Samstag 28. Juli 1906 General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen. «ZK autechniker Miedcnc Rotationsdruck tmb Verlag der vrübl*schM UniversitätSdruckeret. R. Sang«, Vietze«. Redaktion, Expedition «.Druckerei: GchEr.D Tel. Nr. 61. T«legr.-Adr. r Ärydget ffiitftau Politische Tagesschau. Polltische Andeutungen in der Zentrumspresie werden in der Regel besonders aufmcr^run beachtet. Den Zentrumsmännern teilen die Herren von der Berliner Regierung unter vier Augen — wie ja mich der MN Erz- Le r g e r erweist — mancherlei mit, was sie sonst nicht einmal den konservativen Abgeordneten, trotz deren vielfachen persönlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen zu Regier- ungskreisen, anvertrauen. Dre Zentrumsleute kann man eben Mann für Mann brauchen bei wichtigen Entscheidungen; da ist es gut, sich mit ihnen in liebenstv-ürdigem Verkehr zu halten und wohl auch eine diskrete Information gegen die andere (über Zentrums"-Sttmmungen") einzutauschen. Die Konservativen braucht man zwar auch, aber es wird daraus gerechnet, daß sie ohnedies mit der Regierung gehen. Frankfurt, 26. Juli. Heute starb hier im Alter von 75 Jahren der Historienmaler Professor Leopold Bode an den Folgen einer Lungenentzündung. Bode war in Offenbach geboren. Seine Studien begann er am Städel- schen Institut unter Ed. Steinle, der großen Einfluß auf ihn ausübte. Die ersten Arbeiten waren Zeichnungen zu Schillers p(5locfc*, die von der Wiener Akademie preisgekrönt wurden, und Illustrationen zu Scheffels „Ekkehard". Die bekanntesten Gemälde Bodes, bie .Alpenbraut", der .Graf von Habs- bürg", und eine Szene aus der .Braut von Messina" befinden such in der Schackgalerie in München. Auch das Städelsche Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 27. Juli. Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, Beigeordnete Curschmann und Georgi, die Stadtverordneten: Bruck, Eichenauer, Euler, Faber, Dr. Gutfleisch, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, LooS, Orbig, Schaffstaedt, Schwall, Wallenfels und Wimmenauer. Baugesuche. Ein Baugesuch des Jakob Horn für feine in der Steinstraße gelegene Besitzung wird abgelehnt. Das Grundstück ist jetzt schon mehr bebaut, als nach der Bauordnung zulässig ist, insbesondere ist der Hof noch nicht zwei Meter breit. Die früher nachgesuchte Genehmigung eines Umbaues des Hintergebäudes war erteilt worden, dagegen wird die jetzt gewünschte Klosetanlage, die in den Hof vorspringen würde, und die Ersetzung der genehmigten festen Treppe durch eine im Hof anzubringende transportable Treppe abgelehnt. Am SelterSweg beabsichtigt Herr Weidig, sein altes Haus abzubrechen und an dessen Stelle einen Neubau zu errichten. Ein Fünftel des Grundstücks bleibt unbebaut, jedoch hat der verbleibende Hofraum nicht die vorgeschriebene Größe, auch ist keine Durchfahrt vorgesehen, da das Grundstück von dem Nachbaramvesen leicht erreicht werden kann. Der erforderliche DispenS wird in beiden Fällen befürwortet. Außerdem wird der Neubau ein Stückchen vorgebaut, um in die richtige Fluchtlinie zu kommen. Das erforderliche Gelände wird für 100 Mark abgetreten. Brauereibesitzer Denninghoff beabsichtigt, bei seiner Brauerei in der Nordanlage eine Preßhefefabrik zu er- richten. Die Anlage soll über einem vorhandenen Erdgeschoß, bau errichtet werden, jedoch anstelle der vorgeschriebenen massiven Bauart aus betriebstechnischen Gründen in ausgemauertem Eisenfachwerk. Hierfür wird Dispens erteilt. Herr Leichtweis baut in der Sonnenstraße einen Neubau, bei welcher Gelegenheit die Dreihäusergasse eine Verbreiterung erfahren wird. Die Versammlung hatte früher genehmigt, daß das an drei Straßen zu liegen kommende Gebäude den vorhandenen Flächenraum völlig ausnutzen dürfe» hat jedoch das Ministerium nicht zugeslimmt. Das neu vorliegende Gesuch bedarf der Genehmigung, da der Hof zwar ein Fünftel des Grundstücks umfassen, aber nicht die vorgeschriebene Form haben wird. Die Versammlung befürwortet den erbetenen DispenS. Frau Rothenberger hat ein Baugesuch für den Neuenweg eingereicht, das insofern der Genehmigung bedarf, als die Grundstückfront nur 7.70 Meter beträgt und deshalb der Hof in der vorgeschriebenen Länge von 8 Meter nicht anzulegen ist. Die Baudcputation befürwortet daS Baugesuch. Stadto. Kirch spricht sich gegen die Befürwortung aus, wozu daS bestehende Ortsbauslatut daß Recht gebe. Oberbürgermeister Mecum gibt Kenntnis von einem Schreiben eines L. Rothenberger, in dem dieser unter Bezug auf eine in der letzten Stadtverordneten-Sitzung gemachte Mitteilung bestreitet, daß Frau Rothenberger der Stadt 80000 Mk. für ihr Grundstück gefordert habe. Sie habe mitgeteilt, daß die Stadt ihr ein Angebot machen möge. Der Vorsitzen de bemerkt dazu, daß Frau Rothenberger im Prozeß Carlö unter Eid ausgesagt habe, sie habe 80000 Mk. für das Grundstück von der Stadt verlangt. Stadto. Kirch ist für Zurückweisung des Gesuchs, um nochmals in Verhandlungen einzu- treten, ob das Grundstück nicht zum ortsüblichen Preis erworben werden könne. Beig. Georgi bemerkt, mit dem beabsichtigten Neubau werde ein bestehender Mißstand gewissermaßen verewigt; er meine, man solle den DiSpens so lange verweigern, als der Mißstand vorhanden sei. Stadto. Wallenfels spricht sich im Sinne des Stadtv. Kirch aus. Stadto. Haubach teilt noch mit, daß auch die Baudeputation grundsätzlich Gegnerin der Befürwortung gewesen sei. DaS Gesuch wird