Samstag 3. November 1906 156. Jahrgang Nr. 259 Erstes Blatt Stadt und ßantr und Die heutige Kummer umlaßt 24 weiten. irtschaftS- politifd?e Lagesseharr. Au3 dem Reich des „Grafen im Bart". L. Berlin, 2. Nov. In der großen sozialpolitischen Debatte der letzten Reichs- tagSsession erzählte der rheinische Zentrumsmann Trim- born, daß ihm eines Nachts der Traumgott die Staatsekretäre des Reichs, in edlem Wortstreit begriffen, vorgeführt habe, wem von ihnen die größte politische Bedeutung zukomme. Schließlich hätten sich die anderen alle zu dem Staatssekretär des Innern gewendet und einmütig bekannt: »Graf im Bart, Ihr seid der Erstell Die Moral von dieser originellen Traumgeschichte liegt natürlich in dec Kennzeichnung der überragenden Bedeutung des Neichsamts, dem der Ausbau der sozialen Fürsorge unterstellt ist. Und gegen Ende der letzten Reichstagssession gab eS wieder eine ozialpolitische Debatte. Hier sprach jedoch weder Trimborn, noch wiederholte sich die Vorführung eines erhebenden Traumbildes nach Art des Trimbornschen. Man hörte nur von nüchterner Wirklichkeit, nämlich Aeußerungen des Mißmuts darüber, daß der abgelaufene Tagungsabschnitt sozialpolitisch durchaus unfruchtbar gewesen sei. Diesmal aber, so verspricht man sich, sollS anders werden. Der Negierung wird denn auch bereits baß sozialpolitische Gewissen geschärft, und zwar fürs erste durch kategorischen Hinweis auf die Notwendigkeit unverzüglicher Vorlegung deS Gesetzentwurfs über die Rechtsfähigkeit der Berufs- v e reine. Man vernimmt von argwöhnischen Hinweisen auf Bestrebungen, die darauf abzielen, eine Umarbeitung deS Entwurfs im Bundesrat herbeizuführen, also wohl im Sinne einer Beschränkung des mit dieser Vorlage bezweckten Fortschritts. Ob diese Befürchtungen tatsächliche Unterlagen haben, läßt sich einstweilen nicht beurteilen. Es ist offiziös mitgeteilt worden, daß der Entwurf zwar eine lange Vorbereitungsgeschichte hatte, aber bereits am Beginn des Jahres vom Bundesrat in der Fassung genehmigt worden ist, m der er der Volksvertretung unterbreitet werden soll. Nach dem Selbstdementi der .Nordd. Allg. Ztg." in der Stellungnahme zu den Bergarbeiterforderungen könnte man freilich nicht immer geneigt sein, preßoffiziösen Verlautbarungen aufs Wort zu glauben. Aber in Sachen der Berufsvereinsvorlage hat Graf PosadowSky selbst im Reichstag erklärt, deren Einbringung sei unterblieben lediglich in Rücksicht auf die Geschäftslage des Parlaments, die keine Möglichkeit der Durchberatung gegeben habe. Davon, daß der Bundesrat den Entwurf einer erneuten Beratung unterziehen könnte, sprach der Staatssekretär fein Wort. Der Reichstag wird also aller Voraussicht nach schon bei Miederzusammentritt die seit nahezu drei Jahren zugesagte Benifsvereinsvorlage vorfinden, und an ihm wird eS sein, die Beratung im Nahmen der Verständigungslinien so zu fördern, daß die Negierung baldmöglichst die Errichtung von A r b e i 1S k a iii m e r n in die Form eines Gesetzentwurfs bringen kann. Die Negierung hat die Lösung auch dieses letzteren gesetzgeberischen Problems in Aussicht gestellt, sobald die Rechtsfähigkeitsfrage der Berufsvereine zu ihrer Zufriedenheit erledigt sei. Der Wille zur Erweiterung der sozialen Fürsorge ist nach alledem bei der Regierung und speziell beim ,ersten" Staatssekretär, dem »Grafen im Bart", vorhanden. Er dürfte, vielleicht noch intensiver als bisher, auch den nunmehr diätenbegabten Reichstag beseelen, der in der Regel beschlußfähig und damit endlich in der Lage sein wird, mehr der Tat als dem Worte zu dienen. -Gerichtesaal'; Ernst Heb', iüt den An- Deutsches Reich- Berlin, 2. Nov. Ter Kaiser l;arte heule den Vor- trag des Ches des Militärkab inert., Generals Grasen von Hülien-Häseler, nahm die Rapporte der Lewregunenter entgegen und empfing militärische Meldungen. erhält, glauben auch wir. Er ist bekanntlich ein Kvrpsbruder des Kaisers, der ihn nach langen Jahren, in denen er aus seinem Gedäclstnis gewichen war, vor länger denn einem Jal)-r- frebnt in dem ostpreuß. Städtchen Ragnit als Landrat wieder,ah. Kurz darauf schon wurde Herr v. Windheim Polizeipra,ident in Stettin, dann als solcher nach Berlin versetzt, um vor ein paar Jahren Oberpräsident von Hessen-Nassau als Nachfolger des Grasen v. Zedlitz zu werden. Man rühmt Herrn v. Wmdheiin eine ruhige und vornehme Denkart, gerade und edle Gesinnung nach. Die „Post" schreibt: Wie wir von einer dem Landwirtschastsmliuster nahestehenden Seite hören, ist Herr v. Podbielski der Meinung, dag die gegen ihn seit Monaten geführte P r e ß - K a m p a g n e i h r e Quelle im auswärtigen Amt habe. Er soll dieser Meinung auch dem Kaiser gegenüber Ausdruck gegeben haben. Man ist deshalb von dem K'risen-Artikel der Köln. Ztg. inMinisterkreisendoppeltunangench m b e * rührt, da er nur zu geeignet ist, die irrtümliche Meinung des Landwirtschastsministers über die Gründe für bie Preß- Polemik gegen ihn zu bestärken, zumal der Artikel auch ein unrichtiges Bild von der allgemeinen politischen Lage gibt. Daß übrigens die Auffassung des Herrn v. Podbielski über die Gründe für die Haltung der Presse imridytig ist, braucht woyl nicht erst besonders hervorgehoben zu werden, denn es durste Herrn v Podbielski wohl ebenfalls bekannt [ein, daß d.e linksstehende Presse nie sonderliche Sympathien für ihn gehabt hat, ..... - ■ '*• -' - .....