Nr. 281 • r|dieini tlfiltJ) auBft SonmaaA. Dein (Siebener Anzeiqe» roerben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien« blätter oiennal tn der Woche beigelegL RolauoiiSdruck il 93 et* lag der Brüdl 'ichen Unioers.-Buch-u. Tleur» bruderet. 9t ßängc SUDaftton, ebtttoe und Druderet: Schulst ratze 1. Redaktion 119 Verlag u.Exved ^Wbl Ubrcfie für Dereichen: Anzeiger Wietzen. Erstes Blatt 15V. Jahrgang DonnerStag 29. November 1V06 yezu gsprei»' monatlich 7b Hi.. oiertel* täbrlirt) 3)ik. 2.20, durch vlbbole- \l ^lueiqüellen monnihdi 65 Pi.. durch die Post Pik. 2.— Dienel- icibrl. ansschl. Benellg. Annahme von Anjeigen für die Lageonuniiner bis Dormitioqfl lu Uhr. Zellenpield lokal 12'Ul, auSivärlS 20 P»g. Verantwortlich *ÜW den pohL und allqem. Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen " ’ "'■* teineuted f'anfl 'Pei Gießener Anzeiger General-Anzeiger v "3 Ale heutige ^lummer umfaßt 12 Seiten. Ein entsetzliches Unglück hat sich in der verflogenen Nacht in der Gegend von Dort- niunb zugetragen. Wir erhielten in dieser Nacht folgendes Telegraintn: Dortmund, 29. Nov. (2 Uhr nachts). Die zwischen Witten und Annen gelegene Roburitsabrik flog gestern abend in die Luft. GB erfolgten kurz nach 8 und gegen 9 Uhr zwei gewaltige Explosionen. Ter Ort Annen gleicht einem Trümmerfeld. Die Fensterscheiben wurden im wetten Umkreis bis Dortmund zertrümmert. Dw Bevölkerung flüchtete iu fürchterlicher Panik auS dem Explosionsgebiet. Man spricht von 300 Toten und Verwundeten, wovon bis P/i Uhr nachti 3 Tote und 80 Schwerverletzte geborgen wurden. Neue Ex- plosionen werden besürchtkt. Tas Betreten der Unglücksftatte ist mit gröbter Gefahr verbunden. Ter durch dieses erschütternde Unglück vernichtete Ort Annen zählte nach der letzten Volkszählung 12184 Einwohner. Er ist als Eisenbahnknolenpilnkt Westfalen-Reisenden wohlbekannt, ein industriöser Ort, m dem Bergbau, Gußstahlwerke und Glashütten reges lieben schufen. Roburit ist ein 1886 erfundener Sprengstoffe Kurz vor Schluß der Redaktion erhielten wir noch folgende Telegramme: Annen, 29. Roo. Hebet die Explosion berichtet ein Augenzeuge: Um 71/, Uhr abends mar m der Fabrik em Brand entstauben. Nach der ersten Detonation um 8 Uhr rüdien die Mitglieder der kruppschen Feuerwehr zur Unfllüdsfiätte, mutzten aber, da mau eine zweite Detonation erwartete, gleich wieder abeüden, um sich selbst nicht völlig nutzlos zu opseru. Em Polizei- beamtet auS Wüten haue kaum die anstütmeude Menschenmenge zurüdgedrängt und daraus hingewiesen, datz man sich m Sicherheit bringen mÖd)te, als auch (d)on die zweite Tetonauou emsetzte. Ter Beamte wurde von den umherstiegeuden Eisenitüden s ch w e r verletzt und mutzte von der Stelle geschasst werden. Zn der S t e inst r a tz e w u r d e n fast sämtliche Häuser v e r u i d) l e k. Durd) die Stadt flogen zahlreiche Eisenteile, ohne zum Glück grotzen Sck)adeu anzurtchlen. Die in der 9lal)e liegende Kuappiuannsche Eijengietzerel wurde stark beschädigt. Der umere Teil des Lurmes ist ganz abgedeckt. Auch in der K r u v p j ch e n Giltzstaht- f o b v t f machte sich eine starke Erschütterung bemerkbar. Tas Dach wurde zum Teile abgedeckt. Die Arbeiter flüchteten ebenfalls. Tie erste Arbeit galt dem Ausiuchen der Leichen, soiveit dies mäglid) war. Bon lUmute zu Üllinute wird eine grätzere Zahl von Op'eru angegeben. Zu den an der Unglücksstätte und in deren nächster Umgebung liegenden Taten und Berwimdeten kannte man nicht gelangen, da jede Piiuute neue Explosionsgeiahr bringen konnte. Don den benad)baxten Städten wurde ärztliche Hilse herbeigeholt. Leick)ter Verwundete sah man in Annen vtelsach. Annen, 29. 9iob. Um 1 Uhr wurde gemeldet, daß die Zahl der To ten sich aus üb er 100 belaufe. Die Bahnhossverwnltung läßt Sonüerzüge geySn, um die Flüchtlinge fortzuschaffen. Auch das Bahnhofsgebäude ist zum größten Teil demoliert. Das Bild der Scrmmmg ist entsetzlich; die Läden werden zugenagelt, um sie vor Plünderern zu schützen. Die Unglücksitätte loird aus einen Umkreis von 1 Km. abgesperrt. Die Fortschassung der Verwundeten und der Flüchtenden wird durch ein Eisenbahnunglück aus Station Dortmundcrseld gehindert, bei dem infolge falscher Weichenstellung ein Güterzug entgleiste. Dieses weitere Unglück gab Veranlassung zu einer Panik auf Station Barop. Kie ^o.omalihliaiu im KetLSlag. R. Be rlin, 28. Nov. Fürst Bülow will eine große biete hatten! — in Erwartung dieses Ereignisses harrten heute lange vor Beginn ter Sitzung Hunderte von Tribünenocsuchcrn, b.c glücklich einen Platz erlangt hatten. Fürst Bülow machte es sich nicht leicht, die Volksvertreter uni gut Wetter für den „Kolonial-SanitäiSrat", Dem bürg, zu bitten. Und eine kräftige Verteidigung tat not, denn die Aufnahme, die die Sern bürg scheu Denkschriften in ter Oe,seutlichkeit ge.mtd..t hauen, kann nicht gerade glänzend genannt werden. Man sprach von „Tendenz- arbeit", „kolonialer Bilanzverschleierung" ufw. Fürst Bülow hielt sich dieS.ual von Schönfärberei fern. Er kennzeichnete die ernste Krisis ter Gegenwart, die weitere große Opfer, aber auch eutschlo ssenes Handeln er- lorbere. Den ersten Beifall erntete er, ms er erklärte, es werde sich kein Reichstag und kein Reichskanzler fititen, der die Kolonien aus dem „Soll und Haben" der Nation streichen wolle. Dann setzte ter Kanzler ausemanter, lueiaje Gründe zur Berufung des Großkanmtanns Dern'vurg gesuhrt haben, für den er um tes Vertrauen des Parlaments bitte. Man erfuhr bei dieser i^legeid)e.t, daß mehrere hervorragende Hanseaten dankend abgelehnt haben, „die Sajinbcrei in der W i l he l m st r a g e" auf sich zu nehmen. Em intcrcn'antcr Besuch: der Kronprinz erscheint in der Hofloge nut seinem persönlichen Adjutanten. Geräte tritt der Kanzler mit erhobener und erregter.Stimme gegen die „ungeheuereichen" Dar.waungeu in die Schranken, es geuc ein deutsches Panama. „Die deutschen Beamten lassen sich von niemand in der Welt an Gewissenhaftigkeit und Integrität übertreffen!" Großer Lärm Unis, stürmischer Beifall rechts. Der Kronprinz blickt voll Anteilnahme, sich leicht über die Brüstung neigend, auf die Szene im Parkett. Mit einem schwungvollen «Appell an die Vousoertretung, Seite an Seite mit der Regierung zu stchcn, schloß Fur.i Billow seine Rede. Nun kam D e r n b u r g zum Wort. Um es aleia) vorwegzunehmen: sein Debüt war ein Erfolg. Man merkte sogleich an ter energischen, klaren Sprechweise: der Mann weiß, >vas er will. Und die Hauptsache: Dornburg tritt nicht mit leeren Händen vor das Parlament. Er teilte mit, daß der so scharf getateite