Samstag 81. März 1906 156. Jahrgang Erstes Blatt Vezugvpreili monatlich 7b PI., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post 'HL 2.— viertel- jäbrL ausfchl. Besleüq. Tlnnehme von Anzeige» für die TageSnuminer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenvrets: lokal 12’BL, auswärts 20 Pig. Verantwortlich den pottL und aQaem. Teil: P. W'tilo: Khe .Stadt und Vanb* unb ,6;erichtsiaal^- Ernst Heß. hir den An- üCioenteil: £>anfl Deck, dem Landgericht Essen gegen sich und cmdere Teilhaber an einem Zeitungsuntcrnehtnen verzichten zu dürfen. — Tie „Germania" bemerkt zur heutigen Reichstagsabstimmung: Was nun bei der dritten Lesung aus der Etatsposition „Staatssekretär" für bad selbständige Reichs- tolonialamt werden wird, muß dahingestellt bleiben. Gewöhnlich werden ja in der dritten Beratung des Etats die Beschlüsse zweiter Lesung au frech ter halten, aber eS könnte auch einmal anders kommen. — Die diesjährige Maifeier wird von den Berliner Sozialdemokraten in umfassender Form begangen werden. Es soll die v o l l p ä n d i g e A r b e i t s r u h e durch, geführt werden. Durch Branchenversamnilungen wird eine; strenge Kvntrolle darüber ausgeübt, ob sich auch sämtliche organisierten Arbeiter an den TemonstrationSversamm- hingen beteiligen. Iserlohn, 30. März. Für den verstorbenen Reichst tagsabgeordneten Justizrat Lenzmann ist von den Freu- innigen Tr. Langer Hans- Berlin für den Wahlkreis Altena-Iserlohn in Aussicht genommen. Tr. LcrngerhanH hat diesen Wahlkreis von 1881 bis 1893 vertreten. Kaiserslautern, 30. März. Bei der heutigen Reichs tags ersah wähl hat Schmidt (Kandidat der vereinigten Temokraten und Liberalen) über Element (Soz.) mit 12 057 Stimmen gesiegt. Element erhielt nur 9527 Stimmen. (Bet der Hauptwahl am 21. März erhielten: Schmidt 7557 Stimmen, Element 7547 Stimmen, Tr. Rösicke (Bund der Landwirte) 6596 Stimmen unb Pfr. Kemps (Zentr.) 3587 Stimmen. Für die Stichwahl hatte Tr. Rösicke zur Wahl Schmidts aufgesordert, ivährend daK Zentrum Wahleuthattung proklamierte.) Kerettrte von go unteres! Wir erhielten gestern in den ersten NachmittagSstund«, folgendes Telegramm: Lens, 30. März (2.25 nachm.). Aus Schacht 2 der Gruben von Courrisres wurden 14 Bergleute lebend zu Ta^e gefördert. Die Geretteten sind wohl, nur einer ist kraul. Ganz unerwartet ist diese freudige Botjchafl gekommen. Am 10. d. Mts. haben weit über tausend französische Bergleute in den Kohlengruben ihren Tod gefunden. Nun sind gestern 14 (nach sämtlichen späteren Meldungen indes nur 13) totgcglaubte Arbeüer aus der Tiefe lebend heroor- geholt worben an das Licht deL TageL. Zwanzig Tage lang harrten sie der Rettung, zwanzig'Tage lang warteten sie, ein grauenvolles Ende vor Singen, bis man sie auffand und emportrug zu den Ihren, die den Tod ihrer Ernährer schon beweint hatten. — Es liegen heute folgende ausführliche Meldungen vor: Als die Bergarbeiter, die man mit großer Sorgfalt auf Stroh gebettet hatte, ans Tageslicht kamen, fliegen sie mühsam, aber ohne Beihilfe ans. Bon dem Licht geblendet, hielten sie die Hand vor die Augen. Direktor Lavout und seine Mitarbeiten waren auf das T i e f st e b e w e g t, w e i n t e n und entblößten beim Anblick derGerettetenihr Haupt. Indem Schacht Sallaumines wurde ein lebendes Pferd aufgefundeu. Am Mittag wurden mehrere Leichname heraufbefördert, welche ganz mumifiziert aussahen. Ein Arzt behauptete, daß der Tod bei diesen erst nach ca. 20 Stunden eingetreten sein dürfte. Ein Augenzeuge erzählt: Heute früh waren^Mannschasten eingefahren, um einen verschütteten Stollen in Schacht 2 frei-- zulegen und einen Weg zum Schacht 3 zu bahnen. Plötzlich stürzte ein Arbeiter wie toll herbei und ries dem diensthabenden Ingenieur zitternd und mit verstörtem Blick zu: „Unten im Jahr-^chaM sind 13 lebende Leichname, die herauskommell wollen!" „Lebende Leichname?" fragte verwundert der Ingenieur, „was heißt das?" „Ja, lebende Menschen, die der Katastrophe entronnen sind!", antwortete der Bergmann. Der Ingenieur und die Arbeiter stürzten zum Schachteingang. Bald darauf erschien der Aufzug, welck^em 13 Leute entgegen, bu? wahren Schatten aus der Unterwelt glichen.- Emer der Geretteten, es war der Heuer Nemy, lachte in unheimlicher Werse, daß es uns kalt über den Rücken lief. Man reichte den Geretteten zunächst löffelweise Kaffee und Milch, die sie aber nur mühsam zu sich nehmen konnten. Alles will die Geretteten sehen und drangt mit dem Wunsch an der Pflege mithelfen zu wollen, in die Lazaretträume, aber die Aerzte weisen jeden zurück, der nicht zu dem ständigen Pslege- personal gehört. Nur Angehörigen wird von den Gendarmen her Zutritt gestattet, doch wird ihnen empfohlen, mü den Geretteten nicht zu vrel zu sprechen. Der Führer der lebend aufgerunbenen Bergleute ist der 33 Jahre alte Henry Nemy, der einen ganz klaren Eindruck machte. Er verlangte sofort, seinen Bater, einen ehemaligen