Nr. 75 Zweites Blatt 156. Jahrgang Donnerstag ÄS. März 1906 Erscheint OgNch mit Ausnahme deS Sonntags. We ^Sietzeaer FamNiestblSttett* werden dem ,enAcmer viermal wöchentlich beigelegt. Der E^elstjch« taiOBUt** erichetnt monatlich einmal. Gietzener Anzeiger RotationSdrutk tmb Verlag der Vrühl'lchoi UnwerfttätLdruckeret. 9L Lange, ®wSa Redaktion, Txvedttion n. Druckerei' Cdmflkl Tel. Nr. 6L Delegr^Adr.: Anzerg« ÄuBBU General-Anzeiger, Amtr- »nd Anzeigeblatt für den Kreis Sichen. Aas Komprom'ß von Alaeciras. Uff!---so mögen setzt die Delegierten der Mächte in Algeciras erleichtert cufatmcn, nachdem nach wochenlang en Bemühungen nun endlich in der Polizcifrage ein volles Einverständnis erzielt worden ist. Der amerikanische Vermittlungsvorschlag fand die Billigung Frankreichs, obwohl er im Grunde genommen nichts anderes bedeutet, als eine ctiuaS andere Formulierung des österreichischen Vorschläge^ hinsichtlich der Beaufsichtigung der Polizcioffiziere; ob das diplomatische Korps gemeinsam mit dem Generalinspettcur die Aufsicht ausübt, oder ob dieser seine Berichte dem diplomatischen Korps mitteilt, ist de facto genau dasselbe, denn die Diplomaten hätten sich stets auf das militärische Urteil des Generalinspekteurs verlassen. Daß Frankreich in dieser Frage endlich nachgegeben hat, hat seine guten Gründe. Selbst die befreundeten Mächte begannen trotz aller entgegengesetzten französischen Darstellungen allmählich über die Haltung Frankreichs sehr mißvergnügt zu werden, weil Revoil und Regnault alle Vorschläge, welcher Art sie auch waren, ein schroffes Nein entgegensetzten, ohne ihrerseits sich zu bemühen, einen Gegenvorschlag zu unterbreiten, oder anzugeben, was sie eigentlich wollten. Es mußte dies den Eindruck Hervorrufen, als wenn man am liebsten französischerseits im Interesse jener Hintermänner es auf ein Scheitern der Konferenz ankommen lassen wollte. Aber Bourgeois mag wohl doch insgeheim ein Machtwort gesprochen haben, weil bei einer weiteren hartnäckigen Haltung man allerseits an der Aufrichtigkeit der französischen Negierung gezweifelt hätte. Es ging nicht an, daß Deut s ch- land, welches bisher eine Konzession nach der anderen machte, ohne daß man französischerseits auch nur einen Finger gerührt hätte, noch weiter nachgab. Offiziöse Auslassungen deutscherseits, sowie die Besprechungen unserer Vertreter in Algeciras dürften keinen Zweifel darüber gelassen haben, daß Deutschland an die Grenze seiner Nachgiebigkeit gelangt und kein Tipfelchen weiter gehen würde. Das hat anscheinend seine Wirkung nicht verfehlt und so ist, nachdem bereits der Redaktionskommission das Einverständnis Deutschlands und Frankreichs zu dem amerikanischen Vermittlunegsvorschlage mitgeteilt worden war, auch in der Plenarsitzung über diese Hauptfrage eine Einigung erzielt worden. Auch in der Bankfrage hat Frankreich schließlich nachgegeben, indem es sich mit zwei Anteilen begnügte, wofür dem französischen Konsortium ein Kontrollrecht über die Zolleinnahmen überlassen wird. Nur noch einige minder wichtige Punkte harren der Erledigung, und es steht wohl außer Zweifel, daß auch hierin ein Einverständnis erzielt wird. Die Verteilung der Häfen auf die spanischen und französischen Jnstruk- teure wird kaum viel Kopfzerbrechen machen, wenn nicht Frankreich sich nicht wieder noch ein bischen auf die Hinterbeine setzt, nachdem noch Revoil Anfang dieses Monats erklärt hatte, daß die Konferenz die Verteilung der Häfen vornehmen soll. Alm ehesten wird noch die Frage der Bankzensoren in befriedigendem Sinne geregelt werden: Italien und Oesterreich stellten das Verlanaen, gleichfalls einen Zensor ernennen zu können, wenn deren Zahl mehr als drei betragen würde. Um nun nicht auch noch die anderen Staaten zu einem gleichen Vorgehen zu veranlassen, ist England bereit, seinen An spruchau feinen Zensor fallen zu lassen, damit nur drei Stellen vorhanden sind, welche Frankreich, Spanien und Deutschland übertragen werden füllen. Man glaubt daher, daß Mitte nächster Woche die Ratifikation des Protokolls wird erfolgen können. So wird man denn vielleicht auch von der Marokko- konferenz sagen können: was lange währt, ivird gut. ?llle Abmachungen gelten zwar nur auf 5 Jahre, weil man erproben will, ob sich die Einrichtungen bewähren, indessen dürfte damit dem Vordringen Frankreichs in Marokko, der sog. Tunifikation, auf lange hinaus ein Riegel vorgeschoben sei. » Aus Berlin wird uns geschrieben.- Fürst Bülow veranstaltet heute ein großes' dramatisches Liner. An die Spitze der Eingeladenen stellt die „Nordd. Ällg. Ztg." den französischen Botschafter Bihourd. Es ist ein Essen zur FeicrderEinigungvon Algeciras, zur Feier der Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich. Man wird sich herzlichst beglückwünschen und die Hände schütteln, und Bihourd, der nach vor etlichen Monaten besorgten Auges eine Kriegsp'artei am Berliner .Hofe entdeckte und eiligst über seine Wahrnehmungen nach Paris berichtete, kann morgen melden, daß das Diner einen harmonischen Verlaus nahm, und daß der Reichskanzler von bezaubernder Liebenswürdigkeit war. Die gesamte Diplomatie der Großmächte scheint hochbeglückt. Alls den Aeußerungen der Konferenzteilnehmer klingt es sckner wie Begeisterung ob der Ergebnisse der langen Verhandlungen. Eine neue Aera des Vertrauens, das Morgenrot einer friedlichen Aera für Frankreich und Deutschland, freundliches und dauerndes Ein vernehme n zwischen den beiden Ländern, herzliche und aufrichtige Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland, Zerstreuung des Unbehagens, das aus Europa lastet: das und noch manches andere verkünden die Diplomaten mit mehr oder minder poetischen Worten der Welt als frohe Botschaft. Es geschieht so selten, daß die Diplomaten einig sind, daß diese Prophezeihungen viel Bestechendes haben. -Die Diplomaten müssen es doch wissen, ob die Zukunft sriedlick>e Aussichten gewährt, sie sind ja ui die Geheimnisse der Kabinette eingeweiht. Wir möchten den Jubel der Mgeciras-Diplomaten zunächst darauf zurückführen, endlich aus diesem trostlos öden Nest erlöst zu sein — denn das ist menschlich. Wir glauben auch daran, daß die Herren aus Ueber^eugung von der neuen Aera des Friedens gesprochen haben, und daß die Sprache in diesem Fall nicht dazu diente, die Gedanken zu verbergen. Aber solche tiefcgehende Verstimmungen, wie diejenigen zwischen Frankreich und Deutschland, werden nicht o h n e R e st b e s e i t i,g t. Bis in die letzten Tage Hecken sich die Preßorgane der deutschen und der