Nr. 123 Erscheint tL-ttch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Kamilien» blätter viermal in der Woche bdgelegt Rotanonsdruck n Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u.Stein- druckeret. 8t Lang«. Redaktion, Expedition und Druckerei: Echulstraße 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.^dbl Adresse für Deoeschen: Anzeiger Gießen. Erstes Matt 156. Jahrgang Montag 28. Mai 1906 «ietzener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WII|I!—aiMMBi »AJMzWIWIII .............. ......IW..................... vezngdprei», monatlich 7bPs., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 66 Pf.; durch diePost Mk. 2.— viertel- jährl. auLschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für tue Tageöinnnmer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den poliL und allgern. Teil: P. Witt ko- für .Stadt und fianb* und .Gerichtssaaf: Ernst Heß; für den Anzeigenteil: HanS Beck!. Ire heutige Kummer umfaßt 10 Seiten< politische Woche »schart. Gießen, 27. Mai. Die Mittwochsitzung deS Reichstages brachte uns ein interessantes Ereignis: Die Jungfernrede deS neuen Staatssekretärs des auswärtigen Amtes, Freiherrn v. Tschirfchky- Bögendorff. Leider war damit aber eine gewisie Enttäuschung verbunden, denn der neue Staatssekretär hat sich als Redner nicht gerade sehr vorteilhaft eingeführt, weder was die Form, noch was den Inhalt betrifft. Nicht einmal bei der Rechten konnten seine Ausführungen einigermaßen befriedigen, und daS Bemühen, die allgemeine Weltlage in einem rosenroten Lichte barzustellen, rief überall nur ein ungläubiges Lächeln hervor. So leicht hat es sich aber auch schon lange kein Minister gemacht, mit allgemeinen Phrasen über den Kern der Sache hinwegzugleiten. Dabei besitzt Freiherr v. Tschirschky auch noch ein scharfes Organ, spricht sehr leise und verhaspelt sich wiederholt; er selber war froh, als er mit seinem Latein zu Ende war, und die Zuhörer gewiß nicht minder. Das Haus verspürte auch nicht die geringste Lust, dem Herrn Staatssekretär auf das Gebiet der hohen Politik zu folgen, und August Bebel, der sich allein dazu bewogen fühlte, etwas zu envidern, hatte gleichfalls keinen guten Tag. So lief denn das Debüt deS Herrn v. Tschirschky noch verhältnismäßig glimpflich ab, aber man findet es doch nicht so unglaubwürdig, wenn in den Wandelgängen erzählt wird, Fürst Bülow sei keineswegs sehr erbaut gewesen von der Ernennung beS derzeitigen Nachfolgers des Freiherrn v. Nichthofen. Die Reichsfinanzreform aber ist glücklich unter Dach und Fach gebracht worden, und das hohe Haus erntete dafür den Dank des Kaisers. Weniger Dank wird es dafür vom deutschen Volke ernten, weil die Hauptlasten wieder den breiten Massen und nicht den besitzenden Kreisen aufgebürdet wurden. Die lästige den Verkehr hemmende Fahrkartensteuer, die in sicherer Aussicht stehende Bierversteuerung etc. das alles sind Dinge, die gewiß sehr unliebsam empfunden werden. Eine großzügige Einkommensteuer mit entsprechender Heranziehung der großen Vermögen hätte mindestens dasselbe eingebracht und die Mittel für die Verteidigung des Vaterlands gcrechteriveise von denen mittragen lassen, die hierzu besser imstande sind als die sogenannten kleinen Leute. Dagegen bereitete in der Behandlung der Kolonialfragen der Reichstag der Regierung eine unangenehme Ueberraschung: er lehnte nicht nur die Bahn Kubub-Keet- mannShop, sondern auch in dritter Lesung den früher schon bewilligten Staatssekretär für die Kolonien ab. Das Zentrum war anscheinend selbst verblüfft über dieses Ergebnis. In der äußeren Politik erregt der angebliche Vertrag zwischen England und Rußland hinsichtlich der Abgrenzung ihrer Interessensphären in Persien augenblicklich daS meiste Jntereffe, besonders deshalb, weil darin auch die Bagdadbahn einbegriffen sein soll. Man kann es aber doch wohl nicht gut für möglich halten, daß sich die beiden Großmächte über den Kopf Deutschlands hinweg in einer Angelegenheit allein verständigt haben sollten, in der wir doch auch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hätten. Allerdings, wenn man daran denkt, wie sich Frankreich und England über die marokkanische Frage einigten, ohne dem Berliner Kabinett den betreffenden Vertrag auch nur zu notifizieren, dann erscheint schließlich alles möglich! In Italien wird wahrscheinlich Giolitti mit der Kabinettsbildung betraut werden, ein AuSweg, der aiich nur ein Provisorium bedeuten kann, denn dieser Staatsmann muß sich auf dieselbe unsichere Majorität stützen, die bereits Sonnmo im Stiche ließ. Zudem hat er die Jntriguen seiner Vorgänger zu befürchten. Die blutigen Tumulte in Sardinien beweisen, wie unheilschwanger die innerpolitische Lage ist, und daß dem Land vor allem eines nottut: wirtschaftliche Reformen. Giolitti ist aber ebensowenig wie Sonnino der Mann, hier energisch einzugreifen, und so wird auch er fortrourfteln wie sein Vorgänger. Der Chef des deutschen Geiieralstabes, General von Moltke, ist in Wien eingetroffen, und dort wurde er von den höchsten Spitzen des österreichischen Offizierkorps mit jener Herzlichkeit und Kameradschaftlichkeit ausgenommen, welche