abgelehnt und es soll versucht werden, durch nochmalige Verhandlung daS Gelände zu einem seinem Wert entsprechenden Preis zu erwerben. Weißbindermeister NicolauS hat von seinem in bet Steiustraße gelegenen Doppelwohnhaus das eine HauS verkauft. Das ihm verbleibende Haus ist ohne Einfahrt, jedoch ist in dem Kaufvertrag vorgesehen, daß die Durchfahrt deS anderen Hauses mitbenutzt werden kann. Die Versammlung! ist hiermit einverstanden. Die Firma Heyligenstaedt beabsichtigt, ihre Fabrik nach dem Gailschen Tonwerk zu vergrößern. DispenS ist erforderlich, weil das Etablissement außerhalb des Bebauungsplans liegt und teilweise ausgemanertes Eisenfachwerk gebaut werden soll. Die Versammlung gibt ihre Zustimmung. Gärtner Kaufmann beabsichtigt, auf seinem außerhalb des Bebauungsplans liegenden Besitztilm an der Marburger Straße ein Wohnhaus zu errichten. Der erforderliche DiSpenS wird erteilt unter der Bedingung, daß das Haus 7 Meter hinter der Straßenfluchtlinie zurückbleibt, und der Zwischenraum als Vorgarten angelegt wird, sowie ferner, daß der Besitzer keinen Anspruch auf Licht- und Kraftversorgung macht. Frau Leineweber will ihr HauS am Lindenplatz ab- brechen und neu bauen. Sie erhielt früher die Genehmigung, das Grundstück ganz zu verbauen, wa§ aber daS Ministerium nicht genehmigte. Der neu vorgelegte Plan sieht die Bebauung im seitherigen Umfang vor, der verbleibende Hof wird Ausländer an deutschen Kochschulen. Man schreibt uns: In England ist der Gedanke aufgetaucht, zur Frage der Massenauswanderung von Russen inS Ausland auf internationaler Grundlage Stellung zu nehmen. Bis diese Sache spruchreif ist, haben jedenfalls die einzelnen Staaten, deren Gastfreundschaft von Russen in Anspruch genommen wird, alle Veranlassung, der Frage ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Nicht zuletzt Deutschland, und ganz speziell Hessen, dessen beide Hochschulen von den russischen Studierenden neuerdings mit Vorliebe aufgesucht werden. In den Listen der deutschen Universitäten sind etwa 500 russische Namen mehr als im Vorjahre eingetragen. Unsere Landes- Universität zählt in diesem Sommersemester 48 russ. Studenten gegen 27 im vorhergehenden Semester. Die „Kreuzztg." teilt von der Berliner Universität mit, baß der Andrang der Ausländer zu den Arbeitsplätzen der chemischen Laboratorien manchen Deutschen zwinge, seine chemischen Studien an der Landwirtschaftlichen Hochschule zu machen. Beachtung verdienen in diesem Betracht auch die Handelshochschulen, die im Herbst um eine neue, in Berlin, vermehrt werden sollen. Es kann nicht Aufgabe, dieser Akademien sein, den Ausländern die Kenntnisse zu vermitteln, die sie in Stand setzen, in der Handelspraxis den deutschen Wettbewerb zu verdrängen. Das betreffende nationale Prinzip wird geradezu auf den Kopf gestellt in dem Bilde, welches die Leipziger Handelshochschule bietet. Sie wurde im vergangenen Jahre laut Geschäftsbericht besucht von 338 Deutschen und 382 Ausländern, darunter nicht weniger als 217 Russen. Wie muffen sich die Dozenten vorkommen, die natürlich gezwungen sind, ihre Vorträge dem geistigen Niveau der nichtdeutschen Mehrheit ihrer Zuhörer anzupassen, von denen zweifellos viele der deutschen Sprache nicht ganz mächtig sind! Um den Ausländern den ihnen an deutschen Hochschulen gebührenden Platz zuzuweisen, empfiehlt sich grundsätzliche Anwendung des an der Kölner Handelshochschule geübten Verfahrens: Der ausländische Student muß eine Vorbildung nachweisen, die der von Inländern geforderten im wesentlichen gleichwertig ist; er muß ferner ein höheres Kol- legiengeli) zahlen. Auf Grund dieser unanfechtbaren Vorschriften beträgt der Anteil der Ausländer an der Hörerschaft der Kölner Akadmie nie mehr als 14 vom Hundert. Einen erheblich höheren Verhältnissatz sollte auch der Vorstand der neuen Berliner Handelshochschule nicht zulasten, denn gerade in Berlin ist die Zahl der zu längerem Aufenthalt ein getroffenen Rusten sehr groß, ein starker Andrang russischer „Kommerzstudenten" auch besonders wegen der lebhaften Handelsbeziehungen zwischen Ostdeutschland und Rußland ist zu erwarten. Die Hochschulen, selbstverständlich auch die technischen, sind in erster Linie nationale Einrichtungen, erst In zweiter Linie wissenschaftliche Institute. So ist e8 in aller Welt Brauch, warum soll Deutschland eine Ausnahme machen? Kapital. loihek in Me von 6183 Mk. itlair'geSCbjett,^0/,Sinnet FitHahler wünsch/ zu i. Näheres in d.GeMM'l. tßener Anzu-ns. ttu, HiMenftvsse 11. r* iuaetknrsus. Len können das Jein-und Ageln m 4Wachens erlernen bei LJ™ ^.Balser, Mfrw ■ für reisende Äyjeit Wünsch elr uten verfahr en nicht nur das Vorkommen von Wasser überhaupt, sondern insbesondere von gutem, frischem Wasser im Gegensatz zu schlechtem, abgestandenem Wasser aufgespürt werdenkann, erklärt sich folgendermaßen: Bekanntlich ist Wasser im aUg. um so reiner und besser, aus je größerer Liefe es lommt, und je reger die Strömung ist. Wasser, das aus Gegenden stammt, die in größerer Liefe unter der Erdoberfläche liegen, bringt aber höher gespannte Elektrizität mit, und zwar um so größere Mengen, je reger die Strömung.ist. Solches Wasser wird also an die darüber liegende Erdschicht immer neue Elektrizitätsmengen von höherer Spannung • abgeben und so den Verlust durch Ausstrahlung oder Ausgleich mit der positiven Luftelektrizität fortwährend wieder ersetzen, sodaß über solchem Wasser eine viel merkbarere elektrische Spannung vorhanden sein muß als über stillstehendem Wasser. Da erfahrungsgemäß elektrische Spannungen nicht ohne Einfluß auf den tierischen und menschlichen Organismus und besonders auf das Verhalten der Nerven und Dttrskeln sind, so liegt es nahe, baß Wechsel in der Größe der elektrischen Spannung von hierzu veranlagten Naturen empfunden werden. Und es ist nicht ein- zusehen, warum dies reicht durch die mit Wünschelrute bezeichnete Vorrichtung zum Ausdruck gelangen soll. M(onialroQrenbtQn3 L°gech. $ ßä. J’0e^le unter 05399 Anzeiger erbeten, >ei.,Kenntn.d. dopp. Buchs. I • am Kontor tuLager am l'. U1* od. Mlernnikeldr.ev. Ear b. ir. etat. ob.'Dera. »„29. 