französischen^ Regierung bis auf das grimmigste befehdet, der Ton war an Schärfe kaum noch zu überbieten. Ist anzunehmen, daß nun mit einem Male alles vergeben und vergessen wird? Denn die Pfeile, die hin und her flogen, batten ein anderes Ziel als die Leiter dieser Zeitungen. Hier kämpfte Regierung gegen Regierung — und mitten dazwischen befand sich das befreundete R u ß l a n d". Ist anzunehmen, daß die „auffällige" Handlungsweise Rußlands, Frankreichs zum Widerstand zu ermutigen und Deutschland durch Veröffentlichung der Note eine Zurechtweisung zu erteilen, in Berlin mit weiteren Beweisen rückhaltloser? Vertrauens und Wollwollens beantwortet wird? Ist Italien durch seine bockst seltsame Haltung auf der Kvnfcrenz unserem Harzen naher gerückt? Hat selbst Spanien im aller- mindesten zu schätzen gewuvt, daß Deutschland durch Eintreten für die allgemeinen Interessen in Marokko Spanien nützlich war, das, dnrck Geheimvertrag gefesselt, Frankreich selbst nicht zu widersprechen wagte? Kurzum, die Situation nach 'der Konferenz ist um nichts besser, als vor der Konferenz. Feinde ringsum. Allenfalls ist der Vorteil, daß wir cs nun sehr genau wissen und die Verläßlichkeit sogenannter Freunde kennen gelernt haben. Die Berliner Börse war heute d u r ch a n s n i ck t z um Enthusiasmus gestimmt, obwrhl ihr die Marvkkokonfe- rcnz Sorge genug gemacht hat. Aber es will kein recktes Vertrauen in die Zukunft aufkommen, trotz oder gerade wegen der beruhigenden Versicherungen der Diplomatie. Der Berichterstatter des Pariser „Matiu* in Algeciras interviewte die verschiedenen Delegierten über das Ueber- einkommen. Der englische Delegierte Nicolson sagte: Dos Uebereinkommen ist erfreulich und Frankreich und Deutschland müssen sich zu demselben beglückwünschen. Es gewährleistet die Interessen beider Länder und verletzt in keiner Weise die Interessen Marokko? oder irgend eines anderen Landes. Ich hoffe, das; es viel dazu beitragen wird, eine neue Aera des Vertrauens und der Ruhe herbeizuführen und so zur Erhaltung des Weltfriedens beizutragen. Rövoil sagte: Ich glaube, daß wir ein nützliches Werk vollbracht haben. TaS Bestreben Frankreichs, die Interessen aller zu achten, hat sehr dazu beigetragen, seinen Rechten Anerkennung zu schaffen. Ter glückliche AuSgang der Konferenz wird mit allgemeiner Genugtuung ausgenommen werden, und das wird die beste Belohnung der Delegierten sein. Herr von Radowitz sagte: Ich bin mit dem Uebereinkommen sehr zufrieden. Die Verständigung, zu welcher wir endlich gelangt sind, wird, so hoffe ich, zu einem freundlichen und dauernden Einverne h m e n zwischen den zwei großen Ländern sühren, die viele gemeinsame Intereffen besitzen und viel dabei zu gewinnen haben, sich gegenseitige gute und aufrichtige R a ch b a r n zu sein. Visconti Venosta sagte: Italien bedürfe nicht blos des Frieden?, e§ bedürfe auch der Sicherheit, daß der F r i e d e n i n Z u k u n s t aufrecht erhalten bleiben werde. Indem ich hier arbeitete, um eine A u s- s ö h n u n g zwischen unserem Bundesgenossen Deutschland und dein befreundeten Fr a n k r e i ch herbeizusühren, habe ich für die Intereffen Italiens gearbeitet. Italien hofft, daß die heute erzielte Entente zwischen Frankreich und Deutschland eine Entente cordiale werden möge in dein Sinne, ivelchem man der Entente cordiale zwischen England und Frarikreich gegeben hat. Algeciras, 28. März. (HavaS.) DaS Komitee hat heute vormittag die Aenderungcn betreffend die Erzielung bcsierer Steuererträqe und die Schaffling von neuen Einnahmequellen für Marokko geprüft. Das Komitee hat feiner Artikel 8 angenommen, der bisher zurückgestellt war. Die Waren ausländischer Herkunft sollen danach bei ihrer Einfuhr in Marokko mit einer Zuschlagstaxe von 21/, Prozent ihres Wertes belegt werden. Die Mehrzahl der Artikel wurde genehmigt. Algeciras, 28. März. Die nächste Sitzling am Donnerstag wird vornehmlich der Frage der Bankzensoren gelten. Der Herzog von Almodovar sagte beim Verlassen des Sitzungssaales wörtlich: Die Konferenz ift eigentlich beendigt, und es ist nur noch die Arbeit des Ordnens und Protokollierens der zustande gekommenen Beschlüsse und Verfügungen zu erledigen. London, 28. März. „Daily Expreß* meint, das Resultat der Konferenz sei für Deutschland ein unzweifelhafter Mißerfolg. Die Gerüchte von Bülows Rücktritt seien der beste Kommentar zu seiner Politik. Deutschland sei im staude gewesen, die Einsetzung eines Schiedsgerichts zu erzwingen, habe aber nicht den Schiedsspruch selbst für sich gewinnen können. preußisches Abgeordnetenhaus. Berlin, 28. März. Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist der Berickt der Kommission über den Staatshaushaltsetat. Zunächst erftMtct Graf v. Kahserling k- Neustadt den Generalbericht. Der vorliegende Etat sei von allen bisherigen der am reichsten bemessene. Tie innere politische Lage sei sehr erregt. Die Sozialdemokratie bemühe sich, auf Regierung und Landtag einen Druck auszuüben. Er freue sich ckahcr, daß der Minister fest auf dem Boden des 2 r e ikl a s fc n w a hlr e chtS stche. Tas Herrenhaus werde stets die Mittel bewilligen, um der Verhetzung seitens der Sozialdemokratie entgegcnzutreten. Redner bittet, den Etat zu genehmigen. Graf Mirbach geht auf die politische Lage ein und speziell auf den Llppell des Ministerpräsidenten zum Zusammenschluß aller b u r g e r l i ck e n E l e m e n 1 e. Er b e z w e i - zweifelt, daß ein solcher Zusammensckluß möglich ist. Aber nicht nur in Süddeutfckland, sondern auch hier in Berlin fei der Plan der Vereinigung aller Liberalen mit den übrigen Orv- nungSpartei'n gegen den Umsturz eine Ntop ic. Die Regierung solle sich durck eine vorübergehende Erhöhung der Matti- kularbeitrüge Zeit verschaffen für die Ausarbeitung eines vernünftigen geregelten Steuersystems. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben bemerkt, bic Steuern im Osten seien zwar hock, aber die Regierung habe in den letzten zwei Jahrzehnten sehr viel für die Landwirtscha ft getan. Tas einzige durchgreifende Mittel, um den Osten wieder aufzuhelfen, sei natürlich ein ausreichender Schutz dcr Landwirtschaft. Tie Zustimmung der einzelnen Regierungen zu einer Reicks- Vermögens- und Reichseinkommensteuer halte auch er für aus- g^Tr'^v. Burgsdorff erklärt, da mit Preußen das Reich stehe und falle, müsse auch hier Reichspolitik erörtert werden. Er fordert st rcngcreHandhabnngderGe setze gegenüber dcr agitatorischen Tätigkeit der Sozial- ^'crzog* v? Trachenberg beklagt gleichfalls die sozialdemokratische Agitation und fordert den Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien. In der Spezialdebatte wünscht beün Landwirtsckaftsrat Graf Oppendorf, daß d^s landw. Genossenschafts-und kommerzielle Bildungswesen an bet landwirtschastliclnu Hochschulen eine größere Förberung erfahre. Der Landwirt sch ast setat, der Etat der Forstvcrwall- ima niib eine R-nb' weit?