die Beziehungen zwischen den Armeen der beiden alliierten Staaten stets karakterisiert. Er wird sich auch im Brücker Lager davon überzeugen können, daß die kaiserlichen Truppen vorzüglich ausgebildet werden und daß die österreichische Heeresleistung im Gegensätze zu früheren Zeiten, wo der Paradcdrill die Hauptsache war, jetzt bemüht ist, die Soldaten vor allem für den Ernstfall zu schulen. Leider aber kriselt es in der Habsburgischen Monarchie schon wieder bedenklich, sowohl diesseits wie jenseits der Leitha. Die ungarische Koalition ist bestrebt, die wirtschaftliche Selbständigkeit ihres Landes vorläufig wenigstens theoretisch durchzuführen, indem der bisherige Ausgleich durch ein Zoll- und Handels- bünHnis zwischen den beiden Reichshälften ersetzt werden soll. Natürlich bedürfte aber ein solches Abkommen auch der Zustimmung jener auswärtigen Staaten, mit denen die Donaumonarchie die neuen Handelsverträge abgeschlossen hat. In Berlin, wo die Budapester Regierung bereits vertraulich anfragte, blieb man die Antwort' schuldig. Jedenfalls zeigt es sich immer deutlicher, daß der greise österreichische Kaiser von den Herren Apponyi, Kossuth, Polonyi und Konsorten düpiert worden ist und für die Vertrauensseligkeit der Krone werden die Oesterreicher die Kosten zahlen müssen. Vor einer einer ernsten Kalamität steht wieder der arme Sultan. Kaum ist er bei der Akaba-Affaire mit einem blauen Auge davon gekommen, so drohen schon wieder die Albanesen, die getreueste Stütze seines Thrones, mit einem Aufstande und ein Feldzug gegen dieses kriegerische, in wilden Felsengebirgen hausende Volk könnte recht böse werden. Auch in Arabien hat sich die Situation für die türkischen Truppen anscheinend wieder verschlimmert. Richt minder übel steht es im Reiche des Zaren, der von der Hofpartei mit General Trepow an der Spitze offenbar dazu gedrängt wurde, den Kampf mit der Reichs- duma aufzunehmen. Als Revanche dafür scheinen die Revolutionskomitees einen neuen Eisenbahnstreik organisieren zu wollen. Daß die Vombenwerferei nicht aushört, daß die Lage in den ballischen Provinzen sich neuerdings verschlechtert, alles das beweist, wie unklug es war, sich der Reaktion wieder in die Arme zu werfen und Witte zu eittlaffen. Dagegen feiert das rumänische Vo lk gegenwärtig das Freudenfest der vierzigjährigen Regierung seines Königs Karol, und es ist eine echte liefe Begeisterung, die man dabei beobachtet. _________________________________ Deutscher Reichstag. 112. Sitzung u o m 26. M a i 1906. Einem von dem Stellvertreter des Reichskanzlers eingegangenea Anträge auf Vertagung des Reichstages dis zum 13. 9t o v e m b e r wird die verfassungsmäßige Z u st i m m u n g erteilt. Es folgt die zweite Beratung des Handelsvertrages mit Schweden. Dazu beantragt die Kommission die Annahme zweier Resolutionen, nämlich 1. beim Abschlüsse der neuen Handelsverträge keinesfalls in Ermäßigungen der Zollsätze des geltenden Generaltarifs zu willigen, welche unter die bereit* in den abgeschlossenen Handelsverträgen zugebilligten Zollherabjetzungen heruniergehen, den wirtschaftlichen Ausschuß zur Vorberatung von Handelsverträgen künftig vor dem Abschlüsse der neuen Handelsverträge einzuberufen und zu hören und den wirtjchostlichen Ausschuß dahm zu ergänzen, daß alle Interessen der deutschen Produktion gleichmäßig darin vertreten sind, 2. dahin zu wirken, daß zugunsten der heimischen Preißelbeer» produktion, der Basalt- und der Pflastersteinindustrie ungesäumt ein Eisenbahnausnahmetarif in den einzelnen Bundesstaaten ein- gesührt werde. Ter Handelsvertrag mit Schweden wird in zweiter Lesung angenommen, nachdem auf Erklärung des Abg. Grafen Schwerin- Leewitz (fonf.) feine Partei stimme dem Vertrage in der Voraussetzung zu, daß die Reichsregierung den Standpunkt der Kommission teile, Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert batte: Ich betrachte unsere Konventionaltarife als abgeschlossen. Aenderungen sind nur insofern möglich, als es sich um Spezialitäten anderer Länder handelt, die den einheimischen Artikeln keine unmittelbare Konkurrenz machen. Ferner soll vor Abschluß neuer Handelsverträge der wirtschaftliche Ausschuß gehört werden. Der Ausschuß soll ferner durch Vertreter der Interessen aller Produktionszweige ergänzt werden. Das Hans nimmt hierauf in zweiter Lesung den Nachtrags- elat nach den Beschlüssen der Kommission an und vertagt sich sodann bis 1 Uhr: Tritte Beratung des schwedischen Handels- Vertrages und Etat. Ter Handels- und Schiffahrtsvertrag mit Schweden wird in dritter Lesung mit den dazu vorliegenden Resolutionen und definitiv a n g e n o m m e u. Es folgt die Fortsetzung der ziveiten Beratung des Ergänzung s e t a t s bei den noch nicht erledigten Forderungen der Kolönialverwaltung. Die Kommission beantragt, nur 690 000 Mk. zu bewilligen, darunter 500 000 Mk. zur Gewährung von Beihilfen an ausgediente Angehörige der Schutztruppe und an wehrpflichtige Reichsangehörige, welche als Landivirte sich in konzentrierten Ansiedelungen niederlassen. G e st r i ch e n find 16 Millionen Mark. Ein Antrag der Nationalliberalen und Koiiservativen, so'.vie der