Vertrag des bleiches mit der Firma T i p p e l s k i r ch ohne E n t s ch ä d i g u n g s p f l i ch t gelöst sei, und daß die Losung des Vertrags mit der Wörmann li nie bevor st ehe. Mir lei-hä^ter Genugtuung nahm ter Reichstag von dielen bedeut,amen Fortschritten ftenntmd, die unter einem Vureaukraten wohl niemals möglich gewesen wären. StürmischeZu st immun g fand auch der Satz: „F ü r den Kolonialdienst ist der beste Mann und Eha- ralter gerade gut genug". Als ter Redner auf die Kolonialdentfci)ri,ten zu sprechen kam, regte sich allerdings der Beifall spärlicher, aber Demburg ließ sich nicht irre machen. Er bezeichnete sich als „Optimist" aus Ueb er jeug un g , ganz besonders hinsichtlich der Wirkung des Eisenbahnverkehrs au, die wirtschaft.iche Entwicklung der Schutzgebiete, von der er ein Bild in schimmernden Farben entwarf. In seinen Vergleichen war Demburg nicht immer glücllich. Den Erwero von Elsaß-Lothringen mit dem ter Kolonien in Parallele zu pellen, geht denn doch wohl nicht an. Der Finanzmann Dem- burg imponiert, ter reflektierende Politiker Skmuurg entschieden weniger. So im Handumdrehen wird man doch nicht Staatsmann. Auch die Weitschweiiigleit macht es nicht, das gab selbst Fürst Bülow durch Zeichen milder Ungedu.d dem Redner zu vergehen. Sterüburg L-cen^te denn auch tecjc.t Teil seiner Ausführungen mit ter Ankündigung, daß er baldmöglichst bie Kolonien z u besuchen gatenke, um seine kowniale Kenntnis durch Augenschein zu bereichern. Der Emdruck der Begründung tes Nacr-tragsetais wuroe wiederum durch Weit,chweiugteit abgeschwächt. Zum Schluß ter ly^ftüntegen Rete aber, als Dem- ourg d.e Sonne ter tolomden Prosperdät noch einmal aufgehen ließ, wurde es mieixr leoha.t im P«rwtt. Firm Buiow berjäumte niu,t, Dernoi.rg g.i.uwi.n,chend die^Hand zu schütteln. Schon stand mtesfen Aog. ^rchädler, Der oayrische Zen- trums.nann, am Rednerpult, um Gewölk h.raufziehen zu lassen. Er ruumte allerdings joouten Tones ein, dag Dernourg sich oocte-.h.id.r ei..ge,ui-rt Hube, als seine Tenlfchristen es getan. Aber im ^i wlm u_, te.t our, < t ki.rs,i.h.gen „.nner.k.nisuius" sehe sich tes Zentrum veranlaßt, den mit großen Plänen sich tragenten neuen MDionialbireltur au, die finanziere ^eniungs- wh.gkeit tes Reiches aufmerksam zu machen. Immerhin: mit Den Grundzügeu des kolonmlen Newrinprogramiues ist das Zentrum einver,ianden, denn es i,t nicht Gegner einer ocriiäntegen Kownialpoiitik, f entern^ Gegner Der K'olonialftanda.e, eine Feimestung, die Dr. Schädler benutzte, um d. s Verdienst des .,Enthüllungsmannes" Crzverger ins Licht zu rücken. In der BuDgetiomin.nwn wird Dernourg keinen leichten Stand haben. Dr. Schädler stellte nämlich in Aussicht, test dort Die „im Prospekt-Ton gehaltenen" Denkschriften auf ihren tutii.chiichen Wert genau untersucht werden würden. Vielleicht ic.tet also Dernourg mit feiner Bilanzierungsrunü, die mul-elos eine Milliarde an totonialen Kapita.werten auimar)ajieren ließ, irellenweise Schiffbruch, denn in ter Budgetlommiision fitzen ,charWichtige Fmanzpolckiler. Dr. Schädler unterließ nicht, die Missionen ter Fürsorge tes neuen Koioriialdire.tors zu empiehleir. Wie mittlerweile aus ter Wante.halle verlautete, hat es in Zentrums.reijen verrinn..t, büß Dr. Schäteer sich gedrungen f.hite, d.e „weiße Weste", d h. einen einroanofreien Lebe.S- lüu.uxl aller in A, rila befindlichen Weitzen, „und wenn es königliche Prinzen waren", zu fordern. Partei.reui.te Dr. ^chadlers erbliaten in dieser in Gegenwart ixs Kronprinzen und bei desien er,.em Reichstagsoesuch produzierten ^.iMwei.dung eine tentgleiiung, die dem Ansehen teS Zentrums an maßgebender Stelle kaum förderlich sein könne. Der nächste, soziaidemokratische Redner, Abg. Ledebour, dem ter Kroiiprinz mit gleicher Au,mertsamkeit zuhörte, hatte seine Zunge mehr in ter Gewalt, als Dr. Schädler. Ledebour kritisierte zwor die Demburgschen Dentlchriften in Grund und Boten — „pl a n m ä ß i g e T ä u s ch u n g de s R e i ch s t a g s" —, er brachte es sogar zu einem Ordnungsruf, au er er ging über allgemeine töernenungen, Die Währung ter VolkS- rechte betreffend, nicht hinaus, und kleidete sie zudem in die öorm einer Polemik gegen bie Nationalliberalen. Demburg ließ sich angelegen sein, die Redner aus dem Hause mit höflicher Veroeugung zu begrüßen und ihnen beipslichtend zuzunicken, wenn sie diesen und jenen Wunsch berücksichtigt sehen wollten. Als freilich Abg. Ledebour d.e kolonialen Denk- I aj r i j t e n für „ungeheuren Unsinn" erklärte, da wehrte Demburg mit energischer Handbewegung ab. Der Sitzung woh.ite üorigens auaj ter Gouverneur von Südwester ika, v. Lindequiit, in ter Diplomatenloge bei. Er durste bald Gelegenheit haben, sich au ter Debatte zu beteiligen. 2Cud?c und Schule. B. Gießen, 20. nioo. Au, ucl längst dahier abge- haltenen Synode des Dekanats Gießen erstattete, Ivie wir leinerzeit schon berichteten, Pfarrer Gußmann-Kirchberg das Referat über die ä u ß e r e M i s s i o n. Er Verteilte Gießener Weatervcrein. Ein idealer Gatte. Schauspiel in 4 Akten von Oskar Wilde. Während z. Z. der rührige junge ,Wiener Verlags eine in gutes Deutsch übertragene Gesamtausgabe der Werke des unseligen irischen Dichters Oskar Wilde veranstaltet, gehen über die deutschen Bühnen seine Theaterstücke. Bei anderer Gelegenheit erwähnte ich neulich seinen vielgerühmtcn Roman ,Das Bildnis des Dorian Gray""). Wie dort hat hier in feinem Theaterstück Wilde eine Nebenfigur, den Viscount Goring, zum Hauptsprecher gemacht und so in den Mittelpunkt des Stückes gerückt, daß das Hauptinteresse der Zuhörer sich mehr auf ihn als auf den „idealen Gatten* und desien schwärmerische Frau konzentriert. Dieser witzige junge Wtann auS dem High life Londons, das Wilde inbrünstig liebte, hat Wilde'sche Original - Bonmots als Rosinen in den faden Kuchenteig des Stückes zu streuen. Nur wenn Goring spricht, dann glauben wir allenfalls, daß Wilde, der Schöpfer der „Salome*, dieses Stück eines schlechten Tages geschrieben hat, ähnlich wie in der ersten Hälfte des ,Dorian Gray*, wenn Lord Henry Watton seine funkensprühenden Antithesen zum besten gibt. Sobald Goring jedoch schweigt und die anderen Puppen der Komödie sprechen und am Schnürchen zappeln, befinden wir unS, wie streckenweise in „Dorian Gray*, meilenweit von der eigentlichen Sphäre Wilde's, mitten in der Welt des bis zum Ueberdruß bekannten, allzu sensationell gefärbten französischen Jntriguen- und Konversationsstückes aus einer längst glücklich überrounbenen Litteraturepoche. Und selbst unter den ältesten deutschen Er- zeugnisien dieser Gattung — Herr Bayrhammer führte uns im Vorjahre ein solches vor — dürfte nicht leicht eine Hand- lung aufzufinden fein, die, wie auch teilweise die in,Dorian Gray*, in so enger Verwandtschaft zum Hintertreppen-Roman steht, wie die Schicksale dieses ,idealen Gatten*, eines Unter- staalssekretars, der durch recht bedenkliche Geldgeschäfte ein sicher Mann wurde, ohne daß ihm indes auch nur em Härchen gekrümmt wird. Im Gegenteil, 2)ir. Wilde macht gir Robert Ehiltren zum DtiNister . . . 