Bergmann, sowie seine Frau zu sehen. Direktor Lavout bat ibn, sich zu schonen unb wollte ihm Schweigen auferlegen. Nemy antwortete jedoch: „Ick hoffe, daß Sie mich nach Hause gehen lassen werden. Mir geht es ganz gut. Sie sehen, Herr Tirektor, daß ich Sie erkannt habe. Ich habe mein Gedächtnis nicht verloren." . , - „ . Bericksterstatter hatten im K'rankenhauie eine llnt erreb* u ng mit Nemy der folgendes erzählte: Am, Tage d« Explosion schleppte ich mich in die Gegend des Schachtes 6, da ich Schuh gegen die Stickgase und einen Ausgang aus dieser Halle suchte. Ich erinnere mich, über einen Haufen von etwa 50 Leichen hinweggeschritten zu sein. Bald langte ich am höchsten Punkte der Galerie an. Ich hörte Stimmen und ging m der Richtung derselben weiter. Ich fand die Kameraden, mit denen ich heute gerettet worden bin. Sie hatten sich in einen weiten Gang geflüchtet. Als ick sie anries, antworteten sie: Du kommst, uns zu retten. Ich erwiderte: Leider nicht, ich bin wie ihr gefangen. Wir blieben acht Tage in diesem ^eitengange, einer dicht neben dem anderen hockend. Unsere Lebensmittel waren erschöpft, und wir begannen, die Rinde der Stützbalken zu essen. Ich sagte zu meinen Kameraden: Wir müssen aus bieier Sackgasse heraus. Mühsam tasteten wir uns durch die finsteren Gänge und riefen uns unausgesetzt dabei an, um einander nicht zu verlieren. Eines Abends kamen wir zu einem Pserdestall. Wir sanden Hafer, und Rüben in den Krippen und lebten zweiTage davon. Dann fanden wü den Leichnam eines Pferdes, der vollständig Eichener Anzeiger General-Anzeiger v Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Nr. 77 tÄffie au frei Somuaas. Dem ©»ebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessische,, Landwirt die Gießener Kamillen« blätter viermal in der Woche bei gelegt Rotationsdruck u. Vertag bei Brühl 'scheu Unwers.-Buch-u. Ttem- bnirferel R. Bangt. Redaktion, Lroedicko» unb Druckerei: ed>af ftrafee 7. Redaktion e=^ H8 Verlag u.Epved.e^Obl Adrette Hir Develchen: «nzetger ttiefjen. Man glaubt, daß er aus gesundheitlichen Rücksichten überhaupt nicht wieder nach Deutsch-Ostafrika zurückkchren und Verwendung im diplomatischen Dienste als Gesandter finben wird. Auch der Gouverneur von Samoa, Tr. Sols, der sich jetzt aus Urlaub in Berlin befindet, soll, fo heißt etz neuerdings, im Lande bleiben. Vermutlich wird sein jetziger Vertreter, Legationsrat Schnee, feinen Posten erhalten. Er selbst könnte Verwendung im Kolonialamt als Vortragender Rat für die Besitzungen in der Südfee finden. Für Kamerun endlich sieht man in dem Legationsrat Dr. Seitz eine geeignete Persönlichkeit, um als Nachfolger Puttkamers, der nicht wieder dorthin zurückkehren ivlrd und bis zur völligen Klarstellung in der Untersuchung hier verbleibt, im guten Sinne zu wirken. Die Gerichte und Schulen vor dem prcusj. Herrenhaus. Berlin, 30. März. Oberbürgermeister Adickes-Frankfiirt bespricht die im Reiche geplanten Justizrefvrmen. , , L Oberlandesgerichtspräsident a. D. Tr. Hamm bemerkt, das Vertrauen zur Rechtspflege sei höchstens bei den Sozialdemokraten verloren. Unzutreffend sei die Del-auptuug, daß die englischen Richter besser seien, als die unfriacn. Eine Klassenjustiz gebe es nicht. Redner wünscht die Mitarbeit der Arbeiter bei den Schöffengerichten. Justizminister Dr. Befeier erklärt, daß daS Recht sich in England aus Verhältnisten entwickelt habe, die ganz anders geartet seien, als die deutschen. Tie deutsche Gerichisvrganisation von 1879 habe nichts Vollendetes geschaffen, aber das habe auch niemand erwartet. Er erkenne an, daß Verbesserungen vielfach erwünscht seien, ein Programm könne er aber heute noch nickst entwickeln. Im übrigen gehörten diese Fragen in den Reichstag. Er bestreite, daß bad Ansehen der preußischen Minister gesunken sei. . Beim Kultusetat wiederholt Graf Kospoth feine im vorigen Jahre vorgebrachtcn Beschiverden darüber, daß auf den schlesiscl-cn Gymnasien mehr verlangt werde, als anderswo. Aus schlesisclzen Gymnasien blieben 25—30 Prozent der Schüler sitzen. Tas Semester muffe nach den großen Ferien beginnen und Weihnachten enden. — Graf York bittet, die Bersuckw mit dem Reform-Gymnasium nicht zu weit auszudehnen. Gegen Materialismus unb Radilalismus gebe eine naturwissenschaftliche Bildung keinen Halt. — Kultusminister Dr. Studt erwidert, daß die Reform des höheren Unterrichtswesens von 1900 im allgemeinen günstig gewirkt habe. — Geh. Rat Reinhardt führt aus, daß es sich bei den Reformgymnasien nur um einen Versuch handle. — Knrdinalfürstbisckwf Dr. Kopp spricht sich nicht gegen die Reformgyl-masien an5, stimmt aber auch in den Warnungsruf ein, an der Grundlage der humanistischen Gymnasien nicht ju rütteln. An die lwhere Mädchen- schule müffe sich eine Bildungsstufe anschließen, damit sich einzelne Mädchen für bestimmte Berufe besser vorbereiten können. — Prof. Hillebrand-Breslau entgegnet dem Grafen