wirtschaftlichen Vereinigung ivill 3 Mill, zur Hilfeleistung aus Anlaß von Verlusten infolge bec Eingeborenenaufstände zugunsten von Ansiedlern bewilligen. Abg. Erzberger (Ztr.) berichtet über die Kommissions- verhandlungen. Kolonialdirektor Prii.z Hohenlohe erklärt, die Beschlüsse der Kommission gingen von der Notwendigkeit einer Konzentrierung der Kräfte im Norden der Kolonie aus. Er glaube, daß es nicht niöglich sei, daß man den Süden aufgebe, denn er sei geeignet, den Räuberbanden des deutschen Gebietes unb der benachbarten Gebiete Unterschlupf zu bieten. Von eminenter Wichtigkeit sei seiner Ansicht nach, daß man den Süden in der Hand behalte und wenigstens 1000 Mann dort belasse. Die Schwierigkeit der Verpflegung dieser Truppe sei sehr groß. Erheblich gemindert würden diese Schwierigkeiten durch den Bahnban, rermmbert auch die großen Kosten der Verpflegung. Befürwortet würde der Bahnbau in erster Linie aus militärischen Gründen. Diese Bahn habe aber auch einen entschiedenen großen wirtschaftlichen Wert. Mit Recht sei die Höhe der Ausgaben' für Südwestafrika betont worden. Die verbündeten Regierungen hielten es für ihre Pflicht, darauf hinzu- wetsen, daß es im Interesse der Steuerzahler liege, diesen Bahnbau zu bewilligen. Ter Kolonialdirektor wendet sich an das Wohlwollen des Hauses. (Beifall.) Abg. Dr. Arendt (Rp.) meint, es wäre eine eiiizj^ dastehende Tatsache, daß die Kommission zuerst in einer Stefolution diese Vorlage fordere und dann das Haus die geforderte Vorlage ablehnen wolle. 21 ud) wenn der Aufstand voraussichtlich bald völlig unterdrückt sein mürbe, so habe die Ablehnung dieser Bahn die Folge, daß das Deutsche Reid) aus den Süden seiner Kolonie völlig verzichte. Der Bahnbau sichere die Entwidelung und den Frieden in dem deutschen Schutzgebiet, der Bahnbau sei eine strategische und wirtschaftliche Notwendigkeit. Würde die Bahn jetzt nicht gebaut, so würde sie später nach weiteren Opfern zu erheblich teuerem Preise gebaut werden müssen. Abg. Ledebour (Soz.) meint, für ben jetzigen Krieg komme diese Bahn überhaupt nicht in Betracht, ba sie erst nach zwei Fahren fertiggestellt werden könne. Daher lehnten die Sozial- oemofraten den Antrag ab. Abg. Dr. Spahn (Zentr.) inödjte auch das Haus bitten, die Forderung abzulehnen. Tie Vorlage sei sehr schlecht begründet. An den großen Ausgaben sei daS Kolonialamt weniger schuld als die Militärverwaltung. Tas Zentriim könne sich nicht von der Notwendigkeit dieser Bahn überzeugen. Erbprinz zu Hohenlohe: Ich gebe zu, daß daS vorgebrachte Material nicht sehr umfangreich ist. Uns kam es aber darauf an, die Bahn zunächst für den notwendigen Zweck der 93er- vroviantierung zu haben. Fe schneller die Bahn fertig ist, um ss schneller werben wir auch die Truppenmasfen verringern können. Tie Regierungen wollen dem Reiche ein wertvolles Kolonialgebiet erhalten, unb aud) die Ehre des Deutschen Reiches gebietet, bas Erworbene festzuhalten. Abg. v. S t a u d y (Kons.- kann sich im wesentlichen beit Ausführungen des Abg. Llrenbt anschlietzen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß uzir jeden Augenblick mit der Regierung daS zu tun haben, was vernünftig unb zroeckmäßig erscheint. Bon der Forderung selbst waren ivir durchaus nicht angenehm überrascht. Wir haben den lebhaften Wunsch, daß so viele Truppen als möglich aus ben Kolonien herausgezogen werben mögen. Hätten wir rechtzeitig die nötigen Mittel für Bahnkanten in den Kolonien bewilligt^ ich glaube, wir hätten die Aufftäude vermieden und große Summen gespart. Wir gefährden bad Blut unserer Landsleute, roenn*' wir diese Bahn ableynen. Abg. Semmler (natl.): Wir können uns nicht dabei ruhigen, daß ivir uns auS dem Süden der Kolonie zurüHichen sollen. Den Süden von Sübwestafrika räumen, heißt SüdwesV- astika ganz aufgeben. Ich glaube zu wissen, daß, wenn wir die Bahn bewilligen, wir die bindende Zusage erhallen, daß noch im Laufe dieses Etatjahres 5000 Mann zurückgezogen werden. Oberst v. Deimling: Ich gehe bemuächst nach Sübwest- afriTa (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Glückliche Reise!) Präsident Graf Ballestrem bittet, derartige Zurufe zu unterlassen gegenüber einem Manne, der solche Verdienste hat. (Lebhaftes Bravo.) Oberst v. Dei mling: In ganz Südwestafrika wächst die äthiopische Bewegung. Durch die Aufgabe des Südens würden wir Hunderte vmr Farmerexistenzen vernichten und unser ganzes Prestige dem Auslande gegenüber preisgeben. Solange ich die Ehre habe, das Kommando draußen zu führen, wird der Süden nicht aufgegeben. (Großer Lärm links, Lachen bei den Soz.). Es sei denn, daß der Kaiser es wünscht, der allein darüber 511 bestimmen hat, sonst nienrand. (Großer Lärm links.), Wenn nach Beendigung des Krieges eine starke Besatzung im Süden bleiben muß, so müssen wir sie auch verpflegen. Die Verpflegung hat etllweder durch die englische Regierung, wie bisher, oder durch die erbetene Eisenbahn zu erfolgen. .Durch die englische Verpflegung gehen ganz ungeheure Summen ins Kapland. Die erschreckende Zunahme der Kranken liegt an der mangelhaften Verpflegung. Gewi- muß gespart werden, und ich gehe mit der ernsten Absicht