Donnerstag 1 Marz 1906 156. Jahrgang Erstes Blatt A Ire Keutige Kummer umfaßt 8 Seiten Landtag von legen bleiben auf der Basis der fol- mir gebrauchte Phrasen, gutgemeinte Festrede Hörer zu ernüchtern, mit herzlicher Wärme Dann erhob sich der des Parketts sitzende die allmählich in jedes Biedermeiers als Prunkstücke übergegangen sind, die Frau Bayrhommer sprach die Verse und sehr, fast allzu lebhafter Bewegung, an der Ecke einer der vordersten Reihen Oberbürgermeister, um in kurzen Worten den Kaiser zu feiern als Friedenserhalter und Schirmherrn des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft. Er schloß mit einem dreifachen Kaiserhoch, worauf von den Der- beschall, bedeutender u. Mneralwafjer- rst per L Slpnl L fj. chüge, kaulionsiähige ;9 zu verpachten. .'lelOtoiüeii iml. 01848 vener Anzeiger erb. vezngsvret», monatlich 7öPl., vierteljährlich ML. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Go PI.; durch diePoslMk.2.—viertel- sährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für tue TageSnummer bis vorntillags 10 Uhr, Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Plg. Verantwortlich <üt den poltL und allgem. Teil: P. Witt ko; tüt .Stadt und ßantr uird Gerrchtssaal*Ernst peß, {ür den An- zeigenteil: HanS Beck. taslischen, ruhmberauschten Hitzkopfs zum Leben, und die dann durch das alsbaldige schöne Erwachen aus der wohl wieder- halb somnambulen Verstörtheit verwischt wird. Die Verkennung das Dichters durch seine Zeitgenossen ist bezeichnend für jene Zeit selbst, sie birgt ein tragisches Element in sich: die Jahre des tiefsten Niedergangs altpreußischer Waffenehre und der völligen Versumpfung des deutschen Nationalbewußtseins ließen einen Dichter von so lauterer vaterländischer Gesinnung nicht zu Worte kommen! Andererseits erklärt sich die Tatsache wohl auch daraus, daß der Glanz dieses Sternes von dem des Weimarer Doppelsterns weit überstrahlt wurde. Aber auch unsere Zeit, die wahrlich keinen.Schiller und noch weniger einen Goethe aufzuweisen hat, ist Kleist nicht in dem ihm gebührenden Maße geneigt. Man pflegt ihn nur bei außerordentlichen Anlässen auf die Bühne zu bringen, lobt ihn, empfiehlt ihn den Primanern und höheren Töchtern und geht dann zur Tages- ordnung über. Tas volle Aufgehen des Herzens, der reine Genug wird beim erstmaligen Hören oder Lesen dieses Schauspiels, das von so intimem Charakter ist wie etwa eine Schubert'sche Sonate, kaum je möglich sein. Deshalb wäre die mehrfache Wiederholung der Aufführung dieses Werkes recht wünschenswert. Den „zerbrochenen Krug' haben wir ja in unserem Stadttheater in den letzten Jahren wiederholt gesehen. Aber auch die anderen Stücke des Jdealrealisten Kleist sind nicht nur für eine kleine Gemeinde da. „TaS Käthchen von Heilbronn' und „Die Hermannsschlacht' sollten unserem Publikum gleichialls nicht vorenthalten bleiben. Welches seltene Antlitz trug die gestrigeAufführung vor einem das Theater wohl bis aufs letzte Plätzchen füllenden Publikum in Festtoilette: Die Damen vielfach in lichten, leuchtenden Farben, die Herren schwarzberockt, die Offiziere in Extrauniform. Das alte Haus war so schmuck und feierlich als möglich hergerichtet. Tannenguirlanden kündeten 'chon am Eingänge von einem außerordentlichen Festabend, und im Saale selbst zogen sie sich m reicher Fülle zwischen bunten w Eeneral-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen R. B. D a r m st a d t, 28. Febr. Die zweite Kammer der Stände ist heute vormittag IOV2 Uhr zur Wiederaufnahme ihrer Derhandluugen zusammengetrcten Am MmifteNischc: Staatsminister Ewald, Fm an Minister Gnauth, Präsident Braun, Geh. StaatSrat Krug von Nidda, Geh. 9!at Wit brand, Ministerialräte Frhr. Biegeleben, Becker. ~ ,, , Glückwuuschkuudgebung für bad Kaiserhaus. Präsident Haas hält vor Eintritt in die Tagesordnung put und Schutte am Veib liegen geblieben. JReuter, Raplflneig.9. 8* «ft Mhoisttaveb. 0 Sektion (liessen f D. fit Oe. A.-V. 7^ Donnerstag, k>den1.Märt 06 \ abends ® 83/t Uhr rtra9 N Tr. Zöckier. .erinncruugen würden sie, am Anfang wenigstens, volle Häuser schaffen, aber noch sind sie nicht einmal vom Bundesrat genehmigt. Die Lage ist demnach recht kritisch. So sehr sich die Reichsregierung anscheinend von der Steuerkommission lenken laßt, so drohend ist die Zeitfrage. Man wird nicht fertig werden. Als die Kommission Blatt um Blatt vom Blumensträuße fallen ließ, stand die Neichs- taasauflösung drohend im Hintergrund. Nun bemüht man sich, neue Steuerquellen zu finden und die Summe zu komplettieren. Dumit schwindet die eine Gefahr, aber es droht die andere: die Versandung. Werden wir das gleiche Schauspiel erleben, wie im letzten Sommer? 'bslgeuPi?