Nr. 203 Erscheint tügltch außer Sonntag Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Lietzener KamUien- blätter viermal in der Woche beigelegL Rotationsdruck u. Verlag der Brühl 'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerri. 9L Lange. Redaktion, Ervedttüm und Druckerei: Echulstraße 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.^Ebl Adresse für Deoeschen: Anzeiger Gießen. Erstes Blatt 150. Jahrgang Donnerstag 30. August 1000 Bezugspreis: monatlich 7bPs.,viertel- jährlich Dlk. 3.20; durch Abhole- iu Zweigstellen nwnatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.— viertel- jährl. ankschl. Beslellg, Annahme von Anzeigen für die TageSinnnmer bis vormittags 10 Uhr. Zetlcnvrei»: lokal 12Pf« ailswärtS 20 Pfg. Verantwortlich füe den polit und allgem« Amts- und Anzeigeblatt für den Mels Gießen KßW v w zeigenteil: HanS Beck. Gietzener Anzeiger w General-Anzeiger v 3>ie heutige Dummer umfaßt 8 Seiten. Aje Iaufe des deutschen Kronprinzeufohnes. Neues Palais, 29. Äug. Zur Taufe des am 4. Jul: geborenen Prinzen, Sohnes des Kronprinzenpaares, versammelte sich die tgl. Familie gegen 6 Uhr im Tressenzimmer des Palais mit den höchsten Gästen, unter denen sich die Kronprinzessin von Griechenland als Vertreterin der Königin der Hellenen, Prinz Christian zu Schleswig-Holst em als Vertreter des Königs von England, Großfürst Wladimir von Rußland als ,Vertreter des Kaisers von Rußland, Erzherzog Josef von Oesterreich als Vertreter des Kaisers von Oesterreich, der Herzog von Genua als Vertreter des Königs von Italien erschienen waren. Gleichzeitig fanden sich im Tamerlansaale die Hofchargcn, das mcrison militaire, der Hausminister, der Ches des Zivilkabinetts, sowie der Hof der Kaiserin, im Muschelsaal das Gefolge, die Fürstlichkeiten und die Prinzen und Prinzessinnen ein. In der Jaspis-Galerie versammelten sich indessen die übrigen geladenen Gäste: die Witschafter, die Gesandten, die Herren des diplomatischen Korps, dabei der norwegische Gesandte v. Ditten als Vertreter des Königs von Norwegen, mit ihren Damen, der Reichskanzler, die Generalfeldmarschälle, die Ritter des Schwarzen Ädlerordens, die Härrpter der fürstlichen und ehemals reichsständischen gräflichen Familien, die Gene- ralltät, die Admiralität, die Staatsmürister, die Staatssekretäre, die Präsidenten des Reichstags und der beiden Häuser des Landtags, der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, die Spitzen der Potsdamer Behörden, sowie die Damen und Herren der Gefolge. Die in Berlin wohnenden oder dort einquarhierten Gäste waren in einem Sonderzuge auf der Station Wildpark eingetroffen. Beim Bahnhof hatte sich bei prächtigem Sormnerlvetter eine große Menschenmenge eingefunden. IN Potsdam und Berlin hatten die kgt. Schlösser, die öffentlichen und viele private Gebäude geflaggt. Än Neuen Palais hatte die Schloßgardekompagnie in friedericianischer Tracht den Ehrenposten gestellt, ebenso die Leibgarde der Kaiserin. Die Jaspis-Galerie war zur Taufkapelle hergerichtet. In der Mitte der südlichen Schmalseite des langgestreckten Saales war ein purpurfarbener Dhron baldachin aufgebaut, unter welchem das Bild des Erlösers hing. Hierunter stand der 'Altar mit rotseidenem Behang, über welchen sich eine Spitzendecke breitete. Aus dem Altar stand ein goldenes Kruzifix und zwei Leuchter. Ter Behang der Decke und die Mtargeräte sind ein Geschenk der Hofstaaten des Kaisers und der Kaiserin zu deren Silberhochzeit. Vor dem Altar stand der sogenannte Ehepakientisch, mit einer rotsamtnen Decke belegt, auf ihm das historische Taufbecken und die Taufkanne in reicher, getriebener Arbeit aus schles. Gold, ein Geschenk der Provinz Schlesien und seit langen Jahrzehnten im Gebrauch. Den Baldachin flankierten zwei hohe goldene Kandelaber und Gruppen von blühenden Gewächsen. 'Am Altar stand die hohe Geistlichkeit. Die in der Galerie Versammelten stellten sich an der Fenfterseite in drei langen Linien so auf, daß dem Alltag zunächst die Damen traten, denen sich die Diplomaten und die übrigen Gäste anschlossen. Nachdem die Herrschaften um den Altar Aufstellung genommen hatten, erteilte der Kaiser den Befehl zum Beginn der Taufhandlung. Oberzeremonienmeister Oberhof- und Haus-Marschall Graf zu Eulenburg geleitete die Herrschaften zu den von diesen im Zuge einzunehmenden Plätzen und der feierliche Zug in die Taufkapelle setzte sich in Bewegung. Voran schritten Hofkuriere und die Pagen. Es folgte der große Vortritt, die Vize-Oberhofchargen, die Oberhofchargen und die obersten Hofchargen. Der Kronprinz führte die Kaiserin, der Kaiser die Groß - h erzog in mutter von Mecklenburg-Sch werin, Großfürst Wladimir von Rußland die Kronprinzessin von Döne- marr rc. Den Fürstlichkeiten schloßen sich die Adjutanten und Gefolge an. Vortritt und Gefolge nahmen in der Taufkapelle den Fenstern gegenüber an der Kielseite Aufstellung. Die Herrschaften bildeten vor dem Altar einen Halbkreis, sodaß der Kaiser mit dec Großherzogin Anastasia links, die Kaiserin und der Kronvrinz rechts zur Seite des Altars traten und die weiteren Paare sich wechselseitig anreihten. Die Kronprinzessin hatte ihren Platz in der Taufkapelle zur Seite des Altars bereits eingenommen. Ein Sessel stand für sie in der Nähe des Platzes des Kaisers und ihrer Mutter bereit. Der Täufling war in Begleitung der Leibpagen des Kronprinzen und der Kronprinzessin in die zunächst der Taufkapelle gelegenen Gemächer gebracht worden. Nunmehr wurde er, geführt von Hofmarschall von Trotha, durch die Oberhofmeisterin Freifrau von Tiele-Winkler bis an die Tür der Taufkapelle getragen. Die