Nr. 103 General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen Ein FcuerbeüattungskonMt in Weimar. Auch die gesunden Arbeiter Man Das Erscheint »glich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siebener Zmnttirnblätter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter hessische Landwirt erscheint monatlich einmal. ordnet worden, die ganz besonders auf die wirtschaftliche Notlage der Heimarbeiter sich beziehen sollen. Man will unterhandeln mit den Arbeitern und den Arbeitgebern, mit den beteiligten Verwaltungsbehörden und Gewerbeaufsichtsbeamten, Geistlichen, Aerzten, Lehrern usw. Es sollen die Lohn- und Arbeitsverhältnisse, die Wohnungsverhältnisse, die Beschaffenheit der Arbeitsräume :c. besonders 'gründlich erforscht werden. Auch daS bayerische Ministerium des Innern kündigt an, es werde der Heimarbeiterfrage ein ganz besonderes Augenmerk zuwenden. Seit Jahren weist die regierungsseitige Sozialpolitik einen ruhigen, aber vorwärts schreitenden Zug auf, mit dem jeder einverstanden sein muß. Freilich, die Leute, die noch in dieser Session eine Vorlage, betreffend die Heimarbeit, erwarte hatten, sind vielleicht etwas enttäuscht darüber. Aber es mit betont werden, daß man nicht ohne weiteres Gesetze machen kann — die Frage bedarf einer sehr gründlichen Durcharbeitung. Und was soll denn überhaupt geschehen? Einmal scheint man sich vor allem der Versicherung der Heimarbeiter annehmen zu wollen. Einbeziehung in die Kranken-, Alters- und Jnvaliditätsversicherung wird verlangt. Wird sind auch dafür und es muß unbedingt etwas geschehen, wer aber trägt hier die Lasten, die doch gerade hier sehr ins Gcivicht fallen? Der Heimarbeiter kann von seinem Lohne nicht einen Heller entbehren, und der Arbeitgeber? — Das ist tue Frage! Es ist die irrige Ansicht allgemein verbreitet, daß das Elend der Heimarbeiter zum Teil verschuldet sei durch die Unternehmer. Das ist grundfalsch. Auch die Unternehmer sind in einerkeineswcgS beneidenswerten Lage: sie verdienen sowenig, daß es ihnen in den der Reform der Lehrerbesoldung nahezu unvermeidlich. Die Keimarbeitersrage. Im vergangenen Winter hat bekanntlich in der ReichS- hauptstadt eine Heimarbeitsausstellung stattgefundcn. Die Dokumente des Elends, die damals der Ocffentlichkeit übergeben wurden, haben große Erregung hervorgerufen, die Kaiserin besichtigte die Ausstellung und versprach, dafür zu wirken, daß daS Heimarbeiterelend aus der Welt geschafft würde, und in unzähligen Artikeln forderte die Presse ein möglichst sofortiges Eingreifen der Regierung zu Gunsten jener Bedauernswerten, die für einen Stundenlohn von nicht einmal vier Pfennigen ihren Lebensunterhalt erwerben müssen. Die Ausstellung ist vorüber, die Dokumente des Elends sind zurückgezogen, in dec Tagcspresse haben andere Ereigniffe das Interesse gefesselt — die Heimarbeiter arbeiten nach wie vor für Jammerlöhne. Da ist es in hohem Maße erfreulich, daß die Reichs- rcgierung nicht über die Hcimarbciterfrage zur Tagesordnung übcrgcgangen ist. Eben veröffentlicht die amtliche „Berliner Korresp." eine Verlautbarung, die wohl aus dem Reichsamt des Innern stammt und besagt, daß der Staatssekretär nach wie vor der Heimarbeiterfragc die größte Aufmerksamkeit zu- ivcndct. Wir werden darüber unterrichtet, daß Graf Posa- dowsky schon vor der Ausstellung sich mit der Angelegenheit beschäftigt hat. Bereits im Frühjahr 1905 waren zur Vorbereitung für die Einführung einer allgemeinen Kranken- versicherungspficht der Hausgewerbetreibenden in einigen besonders in Betracht kommenden Distrikten, in Rheinland, Westfalen und Sachsen, im bayerischen Regierungsbezirk Oberfranken usw. Erhebungen veranlaßt worden. Jrn weiteren Verlauf und direkt veranlaßt durch die Heimarbeitsausstellung setzte sich Graf Posadowsky mit den Bimdesregierungcn ins Benehmen, um örtliche Untersuchungen anstellen zu lassen, was denn auch geschehen ist. Und neuerdings sind für Mittel- und Süddeutschland Erhebungen angelegen nichtrichterliche Beamte eingesührt werde. — In Bezug auf die Reichsfinanzreform ist zwischen der Regierung und der Mehrheit der Steuerkommission ein Kompromiß zustande gekommen. — Die Fraktionen der freisinnigen Volkspartei und der freisinnigen Vereinigung de§ Abgeordnetenhauses haben beschlossen, eine Interpellation wegen der nachträglich bekannt gewordenen Ursachen der Etats Überschreitung en beim Renovationsbau des Königlichen Schauspielhauses einzubringen. — Die Stimmenthaltung des Zentrums in der preutz. Schulkommission erklärt die „Germania" damit, daß die schweren Bedenken der Partei gegen verschiedene Bestimmungen, insbesondere gegen den Abschnitt 4 über die konfesf. Verhältnisse der Volksschulen durch die Kommissionsbeschlüffe nicht bestätigt worden sind. Kiel, 2. Mai. Die Regierung hat der Wahl des freisinnigen StadtratL Meyer zum Beigeordneten in Segeberg die Bestätigung versagt. Meier war am Sonntag vom freisinnigen Parteitag in Neumünster in den Landesausschuß wiedergewählt worden. Ausland. Lvndon, 2. Mai. Aus Neapel fomincit Meldungen über einen vereitelten Attentatsbersuch gegen das Leben des K önigs Eduard. Bisher wurden 7 Peri oncn m der Angelegenheit verhaftet. Im Hafen van Neapel wurde vorgestern ein Boot bemerkt, das in verdächtiger wen e in btt Nahe Der Jacht des Königs zu kommen suckle. Die 5 Insassen waren alS Fischer verkleidet. Sie wurden verhaftet. Darunter befanden sich bekannte Anarchisten. Ob bei den Verhafteten «qweng- stoff gefunden wurde, ist noch nickt betannt geworden. Paris 2 Mai. Präsident Fallieres verlieh den 2/ Mitgliedern der deutschen R e tt u n g sma n n s ckaf t, die sich durck ihr mutiges Verhalten bei der Katafttophe von Cvur- r ior es auSzeichneten, goldene Ehrenmedaillen. — K ö n i g E d w a r d ist heute hier eingetroffen, und hat in der englischen Botschaft Wohnung genommen. Wien, 2. Mai. Nach übereinstimmeiiden Meldungen hat sich der Kaiser in der vorgestrigen Audienz des Obmanns dcs Polenklubs Grafen Tzieduzicti in so e n t s ch i e d e n e r W e 11 e für die Wahlreform erklärt, lüie bisher gegenüber reiner anderen Persönlichkeit. Er gab deutlick zu verstehen, wie wenig er mit dem Verhalten des Pvlenklubs einverstanden sei. Konstantinopel, 1. Mai. Tie von persischer tscitc verlangte schriftliche Mitteilung des türkischen Antrages betreffend den t ü r k i s ch - p e r s i s ck e n G r e n z ko ii f l i k t ist gestern abend alS Antwort auf die persische Anfrage vom 17. März dem Mrfischen Botschafter zugestellt -vorden. Tiefe besagt, daß die Pforte i den General Wadschid-Pascha beauftragt lyibe, die Grenzaftäre vvm freundnachbarlichen Standpunkt unter Berücksichtigung der beiderseitigen Rechte und Interessen zu lösen, und es ünrd um Entsendung persischer Kommissäre zur Teilnahme an diesen Arbeiten ersuchst. Der persische Botschafter erklärte sich mit der