Nr. 176 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stein- druckerei. 9t Lange. Redaktion, Ervedttioa imb Druckerei: Schul st raße 7. Redaktion esta 113 Verlag it.(Sgprh. «^^51 Adresse für D^oeschen: Anzeiger Vließen. Erstes Blatt 156. Jahrgang Montag 30. Juli 1906 Gießener Anzeiger w General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezugSpretKr monatlich7bPf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnuuuner bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den polit. unb allgern. Teil: P. Wittko; für »Stadt und Land^ und .Gerichtssaal": Ernst p e ß; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Are heutige Dummer umfaßt 8 Seiten. politische Wochenschau. Gießen, 30. Juli 1906. Die Stichwahl im Wahlkreise Hagen-Schwelm hat den Sieg des freisinnigen Bürgermeisters Cuno gebracht. Diese Wahl war von großer Bedeutung einmal deshalb, weil es sich um das Erbe Eugen Richters handelte, dann aber auch, weil nach den Wahlzwistigkeiten in Altena- Iserlohn Zweifel entstanden waren, ob die bei der Haupt- wahl ausgefallenen Parteien des Zentrums, der Nationalliberalen und Deutschsozialen dem Freisinnigen zum Siege über seinen sozialdemokratischen Gegner verhelfen würden. Es waren in diesem Wahlkreise noch kurz vor der Hauptwahl von selten des christlichsozialen Kandidaten Lic. Mumm recht seltsame Machenschaften in Szene gesetzt worden, die auf einen Zusammenschluß der übrigen bürgerlichen Parteien abz-ielten, um gleich von vornherein den Freisinnigen aus der Stichwahl zu verdrängen. Diese Jntrigue war darauf abgesehen, eine Verwirrung sondergleichen in den Wahlkampf zu bringen, ist dann aber wieder wcttgemacht worden durch die an die Christlichsozialen ausgegebene Parole, bei der Stichwahl für Cuno einzutreten. Daß sie sich aber überhaupt zu betätigen versuchte, ist kennzeichnend dafür, wie in manchen Köpfen sich zuweilen die Welt malt. Politische Vernunft, im Bündnis mit einsichtsvollem Weitblick, wie sie der größere Teil der Zentrumswähler gegen die Absichten der Zentrumslcitung, bewiesen hat, — diese Mahnung, die sich an alle bürgerlichen Parteien wendet, lehrt vor allem diese Wahl. Daß Altena-Iserlohn den Freisinnigen verloren ging, verschuldete ihr Mangel daran und an genügender Organisation. Wenn sie jetzt Hagen-Schwelm sich erhielten, so verdanken sie das der taktvollen Zurückhaltung Cunos in religiösen Dingen, die selbst das Zen- trurn zu Beginn des Wahlkampfes anerkannte, um allerdings späterhin gelegentlich auch einmal, wenn es ihm so besser paßte, das Gegenteil zu behaupten; ferner der ausgezeichneten Organisation, die sich über den ganzen Wahlkreis erstreckt; daneben aber auch der von politischer Klugheit diktierten Parole der anderen Parteien. Hoffentlich zieht man nun allenthalben auch anderwärts, und namentlich bei uns in Hessen, aus diesen Lehren die rechte Nutzanwendung. Dann käme das Erbe Eugen Richters dem gesamten Liberalismus wie dem großen deutschen Staatsbürgertum überhaupt zugute. Eine neue Reichstagsersatzwahl ist auch für den Wahlkreis Hadersleben-Sonderburg erforderlich geworden, nachdem Abg. Jessen aus dem Leben geschieden ist. Der Wahlkreis ist der einzige, der bisher noch durch einen dänischen Protestler im Reichstage vertreten wurde; es erscheint im Hinblick auf die Zusammensetzung der dortigen Wählerschaft vorläufig nicht recht wahrscheinlich, daß in dieser Hinsicht bald eine Aenderung eintritt. Immerhin verdient Beachtung, daß in Nordschleswig neuerdings seitens der Behörden ein anderer Kurs eingeschlagen zu sein scheint; wenigstens ist in den letzten Tagen nachdrücklich betof*r worden, daß dort nicht nur eine mildere Behandlung der Dünen, sondern vor allem auch eine Regelung der Optantenfrage im Gange ist. Es erweckt den Anschein, daß der seit kurzem an die Spitze der Provinz Sachsen berufene bisherige schleswig-holsteinische Oberpräsüient Freiherr von Wilmowski mehr Verständnis und Takt als Herr v. Köller bekundet hat. In der Kolonialverwaltung wird das „große Reinemachen" weiter fortgesetzt. In den letzten Tagen wurde wieder eine Reihe bedeutsamer Personalveränder-- ungen auf diesem Gebiete gemeldet. Geheimeräte gehen dahin und Offiziere. Soeben kommt aus Berlin die Meldung, daß gegen den Major Fischer ä la suite der Schutztruppe für Ostafrika und beim Oberkommando der Schutztruppe, Vorstand bei der Bekleidungsabteilung, wegen des Verdachts der Bestechung das amtliche Verfahren eingeleitet und er in Untersuchungshaft genommen worden ist. Fischer gehörte ehedem der alten Wißmann- Truppe an, nachdem er in sächsischen Diensten gestanden hatte, dazwischen auch einige Zeit inaktiv war. Die Beschuldigungen dürften sich in erster Reihe auf seine Beziehungen zu einer großen Berliner Lieferungs- s i r m a gründen. Der an die Spitze des Ober-Kommandos berufene Oberstleutnant Quao e scheint der große Reiniger zu werden. Meldungen von neuen schweren Kümpfen in unserem Südwestafrika beweisen leider wieder einmal, daß wir von einer Pazifikation der Kolonie noch viel weiter entfernt sind, als man es offiziell ziigeben will. Dabei hat man keine Uebersicht über die gegenwärtige Kriegslage, da die amtlichen Stellen mit Mitteilungen über die Stärke und den Aufenthalt der noch kämpfenden Negerhaufen auffallend zurückhaltend sind. Dieser endlose Ausstand ist natürlich nicht dazu angetan, das Interesse des deutschen Volkes für seine Kolonien zu erhöhen, ebensowenig wie die hochnotpeinlichen Untersuchungen im Kolonialamt. Aber der Heldenmut und die Pflichttreue unserer Schutzttuppe in Deutsch-Südwestafrika, sonne die Energie, mit der man neuerdings bemüht ist, Mißstände auszurotten, müssen uns über die bedauerlichen Kinderkrankheiten der deutschen Kolonialpolitik hinwegtrösten. Große und folgenschwere Dinge haben sich mit Beginn der vergangenen Woche in Rußland ereignet. Durch Ukas vom 21. Juli verfügte der besonders über die letzten Dumabeschlüsfe in der Agrarfrage arg verstimmte Zar die .Auslösung der Duma -und ordnete die Einberufung einer neuen Duma für den 5. März n. I. an. Der Auflösungsbeschluß kam der Duma und sogar dem bisherigen Ministerpräsidenten Goremykin überraschend. Goremykin tourde seines Postens enthoben und durch den bisherigen Minister des Innern ersetzt. Um Unruhen niederzuhalten, hat man Truppen in großer Zahl in den am meisten gefährdet erscheinenden Städten zusammengezogen, Blätter Warden massenhaft unterdrückt und