Kospoth, daß es auch Leute gebe, die über die zu geringen Anforderungen der schlesischen Gymnasien klagen. — Oberbürgermeister Dr. Wilms-Posen empfiehlt eine stärkere Pflege der körperlichen Hebungen in der Schule. — Minister Dr. e-tubt erklärt, daß er die Anregungen bei der Reform des höheren Mädchenschulwesens beherzigen werde. Das Nebcneinanderbestehen verschiedener Jormen berge die Gefahr in sich, daß neue Beunruhigung ein- trete. — Prof. Dr. Küster-Marburg wünsckst eine Erhöhung des Fonds für Bibliotheken. — Prof. Lüning- Halle ist der Ansicht, daß es einer geforderten Profcffsur für Kvlonialrecht nicht bedürfe. — Nachdem Geheimrat Elster noch bemerkt hat, daß für Berlin bereits eine besondere Remuneration für einen Vertreter des Kvlonialrechts ausgeworfen sei unb sich hieraus vielleicht eine Professur entwickele, wurde die Weiterberatung aus morgen vertagt. Deutsches Reich. Berlin, 30. März. Nach Meldungen aus Kopenhagen verlautet, Kaiser Wilhelm habe mitgeteilt, er beab.- sichtige, diesen Sommer auf seiner'Fahrt nach Norwegen Kopenhagen zu besuchen. — Ter Kaiser dinierte beute bei dem Justizminister Beseler. Morgen reist der Kaiser nach Wernigerode. — Ter Kaiser hat das in Aussicht genommene Projekt für den Opernhausneubau abgelehnt, nachdem er gestern die Pläne besichtigt hat. — Wie die „Soz. Praxis" hört, hat Fürst Bülow von den zuständigen Stellen Bericht über die gesetzgeberischen Vorarbeiten für eine Regelung der Hausindustrie eingefordert und daraufhin Erörterungen eingelcitet, um die Mittel zur Bekämpfung der Mißstände festzustetlen. Tas Reichsamt des Innern hat von der Leitung der Heimarbeiterausstellung das Urmoterial der im Katalog verarbeiteten Auskunftsbogen erbeten. Diesem Wunsch ist willfahrt worden. Nach den Informationen der „Soz. Praxis" besteht nicht die Absicht, vor einem gesetzgeberischen Vorgehen noch erst, wie der Antrag der beiden Volksparteien will, eine allgemeine Erhebung über die Hausindustrie zu veranstalten. Enqueten auf einzelnen Gebieten mögen sich später als notwendig erweisen. — An den Reichskanzler und den preußischen Landwirtschaftsminister hat der Vorstand des Deutschen Fleifchervcrbandcs, wie die „Allg. Fleischer-Ztg." meldet, soeben eine Petition gerichtet, in welcher angesichts der bevorstehenden Verhandlungen über den Abschluß eines Handelsvertrages mit den Vereinigten Staaten von Amerika gebeten wird, in dem abzuschließenden Vertrag unter allen Umständen eine Abschwächung der Bestimmungen des R e i ch s s l e i s ch b e s ch a u g e s e tz e s oder eine Bindung au den gegenwärtigen Zustand oder endlich eine weitere Reduktion der Zölle für Fleisch und tierische Fette zu verhindern. — Tie Abgg. v. Norm ann (kons.) imb Genossen beantragen zum Militäretat, die Zulage sämtlichen 195 ältesten Oberleutnants der Armee zu gewähren, nicht nur denen der Infanterie. — Tie Gesa)aiisoronungskommission des Reichstage^ gab nach kurzer Verhandlung heute dem Antrag des Abg. Fußangel (Ztr.) statt auf seine Immunität in dem bei e heutige Wummer umfaßt 20 Seiten. Aus dim Keichsrag. R. Berlin, 30. Mär^. TeutschlanN ist um einen Staatssekretär reicher: 6aS Reichskolonialamt wurde Ijeute für den Prinzen Hohenlohe bewilligt mit 127 gegen, 110 Stimmen bei 12 Stimmenthaltungen. Grog ist die Mehrheit freilich nicht, aber Fürst Bülow kann doch einen Erfolg verzeichnen, weil sich der gesamte Liberalismus auf seine Seite stellte, wodurch das diesmal unentwegt oppositionelle Zentrum mattgesetzt wurde.. Die neue Aera in der Kolonialpolitik ist also jetzt auch äußerlich gekennzeichnet durch eine großzügige Verivaltungsreform. Möge ein glücklicher Stern über dem neuen Reichsamt leuchten! Fürst Bülow erschien heute nicht im Sitzungssaal, das Ergebnis der Abstimmung ist ihm aber zweifellos sofort mitgeteilt worden. Tie stattliche Versammlung im Parkett schmolz zusammen, als die Debatte über den zioeiten Gegenstand der Tagesordnung, den Militäretat, eröffnet wurde. Als erster Generalkritiker des Militärwesens trat diesmal Abg. Tr. Müller-Meiningen (Frs. Vp.) auf, mit einer trefflichen Begründung der volksparteilichen Resolution au] Besserung des Beschwerderechts der Soldaten, das in seiner gegenwärtigen Gestalt als „Hohn" erscheine auf die Gerechtigkeit und auf die Bestrebungen zur Abstellung der Solbateurnißhandlungen Wenn es soweit gekommen sei, daß Soldaten dräute die militärischen Vorgesetzten auf die in den Kompagnien vorkommenden Mißhandlungen aufmerksam machen müßten, dann sei die Unhaltbar leit des bestehenden Beschwerderechts eklatant erwiesen. El-e der preußische Kriegsminister v. Einem auf die Mißhandlungsfrage einging, mußte er, ober vielmehr der Reichskanzler durch den Mund des Kriegsministers, dem Abg. Tr. Späh« Rede stehen in Sachen des Duells. Die Januarerklärung des Fürsten Bülow hat nach Dr. Spahns Darstellung so ungeheures Auffehen erregt, daß der Kanzler zu einer nochmaligen, erfreulicheren jkuudgebung verpflichtet sei. Er ließ denn auch heute durch den General v. Einem eine „Erläuterung" verlesen, um einer mißverständlichen Beurteilung seiner Stellung zum Duell entgegenzuwirken. Man hörte schöne Worte über ernstlich an- □efttebte Ziel, den Zweikampf im Ofsizierkorps zu unterdrücken; das Zentrum schien aber keineswegs befriedigt und wird wohl kaum mit dem analer sich in der Meinung zusammen finden, daß von einem „Tuell-Unwesen" nicht mehr gesprochen werden könne. Genau so optimistisch urteilte General v. Einem über das Beschwerderecht der Soldaten. 