Nr. 227 Erscheint tLgltch außer SonnkagS. Dem Gießener?lnzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfifchen Landwirt die Gietzener Familien- blätter viermal in der Woche beiflelegt. NotationSdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unioerj.-Buch-u. Sterndruckerei. R. Lange. Redaktion, Ervedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Redaktion 113 Verlag u.Exped.^Ebl Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietzen. Erstes Blatt L5S. Jahrgang Donnerstag 27. September 1908 GietzenerAmeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen Vezugspreist monatlich 7bPf., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monntlid) 65 Pf.; durch die Post 2>lk. 2.—viertel« lotivL auSschl. Besteüg, Annahme von Anzeige« für die LagcSuununetz bis vormittags 10 Uhr, ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit und allgem, Teil: P. Witt ko- für .Stadt und fianb* und »Gerichtsfaal^: Ernst Heß; für den Anzeigenteil: HanSBeck!. Die heutige Kummer umjatzt 8 Leiten. Sozialdemokratischer Parteitag. IIL (Unberechtigter Nachdrrcck verboten.) S. u. H., Ma n nheim, 26. Seßt. Heute steht das wichtige Thema des Massenstreiks zur Verhandlung, $u dem August Bebel Referent ist. Der Saal und die Tribünen sind überfüllt. Zu dem Thema liegt folgende Resolution Bebels vor: „1. Der Parteitag bestätigt die Beschlüsse des Jenaer Part tags den politischen Massenstreik betreffend. Der Parteitag c r- psiehlt nochmals besonders nachdrücklich die Beschlüsse zur 9tc\g= achtung, die die Stärkung und Ausbreitung der Parteiorganisation, die Verbreitung der Porteipresse und den Beitritt der Parteigenossen ui den Gewerkschaften und der Gewcrkschasts- rnitglieder zur Parteiorganisation fordern. Sobald der Parteivorstand die Notwendigkeit eines politischen Massenstreiks für gegeben erachtet, hat derselbe sich mit der Generalkommission der Gewerkschaften in Verbindung zu fetzen und alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich sind, um die Aktion erfolgreich durcl^uführen. 2. Die Gewerkschaften sind unumgänglich notwendige Organisationen für die Hebung der Klassenlage der Arbeiter innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft. Dieselben stehen an Wichtigkeit hinter der sozialdemokratischen Partei nicht zurück, die den Kamps für die Hebung der Arbeiterklasse und ihre Gleichberechtigung mit den anderen Klassen der Gesellschaft ans politischem Gebiet zu führen hat, im weiteren aber über diese ihre nächste Aufgabe hinaus die Befreiung der Arbeiterklasse von jeder Unterdrückung und Ausbeutung des Lohnsystems und die Organisation einer auf der sozialen Gleichheit aller beruhenden Erzeugungs- und Austauschweise, also der sozialistischen Gesellschaft, erstrebt. Ein Ziel, das auch der klassenbcwußte Arbeiter der Gewerkschaft notwendig erstreben Mutz. Beide Organisationen sind also öfters in ihren Kämpfen aus gegenseitige Verständigung und Zusammenwirken angewiesen. Um bei Actionen, die die Interessen der Gewerkschaften und der Partei gleichmäßig berühren, ein einheitliches Vorgehen herbeizuführen, sollen die Zentralleitungen der beiden Organisationen sich zu verständigen suchen. Die Einladung zu einer solchen Beratung hat diejenige Zentralleiiung ergehen zu lassen, von der die Anregung zu der Beratung ausgeht." Die zahlreich zu dem Thema gestellten Anträge werden als Amendement zur Resolution Bebel betrachtet. Dann ergreift August Bebel das Wort: Es hatten vertrauliche Besprechungen zwischen Parteivorstand und Generalkommission stallgesunden. Durch die Indiskretion der sogenannten „Einigkeit", eines angeblichen Parteiblattes, wurde dieses Protokoll veröffentlicht und in tendenziöser Weise entstellt. Das war ein Treubruch schlimmster Art. Aber es galt wieder das Wort von der bösen Gewalt, die das Böse will und das Gute schasst. Die schlimmen Pläne fielen in jeder Hinsicht ins Wasser. Wären diese tendenziösen Entstellungen wahr gewesen, dann wäre unsere Handlungstveise und besonders die meinige nichts weniger als ein Parteiverrat gewesen. Ich kann mir kein größeres Verbrechen denken, als wenn eine Parteileitung, der man einen Beschluß des Parteitages zur Beachtung übergeben hat, hinter dem Rücken der Partei mit einer anderen Organisation Verhandlungen bezweckt, die dem Parteitagsbeschluß zuwiderlaufen. Und sogar derselbe Mann, der diese Resolution empfohlen hatte, soll dabei mitgewirkt haben. Daß man mir nach 46jahriger Tätigkeit für die Partei so etwas vorwirst, eine solche Felonie und Niedertracht, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Wir durften auf den Inhalt des Protokolls nicht öffentlich eingehcn, weil es als geheim galt. Wir suchten daher das Einverständnis der Gewerkschaften zur Veröffentlichung zu erlangen. Wir stellten das Ersuchen an die Gewerkschaften. Diese lehnten es ab. Um der Unzufriedenheit endlich ein Ende zu machen, um wert größeren Schaden zu vermeiden, aus höheren Interessen heraus, haben wir endlich aus eigener Macht das Protokoll veröffentlicht. Ein General, der in den Kampf zieht und sicher weiß, daß er unterliegen muß, ist sicherlich wahnsinnig und muß vor ein Kriegsgericht und erschossen werden. Dasselbe gilt auch für den Parteiporstand. Es war keine Stimmung, keine Vorbereitung für einen Streik. Man hätte i!)n als eüie Kopflosigkeit brandmarken müssen. Und die, die uns kritisiert haben, wären bei einem Fehlschlage als erste über uns hergefallen. (Lebhafte Zustimmung.) In Rußland hat der Massenstreik, den die Führer beschlossen haben, versagt, weil tue Massen die Situation nicht für geeignet hielten. Die Verhältnisse bei uns sind anders als in Rußland. Massenstreiks haben wir vor Rußland schon in Belgien, Holland, Dänemark, Italien usw. gehabt, aber sie hatten doch alle ganz andere Ziele als der in Rußland, wo man um die niedrigsten Existenzbedingungen kämpft. Die Frage des Massenstreiks in Deutschland ist eine ganz andere. Ich kenne den süddeutschen Charakter und weiß, daß sie nicht mittun würden. Ich Bin nicht der Ansicht, daß, wenn ein Mässen- ftreit stattfindet, Blutvergießen eintreten muß. Er braucht durchaus nicht der zu sein. Man braucht nicht aus Rußland zu exemplifizieren. Wir in Deutschland werden nicht die Revolution