polttifch verdächtig scheinende Männer täglich in großer Zahl verhaftet; die Untersuchungen schreiten dabei weiter fort und fördern fortgesetzt neues Material zutage, aus dem der große Umfang der revolutionären Bewegung sich ergibt. Bis jetzt allerdings merkt man dabei noch nicht viel von der Tätigkeit der „Riesen des Gedankens und der Tat", die Zar Nikolaus' in bemerkenswerter Selbstentäußerung für erforderlich hält, um das große Werk der Gesundung des russischen Staatskörpers zu vollbringen, die nun einmal die Vorbedingung für eine glücklichere Zukunft des Reiches bildet. Die Duma beging ohne allen Ztoeifel gar sehr viele schwere Fehler dadurch, daß sie die Dinge allzu häufig geradezu aus den Kopf stellte, die Regierung über die Maßen beschimpfte und mit einem Radikalismus vorging, der in einem so kulturfernen und bildungsarmen Riesenreiche, das in einer konstttutionellen Versammlung überhaupt schwer unter einen Hut zu bringen ist, aller Staatsvernunft Hohn sprach. Sie versammelte sich nach chrer Auflösung als Rumpfparlament in Wiborg auf finnländischem Boden und ließ em in zahlreichen Extrablättern unter der Hand verbreitetes scharfes Manifest los, in dem in Kürze nochmals ihre hauptsächlichsten Forderungen aufgezähtt und die schiversten Anklagen gegen die Regierung erhoben werden. Das Manifest fordert das Volk auf, bis zur Berufung der Volksvertretung der Krone keine Kopeke und der Armee keinen Soldaten zu geben. Das Manifest geht von etwa zwei Dritteln der Dumamitglieder aus, die es fast einstimmig beschlossen, und ist ein schlagender Beweis dafür, daß Rußland noch lange nicht reis für ein parlamentarisches Regiment ist. Vorläufig herrscht eine verhältnismäßige Ruhe in Rußland: der Generalstreik ist bisher nicht ansgebrochen, da die Führer entweder verhaftet sind oder direkt abmahnen. Die Bauern aber stecken augenblicklich zumeist in der Ernte und müssen diese erst vorübergehen lassen, ehe sie sich lebhafter Polittsch betätigen, beginnen aber bereits Kampforganisationen zu gründen. Der augenblicklichen äußeren Ruhe ist aber keinesfalls zu trauen. Verschiedene weitere Meutereien unter den Land- und Seetruppen geben in dieser Hinsicht besonders zu denken. Zumal die Kosakenregimenter, sonst die gefügigsten WerHeuge in den Stäuben der ruff. Machthaber, erscheinen immer unzuverlässiger und erklären kategorisch, sich bei Unterdrücknngsmaßnahmen gegen das Volk nicht mehr beteiligen zu wollen. In Kronstadt, Pokrowskoje u. a. O. ist deswegen die Lage besonders bedrohlich, und in Vrest-Litowsk meuterten Artilleristen, töteten und verwundeten Offiziere und konnten schließlich erst mit Hilfe von Insanterietruppen bewältigt werden. In Verbindung damit steht die Verhaftung des Grodnoer Abg. Kondraschuk. Es sind bereits drei Abgeordnete verhaftet. Einem Ausfrager erklärte General Kaulbars in Odessa, daß die Polizei sich über den Ernst der Lage sowie über ihre Pflichten leider nicht genügend Rechenschaft ab- lege. Die Tunia habe gelogen, als sie die Behörden beschuldigte, die Pogrome angezettelt und unterstützt zu haben. Nun sei glücklicherweise die Quelle der Lüge und Verleumdung verstopft. Die Armee sei neutral und parteilos, der Wille des Zaren heilig. — Hoffentlich stimmt's! In London tagte im Laufe der verwichenen Woche die interparlamentarische Ftiedenstonferenz. Der Realist wird wohlklingende Deklamationen vom ewigen Frieden nicht sehr gewichtig nehmen, ganz besonders nicht vom schlauen Briten, dem stets und ständig im Trüben Fischenden. Ebensowenig wie die deutsch-englische Journalistenverbrüderung hat diese Konferenz irgendwelchen praktischen Wert. Das am meisten hervortretende Moment war die Rede, mit der der englische Premierminister Campbell - Bannerman bie Konferenz begrüßte und in der er der russischen Ereignisse in einer Weise gedachte, die allenthalben geradezu Sensation hervorrief, nicht zum wenigsten aber in Rußland peinliche Erfindungen geweckt haben muß. Die Worte „Die Duma ist tot, es lebe die Duma!" verblüfften in der ganzen Welt und klangen weder staats- noch weltklug. Die bedauerliche Erkrankung der Königin Wilhelmine von Holland zum dritten Male regte in Deutschland dazu an, die Frage gu erörtern, was da werden soll, wenn in absehbarer Zeit ein deutscher Fürst den holländischen Thron besteigt. Denn daß England ruhig zusehen würde, daß daS blühende niederländische Kolonialreich vollständig unter die wirtschaftliche und später vielleicht sogar politische Oberhoheit Deutschlands fomnit, ist kaum anzunehmen. Aber das ist ein Eventualität, die in weiter Ferne liegt. Die nächsten Thronerben sind z. Zt. in erster Reihe der verwittwete und kinderlose Großherzog von Weimar und dessen etwaige Nachkommen, weiterhin Prinz Albrecht von Preußen und dessen Söhne. Ob e§ angeht, diese als Thronerben durch Gesetz zu beseitigen und etwa den mecklenburgischen Prinzen Hendrik, den Gemahl der Königin, als Thronfolger auszurufen, steht dahin. Auf direkte Anfrage auf Schloß WilhelmStal wird mitgeteilt, daß am Hofe des Großherzogs von Sachsen- Weimar von einer in Verbindung mit der Thronfolge in Holland stattfindenden Reise des Großherzogs nach dem Haag nichts bekannt ist. Die österreichisch-ungarische Monarchie hat mit der Eröffnung der Karawankenbahn seinem einzigen großen Seehandelshafen Triest sowie ganz Istrien mit den industriösen Orten Görz (von wo selbst wir Gießener vielfach unsere Kartoffeln erhalten), Pola und Rovigno eine neue Lebensader luactührL deren Bedeutung auch Deutschland berührt. Denn durch den zweiten Schienenstrang, welcher Istrien mit Mitteleuropa verbindet, wird nach und nach sicher ein Teil de§ überseeischen Exports nach Süddeutsch la n d von Genua n a ch Triest abgelenkt werden, da die neue österreichische Bahnlinie eine erhebliche Verkürzung der Entfernung zwischen Süddeutschland und dem mittelländischen Meere bedeutet. Den deutschen Hafenplätzcn wird Triest natürlich keine ernste wirtschaftliche Konkurrenz bereiten, sondern der deutsche Unternehmungsgeist wird von einem neuen Aufblühen des österreichischen Seehandelsemporiums nur profitieren können. Durch den Tod des Dichters Ferdinand v. Saar wurde deffen Sitz im österreichischen Reichsrat erledigt. Als fein Nachfolger in dieser Würde wird der Volksschrifsteller Nosegger, der ehemalige Waldbauernbub und Schneidergeselle, dessen Werke, bei Staackmann in Leipzig erschienen, und unter ihnen namentlich den