-t“,‘1-‘-enben mit ■‘taub nur bei Art. 82, welcher lautet: „Der Bürgermeister und die Beigeordneten werden auf zwölf Jahre gewählt. Sie können nach Ablauf einer Wahlperiode wieder- gewählt werden. Der zum Bürgermeister Gewählte ist zur Annahme einer auf ihn gefallenen Wahl oder Wiederwahl nicht verpflichtet." Gegen die Wahl auf zwölf Jahre erhob sich im Ausschuß starker Widerspruch. Man sand zumeist die Wahl auf zwölf Jahre für zu lang und verständigte sich dahin, für die erste Wahl eine Zeit von neun Jahren festzufetzen und erst bei der Wiederwahl die Frist von zwölf Jahren vorzu» chlagen. In Art. 85 wird bestimmt, daß die gewählten Bürgermeister und Beigeordneten der Bestätigung durch den KreiSrat bedürfen. Nimmt der KreiScat Anstand, die Bestätigung zu erteilen, waS nur bei Unfähigkeit ober Unzuverlässig ke.it der Gewählten in bezug auf das von ihm zu bekleidende Amt gesck-ehen barf, ,o hat er die Entschließung des Kceisausschusses einzuholen. Dieser Entschluß kann mit Beschwerde beim Ministerium des Innern angefochten werden usw. Bei dieser Gelegenheit wurde von den beiden Sozialdemokraten im Ausschuß beantragt, die Bestimmung über die Bestätigung des Bürgermeisters und der Beigeordneten durch die Regierung zu streichen. Von anderer Seite wurde aber gegen diese Streichung entschiedener Widerspruch erhoben. Dagegen war man im Aus- chußziernlich einmütig darüber, daß die A estä tig- ung nicht von der Zugehörigkeit des Betretenden zu einer bestimmten politischen Partei abhängig gemacht werden soll. Ein Antrag des Abg. Köhler betr. die Stellung der Altbürgermeister wurde von der Regierung abgelehnt und auch von der Ausschußmehrheit verworfen. Schließlich sprach sich der Ausschuß auch noch ein- timmig dahin aus, daß der Bürgernieister, wie es heute vielfach der Fall ist, kein Wirtschafts- oder Gastwirtsgewerbe betreiben solle. Die Fortsetzung der Beratung über die Landgemeindeordnung erfolgt am nächsten Dienstag. sonderliclsc Sympathien . während der größte Teil der rechtssteh ihrer Opposition gegen den Landwi Minister einsetzte, als sein Verhältnis zur Firma Tippelskirch bekannt wurde, also schon geraume Zeit, bevor die Nordd. Mlg., das Organ des auswärtigen AmtcS, die bekamtte Mitteilung über dsis Rücktrittsgefuch des Landwirtschaftsministers brachte. VezugSpret», monatlich 75 Pi., vierteljährlich Mk. 2-20; durch Abbott- u. Zweigstellen monatlich Go Pl.; durch diePost Mk.2.— otertel- jährl. auSfchl. Beslellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnumiiier biS vormittags 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal 12 PI* auswärts 20 Big. Verantwortlich tüt den poltL und allgem. Die ditinfioit der hessische« Landgemeiudeordnmrg. R.B. Darmstadt, 2. Nov. Der Verwaltungsrevisionsansschuß der 2. Kammer hat heute in gemeinsamer Beratung mit den Negierungsvertretern, Ministerialpräsident Braun und Ministerialräte Dr. Best und Usinger, die Landgemeindeordnung bis zum Artikel 88 weiterberaten und sich dabei über eine Anzahl auch die Allgemeinheit interessierende Bestimmungen verständigt, von denen wir die wesentlichsten hier anführen wollen. Einen breiten Raum naymen bei der Beratung die Bestimmungen über die Wahlen zum Gemeinderat ein, die in den Artikeln 44 biS 74 behandelt werden. Darnach sind Neuwahlen sämtlicher Gemeinderatsmitglieder vorzunehmen bei Neueinführung oder Wiedereinführung der Landgemeindeordnung und bei Auflösung eines Gemeinderats; daneben können ordentliche oder außerordentliche Ergänzungswahlen stattfinden. Wahlberechtigt sind L alle in der Gemeinde wohnenden Ortsbürger, 2. alle männlichen Einwohner, welche die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen und seit 2 Jahren den Unterstützungswohnsitz in den Gemeinden erworben eußet Sonntage. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Sießener Kamillen- blätter viermal in der Woche beiqelegL Rotationsdruck u. Verlag der Brühl sichen Umvers.-Buch-u. Stetn- bruderei. R. Lange. Rrdalnon, (Ervebttion und Druckerei: Schul si raße 7. Redaktion 113 Verlag u.Exped. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Eichener Anzeiger M General-Anzeiger v Die politische Deisttmmung. Aus'Berlin wirb uns geschrieben: Die K r i f e n ö e r ü dj t e, bie von einem nahe bevorstehenden Rücktritt des Fürsten Bülow wissen wollten, werden von einer üddeutschen Zeitung auf die weitverbreiteteMißstimm- ung über d i e g a n zen Er e ig n i sse un s er er Po li ti k zurückgeführt. Auch uns erscheint diese Auffassung zutreffend. Politisches Unbehagen hat Personen ergriffen, die man sonst stets in den Reihen von Verteidigern der Regierungspolitik bemerkte. Wir kennen Männer von selm konservativen Gesinnungen, unzweifelhafte Vaterlandsfreunde, Monarchisten „bis auf, die Kvochen" ~- aber wir hören auch aus dem Munde dieser Männer manche Aeußerung offener Mißbilligung der bekannten Vorkommnisse. Es wäre beispielsweise ein Irrtum anzunehmen, daß Herr von Podbielski allenthalben in der Landwirtschaft ob feiner ministeriellen Dauerhaftigkeit beglückwünscht würde. Es gibt Konservative, und solche ziemlich bekannten Namens, die bei aller Anerkennung oer Verdienste des Ministers um die Landwirtschaft kein Hehl daraus machen, die Niederlegung des Amtes wäre unmittelbar nach den kolonialen Enthüllungen und dem Bekanntwerden der Art der Beteiligung an der Finna Tippelskirch zeitgemäß gewesen. Im Reichstag wird die Podbielski-sache ja schon beim Etat eine große Rolle spielen. Es muß sich dann zeigen, ob speziell die Führer der konservativen Partei einen besonders lebhaften Eifer entfalten, den Minister aus dem Gefecht herauszuhauen. Das Organ des „BundeS der Laiww. , die „Tagssztg.", tut darin fast zu viel, Herrn v. Podbielski Nummer für Nummer ihres Vertrauens zu versichern und ihn auch gegen den unbedeutendsten Angriff in schütz zu nehmen Konservative Blätter wie die „Kreuzztg." und der „Reichsoote —beide werden in Berliner Hofkreisen gelesen r- sind in dieser Hinsicht merklich kühler und zurückhaltender. Dem Fürsten Bülow wird es von manchem Politiker verdacht, daß er von der Demission des Landwirtschaftsministers nicht sein Bleiben abhängig gemacht habe. Der Reichskanzler sei, doch der Unterlegene, denn er sei von der Notwendigkeit jener Demission iibcrzeugt gewesen. Das nimmt man an, weil, die „Nordd Mlg. Ztg." ungewöhnlicher Weise die Absicht eines Enttassungsgesuchs des Herrn v. Podbielski ankündigte, bevor Herr v. Podbielski zu einem solchen Gesuch. die Feder eingetaucht hatte. Später trafen Bülow und Podbielski m Berlin zusammen, und bei der Gelegenheit kann sich bie ernste Differenz zu einem „kleinen Mißverständnis" umgewandelt haben, das man auf beidenSeitenbedauert und worüoer man sich schließlich heiter die Hand schüttelt. Diesen „versöhnlichen Schluß" haben agrariscye Blatter, mitgeteilt Ob Fürst Bülow für Herrn v. Podbielski im Reichstag bie Klinge kreuzt, das wird ttotzdem abzuwarten sein. Soweit braucht schließlich die Freundschaft nicht zu gehen, wenn em Staatsmann genug damit zu tun hat, von der eigenen Politik bie Angriffe abzuwehren. Solche Angriffspunkte sind in der inneren ime in der äußeren Politik mehr als zu irgendeiner anderen Zeit der Bülow sichen Kanzlerschaft vorhanden. Die Polenfrage mag alle mögliche Bedeutung haben — aber was ist sie an Bedeutung gegen bie Tatsache, daß Millionen von Deutschen feit Monaten infolge der Fleischteu ernn g zu Entb e hrungen gezwungen sind. Und in dieser Situation wird schon wieder von neuen Reichssteuern auf „Genußmittel" gesprochen. Dergleickjen ist kaum geeignet, bie pweude am Reiche zu steigerm Daß Deutschland im Auslände unbeliebt ist, ließe sich ertragen, wenn nur bie deutsche Politik rm Zn- landebeliebterwäre. * Im Anschlüsse daran sei eine Mitteilung eines gelegentlichen Kasseler Mitarbeiters wiedergegeben. Sie lautet: Kassel, 2. Nov. Wie es heißt, ist der Landwirtschafts- ministcr v. Podbielski als O berpräs identin K a s s e l in Aussicht genommen, an stelle des Herrn v. 23mb beim, der M inister des Innern werden wurde. Herr v. Bely- mann-Hollweg, der jetzige Minister des Innern, sei für ein anderes Amt bestimmt. . . Daß Herr p. Wrndheün über mrz pder lang em Ministerium haben. Art. 47 bestimmt: Wählbar ist jeder Wahlberechtigte, dessen Wahlberechtiy- ung nicht ruht, und der nicht infolge einer Verurteilung unfähig zur Bekleidung öffentlicher Aemter ist. Nickst wählbar sind 1. zum aktiven Heer gehörige Militärpersonen, 2. Geistliche und Volks- schullehrer, 8. Staatsbeamte, die zu einer der Gemeindevertretung vorgesetzten Verwalttmgslbehörde gehören, 4. die Richter und , Gerichtsschreiber des zuständigen Amtsgerichts, 6. Beamte der Staatsanwaltschaft und Polizeibeamte, 6. Bürgermeister und Bei- 1 geordnete, und 7. Personen, die mit dem Bürgermeister oder einem der Beigeordneten in gerader Linie berroanbt oder verschwägert oder im zweiten Grade der Seitenlinie verwandt sind. Nach dem genehmigten Art. 50 werden die Gemeinde- , ratSmilglteder auf neun Jahre gewählt. In