3««1906 na« ber Erde ermöglicht. Da nun erwiesenermaßen trockene Erde ein weit schlechterer Leiter ist als Wasser, Io ist klar, daß Wasser, an begrenzter Stelle vorhanden, vermöge seiner überlegenen elektrischen Leitungs- lähigkeit höher gespannte negative Elektrizität aus der Tiefe M die Nähe der Erdoberfläche bringen uni> in der «darüber liegenden Luft durch. Ins. renz eine Steigerung in der pösi- Mien Spannung erzeugen muß. Daß nun nqch tze.m IP & tiger Kaufmann der lonialw.-Branche - Lenzen, 24 Jahn alt, m Hamburg längere Jahre ächästifthrer tätig, sucht in !n Mfanbt Stellung. 6otL agcr und ILouchioir oder Ü Ätiieubet. [05409 nra erbeten unter C. B, 1 nrg 21 postlagernd. .Mädchen in Küche u. 5au3- t eri., jucht Stelle p.l.Ang. chmidl.NeuenBäueö. 105439 Kunstinstitut besitzt mehrere Bilder deS Künstlers, zwei davon, „Die Alpenkönigin", ein dreiteiliges Aquarell", und daS Bildnis seiner Mutter sind dem Institut erst in der letzten Zeit zum Geschenk gemacht morden. — Der Frankfurter Kunstverein (Junghos- straße 8) eröffnet am 1. August vorm. eine Ausstellung vow Werken Hans Thomas. London, 26. Juli. Auf der Jahresversammlung des Cancer Research Fund wurde Dr. Bashsords Bericht verlesen, wonach in vier Jahren 100 000 Mäuse untersucht worden sind, von denen 3500 den Brustkrebs hatten. Die Experimente, ob bei Mäusen örtlrche oder individuelle Veranlagung für den Krebs vorltege, waren nicht sehr entscheidend, doch zeigten die Experimente, daß Krebs aus gesunde Mäuse übertragbar war. Auch wurde es für möglich gesunden, Maus« durch Impfung vor Krebs zu schützen. Mguse, die sich von dein experimentellen Krebs erholt hatten, entwickelten keine neuen Geschwülste nach weiteren Impfungen. Doch gelang es noch nicht, die experimentell erzeugten Geschwülste mit Sicherheit auszuhalten. — Ein zwölftägiger wirtschaftlicher Vortrags ktirsuS soll vom 1.—13. Oktober in Dresden von der Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung mit Unterstützung der Gehe-Stiitung veranstaltet werden. Der Kursus ist in erster Linie für Ingen teure, Chemiker, Kaufleute unb sonstige Leiter und Beamte industrieller und kommerzieller Unternehmungen ferner für Verwalt ungsbeamte, Lehrer und Studierende bestimmt und wird eilte Uebersicht über die wichtigsten' Gebiete der Handelstechnik, der Privat- und der Volkswirtschaftslehre bieten. Das Programm umfaßt folgende Vorträge: Dozent Leitner: „Einführung in die Buchhallungstechnik und das Bilanzwesen". Prof. Dr. Pohle: „Grundzüae des Bankwesens". Dr. Stein: „Fabrikoraanisation". Assessor Dr. Schneider: «Die sächsische Industrie". Dozent Seltner: ,Selbstkostenwesen". Prof. Dr. Wuttke: .Deutsche Verkehrspolitik und nettere deutsche Handelspolitik". Pros. Dr. Wäntig: .Jndustriepolitik". Pros. Dr. Schanze: .Gewerbliches Urheberrecht". Privatdozent Dr. Passow: »Aktien- gesellschaftsivesen". Alle Vorträge sinden in der Technischen Hochschule in Dresden statt. Das ausführliche Programm wird übersandt vom Sekretariat der Techn. Hochschule in Dresden und vom Sekretariat der Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung in Frankfurt a. M«. Nr. 175 Zweites Blatt 15«. Jahrgang < Erscheint «glich mü Ausnahme des Sonntags. Die „Siebener ZamlllenblStter" werden dem 0 Hy 0 WX Rs HB gif 5t fix 1a .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der » iwK H jSL 8 U U' H O Echefstsch« Landwirt" erfcheirrt monatlich einmal. Bi S V H v vH seitlich liegenden Schießstands Zachrrlin D“/< ebir^swaldunQ r fniTren Altbewährtes Söolbad. der Aktienbrauerei wird dem einen Sonntag im September doch bleibt das Betreten des geländes verboten. Die frühere Faßhalle Verein Hundesport für am unteren Ende der Wolfstraße. Das Gas- und Wasserwerk hat sich dagegen ausgesprochen, da die Laterne größtenteils das Feld beleuchten würde und die nächste Laterne nicht allzuweit entfernt sei. Stv. Krumm ist für Gewährung des Gesuchs, da eS sich um einen vielbegangenen Spaziergänger- weg handelt. Die Versammlung beschließt die Aufstellung. Stadtv. Sch affstädt bittet bei der Gelegenheit, die Laterne am Liebigdenkmal, die seither in den Wintermonaten nicht brannte, das ganze Jahr hindurch anzuzünden. Der Vorsitzende sagt dies zu. Die von Restaurateur Harnickel beantragte Versorgung der Wirtschaft beim Philosophenwald mit Licht und Wasser wird gutgeheißen, wenn sich Harnickel zu einer lOprozentigen Verzinsung des Anlagekapitals verpflichtet. Die Kosten einer Gaszuleitung würden 4550 Mk. betragen, für elektrisches Licht bei offener Leitung 2700 Mk. und für die Wasserleitung 3200 Mk. Der Vorsitzende ist gegen eine Gasleitung, da das aus den Röhren entweichende Gas für die Bäume nachteilig wäre. Die Deputation teilte dieses Bedenken nicht, während Stadtv. Kirch heute