prächtigen Bauernroman „ Erdsegen", lüir unseren Lesern gar nicht warm genug zur Lektüre empfehlen können. In Baden wurde der treffliche Maler Hans Thomä Mitglied der Ersten Kammer; Hessen hat leider noch keinen Künstler oder Dichter im Parlament, Preußen natürlich erst recht nicht. Dort wäre etivas Aehnliches, zumal in der Aera Studt, ganz undenkbar, da verbietet man lieber die Lektüre moderner heimischer Schriftsteller, wie Hauptmann und Sudermann, den zukünftigen Lehrern. politische Tagesschan. Kaiser, Kanzler und Baltin. Kandidaten für die höchsten Staatsämter, so lesen wir in einer Plauderei in der letzten Nummer der „Zukunft", werden in Deutschland nur auf einer dünnen Schicht gesucht. Wenn nicht der Zufall nachhilft; die Gnade, die ein Privat- mann vor dem Auge des Kaisers findet. Die Herren Ballin und Wiegand konntens erreichen. (Hubertusstock. Kaiser unb Kanzler haben Ballin von der Bahn abgeholt und, nach einem Spaziergang, in sein Junkerzimmer geleitet, wo nur ein Stuhl steht. Der Kaiser schwingt fich auf die Kommode. Der Kanzler setzt sich auf den Bettrand. Zwischen beiden Ballin auf dem Stuhl. Lebhaftes Gespräch. Nach einer Weile sagte der Kanzler: „Wenn uns Einer von der Presse so sähe, würde es gewiß heißen, Herr Ballin solle Minister werden.* Der Kaiser: „Oder Kanzler, lieber Bülow!) Wiegand konnte Buddes Nachfolger werden; wollte aber nicht. Sicher nicht nur, weil er in der Wilhelmstraße ohne die wichtige Mitarbeit des Herrn Plate auskommen müßte. Weil er als Leiter des Norddeutschen Lloyd freier ist, interessantere Arbeit und größere Gewinnmöglichkeit hat. Minister werden schlecht bezahlt und ihr Amt hat langst den Nimbus verloren. Merkwürdig, daß sich Männer, die übers Durch- schnittsmaß hinausragen, überhaupt noch dazu hergeben. Ein Manu von der Fähigkeit, dem praktischen Sinn und dem Fleiß RheinbabcnS hätte als Bankdirektor breiteren Raum zum Wirken und wäre nach ein paar Jahren Millionär. Was auch nicht zu verachten ist; weil es die Unabhängigkeit der Lebensführung verbürgt. Kinder im Gefängnis. Die amtliche „Berl. Korresp." gibt Kenntnis von einem nachahmenswerten Erlaß des preußischen Ministers des Innern von Beth mann-Hollweg, wodurch manche Schädigung der seelischen Entwickelung der Kinder verhütet wird. Sie schreibt: „Nach § 1 des Gesetzes vom 33. April 1883 sind polizeiliche ©traiuetfügmigeu wegen Uebertretungen auch gegen Beschuldigte im Alter von 12 bis 18 Jahren zulässig. Bei Festsetzung der Geldstrafe hat die Polizeibehörde zugleich für den Fall des Unvermögens an ihre Stelle tretende Hast zu bestimmen. Jirsolgebessen ereignet es sich, das; jugendliche, noch dem Kindesalter angehörige Personen bei Unbeitreiblichkeit (sürchtettiches Wort! D. R.) der Geldstrafe selbst wegen geringfügiger Uebertretungen mit Haft bestraft und dadurch einer schweren moralischen Gefährdung auSgeseht werden. Um diesem Ucbelstande vorzubeugen, werden die Polizeibehörden in einem Erlaß des Ministers des Innern darauf hin- geiuiefcn, gegen jugendliche Uebertreter bei dem Fehlen erschwerender Umftänbe das Strafmaß so zu wählen, daß die Geldstrafe bezahlt und die Umwandlung in Haft vermieden werden kann. Zu dem gleichen Zweck werde, auch bei der Festsetzung höherer Geldstrafen, begründeten Anträgen jugendlicher Personen auf Gestattung ratenweiser Zahlung möglichst entgegenzukommen oder ihnen nahezu legen sein, solche Ratenzahlungen zu wählen." Ferner sollen die Polizeibehörden erwägen, ob die Umstände eS gestatten, den Erlaß der Strafe im Gnadenwege vorzuschlagen. Und am Schluffe heißt eS: „Der Minister spricht das Vertrauen aus, daß eS auf dem angegebenen Wege zu erreichen fein werde, diejenigen Fälle, in welchen jugendliche Personen unb insbesondere Schulkinder auf Grund polizeilicher Strafverfügungen den Gefängnissen zugeführt werden, für die Zuttmft möglichst ganz auszuschließen/ Dieser Erlaß ist gewiß sehr erfreulich. Er fällt aber noch dadurch auf, daß er am Gesetze eine sehr scharfe Kritik übt. Die Worte: „Die Jugendlichen werden mit Haft bestraft unb badurch einer schweren moralischen Gefährdung ausgesetzt", stellen es als etwas Selbstverständliches gar nicht mehr de§ Beweises Bedürftiges hin, daß die Verbüßung einer Freiheitsstrafe jugendliche Personen sittlich sehr gefährdet. Uns ist kein Fall bekannt, in welchem ein preuß. Minister ein bestehendes Gesetz so unerbittlich scharf kritisiert hätte. Und der Schlußsatz zeigt, daß der Minffter konsequent ist: er will die Inhaftierung von Jugendlichen „möglichst ganz ausschließen". Der Grundsatz, einer Geld- strafe für den Fall, daß der Verurteilte nicht zahlen kann, eine Freiheitsstrafe zu substituieren, ist an sich schon sehr bedenklich. Er hat eine Menge von Freiheitsstrafen zur Folge, die man beklagen muß und die für das betreffende Vergehen eine allzu harte Ahndung darstellen. Und da die Handlung fe" rt nicht mit einer Freiheitsstrafe bedroht ist, so kommt der Be^effende eigentlich nur dafür ins Gefängnis, daß er kein Geld hat. In manchen Fällen würde sich dies dadurch verhüten lassen, daß an die Stelle der Geldstrafe eine Arbeitsleistung tritt; für die Meißen ilt dies freilich unmöglich, weil der Staat für ihre Arbeit keine Verwendung hat; hier wäre also nach anderen Ersatzmitteln zu forschen. Jedenfalls ist dieser Erlaß des vreuß. Ministers auch für die anderen Bundesstaaten vorbildlich, und für die noch dem KindeSalter angehörigen oder nahestehenden Personen hat er hoffentlich die Wirkung, daß sich ihrer der Reichsgesetzgeber im Sinne des Ministers u. Bethmann- Hollweg baldigst annimmt. » Die verletzte Immunität. Der Abg. Erzberger, der „Spezialist" in Kolonial- fragen, ist bekanntlich vom Untersuchungsrichter zeugenschaftlich vernommen worden. Darin liegt an sich nichts Besonderes, denn das kann unter Umständen jedem Abgeordneten passieren. Der Reiz der Untersuchungsrichterlichen Tätigkeit aber liegt darin, daß der Untersuchungsrichter seine Fragen auch auf die Abgeordnetentätigkeit Erzbergcrs ausgedehnt hat, ihn also über das vernehmen wollte, was Erzberger im Reichstag gesagt hatte, und daß der Untersuchungsrichter im Reichstagsgebäude selber die Sachen des „Zeugen" Erzberger einer genaueren Durchsicht unterziehen wollte. Der Direktor des Reichstags ist dem Untersuchungsrichter dann entgegengetreten und hat ihn auf die Verfassung (bezügl. der Immunität) aufmerksam gemacht, worauf der Untersuchungsrichrer