2)ian denkt unwill- Hrstch an deutsche Vorkommnisse der letzten Zeit . . . Bei weitem nicht so groß wie in seinen erzählenden •) Außer in der Wiener Gesamtausgabe als Sonderband bei E. E. Bruns in A.inden erjdjlenen. Dichtungen, aber doch auch noch groß zeigt sich Wilde auch hier in der Fülle seiner epigrammatischen Windbeuteleien unb keck und geistreich verzerrten, fein ziselierten Gemeinplätze. Hier ein paar Proben: „Frauen entdecken alles, nur nicht das Nächstliegende.* „Die moderne Frau versteht alles, nur nicht ihren Mann.* „Tie Dame schwatzte immer mehr und sagte immer weniger.* „Zu viel Schmmke und zu wenig Bekleidung; fo ist's immer bei den Tarnen." „Es liegt mir nichts daran, gebildet zu fein, es bringt einen das nur aut das Niveau der unteren Stände." Hübsch ist die Antwort, die unmittelbar nach der Verlobung eine junge Dame ihrem Liebsten gibt, als er sagt: „Ich bin kaum gut genug für Dich*, worauf sie erwidert: „Das macht mich sehr glücklich; ich fürchtete schon, Du ivärst's*. Eine andere Frage lautet: „Kennen Sie die Dame?* Antwort: „Ich kenne sie so wenig, daß ich mich einst mit ihr verlobte". Solche Einfälle schimmern und blenden, sind aber, wenn auch kurzweilig, so doch kurzbeinig. — In seinem m. E. vielfach überschätzten, zum Schlnsie ganz absurd gruseligen, zu Beginn dafür freilich um so feiner geschliffenen Nomanjuwel „Dorian Gray* sagt Wilde: „Ter Weg zur Wahrheit scheint mit Paradoxen gepflastert zu fein. Um die Wirklich- (eit zu erkennen, müssen wir sie übertrieben sehen. Wenn die Wahrheiten Akrobaten werden, können wir sie beurteilen.* Eine kluge — halbe Wahrheit. Mit einem müden, durch rem äußerliche, auf die Pose, die ,,glotre de salon“ Balzacs berechnete Schöngeisteleien versüßten Skeplikerlächeln zerrt Wilde besonders gern Ibsens hohe sittliche Forderungen m die allem entgegengähnende Tiefe des jeglicher Würde und jeglicher charaktervollen Sebstzucht baren, mit den bunten Füttern eines raffinierten Genußkultus großartig drapierten Aestheten-Salons. So ward er, den feine Freunde für einen Apostel der Lebensfreude hielten, zu einem gefährlichen Demoralisator. Und wie künstlerisch mangelhaft ist obendrein dieses Bühnenstück. Nicht eine Reihe von Menschen, nut eigenen Charakteren, führt er uns hier in plastischer Dramatik vor, sondern auf trivialem Untergrund erllrahlt in feuilletonistisch bengalischer Beleuchtung allem hinter der leichten Larve des Viscount Mr. Wilde, der Dichter selber, der nach der Londoner Premiere fernes Stückes nut herablassender Miene dem Theaterdirektor versichert haben soll: „Ich habe mich diesen Abend köstlich amüsiert*. O. A. Schröder charakterisiert in der umfangreichen Einleitung zu seiner kürzlich in Max Hesses Verlag in Leipzig erschienenen schönen Verdeutschung von Wildes berühmter „Ballade vom Zuchthause zu Reading* den irischen Dichter so scharf als m. E. treffend. Es kommt Wilde, so sagt S., darauf an, zu seiner eigenen Rechtfertigung eine Gesellschaft zu zeichnen, die ebenso wurmstichig ist, als er selber. In ganz ähnlicher Lage wie Sw Robert, „der ideale Gatte*, und wie Dorian Gray befand sich Wilde. Auch in fernem Leben gab es einen dunklen Punkt, von dem er fürchten mußte, daß, kommt er an den Tag, fein guter Ruf und feine glänzende gesellschaftliche Stellung zusammenfallen müßten. Wie es ja denn auch, vor einem Jahrzehnt, kam. Wilde ist vor genau 5 Jahren, am 30. November 1900, nach fünfjähriger Sträflrngszeit, in einem schäbigen Gasthof zu PanS gestorben .... Sowohl in seinem „Idealen Gatten* wie in „Dorian Gray* hat er die ganze höchst unwahrscheinliche Handlung nur erfunden, um die Moral aus ihrer einzigen, recht schwach verteidigten Feste hinauSzuwerfen. Und am Schluß des Stückes ist alles wieder genau in der- selben Lage roie am Anfang — die Ehrlosigkeit triumphiert. Wilde mißbrauchte als Prophet der Lehre ,1’art pour Pari“ aus rem persönlichen Motiven bie Kunst zur Eskamotage der Nioral. Schröder meint, daß Wilde erst in der erschütternden Ziichthausballade versuchte, gegen sich wahr zu sein. Sie nennt er, wohl mit Recht, Wildes vollendetstes und lauterstes Werk, das m der Litteratur noch eine feste und hohe Stellung behaupten wird, wenn die künstlich übertriebene Schatzung der Person und der Leistungen Wildes längst einer richtigeren Würdigung Platz gemacht haben wird. Allerdings lernt man des Dichters irisch paradoxe Art und sogar feine sittlichen Verfehlungen milder beurteilen, wenn man von Sherard, seinem Biographen, erfährt, daß er erblich belastet war. Dr. Niax Nieyerfeld, ein den Lesern des Gieß. Anz. als desien früherer Berliner 'JJlitarbeiter wohl bekannter Litterat, machte jüngst in der „Voss. Ztg.* höchst bemerkenswerte Nsttteilungen darüber. Wildes Vater, ein hochgeschätzter Augen- und Ohrenarzt in Dublin, war Alkoholisl und em Mensch von recht laxer 'Moral, seine Ntiitter exaliiert bis zur Krankhaftigkeit, die ihren Jungen wie ein Lllädchen behandelte und ihn viele Jahre lang in Mädchentleider steckte. Ich möchte sie, nad) Sherards Schilderung, mit der Mutter Peer Gynls vergleichen: wie ^obei eine von ihm aufgestellte Uebersicht über die Leistungen der einzelnen Tekanatsgemcinden für die Mission in 1905, in welcher ein deutliches Bild sowohl von der Art, wie in den einzelnen Gemeinden für die Mission gearbeitet, als auch von den sichtbaren Erfolgen dieser Arbeit gegeben wird. Im ganzen gingen 4657 Mk. ein, worunter aus der Stadt Gießen allein 2733 MI. oder 10.4 Pfg. auf den Kopf der evang. Bevölkerung fallen. Die höchste Leistung mit 22.5 Pfg. pro Kopf hat Langgöns, dann kommt Beuern mit 21, Allendorf a. d. Lahn mit 18, Großen-Linden mit 10 Pfg.; der Durchschnittsbetrag für das ganze Dekanat beträgt 8.1 Pfg. pro Kopf. In Oppenrod hat ein Missionsfest stattgefunden, bei den: 100 Mk. Kollekte eingingen. Ein Gemeindeglied aus Beuern, H. Walter, ist in den Missionsdienst getreten und befindet sich in der Missions- anstalt zu Basel zwecks wetterer Ausbildung für den MissionZberuf. Aus Stadt und Lund. Sprechstunden der Nedaltion