Antwort zufrieden. . Durban, 2. Mai. Die Operationen zur Bestrafung der Rebellen im Zululaud begannen. Eine Anzahl Kraals wurde niedergebrannt, eine Menge Vieh weggenommen und fünf unbotmäßige Eingeborene bei einem Scharmützel in der Nähe von Nkandhla getötet. Washington, 2. Mai. Präsident Roosevelt erhiett ycute den Schlutzberickt Garfields, des Chefs des Bureaus für Verbände im Labor-Tepartement über die Untersuchungen betreffend die Standard Oil-Trusts. Er hatte darnach ein Bespreckung mit Garfields und Moodv, dem Chef des Justizdepartements, behufs Erlasses eines speziellen Sendschreibens an den Kongreß in dieser Angelegenheft. Es heißt, das Sendschreiben werde eine scharfe Anklage gegen die GesckäftSgepflogen- tz eiten des Oil-Trusts enthalten. ist es nicht getan. müssen wohnen, sich kleiden und sich einigermaßen anständig seltensten Fällen möglich wäre, höhere Löhne zu geben. Einige Kategorien — wie die Konfektionsarbeit — natürlich ausgenommen. Und zum anderen: mit der Versicherung allein nähren. Man sagt, wenn der Arbeiter höhere Löhne erhält, dann fordert der Unternehmer eben mehr für die Erzeugnisse. Das isl ein Rechnungsfehler. Gerade in der Heimarbeit herrscht eine kolossale Ueberproduktion, die ein Hinausgehen mit den Preisen zur Unmöglichkeit macht. Und zudem ist hier auch noch der Import von auswärts zu rechnen. Für manche Industriezweige freilich ist keine Konkurrenz zu fürchten. Nürnberger Tand und dergl. Dinge, Ammergauer Holzschnitzereien werden im Ausland nicht angefertigt. Aber das sind nur Ausnahmen. In der Regel wird es einfach nicht angehen, daß man die Unternehmer nicht nur mit den Versicherungslasten beschwert, sondern auch noch auf höhere Löhne dringt. Diese Erwägungen machen die Heimarbelterfrage schwierig, und wir .glauben nicht, daß man m absehbarer Zeit zu einer durchaus befriedigenden Lösung kommt. Alle Enqueten, so dankenswert sie sind, werden darüber keine Aufklärung bringen können ivo das Geld hergenommen werden soll, mit dem man die Arbeiter besser bezahlt. Wäre es da nicht angebracht, wenigstens dafür zu sorgen, daß die Kinder der Heimarbeiter a n d e r e n B e r u f s z w e i g e n zugeführt werden? Wir meinen, das wäre vorerst die Hauptsache, und hier konnte auch ohne weiteres eingcgriffen werden. Mit einem geringen Aufwand von Mitteln tonnte Großes geschaffen werden, und somit würde vor allem auch einem Grundübel m der Heimarbeit, der Ueberproduktion, gesteuert. Jedenfalls hoffen ww, daß man die wichtige Frage fortgesetzt un Auge behalt. Graf Posadowsky wird wobl auch dafür sorgen. schreibt aus Weimar: Großherzogtum Sachsen-Weimar und im vorliegenden Falle auch seine klassische Residenz steht wieder einmal im Vordergrund eines Interesses, das inert über seine Grenzpsähle hinausreicht. Es handelt sich um die Frage der Feuerbestattung. Die Sache ist folgende: Der Gememderat der Stadt Weimar hatte auf Veranlassung des Hunderte von I Mitgliedern zählenden Vereins für Feuerbestattilng beschlossen, und zwar einstimmig, im Anschluß an die neue, große, allen modernen Anforderungen der Technik usw. entsprechende Friedhofskapelle ein Krematorium zu errichten, und hatte um Genehmigung dazu beim Großh. Staatsministerium nach-1 gesucht. Gleichzeitig hatte der Gemeinderat auf die gleiche Veranlassung hin beim Ministerium um Beseitigung der alten Bestimmulig nachgesucht, nach der sich der Geistliche sofort zu entfernen hat, sobald der Sarg bei Verbrennungsfeierlichkeiten in die Tiefe geht, um seiner Bestimmung zugeführt zu werden. Da diese Verordnung Landesgesetz ist, sollten die beiden anderen Feuerbestattungsvereine des Großherzogtums zu Jena und Eisenach, wo Krematorien bekanntlich schon in Betrieb sind, sich der Petition anschließen. Noch ehe ein gemeinsames Vorgehen durchgeführt war, erfötgte auf Gesuch des Gemeinderats zu Weimar der ministerielle Bescheid, daß es mit dem früher an den Gemeinderat zu Jena ergangenen Beschluß sein Bewenden haben müsse, rcsp. daß das Reskript des Staatsministeriums, das früher an Jena gerichtet war, auch im vorliegenden Falle Geltung habe. Das Reskript sei I Ijicr wiedergegeben, da es in mehr als einer Hinsicht be-1 zeichnend sein dürfte. In voller llebcveinftimmung mit dem Kirchenrat ljat das Ministerium folgendes beschlossen: Die Teilnahme der evang. Geistlichen an solchen Leichenbegangnisten ist nichtprinA iiDielUu vcriDCtgcrn, aber unter gewißen Voraussetzungen m neftatten Ausgeschlossen bleibt die Anwesenheit und Mitwirkung'der Geistlichen bei der Beisetzung oder Ausstellung der Aschenreste. Dagegen ist eine E i n s.e an u n g der Leiche nicht nur in der Wohnung des Verstorbenen, sondern auch m der ^riedhoft- tapelle zu gestatten, v o r a u s g e f e tz t, dav diese außer Verbinduna mit dem Krematorium steht, der Sarg m fon[t üblicher Ä-ii° in der SapeHe auigefteat wirb unb ber deutliche, am Altäre stehend, die G-dachnuor-d-hatt^bezw. dl-Gebete verrichtet. 'Jlacb völligem Abschluß ö i c f c r e i erlichke11 würde der Geistliche sich entfernen und die Trauerversammlung sich auflöfen; die Trager aber wurden den Sarg aus demselben Wege, auf welchem sie denfelben hereingetragen Haden, auch wieder hinausbefördern und an feinen Bestimmungsort bringen. Tie Anfügung des Krematoriums an die Kapelle, insbesondere die D u r ch b r e ch ung der A nsiS und die Verwendung derfeloen ..... Auntellnna des Sarkophags mit emer Einrichtung zu mecha- Lisch-r-Le'ökderung der Leiche in das Krematorium nehmen der Kapelle den Charakter einer» go11es - dienstlichen Gebäudes, lassen für den Geistlichen keinen passenden Standort übrig und bringen ihn in unangemessene Be- Ziehung zu dem daraujfolgenden Verbrennungsprozeß. Die nächste Folge dieses Bescheides war nun, daß der Gerncinderat dem Verein für Feuerbestattung sein gesamtes Material zurückgegeben hat, und — trotzdem der Bau eines Krematoriums bei den Bauplänen der neuen heun des Wunsch hat, das Schulgesetz, entsprechend der parlamentari- Fürsten Jost Christian, ist im Alter von 52 Jahren ge|torben. scheu Vorgeschichte, mit Hilfe der Nationalliberalen fertigzu- — Graf Adalbert zu Erbach hat Berlin nach mehr- stcllen. Bereits gestern bemühte sich in der Kommision Ge- tägigem Aufenthalt verlassen und ist nach Schloß ^urstenau Heimrat v. Loebell, der Chef der Reichskanzlei, zwischen zurückgekehrt. _ . den Parteien zu vermitteln, ein Zeichen, wie ungelegen — Der hessische Fmanzmimster Dr. Gnauth is ain dem leitenden Staatsmann ein Scheitern des für das gesamte Darmstadt hier emgetroffen und hat un Hotel .Laiserhof preußische Schulwesen so bedeutungsvollen Gesetzes käme. Ein Wohnung genommen* .,, Schulgesetz mit Hilfe des Zentrums zu bewerkstelligen, wird — Ein Journalist an der Hof täfel gehört mcht die Regierung kaum geneigt sein, weil das Zentrum für die zu den Erscheinungen des Alltags, und m feiner Eigenschaft Simultanschule noch weniger übrig hat, als die konserv. als Vorstand des Shxc^bui^r ©cmcmbeEoUegmm§ ift ber Partei, und dem gegenwärtigen Gesetz am Ende nicht zu- Chefredakteur der .Augsb. Abendztg.