Erstes Blatt L 58. Jahrgang Dienstag 30. Oktober 1906 Die Insignien als den auch in Kaiser hat daS vom Er Gchnlstratze 7. Redaktion 113 Verlag u.Exped.^^51 Tldresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. „von Herr v. Iswolski, der russische Minister des Aeußern, wurde empfangen und zur Frühstückstafel gezogen. Großkreuz des Noten Adlerordens erhalten. BezngSpretS, monatlich 7bPf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abholc- u. Zweigstellen moncitlicb G5 Pf.; durch diePost Alk. 2.—viertel- jührl. ausschl. Bestellg, Annahme von Anzeige« für die Tagesnuuuner bis vorinittägs 10 Uhr, ZeilenpreiS: lokal 12 auSwärtS 20 Pig. Verantwortlich tüt den polit. und aliflentt Teil: P. Wtttko- tüt »Stadt und Land' und »GerichtSsaal'r Ernst Heß; für den Anzeigenteil: HanS Beck, die deutschen Volksvertreter den Aufenthalt in Tokio Höhepunkt ihrer Reise bezeichneten. Nun, es gibt der politischen Moral einen doppelten Boden. ♦ wurden ihm nach der Frühstückstafel vom Kaiser persönlich überreicht. Auch der Reichskanzler empfing den Minister und hatte eine längere Unterredung mit ihm. Bei dem Reichskanzler und seiner Gemahlin fand am Montag ein Diner statt, wozil u. a. Einladungen erhalten hatteii: Iswolski und Gemahlin, der russische Botschafter Graf Osten- Sacken und. Gemahlin, der russische Gesandte am dänischen Hof Fürst Kudaschew imb Gemahlin, der Botschafter in Petersburg v. Schön und Geniahlin, der Ntilitäcbevollmächtigte der russischen Botschaft Generalmajor v. Tatischew und Unter» staatssekretär v. Mühlberg. Das alles erfährt man offiziös, nur darüber nichts, was Iswolski mit seiner Berliner Anwesenheit bezweckt, lieber den Inhalt der Minister-Unterredung verlautete noch nicht das geringste. UnS scheint, die hauptsächliche Frage ist für Rußland nicht einmal, wie es die revolutionäre Bewegung niederschlägt, Tokio gegen Washington. E. Berlin, 29. Olt. Ein Schulstreit von San Franzisko, der die japanische ilnd amerikanische Diplomatie mobil macht, wird von einigen Blättern als kennzeichnend für die „unüberbrückbare Kluft' und „innere Gegnerschaft" zwischen Asiaten und Amerikanern bezeichnet. Man spricht sogar von der Möglichkeit des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen. In Berliner politischen Kreisen wird indessen dem Vorfall nicht entfernt solche Bedeutung beigemessen. Man ist hier im Gegenteil geneigt, die Beschwerden der Japaner darauf zurückzuführen, daß nach ihrer Auffassung die in San Franzisko erfolgte Ausschließung japanischer Kinder von den dortigen öffentlichen Schulen sich nicht verträgt mit den sehr freiindschaftlichen politischen Beziehungen zivischen der Union und Japan. Die Eile, mit de, die Washingtoner Regierung zur Untersuchung der Beschwerden geschritten ist, deutet allerdings darauf hin, daß man im Weißen Hause Wert legt auf die japanische Freundschaft, denn in der Regel geben sich die Geschäftspolitiker dort fremdländischen Klagen gegenüber ziemlich schwerhörig. Es mag dahingestellt sein, ob die Annäherung dsr Union an Japan tatsächlich zu einer Geheim-Allianz geführt hat und damit zu dem, wennschon nicht formell proklamierten, maritimen Dreibund En gl and-Japan- Amerika. Jedenfalls würde der Union durch ein ihm feindlich gesinntes Japan die Zukunft verschoben werden, die es erwartet von der Inbetriebsetzung des Panamakanals. Die Monroedoktrin reklamiert den Pacific als amerikanische Vorherrschaftssphäre. Das Exempel ist jedoch nicht ohne Rest zil lösen, und dieser Rest heißt Japan. Es auf einen Waft'engang mit diesem seekriegsgeübten Volk ankommen zu lasten, muß den Pankees als tunlichst zu vermeidendes Ziel erscheinen, denn der Ausgang wäre weniger zweifellos, als bei dem Kriegsspiel mit Spanien vor Kuba und den Philippinen. Zudem sagen sich wohl die Amerikaner, daß sie aus erfolgreichen kommerziellen Wettbewerb mit den Nationen Europas auf dem asiatischen Markt nicht rechnen können, wenn sie mit der asiatischen Vormacht Japan in Zwist liegen. Alles das spricht für die Wahrscheinlichkeit der Fortdauer der amerikanisch-japanischen Freundschaft und auch für die Möglichkeit des Bestehens einer Vereinbarung zwischen den Regierungen in Washington und Tokio. Es wäre ja nach der geltenden internationalen Maxime dergestalt die Welt aufs beste verteilt. Der Union den Großen Ozean, England das Indische Meer und den Atlantic, Frankreich und Italien das Mittelmeer, und Deutschland — nichts. Allenthalben dampfen in den Waffenfabriken die Schlote und regen sich die Hände, um die nationale Rüstung zu vervollkommnen. Von Deutschland aber fordern diese „Weltverbesserer", daß es nlit der Abrüstung den Anfang mache und zumal mit den Kriegsschiffen einhalte, denn seine Flotte sei ein Element der Bedrohung für den Weltfrieden. In dies Licht müssen heutzutage alle Meldungen gerückt werden, die von internationalen Zerwürfnissen ober Verstimmungen zu berichten wissen. Auch wenn es sich um bas Reich bes Mikado hanbelt, dessen Bewohner kürzlich der deutschen parlamentarischen Studienkommission einen so glänzenden Empfang bereitet haben, daß politifd^e Lagesscharr. Podbielski und die Fleischteuerung? Der „Braunschw. Landesztg." wird aus Berlin wohlunterrichteter Seite" geschrieben: Als Herr von Podbielski von Rominten nach Dalmin glückstrahlend zurückkehle uub {eine Bas-AUnprefse am nächsten Tage verkündete, daß er seine segensreiche Tätigkeit in vollem Umfange wieder aufnehmen werde, hatten wir in der Tat eine Kanzler- krise, benn es wäre unmöglich gewesen, daß Fürst v. Bülow und Herr v. Podbielski gleichzeitig vor dem Reichstage erschienen wären. Jetzt erst hat Bülow über Podbielski gesie g t. Er wird in wenigen Tagen Gttegenheit haben, auf seinem schönen Landgut Talmin sich vom Rheuma gründlich auszuheilcn. Nachfolger des fröhlichen Onkel Pod wird der Lberpräsident Freih. v. Schorlemer. Tas war schon beschlossene Sache, als der Käiser vor zehn Tagen im Auto nach Lieser getommen war. Podbielski wird, nachdem der Fall Fischer so glücklich verlaufen ist, sich zum Abschied noch mit dem ovangegelben Bande des Schwarzen Adlers schmücken, aber Minister ist er gewesen. Derartige Weissagungen sind schon so häufig erfolgt, daß wir auch diesmal an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln, und zwar umsomehr, als die ganze Tonart darauf schließen läßt, daß der heiße Wunsch wieder einmal der Vater des Gerüchtes war. Bemerkenswerter dünkt uns, daß sich die so häufig offiziös beniitzle „Köln. Zig." schon wieder an leitender Stelle über Folgen und Ursachen der anhaltenden Fleischteuerung verbreitet uni) vom Landwirtschastsminisier die Niederlegung seines Amtes fordert, da er selbst Interessent sei. Die ganze Politik der Negierung sei einseitig darauf gerichtet, den Großgrundbesitzern gefällig zu sein. Was auch die Beoölkerimg bewegt, eine maßgebende Aeußer- ung der leitenden Minister sei nicht zu erwirken. Es sei die höchste Zeit, daß der Reichstag zusammentrete, um mit diesem Zustande gründlich ab zu rechnen. Das preußische Staatsministerium, so hieß es gestern, soll zur Fleischtcuerung Stellung genommen und über Maßregeln zur Milderung des herrschenden Notstandes beraten haben. Die Sitzung, so erfährt man heute, nahm fünf Stunden in Anspruch. Gründlich genug wäre darnach die Frage beraten worden — wenn nur nicht etwa das Ergebnis wieder lautet, daß es sich um eine „vorübergehende Erscheinung" handelt, um bedauerliche Unzuträglichkeiten, die im Interesse des Schutzes der heimischen