II - ' ’lb: vor ■ .7—V28 Uhr abds. Gießen, 29. Nov. 1906. ** Großherzogs Geburts tag in Berlin. Man schreibt uns aus Berlin: Der Kriegerverein ehemaliger Kameraden der Großh. Hess. Division zu Berlin feierte am 22. November den Geburtstag S. K. H. des Großherzogs, seines Protektors, und beging damit die Feier des achten Sttftungsfestes. Die zahlreiche Beteiligung bewies, wie gern man der Einladung zu der Feier gefolgt war, und glab' Zeugnis davon, zu welch hohem Ansehen der Verein ht allen Kreisen der Reichshauptstadt gelangt ist. Von den erschienenen Ehrengästen seien erwähnt: Generalleutnant Frhr. v. Dinklage, Geh. Oberfinanzrat Dr. Strutz, Reichstagsabg. Kommerzienrat Heyligenstaedt aus Gießen, Kapitän z. S. Spring usw. Nach einem musikalischen Teil und nach Vortrag eines von dem Vereinskameraden Leutnant a. D. v. Carnap gedichteten Prologs, der von Fräulein Eschholz vorgetragen wurde, brachte General der Artillerie a. D. Rothe das Hoch auf S. M. den Kaiser aus. Es folgten dann einige Gesangsvorttäge von Frau Wilma Bäcker (ehem. Großh. Hess. Hof-Opernsängerin) und Musikdirektor Bäcker, worauf Generalmajor a. D. Keim, der Ehrenvorsitzende des Vereins, den Trinkspruch auf S. K. H. den Großherzog hielt. General Keim gab den Gefühlen der großen Freude, auch bei uns in Berlin, über die Geburt des Erbgroßherzogs Ausdruck, und wie wir in alter Hessentreue dieses frohe Ereignis von ganzem Herzen freudig mttempfunden hätten. Begeistert stimmte die Festversammlung in das Hoch ein. Nach Absingen der hessischen Nationalhymne ergriff der L Vorsitzende, Großh. Kreisveterinärarzt a D. Dr. Schaefer, zu einer längeren Bereinsfestrede das Wort. Sein Hoch galt der herrlichen deutschen Armee und Marine. Nach Aufführung eines Theaterstückchens und wiederholten Gesangsvorttägen hielt der 2. Vorsitzende, Apotheker Walter Weiß, die Schlußansprache, in der er den Freunden den Dank des Vereins ausfprach und gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck gab, daß man sich schon bei dem nächsten Feste um die so lang ersehnte Fahne scharen könne. Redner schloß mit einem Hoch auf die Gäste. Während der Kaffeepause brachte der 2. Schriftführer, Gärtner Karl Kuhn das Hoch auf den glänzenden Tamenflor aus. Ein solenner Ball hielt die meisten Festteilnehmer bis zum frühen Morgen zusammen. Eine ganz besondere Ehrung wurde dem Verein noch zuteil, indem seinem langjährigen Vorsitzenden, der sich um das Gedeihen und Emporblühen des Vereins wesentliche Verdienste erworben hat, von S. K. H. dem Großherzog das Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen an dem Festtag verliehen worden ist. ** Ein neues Geschäftshaus, das wohl als das schönste unserer Stadt bezeichnet werden kann, wurde gestern ti oct mittag 5 Uhr dem ttruflustigen (bezw. für gestern dem schaulustigen)Publikum geöffnet, nämlich dasHaus derFirma Alex Salomon & Co., Schulstr. 4. Das viergeschossige in hellem Sandstein errichtete stattliche Gebäude ist von n--------------------------nun rwrnun 11 ■■111111 1 11 ■iiihibi —h ■ m Architekt Hamann in modernem Sttl erbaut worden und die Zeit noch nicht eines Jahres genügte, den Prachtbau, der unserer Stadt zur Zierde gereicht, entstehen zu lassen. Das Erdgeschoß und das mit diesem durch eine bequeme Treppe verbundene erste Obergeschoß dienen als Verkaufsräume, während das zweite Obergeschoß als Lagerraum benutzt wird. Sieben große, geschmackvoll angeordnete Erker sorgen am Tage für Helligkeit, während abends die ganzen Verkaufsräume von innen und außen durch eine reiche Flut elektrischen Lichtes beleuchtet werden. Die Heizung erfolgt durch eine von der Firma H. Schaffstaedt gelieferte Warmwasseranlage. Die einzelnen Artikel, die die Firma führt, sind nach Spezialabteilungen gegliedert: Handarbeiten, Wäsche, Korsetts, Pelze, Seidenstoffe und Sammete, Bijouterie- und Lederwaren, Herren-Artikel, Artikel fürs Haus usw. usw., und zwanzig gleichmäßig in Schwarz gekleidete Verkäuferinnen stehen bereit, die Wünsche des Publikums zu befriedigen. Den besonderen Beifall der Damenwelt dürfte der allerliebste Anproberaum im ersten Obergeschoß bilden. Für die Feuersicher- heit des Gebäudes sind alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen: überall sind Hydranten angebracht, und zwei besondere Nottteppen sollen im Bedarssfalle dazu dienen, das 180 Quadratmeter Flächeninhalt einnehmende Haus innerhalb einer Minute zu entleeren. — Die auf 5 Uhr nachmittags angesetzte Eröffnung gestaltete sich zu einem lokalen Ereignis, große Scharen Neugieriger umstanden das imposante Gebäude, und bei weitem nicht alle konnten Zutritt zu den eleganten behaglichen Geschäftsräumen selbst finden. Zum Schluß sei noch anerkennend hervorgehoben, daß fast sämtliche Arbeiten von hiesigen Geschäftsleuten ausgeführt wurden, sodaß, wie das Unternehmen selbst, auch seine Ausführung ein glänzendes Zeugnis der Leist- ungsfähigkett unserer einheimischen Geschäftswelt darstellt. ** Die Großh. Brandversicherungskammer veröffentlicht soeben die Ergebnisse der Vertvaltung der Großh. Brandversicherungskasse vom Jahre 19 03. Die Einnahmen betrugen 3 971881.15 Mk., darunter 1960 735.98 Mk. Kassevorrat, 1826 992.97 Mk. Beiträge (davon 434 080.25 Mk. aus O b e r h e s s e n, 1 750 479.26 Mk. aus Starkenburg, 642 433.46 Mk. aus Rheinhessen), 74524.44 Mark Zinsen. Die Ausgaben beliefen sich auf 1812 339.93 Mark, sodaß ein Rest von 2 129 541.22 Mk. verbleibt. An Brandschäden und Abscbätzungskosten wurden 826 534.40 Mk. bezahlt, wovon auf Oberhessen 279 070.41 Mk. (Kreis Gießen 73357 Mk., Kr. Alsfeld 60 390.11 Mk., Kt. Büdingen 17166 Mk., Kr. Friedberg 86 625.50 Mk., Kr. Lauterbach 19 967.80 Mk. und Kr. Schotten 21 564 Mk.), auf Starkenburg 346 383.81 Mk. und auf Rheinhessen 201080.18 Mark entfallen. Als Vergütung für erhöhten Feuerschutz wurden 168934.67 Mk. geleistet. — Die Großh. Landes- feuerlöschka sse hatte 1903 bei einer Einnahme von 87 376.15 Mk. 87 076.27 Mk. Ausgaben. Unter den Einnahmen befanden sich 40 041.23 Mk. Zuschuß aus der Hauptstaatskasse und 42 257 Mk. Zuschuß aus der Brandver- sicherungskassL. An vernnglückte Feuerwehrleute usw. wurden 9519.62 Mk. Unterstützung bezahlt (in Oberhessen 2769.15 Mk., in Starkenburg 4682.12 Mk. und in Rheinhessen 2068.35 Mk.), während an Gemeinden und Feuerwehren zur Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen 76 705 Mk. Beihilfen gegeben wurden. Davon entfielen auf Oberhessen 17 900 Mk., auf Starkenburg 44 655 Mk. und auf Rheinhessen 14150 Mk. ltz Lich, 28. Nov. Die voriges Jahr gegründete neue