Erstes Blatt Dienstag 5. Juni 1906 156. Jahrgang Schul st ratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.^^51 Adresse für Depeschen: «uzeiger Gtetzeu. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gietzen Vez«g*pre»Si monalttch7bPi., viertel- jädrlich Mk. 2.20; durch Abyolo- u. Zweigstellen inovatlicb 66 Pf.; durch diePost Mk. 2.— Vierteljahr!. auöschl. Besleüg. Annahme von Anzeige» für die Tagesnuinmer biS vormittags 10 Uhr. ZeilenprelS: lokal ILPf« auSwärtS 20 Pig. Verantwortlich füt den polit. und allgem. Teil: P. Witt ko: für ,Stadt und ßanb' und .GerichtSfaal'. Ernst petz; hir den Anzeigenteil: HanS Beck. Nr. 139 erscheint täglich außer Sonntag«. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der B r ü h l'sehen Univers.-Buch-u. Stein- druckeret. 9L Lange. Redaktion. Expedition Aie heutige Hummer umfaßt 8 Seiten. politische Wochenschau. Großen, 5. Jttni 1906. Das Pfingstfest, das für Tausende die erfte Gelegenheit bildet, der neu erwachten Natur iHre Huldigung zu zollen, das Tausenden Erholung und Freude bringen soll und das für andere Tausende eine Haup-temncchmecfUelle für das ganze Jahr geworden ist, von deren Bedeutung ihre Existenz zuni Teil ab hängt, es ist vorüber. Die großen Erwartungen, bie an das Fest gestellt wurden, sind aufs schmählichste enttäuscht worden. Das Pfingstfest, von dem ein feinhöriger kleiner Dreijähriger meinte, der seine eigene Laut-Etymologie treibt, er müsse, wie vor Wochen vom Osterhasen, so nun vom Buchfink Pfingsteier bekommen, hat sich dies- rnal ganz und gar nicht so aufgeführt, wie es von ihm von Rechts wegen erwartet wird. Wohl brachte es Fcststimm- ung, buntblühende Bbumenpracht, freudegierige Menschenkinder und hier und da auch Sing und Sang und Klang — aber das Wetter, das Wetter. Wenig versprechend sah schon der mit grauen Dunstschleiern verhängte und in kurzen Absätzen immer neue Iwgenschauer herabgießende Himmel am F-estvorabend aus. Trotzdem ließ sich mancher fri'ch- lingsdurstende Naturschwärmer nicht äbhälten, schon am Samstag hinauszuKiehen in die Berge. Leider blieb aber die Sonne fast den ganzen ersten Feiertag über höchst ungnädig. Nur am Abend hat sie einen unachtsamen kurzen, die Wiesen doch mit goldigem Glanze überflutenden Blick auf das Festtagsgewimmel aeworfen. Am zweiten Feiertage zeigte sie sich zwar bedeutend wohlwollender. ?lber ein geradezu eisiges Mailüftchen rüttelte heftig an den Fensterladen und schüttelte ivilo die Bäume. Mancher lieber» zieher und mancher Damenmantel, deren Dispositionszeit schon begonnen hatte, mußten wieder in Aktion treten. Ein nasser Sommer ist von Wetterkundigen geweissagt worden, und diese Cassandraprophezeiung scheint sich er- füllen zu wollen. Jedenfalls ist das Pfingstfest arg mißraten, und dem sauren Feste folgen saure Wochen der Mühe und Arbeit. In den nächsten Tagen versammtzLt sich in Darmstadt die 2. hessische K/ammer zu emsiger Arbeit, wenn auch nur für wenige Tage. Der Reichstag aber hat seinen Sommerurlaub angetreten. Ein bemerkenswerter Moment in seinen letzten Sitzungen war der heftige Angriff des Sozialdemokraten Bernstein gegen den Breslauer Polizeipräsidenben wegen der Affäre des Arbeiters Biewald, dem eine Hand von einem offiziell noch nicht ermittelten Schutzmann äbgehauen wurde. Bernstein aber blamierte sich unsterblich damit, daß er eine uu ab geschossene Patrone auf den Tisch des Hauses niederlegte, an die er eine grausige Geschichte knüpfte, die aber von der ganzen sozialdemokratischen Presse, auch der in Hessen, unterdrückt wurde! Putzig war das burschikose Gebahren des Herrn von O l d e n b u r g -'I a n u s ch a u, der den süddeutschen Bundesstaaten wegen chrer populären Wahlrechtsreformbemühungen den Text zu lesen sich unterfing und die preußische Retorsionspolitik als die alleinseligmachende Kulturpolitik eines starken Deutschland empfahl. Ter bayerische Bundesratsbevollmächtigte gab auf diesen Ueberhebungsausbruch des reaktionären Junkers die gebührende Antwort. Ein schlimmes Spiel trieb der Reichstag mit dem Erbviinzen zu Hohenlohe, der nun seit 6 Monaten auf seine etatsmäßige Anstellung als Kolonialstaatssekretär wartete, dessen Gehialt aber bei der dritten Etatsberatung endgiltig verweigert ivurbe. Damit war das Kvlonialsekretariat überhaupt gefallen, und es blieb schließlich bloß noch der Antrag auf die Medereinstellung der Kolonialverwaltung in das Auswärtige Amt mit einem Kolonialdirektor an der Spitze übrig. Dieser Antrag gelangte denn auch zur Annahme. Der Erbprinz wird trotzdem in seiner bisherigen Stellung verbleiben, nachdem ihm eine weitgehende Selbständigkeit in der Ausübung seiner Funktionen zugesichert worden ist. — Auch in den kolonialen Ergünznngsetats hat der Reichstag starke Abstriche vorgenommen. Das Auftreten des Obersten v. Deimling dem Reichstag gegenüber, die