'Tas System sei nicht verwerflich, denn die Armee sei schließlich kein Mädchen Pensionat. Die Soldaten sollten nur mehr Vertrauen Haden zu ihren Vorgesetzten und diesen ihre diöte rückhaltlos offenbaren. Beifall aber erzielte der Minister bei' den ehemaligen Offizieren der Rechten, als er die verwildernde Sprach einer gewißen Presse für Brutalitäten in den Kasernen mitverantwortlich machte. Jetzt erst kam, Bebel an die Reihe. Er überraschte das Haus mit der Eröffnung, die Sozialdemokratie würde dem Militarismus viel freundlicher gegenüberslehen, wenn Scharnhorsts System in der Armee in Geltung wäre. Toch dieser müffe sich ja im Grabe unidrehen schon wegen der heutigen Garderegimentcr, des Parademarsches gar nicht zu gedenken. Es folgte die Anfrage, was es mit dem vielgenannten 10 Milli onen-FondS für hilfsbedürftige Offiziere und in Anlehnung hieran mit den AdelsVerleihungen an Herren von der Hochfinanz auf sich habe. Für keineswegs befriedigt erklärte sich Bebel durch die Erklärung des Kriegsministers zum Fall des württembergischen Offiziers, der, obwohl wegen Mißhandlung bestraft, inS preußische Kontingent aufgenommen wurde. An die lange Rede iverden sich interessante Auseinandersetzungen knüpfen, denn Bebel forderte den Kriegsminister u. a. auf, der Sozialreform die Gasse bahnen zu helfen im Interesse der physischen Wiedergeburt besopders der städtischen und industr,eilen Bevölkerung. Kein Minister sei an der Vervollkommnung der allgemeinen LebenSbcdingungen so inter- efficrt, wie der, dem die Verantwortung für die Landesverteidigung anyertraut sei. General v. Einem nickte hier ivieder- holten Beifall. politische Lagesscha«. Periovalfragen im Holonintamt. Aus wohlunterrichteten Kolonialkreisen teilt man mit, daß die Angaben eines Zentrumsblattes, wonach in der Kolonialabteilung eine Opposition gegen die Uebemahme des Staatssekretärpostens durch den Erbprinzen zu Hohenlohe bestände, in keiner Weise gerechtfertigt sind. Man ist sich vielmehr völlig einig darüber, daß der Erbprinz gerade für diese Stellung die geeignetste Persönlichkeit ist, die den viel» fach hervorgetretcneu Mißständen in Kolonialangelegenheiten in unbefangener und gerechter Weise gegenübertreten kann, und die dem Ansehen des Kolonialamtes, dem bic_ letzten Vorgänge nicht gerade förderlich waren, auch nach außen hin zugute kommen wird. Für den Direktoiposten in der neuen Bebörde kommt der Abg. Prof. Dr. Paasche, der eine Aufsichtsratsstelle bei der 9lationalbant angenommen hat, keinesfalls in Betracht. Graf Goetzen, der den erbetenen Urlaub erhalten hat, wird vermutlich diesen Posten, falls er ihm angeboten werden würde, auch nicht annehmen. tn ftanfni? übcrgcgangen war. So atzen wir abwechselnd dieses Pferdefleisch und Holzrinde. Da sind noch die Zieste unserer letzten Mahlzeit". Bei diesen Worten öffnete Nemy eine Holzfchnckiä, in ludrhcr ein Stück des Pferdefleisches lag, das einen furchtbaren Geruch ausströnttc, iowie ein bitzchen Haser und Holzfasern. „Ms Getränk batten wir Wasser, welches ans einer Röhre träufelte, und welches wir mit unsere m Harne mischte n. In den letzten Tagen, als wir schon den Tod herannahen fübltei», ragte ich zu meinen Kameraden, das; wir einzeln, ohne uns jedoch vollständig zu trennen, die Galerie durchforschen müßten. Bari der frischen Lust angelockt, gelangten wir bis zu einer Höl?? von 300 Metern und dann zu dem Einsturz am Schachteingang Nr. 2. I-ch'babe mich immer bemüht, meine Kameraden zu ermutigen und zu trösten. Ich fcclyielt immer den Kopf oben und vergast nicht einmal, meine Uhr anfzuzichen. Einige der Geretteten hatten jede Vorstellung von der Zeit verloren, die sie in dem Schiebt zngcbrackt hatten. Einige glaubten, das; seit der K a t a st r v p h e erst 48 Stunden vergangen feien. Ein Feuerwehrmann behauptet, daß man der französischen und deutschen Nettrnwsmannsck^aft niemals gesagt habe, andere Galerien zu durchforschen, als diejenigen, in welchen die Feuersbrunst herrschte Als Frau Nemh an das 23ett ihres Gatten geleitet wurde, sagte dieser auf ihr schwarzes Kleid zeigend: „Für wen trägst Du denn Trauer?" Dr. Lourties, der die (Geretteten untersuchte, sagt, die ärztlichen Bemühungen seien zunächst darauf gerichtet, bei diesen Geretteten beit Nusbrnch eines Fiebers zu verhüten, denn in ihrem Körper seien