mit einem Massenstreik einleiten. Die Mainzer Genossen haben das bereits ausgesprochen. Wir haben niemals erklärt, daß wir eine Revolution machen werden. Aber in gewissen Momenten, wenn die Wogen der Unzufriedenheit hoch gehen, können revolutionäre Explosionen eintreten. Wir sind in Deutschland nicht gefeit gegen eine Revolution. (Sehr richtig.) Ich sage nicht, daß sie eintreten muß, denn ich kann es nicht beweisen, da die Stimmung dazu vorläufig noch nicht da ist. Man kann auch nicht sagen, es :vird unter keinen Umständen dazu kommen. Aber so etwas philosophiert man nicht. Ich sage aber: Wenn ein Attentat aus das allgemeine Wahlrecht erfolgt, wenn man uns das Koalitionsrecht gänzlich nehmen wollte, das wäre ein Aroment, wo gar nicht die Frage an uns herantritt, ob wir wollen oder nicht. Dann müssen wir. (Lebhafter Beifall.) Rechte, die wir haben, die Freiheit lassen wir uns nicht nehmen. Da wären wir ja ganz erbärmliche Kerle. (Stürmischer Beifall.) Dann müssen wir ins Feuer gehen nnb juenn wir auch auf der Strecke liegen bleiben. (Stürmischer Beifall.) Liebknecht sagte, was geht uns der preußische Landtag an, lassen wir ihn verfaulen. Und ich hielt einst eine donnernde Philippika in Köln, als Bernstein für eine Landtagswahlbeteiligung eintrat. Ich gebe meine Jugendsünde gern zu. Nach solcher Tradition, mit solch einer historischen Kugel am Bein ist keine Begeisterung für einen Massenstreik zu diesem Zwecke vorhanden. Das wäre eine psycho- gische Ungeheuerlichkeit. (Lebhafte Zustimmung) Wir treiben keine Zukunftsmusik, und müssen daher sagen: Im gegenwärtigen Augenblick ist ein Massenstreik für das Landtagswahlrecht ganz aussichtslos. Man hat ein großes Hallo erhoben, weil wir an das Herrenhaus eine Petition wegen des Wahlrechts richteten und sie ünterzeichneten „hochachtungsvoll und ergebenst". (Große Heiterkeit.) Das ist doch nur eine übliche Floskel, eine konventionelle Lüge. — Bebel schließt sich dann der allgemeinen Hetze gegen Stampfer an und erteilt Maur en brech er eine gründliche Absage. Maurenbrecher glaubt sich mit Wisjen bis zur Kehle gefüllt und zeigt eine historische Auffassung wie ein Quartaner. Man hak uns auch den Vor- umrf gemacht, wir seien der österreichische Landsturm, weil wir immer nachhinken. Arbeitet, agiäert, organisiert und klärt auf, damit wir im gegebenen Falle bereit sind und keine Dummheiten und Torheiten machen. (Lebhafte Zustimmung.) Wir stehen auf dem Boden, daß der Masten- streik gegebenenfalls eine Notwendigkeit ist, aber wir lassen uns nicht in den Massenstreik hineintreiben, einerlei von welcher Seite. (Lebhafter Beifall.) Es ist unser letztes Werk, die ulfima ratio unserer Partei. Nun zu dem Verhalten der Gewerkschaften zu dem Thema. Die Veryanotuugen, die zwischen Partei und Gewerkschaft gepflogen sind, haben gezeigt, daß wir uns gegenüber Jena bedeutend näher gekommen sind. (Zustimmung.) Ich bin kein Dränger und Schieber- gewesen, ja, ich bin sogar einigen Genossen viel zu konservativ gewesen. Einige Genossin aus Mühlhausen haben die Befürchtung ausgesprochen, daß Rußland mit Hilfe deutschen Blutes die Revolution Niederschlagen werde. Das ist ganz undenkbar, daß Deutschland sich in die inneren Verhältnisse Rußlands mischt. Gewiß, das Herz des deutschen Kaisers, der Reaktionäre, der Bourgoisie schlagen für den Zaren. Ein Einmischen Deutschlands in die russischen Verhältnisse hätte aber den europäischen Krieg zur Folge. Man wird sich verflucht hüten, eine derartige Gefahr heraufzubeschwören. Der Anarchist Nieuwenhuis ist für einen allgemeinen Streik bei Ausbruch eines Krieges, um den Frieden zu erzwingen, eingetreten. Das ist ein ganz kindlicher Gedanke. Ich habe läuten hören, daß man glaubt, wir könnten wirklich so töricht sein, daß man schon heute sich mit dem Gedanken vertraut macht, daß man bei Ausbruch eines Krieges dem Parteivorstande dasselbe Schicksal bereiten würde, wie 1870 dem Parteiausschuß. (Hört! Hört!) Ich würde es unbegreiflich finden, wenn man ge-gen uns Nachsicht üben würde. (Hört! Hört!) Unser Staatswesen ist so, mag das als Schmeichelei ausgefaßt werden, so hochstehend wie kein zweites. (Hört! Hört!) Sich das klar zu machen, ist Pflicht der Führer, damit keine Torheiten gemacht werden. Ich bitte Sie aus allen diesen Gründen, meine Resolution anzunehmen. (Schwacher Beifall.) Der zweite Referent zu dieser Frage ist der Gewerkschaftsführer Legten, der folgende Resolution dem Parteitage vorlegt: „Der Parteitag bestätigt den Jenaer, Parteitagsbeschluß zum politischen Massenstreik, der mit der Resolution des Kölner Gewerkschaftskongresses nicht im Widerspruch steht." Der Redner macht dem Parteivorstaride wegen der Ver- ösfentlichung des Protokolls Vorwürfe. Die erste Indiskretion war eine Infamie. Diese Anarchosozialisten gehören nicht zu unserer Partei. (Lebhafte Zustimmung.) Sie stehen zu uns so, wie die Konservativen zum Zentrum. Sie haben sogar das Wort sozialdemokratisch in ihrem Programm ausgemerzt, um den anarchistischen Elementen Eingang zu verschaffen. Bebel hat gesagt, das Protokoll, das Silberschmidt über die Sitzung der Generalkommission und des Parteivorstandes verfaßt hat, sei unrichtig, seine Thesen seien entstellt. Wir haben aber die Niederschrift Silberschmidts kontrolliert und sie für richtig befunden. Bebel hat ihr selbst zugestimmt. (Bebel ruft: Das ist nicht wahr!) Es ist doch wahr. (Bebel: Da hört doch alles auf!) Da hört gar nichts aus. Wir rverden ja durch die Worte Bebels entweder als Schafsköpfe oder Gauner hin- gestellt. Schasslöpse wären wir, wenn wir nicht hätten entscheiden können, ob das Silberschmidtsche Protokoll richtig oder falsch war. Und Gauner wären wir, ivenn wir bewußt das falsche Protokoll angenommen hätten. — In der Generalkommission herrscht sehr wenig Neigung für weitereVerhmndlungen mitdem Vorstände, dkun zum politischen M a s s e n str e i k. Was ist denn für ein Unterschied zwischen dem G e n e r a l st r e i k, den man auch GeneraluNsinn nennt, und dem polit. Massenstreik? Wir können nur ausdem Boden der Gesetzlichkeit gedeihen und rote Backen belommen. Mit Gewaltakten kann man die soziale Frage nicht lösen. In Oesterreich stehen die Arbeiter nicht so im Gegensatz zur Regierung, wie bei uns. Mit Rußland "|Oil man uns schon gar nicht kommen. Das waren dort nur ganz gewöhnliche Lohnkämpfe und später waren es revoi lutionäre Ausbrüche. Wie kann man denn da Vergleiche ziehen. Bebel hat ungeschickt gehandelt, als er meljH reren Gegnern das Kampfesmittel für die letzte Stunde verniet. Darüber sollte nicht diskutiert werden, besonders da nicht Einmütigkeit darüber in der Partei herrscht. Inzwischen war folgende, von Karl Kants ky und 32 Genossen unterzeichnete Resolution eingelaufen: Die Unterzeichneten beantragen: 1. In der Resolution Bebel in Bezug auf die Gewerkschaften anstelle des Satzes: „Dieselben stehen an Wichtigkeit hinter der sozialdemokratischen Partei nicht zurück" zu sagen: Sie sind nicht minder notwendig wie die sozialdemokratische Partei. 