Nr. 48 Zweites Blatt 150. Jahrgang Montag 26. Februar 1906 C -scheint Ägfit) mit Ausnahme des Sonntags. lute „Siehener LamMenblättrr- werden dem ^Bmeiaet tnermol wöchentlich beigelegt. Der taMtrF erfcheurl monaUtch einmal. Gießener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lebe» UnwerstlätSdruckeret. R. Lang«, Grebe», Redaktion. Expedition u. Druckerei: Sdntfftr,^ Tel. 'Jlt. 5L Letegr.-Adr.i Anzeiger General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Kekannlmachmig. Wegen Vornahme von Rohrlegungsarbeiten wird die KreiSstraßenortsdurchfahrt Annerod im Zuge der Kreis- straße l«ießen-Annerod-Steinbach vom 26. Februar bis zuni 17. März l. I. für den Fährverkehr gesperrt. Fuhrwerke, welche während dieser Zeit in der vorgenannten Richtung verkehren, können die gesperrte Strecke durch Benutzung der unweit der Ganseburg von der Grünbergerstraße abzweigenden Straße nach Annerod umfahren. Gießen, den 20. Februar 1906. Großherzogliches Kveisamt Gießen. ___________________I. V.: Hechler. Zur Aeichstagsway: in Darmstadt. R. B. Darmstadt, 25. Februar. Eine allgemeine Vertrauensmännerversammlung hatte die nationalliberal« Partei für den Reichstagswahlkreis Darmstadt-Groß-Gerau für heute zusammenberufen, uni für die bevorstehende Reichstagsersatzwahl einen Kandidaten zu nominieren. Rechtsanwalt Dr. Osann II. führte den Vorsitz und sprach seine Freude über den außerordentlich zahlreichen Besuch von Stadt und Land aus, der als Beweis dafür gelten könne, daß wir diesmal mit allen Kräften und auch mit den besten Hoffnungen in den harten Wahlkampf ein- treten. Der Umstand, der Herrn Cramer zur Riedcrlegung seines Mandats veranlaßte, sei daS beste Werbemittel für die Sache der bürgerlichen Parteien. Die Erwartung, daß diesmal alle nichtsoz. Parteien gemeinsam vorgehen würden, sei leider von den Deutschfreisinnigen durchkreuzt und anscheinend sogar absichtlich durchkreuzt worden durch die schon vor der eigentlichen MandatSniederlegung erfolate Ausstellung einer national-sozialen Sonderkandidatur. (Diese Darstellung ist denn doch schief. Indem die Nationalliberalen mit ihrer Kandidatur später auftraten, geschah von ihrer Seite die Durchkreuzung, ohne Rücksicht darauf, daß die Freisinnigen 1903 in Gießen, Lauterbach und Offenbach bei der Hauptwahl mit anerkennenswerter Selbstüberwindung sofort für den nationalliberalen Kandidaten eintraten und diesem zum Siege verhalfen, während die National- liberalen in Bingen das Zentrum unterstützten!! D. Red.) aber er könne konstatieren, daß alle anderen bürgerlichen Parteien einmütig den nationalliberalen Kandidaten acceptiert hätten und gleich im ersten Wahlgang für ihn stimmen würden. Rechtsanwalt Dr. Stein, der vor drei Jahren 8659 Stimmen erhielt, habe sich wieder zur Annahme einer Kandidatur bereit erklärt. Wir wollen daher alles tun, sein Vertrauen zu der nationalen Gesinnung in unserem Wahlkreise zu rechtfertigen und dafür sorgen, daß die Sozialdemokratie in der hessischen Residenz in Zukunft keine Stätte mehr sindet. (Lebh. Beifall). Dr. Stein, mit stürmischem Applaus begrüßt, führte zm§, daß er sich nur schwer zu einer neuen Kaiididatur entschloßen habe. Da eS seine Freunde aber einmütig gewollt, so wolle er auch heute wieder freudig mit in den Kampf marschieren. Er habe sich schon früher als ein aufrichtiger Nationalliberaler bekannt, aber nicht als ein Fanatiker, sondern als einer, der nach seiner eigenen Ueberzeugung urteile. Zu den hauptsächlichsten Fragen der Reichspolitik gehörten jetzt die Flottenvorlage und die Reichsfinanzreform. Bei der gegenwärtigen Lage der auswärtigen Politik halte er eS für seine Pflicht, der Flottenvorlage zuzustimmen; die Kehrseite sei die Aufbringung der Mittel und da sei eine gründliche Finanzreform nicht zu umgehen. Weil einer Reichseinkommensteuer zu viel Schwierigkeiten gegenüberstehen, müsse man den indirekten Steuern näher treten, um das Defizit von 156 Millionen und die notwendigen neuen Anforderungen an das Reich zu decken. Die Steuerkommission habe das Steuerbouquet der Negierung sehr zerpflückt und sich bemüht, die Konsumste-lern möglichst gerecht und wenig fühlbar zu gestalten. (?!) Diesem Bestreben würde auch er sich anschließen. Stadtv. WolfSkehl drückte dem Redner den herzlichsten Dank für seine neue Aufopferungsbereitschaft auS und forderte zu energischster Mitarbeit aller Vaterlandsfreunde auf, ebenso Herr Graf-Büttelborn als Vertreter der ländlichen Bezirke. Dann hielt, mit lebhafter Freude begrüßt, Reichstagsabg. Dr. Becker- Sprendlingen, der eigens aus Berlin hierher» gckommen war, eine längere, fesselnde Rede über die augenblickliche politische Situation. Er habe in der heutigen Versammlung dieselbe Ueberzeugung gewonnen, wie bei seiner ersten Rede im Wahlkreis Offenbach-Dieburg: Wenn alle diese Männer, wie sie hier beisammen sind, Bürger, Bauern, Handwerker, Beamte usw. ihre volle Schuldigkeit tun, dann muß der Sieg unser sein! Gegenüber dem einen Wunsch, den Wahlkreis wieder für die Sache der bürgerlichen Parteien zuaückzuerobern, müßten alle besonderen Wünsche der einzelnen Parteigruppen und -Schattierungen zurücktreten. Die Mandats-Niederlegung Cramers beweist, daß die Sozialdemokratie nicht davor zurückschreckt, dem Einzelnen auch in seinem Privatleben vorzuschreiben, was er zu tun und zu lassen hat, eine nette Probe für den Zukunftsstaat, der weiter nichts, als ein großer Zuchthausstaat sein wird. Auf diesen Terrorismus und diese Beschränkung der persönlichen Freiheit sollten besonders auch„ hier die Wähler aufmerksam gemacht werden. Der Redner führte weiter aus, daß der Wahlkreis jetzt nicht mehr einem revisionistischen, sondern einem radikalen Sozialdemokraten gegenüberstehe, einem Angehörigen derjenigen Partei, die in Jena -einen Mörder als einen Märtyrer hinstellte und die Arbertergroschen dazu benutzt, die russischen Revolutionäre zu unterstützen. Die bürgerlichen Parteien stünden mehr auf sozialem Boden, als die Sozialdemokratie, deren Führer nicht das Los der Arbeiter verbessern, sondern nur Unzufriedenheit und Verhetzung säen wollten, weil sie ja nichts mehr zu vertreten hätten, wenn die Arbeiter zufrieden wären. Die ganze arbeitersreundliche und soziale Gesetzgebung sei nicht nur ohne, sondern sogar gegen die Sozialdemokratie durchgeführt worden und deshalb hätte sie auch kein Recht, sich als Vertreterin der Arbeiterintereffen aufzuspielen. Der Redner besprach dann noch die Kolonialpolitik und die gegen- wärtgen Verhandlungen über die Flottenvorlage und die Finanzreform und schloß unter stürmischem Beifall die Versammlung mit der Aufforderung zu gemeinsamer, energischer Arbeit, damit der Wahltag ein Sieges- und Segenstag für die gute Sache werde. Von der Versammlung wurde darauf Dr. Stein noch einstimmig zum Reichstagskandidaten proklamiert. _______ Der Kultusetat vor dem Preutz. Abgeordnetenhause. Berlin, 24. Febr. Auf der Tagesordnung steht: Die zweite Beratung des Kultusetats. Es beginnt die allgemeine Besprechung beim Titel