Erstes Blatt Nr. 74 156. Jahrgang Mittwoch 38. Marz 1906 • rffteint täglich anker SonmagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien- fclätlcr viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch-u.Stem- bmderet. R. Longe. Revattion, Ervedttio« und Druckerei: Schulst ratze 7. Redaktion 113 Verlag u.Exped.^^ 51 Adresse für Deoeschen: Anzeiger Gießen. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezugdpretOr monaklicv75Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigüeüen monatlich 6b Pf.: durch diePosLAik. 2.— viertel- jahrl. aux-idiL Bcstellg. Annalfnch von Anzeigen für die TageSmuniner bis vormittags 10 Uhr. ZeilenvreiZ: lokal 12'BU auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den DoliL und allgem« Teil: P. Wittko: füi , Stabt und ßanb* und <®cnd)t§|aal-: Ernst petz; für den Anzeigenteil: öan« Beck. Z)ie heutige Kummer umfaßt 12 Seiten. politische Lagessehan. DeS Kaisers Mittelmeerfahrt. Zu den widerspruchsvollen Meldungen über die Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms II. schreibt heute einer unserer Berliner Mitarbeiter: Wir wissen mit Bestimmtheit, daß eine Mittelmeerfahrt ge- plant wpr, jetzt aber als aufgegeben gelten kann. Man hatte id Berlin angenommen, die Verhandlungen in Algeciras mürben um die Mitte deS März, wenn nicht abgesckstossen, so bod) m günstiger Richttmg entschieden sein, und so war der Beginn der Fahrt des Kaisers auf einen der ersten Tage des April festgesetzt. Alle Vorbereitungen waren getroffen, das Gefolge des Kaisers war bestimmt, — da traten infolge des Sturzes des Kabinettes Rouvier eine Verschiebung der politischen Lage und eine Stockung der Konferenz-Beratungen ein. Es liegt auf der Hand, daß unter diesen Umständen der Antritt der Kaiserfahrt zunächst wieder ungewiß werden mußte. Und seit einigen Tagen kann cs als sicher angesehen werden, daß die Mittelmeerfahrt des Kaisers diesmal ausfällt. Damit dürste denn auch der für die zweite Hälfte des April in Aussicht genommene Gegenbesuch Wilhelms II. am spanischen Hofe um ein Jahr verschoben worden sein. Im Einklang hierzu steht die Tatsache, daß der Kaiser sich beim Fürsten Max Egon Fürstenberg zur Aucrhahnjagd für Ende April in Donaueschingen angesagt hat. Ra8 Makonneu. Nach einem Telegramm aus Dschibuti ist Ras Ma- fonnen, der „abessinische Löwe", mie man ihn nannte, Vizekönig von Harrar, gestorben. Er war ein Vetter des Kaisers Menelik und eine Hauptstütze dieses Herrschers. Als Gouverneur von Harrar kam er in engen Verkehr mit Ausländern, und dies hatte zur Folge, daß ihm hauptsächlich die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten anvertraut wurde. In dem Kriege mit Italien zeichnete er sich durch persönliche Tapferkeit und durch strategisches Talent ans und man mißt ihm den Hauptauteil an der Niederlage der Italiener bei Adua zu. 1899 wurde er beauftragt, eine gefährliche Revolution niederzuwerfen, an deren Spitze der Vizekönig von Tigre, ein Sohn des früheren Kaisers Johannes, stand." Der Feldzug bot große Schwierigkeiten. Der Kampf blieb unentschieden, aber cs gelang Makonneu trotzdem, seinen (Skalier zu zwingen, sich unter Bedingungen zu unterwerfen, die die Integrität des Reiches und "die Souveränität Meneliks gewährleisteten. 1902 wohnte Ras Makonnen als Gesandter Meneliks. der Krönung König Eduards bei. Er war eine der interessantesten Erscheinungen in dem Festzuge. Man glaubte, daß er nicht viel älter als 40 Jahre sein könne. Sein Staatskostüm erregte Aufsehen. Weiße Seide mit Goldverzierung herrschte vor. Dazu kamen europäische Schuhe und ein gewaltiger schwarzer Filzhut. Man erzählte sich, daß Ras Makonnen wegen der Kinderlosigkeit des Kaisers diesem auf dem Thron folgen werde, aber ec war zu klug, um den Titel eines Thronfolgers anzunehmen, da ein solcher Titel in orientalischen Ländern zu leicht Gefahren mit sich bringt. 1901 wurde er Vizckönig von Tigre, gegen den Ras Makonnen, wie bemerkt, zum Schutze der Herrschaft Meneliks gekämpft hatte, verhaftet, und Ras Makonnen erhielt, einen großen Teil der Territorien von Tigre zugcwiesen, weil er mit einer Schwägerin des aufrührerischen Ras verheiratet war. Der Verstorbene erfreute sich in Abessinien eines großen Ansehens und großer Beliebtheit. Auch die Europäer wußten ihn zu schätzen. Seine große Charakterstärke und seine schlauen diplomatischen Anlagen verstand er in der Unterhaltung mit Ausländern durch ein liebenswürdig melancholisches Wesen zu verschleiern. Er besaß das unbedingte Vertrauen seines Herrschers, dem es nicht leicht fallen wird, unter der Zahl derjenigen, die auf den Thron Einspruch zu haben glauben, einen dem Verstorbenen ebenbürtigen Mann zu finden.