Hofdamen Burggräftn zu Dohna-Schlobitten und Frl. v. Helldorf hielten die silber-brokatene Schleppe desTäuflings. An der Tür der Taufkapelle übergab bie Oberhofmeisterin Freifrau von Tiele-Winkler den Täufling der Prinzessin Viktoria Luise, welche, während die Ehrenposten präsentierten, nut ihm vor den Altar trat, wo der Domchor sang: »Du Hirte Israels". Hierauf hielt Oberhofpcediger Schloßpfarrer Dry an der eine Ansprache, der er die vom Kronprinzen ausgewählten Textworte 1. Mose, Kap. 13, VerS 2: »Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein" zu Grunde legte. Bei Beginn der Taufhandlung überreichte Prinzessin Viktoria Luise den Täufling der Großherzogin Mutter von Mecklenburg-Schiverin. Im Moment der Taufe übernahm ihn die Kaiserin. Beim Vaterunser legten die Paten und ihre Vertreter die Hände auf den Täufling. Dann taufte der Oberhofprediger den Tätfiling auf die Namen: Wilhelm, Friedrich, Franz, Josef, Christian, Olaf. Nach Schluß der heil. Handlung mit Gebet und Segen übergab die Kaiserin den Täufling der Prinzessin Viktoria Luise, welche ihn der Kronprinzessin überreichte. Der Kaiser und die Kaiserin und die Fürstlichkeiten brachten der Kronprinzessin alsbald ihre Glückwünsche dar. Der Domchor sang Albert BeckerS: »Fürchte Dich nicht!" Der Schimmer der Wachskerzen auf dem Kristallkronleuchter mischte sich mit dem hellen Schein des Tageslichtes, das zu den Fenstern vom Park her hereinflutcte. Die Kronprinzessin begab sich in den angrenzenden Salon jenseits der Taufkapelle. Der Kaiser und die Kaiserin folgten. Die Kronprinzessin nahm dort auf einem Sessel Platz, neben dem ein Hinunelbettchen in Weiß mit blaßblauen Schleifen für den Täufling aufgestellt war. Die Kronprinzessin nahm nun eine Defiliercour der Taufzerrgen ab. Zum Schluß fand im Marmorsaale Galatafel statt. Im Verlaufe des MahleS erhob sich der Kaiser zu folgendem T r i n k s p r u ch: Ich trinke auf die Gesundheit des Täuflings, S. K. H. des Prinzen Wilhelm von Preußen. Hurra, hurra, hurra! Nach der Tafel hielten der Kaiser und die Kaiserin im Tanzsaal Cercle.______________________________________________ Kotttische Cagesschan. Herr v. Podbielski und der „Schwarze Adler". -tt- Berlin, 29. Äug, Herrn v. Podbielski, der heute von seinem Landgut wieder in Berlin eintraf — er dürfte danach an den T a u f - festlichkeiten teil genommen haben —, wird starkes Verlangen nach dem „Schwarzen Adler", dem höchsten preußischen Orden, nachgesagt. Ein Teil der Presse glaubt denn auch, diese glänzende Auszeichnung, sozusagen die Krönung staatsmännischer Tugend, werde dem Minister beim Uebertritt in den Ruhestand zuteil werden. Hier erscheint wohl doch ein Fragezeichen am Platze. Jnr übrigen befindet sich Herr v. Podbielski bereits im Besitze einer ÄUszeichnung, die für ihn in seiner Eigenschaft als Waidmann von besonderem Werte sein muß. Er hat nämlich das Recht, die Hofjagdu iso rm tragen zu dürfen. Nicht alle seiner Ministerkollegen tonnen sich dieses Vorzugs rühmen, z. B. weder Graf Posadowsky noch Dc. von Studt, die tviederum den „Schwarzen Adler" besitzen. Die Verdienste des Landlvirtschaftsministers um die Landwirtschaft werden von agrarischer Seite gepriesen; Vertreter anderer Volksinteressen urteilen anders über das Pod- bielskische Regime in Erinnerung der Grenzsperre, Fleischteuerung usw. Der „letzte Tag" des Ministers ist wohl nicht mehr fern, ob er ihm das „letzte Glück", den angeblich heißersehnten „Schwarten Adler" bringen wird, bleibt abzuwarten. * König Friedrich von Dänemark wird in der ersten Halste des September dem schwedischen Hofe einen Besuch abstatten. Das ist kennzeichnend für die veränderte politische Situation aus dec skand. Halbinsel. Zwischen Kopenhagen und Swckholm herrschten lange Jahre hindurch gespannte Beziehungen, dasselbe galt für die beiden Nationen. Dänemark sympathisierte stets mit Norwegen, und dieses Verhältnis ist noch inniger geworden, seitdem ein Däncnprinz zum König von Norwegen erwählt wurde. Wenn nun der dänische König sich entschlossen hat, den Hof in Stockholm zu besuchen, so will er damit offenbar zwischen Schweden und Norwegen, diesen „feindlichen Brüdern", vermitteln. Gelingt es ihm, eine Wreder- annäherung herbeizusühren, dann wäre das politisch für Skandinavien von großer Bedeutung. Die drei Staaten würden sehr bald zu einer Interessengemeinschaft, in erster Linie einer handelspolitischen, gelangen, und welcher Auslandsstaat dann den vorherrschenden Einfluß in einem der drei Staaten erlangt, der würde wohl in nicht ferner Zeit in ganz Skandinavien der Erfolgreichste im internal. Wettbewerb sein. Deutschland steht mit Dänemark und Norwegen noch nicht im Handels- vertragsverhällnis. Letzteres zeigt bis jetzt gar keine Neigung, in Verhandlungen zu treten, und Dänemark möchte die Vorteile der deutschen Meistbegünstigung anscheinend noch recht lange genießen — ohne Entgelt. Es droht für Deutschland also die Gefahr, daß es beim Erstarken skandinavischer Interessengemeinschaft durch seine Hauptkonkurrenten England und Frankreich vom nord. Markt zurückge- drängt wird, wenn es sich nicht zu Konzessionen an Dänemark und Norwegen versteht, die mindestens den im Handelsverttag mit Schweden gewährten entsprechen. Unter diesem neuen Gesichtspunkt muß die skandinavische Vertragssrage jetzt wohl oder übel bettachtct und behandelt werden. Vom Anleihemarkt. R Berlin, 29. ?Aug. Die serbisch e Regierung gibt sich erdenkliche Mühe, eine Ausländsanleihe abzuschließen, wobei die Unterstützung durch den deutschen Geldmarkt erwartet wird. Es ist zu wünschen, daß die deutsche Hochfinanz