Mimstergehalt. Auf Wunsch des Abg. Dr. Porsch (3tr.), damit den Gerüchten cntgcgcngetrcten werde, als seien die höheren Lehranstalten Preußens durch die Kvnvenienz des preußischen Kultusministers mit einem Netz marianischer Ko^ngre- g a tion en überzogen worden, erklärt Kultusminister Dr. ©t u bt, bisher seien bei ihm nur 9 Anträge auf Gewährung mariani- schcr Kongregationen vorgelegt worden. Neue fielen nicht in Aussicht. Genehmigt lei keine einzige. Aba. Frhr. v. Zedlitz stellt Anträge in Aussicht, die dahin gehen, die Stellenzulagen der ^ernmar- lchrer pensionssähig zu machen und im nächsten Etat wiederum 2 Millionen zur Erhöhung der Dienstaltersuilagen bereit zu stellen. Abg. Ernst (fr. Bg.) unterstützt die Anträge des Abg. Zedlitz. Warum aber setze sich der Minister nicht wie seine Vorgänger mit den berufenen Vertretern der Lehrerschaft im preußischen und deutschen Lehrerverein in Verbindung? Die Lehrer haben sich keineswegs gegen die Beseitigung des Religionsunterrichts in der Volksschule ausge- sprvcheu, sondern nur ihre Befreiung aus demagogisch en Fesseln gefordert. Abg. Dr. Friedberg (nl.) erklärt, wenn seine Partei sich auch dcu Anträgen des Abg. v. Zedlitz anschließe, so sollten doch diese temporären Aushilfsmittel der schleunigen Vorlegung des Lehrerbesoldungsgesetzcs keinerlei, Abbruch tun. Weiter geht Redner noch auf die Frage der mariani- schen Kongregationen ein. Abg. Stychel (Pole) erklärt, ur3 war Deutschtum nie Kultur, nie Freiheit, stets Drill. Die Freiheit der Muttersprache hat man uns genommen. Bezeichnend hieß es aus der Generalversammlung des evangelischen Bundes: Der Kampf gegen das Polcntum ist der Kampf gegen Nom. Abg. Tourneau (Ztr.) wendet sich gegen die Ausführungen, die neulich Abg. v. Campe beim Justizetat gegen die religiösen Genossenschaften und deren Umwandlung in Aktiengesellschaften gerichtet habe. Redner empfiehlt, durch ein besonderes Gesetz, das den geistlichen Genossenschaften die Rechtsfähigkeit verleiht, die Frage zu regeln. Abg. Dr. v. Campe (nl.) hält daran fest, daß die von Ordensgesellschaften, Ordensmitgliedern mit deren Hintermännern eingeschlagenen Wege, um die Rechtsfähigkeit zu erlangen, zum mindesten eine Abweichung von der geraden Linie darftellen. Kultusminister Dr. Stu d t bestreitet, daß, die Lehrervereine je offiziös angegriffen worden seien. Allerdings seien manchmal recht bedenkliche Aeußerungen auf Lehrcrtagen gefallen. Auf das entschiedenste weist der Minister die Angriffe des Abg. Stychel zurück. Die Frage der Bildung rechtsfähiger Genossenschaften durch Mitglieder geistiger Gesellschaften sei eine sehr zweifelhafte, die nur von F-all zü Fall durch die ordentlichen Gerichte entschieden werden könne. Abg. Heckenroth (kons.) beklagt den Rückgang der Zahl der Theologie studierenden. Abg. Glowa tzki (Ztr.) bezeichnet es als ungehörig, daß die polnische Sprache sogar aus dem Religionsunterricht ausgeschlossen werde. Redner geht ausführlich aus die Verhältnisse im polnischen Unterricht ein. Die schlesischen Zentrumsmänner ständen auf dem Standpunkt, daß jeder ein Recht darauf habe, den Religionsunterricht in seiner Muttersprache zu nehmen. _ Kultusminister Dr. Studt erklärt Nachgiebigkeit in der ^Lprachen- unb Schulfrage für unmöglich. Gegen die grvßpolnische Bewegung gelte es Kampf bis aufs Messer. Abg. Funck (fr. Vp.) erklärt, nur auf dem Boden voller Unabhängigkeit können die Lehrer ihrer hoben pädagogischen Aufgaben gerecht werden. Der Titel wird bewilligt. Marokko. Ein Berliner Blatt, das gern in Sensationen macht, bringt einen heftigen Artikel gegen einen Mann, von dem man selten etwas hört, der trotzdem aber eine bedeutende Rolle in unserer ausw.Politik spielt, gegen Herrn v.Holstein, Exzellenz und speziellen Berater des Kaisers. Der Name ist genannt worden, als jüngst Herr de Courcel in Berlin nach der Audienz beim Kaiser mit dem Reichskanzler und eben Herrn v .Holstein konferierte. Herr v. Holstein soll die ganze Marokkoaffäre auf dem Gewissen haben. Er sei eine eiserne Politikernatur, die mit den äußersten Konsequenzen rechne. Herr v. Holstein bewog den Kaiser, sich in die Marokkoaffäre zu stürzen, Herr v. Holstein habe den Rat gegeben, Tanger anzulaufen, und Herr v. Holstein sei noch jetzt die treibende Kraft, die den deutschen Delegierten in Algeciras den Rücken steift. Der Einfluß des Herrn v. Holstein wird wohl recht überschätzt. Gewiß wird er ab und zu vom Kaiser empfangen, und nach dem Ableben des Herrn v. Nichthofen war er die treibende Kraft im auswärtigen Amt, bis der neue Mann seinen Einzug hielt. Seither ist er wieder zurückgedrängt. Das Gerede von der Kriegslust dieses Mannes hinter den Kulissen ist lächerlich. Doch selbst wenn es im auswärtigen Amt einen Mann gäbe, der einen Weltkrieg wünschte, würde dieser Wunsch nicht erfüllt, solange Fürst Bülow noch etwas zu sagen hat. Es irrar schon einmal eine Treiberei gegen gewisse Persönlichkeiten in auswärtigen Blättern im Gang und auch damals war es Herr v. Holstein, gegen den sich dos Treiben wandte. Fürst Bülow war eben Reichskanzler geworden, und in Wien saß ein DLann, der damit nicht zufrieden war. Da wurde das Stichwort von dem Kerl mit d en H y ä n en o. u g e n geprägt. Jetzt ist wieder eine hohe Stelle im Reich neu besetzt worden, und gekränkter Ehrgeiz scheint sich regen und ein wenig verleumden zu wollen. Man weiß, daß die Marokkokonferenz auf des Messers Schneide balanzicrt. Was soll das Ausland davon halren, wenn man ibm sagt: ein einziger Mann im deutschen Reich ist verantwortlich für die ganze Geschichte? Man wird fieber in Paris davon Notiz nehmen, und bis deutsche Marokkopolitik wird durch diese Machenschaften diskreditiert. Tos ist das Bedauerliche an der Geschichte. Daß man aber die deutsche Politik, die ohnehin keinen! leichten Stand hat, dem Ausland gegenüber herabwürdigt, das macht die Treiberei im höchsten Maße verwerflich. Wir glauben an keine Nebenregierung im auswärtigen Amt. In einer Berliner offiziösen Meldung versichert die „K. Ztg", der bisherige Verlauf in der Bankfrage lasse» die Hoffnung auf eine Einigung in dieser Materie nicht aufgeben. Nachdem zu erwarten ist, daß weder das! französische noch das deutsche Programm Aussicht auf glatte Annahme bei den übrigen Mächten habe, sei man der Lösung der Frage in einzelnen Punkten bereits nähergekommen und namentlich französischerseits, im Gegensatz zu einem großen Teil der französischen Presse, in eine ruhigeErörterung der gemachten Vorschlags eingetreten. Man darf erwarten, daß Frankreich auch den Wünschen der übrigen Mächte gegenüber nachgeben werde., Ter Ausschuß, der mit der Vorberatung des Entwurfs über die Vanksrage betreut ist, hat jetzt drei von einander, unabhängige Entwürfe zu beraten. Er beschloß, zu dieser Beratung die technischen Beiräte, Dupafseur-Frankreiich, v. Glasenapp-Teutschland und Moralös-Spanien, hinzu-« zuziehen. Die Vorberatungen werden längere Zeit in Anspruch nehmen. Es wird auch von ftanzösischer Seite biet Ueberzeugung