^ediug. Angebote Uh^u,l9* Wr 128» SwFKj Fom Reichstag. Die kurze Pause, die in den Neichsta^sverhandlungen aus Anlaß der Festlichkeiten im Kaiserhause cingctreten ist, hätte gut benutzt werden können zur Vorlegung einiger Fragen. Zunächst oie: wohin steuern wir in der Steuerfrage? Es ist anzunehmen, daß sich nicht einmal die Mitglieder der Steuerkommission darauf eine klare und bündige Antwort geben können, denn die Zerfahrenheit hat einen geradezu erschreckenden Umfang angenommen. Niemand weiß, was daraus werden soll. Der Strauß des Herrn v. Stengel, der ja durchaus nicht im besten Geruch stand, ist bis auf ein paar traurige Blüten entblättert, und mit Bienenfleiß haben die Volksvertreter andere Blümlein zusammen getragen, deren Duft die nötigen 200 Mill, aufbringen soll. Es steht wohl fest, daß das Plenum nicht ohne weiteres auf diese Vorschläge eingehen totrb, daß es also Kämpfe geben muß und Reden in Hülle und Das Haus erklärt sich darauf dem Antrag des Wahlausschusses entsprechend für die Giltigkeit der Wahl des Abg. Dr. Glässing-Darmstadt. . Nachdem darauf eine Anzahl „zur vorläufigen Beratung im Plenum" gestellte Anträge und Vorstellungen in üblicher Weise dem zuständigen Ausschuß überwiesen, genehmigte die Kammer .MAT. S >■ ■ »I Wappen um alle Säiilen und Brüstungen. An Licht fteilich hatte man mehr gespart als nötig war. Dankbar aber war da§ Festpublikum. Den ganzen Abend über gab es gar lebhaften und intensiven, den Herzen entspringenden Beifall, aus dem wohl auch bei diesem oder jenem der Stolz über die Tatsache, daß ein solcher Dichter zu den unserigen gezählt hat, und das späte Mitgefühl mit dem tragischen Lebensende des unglücklichen Sohnes einer unglücklichen Zeit sprechen mochte. Gewiß ist Kleists dramatische Technik nicht vollkommen, das Zerschneiden der fortlaufenden Handlung in kleine Episoden, das allemal durch den Zwischenvorhang markiert wird, wirkt störend und beeinträchtigt das Bestehen einer gleichmäßigen Stimmung; eß gibt etwas viel Kanonendonner, Flintengeknatter, Säbel- und Sporengeraffel, alles Zutaten, die mit Recht von der modernen dramatischen Technik zum alten Eisen getan sind. Wie unendlich hoch aber steht trotzdem dieses Bühnenstück mit seinem markigen, kräftigen Dialog über den Werken der Mehrzahl unserer heutigen Dramatiker! Doch sei der Reihe nach berichtet. Der von unserer Regimentskapelle mit Bravour gespielten Weber'schen Jubel- ouverture folgte zunächst ein Prolog, von Herrn Direttor Steingoetter verfaßt und von Frau Bayrhammer gesprochen. Eine ansprechende Gelegenheitsdichtting, die nicht sowohl sich aiiszeichnet durch hohen und kühnen GedankenfluJ, als vielmehr den Empfindungen, die diese Kaiserhausfesttage in vielen unter uns wachriefen, einen schwungvollen, formschönen Ausdruck verlieh und es glücklich vermied, durch ab- «rschetvt t»«Nch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien» blätter viermal in der Woche betqeleflt. Rotationsdruck v. Verlag der Brü h l'schen Univerf.-Buch-u.Stem- bruderet. R. Lange. Redaktion, Erveditto« und Druckerei: Schulstraße 7. Redaktion est® 112 Verlag u.Exved.e^^öl Adresse für Deveichen: Anzeiger Gießen. gerbe Ansprache: Meine fe^rr geehrten Herren Kollegen! Ich kann es nicht versagen, ehe wir in die Verhandlungen eintretcn, emcs frohen Festes zu gedenken, das gestern in unserem Kaiserhause begangen tvmben ist, eines Festes, das in der Brust ;edes echten deutschen Patrioten freudige Gefühle erregt. S. M- der Stotler und I. M. die Kaiserin haben gestern den Tag feterltch begangen, an welchem sie vor 25 Jahren den Ehebund geschloßen haben und sich zu der Ehe vereinigt haben, die eine vorbildliche, eine musterhafte für ganz Deutschland geworden ist. Am gleichen Tage hat ein prinzlicher Sohn mit einer deutschen Furstentooster den Ehebund eingegangen, bet für alle Zeit ein gesegneter Jein möge. War es auch der Wunsch des ftoiserpaares,, daß diese Feier den Clnrakter einer einfachen internen Familienfeier trage, so läßt es sich das deutsche Volk doch nicht nehmen, das gewohnt ist, Freud und Leid mit seinem Kaiserhause und seinen Fürstenhäusern in herzlichem Einvernehmen zu tragen, an Diesem Tage das Fest mitzufeiein und herzliche Glückwünsche dem Lrlbcr- hochzeitspaare sowohl wie dem jungen prinzltchen Ehevaar darzu- bringen. Mit ganz besonderer Liebe und Verehrung bluten alle Patrioten an diesem Tage in ganz Deutschland zu dem überhaupt bc^ Reichs, in dessen kräftiger Hand die Leitung der Geschicke unsres Vaterlandes gelegt ist, und zu der herrlichen, echt deutschen jrau empor, die gestern in eine 25 jährige gesegnete Ehe zuruavlicken konnten. Meine Herren, auch wir vereinigen uns zu den wärmsten «ckwünfchen, die ww sow"hl d-.m ^--serpaar wie dem. mnden El>epaar darbringen. Ich bin über?,eugt, das; sie alle herzlichen Anteil an dieser schönen Feier nehmen und mtt mir sich in dem Wunsche vereinigen, das; Gottes reicher Segen allezeit auf unterem Kaisevpaar und aus dem jungen Ehepaar^ ruhen möge. (Bravo!) Meine Herren, ich bitte Sie, wenn Sie mit meiner Ausführung einverstanden sind, sich von Ihren Platzen zu erheben. (Geschieht.) Q1,_. ~ Das Haus hat sich bei dieser Anwrache von den Platzen erhoben und ermächtigt den Kammerpräsidenten, die Gesinnungen der Liebe und Verehrung der Kammer dem Kaiserpaar telegraphisch zu übermitteln. (Die Sozialdemokraten verweilten inzwischen im Foyer und betraten unmittelbar nach Beendigung dieser Kundgebung in corpore den Sitzungssaal.) ~ Präsident Haas teilt darauf ein Schreiben des ^taats- ministeriums mit, worin mitgeteilt wird, daß der Gropherzog den Justizminister Ewald zum Staats-Minister und den Geh. Rat Brann zum Präsidenten des Ministeriums des »jnnern Nun liegen die Dinge aber so: der Etat muß gesetzmäßig bis zum 1. April fertig gestellt fein. Er ist aber mit der Reichsfinanzreform verwachsen, und setne Erledigung ist nicht denkbar ohne vorherige Verabschiedung der Reform. Dvch es ist nicht die geringste Aussicht dafür vorhanden, daß die Finanzreform bis zum 1. April Zustande kommt. Die Kommission steckt noch zu allertiefst in der Angelegenheit und sie hat, was noch schlimmer erscheint, jeden leitenden Faden verloren. Durans ergibt sich, daß auch der Etat liegen bleiben muß, und daß wieder ein Notgeseh auf der Basis