Landwirtschaft gegen verseuchtes Vieh ertragen werden müssen. Die bünd- lerische „Tagesztg." mißt der Meldung von der Beschäftigung des preußischen Staatsnnnisteriums mit der Fleischteuerung überhaupt keinen Glauben bei; es könne sich, da die Sitzungen vollkommen vertraulich sind, nur um Vermutungen handeln. Vorläufig erhebt die „Tagesztg." Einspruch gegen jede Abschwächung des Grenzschutzes und im Besonderen gegen das Einverständnis des Vorstandes der LandwirtschastSkammer ür die Nhcinprovinz damit, daß, wie wir gestern meldeten, wöchentlich 1000 bis 1500 Schweine aus Holland cingeführt werden. Zur Einigung der Liberalen. Berlin, 29. Lltobev. Der ZentralauSschuß der freisinnigen Volk-Partei hat 'sich hier gestern und vorgestern beraten und folgende Resolution gefaßt: „Der ZentralauSschuß empfiehlt ein Zusammengehen der linksstehenden bürgerlichen Parteien bei den fontmenben Wahlen, erachtet aber unter Hinweis auf eine Erklärung vom 28. Mai 1905 als unabweisbare 'Äuaus- setzung für etwaige Vereinbarungen mir anderen liberalen Gruppen die Wahrung der eigenen politischen Selbständigkeit nach Maßgabe der im Eisenacher Programm ausgesprochenen Grundsätze. Die jetzt von Frankfurt ans erfolgte Berufung einer größeren Versammlung, unter Zuziehung auch von Per^ sonen, die keiner der drei Parteien angehören, bietet keine Gewähr für einen Erfolg der auf ein Zusammengehen geriet teten Bestrebungen, zumal ohne vorherige Verständigung zwischen den Parteileitungen über die Vorbedingungen dec Beratung, die Tagesordnung und das Ziel der Vereinbarung. Der Zentralausschuß richtet deshalb an den Engeren Ausschuß der Deutschen Bolkspartei die dringende Bitte, von der Einberufung bitter Versammlung Abstand zu neunen und zunächst die zur Führung der Geschäfte berufenen Vertretungen der Parteien ober Delegierte der Frallchnen zu cuity vertraulichen Beratung zusammenzubcrnien wegen Her.», ^lu-r- ung eines gemeinsamen Vorgehens der drei linh (ibc. .u. u B.ir- teien bei den nächsten Wahlen." Voigt gibt an, eine Urkundenfälschung Hege ganz und gar nicht vor. Seine Unterschrift, die man v. Alassam gelesen habe, stelle überhaupt keinen Namen dar. Sie sei zu lesen: „war niemals Hauptmann im 1. Garderegiment". Und ein solcher Hauptmann sei er damals gewesen. In der Unterprima eines köntgl. Gymnasiums in Breslau ist, wie die „Schics. Ztg. erzählt, folgende Aufgabe zum Uebersetzen ins Lateinische gestellt worden: „Sollten wir meinen, daß man denen mit dem Vorwurf der Unachtsamkeit zusetzen müsse, die, durch den Anschein des dienstlichen Befehls getäuscht, sich dem zur Verfügung gestellt haben, den sie, wenn sie den Dienstanzug genauer angesehen hätten, festnehmen und in Gewahrsam abllesern hätten müssen? Durchaus nicht, wenn wir den Fall unbefangen beurteilen; denn wie, kommt eS nicht häufig vor, daß wir, wo uns plötzlich eine neue imb zwar sehr ernsthafte Begebenheit gegcnübertritt, auf das Ganze schauen, aber gerade das Kleinste unbeachtet lassen. Ferner hütet Euch, die Strenge bet kriegerischen Zucht zu unterschätzen. Jener Schlaukopf konnte boch sicher ein richtiger Cenlurio fein. Was aber würde, glaubt Ihr, eingetreten sein, wenn die Soldaten nach Erledigung ihres Wachtdienstes einem Vorgesetzten aufs Wort zu gehorchen, sich geweigert hätten? Wer möchte zweifeln, daß sie aufs strengste würden bestraft worden sein? Aber willst Du auch den Dekurionen von Tuskulum, der in seiner Stadt sich des größten Ansehens erfreute, von Schuld frei wissen? Daß er schuldiger ist als die Bauernjungen von Soldaten, will ich durchaus nicht leugnen. Aber auch ihn möchte ich mit dem Vorwurf der Feigheit nicht drucken. Wenn ich auch glaube, daß seine Frau sich des Mannesnamens würdiger gezeigt hat. Aber da es einmal nach den Gesetzen nicht angeht, daß eine Frau das Amt eines Dekurionen verwaltet, so wollen wir ihren Gatten an der Spitze seiner Stadt lassen, zumal da, wie es im Sprichwort heißt, wer den Schaden hat, für den Spott nicht zu sorgen braucht." Wer möchte zweifeln, daß es den Unterprimanern eine Freude war, dieses aktuelle Thema zu bearbeiten? Aber willst Du den, der solches Lateinisch-Deutsch verbrach, ganz von Schuld freisprechen? Nr. 255 Erscheint tflgltd) außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brü h l'schen Untvers.-Bucb-u.Stein- b ruderet. R. Lange. Redaktion, Expedition Gietzener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen Are heutige Dummer umfaßt 8 Seilen. Aie eiserne Kugel. Den Bagnosträflingen des alten Frankreich, das wir heute nur noch aus den Romanen des Alexander Dumas und anderer kennen, wurde bei Beginn ihrer meist lebens- länalichen Strafzeit eine eiserne Kugel an schwerer Kette an baä linke Bein geschmiedet; besonders gefährlichen Verbrechern bedachte man beide Füße mit diesem Zierrat. Darüber sind heute mehr als hundert Jahre vergangen, und wir sind human geworden. Wir behandeln unsere Strafgefangenen von Gesetzes wegen mit ziemlicher Milde, bauen Gefängnisse nach sanitären Gutachten, sorgen für ihre Gesundheit und Diät. Aber ein barbarisches Stück Mittelalter, eine Art eiserner Kugel ist geblleben, und diese wird von den Sträflingen nicht abgenommen, wenn sie das Gefängnis oder das HuchthauS*verlaffen, sondern gerade an diesem Zeitpuntt hängt man sie ihnen an beide Füße. Wir meinen die Polizeiaussjicht. Der Verbrecher von Köpenick hat seinen Häschern erzählt, warum er sich zu dem kühnen Handstreich auf die Stadtkasse von Köpenick entschloß. Als er, der nur staatlichen und gemeindlichen Kassen sein Räuberinteresse zuwandte, im Februar d. I. aus dem Zuchthaus entlassen worden war, da sand er als tüchtiger Arbeiter gute und einträgliche Beschäftigung bei einem Hofschuhmacher. Er hätte ruhig weiter leben, sich auch manchen Genuß gönnen können bei einem Wochcnverdienst von 35 Mk. Aber er stand unter Polizeiaufsicht. Soin Arbeitgeber war ein humaner Mann, der ihn gern behalten hätte, aber es ging nicht. Es ereignete sich eben, was sich in tausenden Fällen ereignet hatte und was Sudermann in seinem Drama „Stein unter Steinen" lebendig veranschaulicht hat: die anderen Arbeiter rollten auf, daß sie mit einem alten Zuchthäusler zusammenarbeiten sollten, und brachten es schließlicd dahin, daß der Mann entlassen werden mußte. Der Hofschuhmacher wurde gezwungen, den Mann hinaus- Än. Der fand keine lohnende Arbeit mehr und faßte tschluß, durch einen Kapitalstreich seine unglückliche Laae zu verbessern. Der Streich glückte, aber der Verüber sitzt fest, nun wohl für immer zum Zuchthaus verdammt. Sudermanns „Stein unter Steinen" hat seinerzeit eine lebhafte Debatte gegen die Polizeiaufsicht veranlaßt. Man ist sich ja auch lange darüber einig, daß die Polizeiaufsicht ein barbarisches Mittel der Ueberwachung von Menschen bildet, die einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Ihnen ist das Brarrdmal aufgedrückt, das sie nicht mehr los werden können, sie finb stigmatisiert vor den Menschen; es ist staatlich gesorgt dafür, daß sie eines anftändigeti Lebens nicht mehr froh werden können. Wer unter Polizeiaufsicht steht, findet selten mehr dauernde Beschäftigung. Wer auch möchte einen Menschen in feinem Unternehmen dulden, hinter dem fortgesetzt die Polizei her ist? Bei aller Humanttät, die gottlob in Arbeitgeberkreisen anzutteffen ist ,kann man es tefinem zumuten, daß er sich über die öffentliche Meinung hinwegsetzt, die nun einmal gegen den Zuchthäusler ist. Und wollte wirklich ein Arbeitgeber vorurteilslos einen Mann