sich für die Ansicht des Oberbürgermeisters ausspricht. Es wird be- Vermisehte». ♦ Ein sächsisches Heimatfest. Ein in Pulsnitz abgehaltenes Heimatfest nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Den Glanzpunkt der Veranstaltungen bildete der Historische Festzug, welcher allseitiges Entzücken hervorrief. An den König wurde ein Huldigungstelegramm ab-gesandt, desgleichen wuüde der Pulsnitzer Ehrenbürger Wirkl. Geheimrat Prof. Dr. Julius Kühn, Direktor des landwirtsch. Instituts der Universität Halle, telegraphisch begrüßt. Die Erinnerung des Heimatfestes will man durch eine Stiftung wachhalten, aus deren Mitteln Kinderspielplätze und öffentliche Anlagen geschaffen werden sollen. * Die Verbesserung der Ehe ,ist ein Thema, das« unentgeltlich überlassen. Die Hatte ist Eigentum deS Herrn Bichler, die Stadt kommt aber als Eigentümerin des Grundbesitzes in Betracht. Die MftteldeutscheKreditbank hat das für die Johannes- ftroße erforderliche Straßengclände für den von ihr bezahlten Kaufpreis, jedoch nicht mehr als die Hälfte des ganzen Betrages durch ihren Rechtsbeistand Justizrat Dr. Entfleisch angeboten. Für den von der Bank bezahlten Preis war der Nutzungswert für den Gewerbebetrieb maßgebend, die Baudeputation ist der Ansicht, daß jetzt nur der Bauplatzwert in Betracht komme. Es werden von den 747 Quadratmeter 393 Quadratmeter als Straßengelände in Anspruch genommen. Die Lokalkommission hat das Gelände zu 60 Mk. = 23 580 Mk. taxiert und die Versammlung beschließt, so viel dafür zu bezahlen. Der Voranschlag für das Realgymnasium und die Realschule für 1907 erfordert einen städtischen Zuschuß von 38 568.02 Mk., rund 7600 Mk. weniger als im laufenden Jahre, waS durch die Cchulgelderhöhung veranlaßt ist. Die Versammlung hat nichts einzuwenden. Zwei Schankkonzessionsgesuche werden befür- wortet. Bei Otto Gerlicher, Kirchsiraße 11, handelt eS sich um Uebergang einer bestehenden Wirtschaft, bei W. Wagner, Grünberger Straße, um Ausdehnung einer bestehenden Wirtschaft. 1 Grösstes CO Odd! Inhalatorium □ We rra J^Deutsdilands. r nc i u—l—«AM IJ > I WWW _ J J'! Jf IT' I * „ die amerikanische Oeffentlichkeit dauernd beschäftigt. SRif einem neuen Plan ist jetzt Professor Charles Zueb lin von der Universität Chicago hervorgetreten. In einem früheren Plan hatte dieser Gelehrte eine Art Pro beehe befürwortet, bei der die größten Erleichterungen für die Scheidung geboten wurden. In seinem neuen Plan schlägt der Pro- essor erhöhte Vorsichtsmaßregeln gegen ungeeignete Ehen anstatt größerer Erleichterungen für ne Scheidung solcher Ehen vor. Im Grunde genommen ist eine Idee, man solle den verlobten Paaren jede Gelegenheit bieten, einander näher'kennen zu lernen, um des anderen Fehler und Schwächen zu erkennen. Professor Zueblin befürwortet die Einführung von zwei gesetzlichen Zeremonien. Die erste 'würde die Verlobung legalü- ieren und die zweite, sechs Monate später erfolgende, würde )as Paar zu unauflöslicher Ehe vereinigen. Die Verlobung würde eine vom Gesetz vorgeschriebene Förmlichkeit sein, und die Paare wären gezwungen, die sechs Monate dauernde Frist bis zur Eheschließung innezuhalten. Falls die Ehe nicht innerhalb einer bestimmten Zeit nach Ablauf des Verlobungs-Halbjahres geschlossen wird, erlischt das Eheversprechen von selber. Professor Zueblin meint, die Mehrzahl der unglücklichen Ehen würde niemals über das Stadium der gesetzlichen Verlobung hinausgelangen. * Kleine Ta geschronik. In Eisenberg vergewaltigte der 24 Jahre alte Erdgraber ein 15 jährigeS Mädchen, das sich an ihn um nähere Angabe über einen Weg gewendet hatte. — In Sömmerda erfolgte in der Munitionsfabrik Dreyse u. Collenbusch aus bisher unaufgeklärte Ursache eine schwere Explosion. Eine in der Fabrik be- schästigte Frau wurde getütet; eine Anzahl Arbeiterinnen wurden verletzt. Der Luftdruck war so stark, daß die Fenster der benachbarten Gebäude eingedrückt wurden. — Der in Chicago verstorbene Milliardär Field hat ein Vermögen von 130 Millionen Mark in Wert- papieren und 50 Millionen an Eigentum hinterlaßen. Er hat seit längerer Zeit keine Steuern mehr bezahlt. Infolgedessen hat die Steuerbehörde auf drei Millionen Beschlag legen lassen. — Im Wiener Bezirk Land- straße hat sich ein blutiges Drama ereignet. Der Hotelier Pusch vom Gasthof zur goldenen Birne wurde von seinerFrau erschossen. Er saß, als der Schuß auf ihm abgegeben wurde, am Schreibtisch. Das Motiv der Tat ist bisher noch nicht bekannt. — Wie auS Perpignan (Frankreich) gemeldet wird, verletzte ein Soldat des 18. Infanterieregiment- während einer Schießübung einen Hauptmann ernstlich, indem er ihm ein Brot gegen den Kopf warf. Ein anderer Soldat vernichtete feine Patronen, während ein Dritter sich weigerte einem Marschbefehl Folge zu leisten. — Zwei Drittel der Stadt L e z a j a k im galizischen Bezirk Lanout sind heute niedergebrannt; 200 Häuser wurden cingeäschert, 2000 Einwohner sind obdachlos. — Am 27. Juli geriet aus bisher unbekannter Ursache daS Staatspulvermagazin am Laibacher Felde in Brand. Bald darauf erfolgte die Explosion der dort cingelagerten 20 Fässer Pulver und deS Vorrates an Jagdpatronen. DaS Magazin wurde gänzlich zerstört. Die in der Nähe befindlichen sonstigen militärischen Magazingebäude sind mehr oder weniger durch den Luftdruck beschädigt worden. In Laibach selbst wurde kein Schaden angerichtct. Verletzt ist Niemand. .1. *1 1Z X in der Entwicklung oder beim Lernen zurückbleibende Kinder, sowie blutarme, sich mattfühlende unb nervöse überarbeitete, leicht erregbare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftignngs» mittel mit großem Erfolg Dr. Hommel'S Haematogen. Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, daS Gesamt-Rerveushstem gestärkt. Man verlange jedoch ausdrücklich das echte ,,Dr. Hommel'S Haematogeu und lasse sich keine der vielen Nachahmungen aus- redeit. chloffen, Herrn Harnickel die Einführung elektrischen Lichtes vorzuschlagen und die Mittel hierfür, wie auch für die Wafferleitung zu bewilligen. v Städtische Arbeiten und Lieferungen. Für den Neubau der höheren und erweiterten Mädchenschule gelangen folgende Arbeiten zur Vergebung: Für die Turnhalle ein Kronleuchter und die Vorrichtung zur Anbringung eines Rundlaufs, die 1380 Mk. erfordert. Ferner der äußere Verputz. Er war zu 2969.10 Mk. veranschlagt, daS billigste Angebot für glatten Verputz belief ich auf 3173.98 Mk. und für rauhen Verputz mit Schwarzkalkzusatz 3385.90 Mk. Da letzterer sich in der Unterhaltung billiger stellen wird, wählt man diesen. Da auf Anregung des Stadtv. Petri noch ein Probeverputz gemacht werden oll, erhält das Schulkuratorium die Ermächtigung, die Arbeit endgiltig zuzuschlagen. Die Einfriedigung des Schulhofes nach der Dammstraße zu soll durch eine feste Malier erfolgen, für die auf Vorschlag des Architekten das Material der Mauer vom Theoterbauplatz nach der Johannesstraße zu Verwendung finden soll. Stadtv. Eichenauer bittet, das in dieser Mauer angebrachte Gitter an der Alicestraße zu verwenden, wo unhaltbare Zustände seien. Stadtv. Wallenfels unterstützt dieses. Die Vcr- samnilung hat nichts dagegen und überläßt es dem Kuratorium der Schule, über die Mauer zu beschließen. Für die Lieferung von Fußbodenöl sind 26 Angebote eingegangen, die sich in der Preislage von 25,30 bis 80 Mark für 100 Kilogr. bewegen. Nach den angestellten Proben entschließt man sich für ein Angebot 511 35 Mark. Die vom Arbeiterausschuß beantragte Beschaffung von Werkzeugen für die Arbeiter der Stadtgärtnerei wird jetzt gutgeheißen und ein Kredit von 120 Mark bewilligt. Auch der von demselben Ausschuß beantragten Beschaffung eines transportablen U n t e r k u n f t s r a u m e s für die Wiesenarbeiter sindet Genehmigung. Die Hütte soll in eigener Regie hergestellt werden, da dies billiger kommt. 200 Mark werden bewilligt. Die Vergütung für die Reinigung und Heizung eines Schulraums für die höh. Mädchenschule im Asterweg wird auf 5 Mark monatlich festgesetzt. Für die Anbringung von Wettertafeln zur Aufnahme der Wettervorhersagen an den beiden Postämtern lverden 25 M. bewilligt. Die Erweiterung des Schlachthauses. die einen Teil des Viehmarktplatzes in Anspruch nimmt, ,nacht eine Erweiterung dieses Platzes notwendig. Es wird beschlossen, der beantragten Erwerbung der Dachdecker Kröck- schen Besitzung an der Rodheimerstraßl für 23000 Mark zuzustimmen. In das Haus soll die Direktorwohnllng gelegt werden, so daß das jetzige VermaltllngSgebäude ganz für Bureauzwecke frei wird. Hierdurch entfällt die beabsichtigte Erbauung eines besonderen Wohngebäudes. Ferner wird vom Stadtv. Euler ein 17400 Quadratmeter großes Gelände zum Preis von 20000 Mk. zu kaufen beschloffen. Der Vorsitzende spricht dem Stadtv. Elster öffentlich seinen Dank für die Aufrechterhaltung des bereits früher gemachten Angebots aus, trotzdem Nachbargelände inzwischen zu viel höheren Preisen verkauft werde. Weiter soll ein der Plockschen Stiftung gehörendes Gelände angekauft werden. Der neben liegende Feldweg soll verbreitert und chaussiert werden. Der Viehmarktplatz ist jetzt 9400 Quadratmeter, das ganze Gelände 17—18 000 Quadratnieter groß; es wird in Zukunft daS drei- fache betragen und die Gesamtkosten werden sich auf etwas über 30 000 Mark stellen. Verschiedenes. Zu der bereits früher gutgeheißenen Vergrößerung des Exerzierpla tz eS hat die Militärverwaltung noch einige Wünsche, denen entsprochen wird. So soll der neu anzulegende Weg so angelegt werden, daß durch die Alleebäume das Gesichtsfeld vom Platz aus nicht beeinträchtigt wird. Der Uebergang an den Schießständen zwischen Licher- und Grünbergerstraße soll an Sonn- und Feiertagen gestattet sein, je- <0 bis 50 cm. breit, die Durchfahrt fehlt. Man beschließt, das Gesuch zu befürworten. Das Jean Weisel in der Sonnenstraße gehörige Haus, auch das Hintergebäude, soll im altertümlichen schönen Stil wiederhergestellt werden. Der für die Fachwerkswiederherstellung erforderliche Dispens wird erteilt. Schreiner Bender beabsichtigt aufseinem in der O st a n l a g e zwischen der Zigarrenfabrik Hahn und der Burk'schen Villa gelegenen Besitzung ein weiteres Wohngebäude und eine Schreinerwerkstätte zu errichten. Letztere wäre die erste gewerbliche Anlage in der Straße. Nach den vorhandenen Bestimmungen ist hiergegen nichts zu machen. Der Vorsitzende teilt den Sachverhalt mit und gibt 31t erwägen, ob sich nicht ein Ortsstatut empfehle, das in bestimmten Straßen gewerbliche Anlagen, die die Nachbarschaft belästigen, nicht zulasse. Stadtv. Schmall regt an, die Entscheidung über baS Gesuch hinauszuschieben und so bald wie möglich ein entsprechendes OrtSstatut zu erlaffen. Man müffe darauf sehen, daß in der Stadt Quartiere verblieben, m denen Ruhe- bedürftige unbelästigt vom gewerblichen Lärm wohnen könnten. Er sei gewiß der letzte, der einem Geschäftsmann die Existenz erschweren