der bisherigen Finanzgesetze eingebracht werden muß. Das hatte sich die Neichsregierung ohne besondere geistige Anstreng- ringen selber sagen Tonnen, als sie den Reichstag erst Ende November zusammentreten ließ- Entweder mußte der heurige Etat noch auf der alten Basis aufgebaut werden, oder man mußte für die nötige Zeit zur gründlichen Durchberatung der Finanzreform sorgen. Nun hängt bekanntlich nicht allein der Etat von den .neuen Steuergefetzen ab, sondern vor allem auch die B-^ willigung der neuen Marineforderungen. Man wird nicht an die Beratung dieser Forderungen Herangehen können, ehe man weiß, wie die Finanzreform aussallt. Gewiß besteht bei der Reichstagsmehrheit die Absicht, den Wunschzettel des Herrn v Tirpitz zu genehmigen, aber man hat zu bedenken, daß die Minderheit auch noch da ist. .Wenn es bis jetzt glückte, auck bei sehr schlecht besetztem Hause Heinere Vorlagen durchzudrücken, ohne dag die Frage nach der Beschlußfähigkeit gestellt wurde, so darf man daraus noch nicht folgern, daß bei den Flotten- und Steuer- fraqen das Gleiche möglich ist. Im Gegenteil, die augerste Linke wird alle .Hebel in Bewegung setzen, die Schaffung von Steuern zu verhindern, die ihr nicht gefallen. Nun kann man kaum mehr damit rechnen, daß die Steuerfrage vor Ostern erledigt wird. Die Flotten forderen gen bleiben ganz bestimmt bis nach Ostern liegen. Man weiß aber wohl, daß es nach Ostern immer recht schwierig war, ein beschlußfähiges .Haus zusammenzubrmgen. ^etzt, zur besten Parlamentszeit, gibts in Berlin Sitzungstage, an denen ein knappes Dutzend von Reichsboten den Saal bevölkert und Plenum spielt. Wie soll das erst nach Ostern werden? Zur Beschlußfähigkeit des Reichstags gehören nahezu 200 Mitglieder. Nun wird von den Diäten gesprochen. Es darf aber gewiß nicht damit gerechnet werden, daß der , Reichstag nach Ostern Diäten oder Anwesenheitsgelder erhält. Gewiß Men. 2^5: »tu S'i&SS» ohne Debatte die Regierungsvorlage, betreffend den Anschluß der Stadt Vad-Nauheim an das staatliche ElettrtettätSwert Bad- Nauheim. . „ „, . _ Die Besprechung der Anfrage des Abg. Bahr, das Vorgehen der Behörden bei Untersuchung des Kindsm 0 r d e s in H erg crsha u sen , wird wegen Verhinderung des 2U)gJ Bähr vertagt. «infrage wegen Verseuchung von Fluffen. • Auf die Anfrage der Wgg. Horn, v. Brentano und G^n. in betreff der Verseuchung des Rhein ström es und des Maines verliest Präsident Brau n eine längere Regierungserklärung, worin mitgeteilt wird, daß das Reichsamt deö ^nnern von den verschiedenen Bundesstaaten Berichte über die m Rede 'tehende Frage eingefordert habe. Es sei als festgeUellt rube- tracbten, daß die Ursache der Verunreinigung des Mainstrvmrs von'Aschaffenburg abwärts in den Abwassern der Papierfabriken zu suchen fei. Es komme nun vor allem auf die e Maßregeln angehalten werden sollten, eine Klärung ihrer Abwässer vor der Mlettung m den Rhein zu veranlassen. Der Rhein werde namentlich von Marni- heim her auch durch die dortigen Petroleumlager verseucht, die Jischereiinteressen würdeii durch das ichnelle Absterben der Fische aufs schwerste geschädigt. Die Anfrage des Abg. Uebel und Gen. bett, die Verunreinigung der Weschnitz, beantwortet Präsident Braun dahin, daß gegenwärtig eine Untersuchung des Schlammes der Weschnitz stattfinde. Das Ergebnis biejer Untersuchung müsse ab* gewartet werden, bevor die Regierung weitere Lrmitte unternehmen könne: sie habe aber die feste Absicht, energisch siür die Beseittg- jing des beklagten Uebelstandes einzutreten. Abg Nebel bemerkt, daß er durch die Erklärung der Regierung befriebigt sei und dafür seinen Dank ausspreche. Er hoffe, ‘ daß die zu treffenden Maßnahmen von Erfolg fern werden und daß die Regierung auch auf die Verbessenmg btt Verhältnisse im La n darob en bei Lorsch bedacht fein werde. Kafteler Angelegenheiten. Es folgt die Beratung über den Antrag Schrttitt und Gen.> betteffend die Verlegung der Eisenbahnwerkstätte von K a st e ( Nach kurzer Begründung durch den Anttagsteller teilt Staatsminister Ewald den darüber zwischen der Negierung und der Eisenöahnverwaltung stattgehabten -Lchrlltwemsel mit. Es sei von einer Verlegung der Werkstätte nach Statton Kurve die Rede, die noch auf hessischem Gebiet liegt. Doch sei die Regierurrg für die Beibehaltung der Werkstcrtte m Kastel tiN- getreteiL Die Entscheidung darüber stehe aber noch aus. Auf Antrag Tr. Schmitt wird bis zum Abschluß der Verhandlungen die Sache von der Tagesordnung abgesetzt. Ein Antrag Dr. Schmitt und Gen. verlangt, die Kämmet wolle beschließen, beim Reichspostamt dahin zu wirken, daß Amöneburg mit feinen fast 2000 Einwohnern eine eigene Postagentur erhält und daß im Verkehr zwischen Kastel und ®diriin Qe- Gietzenev Stcr-tthecrLer. Prinz Friedrich von Homburg. Schauspiel in 5 Akten von H. v. Klei st. Die Silberhochzeit unseres Kaiserpaares konnte nicht würdiger in unserem Stadttheater begangen werden als durch die ?lufführunq von Kleists „Prinz von Hornburg', diesem echt vaterländischen Schauspiel mit dem Hintergrund hohcnzollernschcr Siegesgeschichte und mit der Verherrlichung der Achtung deutscher Fürsten vor der Unbeugsamkeit des Gesetzes. Man erfreut sich gern immer wieder an dem goldenen Kern glühender Vaterlandsliebe, und hoher dichte^cher Bcgelller-.ing, der Heinrich von Kleist eigen war. Des Schau- spiels Vorgänge gruppieren sich um den Großen Kurfürsten, für dessen Heldengestalt unser Kaiser bekanntlich oft eine besondere Verehrung bekundet hat. Eine der köstlichsten Prophezeiungen deutscher Dichtung von der Abwendung großer vaterländischer^ Stürme (auch die jetzt fast ein Jahrhundert nach dem Entstehen des Schau- viels aus freilich recht unvolkstümlichem Anlaffe uns umdräuenden Stürme merben hoffentlich sich abwenden lassen), von des Vaterlandes Ausbau und Erweitenmg unter Enkels Hand wand Kleist bald nach dem unglücklichen Frieden zu Tilsit im Jahre 1807 in sein Drama vom Prinzen Friedrich von .