Vkr. 28» Erscheint täglich außer Sonntags. Dem GießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dein hessischen Landwirt bie Siebener Familien, blätter uicrmal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Univers.-Buch-wStein- brucfercL ÖL Lange. Redaktion, Ervedttion und Druckerei: Schul straffe 7. Redaktion 113 Verlag n.Exped.L^-51 Adresje für Depeschen: Vtnzeiger Kietzen. Erstes Blatt 156. Jahrgang Mittwoch 3. Oktober 1906 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VczngSpretSr monatlich7bPf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Dik. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesnuinmer bis vormittags 10 llhr< ZeilenpreiS: lokal 12Pf^ auSroärtS 20 Pfg. Derantrvortlich tüe den poliL und allgern« Teil: P. Witt ko; für „Stabt und fiaub4 und „GerichtSsaat"; Ernst petz; für beu An- zeigenteil: HauS Beck. Sie Heutige Kummer umfaßt 12 Seiten. Epilog zu Mannheim. Was ist das Fazit des Mannheimer Parteitages? Jnbezug auf die „Literatur" der sozialdemokratischen Partei bleibt wohl alles beim alten. Die „Neue Gesellschaft" Brauns, die Korrespondenzen Stampfers sind nicht boykottiert morden, urcd keinen von den vielbesehdeten Presseleuten der Partei hat man fliegen lassen, obwohl sie nicht besonders parieren wollen. Man ist gegen sie zu Felde gezogen, aber das Eliminieren der fortschrittlicheren Elemente innerhalb der Partei unterblieb, lieber die „Vor- wcirts"-Redakteure, die seinerzeit aus der Redaktion des Zentralorgans hinausflogen, hat man sich nicht mehr aufgeregt. Man hatte auch nicht Zeit zu langen Debatten über das, was vorüber ist. Die Beschlüsse, die außerdem inbezug auf die sozialdemokrattsche Presse im Reiche gefaßt wurden, sind für die Politik der Partei selbst nicht von Interesse. Ueber die wichtige Frage des politischen Massenstreiks als Kampfmittel der Partei haben wir schon kurz gesprochen. Die Einigung, die man für unmöglich hielt, ist gelungen, .das Jenenser Programm und den Kölner Beschluß hat man als einander nicht widersprechend erklärt und den Frieden zwischen Partei und Gewerkschaften proklamiert. Bebel hat, tapfer zurückweichend, gesiegt, und der Massenstreik ist als Kampfmittel ausgeschaltet, wenn inan ihn auch noch für besondere Fälle, z. B. für die eventuelle Antastung des Reichstagswahlrechtes, bestehen lassen will. Man hat erklärt: es gibt keinen Riß. So dekretierte man seinerzeit in Dresden: es gibt keine Revisionisten. Diese Art von Taktik ist einfach, aber es gehört eine noch junge und im allgemeinen wohldisziplinierte Partei dazu, die das ris-kieren kann. Ob das Wegdekretieren des Zwistes aber einen wirklichen Erfolg bedeutet, das muß abgewartet werden, denn es sind derer, die den Massenstreik aus politischen Gründen propagieren, nicht wenige, obwohl von Parteiwegen der Massenstreik Unsürn ist. Die Spaltung innerhalb der gewerkschaftlichen Kreise selber, der Abfall der Anarchosozialisten von der Partei, das sind Beweise dafür. Aber vvm Standpunkt des gesunden Men- schenverstandes aus kann man sich freuen, daß dem General- sirekkunsinn offiziell ein Ende bereitet wurde, und wie es dabei zuging, das geht uns ja. im' Grunde nichts an. Wir haben nur mit beu Beschlüssen zu rechnen und hoffen, daß der, der den Generalstteik zurückstellt, recht dauerhaft ist. Für unsere Arbeiterschaft ist es entschieden besser, wenn man sie nicht der Fährlichkeit aussetzt, mit ihren Familien aus politischen Gründen hungern zu müssen. Für die rührige Entwicklung der Arbeiterbewegung ist in Mannheim eine gewisse Gewahr geschaffen worden. Wir müssen es uns versagen, aus die übrigen, nur für die Partei belangreichen Beschlüsse des Mannheimer Tages einzugehen; auf Eines aber wollen wir nicht verfehlen hinzuweisen: Es hat den Anschein, als ob Bebel, obwohl er zu den radikalsten Genossen gehört, augenblicklich mit der inneren Politik des deutschen Reiches gar nicht so unzufrieden wäre, als er im Reichstag immer grollend behauptet. Und das ist auch nicht unbegreiflich. Denn wenn es auch bei uns noch recht viel zu bessern gäbe, so muß doch anerkannt werden, daß gerade für die arbeitende Bevölkerung sehr viel geschehen ist. Daß man leider mit der anderen Hand wieder zu nehmen sucht, was man erst gegeben hat, und daß durch eine unvernünftige Steuerpolitik auch die unteren Volksschichten unverhältnismäßig hoch belastet sind, das sei zugegeben. Aber im allgemeinen: es geht an. Der Mannheimer Parteitag zeigte die Sozialdemokratie auf dem Wege der Wandlung zur milderen Sinnesart, und das ist erfreulich. Hoffentlich hält diese mildere Sinnesart an. poütifctye Lagesschau. Neber die Haltung der Sozialdemokraten für den Fall, daß Deutschland in einen Krieg verwickelt würde, hat sich Bebel wiederholt im Reichstag ausgesprochen. Das eine inal, unerwartet patriotisch, dahin, daß bei einem Angriff auf Deutschland die Sozialdemokraten nicht zu Hause bleiben würden. Das andere mal aber — in der Etatsrede des vorigen Jahres — drohte Bebel geradezu mit einem Wehrstreik der unzufriedenen