von der infektiösen verdorbenen Nahrung l>er Ptomaine in Menge vorhanden, er hoffe jedoch, alle retten zu können. Die Verwandten der Geretteten durften diese noch nicht, wie sie wünschen, zu Hause pflegen. Manche sino überzeugt, dast noch mehr Ueberlcbendc gefunden toetben. Professor Bronardel und andere Aerzte erklärten, dieser Fall sei in der Tat einzig. Die. Lungen der Bergleute Jeien wähl gewöhnt, schlechte Lust atmen zu können, aber die Luft tei zweifellos durch einen Spalt im Gauge erneuert worden. Das sei die einzige Erklärung dafür, bal- die Bergleute nicht zu Grunde gegangen seien. Unter den Frauen der Bergleute herrscht große Erregung: sie stoßen Beschimpfungen und Drohungen gegen die Direktoren und Ingenieure ans und rufen: „Man hätte uns hinabsteigen lassen sollen! Wir h ä 11 e n^n n s e r e Männer undSöhne gerettet!" Es sind grvste Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, da man cmfte Unruhen befürchtet. „La Patrie" erhebt g^gen die Streikagitatoren die Anklage, dast sie die Bergleute noch gestern daran verhindert haben, in den Schacht h i n a b z u st e i g e n , um an den Rettungsarbeiten teilzunehmen. Die Ingenieure erklären, man h'be die Ueberlebenden nickt eher aesunden, weil die zuerst durch den kürzesten Weg, den Iosephinengang verjuchte Rettung bnrrh den Brand abgesckmitten wurde, den man bekämpfen nutzte, und weil die später versuchte Rettung auf dem llmlvcg durch den Iuliengang mit größter Gefahr verbunden war, weil dieser durch die Explosion sehr in Mitleidenschaft gezogen war. * Im Bezirk von Len? kam es zu Konflikten zwischen Streikenden und Arbeitenden. Ein Arbeiter wurde durch eine Schrotladung aus dem Gewehr eines nickt Streikenden le- b e u 9 g e f ä h r l i ck verwundet. Anßkand. In Odessa drangen Anarchisten in den Laden des Haserbandlers Zaslawsky und verlangten Geld. Als sie abgewiesen wurden, feuerten sie einige Schüsse ab, töteten einen Kommis und verwundeten den Besitzer. Arbeiter ergriffen ein Mitglied der Bande, eine weibliche Person. Admiral Tschuchnin, der Oberbefehlshaber der Schwarzen Meerflotte, befahl, die Leichname Schmidts und der erschossenen drei Matrosen auSzugraben und ins Meer zu werfen. Schmidts Schwester wurde die Aushändigung eines am Todestage geschriebenen Abschiedsbriefes verweigert. • Ans Stadt nnd Land. Gießen, den 31. März 1906. * • Promenadenkonzert findet morgen Sonntag llVo Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Hochzeitsmarsch aus dem „Sommernachtstraum" von Mendelssohn; 2. Maritana-Walzer von Dollinger; 3. Fantasie aus der „9(fcitoncrin* von Meyerbeer; 4. Armeemarsch Nr. 205 von Voigt. ** In dem Tunnel der preußisch-hessischen Basaltwerk c bei Kesselbach, der zur Beförderung der Steine nach dem Brechwerk in Kesselbach dient, löirb am Montag vormittag der Betrieb ausgenommen. Die Besichtigung der interessanten Anlage ist am morgigen Sonntag nachmittag von 3—5 Uhr, wie uns auS dem Lumdatal geschrieben wird, jedermann gestattet, jedoch muß jeder Besucher im Besitz einer Laterne sein, da die Beleuchtungsanlage aus betriebstechnischen Gründen erst vom nächsten Tage ab funktioniert. * * E i u n e u e s G e s ch ä ft s n n 1 e r n e h m c n. Die Firma IuliuS Itimann, bereit Zentrale in Frankfurt a. M. sich befindet und die in zahlreichen Städten Filialen besitzt, eröffnete heute auch in unserer Stabt eines ihrer Warenkrebithänser. Das Gesckäftslokal befindet fick Blockstraße 14 unb 16. Das Geschäft ist nickt zu verwewltstn mit dkbzahlnugsgesckäftcn, beim es liefert dieselben Sack>en gegen Bar zum nämlicken Preise wie gegen Rateitzahlintgen. Die Preise ber (Hegenstäube sinb nicht hoch: bas Gesckästsprinziv lautet: K'rebit jedem ehrlichen Menschen. Die Firma genießt den Ruf eines reellen, auf solider Basis arbeitenden Geschäftes und sie verwahrt fick entschieden dagegen, mit ?lbschlogszalNungsgeschäfteit auf gleiche Stufe gc stellt zu werden. Alles was man zum Leben und zur Einrichtung einer gemütlichen ober eleganten Wohnung braucht, ist in bem Geschäft vertreten: Möbel, in einer eigenen Fabri k b-ergcfteUt. Beiten, ^Damen- und Herrenkonfektion, fertige Kostüme, wie Stoffe, Schuhe, Hüte, Teppiche, Kinderwagen, Fahrräder ufto. Das Lager bietet namentlich hinsichtlich der Möbel Reichhaltiges, einzelne Sackieu, z. B. Buffets, Damenschreibtische, ^ovhas sind wirkliche Kabinettstückcheu. Jedermann, auch Nichtkäufern, stet?, der Besuch des Jttmann'fchen Geschäftes frei, man möge sich also selbst überzeugen, ob die zum Käufe ausgestellten Sachen preiswert sind. * * Zur Feier der Eröffnung der Kanalisation am 1. April findet morgen, Sonntag, vorm. 11 Vf Uhr pünktlich Freikonzert an der Kläranlage hinter der Margarctenhütte statt. Für Restauration und kalte Küche ist gesorgt. Alsfeld, 30. März. Rektor PH. Weifenbach tritt am 16. April d. I. in den wohlverdienten Ruhestand. Der Lehrer-Veteran steht im 77. Lebensjahre. Er