Nr. 259 Zweites Blatt 156. Jahrgang Samstag 3. November 1906 Erich ein! liigllch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siebener $cnnilknblätter** werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich bergelegl. Ter „Hessische Landwirt^ erscheuu monallich ctrnnaL U Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Unioersitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr. 7. Tel. Nr. 61. Telezr.-Adr.: Anzeiger Gießen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Ire Mainzer AaNonalliöeralerr machen Nicht mH! Wir lesen heute im »Mainzer Tagcbl.": Verein der nationalliberalen Partei in Mainz. In einer gestern von dem Ausschüsse abgehaltenen Sitzung wurde die Wahl des Pfarteivorstandes vorgenommen. Es wurden gewählt die Herren: August Feine, Rechtsanwalt Görz, Hermann Heß, Dr. Otto Jung, Ernst Lang, P. MeeSmann, Dr. Pagenstecher, Dr. August Rautert, Josef Reinach. Herr Wilhelm Römheld hatte gebeten, von einer Wiederwahl seiner Person abzusehen. Bei der Besprechung der Berufung einer LandeS- versammlung seitens der nationallib. Landespartei des Großherzogtums Helfen auf Sonntag den 4. November nach Darmstadt, um Stellung zu der Entscheidung des Ministeriums über die Bestätigung sozialdemokratischer Beigeordneter zu nehmen, wurde dieses Vorgehen als kein glückliches bezeichnet imb von der Versammlung davon abgesehen, eine Vertretung zu dieser Versammlung zu entsenden. In einer später abzuhaltenden Parteiversammlung soll diese Angelegenheit besprochen werden. Also die Mainzer Nationalliberalen wollen von einem Parteiprotesle gegen da§ Ministerium nichts wissen. Sie sind wohl, wie wir, der Ueberzeugung, daß die Eißnert-Affäre zu einer Haupt- und Staatsaktion ohne genügenden Grund aufgebauscht worden ist. Sie mögen zum Teil der gleichen 9ln» sicht huldigen wie wir, daß es nämlich durchaus zweckdienlich ist, einmal die Probe auf das Exempel zu machen und den Sozialdemokraten die städtische Verwaltung nicht weiterhin zu verschließen. Die Einblicke, die Herr Eißnert m seiner Stellung erhalten wird, werden für ihn gewiß höchst lehrreich sein, und er wird seinerseits gewiß nicht verfehlen, von diesen Einblicken seiner Partei Kenntnis zu geben, die dann wohl diese oder jene ihrer bisherigen Anschauungen heilsam revidieren wird. Den Mainzer Nationalliberalen dürfte auch ein Konflikt mit der Regierung als wenig wünschenswert erscheinen, um nicht die Stellung der Nationalliberalen als Regierungs- Partei deS Landes ins Wanken zu bringen. Die , Wormser Ztg. bringt dagegen folgende Kundgebung: Den Vorsitz wird Rechtsanwalt Dr. Osann IL führen. Unsere hessischen Reichstags- und Landtagsabgeordneten, u. o. von WoriiiS Freiherr von Hehl und Reinhart, dürsten wohl fast in der Vollzahl anwesend sein. Wie verlautet, wird Hr. Reinhart in seiner Eigenschaft als frommer» fraktionsvorsitzcnder und zugleich als Wormser Vertreter eine programmatische Kundgebung vornehmen, die übrigen Hauptredner dürften ebenfalls im Namen der betr. Wahlkreise sprechen. ES steht zu ermatten, die gesamte Veranstaltung werde einen der Sache entsprechenden würdigen, nicht minder deutlichen Charakter tragen, woraus die Regierung entnehmen können wird, daß diesmal der Nationalliberatismus im Laiide nicht mit sich spaßen zu lassen gedenke. Möge sich späterhin die Haltung unserer frammersraktion diesem der Darmstädter Landesversammlung auf- Fuprägenden Charakter entsprechend verhalten! Das ist natürlich, wie schon einmal hervorgehoben, dringetrdes Erfordernis, um nickst die ganze Aktion trüb im Sande verlaufen zu lassen. Die Enttäuschung der Wormser nach dieser „nicht minder deutlichen" Mainzer Absage wird nicht gering sein. Aus Gießen werden, wie wir hören, mehrere Herren an der Versammlung teilnehmen, aber es werden wohl nicht alle, wie wir anzunehmen guten Grund haben, den Marsch der Wormser mitmachen. Nicht unbedeutsam ist auch just am Tage vor den Landesversammlungen der Nationalliberalen und der Freisinnigen folgende offiziöse Meldung der „Darmst. Ztg.": Zur Mühlheimer B e i g e o r d n e l e n w a h l. Wie wir erfahren, hat das Ministerium des Innern den Rekurs gegen das Erkenninis des Provmzialausschusies der Provinz Starkenburg vom 29. September l. Js., betr. die Wahl des P e t e r Z a h n III. in Mühlheim z u m Beigeordneten daselbst, verworfen und zwar im wesentlichen, weil angesichts der Vor- schrüten der Landgememdeordnung über die Vertretung des Bürgermeisters durch den Beigeordneten die Uebettraginig polizeilicher und anderer staatlicher Funktionen au den Gewählten nicht angängig erscheint. Tie Bestätigung des Genannten als Bei» geördncler ist damit endgültig verjagt. Die Begründung des die Bestätigung versagenden Mi- nisterialentscheids deckt sich genau mit dem, was wir seinerzeit hierüber gesagt haben. Wie das „Offenb. Abendbl." meldet, ist u. a. Dr. Dullo aus Königsberg zur engeren Wahl als Offenbacher Oberbürgermeister gestellt. Dr. Dullo ist Leiter des statistischen Amtes der Stadt Königsberg. Er war seinerzeit zum Stadtrat von Königsberg gewählt worden, von der Regierung aber als solcher nicht bestätigt worden. Der Ausschuß für die Bürgermeisterwahl hat, so berichtet das genannte Blatt, am Donnerstag Sitzung gehabt und Bericht erstattet über das Resultat der Prüfung der für den Posten eingegangenen Bewerbungen. Es lagen 39 Bewerbungen vor. Davon wurden vier als beachtenswert angesehen und eS soll einer der nächsten Stadtverordnetenversammlungen empfohlen werden, drei Mitglieder des Ausschusses zu