ausgesprochen, daß das der Konferenz vm> liegende Pr o gram m von ihr bis zu Ende durchs beraten wird. politische Tagesschatt. Tie Erbfolge in Badea ist durch em Ereignis gesichert, das der Draht aus Karlsruhe meldete: Prinzessin Max, die Tochter deS Herzogs von Enmberland, ist von einem Sohne entbunden worden, nachdem auS ihrer vor bald sechs Jahren mit dem Neffen deS Großherzogs geschloffenen Ehe bisher eine Tochter hervorgegangen war. Bekanntlich bestand ohne diese Sicherung die Aussicht, daß bei der Kinderlosigkeit der Ehe des Erbgroß- herzogS die großherzogliche Würde dermaleinst in die Hände entfernter katholischer Agnaten übergehen könnte, und de» gleiche Uebergang steht in Württemberg bereits für den nächsten Regierungswechsel bevor. In Baden war bereits davon die Rede, daß für daS Großherzogtum die Ehe deS jüngsten Bruders des Großherzogs, Prinzen Karl, mit der zur Grasir v. Rhena erhobenen Freiin v. Beust für ebenbürtig erklärt werden sollte, um dem auS dieser Ehe hervorgegangenev Sohn, dem jungen Grafen Rhena, die Thronfolge nach dem Prinzen Max zu verschaffen. Vielleicht kommt eS trotz bei nun eingetretenen Befestigung dynastischer Hoffnungen doch noch zu dieser Maßnahme, so lange jene Hoffnungen immer noch auf den zwei Augen deS eben geborenen Prinzen stehen- zumal das Haus Zähringen in seinem gegenwärtigen Beilande ebenfalls auf der Legitimierung der unebenbürtigev zweiten Ehe des Großherzogs Karl Friedrich mit der späterer» Gräfin von Hochberg beruht. Deutsches Reich. Berlin, 25. Febr. Gestern wohnte der Kaiser iw der Militärturnanstalt der Schlußbesichtigung deS LehrkursuS bei. Im Schlosse empfing er dann eine Abordnung deS russischen 85. Infanterie-Regiments Wyborg. — Zur Fleischteuerung will die ,Allg. Fleischer- jeitung' erfahren haben, daß die Regierung Maßnahmen vorbereitet, die den Wünschen der Bevölkerung Rechnung tragen und geeignet sind, eine Milderung der Notlage herbeizusühren; ehe vier Wochen inS Land gehen, würden diese Maßnahmen unbedingt ausgeführt werden. — Der „Reichsanz." veröffentlicht eine Bekanntmachung^ wonach das Verbot der Einfuhr von Schafen aus Oesterreich-Ungarn ab 1. März nach Maßgabe deS am 1. März in Kraft tretenden Viehseuchen-Uebereinkommens zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich.Ungarn in^ soweit aufgehoben wird, als die Einfuhr von österreichisch- ungarischen Schafen zur alsbaldigen Abschlachtung unter den für Rindvieh dieser Herkunft geltenden Bedingungen und in die für die Einfuhr von Rindvieh aus Oesterreich-Ungarn geöffneten Schlachthäuser zugelassen wird. Der .Reichsanz." veröffentlicht ferner das Gesetz über die Abänderung zweier badischer und des 7. hessischen ReichstagS-Wahl- kreises WormS-Heppenheim. — Der Hauptvorstand deS rheinischen Bauernvereins, der auf dem Boden der Zentrumspartei steht, hat entschieden gegen die Erbschaftssteuerpläne besj Abg. am Zehnhoff Stellung genommen und beschlossen, eine ausführliche Eingabe mit der Bitte um Ablehnung des Antrages an den Reichstag zu richten. — Zwischen dem badischen Bauernvereine und den 21 Fleischer in nungen Badens ist eine Vereinbarung getroffen worden, die den unmittelbaren Verkehr zwischen Landwirten und Fleischern herbeiführen soll. Die Mitglieder des Bauernvereins sollen daS Schlachtvieh durch die Ortsoorstande den Innungen an* melden. — Der Gemeinderat von Stuttgart hat anläßlich deS 50. Todestages deS Dichters Heine einer neuen Straße den Namen Heine-Sttaße gegeben, Dresden, 24. Febr. In den Kreisen von Jndustrte und Handel ist mau entrüstet über den jetzigen Beschluß der Ersten Kammer. Die Erwerbsverbäude wollen erneut gegen ihre Behandlung in oer Ersten Kammer Protest er» heben. Es wird gehofft, daß in der Zwesten Kammer die gesamte Linke und die dem Handel, der Industrie und dem Gewerbe angehörigen Mitglieder der konservativen Fraktion ganz energisch Front machen gegen daß Mißtrauensvotum, welches die Erste Kammer jenen Berufen erteilt hat. Stuttgart, 25. Februar. Der demokratische Kammerpräsident Payer erhielt anläßlich des heutigen Gcbllrtsfestes des Königs das Komthurkreuz des Ordens der württembergischen Krone. Der P e r s o n a l a d e l ist mit dieser Verleihung verbunden. Ausland. Stockholm, 24. Febr. Die Regierung brachte im Reichstage einen Gesetzentwurf, betreffend da§ Wahlrecht, ein. Hiernach wird die Mitgliedcrzahl der Zweiten Kammer 165 für das Land und 65 für die Städte betragen. In jeden! Wahlkreise wird ein Vertreter durch die Mehrheitswahl gewählt, die größeren Städte werden in Wahlkreise mit je einem Vertreter geteilt werden. Wahlberechtigt ist jeder unbescholtene Mann nach dem vollendeten 24. Lebensjahre. In die Zweite Kammer kann nur gewählt werden, wer in einem Wahlkreise, oder wenn es sich um eine Stadt mit mehreren Wahlkreisen handelt, in einem derselben das Wahlrecht hat. Bei den allgemeinen Wahlen ist die absolute Mehrheit erforderlich, bei Stichwahlen die einfache Mehrheit. Die Einteilung der Wahlkreise wird alle neun Jahre vom König festgelegt. Paris, 26. Febr. Bei der Kircheninventaraufnahme in Lafarre wurde der Verwaltungsbeamte von etwa 200 Bauern überfallen und mißhandelt. Schwer verletzt mußte er in die Wohnung des Bürgermeisters gebracht werden. Bei der Inventaraufnahme in der Kirche Saint Thomas d'Aquin zu Paris wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Unter den Festgenom menen befindet sich der pens. General Recamiez. — Loubet hielt in Beantwortung von Trinksprüchen, die ihm auf einem Bankett dargebracht wurden, eine Aussprache, in der er sagte, daß e§, um den Sieg des Friedens zu sichern, einer starken, geschulten Armee bedürfe, di« fähig sei, im Notfälle den Frieden zu diktieren. Aus StaOt uno Land. Gießen, den 26. Februar. — Die hiesige Reichsbank stelle ist morgen, Dienstag, aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares von 1 2 Uhr ab geschlossen. •* Brandstiftung. Am verfloßenen CamStag nach- uuttag 3 Uhr bemerkte das Dienstmädchen der Witwe Rothenberger, daß aus dem Lumpenlager Rauch drang. Da Samstags nicht gearbeitet wird, befand sich niemand in dem Lager. Die herbeigerufenen Arbeiter und Polizei schafften die brennenden Lumpensäcke heraus und löschten sie ab. Hierbei ergab sich nun, daß der Brand vorsätzlich angelegt war. Die das Lager nach hinten abschließende Brandmauer war von dem Nachbargebäude, . einer unbenützten Glaserwerkstätte au§ durchbohrt und durch das etwa 6 Ztm. große Loch war der Vrandstoff in das Lumpenlager hineinbefördert worden. Sofort wurde gerichtlicher Augenschein angeordnet und die eingehendsten Nachforschungen angestellt, welche dann auch eine Anzahl Beweisstücke zu tage förderten. Die Brandstelle mit ihrer Umgebung wurde am Sonntag früh photographisch ausgenommen, da eS sich um Gebäude handelt, die zum Teil schon abgebrochen oder noch niedergelegt rverden sollen. Hoffentlich gelingt e§, den Täter zu entlarven. Bemerkenswert ist, daß vor einigen Jahren, ebenfalls bei einem Abbruch in derselben Straße ein Schadenfeuer entstand, dessen Ursache unaufgeklärt blieb. ** Submissionsresultat. Bei der Vergebung von Bauarbeiten an der Irrenanstalt wurden folgende Wigebote abgegeben: Kos« 1 Erd- und Chaussierungsarbeiten, 900 Kubikmeter Erd- aushu.b, 3170 Quadratmeter Chaussierung einschl. Materiallieferung Wilhelm Suchan-K'rvfdorf 12 321,50 Mk., Schlörb-Gießen 8699,00 Mk., Pfeffer-Annerod 12 944,00 Mk. Los 2 Liefern und Verlegen von 400 Stück alten Eisenbahnschwellen, Schlörb-Gießen 760,00 Mk., Pfeffer-Annerod 800,00 Mark. . LoS 3 Einfriedigung aus Hvlzpfosten und Drahtgeflecht 1930 laufende Meter. Karl Euler Nachf.