auf ihrer Weigerung, sich an diesem Geschäft zu beteiligen, beharrt. Da in Deutschland zurzeit ein Bedürfnis nach neuen Auslandspapieren nicht besteht, würden die Banken wahrscheinlich in die Notwendigkeit versetzt werden, ihre eigenen Tresors mit den neuen Serben zu füllen. Erfahrungsgemäß werden selbst durch erfolgreiche Emissionen die Mittel der Banken in Anspruch genommen, weil ein großer Teil der Zeichner seinen Anleiheanteil nach kurzer Zeit mit einigem Gewinn zu verkaufen pflegt. Im nationalen Interesse liegt es aber, daß die Hochfinanz sich jederzeit Mittel flüssig hält für den deutschen Anleihemarkt, d. h. sowohl für die glatte Hereinnahme deutscher Reichs-, Staats- itnb Kommunalanlechen, als auch für die Stabilisierung der Kurse dieser deutschen Fonds. In letzteren einen Teil ihrer Gelder auLulegen, sollte Ehrensache aller deutschen Banken fern. Erfreulicherweise halten es einigen der größten Institute mit diesem Grundsatz. Eine operetlenhafte Revolution. In der politisch uninteressanten Republik Kuba ist wieder einmal eine jener Revoluttonen ausgebroä)en, die Librettisten in Europa als Lperettenstoff verwenden könnten. Es gibt kaum etwas harnlloscres int Völkerstreite als die Bürgerkriege in Südamerika, wo die feindlichen Parteien oft stundenlang ihr Pulver verknallen, olMc daß ein Tröpfchen Blut dm Boden rötet. Auf Kuba hat es nach den vorliegendm Nachrichten bisher auch noch keine Schlacht, sondern nur ein paar Scharmützel gegeben und es scheint, daü iüegierungstruppen und Aufständische einander schen aus dem Wege geheit. Zudem macht: die Revolution den Eindruek, als ob sie bestellte Arbeit wäre, damit Bruder Jonathan den vertragmäßig sestgesetzteu Vorwand geliefert bekommt, in Kuba zu intervenieren, um dann die schöne fruchtbare Insel zu a » n e ? t i c r e n. Es ist aber auch nicht unmöglich, daß der Aufstand deit Machthabern in Washington- ungelegen kommt, denn die Erfahrung, welche die Amerikaner, mit den Philippinen gemacht haben, müßte ihnen die Lust vergällen, die Reaüsierung der panamerikanischen Idee zu ver-, folgen. Klar sehen tarnt man jedoch einstweilen noch nicht, dw die Republik Kuba seit ihrer offiziellen Etablierung am 20. Mai! 1902 den Europäern wenig Interesse geboten hat, und man daher dem dlufstattde als einem ziemlich unerwarteten Ereignis ge-" genübersteht. Wlerdings wußte man seit geraumer Zett, daß die Kubaner mit der Neugestaltung der staallichen Ordnung in ihrem Vaterlande nicht zufrieden sind. Denn erstens empfinden? sie ihre Abhängigkeit von Washingwn, und zweitens sind jene Elemente, welche die Losreißnng Kubas von Spanien bewirkten, darüber ungehalten, daß der kubanische Kongreß seinerzeit nur 35 Millionen Dollars für die Freiheitskämpfer bewilligt hatte.. Auch der Präsident Palma erfreut sich nicht des Vertrauens seiner Mitbürger, die in ihm und vielleicht nicht mit Unrecht mehr einen Statthalter Nordamerikas als einen freigewählten Präsidenten erblicken. In der Hauptsache aber dürften sich die Kwq bauet deshalb unglücklich fühlen, weil sie sich an die solidares staatliche Ordnung, welche die Pankees ins Land gebracht haben, nicht gewöhnen können. Heute meldet aus Washington das Bureau Havas, daß der Aufstand in der Provinz Pinar del Rio bettächtlich zugenommen zu haben scheint. Das Aufstandsgebiet erstreckt sich auch bis 50 Kilometer vor Santiago. Die Regierung hat eine neue Aushebung von Miliztruppen vorgenommen. Sie bestellt: in den Vereinigten Staaten eine große Anzahl Gewehre. ES wird wohl aber so schlimm nicht werden. Aus Havanna meldet Reuter: Die RegierungstruppQr; haben San Juan de Martinez verlassen, um zu versuchen, die Hauptmacht der Aufständischen unter Ptno-Guerra in einen Kampf zu verwickeln. Weder Tabak- iwch ZuckeriTtteressentew haben bisher irgendwo gelitten. Was die gegenwärtige Ernte? betrifft, so könnte der Aufstand noch einige Wochen andauern, ohne ihr erheblichen Schaden zu bringen. Äirche und Schule. — Der Schriftsteller Wilhelm Bölsche ist auA der Landeskirche ausgetreten. Er begründet diesen! Schritt in der „Deutschen Kultur" mit folgenden Ausführungen : „Ich bin nach langem seelischen Ringen aus der? evangelischen Landeskirche ausgetreten, nicht um mich damtt vom! Religiösen abzuwenden, sondern ausgesprochen um es mir zu retten. Die Kirche (ganz allgemein jetzt gesprochen) hat meinet! festen Ueberzeugung nach in ihrer gegenwärtigen Form vollständig den Anschluß verpaßt an den echten großen Sttom religiösen Lebens und Strebens, der durch unsere Zeit rauscht wie durch jede andere, der aber durch sie rauscht und rauschen muß als ein Lebensquell und Herzblutquell unserer Zeit. Ich richte hier nicht über geschichtliche Zusammenhänge. Ich rechte noch weniger über die Lauterbarkeit der persönlichen Motive; aber? ich stelle für mich ein einfaches Faktum fest. Ich bin aus ders Kirche ausgetreten, um im Christentum mich zu erhalten, uuh ich sehe, daß es einer großen Menge von denkenden Menscheni heute bereits ebenso geht. Ich erblicke in dieser Stimmung? das entscheidende Symptom. Der Kampf der Kirche mit bent rohen Manko an religiösem Empfinden, der platten Verständnis-, losigkeit für die christliche Idee war noch ein echter Kampf, ro» es sich lohnt, Stellung zu nehmen. Die Wkehr von der Kirche aus religiösen Gründen, aus religiösem Tiesenbedürsnis: das? ist nicht mehr ein Kamps, es ist eine einfache, schlichte Handlung? neu keimenden Lebens, das nicht mehr fragt, nicht mehr hadert^ sondern handelt. Das religiöse Tiefenleben ist ein Produkt? weder unserer Uebcrlegung iwch unserer Wünsche. Es ist ein? Naturstrom, der uns durchrauscht, und der sich durch die Zeiten fein Bett gräbt, wie er will. Lange Zeit ist er quer durch die Kirche geflossen. Dieses Bett ist versandet. So gräbt er sich ein neues außerhalb. Aus SruSt uns iano. Gießen, den 30. August. Wir laden zum Abonnement auf den Gießener Anzeiger für die kommenden Herbst- und Wintermonate ein. Einer Darlegung unseres Programms oder Anpreisung deS Inhaltes unseres BlatteS, das sich weitesten Ansehens erfreut, bedarf es nicht. Der ^Gieß. Anz.