Fällen einer Neuwahl des Gemeinderats hat jedoch ein Drittel! । der Mahlen nur auf die Däner von drei, ein weiteres Dritteil , nur auf bie Dauer von sechs Jahren Gültigkeit. Die Ziehung der nach drei bezw. sechs Jahren Ausscheidenden erfolgt im Gemeinderat durch das Los. Weiter wird bestimmt, daß außerordentliche Ergänzungswahlen vor Ablauf von drei Jahren vorzunehmen sind, 1. wenn die Zahl < der Gemeinderatsmitglieder durch Abgang unter zwei Drittteile des gesetzlichen Bestandes herabgesunken ist, 2. wenn der Kreisrat, der Bürgermeister oder der Gemeinderat aus sonstigen Gründen die Vornahme einer außerordentlichen Ergänzungswahl für erforderlich erachtet. Ein Antrag des Abg. Ulrich, die Gemeinderatswahl an einem Sonn- oder Feiertag vorzunehmen, fand bei den Negierungsvertretern Widerspruch und wurde abgelehnt. Bei Art. 56, der die Ausstellung der Wählerliste festfetzt, soll noch eine Bestimmung eingefügt werden, nach der eine Berichtigung der Wählerliste auch dann noch ermöglicht wird, wenn sich der Wahltermin durch irgend welche Umstande verschiebt, damit auch die inzwischen noch das 25. Lebensjahr vollendenden Ortseingesessenen ihr Wahlrecht ausüben können. Bei Art. 57 wurde hinzugefügt, daß Einwendungen aegen die Wählerliste „auf der Arnts- ' tube des Bürgermeisters während der Dienststunden des- elben" angebracht werden können. Bei Art. 60, der be- timmt, daß der Bürgermeister zur Vornahme der Wahl sie Wahlberechtigten mindestens eine Woche vorher durch ortsübliche Bekanntmachung zu berufen hat, soll noch näher beftimmt werden, was unter „ortsüblicher Bekanntmachung" zu verstehen ist, und ferner, daß auch außerhalb Wohnende von der Wahl in Kenntnis gesetzt werden. Nach Artikel 62 sind zur Austckung des Stimmrechts nur die befugt, die nach der Wählerliste wahlberechtigt find, doch müssen Personen, deren Wahlberechtiguna wegen Steuerrückstandes ruht, gegen Vorlage einer Bescheinigung über die erfolgte Steuerzahlung xur Abstimmung zugelassen werden. Nach Art. 63 dürfen Stimmzettel nur die Namen der zu Wählenden enthalten un£> müssen vom Wähler derartig zusammengefaltet werden, daß die Namen verdeckt sind Der Ausschuß fügt hier noch ausdrücklich hinzu, daß die Stimmzettel keinerlei Namensunterfchrift enthalten dürfen. Der Ausschuß will den Absttmmungsmodus überhaupt möglichst dem bei Reichstagswahlen bestehenden ähnlich gestalten. Er ersucht deshalb auch die GroHy. Negierung, zunächst auf ihre Kosten Tur alle Gemeind en gleichmäßige Wahlurnen zubes chaff en und diese dann zum Selbstkostenpreis den Gemeinden zu überlassen. Wie im Ausschuß zur Sprache kam, fungierte in einer Gemeinde als Wahlurne ein Kasten, der genau der Große der Stimmzettel entsprach uni> diese also wohlgeordnet über einander lagen. Man brauchte also nur der Reihenfolge der Abstimmenden nachzugehen, um die Namen der Stimmzettelabgeber festzustellen. Der Ausschuß verständigte sich ferner einmütig mit der Regierung darüber, daß jede Verabreichung von Freibier unnach- sichtlich die Kassierung der Wahl zur Folge hab en soll. . ( . . .. _ Art. 75 bestimmt, daß für iede Gemeinde, die für sich eine Bürgermeisterei bildet, ein Bürgermeister und mindestens ein Beigeordneter zu wählen ist. Sind oder werden mehrere Gemeiiiden unter einem gemeinschaftlichen Bürgermeister zu einer Bürgermeisterei vereinigt, so ist für jede Gemeinde, in der der Bürgermeister nicht wohnt, ein Beigeordneter mit Sitz in ver betreffenden Gemeinde zu wählen. Die WahlderBürgerm ei st er undBei geordneten behandeln die Art. 76 bis 88. Der Ausschuß genehmigte hier. Die meist schon im jetzt gültigen Gesetz dar- fider enthaltenen Bestimmungen. Eine größere Debatte ent- Amis- und Anzeigeblatt für den Krefs Gießen ÜZ1 — Der „Nordd. Allq. Ztg/' -''.folge hat der int Rechts- rcfcrat der Kolonialabteilung beschäftiqtc Wirk!. Lcgations- rat Dr. v. Jacobs Mitteilungen über Sic gegen ihn gerichteten Angriffe wegen seiner Geschäftsführung als stellvertretender Konsul in Kapstadt nnb wegen seiner dortigen persönlichen Führung erhalten. Dr. Jacobs bat diese Mitteilungen seiner Vorgesetzten Behörde übergeben mit dem Antrag, eine Untersuchung einzuleiten. Diesem Anträge wurde stattgegeben. — In der heutigen Sitzung des B u n d e s r a t e s wurde die Vorlage, betreffend die Ucbersicht über die Reichsausgaben und die Einnahmen für das Rechnungsjahr 1905 dem Ausschuß überwiesen. Der Ausschußbericht über den Entwurf einer Verordnung, betr. Sie nähere Festsetzung über die Gewährung von Tagegeldern, Fuhrkosten und Umzugskosten ait die Beamten der Militär - und M a r i n e v e r w a l t u n g, fand die Zustimmung des Bundesrats. —■ Die „Voss. Ztg" erfährt von wohlunterrichteter Seite, daß bis jetzt ein Beschluß über die .Heranziehung neuer Steuerprojekte zur Deckung der Differenz zwischen den Einnahmen aus den bewilligten Steuern und dem vom Reichstag anerkannten Mehrbedarf von 200 Mill. Mark innerhalb der Verwaltung nur insofern gefaßt worden ist, als eine Novelle zur M a i s ch b o L t i ch st e u e r dem Reichstag vorgelegt werden soll. Der aus der Erhöhung Lieser Steuer zu erwartende Betrag wird aber zur Deckung der Differenz nicht ausreichen, sodaß also noch andere Steuerquellen herangezogen werden sollen. Es ist ferner noch zu beachten, daß die den ordentlichen Etat übersteigenden Forderungen der Heeresverwaltung, insbesondere zur Ümbewaffnung der Armee, gleichfalls durch Steuererträge gedeckt werden sollen. 