kühle Wetter zwar nicht so lebhaft wie sonst, da namentlich weniger größere Ausflüge als onst unternommen wurden. Immerhin aber war der Verkehr auf den Bahnen recht lebhaft, insbesondere am zweiten Feiertage, sodaß die Abendzüge fast durchweg mit großen Verspätungen verkehrten. * • Ein entsetz!icher tätlicher Unfall ist hier am zweiten Feiertage oorgekornmen. Das fünfjährige Töchterchen des Fabrikanten R. stürzte gestern nachmittag 4 y, Uhr beim Spielen aus dem Fenster der Küche des zweiten Stockes in den Hof auf das Pflaster und erlitt so schwere Verletzungen, daß es am Abend in der Klinik verstarb. • * Die Aushülfe. Eine Herrschaft hatte vor einigen Tggen ein Dienstmädchen aushülfsweise eingestellt. Am ersten Feiertag, abends 11 Uhr, als die Herrschaft von einem Spaziergang heimkehrte, war das Mädchen verschwunden und.mit ihm die goldene Uhr nebst Kette der Frau, ein Kapes und sonstige Wertsachen. Der Polizei ist die Person als Diebin bekannt, sie hatte jedoch bereits das Weite gesucht, als Anzeige erstattet wurde. △ Butzbach, 4. Juni. Zwischen einigen Fuhrknechten entstand heute am Hellen Mittag eine große Rauferei, die einen bedeutenden Menschcnauflauf zur Folge hatte. Einer der Raufbolde wurde dabei am Unterleib verletzt und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Der Anstifter namens Joh. Lau mann wurde in polizeilichen Gewahrsam gebracht, nachdem er auch versucht hatte, gegen die einschreitende Gendarmerie tätlichen Widerstand zu leisten. ^Bad-Nauheim, 3. Juni. Die Stadt hat die Anleihe von 100 000 Mk. an der Landeshypothekenbank zu 3s/4 Prozent beschlossen, uip ihre Wassergeldschulden abzutragen. Zu den Pumpanlagen am neuen Hochbehälter am Johannesberg wurden 4200 Mk. bewilligt. — Eine Ver - fuchs kläranlage als Vorbereitung einer gemeinsamen Kläranlage mit Friedberg wurde von der Stadt beschlossen und die Mittel dazu bewilligt. + Friedberg, 3. Juni. Die hiesigen Aerzte haben über das städtische Hospital die Sperre verhängt. Früher wechselten alle drei Jahre die hiesigen Aerzte der Reihe nach int Hospital. Diese Bestimmung sollte geändert werden, worauf aber die Aerzte nicht eingingen. Als man den Wechsel der Aerzte auf sechs Jahre festsetzen wollte, erklärten die Aerzte, dem Hospital so lange fernzubleiben, bis ihre Wünsche Berücksichtigung fänden. — Der Vertrag zwischen Stadt und Staat, wonach die Stadt sich dem staatlichen Wasserwerk zu Lauter anschließt, wurde von der Stadtverordnetenversammlung endgiltig angenommen. Die Stadt erhalt täglich 1000 Kubikmeter, möglichenfalls bis zu 1500 Kubikmeter Wasser. sd Darmstadt, 5. Juni. Ein Gendarmerie- Wachtmeister aus Reichelsheim hat gestern nachmittag in der Gegend von Unter-Ostern (Odenwald) einen Zigeuner, den er wegen Bettelns verhaftet hatte, bei einem Fluchtversuch erschossen und zwei weitere Zigeuner schwer verletzt. Frankfurt, 4. Juni. Heute früh 'N/, Uhr überfuhr auf dem Ostbahnhof die Maschine des von Aschaffenburg kommenden Zuges Nr. 378 den Prellbock, rannte über den schmalen Querbahnsteig und beschädigte die Gepäckhalle. Von den Reisenden des Zuges wurde keiner verletzt, ebensowenig das Lokomotiv- und Fahrpersonal. Der Unfall ist durch zu späte Anwendung der Luftdruckbremse entstanden. (Franks. Ztg.) Arbeiterbeweanng. — Mexikanischer Bergarbeiter streik. Wie aus Naco in Arizona gemeldet wird, sind die Bergarbeiter der Greene Consolidated Copper Mines in Cananea in Meriko wegen Lohnstreitigkeiten in den Ausstand getreten. Nach einem Kampfe