^>011 - u’ Man verglich vor etwa einem Jahrzehnt zuweilen E TmÄ ffle.lt. Welch- Idee , D°rt die stete Sucht der Wirkung auf di- Meissen, hohlklmgcndeS 01328 ie hiermit jedermann, : Frau oder meinen mos auf meinen Namen da ich für nichts auf- John. Happel I in Steinberg. rarzes C’apes el6U rannn A. B. geilem aföSkalhkyverlaufcht 'er Wetreijenbe wird An» Stadt uno Cand« Gießen, benl. März. •* Vom LandeS-Lehrerverein. Von berProvi- dentia in Mainz haben LandeS-Lehrerverein und Ludnng- und 9((ice«»Stifhtng für baS Jahr 1905 eine Bonifikation von 1 23 4.82 Mk. empfangen, von welchem Betrag jedem der beiden Vereine die Hälfte mit 617.41 Mk. zugefallen ist. Die Summe der feit 1878 an beide Kaffen gezahlten Zu- schüffe steigt hiermit auf 34 318.69 Mk. •• Ein wissenschaftlicher Fortbildungskursus für Volksschullehrer soll im bevorstehenden Sornrner- semester an der Universität Gießen wieder eingerichtet werden. Die Vorlesungen sollen wie in den Vorjahren wahrend der Monate Mai und Juni an den Mittwoch-Nachmittagen stattfinden. Es werden nach vorläufiger Vereinbarung lesen: Prio.-Doz. Dr. Groß: „lieber Descendenztheorie und Darwinismus" (im zoologischen Institut). Prof. Dr. Kai ser: „Allgemeine Geologie an Beispielen aus der weiteren Umgegend von Gießen" (in der großen Aula der Universität, oder im großen Hörsaal des physikalischen Jnsiituts). Pro- parlamentarifdtes» Berlin, 28. Febr. Die Budgetkommission des Reichstags bewilligte den Etat für Samoa unter Ablehnung der beiden Forderungen von 20 000Mk. für die Eingeborenenentfernung von den europ. Wohnsitzen und 151000 Mark für Wegebauten. Es werden 14 200 Mk. Teuerungszulagen bereinigt. Es folgt die Beratung des Etats für K iautschou. Auf eine Anfrage Bebels nach den Plänen der verbündeten Regierung betreffend die Be- f estigungen in Liautschou führte Staatssekretär von T i r p i tz aus, es sei nicht zutreffend, daß Tsingtau eine Festung er st en Ranges werden solle. Die Lage habe sich zreeifeUos durch den ostasiatischen Krieg geändert. Was jetzt gefordert werde, fei lediglich die Schlußrate für die Seebefestigung, die bereits im Vorjahre bereinigt wurde. Es sei notwendig für die wirtsch. Stellung von Tsingtau, daß es eine gewisse militärische Sicherheit biete. Es müsse nach der Seeseite stark sein zur Aufrechterhaltung der Neutralität, nad) der Landfeite wachsam. — Der heute im Reichstage eingebrachte Ge setzent- tourf betreffend Abänderung der Haftpflicht des Tierhalters bestimmt, daß die Ersatzpflicht des Tierhalters für die Tötung oder Verletzung eines Menschen oder für eine Sachbeschädigung toeg fällt, wenn der Schaden durd) ein Haustier verursacht wird, das dem Berufe, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalte des Tierhalters zu dienen bestimmt ist, und wenn entweder der Tierhalter bei der Beaufsichtigung des Tieres die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet, oder der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden fein würde. AmSmckury endlich die Taxe für den OrMverLehr eingefllyrt Begründung dieses Antrags durch den Antragsteller ^Staatsnnnister Ewald, die Gemeinde Amöneburg mäffe von sich aus mit dem Wunsch heranstreten, eint selbständige Postanstatt zu erhalten und dabei anch mit dem entsprechenden Material kommen. Sei das der Fall und erweise sich ixe Nvt- wendiakeit der Errichtung einer Postanstalt, so werde die Re- qientito gern bereit fein, dafür beim Rcichspostamt etn^u treten; er glaube auch nickt, daß dasselbe die Anstalt, wenn sie zweckmäßig und notwendig ist, verweigern werde. Man könne aber doch fein Interesse daran haben, zu Gunsten Kastels einzn- treten. _ , Nack einigen Bemerkungen des Abg. Ade l u n g zur \spacpe wird der Antrag Dr. Schmitt einstimmig angenom- "" Vizepräsident Köhler hat inzwischen zum ersten Mal die Leitung der Verhandlungen übernommen. Ein Antrag der ?lbgg. Dr. Frenap, Dr. Schmitt nnd | Gen. bezweckt, an die Regierung das Ersuchen zu richten, tm Bundesrat dahin zu wirken, daß 1. die den Gemeinden zu gewährende Vergütung für die Verpflegung ciuguartterter Truppenteile entsprechend erhöht wird und 2. bis dies geschehen ist, den Gemeinden aus der Staatskasse diejenigen Beträge ersetzt werden, die sie für QuartierverPflegung über die derzeitigen Verpflegungssätze aufbringen müssen. Abg Stöpler erstattet mündlich Bericht darüber und beantragt namenS des Ausschusses,, den ersten Teil des Antrags anzunehmen, den zweiten Teil jetwch abzulehnen. Abg. Dr. Frenap erläutert seinen Antrag deS Näheren und bittet, denselben vorläufig zurückzustellen, da gegenwärtig dieselbe Materie im Reichstag zur Verhandlung steht. Das Haus beschließt demgemäß. lieber den weiteren Antrag der Abgg. Dr. SchMrtt und Gen., betreffend die Rahoubeschränkuugeu itt den Gemeinde« Kastel und Kostheim entstnnnt sich eine längere Debatte. Der Antrag geht dahin, „Die Regierung zu ersuchen, die Bestrebungen der Gemeinden Kastel und Kostheim, die noch unter den Rayonbeschränk- ungen befindlichen Teile ihrer Gemarkungen von diesen