beauftragen, an Ort und Stelle persönliche Erkundigungen einzuziehen. Die vier als beachtenswert in Frage kommenden Bewerbungen sind Bürgermeister Fotop-Großenhain bei Dresden, Bürgermeister Vogt-Welsheim (Sachsen), Bürgermeister Dr. Roth- Burgstädt (Sachsen) und Dr, Dullo. Von Dr. Dullo ist bekannt, daß er dem entschiedenen Liberalismus angehört. PoUtische Sagesscha«. Zur Fleischteuerungsfra'e. Der Beschluß des Vorstandes der rhein. Landwirt- schaftskammer, die Zulassung einer Einfuhr von wöchentlich 10 00 bis 15 00 Stück lebender Schweine aus Holland nach der Rhein Provinz zu befürworten, ist dem Vorstände des Bundes der Landwirte höchst unangenehm. Dieser engere Vorstand, gezeichnet Freiherr von Wangenheun, Dr. Rösicke und Diedrich Hahn, erläßt eine Erklärung in der .Deutschen TageSztg.", in welcher er den Beschluß als völlig unverständlich bezeichnet und jede weitere Durchbrechung des heute schon auf daS denkbar geringste Maß eingeschränkten Viehseuchengrenzschutzes geradezu ein nationales Unglück nennt. Gerade dadurch würde die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Fleisch am schwersten geschädigt werden und für die zukünftige Fleischversorgung ein großer Ausfall entstehen. Alle Industrien und Gewerbe erhöhten ihre Preise, nur dem Landwirte scheine man das zu verdenken. Rian übersehe bei dem ganzen Fleischnotgeschrei, daß es sich um eine seit der Mitte der 90er Jahre andauernde ständige Preissteigerung handele, die einen internat. Charakter hätte. Man übersehe ferner, daß die Fleischteuerung ihre Ursache nicht in einer entsprechenden Steigerung der dem Landwirt gezahlten Viehpreise hätte, sondern daß die eigentlichen Faktoren der Fleischvecteuerung im Zwischenhandel, in den verteuernden Slbgabcn und Lasten der städtischen Vieh- und Schlachthöfe, sowie in dem Steigen der städtischen Mieten, Löhne usw. zu suchen sei. Uebrigens wird von einem unserer Berliner Mitarbeiter überraschenderweise heute folgendes behauptet: Das p r e u ß. S t a a t s m i n i st e r i u m i st noch nicht dazu gekommen, die bei der Regierung als äußerst dringend empfundene Frage der Verbilligung der Fleiich- nahrung zu beraten, weil Anordnungen getroffen sind, völlig einwandfreies Material zu der Angelegenheit zu beschaffen, und dieses noch nicht zur Stelle ist. Tie Erregung weiter Kreise über die bisherige Behandlung der Fleischteuerung wird mit E r n st und V e r st ä n d n t s in Erwägung gezogen. Ter L a n d w i r t s ch a f t s m i n i st e r dürfte freilich für eine Aenderung seiner Politik kaum zu haben sein. Seine Stärke liegt ja gerade in dem Widerstand gegen den Wunsch und die Jn- tereffen der weiteren Kreise, weil er den engen, aber mächtigen Kreis der Interessenten dadurch hinter sich behält. Um so iveniger dürste der kranke Minister sich veranlaßt fühlen, von seiner bisherigen Haltung abzuweichen, als er, gutem Vernehmen nach, geäußert hat, er habe den Kaiser zu seiner Ansicht überzeugt, der Al o n a r ch st e h e in d t e f e r Sache Hinterihm. Wie roett diese Aeußerung richtig wiedergegeben, bezw. an sich richtig ist, lassen wir ausdrücklich dahingestellt. Heer nnd Flotte. ** Reserve-Insa nrerce-Regimenter. Die bei den Truppen, mit Ausnahme der Kavallerie und der reitenden Artillerie, eingeführte zweijährige Dienstzeit erfordert zur Sicherstellung der frriegstüchtigkeit eine erhöhte Ausbildung der Mannschaften des Beurlaubtenstandes. Wie sehr man darauf bedacht ist, eine solche zu erzielen, beweist il a., daß vom preußischen Kriegsministerium erstmalig für das laufende Etatsjahr bet fast allen Armeekorps, mit Ausnahme des 6. (Schlesien), 15. (Elsaß) und 16. (Lothringen) die Aufstellung je eines Reserve-Jnfanterie-Re- giments — beim 3. (Brandenburg) und 7. (Westfalen) deren zwei — zu 14tägiger Hebung auf dafür bestimmten Truppenübungsplätzen angeordnet ist. Den Generalkommandos sind die näheren Anordnungen über Einberufung von Reserveoffizieren, Ofsiziersaspiranten usw./ über den Zeitpunkt der Hebung und dergleichen überlassen. Neben gründlicher Wiederholung des früher Erlernten und Festigung der Disziplin ist die Förderung der Gefechtsausbildung der Of,iziere und Mannschaften der wichtigste Gesichtspunkt bei Durchführung der Hebungen. — Beim 18. Armeekorps trat am 2. November ein solches Reserve- Infanterieregiment auf dem Truppenübungsplatz Darmstadt zusammen. Die dafür wie zu einem mobil zu machenden Reserveregiment einberuf eit en Mannschaften des Beurlaubtenstandes sind auf die 21. und 25. Division verteilt. Das Regiment wird in voller Kriegsstarke, also zu ca. 3000 Manu, formiert. Die Unteroffiziere find bereits seit 14 Tagen eingezogen, um bei besonders dazu bestimmten Regimentern für ihre Dienstobliegenheiten gründlich vorbereitet zu werden. Ein Teil der Offizierstellen des Regiments ist, wie im Mobilmachungsfalle, mit aktiven Offizieren besetzt. AoloneaLpoft. — Wie das ,B. T." mitieilt, scheint nun auch von Samoa ein Kolonial-Skandal zu drohen, denn ein genauer Kenner der dortigen Verhältnisse hat eine Veröffentlichung in Vorbereitung, die eigenartige Streiflichter auf die Zustände in Samoa vor und nach der deutschen Flaggen- hissung werfen soll.