bemächtigten sich die Bergleute der Minen, wobei über 50 Personen, zumeist Mexikaner, getötet wurden. Sie richteten viele Verwüstungen in den Grubenanlagen an. Sie äscherten Eigentum im Werte von 250 000 Dollars ein, darunter einen Holzvorrat der Minengesellschast, das Bureaugebäude, und sprengten mit Dynamit den Zugang zum Pulverhause, um sich Waffen und Munition zu verschaffen. Es solgte ein heftiger Kampf mit der Polizei, wobei es beiderseits mehrere Tote gab. Die Zahl der ausständigen Arbeiter beträgt 50 000. Von mexikanischen Arbeitern bedrohte Amerikaner verbarrikadierten sich in der Presbyterianerkirche, ebenso wurde das Wohnhaus des Minenbesitzers Green von ihnen verbarrikadiert und in Verteidi- gungszustand gesetzt. Von Naco sind hundert bewaffnete Amerikaner nach Cananea abgegangen. Bei Posse hatten letzte Nacht 25 Mann aus Bisbec, die die Grenze bewachten, einen Zusammenstoß mit mexikanischen Zollbeamten, wobei es zu Blutvergießen kam. Gerichtssaal. - sd. Darmstadt, 4. Juni. DaS Oberkriegsgericht verhandelte am Samstag in Darmstadt gegen den vor einigen Wochen vom Kriegsgericht zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis verurteilten Kanonier Ludwig V e n n l e t h ans Gernsheim vom Artillerieregiment Nr. 25. Vennleth hatte eines Sonntags mit einem Mädchen getanzt. Dieses ließ sich von einem Unteroffizier nach Hanse bringen, weshalb Vennleth eifersüchtig wurde. Er folgte dem Paare und kam bald mit dem Unteroffizier in Streit. Vennleth schimpfte, entriß dem Mädchen den Hnt; er soll auch den Unteroffizier gepackt und hingeworfen haben. Letztere Tat bestritt er, doch wurde er s. Zt. vom Kriegsgericht durch die Zeugenaussagen überführt und verurteilt. Tas Oberkriegsgericht konnte aus der erneuten Beweisaufnahme nicht mit Sicherheit feststellen, ob Vennleth, der sich bisher der besten Führung befleißigte, auch wirklich der Angreifer war. Es liegt vielmehr die Möglichkeit vor, daß er von dem Unteroffizier gereizt wurde. Es gilt weiter nicht für erwiesen daß ihm eine Ueberschreitung der Notwehr zur Last fällt und es mußte nach dieser Richtung Freisvrechnng erfolgen. Dagegen wurde er für schuldig befunden, den Unteroffizier durch ungehörige, achtungs- verletzende Worte beleidigt zu haben und dafür wurde er zu 4 Wochen strengen Arrest verurteilt. Vermischtes. * Unwetter. Ein verheerendes Unwetter suchte Franken, besonders einen Teil der Rhön heim und verursachte vielfach Gebäudeschadcn. Unzähliche Obstbäume sind umgeknickt. In der Ruine Trimburg bei Kissingen wurde der Waffensaal demoliert. Bei Untertheres ist eine Riesenlinde umgestürzt und eine künstlerische Kreuzgruppe Heute nacht lls/4 Uhr entschlief sanft unsere liebe, trau sorgende Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter Fran Babette Silbereisen geb- Sixt im Alter von 67 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. D% Giessen und Darmstadt, den 2. Juni 1906. 3479 Gießen, den 5. Juni 1906. B’/i BV. (Eine Briefmarkcusammlung, I Prima Speisekartoffeln zu verk. 4500 Stück, Katalogwert 22009)It, 04021] zürn Preise non 500Mk. zu verl. m Preise von oOO'JJlf. zu vert. q.> r c- - Schriitl. Anfragen unter 03952 2bOyllyuli]Cf hpn füipupiipr ?!mpinpr erhpfpit. ... au den Gießener 9(uzciqer erbeten. sehr rentabel, yreiSiv. zu verkaufen. B1,. B.: Esrfchmann, Ein sehr gut erh.Äiuderwagen zu verkaufen. Neustadt 45. [3444 Schriftl. Anfragen unter 03932 an den Gießener Anzeiger erbeten. dürfen nicht in die Termine gebracht werden. Gießen, den 31. Mai 1906. Großb. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Cnrschmann. Gen-armerie- 1 gef/ern nafimitfag in Odenwalds einen tzi- HM Mr, bei einem weitere Aigrmer schwer rüh ?^,Uhr überfuhr ie des von Aschaffenburg rellbotf, rannte über schädigte die Gepäckhalle, urbe keiner verletzt, ahrpersonal. Der Unfall uftdruckbremse entstanden. (Franks. Ztg.) Unternehmer ausgeführt werden. Gießen, den 31. Mai 1906. Großh. Bürgermeisterei Gießen. I. B.: Tnrschmann. - lnesigen Aerzte haben Sperre verhängt. d>e hiesigen Aerzte der nmung sollte geändert : eingingen. Als man I« festsetzen wollte, et- ange sernzubleiben, bis - Der Veckag zwischen sich dem staatlichen wurde von der Stadt- tgenommen. Die Stadt lichensalls bis zu 1500 Kekanntmaltsimg. In der Zeit vom 26. Mai bis 2. Juni 1906 wurden in kiesiger Stadt gefunden: 1 eingefaßtes 2 Mk.-Stück (Brosche), 2 seidene Halstücher und 1 Paar Glacehandschuhe; verloren: 1 kleiner Fingerring mit großem dunkelrotem Stein, eingraviert K. G. oder G. K., 1 rotbraunes Damcnportemonnaie mit 10—11 Mk. Inhalt, 1 schwarzes Handtäschchen mit weißem Taschentuch, gez. J. B. und einer Stahlbrille, 1 metallene? Handtäschchen mit etwas Kleingeld, 1 Schlussel und mehreren Taschentüchern Inhalt, 1 kleine goldene Uhrkette mit Medaillon, 1 schwarzer und 1 gelber Damen-Ledergürtel und 1 braunrotes Portemonnaie mit ca. 60 Mk. Inhalt. Entlaufen ist 1 brauner Teckel mit der Steuermarke Marburg Nr. 75. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei unS geltend zu machen. Gießen, den 2. Juni 1906. Großh. yZoüxnnmt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Bett.: Vergebung bet Zinsen aus der Christian Gerhard Hast- Ttifturra. Aus obiger Stiftung sind zehn Gaben zu 19 Mk 71 Pfg. an zehn bedürftige Familien bezw. Witwer oder Witwen zu vergeben. Anmeldungen sind bi« zum 15. Juli d. IS. bei dem Armenamt, Neucnbäüe 25, Zimmer Nr. 2, vorzubriugen. Gießen, den 1. Juni 1906. Großh. Bürgermeisterei Gießen, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem schweren Verluste, sowie für die liebevolle Pflege der evangelischen Schwestern und die trostreichen Worte- des Herrn Pfarrer Schwabe sagt innigen Dank Die trauernde Familie Kramer. Soolbiid - Salzhausen (Hessen) Villa Charlotte Pensionshaus und Restaurant - bekannt durch vorzügl. Verpflegung, schön einger. Zimmer, aufmerks. Bedienung^subde Preise. Schöne Lage. Prospekte durch die iagentdlmerin, Frau Ch. Koch, lhv*/5 NESTLQ* Todes-Anzeige Am ersten Feiertage früh morgens verschied sanft nach schwerem Leiden unsere geliebte Mutter, Tochter und Schwägerin Am Elisabeth BechW Wm. geb. Momberger im Alter von nahezu 29 Jahren. Frau Momberger Wwe. Gießen (Leihgesterner Weg 9), den 5. Juni 1906. Die Beerdigung hat in aller Stille stattgefunden. 04011 Bekanntmachung. Die Firma Heinrich Winn & Co. und Herr I. Adam, In LöberS Hof Nr. 3 sind zur Ausführung von Entwässerungsanlagen gemäß § 16 der Polizeiverordnung die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanalisation in der Provinzialbauptstadt Gießen betreffend, vom 1. August 1904, zugelassen worden. Nach § 16 der genannten Polizeiverordnuug dürfen Entwässerungsanlagen im An. schluß an die städtische Kanalisation nur durch die hierfür zugelassenen — ......währte Nahrung für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u.beseitigt:Diarrhoe, BrechdurchFaU, Darmkatarrh. | Bahnhofstr. 