-Meßen 5022,00 Mk., Gg. Schubecker-Gießen 4556,30 Mk., Wilhelm Piß-Steinbach 4525,00 Mark, Wallach-Alsfeld 4342,00 Mk.. Gabriel Gerster-Mainz 4350,60 Mk., I. .Hoffmann-Atzbach 3876,00 Mk., Helfenbern- Gießen 3743,00 Mk. Haas-Grimberg 2936,60 Mk., Albert Stvll- Gießen 2638,80 Mark. • ’ Besitzwechsel. Der Gärtner Friedrich Noll in der Cchulstraße kaufte das Haus des Architekten Seuling auf der Mäusburg für 41000 Mark. — Wie der Wert der Häuser in den letzten Jahren in die Höhe gegangen ist, kann man aus diesem Verkauf ersehen. Vor etwa drei Jahren war das Anwesen für 28 000 Mark trotz vieler Mühe nicht an den Mann zu bringen. * * D er 2. Hess. Kammer sind mehrere Anträge des Abg. Zouß und Gen. zugegangen, in denen der Bau von normalspurigen Bahnen von Butzbach nach Ziegenberg mnd von Butzbach nach Wetzlar gefordert totrb. * * Zu dem Artikel .Eine Studenten-Ver- samiulung in Darmstadt wird aus Studentenkreisen geschrieben: In dem Artikel liest man, daß Herr „stud. Heile aus Hannover im Auftrage des Verbandes deutscher Hochschulen einen wngeren Vortrag über die Frage der konfessionellen V.c r b i rd b_u u gen hielt/' Darnach ist von Interesse zu wcssen, dar; £>err Heile ein paar Tage vorher, Samstag den 17. jyebruür, _ denselben Vortrag mich vor dem Gießener ©ti> dentenansschuß gehalten und zwar konnte man hier n i ch t s a g e n, da,; er wie in Darmstadt „unter dem lebhaftesten Bei- la y der Versammlung" schloß. Vielmehr kam weder nn Verhalten des» Ausschusses im Ganzen noch auch in der nachfol- genden Besprechung der leiseste Beifall zum Ausdruck. In ruhiger, sachlicher Weise lehnte der Gießener Studentenausschuß die in der .ael.c proklamierte Kampfesweise gegen die katholischen Korporationen ab mit dem Hinweis auf die am vor^rgehenden Tage Pr'‘ 1 L.Rcwlutton, wonach ein solcher Kampf als der akademi- sckieii Freiheit zuwiderlausend angesehen werden müsse und es wurde auch die Beweisführung, die katholischen Korporationen seren antmational als einseitig angegriffen und auf allgemeinere, Msienichaftsichere und tolerantere Ansichten auch in diesem Punkt lnngewiesen. Außerdem wurde Herrn Helle der Rat erteilt, seinen Vortrag, den er vermutlich noch an verschiedenen Universitäten halten wird, m diesem Punkt etwas anders einzurichten, weil man damit nicht sympathisieren tonne. sJtun, trotzdem er diesen 'Rat nicht befolgte, war seine Aufnahme in Darmstadt eine ^rrcht erfreuliche, was nach dem jetzigen Stand der dortigen verrnischtes. Kuxhaven, 24. Febr. 25 Mann von der Matrosen- Artillerie wurden heute aufgeboten, um auf den ehemaligen Kaufmann Schmidt, der feine tzrau, sein Kind und seine Schwiegermutter getötet und zwei andere Personen schwer verwundet hatte, ein Kesseltreiben zu veranstalten. Schmidt war gestern abend nach Altenbruch gekommen und hatte einen Einwohner unter Todesdrohungen gezwungen, ihn die Nacht zu behergen, worauf er sich heute unter Mitnahme zweier Revolver wieder entfernte. Er wurde bei Lüdingworth erhängt aufgefunden. , 'Brüssel, 24. Febr. Heute wurde hier der chilenische Gesandschaftssekretär Palnacos durch den Sohn des hiesigen chilen. Generalkonsuls Waddington durch mehrere Revolverschüffe getötet. Palnaeoras war mit der Tochter des Generalkonsuls verlobt, es war jedoch feit einigen Tagen zwischen den Verlobten eine Spannung eingetreten. Die beiden jungen Leute wohnten in einer Pension zusammen. Der Getötete war kaum 20 Jahre alt. Am Abend sollte aus Anlaß der Verlobten ein Diner stattfinden, zu welchem auch die Geladenen erschienen. Die Polizei mußte sich begnügen, die chilenische Gesandtschaft zu umstellen, um ein Entweichen des Täters zu verhindern. Die belgische Regierung wird bei der chilenischen einen Auslieferungsantrag stellen. ' Vom Bürgerlichen zum Herzog avanciert ist ein gewisser Direktor Kiegel in Dresden. Die Vorfahren Kiegels von väterlicher Seite waren, wie durch genaue Nachforschungen festgestellt ist, Herzöge von Harcourt und Freiherren von Pagny und Ciely. Als König Ludwig XIV. im Jahre 1680 Lothringen gewaltsam annektierte, floh die Familie, um ihr Vermögen zu retten, nach Hamburg. Nachdem der Maire von Pagny die Bestätigung gesandt hat, hat Kiegel den Freiherrentitel angenommen, und die Bestätigung des Herzogstitels dürfte demnächst erfolgen. ' Erdbeben. Der „Newyork Herold" meldet aus Barbados vom 23. Februar: Wie ein hier eingetroffener Schooner berichtet, ist der Mont Pelse auf Martinique wieder in Tätigkeit. Die Bewohner der Insel sind von Schrecken ergriffen. Fünf Personen wurden durch herniederfallende Steine verletzt und ins Hospital gebracht. In Fort de France wurden durch Erdbeben viele Häuser zerstört. Der Vulkan Le Souffliere ist jetzt tätiger als in der ganzen Zeit seit 1902. Die Erdbeben auf Martinique, Saint Vincent, Guadeloupe, Santa Lucia und Dominica sind stärker als die vor 4 Jahren. Die Bewohner der Städte flüchten aufs Land, weil sie fürchten, daß die Mauern in den Städten Umfallen. * Kleine T a g e s ch r o n i k. Der amerikanische Milliardär William V a n d e r b i l t, der in der Nähe von Pisa in Italien mit seinem Automobil ein Kind überfuhr, wurde von der Menge tätlich angegriffen und verhaftet. Nach anderer Meldung handelt es sich um R o ck e f e l l e r, der in wahnsinnigem Tempo durch die Straßen von Pontevera fuhr. Verhältnisse, too der Kstmpf aufs Neue entbrannt ist, vvraus- zusehen war und — es ist ja der Ordnung gemäß, daß die Landes- Universität der teckmischen Hochschule vorangeht. △ Li ch, 25. Febr. 9(n der neu zu erbauenden Kreisstraße zwischen hier und Garbenteich wird in letzterer Gemeinde, wie bereits mitgeteilt wurde, für den Kreis Gießen eine Sammelwasenmeisterei errichtet werden. Auf einen Komplex von fünf Morgen kommen ein größeres Wohnhaus nebst den gewerblichen Anlagen, wofür der Betrag von 107000 Mark vorgesehen ist, zu stehen. In praktischer und schöner Weise sind von Baurat Diehm die Pläne für die Gebäude ausgearbeitet worden. Der Zweck ist, alle Tier^adaver unter tunlichster Ausnutzung aller Bestandteile, also der Knochen wie Felle nach dem System Podwils zu verarbeiten. Noch in diesem Frühjahr soll mit den Arbeiten begonnen werden. Eine zweite derartige Anlage ist für den Kreis Büdingen vorgesehen. ? Schotten, 24. Febr. In einer Vorstandssitzung der „Vogelsberger Volksbank" (Aktiengesellschaft) wurde beschloffen, diese aufzulösen. Der Rendant Wilh. Wolf- schmidt tritt