^ ist anerkanntermaßen die größte, und zwar völlig unabhängige, für die Versöhnung der Gegensätze zwischen Stadt und Land, sowie der beiden wesentlichen politischen Gruppierungen unter den bürgerlichen Parteien Hessens eintretende, die berechtigten Jnteresien von Industrie und Landwirtschaft nach Möglichkeit fördernde Zeitung Ober- hessenS. Die Bestellung ist sofort bei den Postanstalten oder unseren Boten zu veranlassen, wenn die erste September- Nummer pünktlich eintreffen soll. ** Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dem Wachtmeister Riebel im Großh. Gendarmeriekorps die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Wetter am 28.-29. August = 4- 20,0 ° C. 28.-29. August = + 7,0 6 C* liste für die am 24. September d. Js. Periode des Schwurgerichts für das folgende Hauptgeschworene ausgelost: Wetz in Münzenberg, 2. Kaufmann beginnende Sitzung?- 3. Quartal wurden 1. Rentner Wilhelm August Gabriel in Sonnenschein KlarerHimin^ Sonnenschein 28 in Marburg, 26 in Freiburg, 18 in Gießen, 10 in Rostock,' 7 in Greifswald und 4 in Würzburg. — Wie aus Marburg geschrieben wird, findet an der dortigen Universität vom 8.—10. Oktober ein theologischer F e ri e nk u r sil s für Geistliche und Neligionslehrcr aus dem G r o ß h e r z o g t u m Hessen und den preußischen Konsistorial- bezirken Kassel, Nassaus und Frankfurt statt. Der erste Kursus dieser Art ivitrbc im Oktober 1904 in Frankfurt a. M. abgehalten. Dozenten waren damals die Professoren Drews und Holtz - m a n n aus Gießen und Jlckelis aus Marburg. Bei dem dies- jäbrigeu zweiten Kursus in Marburg werden lesen die Profestoren Herrmann über „Die Aufgabe der evangelischen Dogmatik in der Gegenwart", Jülicher über „Neue Linien in der Kritik der Ueber- lieferung der evangelischen Geschichte (Wrede, Wellhausen. Harnack)" und Weiß über „Die Entstehung der neutestamentlichen Christologie im Lichte der neuen religioitsgeschichtlichen Forschung". — Der, wie gemeldet, kürzlich von Berlin nach Marburg berufene außerordentliche Professor der Theologie Dr. Wobbermin wird auf die Einladung der Pale Universität in New-Haven im nächsten Jahre dort einen Vorlesungszyklus über das „deutsche Geistesleben im 19. Jahrhundert" halten. — Die philosophische Fakultät der Universität Göttingen hat den Schriftsteller Benno Martiny in Groß-LichterfeLe zum Ehrendoktor ernannt, da er, wie es in dem Diplom heißt, die Natur der Milch und Butter, ihren Gebrauch und ihre Geschichte in einer Reihe ausgezeichneter wissenschaftlicher und zum praktischen Gebrauch trefflich geeigneter Schriften erforscht und dargestellt hat, damit die deutschen Landwirte neue Wege zur Erhöhung ihres Wohlstandes auf der heimischen Scholle erschließen gelehrt und sich immer dem öffentlichen Wohle gewidmet hat, uneingedenk des eigenen Gewinnes. Martiny, 1836 in Schlesien geboren, studierte in Eldena Landwirtschaft und in Berlin Chemie. Höchste Temperatur Niedrigste „ Handel unö verkehr, Volkswirtschaft. Reichsbank. Am 29. September wird in Tarnowitz eine von der Reichsbankstelle in Gleiwitz abhängige Reichsbank- nebenstelle nut Kafleneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. „ Don der Berliner Börse. Auf Gerüchte, daß die Kanada Pacrsrc-Bahn eine Dividende von 8 Prozent verteilen wird, erfuhren diese Aktien eine bedeutende Steigerung, trotz sonstigen flauen Tendenz, die aus Newyork infolge der Fallcssemente gemeldet wurde. Von den übrigen Mnerikaner- Aktlen stiegen Baltimore von 118,90 bis 119,60, Pennsylvania waren gut behauptet. Am Montanmarkt war die Tendenz ebenfalls recht fest und waren besonders Konsolidation bevor- zugt, die 4 Proz. in die Höhe gingen. Es wurde gewissermaßen die Parole ausgegeben, daß die Lohnbewegung als kein dauerndes Hemmnis des Geschäftsganges zu betrachten sei. Heimische Banken fliegen ebenfalls. Russenwerte waren etwas gebessert die Nachrichten, daß die Regierung entschlossen ist, die poli- tychen Reformbestrebungen fortzusetzen. Geld auf kurze Termine über Ultimo 4i/i—41/2 Prozent. r. Paris, 29. Aug. Die Börse eröffnete heute mit erheblich b e s s e r e r T e n d e n z als gestern, da russische Fonds sich allgemein auf das Gerücht erholten, Graf Witte würde a n b i e Stelle Stolypins treten. Im weiteren Verlaufe des Börsenverkehrs herrschte Festigkeit bei beschränkten Umsätzen. In letzter Bürsenstunde wurden in russischen Fonds Realisierungen uorgenonnnen, doch schloß die Börse durchweg zu behaupteten Kursen. Märkte. th. Gießen, 30. Aug. Auf bem gestrigen Schweinemarkt war ber Aiiftrieb wegen bes Ausschlußes von Waare aus Preußen wieber recht unbedeutend. Es mochten zwischen 200—300 Tiere zum Verkauf stehen, nicht genug, um den Bedarf der zahlreich zu Markt gekommenen Kundschaft zu decken. Trotzdem war ein kleiner Preisrückgang der Ware bemerkbar, weshalb sich ein überaus flottes Geschäft entwickelte, sodaß der Markt bereits gegen 11 Uhr ausverkaust war. Es wurden gehandelt das Paar Ferkel 4 bis 6 Wochen alt 40 bis 50 Mk., 8 bis 12 Wochen alt 60 bis 72 Mk., Lärtfer 3 bis 5 Monate alt 100 bis 125 Mk., Einleg- schmeine je nach Güte bis zu 180 Mk. Nächste