Sozialdemokratie. Die Ankündigung veranlaßte den Fürsten Bülow zu einer sehr scharfen Entgegnung, unter lebhafter Zustimmung von allctt Vertretern der bürgerlichen Parteien. Wiederum berührte Bebel auf dem Mannheitner Parteitag das Thema. Er habe etivas läuten hören, daß die deutschen sozialdetnakratischen Führer im Kriegsfall in sicheren Gewahrsam gebracht würden. Herrn Bebel ist von seinem Gewährsmann ein Märchen erzählt worden. Im deutschen Reich wird nicht, wie etwa in Rußland, nach Willkür, sondern nach Gesetz und Recht verfahren. Die Einsperrung der sozialdemokratischen Führer bei einem deutschen Kriege, und sei es auch nur während der Mobilmachung, würde gesetzlich nicht zulässig sein. Dann allerdings wäre die Verhaftung möglich, wenn der Verdacht des Landesverrates, gegen diese Führer vorliegen sollte. Der Verdacht bedarf der Begründung durch Tatsachen — und in dieser Beziehung hat doch hoffentlich die Leitung der sozialdemokratischer. Partei ein sehr gutes Gewissen. Heute nun ergeht sich ein „militärischer Mit- arbeiter* des „Vorwärts* in Betrachtungen darüber, wie die mindestens eine Million Sozialdemokraten unter den Reservisten und Landwehrleuten die Kunde, daß Bebel, Singer, Kautsky usw. verhaftet worden seien, aufnehmen würde. Sehr übel, deutet der militärische Mitarbeiter an. Der „Donnerwetterkurs* könnte, wenn er im Kriege nur einiges Mißgeschick habe, vielleicht sehr unliebsam überrascht werden. Hier wird also mit unverhüllter Deutlichkeit gesagt, daß deutsche Niederlagen nicht nur Befriedigung Hervorrufen, sondern and) noch den über die Verhaftung der Parteiführer Ergrimmten Anlaß gu Ueber- raschungen, das heißt wohl Fahnenflucht-Versuchen, geben würden. Wir glauben, die Ueberraschten werden auf der anderen Seite zu finden sein, im Krieg wird kurzer Prozeß gemacht. Es darf aber nicht verwundern, wenn solche Auslassungen, wie die im „Vorwärts", die Heeresverwaltung zu befonberer Beachtung der Sozialdemokratie im Heere, und schon in Friedenszeiten, veranlassen. • Die in Deutschland gehandelten chilenischen Staatsanleihen haben sich von dem durch die Erdbeben-Katastrophe hervor- gerufenen Kursrückgänge noch immer nicht voll erholt. Die Nachfrage nach diesen Fonds bleibt gering, man fürchtet wohl eine Wiederholung der elementaren Ereignisse. Es ist natürlich nicht möglich, hierüber ein zutreffendes Urteil abzugeben, aber der beruhigende Hinweis soll den Besitzern chilenischer Papiere nicht vorenthalten bleiben, daß Chile in dem neuen Präsidenten Pedro Moutt einen Mann an die Spitze der Regierung gestellt hat, der die Fähigkeit besitzt, Ordnung in das Staatsbudget zu bringen, die Ausgaben auf das unbedingt Notwendige zu beschränken und die Beamten zur Wahrnehmung der Staatsinteressen anzuhalten. In diesem Sinne ist eine innerpolitische Gesundung Chiles mit Sicherheit zu erwarten und damit eine Kräftigung des Staatskredits. Der innere Wert der Ausländsanleihen Chiles würde also wohl einen höheren Kurs als den gegenwärtigen rechtfertigen, immer abgesehen von elementaren Vorgängen, die sich jeder Berechnung entziehen. Nationalliberales aus Darmstadt. Man schreibt uns aus der hessischen Residenz: Am Montag abend sand hier eine vereinigte Sitzung de? nationalliberalen Vereins und des national* liberalen JugendoereinS statt, in welcher zunächst der Vorsitzende des Jugendvereins, Finanzamtmann Bangel, über die Delegierten-Versammlnng der Jngendvereine Deutschlands in Hannover referierte. Er hob hervor, daß dort gegen die Haltung der n a t i o n a 11 i b e r a 1 e n Fraktion im Reichstage, wie un preußischen Abgeordnetenhause lebhafter Widerspruch sich gezeigt habe. Insbesondere sei die Haltung der preußischen Landlagsfraktion in der Schnllrage einer scharfen Kritik unterworfen worden. Ter Referent betonte, daß in ganz Deutschland die Simultanschule die richtigste Einrichtung sei und an deren Einführung und Ausbau überall gewirkt werden solle. Er konnte dabei auf die günstige Entwicklung des Schulwesens in Hessen exemplifizieren, welches ja seit langen Jahren die Siniultanschnle habe und ein Urteil dahin abgeben, daß dieselbe sich trefflich bewährt habe. Ter Referent kennzeichnete weiter, daß sich in Hannover eine entschiedene Stimmung gegen die Fahr karten st en er und Erhöhung des Ortsportos gezeigt habe. Schließlich verweilte der Referent ausführlich auf der Frage des direkten Wahlrechts zu den einzelnen Landtagen und sprach bezüglich des letzteren den Wunsch und die Erwartung aus, daß auch bet uns durch die Ueberein- ftimmung der beiden Kammern die Frage des direkten Wahlrechtes baldigst geregelt werden müsse. In der Diskussion, bei welcher man sich allerseits offen au§- sprach und bet welcher auch die verschiedenen Meinungen freimütig zur Kenntnis der Versammlung gebracht wurden, rvurde insbesondere die R e i ch s f i n a n z r e f o r in, wie sie nunmehr im Gietzener Stadttheater. Die Braut von Messina. Mit feierlich gemessenen Schritten begann die Muse Thalia ihren setzten Wintergang int alten Hause. Die neue