von seinem Amte zurück. Die Mitglieder schließen sich größtenteils der neugegründeten Spar- und Dar- l e h n s k a s s e (Genoffenschast mit unbeschränkter Haftpflicht) an. -ft Nidda, 25. Februar. Gestern fand unter Vorsitz des Provinzialdirektors Geheimerat Dr. Breidert in Anwesenheit der Vertreter der Nachbarkreise hier eine Beratung statt, die sich mit der vom Abgeordneten Dr. Weber angeregten elektrischen Lichtanlage, von Lißberg ausgehend, befaßte. L. L. Darmstadt, 26. Februar. (Eig. Drahtb.) Heute nacht zwischen 11 und 12 Uhr ereignete sich hier eine furchtbare Bluttat. Zwei Soldaten des 23. und 24. Dragonerregiments gerieten in der großen Ochsengaffe in Streit, der zu Tätlichketten unter Waffengebrauch ausartete. Dabei erhielt der Soldat des 24. Regiments einen Säbelhieb über den Kopf, sodaß er bewußtlos zusammenbrach. Er wurde in das nahegelegene Lazareth gebracht, wo er kurz nach der Einlieferung starb. Der Täter wurde verhaftet. Ein Handarbeiter, der sich anscheinend an dem Streit beteiligte, trug ebenfalls eine Verletzung davon. — Ein peinlicherZ wischenfall trug sich gestern beim Schluß des Ju b i lä u m § ka rn e- oalzuges zu. Ein junger Mensch, angeblich ein Student, sprang plötzlich auf den Wagen des „närrischen Ministerpräsidenten", des um das öffentliche Leben Darmstadts hochverdienten Kaufmanns M. Anspach, zu und versetzte dem Jnsaffen einen Schlag mit einem scharfen Gegenstand ans den Kopf. Herr Anspach mußte die entstandene heftig blutende Verletzung im Krankenhaus verbinden lassen. R. B. Darmstadt, 25. Februar. Prinz Karneval hat diesmal auch bei uns mit großem Glanz und humoristischem Schaugepränge seinen Einzug gehalten. Seine Abholung vom Bahnhof erfolgte gestern abend unter Fackel- und Musikbegleitung, sowie Serenaden der hiesigen Gesangvereine, Konzert der Prinzenkapelle in der Narhalla rc. Heute früh war großes Wecken der Prinzenkapelle, Parade der Prinzengarde und am Nachmittag derJubiläumsfestzug zum 20jährigen Bestehen der Narhalla, der wirklich eine Sehenswürdigkeit bildete und viele Tausend Schaulustige herbeigeführt hatten. Sämtliche hiesigen Musikkorps, zahlreiche von Vereinen, studentischen Korporationen rc. auSgestattete Prachtwagen und zirka 70 Sondergruppen waren daran beteiligt. Mit köstlichem Humor waren auSgestattet u. a. „Das Asyl für pensionierte Beamtedie in einem mehrstöckigen Hause mit Veranda daher kamen und ihre ersparten Gelder in großen Beuteln mit sich schleppten, die „Darmstädter Volksküche" mit reitenden Küchenfeen, die „MuSbacher Weinfabrik Sartorius', der üppig in Champagner schwelgende „Bauernbund', mit Schweinen an der Leine und dazu die „Fleischnot' mit Hering knabbernden Proletariern, das „VerkehrSbureau' mit der Devise: „Es muß annerscht werrn", bann eine humorvolle Gruppe der „Gartenvorstadt am Hohlen Weg' mit 9 Zukunftshäusern daselbst, ein „WarenhauSbazar", die „Marokkokonferenz", die scheidende „Hessische Lotterie", ein „Sultansharem', die „Verunglückte Wartehalle am Schloßplatz', weiter Prachtgruppen wie „Florawagen", die dreifarbigen „Olbrichgarten von der Gartenbauausstellung", der „Hofzug des Prinzen Karneval", das „Närrische Ministerium" rc. Dazwischen viel kostümierte Rester, Herolde, Bürger, Landleute und viel Volk, sogar „Maanzer" und „Frankforter". — Auch die Straßen waren chon am Vormittag mit ganzen Scharen maskierter Figuren relebt, ein Korps der Hochschule fuhr sogar mit einer veri- tabten Kanone mit 6 Pferden umher. Nach dem Festzug und am Abend zeigte sich besonders in den größeren Bierlokalen und Cafes ein turbulentes Leben. Am Fastnachtsdienstag ist noch große Kappenfahrt. D a r m st a d t, 24. Febr. Irr den Kreisen der besseren Gesell- "chaft und besonders imter den Offizieren, wird, wie der „Rh. K'." meldet, ein peinliches Vorkommnis zwischen zwei Dragoner- leutnants lebhaft besprochen. Gelegentlich eines von einem höheren Offiziere gegebenen Kostümfestes' gerieten die beiden Leutnants in Meinungsverschiedenheiten, die trotz der Anwesenheit des Gvoßherzogs in Tätlichkeiten ausarteten. Dabei wurde einer der Offiziere im Gesicht verletzt. Esl folgten die üblichen Ehrenratsfitzungen usw. imb schließlich das unvermeidliche Duell, aus dem aber die beiden unverletzt zurückkehrten. Es verlautet, daß einer der Leutnants die Absicht hat, in Süd- westaftika bei der Schutztrupve Dienste zu nehmen. W. Frankfurt, 25. Febr. Heute früh 7 Uhr 25 Min. nhr eine Borheizmafchine in den ausfahr en den Zug 9?r. 321 Frankfurt — Wiesbaden. Der Packwagen des Zuges 321 sowie die Borheizmafchine cntqfeiften. Beide Hauptgleise waren gesperrt. Personen hnrrben nicht verletzt. Der Materialschaden ist unerheblich. Der Verkehr wurde über Griesheim geleitet Beide Geleise waren um 121/t Uhr wieder fahrbar. * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Für die Gemeinden Köddingen und Windhausen wird eine gemeinschaftliche Wasserleitung errichtet. — In Webrheim i. T. brach in der Näbe der Kirche ; Großfeuer aus, welches in kürzester Zeit 3 Wohnhäuser und 6 gefüllte Scheuern mit Stallungen in Asche legte. — In Alten- t a d t ist die Errichtung einer höheren Privatlehranstalt für Knaben beabsichtigt. Die günstige Bahnverbindung seit Eröffnung der Strecke Stockheim—Heldenbergen dürfte der Anstalt zahlreiche ' Schüler zuführen. 3u dem Aufruf der fünf Leipziger SLndrntev erhielten wir heute folgende Zuschrift: An die verehrliche Redaktion des Gieß.- Anz. Ich habe das Gefühl, als ob es befremdlich wäre, wenn in den Verhandlungen über den Aufruf der fünf Seidiger Studenten zum Austritt aus der Kirche die Gießener Pfarrer gar nicht das Wort ergriffen. Nun sind das freilich im Grunde viel zu feine und zarte Dinge, als daß sie durch Frhden in den Tagesblättern zu ihrem Rechte timt men könnten. Aber ich möchte doch auch nicht den Schein erwecken, als ob wir zu Bewegungen, die uns so nahe angehen, nichts zu sagen hatten, oder als ob »ns der Mut dazu fehlte. Ich will mich dabei aber ganz kurz fassen: 1. Wir evangelische Christen und evangcliscbeu Pfarre» fürchten uns weder vor den Aufrufen zum Austritt aus bei Kirche, noch vor diesem selbst. So weit das der Ueberzeuguntzf entspricht, kann es nur zur Wahrheit und Klarheit führen; wir fürchten nur für die vielen, deren Urteil noch nicht gereift genug ist, um sie davor zu schützen, daß sie sich nicht durch klingende Phrasen berauschen und zu Schritten verleiten lassen, die sie später bereuen; wir danken deshalb der verehrlichen Redaktion, daß sie Nüchternheit und ehrlichen Mut genug gehabt hat, das imretfe Phrasenheldentum der Fünfe richtig zu kennzeichnen. Dazu gehört angesichts der weit verbreiteten kirchenfciudlichen Stimmung unserer Zcitgenoffen in der Tat mehr Mut, als zu jenem Aufruf, mit dem keinerlei Märtyrertum zu befürchten, aber billige Lorbeeren zu ernten waren. 