bemerkte, ein Gesetz, das ihm den Eintritt in das Rcichstagsgebäude versage, gebe es nicht. Schließlich hat der Untersuchungsrichter doch noch seinen Willen durchgesetzt, dank der Liebenswürdigkeit Erz- bergers. Tatsächlich also ist die Immunität durch das Vorgehen des Untersuchungsrichters verletzt worden, darüber besteht kein Zweifel. Die Verfassung verbietet, einen Abgeordneten zeugenschaftlich über das zu vernehmen, was er als Abgeordneter gesagt hat, und wenn es auch kein geschriebenes Gesetz gibt, das dem Untersuchungsrichter den Eintritt in das Reichstagsgebäude verwehrt, so liegt es auf der Hand, daß eine Durchsuchung der Erzbergcrschen Effekten im Reichstag eine Verletzung der Immunität des Abgeordneten bedeutet. Der Direktor des Reichstags, der dem Untersuchungsrichter den Eintritt zur Durchsuchung der Effekten des Abg. Erzberger verwehren wollte, hat richtiger gehandelt als Erzberger selbst. Die Geschichte wird entsprechend publizistisch ausgebeutet und vielleicht kommt sie auch im Reichstag zur Sprache. Solche Vorkommnisse sind vom Uebel für das ganze Volk, das an seiner Rechtsauffafsung irre werden muß. Das ist die Folge blinden Eifers, der seinen Ausdruck in der skandalösesten Einrichtung unserer Zeit, im Zeugniszwang, findet. Es ist an der Zeit, daß hier endlich Remedur geschaffen wirt), ehe daS Recht von den Paragraphen erdrückt ift * ZN den peinlichsten Affären an dem schier unentwirrbaren Rattenkönig von „Kolo- nial-Unftimmigkeiten" zählt die Verhaftung des Majors Fischer, des Vorstehers der Bekleidungs- kommrssion beim Oberkommando der Schutztruppen, welcher unter dem Verdacht steht, Bestechungsgelder angenommen zu haben. (Bgl. die heutige „Polit. Wochenschau".) Das schimpfliche Vorgehen der Bestechlichkeit hat bei einem Mitglieds der bewaffneten Macht einen noch schlimmeren Charakter. Natürlich ist die Firma, die sich des unsauberen Mittels der Bestechung bediente, Tippelskirch u. Co., welche bereits Millionen an unseren Kolonien verdient hat. Und man muß noch dazu die Befürchtung hegen, daß mit der Verhaftung des Majors Fischer der Augiasstall der Ko lonial-Korruption noch nicht gereinigt erscheint, denn die im Reichstag gestellte Forderung nach sofortiger Lösung der Lieferungsverträge zwischen Tippelskirch u. Co. und dem Reichskolonialamte konnte merkwürdigerweise nicht erfüllt werden, angeblich, weil die Firma eine Entschädigungssumme von nicht weniger als ein eine viertel Million Mark pro Jahr verlangte, und ihir Kontrakt läuft noch bis Ende Mär§ 1911! Welche enormen Summen Tippelskirch u. Co. bisher aus Steuer- (eldern verdient haben müssen, geht allein daraus ervor, daß sie im Jahre 1905 für acht Millionen, im laufenden Jahre für sechs einhalb Millionen Mark Umsatz berechnete. Dabei wurde aber immer von der Budgetkommission über die schlechte Ausrüstung unserer braven Schutztruppen geklagt! Die Gerechtigkeit verlangt also, daß man auch gegen Fischers Duzfreund, Herrn v. Tippelskirch, vorgeht. und Flotte. Wie man aus Venedig meldet, hat dort eine Mobilisierungsprobe ftattgefunden. Das Manöverthema lautete: Die Stadt wird plötzlich auf der Seeseite von einer feindlichen Flotte angegriffen, die von Lido aus gesichtet wurde und muß augenblicklich in vollen Verteidigungszustand gebracht werden. Das interessante Experiment, das Vizeadmiral Bettolo leitete, wird als vollkommen gelungen bezeichnet. 13. Auder-Wegatta auf der Lahn. th. Gießen, 29. Juli. Trübe blickte der Himmel am Samstag auf unsere Stadt hernieder und fast schien eS, als sollte die Nuderregatte, die die Gießener Rudergesellschaft alle zwei Jahre veranstaltet, diesmal so recht eigentlich zu Waffer werden, denn es regnete ziemlich kräftig. Am Samstag abend sah man zahlreiche Vertreter der auswärtigen Vereine, die ihre Mannschaften zum friedlichen Wettkampf hierher entsandt hatten. Heute in aller Frühe aber, da lachte der Himmel und die Ruderer, die vom Main, vom Rhein und von der Lahn sich in unserer Feststadt ein Stelldichein gegeben hatten, rüsteten sich mit vergnügten Gesichtern ob des prächtigen Wetters zum Start. Um 7.Uhr begannen die Vorrennen, die für 6 Rennen ausgefahren werden mußten. Sie dauerten bis h'gll/Uhr und hatten ein sportlieb:.ides Publikum an» gezogen./ So heiß die Sonne brannte, so heiß waren auch die einzelnen Kämpfe, die sich auf dem Wasser abspieltcn, denn me Sieger hatten meistens mit ebenbürtigen Gegnern zu tu/ Der Besuch der Regatta selbst war am Nachmittag überaus gut zu nennen, alle Kreise unserer Bürgerschaft waren verbieten und auch das benachbarte sportfreundliche Wetzlar h-tte eine stattliche Zahl Zuschauer entsendet. Von den Mitgliedern des Ehrenpräsidiums des Regatta- Ausschusses bemerkten wir Se. Magnifizenz Geh. Hofrat Prof. Dr. Bebaghel, Oberstleutnant v. Conta als Vertreter der Garnison, Oberbürgermeister Mecum und Landgerichtsdirektor Bücking. Die einzelnen Rennen nahmen folgenden'Verlauf: 1. I n n i o r - E i n e r. Vorrennen : Germania-Frankfurt 7,35; Undine-Offenback 7,34'/,; Ruderverein Ems (ging allein über die Bahn) 8,27'/,. Es starrsten zum Hauvtrennen: Undine-Offenbach in 7,29\ gegen den Sieger bleibenden Emser Verein, der in 7,11'/, Sek. überlegen gewann. 2. Großer-Vierer (Sladtvreis). Auncitra-Manuhei m 6,29 gegen Frankfurt-Sachsenhausen 6,29’/,. Sieg mit halber Bootslänge nach heißem Ringen gewonnen. 300 Meter vor dem Ziel wechselte fortwährend die Führung unter den beiden Gegnern. 3. Vierer (Preis von der Lahn). Wetzlarer Ruderklub 6,41'/,; Limburger Ruderverein 6,48. Tie Gießener Rudergesellschaft gab das Rennen auf. Wetzlar gewann den. Preis mit drei Längen Vorsprung und hatte gegen Limburg fast auf der ganzen Strecke die Führung. Der von dem Ehrenvorsitzenden der Gießener Ruder- geseuschast gestiftete Preis (ein silberner Pokal) ist von Wetzlar nunmehr dreimal hintereinander gewonnen und geht daher endgültig in dessen Besitz über. 4. E i n e r (L a h n v o k a l). Vorrennen: Rudergesellschaft Ruhrort 7,37 gegen Undine-Offenbach 7,42; Frankfurter Germania 7,26 geaeri Ruderverein Ems 7,28'/,. Es starteten Otto Müller für die Germania 7,11 gegen Wilhelm Rörmmghoff-Ruhrort 7,20'/,. Müller siegte mit drei Längen über bei’ Gegner, der am vorigen Sonntag den Rheinvokal gewonnen hat. Beide Skuller -eigteii sich im steuern nicht als Meister, sie führten ihre Boote im Zick» zackkurs über die Bahn. 5. Zweiter Vierer (Preis des Regatta-Komitees). Vor- rennen: Heidelberger Ruderklub 7,1'/,; Würzburger Verein 1875 6,48; Wetzlarer Ruderklub 6,50. 