___ Russisches. Ein recht gefährliches Gegenstück vom „Hauptmann von Köpenick" hat in einem russ. Städtchen ein Gauner verübt, das ihm vollkommen gelungen ist. Vor wenigen Tagen erschien in den staatlichen Pul verwerten vonOchtaein Mann in der Uniform des Artillerieressorts mit fünf Soldaten und zwei Wagen und wies eine Ordre auf 330 Kilo Pulv er und ein großes Quantum Pyroxilin vor, was ihm auch aus geliefert wurde. Wenige Stunden später wurde festgestellt, daß die Ordre gefälscht war. Von den Verbrechern fehlt jede Spur. In Petersburg verhaftete die Polizei jene Frau, die bei dem Raub überfall auf die Zollgelder mit dem geraubten Gelde davonfuhr. Das Geld wurde bei ihr nicht vorgefunden, sie hatte es gleich nach dem Heberfall einer dritten Person übergeben. Außer ihr wurden noch 18 an dem Heber fall beteiligte Personen verhaftet. Mehrere Offiziere, die zu den Feldgerichten als Richter kommandiert waren, haben schlichten Abschied erhalten, weil sie zu milde Urteile gefällt hätten. Der ©eneralgouverneur schrieb sofort vor, geeignetere Offiziere zu den Feldgerichten zu entsenden. Diese Vorschrift ist alsbald in die Tat umgesetzt worden und der erste Akt der neuen militärischen Richter war, daß sie sofort fünfzig Todesurteile fällten. In Wladikawstas wurden aus der Kanzlei her Realschule 4000 Rubel geraubt, die zur Auszahlung der Gehälter an das Lehrerpersonal bestimmt waren. Am Raube ist ein Zögling der Schule beteiligt und ist mit einem Teil des Geldes feftgenommen worden. Anstatt-. London, 2. Noo. In Galway in Irland kam es gestern in Anschluß an Ersatzwahloersainmlungen zwischen den Anhängern der unabhängigen 9ie’otmpartei und den Nationalisten zu Streitigkeiten. Die Männer schlugen mit Stöcken aufeinander ein, auch wurden Steine geworfen. Fisch- verkäufcrinnen bewarfen die Kämpfenden mit dem Inhalt ihrer Körbe. Etwa 100 Polizisten stellten mit ihren Knütteln die Ruhe wieder her. 40 Personen wurden ernstlich verwundet. Der Abg. Dillon telegraphierte an den Staatssekretär für Irland, Bryce, die Polizei habe in schimpflicher Weise dem Eingriff auf die nationalistischen Versammlungen ihre Unterstützung geliehen. Rom, 2. Nov. Das Blatt.Stampa* veröffentlicht ein Interview mit Dr. Lapponi über den Gesundheitszustand des Papstes. Dr. Lapponi erklärte, die Audienzen hätten den Heiligen Vater stark aufgerieben, sein Schwächezustand und die häufigen Gichtanfälls verlangten große Schonung. Dr. Lapponi bestätigt, daß der Papst viel leide infolge der geringen Sympathien, die ihm seitens des Kardinalkollegiums entgegengebracht werden. Ans Stadt ritt- Land. Gießen, 3. Nov. 1906. * Die Petition wegen der Fleischteuerung liegt noch bis Montag abend an den seinerzeit bekannt gegebenen Stellen, darunter der Expedition deS Gießener Anzeigers, auf. Interessenten seien hierauf aufmerksam gemacht. Auch die Hausfrauen, die die Fleischteuerung ja in erster Linie angeht, werden gebeten, durch ihre Unterschrift der Petition Nachdruck zu verleihen. ** Renitent. Ein hiesiger Arbeiter trieb sich gestern den ganzen Nachmittag in den Straßen umher und beschäftigte sich damit, die Passanten anzurempeln, vom Trottoir herunter zu stoßen und zu beschimpfen, wenn einer eS wagte, chn zur Rede zu stellen. Da Verwarnungen von feiten der Schutzmannschaft nichts fruchteten, so wurde er verhaftet, um seinem Treiben ein Ende zu machen. Hierbei leistete er Widerstand, riß einem Beamten den Rock entzwei und eS bedurfte Gewaltanwendung, bis der Mensch im Arrestlokal untergebracht war. Für den mehrfach vorbestraften rohen Patron dürfte eine exemplarische Strafe am Platze sein. ** Abermals ein moderner Laden. Dem Zeit-, geiste Rechnung tragend, dem kaufenden Publikum die Waren, in den Geschäftsräumen in dekorativer Weise, mit Preisen vorzuführen, wie das in Großstädten bereits geschieht, hat: die hiesige Firma A. Hölterhofs Söhne, Spezial-, geschäft für frur^, Mode- und Strumpfwaren, Seltersweg 20r bei ihrem Neu- und Erweiterungsbau der Geschäftsräume es sich angelegen sein lassen. Raume in $anj modernem! Stil herzustetlcm Dem Publikum werden sämtliche Waren ganz übersichtlich mit Preisen vorgeftihrt, sodaß der Käufer, sich sofort über Neuheiten und Mode orientieren kann. Es ist gestattet, sich die Waren und Geschäftsräume ohne Kaufzwang anzusehon. Die Firma gehört der größten Ein- Taufsvereinigung Deutschlands in ihrer Branche, dem Verband deutscher Kurzwaren- und Posamentengeschäfte in Berlin und Chemnitz, an, die zirka 250 Mitglieder in ebensoviel Städten Deutschlands hat. -j- Bad-Nauheim, 2. Nov. Der Turngau Hessen hält nächstes Jahr hier das Gau turn fest ab. Zum Festplatze wurden die Wiesen hinter der katholischen Kirche ausersehen, wo schon vor fünf Jahren der Gesangwettstreit stattfand. O Langenhain bei Bad-Nauheim, 2. Nov. Die (Sifen ft ein gruben sind jetzt wieder in Betrieb gesetzt worden, nachdem sie in den Besitz der Firma Haniel über* gegangen sind. Die Gruben bieten wieder zahlreichen Arbeitern lohnende Beschäftigung. X Friedberg, 2. Noo. Hundert Jahre sind eS in diesem Herbst, seit die ehemals reichsfreie Burg Friedberg dem Großherzogtum Hessen einverleibt wurde. Am 12. September 1806 ging die Burg unter feierlichem Gepränge in Gegenwart französischer Truppen an Hessen über, während die Einverleibung der Stadt Friedberg bereits 1803 vollzogen wurde. Die Burg Friedberg wurde um 1216 unter den Hohenstaufen gegründet und hatte die Aufgabe, die Wetterau zu verteidigen. Die Stadt war jahrhundertelang von der Burg abhängig und mußte dem Burggrafen den HuldigungS- eid leisten. Schon im Januar 1804 hatte Hessen durch einen Handstreich die Burg genommen, mußte sie aber schon im März wieder räumen. 