Spielzeit hob an mit einer Aufführung der „Braut von Messina". Vorauf ging Schuberts Ouvertüre zu Rosamunde, nicht Schumanns Ouvertüre zur Schiller- schen Tragödie. Das mar nicht die rechte Wahl. Die Schu- bertsche Musik ist von bestrickender Anmut, durchflutet von der ganzen Pracht einer üppigen Romantik und hätte darum ein in der Renaissance spielendes Lustspiel wundervoll eingeleitet. Aber zu der furchtbar erschütternden Tragik der „Braut von Messina" stimmte sie etwa wie die Deklamation eines munteren Morikcschen Gedichtes als Borschmack zu Beethovens neunter Symphonie. Dann aber kam Händels „Largo", und' damit war der rechte Ton getroffen. Schiller betont selber in dem ästhetisch wertvollen, der bloßen Phantastik tote der absoluten Naturälistik „offen und ehrlich den Krieg erklärenden" Vorwort zur „Braut van Messina" die Mitwirkung der Musik. „9hit die Worte", so sagt er, „gibt der Dichter, Musik und Tanz müssen hinzurommen, sie zu beleben." Er mochte dabei vielleicht an eine Art Schwertertanz gedacht haben beim ersten Auftritt der Chöre, und auch bei uns ward ja so etwas versucht. Jedenfalls aber sollte wohl das Orchester das Erscheinen und den Abgang des das Gemüt des Zuschauers von den ttagischen Ereignissen beruhigend ablenkenden Chores, für den er sich im Vorwort mit so viel Geistesschärfe und Geistesschönheit ins Zeug legt, jedesmal mit einem kräftigen Marsch begleiten, woran man bei uns nicht gedacht hatte. Zwischen Schubert und Händel gab's, wie alljährlich, einen Prolog des Direktors. Er sprach recht hübsch von dem alten und dem neuen Hause, der Larve, die sich in einen schönen Falter verwandelt; er pries die „Schöpfer", d. h. die gebefrohen Spender, die Erbauer des Hauses; und ließ die „Bergführer" zu den Höhen künstlerischer Genüsse, die Darsteller, fljrer Kräfte Bestes verheißen. Frl. Schuster, der etwas unruhigen Sprecherin des Prologs, ein charakterisierendes Beiwort zu geben, wäre verfrüht. Aeußerst kritisch hat sich der Vorhang gezeigt. Beim Niedergehen ist er ihr au jben Kopf gefallen. Doch sollen die letzten vier Worte bei Leibe nicht doppelsinnig aufzufassen sein. Und dann hatte Schiller das Wort. Der nüchterne Verstandesmensch unserer Tage könnte wohl von dieser Schuld- und Schicksalsttagödie behaupten, daß sie den Aberglauben, den Glauben an Träume, bekämpft — denn ohne diesen Glauben wäre das Brüderpaar mit der Schwester friedlich ausgewachsen und die Schuld der Väter hätte sich nicht gerächt. Doch fern liegt es mir, mich in theoretisch-ästhetische Erörterungen über diese Dichtung zu ergehen, die zu den erhabensten der Weltliteratur gehört. 9hir erinnern möchte ich an des Dichters eigene Worte, die er zehn Tage nach der am 19. März 1803 in Weimar erfolgten Erstaufführung an Körner schrieb: „fSem jüngern Teil des Publikums imponierte die Tragödie so sehr, daß man mir am Schluffe ein Vivat brachte, welches man sich sonst in Weimar noch niemals herausnahm. Ueber den Chor und das vorwaltend Lyrische sind die Stimmen natürlich sehr- geteilt. Was mich selbst betrifft, so kann ich wohl sagen, daß ich in der Vorstellung der „Braut von Messina" zum erstenmal den Eindruck einer wahren Tragödie bekam. Ter Chor hielt das Ganze trefflich zusammen, und ein hoher, furchtbarer Ernst waltete durck) die ganze Handlung. Goethen ist es auch so ergangen, er meint, der theatralische Boden sei durch diese Erscheinung 311 etwas Höherem eingeweiht worden." Settdem ist diese hoheitsvollste Tragödie von der Macht der ewigen sittlichen Weltordnung unzählige Male zur Aufführung gelangt, zuweilen auch, vor 60 Jahren und darüber, auf Kirmessen und bei ähnlichen Anlässen menschlicher Rührung, unter gar seltsamlichen Titeln, wie „Die ©rabeSbraut, ein phantastisches Zauberdrama". Immer aber machte das Drama einen tiefernsten Eindruck. Am tiefsten mag der Eindruck gewesen sein am 100. Todestage des Dichters im vorigen Jahre, als auf den Terrassen am Halensee bei Berlin die Dichtung mit einem mehrhundertstimmigen Sprechchor unter Mitwirkung erster Künstler in Szene ging. Auch die gestrige Darstellung hinterließ einen vollen und — wie gleich hinzu gefügt sei — reinen Eindruck. In im ganzen recht würdiger Weise kam die Tragödie höchsten Stiles zu Worte — ja zu Worte, denn auf ihm liegt in diesem Drama voll wunderherrlicher Rhetorik und Rhythmik der erste und stärkste Nachdruck. Der Glanz der Sprache stellt die anderen Ausdrucksmittel der Bühne in den Schatten und drückt sie 311 begleitenden Erscheinungen der in gleicher breiter Welle Gedanken wie Empfindungen au§tönenben Rede herab. Selbst die handelnden Personen im Gegensatz zu der nur betrachtenden Person des in dem Chore verkörperten „idealen Zuschauers" stehen in diesem im höchsten Sinne „rezitierenden Drama" unter dem Banne des mächtigen Wortes. Dem pathetisch gehobenen Ausdruck des Wortes will die Geberde vorgeschaffen sein; der Fülle, dem Wohllaut und der Erhabenheit der Sprache soll die Plastik, Schönheit und edle Größe der Aktion es nachtun. Die über „servile