57. mit 3-, 4- und 5- Zimmerwohnung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hilf scheiden unseres iunigst geliebten Paulchen sagen wir allen unseren tiefgefühltesten Dank Familie Wilh. Böhling. Gießen (KaplanSgasse 14), den b. Juni 1906. 3476 dere^ t. Ctntt °6tte Weg Wtc« 3 Stögen On ,inem iS»* atPBe Jiaufetei di- Ü,W 6*. ®inec » * "ufc y,tn Wie, gegen die ein. r|tanb zu leisten. Die Stadt hat die "^Hypothekenbank iU ^stergeldschulden abzu. euen Hochbehälter am — Eine Ver. c'nec gemeinsamen tbe von der Stadt be. Madrid, 4. Juni. Ter König und die Königin wohnten mit den fremdländischen Abordnungen der großen Truppenschau auf dem Felde Carabanehel bei Eine überaus zahlreiche Zuschaucrmcnge begrüßte den König und die Königin mit jubeln txm Zurufen. Infolge der glühenden Sonnenhitze wurde eine Anzahl Soldaten vom Hitz* schlage gctroffen. Rewnork, 5. Juni. Fünfzehn M a n n der Wache der Plunr River Kohlenzeche bei Stcubenvillc in Ohio wurden bet einem Angriffe von streikenden Grubenarbeitern erschossen. Tiefer Llngriff erfolgte, weil die Zechenbcsitzer nachts Arbeiter, die nicht zur Union gehörten, cinschmuggeln wollten. Washington,!. Juni. Präsident Roosevelt übersandte dem Kongresse den Bericht der für die Untersuchung über die Mißstände in der Fleisch waren in du - strie eingesetzten besonderen Kommission. Tiefer Bericht bestätigt die Berichte der Zeitungen über die unhpgicnischen Verhältnisse auf den Chieagocr Vieh- und Packhüfcn lutb erklärt, es werde dort unter Verl)ältnissen gearbeitet, die einen empörenden S ch m u p zeigten. Gleichzeitig aber wird die pe inliche Sorgfalt hervorgehoben, die be» züglich des für den deutschen Konsum bestimmten Schweinefleisches beobachtet wird. ES wird festgestellt, daß im allgemeinen weniger Mißstände bei der Vor- bereitung von Fleisch für den Export obwalten, als bei der für 'ben heimischen Verbrauch — Es heißt in dieser Beziehung in dem Berichte wörtlich: „Die m'.kroskopischc Untersuchung der nach Deutschland zu exportierenden Schweine scheint mit großer Vorsicht zu geschehen, und eS kann gereckterweise gefragt werden, warum die für den amerikanischen Markt geschlachteten Schweine nicht ebenso untersucht werden." — In seiner Begleitbotschaft zu diesem Berichte erklärt Roosevelt, die empörenden Verhältnisse in den Chicagoer Schlachthäusern müßten im Interesse der Volksgesundheit und der Schicklichkeit von Grund aus geändert werden. Er empfehle gesetzgeberische Maßnahmen, nach denen die Regierung zur Beaufsichtigung und zur Cuperrevision der Fleischversorgung in allen ihren Stadien ermächtigt werde. wurde demoliert. — Der Inn und seine Nebenflüsse überschwemmten große Strecken zwischen Insbruck und Wasserburg. Tie bayerischen Vorberge trugen bis zur Talsohle Neuschnee. — Auch auf den steirischen Bergen ist Schnee gefallen. In Klagenfurt ging die Temperatur auf 6 Grad zurück und in den Bergen fallt Schnee. InTarvis liegt der Schnee schon 8 cm hoch, und auch in Rudolfswerth ist ein Wettersturz erfolgt, wobei ununterbrochen Gewitterregen niedergehen. — Tie Aare ist in Bern über die Ufer getreten. Eine Reihe von Wohnungen mußte verlassen werden und verschiedene Wasserwerke waren genötigt, den Betrieb einzustellen. Ein 24 jähriger Pontonier namens Peter Hübscher aus Bern, welcher mit einem Ponton über die hochgehende Aare fahren wollte, ist ertrunken; er hatte vergeblich versucht, sich schwimmend zu retten. * Pfingsteisenbahnunfälle. Am 3. Juni durchfuhr Schnellzug 72 die Station Barmen-Ritters- Hausen infolge Versagens der Luftdruckbremse und stieß am Westcnde des