Nr. 255 Erscheint KtzllH mit Ausnahme des Sonntags. Die „(Mefttnet Famillenblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «^rsstfche tcmdwlrt- erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'sche» Untversitätsdruckerei. R. Lange, Gtrtze«, Redaktion. Expedition a.Druckerei; SchuMr.^ Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Stetzen» Zweites Blatt 15«. Jahrgang Dienstag 30. Oktober ISO« Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen. politische Sage-schar-. In Sachen des Posener Schulstreiks haben die NeichLtagsab^g. v. GrabSki und Graf Mielzynski nachstehendes Telegramm an den preußischen KultuS- lninister abgesandt: Die polnischen Schulkinder werden mit Arrest, täglich eine und mehr Stunden, für die Befolgung des Verbots seitens ihrer Eltern betreffs ihrer Teilnahme an dem deutschen Religionsunterricht bestraft. Wir Väter nehtnen die ganze Verantwortlichkeit für unser Verbot ans uns. Wir beantragen die sofortige Beseitigung der kulturwidrigen Arreststrafen aus menschlichen und pädagogischen Gründen. Im Auftrage der in Gnesen heute tagenden Familien- väter: die Reichstagsabgeordneten v. Grabski und Graf Mielzynski. Die 21 n t ii) o rt des Ministers lautet folgendermaßen: An den Reichstagsabg. v. Grabsti in Gnesen: „Tie Aufhebung der Arre st st rasen gegen Schulkinder, welche die bestehende Schulordnung verletzen, lehne ich ab. Kultur- widrig ist die Hetzarbeit, welche die Väter der Schulkinder dazu verführt, den letzteren den Ungehorsam gegen die Anordnungen der Schulbehörde zur Pflicht zu machen. Diese Anordnungen werden mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln durchgefühct werden. Kultusminister o. Studt". Die „Nordd. Allg. Ztg/ fügt hinzu: Wir veröffentlichen diese Antwort, um zu zeigen, daß die Unterrichtsverwaltung nicht daran denkt, den polnischen Forderungen auch nur in einem Punkte nachzugeben. Die Staatsregierung wird ruhig, aber mit Nachdruck der polnischen Bevölkerung zum Bewußtsein bringen, daß in der deutschen Volksschule nicht leidenschaftliche Agitatoren das entscheidende Wort führen, daß. vielmehr diejenigen wohlerwogenen Anordnungen, welche im Interesse der Bevölkerung und des Staatswohles notwendig sind, ohne Schwankungen durchgeführt werden. Bei den langen Beratungen, die am Samstag sowohl km Kultusministerium unter Teilnahme de§ Ministers des Innern und des Oberpräsidenten von Waldow, sowie später im Staatsministerium stattfanden, waren diese, wie heute aus Berlin gemeldet wird, darüber völlig einig, daß es ein Nach - geben dieser polnischen Bewegung gegenüber nicht geben könne, und daß ruhig, aber mit der allergrößten Bestimmtheit, Client, unter Anwendung durch Gesetz und Verordnungen gegebener Handhaben einzutreten sei. Für da§ Vorgehen im einzelnen wird jedenfalls als bestimmend für die Behörden der Umstand angesehen werden, ob in den nächsten Tagen kein Anschwellen der ganzen Bewegung zu beobachten ist oder im Gegenteil ein weiteres Umsichgreifen, das darauf schließen läßt, daß es den großpolnischen Hetzereien gelingt, dem Volke die Wege zu weisen. Nach den bishervorliegenden Nachrichten streiken zurzeit etwa 40000 polnische Schulkinder. Die größte Ausdehnung hat der Streik in den Regierungsbezirken Posen und Bromberg genommen. Die Schulkinder der Stadt Posen sind verhältnismäßig wenig beteiligt. Ausschreitungen kommen übrigens alle Tage vor. So wurde am Montag der Lehrer Kuban in Kosten von Polen überfallen und derart mißhandelt, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Drei von je mehreren hundert Personen besuchte poln. Versammlungen in Gnesen, Pleschen und Samter wurden von Beamten der politischen Polizei aufgelöst, weil die Redner zum Ungehorsam gegen die Staatsgesetze aufforderten. » Die Gründung der Hamburg-Bremer Afrikalinie, die als Konkurrenzunternehmen gegen die Wörmannlinie geplant war, ist aus finanziellen Gründen gescheitert. In einer Zeit, in der die beiden deutschen Großrhedereien ihr Aktienkapital erhöhen und damit bedeutende Anforderungen an den Geldmarkt stellen, erscheint dieses Mißlingen nicht verwunderlich. Hat doch auch die aus Bremer uud Frankfurter Firmen bestehende Gesellschaft, die an der Unterweser ein Hüttenwerk für Herstellung von Eisen und Stahl errichten will, von diesem Unternehmen einstweilen Ab stand genommen im Hinblick auf die ungünstige Lage des Geldmarkts. Aufgeschoben ist allerdings nicht aufgehoben, auch bei der neuen Asrikalinie, denn die Chinesische Küstenfahrt-Gesellschaft in Hamburg will im nächsten Jahre auf eigene Faust das Konkurrenzunternehmen gegen die Wörmannlinie ins Werk setzen, wohl in der sicheren Erwartung ausreichender Regierungstcansporte. Die Lage des Geldmarkts wird wohl aber auch im nächsten Jahre bestimmend sein für die Verwirklichung dieses Vorhabens. • Das mehrfache Stimmrecht in England. Das englische Unterhaus genehmigte den Gesetzentwurf