sensationellen Nachrichten des Abg. Semler über die Verquickung der Truppenzurückziehung mit der Bahnbewilligung und die Tiraden des Abg. Dr. Arendt koimten die Stimnnuig des Reichstag« nur ungünstig beeinflussen. Die letzte positive Tat des Reichstags war die Annahme des deutsch-schwedischen Handelsver- tag es Die Vertagung dauert bis zum 13. ÄLovember. Das preußische Abgeordnetenhaus nahm vor der Pfingstferienpause das Schulunterhaltungs- qesetz an. Minister Studt pries dieses Ereignis als ein Derk des Friedens, dürfte aber mit seiner Auffassung ziemlich allein stehen. Allen Beeinflussungsversuchen der öffentlichen Meinung zum Trotz hält die liberale Presse ihr Urteil über die nun im Abgeordnetenhause vorläufig zum Abschluß gebrachte Schulaktion aufrecht. Die gesetzmäßige Einführung des konfessionellen SchulftistemS anstelle des Simultan sckmlprinzips und die schiverwiegenden Bestimmungen über die Verkürzung der Rechte der Sewbstverwaltung stempeln das Gesetz als reaktionär. Weiter stimmte das Abgeordnetenhaus der Vorlage über die Mainkanalisier- u n g zu. Die Reise des deutschen Kaisers nach Wien mid Schönbrunn findet im Lause dieser Woche statt. Auch Prinz Heinrich von Preußen begibt sich am 9. d. M. nach Wien. Während der Prinzrege-»t von Dai)ein und ein Vertreter der württernbergischen Armee gleichzeitig mit bem Grasen Moltke in Wien weilten, werden der König von Sachsen und Prinz Ludwig von Bayern in den nächsten Taaen in Sa^wedel zusammen treffen, lieber die Bedeutung aller dieser Zusammenkünfte ist etwas Authentisches noch nicht veröffentlicht worden. In Oe st erreich-Ungarn kam die lang hintangehaltene Reichskrisis zum Ausbruch Bei der Bildung des ungarischen Kabinetts Wekerbe gestand Kaiser Franz Josef den Ungarn yi, Has österreichisch-ungarische Zollbündnis durch einen Zollvertrag zu ersetzen. Demgemäß brachte Minister Wekerle im ungarischen Reichsrat das österreichisch- ungarische Zollabkommen nicht als gemeinsame Reichsvorlage, fonbam als ungarische Vorlage ein, wie er auch die auf Grund der Zollunion abgeschtossenen Handelsverträge nicht als gemeinsame Reichsvorlagen, sondern als einseitige ungarische Gesetzesvorlagen vor den Reichsrat brachte. Damit fiel prinzipiell die wirtschaftliche Reichseinheit von Oesterreich und Ungarn. Der österreichische Ministerpräsident, Prinz zu Hohenlohe, trat infolge dieser zugunsten Ungarns ausgefallenen Entscheidung des Kaisers zurück, mit ihm sein gesamtes Kabinett. Die Neubildung des österreichischen Kabinetts wurde dem Sektionschef o. Beck übertragen. Das neue Kabinett findet aber vorläufig keineswegs die begeisterte Aufnahme, die ihm als einem Kampfministerium gegen Ungarn in Aussicht gestellt war. Die Ursache der Zurückhaltung ist das allgemeine Mißtrauen der Parteien untereinander. Es ist der Kabinettsbildung nicht eine Verständigung über alle strittigen Fragen vorausgegangen, die Parteien haben nur dem ungeivöhnlich starken, von oben geübten Druck nachgegeben, um, wie ein tschechisches Blatt sagt, die drohenden Straßendemonstra- tionen während der Anwesenheit des deutschen Kaisers zu verhüten. Darum mußte das Kabinett noch vor Pfingsten fertig werden und feine Programmbeschränkung auf die zwei populärsten Forderungen, Ausgleich und Wahlreform, ]o laut ausgerufen werden. Es ist immerhin möglich, daß man sich nun im Kabinett wirklich über die W a h l r e f o r m einigt und dann auch im Hause ein Kompromiß gelingt. In seiner jetzigen Zusammensetzung und bei dem jetzigen Gemütszustand der Parteien ist das Kabinett Beck noch nicht das ersehnte Erlösungsministerium für Oesterreich. I» Christ i a n i a wurde am 1. Juni Hendrik Ibsen nach einer Trauer feier, an welcher König Hakon teilnahm, $ur letzten Ruhe bestattet. Am Abend desselben Tages fand eine Gedächtuisvorstellung im Nationaltheater, das gänzlich ausverkauft war, statt. Die Pforte richtete an die Vertreter sämtlicher Großmächte eine Note- worin sie über die zunehmende griechische Bandenbemegung in Mazedonien ernsteste Klage führt. Die Pforte hebl hervor, daß alle ihrerseits m Athen eingeleiteten Schritte fruchtlos bleiben, weshalb sie an die Mächte appelliert, damit diese in Athen vorstellig werden. ES geschieht zum ersten male, daß die Pforte wegen ihrer Beziehungen zu einem unabhängigen Staate um die Dienste der Großmächte ersucht. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß das Elend der russischen Bauern weiter um sich greifen werde. Die Mißernte ergreift fast alle Gouvernements, die im vergangenen Jahre davon betroffen wurden, in noch größerem Maße als damals. Im Gouvernement Kasan ist durch die Dürre die Frühjahrs- wie Sommersaat vernichtet, ebenso im Gouvernement Saratow, wo der Sommerweizen ganz vernichtet ist. Im südlichen Teile des Tongebietes hat der Sonnenbrand die ganzen Felder und Wiesen auf ungeheure Strecken vernichtet. Seit Anfang des Frühjahrs ist dort fein Regen gefallen. Wann die Regierung Hilfe organisieren wird und wie, ist noch ihr Geheimnis, zumal das 93er- pflegungS-Kapital aufgebracht ist. Alle Kasten sind leer. In mehreren Städten sind gefährliche Streiks ausgebrochen. Die Königshochzeit in Spanien ist nicht ohne Attentat vor sich gegangen. Ruchlose Hände schleuderten bei der Rückkehr des jungen Ehepaares aus der Kirche ins Schloß dicht in der Nähe des königlichen Wagens eine Bombe; das Königspaar selbst blieb unverletzt. 24 Anwesende wurden getötet und 76 verwundet, von denen noch drei gestorben sind. Welche furchtbare Perspektive für die junge Königin, der am Tage ihrer Vermählung ein solcher Empfang bereitet wird! Der Täter des Mordanschlages ist, entgegen früheren, sehr bestimmt auftretenden Meldungen, noch un» ermittelt. Trotz eifrigen Suchens beginnt man zu fürchten, daß, wie bei den drei letzten Attentaten in Barcelona, der Schuldige nicht gefunden werden wird. Der verhaftete Eng» länber Hamilton hat sich als unschuldig erwiesen und wurde auf freien Fuß gesetzt. Der Minister des Innern bietet persönlich 25 000 Pesetas dem, der eine solche Auskunft giebt, daß zur Verhaftung MoraleS' geschritten werden kann. Die Untersuchung wird auch in London mit Eifer fortgesetzt. Im Generalquartier der englischen Sicherheitspolizei wird erklärt, daß der Name des Attentäters nicht bekannt sei. Man vermutet, daß es ein falscher ist. Der spanische Geschäftsträger Graf Praden in London erklärte, baß der Attentäter ein Italiener sei. Auch sei wenig wahrscheinlich, daß das Komplott in London ausgearbeitet wurde. Man vermutet vielfach, daß der Urheber des Attentats durch die Explosion der ersten Bombe getötet worden ist. Dian hat nämlich auf dem Balkon des dritten Stockes des betreffenden Hauses einen Mann tot aufgefunben. Die Polizei glaubt, daß die beiden Bomben nach 9lrt der früheren Retten- kugeln durch eine Kette verbunden waren und daß die erste Bombe auf dem Balkon, die zweite in' der Luft explodierte. __ Am 2. Juni kurz vor Sonnenuntergang fand die Bei- setziing der Getöteten statt. Eine große Drenschenmenge, ferner die Jnfanten Carlos und Ferdinand, sowie die gesamten Der- tretcr der auswärtigen Mächte, die zu den HochzeitSseierlich- kecken nach Madrid gekommen waren, nahmen an der Beisetzung teil. Auf Anraten der Regierung wohnte der König der Beisetzung nicht bei. Er besuchte aber die Verletzten in den Spitälern. Er ging von Bett zu Bett, unterhielt sich mit ihnen und tröstete sie. Die spanische Regierung beabsichtigt, die Hinterbliebenen der Opfer mit Geldmitteln zu unterstützen. — Vielfach verblüfft und empört hat es, daß die Festlichkeiten ihren Fortgang nehmen. So hat am Pfingstsonntage in Madrid ein großer Stierkampf stattgefunden, zu dem Hunderte von Einladungen ergangen waren. Des Königs Absicht ist ja klar, er will dem Volke Freude bereiten; eine Landestrauer aber würde doch wohl selbst von dem Geringsten im Lande bester verstanden werden. Deutsch Afrikanisches. Berlin, 2. Juni. Amtlich. Nach dem Gefechte bei NukaiS am 25. Mai war der Gegner zunächst nach Osten abgezogen. Unter der Einwirkung der von Duurdrift vorgehenden 9. Kompagnie des 2. Feldregiments und da den Hottentotten vermutlich auch die Besetzung der Wasserstellen am Geiab Revier bekannt mar, wandten sie sich wieder nach Norden, erreichten nördlich von Tsarnab abermals den Hann Revier, und zogen dann über Nagais und Dakeib in westlicher Richtung nach Gabis. Die Abteiliing des Majors v. Freyhold, die am 28. Mai, vom Fischfluste kommend, in Halb eingetroffen war, stellte durch ihre Patrouillen fest, daß etwa 250 Hottentotten Pad Haib--Warmbad nach Süden zu überschritten hätten. Sie nahm sofort die Verfolgung auf. Major Siebner, der unter äußerster Anspannung der Kräfte die Verfolgung bisher durchgeführt hatte, steht jetzt nut feiner Abteilung bet Warmbad. Major Rentei übernahm das Kommando an der Ostgrenze. Rittmeister Ermekeil hält den unteren Fischfluß besetzt. Hauptmann v. Bentivegni vertrieb gelegentlich einer Streife durch die großen Karasberge am 26. Mai nach kurzem Gefechte eine Hottentottenbande und nahm ihnen Vieh ab. Vereinzelte kleinere Banden traten am Lowenfluß bei Stampftet, am Fischfluß bei HonS und in der Gegend südlich von Churutabis auf. Major Johannes konzentriert seit Mitte Mai Teile seines Expeditionskorps, verstärkt durch Detachements von Mahenge, gegen die Landschaft Mgende, den Sammelpunkt der Aufständischen. In Tabora ist die Kompagnie Hirsch eingetroffen. Hauptmann Seyfried kehrte unter Belastung starker Posten in Nakindjimba Jlulu und Luagalla auf Makonde nach Lindi zurück._____________________________________________________ Das Bismarckdenkmal in Hamburg. Ham bürg, 2. Juni. Die feierliche Enthüllung