2. An den Schlutz der Resolution folgenden Passus anzuschlietzen: Um aber jene Einheitlichkeit .des Denkens und Handelns von Partei und Gewerkschaft zu sichern, die ein unentbehrliches Erfordernis iür den siegreichen Fortgang des proletarischen KlassenlampseS bildet, ist es unbedingt not- wendig, das; die Gewerkschasten von dem Geiste der.Sozialdemokratie beherrscht werden. Es ist daher Pflicht eines jeden Parteigenossen, in diesem Sinne in den Gewerkschasten zu wirken und sich bei der gewerkschaftlichen Tätigkeit wie bei jeder anderen öffentlichen Betätigung an Die Beschlüsse der Parteitage gebunden zu fühlen. Dies ist geboten im Interesse der gewerkschaftlichen Bewegung selbst, denn die Sozialdemokratie ist die höchste und umsaftcndste Form des proletarischen Massenkampfes, und kein, proletarische Organisation, keine proletarische Bewegung kann ihre, Aufgabe vollständig gerecht werden, die nicht vom Geist der Sozialdemokratie erfüllt ist. Legion fanü beinahe stärkeren Be ifall als Bebel. Während seiner Rede hatte sich auch der Berliner „Anarchosozialist" Dr. med. Friedeberg und Rosa Luxemburg im Saale oingesmidew Zu Beginn der Nachmittagssitzung lag dem Parteitage folgende, von dem Gewerkschaftsführer v. Elm und 23 Ge^ nossen unterzeichnete abgeänderte Resolution gegen die freien Gewerkschafter vor: „Weil die unter gewerkschaftlicher Firma austretenden politischen Zwitterorganisationen, genannt „Freie Vereinigung deutscher Gewerkschasten", sich immer bewußter in den Dienst anarcho-- özialistischer Propaganda und Ziele gestellt haben, weil ferner Die Organisationen entgegen den Beschlüssen der Parteitage der ozialdemokratischen Partei Deutschlands, welche der Arbeiter^ schast die gewerkschaftliche Organisation in Zentralverbänden empfehlen, die gewerkschaftlichen Zenttalverbünde fortgesetzt in der gehässigsten Weise bekämpfen, weil ferner diese Organisationen xm offenen Gegensatz zu den Bemessen sozialdemokratischer Kongresse den anarchistischen Generalstreik propagieren und überdies durch eine besondere Aenderuug ihres Organisationsprogramms bie anarchistische Agitation direkt gefördert haben, und weil die Vorstände dieser „Freien Vereinigungen" interne Beratungen zwischen Parteivorstand und Generalkommission über das Verhalten bei politischen Massenstreiks — die schon aus Gründen der Parteistrategie geheim bleiben mutzten — in der „Einigkeit" veröffentlicht und dadurch die Partei zum Gegenstand allgemeiner Angriffe gemacht haben, wiederholt der Parteitag die Resolution des Lübecker Parteitages: Der Kampf der Arbeiterklasse auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete erfordert einheitliche Zusammenfassung aller Kräfte in den betreffenden Organisationen. Er hat zur Grundbedingung die Ausübung strenger Disziplin in der Aktion, die Respektierung der Beschlüsse der Mehrheit durch die Minderheit gemäß den Grundsätzen der Demokratie. Wer der Partei oder seiner Berufsorganisation in einem von ihnen geführten Kampf durch Taten entgegenwirkt oder Sonderbündelei zur Führung solcher Gegenagitation betreibt, verstößt wider das vorentwickelte Lebensprinzip der Arbeiterbewegung. Es sind daher die örtlichen Organisationen der Partei berechtigt, solche.Mitglieder solange aus ihrer Mitte auszuschließen, als sie in diesem Verhalten verharren und erklätt, daß diese anarcho-sozialistischen Vereinigungen keinerlei Gemeinschaft mit der modernen Arbeiterbewegung haben unb dast jede Mit«beit von Parteigenossen in diesen Vereinen, Versammlungen und Pretzorgaucn unvereinbar mit der Förderung der Pattei ist. Den anarcho- sozialistischen „Freien Vereinigungen" ist die Parteipresse zu verschließen und sind die Redakticnen verpflichtet, der anarcho- sozialistischen Propaganda und Organisation mit aller Entschieden-, heft entgegen zu treten." Es wurde dann in die Diskussion über den Masieufireik eingetreten. Kautsky verteidigt feinen Antrag. Reichstagsaog. Dr. David: Es, besteht kein Widerspruch zwischen der Stellung Bebels in Jena uni) der bekannten Konferenz mit den Gewerkschaftsführern. Man hat seine Stellungnahme als einen Rückzug angesehen. Dte So- zialdemokratte versteht unter Revolution die allmähliche Durchsetzung eines neuen Wirtschaftssystems, aber keineStraßenrevolution. Der springende Punkt ist nun, daß der Massenstreik nicht in ein Blutvergießen ausartet. Wir wollen keine Revo- LHtioii gewaltsam provozieren, uns nicht durch die Verhältnisse dazu drängen lassen. Kautsty hat 1903 erklärt, der entscheidende Tag ist nahe. Man trieb eine wilde Revolutions-Romantik gegen die wir uns wenden. Jetzt wills niemand gewesen sein. (Heiterkeit.