Markttage ausnahmsweise Montag, den 10. und Dienstag, den 11. September d. Js. Am 11. Sept, findet der Pferde- markt statt. Meteorologische Beobachtungen _________der Station Gießen. Israelitische Neligionsgeseltschast. Gottesdienst. Sabbat h feier am 1. September 1906: Freitag abend 6.40 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 8.00 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.00 Uhr, abends 7.00 Uhr. Israelitische Religionsgemeinde. Kottesdienst in her Synagoge (Südanlage). Samstag, den 1. September 1906: Vorabend 7 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgang 8.00 Uhr. Verwalters Meiski stehende Schloß bau verein hat sich seit Jahren bemüht, die arg in Verfall geratene Ruine au dem Schloßberg bis auf die Grundmauern bloßzulegen und sie vor gänzlicher Vernichtung durch Ausbesserung schadhafter Stellen zu schützen. Der Aussicht wegen, die man von der Höhe de8 Schloßberges nach dem Taunus, dem Westerwald, den Höhen bei Gießen und der Rhön genießt, ist aus Mitteln deS BauvereinS und eines staatlichen Zuschusses ein aus Basalt aufgeführter Aussichtsturm errichtet worden, ber am 2. Sept, bei einem auf bem Schloßplatz abzuhaltenden Volksfeste ein- geweiht werden soll. Der älteste Teil der Ruine ist ber um 1200 erbaute Warttum; die rechts vom Eingang liegende Kapelle stammt aus bem Jahre 1360, ber von Johann von Eisenbach erbaute Pallas ist 1340 erstanden, ein anderer, 1484 errichteter, hat zum Bauherrn Thilemann von Sassen; ein Nebenbau wurde 1494 vom Landgrafen Wilhelm III. erbaut. Bei dem 1759 erfolgten Sturmangriff des Hess. Grenadier-Regiments fanden 20 Mann ein gemeinsames Grab, das sich rechts vom Eingangstor befindet. Eine Marmor- platte trägt die Inschrift: „Dem Andenken der Stammtruppe gewidmet vom Offizierkorps des Füsilier-Regiments von Gersdorf (Kurh. Rr. 80). Darmstadt, 29. Aug. Leider muß festgestellt werden, daß das diesjährige Bismarckfest mit einem Defizit von etwa 3000 Mk. abgeschloffen hat. Es ist dies lediglich auf den schlechten Besuch zurückzuführen. Gerade diejenigen Kreise, auf deren Erscheinen man mit Bestimmtheit gerechnet hatte, waren dem Feste fern geblieben. Am meisten hat wohl die Ungunst des Wetters der Veranstaltung geschadet. Daß unter diesen Umständen an den Bau der Säule in nächster Zeit nicht gedacht werden kann, dürfte wohl selbstverständlich sein. Michelstadt, 28. Aug. Hier ist das seltene Ereignis eines Rechtsanwalts-Konkurses zu konstatieren. Die verfügbare Masse im Konkurse des hiesigen Rechtsanwalts Men de beträgt nur 1882 Mk., die Summe ber teilnahme- berechtigten Forderungen dagegen rund 12 000 Mk., so daß auf jede Mark nur 15,7 Pfennig entfallen. ** Kleine Mitteilungen a u s Hessen und den N a ch b a r st a a 1 e n. Der Kirchweibwirt von O b e r - B e s s i u g e u chreibt uns, daß dort entgegen anderer Meldung im Kirchweihsaal niemand gefallen sei. — In Audienz empfangen wurde am Mittwoch von S. K. H. dem Großherzog u. a. Oberlehrer Weiß- harth von Laubach. ** Personalien. D. K. H. der Großherzog haben den Regierungsbaumeister Albert Sprengel aus Reichelsheim i. d. W. zum Bauaffeffor ernannt; bem Eisenbahn-Bau- mspektor Hch. Aug. Stieler in Darmstadt sowie bem Eisen- Lahn-Bauinspektor Henry Jordan in Mainz den Charakter ol§ Regierungs- und Baurat verliehen; den Assistenten bei der BezirkZkaffe WormS Leop. Eifert zu WormS zum Bezirkskassier der Bezirkskasse Altenstadt und den ersten Buchhaltungsbeamten der Hessischen Landes-Hypothekenbank, Arnim Loos auS Guntersblum, zum Vorstand der Buchhaltung^ ernannt. • • Pfarrpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den durch die evang. Dekanatssynode des Dekanats Friedberg für den Rest der im Jahre 1908 ablaufenden Wahlperiode vollzogenen Wahlen des evangelischen Pfarrers Val. Schrimpf zu Butzbach zum Dekan und des evang. Pfarrers Wilh. Wahl zu Beienheim zum Stellvertreter des Dekans deS Dekanats Friedberg die Bestätigung erteilt. * • 3. Internationaler Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels. In Paris soll in der Zeit vom 22. bis 25. Oktober ds. Js. der 3. internationale Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels unter dem Schutze des Präsidenten der französischen Republik statt- finden. Rach dem an daS Reich gelangten Einladungsschreiben ist erwünscht, daß an dem Kongreß — abgesehen von amtlicher Beteiligung — auch Persönlichkeiten und Vereinigungen in Deutschland, die sich menschenfreundlichen und sozialen Fragen widmen, sich beteiligen. Der Beitrag beträgt für jeden Teilnehmer 20 Franken. Das Reich wird auf dem Kongreß vertreten fein; auch sind bereits eine Reihe deutscher nichtamtlicher Teilnehmer angemeldet. • * Geschworenenliste. Behufs Bildung der Spruch- GerSchtssaal. R. B. Darmstadt, 29. Aug. Wegen Diebstahls wurden ycut von der hiesigen Strafkammer mehrere schwere Strafen ausgesprochen. Der Kaufmann Jakob Seligmann Mayer aus ^ranksurt war in erster Instanz wegen Diebstahls von ca. 500 q 1«n $e9fll}9Cn beim Kaufmann Stein in Neu-Isenburg, zu ? Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die heutige Berufs- mstanz erhöhte die Strafe auf 4 Monate Gefängnis. — Die Fabrikarbeiterin Marie Depp aus Gießen, 23 Jahre alt, vorbestraft, hatte m Offenbach verschiedene Kleider usw. gestohlen Das Urteil lautete auf 10 Monate Gefängnis. — Der Tagelöhner Fobert Albert Sprenger aus Konnewitz, der trotz seines Alters von kaum 20 Jahren schon vielfach vorbestraft ist, hatte dem Maurer Anton zu Offenbach ein Paar Zugstiefel im Werte von 9 Mark gestohlen. Urteil: 1 Jahr Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. . . efälschte Mil ch. Nicht nur teuer bezahlen die Städter die Milch, sondern häufig bezahlen sie auch noch viel Wasser mit. Die Darmstadter Strafkammer verhandelte ivieder einnmt einen eklatanten Milchsälschungssall. Die Fran des Peter Stüber aus Nieder-Beerbach wurde von der Polizei erwischt, als sie 18 Liter stark gewässerte Milch in Eberstadt verkaufen wollte. Der Händler bringt sie dann nach Darmstadt. Die Untersuchung ergab, bau von den 18 Litern zwei Liter Brunnenwasser waren. Tie Strafkammer verurteilte die Fälscherin zu 60 Mark Geldstrafe. Osnabrück, 29. Aug. Das Kriegsgericht der 19. Division verurteilte den Hauptmann Lattemann wegen Miß- b and Jung Untergebener zu 14 Tagen Stubenarrest. Wegen Gefährdung dienstlicher Interessen wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Uttiversitäts-Nachrrchtem. Fr a u e n ft u d i u m. Den „Akad. Monatsblättern" zufolge waren an sämtlichen deutschen Universitäten in diesem Sommer- emefter insgesamt 1452 Frauen zum Studium zugelassen. Davon waren an den sechs süddeutschen Universitäten 184 immatrikuliert, und zwar im einzelnen 58 in Freiburg, 57 in Heidelberg, 55 in München, 8 in Würzburg, 5 in Tübingen und 1 in Erlangen. Von diesen studierten 97 Medizin (nämlich 34 in Freiburg, 28 in Heidelberg, 26 in München, 6 in Würzburg und 3 in Tübingen), 53 gehörten der philosophischen Fakultät an (nämlich 22 in Heidelberg, 16 in München, 14 in Freiburg und 1, in Tübingen), 21 waren in der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fakultät eingeschrieben /nämlich 7 in München, 6 in Freiburg, 4 in Heidelberg, 2 in Würzburg' und je 1 in Tübingen und Erlangen), 10 studierten Staatswissenschaften (5 in München, 4 in Freiburg und 1 in Heidelberg, endlich studierten 3 Jurisprudenz (2 in Heidelberg und 1 in Mützchen). Au der Universität Gießen waren „6 zu gelassene Hospitantinnen", von denen ungefähr das Gleiche an Vorbildung verlangt wird, wie an den süddeutschen Universitäten von den zur Immatrikulation zugelassenen Frauen. Endlich waren noch als Hospitantinnen eingeschrieben im einzelnen: 387 in Berlin, 123 in Bonn, 111 in Breslau, 115 in Göttingen, 71 in Leipzig, 60 in Jena, 55 in Straßburg, 49 in Königsberg, 47 in Tübingen, 45 in Halle, je 34 in München unb Heidellierg, 38 in Kiel, Gießen, 3. Gemeindeeinnehmer Joh. Heinrich Michel in Burg- Lracht, 4. Beigeordneter Heinrich Eifert in Wenings, 5. Bürger- rneister August Schneider in Utphe, 6. Landwirt Karl Stiebeling in Ranstadt, 7. Revierförster Emil Marx in Schlitz, 8. Landwirt Joh. Heinr. Weitzel in Kaichen, 9. Landwirt Johannes Weiß II. in Liederbach, 10. Oekonom Hermann Reitz in Butzbach, 11. Oekonomierat Richard Westernacher in Lindheim, 12. Buchhändler Alfred Töpelmann in Gießen, 12. Rentner Heinrich Huber in Ostheim, 14. Kirchenrechner Wilhelm Greif in BiffeS, 15. Müller Heinrich Rahrgang in Ruppertenrod, 16. Landwirt Heinrich Lamp in Langsdorf, 17. Fabrikant Phil. Karl Frank in Schlitz, 18. Pachter Adolf Güngerich in Hof Engelthal, 19. Kaufmann Georg Hill /in Alsfeld, 20. Rechner Wilhelm Lindenstruth in Keffelbach, 21. Fabrikant Alfons Kübel in Herbstein, 22. Landwirt Ludwig Weiß in Rieder-Gemünden, 24. Landwirt Wilhelm LaupuS in Rieder-Erlenbach, 24. Rentner Balthaser Konrad Wetz in Griedel, 25. Zigarrenfabrikant Salomon Heß in Schotten, 26. Bürgermeister Johannes Holl VII. in Rodheim b. Vilbel, 27. Landwirt Otto Schneider in Unter- Widdersheim, 28. Bürgermeister Georg Heinrich Lehr in .Eckartshausen, 29. Landwirt Wilhelm Pauli I. in Bettenhausen, 30. Fabrikant Oskar Gutinann in Gießen. * * Rach dem Entwurf des Winterfahrplans wird vom 1. Oktober ab auf der Strecke Gießen — Koblenz ein neuer Zug eingelegt, welcher um 7.18 Uhr morgens von Gießen abgeht, um 7.34 in Wetzlar und um 9.09 auf seiner Endstation Limburg eintreffen wird. Mit der Einlegung dieses Zuges ist einem Wunsche entsprochen, Welchen die Wetzlarer Handelskammer zur Kenntnis der Eisenbahndirektion gebracht hat. • • In dem Mühlheimer Bericht unserer Montagsnummer über die dort abgehaltene sozialdemokratische Konferenz findet sich ein krasser Druckfehler. Das Amendement Adelung, welches den Strich des Satzes, jeder Kompromiß soll ver- jjnieden werden, beantragt, wurde nicht angenommen, sondern (abgelehnt. Die unveränderte Resolution Ulrich also ^angenommen. - 0- Langgöns, 29. Aug. DaS schöne Geschichtchen wom Käsehändler Walter ist erfunden. In ganz Langgöns heißt niemand Walter. — Die Dienstmagd des Landwirts Eonr. A. Wagner stürzte vom Scheunegerüst herunter und zog sich Verletzungen zu. □ Krofdorf, 29. Aug. Große Vorbereitungen werden in diesen Tagen in sämtlichen Gemeinden der Bürgermeisterei Atzbach-Braunsbach für nächsten Sonntag getroffen. Findet doch alljährlich am 1. Septembersonntag in den 12 Ortschaften der Bürgermeisterei das Kirchweihfest statt. Bezüglich der Wahl eines Kirmesortes fommt man demnach für nächsten Sonntag nicht in Verlegenheit, wenn man bedenkt, daß von den Grenzen des Kreises Marburg (Salzböden) bis vor die Tore der Stadt Wetzlar (Garbenheim) zum Tanze aufgespielt wird. P. Schlitz, 28. Aug. Im vergangenen Jahre wurde von der Gräflich Görtzischen Forstverwaltung im Walde an , 'der Lauterbacherstraße ein großer Fischteich angelegt. Die Anlage sowie die Besetzung mit einer beträchtlichen Anzahl Karpfen hat erhebliche Kosten verursacht. In der vergangenen Rächt hat sich dec Teich auf bis jetzt nicht aufgeklärte Weife einen Weg durch den Damm gesucht, sodaß heute morgen 'die Wasser der Schlitz trüb gefärbt waren. An Stelle der : 'schönen Wasserfläche sieht man jetzt nur eine