Nv. 201 Zweites Blatt 156, Jahrgang Dienstag 28, Angnst 1906 Giehener Anzeiger Erscheint «glich mit Ausnahme deS Sonntags. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.sk, Tel. Nr. 61. Telegr.-Ddr.: Anzeiger Siehe», Die „Metzener LamlNenblStter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich bcigelegt. Der Elfisch« taubwlrt*' erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'sche» UnioersitätSdruckerei. R. Lang«, Siehe». Genera'-Anzeiger, Amis- und Änzeigeblatt für den Kreis Gießen. Aer AiKtaior. Bebel hat sich jüngst im „Vorwärts" gegen den Vorwurf verteidigt, der ihm seitens der Gewerkschaften gemacht worden ist: daß er sich als Diktator der Partei fühile und benehme. Das sei keineswegs der Fall, sagt er, und gerade die Angelegenheit der Generalstreikfrage habe gezeigt, daß er durchaus nichts vom Diktator an sich habe. Denn gerade gegen seinen ausgesprochenen Willen sei das Protokoll in dieser Sache veröffentlicht worden. Mit einigem Lächeln nimmt man in der polit. Welt Kenntnis von dieser Erklärung des alten Feuergeistes. Man hat sich längst daran gewöhnt, Bebel, den „roten August", als den sozialdemokratischen ParteipaPst zu betrachten, und er selber hat es sich ruhig gefallen lassen, wird es sich auch weiter gefallen lassen, und findet lediglich vor Monn- Heim Veranlassung, die Vorwürfe, die man aus der Partei heraus gegen ihn schleudert, abzutun, soweit als dus mögk- lich ist. Tatsächlich ist Bebel seit dem Tode Liebknechts der alleinige Führer- der sozialdemokratischen Partei, ausgenommen vielleicht den bayerischen Flügel, der sich unter dem Aristosozialdemokraten v. Vollmar recht wohl befindet. Es ist keine größere 'Aktion von der Sozialdemokratie unternommen worden, die nicht auf Bebel zurückzuführen war. Er war der Führer der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion, und etwaige Opposition aus den Parteikreisen heraus wurde rasch genug gedämpft. Bebel ist der beste Redner der Partei. Wenn es einer versteht, die Massen aufzupulvern, dann sind es nicht die Doktrinäre, deren die Partei ja mehr als genug hat, dann ist es Bebel, der einstige Drechslergeselle aus Leipzig, der heute ein tadelloses Französisch spricht. Er ist auch stets als das geistige Haupt der Partei anerkannt worden, die Partei hat einen förmlichen Kult mit ihm getrieben, und die Borwärtsdruckerei kann heute noch nicht genug Bebcl- vorträts produzieren, weil jeder „Genosse" sich eine Ehre daraus machte, den „großen üttten" in seiner Stube hängen zu haben. Es war für die Partei nicht immer gut, daß dieser Hitzkopf die Oberleitung besaß. Bebel ist ein Intransigent, ein Mann, der keine Kompromisse und keine Zugeständnisse kennt, der die Bourgeoisie wirklich aus vollem Herzen haßt. Und außerdem ein Mann, der an seine Mission glaubt. Mit welcher Ueberzeugung hat er nicht im Reichstag den „großen Kladderadatsch" prophezeit! Und das zu einer Zeit, da eine große Anzahl von Parteigenossen bereits den Glauben an den Zukunstsstaat eingebüßt hatte, da gerade der Revisionismus am kühtrsten sein Haupt erhob! Ein Utilitätspolitiker hätte sich niemals der sozialen Gesetzgebung widersetzt, hätte auch aus bürgerlichen Händen genommen, was der !Arb eiter schäft geboten wurde. Vollmar denkt in dieser Beziehung ganz anders. Und mui will es ein Treppenwitz der Weltgeschichte, daß dieser Mann der Unversöhnlichkeit in einer wichtigen Frage eine Stellung einnimmt, die einem sehr großen Teil seiner Parteigenossen als zu lau und deshalb als, verderblich erscheint! Tas ist bitter für den Mann, der ans Kommandieren gewöhnt ist wie ein alter Schlachtengeneral, und es ist begreiflich, daß er die Vorwürfe, die eine bisher uwbedingt treue und verlässige 'Anhängerschar gegen ihn richtet, um so schwerer empfindet, als er sie in seinen alten Tagen wohl nicht erwartet hatte. Der ganze Streit um Theorien und Theoreme ist das, Papier nicht wert, auf das das Gewerkschaftsprotokoll gedruckt ist, aber er zeigt, daß ein Riß durch die Sozialdemokratie geht, den selbst die „geheiligte" Person des greisen Führers nicht zu überbrücken vermag. In Mannheim wird man weiteres über die Angelegenheit hören, und es wird den bürgerlichen Parteien interessant sein, den Führer der Partei als Angeklagten zu sehen. Wir zweifeln ja nicht daran, daß man eiben Modus zur Einigung nach außen hin finden wird, aber ein Stück von dem Mmbus, der den „Diktator Bebel" bis jetzt umgab, ist verschwunden. Und es mag innerhalb der Partei ehrgeizige Leute geben, die darüber keine große Trauer hegen, die für sich selber einiges erhoffen, wenn Bebel sich über kurz oder lang auf sein 'Altenteil zurückzieht. Man ist dem Führer wenigstens in seinem Streit mit den Gewerkschaften bisher von keiner Seite veige- sprungen, und das ist für die Leute, die innerhalb der Partei auch noch etwas zu sagen haben, charakteristisch. Die Sozialdemokratie ist zu groß, als daß sie sich auf die Dauer unter einer Führung zilsämmenhalten ließe. politifd?c Sagesschar-. Zn Alsfeld-Lauterbach-Schotten wird das Mandat des nationalliberalen Reichstagsabg. Dr. W a l l a u, der bekanntlich als liberaler Kompromißkandidat den langjährigen antisemitischen Mandatsinhaber Bindewald bei der letzten Wahl — allerdings nur mit geringer Mehrheit — verdrängte, möglicherweise vom Reichstagsplenum kassiert werden. Die Zentrumsprcsse bereitet wenigstens hierauf vor und erklärt gleichzeitig, dass bei der Neuwahl Dr. Wallau unter keinen Umständen mehr auf die Unterstützung der katholischen Stimmen ■ rechnen dürfe, da er in einer Versammlung des Evangelischen Bundes einer Resolution zugestimmt haben soll (!), durch die er sich verpflichtete, „für alle Zeiten „den Jntolleranzantrag" des Zentrums, jo oft er auch wieder eingebracht werde, abzulehnen." Die „Köln. Volksztg." bemerkt