über die Abschaffung des mehrfachen Stimmrechts. Besaß England bisher zwar auch kein Pluralwahlrecht im Sinne der Ausstattung gewisser Wählerkategorien mit mehr als einer Stimme, so war es doch möglich, daß man in mehr als einem Wahlbezirk stimmberechtigt sein konnte. Grundbesitzer z. B. waren wahlberechtigt in jedem Wahlbezirk, wo ihre Grundstücke liegen, Mitglieder von Universitäten wählten zudem noch in einer eigenen Wahlkurie der Universitäten. In der Hauptsache ist dieses mehrfache Stimmrecht eine Bevorzugung der gründ besitz end en Klassen und e§ kam daher hauptsächlich der konservativen Partei zugute, die in manchen kleineren städtischen Wahlkreisen nur deshalb siegt, weil die Stimmen der Wähler, die nicht im Wahlkreis wohnen, aber dort Grundbesitz haben, hauptsächlich ihr zu- ftelen. Die liberale Partei legt großes Gewicht auf die beschlossene Abschaffimg dieses mehrfachen Stimmrechtes. Doch ist abzmoarten, was das HauS der Lords dazu sagt. Die Debatte wurde mit vielem Humor geführt; die Liberalen halten leichtes Spiel, weil die Verteidigung des bisherigen Zustandes durch die Konservativen nur zögernd war und alle anderen Gründe in den Vordergrund stellte, als den wahren, weshalb die eine Seite die Reform wünscht und die andere sie ablehnte. Namentlich der Versuch, das Wahlrecht der Universitäten mit der Sache der Bildung zu identifizieren, fiel, wie wir in dem „Rh. Kourier" lesen, unglücklich aus. Ein liberaler Redner führte unter allgemeiner Heiterkeit die Spottverse von Macaulay an, als die Universität Oxford dem großen Staatsmann Peel die absolute Null Sir Robert Inglis vorzog: „Und nun erging die Weisung an die Doktoren der Theologie: Wählt ja nicht Peel, nur Inglis/ — Aber Inglis mar ein Vieh. Auf den Einwand, daß das Wahlrecht der Universitäten notwendig sei, um feingebildete Herren, die vor der Gemeinheit des gewöhnlichen Wahlkampfes zurückscheuen, ins Parlament zu bringen, erwiderte ein anderer liberaler Redner, indem er auf den Vertreter der Universität Dublin, Sir Edward Carson, einen der rücksichtslosesten Draufgänger und Ellbogenmenschen de§ Unterhauses, hinwies. In Wirklichkeit handelt eS sich aber garnicht um die Abschaffun deS Wahlrechts der Universitäten, sondern nur darum, daß der betreffende Wähler sich entscheiden muß, ob er in der Wahlkurie der Universität, oder im zuständigen Wahlkreis seines Wohnorts wählen will, wobei ihm sogar das Recht gegeben wird, seine Wahl jedes Jahr zu ändern. Zur Bergarbeitcrbewegung. Breslau, 29. Okt. Der sozialdemokratische NeichStags- Abg. Hue ist im oberschlesischen Jndustriebezirk eingetroffen, um in Bergarbeiter-Versammlungen über die Lohnoechältnisse zu sprechen. Die Gründung- von sozialdemokratischen Wahlvereinen wird im ganzen Jndustriebezirk mit Nachdruck fortgeführt. Altenburg, 29. Okt. Eine gestern in Meuselwitz abgehaltene Bergarbeiter-Versammlung beschloß, daß die einzelnen Gruben in der Lohnbewegung nicht selbständig vorgehen, sondern nur den Weisungen der Siebener-Kommission folgen sollen. Aus S.aot uuo itano. Gießen, den 30. Oktober 1906. ” Ordensverleihung. Se. Königl. Hoh. der Großherzog haben dem Bürgermeister, Ortsgerichtsoorsteher und Standesbeamten Joh. Gg. Bickel zu Affolterbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift »Für langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Ein früherer Metteur deA Gieß. Anz. t- Am 8. Oktober verschied in Schotten im Alter von 72 Jahren der Schriftsetzer Emil Dörr aus Gießen. Leider war es seinen Kvllegen und Bekannten, deren bet Verstorbene in seiner Vaterstadt recht viele hatte, nicht möglich, ihm die letzte Ehre zu erweisen, da es keiner der Angehörigen für angezeigt hielt, die Nachricht von seinem Ableben hierher gelangen zu lassen. Dörr trat nach langer Beschäftigung in der Keller'schen Druckerei im Jahre 1876 in die Brühl'sche Druckerei, wo er über ein Jahrzehnt den Posten eines Metteurs des Gießener Anzeigers versah. Eine schleichende Ktankheit, Arterienverkalkung, zwang ihn, seinen Beruf aufzugebcn und nach Schotten zu Verwandten überzusiedeln. Bei seinen Kollegen und allen, die ihn kannten, erfreute sich Dörr allgemeiner Achtung, ebenso in den Kteisen der Buch-- drucker außerhalb Gießens. Dörr bekleidete jahrlang Ehrenämter in den Vereinigungen seiner Berussgenossen und war hervorragend tätig an der Gründung des Mittelrheinkreises im Verbände deutscher Buchdrucker Mitte der sechziger Jahre. Auch die älteren Gießener Turner, für deren Sache er wirkte, werden ihm dasselbe ehrende Andenken bewahren, wie seine Berussgenossen. ** Vortrag über Gesundheitspflege. In dem am Samstag im Cafö Leib vom Kaufmännischen Verein und Ortsgewerbeverein veranstalteten zweiten öffentlichen Vortrag behandelte Herr Georg Wagner aus Dresden-Radebeul : Die Gesundheitspflege nach naturgemäßer Anschauung. Redner ist überzeugter Anhänger und Förderer der naturgemäßen