- Im Hinblick auf die Moskauer Kämpfe schrieb Kautsky noch im „Vorwärts", wir müßten unsere Taktik revidieren. Das ist revolutionärer Revisionismus. (Heiterkeit.) Wenn Kautsky gesagt hat, die Gewerkschaften seien nur Mittel, die Sozialdemokratie Zweck. Das ist ganz hinfällig. (Sehr richtig.) Die Sozialdemokratie ist auch nur ein Mittel. Die Art Kautsky trägt dazu bei, die Partei zu beugen, sie auf die Lohnarbeit zu beschränken. Liebknecht sagte einst: „Auf die Lohnarbeit beschrankt, wäre die So- zieldemokratie unfähig, zu siegen." Natürlich müssen, schließt David, die Gewerkschaften von sozialistischem Geist beseelt sein. (Lebhafter Beifall.) Hierauf betrat, mit demonstrativem Beifall begrüßt, R o s a L u x e m b u r g das Podium. Sie führte aus: Bebel hat heute zu viel nach rechts gesprochen. Bebel hat gesagt, daß der Varteivorüand in der Entscheidungsstunde! von Len Massen geschoben werden würde. Wenn wir einen solchen Parteivorstand Laben, dann verdient er, daß er bald geschoben wird. - Rosa Luxemburg kränkt Bebel noch durch weitere spitze Redensarten wegen der Revision seiner Stellung zum Massenstreik, die bei der Masse der Genossen Beifall finden. Inzwischen war zum Thema Maifeier folgende, von Fisch er-Berlin unterzeichnete Resoku- ltion eingelaufen: , Die Maifeier ist eine zur Unter ftüfcung vcr uiMensorbev- -vngen und des Klassenkampfes des Proletariats sowie zur Förderung des Weltfriedens von den internationalen Arbeiter- kcmgressen beschlossene Demonstration deren wirksame und würdige Gestaltung gemeinsame Aufgabe aller-politisch und gewerkichast- lich organisierten Arbeiter ist. Ms solche Kiassendemonstratwn wird sie vom Unternehmertum und den bürgerlichen Regierungen bekämpft, aber dieser Widerstand kann für die Arbeiterklasse kein Anlaß sein, von der Durchführung der Maucier ab- zuseben. In Ucbercinstimmung mit den internationalen Arbeiterkongressen von Paris 1889, Brüssel 1891, Zürich 1893, London 1896, Paris 1900 und Amsterdam T904 betrachtet die deutsche Sozialdemokratie die allgemeine Arbeitsruhe als die würdigste Form der Feier. Der Parteitag macht es daher den Arbeitern und Arbeiter-Organisationen zur Pflicht, neben den anderen Kundgebungen für die allgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai einzntreten und überall da, wo die Möglichkeit der Arbeitsruhe vorb-rnden ist, die Arbeft ruhen zu lassen.^ Dr. Qu ar k-Frankfurt a. M. mgcyt einen Unterschied Zwischen einer hysterischen und einer schläfrigen Anschauung über den Massenstreik, die eine sei von der Partei, die andere von der Gewerkschaft vertreten. Eine Einigung sei jetzt im Gange ,es sei daher unrecht, wenn Rosa Luxeiw- burg dieses Werk durch Schimpfereien gefährde. Ferner schreibt man uns aus M annheim, 26. Sept.: , „Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein" mag mancher heute gedacht haben, als er Bebels Referat über den politischen Massenstreik hörte und der Reden in Jena sich erinnerte. In der Tat, der Ton Bebels in Mannheim ist grundverschieden von dem auf dem vorigen Parteitag angeschlagenen. Bebel tritt jetzt sachlich den Rückzug vor den Gewerkschaften an, deren Führer und Sprecher, Legien, mit scharfen Strichen ein Bild der zum Massenstreik wahrlich nicht einladenden Wirklichkeit zeichnete. Nach dem Entgegenkommen, das Bebel in seinem Referat den Gewerkschaften erzeigte, kann von einem Konflikt zwischen diesen und der Partei in Sachen des Massenstreiks füglich nicht mehr die Rede sein. Für absehbare Zeit wandert dieses „letzte Mittel" der Klassenkämpfer in die politische Rüstkammer, zur Enttäuschung aller Revolutionsrvmantiker. Russisches. In Kopenhagen gehen Gerüchte, nach denen die Zaren- fam ilie im Oktober in D än em ar k eintreffen und auf Schloß Fredensborg Aufenthalt nehmen wird. In den Sitzungen des Ministerrats am 22. und 25. d. M. .wurde der Entwurf betr. die Abänderungder Rechtsein- ichränkungen der Bauern und anderer dem ehemals steuerpflichtigen (Staube angehörender Personen gebilligt. Zu diesen Einschränkungen gehören auck die Unterschiede hinsichtlich der Dienstrechte und die obligatorische Ausscheidung aus der Bauerngemeinde bei Eintritt in den Zivildienst, sowi» bei Erwerb von Standesrechten, die Verhinderung freier Berufswahl und freien Zutritts zu den Mittel- und Hochschulen unter Teilnahme an Msiedelungs- und Vermögensrechten. Gleichzeitig mit der Aufhebung der genannten Einschränkungen wird vom 14. Januar 1907 ab die Aushebung der Kopfsteuer und der solidarischen Haftung 6et der Steuereintreibung geplant. Ferner wurde beschlossen, einige für die Bauern eingeführte Einschränkungen auf dem Bereiche des Vermögensrechts abzuändern und !zwar die Vorschriften über die Ordnung der Familienguts- iteilung, sowie die Bestimmung, die es keine Immobilien besitzenden Bauern verbietet, sich durch Wechsel zu verpflichten. Der Ministerrat sanktionierte ferner die Vorlage des Ministers des Innern hinsichtlich der Aussonderung von Baku mit Umgebung, der Halbinsel Wpscheron, der Inseln Nargen und der Heiligen- Jnset zu besonderen Stadthauptmannschafteti. Schließlich wurde die Vorlage des Justizministers betreffend die Maßregeln zum Zwecke der Vorbeugung der ftarf vermehrten Arrestanten-Fluchten genehmigt. Der Polizei wurde anheimgestellt, Verbrechern bei der Verhaftung und Ueberfübrung in die Arrestlokale Fesseln anzulegen, wie solche auch in Westeuropa in derartigen Fällen «ngewendet werden. Aus Petersburg meldet W. B. vom 26. Sept.: Ms Heute der Kassierer der Newsky-Werke für Bauausführungen und sein Assistent mit 15 000 Rubel, die zur Entlohnung der Arbeiter bestimmt waren, über den Hof der Werke schritten, wurden sie in Gegenwart von Hunderten von Arbeitern von etwa 20 Individuen umringt und unter Bedrohung mit Revolvern der ganzen Summe beraubt. Die Arbeiter wurden durch Revolverschüsse ferngehalten. Die Räuber flohen dann und verloren unterwegs 1300 Rubel. In der vergangenen Nacht überfiel eine Bande Bewaffneter ein Gutshaus int Dorfe Kanonowka und raubte den 10 000 Rubel enthaltenden Geldschranü Nach einer Meldung Moskauer Blatter breitete sich der aus Wjatka gemeldete Bauernaufstand, der gelegentlich der Prüfung von Reservistenpapieren zum Ausbruch kam, int Kreise Matmysch weiter aus und ergriff bereits 70 Dörfer. Dorthin entsandte Juftizbeamte mußten unverrichteter Sache zurückkehren, weil die Bauern alle wichttgen Punkte besetzt haben. Von den Amtspersonen des Kreises fehlt jegliche Nachsicht; man fürchtet für ihr Leben. In Odessa und Umgebung wurden neuerdings furchtbare Mordtaten verübt, denen eine jüdische Fam ilie von vier Personen und eine christliche von drei 33 er unten zum Opfer fielen. In Mi tau wurde auf offener Straße der Realschul- Jnspektor Petrow meuchlerisch ermordet. Die Attentäter entkamen. Der Petersburger Appellhof verurteilte die deutsche aus Lübeck stammende Untertanin Wera Stoltervoth zu 15jähriger Zwangsarbeit in Sibirien. Während einer Haussuchung bei der Stoltervoth hatte die Polizei einen Koffer gefunden, in dem Dynamit und Zündschnur aufbewahrt wurden. Ihre Zugehörigkeit zum revolutionären Verbände ist erwiesen. Deutsches Reich. Berlin, 26. Sept. Tas Mailänder Blatt „Corriöre Della Serra" veröffentlicht Erinnerungen des ungarischen Generals Stephan Türr, der als Vertrauensmann Viktor Emanuels in den 60er und 70er Jahren eine bedeutende Rolle spielte. 