hierzu: „Wenn sich diese Nachricht bestätigen sollte, hat Dr. Wallau für alle Zeilen den Anspruch auf die Unterstützung des Zentrums verwirkt." Auch die „Germania" erklärte, daß Dr. Wallau „sich für alle Zukunft die Unterstützung der Zentrumswähler im Monde suchen" könne. Nun ist ja die Zahl der Katholiken in jenem Wahlkreise nicht groß, nur der Distrikt Herbstein ist vorwiegend katholisch. Aber da die Mehrheit, mit der Dr. Wallau siegte, nur gering war, so sind die Stimmen der Katholiken immerhin recht wertvoll. Dr. Wallau selber, der bekanntlich zur Zeit auf der Reise nach Ostasien sich befindet, ist leider nicht in der Lage, sofort dem von katholischer, ihm übelwollender Seite verbreiteten Gerüchte zu widersprechen, und man wird daher, was eben dieses Gerücht anbetrifst, bis zu seiner Rückkehr warten müssen, wenn nicht vorher ein zuverlässiger Mann, der jener ominösen Versammlung des Evangcl. Bundes beigewohnt hat, das Wort hierzu ergreift. Jedenfalls -iü jetzt schon äußerste Rührigkeit der Liberalen im ganzen Wahlkreise von Nöten, um das Mandat dem Liberalismus zu erhalten. Dr. Wallau hat übrigens, wie wir hervorheben wollen, in Sachen der Neichssinanzreform sich als guter Liberaler bewährt und z. B. gegen die Fahrkarte n- s! e u e r gestimmt. * Zum Gouverneur von Kamerun soll der Legationsrat Dr. Seitz ausersehcn sein. Dessen Abreise nach der Kolonie für nächsten Monat angekündigt wird. Unseres Erachtens ist die Neubesetzung des Kameruner Gou- verneurpostens keineswegs eilig. Die interimistische Verwaltung sollte und wird hoffentlich so lange andauern, bis Untersuchung und Disziplinarverfahren gegen Herrn v. Puttkamer zum Abschluß gelangt sind. Ter Untersuchungsrichter glaubt bekanntlich, durch persönliche Ermittelungen in Kamerun die Angelegen- heit beschleunigen zu können. Von Dr. Seitz wird behauptet, daß er einerseits ein intimer Freund v. Puttkamers, andererseits in Kamerun nichts weniger als beliebt sei. Es heißt sogar, Dr. Seitz' Ernennung zum Gouverneur würde Unruhen unter den Eingeborenen möglich machen. Die Regierung kann diese Momente nicht unbeachtet lassen, will sie es vermeiden, sich neuen Vorwürfen auszusetzen. Deshalb wird man der Meldung von der bevorstehenden Berufung des Dr. Seitz nach Kamerun zweifelnd gegenüberstehen dürfen. Zur Reform der hessischen Landgemeindeordnung teilt man uns folgendes mit: Bei der Reform der Landgemeindeordnung wurde der Vorschlag zur Einführung des Instituts der R a t s s ch r e i b e r gemacht. lieber die Notwendigkeit und die Zweckmäßigkeit dieser vorgeschlagenen Einrichtung läk-t sich gar manches sagen. Das steht jedoch fest, daß durch die Einführung dieses Instituts die Gemeindeabgaben nicht geringer werden. Eine viel zweckmäßigere und dem sozialen Bedürfnisse entsprechendere Einrichtung wäre die Trennung der Ortsgerichte als staatliches Organ von den Bürgermeistereien als kommunales Organ und Besetzung der ersteren mit tüchtigen staatlich geprüften Leuten. Es wäre durch- auch nicht erforderlich, daß sich an jedem kleinen Orte ein Ortsgericht befände, es könnten vielmehr mehrere Orte zu einem Ortsgerichtsbezirk vereinigt und in den einzelnen Orten an bestimmten Tagen ein Amtstag abgehalten werden. Wenn die Zuständigkeit der Ortsgerichte erweitert würde, so könnte aus demselben ein staatliches Hilfsorgan gebildet werden, was es ja auch sein soll. Man könnte beispielsweise die Zuständigkeit auf die Führung der Straftegister, des Standesamts, öffentlicher Register, Mitwirkung bei dem Nechtshilfeverfahren usw. erstrecken. Außerdem könnten Gemeinde und Gewerbegerichte (§ 14 G. V. G.) sowie rechtliche Auskunftsstellen daselbst errichtet werden. Dadurch würden nicht nur Behörden, wie Staatsanwaltschaften, Gerichte, Bürgermeistereien und Gerichtsschreibereien entlastet, sondern es würde einem von der Allgemeinheit anerkannten Bedürfnisse abgeholsen. Die gründliche Ausführung der Rechtspflege wäre zweifellos sicher. Das Publikum hätte nicht mehr nötig wegen jeder Kleinigkeit sich an die entfernt liegende Behörde zu wenden, was meist mit Zeitverlust und unersetzbarem Schaden verbunden ist. Diese Einrichtung wäre zweifelsohne weniger kostspieliger als das Institut der Ratsschreiber, da die für die Dienstgeschäste eingehende Gebühren die entstehenden Auslagen völlig decken würden, sich vielmehr eher ein Ueberschuß erwarten ließe. Vor allem aber wäre die Einrichtung äußerst zweckmäßig. An staatlich geprüften Leuten fehlt es der hessischen Regierung nicht, was die vorhandene llebersüllung im Gerichtsschreiberfach zur Genüge beweist. Kirche rrnd Schule. Fulda, 27. Aug. Zur Konferenz der preußischen Bischöfe sind hier eingetroffen: Kardinal-Erzbischof Dr. Fischer-Köln, Kardinal-Fürstbischof Dr. Kvpp-Breslau, Erzbischof Dr. Nörber-Freiburg i. Baden, die Bischöfe v. Likowskc-Posen, Dr. Kirstein-Mainz, Dr. Willi-Limburg a. d. L., Dr. Dingelstaö- Münster i. W., Dr. Voß-Osnabrück, Bertram-Hildesheim, Korum- Trier, Dr. Rosentreter-Kulm, Dr. Thieb-Ermland und der Feld- Probst der Armee Vollmar-Berlin. Aus SLaöt uno Luus. Gießen, den 28. August. " Der Großherzog und die Mainzer Sänger. Seit Jahren ist es üblich, daß unser Groß Herzog bei seiner Anwesenheit in Mainz von sämtlichen Mainzer Ge- sangoereinen durch ein im Schloßhof abgehaltenes Ständchen begrüßt wird. Und zwar wird immer ausschließlich ein Lied, und zwar das „Deutsche Lied", gemeinsam gesungen. Dieses Lied hat nun S. K. Hoheit schon bis zum Ueberdruß gehört, und da er ein feinsinniger Musikkenner ist (er hat ja bekanntlich selbst einige zarte, duftige, religiöse Lieder komponiert, die bei Schott in Mainz erschienen sind), und verschiedene Vereinsherren bei dem Deutschen Lied öfters „über- geknaxt" sind, so bat der Großherzog durch den Ober- bürgermeister Göttclmann