Naturnachahmung" weit sich hinweg- bebende, in eine ideale Welt uns versetzende Dichtung stellt Anforderungen an die Schauspieler, die nur in Ausnahmefällen in so hohem Grade an sie herantreten. Umsomehr muß es anerkannt werden, wenn unser erneuertes Schauspielensemble feiner großen Aufgabe — nehmt alles nur in allem — sich gewachsen zeigte. Die unter der zielbewußten Leitung des Direktors St ei ngoetter wohlgeübte und wohldnrch- gebildete Vorführung verdient reiches Lob. Herr St. hatte eS verstanden, das Gesamte auf einen richtigen Grundton zu stimmen. Die Süifgabe der Darsteller besteht zunächst darin, die pathetische, gedanken- und bilderreiche Sprache so zu behandeln, doß sie natürlich Hingt und doch nichts von ihrem Adel einbüßt. Das ist auch allen wichtigen Darstellern fast überraschend gut gelungen. Die gewaltige Partie der Fürstin lag in den Händen deS Frl. v. Jagemann. Es ist ein Eigenes um die erlesene Kunst, die vom ersten Worte an, mit dem bloßen Ton der Stimme, ob sie leise den Schmerz oder mit metallenem Klange die Verzweiflung kündet, aus der innersten Seele ihren Ausdruck zu nehmen scheint und da§ Gefühl des Zuhörers wie mit Schrauben an sich zieht^ Solches ober doch Aehn- liches hat man über die große Schröder gelesen, die in der Nolle der messinischen Fürstin die Zeitgenossen fortriß. Heute findet man wohl auf unseren Bühnen keine der Schröder kongeniale Isabella. Am ebenbürtigsten mag ihr noch die Kathi Frank in Frankfurt a. M. gewesen fein. Ueber die Art, wie die Fürstin in aller Beredtsamkeit der Freude und des Herzeleides ihre Hoheit wahrt, um eine reine und tiefe Wirkung zu erzielen, würde Frl. v. I. von der früheren Frankfurter Heldenmutter, die ja jetzt Lehrerin der Schauspielkunst ist, noch heute mancherlei Neues erfahren. Doch wenn des Frl. v. I. Darstellung auch gerade keine Trümpfe besaß, wenn sie z. B. auch das weniger Bedeutende in der Rede stets mit gleich großer Bedeutung aufnahm und auSgab, so darf man wohl sagen: sie bewegte sich in ihrem Witwenschleier mit der von Schiller selber geforderten „frei und edel gehaltenen Würde und hohen Ruhe wie in einem weitgefalteten Purpurgewand". Jedenfalls gelang es Frl. v. I. recht gut, Schillers Niobegestalt der Fürstin von Messina durch alle Fährnisse und Anstrengungen eines Theaterabends zu trauern ihre Größe Reichstag angenommen worden ist, zum Gegenstand der Besprechung gemacht. Reichstagsnbg. Dr. B e ck e r gab eingebende Ausklärung, wie die Fraktion in dem Reichstag sich zu der Reichsfinanzreform in ihren verschiedenen Stadien gestellt habe, lieber die Schul- gesetzsrage in Preußen äußerte sich und zwar ebenfalls entschieden im Sinne der Simultanschule Rektor K a ß l i k. Bei der Fülle der ailfgeworsenen Fragen konnte die Diskussion nicht vollständig zu Ende gebührt werden und es wurde in Aussicht genommen, daß insbesondere die F r a-g e des direkten Landtags- Wahlrechts in Hessen in einer demuächstigen Versammlung erörtert werden soll. Ans Stadt nnd Land. Gießen, 3. DFL 1906. ** Personalien. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums des Innern wurden die Lehramtsrefcrendare Karl 91 n ft o § zu Groß-Gerau, Wilb. Beiling zu Offenbach, Dr. Gg. Blecher zu Bingen, Gust. Drescher zu Neu-Isenburg, Otto Em mel zu Alzey, Wilb. Fri e d rich zu Michelstadt, Karl Heyl zu Schlitz, Chr. Himmelreich zu Alzey, Arth. Jungk zu Worms, Ernst Keller zu Laubach, Dr. Otto Keller zu Offenbach, Wilb. Kl eck zu Mamz, Joh. Kron zu Offenbach, Karl Kübel zu Mainz, Ludw. Lambinet zu Mainz, Friedr..Lamby zu Gießen, Herrn. Müller zu Hungen, Franz Petersohn zu Offenbach, Ludw. Quentel! zu Oppenheim, Gg. Schmoll zu Friedberg, Fritz Textor zu Worms und Theod. Wallbott zu Heppenheim zu Lehramtsaffefforen ernannt. •• Wetterau-Lahntalsängerbund. Die Bundesleitung beschloß, als Termin für das erste Bundessängerfest bei dem am 14. Oktober voraussichtlich in Kirchgöns stattfindenden Sänger- und Dirigententag den 2. Juni 1907 vorzuschlagen. Gleichzeitig sollen die Meldringen der sich um das Fest bewerbenden Landes- sereine entgegengenommen und beraten werden. Auch die oon den Vereinen vorzutragenden Chore werden bei dieser Gelegenheit seitens der musikalischen Bundesleitling in Vorschlag gebracht werden. Es sollen dies nach Beschluß der Bundesleitung V olkslieder sein, die erst kurz vor dem Singen aus einer Auswahl von 4 bis 6 während des Winters einzustudierenden Volksliedern ausgelost werden. Außerdem soll jeder Verein noch einen selb st gewählten Chor vortragen. Die durch das Los übergegangenen Volkslieder werden spater als Bundes-(Massen-) CH öre vorgetragen. Auch eine Partit ure n-Bi b li oth ek wird angelegt. Es wird eine sorgfältige Auswahl getroffen und die Partituren werden in mehreren Exemplaren bei der Wahl neuer Chöre den Dirigenten der Bundesvereine zur Verfügung gehalten. ** Ansichtspostkarten mit unzulässigen Ueb erseh r ist en. Zu der unter der vorstehenden Spitzmarke durch die Presse gehenden Notiz möchten wir bemerken, daß nach den Bestimmungen des letzten