- Karl Stolz ebenfalls stimmen dürfte. Wenn also die Regierung nicht den Konser- keine alltägliche Erscheinung Er war am Sonntag nut den vativen mit gutem Beispiel vorangeht und in Abänderung anderen Vertretern der Augsburger Stadtbehörde beim bayer. des vom Kultusminister oertretenen Standpunktes bis zur Prinz-Regenten zur Tafel geladen. . dritten Lesung zu Zugeständnissen an di- kommunale Selbst. - Vom Abgeordnetenhaus- wmde b-ut- -m An- Verwaltung sich bequemt, dann erscheint das Mißlingen der trag Kdnig-Kreseld angenommen der -m° Novelle zum Gesetz Schulgesctzaktion und damit die unabsehbare Vertagung über die Dt-nstv-rgchen der ntchtrtcht-rlich-n , 3 J . 'Beamten fordert, durchckie das Disziplinarverfahren Zweites Blatt 1S6. Jahrgang Donnerstag 3. Mai 1806 V Rotationsdruck unb Dettag der Vrühk'schen @ ö Unwerfttätsdruckerei* R* Lange, Gteßen. äcäx Nach der Maifeier in Frankreich. Paris, 2. Mai. Man wird sich im Zager der „Roten" wohl kaum einer Täuschung darüber hin geben können, daß eigentlich die ganze wob l v o r B er c itc t c Mai-Demonstration wirkungslos verpufft ist. Die paar tausend .Hasen - firße, welche eine zweite Kommune befürchteten und .Hals über Kopf aus Par io entflohen, hätten ruhig zu Hause bleiben können. Tic Zahl derer, bereit Verhaftung aufrecht erhalten wurde, beläuft sich auf 173. Davon sind 35 vorbestraft und 50 Ausländer, welche sofort ausgewicsen werden . Tie Zahl der verwundeten Polizeiagen- ten beläuft sich auf 13. Eiu Polizeiinspekteur und drei Munizipalgardisten wurden gleichfalls verletzt. Ter Zustand des Politzeiinspekteurs, der am Auge verletzt wurde, gibt zu Besorgnissen Anlaß. 12 verhaftete Kund geb er finb gleichfalls verwundet und befinden sich in Verpflegung. Kurz nach Mitternacht verursachte eine Anzahl Personen eine neue Kundgebung. Die Polizei schritt ein, worauf auf sie geschossen wurde. Ein Polizist wurde verwundet, drei Kundgeber ebenfalls verletzt. Streikende zertrümmerten einen Kiosk und zerschlugen die Umzäunungen der Baume. Viele Arbeiter beabsichtigen heute abend die Arbeit nach Verlauf von acht Stunden zu verlassen, und die Arbeitgeber sind entschlossen, diese Arbeiter nicht wieder einzustellen. Mehrere große Arbeitersyndilate haben für heute den Genc- valausstand beschlossen. Die Komplottangelegenheit beschäftigt noch immer die Behörden und die Presse. Das Blatt „Rcpn- blique" berichtet, der Kriegsminister habe den Befehlshaber das 6. Armeekorps aufgefordert, den General Riel über seine politischen Beziehungen zum Gr afen Beauregard zu befragen. Das Blatt „Lanterne" versichert, daß beim Owafen Beauregard eine Korrespondenz zwischen ihm und Niels beschlagnahmt worden sei. In dem einen Brief erhält General Niels Kenntnis von dem Wortlaut eines Vortrages, den der Graf Beauregard hälten wollte und in welchem die Wied er aufrichtun g des Kaiserreiches mit allen Mitteln angestrebt werden sollte. General Niels beglückwünschte den Wortlaut des Vortrages. Es wurde nodi hin zu gefügt, daß ev. eine Volksabstimmung durch einen Gewalt st reich ver- ursacht werden müßte, damit Pr i n z D i kt o r Na p o l e o n zum Kaiser der französischen Republik ernannt werden könne. Russisches. Ein kaiserl. Ukas, betreffend die V e r s e tzun g des Grafen Witte in den Ruhestand, soll heute, Donnerstag, nach offiziöser Petersburger Meldung, veröffentlicht werden. Als Nachfolger Wilte's bezeichnet man in gut unterrichteten Kreisen heute nur Goremykin. Man glaubt, daß dieser die Politik Wfttc's fortsetzen werde. Witte genießt nach 'wie vor das volle Vertrauen des Kaisers und tritt lediglich wegen Störung seiner Gesundheit zurück, die durch die außerordentliche Arbeitsüberlastung hervorgerusen" ist. Er hat sich jetzt entschlossen, sich Ruhe zu gönnen, da er nicht imstande ist, sich neuen Anstrengungen zu mrteräehen. Die Demission ist veranlaßt durch den Gegensatz der Politik des Ministers des Innern Durnowo zu der des Grafen Witte. Insbesondere ist dieser mit der Zusammenstellung der neuen Reichsgrundgesetze durch Durnowo, die zum großen Teile das kaiserl. Manifest vom 17. Oktober illusorisch machen, nicht cin- verstanden. Die Petersburger Sicherheitspolizei kennt nicht den Aufenthaltsort Gapons, hat aber Grund anzunehmen, daß er lebt und sich in Finland aufhält. Aus Kiew wird gemeldet, daß in der Wohnung des Kleinbürgers Rjabow eine Haussuchung stattfand. Als nach langem Klopfen endlich 'geöffnet wurde und Gendarmen inib Sckmtz- laute eintraten, fielen seitens der Bewohner Schüsse. Eine Frau warf eine B-o m b e. Durch die Schüsse wurden ein Gendarmerie- vffizier und ein Schutzmann verwundet. Von den verhafteten zwei Frauen ist eine die Tochter des Leutnants Schmidt. In Siedlee wurde eine Bombe in der Näh« des Gebäudes der Kreditgesellschaft geworfen, in welchem die Duma- wahlen statffindcn sollten. Die Urheber des Anschlages, zwei Juden, wurden nach einem Z-euergefeckt mit den Wächtern ver- hastet. — In Dwinsk wurde m der Realschule eine Bombe geworfen, durch welche ein Schüler schwer und mehrere leicht verletzt wurden. Neue Verluste in Südwestafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Der int Gefecht bei Witmund am 20. April verwundete Leutnant Friedrich Schlüter, geboren zu .Hannover, früher Ins.-Regt. Nr. -12, ist in der Nacht vom 26. zum 27. April in der Krankensammel- ftcfic Wasserfall an Blutvergiftung gestorben. Ter Reiter Wilhelm Brausendorf ist an Nierenentzündung gcstorbcn. Die .Hundepeitsche des Pau Korfanty. Seit einiger Zeit herrscht in den leitenden Kreisen der Polenführer im deutschen Osten bittere Fehde. Wojciech Korfanty, Reichstagsabgeordneter für Kattowiß-Zabrzc und früherer Redakteur des „Owrnoslaz." in Kuttowitz, hatte einem Kattowitzer Kaufmann Naweus Ezaplicki das in den Augen der Polen unverze ihlichc Verbrechen vor- geworfen, daß dessen Frau bei Deutscheu ihre Einkäufe mache und überhaupt mit Deutschen verkehre. Daraufhin hatte Ezaplicki den Spieß umgedreht und in einem Ein gesandt im „Gornoslazak" die Behauptung aufgestellt, Frau Korfanty sei vor ihrer Verheiratung Verkäuferin in einem deutschen Geschäft in Beuthen gewesen, und sie fahre noch jetzt des öfteren nach Veuthen, um in diesem (Geschäfte Einkäufe zu machen. Unter den Polen erregte diese Veröffentlichung ein gewisses Aufsehen, und zumal Korfanty raste in echtem Polenzorn. Wie er Rache übte, darüber erzählt ein Kaktowitzer Blatt das folgende: „Kvrfankv schwur dem Leiter deS „Gornoslazak", Piechulek, Rache. Er beschloß, den Verleumder seiner Haus- < h r e (?) öffentlich zu z u ch ti gen , lauste sich eine H u it d c - peitsche und begab iich in Begleitung