große Schlamm- 1 grübe. Die Fischer an der Schlitz und Fulda freuen sich ob des unerwarteten Zuwachses an Karpfen, diese sollen • nämlich schon eine Schwere bis zu vier Pfund erreicht haben. . Es werden wohl auch Ansprüche für Entschädigung dec : überschwemmten Wiesen erhoben werden. -i- Stockheim, 28. Aug. Ein Umbau der Gleis- ' an läge auf der Bahnstrecke Stockheim—Gedern ist geplant s und zwar handelt es sich um die Teilstrecken Stockheim— i Selters und Hirzenhain—Gedern von ca. lP/2 Kilometer 1 i£änge. Der Umbau ist dadurch erforderlich geworden, daß \ ffeit Vollendung ber Vogelsbergbahn bis Lauterbach ein be- ; ^deutend größerer Güterverkehr, besonders mit Holz, ein- ‘ -getreten ist. slj Ulrichstein, 28. Aug. Der unter Vorsitz des Post- . vermischtes. • Bevölkerungsdichte im Deutschen Reiche. Nach der letzten Volkszählung wohnen im Deutschen Reiche 112 Einwohner auf einen Quadratkilometer gegen 76 im Jahre 1871. In 16 Bundesstaaten steht die Bevölkerungsdichte über dein Reichsmittel. Es sind: Hamburg mit 2107 Einwohnern auf einen Quadratkilometer (817 im Jahre 1871), Bremen mit 1027 (477), Lübeck mit 356 (175), Sachsen mit 300 (170), Reuß ältere Linie mit 223 (142), Neuß jüngere Linie mit 175 (108), Hessen mit 15 7 (111), Sachsen-Altenburg mit 156 (107), Pfalz 149, Anhalt mit 143 (89), Baden mit 133 (97), Braunschweig und Schaumburg-Lippe mit 132 (84 bezw. 94), Elsaß-Lothringen mit 125 (107), Sachsen-Koburg-Gotha mit 122 (89), Lippe-Det- molb mit 120 (91), Württemberg mit 118 (93) Einwohnern auf den Quadratkilometer. Unter dem Neichsdurchschnitt folgen in abnehmender Bevölkerungsdichte: Sachsen-Meiningen mit 109 (76), Sachsen-Weimar mit 107 (79), Preußen mit 107 (71), Schwarzburg-Rudolstadt mit 103 (80), Schwarzburg- SonderShausen mit 99 (78), Bayern mit 80 (64), Oldenburg mit 68 (49), Waldeck 53 (50), Mecklenburg-Schwerin 48 (42), Mecklenburg - Strelitz 35 (33) Bewohnern pro Quadratkilometer. Von den preußischen Gebieten ist das Rheinland am dichtesten bevölkert; eS zählt auf den Quadratkilometer 238 (132) Einwohner. In Westfalen ist die Ziffer der Bevölkerungsdichte 179 (88), in Hessen-Nassau 132 (89), in Schlesien 122 (92), in Sachsen 118 (83), in Brandenburg 87 (51), in Schleswig-Holstein 79 (55), in Hannover 72 (51), in Posen 69 (55), in Westpreußen 64 (51), in Hohenzollern 60 (57), in Pommern 56 (47), in Ostpreußen 55 (49). In Berlin entfallen auf den Quadratkilometer 32 180 Einwohner gegen 13 951 im Jahre 1871. * Eine Frau Landgerichtsrat als Mörderin i h r e S M a n n e s. Ein Aufsehen erregender Strafprozeß wird demnächst die Gerichte in Innsbruck beschäftigen. Die Anklage richtet sich gegen Frau Landgerichtsrat Rutthofer, die beschuldigt wird, ihren Ehemann durch sieben Messerstiche getötet zu haben. Die Hauptverhandlung, zu ber etwa 50 Zeugen geladen sind, wird am 17. September beginnen unb vier Tage in Anspruch nehmen; sie dürfte wegen Erörterung intimer Familien-Angelegenheiten voraussichtlich §um größten Teil unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt werden. * Erdbeben in Abessinien. Rach einer Meldung des Reuterschen Bureaus wurden am 27. August in Addis Abeba mehrere leichtere Erderschütterungen verspürt. * Kleine Tageschronik. In Leipzig brach am 29. August im neuen Meßpalast „Reichshofs, der zur gegenwärtigen Michaelismesse als Lagerraum für Meßmuster benutzt wird, Feuer aus, das mit großer Schnelligkeit um sich griff. Dank der vorzüglichen Eisenkonftruktion des Baues gelang es der Feuerwehr, die weitere Ausdehnung des Brandes zu verhindern. Das dritte Stockwerk brannte vollständig aus. — Auf dem Fernpaß stieß das Automobil des Herzogs von Genua mit einem Postwagen zusammen. Der Herzog und seine Gattin blieben unverletzt. 9J ugust 1906 Barometer nur 0° reduziert < £ iity v vui u l der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke 29. 755,7 19,7 9,3 54 8 4 29- 9" 754,3 13.4 10,4 91 SE 2 30. 754,7 8,6 7,4 89 SE 2 d < Ü < < 4 1 1 t N t K47/09 Soun tmber: rotxbtn bie vor Mr ■ stehend kung tz 21/7, 21/7 21/7 öffentl Gies Grc K46M Don» tember wird au vor dem Unnus heim sl tnatfun 1/137 . bet ofsenllu Gieß Gro Tu Sonnt der 19 Kiesige. y tarnen trau gk zelle dc 6/1« bei ftei °nent(ii werden Tießl Gros K 52/06. Don« 1906, n M 6te|i dem Ran b°ch fiel Hemarku 1/49,3 der 1/49,7 Sb dasel Vilich Ziehe, ivrotzh >l. -Mmann Mati^bn SÄ "Ä'.W'!» 1 tw 3u(&tt/auä mtb >euer bezahlen die Stadter !“> noch viel Wasser mit Joelle wieder einmal ,6.wu des Peter Stuber volizei erwischt, als sie )t verfauien wollte. ?er Tie Untersuchung ergab, rrBr-unn enw asser - vaischerin zu 80 Mart rgsgericht der 19. Division lemann wegen Mißen Stubenarrest. Wegen de die Oefientlichkeit aus- 10. * ;h$*t er e;ntö- sindet KK *8eri6«uteU'6et ^Haoen im '? fi"f ^-LKtz ks in dem" &e&e er, ihren Z7>ißt, Kneter toSu$ "nb ?e'aneter ZZ5'ch-r deutschen Esten er. es Wohsit77ute btt und sich °uf gedenk des ?Cr dem e *. —» et O M C o £ ~ >b^ »S's^. - e = X 5? o E- 6 x. £ Q >b o-2 = CO O E o — m5>TG °8 w e X.z: c C c § vG' C — öS u C^Lq "b Ä e ®cö ® O .E- D £ £, ... 2.*±1=3 — >g- •*> E>ex. o *-r E eit “ W e «V — — ort O CD C ’£ - . . o§E:5*e CI _ c iE Q Cl>c - '| Z iS - = Z-Z-Z, - e o-E; - £? LR 2. r » >b e v .2 o •- " eit „ EX. •2^ . CD S? CD K E O = - CD c# T-< E CD 0 .21.2 K> jj R -idl5L (ro :C «L". o ? S? 10 D . E CD — ea CJwJ = <2 «» »S' eit c <=> a» D. " o SY ■/-> .ei kl Z. otS 2?>S?^o «9 CD C C5 c >b CQ^ y c ;S S *a" :S_ S = = «* a .u -c -<> Z . "5 —tr> 2 E d C- N- ^0 S" -2 Z - >b S LZK« VD CD E u-' C XD .es » » -O s= >b = S 0 - X) o «=-~ E CD«2s tc e *0 ■' SD“ - E~ O - 0 E ü 7* en „ S © S. E • T7 ~ OJ ^3- S’-S 2 r- E ’S' E = 2«? 