Beschränkungen M befreien, im weitgehendsten Maße zu unter- stützen." Abg. Pitt Han erstattet Bericht darüber und beantragt, dem Antrag Dr. Schmitt znzustimmen. Abg. Dr. Schmitt begrünbet seinen Antrag. Dbg. Dr. David befürwortet gleichfalls den Antrag und wirst dem Reichsssiskus vor, er wolle bei den Terrainveräußerungen Bodenwucher treiben. Das Reich wolle aus dem alten Festungsgelande so viel herausschlagen, daß davon gleich die Kvsten für die neuen Befestigungsanlagen gedeckt werden könnten. Die Gerneinden sollten also, weil die alten Befestigungen unbrauchbar sind, dem Militärsiskus helfen, neue zu bauen. Redner stellt an die Regierung das Ersuchen, die Interessen der Gemeinden mit größter Energie zu wahren. Der Staat sei der rechtliche Eigentümer des Festungsgeländes und habe auch als foldjer ein Recht, in erster Linie mitzusprechen. Nach einigen richtigstellenden Erläuterungen des Ministerial- präsidenten Braun wird der Antrag einstimmig an- g e n o mm c n. lieber die Vorstellung einer Anzahl Oberlehrer, die Regelung ihres Besolduugs-DteustalterS betreffend, referiert Abg. Uebel, der mimens des Ausschusses warm für die Erfüllung der Wünsche eintritt Abg. Dr. Gutfleisch spricht sich gleichfakV in zustimmendem Sinne aus, 6eantragt aber die Zurückverweisung der Sache an den Ausschuß, Zusammenfassung der verschiedenen Petitionen in derselben Sache mtb alsdann eingehende schriftliche Berichterstattung. Nachdem Präsident Braun diesen Antrag zur Annahme empfohlen, wird derselbe einstimmig angenommen. Es folgt mm die Beratung über zwei Anträge inbetreff der Geschworene» und Schöffen, bezw. Vergütung an dieselben. Der Antrag Dr. Schmitt und Gen. lautet: „Die Kammer wolle an die Regierung das Ersuchen richten, durch ihren 23ertretet beim Bundesrat dahin zu wirken und dahin zu stimmen, daß den Geschworenen und Schöffen voller Ersatz für ihre Zeitversäumnis gewährt wirb." Der Antrag Ulrich und Gen. will L daß zu Schöffen und Geschworenen auch Manner aus der lohnarbeitenden Bevölkerung bestellt» werden, 2. daß reichsgesetzlich bestimmt werde, insbesondere anläßlich, der bevorstehenden Revision der Strafprozeßordnung, das; die Schöffen und Geschworenen außer Vergütung der Reisekosten entsprechende Tagegelder erhalten, 3. daß den Schöffen und Geschworenen schon jetzt Vergütung ihrer lindsten und Auslagen aus Landesmitteln gewährt wird. Abg. Dr. Frenap empfiehlt als Ausschußberichterstatter die Annahme des Anttags Dr. Schmitt und beantragt, den Antrag Ulrich für erledigt zu erklären, soweit er sich nicht auf die Gewährung von Tagegeldern bezieht. Nachdem Abg. Ulrich seinen Antrag begründet und Nagen gegen die herrschende „Klaffenjustiz" vorgebracht, erwidert StaatSmnnster Ewald: Es sei schon bei früheren Gelegenheiten ausgesprochen worden, daß die Teilnahme von Arbeit- nehmern an der Rechtsprechung durchaus erwünscht erscheinen müsse. Es sei das auch sozialpolitisch von größter Wichtigkeit und es müsse in der arbeitenden Bevölkerung bitter empfunden werden, »nenn sie sich sage, daß sie wegen Mangel an Mitteln nicht an der Rechtsprechung teilnehmen könne. Deshalb sei der Antrag auf vsewährung von Vergütung an Schöffen und Geschworenen sehr berechtigt. Ganz verkehrt aber sei es, von „Klassenjustiz" zn sprechen und zu beraubten, daß grundsätzlich keine Arbeiter zur Rechtsprechung herangezogen würden. Nach der ihm vorgelegten Zusammenstellung geschehe das in Hessen in den verschiedensten Landesteilen. Es seien von jeher nicht nur J)ie kleinen Gewerbetreibenden, sondern auch Lohnarbeiter als Schöffen mit herangezogen worden. Dieselben würden auch regelmäßig in die Listen eingetragen, aber von der Kommission I später vielfad» aus rein äußerlichen Gründen wieder ausgeschieden. Bescheidene Mittel bildeten zwar feinen Behinderungsgrund zur Zulassung für das Schöffenamt, aber für den Betreffenden einen dlblehnuirgsgrund und um viele Ablehnungkur zu ersparen, »würde vielfach von der Nominierung solcher Schöffen abgesehen. Der StaatSmimster erklärt sich schließlich mit einem ANttag auf Rückverweisung beider Anträge an den Ausschuß einverstanden, worauf dieselbe einstimmig beschlossen wird. Die Sitzung wird darauf um ^2 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung morgen früh 9 Uhr. Nach Erledigung des Restes der heutigen Tagesordnung soll morgen sofort mit der Generaldebatte über den Etat begonnen werden, um ihn so schnell wie möglich wr Ett-'digung ru bringen. feffor Dr. Kaffer gedenkt an seine Vorlesungen anch Exkursionen (Lahn, Wetterau, Vogelsberg) anzuschließen. •• Ein ehrenvolles Fe st. Heute, am 1. Marz, sind eS 2b Jahre, daß die in weiten Kreisen bekannte Oberschwester der Frauenklinik, Margarethe Hafter, in den Alice- Verein zu Darmstadt als Pflegerin eintrat. Nach beendeter Ausbildung im Alieehospital blieb sie noch kurze Zeit in Darmstadt, fam dann nach Bonn, wo sie mehrere Jahre in der chirurgischen Universitätsklinik arbeitete, wurde hierauf für einige Jahre als Leiterin deS Siechenhanfes nach Alzey berufen, und kam im November 1892 als Oberschwester in die Frauenklinik. Seit dieser Zeit hat sie ununterbrochen hier in treuester Pflichterfüllung zum Wohle unzähliger Kranken gewirkt. Allen, die Gelegenheit hatten, sie in ihrem Berufe kennen zu lernen, ist sie eine liebevolle, nie ermüdende und versagende Hülfe und Trostspenderin gewesen. Ihre opferwillige Tätigkeit fand durch die Verleihung der Roten Kreuz- Medaille am letzten Geburtstag des Kaisers verdiente Anerkennung. ** Trinkgeld für die Landgestütsdiener. Von Beginn der Deckperiode 1906 ist das bisher von den Landgestütsdienern für jede zur Bedeckung kommende Stute eines hessischen Besitzers, bezogene Trinkgeld von 70 Pfennig auf eine Mark erhöht worden. Das Trinkgeld wird für die Folge von den Bezirkskaffen mit dem Sprunggeld zusarnmen erhoben. Das von nichthessischen Pferdebesitzern erhobene Trinkgeld erhöht sich von 1,40 auf 2 Mark und ist mit dem Sprunggeld an die Landgestütsdiener zu entrichten. — In Amerika verstorbene Hessen. Konrad Hofmann aus Birklar, 82 Jahre alt, zu Buffalo, N. P. Jakob Mühl aus Mommenheim, 67 Jahre alt, zu New- Pork, Philipp Schlosser aus Mainz, 71 Jahre alt, z« Milwaukee. 