____________________________________________________ Sie Marokko-Konferenz. Am Dienstag vormittag — so wird uns heute privater- /eits aus Algeciras gemeldet —, während die Redaktionskommission zur weiteren Beratung des österreichischen Amendements im Hotel Reina Cristina tagte, teilte der amerikanische Delegierte White einen von ihm redigierten Vorschlag inbezug auf die Kontrollfunttion des diplomatischen Korps in Tanger mit. Dieser Vorschlag enthält eine Umformulierung des österreichischen Amendements, worin das diplomatische Korps mit Unterstützung des Generalinspektors als oberste Aufsichtsbehörde des marokkanischen Polizeikorps bestellt wird. Er fand alsbald die Zustimmung des Herrn v. Radowitz und des Herrn Revoit. Mit dieser'Ueberwindung der Hauptschwierig--, keit war das Eis gebrochen. Der fertige Kommissionsentwurf ging ans Plenuin. W. T.-D. meldet aus Algeciras, 27. März: Während der heutigen Sitzung bcr Redaktionskommission gelang cs auf Grund der von amcrit’anijrher Seite vorgeschiagcnen Fassung eine glückliche Lösung für die bestehenden Differenzen über die Frage der Bcanssichtig'.mg der Polizei zu finden, welche alle Aussichten hat, die Zustimmung des Plenums zu finden. Auch die Frage der Bankanteile ist in befriedigendem Sinne geregelt worden. Nach einer „Standard"-Meldung aus Tanger werden die Beschlüsse der Konferenz über die Polizeifrage von den Marokkanern mit großem Unwillen vernommen. Der Maghzen hat begonnen, ein neues Polizeikorps zu organisieren, um dcu europäischen Mächten zuvorzukommen. Rußland. Wie aus Brjansk telegraphiert wird, erfolgte gestern in der dortigen technischen Schule eine Bomben- Explosion. Ter Rektor hat deswegen die Schüler der vier obersten Klassen von der Anstalt ausgeschlossen. Nach Meldungen ans Sewastopol beabsichtigt der dortige Gouverneur sämtliche Juden einschließlich derjenigen, welche im Besitz des NiedcrlassungSrechtes sich be- sinden, aus zu weisen.____________________________________ Deutsches Reich. Berlin, 27. Mär;. Der Kaiser hörte heute die Vorträge des Generalleutnants Grafen von Hülsen-Haeseler und des Admirals Auchsel. — DnS dem Reichstage zugegangene Notgesetz, daS für die Monate April und Mai, in denen der Etat für 1906 noch nicht fertig fein wird, die budgetmäßige Grundlage für die Fortführung der Verwaltung festlegt, enthält auch die Bestimmung, daß der Reichskanzler eine Anleihe von 200 Millionen flüssig machen darf. Dresden, 27. März. Die Erste Kammer hat gleich der Zweiten Kammer die Heranziehung des landwirt- s ch a f t l. Betriebsvermögens zur E r g ä n z u n g s st e u e r beschlossen. Karlsruhe, 27. März. Die Schulkommission der 2. Kammer hielt heute eine Sitzung ab, in welcher der Staatsminister v. Tusch eine Erklärung folgenden Inhalts abgab: Die Regierung ist bereit, bei Annahme der Sätze des Entwurfs 1400 Mk. bis 2600 Mk. eine weitere Besser- ung der Gehaltsbezüge der Lehrer bei der allgemeinen Gehaltsrevision eintreten zu lassen und unter Ausschluß einer nochmaligen Besserung bei der Revision des Gehaltstarifs jetzt schon über die Sätze des Entwurfs hinaus- zugehen. Straßburg, 27. März. Der Ausschuß für die Errichtung eines Kaiser Wilhelm-Denkmals in Straßburg beschloß, die Beitrage, die im Laufe der Jahre 1888—1905 aus dem Dispositionsfonds dcL Statthalters zur Verfügung gestellt worden waren, insgesamt 160000 Mark abzu- lehnen.________________________________________ Ausland. London, 27. März. Eduard de Ncusville aus Frankfurt a. M. überreichte heute dem Lorbmayor die Denkschrift '■c§ deutschen Komitees für die Herbeiführung einer engeren Freundschaft zwischen England und Deutschland. Ter Lorb.nayor ver; .djcne Herrn de Neusville, daß die herzlichen Gefühle, die in der Denkschrift zum Ansbcuck kämen, ebenso herzlich in England eriuibeti würden, wo der Wunsch, in sehr freundlichen Beziehungen mit Deutschland zu stehen unb zu wirken, allgemein gehegt werde. — Das Oberhaus nahm heute in zweiter Lesung die Bill an, durch welche in Strafsachen ein BerufungZ- g e r i ch t s h o f eingesetzt wirb. Barrow i. Furneß lEngl.), 27. Mürz. Der peruanische Kreuzer „Almirante Grau", der einer der schnellsten Kreuzer der Welt werden soll, ist hier heute in Gegenwart von englischen, französischen, russischen unb japanischen Offizieren vom Stapel gelaufen. Paris, 27. März. Das Kriegsgericht in Nantes beschäftigte sich heute mit dem Falle bc§ Hauptmannes De Croy, der sich geweigert hatte, mit seinen Truppen an einer Jnventürausna hme teilzunebmen. Der Hauptmann gab zu, daß er mit Wissen gegen die militärischen Vorschriften gehandelt habe, daß es ihm aber unmöglich gewesen sei, sich gegen seine Ucberzeugung den militärischen Pflichten unterzuordnen. Trotzdem wurde er mit 4 gegen 3 Stimmen freigcsprochen. Tie