- t E«.ns n-.-rb-,) bcwisiwt. Deutsches Reich. Berlin, 28. März. Der Kaiser traf heute mittels Automobil in Potsdam bei der Kaserne des 1. Garde- Ulanen-Regiments ein und besichtigte die OfsizierSreitftunbe. Von dort begab er sich nach der Kaserne deS 3. Garde- Ulancn-RcgimentS, hierauf zu den Leibgarde-Husaren und dann zum Regiment Garde-du-KorpS, wo er ebenfalls die OffizierSreitstunde besichtigte. Später nahm er im Offizierskasino der Garde-du-Korps das Frühstück ein. — TaS hundertjährige Besteden des Eisenwerkes dec Firma Gebr. Stumm wurde in Neunkirchen festlich begangen. Auf ein Ergebcnheitstelcgramm an den Kaiser lief folgende Antwort ein: „Ich habe den HuldigungSgruß, welchen die mit den Beamten und Arbeitern des dortigen Werkes festlich vereinten Mitglieder der Familie von Stumm anläßlich des hundertsten Gedenktages der Erwerbung des Neunkircher Eisenwerkes dargebracht haben, mit Freuden entgegen genommen und spreche allen Beteiligten Meinen wärmsten Dank aus. Die großartige Entwicklung, welche die Stummschen Wette im Laufe der Zeit erfahren haben, ist nicht zum mindesten zurückzuführen auf das traditionell gewordene vorbildliche Zusammenstehen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die musterhafte Fürsorge für die Wohlfahrt der Arbeiterschaft und den Geist der Königstreue und Vaterlandsliebe, in dem die Werke flets geleitet worben sind. Ich gebenfe dabei gern der hervorragenden Verdienste meines verewigten Freundes, deS Freiherrn Earl Ferdinand von Stumm-Halberg, und wünsche den Stummschen Werken auch fernerhin ein kräftiges Blühen und Gedeihen. Wilhelm R.* — Wie die .Köln. 3tg.' meldet, hat der Kaiser die aus CourrißreS heimgekehrten deutschen BergungS- mannschaften auffordern laffen, sich ihm am 2. April in Krefeld vorzufiellen.___ Politische Cagerscharr. Die Bevölkerungeduhtigkett ist nach den vorläufigen Ergebniffen der letzten Volkszählung vom 1. Dezember 1905 in den deutschen Bundesstaaten sehr verschieden. Im ganzen Reich kamen auf 1 Quadratkilometer 112.1 (1900 104.9, 1871 75.9) Einwohner. Am dichtesten bevölkert sind die Gebiete der Hansestädte; in Hamburg kommen auf 1 Qukm. 2107.1 (1900 1850.1, 1871 816.8) Einwohner, in Bremen 1027.4 (877.0 und 476.8), in Lübeck 355.6 (325.1 und 175.2). In allen drei Hansestädten hat sich also die Beoölkerilngsdichtlgkeit seit Bestehen des Deutschen Reiches mehr als verdoppelt. Au vierter Stelle rangiert das Königreich Sachsen mit 300.3 (280.3 und 170.5) Einwohnern auf 1 Quadratkilometer; dann folgen Neuß ältere Linie mit 222.9 (216.0 und 142.5), Reuß jüngere Linie mit 174.9 (168.4 und 107.8), Hessen mit 157.5 (145.8 und 111.0), Sachsen-Altenburg mit 156.0 (147.3 und 107.4), Anhalt mit 142.6 (137.5 und 88.7), Baden mit 133.2 (123.9 und 96 9), Braunschweig mit 132.3 (126.4 und 84.5), Schamnburg-Lippe mit 132.3 (126.8 und 93.9), Elsaß- Lothringen mit 125 0 (118.5 und 106.8), Sachsen-Koburg» Gotha mit 122.5 (116.1 und 89.0), Lippe mit 119.8 (114.3 und 91.5) und Württemberg mit 117.9 (111.2 und 93.2). Unter dem Reichsdurchschnitt stehen Cachsen-Mci- ningen mit 108.9 (101.6 und 76.2), Sachsen-Weimar mit 107.2 (100.3 und 79.2), Preußen mit 106.9 (98.9 und (70.7, Schwarzburg-Rudolstadt mit 103.0 (99.6 und 80.3), Schwarzburg-Sondershausen mit 98.8 (93.8 und 77.0), Bayern mit 85.8 (81.4 und 64.1), Oldenburg mit 68.2 (62.1 und 49.3), Waldeck mit 52.8 (51.7 und 50.2), Mecklenburg- Schwerin mit 47.6 (46.3 und 42.5) und Mecklenburg-Stre- litz mit 35.2 (35.0 und 33.1) Einwohner auf 1 Quadratkilometer. ________________ Ausland. London, 28. März. „Daily Telegraph* meldet aus New-Port, man habe ein großes Komplott entdeckt, welches von den syndizierten Arbeitern veranstaltet worden ist. und bezweckte, mittels Dynamit das Eigentum aller Arbeitgeber zu zerstören und letztere zu ermorden, satls sie nicht syndizierte Arbeiter beschäftigen. Einer der Verschwörer, namens Morau, soll geständig sein und alle Schuldigen angegeben haben. Er behauptet, daß die Verschwörer bereits Tynamitattcntate in den letzten Monaten in New-Port verübt hätten. Paris, 28. März. Aus Anlaß der unter dem Vorsitz dcS Marineministers Thomson stattgehabten Sitzung deS höheren Marinerats weist „Echo de Paris* darauf hin, daß bas Mitglied deS höheren Marinerats, Vizepräsident Fournier, in einem Bericht die Anschauung vertreten habe, daß alle Panzerschiffe und Panzerkreuzer in derNord- see konzentriert werden müßten. Das Blatt glaubt, der höhere Marinerat werde dieser Ansicht beipflichten. Frnhjahrs-Pferdemarkt. (Original-Bcricht dcS Gießener Anzeigers.) th. Gießen, 29. März. Unsere Stadt stand gestern unter dem Zeichen deS Pserdemarktes. DaS prächtige Wetter und der Umstand, daß die Landwirte draußen im Feld noch nichts tun können, hatte einen Strom von fremden Gästen zu uns geführt, deren Schaulust auch voll und ganz befriedigt wurde, denn der Markt ist ganz vorzüglich verlaufen und brachte wundervolles Pferdematerial und die Vorführung von im Besitz von Privatherren usw. befindlicher Gefp-annq mti> Wagen war überaus glanzvoll. Hvftohukntscher Huhu brachte einen Biercrzug (£cf)intmcl), wie man ihn eleganter nicht int Tiergartenviertel in Berlin findet, bann erregte, ebenfalls von Huhn vorgeführt, ein Paar Rappen vor einer Viktoria-Chaise und ein Fuchs int Gig allgemeines Aufsehen. Nicht minder elegant war ein Viererzug (Apfelschimmel) des Lohnkutschers Lunker. Man hörte nur Steuerungen, wie: Groh artig,^einfach großartig, das macht den Gießenern keine andere etabt in Hessen nach. Ter Markt selbst bot eine Auswahl von zirka 300 Pferd en und 40 Fohlen, meistens schwerer Arbeitsschläge. Ter .Handel war trotz der hohen Preise, die durchschnittlich für gutes Material verlangt wurden, recht flott. Bei der Prämiierung der von Landwirten vorgeführten Tiere konnte man bemerken, ttne man bei uns der Pferdezucht großes Verständnis und Interesse entgrgenbringt. Die vorgeführten Fohlen eigener Zucht erregten mit Recht daS Aufsehen und die Bewunderung der Pferdekenner. Die Prämiierung verlief wie folgt: I. Reitpferde unter dem Reiter gezeigt: S. Michel-Gießen 1. Preis., H. Storch- Treis- Münzenberg 2. Pr., Karl I uN g -Ostheim Slncrfennung. II. Wagen sch läge (paarweise): Gebr. Leopold-Nidda 2. Preis. Illa. Schwere Arb eits sch lä g e (paarweise): S. Michel-Gießen 1. Pr., Gebr. Leop o ld - Nidda 2. Pr., S. Michel-Gießen 3. Pr., L. Iessel - Weilburg und S. Kau sm an n-N.