Postkongreffes in Rom die linke halbe Seite von Ansichtspostkarten dem Publikum für Mitteilungen geschriebener oder gedruckter Art freigegeben worden ist und dieses für die ganze Welt und ohne irgend welche beschrankenden Nebenklauseln. WaS sich also auch immer auf der linken Seite der Postkarten-Adreßseite befinden mag, hat auf die Portoerhebung absolut keinen Einfluß. Einzelne Nachportoerhebungen, die von einem übereifrigen Beamten hier und da veranlaßt sein mögen, sind vollständig imberechtigt. ES steht dem Jntereffeuten jederzeit das Recht der Reklamation zu. Im Uebrigen tragen z. B. die zum größten Teil wirklich künstlerisch ausgeführte Landschaften aus aller Herren Länder, wie auS Skandinavien, Großbritannien, den Sllpen, aus Thüringen, dem Harz, dem Taunus, Ansichten von der Riviera, wie von Bern und Nürnberg :c. rc. darstellenden schönen Postkarten des Verlages von Raphael Tuck & Son? den Aufdruck: „Tuck"-Postkarten kursieren zu Millionen in der ganzen Welt, ohne daß die Postbehörden daran Anstoß genommen haben. Nicht nur werden, solange sich das Wort „Tuck" auf der linken Hälfte der Adreßseite befindet, postalische Bestimmungen nicht getroffen, sondern laut Beschluß des letzten Postkongreffes in Rom ist der § 7 III der Postordnung vom 20. März 1900 insofern annulliert, als das Wort „Postkarte" auf der Adreßseite von Ansichtspostkarten überhaupt nicht mehr zu erscheinen braucht. △ Odenhausen, 2. Okt. Im Kreisblatt vom 28. Sept, wird ein Auszug aus dem Protokoll der 36. Sitzung des ProvinzialtagS veröffentlicht. Von allgemeinem Jntereffe ist darin die Mitteilung des Ausschuß-Antrags über „Die Licht- und Wasserversorgung der Gemeinden". Derselbe wurde beraten und mit allen gegen drei Stimmen genehmigt. Der Antrag befaßt sich mit einer großartigen Idee und bekundet einen weitgehenden Blick. Eine Bedürfnisfrage von höchster Wichtigkeit soll gelöst werden, und der Provinz sollen ihre Wasserschätze gesichert werden, „Oberhessen den Oberhessen". Ehre den Männern, die die Zeit verstehen und für da? allgemeine Wohl ausnntzenl Nehmen wir die Wasserfrage. Wie schwer wird es manchen Gemeinden gemacht, Wasser zu bekommen. Quellen fehlen, mit Sammel- wasser wird sich beholfen. Die Leute dringen, besseres Waffer zu bekommen. Man sucht Quellen in Nachbarorten oder weiter; nach vielen Scherereien ist man Handelseins. Die Gemeinde oder Genossenschaft bekommt mit der Anlage Wasser, oft aber teueres. Anders wird das sein, wenn das so reiche Quellengebiet Oberhessens nach einheitlichem Plan geleitet und den Interessenten zugeführt werden wird; Anlagen in großem Stil sind auch billiger. „Manche Brünnlein fließen, wo die Blumen sprießen, hin zum Wiesental", aber zu ferne den Menschen. Das wird dann anders. Tausende könnte die Quelle bei H of A ppen b orn versorgen, die der Lumda das meiste Wasser zuführt. Glücklich wären die Orte Lumda und Beltershain, auch Oden hausen mit dem mühevollen Weg nach seinem einzigen Brunnen vor dem Dorfe, der wegen seiner tiefen Laae nicht hineingeleitet werden kann, auch zu wenig Wasser liefert. -j- Hattenrod bei Lich, 2. Okt. Da die Besitzer von mehr als der Hälfte des Geländes unserer Gemarkung sich für die Einführung der F el d b ere in i gung erklärt haben, so kommt diese schon in diesem Winter zur Ausführung. Grünberg, 30. Sept. Das in Nr. 229 kurz erwähnte Reden-Denkmal, das in vergangener Woche aus der Ostseite des hiesigen Kirchenplatzes wieder Ausstellung gesunden hat, ist eine Schöpfung des Kasseler Bildhauers Samuel Na hl (1748—1806). Dieser Künstler ist ein älterer Bruder des von Goethe in der Monographie über Winkelmann genannten Malers Johann August Nahl (1752—1825). Sein Großvater Johann Samuel Nahl (1664—1727) ist der Schöpfer der Reiterstatue des Großen Kurfürsten auf der Langen Brücke zu Berlin. Bereits vor amtskandidat Beckmann aus Elberfeld als Schulverwalter angestellt worden. vermischtes. * Mordtaten. Der Maurer Georg Stolz in All- mannsm eier (Baden) wurde unter Umständen, die einen Mord annehmen lassen, tot aufgesunden. Nun ist sein Sohn als des Morde? dringend verdächtig verhaftet worden. — An dem siebenjährigen Töchterchen des Müllers Schwarz von Dinglingen (Baden) wurde ein Lustmord verübt. Das Mädchen wurde mit aufgeschlitztem Leibe aufgesunden. Der mutmaßliche Täter ist ein wegen Sittlichkeitsverbrechens schon mehrfach vorbestraftes Individuum. — In der Nahe der Zeche „Langenbrahm" bei Essen wurde in einem Straßengraben die Leiche einer Engländerin aufgefunden. Anscheinend handelt e5 sich um einen Lustmord. • Neues Erdbe ben ans Sizilien. In Trabia und Termini wurde am Montag abend eine starke Erd- erschütterung gespürt, eine zweite leichtere am Dienstag Morgen. AuS Termini meldet man den Einsturz eines Hauses und einer Gartenmauer. Die erschreckte Bevölkerung floh ins Freie. DaS Wetter ist schön. Arbeiterbewegung. Offenbach, 30. Sevt. Die in den hiesigen Metallwarenfabriken befchästigten Schleifer hatten am 26. Sept, wegen Lohndifferenzen die Kündigung eingereicht. Die Arbeitgeber haben nunmehr sämtlichen Arbeitern auf den 12. Oft. gekündigt, da ohne die Schleifer der Fabrikbetrieb nicht aufrecht erhalten werden könne. Falls inzwischen eine Verständigung nicht erzielt wird, sind vom 12. Oktober ab etwa 20 0 Arbeiter der Metallwarenindustrie in 18 hiesigen und 2 benachbarten Fabriken ausgesperrt. Die Dergleichsverhandlungen werden morgen nachmittag beginnen. (Frki. Ztg.