Urteilsverkündung wurde von den Anwesenden mit Hochrufen begrüßt. — Der Kriegsminister teilte im heutigen Miniflerrate mit, daß Hauptmann De Croy zur Disposition gestellt wird. Der Freispruch hat großes Aufsehen erregt und inan ist allgemein der Uebcrzeugung, daß derselbe die Kampagne zu Gunsten der Abschaffung der Kriegsgerichte bedeutend fördern wird. — In Laurac kam cs bei der Inventnraufnahmc zu ernsten Zwischenfällen. Als die Truppen in die Kirche eindrangen, wurden sie von den darin befindlichen Personen mit allerlei Geschoflen bombardiert. Ein Hauptmann erhielt durch einen gegen ihn geschleuderten Stuhl ernste Verletzungen und mehrere andere Offiziere und Mannschaften wurden ebenfalls durch Wurfgeschosse oder Stockhiebe verwundet. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenoinmen. Einige wurden sofort vor das Schwurgericht gestellt, zwei erhielten je 2 Monate Gefängnis. Gegen den Pfarrer und den Vikar ist gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Bukarest, 27. März. Gestern Abend haben Stubenten- Demonstrationen stattgefunden, weil im National- Theater ein französisches Stück aufgeführt wurde, was die Studenten nicht dulden wollten. Die Demonstration artete in einen blutigen Straßenkamps aus, wobei Studenten von Revolvern Gebrauch machten. Militä.r mußte mit der Waffe vorgehen, wobei zwei Demonstranten getötet und 3 00 verletzt wurden. Auch eine große Zahl Soldaten wurde verwuudet. Konstantinopel, 26. März. Als Mörder Redwan Paschas verhaftete vier Ruthen leugnen die Tat. Sie behaupten, sie feien Tabakschmuggler unb zufällig bei der Verfolgung verhaftet worden. Washington, 27. März. Die Marinekommission dcS Repräsentantenhauses beschloß, den Bau eines Linienschiffes vom größten Typ, dessen Tonnengehalt der Marinesekretär bestimmen soll, und den Bau von drei Torvedobootsrerstörern au befürworten, ferner die Verausgabung van einer Million Dollars nach dem Ermessen des Mariuedepartements für Unterseeboote, sodann 1 250 000 Dollars für ein Trockendock in Bremerton am Puylfound und 1 400 000 Dollars für ein Schwimmdock an der atlantischen Küste. 9t erot) ort, 27. März. Der Bezirksanroalt Jerome erhielt vorn Gerichtshöfe de§ Stadtgefängnisses -den Befehl, gegen mehrere hervorragende Personen, die zu dem Versicherungswesen in Beziehung stehen, Haftbefehle zu vollstrecken. Las Unglück Von CourrttLrcs und dic französischen Ausstände. In Billy Montigny ist e§ den Rettungsmannschaften gelungen, des Feuers foroeit Herr zu werden, daß sie auf die andere Seite gelangen konnten. Hier bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick. Haufen von Leichen, verkohlt unb in Verwesung übergegangen, lagen übereinander. Die Leichen werden mit Chlor überschüttet und zu tage gefördert. Tie deutschen Rettungsmannschaften, deren Tätigkeit beendet ist, verabschiedeten sich von der Gesellschaft in CourrißreS und kehren nach Deutschland zurück. Die Bergungsarbeiten werden von den französischen RettungS- mannschasten fortgesetzt. Die Bergleute nehmen in größerer Zahl die Arbeit wieder auf. Man glaubt, daß sich bei der Adil immnnq die große Mehrheit gegen die Fortsetzung deS Ausstandes auSsprechen wird. Aus SfaOt Mtto LanS. Gießen, den 28. Marz. ♦* Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den cvangel. Pfarrer und Kirchenrat Eduard Koch zu Frän- tlsch-Crumbach auf fein Nachsuchcn unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt. — Entlassen wurde der Gefangenenaufseher am Gan» beszuchthaus Manenschloß Hch. Walther auf fein Nach» suchen. ” Von bcr landwirtschaftlichen Haupt ge- n offen sch ast für Obcrbcss.en. Uninr der Ueberschrist „3um Fall Hirschel" geht unS rm geschätzter, sich selbst als zuverlässig bezeichnender Seite eine längere Auslassung zu, nach der die gerichtliche Untersuchung auf Grund einer Anzeige deS ersten Dircktors S ch l e n f c erfolgt fei. Dieser habe den zweiten Direktor, Hirschel, wegen Unterschlagungen unb etwaiger anberer damit im Zusammenhang stehender Delikte bei der Staatsanroaltschaft zu Gießen angezeigt. Die Leute, die in Hirschels Handlungen lediglich ein verspätetes Abliefern von Genossenschaftsgeldern erblickten, hätten insofern recht, als Herr Hirschel alles Geld .ii die Genossenschaftskassc zurückgebracht hatte.