des BiSmarckdenkmals auf der Elbhöhe hat heute nachmittag stattgefunden. Von der Familie Bismarck waren der Einladung zur Teilnahme an der Feier gefolgt: Die vier ältesten Kinder des verstorbenen Fürsten Herbert Bismarck, Graf und Gräfin Hoyos, Graf Hermann Kaiserkingk und Baron Merck. Bürgermeister Dr. Moenckeberg hielt die Festrde. In derselben führte er aus: ^Da» enthüllte Bild solle den ganzen BiSmarck zeigen, wie er noch nach Jahrhunderten in den Herzen des deutschen Volkes softleben werde, wenn daS Zufällige und Aeußerliche in seiner Erscheinung längst vergessen sein wird. In riesiger Gestalt mit den ernsten, festen Zügen, den tiefen gewaltigen Augen sehe man das Bild des starken deutschen Mannes, der außer Gott nichts auf der Welt fürchtet, der bei aller Unabhängigkeit und Selbständigkeit deS Charakters doch in echt deutscher Treue keinen höheren Ruhm kennt, als der erste Diener seines Kaisers und Königs zu fein, der mit unerschütterlicher Ueberjeiigung und unbeugsamer Energie auf das als richtig erkannte Ziel lossteuert. Das Denkmal werde so die Erinnerung an bie r große Zeit der Gründung des Reiches wachhalten und den kommenden Geschttchtern eine Mahnung sein, daß sie festhalten an der Treue an Kaiser und Reich/ Der Präsident des Senats Hamburg, Bürgermeister Dr. Burchard, übernahm das Denkmal mit einer Ansprache. NamenS des Senats und der Bürgerschaft nehme er dankbar daS in freudiger Begeisterung errichtete Denkmal entgegen. Wie Hermanns, des CheruskerS Standbild schaue es weit hinaus in die deutschen Lande, gleich ihm ein Markstein deutscher Kraft und deutschen Könnens. Wie einst der Pfingstgeist matte Herzen mit Begeisterung erfüllt habe, so möge em nationales Pfingsten dem deutschen Volke be- schieden sein._________________________________________ DcrTe l tow-Ka iial ist am 2 d. M. durch den Kaiser feierlich eröffnet worben. Der Monarch durchschnitt bie traditionelle seidene Schnur mit dem Riel seines Schiffes, der Dampfjacht Alexandra, und damit war der Kanal eröffnet Während der Fahrt überholte bie „Alexandra* einen Schleppzug, der mit elektrischem Betriebe getreidelt wurde. An der Kanalstrecke sind zahlreiche Terraingesellschaften entstanden, die auf zukünftige Villenkolonien und vor allem das Entstehen von Fabriken und industriellen Anlagen aller Art am Kanal rechnen. Der Rrei5 Teltow hat für annähernd zwei Millionen Mark Ländereien als .aussichtsvolle Kanalanlage* erworben. Die Preise für Grund und Boden sind an der ganzen Linie des Kanals schon riesig gestiegen; die Anlieger, kleine Bauern usiv. haben große Gewinne erzielt, und dabei werden doch die Tcrraingesellschaften erst den größten Nutzen haben. Durch die heutzutage so beliebte „Ausschließung von Grund und Boden*, d. h. dtirch Verkauf von Land an die Bauspekulation, werden glanzende Geschäfte gemacht. Am Kleinen Wannsee im Grünewald, ringS uni des Dichters Seine, v. Kleist's Grab herum, ist z. B. alles Gelände von einer Gesellschaft aufgekauft, die dort eine Villenkolomc errichtet. Ebenso wie von der Zehlendorfer Grenze bis Wannsee heute die Heimstätten-s)lktiengesellschaft die alten Kiefernforstcn in^villeukolonicn verwandelt hat ober noch verwandelt. Nach Eröffnung des Kanals wird nun auch in die stille Dorfstraße des idyllisch gelegenen Klein-Machnow und in die grasbewachsenen Bürgersteige des alten Städtchens Teltow lebendiges Leben einziehen. Mit der idyllischen Rübe wird es nun hier vorbei sein, und da, wo bisher die Teltower Rüben gewachsen sind, werden setzt die Terrainwerte wachsen als sicherstes Zeichen dafür, daß die „Kultur" ihren Einzug gehalten hat. Zur Vollendung des Kanals fehlt übrigens noch ein Mittelstück von etwa 700 Meter Länge in der Nähe von Groß-Lichterfelde, das nicht vor dem Oktober in Betrieb genommen werden kann. Erst von diesem Zeitpunkt an wird der Kanal seine eigentliche Aufgabe, den riesigen Schifffahrtsverkehr zwischen Oder und Elbe von Schlesien bis Hamburg dadurch, daß fortan der ebenso kostspielige wie weite Umweg durch Berlin, Ebarlotteuburg und Spandau samt den Schleusen vermieden wird, zu entlasten, zu erfüllen vermögen. Aus uuo £attö* Gießen, den 5. Juni. " Auszeichnungen. S. K. H. der Großherzog haben dem Forstwart der Kommunalforstwartei Grein, Förster Ludw. Ebert zu Grein, aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für freue Dienste" verliehen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiw. Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. ö. des Großherzogs den Mitgliedern der freiw. Feuerwehr Lampertheim Gg. Lerch, Matth. Moß und Adam Kraus. •* Landesuniversität. Der ordentliche Professor der klassischen Philologie Dr. Alfred Körte in Basel hat einen Ruf an unsere Landesuniversität als Nachfolger des Professors Dr. Bethe erhalten. •* Lehrerpersonalien. Ernannt wurden die provisorischen Lehrerinnen an der höheren Mädchenschule zu Mainz Ida Kempf und Johanna Sichel zu Lehrerinnen an dieser Schule unter Belassung in der Kategorie der Volksschul- lehrerinnen. "Gießener Volksbad. Im Mai wurden 11754 Bäder verabreicht gegen 8899 im Avril 1906 und 11891 int Mai 1905 oder im Durchschnitt pro Tag 379 Bäder gegen 297 im April 1906 und 384 im Mai 1905. Der Besuch hat sich im emzelneu wie folgt verteilt: Schwimmbad: 5497 Männer, darunter 968 zu 10 Plg., „ 1477 Frauen. „ 387 „ 10 „ Wannenbäder 1. Klasse 351 Männer, 162 Frauen, 2. ,, 857 „ 584 „ Dampf- u. Heißluftbäder, sowie Massage zus. 151 Männer, 29 grauen, Brausebäder 1. Klasse 868 Männer, 125 Frauen, „ S. „ 1413 „ 240 „ Die Perfonemvage wurde von 320 Personen benutzt und das Bad von 13 Personen besichtigt. ** Flottenverein. Die Kreisgruppe Gießen vom Deutsche FlottLnverein hielt dieser Tage im (Safe Ebel ihre Jahresversammlung unter dem Vorsitz des 2. Vorsitzenden, Oberbibliothekars Dr. Heuser, ab. Dieser gedachte des im Sommer v. I. verstorbenen 1. Vorsitzenden der Kreisgruype, Geh. Hofrat Prof. Dr. W. Oncken, und widmete ihm einen warmen Nachruf. Zum Andenien an ihn erhoben sich die .Aninesenden von ihren Sitzen. Ten Jahresbericht erstattete Dr. Heuser. Im .abgelaufenen Vereinsjahr trat die Gruppe zweimal in die Oeffentlich- keit. Einmal gelegentlich der Petition für Annahme und Verbesserung der Novelle zum Flottengesetz, die vor wenig Tagen in der Fassung der Regierungsvorlage, also ohne die vom Flottenverein erstrebten Verl'"sserungen^endgiltig angenommen wurde. Die Petition, hat hier 470 Unterschriften gefunden. Mit dieser Petition stand der Vortrag des Generals a. D. Keim-Berlin am 31. Januar, der gut besucht war, und eine Anzahl neuer Mitglieder zuführte. Auf der Hauptversammlung des Landesverbands in Offenbach war die Gruppe vertreten durch Dr. Heuser und I. Schad. Dr. Heuser und Lehrer Keil-Klein-Linden wurden in den Landesausschuß für den Kreis Gießen gewühlt. — Tie Zahl der Einzelmitglieder der Gruppe belief sich^ an' 560 Personen, davon in Gießen 460. (Bemerkt sei, daß im Kreise noch mehrere selbständige Ortsgruppen bestehen, z. B. Allendorf, Lollar, Londorf, Laug-Gons, Klein-Linden, Geils- 1) auf en u. n.) Der Durchschnittsbeitrag der Mitglieder beträgt 1,60 Mk., die Durchschnittskosten der „Flotte" dagegen 1,70 Mk. An die vermögenden Mitglieder ergeht daher die Anregung, ihren Beitrag mindestens auf 2 Mk. zu erhöhen. Von körpeiDchaftlichen Mitgliedern gehören zur Gruppe: Der Bergmännische Verein, der Kriegerverein, die Kriegerkameradschaft, die Rudergesellschast und die studentischen Verbindungen Wingolf und Eheruskia, der S. C. gehört dem Gesamtverband des deutschen Flottenvereins an. Es sind zurzeit Verhandlungen zur Gewinnung weiterer bürgerlicher und studentischer Kreise im Gang. — Die Einnahmen der Kreisgruppe betragen 977,50 Mk., darunter an Mitgliederbeiträgen 867,50 Mk. und an Neberschüssen ans den Mutos- kopen am Bahnhof 58,83 Mk.; 642,75 Mk. wurden an den Landesausschuß abgeführt. — Bei der Wahl des 1. Vorsitzenden erhielten Oberbibliothekar Dr.Heuser und Amtsrichter Funk Stimmengleichheit, worauf das Los letzteren zum 1. Vorsitzenden bestimmte; er war früher 1. Vorsitzender der Ortsgruppe Homberg a. Ohm. 2. Vorsitzender blieb Oberbibliothekar Dr. Heuser, Schriftführer und Rechner Eisenbahntelegraphist I. Schad, Beisitzer des engeren Ausschusses Stadtverordneter Helm und Bergwerkspräsident Marx. In den weiteren Ausschuß wurden gewählt Provinzialdirektor Ge'heiiuerat Dr. Breidert, der Rektor der Landesuniversität, Geh. Hofrat Prof. Dr. Beha-ghel, Reichstagsabg. und Beigeordn. Kommerzienrat Hehlrgen- st a e d t, Kommerzienrat He-schelheim, Stadtv. Kirch, Stadtv. L. Petri II., Brauereibesitzer Bi chler, Prof. Dr. K. Helm, Fabrikant Mfr. Bock, Bergwerksdirektor M ü n k e r, Ingenieur Koch, Regierungsrat Roth, Pfarrer D. Schlosser, Friseur E. Koch, Bauunternehmer W i nn, Bierverleger Heb streit und Prof. Dr. Weimar. — Bei der Besprechung über ben Arbeitsplan für das neue Vereinsjahr wurde mitzeteilt, daß Kontreadmiral a. D. Rosendahl- Auerbach a. d. V. für einen Vortrag über Kiautschou in Aussicht genommen ist. Worms, 1. Juni. Heute tritt für die Landae- m ein den des Kreises Worms die vom Kreisamt erlassene Milchverkaufsorduung in Kraft, wonach alle die. die erwerbsmäßig Milch verkaufen, feilh>alten oder sonst in Verkehr bringen, dies dem Kreisamt schriftlich anzergen müssen. (Frkf. Ztg.) Vermischte». * Die reichste Erbin Deutschlands. Fräulein Berta Krupp, die sich, wie wir meldeten, mit dem Legationsrat Gustav v. Bohlen und Halbach verlobt hat, ist die älteste Tochter des verstorbenen Geheimrats Krupp. Krupp hatte zwei Töchter; in seinem Testament etzte er seine älteste Tochter Berta als Erbin seiner Firma ein, die jüngste