1819 starb der letzte Burggraf August Wilhelm, Graf von Westfalen, und 1837 wurden Stadt und Burg zu einer Gemeinde vereinigt, vorher waren sie getrennt. R -B. Darmstadt, 3. Nov. (Telegramm.) II. KK. HH. der Großherzog und die Großherzogin besuchten gestern abend das Hoftheater, in dem Scribe's „Glas Wasser" gegeben wurde. Heute begab sich die Frau Großherzogin nach Nieder-Namstadt, wo sie das Elisabethenslift besuchte und für die Einrichtungen dieses Kinderhospitals lebhaftes Interesse zeigte. X Ehringshausen (Kr. Wetzlar), 2. Nov. Nächsten Sonntag feien der OrtZbürger Bellersheim fein 30- jähriges Dienstjubiläum als Ziegenhirt und gleichzeitig seine Silberne Hochzeit. ** Kleine Milteilun^-.-n aus Hessen und den Nachbarstaaten. In G r ü n b e r g wurde in dieApotheke e l n g e b r o ch e n und außer Eßwaren usw. öO All. aus der Tageskasse gegohlen. — Heinrich Wagner von Sieben wurde als Beigeordneter wiedergewählt und bestätigt. — In der Arbeit e r - Ko l oni e N e n - U l r i ch st e i n befanden sich Ende Oktober 48 Arbeitslose. Ter Zugang betrug int Oktober 23 und bec Abgang 14 Mann. — In A s ch a f f e n b u r g lief das 3 jährige Kind des L-lationsdienerS Schreck in ein Basaltfuhrwerk hinein iviube überfahren und g e t ö l e t. — In R i m b a ch i. O. wurde das 3 jadrige Knäbchen des Bauunternehmers Schenk, das mit mehreren Kindern an einem Brelrerhaufen spielte, durch Umfallen der Bretter erjchlagen. Die anderen Kmder kamen mit leichteren Verletzungen davon. g'effreät. Er wurde t öM i § ver 1 etz"t ins KtarrkLnha-uA gebracht. Dr. Drödführcrs habe Zinsen nicht die Ueberzeugung geh) innen können, der Mnstlcr sei unfäküg von München nach Frankfurt zu fahren. Borgmann legte Berufung gegen das Urteil ein.. Das Oberlandes'gericht lieft am 28. März ein Versäumnis urteil ergehen, das angefochten, aber wie das Gericht heute verkündete, aufrecht erhalten wurde. Borgmann hat also den Prozeß auch in zweiter Instanz verloren und hat die Küsten zu tragen. Düsseldorf, 2. -Nov. Die Strafkammer verurteilte die Frau des Schreiners Weber wegen Beleidigung des Kronprinzen zu 2 Monaten Gefängnis. Leipzig, 2. Nov. Tas Reichsgericht verhandelte über die Revision des Prozesses des M a j o r s a. D. Zander, der nach vierwöchiger Verhandlung vor dem Schwurgericht in BreSlau am 15. Juli in nur einem einzigen Falle wegen Betruges zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt worden war. Gegen das Urteil hatten sowohl die Verteidigung, wie auch der Staatsanwalt Revisiion eingelegt; jene gestützt formale und materielle Gründe, dieser wegen der Freisprechung in den übrigen Fällen. Tas Urteil lautete auf Verwerfung der Revision der Verteidigung und des Staatsanwalts, indein sich das Gericht den Ausführungen des Rechtsanwalts anschloß. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Sonntag, den 4. November: Veränderliche Bewölkung, zeitweise geringer Regen, Temperatur nicht verändert. Mäßige westliche Winde. lüuiff mhö rmsscilschaft. — Der Impresario Musgrove in Sidney (Australien) engagierte M o h w i n k e l - D a r m st a d t für die zu Ostern begrünende Opernsaison. — Nene Nobelpreise. Wie uns geschrieben wird, ist von S t o ck h o l m der Universität Pavia die Mitteilung gemacht worden, daß einer der künftigen Nobelpreise dem Professor G o l g i von dieser Universität verliehen werden wird. Professor Golgi hat sich durch seine Arbeiten über die Veränderung der Lymphgefäße des Gehirns einen sehr geachteten Namen gemacht und er ist der Entdecker der Bazillen des Malariasiebers. Der Gelehrte steht im G3. Lebensjahre. Ein anderer Nobelpreis soll dein spanischen Gelehrten C-aj a l, dem italienischen Dichter (S a r b u c c i der Nobelpreis für Literatur zuerkannt werden. — Es wird gemeldet, daß Ferdinand Bonn die größte Aus- stcht habe, Direktor des KLnigl. Schauspielhauses zu B e r l i n zu werden. Ludwig Barnay ist, ehe er darin warm lumbc, ber Direktion schon wicber müde infolge künstlerischer Widerstände. Bonn ist seit einem Jahre Tirektor des Berliner Theaters und hat nach einer Reihe empfindlicher Niederlagen erstell Erfolg mit dem englischen Kriminalstück Sherlock Holmes erzielt. Mit dieser Aufführung, deren Stärke nicht im Künstlerischen liegt, macht er seit Monaten volle Häliser. Der Kaiser, der die Vorstellung kürzlich besucht hat, soll durch sie für Bonn gewonnen worden sein. Paris, 2. Nov. Tie Regierung will eine 11 Millionen- Lotterie konzessionieren zugunsten der 5? r e b s l i g a, die ein eigenes Krankenhaus errichten will. Eine S t ll d i e n r e i s e französ. Spezialisten nach Heidelberg ist beabsichtigt. in der Entwicklung oder beim Lernen «rU/WHU/lSU/V zurückblcibende Kinder, sowie blut- arme, sich mattsühleilde und nervöse überarbeitete, leicht erregbare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräfligimgs- mittel mit großem Eriolg Dr. Homme l's Haematogcn. Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, bad Gesamt-Nervensystem gestärkt. Alan verlange jedoch ausdrücklich das echte ,,Dr. Hommel'S" Haematogen und lasse sich keine der oielen Nachahmungen auf- rebeit. Handel rnrd Verkehr, Volkswirtschaft. -—6 0 neue Kalibergwerke werden im kommenden Jahr in Betrieb gesetzt. Dazu schreibt man uns: Tas jft eine Ziffer, die nicht nur Erstaunen, sondern auch bie, ernstesten Besorgnisse für die Zukunft unserer Kaliindustrie einftoßen muß. Der „Kalihunger", der seit Jahren immer tollere Blüten zeitigt, droht, jetzt in einen „Kalijammer" auszuarten. Auch in den leitenden Kreisen der Regierung zu Berlin teilt man diese Befürchtungen und Abwehrmaßregeln bilden den Gegenstand der Erwägungen. Es steht außer Zweifel, daß die Kaliindustrie auf dem besten Wege ist, infolge ll e b e r p r o d n k t i o n in eine schiefe Lage zu geraten, und daß besonders das Auslcmb nicht zögern wird, diese 9lot(oqe auszubeüten. Berliner Banken. Die F. Z. beendet heute ihre Betrachtungen über die voraussichllühen Dividendenergebnisse der Großbanken. Die Berliner Handelsgesellschaft, biß beharrlich an dem Prinzip der Zentralisierung festhält, hat ihr Aktienkapital zuletzt Ende 1903 um 10 Mill. Mark auf die ietiv» gen 100 Mill. Mark erhöht und dürfte auch für die nächste' Zeit eine weitere Vermehrung nicht beabsichtigen. Ihr Geschäftsverkehr ist auch in diesem Jahr mit der Industrie ein sehr intensiver gewesen. Der Ertrag aus laufenden Zinsen wird kaum schmäler ausfallen, aus Provisionen dürften wesentliche Abweichungen gegen das Borjahr sich nicht ergeben. AlleS in allem dürste der Reingewinn sich leicht in Vorjahrs-Höhe odep selbst darüber ausweisen lassen, sodaft die gleiche Dividende wie 1905, 9 Prozent, erwartet werden darf. —- Bei der Dresdener Bank ist wohl namentlich das Kontokorrent-Geschäft andauernd gewachsen und wenngleich die Verwaltung schon feit Jahren als angezeigt erkannte, die Ausdehnung der Debitoren nicht beständig im seitherigen Tempo weiter wachsen zu lassen, so. dürften doch die Umsätze wieder eine ansehnliche Progression.' aufweisen. Größere Verluste auf Kontokorrent sind nicht bekannt geworden. Das dividendenbercchtigte Kapital ist für 1906 noch daS gleiche wie für 1905. Das Erträgnis wird daher in derselben Höhe wie damals, also mit 8l/r Prozent, in Aussicht ge>* nommen werden können. — Bei dem Ä. S ch a a f f h a u s e n'schen Bankverein wurde wieder ein außergewöhnlich starker Gewinn aus der Internationalen Bohrgesellschaft erzielt. Der Bankverein wird den ihm zugefallenen Dividendenanteil von rund' 4 Mill. Mark vermutlich nicht ohne weiteres und zum vollen Betrag als laufenden Gewinn zu Gunsten der Interessengemeinschaft behandeln. Die Umsätze des Instituts dürften schon infolge seiner lebhaften Beziehungen zu den Jndustriebezirken eine beträchtliche Zunahme aufweisen, sodaß beim Bankverein auf mindestens die gleiche Dividende zu rechnen fein dürfte und wie i. V. 8Vi Proz. betragen. — Bei der DarmstädterBank haben sich die Geschäfte in sehr befriedigendem Maße entwickelt. Die wachsende Zahl der Filialen und Depositenkassen hat zu etn heblicher Zunahme der Umsätze auf allen Konten geführt. Die Dividende wird man etirfri in gleicher Höhe, wie die vorjährige, 3 Proz., schätzen können. — Der Nation al bankf ür Den t sch- land haben sich im lausenden Jahre so ziemlich alle die Erwartungen erfüllt, die sie an die Kömmanditierung der Firma Born und Busse, und insbesondere an die Fühlungnahme mit deren industriellen Verbindungen geknüpft hatte. Es wird dem Institut also gewiß möglich sein, auf die vollen 80 Mill. Mark Aktienkapital (i. V. 60 Mill. Mk. voll, 20 Mill. Mk. zur Hälfte), wieder 7 Proz. Dividende auszuschütten. — Schließlich rechnet die F. Z. noch bei der Kommerz-und Diskonto-Bank wie bei der Mitteldeutschen Kreditbank, die gleiche Dividende, wie i. V., heraus. 2^ betrug damals bei beiden Instituten je 6V2 Prozent. Zu beachten ist noch, daß bei der letztgenannten Bank 9 Mill. Mark neue 2Ötien für das ganze Jlchv teilnehmen. Orrgenal-Drahtmeldrrngen. Gr.fuift, 3. Npv. Wegen tätlichen 9(ngriffe5 auf einen Wachtposten, Ungehorsam und Beleidigung verurteilte das' Kriegsgericht die beiden Unteroffiziere Schmidt unb Arnold zu 1 Iabr 2 Tagen bezw. 1 Jahr und 62 Tagen Gefängnis und Degradation. Leipzig, 3. Nov. Die Ortskrankenkasse beauftragte den Zentral-Verband deutscher Ortskrankenkassen, die gesetzgebenden Faktoren aufzufordern, eine Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen insoweit herbeizufübren, daß die Aerzte von den Kassen zu Hilfeleistungen gezwungen werden können. (Der häßliche Wormser Fall dürfte die Veranlasiung dazu gegeben haben. D. Red.) Posen, 3. Nov. 120 Strafmandate wegen Schulversäumnis hat der Kreisbote nach Zydowo gebracht und an die beteiligten Familienväter verteilt. Die Bestraften haben die Strafe nicht bezahlt und gerichtliche Entscheidung beantragt. In Sachen des poln. Neligions- unterrichts hüben bisher 412 Ortschaften mit 22 535 Unterschriften an den Erzbischof v. Stablewski und 259 Ortschaften mit 12 850 Unterschriften an den Bischof Rosentreter in Pelplin petitioniert. München, 3. Nov. In Fenne an der Isar sind vier am Bahndamm beschäftigte Arbeiter (Kroaten) plötzlich an V e r g i f t u n g § e r sch e i n u n g e n erkrankt. Zwei sind gestorben, die beiden anderen schweben in Lebensgefahr. Edinburgh, 3. Nov. Gestern abend wurde hier eine Friedens-Kundgebung veranstaltet. Lord Wiadelle bekämpfte die großen M i litär»AuS ga b en. England habe in den letzten zehn Jahren in dieser Hinsicht 22 Millionen Pfund mehr ausgegeben, als irgend eine andere Nation. Der französische Deputierte Desturnelles hielt eine Ansprache, in welcher er da? herzliche Einvernehmen zwischen Frankreich und England hervorhob und die Pläne verurteilte, welche von den Gegnern des Frieden? verfolgt würden. Im Laufe der Sitzung traf ein Telegramm von Campbell-Banner- mann ein, in welchem er seine Sympathie für die Friedens- Bewegung ausdrückte. Neapel, 3. November. Während eines Sturme? im Mittelmeer ist der Dampfer Buoasante, al? er den Hafen von Triease aufsuchen woll'e, auf einen Felsen geschleudert worden und sofort gesunken. Die Besatzung mit Ausnahme eines einzigen Matro' n ist dabei umgekommen. Arbeiterbewegung. Breslau, 2. Nov. Die Belegschaften