Ackerbauschule für den Kreis Gießen begann dieser Tage ihren zweiten Kursus; die Schule zählt zwei Klassen mit 36 Schulerrr. Die Stadt Lich läßt für die Anstalt gegenwärtig einen Neubau Herstellen, der jetzt im Rohbau vollendet ist und int Herbst 1907 eingeweiht werden soll. cP Nie de r-B e s sin g en, 27. Nov. Gestern ereignete sich hier ein beklagenswerter Unglücksfall. Der Gastwirt Wilhelm Lotz wollte eine Fuhre mit Schweinen nach Gießen bringen. Noch int Dorfe scheuten die Pferde durch das Gegrunze der Schweine, sodaß Lotz vom Fuhrwerk herunterfiel und unter den Wagen kam, wodurch ihm beide Beine zerquetscht wurden. Die Pferde machten erst vor Ibsens mit besonderer Genialität gezeichnete „Aase" suchte sie sich und ihren Sohn stets in ein Traumland zu versetzen und umgab sich und ihren Oskar, wie Aase ihren Peer, mit dem Dunstkreis der Selbsttäuschung. So könnte man wohl versucht sein, Ibsens „Peer Gynt" eine phantastische Vorschöpfung von Oskar Wildes phantastischer Lebensart zu nennen ..... Unser hoch geschätzter Gast, Herr Bolz, der scharfsinnigste, geistreichste und zugleich spitzsindigste Künstler unter den hervorragenden Mitgliedern des Frankfurter Schauspielhauses, erfaßt mit der Stärke seines Verstandes die Eigenart jeder Rolle, und reiche schauspielerische Ausdrucksfähigkeit steht ihm dabei zur Seite. Während einer schriftlichen Rücksprache über eine seiner mit feinstem Geiste dem Dichter nachgeschaffenen, vom Frankfurter Publikum leider vollkommen mißverstandenen mimischen Schöpfungen schrieb mir einmal Herr Bolz: ,Die schönsten und reinsten Genüffe meiner Kunst hat mir ihre Ausübung nicht coram populo bereitet, sondern im stillen Arbeitszimmer, wenn mir nach oft mühsamem Ringen endlich die Erkenntnis aufdämmert, jetzt bin ich dem Autor auf der Spur/ Kein Zweifel, daß Herr Edgar Bolz auch bei der Gestaltung seine? Goring des Autors Spuren sicher traf, daß er diesen englischen Grafen lebhaft greifbar, bestimmt in allen seinen beschriebenen und nicht beschriebenen Lebensäußerungen nicht nur vor sich, sondern in sich sah — allzusehr in sich sah. Herr Bolz ist ganz gewiß für Bühnengestalten rote Wildes skeptischen, blasierten Rasonneur Goring prädestiniett — wenn dieser Goring kein Brite wäre. Herr Bolz verfügt ja durchaus über die vornehmen Allüren eines Weltmannes. Aber ich denke mir, wie gesagt, hinter diesem Viscount Goring den Dichter selber, von bem sein Freund Sherard in seinem überaus fesselnden Pane- gyricuS auf Wilde mit dem Untertitel „Die Geschichte einer unglücklichen Freundschaft" •) ein vom Enthusiasmus inspiriertes verzücktes Schönheits-Porträt entworfen hat. Wilde- Goring wird niemals, auch bei der Entsendung seiner geistreichsten Paradoxe, die steifleinene Halttmg und, vor allem, die stoische Ruhe verloren haben. Vielmehr müßten sie mit der größten Selbstverständlichkeit als winzige Nebensächlichkeiten hervorquellen. „Ich war ganz hinreißend/ so pflegte, wie Sherard erzählt, Wilde von sich selber nach einem Geplauder in irgend einem Salon zu sagen. Gewiß, auch Herr Bolz war gestern hinreißend, roie immer, wenn er so ganz in seinem Fahrwasser ist, wenn er durch Geist und Witz zu • Deutsch von Herrn. Freiherrn v. Teschenberg, Minden L W., I. C» C. Bruns. glänzen hat. Denn Geist und Witz gehören zu ihm. Ohne sie ist Bolz nicht Bolz. Doch des Briten Art ist nicht seine Att, und mehr im Geiste des Dichters wäre es geiveseu, wenn er seine blendenden Geistreicheleien vorgetragen hätte mit des vornehmen Engländers unerschütterlicher stoischen Ruhe. Die Brillanten sollen wie das nichtige Spielzeug eines weit über alles gewöhnliche Menschenmaß reichen Geistes aussehen. Herr Bolz aber behandelte diese eleganten Nichtigkeiten wie große Wichtigkeiten, unterstrich und war eindringlich, statt das Phlegma eines raffinierten Blageurs zu zeigen. Herr Bolz zeigte nicht die affektierte Müdigkeit des Weltstadt-Dekadenten L Ja Wilde, sondern die fieberhafte Heißblütigkeit eines französischen Elegants. Und er predigte auch zu Zeiten mit größerem Ernst, als einem Lord Goring, der in den sentimentalsten Situationen seine Witze macht, zuzutrauen wäre. Doch worin seine Auffaffung dieser Bühnenfigur von der meinen sich unterscheidet, ist im wesentlichen nur, daß ich die spezifisch britisch-nationale Note vermißte. Davon abgesehen, war er — natürlich! — eine faszinierende Salonleuchte, unwiderstehlich in seiner flammenden, sinnverwirrenden Beredsamkeit, seiner bestrickenden, weltgewandten Artigkeit, seiner konseroatorischen Florettfechterei, wie seiner ehrlichen Begeisterung für jede gute Sache und einer Art von „Herzlosigkeit" , die man als vernünftiger Mensch wohl am besten mit innerlichstem Edelsinne bezeichnet. Da? ist gerade das Mitreißende bei Herrn Bolz, daß er stets selber ganz von seiner Rolle mitgeriffen scheint, daß alles, was er spielt, ihm aus dem Tiefsten zu kommen scheint, daß er lebt, was er zu „spielen" hat, sodaß der Zuschauer selber entrückt wird in jene Sphäre der Rolle, in die körperhaft gewordene Realität der künstlichen, vor ihm im Bühnenrahmen auSgebreiteten Menschenwelt. Darum war eS gestern doch ein ganz erlesener Genuß, diesem Meister deS spitzfindigen Epigramms mit gespanntester Aufmerksamkeit zu lauschen. In Erstaunen setzte mich Frau Bayrhammer als die Intrigantin des Stückes. Diese vollendete Routine hatte ihr verflossener Winter nicht erwarten lasten. Dazu rassiges Temperament und ein scharfer Verstand, der den Schlichen der üblen internationalen Abenteurerin bis in die letzten Winkel folgte. Die Toiletten waren von tadellosem Chic und imponierender Kostbarkeit. Zuweilen sah sie aus wie ein lebendig gewordenes modernisiertes Gainsborough- Porträt. Tas stark Legere in Bewegungen und Gesten war hier ganz am Platze. Ganz reizend war Frl. Schellenberg, wie ein Fruh- Lich Halt, dort verunglückte der Wagen, ein Schwein war so verletzt, daß es sofort abqescolacbtet werden mußte. ItmveriUätssKafbricbten* * — DaZ U n i v e r s i t ä t s st u d i u m in Deuts chland. Im Sommer dieses Jahre? waren unter den 44 964 immatrikulierten Studierenden der 21 reidiSbcutfcben Universitäten 41 075 Reichs» angebörige gegenüber 38 835 im Winter 1905/06, etwa 21 300 im j Jahre 1881 und etwa 14 000 um 1872. Von den 41 075 deutschen Universitäts-Studenten des verflossenen Soinmerhalbjahres waren 24 514 Preußen (1881 etiva 13 00M, Bayern 4673 (2200), Sachsen 2994 (1500), Württemberg 1454 (1000), Baden 1654 (550), Hessen 124 9 (600), Elsaß-Lolhringen 1064 (200), 91 c d) w i ff en- schait bezw. S t a a t