—Im Gegensatz hierzu geht uns von einer anderen Seite, die ebenfalls icmen Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit zuläßt, eine Mitteilung zu, daß c.m Montag in Hungen eine Sitzung deS Genoss e n s ch a f t s v o r st a n d e s stattgefunden habe, in der daS Vorgehen beS Herrn Schlenke mißbilligt unb Herrn Hirschel ein Vertrauensvotum erteilt wurde. Unterschlagungen oder dergleichen habe sich Hirschel nicht zu schulden kommen lassen, er sei vielmehr öfters daS Opfer feiner Gutmütigkeit gewesen und umgangen worben. Weiter beschloß die Versammlung, die Genossenschaft nicht aufzulösen, da hierdurch ein Defizit bis zu 20000 Mark entstehen könnte, während eine gewissenhafte Wetterführung den bisherigen Gewinn vergrößern müßte. — Die „Deutsche Volksmacht" schreibt in ihrer neuesten Nummer unter der Ueberlchrist »Zur Aufklärung" folgendes: Im Publikum kursieren die merkwürdigsten Gerüchte wegen ■Hier Untersiichungssache gegen den Direktor Hirschel, hauptsächlich hcroorgerulen durch einen sensationell ausgebaujchten Attikel der „Kleinen Presse". Zur Beruhigung der vielen Freunde des genannten Herrn unb im Interesse bet genossenschaftlichen Sache sei hiermit konstatiert, bas; gegen denselben lociter nichts vorliegt, als baß eine Unter- snchlmg durch das Landgericht geführt wird, weil gegen ihn eine offenbar von Radffucht diktierte Denunziation eingelansen ist, die gcrichtsseitig untersucht werden muß. Sowohl der V o r st a n d als der 2l u f s i ch t s r a t der Land- ivirtschaftl. Haupt-Genossenschaft haben genaueste Keiintnis von der Vorgängen und stellten sich einstimmig auf den Standpunkt, baj H er vn Hirschel nichts vorzu werfen sei. Wer Herrn Hirschel kennt, weiß, daß derselbe einer unehren« haften vandlmig nicht fähig ist und bitten wir deshalb, den lächev- lich übertriebenen Klatschereien fein Gehör zu schenken. •• Stad tt Heater. Die gestrige Llufführung von Lessings „Nathan der Weise" darf als recht gut bezeichnet werden. Herr Wittmann setzte als Nathan feine ganze Kraft ein und c3 gelang ihm auch, uns die prächtige Gestalt des alten Juden vortrefflich vor Augen und Ohren zu führen. Ter Tempelherr des Herrn Lütt jo Hann war eine ausgezeichnete Leistung. Die Wärme seines Tones, baä lebhafte Spiel unb die Leidenschaftlichkeit, in der er doch stets klug maßzuhalten verstand, drangen zu Herzen und man darf dem jungen Künstler — wenn fein Streben und fein Fleiß dieselben bleiben — getrost eine gute Zukunft prophezeien. Garnicht dagegen befriedigte der Sultan Saladin beS Herrn Steinmann. Man vermißte bei ihm so ziemlich alles. Tie Figur, bie bei guter Darstellung so sympathisch wirken kann, ließ vollslänbig kalt. Frl. Donecker als Recha wußte ihrem Spiel viel Innigkeit unb Weichheit zu geben, unb der geschwätzigen Taja wurde Frau Millar ganz gut u UL I -'s I M i «H Ä. ■ ,-A PM whi $ '- . . . Ji ? gerecht. Sehr gut waren Herr Mendel als Klosterbruder und Herr Herrscher als Derwisch. Die Vorstellung wird nächsten Freitag wiederholt und ihr Besuch kann aufs Wärmste •empfohlen werden. g Grüningcn, 27. März. Der ® em einberat saßte m seiner leisten Sitzung den Beschluß, mit dem Bau eines neuen Schul hause 8 alsbald zu beginnen. Der Bau soll noch in diesem Jahr im Rohbau fertiggcsiellt werden. t. Reiskirchen, 27. März. Die Frau eines hiesigen Landwirts glitt heute beim Jauchefahren auf dem Eise and und wurde üb er fahren. Der rasch hinzugezogene Arzt stellte außer einigen anderen Verletzungen einen Beinbruch fest. x Allend orf (Lahn), 27. März. Eine wenig bekannte Unsitte der Soldaten beim Anbruch ihres letzten Dicnstjahrcs an ihre Verwandten einen Trauerbrief zu senden, brachte eine hiesige Familie in große Bestürzung. Ihr Sohn hatte auch einen solchen Traucrbricf heimgesandt und die Abresse von einem Kameraden schreiben lassen. Als die Eltern den Brief erhielten, glaubten sie ihr Sohn sei plötzlich gestorben, die Geschwister des Soldaten liefen weinend und jammernd inS Dorf und benachrichtigten die Vern andtcn. Bald klärte sich das Ganze als ein schlechter Scherz auf. Butzbach, 27. März. Von den verschiedensten Seiten tauchen Gerüchte auf, wonach Heinzerlings Unterschlagungen bei weitem niederer seien, als anfangs angenommen worden war. Es ivird sogar mit großer Bestimmtheit der Verlust, den die Sparkasse erleidet, mit 45 OOO Mk. angegeben. Alle derartige Angaben dürften kaum den Tatsachen entsprechen, da der Vorstand der Kasse großes Stillschiveigcn bewahrt und auch die Feststellungen bis heute noch nicht zum Abschluß gekommen sind. Vor einer vollständigen Klärimg dec Kassenverhältnifse kann selbst den am nächsten beteiligten Stammeinlegern kein genauer Bescheid über die Verlirste gegeben werden. (—) Bad-Nauheim, 27. März. Gestern fand hier unter Anwesenheit des Referenten vom Großh. Ministerium, Herrn Oberingenieur Schobert, eine Sitzung über die Gas- Aentrale Laubach statt. Anwesend waren die Kreis- amtmänner Hechler-Gießen und Haberkorn-Schotten, Ingenieure Müller-Gießen, Heil-Frankfurt a. M., sowie drei Vertreter der Stadt Laubach. Nachdem einige redaktionelle Aenderungen des Vertrages vvrgenommen worden waren, vertagte man die Schlußbcratung auf Vdontag, 2.April, in Gießen. Der Bau des Gaswerks soll dann sofort in Angriff genommen werden, damit die Gaslieferung noch in diesem Herbste begonnen werden kann. )( £ a u b o c6 , 26. Mär;. Zu der gestrigen Versammlung des Vogelsberger Geflügel- und Vogcl z u cktvcr eins waren von hier und Umgegend etwa 150 Mitglieder erschienen. Uhrmacher Jöckcl aus Grünberg leitete die Versammlung. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bilbrte die diesjährige Verbandsausstellung, über die Herr Simon-Ehringshausen referierte. Mit Freuden begrüßte man die Mitteilung, daN Graf Wilhelm zu Solms-Laubach (Arnsburgs das Protektorat übernommen habe. Dann schritt man zur Feststellung des Programms. Nach ihm soll am 13. Mai die Ausstellung durch eine Prämiierung mit nachfolgendem Festessen stattfindeu, am 14. Mai wird ein Festkonzert der Kapelle des Jägerbataillons aus Marburg ausgeführt. 9(m 14. und 15. Mai ist die Ausstellung für das Publikum geöffnet. Auch der Kaninchcnverein gedenkt sich zu beteiligen. Für den 16. Mai ist eine Besprechung über Gründung eines Schweinezuchtvereins vorgesehen. ? Herchcnhain, 27. Marz. Die hiesige Sektion des Vogelsberger Höhenklubs hat in ihrer jüngsten Sitzung be- schloffcn, mit bem Baue des Turmes auf der „Herchen- hainer Höhe" noch in diesem Frühjahre zu beginnen. Die Voranschlagssumme betragt 7000 Mk., wovon 2000 Mk. aufgebracht sind. Den Rest will eine Bierbrauerei, deren Biere auf der „Höhe" zum Ausschank kommen sollen, unverzinslich vorschießen. Der Turm wird aus Basalt errichtet, nebenan kommt eine RestaurationShallc; der betr. Gastwirt erhält den Schlüssel und die Aufsicht über die Gebäude. Der mit Fleiß ausgearbeitete Plan wurde von Bauanfseher Licderbach zu Hartmannshain kostenfrei entworfen. § Burkhards, 27. Marz. Mit Eröffnung der neuen Nebenbahnstrecke Gedern-Grebenhain geht die Fahrpost um 6.45 Uhr morgens hier ab an den Zug ab Gedern 8.05. Mit Anschluß an den Zug 9.30 geht sic zurück nach Burkhards, KaulstoS und Sichenhausen und von da wieder zurück bis Burkhards. y. Büdingen, 27. Marz. Gestern nahm Ober- konsistorialrat M erdt mit den Vertretern des Kreisamts und der Standeshcrrschast eine Besichtigung des alten zweiten Pfarrhauses, das durch einen Neubau ersetzt werden soll, vor Heute fand die Entlassung von zehn Schülern der hiesigen landw. Winterschule statt. Die Schule war in diesem Winterhalbjahr von 20 Schülern besucht. Der Feier wohnte Ministerialrat Dr. Usinger bei. fc. Mainz, 27. März. Ein erschütternder Vorfall ereignete sich bei einer Familie in der Ncutorstraßc. Die Familie erhielt den Besuch der auswärts wohnenden Großmutter. In dem Augenblick nun, als die alte Frau zur Tür hereintrat, starb ihr einjähriges Enkelchen, das schon längere Zeit krank war. Mit einem lauten Schrei fiel die Großmutter zur Erde und war tot. Ein Herzschlag hatte ihrem Leben ein Ende gemacht. Wetzlar, 25. Mä-rz. Am Freitag sand hier die Generalversammlung des Dombauvereins statt. Wie der Vorsitzende, Landrat Dr. Satorius, mitteiltc, stellt sich die Rechnung für 1905 in Einnahme auf 271 265 Mk., in Ausgabe auf 73385 Mk., sodaß ein Kasseubestand vvn 197 880 Mk. verblieben ist. Für die Wiederherstellunas- arbeiten uni Dome sind, abgesehen von den Bauanteilen des Staates und der Provinz, vom Dvmbauverein bis jetzt 109 668 Mk. aufgcwendet worden, lieber den Stand der Wiederherstettungsarbeiten berichtete Kreisbauinspektor Stiehl. Danach wurde nach der 1904 borgenommenen Fertigstellung der Notarbeiten am sog. Hcidenturmc, 1905 mit der Bautätigkeit am Chor begonnen. Die Arbeiten sind soweit vorgeschritten, daß wohl mit Mitte ülpril d. I. der kath. Gottesdienst wieder im Chor abgehalten werden kann. Ls wird bann die Wiederherstellung des südlichen Seiten- LhiffeS des Langhauses und deS südlichen Querschiffflügels 'isi Angriff genommen werden. Da die hierzu nötigen Stein» «uebarbeiteii bereits vorbereitet sind, hofft man, mit diesen Arbeiten im laufenden Jahre fertig zu werden. Die Geiamtkosten für die Wiederherstellung des Tomes sind auf 1000 000 Mk. veranschlagt Hiervon sind 950000 Mk. durch •ine in drei Serien auszuspiclende Lotterie, Beiträge des Staates, der Provinz, des Kreises und der Stadt Wetzlar, p)hne der beteiligten Kirchengememden und des Dvmbau- vereins gedeckt. Dem Dombauverein bleibt außerdem die Aufgabe, die noch fehlenden 50 000 Mk. sowie die Kosten für die innere Älusstattung des Gotteshauses aufzubringeu. L li c n b a cb, 27. März. Das durch zwei Türme flankierte, auf 5 c tt'euhcimer Gebiet gegenüber der Schloßstraße gelegene Bootshaus des Offenbacher Rudervereins 1874 ist vergangene Nacht ein Raub der Flammen geworden. Noch biS g"wu 2 IIbr waren Mitglieder des Vereins in