der Weißsteiner, Gottesberger und Kulmrzschen Werke nahmen in stark besuchten Versammlungen die Resolution der Bergarbeiterverbände an. Es wurde.beschlossen, an deren Forderungen fest zu halten. Die Arbeiterausschüsse werden beauftragt, bis zum 6. November eine Sitzung anzuberaumen und in dieser eine klare Antwort auf die erneuten Forderungen zu veranlassen. Dresden, 2. Nov. Im Oelsnitz-Lugauer Grubenbezirke fand eine Versammlung sämtlicher Ausschüsse der Bergarbeiter statt. Es wurde beschlossen, bis Montag den Grub en Verwaltung en ihre Forderungen einzureichen, die sich denen der Siebenerkommission anschließen. Weitere verbindliche Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die bis jetzt vorliegenden Antworten der Grubenverwaltungen sind in ablehnendem Sinne gehaltert. Vermischtes. "Die neuesten Eisenbahnunfälle. In Mis- kolcz (Ungarn) wurden beim Zusammenstoß zweier Güterzüge sechs Waggons zertrümmert, zwei Bahnbeamte getötet und einer schwer verletzt. — In dec Nähe der Station Lio der Bahnstrecke Agram-Fiume brach eine Brücke mit einem grade darüber fahrenden Zuge zusammen. Mehrere Wagen wurden schwer beschädigt, eine Anzahl Eisenbahnbediensteter erlitt Verletzungen. Der Schaden ist bedeutend. * Kleine Tageschronik. In Brückenau wurde in einer Tiefe von 410 Meter eine mächtige Kohlensäure-Gasquelle erbohrt, welche unter donnerartigem Getöse in fünfmaliger Wiederholung eine 30 Meter hohe Wassersäule emporschleuderte. Das Wasser ist stark kohlensüurehaltig und bietet einen neuen großen Vorteil für das Bad. — Auf dem jüdischen Friedhof in Mys- lowitz (Schlesien) haben der Zimmerhauer Pajonk und der Schlosser Krescz-Hk 20 Marmar denk maler zertrümmert. Die beiden Täter wurden verhaftet. — Die erste Viertelmillion Einwohner hat jetzt die Stadt Char- lottenburg überschritten. Sie zählt nunmehr 250300 Seelen. — In Aschaffenburg wurde das zwei Jahre alte Töchterchen des Stationsdieners Schreck von einem schwer beladenen Fuhrwerk totgefahren. Das Kind fiel vom Trottoir und das Vorderrad ging ihm über den Kopf. In Würzburg geriet der Zugführer Fischler zwischen zwei Puffer und wurde zu Tode gedrückt. — Kurt von Bohlen und Halbach, der Bruder des Lcga- tionsrats von Bohlen-Halbach-Krupp, bat sich mit Elfriede Mahn verlobt. Die Braut war am Karlsruher Hofthcater engagiert. Ihre größten künstlerischen Erfolge erzielte sie in den Düsseldorfer Festspielen. — Auf dem braunschw. Kaliwerk Asse waren Veruntreuungen von 20 000 Mk. festgestellt worden. Als Täter kam der Expedient Voß in Betracht, der flüchtig geworden war. Seine Festnahme ist in Dollingen (Schwarüburg-Rudolstadt) erfolgt. — Der Förster Kiau an Forsthaus Psaffeuberg im Kreis Sam ter (Posen) wurde in seinem Jagdrevier von Wilddieben erschossen. In Itzehoe spaltete der Maurer Berg bei einem ehelichen Zwist seiner im Bett liegenden Frau den Schädel mit einem Veil. Hierauf stellte er sich selbst der Polizei. Als Grund für die Tat gab er an, seine Frau habe ihn vergiften wollen. — Beim Rennen des Erfurter Reitervereins stürzte der Hauptmann Elte st er und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung mit Bluterguß ins Gehirn. Es besteht Lebensgefahr. — In den Tälern Tirols strömte am 1. d. M. ununterbrochen der Regen hernieder; im Gebirge schneite es tief hinab. Höher gelegene Ortschaften befinden sich bereits im Schnee. Aus Kaltern wird von einem Gewitter berichtet. — Ein furchtbares Fa m ili c n d r am a hat sich in Aarau ereignet. In einem Anfall von Geistesgestörtheit erschoß ein aus der Fremde zurückgekehrter Sohn des Kantonschulprofessors Winteler seine Mutter, seinen Schwager Vandi und sich selbst. Vandi war Assistent im Gewerbemusemn und hinterläßt Frau und Kinder. — An dem Käthner Bertscheit in Ramutten, Kreis Heydakrug (Ostpr.) wurde, ein Raubmord verübt. Geraubt wurden •50 Mk. und eine silberne Taschenuhr. Der Täter ist wahrscheinlich ein etwa 22 jähriger russischer Deserteur Plischkin. — Ju Neun bürg vorm Walde (Pfalz) wurde der Geu- darni Urlaub von einem Kameraden, der ihn für einen gesuchten Verbrecher hieLtz, mit 7 Nevolverkugeln nieder- Gießener Strafkammer. )( Gießen, 26. Oktober. Jugendliche Diebe. Drei 14jährige Jungen von Kohden, der Zimmer- monuSlehrling W. F., der Tuuchertehrling K. R. ynb der Maurer- febrltng R. F., sind wegen schweren Diebstahls angeklagt. Nach den Angaben des W. F., der als Haupträdelssührer bezeichnet wurde, ist er im vorigen Herbst mit N. F. nackx Nidda gegangen, um dem am Schulhause befindlichen Traubenstock einen Besuch abzustatten. Bei dieser Gelegenheit gewahrten. sie, daß die Eingänge zur höheren Bürgerschule und zur Volksschule unverschlossen waren. Sie gingen hinein und betrachteten die dort in Glasschränken ausgestellten ausgestopften Vögel und die übrigen Tiere. Hierbei probierte W. F. einen Schlüssel, den er zufällig bei sich führte, an einem Schrank und öffnete damit, ohne jedoch etwas wegzunehmen. Im verflossenen Sommer lud er den K. R. ein, mit nach Nidda zu gehen, um die schönen Sachen zu betrachten; er wählte bam einen Sonntag, ba er wußte, daß sich da niemand in der Schule befindet und versah sich wieder mit dem fraglichen Schlüssel. Beide kamen ungehindert in das Gebäude und F. öffnete alsbald mit seinem Schlüssel einen Schrank, in dem sich außer Schreibmaterialien, auch ein Schächtelchen mit 1.50 Mark befand. Von dem Geld eignete sich der eine 40 und der andere 50 Pfg. an und was ihnen von den Schreibmaterialien paßte, nahmen sie ebenfalls mit. Der Gedanke, daß sich noch 