Bahnhofs auf die Schiebelokomotive für Schnellzug 33. Die Vorspannlokomotive von Schnellzug 72 entgleiste, streifte die drei letzten, nicht besetzten Wagen des gerade einfahrenden Schnellzugs 33 und brachte diese zur Entgleisung. Verletzungen von Personen nicht vorgekommen. Die Hauptgleise sind gesperrt. — In Ingolstadt stieß der Schnellzug Nürnberg—München ans einige auf dem dritten Gleis stehende Wagen. Zwei Wagen des Schnellzuges entgleisten; der Packwagen des Zuges und zwei der zurückgestellten Wagen wurden zertrümmert. Zehn Reisende und zwei Zugbeamte trugen leichte Verletzungen davon. — Beim Umstürzen eines Straßenbahnwagens in East Providence auf Rhode-Island (Nordamerika) sind 11 Personen getötet und 20 verletzt worden. Der Wagen, der mit Ausflügern besetzt war, sprang beim Durchfahren einer Kurve infolge zu schnellen Fahrens aus dem Gleise und wurde etwa 20 Fuß weit weggeschleudert. • Pfingstluftfahrten. Zwei Kaufleute und ein Wie au§ iteW beitet der Ar« Ine« in elelt Nach einem San» ?®nibenanl«gt« L-Kx? wur?°,in sßerteibi- LWZ K--K Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. BoranSfichtlichc Witterung in Hoffen für Mittwoch, den 6. Juni 1906: Aufheiterung, trocken. Nacht? kühl, am Tage wärmer. Andauer der trockenen Witterung. Nähere? durch die Gießener Wetterkarte. Mriginal-Drahtrneldunge«. Pirmasens, 4. Juni. Eines Hundes wegen geriet heute der verheiratete Schuhmacher Heinrich Greiner aus Höheischweiler mit seinen ledigen Brüdern Josef und Friedrich Wien, beide Maurer aus Fischbach, in Streit und zog das Messer. Friedrich Wien blieb tot am Platze, Joses Wiehn wurde tödlich verletzt. Greiner Bekanntmachung, Tie diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen wird, beginnend mit Mittwoch, den 6. Fnnr im Jmpslokale — Schulgebäude, Neustadt 61 — für die nächste» 5—6 Wocheu jeden Mittwoch, nachmittags 5—6 Uhr, abge- halten werden. Jmpspflichtig im lausenden Kalenderjahr find die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aii5 früheren ^al,rf2Qir laben die hiesigen Einwohner, welche impspflichtige Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben vorgenommenen Impfungen unentgeltlich find. Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bis zum Jahresschlüsse auf feine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frift zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird. Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufende« Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder müffctr in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen. Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Jmpfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden. Tie Impflinge müssen mit reiner Wäsche und rein gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. ES wird nur a« einem Arme mit Lymphe au5 dem LandeSimpfinstitut geimpft. Kinder au5 Familien, in denen ansteckende Krankheiten herrschen. wurde er abermals bei Ancona gesehen. Ein Torpedoboot fuhr dem Ballon entgegen, stellte aber fest, daß in demselben sich niemand mehr befand. Die Insassen sind allem Anschein nach im Meere ertrunken. — Ter Versuch deS österreichischen Leutnants Earo in, den Aer melkanal im Ballon zu überfliegen, ist mit knapper Not gelungen. Sein Plan, Oesterreich zu erreichen, ist indessen gescheitert. Bei Dieppe mußte der Ballon landen. Er war im Kanal in ein Gewitter geraten und Carvin hat, nachdem er den ganzen Ballast auSgcworfen, seine Mundvorräte und seinen Pelz opfern muffen. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 5. Juni. (Telegr. Orig.-Bericht deS .Gieß. Anz.*). Amtl. Notierungen der heutigen Vie hin ar ktp reife. Zum Verkaufe standen: 525 Ochsen, 156 aus Oestreich, 36 Butten, 0 auS Oesterreich, 0 auS Dänemark, 656 Rühe, Ferfen, Stiere und Rinder, 00 aus Dänemark, 119 Halber, 127 Schafe und Hänunel, 1207 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaffämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht Ochsen 1. Qualität 78—82 Mk^ 2. Qual 70—74 Mk., 3. Dual. 65—68Mk.: Bullen 1. Qual. 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 68—69 Mk.: Kühe 1. Qual. 74—76 Mk., 2. Qual. 70—71 Mk., 3. Qual. 52- 54 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual. 96—100Pfg., Lebendgewicht 57-60 Pf., 2. Qual. 92—96 Pfg., Lebendgewicht 55—58 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 70—75 Pfg., Schafe: 1. Qual. 78—80, 2. Qual. 00—00 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 69—00 Pfg., Lebdgew. 54.00—00.00 Pfg., 2. Qu. 68 - 00 Pfg., Lebend- gew. 53.00—00 Pfg., 3. Qual. 60—00 Pfg. Lebendgew. 44 Pfg. Geschäft: flott, fein Ueberftanb. tzpielplax der erttimqten Frankfurter tztadttheater. Opernhaus. Mittwoch den 6. Juni, abends 7 Uhr : „Ter Bettelstudent." Schauspielhaus. Mittwoch den 6. Juni, abends 7 Uhr: Schiller - Zyklus. 10. Abend. „Die Verschwörer des Fiesko an Genna." Luftschiffer sind am Samstag abnd mittels Ballon in Mailand aufgestiegen und wurden durch einen Sturm über die Apenninen getrieben. Sonntag morgen wurden sie von dem Leuchtturm in Ancona auf dem Meere gesichtet und ein Segelboot lief zur Hilfeleistung aus, indessen war der Ballon bereits weiter getrieben worden. Ain Montag nachmittag j wurde verhaftet. Bekanntmachung. Die Stadtverordneten-Versammlung hat durch Beschluß vom 25. Mai 1906 einen neuen Fluchtlinienplan für die Straßen zwischen Mittelweg und dem veterinärmedizmuchen Institut ausgestellt. Der Entwurf des Fluchtlinienplans hegt ins zum 1. Juli ds. Js. auf unserem Tiefbauamte offen. Einwendungen gegen denselben sind binnen der gleichen NM bei Meldung des Ausschlusses, bei uns vorzubriugen. Gießen, den 1. Juni 1906. Großherzogliche Bürgermeisterei Gteszen. I. V.: Eurschmann. B ,fi FW ^r -'/A V r ri*A . Y ■ Ä y. V . - > ’ Bekannlmachung. Betreffend: Ausübung der offenen Armenpflege. Die Einteilung der Armenpflegebezirke, die Namen der Bezrrksoorsteher und der Armenpfleger für die Zeit vom 1. April 1906 bis 3L März 1909 bringen wir nachstehend zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, am 1. Juni 1906. B2/< Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. C-urschmann. Offene Armenpflege der Stadt Gießen. I. Bezirk. Walltor- und Marburgerstraße Bezeichnung der Straßen: Brandgaffe, Brandplatz, Braugasse, Hundsgaffe, Kanzleiberg, Kaplaneigasse, Landgrasenstruße, Lmdengasse, Lindenplatz, Mar- burgerslraße, Dftanlage Nr.3—15, Rodberg, Schloßgasse, Senken- bergstraße, Walltorstr., Wiesecker Weg, Wiesenstraße. Bezirks-Vorsteher: Wilhelm Riebel, Zeugwart. Stellvertreter: Heinrich Becker junior, Schmiedemeister. Armenpfleger: Adolf Braun, Betriebsleiter, Fritz Egly, Zigarrenfabrikant, Friedrich Jung, Kaufmann, Theodor Loos, Kaufmann, Louis Roloff, Oktroierheber, Heinrich Schwöbel, Lehrer, Karl Sievers, Oekonom. II. Bezirk. Altstadt und Ostend. Bezeichnung der Straßen: Bergstraße, Diezstraße, Eichgar- tcn, Erdkauterweg, Gartenstraße, Großer Steinweg, Grünberger Straße, Gutenbergstraße, Hessenstraße, Landmannstraße, Sicher