seines Bruders ins Cafe Monopol, um dort sein Vorhaben auszufützrcn. Da aber Piechulek nickt erschienen war und es inzwischen spät nachmittags geworden war, entschloß sich K'orfantu, seinen „politischen Freund" und früheren Mitarbeiter im Geschästshause des „Gornoslazast" aufznsuchen. Dort traf er den Bruder des vermißten Redakteurs Kowalczyk und den gesuchten Piechulek vor. Unter dem Vorwande, daß er den letzteren in einer persönlichen Angelegenheit allein sprechen ivvlle, ging er in Begleitung seines Bruders-mit Piechulek in dessen Privatwohnung. Der Bruder Korfantvs verriegelte die Tür, während der Mgcordnete .Herrn Piechulek dreimal aus- fordcrte, die seine Frau betreffenden Behauptungen Czavlickis zu widerrufen. Piecbulck verweigerte dies entschieden, kehrte den feindlichen Brüdern verächtlich 'den Rücken und sah gelangweilt zum Fenster hinaus. In diesem Augenblick versetzte ihm Korfan 1 y einige Hiebe mit de-v Hündcpcitsche. Piechulek drehte sich entsetzt um und rief dem Angreifer im vber- schlefischen Rustikalton zu: „Pieroni c, co robis'z!" („Du Donner weiter, was machst DuDie Korsantys entfernten sich so schleunig, daß Piechulek nur itod» Zeil fand, ihnen ein Photo- graphiealbum die Treppe hinunter nachzuwerfcn, jedoch ohne zu treffen, so daß die Bilder des Albums auf den Hausflur flogen. Die geschilderten Vorgänge spielten fick nm Montag ab. Am Dienstag früh dampfte Korfanty nach 'Berlin, um an den Reichstagsvcrhandlungcn teilzunehmen. Vorher hatte er die Posener polnischen Blätter van diesen Vorgängen unterrichtet. Piechulek übersandte dem Kvrsanty durck zwei Herren aus der Kattowitzer polnischen Gesellschaft eine D u el l f o r d e r u n g. Die Kartellträger, welche Korfanty iu seiner Wohnung nickt mehr antrafen, erhielten einen Brief des letzteren ausgehändigt, worin er es entschieden n b I c b n t, fick mit Piechulek zu schlagen, da dieser bereits von einem Kaufmann int Kattowitzer Süd park geobrfeigt worden sei." Die Aufregung in der oberschlesischen polnischen Gesellschaft ist keine geringe. Die Mehrzahl nimmt gegen Korfanty Partei und schilt ihn einen Feigling, darunter auch ein Teil seiner politischen Freunde. Die Folgen des Skan- dales sind auch in politischer .Hinsicht nicht ab zu sehen. Piechulek bleibt nun aber nichts anderes übrig, als Korfanty wegen Körperverletzung zu verklagen, und das will er auch tun. Man lv-ird also in der nächsten Zeit das ergötzliche Schauspiel genießen können, daß sich ztvei edle Polen vor Gericht gegenüb ersteh en, um darüber zu streiten, wessen „Hausehre" mehr verletzt sei und ob mau bei solchen Beleidigungen lieber zur Hundepeitsche oder zur Pistole greifen soll. In den deutschen Kreisen Oberschlesiens hofft man, daß die polnische Fraktion im Reichstag und preußischen Landtag dem 2lbg. Korfanty den Stuhl vor die Tür setzen wird. Da Feinfühligkeit nicht gerade eine Eigenschaft des „Pan Korfanty" ist, muß bezweifelt werden, ob er einer Aufforderung seitens des Parteivvrstcmdes, die Mandate nieder zulegen, Folge geben würde. Es besteht seit geraumer Zeit zwischen Korfanty und der Mehrzahl der anderen polnifchcn Parlamentarier eine gewisse Entfremdung. Die Polen sind zwar im ganzen politisch radikaler geworden, können aber den stark „galizischen" Ge- iflogenheiten Korfantys keinen Geschmack abgewinnen. Das gilt namentlich Von der^ greisen Fürsten Radzimill, einem vollendeten Kavalier, der dereinst Korfanty als „Banner-- träger" des Polentums in Oberschlesien hoffnungsfroh begrüßte. Nebrigens würde bei Ersatzwahlen in Oberschlesien das Zentrum schwerlich beit Polen bic Manbate abringen können, benu iu her Wühlarbeit gegen das Zentrum hak Korfanty sich erfolgreich betätigt und mehr geleistet als die anderen polnischen M'georduetcn. Zur Rcichstagsstichwahl in Darmstadt. Von R oßd o rf bei Darmstadt wird folgender Aufruf von Anhängern der Vereinigten Liberalen für Rechtsanwalt Dr. Stein verbreitet: An die Wähler des Herrn Ps arrcr Ro r c (I! Die im Gasthaus „Zum Darmstädter Hoff zu Roßdors versammelten An- bänncr der Kandidatur Korcll bitten alle Wähler des Herrn Korcll, bei der Stichwahl ani 4. Mai ihre Stimme Herrn Dr. Stein geben zu wollen. E m m erich, Lehrer; Heß, Lehrer; K. Münkler. Der Vorstand des kürzlich gegründeten liberalen Vereins in Groß-6)erau ist gleichfalls nach eingehenden Erörterungen und Erklärungen des Sxcmbibntcn Dr. Stein schließlich darüber einig geworden, daß der Parteivorstand der Vereinigten Liberalen für die KandidaturDr. Stein in Groß-Gerau eintreten wird, nachdem alle dort anwesenden Nationalliberalen und Mitglieder der anderen mit ihnen vereinigten Parteien erklärten, in einer Stichwahl, in welche eventl. der Kandidat der Vereinigten im Jahre 1908 gelangt, selbstver- kändlich geschlossen für diesen zu stimmen und sich nicht etwa der Abstimmung zu enthalten. Auch sonst mehren sich die Stimmen aus dem Lager der Vereinigten Liberalen, die für die Unterstützung des national- liberalen Bewerbers in der Stichwahl cintrcten, sowohl im Wahlkreis wie außerhalb desselben. Insbesondere haben sich, wie wir schön mitteilten, mehrere fifbrenbe Zeitungen ber Freisinnigen dahin ausgesprochen, daß die Stichwahlparole des Wahlausschusses der Kandidatur Korell ein politischer Fehler war, so namentlich die „Freie deutsche Presse", das „Berl. Tagebl." und die „Voss. Ztg". Somit gewinnt cs immer mehr den An- schein, daß die freisinnige Wählerschaft in ihrer Mehrheit sich für den bürgerlichen Kandidaten entscheiden wird, was für eine spätere Einigung des gesamten hessischen Liberalismus von größter Bedeutung sein würde. Angesichts der Verbitterung, bic der Wahlkampf in Darmstadt in die liberalen Kreise getragen hat, ist es überhaupt endlich an der Zeit, daß eine Verständigung der liberalen Parteien für sämtliche hessischen Wahlkreise getroffen wird. Allerdings müßte die Verständigung so sein, daß beide Teile mit Kandidaturen berücksichtigt werden und insbesondere auch die nationalliberale Partei sich i'tr die Unterstützung freisinniger Kandidaten erklärt. Denn während z. B. bei den letzten Wahlen die freisinnigen Wähler der Wahlkreise Gießen, Alsfeld und Offenbach energisch für die nationallibcralcn Kandidaten cingctrcten sind, unterstützten die Nationalliberalen in Bingen-Alzey in der Stichwahl das Zentrum gegen den Freisinn. Allerdings ohne Erfolg, denn die Wahlparole der Führer wurde nur sehr wenig befolgt, ein Beweis dafür, daß die liberalen Wähler vielfach mehr Gefühl und Verständnis für die Notwendigkeit des liberalen Zusammenschluffes haben als diexFührer. Aus Sta-t und Lund. Gießen, den 3. Mai 1906. ** Der Umbau des Gebäudes a m Br 'aubplatz, bas bis zum Herbst 1904 bic Universitätsbibliothek be-, herbergte, ist nunmehr vollendet, und es haben jetzt mehrere Universitätsiustitute Besitz davon ergriffen. Im Erdgeschoß befindet