Gesundheitspflege, wie sie in neuerer Zeit in verschiedenen Anstalten, so von Bilz u. a. gepflegt wird, und viele Anhänger und Nacheiferer gefunden hat und wirkt gleicherweise für seine Anschauungen als Redakteur eines in Leipzig erscheinenden illustrierten Familienblattes. — In etwa einstün- digem fesselnden Vortrage entwickelte Redner in großen Umrissen die allfeitig als maßgebend anerkannten Grundsätze einer naturgemäßen Gesundheitspflege, die allein imstande ist, den Körper widerstandsfähig gegen alle die Gesundheit schädigenden Einflüsse zu machen und zu erhalten. Ausgehmd von der Verschiedenheit der Ansichten über Gesundheitspflege, die bei einigen zur Verweichlichung, bei anderen in die extreme Richtung führen, wurde die Frage aufgeworfen: Wodurch mtstehen Krankheiten? Bei Beantwortung dieser Frage entwickelte der Redner, wie unser Körper einem fortdauernden chemischen Verbrennungsprozeß unterworfen sei und alles darauf ankomme, diesen Prozeß in ruhigem Fortgänge ohne Störung und Unterbrechung zu erhalten. Dieses geschieht zunächst dadurch, daß dem Körper Nahrung in Quantität und Qualität zugefühet werde, die mit den stetig erfolgenden Ausscheidungen durch Lunge, Darm, Nieren und Haut in richtigem Verhältnis stehen. Ausgabe und Einnahme müssen auch hier, wie in jedem anderen Haushalt, Gleichgewicht halten. Geschieht dieses, so sind wir gesund. Aber nicht nur durch fehlerhafte und verkehrte Nahrungsaufnahme entstehen Krankheiten, auch unser Beruf gibt vielfach Ursache und Veranlassung zu krankhaftm Lebenserscheinungm. Die drängende und hetzende Arbeit der heutigen Erwerbs-verhältnisse im rastlosen Klampfe ums Dasein, wie sie namentlich im geschästlichen Leben vielfach nicht zu umgehen ist, in Verbindung mit oft unzweckmäßig angelegten Arbeitsräumen, die durch Mangel an Licht und Lust, an genügender Bentilktion usw. direkt Gesundheit gefährdend wirken, führen zu mancherlei Gesundheitsstörungen bald leichterer, bald ernsterer Natur. Da gilt es nun diese oft leider durch die ungünstigen Verhältnisse bedingtm und nicht zu umgehenden Schäden durch eine vernünftige - und naturgemäße Le- benÄveise auszugleichm. Dieses geschieht durch vernünftige Ernährung, vernünftige Hautpflege, vernünftige Kleid un-g und Wohnung und frische Luft. Die besten Aerzte in der Welt sind: Diät, Bewegung, Licht, Luft und Wasser. Bei, der Nahrungsaufnahme, die in richtiger Mischung aus Eiweiß, Fett, Köhleahydrate, Mhrsalze und Wasser bestehen soll,' wird vielfach und nammtlich in den wohlhabenderen Ständen, der verhängnisvolle Fehler gemacht, daß der Schwerpunkt auf die Fleischulahrung gelegt wird, dadurch aber erhält der Körper eine mehr oder weniger einseitige Nahr- ungszusuhr, da ihnen die notwendigen Nährsalze, welche ihm der Hauptsache nach durch Gemüse zugeführt werden, namentlich Spinat und Obst sind hier als geiundheitsfördernd in, vornehmster Linie zu nennen. Neben der Diät ist die Hautpflege von l . rvorragen- der Bedeutung. Je regelmäßiger unsere Haut ohne Störung die im Körper verbrauchten Stoffe durch Gase und Schweiße auszuscheiden vermag, dcsui bessere Vorbedingungen für die Erl-altuug unserer Gesundheit haben wir. Diese notwendige und regelmäßige Tätigkeit erschweren wir der Haut aber ost durch eine zu dichte und zu dicke Kleidung, die nicht porös genug ist, um die Hautausscheidungen hindurch zu lassen und was zurückbleibt, muß als Krankheitserreger angesprochen werden. Hier sei auf die namentlich in unserer Zeit an vielen Orten gepflegten Licht-, Luft- und Sonnenbäder hingewiescn, die für viele Tausende ein Segen in gesundheitlicher Beziehung geworden sind. Der nackte Körper wird hier einer vernunftgemäßen und durch Erfahrung erprobten Abhärtung unterworfen, welche die Haut stark reaktionsfähig ausbildet und sie zu reger Tätigkeit änhalt. Auch kalte Abwaschungen des ganzen Körpers sind ein unerläßliches Mittel einer richtigen Hautpflege, nur dürfen diese Abwaschungen, wenn sie nicht zu Erkältungen führen sollen, nie länger wie eine Minute in Anspruch nehmen und unmittelbar nach ihnen soll der Körper in ausreichender Bewegung gehalten werden. Nicht minder wichtig ist die Atmung in reiner, unverdorbener Luft, wozu auch das Schlafen im Sommer und Winter bei geöffneten Fenstern gehört. Redner ermahnt auch der viel vernachlässigten vernunftgemäßen Bewegung ihre Rechte nicht zu verkümmern. Jede Bewegung im Berufe bleibe einseitig. Es sei daher jeder bemüht für Ausgleichung durch 1 bis oder auch 2 stündige tägliche Spaziergänge, sowie auch durch vernünftigen Sport Sorge zu tragen. Durch solche Gesundheit fördernde Bewegung in frischer Luft wird die Herz- und Lungentätigkeit angeregt, die Dlutzirkulation rege und den Gesundlx'itsstörungen, wie vornehmlich der gefahrdrohenden Stuhlverstopfung vorgebeugt. Daß die Verhütung letzterer von der weitgehendsten Be- deuttmg ist, wird allseitig anerkannt und der