5(815 L.aÖt utto .Sprechstunden der Redaktion 1! — l Nlsi' vorm.. iA7—i/58 Uhr abds. Gießen, den 3. November 1906. *• Die Beaufsichtigung der Hunde in Gießen behandelt ein Lokalreglement, das im heutigen Amtsblatt abgedruckt ist. § Steinberg (Kreis Gießen), 2. Nov. Unser in diesem Jahr gegründeter Turnverein hält an, Sonntag sein erstes Abturnen verbunden mit Konzert ab. Am Abend stellen die Turner Pyramiden und es findet Tanzbelustigung statt. ? Wetterfeld, 2. Nov. An unserer Wasserleitung befindet sich von Anfang an ein Fehler, der zurzeit unter Leitung der Großh. Kulturinspektion Gießen entfernt wird. Die Wafierentnabme ist hierdurch nicht beeinflußt. — Der vor kurzem von hier gemeldete Unfall betraf einen Arbeiter, der an der staatlichen Gruppenwaflerversorgung Bad-Nau- Heim-Friedberg beschäftigt war: der Fall hängt also mit den Arbeiten an der Gemeinde-Wasserleitung nicht zusammen. R. B. Darmstadt, 2. Nov. Das neue Landes- Synodalgebäude, dessen Errichtung durch Bestimmung der Landessynode vom 20. März 1905 auf dem vom Ober» konfistorium erworbenen Niegraf'schen Haus, Ecke der Ncckar- und Waldstraße, beschlossen wurde, ist jetzt fertiggestellt und soll am nächsten Dienstag beim Zusammentritt der Landessynode eingeweibt werden. Die Ausführung des Baues, welche die Architekten Mähr und Markwort übernommen hatten, geschah in der Weise, daß das alte Haus an der Neckarstraße durch Anbau nach Süden erweitert und mit dem nach Osten gelegenen, den Sitzungssaal enthaltenden neuen Bau zweckmäßig durch einen Zwischenflügel verbunden wurde. Im Erdgeschoß der jetzigen Baugruppe befinden sich Kanzlei, Registratur und Buchhaltung de§ Großh. Oberkonsistoriums, im ersten Obergeschoß das Sitzungszimmer des Oberkonsistoriums, verschiedene Arbeitszimmer der Räte, das Sekretariat, Prüfungszimmer re., während tm zweiten Obergeschoß Bureau- und Kassenraume des evangelischen Zentralkirchcnfonds und die Wohnung des Rechners eingerichtet sind. Der neue prächtige Sitzungssaal nach Osten ist mit einer kleinen Gartenanlage nach der Waldstraße umgeben; er ist 12 Meter breit und 17 Meter lang und enthält in amphitheatralischer Anordnung 56 Plätze der Synodalen, diesen gegenüber die Plätze des Präsidiums und des Oberkonsistoriums. Eine leider nicht sehr bequeme Galerie ist für Presse und Publikum bestimmt. Die Decke zeigt sich als ein rauh geputztes, durch Gurtbogen gegliedertes Gewölbe mit Oberlicht, während für Abendsitzungen auch Ampelbeleuchtung von 42 elektrischen Beleuchtungskörpern vorgesehen ist. Tie Sitzplätze sind ähnlich denen de§ Ständehauses eingerichtet, die Wände des Saales mit einer Vertäfelung au? braun gebeiztem Eichenholz versehen; durch Schnitzerei und Stukkaturarbeit gezierte Türumrahmungen und teilweis geschnitzte Füllungen der Täfelung bilden den einzigen Saalschmuck. Das Ganze macht auch von außen einen freundlichen, imposanten Eindruck. Mainz, 2. Nov. Freiherr von Zucco-Cuccagna, der ehemalige freireligiöse Prediger, hat von Wien aus die freireligiöse Gemeinde auf Pen si o n ieru n g verklagen lassen. Der Rechtsstreit ist durch die Gesellschaft, zu der er geflüchtet ist, anhängig gemacht worden. Wie Herr von Zucco seinen Anspruch begründen läßt, konnte das Mainz. Tgbl., dem wir diese Notiz entnehmen, nicht erfahren. Bingen, l.Nov. Wie n. d. „Kl. Br." in freisinnigen Kreisen verlautet, beabsichtigt der Reichs tagsabgeordnete des Wahlkreises Bingen-Alzen, Neinhart Schmitt- Elberfeld bei der nächsten Wahl (1908) nicht mehr zu kandidieren. Als Kandidat soll der Abgeordnete K o psch- Berlin aufgestellt werden. ü. Wiesbaden, 2. Nov. Schon wieder macht ein polizeilicherMißgriff von sich reden. EinKellner, der am Sonntag abend mit der elektrischen Bahn von Biebrich nach Wiesbaden fuhr, wurde von einem Mainzer Schutzmann als steckbrieflich verfolgter Mannheimer Einbrecher verhaftet. Trotzdem der Kellner seine Identität nachweisen wollte und bat, man möge sich bei seinem Dienstherr nach ihm erkundigen, wurde er doch nach Mainz transportiert und bis Dienstag mittag in Haft behalten. Sodann entließ man ihn ohne ein Wort der Entschuldigung. Landwirtschaft. Außerordentliche