1867 sah Türr Bismarck, der ihm sagte: .Wenn Oesterreich einen intelligenten Staatsmann hätte, würbe es Trient und Südtirol an Italien abtreten, und das wirb dereinst Deutschland besorgen." „Und Triest?" fragte Türr. „Triest", erwiderte Bismarck, „,ift eine andere Sache. Triest wird der Hafen Deutschlandes am Adriatischen Meer sein." (Diese Erinnertmgen scheinen nur für ganz naive Senfe bestimmt zu sein, die alles Gedruckte für bare Münze nehmen.) — Den beiden Töchtern des verstorbenen Geheimrats Alfred Krupp, Fräulein Bertha und Barbara Krupp ist die Genehmigung zur Anlegung des ihnen vom türk. Sultan verliehenen Schefakatordens 2. Klasse erteilt worben. Wie wir meldeten, weilte Frau Krupp vor einiger Aeit mit ihren Töchtern in Konstantinopel, — Eine Versammlung Berliner Milchhändler befaßte sich mit der Frage der Erhöhung des Milchpreises. Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Milchhändlervereine Lulay warnte eindringlich vor einer solchen Erhöhung, erklärte aber, daß ein Berliner Milchhändler nicht bestehen könne, wenn der Einkaufspreis der Milch keine Herabsetzung erführe. Der Berliner Milchversorgung müsse man deshalb neue Quellen erschließen. Es müsse ermöglicht werben, die holländ. Milch in einwandfreiem Zustande nach Berlin zu schaffen. Die Versammlung stimmte dem Redner bei und beschloß, die Handelskammer Berlin zu ersuchen, sie möge bei den maßgebenden Behörden vorstellig werden, daß die holländische Grenze für den Milchhandel geöffnet werde. Außerdem soll der Eisenbahnministergebeten werden, anzuordnen, daß künftig auch Personen- und Schnellzüge Milch nach Berlin mitnehmen. — Wie der „Südd. Tabakztg." mitgeteilt wirb, hatten bie Inhaber bet Firmen Heinrich Bcllmer u. Co. in Verden, von Jaminet u. Mayer, Langhans u. Jürgensen und Deert Jacobs in Altona-Ottensen eine Zusammenkunft mit dem Reichstagsabg. Held in Bremen zum Zwecke einer Berat»,ng über die auf Cigarillos mit Feinschnitt-Einlage ausgedehnte Cigaretten st euer. Bei dieser Besprechung betonte Held auf das entschiedenste, daß eS der Mehrheit deS Reichstags nicht in den Sinn gekommen wäre, die Steuer auf Cigarillos mit Tabakdecke und Tabakumblatt auSzudehnen. Der Bundesrat habe durch Hinziehung derselben das in ihm gesetzte Vertrauen nicht gerechtfertigt. Da auf einem andern Wege zurzeit nichts zu erreichen ist, so muß man den Wiederzusammentritt des Reichstags abwarten, alsdann wirb der Abgeordnete die Sache schnellstens zur Sprache bringen. Braunschweig, 26. Sept. Der Regentschaftsrat begab sich heute zur Hebermittelung der Landtags-Resolution zum Reichskanzler Fürsten Bülow nach Homburg v. b. H. Köln, 26. Sept. Die Diözese Trier hat dem Bischof Komm anläßlich seines Jub iläumS außer zwei je 25 Pfd. schweren AlbumS mit den Bildern der 182 unter ihm erbauten Kirchen eine Ehrengabe von 60 000 Mk. für kirchliche Zwecke überreicht. Augsburg, 26. Sept. Der heutige Hauptfesttag der 58. Versammlung des Gustav-Adolf-Vereins wurde durch einen Festgottesdienst in der überfüllten Barfüßerkirche eingeleitet, bei dem Generalsuperintendent Kaftan auS Kiel bie Predigt hielt. Demnächst eröffnete Geh. Kirchenrat D. Pank bie erste öffentliche Versammlung mit einer längeren Ansprache unter Bezugnahme auf die großen reformatorischen Erinnerungen Augsburgs. An Festgaben in Geld wurden 25 963 Mk. überreicht, von denen 15 000 Mk. von den Evangelischen AugSburgS und 10 963 Mk. von ganz Bayern aufgebracht worden find. Dresden, 26. Sept. Die Generalbirektion der S t a a t S- bahnen bewilligte eine Million Mark jährlichen Mehraufwand zur Lohnaufbesserung für die gesamte Arbeiterschaft. Ausland. Bern, 26. Sept. Heute nachmittag fand die Schlußsitzung der Internationalen Arbeiter-Schutzkonferen-z statt. Der Vertrag in. Betreff der Verwendung von weißem Phosphor für die Zündholzfabrikation wurde angenommen von Deutschland, Frankreich, Dänemark, Italien, Luremburg, Niederlande und Schweiz. Die übrigen auf der Konferenz vertretenen Staaten lehnten ab. Der Vertrag betr. da? Verbot von Nachtarbeit von Frauen in der Industrie wurde einstimmig angenommen. Konstantinopel, 26. Sept. Heber die Vorgänge bei der Abreise des Prinzen Georg von Kreta wird hierher gemeldet: Um die Abfahrt des Prinzen zu verhindern, versammelten sich gestern etwa 2000 Insurgenten auf den Höhen an der Subastraße. Die Konsuln der Garantiemächte verfügten daher, daß die Abreise des Prinzen statt von der Sndabay von Kanea erfolge. Die Insurgenten zogen hierauf nach Paleb, wo es zu Zusammenstößen mit den internationalen Truppen kam und wobei es mehrere Tote und Verwundete gab. Ein russischer Kawaß wurde erschossen. Vor dem österreichisch-ungarischen Konsulat wurden Demonstrationen veranstaltet. N e w y o r f, 26. Sept. Wie ein Telegramm' aus Washington meldet, ordnete Roosevelt an, daß alle verfügbare Marineinfanterie sofort nach Eintreffen auf Kuba gelandet werden soll, wozu bereits Befehl an die Kreuzer „Prairie" aus Boston, „Brooklyn" aus Philadelphia und an das Schlachtschiff „Texas" aus Norfolk Ergangen sei, die ebenso wie ein in New^Orleans gecharterter Kauffahrer unterwegs sind, um Truppen dorthin zu bringen. Man nimmt an, daß in kurzer Zeit eine Streitmacht von 12 00-0 M ann, die teils bereits in Kuba sind, teils Marschordre erhalten haben, unter dem Befehl von Oberst Waller, bpr seinerzeit die Marineinfanterie auf dem Marsche nach Peking befehligte, auf Kuba versammelt sein werden. Havanna, 26. Sept. Präsident Palma berief den Kon gr e ß zu einer außerordentlichen Tagung auf Donnerstag ein. Er will demselben sein und des Vizepräsidenten Rücktritt anheimstellen, nachdem er persönlich Tast und Bacon die unbedingte Verwerfung der Friedens- bedingungen von feiten der Regierung mitgeteilt hat. ^cer iinfc Flotte. Kiel, 26. Sept. Heute übergab der Generaliuspekteur der Marine, Großadmiral von Köster, an Bord des Flaggschiffes „Kaiser Wilhelm II.", woselbst die Admirale des Kommandanten der Flotte versammelt waren, ba§ Kommando der aktiven Schlachtflotte an den Prinzen Heinrich von Preußen. Während die Flagge des Großadmirals auf dem bisherigen Flaggschiff niedergeholt wurde, setzte das neue Flottenflaggschiff bie Flagge des nunmehrigen Flottenchefs. Die salutfähigen Schiffe im Hafen salutierten die Flaggen. „Kaiser Wilhelm II.