hinaus, um dem Vaterlande die kolonialen Kosten zu ersparen, wo es möglich ist. Sowell die Lage es gestattet, werde ich mit der föeimfenbiirtg bet Truppen beginnen. Wenn Sie von mir die Nennung einer bestimmten Zell verlangen, baim sagen Sie mir erst, daß Sie die Bahn bewilligen. (Heiter- kell.) Mit jedem Kilometer werden Truppen Überzählig. Soll ich, wenn ich hinausgehe, ben Truppen braußen sagen: Der Reichstag läßt bie Bahn bei Kubub im Dreck stecken? Geben Sie mir Gewißheit, baß die Bahn gebaut wird! Abg. Dr. M ü l l e r - Sagan (frs. Vp.): Die Sprache, die der Vorredner führte, ist weder seiner noch des deutschen Reichstages würdig (stürmischer, langan haltender Beifall). Wie kann der Kommissar es wagen, vor diesem Hause $u erklären: Sie mögen beschließen, was Sie wollen — solange ich daS Kommando habe, rcirb der Süden nicht aufgegeben (erneute stürmische Zustimmung). Wenn in diesem Hause ein Offizier es wagt, sich in solchen Ausdrücken zu bewegen, so ist das kein Parlamentarismus, sondern Soldateska (stürmischer Beifall). Wie kann Oberst .Deimling es wagen, uns einen Handel anzubieten? Er sagte: willigen Sie die Bahn, dann werde ich Ihnen sagen, wieviel Truppen wir zurückziehen. Die Herren von der Steuermehrhell haben die schwächsten Scyult.rn belastet mll Steuern, und tvas ist der Erfolg? Kaum sind die Steuern unter Dach, so kommen die Kolonialenthusiasten und feljren mll riesigen Besen alles hinaus. (Lebhafter Beifall links.) Abg. Gröber (Ztr.): Es ist nicht gut, die Volksvertretung mit dem Tone und mit den Worten anzureden, wie Deimling es getan hat. Der Redner wendet sich bann gegen die Ausführungen Semmlers. Erbprinz zu Hohenlohe: Wenn wir bie Bahn bauen, so sparen wll bie Etappentruppen unb können dem Hause mitteilen, wieviele Truppen wll zurückziehen. Ich bitte Sie nochmals, das Vertrauen zu der Verwaltung zu haben, daß sie keinen Mann mehr draußen läßt, als die Sicherheit der Kolonie es Der langt, und daß sie bemüht ist, dem Reiche die kolossalen Ausgaben zu erleichtern, welche Sübwestafrika fordert. (Bravo.) Abg. Ledebour (Soz.) wendet sich gegen Deimling und sagt, dieser habe hier einen solchen Ton angeschlagen, well er Rückhalt bei Hofe habe. Präsident Graf Ballestrem erklärt, dem Negierungs- kommissar dürften nicht Diotive untergeschoben werden, die er nicht geäußert habe. Abg. Ledebour (fortfahrend-: Deimlings Rebe ist ein Symptom des persönlichen Regimentes, das wll in Deutschland haben. Das Auftreten des Ooerst v. Deimling ist zehnmal schlimmer als das Bvulangers und es ist ein Symptom des persönlichen Regimentes bei uns, das auf einer Stufe steht mll dem des Herrn v. Oldenburg. (Gelachter rechts.) Abg. Schrader (frs. Vg.): Die heutige Verhandlung hat gezeigt, daß in der Kolonialverwaltung noch ein Geist herrscht, dem wir nicht zustimmen können. Wir werden bft Forderungen ablehnen. Damit schließt die Erörterung. Die namentliche Abstimmung ergibt 95 mit ja, 186 mll nein bei 2 Stimmenthaltungen. Der Bahnbau ist sonnt ab gelehnt gegen Konservative, Reichs- Partei und Nationalliberale. Es folgt die Beratung über die Entschädigungsfrags der Anfi edler und die Forderung für die Besiedelung durch frühere Mitglieder der Schntztruppe, 10',,. Millionen Mark. Kolonialdllektor Prinz Hohenlohe gibt nähere Auskunft Aus StaSt uns Luns. Aber die Entschädigung Ein Wiederaufbau der Kolonie tfl ohne Farmer nicht -möglich. Ohne Unterstützung und Eittschädrg- ung fncb aber zahlreiche Farmer nicht in der Lage, sich in der Kolonie zu halten, und io haben wir zu besorgen, daß bie besten Kräfte die Kolonie verlassen. _ , . Abg. Ledebour (Soz.) vermißt einen Nachweis iroer die ^^Wg. Graf Arnim (Rp.) bittet um Bewilligung der zehn Mülwnen.^ 2lbstimmung lehnt das Haus die 10 Millionen ab ynb bewilligt nur 500 000 Mark. Damit war die Tagesordnung erledigt. Die heutige dritte Sitzung beginnt nachmittags um 5Vs Uhr. Fortsetzung der Etatsbcratung bei dem Etat des „Reichs he eres". Hierzu liegen eine Anzahl Abänderungs'» anträge vor, die als Konsequenz der Offizier-und Mann- schaftspcnsivnierungsgesetze entsprechende Aender- ungen in den bett. Positionen des Etats fordern. Auf Vorschlag des Präsidenten Balle st rem gelten die in den Anträgen geforberten Änderungen mit Annahme der bett. Position als angenommen. Abg. de Witt (Ztr.) bringt einen Fall zur Sprache, daß ein Main zer G e r i ch t s a f z c s si st , Dr. Gaßner, nicht zum Reserveoffizier gewählt wurde, weil er sich angeblich despektierlich über den Offiziersstand geäußert -habe, tatsächlich a!ber, weil er einem Katholiken darübert einen Vorwurf gemacht hatte, daß er sich duelliert habe. Der Redner sucht entsprechende Aenderung der Oftizierswahlen zu erwägen. Kriegsminister v. Einem erklärt: Er kenne den Fall nicht, er habe aber bereits in Erwägung gezogen, den Modus der Wahl der Reserveoffiziere dahin zu ändern, daß die Wahl von dem Offizierkorps des Regiments vvrgenommen wird, bei welchem der zur Wahl Gestellte diente. Abg. v. E l e r n befürwortet einen Anttag, die p e n s i o n s - fähige Zulage von 115 0 Mark allen Oberstleutnants zu bewilligen. Abg. Erzberger (Ztr.) stimmt dem Anttag