2. Vorrennen: Oberrad-Frank- furt 7,12, Akadem. Ruderverein Münster ausgegeben; Nassovia- Höchst 7,2'/,. 3. Vorrennen: Rudergesellschaft Hanau aufgeaeben; Limburger Ruderverein 7,1’/,; Offenbacher Ruderoerein von 1874 6,55; Rassovia-Höchst, die eigentlich ins Hauptrennen kommen mußte, wurde, iveil sie kollidierte, ausgeschlossen. Es starteten: Offenbacher Verein 1874 in 6,33’/,. Ter Würzburger Ruderverein iviirde mit ’/, Sekunde Vorsprung Sieger. Dieses Rennen war hochinteresiant, hart stritten die Gegner und obgleich die Würzburger dicht unter Land an der Schürzschen Bleiche, also im toten Waffer fuhren, machten sie das Rennen. 6. I u n i o r - A ch t e r. Die Frankfurter Germania mußte allein über die Bahn geben, weil die Meldungen der Mannheimer Amicitia und die der Frankfurter Rudergesellschaft Sachsenhausen zurückgezogen wurden. 7. D o p v e l - Z w e i e r ohne Steuermann. Ruder- Gesellschaft Ruhrort siegte auf halber Endstrecke ohne Konkurrenz in 6,43, da die Frankfurter Germania btichstäblick in die Binsen gegangen war, d. h. an Land aufftihr. Ruhrort hatte in diesem Rennen die Führung gehabt. 8. I u n i o r - V i e r e r. Vorrennen Hanauer Rtldergesellschasl von 1879. 6,53*/, gegen Offenbacher Undine, 6,53'/„ und Frauk- furter-Sachsenhausen, 7,25, gegen Gießener Ruderges-, die das Rennen ausgab. Es hatten zll starteii Sachsenhaiisen, das in 7,19 allein über die Bahn ging, gegen Undine, die wegen eines Defektes am Boot das Rennen aufgab. 9. Akadem ischerVierer. Es siegte die Ruder-Abteilung des Akademischen Sportklubs Heidelberg elegant in 6,47, trotzdem er int toten Wasser fuhr, geqen den Heidelberger Ruderklub 6,48. Ter Akademische Ruderklub RhenuS-Bonn hatte das Rennen unterwegs aufgegeben. 10. GroßerAchter. (Großherzogspreis.) Vorrennen: Offenbacher Ruder-Verein von 1874, der unterwegs absioppte, gegen Frankfurter Sachsenhausen 6,18. Mannheimer Amicitia ging in 6,40 allein über die Bahn. In der Entscheidung siegte Manuheint, das brillant fuhr und sicher steuerte, in 5,59 gegen Sachsenhaiisen, das für die Strecke 6,02 Zeit brauchte. Das Renneit um den Großherzogspreis >var unstreitig das Interessanteste des Tages. 11. E r m u n t e r u n g s - V i e r e r. Vorrennen : Offenbacher Undine iii 7,13 gegen Weilburger Verein 7,37 '/,, und Frankfurter Oberrad 7,08 gegen Gießener Ruder-Gesellschaft 6,58. Es hatten zil starten Undine, die mit 6,58 gegen Gießen Sieger wurde, welches in 7,04 die Strecke machte, obgleich es im Vorrennen die beste Zeit gefahren hatte und die zweitbeste Zeit überhaupt, die bei der Regatta die Vierer gefahren sind. Nach der Regatta fand die Verteilung der Preise an die Sieger auf dem Bootsplatz statt. Ten Schluß der Festlichkeit bildete ein geselliges Zusammensein und Konzert der Mitglieder und deren Damen mit den fremden Gästen im Garten des Hotel Großherzog von Hessen.__ Aus Stadt und Land. Gießen, den 30. Juli 1906. ** Das Tuberkulose -Museum der hessischen Landesversicherungsanstalt ist gestern vormittag zu Darmstadt in dem neu errichteten Aitsstellitngssaale der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe eröffnet worden. Unter den Anwesenden bemerkten wir Ministerialpräsident SBrann, Geh. Staatsrat Krug v. Nidda und die Vertreter der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege im Ministeriitm des Innern, ferner Geh. Kabinettsrat Römheld, Bürgermeister Dr. Glässing, mehrere Kreisräte, Aerzte u. a. m. Der Vorsitzende der Landesversicherimgsansialt, Geh. RegierungSrat Dr. Dietz, legte kurz die Beweggründe für die Veranstaltung dieser Ausstellung dar. Der Redner sprach zum Schluffe allen, die das Zustandekommen der Ausstellung unterstützt und gefördert haben, namentlich den anwesenden Vertretern des Ministeriums, dem Reichsamt des Innern, dem Kaiserl. Gesundheitsamt 2C., herzlichen Dank aus. Als Vertreter der Minifterialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege sprach Geh. Obermedizinalrat Dr. Hauser seine Freude über das Gelingen der Ausstellung aus, die von der Behörde als ein vorzügliches Mittel zur Belehrung über die gefährliche Krankheit und über die Maßnahmen ztt ihrer Verhütitng betrachtet werde. Es sei deshalb auch eine Verfügung erlassen worden, daß alle beamteten Aerzte sich mit an der Aufklärung und Erläuterung beteiligen möchten, und so dürfe man hoffen, daß alle Wünsche und Erwartungen, die sich an diese Ausstellung knüpfen, in Erfüllung gehen werden. Unter Führung mehrerer sachkundiger Herren fand darauf eine Besichtigung der Ausstellung statt. Es sei hierbei noch bemerkt, daß die Ausstellung werktäglich von 11 —12% Uhr und Sonntags von 11—i Uhr für Jedermann geöffnet ist. Wenn von Vereinen ober Gesellschaften besondere Führungen gewünscht werden, so ist dies acht Tage vorher dem Vorstand der Landesversicherungsanstalt zu Darmstadt, Wilhelminenstr. 34, mitzuteilen. (Wir verweisen auf den Artikel in den heutigen „ Gieß. Familienblättern4.) ** Nebernahme derVolkSschullasten durch den Staat. Die Abgg. Schönberger, Brauer, Breidenbach, Breimer, Erk, Häusel, Hauck, Joutz, Köhler, Korell, Lang, Pitthan, Schmalbach, Seelinger, Senßfelder, Ullmann und Wolf haben bei der 2. heff. Kammer folgenden Antrag eingebracht: Tie Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen, alsbald dem Landtage ein Gesetz vorzulegen, das die Uebernähme der V o l k s s ch n l l a st e n auf den Staat anordnet, auf der Grundlage, daß sänttliche persönliche Volksschnllasten durch progressiv a b g e st u s t e Zuschläge zur st a a t l i ch e n Einkommen- ft e u e r für das ganze Land gleichmäßig aufgebracht werden. Mit anderen Worten also: Die Städte sollen für das Land die Volksschnllasten tragen! X Hart man ns Hain, 27. Juli. Nach vorheriger Besichtigung von Meliorationsausführungen in den Gemarkungen Schotten, Grebenhain, Bermuthshain, Hartmannshain und Volkartshain fand am 26. Juli hier unter Anwesenheit des Ministerialpräsidenten Braun und des Ober- regiernngsrats Holzinger eine Sitzung der landwirtschaftlichen Pr o vi n z i a l v er ein sko m m issio n f ür die Verbesserung der Hutrveiden und Oedländereien im Vogelsberg statt. Anwesend waren die Kommissionsmitglieder: Regierungsrat Schönfeld-Schotten, Kreisrat von Bechtold-Lauterbach, Vaurat Wißmann-Gießen, Oekonomie- rat Leithiger-Alsfeld, Kulturtechniker, Kunz-Lauterbach, Oekonomierat