^ flachen, 2. Okt. Eine heute in k>aaren stgttgesimdene Versammlung von 2000 ausständigen Arbeitern des Hüttenwerkes Rote Erde beschloß, in dein Ausstand zu verharre n. drei Jahren regte Professor Röschen zu Gießen die Wiederherstellung des Reden-Denkmals und seine Aufstellung auf dem hiesigen Kirchenplatze in einer besonderen Schrift an, während von anderer Seite die Ausstellung in der hiesigen Spitalkirche vorgeschlagen wurde. Profissor Dr. Röschen betonte, daß es alsdann der Oeffentlichkeit entzogen wäre. Hier auf dem Kirchenplatze, auf der 9lnßenseite des Chores, wo der tapfere General bestattet sei, sei der einzig richtige Platz. Dllrch genannte Schrift wurde ein Urenkel de? gefallenen Generals, Justizrat Gottfried von Reden zu Frankfurt, für das Denkmal seines Ahnherrn interessiert und hat hierfür nicht unbedeutende finanzielle Opfer gebracht. Ter geschickten Hand des hiesigen Bildhauers Leonhard ist die Wiederherstellung trefflich gelungen. Hoffentlich wird die Umgebung des Denkmals durch gärtnerische Anlagen noch in würdiger Weise verschönert werden. + Nidda, 2. Okt. Bei der diesjährigen- Versteigerung des Gemeindeobstes wurden 360 Mk. für Zwetschen und 2240 Mk. für Aepfel und Birnen erlöst. — Gestern hielt die Bezirks-Sparkasse Nidda ihre Generalversammlung ab'. Beim Abschluß der Rechnung stellte sich die Einnahme auf 117 228.82 Mk., die Ausgabe auf 1104107.02 Mk. Das Kapitalvermögen beträgt 3 056 317.09 Mk., die Kapitalschulden betragen 2 893 163.68 Mark. Der Reservefonds betrug 231 337.05 Mk.; Zugang in 1905 6800.35 Mk. Der Reingewinn beträgt 10 976.35 Mark. Die Zahl der Einleger betrug am Anfang des Jahres 2638, am Ende deS Jahres 2733. Der Zinsfuß beträgt für sämtliche Einlagen 3*/2 Proz., für Darlehen gegen Hypotheken und Schuldscheine (mit hinterlegten Wertpapieren) 3.8 Proz., für Darlehen gegen Schuldschein uni» Bürgschaft, wie für Kaufschillinge 4 Proz. Von dem Reingewinn wurden bedacht: der Veteranenverein Nidda und Umgegend mit 100 Mk., der Verein Krankenpflege zu Nidda mit 300 Mk., die Gewerbeschule Nidda mit 1200 Mk., der Ortsgewerbeverein Nidda mit 400 Mk., der von Echzell mit 300 Mk., die Handwerkerschule Echzell mit 400 Mk., die Dekanats- krankenpflege mit 100 Mk., die Haushaltungsschule Lindheim mit 50 Mk., die landw. Winterschule Büdingen mit 125 Mk., der landw. Bezirksverein Büdingen mit 125 Mk., desgleichen Schotten mit 25 Mk. = Münchholzhausen, 1. Okt. An Stelle des als zweiter Lehrer hierher berufenen Schulamtskandidaten Otto Heinrich aus Oberwesel, Kreis St. Goar, ist der Schul- Meteoroloenscke Beobachtungen der Station Gießen. 'S Wetter 5? <:o eo % Oktober 1906 2. 2 3. 2” 746,6 13,6 9,0 7« 8 4 Bed. Simmel 9" 743 6 12,7 10,5 97 SSW 4 Regen 72s 734,2 13,1 11,1 99 SW 4 Regen Höchste Temperatur am 2. Oktober — + 13,9 0 C. Niedrigste , „ 2. „ = + 3,80 C. Telefonische Kursheric^fe des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank fllr Handel und Industrie. Gie«*on. Frankfurter Itörei#*. 3. Oktober. 1.15 Uhr. 3y6,0 Beichsanleihe . . 98.65 3% do. . . 86.55 3^°/0 Konsols . . mi . 98.65 3% do. . ... 8655 3^6/0 Hessen.....97.80 3%0/n Oberhessen . . . —.— 4 % Oesterr. Goldrente. . 99.30 4x/r Oesterr. Silberrente 100.10 4% Ungar. Goldrcnte . . 95.15 ,4% Italien. Rente . . . —.— 3°^ Portugiesen Serie I . 69.50 3°ff Portneiesen III 70.60 4 %°/ft russ.Stantsanl. 1905 86.50 4y0,n japan. Staatsanleihe 93.10 4 °< Cdnv. Türken von 1903 94.20 Türkenlose ... . 147 20 4 % Griech. Monopol-Anl. 54 00 4 % äussere Argentinier . 89 60 3°/n Mexikaner .... 68.40 4^°/0 Chinesen .... 97.40 Aktien: Bochum Guss..... 244.70 Buderus E. W . . . . 130.50 Tendenz : unentschieden. Berliner Börse, Canada E. B. . . . . 182.00' Hann Städter Bank . . . 139.60 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 84 30 Dresdner Bank .... 158.70 Tendenz: ruhig. Dielt tri z. Lahmerer . . 146 00 Elektriz. Schlickert . . . 129.50 Rsohweiler Bergwerk • . 247 10 Gelsenkirchen Bergwerk . 226 00 Hamburg - Amerik. Paket!. 159.10 Harpener Bergwerk . . . 215 00 Laurahütte...... 248 50 Nordd. Lloyd.....126.75 Obeischlcs. Eisen-Industrie 132.00 Berliner Handelsses . . 173.50 Darmstädter Bank . . . 13960 Deutsche Bank . . . 239.70 Deutsch-Asiat. Bank . . 173.00 Diskontn-Kommandit. . . 183.80 Dresdner Bank . . . 158.70 Kreditaktien.....211.60 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . . . 125.30 Gotthardbahn.....—■— Lombard. Eisenbahn . . 36 90 Oesterr. Staatsbahn . . . 146.30 Prince-Henri-Eisenhahn . 145.00 L Oktober. Anfanß-skurse. Harpener Bergwerk. . . 214.70 Laurahütte ..... 248.30 Lombarden E. B. ... 36.00 Nordd. Lloyd.....