zu. Der Anttag wird angenommen. Abg. Becker-Köln (Ztt.) iveift die in der zweiten Lesung vvm Abg. Zubeil gegen die Meister der Waffenfabrik Siegburg erhobenen Vorwürfe als unbegründet zurück. Abg. Zubeil (Soz.) hält seine Behauptungen aufrecht. Abg. Becker-Köln (Ztr.) erwidert, er werde die Angelegenheit außerhalb des Hauses erledigen. Generalleutnant Sixt v. Arnim: Ich habe die vorgc- brachten Beschwerden geprüft und muß dieselben als erhebliche Uebertteibungen bezeichnen. Der von dem Abg. Zubeil vorge- brachtc Fall ist untersucht worden. Die Untersuchung ergab, daß alle Anschuldigungen des Abg. Zubeil vollkommen erfunden waren!. Das entsprechende Material liegt int KriegÄministerium für alle, die sich dafür interessieren, bereit. Kriegsminister v. Einem: Man muß fast den Eindruck gewinnen, als käme es dem Abg. Zubeil nur darauf an, Mißvergnügen zu erzeugen. So etlvas muß man schließlich als Verleumdung bezeichnen. Der Etat des „Reichsheeres" wird bewilligt. Beim Etat des „Reichsmilitärgerichts" werden für das Gebäude des Reichsmilitärgerichts als erste Rate nur 13 000 Mark gegenüber den angeforderten 871000 Mark bewilligt. Eine Reihe weiterer Etats wird ohne weitere Debatte erledigt. Beim Etat des „Reichsschatzamtes" liegt ein Anttag Speck vor, welcher entsprechende Positionsänderungen auf Grutü) der neuen Gesetze Vvrsieht. Der Anttag wird angenommen und der Etat erledigt. Beim „Kolonialetat findet namenlliche Abstimmung über den Gehalt des Staatssekretärs statt. .Der „Titel" wird mit 142 gegen 119 Stimmen bei 9 Stimmenthaltungen abgelehnt. Dafür beanttagt Gröber (Ztt.) einen „Titel" Unterstaatssekretär 2 5 000 Mark" einzustellen. Unterftaatssettetär im Reichsschatzamt Twel c weist darauf hin, daß nach Ablehnung des Postens des Staatssekretärs das selbständige Kolonialamt falle und das Kolonialamt wieder als eine Mteilung des Auswärtigen Amtes zu erscheinen habe. Die aus diesem Beschlüsse des Hauses sich ergebenden Konsequenzen sind bereits in einem zur zweiten Lesung vorliegenden Antrag gezogen. Nachdem noch die Abgg. Semmler (natl.), Dr. Müller- Sagan (frs. Vp.) und v. Normann (Kons.) gegen den Anttag Gröber gesprochen hatten, zieht Gröber seinen Antrag zurück. Präsident Graf Balleftrem schlägt unter diesen Umständen Vertagung vor. Ein Antrag v. Tiedemann, den Titel „Kolonialamt" an die BudgetkomMission zurückzuverweisen, wird abge lehnt. Nächste Sitzung Montag. (Rest der heutigen Tagesordnung.) Gießen, den 28. Mai. * * In der letzten Stadtverordneten-Ver- sammlung stand noch ein Baugesnch von G. Trinkaus für Ecke Seltersweg und Wolkengasse auf der Tagesordnung. Der wegen der Einfahrt erforderliche Dispens wurde erteilt. • • Besitz wechsel. Schreinermeister Friedrich Rosenbaum in der Löwengasse kaufte von Spenglermeister Georg Appel das Haus Nr. 20 daselbst zum Preise von 40 000 Mk. --- Georg Appel, Installateur am Seltersweg, verkaufte sein in der Löweng ässe Nr. 18 gelegenes Haus an Spenglenneister Heinrich Appel für 15 000 Mk., sein Haus Nr. 13 daselbst an Friseur Roscher zum Preise von 23 000 Mk. — Das in der Löwengasse liegende früher Metzger Franz Schmidtsche Haus Nr. 12 kaufte für 6500 Mark Gemüsehändler Appel in der Wolkengasse. * • Das gestörte Vogelidyll. Im Winter hatte sich am Selterstor ein Buchfinkenpaar eingefundcn, das regelmäßig jeden Tag am Schalter des Oktroihauses gefüttert wurde. Das Männchen blieb auch nach dem Eintritt der befferen Jahreszeit dem Gastgeber als Kostgänger treu. Der Vogel verspürte trotz des geräuschvollen Verkehrs keine Lust, das einmal gewählte Quartier am Selterstor zu ver- lasien, er kennt seinen Wirt ganz genau und meldet sich, sobald er seiner nur ansichtig wird. Wenn der Oktroierheber einmal vergißt, dem Vogel sein Futter hinzustreuen, so setzt sich das Tierchen dreist an den Schalter und meldet sich. Dieses Idyll war kürzlich mehrere Tage lang gestört. Der Fink zeigte ein scheues aufgeregtes Wesen und ließ fortwährend ein schrilles Pfeifen ertönen, er flog häufig auf das Dach der Lesehalle, nahm seinen Platz auf der äußersten Kante des Daches nach dem Schoorgraben hin und gebärdete sich sehr ängstlich. Dem Gastgeber des Tierchens war desien Benehmen ein Rätsel, er ging der Sache nach und fand schließlich im Schoorgraben den Kadaver einer großen schwarzen Katze liegen. Nachdem der benachrichtigte Wasenmeister den Kadaver fortgeholt hatte, war der Fink wieder der alte. Das Tierchen fühlt sich in dem Revier, das es sich zum Aufenthalt erwählt hat, wieder wohl und nimmt täglich an dem alten Futterplatz seine Mahlzeiten wieder ein. / \ Fried berg, 26. Mai. Ein Konflikt ist über das kostenlose Holen von Sauerwasser an dem GermaniaBrunnen zu Schwalheim und am Ludwigsbrunnen bei Bad-Nauheim entstanden. Während hiesige Einwohner seit Bestehen der Quellen dort kostenlos Saucrwasser holen, machen jetzt die Pächter der Brunnen Schwierigkeiten und verlangen 5 Pfg. für den Krug. — Innerhalb der letzten Zeit wurden in der Umgegend der Stadt und besonders an der Promenade nach Bad-Nauheim mehrfach Rohheiten verübt. Dieser Tage gelang eS nunmehr einer Polizeipatrouillc zwei hier in Stellung befindliche