2 0 ’S' = D rO “ 3? ’ti' = ‘äS » 2.T 0-^0 .□t9cn^ E Er a .21 e ■£'C4 CG ö W © 2 E5 e °ic o ““ ä 0 E ET 0 - -E CD , e^.2 E ,«? ^R X 22 S C i Volkswirtschaft. ir wird inTarn 0 witz ü; abhängige Reichsbank- beschränktem Girooerkehr Aus Gerüchte, daß die >n 8 Prozent verteilen trabt Steigerung, trotz, s TtemtfOit iniotge der en üdrigra Amtritaner- >is 119,60, Pennsylvania narü war die Tendenz >ers Konsolidation bevor- Es wurde gewissemaßen Bewegung als kein dauern- betrachten sei. Leimyche te waren etwas gebessert g entschlossen ist, die poli- Geld auf kurze Termine rosfnete heute mit erhe b- rn da rassische Fonds sich Gras A-t" wurde an Im weiteren Mute des beschränkten Umsätzen. In den Fonds Realisierungen LL i« b-h--»« 30 W' /iffirifleu Schioeine- Ausschlußes von Maare Es mochten zwische HOZ soday der ^aQI JW*Ä'Ä d biS 125 9t., 6* 91M)jleW«*'“ben >0 feiler tnschei" S s£ | SE I K47/06 [B’/s Donnerstag, den 13. September 1906, nachmittags 3 Uhr werden aus hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Carl Wilke und Eheirau geb. Geller stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen 21/7,2 — 293 qm Grabgarten rechts des Wiesecker Wegs, 21/7,4 — 102 qm Hokraite das., 21/7,7 — 326 qm Grabgart. das. öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 1. August 1906. Großh. Ortsgeria-r Gießen. _________Gros._________ K 46/06 |B2/e Donnerstag, den 13. September 1906, nachmittags 3 Uhr wird auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen der Joy. Richard Urmersbach Ehefrau geb. Bubenheim stehende Parzelle der Gemarkung Gießen 1/1379 — 139 qm Hofraite auf dem Asterweg öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 1. August 1906. Großh. Ortsgericht Gießen. _______Gros._________ K 18/06 IB‘% Donnerstag, de» 27. September 1906, nachm. 3 Uhr wird auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Nmnen der Heinrich Wvlsing Ehesrau geb. Mildner stehende Parzelle der Gemarkung Gießen 5/140,4 — 473 qm Hofraite auf der Weißerde, auf den. obersten Riegelpfad öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 15. August 1906. Großh. Ortsgericht Gießen. _______Gros._________ K 52/06. [B*78 Donnerstag, den 4. Oktober 1906, nachmittags 3 Uhr werden auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Christian Medenbach stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen 1/49,3 — 222 qm Hofraite in der Stephansniark, 1/49,7 = 110 qm Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 22. August 1906. Großh. Ortsgericht Gießen. ______G ros.__________ ^eMeigerrrrrg. Freitag, den 3i.Auguft l.J., nachmittags 2 Uhr, werden un Psandlokal Selterswcg 11 gegen Barzahlung versteigert: 1 Pferd, 1 Kasscnschrank, Sofas, Kommode, Schränke, Tische, Uhren u. a. m. 5113 Job-inn, Gr. Psandmeister. Springmanns Theaterstrasse. Markt. Landingstrasse. Giessen, Bahnhofstrasse 58 Würzburg Aschaffenburg Bad Kässingen unserer Ausnahme-Tage ist auf den 30. August er. festgesetzt. Alle Schuhwaren werden bis zu diesem Tage zu unerreicht billigen Ausnahmepreisen verkauft. O tz Wichtig für jede Hausfrau die Obst anmacht! Die nachstehend verzeichneten, modern ausgestatteten und In drei Farben gedruckten Schilder sind in beliebiger Anzahl zu billigen Preisen zu haben. 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Antreten der Mannschaft 7’/* Uhr am Spritzenhaus. Tas Äommaudo. Tie Obleute werden gebeten, bereits uni 71/, Uhr im Hofe der Tabakiabrik von Gg. PH. 6)ail zu erscheinen. !?Horrido ?! Iagdpatroncn Marke „Favorita" Cal. 16, bestes Schwarzpulver, Fettftlzpfropsen, la. Schrol, per Stück 5 Pfg. Marke „Lachs", gasdicht, Cal. 16, sorgfältig geladene Schmarzpulver» Patrone mit Metalleinlage, per Stück 7 Pfg. Marke „Tiger", rauchlose Jagdpatrone mit Troisdorfer Pulver geladen, ganz hervorragend gute Patrone, Cal. 16, per Stück 9 Pfg., pro 100 Stück AU. 8.50. Großes Lager vorzüglicher Snhler Jagdgewehre, Jagdtaschen, Rucksäcke, Jagdgamaschen, Hundedressur-Artikel, Huhnerdrachen rc. August Kilbinger 6100 Seltersweg 19. Telephon 276, Seltersweg 19« 25 komplette Schlafzimmer-Einrichtungen ^anz aussergewöhnlich billig. Günstige Gelegenheit für Brautleute! Günstige Gelegenheit für Brautleute! 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Nachdem die unter dem Schweinebestand des Moses Keßler dahier aufgetretene Schweineseuche erloschen ist, wird die unterm 23. Juli l. Js. angeordnete Gehöfsperre aufgehoben. Gießen, den 30. August 1906. Großh. Potrzeiamt Gießen. Herberg. In meinem Verlage erscheint in Kürze: Das höhere Schulwesen im Grossherzogtum Hessen. Gesetze, Verordnungen und Verfügungen heraasgegeben von aM/8 L. Nodnagel, Geh. Oberschulrat. —■ Zweiter Nachtrag'. — (Juli 1904 bis Juli 1906.) Zirka 3 bis 4 Bogen. Gr. Lex. 8°. Preis: Hk. 1.20. Unentbehrlich für die Bibliotheken höherer Lehranstalten. Aber auch in der Bibliothek jeden Lehrers selbst müsste das Buch sich befinden, um stets in fraglichen Fällen zur Hand zu sein. Emil Roth, Verlagsbuchhandlung, Giessen. / Vertretung erstklassiger 5171 f zu vergeben. bcnreiomascnine schrillt. Meld. solo.Finnen unt. 5171 a. d. (Ließ. Anz. erb. j Einem sehr geehrten Publikum von Gießen und Umgegend zur Nachricht, daß die 06306 Deutsche Notten-Ausstellung Gießen, Neustadt 55 (im Pfau) auf vielseitiges Verlangen noch bis Souutag abend geöffnet ist. Lacke, Firnisse aller Art, Bohnerwachs, Linoleum- wichse, Stahlspähne, Pinsel, staubb. Fußbodenöl, inßbes. Fußbodenanstrichsarben, rasch und hart trocknend I empfiehlt Angust Noll, Kresz-Trogerie, XÄ. Schuhlag;er für Geldschränköi e'£