Viehzählung in Preußen am 1. Dezember 1906. Die siebente allgemeine Viehzählung im Deutschen Reiche ist planmäßig für den 1. Dezember 1907 in Aussicht genommen. Ta sich aber d"s Bedürfnis herau«- gestellt hat, schon jetzt darüber llar zu sehen, ob der zur Zeit -veuigstens in dem größten deutschen Bundesstaate vorhandene Viehstand dem Ernährungsbedürfnissc der rasch gewachsenen Bevölkerung genüge zu leisten vermag, hat sich die preußische Staats- regierung entschlossen, bereits für den 1. Dezember des laufenden Jahres eine außerordentliche Viehzählung kleineren Umfanges für das preußische Staatsgebiet anzuordnen. Die Zählung wird sich nur auf die wichtigsten Viehgattungen, nämlich Pferde, Rinder, Schafe und Schweine, erstrecken und von jeder nur die wesentlichsten Unterabteilungen erfassen, und zwar genau in derselben Weise, wie es im Jahre 1902 gescheh?» ist. Mit der Durchführung der Erhebung ist das Preußische Statistische Landesamt beauftragt und ihm ausgegeben worden, die Aufbereitung des Urstoffes so zu beschleunigen, daß die vorläufigen Ergebnisse, die von den endgültigen erfahrungsgemäß mir ganz unerheblich abzuweicben pflegen, bereits bis Anfang Februar 1907 fertig- gestellt sind. HasrdeL und Verkehr, Volkswirtschaft. — Neicbsbank. Am 12. November wird in Nixdori eine vom Neichsbankdirektorium abhängige Neichsbankuebeustelle mit Kasseueiurichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. — Invalidenda n k. Ter über 33 Jahre zur Förderung der Erwerbstätigkeit und Unterstützung der Invaliden und deren Hinterbliebenen wirkende Ver in „Invcilidcndank" in Berlin bat wiederum durch die Herausgabe eines Jahrbuches h'ir Inserenten und Bücherfreunde für 1907 einen Beweis seiner Rührigkeit gegeben. Tas Jahrbuch bietet Inserenten einen zuverlässigen Führer. Gegen Einsendung von 40 Pfg. in Briesmarken wird es kranko an jedermann vom Bureau des Jnvalidendauk in Berlin, Unter den Linden 24, versandt. — D i e Ausrechnung von 6; e h a l t S - und V e r - pfleg ungSraten h'ir unsere Kassenbeamle ist durch den neuen „S ch n e 11 r c dj n c r", Tabellen zur Ermittlung von Besoldungen und Arbeitsverdiensten, insbesondere zur Ausrechnung von Krankengeldern, Unterstützungs- und Verpflegungsraten, von K. Braun nun sehr erleichtert, denn es genügt ein bloßes Nachschlagen auf einer Seite, um das Resultat zu ermitteln. Durch die geschickte Gruppierung des großen Zahlenmaterials wurde es möglich, auf 175 Seiten bequemen ffarmot§ zwei Arten von Tabellen zu geben, die bei größter Zuverlässigkeit allen Anforderungen in dieser Beziehung gerecht werden. TaS bei aller Stofffülle billige Buch (8 Mk., brosch.) ist bei Otto Maier in Ravensburg erschienen. k Börsenwoche. W. Frankfurta. M., 2. Nov. Die Börse bewahrt ihre feste Grundstimmuug, befindet sich aber unausgesetzt in großer Abhängigkeit von den Verhältnissen des internationalen Geldmarktes. Auf diesem ist die Lage immer nodj prekär. Amerika hat diese Woche erneute Versuche gemacht, Finanztratteu in Europa unterzubringen, doch wird dies allmählich schwieriger. Die Bank von Frankreich hat die Diskontierung solcher Wechsel abgelehnt und auch in England und Deutschland sind sie nicht mehr schlank anzubringen. Bei uns hat die Großfinanz ja sichtlich das Interesse auf eine Ermäßigung des Zinsfußes hinzuarbeiten, um dadurch bessere Börsenstimmuug zu erzeugen, aber sobald der Privatdiskont unter 5 Prozent herabgeht, schreitet die Reichsbank zur Rediskontierung von Schatzscheinen und steigert dadurch den Privatdiskont wieder. Diese Manipulation erfolgt zum besseren Schutz der Goldbestände der Bank, denn bei dem gegenwärtigen Stande der Devisenpreise ist latente Gefahr von Goldabfluß nach dem Auslände vorhanden, sobald die Leihrate am offenen Markte nur etwas zurückgeht. Sehr günstige Strömung herrschte für r u s s i s ch e F o u d s und Eisenbahn- priori täten, die ^neuerdings etwa 3 Prozent gestiegen sind. Die befriedigende Gestaltung der Staatseinnahmen, die verhältnismäßige Ruhe im Lande und die schon eingeleiteteu Reformen heben allmählich wieder das Vertrauen zu Rußland. Die K'ontremine hat scharfe Teckunaskäufc in russischen Fonds ausgcsührt, ebenso wurden Meinungskäufe darin vorgenommen und vielfach konnte man auch Muse des Kapitals wahrnehmen. Ein in Umlauf gekommenes Gerücht, welches sich indessen auf seine Richtigkeit nicht prüfen läßt, wollte wissen, daß eine neue Anleihe abgeschlossen hrorben sei, die aber erst dann perfekt werden soll, wenn sie durch die Duma genehmigt ist. M o n t a n pa p i e r c wurden von der Kontremine angegriffen, weil in einem Artikel vom rheinisch-westfälischen Eiseumarkt ausgesührt wurde, infolge der Geldteuerung und der Arbeiterbewegung ließen die Aufträge etwas„ nach, allein bei den