60 Pfg, im Schrank befinden, ließ ihnen keine Ruhe, weshalb sie sich acht Tage später wieder dorthin begaben und den Rest des Geldes unter den nämlichen Umständen holten. Sie nahmen außer diesem ein Messer, einen Zirkel, eine Lupe, sowie Federn und Bleistifte mit Einige Zeit später nahm W. F. den R. F. mit, um auch diesem angeblich die schönen Sachen zu zeigen. Sie öffneten diesmal nicht bloß den einen Schrank, fonbent sie schlossen mit ben dort gefundenen Schlüsseln Katheder und Schränke auf, durchstöberten alles und nahmen mit,, was ihnen gefict Nach anfänglichem Leugnen gestanden sie alle ihnen zur Last gelegten Diebstähle zu. Angesichts der Tatsache, daß cs sich mehr um int Leichtsinn begangene Streiche, atö um die Betätigung des verbrecherischen Willens handelt, ließ bas Gericht Milbe walten, doch mußte insofern dec gesetzlichen Vorschrift Rechnung getragen werben, als baß nicht auf bic Minimalstrase erkannt werben konnte. W. F., welcher der Anstifter ist, und dem drei Straftaten zur Last fallen, erhielt eine G efän g n i sst r a fe v 0 n 14 T a g e n; K. R. für zwei Daten 6 T a g e, während R. F. für die eine Tat mit 3 Tagen davonkam. Schwerer Diebstahl. Der Bergmann A. M. auS Mllevken war in Treis-Horloff beschäftigt. Er hatte mit der Dienstmagd eines Müllers zu Unter-Schmitten ein Liebesverhältnis, was ihm Gelegenheit gab, das Haus des Müllers häufig zu besuchen und sich mit ben häuslichen Verhältnissen bekannt zu machen. Er wußte, baß sich in einer Tischsclmblabe Gelb befindet und er benutzte die 9lb- wesenheit des Müllers, um ihm 60 Mark zu entwenbeu. Er gestand die Tat alsbald zu, bestreitet aber, daß er die Schublade gewaltsam geöffnet Hot. Er will an der Schublade gerüttelt haben, worauf diese aitfgegangcn sci, was aber nach ber Zeugenaussage ausgeschlossen ist. Das Gericht hielt zum miubesten für festgestellt, daß der Behälter mit einem zur Eröffnung nicht bestimmten Gegenstand geöffnet worden ist, womit der Tatbestand des schweren Diebstahls gegeben ist. Di der An- gellagte rückfällig ist und erst kurz vor ber Tat aus dem Gefängnis entlassen worben ist, war auf eine erhebliche Strafe zu erkennen, die mit 2 Jahren 3 Monaten Zuchthaus bemessen wurde. In Anbetracht ber ehrlosen Gesinnung und der Gemeingefährlichkeit, war die Abcikennnng ber bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre und bie Zulässigkeit ber Polizeiaussicht an- sezeigt. Eine Motorwagenfahrt mit SchueltzugSgeschwindigkeit. Dem Kaufmann G. Z. von Alsfelb ging unter ber An- schulbigung, daß er mit seinem Motorrad übermäßig schnell durch Appenrod gefahren sei, wobei er eine Gans überfuhr und baß er vor bem Passieren einer Straßenkrümmung kein Signal gegeben hat, ein Strafbefehl über 30 Mark zu, gegen den er Einspruch erhob. Er bestritt, unvorschristsmäßig schnell gefahren zu sein und behaupltete, bas vorgeschriebenc Signal gegeben zu haben. Demgegenüber stellte, bas Sck;öfsen- gericht Homberg fest, daß er mit der Geschwindigkeit eines Schnellzuges gefahren ist, unb bas Signal zu geben unterlassen hat. Die Bewohner hatten sich beängstigt und es entstaub ein Auflauf. Das Schöffengericht erhöhte die Strafe auf 60 Mark, was den Angellagten veranlaßt, Berufung zu erheben, indem er nach wie vor seine Schuld bestritt. Die Straskammer hielt die Feststellungen des Schöffengerichts für richtig, doch schien ihr die Strase zu hoch, da gegen den Angeklagten nichts Nachteiliges bekannt ist, MLHalb sie die Strafe auf 25 Mark hcrabsctztc. Fahrräder in den Anlagen. Gegen ben Weißbind er G. D. TV. von Steinberg erging ein Strafbefehl in Höhe von 2 Mark, weil er im verflossenen Sommer fein Fahrrad über die Südanlage nach der Plockstraßc zu schob. Auf seinen Einspruch kam das Schöfsen- gericht zum Freispruch, indem es ausführte, daß der fragliche Paragraph zu feiner Anwendbarkeit voraussetzt, daß die Sicherheit, Beaucmlichkeit, Reinlichkeit und Ruhe auf öffentlichen Wegen gestört wirb. Die Volizcivewrdnung verbiete das Drücken von Rädern über die Wege ber Anlagen und quer über die Fußsteige nicht. Infolge Berufung der Staatsanwaltschaft erkannte die Strafkammer auf die Minimalstrase von 1 Mark, indem sie die fragliche Polizeivcrorbnung dahin auslegte, daß auch bas Schieben der Räber auf allen Wegen innerhalb ber Stadt, die nur für Fußgänger bestimmt find, wozu auch die Pro- rnenadewege der Anlagen gehören, verboten ist. GerLchLssaal. Frankfurt a. M., 2. Nov. Der Sänger Karl Borgmann wurde im Jahre 1903 für das Fr a n kfu rtcr O p c r n- haus berpflichtet. Er g(raubte, daß er in den großen Deldenrollen mit Forchhammer abwechseln solle. Ms er später den Vertrag besah, stand dieser Passus nicht darin. Borgmann beschwerte sich bei dem Intendanten Jensen. Zwischen beiden kam es zu verschiedenen Auseinanderfetzungen. Im August 1904 begab sich der Sänger wach Homburg v. d. H. zur Kür. Er wurde vom Thcaterarzt in Frankfurt für geistesgestört erklärt. Trotz dieses Gutachtens reiste Borgmann am 14. August nach München, hier sang er den Erik im „Fliegenden Hollände?^ unb begeisterte das Publikum mit seiner Leistung. Nachdem der Intendant von dem Gastspiel erfahren hatte, depeschierte er nach München, Borgmann solle sofort zuruckkommen, foust mache er sich des Kontraktbruches schuldig. Der Sänger kam aber nicht, sondern sandte ein, Mtest^ des Dr. Brodsühcer in Schlierbach ein, das ihn unfähig erklärte, bie Rückreise antreten zu können. Borgmann bestaub barauf, baß ihm noch Gehalt ausgczahlt werbe. Jnten- bant Jensen aber verklagte ihn beim Schiedsgericht der deut- fchen Mhnengenosscnschast wegen Kdntraktbruches und forderte • «r jOtarf Entschädigung von dem Sänger. Diese Klage wurde im April 1905 abgewiesen. 