88 Aus demOhmtal, 28. Febr. Eine solche lieber» schtvemmurrg tote gestern und heute hat das OhmtaL lange nick)t gehabt. Bis zu dem Fuße der das Tal begrenzenden Höhenzüge gingen die gewaltigen Wassermassen. Die Mühlen hatten so starkes Uebertoasser, daß sie durch Wehren das Wasser von den Mühlen fernhalten mußten. In den im Tale gelegenen Ortschaften drang das Wasser in die Keller und Ställe. ?Vom Vogelsberg, 28. Febr. Die außergewöhnliche Verteuerung der Schweine hat diesem Zweigs der Viehzucht einen Aufschwung gegeben, wie er vordem niemals vorhanden gewesen. Selbst kleinere Landwirte, die ehemals kaum ein Mutterschwein hielten, halten jetzt deren zwei. Infolgedessen ist die Aufzucht von Jungschweinen fast um das Doppelte gestiegen. In manchen Ortschaften erreicht die Zahl der Ferkel die Summe von nahezu 1000. Man bezahlt zurzeit für sieben Wochen alte Ferkel 55 bis 58 Mark. Arbeiterbewegung. Berlin, 28. Febr. Der Drosch kenkutscherstrelk fffc heute nach zweitägiger Dauer beendet worden. Zwickau, 28. Febr. Im Kohlenrevier auf Altgemeinde Bockwa ist ein Bergarbeiterstreik auSgebrochen. Die Situation ist febr gespannt. Wie das Zw. VolkSbl. meldet, ist eS nicht ausgeschlossen, daß ein allgemeiner Streik ausbricht. Mannheim, 28. Febr. In der hiesigen Zuckerfabrik ist heute ein Streik auSgebrochen Die gesamte Arbeiterschaft Hai die Arbeit niedergelegt. Der ganz« Betrieb ruht. ES handelt sich um Lohnforderungen. London, 28. Febr. In der großen Spinnerei in Dun d e e streiken 23 000 Arbeiter. Sie verlangen höhere Lohne nnd füv$ere Arbeitszeit. Die Streikenden marschirten durch die Straßen und verübten große Exzesse, sodaß die Polizei einschreiten mußte. Am Abend fände heftigeStraßenkämpse zwischen Polizei und Arbeitern statt. d. h. die kleinen Leiden des Ge- -OlflirOg MlllOPi lindes,Erfrierungen,Frostballen O*** dichte Wunden u. Verbrennungen, Geschwüre, aufgesprungene rissige Hände, böse Finger, bietet die kosmetisch-hygienische Eröme Lansnafalan, Rezept: fllatalan 50, Lanolin 15, Zinkweiß 20, Paraffin 15, ä 50 und 100 Psg. vorzüglichen Schutz. Als Deckmittel benutze man mir Nafalan-Hestpflaster, Rezept: Rafalan 50, Kautschukmasse 35, Zinkweiß 15, L 15 und 25 Pig. Nur echt und rein mit Rctorteu-Marke und Namenszug Dr. Adolph List. hv83/, 1 Erhältlich in Apotheken resv. Drogerien, Parfümerien. vereinte Würde unb traf diese historische ihr lautes Schluchzen ihn erschrecken und zu ganzen Szene aber ist Worte sicherlich nicht mächtig. Erst macht ihn auf sie aufmerksam, läßt halbem Bewußtsein kommen. In der sein Geist verstört. Der Kurfürst des Herrn Goll Mensck)lichkeit in rechtem Maße und Kolossalgestalt nicht mir in der Maske, sondern auch im Ton ganz glücklich. Eine kleine Indisposition bezwang er mit vollem Erfolge. Frl. Donecker sprach die schönen prophetischen Worte von der großen Zukunft des deutschen Vaterlandes nut Schwung und Wärme. So hübsch in Einzelheiten ihre Leistung und namentlich ihre Rede auch sonst war, so oft auch Funken ihres Talents durchblitzen, so überraschte sie doch zuweilen durch widersinnige Betonung sowie durch eine gewisse Farblosigkeit, ein llebennaß an Kühle und gleichmäßiger, mimisch unberedter Ruhe selbst in Momenten, da die tapfere Prinzessin der Weichheit ihres einfach zarten Mädchenherzens erliegt. Und das Weinen gar ist eine Kunst, die heiße Mühen erfordert. Herr Wittman n als greiser Oberst v. Kottwitz bot ein glaubhaftes Bild dieser bärbeißig rauhen Prachtnatur auS der Priegnitz, das Bild eine? wetterharten Kriegsmannes. Frau Maurice »var eine stattliche Kurfürstin, die sie mit einem Hauch von Wärme gab, und die Herren Stein goetter, Mendel, Reimer und Lippert nahmen sich mit Eifer ihrer mehr oder minder effektvollen Episodenrollen an. sammelten „Heil Dir tnt Siegerkranz" stehend gesungen wurde. — Dann folgte das Schauspiel. Der Träger der Titelrolle war Herr Lüttjohann. Der Dichter hat die Gestalt in so vielen feinen Zügen aus- gemalt, mit so großer Kunst eine krankhafte Anlage poetisch verwertet und zu einem tragischen Motiv erhoben, daß ein außergewöhnlich darstellerisches Talent erforderlich ist, die Nolle, in der Todesfurcht und kriegerischer Heldenmut so seltsam zusammenpassen und zusammenstimmen müffen, ganz zu erfaßen und auszufüllen. Unser Herr L. ist jedenfalls mit feinem Bedacht an das Studium der komplizierten Seele bieses träumerischen Jünglings herangetreten, und er hat die Gestalt dem Empfinden des Zuschauers verständlich zu machen verstanden. Selbst in den wildbewegten, oft beinahe pathologischen Exaltationszuständen ließ er nie ein schönes künstlerisches Maß vermiffen, und in der Rede wie in der Haltung zeigte er ein edles Feingefühl, zeigte er einen wenn auch ungestümen, so doch in lauterster Reinheit