die Mainzer Sänger, daß sie diesmal ein anderes Lied sängen. Dafür sollten sie nicht unten im Hof singen, sondern im Schlosse. Göttelmann läßt sich die Delegierten der Vereine kommen. Alle zusammen singen. Aber das geht nicht. Es wird gelost und der Mainzer „Männergesangoerein" gewinnt. Als aber der Delegierte des „Liederkranzes" 3U feinem Vorstand kommt, da wird er böse empfangen und die vorstandlichen Sangesbrüder telegraphieren an den Großherzog, daß auch sie singen wollten. Die Folge davon war, daß der Groß Herzog auch den ausgelosten „Männergesangverein'' nicht singen ließ und dieser wieder abziehcn mußte. •• Die wohlverdiente Belohnung fand die wackere Tat der beiden Musketiere der 11. Komp. Sterner und Rühl unseres 116. Regiments, welche, wie wir kürzlich berichteten, mit eigener Lebensgefahr eine Frau von dem Tode des Ertrinkens retteten. Als unser Regiment sich am vorigen Samstag bei der Truppenschau in Mainz zum Parademarsch formierte, kam (so erzählten wir schon gestern kurz), ganz unerwartet S. M. der Kaiser mit seiner ganzen Suite vor die Front des Regiments geritten und ließ die beiden wackeren Lebensretter vor die Front des Regiments rufen Mit huldvollen, gnädigen Worten der Anerkennung für die brave, mutige Tat übergab Seine Majestät den beiden Musketieren diepreußischeRettungsmedaille und reichte beiden d.e Hand. Der ergreifende Akt, der sich unter den Augen zahlreicher anderer Truppen vor der Front unseres 116. Regiments abspielte, wird nicht nur den so ausgezeichneten beiden Musketieren unvergeßlich sein, sondern dem ganzen Regiment, und mit Stolz und Freude wird das Regiment sich stets der begleitenden Worte erinnern: „Ich freue Mich ganz besonders, daß gerade Ihr es seid von Meinem Regiment". •• Tod eines Veteranen. Am Sonntag starb unser Mitbürger Wilhelm Friedel. Der Verstorbene batte in der! 10. Kompagnie des 2. thüringischen Infanterie-Regiments Rr. 32 den Krieg gegen Frankreich mitgemacht und an den Schlachten von Weißenburg, Wörth und Sedan teilgenommen, er war auch mit den 32ern dabei, als Orleans am 18. Oktober 1870 durch die Bayern und die 22. Division unter General von der Tann zum erstenmale genommen wurde. An den. großen und schweren Kämpfen am 2., 3. und 4. Dezember 1870 um Cravant und Poupri und der erbitterten Schlacht um Orleans am 8., 9. und 10. Dezember 1870 ist er ebenfalls Mitkämpfer gewesen. Auch an der dreitägigen Schlacht um le Mans am 10., 11. und 12. Januar 1871 und den Gefechten um Alenyon war er beteiligt. Er hatte in diesem Feldzuge viele Strapazen, Kälte und Mühsale ertragen — nun ist er abberufen worden zur großen Armee. Wir aber wollen ihm eine ehrende Erinnerung und ein dankbares Andenken bewahren. Das Häuflein der alten Kämpfer schmilzt immer mehr zusammen und die Reihen dieser Veteranen lichten sich. ** Geographische Unterrichtsreise. Am 25.. abends trat Prof. Sievers mit einer aus 13 Teilnehmern bestehenden Schaar von Herren der Universität eine geograph.^ Unterrichtsreise nach dem Böhmischen Becken und seinen Randgebirgen an. Wie wir hören, wird diese Exkursion^ 14 Tage in Anspruch nehmen und am 9. September in Dresden aufgelöst werden. *' S t. A u g u stinu s. Der 28. August ist in der katholischen Kirche dem heiligen Augustinus gewidmet. Er war 353 zu Tagaste, in Afrika von einer christlichen Mutter, Monica, geboren, während sein Vater Patricinus ein Heide war. In seiner Jugend war Augustinus sehr weltlich gesinnt und verschmähte es nicht, die Freuden deS Lebens gründlich durchzukosten. Dann wandte er sich dem Studium der Philosophie zu, trat dann in die Sekte der Manichäer, die ihn aber unbefriedigt ließ, und ging 384 nadj Rom und im folgenden Jahre nach Mailand, um dort Lehrer der Beredsamkeit zu werden. Hier gewann der Bischof Ambrosius so großen Einfluß auf ihn, daß er sich 387 taufen ließ, seine Güter verkaufte und den Erlös den Armen schenkte. Nach Afrika zurückgekehrt, wurde er Begründer und Haupt eines asketischen Vereins, aus dem der Bettelorden der Augustiner hervorging. 391 trat er in den geistlichen Stand und wurde vier Jahre später Mitbischof von Hippo. Hier starb er am 28. August 430, während die Stadt von den Vandalen belagert wurde. Seine Gebeine fanden in der Peterskirche zu Patua ihre Ruhestätte, wurden aber von dort 1842, nach den Ruinen von Hippo überführt, wo man dem Heiligen ein1 Standbild errichtet hatte. ** Die Zeit der Weintrauben ist nun wieder erschienen Die wohlschmeckende, saftige Weintraube erfreut sich mit Recht großer Beliebtheit, bietet sie doch außer dem Vorzüge, ein angenehmes Genußmittel zu fein, auch nicht zu unterschätzende Wirkungen zur Hebung der Gesundheit. Ta sie einen starken Zuckergehalt besitzt, hat sie als Nahrungsstoff hohen Wert. Noch mehr aber helfen die mineralischen Salze zum Aufbau des Körpers. Denn durch die Arbeit der Verdauung werden fortwährend Salze verbraucht, die durch die Weintraube leicht wieder zu ersetzen sind. Namentlich auf die Neroenspannkrasl wirkt der Genuß der Trauben! heilsam ein. Man empfiehlt deshalb häufig gegen allerhand nervöse Störungen, wie sie meistens von einer unrichtigen Mischung der Säite herrühren, eine sogenannte Traubenkur. Sie ist sehr einfach, und besteht in der Hauptsache in einem mehrere Wochen fortgesetzten reichlichen Genuß von Weintrauben, wogegen sich wohl iiiemanb sträuben wird. Zu vermeiden hat man während dieser Zeit nur fette und mehlige Speisen, welche die Wirkung beeinträchtigen würden. Auch bei Blutarmut und Bleichsucht tut eine ähnliche Kur gute Dienste. Außer den Zucker- und Salzteilen ent-, hält nämlich die Traube noch Kali, Phosphor, Natron und Kälk^ alles Stoffe, die in natürlicher Zusammensetzung, wie sie diese Obstart bietet, von großem Vorteil für alle mit solchen Schwächezuständen verbundenen Störungen