Redner weist besonders darauf hin, daß einer unserer hiesigen Mitbürger Oberst a. D. Spohr, ein nimmermüder Vorkämpfer für alle Bestrebungen auf dem Gebiete der naturgemäßen Gesundheitspflege in allen seinen Schriften auf die große Bedeutung dieses Vorganges in der Körperpflege mit Ernst hinweist. Unsere Aufgabe ist cs, »durch die gekennzeichneten Mittel und Wege die Krankheitserreger, die durch vernunstwidrige Nahrungsausnahme, ungenügende Hautpflege und Bewegung und träge Blutzirkulation in ihrer Entstehung gefördert werden, zu beseittgen. Dann werden wir unsern Körper widerstandsfähig gegen alle von außen kommenden schädlichen Einflüsse heranbilden und uns gesund erhalten. — Reicher Beifall lohnte den Redner am Schlüsse für seine Ausführungen. Brachten sie auch dem Kündigen nichts neues, so waren sie doch wichtig genug, um jedem immer wieder von neuem ernstlich das vorzuführen, was zur Erhaltung des köstlichsten Lebensgutes, der Gesundheit, notwendig ist. ** Königl. Preu ßssche Klassenlotterie. Die Erneuerung der Lose 5. Klasse (Haupt- und Schlußziehung) muß bis nächsten Freitag, 2. November, abends 8 Uhr, unter Vorlegung der Lose 4. Klasse bei Verlust des Anrechts geschehen sein. In dieser Klasse werden 96 000 Gewinne im Betrage von über 37y2 Mill. Mark gezogen. Die Ziehung findet täglich statt, mit Ausnahme der Sonntage und gesetzlichen Feiertage, und dauert bis einschließlich 4. "Dezember. △ Langsdorf, 29. Oft Die von dem Bürgermeister Köhler zu Langsdorf neueingerichtete Gemeindebibliothek hat ihren Bücherstand nach Aufzeichnungen vom 1. Jan. 1899 bis 29. Oktober 1906, also bis zum Schluß der Amtszeit des Bürgermeisters Köhler — auf 688 Bände gebracht, die einen ungefähren Wert bis zu 3000 Mk. repräsentieren. Darunter sind Werke von sehr hohem Anschaffungspreis wie z. B. Bismarcks Gedanken und Erinnerungen, Ruhlands System der politischen Oekonomie, Chamberlains Grundlagen des 19. Jahrhunderts, Freytags Ahnen, Soll und Haben, Meyers deutsche Mythologie usw. usw. Die Lesegebühr für die Woche und den Band beträgt, trotz der bedeutend hohen Anschaffungskosten vieler größeren Werke, für die Langsdorfer Einwohnerschaft ohne Ausnahme nur zwei Pfennig. Trotz der niedrigen Lesegebühr wurde vorn 1. Januar 1899 bis heute (28. Okt. 1906) eine Gesamt- Einnahme von 184 Mk. erzielt, die hinwiederum zur An- chaffung von Büchern und Aufbewahrungsschränken Verwendung fanden. Hieraus erhellt, daß seit 1. Januar 1899 bis 28. Oktober 1906 von der nur 900 Personen zählenden Einwohnerschaft von Langsdorf 9200 Bände aus der Gemeindebibliothek daselbst entliehen wurden. Im Laufe der genannten Zeit wurden vom Bürgermeister Köhler zweimal gedruckte Kataloge herausgegeben und denselben, erstlich im Jahre 1899 eine Geschichte der Bibliothek und des Gesangvereins „Concordia" zu Langsdorf (welch letzteren Begründung bis zum Jahre 1837 zurückreicht), zweitlich im Jahre 1904 eine von dem im Jahre 1870 ver- torbenen Lehrer Neumann verfaßte Chronik von Langsdorf vorangestellt. Die Anschaffung der Bücher erfolgte seither durch Bürgermeister Köhler, vielfach im Einvernehmen mit Pfarrer Mahr und Lehrer Leidich, der, letzterer als erster Bibliothekar, die Verwaltung der Bibliothek von Anfang an bis heute in vorbildlicher Weise und unentgeltlich mit Aufwendung nicht geringer Mühe und Zeit besorgte. = Lauterbach, 29. Okt. Die bei ihrem Bruder hier wohnende ledige Katharina Otte rb ein hatte sich heute früh auS ihrer Wohnung entfernt. Da dieselbe schon längere Zeit tiefsinnig ist und sich besonders in den letzten Tagen einbildete, sie solle den Brand in der Eichmühle dahier veranlaßt haben, so wurde gleich vermutet, daß sie sich ein Leid angetan habe. Nach längerem Suchen fand man die Ver- chwundene in einem der oberhalb der Stadt gelegenen Eisteiche als Leiche vor. — Gestern abend fand im Saalbau „Zum Johannesberg" ein vom hiesigen Turnverein veranstaltetes Konzert mit turnerischen Vorführungen zum Besten deS Hainigturm-Baufonds statt. Die Darbietungen des Turnvereins, bestehend in Musterriegenturnen, Stellen von Pyramiden, Keulenschwingen mit elektrisch beleuchteten Keulen, Aufführen eines altgermanischen Waffentanzes und Stellung von Marmorgruppen waren sämtlich sehr wohl gelungen. Ta der geräumige Saal sehr gut besetzt war, dürfte ein ansehnlicher Betrag für den gemeinnützigen Zweck erübrigt werden, wenn auch das Beschaffen der zu den Aufführungen erforderlichen Kostüme erhebliche Ausgaben erforderte. Darmstadt, 29.Okt. Se. Kgl. H. der Großherzog fuhren, tl d. .Darmst. Ztg.