-Weisel Anerkennung. mb. Leichte Arbeits schlage (paarweise): Ed. Kaufmann -N.-Weisel 1. Pr., Aug. Frensdorf-Gießen 2. Pir., Gerson Katz-Steinbach 3. Pu, Meyer H e ch i n g - Kirchhain Anerkennung. IVa. Schwere Arbeitsschläge (einzeln):, Aug. Fr en sdorf-Gießen 1. Pr., S. Michel- Gießen 2. Pr., S. Kaufmann- N.-Weisel 3. Pr., & Iessel - Weilburg Anerkennung. IVb. Leichte Ar b e i t s s ch l ä g e (einzeln): Stug. Frensdorf-Gießeti 1. und 2. Pr., Eduard Kau fmann-N.-Weisel 3. Pr., M. Bin g-Lich Anerk. Va. Arbeitsschläge einzeln, im Besitz von Landwirten (Mitglieder deS Landes-Pferdezucht- ober Landwirtschaftlichen Vereins): Konrad Schimpf-N.-Weisel 1. Pr., Jakob Klippel- N.-Weisel 2. Pr, Konrad Kraus grill VIII.-N.-Weisel 3. Pr., Wilh. Gö b e l-Pohlgöns, I. Ang. He in z-Nieder- Weisel und W. W a g n c r II.-Kirch-Göns Anerkennungen. Vb. Arb eits sch lüge paarweise, im Besitz Von Landwirten (Mitglieder des Landes-Pferdezucht- oder Landwirtschaftlichen Vereinst: H. Jung IV.-Ostheim I. Pr., W e n z e l - H a f f e r HI.* N-Weisel 2. Pr., Karl Jung-Ostheim 3. Pr., Konrad Straßheim-Griedel und Ludw. Kreick.er-Wetterfeld Anerkennungen. Via. Dreijährige Fohlen (W a g e n s chl ü g e): Wilh. Weil-Langgöns 1. Pr., Louis Christ-Griedel 2. Pr., Gg. Krd. Müller- Griedel 3. Pr., Wilh. Faber- Kirch-Göns und C. A. Wagner-Laug-Göns Anerkenn.. VIb. Dreijährige Fohlen (Strbeitsschläge): Jäh. Faber-Leihgestern 1. Pr.. Pachter Klein-Hof Sllbach 2. Pr., Ludw. K r e i ck e r - Wetterfeld 3. Pr. VIIa. Zweijährige Fohlen (Wag en s ch l ä g e): H. Scheuermann II.-Echzell 1. Pr., Herm. W. Straßheim-Griedel 2. Pr., Bürgermeister Fenchel- Griedel 3. Pr., H. W. Müller-Griedel und Wagner IV.-Allendorf a. L. Anerkennungen. VHb. Zweijährige Fohlen (Arb eits schlüge): Otto Schm id t-Laubach 1. Pr., Ludwig K'röck- Hcuchelheim 2. Pr., Kasp. Georg Juu g-Leibgesterm 3. Pr. VIIIa. Zuchtstuten mit Fohlen ober nachweislich gedeckt. (Wagenschlüge): Fritz Wetz-Kettenmühle 1. Pr., K. Silges U.- Fauerbach v. H. 2. Pr., W. Straßhe im 3. Pr., Wilh. Göbel-Pohl-Göns, Konr. W eitz-Torf-Güll und Wilh. Wagner A -Kirch-Göns Slnertcnnungen. VIII6. Zuchtstuten mit Fohlen oder nachweislich gedeckt (Arbeitsschläge): tzrch. Bender-Griedel ]. Pr., S?. Sch im p f-Nieder- Weisel 2. Pr, Jakob Klippel-N.-Weisel 3. Pr., Ludwig Keßler V.-Ow.-Linden, K. B r o n n e m a n n - Heiberts- häuserhof, I. Slug. Heinz-N.-Weisel, Jakob Fay IV.- Langsdorf und Konrad Kransgrill mil.-N.-Weisel An- erkemrungen. Ehrenpreise erhielten für im Privatbesitz besind- liche Gespanne usw.: Stadtverordneter Löb er (Reitpferd, Apfelschimmel), Georg Dichter 1 Gespann Füchse, Russen im Viktoria- Wagen (außer Konkurrenz vorgeführt), Rechtsanw. Grünewald 1 GHpann Füchse, Ungarn, im Halbvardeck, Fabrik. Karl Lotz Einspänner, Selbstkutschierphaeton, Landwirt H. Jun g-Ostheim l Paar Rappen, Oldenburger, im Jagd- wagen, Hoflohnrutscher Huhn 1 Schimmelviererzug Lan- dauer, 1 Paar Rappen, Mylord-Einspänner, Fuchs, Gig. Lohnkutscher Junker Slpfelschimmelviererzng, Landauer. Anzeigen -Annahme für die nächste SaMStags-Aummer. Eine notwendige Aenderung im Betriebe zwingt uns, die Anzeigen-Slnnahnle für die nächste Samstags-Nummer früher als sonst zu schließen. Grotze Anzeige» Kleine Anzeigen zeigen, welche uns am Samstag ausgegeben werden, können wir keine Gewähr lelsten. Die Expedition des Gießener Anzeigers. Aus Stadt und Land. Gießen, den 29. März 1906. ** Stadtverordn eter Schiele f. Gestern starb nach vierteljährigem schweren Leiden einer unserer ge- achtetsten DÜtbürger, Stadtverordneter Ingenieur Friedrich Schiele. Ter Verstorbene war bis zu seiner Ertränkung unermüdlich in seinem Beruf tätig und genoß in fachmännischen Kreisen hohes Ansehen. Herr Schiele erreichte ein Alter" von nicht ganz 72 Jahren. Er wurde am 25. April 1831 in Frankfurt geboren, besuchte zunächst in seiner Vaterstadt die Schule und studierte sodann an der höheren Gewerbeschule (die jetzige Technische Hochschule) in Darmstadt und der Technischen .Hochschule in Karlsruhe. Nach vollendetem Studium war er einige Jahre als Mafchinsn-Hn- genteur in England tätig. Er vermahlte sich bann mit Fräulein Amalie Buderus von Hirzenhain und trat später in die Firma I. W. Subern5 Söhne in Hirzenhain als Ingenieur ein und zwar zunächst auf der Audenschmiede in Messen- Nassau und dann in Hirzenhain. 1879 siedelte Schiele nach Gießen über und hatte hier wesentlichen Anteil ander Erbauung der Main-Weser-Hütte zu Lollar und der Sophienhütte zu Wetzlar .Neben seiner reichen beruflichen Tätigkeit beschäftigte er fick) noch mit öffentlichen Angelegenheiten und stand als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung (seit 1890), des Kreis- und Provinzialtages, sowie des Provinzialausschusses bei feinen Mitbürgern in hohem Slu sehen. Tie mannigfachen Verdienste des Entschlafenen fanden auch von S. K. H. dem Großherzog Anerkennung durch die Verleihung des Ritterkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. In allen Kreisen der Bevölkerung wird die Nachricht von dem Todesfall herzliche Anteilnahme Hervorrufen und ein ehrenvolles Andenken ist dem Entschlafenen über das Grab hinaus gesichert. Tie Ueberführung der Leiche zu der in Hirzenhain erfolgenden Bestattung findet am Samstag vormittag 11 Uhr statt. ** Von einem oberhessischen Achtundvierziger, Capt. Louis Kimmel, der jetzt in Washington, (122 D st. n. 6.), der amerikanischen Bundeshauptstadt, lebt, sind der hiesigen Rickerschen Sortimentsbuchhandlung ein paar Briefe zugegangen, die uns von dieser gütigst zum Slbbrucf überlassen worden sind. Der alte Herr schreibt in seinem ersten Briefe u. a. folgendes: Obwobl schon über ein halbes Jahrhundert bi er in diesem Lande (den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. D. N.), so bange ich doch mit Herz und Liede an dem teuren alten Vaterlande. Ich bin einer von den wenigen noch leben- den Achtundvierzigern, habe ein sehr bewegtes Leben von 78 fahren hinter mir und werde auch bald heimkehren. Meine Wiege stand in dem Torle Rödgen, und am meisten interessiert es mich, etwas von der Universität und der Umgegend Gießens zu lesen. Tie Reihen der alten Freunde und Schul- und Jtigendgenosseu werden immer lichter und um die