—.— Türkenlose . .... 147.70 aufrecht zu erhalten. Betonung und Färbung der Rede wie Momenten erhielt seine Rede etwas besonders Gewaltsames, die Gesamt-Charakterisierung hatte sie in befriedigender Schärfe Gezwungenes. Die Geberde ist steif, sein Organ nicht sonder- hcrausgearbeitet, und sie war auch imposant genug, um eine lich sympathisch. Von innerer Anteilnahme an der dichte- eindringliche Wirkung zu hinterlassen. Jedenfalls besitzen wir rischen Figur zeigte er nicht viel. So müssen wir denn in ihr eine gute Heroine. hoffen, daß uns die nächsten Theaterabende Besseres von ihm Der anstelle des bekanntlich nach Stettin übergesicdelten bringen. — Dingelstedt übrigens, der alte Theaterpraktikus, trefflichen Herrn Lüttjohann gewonnene Vertreter der jugend- der sich den Cesar als „tiefdunkeln Südländer", Manuel als lichen Liebhaber, Herr Kober, spielte den Don Cesar. Seine „blonden Normannen" vorstellte, um an diesen äußeren Ver- freilich ein wenig belegte, vielleicht vorübergehend etwas schiedenheiten den Gegensatz der beiden Brüder anzudeuten, heisere, aber doch ganz wohlklingende, biegsame und trag- wäre gestern ob der Umkehrung dieser seiner Vorschrift arg fähige Stimme zeigte sich für diese VerSrezitation nicht übel verwundert gewesen. beanlagt. Er gefiel durch das noble Feuer seiner Sprache, Frl. Donecker als Beatrice zeigte sich ebenso reizend das er, wie es scheint, besonnen einzuteilen weiß. Auch seine in der Erscheinung, wie seelenvoll, jedoch nicht ganz so lebendig natürlichen Mittel sind ansprechend. Daß er sich eine vor- bewegt zwischen Liebe und Sorge, Hoffnung und Furcht in zügliche Schillermaske erwählt hatte, die ihn recht kleidete, Vortrag und Spiel, wie sie eS wohl selber gewünscht hätte, war ein artig feiner Einfall, der zu rühmen ist. Dabei er- Immerhin eine recht erfreuliche Leistung. Sie hat an der freute vor allem sein sehr teilnahmvolles stummes Spiel in neuen großen Aufgabe gewiß sehr fleißig gelernt, und im Haltung und Geberde. Ein festes Urteil über Wesen und wesentlichen ihren Gehalt auch voll bezwungen. Können des offenbar noch sehr jugendlichen Darstellers, der Dem Chor verdanken wir tatsächlich „ein Prachtgefüge ja wohl auf dem Boden des klassischen DramaS seine Haupt- von Versen, das mit den gedankenvollsten und kunstreichsten stärke entwickeln wird, ließ sich noch nicht gewinnen, doch Rhythmen der griechischen Tragödie wetteifert". Die Rede scheinen wir in ihm ein respektables, jedenfalls recht ent- der Einen hat etwas vom Orgelklang, die der Anderen etivas wickelungsfähigcs Talent gewonnen zu haben. von Schwertgeklirr. In Herrn B a kof besitzen wir wahrscheinlich Dagegen wurde Herr Kostals Don Manuel keineswegs fortan einen sehr guten Sprecher, der als Cajetan dieses dem „lyrischen Prachtgewebe" gerecht, mit dem die Dichtung Prachtgefüge, soviel cs an seinem Teile lag, zu bedeutender von dem Dichter „durchflochten und umgeben" ist. Auch gab Wirkung brachte. Markig und ausdauernd ist seine tiefe sich die Darstellung nicht so gewandt, als es wünschenswert Stimme; wenn sie gestern stark verschnupft klang, so ist das gewesen wäre. Die Sprache hat nicht die letzten Reste müh- wohl als eine hoffentlich bald vorübergehende Folge des (amer Schulung verloren, der östliche Dialekt ist noch nicht Klimawechsels anzusehen. Die Ueberhastung der Rede im abgeschliffen. Eigentümlich berührte nicht nur vereinzelt die Dialog störte freilich. Die Herren Lippert und Reimer, Neigung des Darstellers, Endsilben auseinanderzuzerren und die wir wieder zu begrüßen die Freude hatten, wußten sich Einzelsätze mit scharfer Betonung hervorzustoßen. In solchen leider am unrechten Platz, „der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe" I Dagegen zeigte sich Herr Goll als Bohemund, angemessen unterstützt von Herrn G ree ff, wie auch früher stets seiner Aufgabe wohl gewachsen. Der Gesamtchor sprach nicht übel. Mißklingende Intervalle wurden vermieden, der Mangel elementarer Sprach- und Sprcchfehler fiel im Zusammenhang angenehm auf. Um den Chor noch beweglicher zu machen, müßte man, gleich wie das Militär Griffe übt, zeitweilig Bewegungen üben laffen. Die Rezitation hielt sich fast allgemein von hohlem Pathos fern und zeigte ein auf ernster geistiger Vorarbeitung beruhendes, rechtes Verständnis und echten Stimmungsgehalt, sodaß die gar leicht sich einschleichcnden Betonungssünden sich nicht zu störend bemerkbar machten. Das Dekorative war recht nett gestaltet und das Kostmnliche tadellos. Das Hans war bis zum Rande gefüllt und dankte mit lautem Beifall. Jedenfalls darf man mit Spannung der neuen Spielzeit entgegensehen. P. W. * — Duhnen -.D ekämeron ist der Titel eines neuen, sehr hübsch ausgestatteten, mit z-ahlreichen Bildern ge- schmuckten Buches, das eine Fülle heiterer und ernster Erlebnisse berühmter und beliebter Bühnenkünstlerinnen und Bühnenkünstler bringt. Diese von dem Theatervölkchen arnü- sant und interessant selbster^ählten Erlebnisse durften von Theaterfreunden freudig begrüßt werden. Mancher Kenner wird dabei seinen Lieblingen darin begegnen und mit, dem Ausplaudern ihrer Schicksale, Fahrten und Abenteuer isch manche Stunde angenehnr unterhalten. Auch der Theaterhistoriker dürfte bei der Lektüre mancherlei finden, was ihm, vom kulturhistorischen Standpunkte aus, interessieren dürste. Das Buch von 338 Seiten kostet 3 Mk. Es ist von Georg Gellert herausgegebcn und im Verlage Gustav Ziemsen, Berlin W. 35, erschienen. Sonnenstrasse 31 Sonnenstrasse 31 V Damen-Lhevrcaux-Spangenschuhe Lieh, Oktober 1906. DVio LxJ Franz Neumeier rfernfpreefier %62 Gegründet 1866 für TV. Euttenwieser 10“/, Gebrauch der echten Westanlage 27 pari. Giessen 1 Gummireifen 5930 1 1 1 Prof. Dr. Gmeiner. 