verschiedenen Werken liegen noch Aufträge für so lange Zeit hinaus vor, daß ihnen ein vorüber-- gehendes Nachlassen des Drängens nach Lieferung nicht einmal unerwünscht ist. Jedenfalls sind i'.och keine Anzeichen für einen Rückgang der Koniunktur wahrzunehmen.. Der Erfolg der Kvutre- mine auf dem Moutanmarkte war infolgedessen auch nur ein mäßiger. Andere Jndustriepadiere blieben gut behauptet, Bankaktien waren sogar fester, ebenso Schiffahrts- aktieu und Eisenbahnwerte. Westsizilianer stiegen sogar 4Vs Broz. auf die Entscheidung des römischen Appellhoss, wonach die Verstaatlichung der Bahn mit Wirkung vom 1. Januar 1905 ZU erfolgen hat. Einiges Interesse zeigte sich auch für Türken- lose. Privatdiskont 5hö Prozent. Märkte. Gießen, 3.'Nov. Marktbericht. Aus heutigem Wochenmcnkte kosteten: Butter pr. Pid. 1.05—1.10 Mk., Hühnereier 1 St. 8—10 Psg., - 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 0 Psg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Käseviatte 2Stck. 5-6 Psg., Erbten v. P?d. 18-24 Psg., Linienv.Psd.25-4OPsg., Tauben vr.Pr.0,80-1,00Mk.,Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., -Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Gänse vr.Psd. 70-75 Psg., Ochseusteisch pr. Md. 82—88 Psg., Kub- und Rindfleisch pr. Pfluid 80—82 Pfg., Schweine- Mund 90-100 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 104 Mo-- Kalbfleisch pr. Pfd. 84-90 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 00—80 P'w Wellche per Psimd —Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—7,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 4,00—5.00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Zentner 15 bis 24 Mk., in Körben 00 Md. Russe 100 Stück 30—40 Psg., Birnen ver Md. Mk. 0.10 —0.15 per Ztr. 9—15 Mk., Zwischen per Ztr. 0,00—0.00 Mk., Weißkraut oero 8-12 per Zeutuer Mk. 2.20-2.50. — Marktzeil 8—2 Unr. fc. Frankfurt a. M., 2. Nov. Heu- und Stroh- 'stärkt. Man notierte: Heu Mk. 3.30 bis 3.50, Stroh Mk. 2.90 bi? Mk. 3/>0. Alles per 50 Kilo. Die Zufuhren waren infolge des gestrigen Regenwetters schwach, die Nachfrage stark. Markt rasch geräumt. Geschäft: flott. Tendenz: sehr fest. le. F r a n k f u r t a. M., 2. Nov. Aus dem gestrigen Kartoffel- m arkt wurde' der Zentner mit 3.—3.25 Mk. bezahlt. Arbeiterbewegung. Stettin, 2. gioo. Au? dem Hamburger Dampfer "arrntln- ' dost mit eiuer Ladung Phosphat von Cremt Island (Australien! in Glienken eingetroffen war, verweigerte am Mittwoch die in Singavore nnocinnftcrfe, au? 24 Ehinesen bestehende M a n ii s ch a ' t die Arbeit und begab sich gestern nach der Stadt, in der Absicht, zu desertiereu. Die Letite wurden indessen wieder zum Schiffe zurückbefördert. Gestern abeitd drang ein b e w a s s n e t e r Teil von ihnen mit den Kgpitän und die übrigen Schiffsosfiziere ein, wobei ein M a s ch i n i st s ch w c r d c rletzt wurde. Es gelang, die Rädelsführer, 5 au der Zahl, dingfest zu machen und in das Gefängnis zu bringen. Dortmund, 2. Nov. Ausländische Agitatoren fordern die Dergarbellerschast des Nuhrgebietes zur Aufnahme der passiv eit Resistenz an Stelle des geplanten Massenstreiks aus. Man hofft, dadurch die Förderimgsleistuug um 50 % zu verringern. Budapest,!. Nov. Die Arbeiterkreise sind wegen ber Auflösung beS Streiklagers der Straßenbahubediensteten sehr erbittert. Einige Arbeiter, welche für die Streikenden Partei nahmen, griffen Straßenbahnwagen an und befreiten verhaftete Exzedenten aus den Armen der Geheimpolizisten, wobei die berittene Polizei mit blankem Säbel ciuschreiten mußte und mehrere Verhaftungen vornahm. Brüssel, 1. Nov. Der Beschluß der Weberei-Arbeiter von Verviers, die Arbeit wieder aufzuneh- m e n, hat bei einem großen Teile der Arbeiter st a r k e U n - zufriedenheit hervorgeruseu. Die Wollwäscher hielten eine besondere Versammlung ab, in der sehr heftige Reden gehalten wurden tind schließlich mit großer Mehrheit die Fortsetzung des Streikes seitens der Wollwäscher beschlossen wurde. Eine Fabrik beginnt heute bereits roieSer zu arbeiten, andere werden folgen. Gla s g o w . 1. Nov. Die geplante Ausdehnung des Schiffbauerstreiks am Clvde rief Besorgnis hervor, daß andere Betriebe schließlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Man befürchtet eine so erhebliche Störung de- Arbcitsbetrieüe. daß sich die. Unternehmer möglicherweise entschließen, den Betrieb der Werke gänzlich einzustellen. Mrehttche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 21. S o n n t a g n a cb Trinitatis, den 4. November: RcsormationSfest. Wetterdienst. , Fn der Stadtkirche. Vormittag? 9V, Uhr: Marrer Lie. Glane. Mittwoch, den 7. November, nachmittag? 