wirkt seit über 40 Jahren hier und beging im Jahre 1901 die Feier seines 50jährigen Amtsjubiläums. Zu Ehren des Scheidenden fand gestern, wie wir der „Oberh. Ztg/ entnehmen, in der Volksschule eine AbschiedSseier statt. Kreisschulinspektor Eck überreichte ihm das Dekret, das die Allerhöchste Anerkennung für treugeleistete Dienste ausspricht, sow-e das ihm verliehene Ritterkreuz 2. Klaffe deS Verdienstordens Plüch'p' deS Grotzmütigen. Dekan Sauerwein sprach namens ' c Schulvorstande? herzliche Abschiedsworte, die Verdiente des .Herrn Weifenbach um die Entwicklung der Anstalt hervor-' hebend. Vllrgermelfter Arnolv fibermfltenc dem langjährigen Leiter der Volksschule den Dank der Stadt und überreichte ihm eine Ehrenurkunde, der zufolge Rektor Weifenbach das Ehrenbürgerrccht der Stadt Alsfeld verliehen wurde. Lehrer Lenz gab den Gefühlen des Lehrerkollegiums Ausdruck und feierte Rektor Weifenbach als gerechten Vorgesetzten, lieben Kollegen und leuchtendes Vorbild für die Lehrerschaft. Rektor Weifenbach dankte tiefbewegt für die ihm gewordenen Ehrungen. Gesänge der ersten Knabenklasse umrahmten den schlichten, aber um so eindrucksvolleren, feierlichen Akt. — Im hiesigen Bahnhof geriet gestern abend der 28 Jahre alte Rangierer Heinrich Dort aus Salzböden bei Gießen zwischen die Puffer eine? Güterzuges und wurde totged kuckt. Der Verunglückte hinterlässt Frau und Kind. Offenbach, 30. März. Die Fechenheimer Polizei hat gestern den Wirt des niedergebrannten Bootshauses deS Offenbacher Rudervereins, Metzger, verhaftet. Metzger, der verheiratet unb Vater eines Kindes ist, steht im Verdacht, den Braud angelegt zu haben. Er wurde heute vormittag ins Amtsgericht Bergen eingeliefert. — Der Ruder- verein nimmt am Sonntag seinen Betrieb wieder auf, nach- dem ihm außer der „Undine" auch die Offenbacher .Hellay" und der Ruderklub Boote und Boothaus zur Verfügung gestellt haben. h. Mainz, 30. März. Heute nachmittag 4 Uhr starb der Geh. Kommerzienrat Karl Stefan Michel, Ehren- bürger und Stadtverordneter der Stadt Mainz, lebenslängliches Mitglied der 1. hessischen Ständekammer, Präsident der Handelskammer und Aufsichtsrat der Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank), Mitglied des deutschen Eisenbahnrates, zweiter Vorsitzender des deutschen Handelstages, Ritter hoher Orden. Der Verstorbene, der der nati.o- ualliberalen Purtei angehörte, war seit vielen Jahrzehnten auf verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens in hervorragender Weise tätig und galt weit über die (Grenzen Hessens hinaus in handelspolitischen Fragen als Autorität. In der 1. hessischen Kummer gehörte er zu deren einfluß?- reichsten Mitgliedern und arbeitete namentlich als Mitglied des Finanzausschusses an einer Ausgestaltung der hessischen Gesetzgebung in wahrhaft liberalem Sinne. Ties zeigte sich auch im vergangenen Herbst bei der Beratung der Gemeindesteurrreform, in der er eine den Beschlüssen der 2. Kammer weit eistgegenkommende Spaltung einnahm. Sein unantastbarer Charakter und liebenswürdiges Wesen waren die Ursache, dast er wohl politische Gegner, aber keine Feinde hatte. w Frankfurt, 30. März. Die Betriebsinspektion I gibt bekannt: Heute Nachmittag 1 Uhr 16 Min. fuhr der Personenzug 306 im Gleis 1 deS Hauptbahnhofs auf den Prellbock auf. Personen sind nicht verletzt worden. Ter Materialschaden ist unbedeutend, der Betrieb ist nicht gestört. Gleis 1 war »im 2 Uhr 5 Min. wieder frei. Die Ursache ist noch nicht festaestellt. Vermischtes» * Koblenz, 30. Marz, za erg rutsch zeigt sich aufs neue. Tas ganze Gelände ist durch ®enbiumcn abgesperrt. Weitere Häuser kommen nach und nach in Gefahr. Es herrscht ein schreckliches Schneegestöber, auch Regengüsse treten ein. Tie Feuchtigkeit ist so grost, dast man ein weiteres Abrutschen der ganzen südöstlichen Berghälsle befürchte t. Durch Sammlungen sind bis jetzt gegen 20 000 Mark eingegangen. * Hannover, 30. März. Tas schwere Unglück des Berlin-Kölner E i l g ii t e r z u g e s (vgl. die gestrigen Telegramme) ereignete sich nxmige Schritte hinter dem Bahnhof Seelze. Nachts passierte der von Hannover kommende Eilgüterzug den Bahnhof und stieß hier infolge eines Versehens bei der Rangierung des Güterzuges mit diesem zusammen. Es erfolgte ein furchtbarer Anprall. Beide Züge wurden zum Teil aus den Geleisen geworfen. In das Chaos fuhr gleichzeitig ein von Hain holz kommende Güterzug mit voller Geschwindigkeit hinein. Tie drei Züge bildeten ein einziges Trü merfeld und bedeckten beide Geleise der verkehrsreichen Strecke. Hilfsmannschaften konnten mehrere zwischen den Trümmern eingeschlossene Schaffner des Eilgüterzuges retten, während der Zugführer Weuig vom Eilzug und ein mit lebenden Fischen aus Utrecht fahrender Passagier, dessen Namen noch nicht feststeht, nur als Tote hervorgezogen wurden. Ein Hilfsbremser wurde mit nicht schweren Verletzungen geborgen. Ter Materialschaden ist