^, gestern nachmittag mit dem zurzeit hier weilenden Assistenten am Bayerischen Nationalmuseum, Dr. Ostermann, im Automobil nach Seeheim und kehrten gegen 51/» Uhr wieder nach hier zurück. — Die Prinzessin Ludwig von Battenberg ist zu kurzem Besuch hier eingettoffen. — Der Besuch der Schwester I. Kgl. H. der Großherzogin, der Gräfin Lynar, wird von längerer Dauer sein. Worms, 28. Okt. Heute vormittag 11 Uhr fand die Einweihung des aus den Mitteln der hiesigen Bürgerschaft erbauten Jahndenkmals statt. Die Festrede hielt Professor Dr. Briegleb. Sobald die Hülle gefallen war, wurde das Denkmal mit brausendem „Gut Heil" von den zahlreich erschienenen Turnern und dem allgemeinen Gesang „Ein Ruf ist erklungen" begrüßt. Nachmittags fand das Schauturnen statt, dem sich abends ein Kommers anschloß. — Am Samstag abend um 7,11 Uhr erlitt, wie die „Worms. Ztg." mitteilt, die in anderen Umständen befindliche Frau des Fuhrmannes Jakob Seiler hier einen Venenbruch am Unterschenkel. Ihr Mann verband die Wunde, so gut er konnte, und eilte dann fort, um einen Arzt zu holen. Vier Aerzte wiesen ihn ab, und als er mit dem fünften, Herrn Dr. Loß, der sofort mitkam, um 1 Uhr in seiner Wohnung anlangte, war die Frau infolge der Verblutung gestorben. Drei Kinder sind dadurch mutterlos geworden. Die Woynungssürsorge in Kessen. TT, Die Organisation der Wohnun gs auf sicht und deren Ausbau hat im vergangenen Jahr erhebliche Fortschritte gemacht, namentlich in den größeren Städten. In den 5 größten Städten ist die Wohnungsaufsicht in befriedigender Weise organisiert, in Darmstadt und Offenbach war dies schon seit längerer Zeit der Fall, in Gießen wurden im vorigen Jahr (1904) sachentsprechende Verhältnisse geschaffen, und im Berichtsjahr geschah dies auch in Mainz und Worms. In den übrigen Gemeinden sind die Obliegenheiten des Wohnungsinspektors ebenfalls vielfach in durchaus sachkundige Hände gelegt. Daß dies in anderen Gemeinden wiederum noch nicht der Fall ist, kann nicht Wunder nehmen , indessen ist die Hoffnung berechtigt, daß auch da mit der Zeit das Verständnis für den sozialen und gesundheitlichen Nutzen der Wohnungsaufsicht wächst. Einige größere Gemeinden wurden ermittelt, in denen ein Wohnungsinspektor überhaupt noch nicht bestellt war. Nach Verhandlungen mit den Bürgermeistereien und einigemal mit den Kreisämtern ist diesem Mangel alsbald abgeholfen worden. In einem Fall ttrnr niemand für das Amt des Wohnungsinspektors zu gewinnen, ein Fall, der ziemlich vereinzelt dasteht. In einem andern Fall war der Bürgermeister der Ansicht, daß die Wohnungsinspektion in seinem Crt nicht nötig sei, da es sich um ländliche Verhältnisse handele, während schon die Vornahme einiger Stichproben durch den Berichterstatter Mängel in Wohnungen zutage förderte. Die^Dur ch fü hrun g der Wohnungsaufsicht hängt selbstverständlich zu einem erheblichen Teil von den Anschauungen und Sachkenntnis der damit Betrauten ab. Je mehr sie den sozialen und gesundheitlichen Nutzen der Wohnungsinspektion erkennen, mit umso größerer Sorgfalt werden sie sich dieser Tätigkeit widmen. Diese Erkenntnis hat wesentliche Fortschritte gemacht. Es dürfen auch die Fälle nicht unerwähnt bleiben, in denen Wohnungsinspektoren, weil sie ohne Scheu die Verhältnisse in ihrer wahren Gestalt schilderten und gegen Anstände energisch vorgingen, in mehr oder wenigen großen Gegensatz zu Bürgermeistern geraten sind. In einem Fall mußte der Berichterstatter gelegentlich einer Gemeinderatssitzung sogar wahrnehmen, daß der Wohnungsinspektor, ein kleiner Landwirt, wegen der Offenheit, mit der er die Verhältnisse schilderte, so ziemlich den ganzen Gemeinderat gegen sich hatte. Der Berichterstatter hat auch einigemal die Wahrnehmung machen müssen, daß die zu Wohnungsinspektoren gewählten Persönlichkeiten gegensätzliche Interessen hatten. Mit Rücksicht auf die Neuheit der Sache und weil geeignete Personen häufig schwer zu finden waren, wurde bisher von einer Einwirkung im Sinne der Auswahl anderer Personen Abstand genommen, jedoch soll in Zukunft auch nach dies« Richtung hin mtt entsprechenden Anregungen vorgegangen werden. Ueber den Umfang der vvrgenommenen Wohnungsuntersuchungen liegen aus 17 von den 18 Kreisen des Landes Mitteilungen vor. Tie Zahl der aufsichtspflichttgen Räume betrug: Familienwohnungen von 3 Räumen einschl. Küche 28 090 (26 444), von 2 Räumen 17 416 (15 990) und Non einem Raum 7027 (6762), zusammen waren 52533 (49196) aufsichtspflichtige Familienwohnungen vorhanden, außerdem 9677 (8605) Schlafstellenräume und 34198 (34 726) Schlafräume für Lehrlinge usw. Auf die Gemeinden mit über 20 000 Einwohner entfielen 46 Proz. aller aufsichtspflichttgen Wohnungen, auf die von 5000—20 000 und 2000 bis 5000 Einwohnern je 15 Proz. und auf Gemeinden unter 2000 Einwohner 24 Proz. In den Kreisen Erbach und Worms-Land wurden, wie im Vorjahr, sämtliche Wohnungen untersucht. In Oberhessen betrug der Prozentsatz der untersuchten Wohnungen im Kreis Friedberg 72 Proz., im Kr. Alsfeld 47 Proz., Kr. Schotten 40 Proz., Stadt (Meßen 35 Proz., Landkr. Gießen 33Vs Proz., Kreis Lauterbach 19 und Kr. Schotten 51/2 Proz. Den geringsten Prozentsatz an untersuchten Wohnungen hatte die Stadt Mainz mit 4 Proz. zu verzeichnen. Der