s w i s s e n s cb a f t e n studieren im Neichs- dnrchschnitt au? 100 000 Eimvohner 21,9, in. Preußen 21,7, in Bayern 27,5, in Sachsen 22,4, in Württemberg 17,8, tu Baden 18,3, in Hessen 22,4. Studierende der Medizin sind es: im ReichS- durchschnilt 9,5, in Preußen 9,0, in Bayern 12,5, in Sachsen 9,4, in Württemberg 1<>, in Baden 11,5 und m Hessen 16. Auf 100 000 Eimvohner evangelischen Bekenntnisses treffen zurzeit Sttidierende der evangelischen Theologie: im Neichsdurchschnitt 6,8, in Preußen 4,8, in Bayern 8,2, in Sachsen 5,5, in Württemberg 11,6, in Baden 9,5 und in Hessen 10,0. Erheblich anders ist das Verhältnis beint Studium der k a t h o I i s ch e n T h e o l o g i e. Hier treffen auf 100 000 katholische Einwohner zurzeit im Durchschnitt des Reiches 8,2, in Preußen 7,9, in Bayern 4,6, in Sachsen 2,5, in Württemberg 26,5, in Baden 13,2 und in Hessen 1,7. Bon den Preußen waren 28 vom Hundert auswärts eingeschrieben gewesen, von den Bayern nur 14 v. H., von den Sachsen 25,5, von den Württembergern 33,4, von den Badenern 27 und von den Hessen sogar 40 v. H. tlifbtrßriif brr TobksWk in i)trStobt tfitljni 46. Woche. Born 11. bis 17. November 1906. Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 (inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 33,49 °j(l6, nach Abzug von 9 Ortsfremden: 17,62 Vco. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. L ebensjahr: 2.- -15. Jahr Tuberkulose 6(2) 3(1) — 2 (1) Herzfehler 1 1 — Gehirnerweichung 1 1 — — Neubildungen 2(2) 2 (2) __ __ Gallensteinen KD 1 (1) ___ Bauchfellentzündung 1 1 — — Darmverschluß 2(1) —- 1 1 (1) Altersschwäche 2 2 Lebensschwäche 1 — 1 —- Verbrennung 2(2) — _ 2 (2) and. Verunglückung _1Ä_ 1(1) — Summe 19 (9) 12 (5) 2 5 (4) Anw.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, , wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach bleuen gebrachte Kranke kommen. Berlin, Amalienstraße 15-, den 7. August 06. Ich teile Ihnen mit, daß meine Kinder bleichsüchtig und nervös waren und daß mir dabei dar „Bioson mit Kakao" große Dienste tat, weshalb ich eS Jedem sehr empfehlen kann. Der Appetit hat sich wieder eingestellt und das Aussehen ist ein bedeutend besseres. Ich spreche Ihnen darum meinen herz, lichsten Dank aus und zeichne Hochach- tungsvollFannyWeißbart geb.Kurtz. Unterschrift amtlich beglaubigt durch das Kgl. Amtsgericht Berlin, Lützow. Bioson wird von berufenen ärztl. Autoritäten und in Kliniken, Krankenhäusern usw. nach umfassenden Versuchen fortgesetzt als bestes, stärkstes, billigstes, zuträglichstes, bluterzeugendes Mittel angewandt und ist in Apotheken, Drogerien usw. das halbe Kilopaket zu drei Mark erhältlich. b2/10 Meßmers Tee verdient den Vorzug vor allen anderen Früh» stücksgetränken, er ist wohlschmeckend, leicht bekömmlich und außerordentlich ergiebig. Die Firma Meßmer (Frankfurt a. M.) deckt nur Empfehlenswertes mit ihrem Namen. Mütter! unterstützt das Gedeihen eurer Kinder. lingsmorgen im Frührotschein, entzückend ihr neckisches Geplauder. Auch die herzlich liebenswürdige, wenn auch wienerische Gesprächigkeit der Frau Bons mußte allgemein gefallen. Ebenso verdient Herr Reimer diesmal für die originelle Charakteristik des greisen Grafen Caversham marines Lob. Seine und der Damen Bayrhammer und Schellenberg gestrige Leistungen stelle ich über die der Vertreter dieser Rollen im Frankfurter Schauspielhause. Die Titelrolle dagegen gab Herr Bakof ein bischest lahm und seelenlos, namentlich wenig natürlich, obwohl er sich um typisch englische Charakterisierung bemühte. Freilich^ ist zuzugestehen, daß au6 dieser sentimentalen Rolle sich noch schlechter eine glaubwürdige Gestalt schaffen läßt, als aus der der idealen Gattin, die immerhin wärmer, schlichter und vornehmlich in den Gesellschaftsformen abgerundeter hätte auf« und angefaßt werden können, als es Fräulein v. Jage- mann tat. Die Aufführung war, ein Verdienst Steingoetters, recht hübsch einheitlich abgestimmt. Das überaus zahlreiche Publikum zeigte sich höchst interessiert und dankbar. P* W. * R.B. Darmstadt. 28. Rav'. , In der Konkurrenz für ein großes Warenhaus bet Firma L. Tietz in Düsseldorf, das eine, verbaute Fläche von 3400 Quadratmeter beansprucht, wurde Prof. W. O l b r i ch in Darmstadt unter 130ein^elausenen Arbeiten einer der drei ausgeschriebenen Preise im Bettag von 2500 Mk. zuepkannt. Das! Preisrichteramt übten u. a. Geheimrat Prof. Wallot - Dresden und Prof. H. Billing- Karlsruhe aus. — Des Iren Bernhard Shaw neuestes Werk „DeS Doktors Dilemm a", eine Tragödie in vier Akten und einem Wlog, erlebte in London seine Uraufführung. Auch in diesem neuen Stück kehrt die selbstzersetzende Ironie Shaws an sich rein ttagische Momente ins Komische, oder Satirische oder Groteske um: doch als der Spott selbst bei dem Sterben eines Menschen nicht Halt machte, regten sich Stimmen des Widerspruches, die der halsbrecherischen Equilibristik der Sbawschen Menschengestaltung bis dahin mit gutem Humor gefolgt waren. Das neue Stück spielt in Aerztettcisen. Die Hauptszene, deretwegen Shaw das ganze Drama geschrieben zu haben behauptet, — der Tod eines amoralischen Künstlers — versagte indes. —- Vöcklins „F-rühlingsabcnd" wurde auf der Ausstellung im Münchener Glaspalast für 100 000 Mark verkauft. — Der bekannte Bühnenschriftsteller, Verfasser yon „Hase- manns Töchtern", „Mein Leopold" usw., Adolf l'Arrongc ist in Wien schwer erttankt. Es handelt sich um ein altes Bruchleiden, das eine Operation notwendig macht, die aber die Aerzte nicht ohne weiteres wollen, weil der Patient an Diabetes leidet. Die aus Berlin nach Wien gerufene Gattin des Kranken ist dott eingetroffen. 1 1(1) 1 '"N in fr ZSM V0,UllierhniS ^"Ilcht! '*-■ RlKb-L LtzKs 'N Lessen 1k f,Q(t,,e" 94 MÄ icooffi : im gte S“ ^"'dierel !”r?Ä ’n BihSh,lilt 6A i-Äi den Lachsen 25? <’cn’ficn 27 Unb Don'bMcfe a^n, e:M - LZS> 1 n, SmtrfienjlrflE'Ä kn )6. Ich teile Am vii.dch »er Lleichsüchtig iti nervös daß mir dabei iti .Zioson ' große Dienste Itt, rocstjaVi m sehr empfetiaitann. Ter f sich wieder mgesM imb en ist ein bedeutend bestens Ihnen darum meinen her-- ! au§ imb jeidint Hochach- nnyWeißbartgeb.Kurk mtlich beglaubigt durchs Mi Drckin, Bützow. Iwtoütättn und inflliifr n Deriuchen iortgelkisi ies, biuterzeugendee M »gerien usw. das f)ö--/ ■' r,na vor allen ondm!2' leicht bekömmlich und ab nen. __ ,, gjo nf ffli# fl“9(nie'.n ncimff -ie-'inal käs«. '< ->a,*S ierung W* fld) nü^ D“w"’ ’*»,?( HW- * «M«*?**. ....... bean'M^'sene" 1 ' «ert ..Dc? 