zu finden, muß man sie mit der Laterne aussuchen. In seinem zweiten Briefe erzählt Herr K. dann im ivesentlichen folgendes: „23or über 50 Jahren kam ichmittellos in dieses Land. Kurz nad) meiner Ankunft st a r b beinahe meine ganze F a m i 11 e, ums Personen, mnerhalb drei Tagen an der E h olera, nur ich und mein ältester Sohn, jetzt 56 Jahre all, blieben vom Tode verschont. Als id) mich wieder etwas von der Krankheit erholt halte, sägte ich Holz drei Jahre lang. Dann wurde id) Redakteur einer deutschen Zeitung, bis der Krieg ausbrad), lieb mich einreihen als Gemeiner und nad) Beendigung des Krieges wurde ich ausgemustert als Haupt m a n n. Später wurde ich 4 Jahre Friedensrichter, 6 Jahre B ü r g e r m e i st e r der Stadt La Fayette, Indiana (25 000 Einw.), 4 Jahre Kassierer einer Bank, 4 Jahre Präsident vom Schulrate, 2 Jahre Gouverneur von Alaska und 4 Jahre K a s s i e r e r im Verein. Staaten - M a r s ch a l l a m t e hier. Seit 12 Jahren lebe ich zurückgezogen. Ick) habe früher sehr viel für Zeitungen geschrieben, deutsch und englisch, aber jetzt geht es nicht mehr — alt und nervös." Die schlicht treuherzige, zum Teil leicht wehmütige Tonart der Briefe dieses vielerfahrenen greisen Landsmannes wird manchem unserer Leser zu Herzen gehen. Vielleicht spinnen sich jetzt zwischen ihm und diesem oder jenem unter seinen heute nod) lebenden heimatlichen Kindhcits- und Jungend- Kameraden neue Fäden alter vergessener Freundschaft an. Möge des schicksalsreichen Greises verdämmernder Lebensabend friedvoll sich gestalten. ** In Audienz empfangen wurde von S. Kgl. H. dein Gr o ß h e r z o g am 28. März Major Hoffmann vom Stabe des Infanterieregiments Nr. 29 und Beigeordneter Kommerzienrat Georgi von Gießen. ** Verhaftet wurde gestern ein zugereister H an d wer ks bursch e, der auf der Straße spielenden Kindern gegenüber unzüchtige .Handlungen vorgenommen hatte. ** Fahrrad dicbstahl. Ein hiesiger Einwohner erstattete gestern Anzeige, daß ihm am 20. 1. M. ein Fahrrad gestohlen worden sei. Angenehm überrascht war der Mann, als man ihm mitteilte, daß das Rad bereits in Kassel einem Handwerksburschen abgenommen worden sei und der Täter den Diebstahl ein gestanden habe. •* Aus bem Bureau des Stadttheaters. Sim nächsten Samstag hat Frau Elfriede B a y r h a m m e r Benefiz. Sie hat Sudermanns „Heimat" gewählt. -f- Reiskirchen, 29. März. Ter schon lange geplante und auch vom Gemeinderat genehmigte Pfarrhausneu- b a u soll in diesem Frühjahr nod) begonnen und so rasch wie möglich gefördert werden. Tic Baukosten belaufen (id) auf 18 000 Mk. ff Lauterbach, 28. März. Man schreibt uns von geschätzter Seite: Ihre gestrige Kummer enthält eine Notiz über die vom nationalliberalen Wahlausschuß einberufene Versammlung, in der Dr. Wall au und Hagemann sprachen, in weld)er behauptet wird, das; der Besuch der Erwartung nicht entsprach. Demgegenüber fei mitgeteilt, daß nur Wahlberechtigte ein geladen waren und die Versammlung von etwa 2 50 Personen besucht war. Tie Slusführungen von beiden Rednern fanden andauernden, lebhaften Beifall. Ter Verlauf der Versammlung war ein sehr oefriedigender und namentlich Dr. Wallau ivurde sehr herzlich begrüßt. Darmstadt, 28. März. Slm Dienstag, 27. d. SN., 5 Uhr 30 Mm. nachm. trafen der Fürst und die Fürstin zu Solm s-.H o h cu s o lm s - Lich zu mehrtägigem Aufenthalt im Neuen Palais ein und folgten mit den Großherzogl. Herrschaften abends einer Einladung des Preußischen Gesandten zum Diner. Slm Mittwoch, 28. d. M., empfingen die Großh. Herrschaften den Erbprinzen und die Erbprinzessin zu Löwenstein aus Klein-He ubach und zogen dieselben zu dem darauffolgenden Frühstück. (Darmst. Ztg.) h. Frankfurt a. M., 28. März. In der letzten Nach! kam es auf der Babenhäuserlandstraße in der Nähe des Isenburger Waldes unter dort lagernden Zigeunern zu einer ausgedehnten Schlägerei, wobei Schußwaffen, Meffer und'Knüppel die Hauptrolle spielten. Ein 23 jähriger Zigeuner erhielt einen Schuß in die Magengegend, sowie einen solck)en in den rechten Oberschenkel. Ein weiterer an der Schlägerei beteiligter Zigeuner tourbc schwer verletzt nad) dem achten Polizeirevier am Slffentorplatz in Sad)se»hausen verbrad)t, wo außer diesen) nod) drei andere verletzte Zigeuner hingebracht wurden. Bei einer sofort aufgenoimuencn polizeilichen Verfolgung wurde eine Zigeunerbande von 40 Personen, ohne Männer, angetroffen. — Die Polizei hat abermals eine Einbrecherbande dingfest gemacht, im ganzen acht Personen. -r Ehringshausen a. d. Dill, 28. März. Gewerkschaftssekretär Sd)midt-Dillenburg und Verbandssekretär Scherer-Offenbach referierten im Saale des Wirtes Ströb- mann vor einer zahlreichen Slrbeiterversammlung znm Zwecke einer Arbeiterorganisation, die auch jetzt zustande gekommen ist. 26 Arbeiter sind dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutsck)lands beigetreten und es wurde hier eine Zahlstelle errichtet. Am Slnfang des Jahres waren in unserer Gegend ca. 600 Arbeiter in christlichen Gewerkschaften organisiert, jetzt hat sich die Zahl bereits verdoppelt. Treysa, 26. März. Ein Ausländer — Name und Herkunft ist unbekannt, er hatte wohl ziemlich viel Geld, aber keine Legitimationspapiere bei fid) — wurde heute nacht schwer verletzt in einer Straße aufgefunden und einstweilen im Gerichtsgesängnis iintergebrad)t, von dort aber in die Anstalt Hephata überführt. Dort ist er gestorben. (Hess. Ldsztg.) Das Unglück von CourrrLrcs und die französischen Ausstände. Die Hinterbliebenen werden einen Prozeß gegen die Grubengesellschaft anstrengen. Sie behaupten, daß die Gesellschaft das Unglück verschuldet habe, weil die notwendigen Sid)erheitsmaßregeln nicht vorhanden waren. Es wird erwartet, daß die Gesellschaft verurteilt wird, den Hinterbliebenen eine lebenslängliche Rente entsprechend dem Lohne der Verunglückten auszuzahlen. Das Referendum im Minendistrikt von LenS und Umgegend ergab 2 0 000 Stimmen für die Fortsetzung des Ausstandes und 12 000 für die Aufnahme der Slrbeit unter Annahme der Zugeständnisse der Gesellschaften. Bei Schacht III, als Gendarmen und Dragoner Ansammlungen von SlnSständigen zerstreuten, wurden Revolver- schüffe abgegeben. Der Täter konnte nicht ermittelt werden. Vermischtes. 