Bürschchen dabei abzufassen, wie sie ihre Zerstörnngssucht an Gartenzäunen und Ein- ftiedigung an der Promenade betätigten und am Versorgungs- hauS die Brötchensäcke wegnahmen. -f- Ober-Mockstadt, 26. Mai. Heute fand hier, an Stelle des wegen Augenleidens zurückgetretenen Bürgermeisters Mickel, Bürgermeisterwahl statt. Von den 4 dazu aufgestellten Kandidaten erhielten Landwirt Mickel 59, Kraft 31, Hernln od 26 und Kullmann 12 Stimmen. Da keiner die absolute Majorität erhielt, muß also Stichwahl zwischen Mickel und Kraft stattfinden. — Obborn Hofen, 26. Mai. Der Bahnhof Obbornhofen-Bellersheim ist an das Fernsprechnetz deS Amtes Hungen angeschlossen worden. Laubach, 23. Mai. Der Kreistag des Kreises Schotten hat die Erbauung einer Kreis st raße von Gonterskirchen nach Freienseen beschlosien, die die Holzverladestelle Laubacher-Wald schneidet, die dem Dorfe Gonterskirchen auch als Personenhaltepunkt dient. Die Straße wird den Personenverkehr und besonders auch den Güterverkehr, der ohnedies schon stark ist, noch steigern. I Schotten, 26. Mai. Heute nacht starb hier unerwartet der in weiteren Kreisen bekannte Besitzer des Hotels „zur Post", Theodor Lellarius, der in unserem Städtchen die Stelle eines Beigeordneten vertrat. Der Verstorbene, der am öffentlichen Leben, namentlich bei Wahlen den regsten Anteil nahm, stand im 60. Lebensjahre. Sein Tod bedeutet für seine Vaterstadt einen nennenswerten Verlust. d. StornfelS, 24. Mai. Einen üblen Streich hat hier ein Mann den Bewohnern dadurch gespielt, daß er sich in dem einzigen Brunnen ertränkte, woraus sämtliche Dorfbewohner während der Sommermonate ihr Wasser holen müßen. Die Wasierverhältnifle sind in dem auf steilem Bergkegel gelegenen Dörfchen an und für sich schon recht traurig. Jeder Hausbesitzer hat in seiner Hofraitc eine Grube, worin jedes Tröpfchen Regemvafler aufgefangen wird, das zum Tränken des Viehes dient. Wasser Kochen aber muß stets in jenem Brunnen geholt werden, der am Abhange des Berges liegt. Selbstredend will nach dem traurigen Vorfall niemand mehr dieses Brunnenwasser benützen, lieber schleppen die Bewohner auS dem am Fuße des Kegels gelegenen „Lindenborn" daS unentbehrliche Naß hinauf in ihre Wohnungen. Da aber auch das Wasser dieser Quelle im Sommer nicht benutzt werden kann, so wird dem Orte nichts anderes übrig bleiben, als im Interesse seiner Jnsasien einen anderen Brunnen graben zu lassen — und das wäre keine leichte Arbeit — oder die bereits früher schon einmal im Projekt gewesene Wasserleitung zur Ausführung zu bringen. Beides ist mit erheblichen Kosten verknüpft. p. Wetzlar, 26. Mai. Mit der Zusammenlegung ihrer Grundstücke nach dem Gesetze vom 24. Mai 1885 haben bereits viele Gemeinden des Kreises Wetzlar einen großen Fortschritt in der landwirtschaftlichen Entwicklung gemacht. Im Verfahren befinden sich zur Zeit die Orte Alten- kirchen, Lechtingen, Blasbach, Dorlar, Erda, EberSgöns, Groß-Altenstädten, Hörnsheim, Hohensolms, Kraftsolms, Krofdorf, Gleiberg, Lützellinden, Münchholzhausen, Tiefenbach, die Bauweide zu Wetzlnr und über 6000 Hektar zu Wetzlar- Niedergirmes. Zu den sogenannten Folgeneinrichtungskosten wurden im letzten Jahre von unserm Kreis an sechs Ortschaften 1850 Mk. gezahlt. eh. Gladenbach, 26. Mai. Hier findet am 21., 22. und 23. Juli das Kreiskriegerverbandsfest verbunden mit Delegiertenversammlung und Fahnenweihe des Kriegervereins statt. Das Festkomitee hat bereits die ersten Vorarbeiten erledigt. [] Marburg, 27. Mai. Der seit etwa einem halben Jahre bei der Marburger Kreisbahn bedienstete frühere Buchbinder Konrad Eckhardt von hier geriet gestern mittag beim Rangieren so unglücklich zwischen einen Wagen unbeine Rampe, daß ihm die Brust total eingedrückt wurde und der Tod sofort eintrat. E. war noch unverheiratet. ]] Marburg, 26. Mai. Auf Veranlassung einer rheinischen Unternehmer-Gesellschaft finden in der Gemarkung Varzenbach im hiesigen Kreise Schürfungen nach Eisensteinen statt. Die Resultate sollen dem Vernehmen nach so günstig sein, daß demnächst hier ein größeres Berg- werk entstehen dürfte._____________________________________________ Provinzial-Ausschutz der Provinz Oberheffeu. Gießen, 23. Mai. Sally Schuster non Lindhe im war bei Gr. Kreisamt Büdingen um Aus stellung eines Wandergewerbescheins eingekommcn. Der Kreisausschuß des Kreises Büdingen lehnte dieses Gesuch mit Rücksicht darauf ab, daß der Gesuchsteller noch keine 25 Jahre alt und außerdem weder Ernährer seiner Familie, noch vier Jahre im Handelsgewerbe tätig sei, wie dies von dem Gesetz gefordert wird. Gegen diese Entscheidung verfolgte der Gesuchsteller Rekurs an den Provinzial-Ausschuß. Nachdem in der heutigen Verhandlung durch Vernehmung einer Anzahl von Zeugen sestgestellt worden war, daß Schuster infolge Erttankuug seines Vaters als der Ernährer der Familie zu bettachten ist, auch schon länger wie vier Jahre seinem Vater im Handel beigestanden hat, konnte der Provinzial-Ausschuß von dem Erfordernis des Alters absehen und dem Rekurs stattgeben. Schon seit längeren Jahren herrschen im Gemeinderat zu Büdingen Meinungsverschiedenheiten darüber, wo das neu zu