4 Uhr, im MarkuS- saal, Kirchstraße 9: Vereinigung der konsirntiertcn weiblichen Itigeud der Markusaemeinde. GLngesandt. ^Für Form imb Inhalt aller unter bie'er Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Redaktion b?m Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Wie kommt man mit dem Rad von Gießen noch Klein-Linden oder zurück, ohne in den Schla in m b ä dem und in den Kana» lisieruugsbcmten an der F r a n k s u r t e r st r a ß e stecken zu bleiben? Da bleibt einem Radfahrer mir noch bie Wahl, bie Bürger- steige zu benutzen. Aber webe bem Armen, wenn er bas tut, er wird aufgeschrieben und nach einigen Wochen sieht er, wie teuer er sein Ausweichen — vor den Schlammbädern und den Kanallmuten, bei denen er manchmal fast sein Leben auls Spiel setzen kann, — bezahlen muß. Run muß sich ein Radfahrer, der solche Sachen schon erlebt hat, boeb bie Frage vorlegen, wozu bezahle ich eigentlich meine Fahrrab-Cteuer usw. ? Könnte nicht schon längst an dieser Straße, die täglich Hunderte von Radfahrer vassieren, ein fahrbarer Weg für diese angelegt fein, wie es für Reiter geschehen ist. Cb er wenn das nicht möglich ist. könnte doch wenigstens den Radfahrern gestattet werden, im Notfall die Bürgersteige zu benutzen. -m.. PJöiijmUiiielffbrrlidit brr torsfiillr inbrrSfnbtfiirfirn 43. Woche. Vom 21. Oktober bi? 27. Oktober 1906. Einwohnerzahl: anaenommen zu 29 500 sinkt. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 21,14 nach Abzug von 5 Ortsfremden: 12,33 "/m. Kinder A n m.: Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Es starben cm: Zusammen: Erwachsene: im vorn Lungenschwindsucht 3 1. Lebensjahr: 2 — 2.-15. Jahr 1 Sarkom 1 1 —— ___ Starrkrampf KD 1 (1) __ — Altersschwäche 1 1 - . - . . — Schlagfluß 1 1 — _ Knochenmarkentzündung KD _ _ 1(1) Lebensschwäche 1 — 1 im Wochenbett I (1) 1 (1) — —— Verunglückung 2 l21 2 (2) — — Summe 12 (5) 9 (4) 1 2 (1) Telefonisch® KursbericMe des Giessener Anzeigers, mittreteilt von der Rank für Handel nnd Industrie. Giessen. Frankfurter Rör* Tteichsanleilie . . 98.10 356 do. . . 86.10 3j<°/0 Kousols ; . . » 98.00 396 do 86 15 3^°/„ Hessen . . . . . 96.80 9J6°/n Oberhessen . . . —.— 4»6 Oesterr. Goldrente. . 99.25 4‘/s56 Oesterr. Silbeneute 100.00 4 96 Une-ar. Goldrente . . 95.20 496 Italien. 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Diner Frischer Hummer mit Mayonaise Mock-turtle-Suppe Seezungenschnittchen mit Tomatensauce Lendenbraten auf Gärtners Art Junge Hamburger Kücken Salat und Compote Begententorte Obst Souper Pastete ä la Keine Steinbutte, Butter und Kartoffel Junge Gans, Salat, Compote Käse und Butter [6635 November ä la carte 7, frischen Hummer 1.50 Seezungegeb. sauce remoulade 1.75 Steinbutte 1.50 Kronenhummer per Portion 1.50 Rehrücken mit Compote 1.50 Hasenrücken mit Compote 1.50 Hasenschlegel mit Compote 1.30 1 Wiener Backhahn sauce remoulade 1.80 7, jungen Hahn mit Salat 1.30 7, Fasan mit Kraut 1.80 Feldhuhn mit Kraut 1.80 Diners Soupers sowie reichhaltige Abend-Karte empfiehlt Metzgers Weinstube Inhaber C. Köhler 6642 Gasthaus „Zar alte« pest“. Stelle heute ein großes, schönes Frati-Mnsikwerk von H. Kembel in Frankfurt a. M. auf, mit dirigierendem Kapell. meister sowie zwei umspielenden Trompetern. Qu zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein 6650 Ph. Schneider, früher im Adler. Mtma! am jein 8 jähriges Siiftungsfesi auf LonyS Bierkeller, verbunden mit Konzert und Tanz. Es ladet ein Der Vorstand. Freunde und Gönner herzlich willkommen. l081™ AiisßliS «ch Wkhlar nit Krone. Sonntag nachmittag und abends: A'ches PreiSkeßeill uni) Ksyzert. Eintritt frei! 6651 Eintritt frei! Restauration „Zum Pfau“ Samstag und Sonntag, « de« 3. und 4. November % Mchelsuppe Morgens: Wellfleisch mit Kraut. Hosreite-Versteigernng. Im Auilrage Großh. Amtsgerichts Butzbach soll auf Antrag der Christoph Rothhardl Witwe auf dem Ralhause jedesmal nachmittags 4 Uhr- Fl. I Nr. 289 — 1846,1O lUMtr. Hofreite in der Weiseler Gasse Tonnerslag, den 8. 9toven»ber einer 1., Donnerstag, den 22. November einer 2. und Donnerstag, den 6. Dezember l. Js. einer 3. freiwilligen Versteigerung ausgesetzt werden. Bet Erreichung der Taxation erfolgt nach der letzten Versteigerung die Genehmigung. , Die Hofrette liegt in günstiger Geschäftslage am Marktplatz und wird darin em gutgehendes Spezerei-Delilaletzengeschafl betrieben. Bugbach, 1. November 1906. 07 Großherzogl. Ortsgericht. M u ch e l. Vermittelungsstelle für den An- und Verkauf von Zuchtvieh im Anschluß au die Geschäftsstelle des landw. Vereins für dre Provinz Oberycffen zu Alsfeld. Wir vermitteln den An- und Berkaus von Zuchttieren der uns an- geschlossenen Zuihtvereilie als: Simmentaler Herdbuchtiere (71 Vereine). Vogelsberger Herdbuchtiere (22 Vereine), Borlshire, bezw. deutsche lLveljchweiue (ü Vereine), Saauer Ziege» (6 Vereine). Listen über zum Berkaus gestellte Tiere werden auf Verlangen gratis zutiesandi. . '