Straße, Ludwigsplah, Moltke- straße, Nahrungsberg, Neue Baue, Ostanlage von Nr. 29' ab, Noon- straße, Schiffenbergerweg, Schulstraße, Sonnenstraße von No. 1 dis zur Schulslraße, Wolfstraße. Bezirks-Vorsteher: Karl Malkomesius, Fabrikant. Stellvertreter: Dr. Georg Koch, Hilssbibliothekar bei der Universitäts-Bibliothek. Armenpsteger: Richard Buchacker, Kaufmann, Wilhelm Hammel, Rentner, Heinrich Schmall, Reirtner, Fritz Schmoll, Oberlehrer, Theodor Schwieder, Apotheker, Julius Stohr, Schloffermeister, Georg Straub, Lehrer. III. Bezirk. Reueuweg und Südeud. Bezeichnung der Straßen: Alicestraße von Nr. 11 ab, Bis- marckstraße, Bleichstraße, Bruchstraße, Dreihäusergasse, Ebelstraße, Erlengasje, Göthestraße, Henielstraße, Johannesstraße, Keplerstraße, Kreuzplatz, Leih- aesteriierweg, Lessingstr.. Liebig- siraße von Nr. 23 ab, Loberftraße, Lonystraße, Ludwigstraße, Mausburg, Neuenweg, Plockstraße, Riegelpfad, Sonneiistraße von der Schulstraße bis zum Kreuzplatz, Stephanstraße, Südanlage, Wagengaffe, Weidengaffe, Wil- helmstraße. Bezirks-Vorsteher: Alexander Witter, Rechnungsrat. Stellvertreter: Heinrich Fourier, Geschäftsführer der Ortskrankenkaße. Armenpfleger: Richard Eompter, Eisenbahnbetriebs-Sekretär Ludwig Kohlermann, Küfermeister Tr. Gustav Krüger, Universitäts- Professor, Georg Luh, Glasermeister, Ferdinand ölartin, Lokomotivführer t P. IV. Bezirk. SeltcrSweg, Bahnhof- und Frankfurterstraße. Bezeichlmng der Straßen: 2llicestraße Nr. 1 bis 5, An ben Bahnhöfen, Bahnhofstraße, Crednerstraße, Frankfurterstraße, Grabenstraße, Hillenbrandstraße, Hofmannstraße, Kaplansgaffe, Katharmengasse, Klinikstr., Liebig» straße bis Nr. 21, Löw en gaffe, Maigaffe, Mittelweg, Seltersweg, Teufelslustgärtchen, Westanlage (von Seltersweg bis Bahnhofstraße),Wetzlarerweg,Woltengasse. Bezirksvorsteher: Philipp Lahr, Rentner. Stellvertreter: Louis Hahn, Agent. Armenpfleger: Ludwig Llllendörfer, Schreinermeister Heinrich Becker, Küsermeister Jakob Brann, Atetzgermeister Dr. Karl Elbs, Universitäts-Professor Wilhelm Kilbinger, Drogist Georg Kinkel, Kaufmann Johann Klinkerfuß, Tapezier August Kröll, Kaufmann Adam Reinig, Messerschmied Georg Schuchardt, Fabrikant. V. Bezirk. Neustadt, Hamm- und Rod- heimerstraße. Bezeichnung der Straßen: Hammstraße, Hardt, Kornblumengasse, Krofdorferstraße.Lahnstrabe, In Löbers Hof, Marktstraße, Große Mühlgasse, Kleine Mühl- gaffe, Neustadt, Rittergaffe, Rod- heimerstraße, Sandgaffe, Schan- zenstiaße, Schützenstraße, Tiefenweg, Westanlage, Wettergaffe. Bezirksvorsteher: Georg Schneider, Kaufmann. Stellvertreter: Louis Troß, Ziegeleibesitzer. Armenpfleger: Karl Bender, Sattlermeister Edgar Borrmann. Kaufmann Georg Forbach, Bäckermeister August Haggemüller, Lehrer Emil Horst, Fabrikant Wilhelm Kurz, Kaufmann Emil Noll, Dachdeckermeister Bertold Schwabe, Pfarrer Georg Wink, Schuhmachermstr. VI. Bezirk. Nordend. Bezeichnung der Straßen: Afterweg, Auf der Bach, Burg- graben, Tammstraße, Ederstraße, Kirchenplatz, Kirchstraße, Marktplatz, Nordanlage, SMllerstraße, Schottstraße, Sleinstraße, Weserftraße, Wetzsteingaffe, Wetzstein- straße, Zozelsgasse. Bezirksvorsteher: Heinrich Bommersheim, Straßen« meister. Stellvertreter: Ehristian Schönhals, Kaufmann. Armenpfleger: Balthaser Bierau, Glasermeister Heinrich Eckel, Lehrer i. P. Jakob Horn, Bäckermeister Ludwig Köhlinaer, Schlosiermstr. Philipp Lenz, Rentner Hermann Pröschold, Schloffermstr. August Schneider, Spenglermstr. Dr. Adolf Stoeriko- Direktor der höheren und erweck. Mädcheu- schule. Bekannrmnchung. Aus der Stiftung des Kupferschmieds Karl Ludwig Kirsch sind die diesjährigen Zinsen mit 97,71 Mk. an 10 bedürftige, im Witwenflande lebeuve Gießener Bürger oder Bürgeröfraueu am 20. September d. Js. zu verteilen. Meldungen nimmt das städtische Armenamt, Neuenbäue 25, Zimmer Nr. 2, bis 1. Juli d. Js. entgegen. Gießen, ben 1. Ium 1906. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ___________________I. V.: Eurschmann.________________B?/», Arbeitsvergebung. Die Schreiner- tu Weitzbinderarbeiten zur laufenden Unterhaltung des Turmhauses sollen Samstag, den 9. Juni d. I. voruu 11 Uhr, öffentlich vergeben werden. Arberrsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum ge« nannten Zeitpunkt an uns einzureichen. rF/ Zuschlagsfrist 14 Tage. 6 Gießen, den 2. Juni 1906. Städtisches Hochbauamt. G e r b e l. Ein nicht zu großes iHiaus mit gutgehendem Fremdeupen- siouat in der schönsten Lage der Stadt (Laffel ist Familienverhältnisse halber für den Braudkafseu- wcrt zu verkaufen. Angebote unter M. 708 an Haaseüstein & Boiler, A.-G., Eassel. [b-v-'-'/, 59^* Existenz. In industriereicher Gegend ist großes, massives Haus m. Nebengebäuden u. Garten an tüchtigen, strebs. Bäcker zu verkaufen ob. zu verpacht. Für denselben ist Aussicht auf Erlangung einer Wirtschafts-Konzession vorhanden. Schriftl. Anfragen imter 03937 an ben Gießener Anzeiger erbeten. Versteigerung. Mittwoch, den 6. d. Mts., uachm. 2*/z Uhr, sollen dahier, Walltorstr. 6 (Darmst. Haus): 1 Oekonomrewagen, 2 9!äh- mckschinen, 1 Metalldrehbank, 1 Restailrationsheerd, 1 Gra- mophon, öGaslüster,84Schirm- griffe, Haus- unb Küchengeräte aller Art u. v. er. [3482 zwangsweise, gegen bar versteigert werden. Gießen, den 5. Juni 1906. Seipel, Gerichtsvollzieher. (Sin Mrmckr 2 HP, billig abzugeben. [3481 H- Schön, Schlosserei. Mittwoch,-.8.ZMl Ü.I., nachmittags 2 Uhr [MM werden im Biekerschen Saale versteigert: 1 Sopba, 1 Sopha mit 2 Seffeln u. 6Stühlen, 1 Verticow, 1 Schreibtisch, 2 Tische, 1 Nähmaschine, 3 Kastenwagen,1 Kleider- schrank, 1 Siegulator, 1 Fahrrad, 1 Damenuhr mit goldener Kette, 1 Theke mit Marmorplatte,1 Partie Schirme, Stocke, Blerkrüge, 1 Metalldrehbank u. a. m. Geißler, Gerichtsvollzieher HmMtsMt 465 Morgen groß, bestehend aus Acker, Wiesen, Wald und Park, eigener Jagd und für sich liegendes Herrenhaus, unmittelbar an der Bahn und in der Nähe von Frankfurt a.9)i. gelegen, habe zum Verkauf in Austra;). Ta bei der Oekonomie extra Pachterhaus vorhanden, so eignet sich dieselbe auch sehr zur Verpachtung. Nähere Auskunft erteilt L. Göbel, Güter- AgenturFraukfurt a.M.,Lühow° straße 23. Telephon 4949. [bsao/s Schöne Fichten- [3427 Bohnenstangen gebe in jedem Quantum biUigftab. Wilhelm Egner, Alsfeld. Wirtschaft und Metzgerei in verkehrsreichem Orte b. Gießen preiswert zu verkaufen. Schriftl. Anfragen unter 08931 an den Gießener Anzeiger erbet. Aanl Gesuche to WllcmWcGtMk Schreibtisch oderKommobe (mögt. Biebermeierstiel) zu kaufen gesucht. Schriftl. Angebote unter 04015 an den Gießener Anzeiger erbeten. gn vermittelt | & Zimmer j Der unterste St. meines Hauses — 6 Zimmer nebst Zubehör — aus 1. Oktober zu verm. [3374 Dr. Kübel, Bahnhosstr. 45, II. Wohng.m scbön.Lage, Beletage, 6 Zimmer, Babez. u. Veranba, neu herger., auf 1. Juli zu verm. Näheres Liebigstr. 62, p. [1597 I 5 Zimmer | 3216j Schöne 5-Zunmenvoh- nung mit Zubehör per 1. Oktober zu vermieten. 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