errichtende Schulhaus hin zu stehen kommen soll. Nachdem nach längeren Verhandlungen beschlossen! worden tvar, als Bauplatz das Gelände hinter dem Kreisamt zu wählen und hierfür auch schon ein Projekt ausgearbeitet worden war, stellten vier Gemeinderatsmitglieder den Anttag, das Schulhaus entgegen den vorher gefaßten Beschlüssen in die Dammländer zu stellen. Der Bürgermeister setzte diesen Antrag auf die Tagesordnung, die bettesfende Sitzung des Gemeiuderats fiel aber infolge Beschlußunfähigkeit aus. Auf Beschwerde von der Mehrheit des Ge- meinderats an das Großh. Kreisamt beantragte der Bürgermeister namens der Minderheit des Gemeinderats eine Entscheidung des Kreisausschusses herbeizuführen, indem er darauf hinwies, daß es sich darum bandele, ob eine nochmalige Ab- । stimmung des Gemeinderats über die Frage, auf welck)em Platz 1 das Schulhaus zu bauen sei, herbeizuführen fei; er halte mit der Gemeinderatsminderheit diese «Lache fiir erledigt durch den Beschluß, der den Platz hinter dem Kreisamt vvrsehe. Der KteiS- ausschuß entschied, daß der Bürgermeister verpflichtet sei, eine Sitzung des Gemeinderats anzuberaumen und auf die Tagesordnung den Anttag der 4 Gemeinderatsmitglieder bett. Erbauung des Schulhouses auf den Dammländem zu setzen. Gegen diese Entscheidung verfolgte der Bürgermeister und die Minderheit des Gemeinderats Rekurs an den Provinzial-Ausschuß. Dieser setzte heute, nachdem die beiderseitigen Anwälte zur Sache gesprochen hatten, die Beschlußfassung aus. Johannes Appel III. zu Her chen Hain war um die Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft eingekommen. Der Gemeinderat verneinte die Bedürfnisftage und der Kreisausschuß des Kreises Schotten lehnte das Gesuch mangels Nachweises eines Bedürfnisses ab. Der Anwalt des Gesuchstellers legte gegen das Erkenntnis des Kreisausschusses Rekurs bei dem Prov'nzialausschussc ein. Nach umfangreichen Zeugenvernehmungen konnte auch dieser sich von einem vorhandenen Bedürfnis nach einer weiteren Wirtschaft in Hevchenhain nicht überzeugen und verwarf deshalb den eingelegten Rekurs kosten- fällig. «SericbtsfaaL [] Marburg, 26. Mai. Die Strafkammer verhandelte beute gegen acht Burschen nu§ Grebenhagen und Schwarzenborn, die gelegentlich einer T a n z m u s i k eine Torischlacht veranstaltet und sich gegenseitig mit Biergläsern, Basaltsteinen und anderen Instrumenten gehörig verhanen hatten. Nach Vernehmung von etwa 20 Zeugen wurde das erstinstanzliche Urteil, welches auf Gefängnis von 1 Woche bis zu 5 Monaten gelautet, mit geringen Abweichungen bestätigt. Dortmund, 26. Mai. Zum Prozeß gegen den Oberst a. D. H ü g e r wird gemeldet, daß der Andrang des Publikums seit einigen Tagen so stark ist, daß des morgens förmliche Kämpfe hin die Eintrittskarten geführt werden. Als Zeuge wird heute Generalinspekteur und General der Infanterie von Lindequist- Hannover vernommen. Er war damals kommandierender General in Stuttgart und bei ihm hatte Oberst Hüger Beschwerde gegen die für ihn ungünstige Entscheidung des Brigadekommandeurs von Witzendorff im Falle des Hauptmanns Sehmahl erhoben. Der General hatte sich auf denselben Standpunkt wie die Vorinstanz gesteht. Es werden die betreffenden Schriftstücke erneut vorgelesen. Daran knüpft sich eine Auseinandersetzung des Generals von Lindequist mit dem Angeklagten, au5 der sieh nichts nenes ergibt Danzig, 27. Mai. Das Oberkriegsgericht des 17. Armeekorps verurteilte den Kriegsgerichts rat Koch aus Grau- denz wegen Dienstvergehens und Beiseiteschaffung von Urkunden zu zwei Monaten Gefängnis. In der ersten Instanz war Freispruch erfolgt. Auf Veraulaffung des Kriegsministers hatte der Gerichtsherr Berufung eingelegt. Vermischtes. * Vom Frauenmörd er Dittrich. Der angeblich geisteskranke Lederarbeiter Max Dittrich hatte nach seiner Ueberführung aus der Irrenanstalt Herzberge nact) Dresden dort ein überraschendes Geständnis abgelegt. Anfang Mai bezichtigte er sich der Täterschaft an zehn Morden, darunter der an den Frauen-Graßnick und Schurm in Zeuthen. Am letzten Mittwoch zog er jedoch das Geständnis zurück. Nun ist aber durch das Zusammenarbeiten der Dresdener und Berliner Behörden so viel Belastungsmaterial herbeigeschafft worden, daß Dittrich der beiden genannten sowie, zweier in Sachsen verübten Morde nahezu überführt erscheint. * Der neueste Eisenbahnunfall. Auf dem Aspang-Bahnhofe zu Wien fand infolge Versagens der Bremse ein Zusummenstoß eines Personenzuges mit einem Güterzuge statt. 7 Passagiere wurden verletzt. lüinft unb Wissenschaft. Ehristini ■ Frankfurter Str. 39 Telephon 593 NB. Farbengefässe gratis. 3349 e/M d> 880231,03 14182,42 865,29 24391.41 5680,10 2471,70 900,00 Emmy Schmidt, geb. Jung Wiih. Schmidt, cand. med. 21342,20 715000,85 184451,42 300,00 7127L4 Gotthold Schmidt, Pfarrer. Lina Schmidt, geb. Seipel. Karl Schmidt, st. th. et rer. nat. Hedwig Schmidt. Otto Schmidt. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste, der uns betroffen hat, sagen wir innigsten Dank. Aktiva 1. Kassenbestand 2. Ausgeliehene Kapitalien 3. Güterkausgelder 4. Mobilien 5. Fällige Zinsen Darmstadt, 28. Mai 1906. Kaiserliche Obcr-Postdirektion. I. B.: Dingeldey. Heute abend verschied nach langem, schwerem, mit grosser Geduld getragenem Leiden unser innigst geliebter Sohn, Bruder, Enkel und Pathe Passiva 1. Kapitaleinlagen 2. Staminanteile der Genossen 3. Im voraus erhobene Zinsen von Güter- kausgeldern 4. Reservesond 5. Spezialreserve 6. Zu verteilender Gewinn 7. Gewinnvortrag ans neue Rechnung Versteigerung. Mittwoch, den 30. dS. Mts., nachmittags 3 Uhr, versteigere ich ein Fast schwarze Farbe, 1 Fast Del, 182 Stück eiserne Bogen mit Laschen, 250 Stück leere Zementsääe, 24 Stück starke Bohlen, 1 Partie leichte Schalbretter, 1 Abgußstcin ii. v. a. zwangsweise gegen Barzahlung. Die Versteigerung findet ganz bestimmt statt. Zusammenkunst der Steigliebhaber am Eisenbahn-Biadukt in der Ludwig, straste. 3368 Gießen, den 28. Mai 1906. Seipel, Gerichtsvollzieher. Neuenweg zwischen Kreuzplatz und Erlengasie wird hiermit aufgehoben. Die unterm 14. Mai dS. Js. angeordnete Sperre des Ast er weg zwischen Walltorstraße und Schillerstraße wird hiermit aufgehoben. Die unterm 18. Mai ds. Js. angeordncte Sperre der Plockstraße wird hiermit aufgehoben. Die unterm 14. Mai ds. Js. angeordnete Sperre der Kirchstraße zwischen Kirchenplatz und Wetzsteingasse wird hiermit aufgehoben. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird der Selterswcg zwischen Kreuzplatz und Plockstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhroerkehr gesperrt. Gießen, den 28. Mai 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Während 1905 gingen ab...... Daher Stand am 3L Dezember 1905 . Heuchelheim, den 25. Mai 1906. Kreiling, Direktor. Voltmauu, Rechner. Bekanntmachung. Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Tele» graphenlinie von km 3,0 der Chaussee Kleinlinden-Dutenhofen nach Mendorf (Lahn) liegt bei dem Kaiserlichen Postamt in Gießen von heute ab 4 Wochen aus. | Es gibt keine billigere Kraft X als die bewährten Es hat Gott gefallen, heute nachmittag 5 Uhr unseren teueren Bruder, Schwager und Onkel, den Uhrmacher 3350 'ft 1L Kfa Tl dUssboden Färbers« k tröckrietf über NACHT! i J streichtsichleicftt! \ Kekamümachung. Die unterm 19. Dezember 1905 angeordnete Sperre Eichgärten wird hiermit aufgehoben. Die unterm 18. Mai ds. Js. angeordnete Sperre des Bekanntmachung. In der Zeit vom 19. bis 26. Mai 1906 wurden in hiesiger Stadt . ,, _ gefunden: 1 Korallenkette und 1 gold. Damcnpngerrmg; verloren: 1 gold. Damenuhr, auf der Rückseite emailliert, 1 braune Brieftasche mit Papieren auf den Namen Walter Reidt lautend, 1 Haarpfeil und 1 weißes Taschentuch gez. I. B., 1 graues Wagentuch, 1 Portemonnaie mit 35 bis 40 Pfg., 1 kleines Schlusselchen, V- Dutzend weiße Knöpfe und 1 Zettel mit der Aiisschrlft Nota und Firma Schmücker Nachfolger Inhalt, und 1 Paar Glacehandschuhe; Entlaufen: 1 Bernhardinerhund, weiß und gelbe Schnauze, 70 Ctm. hoch. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 26. Mai 1906. Großh. Pvnzemutt Gießen. Herberg. odes-Anzetge Heute morgen entschlief sanft und unerwartet nach langem, schwerem Leiden mein innigstgeliebter Galle, unser guter Later, Bruder, Schwager und Onkel Ludwig Feldhaus, Kellner im 46. Lebensjahre, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten tiefbetrübt anzeigen. 3363 Die lleftraucrnden Hinterbliebenen: Frau Feldhaus Wwe. und Sohu. Gießen (Marktplatz 20), den 27. Mai 1906. Die Beerdigung findet Dienstag den 29. Mai, nachmittags 3 Uhr von der Kapelle bc8 neuen FriedhoseS aus statt. Bekanntmachung. SamStag, den 2. Juni 1906, vormittags 11 Uhr, wird im Bürgermelftereigebäude die Grasuntzung von den Schneisen und Wegen des Gießener Stadtwaldes öffenllich meiftbietenb Richard Reader im 20. Lebensjahre. Wir bitten Freunde und Bekannte um stille Teilnahme. Die trauernden Hinterbliebenen. I^Cari Seibel Germania-Drogerie versteigert. Gießen, den 25. Mai 1906. Grvßherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Saiiggas-Motore von 4—200 Pferdekräften. M 928222,01 . . 313 . . 11 324 . . 10 . . 314 Zirka 3/4—ll/t Pfennig pro Stundenpferd. Viel billiger als Dampf. Benzin-, Ergin-, Spiritus- Motore-Locomobilen Locomotiven. Sehr grosse Anzahl im Betriebe mit glänzenden Zeugn. Mtitt Oberursel Akt.-Ges. Oberursel bei Frankfurt a. KL Pläne und Kostenberechnung kostenlos. vtL 928222,01 Tie Zahl der Mitglieder betrug Ende 1904 Währetid 1905 gingen zu ...... . Versteigerung. Dienstag, den 29. vs. Mtö., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: 3 Drehbänke, 14 HandelS- wagen,lSchneidcrmaschine,lPianiuo, 100 Sack Zement, 1 Bohrmaschine, 3 Hobelbänke, buchene und eichene Bohlen, 15 Eichenstämmchen, Hirsch- und Rehgcwcihe, 8 Hühner, 1 Sopha, Bilder und andere Sachen. 3366 Born, Gerichtsvollzieher. Mittmlij, ö.MiÜf, nachmittags 2 Uhr l2“3 werden im Biekerschen Saale versteigert: Sophas, Komnwden, Kleiderschränke, 1 Vertikow, zwei runde Wirtstische, 1 Pianino, 1 Schreibtisch, 1 Fahrrad, 1 91c- gulator, 2 geschn. Eichenstämme, 1 Metalldrehbank it. a. m. Geißler, Gerichtsvollzieher '/J KW k i -V1 Um mein grosses Lager in smmer- zu räumen, cnimwaren gewähre bis Pfingsten Preisermässigung. 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