erstrahlenden, zum Höchsten gerichteten Feuergeist. Sehr schön brachte er's heraus, wie's in dem Prinzen zugleich jubelt und gährt, wie zugleich ein Glücksahnen ihn erfüllt imb fiebernde Unruhe au§ innerer Unklarheit. DaS Goldechte in der von heißem Seelenfeuer durchglühten Sprache, das volle Jnsrchanfnehmen der reichen dichterischen Gaben wars, was wieder einmal bet Herrn L. recht sympathisch berührte und erfreute. Jedenfalls steht Herr L. mit feinem Prinzen von Homburg über dem Durchschnitt. Herr L. hält sich nicht immer an die Tradition, sondern gibt manches aus Eigenem. Traditionell aber ist es, daß der Prinz in da? Boudoir der Kurfürstin eilenden Fußes stürmt und eine helle Bravourarie unergriffen anstimmt. Dabei hat er nicht erwogen, daß der Prinz »mterwegs sein Grab gesehen hat. Tiefe, fassungslose Resignation aber drückt sich mcht in stürmender Hast, sondern in todesmatter Ruhe aus; erst allmählich reißt das Wort ihn mit sich fort. Ueberhaupt war in diesem viel angefochtenen Auftritt (III, 5) eine an- dere Aufstellung der Damen notwendig. Der Prinz »vill nur feine Tante sprechen; die von ihm im Augenblick der Ver- Die Regie des &crm Dir. Steingoetter bot viel Lobeustvertes. Namentlich vollzog sick> mtmeber Szenen-- wechsel überraschend schnell, und die Gesamtaitostattung war im ganzen gesdimadvull, das Kabinett des Kurfürsten z. B. recht würdig. In einzelnen Svenen jedoch vermißte man das rechte Zusarnmenspiel, so im ersten 9CFte in der Kriegsratsszene, in der der Kurfürst und seine Damen zeitweise wortlos „lebende Bilder" saßen, und die Herren Gerrerale ihrerseits tvußten sich nicht zu helfen, toenn der Kurfürst zu seinen Damen sprad». J»l der Szene, in der die Kur- fürftüi die falsche Nachricht von dem Tode ihres Gemahls erhält, standen alle rat» und beinahe and) regungslos da, anstatt vielleicht der ohnmächtigen Kurfürstin allerlei Kweiflung verlelignete Natalie sieht er anfangs gar nicht, barf i «pcmbreidying zu tun, mit einem l ffe Wasser itnb anderem « gar nicht gesehen haben; sähe er sie, so wäre er dieser'cms- und -t Z, %» t-* 2(7t —E ISq —• co (9 2 2 & an * £ S c-.b : c bS 8 Cw CTi >b Z D C'J -2 g» E« £ N CO Oft QS» Z S? 5? Ä «St o »b aa <52 T> «p § Ä «?Ä.2 es ®6*< C7w D N 2 Nutzholzversteigerung 109 B”|, - Die Direktion: Dr. Rausch. V'V, B7. 6 4 1 CD CD o g ?• Vli *=> u G <5 M » « <5 w © d C? ►ö E 2 «k B 2 SS e L r C C?- CT<*> V *0 5 « S E. P -b o ® O0 O N ’S« £ 2 G = - *e-2 (j)^ _ C 5= z <9 2. c N- - o >b *ti 'S Z .E o 3 M c -p Di s~ *e © N »b -G c E Z e ® Z ß = ■: zu Baumgarten. Gießen, den 24. Februar 190b. Großh. Oberförsterei Schiffenberg. Trautwein. Ss «$> lg- kutscherstrrtk P ■bat iet auf Mtstemrintx aebrochen. Die meldet, ist eS ik auSbricht. jen Zuckerfabrik nie ArbeikersciM bat Aht. 63 handelt fich m Spinnerei, in dan(\tn döherr Löhne marichirien durch die die Polizei eichchreiten zenlämpie;wi!cha> L» Z £ O ®* * ■ S .2 ** >-» *3 § «■ M Z E G* p tCT C~C0- w CT o *8* ^5 = w Durchnn — 59 Fm. Buchen-Stämme von 42—49 Ctm. Dm. — 4 Fm. Birken- „ , 20—37 , , -----2,50Fm. Linden- , , 28 Ctrn. Durchm. — 9,37 „ «t «St CT,V fr'v Z ° WeEier^L« Garant, reines Schweineschmalz per Psd. 57 Psg. empfiehlt [01229 W. Ullrich, Schlotzgasse 7. DL 8 ♦ ve « Ä V OJ *- 1 , Kiefern- v , 34 „ ,/ =0,54 , 18 Buchen-, 17 Eichen- und 7 Stück Eschen-Derbstcmgen zu Deichseln und Langwieden geeignet 554 Stück Fichten-Derb- und Reisstangen. Die Versteigerung beginnt Montag den 5. März, vormittags 10 Uhr. Zusammenkunft am Waldeingang der Hattenroder Straße. ZF ZA«?' 2 E05 : *ö L Q] -ANS Theater bauten und der Neubau des Gießener Stadttheatcrs. Herr Architekt Meyer wird Montag, den 5. März, abends 8l/2 Uhr im Neuen Saaltau über obiges Thema sprechen und seine Ausführungen durch zahlreiche Lichtbilder (Pläne, Ansichten, Dekorationen) erläutern. Zutritt für jedermann kostenlos. Der Bertehrsverein, Gießen. E. V. Kügelkursus! ß Glanzbügeln kann man binnen 4 Wochen gründ!. erL (nachm.) Wallchorstr. 10II, Eing. dchLaden. Zrotzherzogl. RcillgMUßM, 96erreoliMle unb Vorschule z« Gießt». Die Anmeldungen der Schüler, die mit Beginn deS Schuljahres 1906/07 in unsere Anstalt eintreten sollen, werden Montag, den o. März, vormittags 9—12 Uhr für Realgymnasium und Oberrcalschule und Dienstag, de« 6. März, vormittags 9—12 Uhr für die Vorschule m dem Schulgebäude entgegengenommen. Bei der Anmeldung sind Gebcirtsschein und Impfschein (bei Schülern über 12 Jahren die Bescheinigung der Wiederimpfung), sowie ein Abgangszeugnis der etwa seither besuchten Schule vorzulegen. Gießen, am 19. Februar 1906. E g.~ 5 c o 2 im Sicher Stadtwald (Distrikten Vorder- und Hinterwald) Stück Eichen-Stämme 1.—3. Klaffe von 40—60 Ctm. Hslzversteigermrg in den Waldungen der Gemeinde Ruppertsburg. 1. Mittwoch den 7. März l. I., vormittags 10 Uhr beginnend in den Distrikten Hohenberg und Buchwald: 10 Eschen-Derbstangen mit 0,82 Fm.; 2500 Fichten- Reisstangen (Bohnenstangen); 275 Rm. Buchen-Scheiter; 207 Rm. Buchen-Knüppel; 6 Rm. Eichen-Knüppel; 300 Rm. Ast- und Stammreisig und 75 Rm. Buchen- Stöcke. NB.: Zusammenkunft im Distrikt Hohenberg an der Kreisstraße Ruppertsburg—Wetterfeld. Für die Herren Steigerer, welche mit der Bahn kommen, steht von der Haltestelle Wetterfelo aus ein Führer zur Verfügung. 