ganz enorm. Gegen die schuldigen Beamten wird gerichtlich vorgegangen. * Rom, 30. März. Privatmeldungen besagen, daß infolge des andauernden Erdbebens die Panik unter der Bevölkerung Ust i ka s unbeschreiblich gewesen sei. Zudem hatten die zur Hilfe gesandten Schiffe, als die Erdstöße zwei Tage ausblieben, die Insel wieder verlassen. Tie Strafgefangenen wurden fast wahnsinnig vor Angst," schlugen die Türen des Gefängnisses ein und verlangten ihre Freilassung. Hierbei sollen einige Verwundungen vorgekommeu sein. Professor Zona, der nach Ustika entsandte Vulkanologe, depeschierte, daß die Insel wahrscheinlich dem Untergange geweiht sei. Sämtliche Häuser sind unbewohnbar. Tie Insel zählte 1000 Einwohner und 800 Strafkolonisten. Auf der Insel sind jetzt nur noch Beamte und vier Gendarmen, sowie ferner noch 50 Personen, die mit der Beaufsichtigung des Viehs beauftragt sind. Tas Land bietet einen trostlosen Anblick. Konstantinopel, 30. März. Der Zeremonien - m eist er des Sultans, Abdul Reza, wurde mit vierzehn Komplizen nach feinen, sein Bruder, der Divisionsgen erat Schamil Pascha, mit elf Komplizen nach Tripolis verbannt. Vor dem Untersuchungsrichter gestand Abdul Reza, der Urheber des Mordes an R e d w a n Pas cb a zu fein._____ Universitäts-Nachrichten. Darmstadt, 29. März. Trotz der Erklärung des Minister Präsidenten Braun in der zweiten hessischen Kammer, daß der H o ch f ck n l k o n f l i k 1 b e i g e l e g t sei, ist bei der ersten^ lcgenhcit-der Streit erneut a usg e brocke u. Die Stadt har die Studentenschaft zu der am 1. April statt findenden Ein Weihung des Vismarckdenkmals eingeladen und eine Beteiligung aller Korporationen erbeten. Daraufhin fand eine Sitzung des weiteren Ausschusses der Studierenden statt, der eine allgemeine Beteiligung der Studentenschaft ablehnte, dagegen beschlosi, dafj der engere Ausschuß an der Feier teilnehme. Tie allgemeine Beteiligung wurde mit der Begründung ab gelehnt, man könne nicht dulden, dast die beiden katholischen Korporationen in der Reihe der andern, wie das die Ausschust- fatznngen festsetzen, führen würden. Um aber den Eindruck einer i 'V'meiiien Beteiligung zu erwecken, wollen sich die sogenannten •'iniqlcii Korporationen und Fachabteilung dem engeren Ans" iyr allgemeinen Studentenschaft an schließen, wodurch die "l'i hen Korporationen ausgeschlossen sind. Letztere sollen ui... ückwrat Protest eingelegt haben. .Dabei ist der jetzige eng^ TniSTdnrft selbst vvm ntertorat man omjwtl anervannr. >?>egen feilte Wahl haben mein als 250 „Wilde" Einspruch erhoben, die, wie es heißt, beabsichtigen, im nächsten Semester den ftluS: scknübeitrag zu Perweiae'-n. um eine Regelung zu erzwingen. Handel uitfc Verkehr, Volkswirtschaft. Düsseldorf, 30. März. In der Generalversammlung der Bergwerksgesellschaft „Htbernia^, in der ein Aklienkavital von Mk. 58 679 000 vertreten war, hat der Fiskus Einsvruch gegen die ?lbftinununn der jungen Aktien im Betrage von 6' , Millionen erhoben. Ebenso erhob der Fiskus Protest gegen die Aiiszablung einer Dividende an die jungen Aktien, da nach dem Urteil des OderlaudeSgerichts in Hamm diese jungen Aktien nichtig seien und zu ermatten sei, daß das NeicbSgerickt diese Entscheidung bestätigen werde. Deshalb beantragte der Vertreter der Ctaats- regierimg die Verhandlungen bis nach der Entscheidung des Reichsgerichts, die am 2. Juli erfolgen soll, zu vertagen. Die Versammlung nahm den Eintrag der Regierung auf Vertagung an. Märkte. Giesteu, 31.März. Aiarktb'ericht. 9(uf heutigem Wockemuarkte kosteten: Butter vr. VK. 1.05—1.10 Mk., Hühnereier 1 St. 6-7 Psg, 2 Stck. 00—00 Big.. Gänieeier 00—00 Via.. Enteneier 0—0 Psg., Käse ny. Stck. 6—8 Pi., Kasematte 2Stck. 5—6 Big. Erbien vr.Liter 21Pfg., Linien pr. Liter 32 Pfg., Taubenvr.Paar0,80— l.OOMk., Hühner pr. St. 1,00-1.60 Mk., Hahne vr. Stück 0,80—1,80 Alk., Enten or. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse or. Pid. 00-00 Pfg., Ocksenfleisch pr. Psd. 74—82 Pig., Kick- und Rindfleisch vr. Pfund 70—72 Psg., Sclsweiue- fleiich vr. Pfund 86—90 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Psg., Kalbfleisch vr. Psd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Pfg. Welsche per Pfund —Kartoffeln vr. 100 Kg. 6 00—0.00 Mk.. Zwiebeln vr. Ztr. 6,00—fl.00 Mk., Milch ver Liter 20 Psg., Aev'el ver Pfund 25 bis 00 Psg., in Körhen 00 Pfg., Nüsse 100 Stück 50-00 Pig., Birne» ver Psd. Mk. 0.00—0.00, Weinkraut ver Stück 20—30 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit 8—2 Uhr. fc. Frankfurt a. M., 30. März. Heu- u u b Stroh- marff. Man notierte: Heu Mk. 3.40 bis Mk. 3.90, Stroh Mk. 3.30—0.00. Alles vev 50 Kilo Tendenz: icbv stramm. GrZgrsral-Drahtinelduilgen. Berlin, 31. März. Iuiriznunister Bese l c r erließ eine Verfügung, in welcher den Gerichten zur Pflicht gemacht wird, bet ber Anberaumung von Terminen auf die Interessen- des Publikums möglichst Rücksicht zu