gesetzlichen Vorschrift, daß alle Wohnungen innerhalb zweier Jähre mindestens einmal untersucht werden, wurde 1904 und 1905 noch nidjt genügt in den Kreisen Büdingen, Gießen, Groß-Gerau, Lauterbach, Mainz- Stadt, Offenbach, Oppenheim, Schotten und Worms- Stadt. Von den 22 990 untersuchten Wohnungen (44 Proz. aller) wurden 1246 beanstandet. Erledigt wurden die Beanstandungen durch Beseitigung der Mängel in 781 Fallen, durch Leerstellung der Wohnung in 134 Fällen, während in 331 Fällen Frist zur Beseitigung der Anstände gegeben wurde. In Oberhessen wurden beanstandet: Im Kr. Alsfeld 23 Wohnungen und 76 Lehrlingsschlasräume, Kreis Büdingen 18 Wohnungen, Kr. Friedberg 12 Wohnungen und 2 Lehrlingsschlasräume, Stadt Gießen 18 Wohnungen und 2 Lehrlingsschlasräume, Landkr. Gießen 10 Wohnungen und 4 Lehrlingsschlasräume, Kr. Lauterbach 7 Wohnungen und Kr. Schotten 106 Wohnungen und 91 Lehrlingsschlafräume. Im großen und ganzen wurden die Beanstandungen von den Vermietern in entgegenkonnnendster Weise be- seittgt. Gütliches Zureden, ruhige Erörterung der vorgefundenen Mängel und der zu ihrer Abstellung erforder- pchen Maßnahmen haben fast immer zu dem erstrebten verhaftet. Sie hat ein Geständnis abgelegt. Ein neues Hesscnlied Fabrikant: H. BARKO WSKI, Berlin0. 27. Bbiot 2 Kg. 54 Pfg. pardynamin perdynamin-Kakao 10 Verkauf durch die Apotheken in Flaschen und Dosen ä 2.50 M. Die Handhabung der Wohnungsaufsicht ist naturgemäß recht verschieben. Es betrugen z. B. im Kreis Alzey die Beanstandungen nur 0,8 Proz. und im Kr. Friedberg 0,9 Proz. der untersuchten Wohnungen, im Kreis Schotten dagegen 38 Proz. Noch schärfer ist die Verschiedenartigkeit der Handhabung der Aufsicht, wenn man die einzelnen Gemeinden untereinander vergleicht. Während eine große Anzahl — auch volkreicher — Gemeinden überhaupt keine Beanstandungen hatte, wurden u. a. in Laubach und Schotten 20 Proz, in Brauerschwend 28 Proz., in Rainrod 53 Proz., in Ulrichstein 69 Proz., in Ruppertsburg 70 Proz. und in Nieder-Ofleiden 100 Proz. der unterrichten Wohnungen beanstandet. In allen diesen Orten ist eben die Revision mit besonderer Sorgfalt ausgeführt worden, womit nicht gesagt werden soll, daß dies in anderen Gemeinden nicht auch der Fall gewesen sei. Z. B. wurden in manchen Fällen im Vorjahr viele Beanstandungen erhoben und deshalb ist ihre Zahl in diesem Jahr viel geringer. Immerhin kann nicht geleugnet werden, daß in vielen Gemeinden die Handhabung der Wohnungsinspektion noch besser zu gestalten bleibt. Nach dieser Richtung hin wird in Zukunft die Tätigkeit des Landcswohnungsinspek- tors im verstärkten Maß zu lenken sein, wie auch von den Kreisämtern und Krcisgesundheitsbeamten in gleicher Richtting einzuwirken sein wird. Die vorgeschriebencn Anzeigen der dem Gesetz Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 29. Oktober 1906. Unser Hessen. Mel.: Vom hoh'n Olymp . . . Du liebes Hessen, unter deutschen Gauen Sei herzlich dir mein Gruß gebracht! Wie lacht aus deinen schönen, reichen Auen Tie volle Frucht, der Blüten Pracht. Jauchzend erschall es drum himmelwärts: Dir, unser Hessen, gehört unser Herz. Die Frucht, die ernstlich spendet alle Kräfte, Die süße, die das Leben schmückt,. Ter übermüt'gen Rebe gold'ne Säfte: Du bist mit allem hochbeglückt. Jauchzend rc. Ehrwürdig rauschen dunkler Wälder Bäume Um Bergeshäupter ihren Gruß, Um graue Burgen droben weben Träume Und heißer Sprudel quillt am Fuß. Jauchzend rc. Wie deiner Städte stolze Türme ragen Aus alter, frommer Heldenzeit; Dort klingen wider Nibelungensagen, Dort Barbarossas Herrlichkeit. Jauchzend rc. Hier hat des Römers schwere Hand gelegen, Tu aber brachst den fremden Bann. Und um des Geistes ehrlich freies Regen Gingst wieder du im Kamps voran. Jauchzend rc. Und heute auch bist fleißig du zu dienen Dem Ztlg der Zeit, der vorwärts drängt. Der Acker dampft, es donnern die Maschinen Und freier Mut die Geister lenkt. Jauchzend rc. Heil unserm Fürsten, jedem Streben offen, Mit weitem Herzen, weitem Blick. Laßt von der Freiheit uns mit ihm erhoffen Des Volkes künftiges Geschick! Jauchzend erschall es drum himmelwättS: Dir, unser Heffen, gehört unser Hei^. unterstehenden Mietwohnungen werden noch recht unregelmäßig erstattet. Ueber die Führung der Register sei mitgcteilt, daß bei Sttchproben erhebliche Irrtümer hinsichtlich der Zahl dsr Wohnungen, ihrer Grup- jicrung nach Räumezahl usw. gefunden wurden. In den meisten größeren Gemeinden sind die Register neu angelegt worden oder sie sind in der Neubearbeitung begriffen. Sie bedeutet ein erhebliches Stück Arbeit, doch haben sich ihr die meisten Ortswohnungsinspektoren bereitwilligst unterzogen, da sie erkannt haben, daß ohne geordnete Registerführung die Handhabung der Wohnungsaufsicht kaum möglich ist. Sandel und Verkehr, Volkswirtschaft. Die Kursgestaltung der Staatspapiere wird immer schlechter, einerlei ob es