wolle, aber auch die Interessen der Nuhebedürfti- gen müßten gewahrt werden. Stadtv. Kirch spricht sich m gleichem Sinne aus, ebenso Stadtv. Krumm. Stadtv. Wallenfels kennt daS in Frage kommende Grundstück auS eigener Anschauung und glaubt nicht, daß eine besondere Be» lästigung der Anwohner eintrete. Auch die Jntereffen der Geschäftsleute verdienten Berücksichtigung und irgendwo müßten sie ihr Geschäft doch treiben. Beig. Georgi führt aus, die Sache bedürfe einer reiflichen Erwägung und beantragt, mit Rücksicht auf die sonstige reichhaltige Tagesordnung den Gegenstand bis nach den Ferien zurückzustellen. Dies sindet Zustimmung. Die Erbauung einer Gewerbeschule. Die Stadt hat, wie der Vorsitzende ausführt, vor einiger Zeit das Webersche Anwesen an der Nordanlage zu Lasten deS Stadterweiterungsfonds gekauft, um dem Gewerbeverein den Bauplatz für die neue Gewerbeschule zu sichern. Der Verein will mit dem Bau möglichst bald beginnen und es handelt sich darum, ihm die Ermächtigung hierzu zu geben. DaS Verhältnis zwischen Verein und Stadt, bezüglich der Abtretung des Bauplatzes wäre später zu regeln, da neben der käuflichen Abtretung auch noch die ev. Überlassung im Wege deS Erbbaurechts in Frage kommt. Da die Baupläne ^icht vorliegen, wird die Sache für heute abgesetzt. Gas», Wasser- und Elektrizitätsangklegeuheilen. Die Entwässerung der israelitischen Leichen - Halle war zu 792.20 Mk. veranschlagt, die Ausschreibung ergab aber als Mindestangebot 1016.60 Mk., da der Weg der Leitung länger ist als ursprünglich vorgesehen war. Die Versammlung ist hiermit einverstanden, zumal diesen Mehrkosten sonstige Ersparnisse bei dem Bau gegenüber stehen. Ein Gesuch der Laternenwärter um Gewährung eines regelmäßigen Urlaubs und anderweite Festsetzung der bei Stellvertretungen zu machenden Abzüge am Lohn, be- ziehungsw. Uebernahme der Kosten auf die Stadtkasse, soll abgelehnt werden, da auch die übrigen städtischen Arbeiter keinen Urlaub bekommen und die Abzüge nicht höher sind, als die wirklichen Stellvertretungskosten betragen. Stadtv. Krumm meint, wenn jemand unverschuldet ^hle, solle man nichts abziehen. Auch das Gesuch wegen Urlaubs empfiehlt er, sowohl für die Laternenwärter wie für die übrigen städtischen Arbeiter. Was Privatunternehmer könnten, müsse die Stadt auch können. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß es sich nicht um Angestellte, sondern um Tagelöhner handle. Stadtv. Schmall ist der Ansicht, gerade weil es sich um Tagelöhner handle, sei er für daS Urlaubsgesuch, sowie auch dafür, daß man die Leute, wenn sie ihren Dienst nicht tun könnten, nicht m ihrem Einkommen schmälere. Der Vorsitzende hat schon erwogen, ob man nicht den städtischen Arbeitern allgemein einen Urlaub gewähren solle, aber die Kosten würden nach den angestellten Ermittelungen so beträchtlich, daß er sich gescheut habe, eine entsprechende Vorlage zu machen. Stadtv. Dr. Gut fleisch hält die Frage für wichtig genug, um sie ernstlich zu erwägen. Er beantragt deshalb, sie an den sozialpolitischen Ausschuß zu verweisen. Die Versammlung beschließt in diesem Sinne. Die vom GaS- und Wasserwerk beantragte Beschaffung eines Fahrrads für den Laternenaufseher wird ab» gelehnt, da man sich keine Zeitersparnis dadurch verspricht. Dagegen soll für das technische Bureau des GaS- und Wasserwerks ein Fahrrad angeschafft werden, da daS seither benutzte Rad jetzt wieder für seinen ursprünglichen Zweck gebraucht wird. Stv. Haubach wird mit dem Ankauf beauftragt. Der Bauunternehmer Pfaff will an seinen Häusern in der Henselstraße elektrisches Licht einführen. Die Kabellegung erfordert 1970 Mk. und der Gesuchsteller ist bereit, auf 10 Jahre eine jährliche Stromabgabe von 200 Mk. zu garantieren. Die Versammlung stimmt zu unter der Bedingung, daß eine dem fünffachen Jahresbetrag entsprechende Kaution gestellt wird. Hiermit ist die Stadt bei einem eoent. Vertan der Häuser gesichert. Jakob Wagner bittet um Aufstellung einer Laterne Börserr-Wochenvericht von Baruch Strauß, Bankgeschäft. Zur Unterbrechung deS eintönigen Geschäftsverkehrs begann die Woche wieder mal mit einer großen Ueberraschung, der Auflösung der russ. Duma. Wenn man auch, was russische Verhältnisse anbetrifft, schon an Manches gewöhnt ist, so wirkte diese Nachricht, so unvermittelt, zuerst doch in einer geradezu beängstigenden Weise. In der ersten Bestürmung glaubt man dieses Ereignis als den Beginn einer zügellosen Anarchie ansehen zu dürfen und man erwartete die Revolution mit all ihren Schrecken und Folgen. Demgemäß eröffneten alle Weltbörsen in einer panikartigen Deroute, ausgehend vom Russenmarkte, der in wenigen Stunden um fast 10% geworfen wurde, da jede Intervention fehlte und Paris in enormen Beträgen Russen abgab. Der Umstand, daß die Auflösung in Rußland selbst verhältnismäßig ruhig aufgenommen wurde, das Treubleiben deS Militärs und der Mangel an neuen ungünstigen Nachrichten, brachten am zweiten Tag eine ruhigere, besonnenere Beurteilung, die sich in festeren Kursen und in Rückkäufen der Kontremine auSdrückte. Gestärkt wurde diese Strömung durch außerordentlich festes New-Dock, daS Anziehen der Goldmiuenkursc und durch glänzende Berichte über die heimische und ausländische Industrie und Ernte. Wenn nun so die Woche in freundlicher, besserer Verfassung schließt, so sollte man hierüber doch nicht vergessen, daß die Situation in Rußland noch lange nicht geklärt ist, und von dorther noch manche Hiobsbotschaft und mancher Grund zur Beunruhigung kommen kann. Sanfccl und DerFcbr, Volkswirtschaft. Märkte. Gießen, 28. Juli. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenincn kte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.10—J .20 Mk., Hühnereier 1 St. 7—8 Psg., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gäuseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2Stck. 5—6 Psg. Erbsen p. Pfund 22 Psg., Linsen p4 Pfund 32 Pfa., Tauben pr. Paar 0,80— 1,00 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 9)?f., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Psq. 78—86 Psq., Knh» und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Pfg., Schweine» leisch pr. Pfund 80—94 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 80—84 Pfg^ Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—7,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfund 00 bis 00 Psg., in Korben 00 Md., Nüsse "100 Stück 00 -00 Pfg., Birnen per Pfd. Mk. 0.00—0.00, Kirschen per Pfd. 30—40 Psg., Weißkraut per Stück 00 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeil 7—1 Uhr. fc. Frankfurt a. M., 27. Juli. Heu» und Strobln a r k t. Man notierte: Heu Mk. 3.00 bis 3.20. Stroh Mk. 0.00 bis Mk. 0.00. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest. Das Geschäft war lebhaft und die starke Zufuhr — es war ausschließiich neues Heil angesahren — wurde bis auf einige Wagen sehr geringen Heues rasch verkauft. aber nur in Maschen, wo 'Utakate aushängen. o * c *S1> Ä (£) vO —— an D «J E G cc — tyt C9 E> Q S *•— cm 8? s »E' e G S Q w -- *G B "7. -Q sl 2 - 7 (S: «» 3 CQ p ö- i-> E(S - >b M A a is SS 8 & c 5? gn B28/, B auch im Telephon Telephon Nr. 17. Oeffen und Herde 05437 Baikone M>Mttchst Sämtliche Haus- und Küchengeräte [D36i billigst bei sr Ci c N CO C ZK 04 M S K “ Eismaschinen Dezimalwagen eiserne Tragbalken Baubeschläge - »ff E 8* Gartenmöbel Eisschränke Waschmaschinen Fliegenschränke to HK ® 2 K Lieh [Cm/t Nr. 17. Schutzengel. In der kinderreichen Familie eines Bekannten war ich jüngst zu Gaste. Als alter Junggeselle konnte ich den Spielen der Kinder meines Freundes keinen Geschmack abgewinnen, um so mehr, al5 diese recht wild waren und mir manchmal die Haare zu Berge standen, wenn ich mit ansehen mußte, welche halsbrecherischen Hebungen, namentlich die Jungens, an Tischen, Stühlen und Turngeräten anstellten. Wahres Entsetzen packte mich aber, als die drei größten ihr jüngstes, kaum 2 Jahre altes Schwesterchen auf eine Küchenlerter setzten und diese infolge des beständigen Rüttelns umschlug. Ich glaubte, das Kind müsse Hals und Seine gebrochen und der eine der Jungen, der unter die Leiter zu liegen gekommen war, erhebliche Verletzungen erlitten haben. Zum Glück waren die Folgen nicht so schlimm, wie es zuerst aussah, und zu meiner großen Verwunderung blieb auch die Mutter der nunmehr bestürzt dreinschauenden Kinderschar ziemlich ruhig. Als ich sie fragte, antwortete sie mir einfach: »So etwas wird man gewöhnt. Alle Tage ereignen sich solche und ähnliche Unfälle, und man kann sagen, was man will, die Kinder haben einen Schutzengel, denn in der Regel geht es mit kleinen Abschürfungen als Garbenbneber, Getreidemäher, Grasmäher mit Handablage welche sich durch äußerst leichten Gang, einfachste Handhabung, Zu mieten gesucht: 34 Wohnungen von 1—7 Zimmern. und ähnlichen Verletzungen ab. Ich besitze indessen", erzählte sie weiter, „noch einen privaten Schutzengel. Dieser steht in meiner Hausapotheke und heißt Nafalan. Dieses mir vor einigen Wochen von einer Freundin empfohlene Hausmittel ist für die Kinderstube ausgezeichnet. Sehen Sie," hierbei griff die besorgte Mutter in ihr Apothekeu.Schränkchen, „da ist ein Stück Nafalan-Heftpflaster, kostet ganze 25 Pfennig, und wenn bie Kinder irgendwo eine Verletzung haben, dann wird die Stelle mit Nafalan Toiletteseife, die nur 30 Pfennig kostet, ausgewaschen und daS Pflaster aufgelegt. Schmerz und Blutung ist sofort verschwunden und die Wunde in einigen Tagen geheilt. Hier ist noch ein Rest", fuhr sie fort, „unserer letzten Büchse Nafalan-Toilette.Streupulver, daS der unserem Jüngsten vorzügliche Dienste geleistet hat und nur 50 Pfg. kostet. Baby ist, trotz ungünstiger Umstände nicht ein einziges Mal wund gewesen, während wir bei den älteren Kindern das Wuusdein nicht loswerden konnten." Nun holte die Hausfrau noch eine Zinntube hervor, die auf einer blauen Etikette die Bezeichnung HauSnafalan trug, und erzählte begeistert, daß die darin befindliche Hautcreme, die nur ganze 50 Pfg. kostet, ihr direkt "/. Ltr. Flasche ä Flasche Mk. 1.25 empfiehlt Adolf Löcher, Herborn. _ , . . Eingestellt werden: . chndwrrtsch. Arbeiter, 1 landwirlsch. Magd, 5 Ziegeleiarbeiter, S Steinbrucharbeiter, 3 Bauschlosser, 2 Wagner, 6 Schreiner, 1 Schuhmacher, 2 Glaser, 2 Arbeiter, 2 junge Hausburschen, 1 Fahrbursche, 1 Kutscher (für Arzt), 5 Dienstmädchen, 3 Lauffrauen. Lehrlinge. 