nicht nach feinen Vorsttafen beurteilen, sondern nach dem, was er in Wirklichkeit zu leisten imstande ist, dann gehen die Arbeiter nicht mit. Sie wollen mit Zucht- stiuslern nichts zu tun haben, obgleich mancher unter ihnen chlimmer fein mag als der Ausgestoßene — das gerade childert Sudermann ja so packend in feinem Stück — und -rängen ihn hinaus. Da hat man Hllfsvereine für entlassene Sträflinge gegründet, aber auf der anderen Seite weist man durch die Polizeiaufsicht die entlassenen Sträflinge immer wieder auf Die Bahn des Verbrechens. Was soll denn so ein armer Teufel tun, dem einmal das Brandmal der Polizeiaufsicht aufgedrückt ist, und der keine Arbeit und kein Unterkommen sindet? Er stiehlt, raubt eben weiter, denn leben will er doch? Es wäre an der Zeit, daß diese eiserne Kugel, die jeder unter Polizeiaufsicht gestellte entlassene Sträfling für jeden ersichtlich hinter sich her schleift, abgefchafft würde. Man muß im Interesse der Mcnjchlichkeit fordern, daß entlassene Sträflinge, die sich wieder in Arbeit be- sinden, von der Polizei unbehelligt bleiben — es braucht nicht jeder Mensch zu wissen, daß sie einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen finb! Die vom Gericht verhängten Strafen sollten doch vor allem auch bessernd aus die liebet» täter einwirken. Wie aber ist eine Besserung möglich, wenn plan einen Menschen ausstößt aus der Gemeinschaft? Wie sollen sich diese Unglücklichen wieder zu tauglichen und brauchbaren Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft entwickeln können, loenn die Polizei alles tut, um das zu verhindern? Hier sollte im Reichstag einmal ein ernstes Wort gesprochen loerden: barbarische Zustände, wie sie sich hier offenbaren, gehören nicht in unsere Zett. Hier muß die Losung fein: Schutz dem Unglücklichen vor der Polizei! Das Strafverfahren gegen Voig t erfolgt wegen schwerer Urkundenfälschung, Hausfriedensbruchs, Freiheitsberaubung, Erpressung und Vergehens aus §137 deS Strafgesetzbuchs: „Wer unbefugter Weife einen bewaffneten Hausen bildet oder befehligt, oder eine Mannschaft, von der er weiß, daß sie ohne gesetzliche Befugnis gesammelt ist, mit Massen oder Ktiegsbedürf- nilfen versieht, wird mit Gefängnis bi» ju zwei Jahren bestraft. Ber sich einem bewaffneten Hansen anschließt, wird mit Ge- jangnW bis zu einem Jahre bcsttast." Auch der § 114 des Str.-^>.-B. kommt in Betracht: „Wer es unternimmt, durch Gewalt ober Drohung eine ! Behörde oder einen Beamten zur Annahme oder Unterlassung etiner Amtshandlung zu nötigen, wird mit Gefängnis nicht unter tirei Monaten bejtart. Sind mildernde Umstände vorhanden, tie tritt GefängnMrafe bis zu zwei Jahren ein," Anleihe sondern wie die geleerten Staatskassen rasch und er- giebig auszufüllen sind. Mit dem Verkauf von allerlei wirtschaftlichen Konzessionen an das ausländische Kapital läßt sich zwar viel Geld herausschlagen, und die Konzessionen, auf Eisenbahnen usw werden auch bereits an den M betenden verauktioniert, aber solche Geschäfte, chei denen viele mitzusprechen haben, ziehen sich hin, und die 'russische Negierung hat es eilig mit barem Gelde. Iswolski wird, dafür spricht eine starke Vermutung, in Berlin nicht allzuviel über hohe Politik und desto mehr, wie wir schon gestern sagten, darüber gesprochen haben, wie sich unsere Negierung zil dem Plan einer neuen russischen Anleihe verhalten wird. Der Pariser ,Temp§" behauptet allerdings neuerdings wieder, Iswolsky habe erklärt, daß die finanzielle Lage Rußlands sich als günstig darstelle und daß n.an m diesem Betracht die Zukunft mit Vertrauen ins Auge fassen könne. Landtagsabg. Müller t. Wie lins aus Darmstadt telegraphisch mitgeteilt wird, ist heute (Dienstag) vormittag kurz vor 7 Uhr der Land- tagSabg. Heinrich Müller an den Folgen emeS Herzschlags vlötzlich verschieden.- Der Verstorbene, der ein geborener Darmstadter war, hat ein Alter von 57 Jahren erreicht. Er (studierte in Darmstadt Architektur und war dann m seiner Vaterstadt mit großem Erfolg als Architekt und Bauunternehmer tätig. In anerkennenswerter Weise stellte er sein Können in uneigennützigster Weise in den Dienst der Oeffent- lichkeit. U. a, erbaute er das hessische Lehrerinnenhcim, sowie die Lungenheilstätte bei Winterkasten. Seit 1884 ge- hörte Müller der Darmstädter Stadtvcrordneten-Versammlung an, seit 1884' dem Kreistag des Kreises Darmstadt und seit 1902 dem Provinzialtag. 1904 wurde er in den Landtag gewählt, wo er der nationalliberalen Partei angehörte und sich mit großem Eifer an den Verhandlungen beteiligte. Da die für ihn erforderliche Ersatzwahl von denselben Wahlmännern vorgenommen wird, ist die Wiederwahl eines nationalliberalen Vertreters sicher. Uebrigens hat die Stadt Darmstadt mit ihrer Vertretung im hessischen Landtag ein eigenartiges Mißgeschick. Seit 1896, in welchem Jahr die Nationalliberalen Köhler und Wolfs kehl gewählt wurden, hat sie bis jetzt neun 'verschiedene Abgeordnete gehabt, nämlich außer den beiden genannten Schmahl (der anstelle des sein Mandat nicder- legenden Wolfskehl gewählt wurde), Morneweg (ersetzte den ebenfalls mandatsmüden Schmahl), Langenbach und >Säng (deren Wahl für ungiltig erklärt wurde), Müller, Dr. Buff und Dr. Glüsing, welch letzterer an Dr. Buffs Stelle gewählt wurde, als dieser von Darmstadt versetzt wurde und deshalb sein Mandat niederlegte. Mit Ausnahme von Morneweg, der parteilos war und den beiden Frei- 'finnigen Langenbach und Säng gehören die Vertreter der Residenz stets der nationalliberalen Partei an. Deutsches Reich. Berlin, 29. Okt. Der Kaiser ist leicht erkältet und hat die für heute beabsichtigte Reise nach Liebenberg aufgegeben. — An den Oberpräsidenten von Trott zu Solz [in Potsdam erging folgende allerhöchste Ordre bezüglich Einführung des Kronprinzen in die Zivilverwaltung der Monarchie: Es ist mein Wille, daß mein Sohn, der Kronprinz, Kaiserliche und Königliche Hoheit, entsprechend feinem Wunsch und der hergebrachten Sitte meines Hauses gemäß wahrend des bevorstehenden Winterhalbjahres in die Kenntnis der Zivilverwaltung meiner Monarchie durch Sie eingesührt werde. Das von Ihnen entworfene Programm, womit der Kronprinz einverstanden ist, ist mir vorgelegt worden und hat meine volle Billigung gesunden. Ich beauftrage Sie, demgemäß das Weitere zu veranlassen. Die Gesetzsammlung veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß über Ermäßigung der Zahlungen für Darlehnsnehmer der Staats-, Bauern- und Agrar-Bank und für die zum Verkauf an Bauern bestimmten Kronländereien. Ferner bestimmt der Erlaß, daß von nun an fünfprozentige Pfandbriefe der Bauern bank in einzelnen Serien emittiert werden, deren Tilgung in 551/2 Jahren zu erfolgen hat. Durch eine neue s)Raßnahme wird der Uebel- stand beseitigt, daß die Inhaber der Pfandbriefe der Bauern- und Agrarbank nicht mit Bestimmtheit auf die Rückzahlung der Kapitalsumme zu dem bestiinmten Termin rechnen konnten. Jetzt ist die Rückzahlung der Kapitalssumme der Pfandbriefe der Bauernbank insgesamt, wie jedes einzelnen, zu dem bestimmten Termin in vollem Maß gesichert, was überaus wichtig für diejenigen Personen ist, die ihre Ersparnisse sicher anlegen wollen. Zur völligen Sicherung der Interessen solcher Personen werden der Bauern- und der Agrarbank nach Erfordernis Summen von der Staatsrentei zur Verfügung gestellt, die 1,2 Millionen Rubel jährlich für im Verkehr befindliche 4 und 4V2prozentige Pfandbriefe im Gesamtbetrag von ungefähr 500 Millionen und etwo 1 Million jährlich für je 100 Millionen neuer Darlehen betragen. Unter dem Vorsitz des Handelsministers Kokowzew begann in Petersburg Bie Konferenz über die Heizmaterialnot, an der acht Arbeitervertreter teilnehmen. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Frage, ob durch eine Ermäßigung der Eisenbahntarife die Einfuhr ausländischen .Heizmaterials zeitweilig erleichtert werden soll, sowie die Frage der Petroleumausfuhr. Ausland. London, 29. Ort. Der Generaladjutant des deutschen Kaisers, Generalleutnant v. Löwenfeld, überreichte heute dem Herzog von Connaught, der vom Kaiser während der großen preuß. Manöver zum preuß. Generalfeldmarschall ernannt wurde, den Feldmarschallstab. — (Unterhaus.) In Beantwortung einer Anfrage erklärt Unterstaatssekretär Runciman, zwischen der engl. und russischen Regierung sei bezüglich Persiens kein allgemeines Abkommen getroffen worden, aber die beiden Regierungen hätten die Ereignisse in Persien erörtert zu dem Zwecke, jeglichen Jnteressenkonflikt zu vermeiden und möglichst gemeinsam vorzugehen, um den status quo zu erhalten. Paris, 29. Okt. Eine Privatmeldung aus Tanger behauptet, der Sultan von Marokko beabsichtige ein Tabakmonopol zu vergeben. Der deutsche Gesandte Rosen hatte schon in dieser Beziehung Vorberatungen. Cannes, 29. Okt. Der König von Sachsen ist mit seinen beiden ältesten Söhnen heute hier eingctroffen zur Teilnahme an der Hochzeit des Prinzen Joh. Georg von Sachsen mit der Prinzessin Maria Immaculata. Die Ziviltrauung fand durch den Maire von Cannes statt. Der Maire überreichte als Hochzeitsgeschenk der Stadt zwei silberne Vasen. Tanger, 29. Okt. Die Anjeras griffen die alte Residenz Raisulis, Zinats, an und trieben nach zweistündigem Gefecht das Vieh fort. Raisuli verhinderte sie, Nahrungsmittel nach Tanger zu bringen: sie benutzten seine Anwesenheit in Arzila, um anzugreisen. Raisuli setzte sich selb st zum Statthalter von Arzila ein. Der Sultans-Dampfer Sid-el-Turki ist aus Kasbasaida mit vierzig gefangenen Leuten des Thronfordcrers, unter ihnen ein Hauptführer, eingctroffen. Newyork, 29. Okt. Nach dem offiziellen Bericht des Gouverneurs Magoon beträgt das kubanische Defizit 4 Millionen Dollars. Da hierbei die Revolution nur auf 5 300000 Dollar Unkosten veranschlagt ist, dürfte der Fehlbetrag noch erheblich höher ausfallen und damit die Rekonstruktion einer unabhängigen Republi k vereitelt sein. Die militärische Okkupation Kubas durch die Union sei jedenfalls bis nach dem Ende der Wahl notwendig. Wusstsches. Zum letzten Petersburger Bombenüberfall hat die Polizei, die ununterbrochen Hausuntersuchungen tn allen Stadtvierteln vornimmt, 21 Personen verhaftet, die verdächtig sind, am Raubüberfall beteiligt zu fein. Darunter befindet sich einer, der in Petersburg verschiedene Wohnungen und auch Pferde befaß, ferner Studenten und Arbeiter. Wie verlautet, ist die Dame, die die geraubte Summe fortschaffte, verhaftet worden. Sie ist eine Jüdin, elegant und hübsch. Die Petersburger Polizei ist ferner einem weitverzweigten Komplott auf die Spur gekommen; es find von den Revolutionären mehrere Bombenattentate geplant worden. In der letzten Nacht hat die Polizei zahlreiche Häuser vom Flur bis zum Dach durchsucht und, hunderte von Personen verhaftet. Bei dieser Gelegenheit fand man über 50 Bomben, unzählige Schießwaffen und eine ganze Menge Sprengstoffe. Wie sich jetzt herausstellt, bestand der Plan, einen großen Aufstand zu inszenieren. Die Regierung hat beschlossen ,ganz Petersburg von Kosakentruppen besetzen zu lassen und den Befehl erteilt, bei dem geringsten Anlaß erbarmungslos vorzugehen. Es wird allgemein ein schrecklicher Bluttag befürchtet. In der ganzen Stadt herrscht furchtbare Panik. Rechtsanwalt Agatanow in Petersburg wurde äls der eigentliche Führer der Sozialrevolutionären verhaftet, um vor ein besonderes Kriegsgericht gestellt zu werden. In der Petersburger Universität fand wieder einmal eine Versammlung statt, in der wüste Reden von sozialistischen und zionistischen Studenten gehalten wurden. Den Hauptgedanken bildete in diesen Reden die Vernichtung der Autokratie und der Sturz des Zarismus. Nach einem Beschluß des Universitätsrates ist die Universität bis auf weiteres geschlossen worden. Ebenso auch die Universität Kasan, in der ein auswärtiger Agitator eine aufwiegelnde Rede hielt. Uebrigens ist die ganze Stadt Kasan mit allen umliegenden Dörfern unter verstärktem Schutz stehend erklärt "worden. Neun Werst von der Stadt entfernt überfielen 20 Bewaff- netezweiPo st wagen. Einem gelang es zu entkommen, aus dem andern raubte die Bande 23 000 Rubel und eine große Anzahl Wertsendungen. In Tschita wurde ein Klub durch zehn bewaffnete Personen überfallen, welche den Kartenspielern 12 000 Rub el abnahmen und entflohen. Der Chef der politischen Polizei in Sewastopol Michailow fiel einem M orde zum Opfer. Der Mörder wurde ergriffen, sofort standrechtlich zum Tode verurteilt und hingerichtet. Wintersemester 1906/07. Erstes Verzeichnis der neu eingeschriebenen Studierenden. a) Theologische Fakultät. A. Eck, Gießen, Stepbanstr. 34. F. Eckhardt, Darmstadt, Lonystr. 20. L. Lober, Weinsberg, Wollstr. 15. b) Juristische Fakultät. F. Dahlem, Dexheim, Moltkestr. 28. G. Dahlem, Dexheim, Moltkestr. 28. M. Dreylus, Mainz, Bismarckstr. 17. W. Gaydoul, Darmstadt, Stephanstr. 41. L. Grein, Darmstadt, Wilhelmstr. 40. H. Horch, Mainz, Grünberger Str. 3. F. Kümmel, Darmstadt, Blsmarckstr. 17. K. Kullmann, Darmstadt, Ludwigstr. 10. E. Lahr, Darmstadt, Lndwigsplatz 4. O. Melior, Darmstadt, Bleichstr. 27. W. Petry, Wetzlar, in Wetzlar, Tnrnistr. 6. Ak. Schatz, Friedrichstadt (Rußland), Neuenweg 9. R. Schmücker, Gießen, Ludwigstr. 34. H. Sehrt, Ober-Rainstadt, Westanlage 27. K. Selzer, Offenbach a. M., Bismarckstr. 16. F. K. Sursn, Metz, Goethestr. 25. H. Völckers, Hamburg, Ludwigstr. 6. W. Wagner, Darmstadt, Riegelplad 19. K. Wittmer, Darmstadt, Bismarckstr. 17. H. Zobel, Gießen, Ludwigstr. 73. c) Medizinische Fakultät. H. Balduin, Med., Duisburg, Vahnhosstr. 58. I. Bastgcn, Med., Wittlich, Bahnhosstr. 62. F. Becker, Med., Cappel, Diezstr. 6. F. Dörr, Med., Wiesbaden, Grünberger Str. 12. F. Draeck, Med., Wachtendonk, Bahnhofftr. 58. W. Esch, Tierheilk., Recklinghausen, Crednerstr. 6. B. Hainer, Tierheilk., Karlsruhe, Frankfurter Str. 72. I. Heiliger, Med., Würfeln, Wilhelmstr. 45. A. Jhrsn, Med., Hoen (Schweden), Löberslr. 3. H. Kehl, Med., Hanau, Bleichstr. 26. K. Koch, Med., Gießen, Ludwigstr. 61. V. Kort, Med., Kray, BiSmarckstr. 17. R. Leepin, Med., Riga, Neuenweg 30. O. List, Med., Lauterbach, Wilhelmstr. 3. P. Nlayer, Tierheilk., Dinglingen, Hillebrandstr. 14. Z. Mejerowitsch, Med., Romanoivka, Bleichstr. 38. 9(. Meyhöler, Tierheilk., Ballethen, Ludwigstr. 22. P. Müller, Med., Salz, Löberslr. 19. H. Schad, Med., Bischofsheim, Henselstr. 5. Schäle, Tierheilk., Bärwalde, Bleichstr. 40. A. Schicker, Med., Siaradz, Bisinarckstr. 17. A. Schmidt, Nied., Friedberg, Ludwigstr. 8., K. Staudinger, Nied., Darmstadt, Hostnaunstr. 8. H. Tsurusaki, Med., Jsahaya (Japan), Hillebrandstr. 2. A. Ullmann, Med., Nieder-Erlenbach, Crednerstr. 6 d) Philosophische Fakultät. P. Beyer, Gesch., Frankfurt a. M., Grünbergerstr. 48. K. Bode, Pharm., Gießen, Asterweg 52. A. Bojew, Landw., Drei, Ludwigstr. 37. tz. Borck, Ehern., Hamburg, Stephanstr. 28. H. Clarius, Gesch., Langen, Nordanlage 28. K. Dintelmann, Forstw., Heubach i. D., Bleichstr. 16. E. Eckerlin, Pharm., Karlsruhe, Liebigstr. 31. L. Emrich, Kl. Phil., Mainz, Plockstr. 