sich zunächst das geodätisckc und mathe- ma tks ch -ph Ys i ka lis ch e I n st'i t u t (Direktor Professor Fromme) mit 5 Mu men, nämlich dem Auditorium, bem Direktorzimmcr, bem Laboratorium unb 2 Sämmluugs- zimment, sod-auu das botanische Auditorium mit bent Eingang vorn botanischen Garten aus. Das erste Stockioerk wirb, wie von uns in' ausführlicherer Notiz schon mitgeteilt würbe, vorn botanischen Institute (Direktor Prof. Hansen) eingenommen, das auch noch im zweiten Stockwerk bic nach dem Brandplatz gelegenen Zimmer inne hat. Den anderen Teil des zweiten Stockwerks nimmt das g c o - graphische Institut (Direktor Prof. Sievers) ein. Es enthält einen Zcicheusaal, ein Auditorium, einen Lefcsaal und das Dire'Üorzimmcr. ** Di e E n t c i g u un g von 6) c Tän b c zwecks Verbreiterung des als Zufuhrstr aß c zu m Gü tc r- bahuhof in Gießen mitbcnutztcn Mittelweg wurde vöu S. K. H. dem Großherzog dem preußischen Staate, vertreten durch die köuigl. pr. Eisenbahudirertiou zu Frankfurt, gestattet. Die Frist zur Stellung des Antrags auf Einleitung des Euteignungsvcrfahrens nürd auf sechs Monate festgesetzt und läuft Ende Oktober ab. •• Gießener Freie Studentenschaft. Für das Sommersemester 1906 ist wiederum die Gründung von mehreren Abteilungen ins Auge gefaßt. In der heute abend 9 Uhr im „Cafe Ebel" anberaumten Generalversammlung, zu der alle Nichtkorporierten willkommen sind, soll die Neuwahl des Präsidiums stattfinden. Wie an anderen Universitäten wird hoffentlich auch eine Arbeits- und Bücherabteilung der „Freien Studenten" ins Leben gerufen werden können. ” Hesssch - Thüringische Staatslotterie. In der heute begonnenen Ziehung der 6. Klasse siel ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 30687, Gewinne von je 5000 Mk. auf Nr. 25743 45990 48133 51903 54707 93608, Gewinne von je 2000 Mk. auf Nr. 9019 19058 32825 33668 38053 46010 46322 57091 61135 68711 70572 79965 80481 82844 83279 85515 87757 87848 88923 97527, Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 290 473 2252 2583 4946 11925 12177 13039 13622 13952 13775 14472 14666 15335 16694 22848 23476 24937 24967 27045 27121 27848 28773 29410 30295 30367 32501 32753 32972 35837 42745 43324 44332 44472 46196 26241 48548 49272 49517 49925 49925 50237 51945 54064 54661 54847 55289 55426 58109 58467 58723 58874 59811 60815 62072 64476 65159 67151 67860 68129 68276 69292 69718 70248 71101 71712 72097 72489 73198 73690 74236 76660 79834 80386 81119 82604 86845 87601 87698 87740 87761 88240 88886 89067 90504 92280 94255 94360 94513 95727 96575 96989 98526 98747 99301 99391 99492 99587. (Ohne Gewähr.) Die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder hält am 23. Mai, dem Tage vor Himmelfahrt, ihre Hauptversammlung in Worms ab. Das Protektorat hat S. K. H. der Großherzog übernommen. "Steuerfreiheit der Landeshypothekenbank. Die hessische Landeshypothekenbank war von der Stadt Alzey zur K o m m unal steuer herangezogen worden, weil sie in dem Besitz einer Anzahl Grundstücke ist, die sie int Zwangsweg erworben hatte. Der Provinzialausschuß von Rheinhessen entschied auf Reklamation, daß die Hypothekenbank auf Grund des Art. 5 des hessischen Hypothekengesetzes von allen StaatS- und Kommunalsteuern befreit sei. Die Annahme der Stadt Alzey, daß sich die Steuerfreiheit der Hypothekenbank nicht auf den Besitz an Grundstücken beziehe, da diese nichts mit den Geschäften der Hypothekenbank zu tun hätten, sei irrig; bic Hypothekenbank habe diese Gnmdstücke erwerben müssen, um sich schadlos zu halten. Die Erwerbung stehe also mit dem Hypothekengeschäft der Bank in engster Verbindung. (Frks. Ztg.) " Bei dem Heimatspfl egc- und Volkstrachten- fest zu Butzbach wird, wie uns aus Kurhessen geschrieben wird, auch die einzig schön.buntfarbige Tracht der Marburger Gegend vertreten sein. In den Orten des Ebs- dorfer Grundes z. B., wo noch ein an alter Sitte und Kleidung zäh festhaltender Bauernstand sitzt, ist man eifrig bemüht, um bei dem Feste würdig vertreten zu sein. — In dem gestrigen Bericht über die Sitzung des Trachtenfest- Ausschusses sind zwei sinnentstellende Druckfehler enthalten, die der freundliche Leser schon selbst bemerkt haben wirb. Kreisrat Fey sagte in der Einleitung seiner Rede: „Das Fest gelte nicht realen Gütern (nicht: idealen Gütern, wie es in dem Bericht heißt), sondern dem Schutze idealer Güter. Ferner erfolgte die Bewilligung von 500 Mk. für das Fest vom Kreis Friedberg, während vom Kreis Gießen (wie auch in dem Bericht gesagt wurde) die Bewilligung eines Beitrages erwartet wird. " Nachträgliches vom Kais er besuch. Bevor der Kaiser sein Pferd in der Kaserne bestieg, überreichte ihm die jüngste Tochter des Garnison-Verwaltungs-Jnspektors Rösing er einen Rosenstrauß, den der Kaiser freundlich dankend mit einigen Scherzworten evtgegennahm. — Aus einem Orte, den Se. M. der Kaiser auf der Fahrt hierher berührte, wird uns mitgetcilt, daß die meisten Leute den Kaiser nicht erkannt hatten und nach der Vorüberfahrt der vier kaiserlichen Llutomobile immer noch auf das eigentliche Kaiserautomobil warteten. Die? gab einer jugendlichen Dorf- schönen Veranlassung zu den nachfolgenden originellen Versen: Heute, am 1. Mai, Fährt Kaiser Wilhelm II. vorbei, ........im Festesfchmucke steht, DaS sieht Jeder, der vorübergeht. < Wir sind an die Frankfurter Straße gegangen Unb erwarten ihn mit freudigem Verlangen, Ta plötzlich, was istS dort, nm Waldessaum? Ein Automobil — er kommt — macht Raum! Jetzt kommt es näher, bas Signal ertönt Ob brinnen wohl ist Seine Majestät? Rasch geht es vorüber, es folgen noch drei Ist beim wirklich Kaiser Wilhelm vorbei? Nur Wenigen war es vergönnt ihn zu sehn Trum viele nun auch nach Gießen gehn. Tort ist er zu sehen, srcunblich unb mild, Ein echtes Hohenzollernbilb. Gott schütze unfern Kaiser Unb segne ihn immerdar Erhalt ihn uns im Frieden Noch manches gnädge Jahr. () Al l c n do r f Lba., 2. Mai. Der Gemeind erat iat beschlossen, hier einen Tierarzt anzustellen. In ber Annahme, baß;iit vorkommenden Fällen ein Tierarzt resp schnelle tierärztliche Hilfe von größtem Nutzen sei, hofft man, baß sich einem solchen hier und in ber Hingegen b reichliches Arbeitsfclb bietet. Um bic. Stelle einträglich zu gestalten, bezahlt die Gemeinbe ein ansehnliches Fixum r. Londorf, 2. Mai. Die Bewohner ber Unter gaffe würben heute nacht kurz nach 12 Uhr durchs laute Hilferufe, welche aus bent Dcuberschcn Haufe kamen, erschreckt. Die beiben Bewohner bes Hauses, BÄvc. Deuber und deren! Tochter, bic int 2. Stock schliefen, wollten einen Ein - brecher im Haufe wahrgeitoimmm haben. Einige ^badjr bunt, die bald bas ganze Hans durchsuchten, fanden jedoch nicht s V e r d a ch t i g> c >s vor. h. Worms, 2. Mai. Ein warnendes Beispiel für Reservisten gibt nachsteli-enbcs kriegsgerichtlich es' Urteil. Infolge von Misschreitungen bei einer Koutrollversammlung verurteilte das Kriegsgericht der Hess. Dipision den Reservisten Reinhard zu sieben Jahren Gefängnis. Selters, 1. Mai. Im benachbarten Klvsterwald töteten 4 rusfi f ch. e A r b e i t e r ein Re h unb verscharrten! es, um es abcnbS abzuholen. Sie waren dabei beobackitet worden und wurden abends von zwei, Gendarmen, und. c t d t g . 