Tochter erhielt als Abfindung eine Summe in bar. Die Töchter Krupps sind sehr einfach und anspruchslos erzogen. Der Bräutigam wird höchstwahrscheinlich die Leitung der Geschäfte des Hauses Krupp übernehmen. Die Firma Fried. Krupp in Essen wurde nach dem Tode Krupps im April des Jahres 1903 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Zu den Gründern der Gesellschaft, deren Aktienkapital 160 Millionen Mark beträgt, gehörte in erster Linie Fräulein Berta Krupp, die auf das Aktienkapital eine Einlage gemacht hat, für die die Gesellschaft ihre 159 996 Aktien zum Nennbeträge von 159996000 Mark gewährte. Die Einlage besteht in sämtlichen gewerblichen Unternehmungen des Fräulein Krupp, die nach dem Testamente ihres Vaters und Großvaters auf sie übergegangen sind, nach dem Stande vom 30. Juni 1902. Das Kapital hat sich in den beiden Jahren seit der Gesellschaftsgründung mit 6 Prozent und 71/, Prozent verzinst, das ist für das letzte Jahr ein Betrag von 12 Millionen Mark. * Ein F edern-Duell. Die fortschreitende Zivilisation ändert die Sitten der Menschheit zusehends. Jetzt ist man schon dazu gekommen, eine neue Art des Duells anzuwenden, bei der bei tätlichem Ausgang der Kampf vollkommen unblutig verläuft. Der Ehefredakteur eines römischen Blattes erhielt eines Tages folgendes Schreiben: „Da man seine Zeugen einem Schuft, wie Sie sind, nicht schickt, so ohrfeige ich Sie durch diesen Brief. Betrachten Sie sich also von mir auf beiden Backen geohrfeigt, und danken Sie Gott, daß ich Sie nicht mit meinem Stock gezüchtigt habe." Der also Angegriffene zog seinen Federwisch und — antwortete: „Unvergleichlicher Kämpe. Ick erfülle Ihre Bitte und danke Ihnen herzlich für die an Stelle wirklicher Hiebe übersandten schriftlichen Maulschellen. Da Sie mich brieflich geohrfeigt haben, schieße ich Ihnen schriftlich sechs Revolverkugeln in den Schädel und töte Sie. Betrachten Sie sich also als tot, wenn Sie die letzte Zeile dieses Schreibens gelesen haben. Ihren Leichnam bestens grüßend . . • Die Enthüllungen über den amerikanischen Fleischtrust, über die wir schon am Samstag sprachen, versetzen das amerikanische Volk in die größte Aufregung. Präsident Roosevelt droht einen Bericht über den unreinlichen, scheußlichen Betrieb in den Chicagoer Schlachthäusern und Konservenfabriken zu veröffentlichen, den zwei nach Chicago entsandte Kommissäre ihm erstattet haben. Es wird behauptet, daß bereits in Verwesung übergegangenes Fleisch chemisch präpariert und dann als „Korneb 93cef' verarbeitet wird, wie ebenso die Kuheuter hierzu venvendet werben, daß in die Wurst alle Abfälle gehackt werden, daß Schmalz aus dem Fett krepierter Schweine hergestellt wird usw. Daß diese Enthüllungen zum Teil auf Wahrheit beruhen, beweist der Ausbruch einer Epidemie in San Franzisko, hervorgerusen durch verdorbene Fleischkonserven, die aus Chicago nach Franzisko gesandt und unter die Bevölkerung verteilt worden sind. * Kl ei n e Tagesckronik In B e r l i n e r s ch o ß sich in seiner Wobnung der 60 Jahre alte OberstleutnantHans Hellina r. Er stand zuletzt beim 68. Infanterie-Regiment in Metz und nabm vor drei Jahren wegen eines unbeilbaren Darm- leidens seinen Abschied. — Bei den Arbeiten zur Herstellung eines neuen Rennplatzes bei Hautlieb (Schlesien) ist unmittelbar an den Geleisen der Zobtener Eisenbahn ein großes Bernstein- lager gefunden worden. — In Solingen infizierte sich bei der Untersuchung eines t o l l w Ü 1 i g e n H u n d e s der K r e i §- tierarzt Pfleger und mußte das Pasteurinstitut in Berlin auislichen. lieber den Kreis Solingen wurde die Hundesverre verhängt. — In N e n w i e d ist gegen den früheren Bürger- meister Kohls wegen Betrugs, Untreue und Urkundenfälschung Strafantrag gestellt worden. Tas Urteil des Koblenzer Bezirksausschusses, wodurch Kohls seines 9lmte§ enthoben wurde, stellt fest, daß Kohls wissentlich falsch ausgestellte Kostenanschläge der Stadtverorbneten-Nersammlimg nnd Aussiehts- behörde vorgelegt hat. — In Koblenz verstorben an epidemischer Genickstarre ein Reserveoffizier und ein Zivilist. — Ter Tourist Rudolf W i l m i aus Wien ist bei einer Partie von der Raxalpe ab gestürzt und zog sich schwere Verletzungen zu.—300 sozialistische und republikanische Studenten hielten im Universikätsgebäude zu R o m ein Protestmeeting gegen Fogazzeros Unterwerfung unter den Index ab. Katholische ©tubenten demonstrierten, woraus eine w ü t e n b e Schlägerei entstaub. Bei der Balgerei wurde der P r o f e s s o r S a lv a b o r i v e r- w u « b e t. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 1. Juni. Die Strafkammer hatte lediglich über die Berufung von zwei Bettlern zu befinden, die aus Furcht vor dem Arbeitshaus die gegen sie ergangenen Urteile angefochten haben. Der Zigarrenmacher H A. D. aus Nienstedt, der schon über 30 Jahre in Strafanstalten nnd Arbeitshäusern zugebracht hat, glaubte, es sei nicht nur angebracht, sondern gesetzlich unstatthaft, daß man ihn wegen Bettelns wiederholt in das Arbeitshaus stecken wolle, da er doch nicht gebettelt, sondern sich bloß etwas gefordert habe. Schon das Amtsgericht hatte festgestellt, daß er das Landstreichen gewerbsmäßig betreibt. Er wurde Ende März nach Berbüßung einer Korrektionsstrafc von 2 Jahren aus einem bayerischen Arbeitshaus entlasten und schlug sich bettelnd durch bis nach Butzbach, wo er verhaftet und zu 2 Wochen Haft verurteilt wurde, nach deren Berbüßung er in daS Arbeitshaus sollte. Da der 2jährige Aiifenthalt im Arbeitshaus noch nicht geeignet war, ihn auf bestercn Weg zu bringen, hielt eS das Gericht für angezeigt, der Landespolizeibehörde die Möglichkeit zu bieten, ihn abermals in das Arbeitshaus zu tun, weShalb eS das Urteil bestätigte. Tas gleiche Schicksal traf den Schuhmacher A. K. aus Würzburg, der hier bettelnd betroffen wurde. Er ist innerhalb der drei letzten Jahre 15 mal wegen Bettelns bestraft worden und sein Strafregister weist 42 Vorstrafen auf, die ihm größtenteils wegen Landstreicherei znerkannt worden sind. Auch er erkannte die 3 wöchige Hastflrasc sofort an, bat aber, ihn diesmal mit dem Arbeitshaus zu verschonen, da er stets bemüht gewesen fei, Arbeit zu bekommen, solche aber nicht erhalten konnte. Da diese Angaben, nach seinem Vorleben zu urteilen, offensichtlich unwahr sind, bestätigte die Strafkammer das von ihm angefochtene Erkenntuis. Gerrchtssaal. Ein P i sto l e n d n e l l wegen eine? vierzehnjährigen Mädchens unterlag ber Prüfung der Strafkammer nm Landgericht Görlitz, vor der sich ein 21 jftbrtger Apotheker- lehrling wegen -Herausforderung zum Zweikanipf mit tödlicher. Waffen zu verantworten hatte. Sein Rivale war ein gleichaltriger B a n k e l e v e. Tie jungen Leute batten gelegentlich ihrer regelmäßigen Besuche eines Tanzknrsus ein 14 jähriges Mädchen kennen und wobl aucb lieben gelernt. Ta keiner von ihnen seinen Anspruch (!) auf die Auserkorene ihres Herzens freiwillig aufgeben wollte, forderte der Lehrling den Eleven mündlich auf Pistolen. Nachdem die Forderung von Vielem abgelehnt worden war, unternahm der angehende Apotheker einen Selbstmordversuch, indem er sich eine Teschingkngel in den Kops jagte. Er wurde wieder hergestellt und stand nmunehr vor feinen Richtern. Tas Urteil lautete auf Freispre ch ung , da das Gericht nach dein Ergebnis der Beweisaufnahme zu der Ileberzeugung kam, daß es sich bei der Herausforderung zum Zweikampfe nicht um einen Ernstfall, sondern lediglich um eine Renommisterei oder Kinderei beS 'Angeklagten gehandelt habe. AniveL'fttäi'S-Nachrrchtett- — Das Ordinariat für Philosophie an der Breslauer Universität wirb durch Professor Dr. .Kühn em an n in P o s en besetzt werden. 1895 habilitierte sich Tr. K. als Privatdozent für Philosophie in 9)larburg. 1901 wurde er dort Extraordinarius und Ostern 1903 erfolgte seine Verletzung nach Bonn. Im Herbst 1903 wurde Ki'chnemaun Professor für Philosophie und deutsche Literaturgeschichte und Rektor der neu gegründeten Akademie in Posen. — Geh. Regieruvgsrat Prof. Tr. Theodor Volek, bis 1902 Lehrer der Pharmacie an ber Breslauer Universität, ist, 85 Jahre alt, gestorben. Arbeiterbewegung. Wien, 2. Juni. Die Orgauifattoii ber Arbeitgeber bes Baugewerbes bat beschlossen, heute sämtliche Arbeiter der dem Zeutralverbaude angehörenben Branchevereinigungen zu entlassen. Durch die G e n e r a l a u S s p er r u n g werden 6 0 0 0 0 A r b e i t e r b e t r o f s e n. In Arbeiterkreisen schätzt man die Zahl der Arbeiter, welche im Lause ber Woche ausgesperrt wurden, aus 150 000. Tie Behörden unternehmen energische Schritte zur Beilegnnq des Konfliktes. Handel und Oerkehr, Volkswirtfehaft. — Aktie n g e s e l l s ch a f t Soci6t6 Internationale des Grands Bazars in Lüttich. In der Hauptversammlung dieser Gesellschaft, welche die großen Sch m olle r'schen Waren- häuser in Frankfiirt a. M., Nürnberg nnd München angekauft bat, wurde mitgeteilt, daß das am 30. April 1905 abgeschloffene erste Geschäftsjahr dem Hauptgeschäft in Frankfurt a. M. einen Reingewinn von 532900 Fres. gebracht hat, bet aber durch die Teckung ber in ben Zweigstädten Nürnberg unb M ü nchen entftanbeiien Verluste wieder verbraucht würbe, so baß eine Divibe n ben Verteilung nicht flaüfinbet. Ter Umsatz in den drei Geschäften betrug zusammen 8600000 Mk. Die Lagerbestaudauinahme ergab nach Abschreibungen von 5 Prozent in Frankfurt a. M. 1 380 000 Mk., in Nürnberg 600 000 Mk. unb in München 300 000 Mk. Tas M ü nchener Geschäft ist a il f g e g e b e n. Tie Aussichten für bas Geschäftsjahr 1906—07 werden als günstig bezeichnet. Das Aktienkapital der Gesellschaft betragt 9 Millionen Francs. Spielplan des Großherzoglichen Kurtheaters Bad-Nauheim. Direktion Hermann S t e i n g o e 11 e r. Dienstag den 5. Juni: „Der Schlaswagenkontrolleur." Schwank in 3 Akten von Alex. Bisson. Freitag ben 8. Juni: „Die Neuvermählten." Komöbie in 2 Sitten von B. Björnson. Hierauf: „Der gemütliche Kommissär." Burleske in einem Akte von G. Coiirtelius. Samstag ben 9. Juni: „Pension Schöller." Poffe in 3 Akten von W. Jakoby unb Karl Lauss. Im ersten Zwischen- akt: Ballet-Einlage. Meteorologiistbe Beobachtungen der Statioir Gießen. Höchste Temperatur am 3 —4. Juni — 4- 13,1° C. Nichtigste „ 3-4. „ =4- 8,6° C. Juni 1906 Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Stift Absolute Feuchtigkeit Relative l Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 4. 