8. K. Frank, Pharm., Merlau, Ludwigstr. 46. W. Gsrard, Naturw., Darmstadt, Wohnung noch nicht angegeben. F. Goebel, Pharm., Siegen, Goethestr. 29. G. Goes, Math., Darmstadt, Vleichstr. 26. A. Gras, Kl. Philol., Lorsch, Stephanstr. 32. K. Hahn, Kl. Philol., Ehringshausen, Ludwigstr. 33. D. Hartnuß, Math., Kassel, Ederstr. 8. O. Heid, Math., Spachbrücken, Henselstr. 3. Ph. Hostnann, N. Philol., Gaugrehweiler, Ludwigstr. 4. A. Jung, Math., Domdürkheim, Stephanstr. 19. P. Kadel, kl. Philol., Horrweiler, Ludwigstr. 46. M. Katznelsohn, Ehern., Warschau, Wohnung noch nicht angegcoen. E. Klamt, Dr., Ehern., Kalk, Franksurterstr. 27. H. Kleinkemm, Naturw., Kettwig v. d. B., Bismarckstr. 17. A. Knocke, Ehern., Mainz, Ebelstr. 5. P. Küchel, Ehern., Bntzbach, Bahnhosstr. 66. H. Lerch, Ehern., Schöneberg, Moltkestr. 20. F. Linck, N. Philol., Darmstadt, Grünbergerstr. 5. K. Metzger, Philos., Vendersheim, Wollstr. 11. W. Meyer, Math., Friedberg, Goethestr. 27. W. Nebel, Forstw., Laubach, Seltersweg 75. W. Nowitschkoff, Philos., Moskau, Wohnung noch nicht angegeben. P. Oppenheim, Ehern., Frankfurt, in Frankfurt a. M., Reuterweg 32. O. Peil, kl. Philol., Bingen, Grünbergerstr. 14. I. Poret, Ehern., Witebsk, Neuenweg 30. A. Nantzmann, Ehern., Jekaterinoslaw, Alicenftr. 23. W. Rowedder, Landw., Bad-Ems, Landgraf Philipp-Platz 6. A. Scheel, Pharm., Gießen, Ludwigstr. 34. A. S. Scheinemann, Ehern., Witebsk, Bruchstr. 14. H. Schneiderhöhn, Math., Mainz, Ebelstr. 2. M. Schön, Friedrichstadt (Rußl.), Neuenweg 9. R. Schwarz, Pharm., Worms, Wohnung noch nicht angegeben. L. Seibert, Gesch., Seligenstadt, Frankfurterstr. 63. H. Stöhr, Naturw., Offenbach a. M., Ebelstr. 16. H. Stoffel, Landlv., Luxemburg, Wohnung noch nicht angegeben. M. Tscherkinsky, Philoß, Konotop, Wohnnng noch nicht angegeben. ®. Ueberle, Naturw., Mainz, Ludwigstr. 26. G. Warnecke, Ehern., Wiesbaden, Stephanstr. 41. A. Weiß, N. Philol., Gießen, Hillebrandstr. 2. Aufgenommene Hospitantinnen. I. Ehein, Szagarren, Ebelstr. 16. F. Schatz, Friedrichstadt (Rußl.), Neuenweg 9. S. Schirmann, Baku, Henselstr. 3. M. Winograd-Finkel, Jekaterinoslaw, Alicenstr. 23. Aus Stadt und Land. Gießen, 30. Okt. 1906. •* Von der Landwirtschaftskammer. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer wird im Laufe dieser Woche zu einer Sitzung zusammentreten, um über die Satzungen zu beraten und einen Arbeitsplan zu entwerfen. Da die Bestimmungen des Gesetzes nichts näheres darüber enthalten, ist eS zunächst Aufgabe deS Vorstandes, die Kompetenz der provinzialen und der Bezirksausschüffe zu bestimmen, die Auseinandersetzungen mit den vorhandenen landwirtschaftlichen Vereinigungen zu leiten und die finanzielle Fundierung der neuen Institution zu schaffen. Der erste Antrag, den die neue Landwirtschastskanuner zu beraten haben wird, ist ein Antrag des Mitgliedes Köhler-LangSdorf, den dieser einreichen wird, um der Ringbildung der Feuerversicherungs- gesellschaften und der unbilligen Höhe der Versicherungsprämien der Feldscheuern entgegenzuwirken. Er beantrag! die Bildung eines FeuerversicherungsverbandeSder Landwirte im Großherzogtum unter staatlicher Oberleitung. ** Die akademische Turnverbindung » Ghe - r u § F i a ", die im Sommersemester 1902 gegründet wurde, hat sich dieser Tage wieder aufgelöst. ** Der Turnverein Gießen hielt gestern abend im Cafe Ebel unter dem Vorsitz seines 1. Sprechers, Kaufmann L. Althofs, feine ordentliche Hauptversammlung ab. Nach dem von dem Vorsitzenden erstatteten Bericht, der fia, zunächst mit den Kreis!- und Gauangelegenheiten beschäftigte, m es der Gießener Turnerschart nicht gelungen, das nächste nunei- rheinische Turnfest übertragen zu erhalten, es wird im Jahre 1910 in Kreuznach stattfinden. Der Kreis hat emen erfreulichen Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen, er hat setzt 39 Mitglieder, darunter 14 992 Zöglinge. Das Frauenturnen Megev 46 Vereine, in denen 1405 Damen turnen. Besondere Ä.ufmerr- samkeit verwendete der Kreis' aus das Schülerturnen uiw es wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß es auch m Gießen demnächst gelingen werde, das Jugendturnen zu Pflegen, 2,er Turnverein Gießen steht unter den Kreisoeremen an 7 Stelle. Der Gau Hessen ist der zweitgrößte des Kreises, er »Et 60 Vereine mit 7671 Mitgliedern. Von den Ereignissen innerhalb des Vereins verdient in erster Linie das 60 jährige ^tiftzingsfest Erwähnung, das mit großem Erfolg und unter zahlreicher Beteiligung gefeiert wurde. Die Vereinsgeschäfte wurden m 3 General- versammulngen und 20 Vorstandssitzungen erledigt. Die Mitgliederzahl beträgt 568 aktive Turner, 50 Zöglinge und 16 Damen Der verstorbenen Mitglieder Treppinger, Hartmann, Arndt,'G. E. Möyl und Gg. Stoffer und Frl. Veite (Damenriege) wurde durch Erheben von den Sitzen gedacht, lieber bic turnerische Tätigkeit berichtete Tumwart Müller, daß an 96 Riegentnmabenden 3457 Turner turnten (durchschnittlich 4o) und an 37 Mrabenden 1875 Turner (25—30). Die Manner- riege turnte an 69 Abenden mit 835 'Turnern, die Damenabteilung an 57 Abenden mit 734 Turnerinnen. Der Verem beteiligte sich mit großem Erfolg an den Wetturnen des Meises und GaucS, sowie an den sonstigen turnerischen Veranstaltungen. Die Rechnungsablage erstattete Rechner Er^ ..Die Gesamtem- nahnie belief sich danach auf 6595.91 Mk., die Ausgaben betrugen 6284.35 Mk., sodaß ein Kassevorrat von 311.56 Mk. verbleibt Das Vereinsvermögen beträgt nach Wzug der Verbindlichkeiten 54 586.24 Mk. Dem Rechner wurde für seine gewissenhafte Rechnungsführung herzlicher Dank ausgesprAn Die Vorstandswahl ergab Wiederwahl des Kaufmanns L. Alt Hofs als 1. Sprecher, und des Kaufmanns R. B u ch a ck e r als 2 Sprecher. Schriftführer wurden die Turner Lenz, Treuke und Wahl, 1. Turnwiart K. Häuser, zweiter K. Schubecker. Ms Rechner wurde Turner Erle wiedergewaMt und ebenso ergab die Wahl des Gegenschreibers den seitherigen Amtsinhaber Marx. Zeugmann wurde wiederum Turner Weidmann (en. Zu Turnältesten wurden E. Heß, Ban- bel und M üll e r , zu Beisitzer W. Heß und Bello f gewählt. Hierauf wurden die Anteilscheine Nr. 15, 100, 101, 148, 112» 76, 77 und 115 aus'gelost und bann die Versammlung mit einem „Gut Heil" auf das fernere Blühen und Gedeihen des Turnvereins geschlossen. •* Oberhessische Bürgermeistern)ahlen. x)n Mittelgründau wurde Georg Knecht mit 79 Stimmen ;um Bürgernieister gewählt. Der Gegenkandidat, Gemeinderechner Friedrich Euler erhielt 49 Stimmen. — In R o d en- dach erhielt bei der Bürgermeifterwahl Johann Georg Loh :)2 Stimmen, während auf Anglist Hammel 29 entfielen. Ersterer ist somit gewählt. , , . •• Der Verein hessischer Zahnärzte hat eine hsk. le. fh. 33. lr. 5. 9. nstr. 23. g ele g e nh eit zwischen Friedberg und heim ist dieser Tage wieder angeregt worden, früher angestrebten elektrischen Straßenbahn. Anlage zu kostspielig ist, tritt man jetzt für Bad-Nau- Anstelle der die in ihrer eine Auto- 14. enstr. 