2!^ Nach auswärts ohne Anproben unter Garantie tadellosen Passens. kV* S Al» Blockstrasse 10. bis 16, bis 16, bis 16, 11, 11, 11, 11, 5988 t Größtes Verkaufshaus für Guxus*, efchmudc* und Pederwaren etc. • Ludwig Glöckner Marie Glöckner geb. 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Die Bedingungen sind in der Klinik, Frankfurterstraße 85, einzusehen. Gießen, den 1. Oktober 1906. Die Direktion der medizinischen Veterinär-Klinik. m enthaltend —i“ M die Fahrzeiten der W —!— I Vaw H auf den Stationen __l_ —ypA ® W Siehe«, Kranksnrt a.m. _ B W/lasse!, Marburg, Friedberg O F Lollar, Londorf, Zronhausen W S 8/wetzlar, Loblenz, Köln, Fulda, Alsfeld LZ M W W^Srünberg, Selichausen, Nidda, Schotten M WX Hungen, Laubach, Lich, Stoüheim u. SedernX M l^anhommenben und abgehenden Lisenbahnznge, ^sowie die Fahrzeiten der vieberthalbahn zum Preise\ von 20 pfg. in der Geschäftsstelle der Sieh. Anz. vor- tätig, kann auch durch die Austräger bezogen werden. Bekanntmachung. Samstag, den 6. Oktober 1906, vormittags 10 Uhr werden im Bürgermeistereigebäude die Holzhauer- und Setzcrlöhne in den Waldungen der Stadt Gießen für die bevorstehenden Holzfällungen öffentlich vergeben. B2’/o Die Großhcrzoglichen Bürgermeistereien der benachbarten Gemeinden werden ersucht, dies m ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen zu lassen. Gießen, den 26. September 1906. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. 1 gebrauchtes Halbverdeck mit ab- nehmbarem Bocl und Notsitz, leichter guter Wagen. Diverse neue silberglattirte Zweispänner Kummtgeschirre. 5930 August Ailbiuger. Prima (07043 Speisekartoffeln (Magnnm bonum) haltbare Wetterauer Ware empstehlt K. Sier, Dammstr. 46. Frische, geräucherte Kieäer äsückfiinge und Sprotten enpfiehlt [5969 Eb. Dort, Walltorstraße 45. Bekanntmachung, Samstag, den 6. Oktober 1900, vormrttagS 10V, Uhr werden im Bürgermeistereigebäude die in den Waldungen der Stadt Gießen erforderlichen Kultur- und Wegbauarbeiten öffentlich wenigstnehmend versteigert. Die Großhcrzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Gemeinden werden ersucht, dies in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen zu lassen. Hießen, den 26. September 1906. Gvoßherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. von 5,—,6,— bis 7,80 „ 3,— bis 7,80 Mk. „ 2,50 „ 7,80 , PALMIN Feinstes PHanzertFelh ZUM KOCHEN [ BRATEN,BftCKBN von 9,—, 10, von 9,—, 10, Grosser SchuWaren-Räumungs-Ausverkauf Ich beabsichtige int Dezember in mein neuerbautes Geschäftshaus überzttziehen nnb unterwerfe mein großes Schuhwarenlager einem Ausverkauf. Offeriere: Damen-Boxkals-Knopf- und Schnürstiefel von 5,80,6,50, 7,50,8,50,9,—, 10, Damen-Chevreaux-Änopf- u. Schnürstiefel „ 5,80, 6,50,7,50,8,50, 9,—, 10, Tamerr-Wichs-, Z'.üopf- uud Schnürstiefel . . . Damcn-Wichs-, Schnür-, Halb- nnd Änopf-Schuhe Größt, f/lusflattungsma* gazin in 'Porzellan, Glas Hoflieferant u.HaushaltungsartiCceln Anfertigung eleganter und einfacher Strassenkleider Ball- und Gesellschaftstoiletten Blusen- und Kostümröcke 5341 in eigenem Atelier. Spezialität: Reformkleider. Irauerkleider in kürzester Zeit. Aufwartung mit Stoff-, Seiden- und Sammet- Mustern sowie Pariser Mode-Journale auf Wunsch zu Diensten. 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Den Mitgliedern des Akademischen Gesangvereins, sowie des Saalbauvereins werden Mk. 6.— aut die Abonnenientspreise gut gebracht. Die Entrichtung des Mitgliedsbeitrages allein berechtigt zum Eintritt in die 3 Kammermusikabende (für Sperrsitz ist ein Zuschlag von Mk. 8.— zu entrichten). vs/io Die Preise für die Abonnements und die einzelnen Konzerte betragen: Schön möbl. Zimmer zu verm. 07210s Seltersweg 57,111. Möbl. Zimnier zil vermieten. 07222s Seltersweg 81, Nebenh. c>reundl. möbl. Zimmer zu ver- y mieten. Steinstr. 10, III. Lanffrau schäftsstelle d. Gieß. Anz. [07304 iiidjt. MslrnMM geSu Fr. Hennings, SelterS,vcg 14. LrstütliAs JikHiiiiiSlheii' sofort gesucht. Ludwigsplatz 2. 07306 Zur Damenschneiderei Meilmn sowie LchriiiäSlhcii für gleich od. später gesucht. [5774 Frau Dönges, Ludwigstr. 22 erhalt, bei hohem Lohn J'lUUuBu gute Stellen. [07022 Frau Sparr, Seltersweg 15. Suche zum baldig. Eintritt ein tüchtiges Mädchen für die Küche und etwas Hausarbeit. 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