nehmen. Posen, 31. März. In Cheinika wurde eine Dienst- magd verhaftet, die ihr neugeborenes Kind lebend den Schweinen vorwarf, welche den Kopf und die Gliedmaßen abfraßcn. Hannover, 31. März. Ter durch die See.lzer E i seu b a h n ka t a str v p he augerichtete Schaden beträgt nach Schätzung der Eiseiibähnverwaltuug 300 000 M a r k. Wie die vorläufige Untersuchung ergab, trifft die Schuld den S t a t i o n s vw r st c h e r , der eine Viertelstunde vor dem Eintreffen des Zuges vorschriftswidrig rangieren ließ, obwohl der nächste Güterzug gemeldet war. Ter Beamte wurde unverzüglich seines Amtes enthoben. Ein verletzter Heizer ist gestorben. Leipzig, 31. März. Tie Versammlung der vereinigten Grubenbesitzer in Zeitz, Meuselwitz und im Weißenfelser Bergrevier beschloß die Verhandlungen mit der Kommission des Bergarbeiterverbaudes bis auf weiteres ab zu lehnen, selbst auf die Gefahr hin, datz am Montag der Generalstreik proklamiert wird. 9htr den Tagelöhnern soll eilte kleine Lohnerhöhung angeboten werden. Paris, 31. März. Arger Verschulden zeiht der Ingenieur Laue die Grubenverwaltung, weil sie bei ihrer merkwürdigen Luftzusichr-Regulierung die Mündung der Grube 3 luftdicht perschlosseu hatte. Nemp und seine Owuppe Fomtten von Glück sagen, daß sie aus Grube 3, wo sie keinen Luftzug mehr verspürten, weiter hasteten und zu Grube 2 gelangten, wo jenes Gerüst einstürzte, das zum Heil war. Aber viele mögen in Ofrube 3 erstickt sein. Lens, 31. Marz. Vier wettere Arbeiter wurden lebend zutage gebracht. Sie gehören der von Nemt) geführten Gruppe an. Die Geretteten erfreuten sich nachts eines gesunden Schlafes. Bei 2 von ihnen dauerte jenes un» beiinliche Lachen an, das schon beim Verlaffen der Grube aiissiel. Teheran, 30. März. Ter persische Arzt Ku- feina, ein FanatiM, wiegelte die Bevölkerung von Seistan gegen d i e e u r o p ä i s ch e n Aerzte auf, welche Pestkranke aus Privathäusern nach Hospitälern schaffen ließen. Tie Menge plünderte das Hospital, Ufi> nichtete die Arzneien und die Einrichtung itnd fiel über das englische Konsulat her. Ter Konsul und eilt Arzt wurden, wie der Telegraph berichtet, mit Stöcken geschlagen. Tar-eS Sul a a m, 30. März. Hauptmann Nigmanu meldet von Mgeta Uont 13. d. M.: Tie Straße Kidatu—Jfa- kava -Mähenge ist geöffnet. Nigmanu ist mit seinem Te- lachement nach Iringa zurückgekehrt. Letzterer Bezirk ist ruhig. Ter H a u p t r ä d e l s fü hr e r im Tar-es-Sa- Iftamcr Gebiet K'ibassira vvn Kissaugire ist mit zwei Kolu- Oberpriestern von den Akiden-Muujibege von Mamermauge ein geliefert worden. Eine ungeheure VoNsmeuge begleitete unter Hohurufen und Schimpfrufen die Gefange- uen bis zum Bezirksamt. des Giessener Anzeigers. mit.20 .. russ.Staatsanl. 190.) 91.90 4>5° n japan. Staatsanleihe 95.70 1 »6 Conv. Türken von 1903 93 80 Türkenlose ... . . 147.40 1 % Griech. Monopol-Aul. 54.40 *1 % äussere Argentinier . 92.80 3" 0 Mexikaner . . . 68.50 4>f.°,0 Chinesen . . • . 97.70 Aktien: Bochum Guss 246.50 Buderus E. W — Tendenz: fest. Berliner Börse, Cano.da E. B 176 20 Darmstädter Rank . . . 149.70 Deutsche Bank .... 241.50 Dortmunder Union C. . . 87.70 Dresdner Bank .... 167.40 Tendenz: fest. 31. März. 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . 148.00 Elektriz. Schuckert . . . 132.80 Esch weil er Bergwerk . 262.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 227 30 Hamburg - Amerlk. Paketf. 173 20 Barpener Bergwerk. . . 218 60 Lanrahütte 248.00 Nordd. Lloyd . . .133.10 Obeischics. Eisen-Industrie 131.00 Berliner Handelsges . 176.90 Darmstädter Bank . . . 119.80 Deutsche Bank . . . 24140 Deutsch-Asiat. Bank . • 183.40 Diskonto-Kommanüit. . . 193.05 Dresdner Bank . . . 167.40 Kreditaktien 211.75 Baltimore- und Ohio- Ei senl ahn . . . 112.30 Gotthard bahn .... —•— Lombard Eisenbahn . • 24 25 Oesterr. Staatshahn . . • 143.80 Prinee-Hcnri-Eisenbahn . 138.50 31. März. Anfangskurse. flarpener Bergwerk . . . 218.00 Lnuraiiüttc . . , . — । onihardcn E. B ... 2420 Nordd. Lloyd 133.20 Türkenlose . . . . 146.70 Zu vermieten — • _ Die 11. Etage meines Hauses Lcltcrswcg 70, bestehend aus 8 Zimmern nebst Zubehör, seither von Hern, Fritz Sioioncf bewohnt, ist anderweit au verm. 552; Eberh. Metzger. | 7 Zimmer | 1256] Lnvwigstraße 44 elegante HerrschaftSwoinimg, Beletage, 7 Zimmer, Badczinimer, Veranda, Blrichpiay und reicht. Zubeh., sofort oder 'Väter zu vermuten. E. Muid Zimmer | Ußoijiiuiifl v. 6 Zimmern ueb|i Zubehör Franksurier Straße 76 au oerinieten. [1346 Näheres daselbst 1. Stock. Wegen Versetzung des Herrn Major Rteutcc eine elegante lj-ZiMttMnW mieten. 1279 _ Goethestr. 35. Vp-Aulage 38 [779 6 Zimmer nebst Zubeh. im 1. St. »u vermieten. Näheres parterre. Luvwigstr. 32, p. 6 Znniner il 2 Zimmer in Mans, nebst Zltb. ver 1. 9(pril zu vermieten. ,421 Näh, daselbst od.Bahnhosstr. 26, H. 6-Znnnlcrivohnung im 1. Stock per 1. 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