'Der Bergrutsch bei Koblenz. Am 28. März fand burd) eine Kommission, bestehend ans den Vertretern der Regierung in Koblenz und des Oberbergamts Bonn, eine Besichtigung des Bergrutschgeländes statt. Die Kommission besichtigte and) die Tongruben und die oberirdischen Entwässerungsanlagen. Bergrat v. Dassel äußerte sich u. a. wie folgt: Im großen und ganzen haben die WitterungS- verhältnisse auf die Katastrophe außerordentlich ungünstig ein- gewirkt. Die Frage bleibt offen, ob die angeschüttete Halde die direkte Ursache der Katastrophe war oder fördernd gewirkt hat. Diese Frage wird für die Entschädigungspflicht maßgebend sein. Nach amtlichen Feststellungen sind 54 Häuser geräumt und weitere 25 sind gefährdet. 30 Häuser müssen niedergelegt werden. 350 Personen sind obdachlos. Sluf Sluregung des Landrats hat sich ein Hilfsausschuß gebildet. Newy ork, 28. März. Die Diebstahls anklage gegen den verhafteten früheren Vizepräsidenten der Newyorker Lebensversicherungsgesellschaft Perkins, den Teilhaber Morgans, wird damit begründet, daß er aus den Mitteln der Gesellschaft an das republii konische Nationalkomitee während der Präsidentschafts- fampagne im Jahre 1904 48 702 Dollars gezahlt habe. Ehe Perkins vor dem Polizeirichtcr erschien, erwirkte sein Anwalt einen Habeas-Corpus-Befehl. Infolgedessen kam die Angelegenheit vor das höchste Gericht. Die Vizepräsi-, deuten der Mutual Life Insurance Company, GranniZ und Gillette, sowie der Trustee der Gesellschaft, Gerry, haben ihre Aemter n ie der gelegt. * Der bellende Papagei. Ein in Wien wohnender Privatmann, der nebenbei einen Handel mit Vögeln betreibt, kaufte von einem in Eimsbüttel-Hamburg wohnenden Vogelhändler zwei gut sprechende Papageien (sogenannte Amazonen) zum Preise von 80 Mark. Als die Kiste in Wien cintraf, befanden sich in dem Behälter drei Papageien; der eine war jedod) krank und sck)on halb tot, der zweite machte in seinem ft'äfig einen entsetzlichen Lärm und der dritte, der beste von allen, schrie fortwährend. Der Wiener, der eine falsche Sendung erhalten zu haben glaubte, wandte sich an die Hamburger Polizeibehörde, der er in einem Schreiben mitteilte, der eine Papagei schreie tagsüber mindestens acht Stunden in ohrenzerreißender Weise. Sein ganzes ,Sprechen"' bestehe darin, daß er wie ein Hund belle, wie eine Katze miaue oder wie ein Huhn gackere. (Das würde doch eine große Seltenheit fein!) Bei einem solchen Hunde- gebell sei die Katze in der Dunkelheit bereits gegen den Käfig gesprungen und habe dabei einen Schaden an Geschirr für 50 Mark angerichtet. Der Hamburger Händler wolle die Papageien nicht zurücknehmen, und daher bitte er, der Briefschreiber, die Polizei um Hilfe. Seinem Wunsche ist Folge geleistet worden, und der Fall wird untersucht werden. Der bellende Papagei wird nun hoffentlich den Schnabel — zum Sprechen auftun. ^LusrsL und Wissenschaft. Mannheim, 28. Mürz. Der Stadtrat wählte heute ein- stiinmiq zum Intendanten desHvftheaters den Feuilletonredakteur der „Rheiniscli-WestfölMen ,Zeitung" Dr. Karl Hagemann in Essen. Dr. Hagemann i)t 34 Jahre alt. Er studierte Philosophie, Kunst- und Musikgesdsickte, promovierte in Heidelberg und war dort Slssistent bei Professor Dr. Rtd>ird Schröder. Dr. Hagemann ist Verfasser zahlreiclier Publckatwnen über Dramaturgie. Itnrversrtäts-Nachrichten. — An der Universität Greifswald findet auch in diesem Jahre vom 9. bis 28. Juli ein Ferienkursus statt. Die Fächer sind u. ci. folgende: Phonetik (Prof. Henckenkamv), Deutsche Sprache und Litteratur (Pros. Dr. Heller), Religion (Konsistorialrat Prof. Hanßleiter), Philosophie (Proi. lliehmke), Geschichte (Pros. Seeck und Bernheim), Volkskunde, Folklore (Pro?. Radermacher), Kunstgeschichte (Prof. Seeck), Geologie tProi. Dcecke), Physik (Prof. Mie), Botanik (Prof. Schütt), Hygiene (Geheimcrat Pro'. Löffler). Landwirtschaft. — Das Defizit deS landwirtschaftlichen Lagerhauses Regensburg ist auf 43000 Mk. festgestellt nwrden. U n r e r s ch l a g u ii g e n des Verwalters liegen hinter der letzten ordeiulichen Revision iiuM Kirche und Schule. — Jede? zehnte schulpflichtige Kind — nicht oollia normal! In der Schweiz wird bereits seit dem Jahre 1899 in Den meisten Kantonen (in 18 von 25) eine ärztliche Untersuchung der ins schulpflichtige Alter gelangenden Kinder vorgenommen. Dabei hat sich dort ergeben, daß jedes zehnte Kind beim Eintritt in die Schule nicht völlig normal, b. b. mit leichteren ober schwereren körperlichen Krankbeiten oder (Scbrecben bebauet ist, die allerdings in vielen ftäflen mit zunehmendem Alter von selbst ver- schwinden oder durch richtige Behandlung gehoben werden können. Im Jahre 1903 wurden 57 765 Kinder ärztlich untersucht. Davon waren 5982 unnormal. Bon diesen waren 20 — 0,3 Proz. blödsinnig, 570 — 9,5 Proz. schwachsinnig \u einem geringeren Grade, 170 — 2,8 Proz. schivachsinnig in einem höheren Krade : mit Kehörorgansehlern waren behastet 666 — 11,1 Pro;., mit Sprachorgaiisehlerii 757 — 12 7 Proz, mit Seboraonfeblent 2353 — 39,4 Proz., mit Nervenkrankheiten 41 = 0,7 Proz., mit anderen körperlichen Shmifheiten 1381 = 23,1 Proz., sittlich verwahrlost waren 24 — 0,4 Proz. Versorgung in einer Spezialklasse oder -Anstalt wurde für 296 Kinder bcfüiroortet. 406 Kinder ivurden für ein Jahr von der Schule ausgeschlossen. Was die beiden 0> e- schlechter anlangt, io sind die Knaben und die Mädchen im allgemeinen in ziemlich gleicher Aizzabl bei den Beanstandungeil beteiligt. Beachtenswert ist jedoch, daß bei den Knaben Uiehr mie bei den Mädchen Sprachorganfehler festgestellt wurden, während dagegen die Mädchen mehr wie die Knaben mit Seb- organ fehlem bebastet waren. In den 3 Jahren 1901, 1902 und 1903 betrug nämlich die Zahl der Svrackiorkiawehler bei den Knaben 414, 520 und 483, bei den Mädchen 239 305 und 274, die Zahl der Sehoraaniehler bei den Knaben 980, 1089 und 1058, bei den Mädchen 1256, 1287 rind 1295. Es wäre von Interesse z»i erfahren, ob diele Beobachtlmg auch anderwärts gemacht worden ist. (Nachdruck verboten). Sandel und Verkehr, Volkswirtschaft. Die preußische Z c n t r a l-Bo d c n kr e d i t -A kt je n- Gesellschaft wird eine Dividende von 9 Prozent (wie i. V.) verteilen. (SS wird ferner mitgeteilt, daß die Unkosten im cnt- inrcdicnbcn Verhältnis zu den Umsäßen gestiegen sind. Weitere Absclireibungen seien nicht nötig, da das Grundstück so niedrig zu Buch stehe, daß solche nicht vorgenommen zn werden brauchten. Dom Geldmarkt und den Staatsanleihen. Aus Bankkreisen stammende Berichte über die Marktlage bleiben in erster Linie bei der .Lwfftmnci, daß die Gkldversteifiing sobald ein Ende erreicheit wird, sobald die Marokkoangelegenhnt^ ihre Erledigung gesunden habe. Da man nun nach den neuesten Depeschen aus Algeciras hart vor dem Schluß steht, so werden wir schon in den nächsten Tagen