'SM gllke" S Ä Mss i I 2(2) 2 T^j- n O’nem geben an, tue ?V khkit aui von auswänr m '’öen: 17,62 . Kinder ne. in, 1> Lebensjahr: 8.-15.^ I 2(1) Nammern (Ohne Gewähr.) ''13 22 23 300 25 883 519 300 751. 807 HUGO] 829 053 3.-29 19. Ziehung 5. KL 215. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vcm 28. November 1006, vormittag». Nur die Gewinne Ober 240 Mnrk sind den betreffendes In Klammern beigefügt. (Nachdruck verboten.) 471 708 [8000] 827 1024 [10001 287 87 2003 260 376 [500j 716 1500] 28 81 1500 ] 641 05 63 83 l 500 | 4197 340 741 73 856 85 5310 21 13000] 39 441 49 11000] 610 24 838 6073 380 58 811 7104 645 805 8 039 189 426 739 0099 598 740 885 10074 2*24 427 728 11287 444 [500] 847 938 12019 41 [500] 118 206 97 658 855 916 60 1 3 179 200 834 409 [1000] 60 762 14182 305 402 60 98 505 59 [500] 836 15244 602 755 16122 234 80 855 76 603 711 17 086 [8000] 17035 101 209 27 334 [1000] 904 1 8059 68 294 859 7 7 416 565 608 773 808 1 9035 192 325 409 527 637 741 817 [500] 25 900 80 79 [500] 86 88 20033 118 06 [1000] 392 910 [1000] 2 1 023 811 43 54 69 447 540 663 738 61 [8000] 22052 53 177 366 601 20 08 803 979 2 3 018 222 330 432 37 679 712 18 64 06 828 68 24013 100 84 318 412 617 784 844 2 5280 345 606 940 26001 44 hOOO] 38 6 406 517 6 1 78 [500] 658 705 939 27033 [1000] 90 393 652 735 839 [1000] 28171 228 780 861 29093 95 13000] 360 548 03 [500] 733 3 0238 05 492 [500] 550 632 726 815 3 1 035 66 137 54 [5000] 81 484 584 609 24 829 87 954 32261) 532 853 62 82 33190 99 231 89 401 580 853 922 7 2 3 4 083 210 348 456 570 84 [1000] 848 85 978 3 5020 140 251 [500] 463 676 86 745 [1000] 833 42 929 36412 563 [5001 37026 104 [ 500] 298 452 64 560 98 792 3 8390 443 [5001 716 864 [1000] 67 [500] 39263 -63 tl0004O151 ^2226447G97 41007 72 612 55 812 9'9 42090 116 869 78 501 20 41 737 848 998 [1Q000] 43)46 ^1000] 225 625 948 63 78 44008 26 250 406 757 994 40078 82 441 612 764 850 922 4 6031 192 301 486 514 69 82 840 8. 91 [jOO] 951 47124 81 225 47 [1000] 317 65 537 7 56 63 [1000] 849 48*25 46 311 406 563 715 89 872 49170 237 619 839 957 5006* 113 227 484 533 |500] 685 983 5 1 026 256 337 11000] S)9 584 [ 500 ] 821 5 2092 200 344 [3000] 598_9ü0 55 53109 883 442 513 20 49 777 [1000] 895 [1000] *>^011 300 419 6 5005 117 574 87 [500] 604 725 809 56060 123 73 325 95 490 542 637 [ 500] 68 764 820 90 t 57136 [ 3000] 73, [jWl 675 488 [1000] 637 828 81 966 [3000] 5 8034 88 97 116 78 “Zäst iMäw:-«» 63»; g, 1^1 » l””66m 206 [1000 ] 318 650 856 94 67153 61 [5000] 208 489 615 [1000] 744 60 76 810 74 83 !'O6 68000 39lll1000], 205 330 74 698 604 20 727 83 951 69060 201 [1000] 343 4-7 43 ™ 712 15001 47 971 7 0015 185 83 297 841 434 44 40 627 408 72'66 914 [5001 CO 69 7 3042 836 430 6^2 958 74039 527 623 '2000] 82 98 833 7 5282 508 ^1 633 37 770 816 979 76’54 84 314 20 639 62 923 M '7'TilA l'SOOl 256 62 [1000] 875 414 573 707 [500] 975 78294 354 [500] 98 587 748 77 815 63 77 7 9131 427 506 11 S 245 [10001 856 417 37 86 [3000] 666 72 R-, qi o-T’ 317 72 449 | 500] 531 53 795 805 10 93- 8213. ■ M « «>» »■ 84M2 61 206 45 [3000 ] 401 9 1 511 43 7 8 722 922 8 55.3 ®a.q 7i 79 86028 90 267 [1000] 329 707 46 941 87 185 88U3 307 3« SU » 89«. 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November, mlttage. Ui» 2311 J18 stau Gießener Eisverein und Kindern D”/h 5RRR Sämtliche Vchntckn i. V.: W. Dillmann. 08753 nu» D»/u ■t Normal-Hemden Hosen- Jacken Hosenträger Strümpfe A. Waag SeltersiDeg 60. tefn zur Konsekt- und Kuchen-Bäckerei bester Veschasfeicheit. . Adler-Drofterie, Seltersweq 39 Otto Schaaf. 7068 Schellfische allorfcinste Nordseefloche lebendfrisch zu billiirstemTatres- preis empfiehlt (6971 Georg Wallenfels Marktplatz 21 Telephon 46 gegenüber der Engel-Apotheke. Postpaket-Adressen mit Zirma itri btnigft vrühl'sche UntversltatZ-Druckerei. Sieben I Danksagung. Wir sind tiefbewegt von der grossen nnd herzlichen Teilnahme, die uns bei dem Heimgang nneres lieben Gretchens von nah und fern bezeugt worden ist. Es ist uns sehr wohltuend gewesen, zu erfahren, wie viel Liebe unserer Tochter in der Heimat bewahrt worden ist, und wie teilnehmend auch unseres vereinsamten Schwiegersohnes in der Ferne gedacht wird. So gerne möchten wir jedem Einzelnen die Hand reichen und ihm danken. Aber es sind deren zu viele, als dass wir es auch nur schriftlich vermöchten. Wir bitten daher, es freundlich annehmen zu wollen, wenn wir auch im Namen unseres Schwiegersohnes, Dr. Winkler in Pearadja, auf diesem Wege unseren innigen Dank aussprechen. Giessen, den 28. November 1906. D. Georg Schlosser nebst Frau Warnung vor Kurpfuschern und Geheim- mittelu. Ein angeblicher Prof. G. Keith-Harwey in Lon- don erbietet sich durch Zeitungsankündigungen zur HeilungI von Schwerhörigkeit unter Anwendung seiner „elektrischen Gehörbatterie". Dieser Heilapparat ist nach sachverständigem Gutachten wirkungslos; die nicht unbeträchtlichen Kosten der Anschaffung dieses Apparats (30 Mark) würden also vergeblich aufgewendet werden. Der Ortsgesundheitsrat zu Karlsruhe hat durch Bekanntmachung vom 18. August l. Jrs. vor diesem Unternehmen öffeiltlich gewarnt; es ist auch von mehreren anderen Polizeibehörden, sowie von der Fachpresse öffentlich gewarnt worden. Da es nicht ausqeschloffen ist, daß auch hiesige Einwohner infolge der Reklame des „Prof. Keith-Harwcy mit diesem in Verbindung getreten sind, sehen wir uns veranlaßt, die Warnung des Ortsgesundheitsrats Karlsruhe nachstehend wiederholt zur Kenntnis zu bringen. Dieselbe lautet: „In Nr. 303 der „Badischen Presse" vom 3. Juni d. Jrs. ist unter der Ucberschrift: „Schwerhörigkeit" ein Inserat erschienen, in dem das System des Engländers Professor .K?ith-Harwey zur Heiluyg der Schwerhörigkeit empfohlen und auf ein „Buch" dieses „Spezialisten" verwiesen wird, das kostenlos erhältlich sei. Das angebliche „Buch" ist ein kleines Schriftchen, in dem für die elektrische Gehörbatterie des Professors Kcith- Harwey Reklame gemacht wird. Diese Batterie soll durch Zuleitung eines „milden galvanischen Stromes" an die geschwächten oder gelähmten Muskeln des inneren Ohres schmerzlos Taubheit und Schwerhörigkeit beseitigen. Es liegt hier ein grober Schwindel vor. Es ist selbstverständlich, daß eine elektrische Gehörbatterie, selbst wenn sie wirklich funktionieren sollte, gegen Gehörleiden wirkungslos ist. Wie gewissenlos diese Ausbeutung der leidenden Menschheit betrieben wird, ergibt sich daraus, daß auf eine eingesandte genaue Diagnose eine einschließlich Unterschrift gedruckte Anweisung über die Behandlung des Leidens dem Patienten zugesandt wird, obwohl der angebliche Professor Keith-Harwey zuvor versichert, er werde nach Erhalt des ausgesüllten Diagnosezettels der Behandlung des Patienten seine größte Aufmerksamkeit zuwenden. Wir warnen vor diesem lediglich auf Ausbeutung Leichtgläubiger hinauslaufenden Schwindel. Gießen, den 17. November 1906. Großh. Polizei amt Gießen. Derberg. 