144.75 T’ngar. Goldrente 4?< . . 217.90 . 108.50 widmen dem 94.10 de^ Gesamt fB8 K 17/06. DauLfagung Todes-Anzeige Herrn Philipp Römer Krofdorf, den 1. Mai 1906. 03186 ieMotten kommen 3) Zu zahlreichem Besuche ladet ein Der Vorstand Alzeyer Pferde- Unglück sind wegen ihrer ins sie ne r wird 'euer wird verhütet durch Lese wegen eünsli-en Gewmn- B7£ . 171.70 . 144.00 Oesterr. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eisenbftbn Bochum Guss . Buderus E. W 100.70 101.20 96.80 Elektriz. Lahmoyer , . Elektriz. Schuckert . . Eschweiler Bere-werk . Gelsenkirchen Bergwerk 3^7- 3% Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . Gotthardbahn . . . Lombard. Eisenbahn Harpener Bergwerk Laurahütte Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . 172.50 143 9(1 239.60 185.30 187.50 , 161.70 Canada E. B..... Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . Dortmunder Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz: fest. 68.40 97.85 3% 3M°I< •WA Für die vielen Beweise freundlicher Teilnahme bei dem Ableben und der Beerdigung unseres lieben hatten, Vaters, Schwiegervaters und Großvaters 100.30 88.35 100.35 88.35 99.20 272.00 229.40 . . 253.75 . . 129.80 Beichsauleihe do. Konsols . . do. . . Hessen . . . Oberhessen einem Förster fe st g c n o m m c n und in Untersuchungshaft nbge'übrt. OZl. ob. Zlg."> sagen hiermit innigsten Dank Die trauernden Hinterbliebenen. der sitz er Donnerstag, den 7. Juni 1906, nachmittags 3 Uhr wird auf hiesigem Ortsgericht die vordem Namen der Wölsing Heinr., Ehefrau geb. Mildner, stehende Parzelle der Gemarkung Gießen 5/140,4 — 473 qm Hoiraite auf der Weißerde auf dem obersten Riegelpkad öffentlich beftbiefenb versteigert. Gießen, 3. Mai 1906. Großh. Oxtsgericht Gicßeit. Gros. durch Eingießen von Petroleum Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 4. Mai 1906: Zunächst noch trüb und geringer Regen, fvaler wieder Amheiternng. Nachts etwas kühler, am Tag Temperatur wenig veräitdert. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Berliner Handelsges Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Komm andit. . Tendenz: schwach. Berliner Börse, 3. Mai. Anfangskurse Versteigerung. Montag, den 7. Mai Isd. Is., nachin. 3 Uhr sollen im siädt. Pfandlokale Seltersweg 11 dahier die wegen rückst. Ortskranken- kassenbeiträge gechändeten Gegenstände: 1 Eisschrank, 1 Sofa, 1 Klavier, 1 Sekretär, Kassenschränke, Wagen und Pferde versteigert werden. >2836 G e m m e ck e r, Pfandmeistcr. . 23.10 . 146.40 . 148.20 Mamm-Briketts, lwstes Mittel zum tilnzünden des Feuers ohne Holz und zur raschen Belebung eines schlechten oder erloschenen [2833 A. Kröll Söhue, SeltersmeglL. chancen sehr beliebt. [2686 Ziehung am 11. Mai 1906. Lose ä Mi. 1.- (11 St. Mk.10.—) so lange Vorrat reicht bet Richard Bttchacker, Neuen Baue 11 zu hab. 68.75 69.20 91.50 94.40 93.40 146.00 54.45 . 220.80 . 251.30 . 23.00 . 132.20 . 146.50 Turn-Verein (gegr. 1846). Donnerstag den 10. Mai, abends 81 Uhr: Generalversammlung int (5as§ Ebel. Tagesordnung: 1) Bericht. 2) Entlastung des Rechner 60jähr. Stiftungsfest. 4) Ehrenmitgliedschaft. 5) Verschiedene 4% Italien. Bente . . . 3% Portugiesen Serie T . 3% Portue-iesen 111 4%°/0 mss.Staatsanl. 1905 4n n japan. Staatsanleihe 4 n$ Conv. Türken von 1903 Türkenlose..... 4% Griech. Monopol-Anl. 4 % äussere Argentinier . 3°/0 Mexikaner . . . 4%% Chinesen . . . . Aktien: Arbeiterbewegung. Berlin , 2. Mai. Die Folgen der Maidemonstration werden für viele der feiernden Arbeiter in einer Arbeitslosigkeit von kürzerer oder längerer Dauer bestehen. Zn fast allen Betrieben, wo Arbeiter feierten, ist ihnen heute erklärt worden, da,; vordem 7. Mai feine Beschäftigung erwarten können. Tur viele wird die Maifeier überhaupt mit einer dauernden ArlnntMvNgkeit verbunden sein, da ihre Stellen in den nächsten Tagen von andern Arbeitskräften besetzt werden. . Hamburg, 2. Mai. Zu der Aussperrung wegen der Maifeier nahmen heute nachmittag die S ch a u e r I e n t c in einer Sonderversammlima der Mitglieder Stellung und beschlossen, *.cn Arbeitsplätzen für die Dauer derAussperrung seni zu bleiben und keine Arbeit in ben Stanerbetrieben auzuuehmeu, bis die ?luge- leqenheit voni Vorstand der Schanerleute als geregelt bekannt gegeben würde. — Infolge der Maifeier wurden etwa 3000 Suomis her Mechaniker und S ch l o s s e r die heute sich zur Arbeit einfanden, ivegen Kontraktbruches ent Inf len. Die Avsgespcrrlen loerbcn nicht vor bem 11. Mai wieder eingestellt. — Tie Gesa m t z a h l der im Werst- wid Hafenbetrieb ausgesperrten Arbeiter beträgt zwischen 5 5 00 und 6 00 0.____ bei uns einzureichen. Gießen, den 3. Mai 1906. Großherzogliche Bürgermelslercl Gießen. Mecum. AZ nicht in Ihre Kleider, Pelzsachen 2C„ wenn Sie die sicher wirkeiiden Mottenschilt; =- Anikel aiis der [2826 Germania-Drogerie Carl Seibel FrankilirterStr.39. Delephou593 frühzeitig anwerrden! Hamburg-Amerik. Paketf. 163.20 Harpener Bergwerk. . . 220.50 Lanrahntte......251.20 Nordd. Lloyd.....132.00 Oberschles. Eisen-Industrie 132.90 Bekanntmachung Für Unterbringung einer neu ciuzurichtendeil Älasse unserer höheren Mädchenschule suchen wir für sofort ein bicrzii geeignetes -»immer, wenn möglich in der Nähe der höheren Mädchenschule in der ungefähren Größe von 45 bis 50 qm neb’t Abort und mog- lichst hierauf sind unter Angabe des Mietpreises alsbald 4 ?o Gestern Goldrcnte. . 41/IS % Oesterr. Silberrente Zahlungsaufforderung. Die für das Rechnungsjahr 1905 rückständigen Kapital- zinsen können innerhalb der nächsten 14 Tage noch ohne Kosten an den Zahltagen zur Univers.-Kasse entrichtet werden. Gießen, den 2. Mai 1906. Großh. Universitäts-Rentamt Weimer. jd\ Israelitische Religionsgesellschast. Gottesdienst. S a b b a l h f e i e r a m 5. 9)1 a i 1906 : Freitag abend 7.20. Samstag vormittags 8.00, nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 8.40. Wochengottesdienst: morgens 6.30, abends 8.40 Uhr. Israelitische ReligionSgemeinde. HotltsdienN in der Synagoge (Südanlage). Samstag, ben 5. Mai 1906: Vorabend 7.30 Uhr. Morgens 8.30 Uhr Predigt. Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgaiig 8.40 Uhr. Breslau, 2. Mai. Hier sind infolge der Maifeier 3680 Bauarbeiter, 580 Tischler und 300 Zimmerleute ausgesperrt worden. Prag, 2. Mai. Die böhmische M o >i t a n - G e s e l l s ch a f t hat ihreii Betrieb auf 14 Tage still gelegt, weil tröst strengen Verbotes der größte Teil der Arbeiter gestern nicht zur Arbeit erschien. Die Arbeiter siiid somit a u 8 g e f p e r r t. Trier, 2. Mai. Tie S t r e i k u ii r u h e ii on der lotb rin gisch-französischen Grenze sind wieder ofut geworden. Die Bergleute der Wendelschen Griibe in Klein-Noßeln brachten den Stein ins Rollen. Im Grenzort Villerupt siiid 3000 Bergleute, von denen 1000 auf deutschem Gebiete wohnen, ausständig. Sic veranstalten mit roten Fahnen Demonstrationen und feuerten Schliffe aus Beamte und 3ngemenrc. Mit gestohlenen Trmamit Patronen sollte gegen das Hüttenwerk MicheviNe ein Anschlag verübt werden. Tie De>iioiis1ranten mürben aber daran verhindert. In Villerupt siiid 2500 Mann französische Truppen eingerückt. Ans deutscher Seile wird ebenfalls Militär erwartet. OrigLiial-Drahtmel-ttirgen. Köln, 2. Mai. Ein Telegramm der „Köln. Ztg." auS Berlin voiii 2. Mai besagt: Wie verlautet, beabsichtigt der Kaiser, deii Reichskanzler morgen an dessen Geburtstage zu bc- suchen und es könne erfreulicherweise festgestettt werden, das; die ärztlichen B e b e n f e n , die bisher einem solchen Besuche entgegen standen, behoben sind. Berlin, 3. Mai. Verschiedene Morgenblätter Reichskanzler Fürsten Bülow zu seinem heutigen Geburtstage herzliche G l ii rt wu nsckart ikel. — 50 Vertreter des GAamt- verbandes deutscher M e t a l l i n d u ftr i e l l e r aus allen Teuen Teiitschlands berieten gestern a!> ub ünicr in; b'~r 'l.itcjI Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass meine liebe Gattin, unsere gute Mutter und Tante Frau Margaretha Wenzel geb. Schrimpf im 28. Lebensjahre gestern früh 1 Uhr nach langem Leiden sanft entschlafen ist. Um stille Teilnahme bitten: Friedrich WenzeS nebst Kinder. Familie Schrimpf, Heblos. Familie WenzeO, Rossbach. Giessen (Neustadt 48), den 3. Mai 1906. Die Beerdigung findet Freitag den 4. Mai. nachmittags 4 Uhr. von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. -8d0 Holzindustrie hier wurden 1700 M a n n auf 14 T a g e n liege-uerrt In der Metallindustrie wurden 200 Mann auo gesperrt, in anderen Berufen eine geringere Zahl. S t ra si b u r g, 3. Mai. In namentlicher Abstimmung nahm der pandes-Ausschust mit 3" gegen 10 Stimmen die Vorlage wegen Bewilligung von 425000 Al k. i n v den weiteren 21 u § ba u der H o h k ö n i g s b u r g an mit einem Zusaßantrag des Ab- geordneten Döst," daß dies die lesttc Bewilligung zu diesem ^weck sein soll. PariS, 1. Mai. Eine au der Austerlitz rbrückc entdeckte Höllen ni a s d; i n e war sehr getälrrlich explodierte abernicht wegen der schlechten Bescyassenheit bes Zünders. lichkeit über die Frage: Sollen die Streiks^ unter den ;nr Zeit in adrt Bezirken des Verbandes bnrdi eine G.'neralau-, iverrnng der in ben Verbandsbetrieben l>esckwfkigten .100 Oi><* Arnerter be antivortct iDcrbru"? Der 2^eschln'' des Gesaiutoerbandes soll von einer eingesetzten stomminion redigiert und alsdann bekannt g> macht werden. - - Wegen der Maifeier in Berlin sind 40 000 bw 50000 2lr beiter n u sg esve rr t. Aw stärksten beteiligt ,ind die Metallarbeiter, dann folgen die Holzarbeiter und Bauarbelw'. G ö r 1 i tz, 3. Mai Zn Goldbad' kamen bei _cim'in B r n n d e, ei t'-'ärtnercibesitzungcn einäscherte, die Frau eines mib ihr 0jähriges M'inb ums Leben. . Mai Von den Mai Demonnrantcn ui der Heute von 4 Uhr ab: [B’/, chwciuefleisch 58 Pfg. Vernrischtes. * £ i ö o r n o , 2. Mai. Ein Komitee, das für die Verunglück ten der Vesuv gemeinde n Geldsauiwluugen veranstalket, wendete sich auch an den Kapitän e i n e s d c u t s ck c n S ch i f f e s, das zur Zeit inr Hosen von Livorno liegt, mit der Bitte um eine Spende. Tos Sck in beißt „Ävlga". Der Kapitän aber zog ein italienischer Witzblatt hervor, das eine M'ari fotnr des deutschen Kaisers braditc und vern>eigertc mit Bezug auf dieses' irgendwelchen Beitrag. Darauf benahmen fick» die Herren des Komitees derart, daß der Kapitän sich veranlaßt sah, sie vom Schiffe zu veriveiseu. Als der Vorfall im Lasen bekannt wurde, weigerten fick- die Arbeiter, die Lösch arbeiten aus dem deutschen Sdnssc fortzusetzen. * H leine Tageschronik. Zn Gnesen madue vauvt- mann Schlot einen Selbstmordversuch. ES sollte vor dem Landgericht Termin in der beantragten 1$ b c d>c i b int g fein. Vorher bradtfe er sicm einen Schuß in die Brust bei. ^ein Zustand ist liofstlungslos. Die Tat tvurde erst später entdeckt, nachdem bei dem Rechtsanwalt des Hanvtmanns ein Brief an- gekommen war, in welchem Schlot sein Vorhaben ankündigte. — In Rotthausen bei Essen brach in der Wohnung eines ab wesenden Ehepaares Feuer aus. Von vier Bindern verbrannte eins. Ein anderes liegt hoffnungslos darnieder. Auf der Zeche „Borussia" bei Dortmund wnrdcu^am 2. ds. 22 Leichen der Bergarbeiter gesunden, die zu den Opfern des Grubenunglücks vom 10. Juli 1905 gehören. Von den damals verunglückten 39 Bergleuten wurden 14 Leichen gleich nach der Katastrophe geborgen, drei find also bisher noch nicht aufgcsunden. — Am 2. Mai sanden in der Dynamitfabrik Nitroglycerin Aktien-Gcftllschast bei Binkcrviken (Schweden/ drei unmittelbar aufeinanderfolgende Explosionen statt, die in ganz Stockholm gehört wurden. Sämtliche Fabrikaebäudc ivurdcn zerstört. Pier Arbeiter wurden getötet. Die Ursache der Ex- plosion ist unbekannt. — In F e z ist eine große Feuersbrun 1t ausgebrochen. Eingeborene wurden beim Plündert! ertappt und verhaftet. Nach den Gesehen dec- u^iden sie Innaeciüne! Gerichtssacrl. H'd.) Darmstadt ,2. Mai. Ter kürzlich wegen Unterschlagung von Reservistcngeidern bestrafte und degradierte Unter- vfsizier Ludw. Meisel aus Tiefenbacki- von der 3. Komp, des Infanterie Regts. Nr. 168 in Butzbach stand heute wegen Mistbrauchs der Dienftgewalt vor deut Kriegsgericht. Als eines Tages ein Musketier durch einen Aufschlag verletzt worden war und ins Lazarett nnrir Gießen kam, nahm Meise! aus dessen Kleidern 11.35 Mark. Als der Musketier wiederkam und sein Geld verlangte, gab es Meisel nickst l>eraus, trotzdem er verschiedentlich daran erinnert wurde. Schließlich hatte der Musketier gar nickst mehr den Mut sein Geld zu fordern, west er fürchtete, er könne schienst behandelt werden. Durch Zufall kam bm Sache aus Tages lickst. Meisel leugnete die Tat und gab an, daß er mit der Aufbewahrung des Geldes beauftragt worden sei. Er veranlaßte auch den Musketier bei seiner Vernehmung vor dem .Hauptmann g(cid} ihm auszusagen, daß er das Geld zurückerhalten habe. Meise! gab es dem Mann erst später zurück. Alw hatten beide den .Hauptmann belogen. Von der Anklage der Unterschlaauna wurde Meisel sreigesprochcn, da ihm nickst nach- gcwiesen ist, Ong er das Geld anderweitig verwendet hat. Wegen Mißbrauche der Dienstgewalt erhält er eine Znsatzstrafe von 14 Tagen Gefängnis und wird in die 2. Klasse des Sol- datenstaudes versetzt. t m Berlin, 2. Mai. Unter der Beschuldigung deS Verbrechens im A in t c hatte sich der Kr i m i noj sdiu tz ut ann Seifert vom