einheimische oder ausländische sind. Zum wesentlichsten Teil ist hieran die Geldnot schuld. Bei uns in Deutschland fängt man jedoch an, auch an den innerpolitischen Verhältnissen Anstoß zu nehmen und diesen mit die Schuld zu geben. Die Haltung der Regierung in der Bergarbeiter frage und dann wiederum die neueste Schwenkung ist es, was nicht recht gefallen will. Die preußischen Kvnsols und die deutschen Reichsanleihen haben gegenüber der für die, die nichts besitzen. Märkte. Gieße«, 30. Okt. Marktbericht. Auf heutigem Wochenrnarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.05—1.10 Mk., Hühnereier 1 St. 8—10 Dfg., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Vsg., Enteneier 0 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Käfematte 2Stck. 5-6 Pfg., Erbsen p.Pfd. 18-24Psg., Linsen p. Pfd.25-40Psg., Tauben pr.Pr.0,80—l,00Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse ur. Pid. 70—75 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfd. 82—88 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 80—82 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 90—100 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 104 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 84—90 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—7,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 4,00—5,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Zentner 15 bis 24 Mk., in Körben 00 Pfd., Nüsse 100 Stück 30—40 Psg., Birnen per Pfd. Alk. 0.10 —0.15, per Ztr. 9—15 Mk., Zwetschen per Ztr. 6,00—0.00 Mk^ Weißkraut per Stück 8—12 Pfg., per Zentner Mk. 2.20—2.50. — Marktzeit 8—2 Uhr. Spielplarc der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Mittwoch den 31. Oktober*): 2. Abonnements ° Konzert. Donnerstag den 1. November: „1001 Nacht" Freitag den 2. November : „Undine." Samstag den 3. November: „Samson und Delila." Sonntag den 4. November, nachmittags halb 4 Uhr: „Der Zigeunerbaron." Abends 7 Uhr: „Tie Hugenotten." Montag den 5. November, abends 6 Uhr: „Tristan und Isolde." Schauspielhaus. Mittwoch den 31. Oktober*): „Mamsell Nitouche." Donnerstag den 1. November: „Ein idealer Gatte." Freitag den 2. Nov.: „Das Blumenboot." Samstag den 3. November: Z u m e r st e u Male: „Verwehte ©purem" Lustspiel in 3 Akten von Sardou. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Blumenthal. Sonntag den 4. November, nachmittags halb 4 Uhr: „Mamsell Nitouche." Abends 7 Uhr: „Verwehte Spuren." Montag den 5. November: „Verwehte Spuren." •) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. der besten von allen Aerzten glänzend empfohlenen Nähr- nnd Kräftigungsmittel für Blutarme, Bleichstlchtige, Kranke und Rekonvaleszenten sind gleichen Zeit des Vorjahres 3—3Vs Prozent eingebüßt. Nur die 4 proz. Bayern sind gestiegen und notieren 101.30. Die Italiener, die im vorigen Oktober noch 105.65 standen, sind Herr Dr. Strecker in Bad-Nauheim sandte uns folgenden hübschen Hesienhymnus, der gewiß in ganz Hessen mit Beifall ausgenommen und allenthalben in gehobener Stimmung gern gesungen werden wird: Vermischtes. * Die Trennung des Herzoglich Marlboroughs schen Ehepaares, von der seit einiger Zeit in der Lon doner Gesellschaft die Rede war, hat sich nun vollzogen. Nach elfjähriger Ehe, aus der zwei Kinder hervorgegangen sind, finden der Herzog und seine Frau wegen völliger Verschiedenheit der Temperamente das weitere Ztlsammenleben unmöglich und werden künftig unter formeller Aufrecht- erhaltung des EhebundeS getrennt von einander wohnen. Die Herzogin ist die Tochter des amerikanischen Milliardärs Vanderbilt. *KleineTageschronik. Aus dem Bahnhofe inZabrze (Oberschl.) wurde ein Wagen mit geschlachteten russischen Schweine n polizeilich beschlagnahmt. Dos Fleisch war als Speck dellattert und nach Erfutt bestimmt. Der Besitzer ist der Großmetzger Groß, der Obermeister der Fleischer- Innung in Zabrze. Die Bahnbücher weisen nach, daß schon fünf Wagen auf diese Weise in das Innere Deutschlands geschallt worden sind. Ein Verfahren wegen Betruges ist eingeleitet. — Irischen Rathenow und Groß-Wudike ist eine überfahrene und getötete weibliche Person im Mter von etwa 36 Jahren aufgefunden worden. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, ' muß die Untersuchung ergeben. — Am 27. Oktober ist im Gleis 1 auf dem Bahnhof Oebisfelde ein Reisender tot aufgefunden worden. Vermutlich ist er beim Abspringen von dem bereits in der Ausfahrt begriffenen Zuge verunglückt. — &ie Gattin des Berliner Kaufmannes Silberstein, die in einer Nervenheilanstalt untergebracht wurde und aus ihr entwich, stürzte sich auf dem Bahnhöfe zu Mannheim unter einen Zug, durch den ihr beide Beine oberhalb der Kniee 06getrennt wurden. — Der Raubmörder, der am Sonntag nacht den Kutscher Haase ermordet und feiner Barschaft beraubt hatte, wurde in der Person eines polu. Arbeiters in Müncheberg bei Berlin verhaftet. Er in der letzten Zeit successive gewichen und innerhalb weniger Wochen um 2.30 Proz. gefallen. Alte Oesterreicher notieren annähernd das gleiche, ebenfalls 2.30 Proz. niedriger und die Ungarn haben bei einem 2Vs Vroz. Kürsverlust bis jetzig Aussicht auf einen schärferen Rückgang, sobald der ungarische Staat mit neuen Forderungen an den Markt kommt. 