das froh? Ereignis erleben. Augenblicklich halten sich die deutschen St'atspaviere trotz des vvrläuiig teuren Geldstandes ziemlich fest. Mau hofft noch auf die guten Wirkungen des Sparkassengesekc-s Eine Abschwächung der älteren Anleihen wird abc^ unausbleiblich sein, sobald die großen Summen der neuen Anleihen kommen. Von den Auslandsrenten gehen die Ungarn stetig zurück. Es bestätigt sich damit nur, was wir schon seit Wochen sagten, man hat von Ungarn aus politischem Gebiet vorerst nichts Gutes zu erwarten, im Gegenteil spitzt sich bic Lage mehr und mehr zu und deshalb gehen auch die ungarischen Werte, auch nickst die festverzinslichen Papiere ständig zurück, während sich die Sesterreichischen noch immer gut behaupten. Für die zukünftige Rufsenanleihe wird in Bank- frcifeu mit Hochdruck gearbeitet und Stimmung beim Publikum zu machen gesucht. Zu wünschen wäre nur, daß eine neue Russen- Anleihe in Deutschland keinen Anklang fände. Wir haben fürs erste keinen weiteren Handelsvertrag mit R"ßland abzuschließen, also auch keine Rücksichten gegen Rußland zu nehmen. Von der Berlin erBörse. Auf die Nachricht von einer grundsätzlichen Einigung in Algeciras war die Haltung zwar recht fest, aber der Verkehr unerwartet ruhig und blieb auf einzelne Werte beschränkt. Banken waren weiter beliebt, da nun der Beginn der EmisswuStätigkeit erwartet wird. Deutsche Bank waren bevorzugt auf ein neues chilenisches Geschäft. Fonds verkehrten etwas lebhafter. Russen waren matter auf Moskauer Streiibesärckstimaen und auf absprechende Diskussionen über evnc neue Anleihe. Mlgemeine Elekrrizitätsaktien waren schwächer. Im weiteren Verlaufe schwächte sich die Haltung wieder etwas ab auf leickstes Anziehen des Ultimogeldes. Nur Japaner waren reger gefragt. Sonst herrschte Realisationslust am Kassamarkt, die schließlich and auf alle übrigen Gebiete einen leichten Druck pusübte. Privatdiskont 4 Prozent. K a l i I n d u st r i c. Wie verlautet, sind die seit der letzten Efesellschaftsverfammlung schwebenden Einigiinasverhandlnngen zwischen dem Kälistrndikst und dem Kaliwerk Sollstedt mißglückt. Der Aussichtsrat des Kalimndikats hat daher in feiner Sitzung am letzten Samstag beschlossen, die Forderung Sollstedts ab- zu lehn en. Tie nächste Vcrs--'M'"s"iia findet am 3. April statt. Märkte. (th.- Gießen, 28. März. Der diesmalige Viebmarlt hatte einen Auftrieb von ca. 1250 Stück Großvieh, 250 Kälber und 600—70° Stück Schweine. Weil an den gleichen Tagen auch in Limburg Mgrkt war, waren zahlreiche kleinere Abnehmer dem hauptmarkt fern geblieben, hatten jedoch beiut Vormarkt in dcu Ställen erhebliche Einkäufe in Milchvieh gemacht. Trotzdem fehlte es nicht am Markttage selbst an Kundschaft für gute Milchkühe, obschon die Ware knapp und auch außerordentlich teuer war. Mitlelware war weniger begehrt, und für geringere Kühe fehlte es an Abnehmern. Der handel in Fettvieh war lebhaft bei guten Preisen. Das Geschäft in Kälbern war sogar recht flott. Frankfurt Irttc Bedarf und kaufte den größten Teil des Vorrats au. Fahrvieh, bas nicht stark^vertreten war, wurde gesucht und lebhaft gehandelt. Auf dem Schweinemarkt zeigte sich das alte Bild: Teure Preise trotz, des langsamen Geschäfts, so daß der Vorrat nicht unterzubringen war. — Es wurden bezahlt: Kühe frischmelkend und tragend. 1. Qual. 400—530 Mk. (einzelne Tiere bis 550 Mk. : 2. Qual. 375—425 Mk.: 3. Qual. 275 bis 340 Mk. pro Stück. Fettvieh wurde aögesetzt, der Zentner Schlachtgewicht, fette Rinder 1. Qual. 72—-74 Mk., 2. Qual. 68—70 Mark: fette Kühe, 1. Qualität 64—67 Mark, 2. Qual. 61—62 Mark. Kälber 1. Qual. 76—78 Mk., 2. Qual. 68—72 Mark, 3. Qual. 62—65 Mk.: Gcmgvchsen wurden verkauft pro Paar 1. Qual. 760—925 Mk., 2. Qual. 680—750 Mk. Die Preife für Schweine waren dieselben wie am letzten Markt. Ucbcrftänbig blieben ältere Milchkühe und Schweine. Nächster Markt am 24. und 25. April d. I., am zweiten Tage auch Krämcrmarkt. ke. F r a n f f u r t a. M., 29. März. (Telegr. Orig.-Bericht de- , Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Diehmarkt. preise. Zum Verkaufe standen: 9 Echsen, 0 an? Ceftcneirb 0 Bnllen, 0 aus Qefkerreich, 64 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ait§ Qoster., 773 Kalber, 135 Schafe und Hammel, 8 Ziegen, 101 Ziegenlämmer, 77 Scba’lämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 77—78 Mk., 2. Qnalstät 72—74 Alk-, 3. Qualität 00—00 Mk.: Bullen 1. Qual. 00—00, 2. Qual. 00—00: Kühe 1. Qualität 70—72 Mk., 2. Qual. 65-66 Mk., 3. Qual. 47—48 Mk., 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qnal. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 89—93 Pfg., Lebendgewicht 54—57 Pfg., 2. Qualität 81 — 86 Pfg., Lebendgewicht 48 51 Pfg., Schlachtgow 61—65 Pfg.: Schafe: 1. Qnal. 78—80 Psg., 2. Qual. 70—72 Psg. Geschäft: bei Hornvieh lebhaft, Uebersland unbedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Neberftand. Limburg a. d. L., 28. März, ftmrhtmarft. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen 15.43 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn Mk. 12.45, Gerste 00.00 Mk., Haler 8.35 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Wll rnüP r 1'rbrrW brr ssin ttx irfjen 11. Woche. Vom 11. bis 17. März 1906. Einwohnerzahl: angenommen zn 29 500 (iufl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitszmer: 21,14 nach Abzug von 9 Ortsfremden: 5,22 Zra. Kinder ES starben an: Zusatnmen: Erwachsene: im vorn 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Langenentzündung 1 1 — — Brustfell- cntu'mbtmg KD 1 (D — — Herzlähmung 1 (1) 1 (1) — — Krebs 3 (3) 3(3) — — ®ehirn= entzündung 1(D KD — — Rbackütis 1 — 1 —— Masern 1 (1) — — 1(1) Tnberkulofe bc5 Geh nits 1(D — 1(1) löttiche Körperverletzung KD 1(1) — — an unbefannten Ursachen 1 — 1 — Summe 12 9) 8(7) 2 2(2) Anm.: Dic m Klammem gefetzten Ziffern geben an, mie mol der Todesfälle in der belresienden Krankheit au< von auswärts nach Osten en gebracksto Kranke kommen.__ Schiffsirachrrchten. 'Ji r o tmr i n i r. Der Postdampfer ^Westerland" der Red Star Linie in Antwerpen, ist laut Telegramm am 26. März wohlbehalten in Newport angekommen Der Poftdampfer „Finland" der „fReb Star Linie" in 'Antwerpen ist laut Telegramm am 26. März wohlbehalten in New-Bork anqekommen. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hesse» ffir Freitag, den 30. März 1906: Wieder völlige Aufheiterung und trocken. Nachts Zunahme des Frostes, am Tage wärmer als heute. Näheres hiirrh dn» ttsteßener Wetterkarte. Orrgrsral-D^ahtmeldungen. Berlin, 28. März. Dein Reichstage ging ein Gesetzentwurf zu, nach welchem das Gesetz betreffend die Ausgabe von Reicbskasscnscheincn dahin abgeändert wird, daß künftig die N e ich sk a s f en sche in e nur in Abschnitten von fünf und zehn Mark statt 5, 20 und 50 Mk. ausgescrtigt werden. Berlin, 29. Marz. Das hochbetagte Hausverwalter- Ehepaar Reichert, die Alleinbewohner einer einzelstehenden Villa im Vorort Schöneberg, wurde gestern abend von deren Tochter im Keller mit schweren Kopfverletzungen tot aufgefunden. Es wird Raubmord vermutet, obwohl ein verstecktes Sparkassenbuch unversehrt vorgefunden wurde. Der Tater ist spurlos verschwunden. Hamburg, 29. März. Tie Seeleute beschlossen in einer Versammlung, am 30. März endgiltig über einen allgemeinen Aus stand zu entscheiden. Gnesen, 29. März. In Wapow wurde ein Raubmord an dem Maurer Herold verübt. Dem Ermordeten wurde im Kampfe die Kehle durchschnitten und ein Ohr ab- gebissen, sowie Barschaft und Uhr geraubt. Der Täter ist verhaftet. Schreiberhau i. Nicfengeb., 29. März. Der Gärtner Prüfer gab auf den ihn verhaftenden Gendarmen zwei Revolverfchüsse ab, die fehlgingen. Während des Ringens traf ein dritter Schuß den Prüfer selbst tätlich. Kiel, 29. März. Das Oberkriegsgericht der Ostsee« ftation erhöhte die Strafe des Obermaaten Schmidt vom Torpedoboot 82 am 4 Monate Gefängnis, da 1 5 8 Fälle von i 6 6 ci n b I u n g e n Untergebener erwiesen wurden. Nürnberg, 29. März. Die " freien Gewerkschaften angehörenden Arbeiter der Siem. -Schuccke>t«Werke beschloffen, alle Ueberstunden zu verweigern. Den dieser Weisung Zuwiderhandelnden wurde die Ausschließung angedroht. Varis, 29. März. In Entgegnung auf die gestrige Erklärung der „STnrhb. Ma. Ztq", dcrzufolge der russ. Botschafter dem Fürsten Sinbolin gegenüber die Veröffentlichung der russischen Note im „Ternps" eine grobe Taktlosigkeit und Verdrehung der Wahrheit genannt hatte, schreibt Georg Billi-rs, der diplomati''che Mitarbeiter bc5 „Temvs'", folgendes: Tie dem russischen Botschafter in den Mund gelegten Worte waren absolut unwahrscheinlich. Es hat mir^dabcr bnrn.it gelegen, hier feststellen zu können, bas; die ..Nord. A l l g. Z t g " abermals eine lügenhafte Information veröffentlichte. Diese Versicherung kcmn ich heute erbringen. Ich bin in der Lage, oufS formellste zu erklären, daß .Herr Nelidow in seiner Unterredung mit dem Fü-sten Radolin weder eine solche Sprache geführt, noch AuSd""'cke ongewend"t hat, die die „Nordd. Eg. Ztg." ihm fälschlich zuschreibt. Ich brauche nicht hinzu--ufiigen, daß meine Erklärung nicht dementiert werden wird. London, 29. März. Wie der „Daily Telegraph" ouS Tokio meldet, vollzog sich int Unterhaus die end- giltige Annahme de? 6'csetzes über die Verstaatlichung der Eisenbahnen am 28 .März unter großer Unordnung. Es kam zu einer Prügelei zwischen Abgeordneten, sodaß Polizei in den Sitzungssaal gerufen werden mußte, um Ordnung zu schaffen. Moskau, 28. März. Die Duma-Wahlen de§ 1. Grades in Moskau ergaben folgendes Eraebnis: Gewählt 63 Wahlmänner des 2. Grades von der Rechten, 35 von der Linken, 8 unbestimmter Parteirichtung. Unter den Wcchl- männern befinden sich Schipow, der Vorsitzende der Partei „Verband vom 30. Oktober", und Fürst Dolgorukow, der Vorsitzende der demokratischen Verfassungspartei. New-Port, 29. März. DaZ Marinekomitee des Kongreßes erklärte sich einverstanden mit der Forderung von 10 Millionen Dollar für den Bau eines Linienschiffes von größeren Dimensionen als den englischen „Treadmought". Baku, 29. März, heute wurde mitten in der Stadt der Direktor der NaphthagewinnungSqefellschaft, Rechtsanwalt Dnlukhanow, von einem Mann schwer verwundet, der mit seinem Begleiter durch ein hauS niit zwei ?luSgängcn entkam. Die Polizei war nicht zugegen. Dis Verbrecher schienen Arbeiter zu sein. Tokio, 29. Marz. (Reuter-Meldung.) Im Kohlenbergwerk von Kakasch im a in der Nahe von Nagasaki ereignete sich eine Explosion, durch die 250 Personen i h r Leben ein büßten. Te?efoinrscfoe Kursberichte des Giessener Anzeigers, mit-reteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen. Frimkfnrter Börse. 29 März, 1.15 Uhr. 3%e/0 Reichsanleihe . . 101.00 3% do. . . 89.10 Konsols .... 100.95 3% do 89 00 3^n'„ Hessen 99.80 3j^°/n Oberhessen . . . — 4% Oesterr. Goldrente. . 100 25 41/S°X Oesterr. Silberrente 100.45 4% Uii2,ar. Goldrente . . 94.00 4% Italien. Rente . . . 105.90 3 % Portugiesen Serie I . 69.40 3% Portugiesen III 70 60 rnss.Staatsanl. 190’) 92 20 4)a0 „ japan. Staatsanleihe 95.00 1°o Conv. Türken von 1903 93 80 Türkenlose — 4% Griech. Monopol-Anl. 53.90 4% äussere Argentinier . 92.20 3% Mexikaner ... 68 30 4jZ2 Born, Gerichtsvollzieher in Gießen. Holzv erkauf. Tie fürstlich Solmsische Oberförsterei Lich (Oberheffen) hat noch zu verkaufen: Fichtenbauholz: 15 Stück — 3,47 Fstm. im Distrikt stiiedwald: Kiefernbauholz: 62 Stink — 20,11 Fstm. im Distrikt Münchwald: Kieferngrubenholz: 82 Stuck — 12,41 Fm. im Distrikt Münchwald, 259 Stück — 38,55 Fstm. im Distrikt Riedwald; Erlen im Distrikt Bräuerberg: 16 Stück Stammholz — 5,55 Fstm., 3 Rin. Scheitholz (zumeist rund, Nr. 3 und 5). Nurnmerverzeichnisse versendet die Cberförfterei umsonst und portofrei. Borzeiger find: für den Distrikt Brauerberg Forstwart Ludwig Scbüne zu Lich (Oberhesscn): für die Distrikte NiÜnchivald und Ricdwald Forstwart Friedrich Stein zu Hattenrod, Post Reiskirchen (Oberhessen). Kansliebhabcr werden gebeten, schriftlich ober mündlich Gebote abzugeben. Bu/S Preussische Pfandbrief-Bank. Die am 1. April 1906 fallieren Zinsscheine unserer Hypotheken* Pfandbriefe, Kommunal• Obligationen und Kleinbahnen• Obligationen werden vom 15. März ab an unserer Kasse und bei der Mehrzahl der deutschen Banken und Bankfirmeu kostenfrei eingelöst. Daselbst sind obige Papiere zur Kapitalsanlage und ausführliche Prospekte zur Information erhältlich. ss”^ Prenssische Pfandbrief-Bank. Mein Bureau habe ich nach 2024 Scnntns^asse 12, parterre verlegt. UxZ, Rechtskonsulent I I Dhihlße QJcnm Ionia nulte sucht für l.&nli 4—5-ßimmerUoOiifl. 9lä()c oeo Bahnhofs bevorzugt. Lchrlsil. fUiincbotc m. Prei-aug. unter 02004 nn b. Gietz. An Junges (ibepaar |u 1 r।;.1 ’l ii', CI In Ich. lOffcnr iicl'lfii Oiheuihesslfcho WcinqrvszLiattdlttttq sucht nun Vertrieb ihrer gntbe- föinniltcl)., reinaehaltencn Oiheiu-, Pfälzer- unb 'JJlofcliucme für den bouiflcn Plah nebst Urngebiing einen lüchligen, guteingefl'ibrten, solvonlen l«8v"/a WertreUr siegen hohe Provision. 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