2. Wir fürchten auch nicht das Urteil der Wissenschaft, das nach der Meinung solcher, die von diesen Dingen wie der Blinde von der Farbe reden, uns völlig vernichtet haben soll. Die wirklichen Vertreter der Wissenschaft lächeln darüber. Sie wissen es wohl, daß das Christentum als Religion völlig außerhalb d es B er e i chs d er W i s f e ns ch a f t fällt. Die Religion hat ihr Reich in dem inneren Leben der Persönlichkeit und in, der unsichtbaren Welt, die hinter dem sichtbaren Schein ihr Wesen hat und ihre Reflexe in unsere Seelen wirft. Da entscheiden nicht^Experiment und Beweis, sondern Erlebnis un$ Uebcrzeugung. Soweit cs sich aber um die geschichtlichen Bedingungen und Zusammenhänge des Christentums handelt, so stehen uns diese Dinge viel zu hoch, als daß wir uns dabei mit etwas anderem, als mit der höchsten erreichbaren wissenschaft-i ichen Gewißheit begnügen könnten. Welchen Ernst wissen-, 'chaftlichier Arbeit die Theologie heute daran setzt, mit allen. wissetffchaftlichen Mitteln die Wahrheit zu erforschen, cheinen die Rufer in diesem Streit nicht zu ahnen. 3. Eines freilich fürchten wir sehr, nämlich daß das Heiligtum der Religion für fremde Zwecke dienstbar gemacht werde. Die Religion, die ihr Leben von Jesus Christus her hat, hat es nur mit einem zu tun: die Seele mit ihrem Gott, und Gott mit der Seele zusammenzubringen, und so zu helfen, daß wir wahre Menschen werden. Aber die bestehenden Verhältnisse in etaat nnb Gesellschaft heilig zu sprechen, dazu gibt sie sich nicht der. Nur die Treue kann sich nicht missen, auch nicht die Treue> gegen Volk uno Vaterland. 4. Wir wissen sehr wohl, daß die Kirchen, auch unsere evangelischen Landeskirchen, das Wesen des Christentums nur lehr unvollkommen zur Erscheinung bringen Das liegt im Wesen menschlicher Dinge begründet. N e u e n V^e v- etmgungcu würde es damit nicht besser gehen, namentlich, tonnt, sie einen größeren Umfang erreicht haben toeröen. Dafür wurden sie neue Spaltungen in unter BolkS- Uberr reißen während unsere Landeskirchen die Möglichkeit ge- S- W verschiedenartige Geistesströmungen nebenem- & e"^er dienen und ergänzen. So lange sie bad »ermägen Hllten wir sie für em sehr wertvolles Glied '4-n Vt r z rf § 16 b C -n 8 ihrer Mängel, an desftn Fvrtentwtcklung mitzuarbeiten besser ist al« es zuzet stören. n ' Gießen, 25. Febr. 1906.* v. Schlosser. Hiermit schließen wir die öffentliche Diskussion über diesen u. E. über Gebühr beachteten Ausruf. Arbeiterbewegung. 24,r5cbr* Lohnbewegungen der Hafen a r b c tter nehmen immer mehr ut. Außer den Schmier» arbeher ^"Auiislen fini? jetzt auch die Speicher und Lagerhaus» Norma archeüsm^ Metreten und verlangen die Einfichruna ift'ÄctefoSd^ seÄ’,C"Oa’enbeln£b- fc. Wetzlar, 23. Febr. Der Ausstand der Bergleute »id den G r üben „I u n o" n n b „U r a n u ist beendet. Von den 75 Ausständigen sind 8 abgereist. Tie anderen sind bis auf einige Wenige nur bcr Ohitbe „Inno^ wieder angenommen worden. Ter Nesi soll in nächster Zeit wieder eingestellt werden. Maßregelungen finden nicht ffnft. Tie ßhubc „Urnmi§* bleibt geschlossen. GerichtssaaL. Planen (Vogtland), 24. ftebr. Ter ehemalige 6)cmeinde- ^orsteher Gnnochtcl aus Morgenröte-Rantenkranz wurde vom Schwurgericht meneu Unters dyl agung von Gemeindegeldcrn in Löhe von 14 000 Mk. zu zwei Jahren zwei Monaten Gefängnis verurteilt. M i l i t ä r a e r i ch t s u rt e i l e. Tas Marinekriegsgericht in Kiel verurteilte den Torpedo-Oberbootsmannsmaaten Schmidt wegen Mißhandlung uon 27 Untergebenen in 13 7 Fällen -u drei Monaten Gefängnis. Beantragt waren vier Monate und Degradation. — Tas Kriegsgericht zu Görlitz verurteilte den V i z e s e l d w e b e l (Higer wegen Mißbrauchs der T i e n st g e w a l t und Unterschlagung zu vier Monaten Gefängnis und Degradation. ICtrcMicbc Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Montag, den 26. Februar, abends 8 Uhr: Bibel st nnde im Konfirmandensaal der Johamreskirche. Tert: Jak. Kav. 3. Pfarrassistent Knot t. Diittwoch, den 28. Fekn-var, abends 8 Uhr: 1. Passions - andacht in der Iohanneskirchc. Pfarrer Euler. Giesicner landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 27. Februar 1906: Zunächst noch trüb und geringe Niederschläge. Später wieder aufheiternd und geringe Abkühlung. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Märkte. fc. Frankfnrt a. M., 26. Febr. (Orig.-Telegr. des „Gießen. .An?.*) i)lmtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 18.50— 00.00, Kurhessischer Mk. 18.50—00, La Plata Mk. 19.00—20.00, Kansas Mk. 18.50—19.25, Roggen (hiesiger) Mk. 17.00 —00.00, Gerste (Wetteraueri Mk. 17.75—18.00, Franken- selder Ml. 18,25—18,50, Hafer 16.75—17.00, MaisMk. 12.50—13.00, Weizenmehl 27—28.00, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Mk. 26.00, 3. Qualität Mk. 22.50—23.00, Roggenmehl 0 Mk. 24.75—25.75, 1. Qualität Mk. 22.25—23.25, Weizenkleie Mk. 9.50 bis Mk. 10.00, Roggenkleie Mk. 11.00—11.50, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 12.50, Frauken, Pfälzer, Ried Mk. 17.50—18.00. Alles per 100 Kg. ab hier. ic. Frankfurt a. 9)1., 26. Febr. (Telegr. Qrig.-Bericht des „Gieß. Änz."). Amtliche Notierungen der heutigen 93iebmarft- vrei i e. Zum Verknuse standen: 398 Ochsen, 164 aus Oestreich, 35 Bullen, 5 aus Oestreich, 766 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Oestreich, 327 Kälber, 300 Schafe und Hammel, 1202 Schweine, 0 Ziegen, o Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht Ochsen 1. Qualität 75—77 Mk., 2. Qual 70—72 Mk., 3. Qual. 65-68Mk.: Bullen l.Qual. 66 bis 68 Pik., 2. Qual. 63—64 Mk.: Kühe l.Qual. 67—69 Mk., 2. Qual. 61—63 Mk., 3. Qual. 44—45 Mk, 4. Qual. 4"—42 Mk., 5. Qual. 00—00Pik. Kälber: 1. Qual. 89—93Pfg., Lebendgeivicht 54—57 Pf., 2. Qual. 81—86 Pfg., Lebendgewicht 48—51 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 61—65Pfg., Schafe: l.Qual. 70—80, 2. Qual. 70—72 Psg., 3. Qual. 00—00 Pfg.: Schweine 1. Qual. 82—00 Pfg., Lebdgew. 64.00—00.00 Pfg., 2. Qu.80-81 Pfg., Lebend- gew. 62.50—63 Pfg., 3. Qual. 73—75 Pfg., Lebendgewicht 60 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. 9lns Dänemark kamen 12 Rinder und 3 Bullen, au§ Holland 158 aeschlachtete Schweine. Meteorologische Beobochtnngen der Station Gießen. Höchste Temperatur am 24.—25. Februar = 4- 1,9° C. Niedrigste „ „ 24.-25. „ — — 37, C°. Febrttar 1906 Barometer (Uti 0° rebilsiert amiuactuiax Absolute izetichtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 25. 95S 740,1 0,4 4,4 92 8 4 Schneefall 25. 9’6 ; 738 2 1,8 5,1 98 SW 9 Sprühregen 26. 739,8 0.6 / 4,6 96 W 2 Bew. Himmel WSLküMtWnW irr Mtsfölk iudtt Ztadt Meße» 7. Woche. Vom 11. bis 17. Februar 1906. Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 tinkl. 1600 Plan« Militär) Sterblichkeitszisser: 26,44 nach Abzug von 7 Ortsfreinden: 14,10'Vw. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene 1. Tuberkulose 2 (1) 1 (1) Lunqenkatarrh 1 — Herzleiden 2 2 Gehirnentzündung 1 (1) 1 (1) Unterleibsentzündung 3 (2) 1 Nierenentzündung 1 (1) 1 (1) Krebs 2 2 anderen Geschwülsten 2 (2) 2 (2) unbek. Ursache 1 : im Lebensjahr: 1 1 KD von: 2.—15. Jahr KD 1 Summe 15'7) 10(5) 3(1) 2(1) Ann,.