4 proz. Serben werden gegenwärtig zu 80.10 gehandelt, gegen 82.56, dagegen haben sich 4 proz. Spanier von 94.30 bis 96.10 gehoben. Vor Engagements in exotischen Werten sollte man gegenwärtig am besten abstehen und daß die russischen Staatsfonds ttotz der gegenwärtigen starken Agitation für diese. Papiere noch weit von Normalkursen entfernt sind, ergibt sich diaraus, daß die 4 proz. 1880 er Russen 72.50 stehen: sie haben gegen 20. September d. I. 21/2 Proz. gewonnen, sind aber immer noch gegen Anfang Oktober 1905 um rund 20 Proz. zurück; eine ähnliche Differenz ist auch bei den meisten übrigen russischen Staatswerten sowie den Eisenbahn priori täten zu finden. Nicht vergessen sei schließlich, daß auch die französische Rente unter dem neuen glorreichen Ministerium und trotz der abgegebenen Friedensversicherungen bis jetzt nicht gestiegen ist und die englischen Kvnsols gegenüber dem Vorjahr 3 Prozent zurückstehen. Demnach mögen sich unsere alten Rentiers mit den französischen und englischen ttösten: die Zeiten sind schlecht für die, die etwas haben uttb erst recht schlecht. Weizen 100 Kg. 19.00-19.25 Mk. Weißbrot 2 Kg. 54 Pfg. Roggen (neuer) 100 Kg. 17.00—17.25 Mk. Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg. Zweck geführt. Leider war die Anwendung von Zwung hat die Tat eingcstanden. Der,Raubmörder fuhr nach seiner nicht ganz zu vermeiden. Es war mehrfach, u. a. auch in Angabe mit dem KUtsck^r bis Eggersdorf mit, sah das Gc^ ffricMerq, der Erlaß von Polizeibefehlen erforderlich und st'-g °b und kehrte nach Muuchederg zurück Don einem dort einigemal mußten Wohnungen zwangsweise geräumt wer- /rtrümmerte diesem dann mit der Streben den. Emer besonderen Beachtung bedürfen die leergestellten _ Der große Sturm, welcher Ende der vorigen Wohnungen. Alle Wohnungsinspektoren versichern, cs werde bcn westlichen Teil Japans heimsuchte, hatte entsetzt orgfälttg darüber gewacht, daß diese Wohnungen nicht ^chc Folgen. Im Ganzen gingen 228 Schiffe auf hoher See nieder uezw. nur an solche Familien vermietet werden, unter. Die Zahl der ertrunkenen Matrosen und Fischer be- ur die sie ausreichen. Leiber kommen aber immer wieder zisfert sich auf über 800. Außerdem erlitten mehr als hundert Fälle vor, in denen diese Wohnungen von den Besitzern Matrosen Verletzungen durch fallende Masten und durch Gegen- elbst in Benutzung genommen werden. Es wird dies u. a. stände, die auf Deck losgerm en wurden Al-M 0 r d e rin be3 au§ Schlitz berichtet. Von den den Gemeinden: eingeräumten m r Brockfeld^wurde die Ehefrau des Toten Entergnungsbefugmssen ist nirgends Gebrauch, gemacht - ........ ... worden. Höchste Schlachwiehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 85—88 Mk. '/, Kg.Schlachtgew.100 -106 Pf. '/, „ „ 76—00 „ V, Kg. 82-88 Pfg. 7, , 84—90 , V, , 90-100 ,____ Getreidepreise in Mannheim Brotpreise in Gießen a 6> ca 8 a 8 E rr cs © © © 8 s« a s S e CB o co tie B LO CV s 5 5 E" o '»■ CT O er s a E = co o 3t c er o n c- 2 E = D s cs s ftO c- E CD o cs E 3 er to s 3 er cs -1 D 2. a B -tS £ B o ■LT - cs •xr o; -f 3 JO o B 3 O er ro s = B a VS vt 2" s er e xDT er o2 8 3 er t5> o: «’S* D 3 er D 's s © «ti g to B E i§f P er <ä -l 3 <-o = 3t=S 3 a. o« s o 2Z B"7?~ " <% 3 C er :ZZ8Z er c'T^a o s- g ? £ s 3 ■ü S'» 3 - 3 5 "Ä LZ' ®-= 2" 3 2. « 3 | 3 -2, o p 3 L-L 3 3 D 3 er o 3 3 co 3 er er 3 er 2’ co 3 o- o* co" 3 to o 3 er Zss o - —n «3 3 3 CO t3 3- cr 3 P’ tfo •iS o UP 3 O Ö2 o •er rs rs « 3 o« er o L< ö CF - 35 "O o "35 3 CO o - er 3 — 3. -e -3? "8" 2j 2 er J2. ©S 3 3< 2 S 7 2. 6) o- 2. 3 er go Oe 3C - & o r-c ^cp © 2. A US e> UP 75 3*. u » r- M P $5 E" O- 2. 3 -c 3 - 3- <° cd "TT Uö 35 ca p er 3 ro 3, «v « er 3 rj O- 5 2 —- o 3 co ^9 D7.' -3 «x> O 1 N-t 0$ 8 ° us" -T* er O >->■ e» — es UV to O- 3 <=? =., 3 «Ä^'L< D ö 3 er V=-= Ö2 5? G> 5» H. O JQ-35 2 50 8" 3 3 8 3>‘ er o 2. 66 3 <ü>3s-r- |I.J.-.I v-vr er to- 5X5 3 d' » wohn, mit Zubeh. auf sos. ob. spät. Schristl. Angebote unter 08063 an d. Gießener Anzeiger erbeten. 1 dis 2 möblierte Zimmer in freier Lage von Herrn gesucht. Schristl. Angeb. m. Preisang. u. 08095 an den Gieß. Anz. erb. Grosser Laden mit 3—4 Schaufenster in Mitte der Stadt, mit großen Lagerräumen und Hof pr. 1. Juni 1907 zu mieten gesucht. Kauf nicht ausgeschlossen. Schristl. Angebote unter 08064 Out möbl. Zimmer zu verm. 6479_______Neuenweg 0 II. Sch. möbl. Zimm. z. v. Nähe d. Kliniken. Franks. Str.52,1. [07875 Out möbliertes zimmer mir Schreibtisch zu vermieten. 6366] Goethestraße 48, pt. 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