1 Elektromonteur, 1 Schreiner, 1 Kaufmann. , » rc . Es suchen Arbeit: B“/, » ^Buchbinder, 1 Schreiner, 2 Wasch-und Putzfrauen, 1 Flickfrau, 8 Installateure, 1 Kaufmann, 1 Lauffrau, 1 Haus- ob. Bureaudiener. Lehrlinge: 1 Schloss er. Zu haben in Gießen bei den Herren: Fritz Schreiner, Lindenplatz 4 Jean Müller, Seltersweg 62 Aug. Deibel, Neuenweg. £33W CD (55 u-ÄK unentbehrlich geworden wäre, weil sie für die kleinen Leiden im Hause überall erfolgreich angewendet werden könne, sei es, daß sich daS Mädchen verbrannt habe ober an erfrorenen Fingern leibe, baß ihr Mann, der Chemiker ist, roieber einmal seine Flechte am rechten Arm bekommen habe u. s. w. Ich konnte bie für bas Nafalan ganz begeisterte Frau, bie mir fortgesetzt von den prächtigsten Erfolgen erzählte, nur baburch bewegen, auf ein anderes Unterhaltungsgebiet überzug-hen, daß ich ihr versprach, mir bie Nafalan-Präparate auch zuzulegen. Ich habe es auch getan unb muß sagen, ich bin ber Frau für ihren Rat sehr bankbar. Die echten Präparate haben eine Retorten-Marke unb ben Namenszug Dr. Abolpb List als Garantie-Bezeichnung. Es ist bringenb nölig, auf diese zu achten. — Bestandteile. Nafalan: Naphta 95, Seife 5, Nafalan-Heftpflaster: Nafalan 50, Kautschukmasse 35, Zinkweiß 15. Hausnafalan: Nafalan 50, Lanolin 15, Zinkweiß 20, Paraffin 15. In den Apotheken resp. Drogerien, Par- fürmerien zu haben. hv”/t E Q •—« e— tet 3 C7 langjährigste Haltbarkeit auszeichnen und stärksten Lagergetreide arbeiten, empfiehlt Generalvertreter: Gg. Schiefee-stein, Maschinenfabrik g/ebtJeder flrt Sch uh zeug prächtigen nichtabfärbenden Hochglanz! Emil Fistor ^Tachf Giessen, Marktstrasse 10. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Garteustratze Nr. 2, Zimmer Nr. 2. und Ladenfronte liefert billigst Heinrich Schön Schlosserei- 18920 SMischcr Wohnangsaachweis Gießen. Garteustraße 2, Zimmer Nr. 2. (Geschäftsstunden von 8—1 und von 8—6 Uhr.) 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Abends 71/, Uhr: Zapfenstreich durch die Stadt. Abends 8 Uhr: Eröffnungsfeier in der Festhalle Festrede, Uebergabe einer neuen Fahne, turnerische und gesangliche Aufführungen, Konzert auf dem Festplatz. Sonntag, den 5» August: Morgens 6 Uhr: Weckruf. Von 7% Uhr ab: Empfang auSwärttger Turner und Gäste an der Bahn und Einzug in die Stadt mit Musik. Vormittags 10 Uhr: Kampfrichtersitzung in der Turnhalle (gegenüber dem Festplatz). Mittags 12 Uhr: Festessen in der Festhalle und Konzert. Nachmittags l1/, Uhr: Aufstellung des Festzuges am Walltor Festzug durch die Stadt nach dem Festplatz. Daselbst: Begrüßungs-Ansprache, allgemeines Lied, Aufmarsch zu den Freiübungen, Musterriegenturnen, sowie Schauturnen geübterer auswättiger und hiesiger Turner. Großes Konzert auf dem Festplatz und in der Festhalle in letzterer auch turnerische Aufführungen. Abends 7 Uhr: Preisverteilung bezw. Aushändigung der Ehren- und Erinnerungs-Tafeln. Abends 9 Uhr: Festspiel: „deutsche Helden u. Turner“ in der Festhalle. Abends: Großes Konzert in der Festhalle und ans dem Festplatz. Tasiz unti VoiksbeEustigungen Montag, den 6. August: Morgens 8 Uhr: Spaziergang durch die Stadt. Morgens 10 Uhr: Frühschoppen-Konzert auf dem Festplatze. v”/r Nachmittags 4 Uhr: Grosses Konzert in der Festhalte und auf dem Festplatz Krotzes Solksfeff. Turnerische Aufführungen. Abends 9 Uhr: Wiederholung des Festspiels „Deutsche Helden und Turner" in der Festhalle. Tanz auf dem Festplatze. Juxplatz an der Lahn. Grosses Brillant-Feuerwerk auf dem Festplatz. Die Mvfil wird au sarnttichen Fefttageu ausgeführt von der ganzen Kapelle des 2. Grohh. Hess. Zuf.-Regiments Nr. 116, unter Leitung des Großh. Musikdirektors Herrn C. Krautze uod der Kapelle des Trag -Regis. Nr. 24 in Darmstadt unter Leitung des Grotzh. Musikdirektors Herrn Stützet. rp * j ♦ 11 q x Familieu-Danerkarte mit 2 Beikarten (für 3 Personen) Mk. 2,25, im Vorverkauf Mk. 2,—. Weitere Beikarteu 50 Pfg. (auch für Sohne von 14—17 Jahren). Eiuzel.Daucrkarte Mk. 1,25, im Vorverkauf Mk. 1.—. Tageskarte für Sonntag 75 Pfg., für Montag 50 Pfg. Einmaliger Eintritt Samstag 20 Pfg., Sonntag 50 P^, ♦ Montag 40 Pfg. Für Mitglieder des Turnvereins fuibct Freitag, den 3. Anglist, von nachrn. 2 Uhr ab in der Turnhalle ein Vorverkauf von Eintrittskarten statt: Familieu-Danerrarte mit 1 Beikarte (2 Personen) Mk. 1,—. Weitere Beikartcn 40 Pfg., Einzel Dancrkarte 80 Pfg., für Zöglinge 50 Pfg. Die Dauerkarten berechtigen zu allen Veranstaltungen. Movmwkantüolloa für Dauerkarten und Festschriften sind eingerichtet bei den Herren: Louis Althoff, Walltorstr. Eafö Amend, Bahnhofstr. Richard Buchacker, Neuen Baue. Ernst Challier, Neuenweg. Carl Eichmann, Nordanlage. Wilhelm Haas, Blerchstraße. Jakob Häuser, Ludwigstr. D. Heil Nachf^ Liudenplatz. Ernst Jiing, Marktplatz. 8. Kalthof Nachf., Westanlage. Friseur Lotz, Bahnhofstr. Philipp Motz, Neustadt. Wilhelm Semniler, Sellersweg. Earl Setbel, Frankfurterstr. Johann Seibel, Ludwigsplatz.- Am 1. Festtag ständiger OmnibuSverkehr von der Bahn nach dem Festplatz und zurück. Alles Nähere (Festordnung, Zugordnung, Programm rc.) durch die Festschrift, Preis 25 Pfg. »■■BBHMeeeeeeeeeeeeBeeeeBeeeeeeeeeeeeee* Wirtschafts-Eröffnung. Hierdurch mache ich der verehrlichen Einwohnerschaft von Gießen, besonders meiner werten Nachbarschaft, die ergebene Mitteilung, daß ich am Mittwoch, dem 1. August d. Fs., in meinem Hause . 4593 Cnillbttger Straße ein Bier- nnö Wein-Restanmt eröffnen werde. Zmn Ausschank gelangen hiesige und bayrische Biere. Reingehaltene Weine. Gute Küche. Nm geneigten Zuspruch bittet Christian üuili. Lanolin wird garantiert durch die b”/, Rein, mild, neutral. Preis 25 Pfg. Nerven-Spannkraft - Er- Schöpfung, derenVerhütungu.völlige Heilung von Spezialarzt Dr. Ruraler. Preisgekröntes, eigenartiges, nach neuen Gesichtspunkten bearbeitetes Werk, 840 Seiten, viele Abbildungen. 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