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Kraickheit auf von an5roärt§ nach Gießen gebrachte Kranke kominen. Tie Toppel-Hochzeitsseierlichkeiten in Berlin, n. Berlin, 25. Febr. Heute abend sand im Weißen Saale G a l a t a s e l statt, zu der u. a. geladen waren: der Reichskanzler, die Chefs der fürstlichen und der ehemals reichsständigen gräflichen Häuser, die aktiven Generale und Admirale, die Staatsminister, die Mitglieder des Bundesrates, die Präsidenten des Reichstages und des preußischen Landtages, die Herren und Tamen der Deputationen aus dem Lande und die fremdländischen militärischen Abordnungen. Ter Kaiser trug den roten Galarock der Gardes du Corps mit dem Bande des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler; die Kaiserin über einer rosafarbenen Robe einen silbergestickten Ueberwnrf und reichen Brillantschmuck. Ter Großherzog von Hessen führte die Prinzessin Heinrich, der Kronprinz die Großherzogin von Hessen, Prinz Eitel Friedrich die Prinzessin Wolf von Schaum burg-Lippe, Prinz Oskar die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Bei der Tafel saßen rechts vom Kaiser die Großherzogin von Baden, links von der Kaiserin der Großherzog von Hessen. Tie Tafel zierte das Tafelsilber, das die Städte der Provinzen vor 25 Jahren den Majestäten als Ehrengabe dargebracht haben. Tie Gesamtsumme der humanitären Stiftungen zur Silberhochzeit des Kaiserpaares, die die Teputationen dem Kaiserpaare überreichten, beträgt etwa 2Vs Millionen Mark. * Die polizeiliche Sperre des Potsdam er Plastes für den Droschkenverkehr wollen die K u t s ch e r mit. einer großen Demonstration beantworten und gerade heute, am Einzugstage der Herzogin Sophie Charlotte, her Braut des Prinzen Eitel Friedrich, durch Massen-Flugblätter die Parole ausgeben: heute (Montag) früh darf kein Droschkenkutscher anspannen, sondern es nuiffe jeder von ihnen einer bestimmten Kutscher-Versammlung beiwohnen. Griginal-Drahtmeldungeir. Leipzig, 26. Febr. Eine Versammlung, in der der Neichstags-Abq. Stadthagen über Klassen-Instiz und Sozialdemokratie sprach, wurde polizeilich aufgelöst. Straßburg i. E., 26. Februar. Der frühere Polizei - kommissar Step Hany, der sich in Zürich in Haft befindet, unternahm dort einen verunglückten Fluchtversuch. Er stürzte die Treppe hinab und wurde schwer verletzt in das Untersuchungsgefängnis gebracht. Macon (Dep. Saone-et-Loire), 25. Febr. Der Minister des Innern Du lief hielt heute hier eine Rede, in'Ser er folgendes ausführte: Die Regierung werde da? Trennungsgesetz durch führen trotz des sträflichen Widerstandes, zu dem die päpstliche Encyklika ermutige. Der Minister schloß mit der Versicherung, daß das Land Bekanntmachung. Das im Inge der Großen Mühlgasse stehende Wohnhaus (u der früher Körner'schon Besitzung Neustadt 71 soll auf den Abbruch verkauft werden. Die diesbezüglichen Bedingungen liegen auf unserem Sekretariat zur Einsicht offen. Nähere Auskunft erteilt das städtische Hochbanamt. Schriftliche Angebote sind bis zum 10. März, vormittags 11 Uhr, verschlossen mit entsprechender Aufsclirift bei uns cinzureichcn. Gießen, den 24. Februar 1906. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ___________________ Mecum.____________________[B?6/> Holzversteigeeunft Freitag, den 2. März l. F. vormittags 9 Uhr anfangend werden in den Waldungen der Gemeinde Allendorf a. Lunda, (Schutzbezirk I. Distr. Nasserstrauch, Dürnbach, Rundeheeg und Kalkberg) 22 Eichen-Stämme mit 12,43 Fstm., 229 Kiefern- und Fichten-Stämme mit 67,35 Fstm., 481 Nadel-Derb stangen, 188 „ Reisstangen 2 Nm. eichen, 9 Rm. kiefern Nutzscheit (rund) 15 Rm. Nadel-Nutzknüppel 80 Nm. Buchen-, 2 Nm. Eichen- u. 3 Nm. Nadel-Scheit 10,5 Rni. Eichen-, 80 Rm. Nadel-Knüvvel, 325 Wellen Eichen-, 950 Wellen Nadel-Reisbolz, 43 Nm. Buchen-, 3 Nm. Eichen-, 53 Rm. Nadel-Stockholz -ersteigert. Zusammenkunft im Distrikt Nasserstrauch. Allendorf a. Lunda, am 23. Februar 1906. Großherzogl. Bürgermeisterei Allendorf a. Lunda. 1268 Rein. Holzversteigerung. Montag den 5. März b. I. werden aus den Distrikten Hobcrod, Beltershaincr 2^a(b 2a und Lauback'skovf der Forstwartcr Reinhardsbam versteigert: Scheiter, rm: 763 Buche, 35 Elche, 2 B.rkc, 2 Aspe: Knüppel, rm: 134 Buche, 38 Eiche, 2 Aspe, 4 Fichte; Reisig, rm: 586 Buche, 78 Eiche; Stöcke, rm: 135 Buche (hierunter 6 rm breun- klein), 21 Eiche. c c t r . Zusammenkunft vormittags 9 Uhr im Drstnkt Voherod bet Gells- Hausen bei Breunbolz Nr. 1472. Nur ein Teil des Holzes im Distrikt Hohcrod wird vorgezeigt. Tie Nummern des zur Versteigerung kommenden Holzes sind blau unterstrichen. Grünberg, 23. Februar 1906. Großh. Oberförsterei Grünberg. Schober. MW-Bilanz mm 31. Iezember M. Aktiva: 3) An Kaffenvorrnt . . . 396.56 , Warenvorrat . . 5365.23 „ Debitoren .... 1867.72 „ Mobilien nach Abschreibung von 1C% 84.72 Passiva: JfL Per Mitgliedereinlnge 1005.— „ Reservefonds . . 1827.19 „ Betriebsrücklage . 2903.43 „ Knvitalschuld . . 353.— „ Reingewinn . . . 1628,61 7714.23 Die Zahl bcr Mitglieder betrug Ende 1904 Während 1905 gingen ab .... . » * zu ..... Daher Stand bcr Mitglieber Enbe 1905 . Staufenberg, ben 22. Februar 1906. Landwirtschaftlicher Konsumverein (Eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht.) Stephan Meyer Heibertshausen Direktor. Rechner. Lagerhalter. Nutzholzverkanf in der Königs. Oberförsterei Gladenbach. Es werden verkauft: Montag, den 12. März, morgens 10 Ahr im Staatswald-Distrikt Sckeltcrsau, Schutzbez. Dernbach (Förster Krohe zu Dernbach), Eichen: 47 Schneidstämme mit 39 Fstm., bis 10 Mtr. lang, bis 59 Ztm. stark, 2 Rm. Küferholz. Nachmittags 1 Ahr im Distr. Thalwäldchen und Pracht bei Dernbach. Eicken: 9 Schneidstämme mit 14 Fstm, 8 Mtr. lang, 40—78 Ztm. stark: Nadelholz: 29 Stämme mit 9 Fstm., 325 Stangen I.—IV. D26/2 Dienstag, 13. März, morgens 10 Uhr an der Schneebergwiese beginnend, in den Distrikten Schuppe, Hain, Tiefgrundseite, Wolfsgarten, Hahnskopf. Schutzbezirk Seibertshausen (Förster Schroff zu Weidenhausen) Eichen: 27 Schneidstämme mit 37 Fstm , 9 Mtr. lang, 40—98 Ztm. stark, 97 Werkholzstämme bis 40 Ztm. stark, mit 22 Fstm., 18 Nm. Kürerholz; Buchen: 58 Schneidstämme mit 43 Fstm., bis 12 Mtr. lang, bis 54 Ztm. stark, 6 Rm. Felgenholz. Birken: 25 Werkholzstämme und Stangen mit 3 Fstm., Fichten: 30 Stämme mit 11 Fstm., bis 22 Mtr. lang, bis 24 Ztm. stark, 127 Stangen I.