Backhaus-Lauterbach, Bürgermeister und Land- togsabg. Schmalbach-Crainfeld und Bürgermeister Winnecker- Volkartshain. Der bauleitende Techniker, Kulturtechniker Kunz erstattete Bericht über die diesjährigen Ausführungen und gab eine Uebersicht über die von 1896 bis 1905 ausgeführten Meliorationen. Hiernach sind in diesen 10 Jahren in 39 Gemarkungen der Kreise Lauterbach und Schotten 436,29 Hektar oder 1745 Normalmorgen Gemeinde-Hut- weidegelände mit einem Gesamtkostenaufwand von zirka 158 000 Mk. meloriert worden; von dieser Summe haben der landw. Provinzialverein Oberheffen bezw. der Staat ca. 90 800 Mk. und die beteiligten Gemeinden 67 200 Mk. getragen. Sämtliche Herren sprachen sich sehr anerkennend über die Erfolge dieser MeliorationSunternehmllngen und deren hohen Nutzen für die Viehzucht im Vogelsberg auS. Auch wurde einstimmig von den Vertretern der besichtigten Gemarkungen die großen Vorteile der seinerzeit durch die Initiative des früheren verdienstvollen und weitschauenden Präsidenten des landw. Vereins für Oberhessen, S.E. Graf Frdr. zu Solms-Laubach, in Angriff genommenen Meliorationen anerkannt und betont, daß die Vogelsberger Bevölkerung der Slaatsregienmg und dem Landtag für die zu diesem Zweck bewilligten Staatsunterstützungen dankbar sei. Weiter wurde allgemein gewünscht, daß auch für später diese Staatsmittel für die Fortsetzung der Hutweidenmeliorationen erhalten bleiben, damit in nicht allzu ferner Zeit sämtliche, jetzt noch Tausende Morgen umfaffenden, unrentablen Hutweiden und Oedländereien einer rationellen Bodenkultur zum Segen der Landwirtschaft im Vogelsberg unterzogen werden. Für das Rechnungsjahr 1906 wurden weitere MeliorationSauSführ- itngen vorgesehen im Kreise Schotten in den Gemarkungen Hartmannsham, Volkartshain, Sichenhausen, Feldkrücken und Herchenhain; im Kreise Lauterbach in den Gemarkungen Bermuthshain, Grebenhain, Eichelhain, Engelrod, ObermooS und Salz. Vcrini schter. • Von der Bism arcksäule in Göttingen wurden in einer der letzten Nächte die drei Feuerbecken gestohlen, von denen alljährlich zu Bismarcks Geburtstag unb am Tage der Sonnenwende die Flammen emporlodern. Am 27. Juli wurden die Becken bei einem Produktenhändler entdeckt, dem sic die inzwischen ermittelten Diebe als „altes Eisen " verkauft hatten. • Der Mann mit zwei Herzen gestorben. Georg Lippert, einer der merkwürdigsten anormalen Menschen, die die Medizin kennt, der zwei völlig getrennte Herzen und drei Beine hatte und als eine Hauptanziehungskrast mit dem Zirkus von Barnum und Bailey durch Amerika reiste, ist gestorben. Sein „rechtes" Herz stand schon vor vierzehn Tagen still, aber das „linke" fuhr fort zu schlagen, bis es schließlich am 24. Juli auch seinen Dienst einstellte. Lippert starb an Lungenschwindsucht. • Das unanständige Baby. Vor einem Hause am Hafen zu Bremerhaven stand ein Kinderwagen mit einem 9 Wochen alten Baby. Die Mutter hatte ihr Kleines vor die HarlStür gebracht, damit es Licht, Lust und Sonnenschein erhalte, und war dann wieder ihrer Hantierung nachgegangen. Plötzlich erscheint ein Vertreter der Hermandad auf der Bildfläche und fordert die Mtltter auf, den Kinderwagen sofort fortzunehmen, da das Kind darin sich in einem das Schamgefühl verletzenden Zustande befinde. Beim Nachschauen ergab sich etwas Schreckliches. Das Kind hatte das Kiffen abgeworfen — und man verhülle sein Antlitz — strampelte nun mit seinen bloßen Beinchen vergnügt in der Luft herum I — Man kann auch den guten Willen übertreiben! Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt). 34 jähriger Abonnent. Nack Artikel 11 der „Verfassung des Deutscken Reichs" vom 16. April 1870 steht das Präsidium des „zum Schutze des deutschen Bundesgebietes" zwischen den deutschen Fürsten geschlossenen „ewigen Bundes", dem Könige von Preußen zu, der den Namen Deutscher Kaiser führt. Die Bezeichnung „Kaiser von Deutschland" wurde vermieden, weil allen deutschen Staaten eine Sphäre eigener Herrschermacht, insbesondere ein Stück autonomer Gesetzgebung und Verwaltung verblieb. Auch hinsichtlich der staatlichen Aufgaben der Reichsgewalt beschränkt sich diese auf die Funktion der Beaufsichtigung und der Reichsgesetzgebung und überläßt die Verwaltung nach Maßgabe des Landesrechts den Einzelstaaten. Zur Trägerschast der Reichsgewalt ist nicht ein einzelner Fürst berufen. Das Deutsche Reich ist keine Monarchie, der deutsche Kaiser ist nicht Träger der Reichsgewalt, sondern diese Trägerschast besitzen sämtliche verbundenen deutschen Staaten, und der aus den Vertretern der deutschen Einzelstaaten gebildete Bundesrat ist das Organ, durch das die Reichsgewalt an und für sich ihren Willen äußert. Die kleine Schrift von Pros. E. Hubrick „Deutsches Fürstentum und deutsches Verfaffungsmesen" (bei B. G. Teubner in Leipzig) orientiert Sie am besten über diese Dinge. Wo die Wurzeln der neudeutschen Kaiserkraft liegen, darüber spricht erschöpfend D. Friedr. Naumann in seinem vortrefflichen Buche „Demokratie und Kaisertum" (3. Auflage 1904, Verlag der Hilfe in Schöneberg) im 3. Kapitel des 3. Abschnittes. — Eine frühere Anfrage ist uns nicht zugegangen. Sie hatten wohl auch das erste Mal falsch adressirt? Hotel-Restaurant Kronprinz, Bad-Salzhauseu. Billigster, bester Kur- und Sommeraufenthalt. Prosp. Gratis. 3924 Innminii Lu U ns Wasche mit .Qll°rbnef A.-vme be, s-.r^ BL rM xL."L- «*S?Ä ^gmneisterWmeSer. S!,kr' Kulturtechniker §IQ njen Ausführungen 'n 1896 big i906 ™ ,n diesen 10 Jahren uterbn^ »nd Schotten Ttöcgen Gemeinde-Hut- lenaufwanb von zirka ^dieser Summe haben !>1cn .bezw. der Staat Gemeinden 67200 Mk. M sehr anerkennend ^Unternehmungen und V im Vogelsberg aus. ertretern der besichtigten der seinerzeit durch die >IIen und weitschauenden derhesscn, S.E.TMrdr. lommenen Meliorationen ^lsberger Bevölkerung der für die zu diesem Zweck nkbar sei. Weiter wurde später diese Staatsmittel enmeliorationcn erhalten Zeit sämtliche, jetzt noch rentablen Hutweiden und denkultur zuni Segen der zogen werden. Für das re sDlelioration5au6fü^r» 'n in ben ©Entartungen tjanfcn, Feldkrücken und m den Dernnckungen n, fcnyttob, Dtamatf tt» m Göttingen wurden in verdecken gestohlen, Geburtstag und am Tage Porlodem. Am 27. Zuli uktenhändler entdeckt, dem als.altes Eisen' vcckaust „normalen Wenden, b. getonnte her,en «« dar- «**."