* tritt in den Verband des ersten Geschwaders ein. Prinz Heinrich übergab gostern bereits die Geschäfte des Chefs der Marinestation der Ostsee an Vizeadmiral von Prittwitz und Gaffron. Großadmiral von Köster erließ folgenden Tagesbefehl: Bei meinem Scheiden rufe ich der Flotte dankerfüllt ein herzliches Lebewohl zu. Die vielen Beweise allerhöchster Anerkennung, die mir während meiner Flottenllihrnng geworden sind, habe ich einzig und allein bet getreuen Mitarbeit der Verbandsführer und meines Stabes, sowie dein nie rastenden Bestreben der vorn Geiste strengster Pflichtersüllung getragenen Schisssbesatzungen nach weiterer Veroollkonunnmig zu danken. Ich scheide mit dem freudigen Bewußtsein aus der Flotte, der ich in meinen Gedanken stets angeboren werde, daß diese unter meinem Nachfolger eine immer schärfere unb ft ä r f c r e Waffe i n der Hand des Kaisers werden wird, unseres Kaisers, dem wir freudig bewegt gehobenen Herzens zujubeln in dem Rufe: S. M. der Kaiser Hurra! Hurra! Hurra! Kolonialpoft. — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Die „Deutsche VolkSwirtsch. Storr." glaubt mitteilen zu können, daß der Weiterbau der Eisenbahn Lüderitzbucht — Kubub bis Kcetmanshop von der Firma A. Koppel und Hermann Bachstein auf eigene Kosten ohne finanzielle Beanspruchung des Reiches iu Angriff genommen werden soll. Gegenüber dieser Angabe verweisen wir auf unsere Feststellungen in der Nummer vom 2. d. Mts. (wonach dem Obersten Deimling durch den Generalstab in Hebereinstimmung mit dem Reichskanzler telegraphisch eröffnet wurde, daß das Material für den Weiterbau der Bahn ohne Bewilligung der Mittel durch Bundesrat und Reichstag nicht zur Verfügung gestellt werden kann). Wir können ihnen hinzufügen, daß sich seitdem an der Sachlage nichts geändert hat. Insbesondere ist die Meldung unrichtig, daß die beiden genannten Firmen bereits bie Erlaubnis zur Fortführung bes Bahnbaues erwirkt hätten. — Der „Köln. Ztg." wirb aus Berlin telegraphiert: Der Vertrag des Auswärtigen Amtes mit ber W ö r r- mann-Linie über die Transporte nach Westafrika läuft schon im nächsten Frühjahr a b. Amtlich wurden Hamburger und Bremer Firmen, die sich für eine neue Westafrikaverbindung interessieren, zur Einreichung von Angeboten aufgefordert. Zweifellos bleibt die Wörmann-Linie an den Transporten beteiligt._________________________________________ Aus Stadt und Land. Sprechstunden ber Redaktion 11—1 Uhr vorn:., 1/2?—V28 Uhr abds. Gießen, 27. Sept. 1906. • • Parlarn entarisch es auS Hessen. Abg. Wolf beantragt bei ber zweiten Kammer, die Großh. Regierung zu ersuchen, noch vor dem 1. April 1907 eine neue Abschätzung bc§ gemeinen Wertes der Weinbergs- grundstücke des Landes durch die OrtZgerichte vornehmen zu lassen unb die ermittelten Werte bei der Veranlagung der Vermögenssteuer vom 1. April 1907 ab gelten zu laffen. Ferner beantragt er, daß die Abschätzung des gemeinen Wertes ber WeinbergSgrundstücke regelmäßig alle 10 Jahre stattsinden soll. • * Landwirtschaftskammer. Für den Wahlbezirk Bad Nauheim ber Provinz Oberhessen wurde an Stelle des KreiSamtmanns Muhl Kreisamtmann Spam er zu Friedberg zum Wahlkommiffär ernannt. • • Ausbildung von HilsSpflegerinnen. Der Hessische Landesverein vom Roten Kreuz unb ber Alicesrauen- verein für Krankenpflege veranstalten, wie alljährlich, Mitte Oktober in Darrnstabt einen Lehrgang zur AuSbilbung von Hilfspflegerinnen für verwundete und erkrankte Soldaten im Kriege. • * Geometerpatente I. Klasse wurden erteilt den Gcometergehülfen Friedrich Robert Plauz aus Alsfeld für den Kreis Alsfeld, Wilhelm Rabenau aus Alten-Buse unb Jakob Rinn aus Heuchelheim für den KreiS Gieße, Das Patent als Geometer II. Klasse erhielt Geometergehil Georg Wilhelm Lerch auS HergerSdors für den Kreis Alsfel • • Pfarrpersonalien. Pfarrer Hch. Colombora zu Neckar-Steinach wurde zum katholischen Pfarrer zu Ruhlkirchen ernannt. ** Feuer wehr-Sanitätskolonne. Nächsten Sonntag w-irb die Gießener freiw. Feuerwehr in Gemeinschaft mit ber freiw. Sanitätskolonne an einem größeren Gebäude eine Losch- und Rettungsübnng abhulten. Wie wir erfahren, sollen die Aufgaben der Feuerwehr, sowie der Sanitätskolonne bei dieser ersten derartigen gemeinsamen Hebung sehr schwierig gestellt sein und es ist zu wünschen, daß beide ihre Aufgaben in vollendeter Weise lösen. Eine solche gemeinschaftliche Hebung der beiden Vereinigungen, die sich in den Dienst der Nächstenliebe gestellt haben, ist sehr zweckmäßig und anerkennenswert. — Großen-Linden, 25. Sept. Da ber Turnverein seine Turnhalle der Gemeinbe zum Abhalten des Gottesdienstes während der Renovierung der alten tausendjährigen Kirche zur Verfügung gestellt hat, so kann in ber nächsten Zeit keine Festlichkeit in ber Halle stattfinden. Deshalb hält der Turnverein fein diesjähriges Abturnen am nächsten Sonntag in den früheren Räumen im Schaumschen Garten und Saal ab," wo vor 14 Jahren der Verein seine ersten Hebungen und Festlichkeiten veranstaltete. Der Verein hofft auf einen großen Besuch ber Einwohnerschaft. x Wettsa afen, 24. Sept. Mit dem 1. Oktober wird hier eine Po st hilf siel le eingerichtet, deren Verwaltung dem Gastwirt Karl Kratz übertragen wurde. Mit dieser Einrichtung kommt bie Postbehörde einem dringend gefühlten Bedürfnis unserer Gemeinde entgegen. X Bad-Nauheim, 23. Sept. Dieser Tage fand in ber höheren Bürgerschule die Entlastung von Fräulein Christel Wissig statt, die dem Schulverband seit 1. Mai 1905 als Schulverwalterin angehört hatte. Rektor Prof. Dr. Zimm er hielt an die scheidende Lehrerin eine sehr herzlich gehaltene Ansprache, in der er die Verdienste der Scheidenden, ihren unermüblimcn Fleiß und ihre vorbildliche Berufstreue hervorhob, Eigenschaften, die ihr die Achtung, den Dank und die Liebe von Vorgesetzten, Kollegen und Schülerinnen in gleich hohem Maße erwarben. — Anschließend an diese Feier