23. Philipp.Plah 6. Ur. 14. hat, ^4& Eingabe an den Landtag gerichtet, in welcher ersticht wird, anläßlich der Feier beS 300jährigen Jubiläums der LandeZ- universität die Errichtung eines zahnärztlichen Instituts zu beschließen. Im letzten Jahrzehnt haben die meisten deutschen Universitäten in Anerkennung der Bedeutung der Zahnheilkunde für die Gesamtmedizin und die Volkshygiene zahnärztliche Institute errichtet, die auch von den übrigen Studierenden der Medizin besucht werden. Da die benachbarten Hochschulen von Marburg und Heidelberg diesem Beispiele gefolgt sind, wird auch für Hessen ein gleiches Vorgehen mit Recht verlangt. ** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Zn der am Mittwoch stattsindenden Volksvorstellung des .Weißen Rößl* sei bemerkt, daß das beliebte Lustspiel im Abonnement nicht gegeben wird. k- Lützellinden, 29. Okt. Ein furchtb arcr Unglücks fall trug sich heute nuttag hier zu, der ein Menschenleben erforderte. Die hier in Tätigkeit befindliche Dreschmaschine sollte von einer Hosraite in die andere gefahren werden. Eine Anzahl Kinder liefen trotz mehrfacher Warnung neben her. Dabei glitt der 10jährige Sohn de? Bahnbeamten Gimpel aus und stürzte direkt vor das Rad der Maschine. Das Rad ging über ihn, der Junge wurde tätlich verletzt und starb alsbald. p. Aus dem Kreise Wetzlar, 29. Okt. Natur- spiele, wie diesmal hat wohl selten ein Herbst gezeitigt. Hier blühen Erd- und Heidelbeeren, dort wird gemeldet, daß ein Apfelbaum sein Maikleid angezogen hat und im Biebertal sollen sogar reife Beeren und Kirschen gepflückt worden sein. Aber alle diese späten Gaben des Herbstes vermögen uns keinen Ersatz zu bieten für die tagtäglich kahler werdenden Baumkronen. — Dillheim (Kreis Wetzlar), 29. Okt. Heute nachmittag gegen 1.30 Uhr segelte ein Luftballon über unser Dorf nach Hohensolms zu, also in östlicher Richtung. Die Fahrt ging der Windstille wegen ziemlich langsam in einer Höhe von etwa 500 Meter. Wie die mit Fernrohren bewaffneten Beobachter feststellcn wollten, war da? Luftschiff mit drei Personen bemannt. — Groß-Altenstätten (Kr. Wetzlar), 27. Okt. Am vergangenen Freitag wurde ein 91/, Jahre alter Junge, das einzige Kind der Eheleute Haus von hier, beerdigt. Der Knabe hatte schon vor längeren Jahren Schmerzen in einem Bein und wurde ihm daher dasselbe seinerzeit ausgeschnitten. Vor ein paar Tagen klagte das Kind wieder über große Schmerzen. Die Eltern brachten es in die Klinik nach Gießen, wo der arme Knabe bald starb. — Butzbach, 30. Okt. Die Bank für Handel und I n d u st r i e hat hier am 22., nicht am 27. Oktober, eine Niederlassung gegründet. 0 Friedberg, 29. Okt. Hier sind gegenwärtig be- delltende Projekte in Vorbereitung, nämlich der B ahn Hof s- umbau, Kanalisation gemeinsam mit Bad-Nau- Heim und Automobilverbindung beider Städte. Bezüglich des Um bau Projekts für den Bahnhof ist der Stadt durch die Bahnbehörde mitgeteilt worden, daß ein neuer Entwurf hergestellt wird, dessen Feststellung frühestens im Frühjahr n. I. zu erwarten ist. Auch die Ei n f u h r u n g der seit Jahren projektierten Bahn st recke Fried- berg-Florstadt-Ranstadt im hiesigen Bahnhof wird dabei vorgesehen werden. Bei dem BahnhofSumbau handelt e§ sich in erster Linie um die Verlegung und Vergrößerung des Güterbahnhofs. Dieser soll südlich der Stadt.gegenüber der Zuckerfabrik kommen, woselbst das Gelände schon angekauft ist. —DaS Projekt der Errichtung einer Person en-Fahr- «dwigstr. 4. 46. >70(f) nirf)t angegcoen, 6'narckstr. 17. mobit-OmnibuSverbindung ein nach dem Vorbild der gut frequentierten Kraftwagenpost Friedberg-Ranstadt. — DaS dritte und zugleich kostspieligste Projekt ist die gemeinsame Kanalisation der Städte Bad-Nauheim und Friedberg. Der Staat hat nunmehr die Erklärung abgegeben, daß er zu den beträchtlichen Kosten beitragen will. In beiden Städten wird die Angelegenheit von sachkundigen Männern und den Verwaltungsbehörden lebhaft erörtert. Wenn eine Einigung zustande kommt, durste die Ausführung der Kanalisation im Frühjahr in Angriff genommen werden. Die Kosten des Projekts sind auf 610000 Mark berechnet worden, die sich aus beide Städte verteilen. Für Bad-Nau- heim rechnet man im Sommer mit 20 000, im Winter mit 5000 Einwohnern, für Friedberg mit 10 000 Einwohnern. Während die Kläranlagen mit nur 120 000 Mk. berechnet sind, soll der etwa l1/. Stunde lange gemauerte Kanal von Bad-Nauheim bis zur Wetter bei Offenheim 490 000 Mark kosten. Die Kläranlage wird auf die Wiesen zwischen Bauernheim und Fauerbach kommen. Nötigenfalls sieht das Projekt noch eine OxydntionSfilteranlage zu 210000 Mark vor. Die Abwässer werden nach vorausgegangener Klärung in die Wetter geführt. Kirtorf, 29. Okt. Gestern fand hier eine Zusammenkunft ehemaliger Leibg ardisten deS Großh. Hess. Jnfanterie--<2eibgarde-)Regiments Nr. 115 statt Eine große Anzahl Kameraden hatte der Einladung Folge geleistet. Förster Simon-Wahlen begrüßte als ältester die Kameraden und leitete den Kommers, der einen schönen Verlauf nahm. Gendarmeriewachtmeister Kögel-Kirtorf toastete auf das Regiment Rr. 115 und dessen Inhaber, Se. Köniql. Hoheit den Großherzog. Es wurde beschlossen, am 10. März 1907 in Alsfeld im Saale des „Deutschen Hauses* wieder zu- sammenzukommen. sd. D a r m st a d t, 29 .Okt. Ein Falschmünzernest hob dieser Tage die Kriminalpolizei aus, die bei dem des Diebstahls verdächtigen zirka 40 Jahre alten Schreiner- gehülsen Johann Geriko aus Pont bei Düsseldorf eine Haussuchung abhalten wollte. Der Diebstahlsverdacht bestätigte sich zunächst nicht, doch wurde in einem Ofen usw. versteckt, ein Schmeftiiegel, sowie eine Menge Legierungsmetall, Antimon, Blei, Gips und Zinn gesunden, ferner neues falsches, aber sehr schlecht hergestelltes Geld, bestehend aus einer Anzahl Fünf- und Zweimarkstücken, ferner eine gedruckte Anleitung zur .Hersteftimg von Legierungen. G. ist geständig und will aus Not gehandelt haben, da er nach seiner im Frühjahr erfolgten Hierherkunft erst einen Monat Gefängnis zu verbüßen hatte und dann ohne Stellung war; damals hatte er eine kleine Wohnung in der 1,9. g nch angegeben. r. 16. wd) nicht angegeben. 1 noch nicht angegeben, r. 41. 2. ntinnen. -and. i, 30. Okt. 1906. am in er. Der Forint Lause dieser Wch iber die Satzungen in entwerfen. Da die reS darüber enthalten, die Kompetenz der ! zu bestimmen, die en landwirtschaftlichen ließe Fundierung bet :[te Antrag, ben bit faben wirb, iß ein rf, den dieser ein* dn cten. beantrag' ^etbanbcS der MWr Oberleitung, erbindung ,6^ 102 gegründet wurde. birft gestern abend i® W Mlerturnen undv rS ™ ®*5 ien an <• -q y 15, er iitn'Äj' - SS&gl äSV- die M-r 15 Turnern, 'urnerinneN- gttilti 1t ”lit Wnbc' Laudwehrstraßc. Mau fand auch dort Spuren, die anscheinend von einer chemischen Flüssigkeit herrühren. G. bestreitet, von dem falschere Geld ausgegeben zu haben, wahrscheinlich hat er aber Versuche dazu gemacht, denn man fand ein Falsch stück in seiner Tasche. Die Untersuchungen wurden bisher sehr geheim betrieben, da man vermutete, daß G. auch noch auswärtige Gehülfen habe. Auch seine Frau, die außerhalb lebt, ist der Mitwissenschaft verdächtig. te. Ober-Ingelheim, 29. Okt. Einem hiesigen Winzer wurden in einem seiner Weinberge, der ausnahmsweise in gutem Ertrage stand, sämtliche Trauben — 10 bis 12 Zentner — durch Bespritzen mit Petroleum unbrauchbar gemacht. Auf die Ermittlung des Täters ist eine Belohnung von 300 Mk. ausgesetzt. b. Wiesbaden, 29. Okt. Professor Dr. Otto Klein, Direktor der Realschule wurde heute auf dem Wege zur Schule vom Schlage gerührt und war sofort tot. Er stand im 49. Lebensjahre und war ein sehr angesehener Schulmann, der auch als Verfasser mundartlicher Dichtungen bekannt war. — Verhaftet wurde der beim Jnf.