2» 752,0 12,4 7.0 65 N 4 Beb. Himmel 4. 9” 752,6 10,4 7,5 80 NW 4 5. 753,6 11,1 5,9 60 WNW 2 n • Telefonisch® ECursberichte des Giessener Anzeigers. mitgeteiJt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse. 5. Juni. 1.15 Uhr. 3/2°/o Eeichsanleihe . . 99.85 3% do. . . 87.95 3>£°/o Konsols .... 99.95 3% do 87 00 3^°/0 Hessen 99.10 3%°/0 Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldreute. . 100.80 4'/b °o Oesterr. Silberreute 100.60 4% Ungar. Goldrente . . 96.50 4% Italien. Rente . . . —.— 3% Portugiesen Serie I . 69.60 3% Portugiesen „ III 70 50 4%°/0 russ.Staatsanl. 1905 90.90 4^° 0 japan. Staatsanleihe 95 70 4% Conv.Türken von 1903 95.90 Türkenlose . . . . .147.20 4% Griech. Monopol-Anl. 54.00 4% äussere Argentinier . 91.— 3°/0 Mexikaner .... 70.50 4>6°/o Chinesen . . . . 97.05 Aktien: Bochum Guss 255.50 Buderus E. W .... 134.20 Tendenz: fest. Elektriz. Lahmeyer . . . 154.50 Elektriz. Schlickert . . . 135.90 Eschweiler Bergwerk . . 266.90 Gelsenkirchen Bergwerk . 227.25 Hamburg-Amerik. Paketf. 16300 Harpener Bergwerk. . . 219 90 Laurahütte 249.00 Nordd. Lloyd 130.30 Obeischles. Eisen-Industrie 132.25 Berliner Handelsges . . 174.20 Darmstädter Bank . . . 142 20 Deutsche Bank . . . 238.80 Deutsch-Asiat. Bank . . 187.20 Diskonto-Kommandit. . . 186.50 Dresdner Bank . . . 160.70 Kreditaktien 212.50 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . 107.75 Gottbaxdbahn —•— Lombard. Eisenbahn . . 29.40 Oesterr. Staatsbahn . . . 146.50 Prince-Henri-Eisenbahn . 155.25 Berliner Börse, 5. Juni. Canada E. B 160.90 Darmstädter Bank . . . 142.10 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 89.80 Dresdner Bank . . . —.— Tendenz: fest. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 220.10 Laurahütte 249.80 Lombarden E. B. ... 28.80 Nordd. Lloyd 130.20 Türkenlose . .... 147.20 Die Magcu- nnd Darmkraukheiieu der Säuglinge sind sehr häufig die Folge einer ungeeigneten Ernährung. Ein vorzügliches Nährmittel für mögen- unb barmkianke Kinber ist Kufekes Kinbermehl — mit Ausschluß ber Milch in Wasser gekocht — weil es bie in ber Muttermilch enthaltenen Nährstoffe im richtigen Verhältnisse besitzt unb sogar bie Krankhcitskeirne im Darme erstickt; es bietet ben Darmlmkterien einen schlechten Nährboden bar unb wirkt bireft gärungswibrig. Bei größeren Kinbern mit chronischen Diarrhöen hat sich Kufekes Kinbermehl als Nährmittel gleichfalls sehr gut bewahrt. Nach bem Krcmkhertsverlaufe wirkt es appetit- anreqenb unb kräftigen!) unb wirb feines Wohlgeschmackes wegen von Kinbern jeben illlters gern genommen. hva/H Größeren Kindern gibt man es vorteilhaft mit Kakao vermischt. ever beliebigen Schriftart and Kcrrtoe« e, sowie mit Zirkeln aller studentifcke« einigungen, liefert zu mäßigen preisen vrühl'sche Umversttäts-Vruckerei. Schulftratze 1 | 4 Bed. Himmel 14., * 2 13,1° C. 4- Zuni + N NW ! VNW u »« baditnngen Zeit. Sufefe3 n^Se Kinder ' 5 weli Seafi« JÄ«®* , '^'Ai pfeife ers Bad-Nauheim, ingoetter. igenfontrodeur.* Lchwnnk den 8. Juni: »Tie Neu- i B. Ajörnson. Liermil: i(e in einem Sitte von »Pension Schöller." Posse mss. Im ersten Zwischen- riz. Lahmerer - riz, Schnckert . MSZ jS«*** 4 . abarde” E. . dd. ' . . . kenlos® • 220.10 249.80 28.80 130.20 147.30 § I $ ’ "krwi'tschast. ns/ftternati°me w Je' Wn Waren. imÄ ?Äufl bat, "7 "boeichlossene eilte ? ivtQiitiurt n. M Nr cS qebrntbt Hal, der tobten 91 utnberounb er verbrau cht wurde, 9 nickt slaltfindet. Ter nmen 8 600000 Mk. eibiittqen von 5 Pvorenl Mberq 600000 Mk. und chener «esckäit ist 1 wesckäitssnhr 1906-07 tentapital der Gesellschast UtÄ«. k« *>-SäS essen. 5. Juni, 1-15 Uhr. 1 ’^Set rlöe,fiR| fehlet. Wtzbeu ui«», ^ruch m ^chde!i!^Ä )ert’,Menbe%tbftlll,q s'ch eine S50*betet lc/[hinb |tanft"flf"f>ct ! ,v r c i i P r’"llln'cf)t ^veisan!,,^°chuuq 'dern (ebini »sberichte ■on der Bank für Handel ?’ bct Are?,. Je"»«nn i„ 'er ibütte 130.30 ner Handels?« • • ]42 20 Städter Bank - - 238.80 «ehe Bank . 1 M.20 =ch-Asiat. Bank • 186i60 onto-Kommandit- , dner Bank • * 212.50 ffe^nni Ohio- 107.75 Sdhahn ■ • ’ ' ' 29-40 Sd. Eisenbahn - 146.50 iTstsatsbahn * ' '155.25