fand die Amtseinführung des Lehramtsreferendars Dr. Bernhard Schindling statt. O L a u b a d), 23. Sept. Am Freitag vormittag hielt in Gegenwart des Baurats Die hm aus Gießen und des diesigen Straßenmeisters Sommerkorn der Stadt- unb Schulvorstand eine Sitzung ab. Es handelte sich um die Erbauung einer städtischen Turnhalle zwischen dem neuen Gymnasialbau und dem neuen Amtsgerichtsgebäude. Baurat Die hm legte bie entworfenen Pläne unb Voranschläge vor, erstere fanden lebhaften Beifall der Versammlung; die Kostenvoranschläge belaufen sich auf 20 000 Mk. Ein definitiver Beschluß wurde nicht gefaßt, da der Stadtvorstand nicht in genügender Zahl vertreten war. — Den „Wettervoraussagen" entgegen, die fortdauernd „trocken" prophe- zeihen, regnet es feit gestern vormittag fast unaufhörlich in letzter Nacht wie mit Kübeln. Die Zwetschenernte, die hier außerordentlich reichen Ertrag versprach, ist durch den, Vermischtes. * Der Diebstahl in der fgL bayr. Münze. Heute meldet D. B. Hd. aus München: Ein Hilfsarbeiter, ein Mechaniker und ein Soldat, drei Brüder, wurden ver- haftet unter dem dringenden Verdacht, den Diebstahl in der Münze auSgeführt zu haben. Insbesondere hatte der Soldat solche Ausgaben gemacht, daß der Verdacht der Polizei aus ihn gelenkt wurde. Man fand bei ihm noch den Betrag von 60 000 Mk. — Der Münchener Polizeibericht macht folgende Angaben: Am 25. September wurde ein Münzarbeiter verhaftet, der verdächtig erschien, an dem Einbruch beteiligt zu sein. Weitere Erhebungen führten zn der Feststellung, daß nicht nur er, sondern auch ein Freund von ihm, ein 22jähr. Soldat, an dem Diebstahl beteiligt war. Dieser letztere führte den Einbruch auS. In der Wohnung der zurzeit im Krankenhause befindlichen Geliebten deS Soldaten rottrbe ein erheblicher Teil des Geldes gefunden. Nach längerem Verhör waren beide geständig. * Kleine Tageschronik In Grünstadt (Pfalz) wurde der vierjäbriae Knabe des Arbeiters Scheuer durch einen Pistolenschuß lebensaekährlich verletzt. Im gegenüberliegenden Hause übte sich ein junger Mann im Scheibenschießen. Ein Schuß ging fehl und dem Kinde in den Kopf. Noch am gleichen Abend ist er gestorben. — Die Lage -wischen Schwarzen und Weißen in Atlant a und vielen Städten im Süden der Vereinigten Staaten ist äußerst ernft. Man befürchtet den Ausbruch eines Rass en - krieqes, 165 Neger wurden seit Samstag zu einmonatlicher Gekängnisstrale verurteilt. Aehnliche Ausbrüche wie in Atlanta fanden in Mobile, Alabama und Nashville in Tennessee statt. Tie Weißen erklärten, die Gährung unter den Cchivarzen sei hochgradig. — Bei der Abendmahlskeier im Dorfe Daberkow in Pommern gelangte durch em Versehen Salzsäure statt Wein in den Abendmahlskelch. Zwei Frauen erkrankten, eine dritte niebergegangenen Regen, heute mit Gewitter verbunden, so gut wie' vernichtet. Die Früchte sind, großenteils aufgeplatzt und dadurch an Händler fast unverkäuflich. sd. Darmstadt, 26. Sept. Der Raubmörder Steinmetz hat seine Verurteilung zum Tode mit derselben gleichgiltigen Ruhe ausgenommen, die er in der Voruntersuchung und während der Verhandlung gezeigt hat. Als man ihn am Dienstag abend nach dem Urteilsspruch aus dem Schwurgerichtssaale führte, gab ihm seine im Gang stehende Mutter ein große? Stück mit Wurst und Fleisch belegte? Brot. Er nahm e? unter Dankesworten an und verzehrte es auf dem Tran?port zmn Gefängnis mit gutem Appetit. Als ihn der Staatsanwalt fragte, was er sich bei beni Urteil denke, erwiderte er: »Ich weiß nicht, was ich denken fort.' In der letzten Nacht hat Steinmetz gut^ geschlafen, er war offenbar durch die Verhandlung sehr ermüdet. Selbstverständlich hofft er auf Beanadigung, und wie man hört, wird dec Verteibiger ein Gnadengesuch an S. K. H. den Großherzog richten. Frankfurt a. M., 26. Sept. In der heutigen Sißimg der Internatsonah-'n Kon seren» für Krebsforschung wurde der Antrag, eine nationale Vereinig- u n a zur Bekämpfung der Krebskrankheit zu begründen, einstimmig angenommen. Der Vorstand der Konferenz, die Geheimräte von Lenden, Czer'ch und Ehrlich und Professor George Metzer wurden beauftraat, mit den ausländischen Teilnehmern sich $ur Vorb"reitung der Oraanlsation in Verbindung zu setzen. — Die vereinigten Yorkshire- Chöre, eine hervorragende Gesellschaft englischer Gesellschaft englischer Gesanavereine, kamen heute nachmittag mit Extrazug auf dem hiesigen Hgnptbabnhof an. An der Spitze des EmpfangSkomftors begrüßte Direktor Walter die fremden Gäste. Ohne Aufenthalt wurden die Sänger in ihre Hotels geleitet, um abends gegen 7 Uhr für den Empfang im Palmengarten abgebolt zu werden. Die städtische Straßenbahn brachte die Sänger in geschmückten und illuminierten Extrawagen nach dem Palmengarten. Dort hielt Bürgermeister Dr. Varrentrapp die Begrüßungsrede. Hier setzte zum erstenmale das Eentish Fire ein, ein tiaktmäßiges Händeklatschen, zu Anfang in längeren Intervallen, die kürzer und kurzer werden, bis endlich eine ohrenbetäubende Händeshmpbonie entsteht. Sofort nach dieser Rede erhob sich Herr Lindlar aus Sheffield, span. Konsul, ein Deutscher von Geburt, der in seiner Muttersprache den Dank der Porkshire-Chöre für die Aufnahme aussprach. Vor neun Monaten tauchte der Gedanke auf, Deutschland zu besuchen. Die Schwierigkeiten erschienen unüberwindlich, denn es handelte sich darum, mindestens 160 Damen und 140 Herren hinüberzubringen, damit Sie einen richtigen Eindruck von englischer Sangcskunst bekommen. Man ward aber Herr dieser Schwierigkeiten. Darauf stellte sich die „musikalische Angst" ein. Werden wir vor den musikverständigen Deutschen bestehen? Nun haben wir bis setzt in Deutschland Freundschaft und liebenswürdiges Entgegenkommen gefunden. Mr. Norley, der Vizepräsident des Sheffielder Vereins, ergänzte die Ausführungen des Vorredners „in der Sprache der Porkshire-Chöre". Mr. Embleton, der Vorsitzende des englischen Komitees, toastete auf Kaiser Wilhelm. Die Anwesenden erheben sich und singen die Kaiserhvmne. während Dr. Coward, der englische Musikmeister, die Kavelle dirigiert. Der letzte der Toaste galt König Eduard. Eduard de Neufville-Frankfurt — der Redner sprach englisch — erinnerte an die jüngst stattgehabte Cronberger Zusammenkunft, die schon deshalb von großer