-Regt. Nr. 80 dienende Einjährige Kräh, der vor seinem Eintritt zum Militär als Kassenrendant am Amtsgericht in Niederlahnstein mehrere hundert Mark unterschlagen haben soll. Auch gegen den dortigen Kassenkontrolleur wurde nach der „Franks. Ztg." die Untersuchung eingeleitet. Kassel, 30. Okt. Die natio.nalliberale Partei ist neuerdnigs eifrig bemüht, ihre Organisation in Kurhessen auszubauen im Hinblick auf die kommenden Reichstagswahlen, bei welchen sie den Wahlkreis Kassel-Melsungen den Deutschsozialen wieder zu entreißen hofft. Diesen Zwecken dient vor allem die neue Landesorganisa- tion für Kurhessen und Waldeck, in welcher jetzt mit Ausnahme von .Hersfeld-Hünfeld und Fritzlar-Ziegenhain alle Wahlkreise vertreten sind. Weiter wurde hier ein nationalliberaler Jugendverein begründet und endlich erwartet man auch von dem nächstjährigen Parteitag in Kassel eine Stärkung der Organisation. Während die Partei bei der letzten Wahl mit den Konservativen gegen die Deutsch- sozialen kämpfte, wird diesmal die Studtsche Schulpolitik zweifellos eine Annäherung unter den liberalen Gruppen herbeiführeu, zumal die Nachricht von einem konservativ-deutschsozialen Wahlbündnis in Kurhessen unwidersprochen geblieben ist. [] Marburg, 29 .Okt. Vorgestern abend überrannte der Schnellzug D 74 auf einem Uebergang hinter Nie- der-Weimar den Wagen des Müllers Karl Becker aus Argenstein. Es passierte dabei weiter nichts, als daß der Hintere Teil des Wagens zertrümmert und ein Sack Frucht verstreut wurde. — Wie schon mehrmals, herrscht gegenwärtig in unferm Wahlkreis wieder eine recht intensive politische Agitation. Der deutschsoziale, von den Konservativen und dem Bund der Landwirte unterstützte dem- nüchstige Reichstagskandidat Dr. Böhme hält hier und da Vorträge, und in seiner Begleitung befindet sich zuweilen merkwürdigerweise der frühere Inhaber des hiesigen Wahlkreises Dr. Otto Böckel. Die Landwirte bringen dem letzteren immer noch lebhafte Sympathien entgegen. Auch die Reform-Antisemiten und die National- sozialen lassen es an Agitation nicht fehlen.__________ Vermischtes, * Pü(Her. Der antisemitische Agitator Graf Pückler- Kleintschirne erlitt in Berlin am Montag abend» als er nach einer Versammlung fuhr, einen Automobilunfall, bei welchem er unversehrt blieb, während sein Begleiter aus dem Wagen geschleudert und nicht unerheblich verletzt wurde. Die Rede des Grafen Pückler stand unter dem Einflüsse dieses Ereignisses. Der Graf sah seine Rettung als Bestätigung deS Himmels an, daß sein Werk ihm wohlgefällig sei!! — Hermann Gras v. Pückler, der frühere Leiter der Berliner Kriminalpolizei, ist im Alter von beinahe 70 Jahren einem Herzschlage erlegen. * Geheimnisvolle Leichenfunde. Auf bisher noch unaufgeklärte Weise ist in Köln der Schlosser Repol ums Leben gekommen. Seine Leiche wurde dort in einem Hause in der Schaasenstraße in einem Sack eingenäht aufgefunden. Frau Repol richtete bald darauf von Berlin ans an einen Spediteur in Köln die Bitte, das nach Frankfurt adressierte Bündel nach Berlin zu expedieren. Auf die Benachrichtigung der Kölner Polizei wurde die Frau in Berlin verhaftet. — In der Nähe von Mellet (Belgien) entdeckten Arbeiter, welche einer Blutspur nachgingen, in einem Teiche eine Leiche, die in einem Sack ein genäht war. Die Leiche trug Spuren einer Schußwunde. Man vermutet, daß es sich um einen Wilderer handelt, der erschossen und dann weggeschleppt und in den Teich versenkt worden ist. * Die neuesten EisenbahUnfälle. Der mit der Untersuchung über die Ursachen des Eisenbahnunglückes bei Ple asa ntville in Nordamerika (vgl. gestrige Nummer) beauftragte Richter stellte bei einer Besichtigung des Schauplatzes fest, daß die Schienen-Enden auf der Brücke bedeutend höher standen, als die Schienen auf der Landstrecke. Für einen mit großer Geschwindigkeit fahrenden Zug war es unmöglich, einem Sprung und der damit verbundenen Gefahr der Entgleisung zu entgehen. Die heftige Strömung trug mehrere Umgekommene ins Meer. Von den Getöteten sind der weitaus größte Teil Frauen und Kinder, die Zurückbleiben mußten, als die Männer sich durch die zertrümmerten Fenster retteten. Von 91 Passagieren wurden nur 25 gerettet. Ganze Familien sind um gekommen. Die meisten Toten sind Philadelphiaer. Taucher machten grausige Feststellungen. Die Versuche, die Waggons zu heben, schlugen fehl. Unter den Toten befinden sich folgende Deutsche: Frau Frederic Beackert und zwei Kinder, Selma Wormser, David Fried, Tr. Paul Felsberg und Frau, John Zimmermann, Martha Heisch, Albert Kessel, Ella Rittenhofer und Tochter. — Auf der Zweigbahn Saarburg-V al lersystal (Elsaß) entgleiste ein Personenzug. Die Maschine stürzte die Böschung hinab, .wobei fünf Wagen entgleisten. Zwei Personen vom Personal wurden verletzt. — Aus Agde (Frankreich) wird eine Zugentgleisung gemeldet, durch verbrecherische Hand verursacht. Die Entgleisung fand gegen Mitternacht, einige Kilometer von der Station Vias entfernt, statt. Der ganze Zug, bestehend aus einer Lokomotive und 11 Güterwagen, entgleiste. Ein Beamter wurde getötet, mehrere verletzt. In der Nähe des Unfalles wurde die Leiche einer Zivilperson gefunden, die Selbstmord begangen hatte. Man vermutet in ihr den Urheber deS Anschlages. * Kleine Tageschronik. Das landwirtschaftliche Slto fmc- in Wattenscheid hat durch Sammlungen bei den Land- wirten 9000 Mark aufgebracht, die als ‘Belohnung für die Ermittelung der Mörder des Gutsbesitzers Reick in Grünnig» seid ausgesetzt werden sollen. 2a für denselben Zweck von dem Sohn deS Ermordeten seinerzeit 5000 Mark bereitgestellt worden waren, so stehen nunmehr 14 000 Mark an Belohnungen zur Verfügung. — In Berlin wurde wegen Erpressung der auS dem Haag zugereiste Graf von Hoogendorp verhaftet. Bei der Kriminalpolizei waren in letzter Zeit mehrfach Anzeigen eingelaufen, daß er Personen des Vergehens gegen § 175 beschuldigte und mit einer Anzeige drohte, falls sie ihm nicht einen bestimmten Geldbetrag bewilligen würden. Er wurde ins Untersuchungsgefängnis gebracht. — In Köln wurde noch ein Svieler ne st, das dritte in kurzer Zeit, aufgehoben. Die Spieler, 25 Personen, flüchteten auf den Dachboden, wo sie sestgenommen wurden, nachdem das Hans umstellt war. Gerichtssaal. Greiz, 30. Okt. Nicht weniger als 50 Einwohner aus umliegenden Ortschaften von Greiz hatten sich wegen Verhöhnung kirchlicher Einrichtungen vor der Strafkammer zu verantworten. Am dritten Ostertage hatten sie Anstoß dadurch erregt, daß sie am beiten Tage eine sogenannte Bierleiche beise tzten , wobei auch ein imitierter Par sto r und Küster mitwirkten. Die beiden letzteren erhielten wegen öffentlicher Beschimpfung kirchlicher Gebrauche und Einrichtungen zwei Monate bezw. 6 Wochen Gefängnis. Die übrigen kamen mit Gefängnisstrafen von 1 bis 3 Wochen weg. Leipzig, 29. Okt. Das Landgericht verurteilte den sozial- demokr. Redakteur Franz Seger von der Leivz. Volksztg. wegen Beleidigung von vier Angehörigen des sächsischen Richter- standes zn zwei Monaten Gefängnis. Arbeiterbewegung. ffc.) Offenbach a. M., 29. Okt. Zwischen den ausständigen bezw. ausgesperrten Metallarbeitern von hier und Umgegend fca. 2000 Mann) und den Arbeitgebern kam heute auf dem Gewerbegericht als Einigungsamt eine Vereinbarung zustande. Tie Arbeit wird morgen früh wieder ausgenommen. Ein Teil der Arbeiterforderungen wurde genehmigt. Andere Forderungen, z. B. die eines Minimallohnes, wurden von den Arbeitern zurückgezogen. Berlin, 29. Okt. In der heute hier abgehaltenen Generalversammlung des Arbeitgeberverbandes für Binnenschiffahrt und verwandte Gewerbe wurde folgender Antrag einstimmig angenommen: „Tie Versammlung beschließt angesichts des Kontraktbruches ber ausständigen Mannschaften auf dem Standpunkte zu beharren, daß