5000 Mhren gratis! Behuf» R'Name für unsere übten und SJe breltunn unsere» reich tllustrterten Katalogs kann jever Leier dieses Blatte» eine hodjfrtnr pnnontolr-Auker-ystr . für flrrrtn ober flamen pratte erhalten. I Senden Sie Ah e Adresse nntrr Beifügung von 30 psg. in Briefmarten für «Porto und Spesen an da» Exporthaus,, Delta“in Lugano (Schweiz). Briefe nach der Schweiz kosten 20 Bfö. t Diejenigen unserer Mitglieder, welche die Ouittungen beim Umgänge des Dieners nicht in Empfang genommen haben, können dieselben bis zum 1. Dezember einschließlich bei Herrn Ernst Balser, MäuS- burg, abholen lassen. Wer seine Quittung bis dahin nicht cinlöst, gilt als ausgetreten. Die Eröffnung der Eisbahn wird an den Plakattafeln, Säulen und Omnibussen durch Plakate bekannt gegeben. Die Eisbahn wird geöffnet sein von früh 11 bis abends 7x/9 Uhr (an Konzert- und Eisfesttagen bleibt dieselbe von 1—2 Uhr geschlossen) und täglich abends elektrisch beleuchtet sein. Ein Zuschlag für die Beleuchtung wird nicht erhoben. Nichtmitglieder zahlen für einmaligen Eintritt 20 Pfg. Jahresbeitrag Mk. 2.—, Eintrittsgeld Mk. 1.—. Gießen, den 27. Nlovember 1906. v?7/lt Der Vorsitzende. Anmeldungen als Mitglied können auch an oben be- zeichneter Stelle erfolgen. Mrtschasts-Eröffnung. Der verchrl. Einwohnerschaft von Lollar zu gefl. Kenntnis, daß ich am 1. Dezember ds. IS. die frühere Wirtschaft m d-r Billa Funke wieder eröffnen werde. Zum AuSschank gelangen la. Biere, Weine und Liköre. Warme und kalte Speisen zu jeder Zeit. Um zahlreichen Zuspruch bittet Der Besitzer:- BCar3 FunBte 566 688 856 249 575 443 155 415 19. Ziehung 5.Kl. 21S.Kgl. Preuss. Lotterte. Zicbang vom 28. November 1906, nachmittags. Hur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigeftlgt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 165 441 615 719 800 [3000] 912 1 065 83 [500] 263 86 515 37 [8000] 670 2273 303 20 632 3085 677 712 804 4245 [1000] 474 755 803 5022 [1000] 264 72 78 373 42/ 62 63 555 93 663 6004 86 [1000] 119 [3000] 49 851 481 524 646 63 96 [500] 714 65 839 81 964 7048 [500] 100 11000] 69 7 7 422 548 743 72 98 931 8146 [3000] 262 380 444 553 736 871 96 0255 325 81 618 952 10197 238 80 524 [5000] 28 761 73 800 38 964 11087 318 702 898 1 2117 35 201 43 970 97 13051 172 505 [ 500] 24 862 14018 91 117 84 408 549 650 739 908 [500] 15039 99 105 [ 500] 413 636 87 87 802 [1000] 59 1 6648 68 765 847 1 7060 365 [1000] 551 694 724 82 84 [1000] 837 75 81 974 18003 280 356 532 651 78 680 43 923 32 [3000] 1153 346 2O060 128 [500] 281 663 749 2 1 265 96 768 865 936 82 85 01 2 2710 871 908 2 3 288 837 583 823 [500] 24243 85 457 84 693 765 850 2 5007 21 [3000] 61 196 229 45 426 60 [500] M 536 652 757 807 11 62 947 76 2 6012 71 829 916 2 7254 406 620 50 56 [1000] 622 92 786 814 2 8403 600 769 843 58 951 [3000] 84 [3000] 95 2 0021 80 186 720 [500] 827 62 3 O290 618 64 623 702 929 31015 40 [500] 76 268 384 632 49 657 94 827 904 32066 185 549 65 642 91 714 872 949 3 3109 268 439 697 967 [500 ] 3 4000 8 28 180 277 607 638 749 845 [ 500] 911 35016 107 227 400 1 604 47 898 975 [ 500] 36087 533 634 38 782 3 7050 [500] 131 251 328 403 650 737 76 914 34 38153 860 519 661 936 91 30135 89 221 [3000] 536 42 81 632 [ 3000] 778 [500] Ao R„. 4 0253 69 98 377 449 52 518 85 t 903 41618 705 823 910 42118 246 314 79 430 39 535 611 43ud3 84 119 876 488 4 4011 108 394 524 89 631 756 M 933 i6 45007 110 56 215 626 710 [1000] 951 [500] 46425 704 660 470.4 [500] 119 33 693 924 4 8016 116 51 334 47 558 C-65 876 975 85 40161 97 296 [1000] 343 (500] 63 490 692 977 5 0359 446 622 [500] 833 51040 [500] 127 84 308 47 429 014 52571 [500 ] 653 831 84 950 53 73 [500] 53300 11 481 535 [500] 743 809 88 5 4218 551 '07 [500] 9 [10 1000] 40 110363 80 618 858 974 85 [3C9C] 111012 1 500] 175 333 97 [ 3000] 527 750 9S5 11203" 07 110 203 399 707 18 82 113300 553 663 70 765 937 lllOi'-T 150 273 [500] 03 96 534 7 7 689 [1000] 827 983 00 115074 161 28’ 761 116115 36 298 496 677 96 784 1 1754« 78 «09 854 91)0 30 [1000] 87 88 118067 302 20 504 SCO 910 110341 729 833 937 46 ")12O0G7 297 538 606 773 258 940 121206. 430 46 543 880 1 2 2 214 329 415 24 8» 629 3« ?r. 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Solostücke für Klavier: a) Praeludium in D-moll op. 28 No. 24 ...... . b) Intermezzo in E-moll op. 119 No. 2 \ c) Rhapsodie in G-moll op. 79 No. 2 / •••••*• d) Walzer in As-dur op. 42 3. Sonate in A-dur für Violoncell und Pianoforte ..... 4. Carnaval op. 9 für Klavier............. 5. Solostücke für Violoncell mit Begleitung des Pianoforte: a) Abendlied op. 85 No. 12 b) Le cygne c) Spinnlied . ................ Fr. Chopin J. Brahms Fr. Chopin L. Boccherini R. Schumann R. Schumann St. Säens D. Popper PinfrifHarfpn "*"■ ^atz Mk- 4.—, n. Platz Mk. 3.50, m. Platz Mk. 2.50, unnummeriert Mk. 2.—, Lllill llluhäl teil Studeutenkarten Mk. 1.— sind in der Musikalienhandlung des Herrn Ernst Challier (Rudolphs Nacht), für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Bitter und abends an der Kasse zu haben. Oeffnung des Saales 41/, Uhr. rM/u Gültigkeit haben blaue, rote und rot-weisse Karten, ungültig sind gelbe Karten. Das vierte Konzert (Erster Kammermusik-Abend) findet am 16. Dezember statt = Tnchstoffe = für Herren- und JDaxnen-Hleider la. deutsche und englische Waren in alten Preislagen. Neuheiten in farbigen nnd weissen Westenstoffen Eine grosse Partie Rester passend zu Herren-u. Knaben-Anzügen, Preislage: 3,4,5, 6,7,8, Mk. ===== zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen. ====== Loms Treff & Co, Tuchhandlung gegr. 1827 Wall Lors trasse Nr. 17 a’7u Gebrüder Berdux Bahnhosfiraße 27 Lindenplatz 12 V- IIIHIltllllllllllllllHmilllllllllllllHUIII 7107 Frische Fische Allttfciiißeil Nordseeschellstsch ß. Bratfisch, UlcWen Ltablian Auf Kredit und gegen Bar Möbel, Betten Herren-, Damen- 0. Kinder Konfektion Spielend leichte Abzahlung Schollen in hervorragender Qualität empfehlen Neuheiten m Brandmalerei und Schuittknnst. Dar ®eigen und Polieren der Gegenstände wird billigst berechnet. Breun» apparate, Schnitz- messer, sowie alle Gebrauchsartikel in großer Auswahl. C. Zimmermann Cchreinerin elfter 15 Dienen Baue 15 Polster- u. Ta-czierarbtitei fertigt billig A. 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