Polizeipräsidium heute vor der 7. Strafkammer des Landgerichts 1 zu verantworten. Seifert sott dem berüchtigten Darlebnsschwindler Fritz Uhlig gegen Entgelt Zistormatronen aus amtlichen Aktenstücken erteilt und so den Gang der gegen Ublig und Genossen geführten Untersuchung verraten hoben. Im Auftrage des Polizeipräsidiums führte ein Kommissar Protokott. Seifert wurde zu sechs Monaten Ejefängnis und bret .A'ibrcu Hei n'ii H.riirtcii! Universitäts-rrachvichten. — Der Doktor Titel der Berner Universität. Die prcustisckre Regierung batte die Anerkennung des philosophischen Doktortitels der Berner Universität zu verweigern gedroht, wenn Bern ferner Leute ohne Ghmnasialmaturum promoviere. Diese Angelegenheit ist nun durch eine Vereinbarung erledigt. Es gelang in den vom Berner Prof. Tr. Stein mit Geheimrat Althoff geführten Verhandlungen, zur Einigung zu gelangen. Nack? der neuen Vereinbarung fordert Bern künftig von den Deutschen als Bedingung der Zulassnng zur philosophischen Doktorprüfung das Reifezeugnis einer neunstnfigen höheren Lehr anstatt oder ein schweizerisches entspreckiendes Maturum. Nach einem einstimmigen Beschluß der Fakultät kann jedoch von dieser Bestimmung befreit werden, iver eine hervorragende Dissertation einreickst Die bisherigen Promotionen werden anerkannt. Somit bleibt Bern in der Lage, selbständig Ausnahmen zu machen, die freilich eine gewisse Zahl nicht übersteigen sollen. Damit tritt Bern gleichberechtigt i n den K r e. i s d o r b e ii t scheu Universitäten, und die in Bern studierenden Dmit scheu haben das Reckst aus Anerkennung ihres Doktortitels. Die Neuerung wird aus den Austausch von Studenten lind Dozenten mit Deutschland zweifellos sehr günstig wirken. Mit Basel und Zürich wird die Gleichheit hinsickstlick) der auf Deutschland bezüglichen Bestimmungen Hergestell!. Märkte. fc. F rank i u r t a. M., 3. Mai. (Telegr. Orlg.-Bericht des „Giesi. 9,115.".) Amtliche 9lotierungen der heutigen ViebMarktpreise. Zum Verkause standen: 24 Ochsen, 1 ans Oesterreich 1 Bullen, 0 ans Oesterreich, 62 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oester., 816 Kälber, 71 Schase und Hammel, 8 Ziegen, 41 Ziegenlämmer, 16 Schastämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Oualität 74—76 Mr., 2. Qualität 65—67 Mk., 3. Qualität 00—00 Mk.: Bullen 1. Qual. 68—70, 2. Qual. 00—00; Hübe 1. Qualität 73—75 Mk., 2. Qual. 67—69 Mk., 3. Qual. 47—49 Mk., 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 90—95 Pfg., Lebendgewicht 54—56 Pfg., 2. Qualität 90—95 Pfg., Lebendgewicht 54—56 Psg., Schlachtgew. 72—76 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 78—80 Pfg., 2. Qual. 70—72 Psg. Geschäft: bei Äornvieh mittelmässig, Ueberstand unbedeutend, bei Kleinvieh nn>. kein Ueberstand. M adrid, 3. Mai. Zn hiesigen Hostreisen herrscht große Entrüstung über den Gemahl der Infantin Maria Theresia, Prinzen Ferdinand von Bayer n. Cbglcid) erst 6 Mo^ nateverheiratet, behandelt er seine Gemahlin äusterst brutal und macht sich durch eine wüste Lebensweise unangenehm bonerkbar. Sollten die Einwirkungen des Prinzcur Ludwig Ferdinand, der eigens zu diesein Zweck von München nach Madrid reiste, erfolglos bleiben, so wird die Ehafcheidung eingelcitet werden. ? M a i l and, 2. Mai Der st ö n i g und die Königin wohnten heute dem Ausstieg von 10 Ballons bei und begaben iid darauf nach dem deutschen Lnftschifferpark, wo die deutschen Soldaten Vorbereitungen zum Ausstieg . eines Drachenballons traten, der innerhalb 20 Minuten sich 111 die Lust erhob Der.Uvnig b e g 1 ü ckw ü n s cht e d i e deutschen Ossi ziere zu ihrer v 0 tzl kom m c nen Or g a n isat i vn. Die Menge ttatschte enthusiastisch Beifall, als sickr der Drachen ballou erhob. Die d e u t s che n Svl d a t en brackiten a u f d en König ein dreifaches Hurrah aus. Athen , 2. Mai. Heute, am letzten Tag e der olstm- p i s ch e n Spiele wurde die Verteilung der Preise unter großer Beteiligung der Bevölkerung vorgenommen. Der Svörng und die ganze königliche Familie wohnten der Feier bei. Die Sieger deii üerten vor dem stonige, der ihnen unter dem Beifall der Menge die Preise überreichte Unter anderen erhielten die Deutschen zehn, die Ccftrcid ?r drei, die Ungarn vier, die Finländer zwei, die Bohmeit einen Preis. Newhork, 3. Mai. Präsident Roosevelt gab zu der Zurückweisung ausländischLr 'Beiträge für San.Francisco in einer Botschaft an den tt'ongreß cineji Kommentar, in welckiem er sagt, er habe nur die Gaben, die ihm direkt angebvten waren, zu r ü ckg ewiesen , bod^ habe er nicht damit gemeint, das; alle Guben, welck" durch Privatleute ober Gesandtschaften angeboten werden, zurückaewiesen werden sollen. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Bandel und Industrie. Giessen. Frankfurter Börse. 3. Mai, 1.15 Uhr. EmHtmg einer Ailßnlt zur EeuieiuschuBhuft bei Ser ZellechchnM BußuH. Unter Hinweis auf beit Ministcrialerlaß vom 16. Juni 1893 werden nachstehende Arbeiten zum öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben: 1. Maurerarbeiten: 752 cbm Bruchsteinmauermert: 994 cbm Backstein- mauerwerk: 193 qm Isolierung mit Jsolierplatteu; 190 cbm Hausteine zu versetzen; 1356 qm V, Stem starke Wände; 230 qm Backstcinflachschichl; 508 qm Tonplattenbelag; 18600 kg Träger zu verlegen. 2. Steiuhaucrarbeitcu: 58 cbm rote Sandsteine, 95 cbm weiß-gelbe Sandsteine; 30 cbm Basaltlava. 3. Bctouarbcit: 1822 qm Eisenbetondecken; 30 qm Nabitzwände. 4. Zimmerarbeiten: 17 cbm Tannenholz zu liefern; 820 m abzubinden; 60 Sparrenköpfe zu profilieren; 300 qm Lachschalung. 5. Eisenkonstruktion: 18500 kg eiserne Träger zu liefern; 4000 kg Eisenfachwerkswände. 6. Dachdcckcrarbeit: 480 qm Holzzementbcdachung. 7. Lpcnglerarbeitcu: 96 in KicLleiste; 115 m Kandel; 110 m Abfallrohre. 8. Blitzablcitcraulagc. Die Zeichnungen und Verdingungsunterlagen liegen auf unserm Amt vom 7. Mai l. Js. ab während der Dienststunden zur Einsichtnahme offen. Die Angebotsunterlagen werden gegen Erstattung der Selbstkosten, soweit der Vorrat reicht, abgegeben. Die Angebote siud verschlossen, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis Montag, i>cu 21. Mai, vormittags 10 Uhr, einzureichen, zu welchem Zeitpunkt die Eröffnung im Beisein der erschienenen Bewerber stattfinden wird. — Zuschlagssrist: 4 Wochen. 2834 Friedberg, am 2. Mai 1906. Großh. Hochbauamt. < Haag. Geschäfts - Empfehlung. gefüllt. 76. — Telephon Empfehle meiner schäft angelegentliche! Hiermit der Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend zur gefälligen Kenntnis, daß ich von heute ab im Hause Bahnhofstraße 58 eine md FeiOtttlei errichtet habe und möchte ich höflichst bitten, mein Unternehmen unterstützen zu wollen. Hochachtend Ludwig Kronenberg jun. Spezialität: Fasten-Bretzeln. 03195 Täglich frisches Kaffee- und Theegebäck. 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