sind. Ebenso übt die Traube gegen Gicht und Hypochondrie, in größeren Mengen genoffen, ihre Heilkraft aus. Aber selbst bann, wenn man sich einer dauernden Gesundheit rühmen darf, soll man sich der wohltuenden Wirkung der Weintraube nicht entziehen. Daß sie erfrischt und den Durst besser löscht als alle alkoholartigen Getränke, hat wohl jeder ander eigenen Person erfahren, wenn ihm an heißen Tagen die süße Frucht Erguickung gebracht hat. k. Großen-Linden, 27. Aug. Eine für Altertumsfreunde wichtige Entdeckung wurde bei den Nachforschungen innerhalb des Schiffes unserer tausendjährigen Kirche gemacht, deren Renovierung in Angriff genommen ist. Der Fußboden wurde bis zu etwa 1 Meter Tiefe nach Grüften, Altertümern und Urkunden untersucht. Dabei stieß man nahe dem Hauptportal und dessen beiden Ecktürmen in einer Tiefe von etwa einem halben Meter auf eine viereckige,, ca. 60 Zentimeter starke Maner, die mit ihrer einen Seite hinaus auf den Friedhof zu führen scheint. Man will hieraus schließen, daß vor der jetzigen im Kreuz- oder Basilikastit erbauten Kirche dort schon em kleineres Gotteshaus gestanden habe. Um die neu entdeckte Anlage genau feststellen zu können, mußte noch außerhalb der Kirche nachgegraben werden. X. Griedel, 26. Aug. Heute nachmittag veranstaltete der hiesige Turnverein em öffentliches Wett- und Preis- turnen im Freien in der Nähe der Christ'schen Kunstmühle. Die Vorführungen im Stemmen, Weilsprung und Dauerlauf zeigten beachtenswerte Leistungen, ebenso die von Einzelnen auSgeführten Hebungen an Barren und Reck. Die Veranstaltung im Freien, bei schönstem Wetter und bei reichlicher Versorgung Durstiger durch Gastwirt Straßheim, war auch von vielen Auswärtigen besucht und nahm einen schönen Verlaus. Am Abend fanden gesangliche und humoristische Aufführungeri, sowie eine Tanzbelustigung im Gasthause ,Zum grünen Baum" statt. -i- Grünberg, 27. Aug. Einem hiesigen Einwohner flog dieser Tage eine ermattete Brieftaube zu, die dieser fütterte. Als sie sich wieder stark genug fühlte, setzte sie ihre Reise fort, versehen mit der Adresse deS hiesigen Pflegers. Einige Tage später erhielt dieser von dem Besitzer der Brieftaube aus der Gegend von Antwerpen eine Karte, in der sich der Besitzer für die Pflege der Taube bedankt und mitteilt, daß sie in Vendome aufgelassen worden sei. k- Hungen, 27. Aug. Die ErmciterungSarbLiten an unserem Bahnhof gehen ihrer baldigen Vollendung entgegen. Es wird jetzt an der Schienenlegung auf dem erweiterten Rangierbahnhof gearbeitet. Der Neubau der Maschinenhalle und die neue Zufahrtstraße zur Ausladestelle sind fast vollendet. Ferner ist in der Stadt eine Unterführung für den Personenverkehr geplant. Die bedeutende Erweiterung des Bahnhofs war bedingt durch die ungeahnte Verkehrszunahme, die sowohl die neue Wetterauer Bahn nach Friedberg als auch die Strecke Hungen—Laubach—Mücke brachten. cb. Laubach, 26. August. Seit einiger Zeit sind hier zwei Maler aus Frankfurt a. M. tätig, die in der Umgebung des gräflichen Schlosses und an alten Häusern der Stadt dankbare Motive finden. Offenbach, 27. August. Um älteren Schuloer- waltern die Eheschließung zu ermöglichen, zahlt unsere Stadt verheirateten Schulverwaltern eine Wohnungsvergütung von 400 Mark, 150 Mark mehr als Lehrerinnen und ledige Lehrer in den ersten 15 Dienstjahren und 40 Mark mehr als ledige Lehrer und Lehrerinnen vom 16. Dienstjahr ab erhalten. Am 16. August hat nun die Stadtverwaltung beschlossen, die Schulverwalter mit eigenem Hausstand den verheirateten Schulverwaltern gleich zu achten und ihnen ebenfalls 400 Mark zu gewähren. Der Schulvcrwalter mit eigenem Hausstand ist in der Besoldungsgesctzgebung der Hess, und auch deutschen Lehrer ein ganz neuer Begriff, der dem Lehrer mit eigenem Hausstand nachgebildet ist. In Offenbach soll man unter ihm einen Schulverwalter verstehen, der mit seinen Eltern einen gemeinsamen Haushalt führt. Die Schaffung des neuen Begriffes ist auch deshalb wertvoll, weil er auch auf Lehrerinnen und Schulverwalterinnen ausgedehnt werden kann, die bekanntlich nicht heiraten dürfen, solange sie im Schuldienste verwendet sind. [] Kirchhain, 27. Aug. In Allendorf wurde gestern nachmittag durch ein Groß feuer die Gebäulichkeiten der Einwohner Dautzenroth, Weitzel, G. Losekam und F. Losekam in Asche gelegt. — Interessante Funde machten der Maurer Malkus aus Schwabcndorf und der Landwirt Gies in Neustadt. Der erstere fand im Walde einen Topf mit Münzen aus der Zeit des 30jährigen Krieges und der letztere in einer Lehmgrube einen Mammutzahn von 1% Meter Länge und 15 Zentimeter Durchmesser. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Dem Ticfbauamt Bad-Nauheim wurde die Erlaubnis erteilt, das vom Bahnhof Dorheim der Nebenhahn Friedberg—Hungen nach dem Germaniabrunnen führende Anschlußgleise bis zum Schwalheimer Sauerbrunnen weiterzuführen. — In Schotten wurde der Steuerkommissariatsgehilfc Zinser zum Beigeordneten mit 172 Stimmen gewählt. — In Battenberg wurde ein junger Mann verhaftet, den man für den von Metz aus steckbrieflich gesuchten Raubmörder An ton Rogis aus Klanas in Kroatien hält. Der Genannte erschlug und beraubte am 17. Februar d. I. in der Grube Kavingen bei Flinsch den Arbeiter Johann Salai. Für seine Ergreifung sind '300 Mark Belohnung ausgesetzt. — Zur Bürgermeifterwahl in Langsdorf, Lke bekanntlich mit der Niederlage Köhlers endete, sendet man uns heute von dort ein Flugblatt Köhlers, ausgegeben am 22. d. M. Atrch dieses Dokument ist so originell, so phrasenhaft schwulstig, so großwvrtig und phantastisch, daß wir uns nicht enthalten können, es im wesentlichen hier wiederzugeben: „Wähler von Langsdorf! _ In dieser Tage heftiger (So! D. Rd.) Gezanke und Geschreie ertönt als eine Malmung der Ewigkeit Donnerwort. Erschüttert steht