'Den Vertrag zwischen Borgmann und der Theateraktiengesellschaft erklärte das Gericht für auf» $c. '«■ r r9mann fand infolge VekanntwerdenS l>es Prozesses «ine Anstellung mehr, denn eine deutsche Bühne darf nach der Bühnenvrbnung keinen Künstler engagieren, der im Verdacht des Kvnrtaktbruches steht. Borgmann verklagte den Intendanten auf Zahlung einer Ents chäbigung v 0 n 150 000 M a r k. Diese Klage stützte sich auf § 824 des B.-G.-B. Danach ist derjenige verpflichtet, Schadenersatz zu leisten, ber ber Wahrheit Zuwider eine Tatsache behauptet ober verbreitet, die geeignet ist, den fttebit eines anbem zu gefährden, ober sonstige Nachteile für dessen Erwerb ober Fortkommen herbeizuführen. Das Lanb- gericht wies bie Klage ab, denn ber Intendant habe in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt. Der Sänger sei nach München gefahren unb habe dort austreten können, trotzbeni er in dem äczüichen Zeugnis als geistesgestört erklärt worben sei. Jensen habe daher keineswegs fahrlässig gehandelt, wenn er he« Verdacht der Simulation schöpfte. Auch aus dem Atteste Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: 08200, Kanzleibcrg 5, IL *3 aus der |6581 6655 Alt Moabit 82a, N. W. 21. Telefon 540 6652 IlckMchine sämtliHtt Arbcitk« bei SfcrScfoHcn Kirchstrafte 20. b3l Z 08213] H. HerjarrS. O 6590 Tcr Vorstand etc. 5' B«/n int Telephon 568 Gießen Roonstraße 31 zu vevfanien bet 108134 Georg Simou, rabeiiftr. B8/V 1 » WWKW Prrl'chiedenev 8ÄmW patent-Bureau rKlostermanh Berlin UWrÄWit in in eigener Kochung 25 Piuud-Blecheimer 10 Pfund email. Topfen 8 2 9 innnern, jmmccn, B’/11 General-Vertreter: Ohr, Kather, Giessen, Grabenstrasse Montag, den 5. s. M., abds, bet Kamerad Arnold. a8/ul LaS Kommando. 1 Wohnung von 7 Rimmern, 2 tioommgen von 6 Zimmern, Wohnungen von 5 Zimmern, 4 Wohnungen von 4 Wohnungen von 3 Zimmern, 3 Wohnungen von 2 Unmöblierte und 4 möblierte Zimmer, 1 Werkstatt. im 37. Lebeusjabre. 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Kunstverglasuugeu. 2. Marmorarbcite«». (Treppen, Bodenbelag, Kamine rc.) 3. Bestuhlung, (ca. 8o0 Sitze) 4. Feuersichere Mc t all r irren. Zeichnungen, Arbeitsbeschrelbungen, Bedingungen und Anqe- botssormulare liegen im Bureau des Architekten HauS Meyer, West-Anlage 6 dahier, zur Eitrsichl offen uitd föimcu daselbst jtim Selbstkostenpreis erhoben werden. Die Airgebote find bis zttm Eroffnungstermin am 1. Dezember, vorn». 11 Uhr, mit entsprechender Aufschrift versehen, portofrei an uns eiiizureichen. Beerdigungs-Institut Friede Frankfurter Str. 41 und Kaplansgasse 27 GeschSfisverlegrmg. Meinetr werten Geschäftsiremrden, sowie einer ocrehrl. Einwohnerschaft von Gießen und Umgebung die ergebene Mitteilung, daß ich mein Geschäft von heute ab voii Neustadt 19 nach Neuenweg Ne. ZI verlegt habe. [08235 Gleichzeitig bringe ich mein gut assortiertes Lager in Mähmaschinen und Fahrrädern, passend zia WeihrBacMs-Cäesehenflseii ferner Zubehör- u. 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Eröffnung Heinrich Emrich. Giessen (Grosser Steinweg 6), den 3. November 1906. 6661 Die Beerdigung findet Montag den 5. November, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. dun-rn. ;n MtzMeS auf einen iw verurteilte da? iiiere Schmidt und Jahr und 62 Taget Krankenkasse 6* Trante*. fc,e .ine Slendening °er „iiiiiifäfi* W , c.n D. M-) imanbei« W1 ole M 8l*° l’t *7 51tlW* -«" «’ lctbett ? !$ bie crnL-?1 {ine Clc «nfloße ’S?1’ Be. ch 'n den f ? -W iaiVicicyeiirfh,nben !°"d der ’e aul dem ^^"^". 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Leihgestern, den 2. November 1906. Wrostherzoglrche Bürgermeisterei Leihgestern. Heß.. nm Freitag den N. November, 11 Uhr vormittags Sonntag ven 11. November, von nachmittags 5 Uhr anr ■■■■Dsas Grosses ^lilitärkonzert, =™™=i ausgeführt von der Kapelle des Jnf.Regts. Kaiser Wilhelm Nr. 116, unter Leitung des Herrn Musikdirektors Krause. Die städtische Fnhrwerkswage am Renstädter Tor ist wegen dcS beavsichuglen Umbaues derselben blS aus Wertere- gesperrt. Gießen, den 3. November 1906. B8/11 GroßhrrzvgUa-r . rn/rmciftcrei Gießen. _______________ Mecum. »13 ----- s» S5 Su&A- Ball-Shawls in Wolle, Seide und Chenille Lokal-Gartenbauausstellung der Ortsgruppe Sieben des Verbandes selbständiger Handclsgärtner Hessens, Lama-Echarps reine Wolle, nur moderne Dessins G es eh ä ff t s - er b e. Erlaube mir, meiner werten Kundschaft, sowie einer verehrlichcn Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend die ergebene Mitteilung zu machen, daß mein Geschäft ab heute an Herrn Heinrich Benter übergeht. Das mir dargebrachte Vertrauen bitte ich auf meinen Nachfolger gefl. übertragen zu wollen. Hochachtungsvoll Rudolf Schlabach ETachf. Oamenkragen aus Wolle und Chenille, besonders beliebte Faxens »1 g *» Den geehrten Einwohnern von Gießen und Umgebung die ergebene Mitteilung, daß ich von heute ab die Wirtschaft Brandgasse 3, früher „Zum Transvaal" jetzt neu Zum schwarzen Malfisch übernommen habe. Zum Ausschank aelangen Bichlers ff. Bier, reine Weine, das Glas von 20 Pfg. an, prima Mittagstisch von 60 Pfg. an, kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. * Um geneigten Zuspruch bittet Theodor Bäulke. NB. Meine Weine werden direkt von Wmzervereinen Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags an. Vorverkauf in den Blnmengcschästcn. d‘/u RMW «2 W tri