2. Donnerstag den 8. März l. I., vornnttagS 10 Uhr beginnend in den Distrikten Langenberg u. Aegenberg: 25 Fichten-Stämme mit 4,43 Fm.; 37 Eschen-Derbstangen mit 0,99 Fm.; 100 Fichten-Derbstangen mit 3,74 Fm.; 4,5 Rm. Eichen-Nutzknüppel; 20 Rm. Lärchen-Nutzknüppel; 4 Rm. Buchen- Rundscheiter; 250 Rm. Buchen-Knüppel; 57 Rm. Eichen-Knüppel; 7 Rm. Aspen-Knüppel; 118 Rm. Buchen-Astreisig; 272 Rm. Buchen-Stammreisig (in Schichten); 61 Rm. Eichen-Ast- und Stammreisig; 11 Rm. Fichten-Stöcke und 20 Rm. gemischte Reiserknüppel. Das Holz wird teils vor-, teils unoorgezeigt versteigert, Nähere Auskunft erteilt Forstwart Steinbach. Zusammenkunft im Distrikt Langenberg am Langder Fußpfad. Ruppertsburg, den 28. Februar 1906. Großhcrzogliche Bürgermeisterei Ruppertsburg. Lehr. 132- Ach» i. Mel-RHch-VttßMNg. Montag den 5. März d. Js., vormittags 10 Uhr anfangend, sollen im Gemeindewald Waldgirmes, in den Distrikten Bannhardt, Wormshardt und Hainauerwäldchen, versteigert werden: 140 Eichen-Stämme mit 113 Fstm. Darunter mehrere Stämme zwischen 60—83 Ztm. Durchmesser, 2 Buchen-Stämme und 6 Rm. Eichen-Rustscheit. Zusammenkunft vormittags 9% Uhr bei der Markwiese. Ferner kommen Dienstag den 6. März, von vormittags 10 Uhr anfangend, in den Distrikten Fichtenpracht, Pfingstweide und Gaubskopf zur Versteigerung: 345 Nadelholz-Stämme mit 86 Fstm. und 1340 Nadelholz-Stangen I., II. und III. Klaffe. Zusammenkunft bei der Fichtenpracht bei der Markwiese. Waldgirmes, den 27. Februar 1906. dm. Bernhardt, Bürgermeister. Holzversteigerung. Versteigert werden: Dienstag, 6. März L I. aus der Forstwartei Baumgarten in den Abteilungen Brauhof 2 b, Hasenkopf 6, Schiffenberg 31, Beunde 33 a, Sommerberg 35 a, Häuserborn 36a und 37, Klosterwiese 44b und 45, Dörnergrund 46 a, Buchenberg 59 d, Unterwald 60 a, Wachholder- haide 62 a: Stämme: 12 Eichen HI. Kl., 40—45 cm dick, 4—7 m lang == 9,15 fm, 51 Eichen IV. Kl., 30—39 cm dick, 5—10 m lang ----- 28,98 Im, 34 Eichen V. Kl., 25—29 cm dick, 5—10 m lang ---- 15,01 tm, 38 Eichen VI. Kl., 20—25 cm dick, 5—9 m lang — 9,04 fm, 1 Kiefer II. Kl., 42 cm dick und 9 m lang = 1,25 fm, 24 Kiefern HI. Kl., 30—39 cm dick, 6—10 m lang — 17,16 fm, 11 Kiefern IV. Kl., 25—29 cm dick, 7—10 m lang — 5,13 fm, 2 Kiefern V. Kl., 23 und 24 cm dick, 10 und 13 m lang — 1,01 fm, 2 Fichten III. Kl., 31 und 33 cm dick, 12 und 20 m lang — 2,62 fm, 180 Fichten V. Kl., 13—24 cm dick, 11—15 m lang — 42,27 fm, 1 Esche — 0,11 tm, 6 Elsbeeren — 0,82 tm; Terbstangen: 1705 Fichten — 85,32 fm; Reisstangen: 43 Fichten = 0,71 tm; Rutz- scheiter: 34 rm Kiefer (3,5 m lang); Nutzknüppel: 2 rm Fichte (3,5 m lang); ferner: Scheiter: 17 rm Buche, 1 rm Obstbaum, 100 rm Eiche, 150 rm Kiefer, 1 rm Fichte; Knüppel: 51 rm Buche, 21 rm Eiche, 88 rm Kiefer, 6 rm Fichte; Neisigwellen: 34 Hundert Buche, 23 Hundert Eiche, 18 Hundert Kiefer, 18 Hundert Fichte, 9 Hundert Weide; Stöcke: 14 rm Buche, 57 rm Eiche, 55 rm Kiefer, 34 rm Fichte. Das Windfallholz tm Sommerberg (14 Ftchtenderb- stanaen, 2 Fichtennutzknüppel, 4 rm Buchen-, 2 rm Etchcn scheiter 1,6 rm Buchen-, 0,5 rm Eichenknüppel, 0,9 Hundert Wellen Buchen-, 0,7 Hundert Fichtenretsig, 1 rm Buchen-, 1 rm Ftchtenstöcke), Dörnergrund (19 Ftchtenstamme, 25 Fichtenderbstangen, 3 Fichtenretsstangen, 1,3 Hundert Wellen Fichtenreisig, 4,5 rm Fichtenstöcke), Wachholderhatde (8 Fichtenstämme, 4 Fichtenderbstangen) und das Durchforstungsholz im Hasenkopf («,6 Hundert Wellen Wetden- reisiq) und Brauhof (10 rm Buchenknüppel, 8 Hundert Wellen Buchen-, 9 Hundert Wellen Erchenretstg 3 rm Buchenstöcke) wird nicht vorgezeigt und beliebe man vorher emzusehen. Die mit einem blauen Kreuz bezeichneten Etchenstamme in Beunde kommen nicht zur Berstetgerung. Beginn der Lersteigerung vormtttags Uhr un Buchenberg am Schnittpunkt des Watzenbornerwegs und der Bahn Gießen—Gelnhausen. _ Weitere Auskunft erteilt der Großh. Forster Schlag «J. '■ °ni 1.9ni at. 5i V'»5(lice. '°ch ’tul ' mutete Ä ......t&i Ü- in § "diente Sin. $on r von den Land. ',nienbe Stute j Tienni, 9t!k wird für t SW'I iufomniffi rf ‘leW 111 Wit den, Kmmd ' Buffalo, N. D IU New. ' a W alt, zn ^esolcheUeber- das LhmtÄ . der das Tal ltVn Vasserniaffen. "ä ter daß sie durch sernhalten mußten, n drang das Wasser ■ außergeW^. e hat diesem Zweige ?en/ wie er vordem mere Landwirte, die n, halten seht bereit Von Zungschweinen »anchen Ortschaften e von nahezu 1000. alte Ferkel 55 bis o 5 p- S-» -Q — L E, L-s L-s md stark, Herz; Ll-nds tmg» Geiahr. iinen steigen, grüßt- e?! Prinzen ! kleinen Leiden des ®t* crsrieruiiaeii.^ostballm Bimbcn u. Herbvennun- de, bölc Finger, dielet n, Rezevt: Namlan bo, ) 100 vorumlichen Nalalan-Seftpflaste^ !inkweiß 16, A 15 und Marke und NamenS- dr"/, rt( Parfümerien. 'VnT sie^nimH Darsteller dringend volle Dame einmal tgestalt ber ate ti hier wiederholt r gehabt!" Märsche m dm st mürben, konnten poetischen W «r-Erinnerun^ .^enwT er bamat’ troft fein« ^tt bemerkenswert, den Worten: gort; rnbnt, 3b^^«9üw ^7= 8? «Eu» "o-öä - 'S I8i^| Z §71 J» “2 ■“ S ct X E 2.E e ® ' e 5 e 3 SK Mes 5 ü C uo E l6' ° » « = c » X 'n « c s « SST-1 »CT* » o Q H ji. o E @ ’s C Ä O TL ö cZeo o-E.Ü- « = o E o o *t7*8*a „ C o c ® E E a . E «— VI ’S «s'E« « « ö Q -O -Ü *0 - e E einem zu unterziehen. Nachstehend bezeichnete Preise geben Beweis- welch' große Vorteile dieser Ausverkauf bietet Abtag I . Paar . Stück Pfg. Stück 48, 38, 28, 20 Stück ffem Stück 395, Eierbecher weiß . . 6 Stück 20 Größe 21/24 . Stück 27/30 31/35 ff 2,95 3,45 Mk. gerippt 3,45 u II . Stück 4 Psg. H^us8wlt&mgsag*tikel 10" 8' ff ff 95 Pfg. Pfg. u SSEMOeffKQ Verkauf nur gegen bar. 8 98 35 45 35 8 120 16 18 35 u ff ff . 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