für eine Weile, so Freund wie Feind, und ein herzzerreißendes Schicksal führt uns vor die Seele, ausgeprägter als sonst jeden Tag, wie sehr auf dieser Erden Alles eitel und für ein nichts sei! — Drum ist es so traurig, aber auch so lächerlich zugleich, wenn gewisse Leute bis in ihr hohes Alter hinein, nimmer davon lassen können, die Massen zu betören und zu verhetzen, ohne daß es sonst einen anderen Zweck hätte, als ihrem eignen Haß- und Rachebedürfnis ein Genüge zu tun, Unfrieden zu säen und dies Leben dem Mitmenschen noch schwerer zu machen, als es schon ist. — Sie bedenken nicht, daß dieses Lebens kurze Frist man mit edeleren Zwecken ausnützen könnte. Langsdorfer! Neun Jahre bin ich Euer Bürgermeister gewesen. Aber schon am ersten Tage nach der Wahl begann die Hetze gegen mich. Zielbewußt setzte sic ein, zielbewußt führte man bis heute sic durch. Nur wenige sind es, die sie leiten. Und die Masse betören diese Wenigen bald durch dies, bald durch das: im Kleinkrieg und Hinterrücks führen sie ihre Truppen gegen mich, die sie nähren, die sie begeistern durch gleißnerische Worte, durch Lug und Trug, und die sie erfüllen mit demselben Haß und derselben Rachsucht, die den Inhalt ihrer eignen schwarzen Seele darstellt. — Einsam und allein steh' ich dem gegenüber! Einsam und allein biete ich dem bösen Feinde Trutz! Wahrheit und Gerechtigkeit waren und sind meine Waffen. Sie sind es, die die Welt überwinden: sie werden auch mir den Sieg verleihen und des bösen Feindes giftige Pfeile werden zu ihm selber zurückkehren! Denn Bosheit, Mißgunst und Neid, Lug, Trug. und Heuchelei können nur zeitweilige Siege erringen: beständig nur bleibt, was dem Himmel verwandt i st. Und des bösen Feindes Li st wird auch diesmal umsonst sein! — Wie kam es doch?--- Langsdorfer! Euere größten Schmerzen, das sind die Kvm- munalsteuern! Im Jahre 1897/98 .... 1500 Mk. Jetzt ......... 9000 ML Was tat und tut man denn dafür: Antwort: Man brachte und bringt die unter der früheren Ver- w^tung miss äußerste verwahrlosten öffentlichen An- e1 91' . ufa- gehörige Ordnung und schaffte des Fortschrittes und der Kultur, sodaß Langsdorf - tret) der heftigsten Widerstände, die man mir cntgegenbrachte, nun unter d e n f o r t g e s ch r i 11 e n st e n Dorfgemeinden u n- feres Landes mit in er.stcr Reihe rangiert. Herr Kühler fuhrt dann 33 Dinge auf, zu denen er Langsdorf verholfen habe, und e§ wird ja nun allerdings auch von Einsichtigen unter seinen Gegnern anerkannt, daß er tatsächlich Ersprießliches als Langsdorfer Bürgeriueister geleistet hat, und daß sein phantastischer Uebcreifer, sein kantiges Draufgängertum und seine konfusen politischen Anschauungen undBetätigungen ihm auch diese Niederlage endlich bereiten mußten, wie sie ihnr den Verlust seines Ncichstags- mandates gekostet haben. Es kann ihm niemand absprechen daß er manchen vernünftigen Einfall im Landtage gehabt^ daß er als Langsdorfer Bürgermeister sich zum mindesten den Dank feiner Gemein.de verdient hat, wenn man ihr auch nicht verargen kann, daß sie fein Regiment nicht auf die. Dauer wünschte. In einem Flugblatte sucht dann noch Köhler dieses und jenes zu berichtigen, was im Hungener Blatte gegen ihn gesagt wurde, und schließt mit dem Zitate des schönen alten Kirchenliedes: „Der alte böse Feind mit Ernst er's jetzt meint" 2C. Doch alles dieses Posaunengeschmetter vermehrte, wohl auch mit infolge des gar zu seltsam geschraubten, gar zu volltönigen, gar zu Köhlerisch „originellen" Redeschwulstes die Zahl seiner Gegner. * Kleine Tageschronik. Der Fabrikarbeiter Hepp aus Goldbach bei Aschaffenburg, welcher vor ca. 4 Wochen von einem Hunde gebissen und ins Krankenhaus gebracht wurde, ist an Tollwut gestorben. Er hinterläßt eine Witwe und drei Kinder. Zwei Kinder, welche von demselben Hunde gebissen wurden, sind in das Pasteurschc Institut nach Berlin gebracht worden. — In St. Ingbert wird der Kaplan Avril, welcher mehrere schwere Sittlichkeitsvcrbrechen an flcinen Mädchen beging, steckbrieflich verfolgt. — Bei dem gestern aus Lissabon gemeldeten Automobilunsall desHcrzogsvon Oporto wurde nicht nur der Ordonanzoffizier, sondern auch der Herzog selbst verletzt. Der Herzog verbrachte eine ziemlich gute Nacht, doch traten Symptome von Lungenstmgestion auf. Universitäts-Nachrichten. — Der außerordentl. Professor Lic. vr. F i ck e r zu H a l l e a. S. ist zum ordentlichen Professor in der Theologischen Fakultät der Universität zu Kiel ernannt worden. — hc. Katholische und evangelische Theologen an den deutschen Hochschulen. Seit der Errichtung der Straßburger Fakultät ist die Zahl der katholisch-theologischen Fakultäten auf neun gewachsen; bisher bestanden katholische Fakultäten neben den evangelischen an den Universitäten Bonn, Breslau und Tübingen, während die Universttälen Freiburg i. Br., München, Münster und Würzburg und das Lyceam Hosianum in Braunsberg ausschließlich katholisch-theologische Fakultäten haben. Der Lehrkörper an diesen Fakultäten besteht insgesamt aus 98 Dozenten, welche Zahl sich zusammensetzt aus 63 Ordinarien, 4 ordentlichen Honorarprofessoren, 18 Extraordinarien und 13 Privatdozenten. Die Zahl der im Coinmersemester 1906 immatrikulierten Studenten beträgt insgesamt 1857, von denen Bonn mit 351 Studierenden die größte Zahl aufzuweisen hat. Daran reihen sich Münster (313), Breslau (300), Freiburg i. Br. (243), Tübingen (184), München (182), Straßburg (181), Würzburg (87) und Braunsberg (16). Dazu kommen die theologischen Sektionen an 6 bayerischen Lyceen (Freising, Passau, Regensburg, Bamberg, Tillingeu und Eichstädt) mit 500 Studierenden. Die Gesamtzahl der Studierenden an den katholisch-theologischen Fakultäten beträgt also 2357. Den katholi- schen Lehrkräften an den Fakultäten stehe» gegenüber 193 Dozenten und 2594 Studierende