£ ilanb schon not »«* ;rtr{ ,u schlagen, bis es .'slen’l einf* M * »ssfts S Ä mdS-nn-nM hermandad am . benS^X’g^ sich in 'mt“ «gab ° °d. :"b itt‘"np<^ tZzK--- „?2Sä-g KAZs htm lköE Zeichnung -es' dem" L-K-VsS ie d^ ~ |ß ntd)t Deutsche KtzrSxÄÄ een «'bÄe - an "7 £)ubf* ^bner proi. .ibeik-^Mtl- spricht für qm II „ III IV Schreinerarbeit. Los I II HI IV I Los n in fpflasterung. „ II 1000 qm Kleinpflaster. B30/t und B”/, Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 28. Juli 1906. 38 Türen, 354 lfd. m Fußsockel, 97 lfd. m Fensterdeckbretter rc. 66 Türen, 878 lfd. m Fußsockel, 132 lfd. m Fensterdeckbretter. 37 Türen, hiervon 10 Stück zweiflügelig, 724 lfd. m Fußsockel, 116 lfd. m Fensterdcckbrctter. 48 Türen, 430 lfd. m Fußsockel, 70 lfd. m Fensterdeckbretter. JnstallationSarbeiten innerhalb des Baues. Los XVII 210 m Gußrohr, 940 m galvanisiertes Eisen Pflaster- und Chaussierungsarbeiten. Los I 1221 qm Chaussierung nebst Randsteinen und ©offen rohr 2c. für Wasserzuleitung. „ XVIII 703 m Gußrohr 50—150 mm Durchmesser Wasserableitung. Küchen- und Keffelhaus. Weißbinderarbeit, Los I 190 qm äußerer Wandputz in Terranova, „ II 1500 qm innerer Wand- und Deckenputz, 100 Anstrich von Fenstern, Rinnen rc. Großh. Baubehörde für die Universitäts-Neubauten. Becker. Die Verdingungsunterlagen liegen auf unscrm Amte, Wilhelmstraße 21, zur Einsicht aus und können von dort (mit Ausnahme der Zeichnungen) soweit der Vorrat reicht, zum Selbstkostenpreis bezogen werden. Angebote mit genau bezeichnender Aufschrift (Arbeit und Los-Nr.) sind bis zum Eröffnungstermin, Samstag, den 18. August d. I., vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen. Holz zu bearbeiten, 173 Ifdm Dachgesimse. Dachdeckerarbeiten. 710qrnSchieferdach, 50lfd.m Kehlen auszuschiefern, 95 lfd. m Schneefanggitter. Spenglerarbeiten. 97 lfd. m Hängerinne, 90 stgd. m Abfallrohre. Abdeckungen und Einkastelungen. Blttzableiteranlage. 72 lsd. m Kupferdraht, 2 Ableitungen. B. Augenklinik. Chirurgische Klinik. 330 m Rohrgräben. 159 cbm Schachtaushub, 270 m Tonrohrleitung, 35 cbm Schachtmauerwerk, Schachtdeckel und Steigeisen. Augenklinik, ca 715 Ifdm Rohrgräben, 830 Ifdm Tonrohre 100—250 mm l. W. 140 ltdm Gußrohre 70—125 mm l. W. 18 Stück Hofsinkkasten, 52 cbm Schachtmauerwerk mit Deckeln etc. Kuchen- und Kesselhaus. 210 m Rohrgräben, 330 rn Tonrohrleitungen, 30 cbm Schachtmauerwerk nebst Schachtdeckeln und Steigeisen. Schlosserarbeit. Los V 1638 kg Lichtschächte und Fußkratzroste. „ VI 700 kg Eisengerippe für Rabltzkanäle. Jsolierhaus. Los I Glaserarbeit. 56 Eichenholzfenster. Weißbinderarbeit. „ II 2285 qm. Wand- und Deckenputz. ,, III 380 qm Fassadenputz in Terranova. Zement- und Terrazzoarbciten. Los IV 356 qm Zementestrich, 260 qm Betonboden. „ V 245 qm Terrazzoboden. „ VI 26 Stufen Moniertreppen. „ VII 30 Stufen Zementtreppen. C. Nebenanlagen. Kanalisationsarbeiten. Glaserarbeit. Los III 35 qm Eichenholzfenster, 40 qm Verglasung. „ IV 41 qm schmiedeeiserne Fenster. Jnstallationsarbeiten. Los V 130 m galv. Eisenrohre re. für Wasserzuleitung. „ VI 73 m Gußrohre für Wasserableitung. „ VII Betonarbeit. 120 qm wasserdichten Betonboden mit Drainage. Peufionärhaus. Los I Zimmerarbeiten. 62 cbm Tannenholz, 3240 Ifdm Holz zu bearbeiten, 230 ltdm Dachgesimse. „ II Dachdeckerarbeiten. 910 qm Schieferdach, 7 Ifdm Kehlen, 180 ltdm Schneefanggitter. „ III Spenglcrarbeiten. 119 Ifdm Hängerinne, 53 stgdm Abfallrohre, Abdeckungen und Einkastelungen. „ IV Blitzableiteraulage. 75 Ifdm Kupferdraht, 2 Ableitungen. Jsolierhaus. Los I Zimmerarbeiten. 54 cbm Tannenholz, 3090 Ifdm tzrHtkpM UmmMs-Michek Alle Benutzer, mit Ausnahme der Studierenden, haben die vor dem 9. Juli entliehenen Bücher d“/7 spätestens am 10- August 5Ut ^Vom^IZ^August bis 13. Oktober ist die Bibliothek täglich von 9 bis 1 Uhr vormittags geöffnet. Gießen, den 25. Juli 1906. Der Großherzogliche Direktor: Dr. Haupt. Arbeitsvergebung. Die nachstehenden Arbeiten zur Erbauung einer höheren erweiterten Mädchenschule sollen Montag den 6. -Lugust d. Js., vormittags 10 Uhr, öffentlich vergeben werden. Los II: 'Schreinerarbeiten im Kellergeschoß III: „ „ Erdgeschoß IV: „ w 1. Obergeschoß * V: „ u 2. Obergeschoß u vi: „ 7 Stück äußere eichene Eingangstüren. Zeichnungen, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote aus Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichem Zuschlagssrist 3 Wochen. Gießen, 26. Juli 1906. Städtisches Hochbauamt. Gerb el. 4607 Heuchelheim, den 30. Juli 1906. Danksagung. Für die rieten Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Gatten und Batcrs, sowie für die zahl- reichen Blumenspenden, besonders dem Herrn Pfarrer Glück für die trostreichen Worte sagen innigsten Dank. Frau Katharine Römer Wwe. und Kinder. 1 Kg. (2 Psd.) Tafelbrot - A bei: Louis Süßmuth, Steinberg 50 L. Steinmüller, Gr.-Linden 52 Karl Trautmann, Wieseck 54 W. Weitzel, Lang-Göns. . W. Steiiunüller Ww^ Lang- . 23 Göns Hch. Weber, Heuchelheim 24 W. Weil Heinr. Göns VI rote Hausteine VH 120 Ifdm (8 cbm) ©ranitffufen. Weißbinderarbeiten XI XVI 235 III IV 1600 1800 800 250 1530 Gust. Jacoby, Älten-Buseck 46 Karl Post, Wieseck ... 46 W. Steinmüller Ww., Lang- Karl Stumps, Garbenteich 24 W. Lein, Klein-Linden . . 25 Heinr. Binz, Allendorf/Lahn 24 Gem. Brot Gern. Brot Kornbrot Kornbrot 50 H 75 , 23 , 46 , 27 27 27 27 54 25 Beton- Los II 2 3 1 2 1 2 1 2 (6 Psd.) (2 , ) (4 Psd.) W. Lein, Klein-Linden Karl Post, Wieseck . Jakob Appel, Krofdorf Buchcnparkettfnßbodeu. qm Linoleumbelag, qm desgleichen. qm Buchenparkett in Asphalt. Linoleum- nnd Los XIV 1020 „ XV 1525 Lieferungen. Los XII 108 ltdm Tonrohr für Abwurfschächte. „ XIII 10000 kg Zement. Georg Dern II., Gr.-Linden 25 H Heinr. Weber, Heuchelherm 27 „ W. Weitzel, Lang-Göns . . 26 , Heinr. Binz, Allendorf/Lahn 25 , 1 Kilogramm (2 Pfund) Weißbrot L. Steinmüller, Gr.-Linden 26 Steinhauerarbeiten. 40 cbm qm Terranovaputz (Aeußerer Wandputz), qm desgleichen. qm Monier- und Rabitzwände rc., qm Gipsdieldecken. Arbeitsvergebung. Für den Neubau der chirurgischen und der Augen- klinik einschließl. Nebenbauten zu Gießen werben folgende Arbeiten und Lieferungen unter Zugrundelegung des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 hiermit öffentlich ausgeschrieben. A. Chirurgische Minik. Hauptbau. Los I Maurerarbeit. Einmauerung von 4 Niederdruckdampf- skeffeln. (4 , ) , (2 , ) Weißbrot (4 Psd.) Weißbrot L. Steinmüller, Gr.-Linden 46 Karl Spamer, Reiskirchen 46 Karl Zinßer, Allendorf/Lda. 46 Karl Stumpf, Garbenteich 48 Jakob Appel, Krofdorf . . 