geselliger Weise beieinander. Aber schon nach 3/i3 Uhr soll der Wirt Metzger gemerkt haben, daß ein Brand a ungebrochen sei und darauf habe er sofort Meldungen gemacht. So viel wie bis> ietzt verlautet, ist der Brand in dem in der nördlichen Ecke bes 65runb- stückH belegenen Ankleideraum cnisgebrocken und hat sich 'der Kegelbahn und dann dem auS öoU und Fachwerk bestehenden GeseNschaftshause mitgeteilt. Es wird angenommen, daß Kurzschluß der elektrischen Belenästungsanlage die Brcmdursache ist. Das Feuer verbreitete sich mit kolossaler Schnelligkeit, sodaß der Wirt, als seine Frau, notdürftig bekleidet, mit einem Kind die Wohnung verlassen hatte, um in Fechenheim Unterschlups zu suchen, nach Ergreifung der Wirtschcstsklasse nicht mehr in der Lage war. einen größeren Geldbetrag in Sicherheit zu bringen, sondern sich an einem Seil herablassen mußte, um 'ein Leben zu retten. Die Dampfspritze der Cassellaschen Fabrik wie die Fcckenhcirner Feuerwehr, die bald nach 'Ausbruch des Brandes anrücktcn, konnten nichts mehr retten, ebensowenig "in Teil der hiesigen Bereitschaft, die nach ihrer s/i4 Uhr erfolgten Alarmierung mit der DamPffpritze ebenfalls auf den Feuerherd geeilt war. Es brannte alles nieder und heute morgen zeigte nur noch ein '--ruckender Trümmerhaufen an, wo dos Bootshaus stand. Nur -r vor dem Wirtschaftsgebäude stehende Mastbaum, einige Bäume und die Umzäunung sind erhalten geblieben. Der Schaden ist recht bedeutend, da außer den Gebäuden nebst Mobiliar auch fast das gesamte wertvolle Bootsmaterial vernichtet wurde. Wie dos „Offö. Abendbl." hört, soll der Schaden der dem Ruderverein wie dem Wirt entstanden ist, durck Versicherung gedeckt sein. Die hiesige Feuerwehr rückte gegen 7 Uhr früh vom Brandplatz ckb. Marburg, 27. März. In der vergangenen Nacht wurde bei Kilometer 78,3 der Strecke Neustadt-Kirchhain der Haussohn David Vom schlag aus Neustadt vorn Streckenpersonal tot zwischen den Bahn gl eisen aufgcfunden. Der Verunglückte hat wahrscheinlich den Bahnkörper als Weg beim Nachhausegehen benutzt und ist dabei von einem Zuge erfaßt und überfahren worden. Weilburg, 26. März. Heute früh gegen 6 Uhr brach an dem Ausgangsschacht des der Gewerkschaft Buderus gehörenden „Ottosto llcnin der Grundbachstraße Feuer aus. Die darin beschäftigten Bergleute brachten sich rechtzeitig in Sicherheit. Durch Einschütten von Wasser in den erwähnten Ausgangsschacht suchte, man das Feuer zu löschen. Obersteiger Schäfer und Steiger Müsemer versuchten gegen die Brandstätte vorzudringen, wurden aber durch herab- sa llende Erd massen daran verhindert, tragen erhebliche Verletzungen davon und wurden der Gießener Klinik zugeführt. * Kleine Tageschronik. Der in M ünche n verstorbene Privatier Josef Kolbl hat bestimmt, daß sein ganzer Nachlaß von 707 551 Mark der Stadtgemeinde zufallen soll. Der Testatvr wünscht namentlich die Errichtung eines Findelheims. — In Bristol brach in einer Schuhfabrik Feuer aus und breitete sich auf zahlreiche benachbarte kleine Gebäude aus. Die Fabrik ist vollständig ausgebrannt. Fünfzig Familien suchten, nur notdürftig bekleidet, in bitterer Kälte anderes Obdach. Ein Jenerwehrmanil ist getötet. Mehrere hundert Arbeiter sind beschäftigungslos. — Zwischen Dover und St. Margaret droht ein Kreidefelsen eiuzustürzen, (etwa zwei Mill. Tonnen Gestein). — Nach Meldungen ans Montreux bat sich die Gattin des wegen seines Sittlichkeits-Prozesses bekannten ehemaligen Wiener Universitäts-Professors Dr. Beer durch einen Revvlvcrsckmß ejt 11c i6 t. — In Pola ist infolge des Genusses vvn See muscheln die ganze Familie des Fregattenkapitäns Oucc an II n t c r l e i b s t v p h u s schwer erkrankt. — Auf den Balearen fand ein heftiges Erdbeben statt. Ein italienischer Dampser strandete. Sturm und Seegang verhindern jede Hilfeleistung. — Der Arbeiter Holze in Lüdinghausen bei Essen e r st a ch den Liebhaber seiner Frau, woraus er von einem seiner Kostgänger durch einen Messerstich tödlich verletzt wurde. — Auf dem Werke des Aachener SbüttenaftieiWercind Rote Erde stürzten nach Beginn der Nachtschicht einem Arbeiter mehrere Zentner glühende Eisenschlacke auf Kopf und Oberkörper. Er erlitt so schwere Brandwunden, daß der Tod sofort eintrat. Ein anderer Arbeiter siel in den beißen SVramoerfcr, wurde aber durch die Geistesgegenwart miderer Arbeiter vor dem Tode bewahrt. — Aus Aosta wird gedrahtet, daß zwei vermeintlich bei einer Bergbesteigung u in - gekommene Studenten, einzige Söhne angesehener Familien, Opfer eines Verbrechens geworden sind. Angeblich sind höchst sensationelle Entbüllunaen su erwarten. Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Chemische Werke vorm. H. F. Albert, Biebrich. Der Abschluß der Gesellschaft wird voraussichtlich einen etwas höheren Gewinn aufweisen als i. V. Jedock kann über die vorjährige Dividende von 18 Prozent kaum hinaustzegangen werden. Märkte. ke. F r a n k f u r t a. M., 28. März. iOrig.-Telcgr. des „Gieß. Anz.") V i e h m a r k t. Zmn Verkaufe standen 00 -Kalber, 00 Schale und Hammel, 1235 Schweine: 1. Qnal. 79—00 Psg. Lebendgewicht 62.00—00.00 Pf., 2. Qnal. 77—78 PL, Lebendgewicht 60—61 Psg., 3. Qual. 72—74 Pig. Kälber 1. Quai. 00-00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pig., 2. Qnal. 00—00 Pig., Lcbendgewick: 00—00 Psg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg. Schale 1. Qualität Schlachtgewicht 00—00 Psg., 2. Qualität 00 —00 Pfg. Geschäst: bei Kleinvieh gedrnckt, 11eberltand bedeutend. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 27. März. Das Säwffengericht Bad-Nauheim hat den Metzger A. Sch. dorten wegen Beleidigung eines Schutzmannes zu 15 Mark Geldstrafe verurteilt und dem Beleidigten die Publikationsbefugnis zugesprochen. Sch. hatte dem Schutzmann nachgesagt, er habe sich durch Anbietcn von Getränken dazu bewegen lassen, das Feierabendbicten zu unterlassen. Das Berufungsgericht schloß sick den Ausführungen der ersten Instanz an und wies di - von dem Angeklagten und der Staatsanwaltschaft erhobene Berufung zurück. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen beit 23 jähr, verheirateten Schreiner L. D. von Reiskirchen verhandelt. Aus dem öffcntlick verkündeten Urteil war zu entnehmen, daß der Angeklagte fick einmal im Dezember v. I. und einmal im Januar d. I. an einem siebenjährigen Mädchen in unsittlicher Weise vergangen hat. Das erste Mal nahm er die Handlungen auf dem Heimweg von einem Schlachtfest vor, wälwend er das zweite Mal die Abwesenheit der Eltern des Kindes dazu benutzte, es in seiner elterlichen Wohnung auf» zusuchen. Auf Grund des persönlichen Eindrucks und des Gutachtens eines Sachverständigen hielt ihn das Gericht für geistig gesund. Mit Rücksicht auf die Vorstrafe wegen gleichen Verbreckens wurden ihm mildernde Umstände versagt und wegen Sittlickkeitsverbrechens nach] § 176, 3 huf 2 Jahre 6 Mvna te Zuchthaus und fünfjährigen Ehrverlust erkannt. Der Verwalter des Konsumvereins zu Birklar G. Sck. war angeklagt, sick in vier Fällen an s chu l p fl i ch t i g e n M ä d ch e n in unsittliche r W eise vergangen zu Hoven. In zwei Fallen hielt das Gericht ein Verbrechen gegen! § 176, 3 als vorliegend, wahrend es bezüglich der anderen Fälle cs dahingestellt ließ, ob eine das Sittlich ^'cksgcftM verletzende Handlung vorliegt. Da der Angeklagte, ix - U)8 Jahre alt ist, sich seither eines guten Rufes erfreut hat und noch unbestraft ist, kam er mit einer Gefängnisstrafe von einem Jahre durch. Die Frau des L. B. und die Frau des I. F. K. von Treis a. d. Lumda hatten sick gegenseitig wegen Beleidig- unge n verllagt. Frau K. hatte der Frau B. vorgeworsen, sie habe kein ruhiges Gewissen, während Frau B. Nachbarsleute warnte, mit Wlch einer Sorte Menschen wie Frau K. zu verkehren. Dos Schössengcricht verurteilte Frau K. wegen Beleidigung zu 15 Mark Geldstrafe und sprach der Beleidigten die Publikationsbefugnis zu. Bezüglich der Frau B. hielt es eine Beleidigung nicht für erwiesen, weshalb es Freisprechung eintreten ließ. Infolge Berufung kam die Strafkammer auch bezüglich der Frau B. zur Verurteilung und zwar zu derselben Strafe wie das Schöffengericht Fran K. verurteilt hatte. Gcriehtssaal. 0 Marburg, 24. März. Das Landgericht beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit einem interessanten Gnts- ka u fsprv z eß. Wegen einer Erbschaftsregulicrung sollte das bei Homberg gelegene 252 Morgen große Sckein'sche Bauerngut verkauft werden. Als Käufer meldete sich die Bergmannsfamilic Wessel aus Asseln bei Dortmund und diese brächte es durch die Vorspiegelung, sie besäßen genügende Barmittel, zustande, daß in Homberg ein Kaufvertrag gemackt wurde, nach welckem das Gut an einem noch zu bestimmenden Tage für 105 009 Mark in ihren Besitz überginge. Als der Einzug ins neue Heim vor sich gehen sollte, stellte sich heraus, daß die Leute völlig mittellos waren. Der Eigentümer, der schon verschiedene Unkosten gehabt, batte große Mühe, um die Sache wieder rückgängig zu machen. Das Gericht erkannte gegen das Ehepaar wegen versuchten Betrugs und Erpressung auf 2 in Monate Gefängnis. Sport. G Fußball. Am Sonntag nachmittag fanb auf dem Trieb ein Wettspiel zwischen der 1. Mannschaft des Fußballklubs „Viktoria" 65 i e ü c n und der 1. Mannschaft des Fußballklubs ^Viktoria" Wetzlar statt; bei welchem Viktoria Gießen als Sieger mit 14:0 bervorging. Arbeiterbewegung. Worms, 27. März. Sämtliche hiesigen Zimmer gesellen befinden sich seit gestern im A u s st a n