der evangelischen Theologie itnb zwar sind von den Dozenten 111 ordentliche Professoren, 3 ordentliche Honorarprofessoren, 41 außerordentliche Professoren und 38 Privatdozenten. Von den Universitäten hat Tübingen die stärkste Frequenz (324), es folgen Halle (318), Leipzig (312), Kiel (303), Berlin (286), Erlangen (148), Marburg (144), Göttingen (115), Greifswald (102), Bonn (83), Königsberg (74), Gießen (7 3), Heidelberg (71), Straßburg (63), Rostock (60), Breslau (61) und Jena (57). Gericsitssncrl. — Bürgermeister u n b Rechtsanwalt. Der Rechtsanwalt Tr. Straub aus Bingen hatte sich wegen Beleidigung des Bürgermeisters Böhm von Grolsheim vor der Strafkammer in Mainz zu verantworten. In einer Privatklage, die der Bürgermeister gegen eine Frau aus Grolsheim angeftrengt hatte, behauptete der Rechtsanwalt als Verteidiger der Verklagten, daß der Bürgermeister die armen Leute, die bei ihm arbeiteten, unterdrücke, mit ihnen öfters in Lohnstreitigkeiten gerate usw. und k e i n H err g o t t sei. Durch diese Bemerkungen fühlte sich der Bürgermeister beleidigt. Der Staatsanwalt beantragte jedoch selbst die Freisprechung des Rechtsanwalts, der zur Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. Staatsanwälte, Richter und Rechtsanwälte brauchten häufig kräftige Ausfälle, ohne daß die Absicht vorliege, zu beleidigen. Der Verteidiger, Dr. Loeb, bemerkte noch, daß ein Bürgermeister im Gerichtssaal nicht mehr Recht besitze als jeder andere. Wenn ein anderer Gebrauch bei Gericht eingesührt werde, könnte kein Verteidiger mehr tätig sein, da er fast jeden Tag Anklagen 'zu erwarten hätte. Das Gericht erklärte in seinem Urteil, daß eine Beamtenbeleidigung nicht vorliege, und erkannte aut Freisprechung. Wechselfälschung. Der Fabrikant Wilhelm Sohn aus Mühlheim bei Offenbach hatte sich am 27. b. M. vor ber Darm- ftäbter Sttafkammer zu verantworten. Er fabrizierte in Gemeinschaft mit seinen Brüdern Militärausrüstungsgegenftände, geriet aber durch den russisch-japanischen Krieg in Zahlungsschwierigkeiten. Er veranlaßte einen seiner Arbeiter namens Bahr, ihm Blankoakzepte auszustellen, die er bann aus füllte, um sich auf diese Weise zu Geld zu verhelfen. Ein Bruder Sohns suchte f&ätyr zu einer falschen Aussage zu veranlassen. W. Sohn erhielt von der Strafkammer wegen Wechselfälschung 10 Monate Gefängnis, sein mitangeflagter Bruder H. Sohu wurde fteigesprochen, da man annahm, daß er von der Vereidigung Bährs nichts gewußt habe. Handel und Verkehr», Volkswirtschaft. Von der Berliner Börse. Zwei Attentate innerhalb zwei Tagen, das eine auf den Ministerpräsidenten Stolypin, das andere auf den General Minn waren nicht imstande, die Börse in Aufregung zu versetzen. Selbst die Kurse der russischen Werte haben darunter nur sehr wenig gelitten, ja, sic befestigten sich später sogar auf Interventionen am hiesigen Platz und weil Petersburg behauptete Tendenz meldete. Die Börse war auch sonst fest, hauptsächlich infolge der Geldflüssigkeit und Gewährung reichlichen langfristigen Geldes seitens der Seehandlung. 'Infolge dieser günM'eren Gestaltung Der Verhältnis)e auf letzx» genanntem Gebiete entfaltete die Spekulation mehr Tätigkeit als in der ganzen vergangenen Woche. Es fanden Meinungskäufe in Eisenwerten statt, zumal auch keine weiteren Streiknachrichten kamen. Dann regte die Meldung, englische Händler hätten eine Anfrage nach Eisen für Amerika erhalten, an. Bochumer und Laurahütte waren besonders bevorzugt; letztere stiegen 2461/^ während Dortmunder Union Lit. C. bis 86,25 zurückgingen. Märkte. (du) Ulfa, 27. Aug. Der heute hier stattgehabte Schweine m a r k t am zweiten Kirmestag war mit über 300 Ferkeln und Einlegern befahren. Letztere waren sehr augriffliche Ware, sodaß der Bestand bei 140 bis 150 Mark pro Paar sehw schnell geräumt war. Dagegen ging der Handel mit jungen 8—12 Wochen alten Ferkeln äußerst flau. Die Verkäufer sind die seitherigen hohen Preise noch gewöhnt und hielten daran fest, während die Käufer bei der voraussichtlich sehr mäßig ausfallenden Kartoffelernte äußerst geringe Kauflust zeigen. Es wurden 32 bis 52 Mark pro Paar bezahlt, dagegen bieten die Händler für die fetten Schweine 60 Mennig für das Pfund lebend Gewicht. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise ___ am 27. August 1906. Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 85—88 Mk. '/, Kg.Schlachtgew.98-102 Pf. '/? „ „ 79-00 „ 7, Kg. 80-86 Pfg. 7, , 80—84 , V, „ 86-90 , Getreibepreise in Mannheim Brotpreise in Gießen Weizen 100 Kg. 18.75-00.00 Mk. Rogaen (neuer) 100 Kg. 16.26—00.00 Mk. Weißbrot 2 Kg. 54 Pfg. Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg. Landwirtschaft. Um den Landwirten Gelegenheit zu geben, sich bestes Saatgut unserer ertragsreichsten Wintergetreidesorten zu beschaffen, wird auf Veranlassung des Direktors des landwirtschaftl. Bezirks- Vereins Schotten, Herrn Geh. Regierungsrat Schoenfeld durch beit Hessischen Landwirtschaftsrat gelegentlich der Generalversammlung des Landw. Bezirksvereins in Schotten im Rathaussaak, Donnerstag, den 30. August, ein Saatgutmarkt abgehalten, mit welchem eine Ausstellung von Saatguiproben aus den Saatbaustellen des Hessischen Landwirtschaftsrats verbunden ist. Die Landwirte seien auf diese Gelegenheit, sich Saatgut auf Grund ausgelt elfter Proben zu beschaffen, Tnermit besonders aufmerksani gemacht. _________________________________ Spielplmc der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Mittwoch bett 29. August *): „Der Ring bes Nibelungen.* Vorabend. „Das Rheingold." Donnerstag den 30. August: „Die Einführung aus bem Serail." Freitag den 31. August, abenbs 6 Uhr: „Der Ring bes Nibelungen." 1. Tag. „Die Walküre." Samstag ben 1. September: „Manon." Sonntag den 2. Sept.: „Der fliegenbe Holländer." Montag ben 3. September, abends halb 8 Uhr: „Der Bettelstubent." Schauspielhaus. Mittwoch ben 29. August*): „Der Weg zur Hölle.