nach wie vor jede Verhandlung mit dem H a f c n a r b e i t e r b e r b a n b abge- lehnt wird und Verhandlungen mit kontraktbrüchigen Arbeitnehmern so lange ausgeschlossen sind, als sie die Arbeit nicht bedingungslos ausgenommen haben." Gleichzeitig wurde ausdrücklich festgestellt, daß von Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes eine Verständigung über die Art der Negeliing des Arbeits- Verhältnisses direkt mit ihren Schiffsmannschaften niemals abgelehnt worden ist. Wien, 29. Okt. Die Metzgermeister beschlossen, wegen des Streiks derMetzgergehilfen sämtliche Geschäfte bis Mittwoch ju schließen und während dieser Zeit am Markt keine Schweine zu kaufen. Origrnal-DrabtnHeldungen. Nombach, 30. Okt. Gestern nachmittag verun- glückten, in einem hiesigen Hüttenwerk zwei Arbeiter infolge Gasvergiftung in einem Abwässer-Kanal. Die angestellten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Göttingen, 30. Okt. Professor D a rn s ch ttfat in Begleitung von Tr. Rosenbach, Assistent an der Berliner Charite, heute eine Reise nach Teheran an, wohin ihn der Schah von Persien zu einer Konsultation berufen hat. Paris, 30. Okt. „Echo de Paris" meldet aus Rom: Auf der Kousulta beschäftigte man sich sehr eingehend mit der marokkanischen Frage. Der Korrespondent des Blattes hebt hervor, daß zwischen den Staatskanzleien von Berlin und London zahlreiche Noten in dieser Angelegenheit ausgetauscht werden. Es wird befürchtet, daß man sich unmittelbar vor einer ähnlichen Sage befindet, wie zur Zeit der Konferenz von Algeciras. Man hofft jedoch, daß jeder bedenkliche Kvn- slikt infolge des Eingreifens der verschiedenen Mächte verhütet werden wird. Domodossola, 30. Okt. In Anwesenheit von Delegierten des Post- und Telegraphen-Ministerinms wurden hier Versuche mit dem neuen System Segris vorgenommen, welche ein vorzügliches Resultat ergeben haben. Man glaubt, daß aus diese Weise Eisenbahn-Z nsammen flöße vermieden werden können. BuenoS-Ayre§, 29.Okt. Während eines Zyklon? ist da? MercedeS-Spital vollständig eingestürzt. Viele Kranke wurden unter den Trümmern begraben. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börte, 30. Oktober. 1.15 Uhr. 3j-2°/e Bei ch sanleihe . . 97.75 3% do. . . 86.05 3%°/o Konsols .... 97.80 3% do 86 15 3^°/n Hessen .... *97.10 Oberhessen . . . — 4®o Oesterr. Goldrente. . 98.85 4'ls% Oesterr. Silberrente 99.90 4?o Ungar. Goldrente . . 95 00 4% Italien. Rente . . . — 3?o Portugiesen Serie I . 69.00 3% Portugiesen „ III 69 70 4%% russ.Staatsanl. 1905 88.75 4%°'n japan. Staatsanleihe 92.45 4% Conv. Türken von 1903 94.45 Türkenlose 146.00 Griecb. Monopol-Aul. 52-60 4% äussere Argentinier . 88 00 3°/0 Mexikaner . . . 67.20 4%% Chinesen .... 95 80 Aktien: Bochum Guss 237.00 Buderus E. W .... 125.0fr Tendenz: fest. Elektriz. Lahmeyer . . . 142.00 Elektriz. Schuckert . . . 124.75 Eschweiler Bergwerk . . 237.20 Gelsenkirchen Bergwerk . 221.20 Hamburg-Amerik. Paketf. 156.10 Harpener Bergwerk. . . 210.75 Laurahtitte 246.00 Nordd. Lloyd 124.80 Obeischles. Eisen-Industrie 127.00 Berliner Handelsges . . 170.60 Darmstädter Bank . . .138 20 Deutsche Bank . . . 238.50 Deutsch-Asiat. Bank . . 170.50 D i skonto-Kom mandit. . . 181.90 Dresdner Bank . . . 155.60 Kreditaktien .... 211.40 Baltimore- und Ohio- Ei sent ahn . . 121.50 Gotthardbahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 36 40 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.10 Prince-Henri-Eisenbahn . 148.50 Berliner Börse, 30. Oktober. Anfangskurse. Canada E. B 178.20 Darmstädter Bank . . . 137.70 Deutsche Bank .... 238.50 Dortmunder-Union C. . . 8160 Dresdner Bank .... 155.80 Tendenz: fest. Harpener Bergwerk Laurahütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . 210.00 12510 146.90 U km M aber wirklich nicht bMisen, Mtz! P^gst. du dich nun seit Wochen mit deinem Katarrh herum, laßt dir die Saune verderben und wirst deines Lebens nicht froh — und doch gibt's ein verblüffend ein- faches Mittel, dich von allen Beschwerden zu befreien und "jr die Lebensfreude wieder zurück zu erobern: Kauf dir e,nc Schachtel Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen; ich garantiere dir, daß Fays ächte Sodener mit allen Be- SÄL schwerderl schnell und gründlich auf räumen. Die Schachtel kostet 85 Pfg. und ist überall erhältlich. [hvn/B . ~“ut Mitteilung der bek. Theefirma M e ß m e r (Frankfurt a. M.) nno die fenuten Tees der diesmaligen Chinaernte besser als fett Jahren. Meßmers ist. Souchong m. Bl. (100 gr. Packetc M. 1.—) un?«Äcüec (WO gr. Tose 2)1 1.25) m den M. T. Lerkaussstellen erhältlich. 8. 6. B”/10 Bio umsonst 07964 Knaben-Garderoben Tapijserie! Tapisserie! 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Paßnotiz und Führungszeugnis sind mitzubringen. 4. Vie Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen, Stöcke, Schirm«, Pieifen nnb Zigarren sind vorher megzulegen. Sämtliche Ntmmschasten stehen während des ganzen Kontroll- Ffir nur iMk. sind ra gewinne* i 1000001 40000 m. Bar Geld em. 18597 Gewinne über 3000001 Ziehung unbedingt am 12. November u. £ Tag. Nürnberger LsßMc selbst Zu machen ans Mellinghoffs Cognac-Essenz Rezept! Mische 1 Liter Weingeist (Spiritus) mit 1^4 Liter Wasser und fuge 1 Flasche Melllnghoft'» Cognac-Essenz ä 75 i-'fg. hinzu. Der so erhaltene Coguao ist von ausgezeichnetem Geschmack und von gleicher Bekömmlichkeit wie gute französische Marken, Ober 3 bis 4 mal billiger. Ebenso einfach ist auch die Selbsttrersiinng von Fium, Arrak, Likören aller Art, Limonade-Sirupen, Punsch- und Grog-Extrakten aus Dr. Melllnghofl’s Essenzen ä 75 Pfg. pro Flasche. 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Diejenigen der Landwehr I. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Herbstkontrollversammlung zugeht und zwar: 7. November, 9 Uhr Vormittags, die Jahrgänge 1899, 1900, 1901, der Infanterie, sowie die oben unter Nr. 1 aufgeführten aller Jahrgänge und Waffen (der Reserve) (Offiziere pp.) 7. November, 2 Uhr Nachmittags, die Jahrgänge 1902 und 1903, der Infanterie. 8. November, 9 Uhr Vormittags, die Jahrgänge 1904, 1905 und 1906 der Infanterie. 8. November, 2 Uhr Nachmittags, sämtliche Jahrgänge der Reserve der Garde, Proviinial-Jager, Kavallerie, Feldartillerie, Fupartillerie, Pioniere und VerkehrStruppen. 9. November, 81/, Vormittags sämtliche Jahrgänge der Reserve des Trams, Sanitätspersonals, Veterinärpersonals, sonstige Mann- schaften und Marine, sowie die zur Disposition der Truppenteile und Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen und die oben unter Nr. 3 Auigcfuhrten. Landwehr I. Aufgebots, denen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der llonlroll- versammlrmg zugcht. Die Ersatz-Reservisten haben bet der Herbstkontrollver- samrrUung nicht zu erfcheiueu. Es wird folgendes erinnert: 1. Befreiungsgefuche sind bis spätestens 8 Tage vor dem Apcll durch den Bezirksfeldwebel des Hauptmeldeamts einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei, bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt fem. Berücksichtigung kann nur in den dringendsten Fällen stattsinden. 2. Jeder Kontrollpflichtige ersieht die Jahresklaffe, zu der er gehört, auf dem Deckel seines Mllttärpasses. verbesserte „Volldampf“, g Wringmaschinen, Kiangelmaschinen. I Bugnsi Ereil, SeltnM« 12. Neu aufgenommen. Herren-Hüte Modernste Formen, hervorragend gute Qualitäten, billigste Preise. 3—5 Mark täglicher, ständiger Verdienst. 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