—IV. 7714.23 100 2 98 5 102 unter Wahrung der nationalen Würde und seiner Abhängigkeit den Frieden wolle. Petersburg, 25. Febr. Tie Polizei schloß bas int Teuitschcwsaale tagende Zentralbureau bcr bemo» kratisch-konstitutionellen Partei, sowie bic mit diesem Bureau verbundenen Agitationskursc. W a r s ck a u, 26. Febr. Als in einer im Turnsaale einer? Schul? abgehaltenen Versammlung ein rotgekleideter sozia- listisr Arbeiter ‘v/.x Anschluß an bic sozialdemokratische Partei ausforderte, wurde er von der uationaldemokratischen Fugend mit lärmenden Zwischenruf, n uutervroch''n. Aus, beit Reihen der Sozialisten fielen R e v o l v e r s ch ü s s e, die von den Rational-Teinokrateu erwidert wurden. Inj dem entstehenden Handgemenge wurde ein Arbeiter getötet uud 15 verletzt. Tie Mchr-abl der Teilnehmer oit der Versammlung wurde dann durch Militär umzingelt und verhaftet. Tiflis, 25. Febr. Plünderungen und Gelderpressungen werden hier immer bäufiaer. Sechs Individuen plünderten eine Apotheke uud verschwanden dann. Zn bic Wohnung eines Arztes draiiaen, wäbrend er Sprecht stunde abhielt, zehn bewafsnete Männer ein, raubten ihnt die Taschenuhr und Geld und entflohen. Als die Frau des Arztes aus dem Fenster um Hilfe rief, erschien ein Polizeisergeant, gab a u f den Arzt drei Revolverschüsse ab und verwundete diesen schwer. Ter Täter wurde festgenommen. Ferner wurde auf einen reichen Warenbausbesi^cr ein Angriff au§geübt, bei welchem dieser verwundet wurde. Odessa, 25 Febr. Zn her vergangenen Nick'« schossen bei d-r polizcflfckcn i-'ckvia des St-'rnherg'scken H-ruses Anarchisten ans P 'wten und verwundeten dabei den Portier des Hans---:, c vnb einen Polizeibeamten schwer. Sie flohen dann r ' Dachraum des Hansts und wechselten Scküsse mit r -- eit h?rhe acrusenen Militär. Sie w'tfen zwei Bomben, ickl'teten aber keinen Schaden an, als d -' Bomben o"' bic Straf'? rlotzten. . T uch eine nach dem Dach h-n abgeoeben - l n c wu r d e n d r c i A n a r ch i st e n g e- tötet und zwei d'' ck> scstaenommen. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeitrers. mitseteiH von der Bank 511 r Handel und Industrie, t.' Frankfurter f’iirs« 3%°/0 Reichsanleihe . . 101.0 3% do. . . 88.75 3%°/0 Konsols .... 101.15 3% do 88 90 3J4°/O Hessen 99.60 Oberhessen . . . —.— 4 Oesterr. Goldrente. . 100.60 4*/s H Oesterr. Silberreute 101.25 4% linear. Goldrente . . 95.85 4% Italien. Rente . . . —.— 3 ao Portnciesen Serie T . 68.30 3% Portugiesen „ III 69 50 4 V<0,n russ.Staatsanl. 1905 91.80 41'20 n japan. Staatsanleihe 94.00 1 °o Conv. Türken von 19c3 92.80 Tiirkenlose 144 00 4% Griech. Monopol-An 1.. 53 30 4% äussere Argentinier . 91.70 3°/0 Mexikaner .... —.— 4%°l0 Chinesen .... 96.00 Aktien: Bochum Guss 237.25 Buderus E. W 129,00 . 26 Februar, 1.15 Uhr. Elcktriz. Lahmeyer . . . 142.00 Elektriz. Schnckert . . . 130.00 Eschweilcr Bergwerk . 257.25 Gelsenkirchen Bergwerk . 222.20 Hamburg- Amerik. Paketf. —•— Harpener Bergwerk. . . 212 00 Lanrahütte 238.70 Xordd. Lloyd 127.30 Oberschles. Eisen-Industrie —.— Berliner Handels-res. . . 172.50 Darmstädter Bank . . . 148.25 Deutsche Bank . . . 240 90 Deutsch-Asiat. Bank . . 182.40 Di skonto-Knro mandit. . . 187.75 Dresdner Bank . . . 161.10 Kreditaktien 210.80 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn .... 113.30 Gotthardbahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 24.40 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.00 Prince-Henri-Eisenbahn . 132.25 Tendenz: matt. Berliner Börse, 26. Februar. Anfangskurse. Canada E. B 174.00 Darmstädter Bank . . . 14«.5° Deutsche Bank .... 241.30 Dortmunder Union C. . . 82.0" Dresdner Bank .... 163.80 Tendenz: matt. Harpener Bergwerk . . . 212.80 Lanrahütte . . , . 239.50 1 ombarden E. B. ... 24.60 N’ordd. Lloyd 127.40 Türkenlose 145.80 Bei der immer mehr in bic Ericheinuna tretenbeu Verteuerung! des Lebensunterhaltes verbient bic Hcrvorhcbuua gefunber, billiger Geuußmittel besondere Beachtung. 2lls bestes Getränk empsiehlt sich Nleßmers Tee, der außerorbcutlich ausgiebig, daher billig im Gebrauch uud uon hervorragendem Wohlgeschmack ist. , b’% Holzversteigerung. Donnerstag, den 1. und Freitag, den 2. März, werden im Bettenhäuser Markwald solgendc Holzsortimente versteigert: a) Donnerstag, den 1. Brennholz. 1. 56 Buchen- und 22 Eichen-Scheit, 2. 50 Buchen-, 40 Eichen- und 12 Kiefern-Knüppel, 3. 60 Buchen-, 218 Eichen- und 226 Eichen- und Lärchen, durchforstungsreiser, 4. 48 Buchen-, 31 Eichen- und 8 Fichten-Stöcke. Anfang morgens 10 Uhr im Hinterwald bei der Hütt^ b) Freitag, den 2. Bauholz. 1. 24 Kiefern-Stämme, 14—16 Ztm. Durchm. mit 8,58 Fstm., 2. 108 Fichten-Stämme, 15—24 Ztm. Durchm., bis 23 Mtr. Länge, 28 Fstm., 3. 80 Fichten-Derbstangen mit 7 Fstm., 3. 104 Lärchen-Derbstangen und 163 Lärchen-Reisstangen. Bemerkt wird, daß Fichten-Stämme erstklassiges Bauholz und die Stangen schönes Sparrenholz ist. Anfang vormittags 10 Uhr am Vorderwald, Waldeck, Straße Müschen» heim—Bettenhausen. 1269 Großherzogliche Bürgermeisterei Bettenhausen. ___________________Roth___________________ Nutz- und VrenntzolBerßeizll'ung der Fürstlich Solms-Braunfels'fchen Oberförsterei Hungen in den Distrikten Herrugarteu und Dietrichsberg bei Villingen. Es sollen versteigert werden: Tonuerstag den 1. März 1906, von vormittags 10 Uhr an: 3 Fichten-Ttäinme, 12 bis 15 m1 lang, 15 bis 17 cm Durchm. — 1,50 fm, 4 ' Zichteu-Terbstangen, 5 bis 12 m laug. 8 bis 12 cm Durchm. — 2,f>0 fm, 10 Eschen-Terbstaugen, 5 bis 8 m lang, 10 bis 15 cm Durchm. — 0,80 fm, 30 Buchen, Läugwied, 4 m lang, 10 cm Durchm. = 0.90 fm, 5 rm Buchen- Lcheitbo z, 25 rm Buchen-Stockbolz, 350 rm Buchen-Stamm-Prügelholz, 420 rm Buchen-Stamm.Reisig I. und II. Klasse. Die Zusammenkunft ist im Herrugarteu. B*/, Hungen, den 25. Februar 1906. _________________________________ Fürstliche Lberförsierei. postpaket-A-ressen mit Zirma iwe. düi.gst vrüdl'tÄe Uuiversttäls-vruüerei, Siebe«. Bar- uni BreuchlMsteigems. Es werden versteigert: 6,22 V II II II u II p H n ii ii H II II II II II tt H n = 3,19 =2,80 = 6,81 =20,15 = 34,71 Kundscheit: 4 Em. Fichten-, Knüppel: 14 Ern. Eichen-, 17,4 Em. Kiefer-, 4 Em. Fichten-, Reiserknüppel: 9 Em. Eichen-, 7 Em. Kiefern-, 20 Em. Fichten-, Reisig: 72 Em. Eichen-, Stöcke: 6 Em Eichen-, 4 Em. Kiefern-, 27 Em. Fichtcn- Das Holz, welches blau unterstrichen ist, kommt nicht zur Versteigerung. Die Versteigerung beginnt vormittags 10y2 Uhr bei 6cm Pflanzgarten. Förster Emrich in Röthges erteilt auf Verlangen Dienstag, den 6. März dS. IS. tus dem Distrikt Judeneiche (Gemarkung Qucckborn) Stamme: 2 Eichen- V. Kl. 25—29 cm mittl. Durchm.—0,57 £m 56 „ VI. „ unter 25 5 Kiefern- HL „ 30—39 - 5 „ IV. „25-29 4Fichten-III.„ 30-39 * 15 „ IV. „25-29 46 „ V. „ untei-25 uähere Auskunft. Laubach, 24. Februar 1906. Großherzogl. Obcrförsterei Laubach. t)36/, Andr e. Restaur. Ro^aS, Heute Montag abend: Fideles Konzert mit Triumphator-Anstich. H. Elges. ,1276 Schöne Aussicht. Morgen, Fastnachts-Dienstag, von 5 tthr ab: fresse KirecV.Xap)i«$itziij mit Tanzvergnügen wozu ergebenst einladet oi298 Der Riegelpfadklrob. Eintritt frei!__________________________Eintritt frei! Restauration zurAula Dienstag den 27. Februar, abends 8 Uhr 11 Min.: fase Kappsnsiizung nii Musik Zum Backen Feinster Cacao Pfund Mk. 1.— bis Alk. 3.- Fcmstes Blüten-Mehl 10 Pfund Mark 1.75 Vegetaiiue 1176 Pfund 50 und GO Psg. Garant, remes Schmalz ff.Speiseöl, Zackern, alle sonstigen Backzutaten zu den billigsten Preisen & <2 o i f heisse geg. d.Fleischnot durch MflölBi ^erbessg. d. Geslügel- (jöfe n. Gründung neuer. Belehr. Katalog postfrei. Geflugelparli i.AuerbachHess. 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