* Donnerstag ben 30. August: Zur Abschiebsfeier bes Herrn Alexis Müller:! Erste Attinghausen-Verwanblung aus „Wilhelm 2eII/ Hierauf Neu einstubiert: „Das Versprechen hinterm Herb.' Zum Schluß r Neu einstubiert: „Kurmärker unb Picarbe." Freitag ben 31. 9Iug. Abschieds-Vorstellung des Herrn Otto Fricke ' „Romeo und Julia." Samstag den 1. September: „Der Helfer.* Sonntag beit 2 September, nachmittags halb 4 Uhr: „Mamsell Nitouche." Abenbs 7 Uhr: „Der Helfer.' Montag den 3. September: „Derr Weg zur Hölle.* *) Anfang, wenn nicht anbers bemerkt, abenbs um 7 Uhr. Sport. m. Fußball. Am Sonntag spielte die zweite Mannschaft des ersten Gießener Fußballklubs von 1900 in Bad-Nauheim gegen die erste Mannschaft des dortigen Vereins. Das von Gießen be-; sonders vornehm gezeigte Spiel endete unentschieden mit 4:4 Toren. Halbzeit 3:2 für Nauheim. Gießen spielte öfters zu leichtsinnig. > LamMen-Nachrichten. Gestorbene. Frau Oberrechnungsrat Backs Wwe., geb. Sieger Darmstadt. — Frau Minna Roßbach, geb. Hüthwohl, Frieb- berg. — Frau Marie Zmsheiiner, geb. Nürck, Friedberg. j Mrchliche Nachrichte«. Evangelische Gemeinde. Mittwoch, den 29. August, 12 Uhr 29 Min. Ausflug der konfirmierten Mädchen der L n k a s g c m e i n d c nach Dutenhofen- Wetzlar. Treffpunkt: Bahnhof.Pfarrer Euler. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Höchste Temperatur am 26.-27. August — 20,1 • C. Niedrigste „ „ 26.-27. August = + 12,8 • C. D uguft 1906 Barometer auf 0° rebuziert Temperatur ber Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Winbrichtung Winbstärke Wetter 27. 2» 749.4 19,5 11,0 65 NW 6 Bew. Himmel 27. 9" 753,4 13.3 9,2 81 N 2 KlarerHimmel 28. 7" 757,9 9,1 7,6 89 NNW 2 Beb. Himnrel Kleines Feuilleton. — Dcr 28. August müßte uns immer eine Art Feiertag sein. Schenkte er uns doch — heute sind es 157 Jahre — ben Mann, der wie fein zweiter befruchtend auf unser geistiges Leben, auf alle Zweige unserer Kultur gewirkt hat. Welche Fülle von liefen, oft weit vorausahneuden Gedanken, von edler Bildung und reiner Gesinnung, von wahrhafter Harmonie zwischen Körper und Seele, von Lauterkeit und durchgeistigter Frömmigkeit liegt in dem einen Wort „Goeth e", wieviel Anregungen, Anfeuerungen und schöne Erinnerungen weckt der Klang seines Namens in unserer Brust. Und doch — wie wenig ist es jedem einzelnen von uns noch möglich gewesen, in das große Wunder dieses Genies einzudringen, die Fäden, die wir überall von seinem Geiste ausgehend unsere Kultur durchziehen sehen, bis zu ihrem Ursprünge zurückzuversolgcn! Mag dieser Tag dadurch die rechte hohe Weihe für uns erhalten, daß wir wieder einmal recht bedenken, wieviel wir dem Toten schuldig sind und wieviel wir noch von ihm gewinnen können. Feiern wir diesen Tag, indem wir wieder einmal vor den Altar geothescher Kunst und Schönheit treten und in ihrem Genuß anbeten! — D i e englische Orthographie. Man mag dem Engländer bestätigen, baß er im allgemeinen praktisch sei, in Dingen ber Sprache ist verrottet konservativ itnb jebes praktischen Sinnes bar. Die Amerikaner haben ihn jetzt geschlagen bnrch bie Einführung einer ausgezeichneten Rechts- s ch r e i b u n g s r e f o r m für bie englische Sprache. Präsibent Roosevelt hak sie zunächst nur für bie Präsibcntcukanzlei vorge- chrieben. Aber die anderen Kabinette unb die ersten Schriftsteller (auch Mark Twain) machen mit. Tie Englänber hingegen sinb über bas Wagnis entrüstet, ihre Blätter reben von einer barbarischen Absurdität, und finden, daß das nach der neuen Ortographie geschriebene ober gebrückte Englisch überhaupt kein Englisch mehr sei. Man barf also einen Gegensatz bes nationalen Urteils zwischen Englanb unb Amerika in dieser Frage feststellen. Wenn man die 300 gemeingebräuchlichen Wörter durchsieht, für welche Roosevelt eine neue Schreibweise verfügt, so muß man zu bem unbefangenen Urteil gelangen: Besser, zweckmäßiger, einleuchtenber hätte er gar nicht verfahren können. Der Raum eines politischen Tageblattes steht für eingehende sprachliche Untersuchungen nicht zu Gebote. Glücklicherweise läßt sich aber ber Vorteil ber Reform, dank ihrer Einfachheit, schon an einigen Stichwörtern barlegen. Wir wählens wisht anstatt wished, gild statt gnild; thru, tho unb altho statt through, though unb although; domicil statt domicile ; rime statt rhyme; program statt programe; hiccnp anstatt hiccouph. Jebem, der einigermaßen englisch kann, sinb biefe Wörter bekannt unb ist ohne weiteres klar, daß bie neue Schreibung ben bisherigen Unterschieb zwischen Laut unb Schrift aufhebt. Sie ist phonetisch. In Europa hat es auch schon öfters Bewegungen für eine vereinfachte phonetische Schreibweise gegeben. In Frankreich sogar schon im 16. Jahrhundert. Es hat aber fast ben Anschein, als hätten wir auf unserem alten Kontinent zu einer großzügigen Reform ber Schrift nicht mehr bie nötige Kraft. Der Unterricht in unseren Vorschulen würbe baburch sehr entlastet, bas Erlernen ber Sprache durch Ausländer wesentlich gefördert werben unb ein Nachteil steht diesen großen Vorteilen nicht gegenüber — wer glaubt bei uns »wch an einen solchen Fortschritt? — Professor Hermann Kipper, seit 1872 Theater- rezensent der „Köln. Völksztg.", Nestor ber Musikreferenlen Deutsch- lanbs, feierte am 27. b. Mts. in seltener körperlicher unb geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Dem Jubilar würben mannigfache Ehrungen zuteil. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von GasrohrverlcgnngSarbeiten wird bte MäuSburg vorn Kreuzplatz bis zum Marktplatz vom 29. August bis 1. September lf. Js. von morgens 6 bis abends 7 Uhr für den Fuhr- und Radfahrvcrkehr gesperrt. Wegen Vornahme von Üanalisationsarbcitcn wird die Schloßgasse von heute an bis auf weiteres für den Fährverkehr gesperrt. Die unterm 16. August 1906 angcordnete Sperre der Lich erst raße zwischen Schifscnbrrgcrweg und Wolfstraße wird hiermit aufgehoben. Die unterm 10. August 1906 angcordnete Sperre der Mäusburg wird hiermit aufgehoben. Die unterm 22. August 1906 ungeordnete Sperre deS Asterwcgs zwischen Walltor- und Schillerstraßc wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 27. August 1906. Großh. Pvtizeiaml Gießen. I. V.: Roth. Bekanntmachung. Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, links der Lahn; hier die Arbeiten des III. Abschnitts. Die nachstehende Bekanntmachung bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 27. August 1906. Großh. Bürgermeisterei Gießen. M e c u m. B27a Bekanntmachung. Betreffend: Wie oben. Rach Artikel 34 des Feldbcreinigungsgesctzcs in der Faffung vom 4. Juli 1906 soll jedem beteiligten Grundeigentümer bei der Bekanntgabe der Offenlegung des Zcitungs- plans ein Auszug aus den Gütergeschossen über die Ersatzgrundstücke zugestellt und sollen zugleich mit der Offenlegung die vorher iin Felde abgesteckten neuen Grundstücke den Beteiligten an Ort und Stelle vorgezcigt werden. Die genaue Beobachtung dieser Bestimmungen hätte wegen der Kürze der Zeit zur Folge, daß die neuen Grundstücke im Feldbereinigungsbezirk im laufenden Jahre nicht zur Benutzung übergeben werden könnten. Um dies und die damit verbundenen wiitschaftlichen Nachteile zu vermeiden, soll der Verzicht der beteiligten Grundeigentümer auf die Zufertigung von Geschoßauszügen bet der Bekanntgabe der Offenlegung und auf die Vorzeigung der abgcsteckten neuen Grundstücke zugleich mit der Offenlegiing zugelassen und dann unterstellt iverden, wenn sie nicht spätestens bis zum 1. September schriftlichen Antrag auf Ausführung dieser Arbeiten bei dem Unterzeichneten gestellt haben. Auf die Zufertigung der Eigentumsurkunden gemäß Artikel 38 Absatz 3 des Feldbereinigungsgesetzes und die Vorzeigung der neuen Grundstücke bei der Uebergabe hat der vorstehend erwähnte Verzicht keinen Einfltiß. Friedberg, den 18. August 1906. Der Großherzogl. Feldbcreinigungskommissär: Spam er, Kreisamtmann. Bekanntmachung. In das Handelsregister Abt. A wurde eingetragen bezüglich der ginnen: a) Wilhelm Fabian zu Gießen: die Firma ist erloschen, b) Joh. Balth. Noll zu Gießen: die Teilhaber Georg Noll und Gg. Emil Möhl sind m Folge Todes ans der offenen Handelsgesellschaft ausgeschieden iind ist diese dainit erloschen. Geschäft ist mit Aktiva und Passiva auf den seitherigen Teilhaber Fabrikant Adolf C. E. Noll übergegangen und wird unter der alten Firma weitergeführt. Dem Kaufmann Adolf Kober zu Gießen ist Prokura erteilt. Gießen, den 21. August 1906. Großherzogliches Amtsgericht. b,8/8 Grummetgras-Versteigerung Fürstlich Solmsische Oberförsterei Hohensolms. Donnerstag den 30. August 1906, vormittags 9 Uhr: Gemeinde Lberlemp 36 Morgen. Ansang „Aus der Vetter"- nachmittags 4 Uhr: Gemeinde Mudersbach 24 Morgen. Ansang „Teich" Nr. 1. Freitag den 31. August, vormittags 9 Uhr: Gemeinde Erda 40 Morgen. Ansang „Krähwiese"; nachmittags 4 Uhr: Gemeinde Hohensolms ca. 45 bis 58 Morgen. Ansang „Boru- wiese". Die diesen an der »Lohmühle" und im Blasbachergrund werderi mitversteigert. Samstag den 1. September, nachmittags 4 Uhr: Gemeinde Frankcnbach 34 "Morgen. Aniang „Langwiese".B28/« in Darmstadt beginnt am 11. Oktober einen neuen Knrsiis zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen und Fröbelschen Erzieherinnen, zu dem jetzt Anmeldungen entgegen genommen werden. Es sei hierbei bemerkt, daß die Nachfrage nach Kiudcr- gärtncrinneii das Angebot weit übersteigt, so daß Reslektantinnen die besten Aussichten aus baldige Aiistelluug haben. Bei der Wahl eines Berufes bunte die natürliche Begabung des weiblichen Geschlechtes für „Erziehliche Pflege" besondere Beachtung ßuden. 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D: ro" re'S TO CD ro er er *2 reo er ßoro oer'cr'caercrcrro o TO TO ro ro S ro TO re*roft>t:roro~rororoft O p> « CD ft. 2 TO &CD 2. to-CD CD CD ft g TO D, D-.TTcöD Z ■S’CZZ) D-.-& ft D: D*:'to"'S D: ft TO O» w - re L 2"ro O-^TO^re roÖC re. ro re. ro 3 to _ TOz-reTOTODo^TOTO ftTO—- TO^ipft reft_” TO "S ö af “ ag 5 " = f S ? 2. s-" C 2 ft P« 2 ft .2^ TO ft TO- ft ro c» -tr TO 2 ft.^TO -^öro orre 2 ^'ft § S’-D' ro ro- re ro ö-'ro 2 2" ro 0 5."ScrS&5§-gS-§, TO «S’CD er-2. ft S'DzP ro 2 «re ro ro ro er^ o " « ^cS ä® 2 2 -2*2 ft ^ro " H o öl c c or S‘ Volldampf o. R. G. M. - WH. Ä-'> W ■ - / A’l W Peterl man eine deut hM sen leer berr Bae was sich miti ftän Hof. sow koivj Berc noch Ägr Das auch für b &efd)ii Snimp anftalt heißt s, ÜMM heMv Reihe saebe iiches dem ivechs wie i Teßjc ihrer! 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a» © oo t- CO fS'ls © c t: (SD CD Gl P -O — K ,E ft» <-> t* -- :ej •s c « ■e^5 ■ S m-t Jas Ende unserer Ausnahme-Tage ist auf den 30. August er. festgesetzt. Alle Schuhwaren werden bis zu diesem Tage zu unerreicht billigem ^Mss'sahme^r’eeses® verkauft. Springmanns ScMwarenhaiis Giessen, Bahnhofstrasse 58 Würzburg Aschaffenburg Bad Kissingen Markt Landingstrasse. Theaterstrasse. «t Q *ü «rt o <55-. tot —- © 2 OS a «r» Q S5 Ci .2 es & D CD >b S> Z N £P CQ CO G M 5 «$t C3 .'S'OD^ Moderne, gediegene, bürgerliche Wflhmgs-Einrichtungen zu billigsten Preisen. Möbelfabrik-Lager and Ausstattangsgeschäfi Peter Kronenberg Telephon 399. Kaplansgasse 18. Der Vorstand. Johns 4533 12, soll neu Seite Spritz- August 1906 Auf bequeme auf dem Kassenlokale abzugeben. 6"/. verputzt werden (3 Seiten Oelfarbenanstrich, 1 beronrf). Offerten bittet man bis zum 31. neuestes Modell spart Geld, Zeit und Aerger. Beweis: Kostenlose Probelieferung. Teilzahlung MSbel Herren-, Damen- q. Kinder-Garderobe Manufakturwaren etc. [a