d; sie verlangen Erhöhung des Stnndenlobnes von 40 atü 50 Pfg. (Fftr. Ztg.) Origriral-Drahttiielduirgeir. Essen, 28. März. In den größeren Städten des Ruhr- bczirks traten die Schneidergesellen wegen Lohn- disserenzen in den A u s st a n d. Mühlheim bei Urmitz, 28. März. Der durch den Bergrutsch angcrichtete Sch aben wird auf 1 Million Mark geschätzt. Meuselwitz, 28. März. Die Bergverwaltung forderte die streikenden Bergarbeiter auf, bis Freitag die Arbeit wieder aufzunehmen, andernfalls gelten sic als abgelegt. Luxemburg, 28. März. In der Nähe der Ortschaften Beidweiler und Rediugen wurden ein Witwer und öine Witwe mit durchschnittenem Halse ermordet aufgefunden. Paris, 28. März. Dem Artikel des „Temps" über die russische Note an den Grasen Cassini stehen die französischen R e g i e r u n g s kr e i s e fern. (?) Ein Russe erzählte gesprächsweise einem Mitarbeiter des „Temps" von der Note und gab den Inhalt frei; daher ist der zuerst veröffentlichte Text ungenau. Er erklärte hinterher, die Mitteilungen wären völlig absichtslos gemacht (?) und er hätte nicht geglaubt, daß sie publiziert werden würden. (??) Algeeiras, 27. März. Der offizielle Bericht über die heutige Sitzung lautet: Die Konferenz genehmigte den neuen Text des auf die Zensoren der staatl. Banken! bezüglichen Artikels. Was die Zahl der Fremden staatlicher Bauten betrifft, die das Recht haben sollen, Zensoren zu ernennen, so ist die Entscheidung zurückgestellt worden. Tie Konferenz prüfte sodann den neuen Text des Entwurfes für eine Regelung der Polizeifrage, Artikel 1, 2, 3, 4, 5, 9 und 10 wurden mit unerheblichen Mänder- uitgen angenommen. Artikel 3 und 6 wurden zurückgestellt. Artikel 7 über die Beziehungen des Inspektors zum Maghzen und zum biplomatischeu Korps wurde ange- nontmen, unter Vorbehalt der Instruktionen, welche die Delegierten von ihren Regierungen einholen sollen. Mit demselben Vorbehalte wurde Artikel 8 angenommen, betr. die Untersuchungen, mit denen der Inspektor auf Verlangen des diplomatischen Korps im besonderen Fall soll beauftragt werden können. Artikel 11, welcher die Verteilung der französischen und spanischeu Jnstruktionsoffiziere und -Unteroffiziere auf die Häfen behandelt, wurde für die auf Donnerstag angesetzte neue Sitzung zurückgestellt. — Bei Schluß der heutigen Sitzung der Konferenz gab der Herzog, von Allnodovar seiner Meinung Ausdruck, daß eine Entente erreicht sei, und betonte der glückliche Einwirkung auf den Abschluß der Konferenz. Newyork, 27. März. Ter „Commercial" meldet die bevorstehende Gründung einer internationalen Bank in Havanna durch ein französisch-deutsch-englisch-amerikanisches Syndikat. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteiit von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Rör«e. 28. März, 1.15 Uhr. 3Ja°/o Reichsanleihe . . 100.85 3% do. . . 89.00 3«<°/o Konsols .... 100.70 3% do 89 00 3K7ö Hessen 99.60 3^°/n Obcrhessen . . . —.— 4 % Oesterr. Goldrente. . 100.00 4Vr ?o Oesterr. Silberrente 100.50 4%' Ungar. Goldrente . . 94.00 4°o Italien. Rente . . . 106.10 3°o Portugiesen Serie I . 69.50 3 Oft Portugiesen „ III 70 70 4Ja°'o russ.Staatsan]. 1905 92 20 n Japan. Staatsanleihe 94.80 4 % Conv. Türken von 1903 93 80 Türkenlose ... . . 147.40 \% Griech. Monopol-Aul. 53.90 1 % äussere Argentinier . 92.25 3°/# Mexikaner ... 68.50 4^°/0 Chinesen . . . . 97.60 Aktien: Bochum Gnss 243.00 Buderus E. W .... 129.00 Tendenz: fest. Berliner Börse. Cauada E B 175.10 Darmstädter Bank . . . 148.20 Deutsche Bank .... 246.90 Dortmunder Union C. . . BS.OO Dresdner Bank .... 165.70 Tendenz: fest. Elektriz. Lahmeyer . . . 146 80 Elektriz. Schuckert . . . 131.90 Eschweiler Bergwerk . . 259.— Gelsenkirchen Bergwerk . 225 10 Hamburg- Amerik. Paketf. 169 90 Harpener Bergwerk. . . 217 00 Lanrahütte 247.00 Nordd. Lloyd 131.70 überseh!es. Eisen-Industrie 129 40 Berliner Haudelsges . . 174 90 Darmstädter Rank . . . 148.80 Deutsche Bank . . . 247 00 Deutsch-Asiat Bank . . 182.50 Diskonto-Kommandit. . . 191.40 Dresdner Bank . . . 166.25 Kreditaktien 210.50 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . . . 111.70 Gotthard bahn — Lombard- Eisenbahn . . 24 80 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.40 Prince-Henri-Eisenbahn . 136.00 28. März. Anfangskurse. Harpener Bergwerk . . . 217.20 Lanrahütte , . , . 247.— Lombarden E. B. ... 2410 Nordd. Lloyd 131.20 Türkenlose . ... 148.40 bij 2002 in Giessen Telephon 399 4 Plockstratze 4. Kaplansgasse 18 4 Plockstratze 4 Spezial-Niederlage -n Schokolade, Kakao, Dcsterts, Bonbons, Tee rc. 18 Knaben-Anzuge 1832 Telephon 384. Marktplatz-Schuistrasse. 1741 Mecum. Bm/3 Lindenplatz 12. Bahnhotstrasse 27. 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