50 W. Lein, Klein-Linden . . 50 Heinr. Binz, Allendorf/Lahn 48 und Terrazzoarbeiten. 1200 qm Betonboden zum Teil mit Drainage, 270 qm Betondecken, 440 qm Terrazzoboden. 1190 qm Terrazzofußboden. 1300 qm „ 2420 qm Zementestrich u. Auffüllbeton für Linoleumsfußboden. qm Anstriche von Fenstern, Rinnen, Abfall rohren, Lichtschachtrosten rc. 2 Kilogramm (4 Pfund) Gem. Brot bei: Karl Trautmann, Wieseck 46 Heinr. Binz, Allendorf/Lahn 50 W. Fabel, Wieseck ... 52 W. Weitzel, Lang-Göns . . 52 , 1 Kilogramm (2 Pfund) Gem. Brot bet: Georg Dern IL Gr.-Linden 23 L. Steinmüller, Gr.-Linden 23 " ' ' " ' . 23 , Karl Zinßer, Allendorf/Lda. 23 für Pfeiler, Säulen pp, 18 ltdm Brüstungen für das Treppenhaus. Ernst Christ, Wieseck . . 44 Georg Dern II., Gr.-Linden 46 „ Louis Süßmuth, Steinberg 46 „ itzel, Lang-Göns. .46 „ Weber, Heuchelheint 48 v Drotprrise vom 29. Juli bis 12. August 1906. (2 Psd.) Gem. Brot Der auswärtigen Bäcker. Der hiestgeu Bäcker. ' Kg. (4Pfd.) Los vin „ IX „ X 3 Kilogramnr (6 Pfund) Gem. Brot bei: Ernst Christ, Wieseck . . 66 Gust. Jacoby, Alten-Buseck 69 v W. Fabel, Wieseck . . . 69 „ Louis Süßmuth, Steinberg 69 „ Karl Post, Wieseck . . . 69 „ Karl Trautmann, Wieseck 69 „ 1 Kilogramm (2 Pfund) Kornbrot bei: F. Weiß, Grüningen . . 23 Jakob Appel, Krofdorf . . 23 Heinr. Binz, Allendorf/Lahn 22 „ Karl Zinßer, Allendotf/Lda. 22 „ 2 Kilogramm (4 Pfund) Kornbrot bei: W. Schimmel, Kinzenb. M. 46 F. Weiß, Grüningen . . 46 Jakob Appel. Krofdorf . . 46 „ Karl Spamer, Reiskirchen 44 „ Heinr. Binz, Allendorf/Lahn 44 „ Karl Zinßer, Allendorf/Lda. 44 „ W. Lein, Klein-Linden . . 46 „ Karl Stumps, Garbenteich 44 , Heinr. Weber, Heuchelheim 46 „ Konr. Hensel, Gr. Rechtenbach 44 Der Brotverkäufer: Dieselben Preise wie bei den hiesigen Bäckern. „ (Stegen, den 28. Juli 1906. Lz Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. W. Fabel, Wieseck . . . 26 „ 2 Kilogramm (4 Pfund) Weißbrot bei: Georg Dern II., Gr.-Linden 50 Heinr. Weber, Heuchelheim 54 Jakob Appel, Krofdorf. . 54 W. Lein, Lllein-Linden . . 54 Karl Post, Wieseck ... 54 Httbß-PserhmM zu Wen. Am Dieustag, dem 11. September 1906, vormittags, findet auf den städtischen Marktanlageu nächst der Rodheimer s‘raBe Pferdemarkt statt. Stallungen sind in der Nähe des Marktes ausreichend vorhanden, wegen derselben wolle man sich an Herrn Hoflohnkutscher Huhn-Gietzcu wenden. gut d>° Prämiierung des besten Pserdematerials stehen 1670 Mk. zur Verfügung. Der Prämiierungsplan ist von Herrn Weinhändler August Schwan zu Gießen zu beziehen. Die Preisverteiluug erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 12'/, Uhr. Omnibusverbindung von dem Bahnhof nach dem Marktplatz und zurück. Von 10 Uhr ab Konzert und Restauration auf dem Marktplatz. Am 12. September, nachmittags 2 Uhr, findet in der Turnhalle der Stadtknabenjchule eine Verlosung statt von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Gerat-' schäften, Fahrrädern, Nähmaschinen, Haushaltungs- und Gebrauchsgegenständen. Der Generalvertrieb der Lose L 1.— Mk. ist dem Herrn Richard Buch acker-Gießen übertragen. Gießen, den 25. Juli 1906. Die städtische Pferdemarkt-Kommission: Jean Kirch. Bw/r Von der Reise zurück. Os*. Meyerhoff. Lahntal-Sängerbund. Montag, den 30. Juli, abends 9 Uhr Gesamt-Probe im Einhorn, Um Erscheinen sämtlicher Sänger wird gebeten. Die angesagte Probe am Freitag fällt aus.4550 Versteigerung Dienstag, den 31. ds. Mts., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dahier, gegen Barzahlung 1. 6 Paar schwere Arbeitsschuhe, 2. 1 Pianino, 1 Bohrmaschine, eichene und buchene Bohlen, 2 Gasherde, 20 Dtzd. GaScylinder, 3 Drehbänke, 14 Handelswagen, 15 Tafeln Roh- und Ornamcntglas und Möbel aller Art. Versteigerung zu 1 findet bestimmt, zu 2 teilweise statt. 4591 B o r n, GerichtsboU-uebec, Versteigerung. Mittwoch, d.l.August d.Js., vorm. 10 Uhr versteigere 1 Drehbank, 1 Elektromotor, 2 Stanzen, 1 Schneübohr- maschine,6Schraubstöcke,1Blas- balg, 15 Ersatz-Stempel und Matritzen, 2 Blechscheeren u.v. a. zwangsweise gegen bar. (Zusammenkunft der Steigliebhaber in meinem Versteigerungslokal Walltorstraße 6.) Die Versteigerung findet bestimnrt statt. (4619 Gießen, den 30. Juli 1906. Seidel, GeriäusvoU.'m'ber. Freibank. Kuhfleifch 50 Pfg. [B30/, Neue IjolL Vollheringe per Stück 7 Pfg. Neue marinierte HenM per Stück 12 Pfg. Nene Salzgurken per Stück 6 Pfg. Neues Sauerkraut per Psd. 24 Pfg. Neue K artoffeln 10 Psd. 45 Pfg. Neues Grünkorn per Psd. 36 Pfg. L. Steinhäuser 4617 Neuen Baue 17. liiMitleierwiiL,. DäHofc zum Festspiel am Dlllülö 19. August: 1. Platz (nummeriert) Mk. 10 2. Platz , Mk. 5 Stehplatz .... Mk. 2 ferner Tribüuenplätze, welche sich an die Loge Sr. Konigl.Hoheit des Prinzen Eitel Friedrich u. der Ehrengäste anschließen, ä Mk. 5, erhältlich bei Ernst Ehallicr, 4605s Musikalienhandlung. Hechte in tadelloser Auswahl empfiehlt Gießener Fischhaus 05466 s Sonnenstraße 30. ^anzentod absolut sicher wirksam, Fasche50^ Adler-Drogerie Seltersweg 39 Otto Schaas. s4544 Todes-Auzeige. Verwandten und Bekannten hierdurch die traurige Mitteilung, daß gestern abend 11 Uhr unsere liebe, gute Groß- mutter, Schwester, Tante und Urgroßmutter Frau Johanna Böck Witwe nach kurzem, schweren Krankenlager in ein beffcres Jenseits abgerufcn worden ist. , . , Die trauernden Hinterbliebenen: I. d. N. Karl Winter. Gießen (Dammstr. 20), den 30. Juli 1906. 05464 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 1. August, vormittags 11 Uhr, vom Portale des neuen Friedhofes aus statt. Je billiger eine Ware an geboten wird, um so vorsichtiger muss man sein! Wer seine Kinder gewissenhaft ernähren will, kauft nicht das billigste, sondern das beste, denn das ist auf die Dauer stets das vorteilhafteste. Dazu gehören Dr- Oetker’s Fabrikate: Backpulver, Pudding-Pulver und Vanillen-Zucker ä 10 Pfg. (3 St. 25 Pfg.) nge/M Auf bequeme Teilzahlung Möbel Herren-, Damen- n. Kinder-Garderobe Manufakturwaren etC. [a*/6 J, Jttmann Kredit-Haus Giessen Blockstrasse 14—16 10 Pfund 2 Mark 4169 L. Steinhäuser 17 Neuen Bäue 17 NiirechtMITROTBAHDj Schluss Dammstraße 26, II. 04358] Seltersweg 73. 4586] 105462 ür sofort gesucht. Blarktplatz 9—10. Marktplatz 9—10 a”A Prima Kognak [05449 lich kochen kann o< [4352 Vorrat reicht. Marktplatz 2 05448] Neue 4259 Markt 7. 05459 Reparieren Laufstelle für den ganzen Tag ges. Näh. Wolkengasse 11. 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