Bedeutung war, weil sie auf die Bestrebungen folgte, die bekannten Mißverständnisse zwischen den beiden Nationen zu beseitigen. An diesen Bestrebungen war namentlich das deutsch-englische Komitee beteiligt, dessen einer Sekretär der Redner ist. Der Massenchor sang die Königshhmnc „God save the King". Die Stimmung hob sich mehr und mehr und erreichte chren Höhepunkt, als ein friedlicher Sän gerw ettstreit anhob. Der Sängerchor des Lehrervereins sang, und auch die englischen Sanger traten in die Schranken. Beide fanden sympathische Aufnahme bei den Engländern und bei den Deutschen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b arftaaten. In dem gestern veröffentlichten Einaesandt von G r ü n b e r g bat sich, wie der Einander selbst meint, infolge der undeutlichen Schrift, in der 16. Zeile ein sinnentstellender» Fehler emgeichliechen. Es muß heißen „in der Folge 2.5 bz. 20 Aktien ä Mk. 1000 gezeichnet" und nicht 25 b-. 20 Aktien, und im zweit''etzten Satz: Bezüglich b?r weiteren Begründung usw. m der dritten Zeile möchte ich bitten das Wörtchen „n o ch" durch auch zu ersetzen. — Aus Liebeskummer erschoß sich in der Wohnung seiner Eltern in Oberrad der 16 jährige Lrchreinerlehrling Horn. — Der unter dem Verdacht der Brand- st'ftimg verhaftete Inhaber des Gasthauses zum Blüchertal in Bacharach, von der Wardt, w"rde wieder in Freiheit ge- or t .7™ Nähe von Oberkleen wurde der 50jährige ^beiter I. Fischbach im Kleebach ertrunken aufgefunden. — In Offenbach erlitt eine 72jährige Witwe durch die Ex- tz losion einer Petroleumlampe, die sie aus Versehen umwarf, so schwere Verletzungen, daß sie daran starb. KOOIte± Giessen und Umgegend. Unseren Mitgliedern zur aefl. Kenntnis, daß in unseren 23er- fmtfsft. die Liste z. gemeinsamen Kartoffelbezug ausliegt. Wir bitten die Bestellungen baldigst einzutragen. [S866 We M. Austern frischen Kaviar leb. Hammer frische Seemuscheln fr. Ananas empfiehlt Carl Echwaab, 5873 Hoflieferant. lebensgefährlich. — Am Starnberger Dee wurde der 28 Jahre alte Leutnant Hermann von Siebert auS Berlin, ein Sohn des früheren Gouverneur? von Ostaftika, erschossen aiü- gefunden. — Der fallite Kommerzienrat Julius Weiß- hart in Nürnberg, der Gründer und Aufsichtsrat vieler Aktiengesellschaften, wurde wegen Unterlasiung der Bilanzziehung der Strafkammer zur Aburteilung überwiesen. — Der Leutnant Lamv stürzte zwischen Kiel und Eckernförde, als er ans den Manövern heimkehrte, mit dem Motorrad und erlitt t ö t l i ch e Verletzungen- — Italiener überfielen den Schmiedegesellen Plate in Dorndorf (Thür.) und schlitzten ihm den Bauch auf. — In Kreuzberg tThür.l erstachen italienische Bahnarbeiter einen Deutschen. Drei 0 au? Oester., 597 Kälber, 131 Schafe und Hammel, 0 Ziegen. 0 Ziegenlämmer, 0 Schastämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 90—93 Mk., 2. Qualität 82—85 Mk., 3. Qualität 69—72 Mk.: Bullen 1. Qual. 79—81, 2. Qual. 00—00 : Kühe 1. Qualität 81—85 Mk., 2. Qual. 79—82 Mk., 3. Qual. 68—72 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5- Qual. 00—00 Mk. Kälber l.Qnal. 100—106 Psg., Lebendaewicht 60—63 Mg., 2. Qualität 96-102 Psg., Lebendgewicht 58-61 Psg., Schlachtaew- 75—80 Psg. Schale: 1. Qual. 83—85 Psg., 2. Qual. 00—00 Psg. Markt aut. lleberstand unbedeutend. Vo'anSüchtli^e Mitternng in Hessen für Freitag, den 28. Senteuiber: Meist heiter, tracken, wärwer, veränderliche Winde beteiligte Personen wurden lebensgefährlich verletzt.—In Plauen hat sich ein angesehener 30 jähriger Arzt an seinem Hochzeitstage erschossen. Er soll die Tat in einem Anfall von Schwermut begauaen haben. sd. Darmstadt, 27. Sevt. S. K. H. der Groß- herzog ist am Montag in Begleitung de? Flügeladjutanten Arbeiterbewegung. Bochum, 27. Setzt. Der Vorstand des alten Bergarbeiter- Verbandes gibt zu dem Beschluß der Siebener-Kommission bekannt, daß die Lohnbewegung alle deutschen Bergreviere umfassen soll. Inwieweit das Ausland eingreifen wird, dürfte die nächste Zukunft lehren. Der Vorstand ermahnt die Bergarbeiter, keine voreiligen Schritte zu tun. Ganz energisch wird vor Zuwanderung ins Ruhrgebiet gewarnt. v. Massenbach und de? Geh. KabinettSrat? Römheld nach einem geheim gehaltenen Ziel obgereift. Seine Rückkehr ist für Mitte der nächsten Woche zu erwarten. Bei der Abreise wurde bi? Frankfurt das Automobil und von da die Bahn benutzt. fc. Frankfurt a. M., 27. Sept. Graf Witte ist heute vormittag mit seiner Gemahlin nach Brüssel ab- gereist. Berlin, 27. Sept. Zum zweiten Direktor im Handel des Frankfurter Biirs«*. 27. September. 1.15 TJbr. 98.40 Portugiesen III 125.30 Berliner Börse, 27. September. Anfangskurse. 159.10 des 102.45 o/o franco Provision entgegen. a Kommenden Samstag der ge- 171.90 139.70 238.70 Berliner Handelsges Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . Gotthardbahn . . . . Lombard. Eisenbahn . Oesterr. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eiseubahn 4 % Oesterr. Goldrente. . 4’/#9< Oesterr. Silberrente Harpener Bergwerk Laurahiltte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . 141.50 129.00 253 00 224.30 159 89 215.20 248.75 127.10 132.50 173.50 139 30 238.80 173.00 183.70 159.00 211.20 Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schuckert . . . Esc.hweiler Bergwerk . . Dehenkirchen Bergwerk . Hamburg - Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Laurahiltte...... Nordd. Lloyd..... Oberschles. Eisen-Industrie Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: rnhi" . . 214.80 . . 248.10 . . 36.20 . . 127.20 . 244.70 . 127.70 4% 4% 3% 3% Reichsanleihe do. Konsols . . do. . . Hessen . . . Oberhessen Ungar. Goldrente . . Italien. Rente . . . Portugiesen Serie I . Aktien Bochum Guss . . . Buderus E. W . . Tendenz: fest. Telefonische Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank ftlr und Industrie. Glessen. . 36 40 . 145.20 . 145.00 3% 3% 3 ya°/f 3%°/, 4%°/'o rnss.Staatsanl. 1905 4y°'n japan. Staatsanleihe 1 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose...... 4% Griech. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier . 3°/n Mexikaner . . . 4%°!0 Chinesen . . . . 99.40 99.95 94.85 102.80 69.75 70.60 85.30 93.45 94.70 144.80 54 00 88.80 68.50 97.20 „Gieß. Änz.".) Amtliche Notierungen der heutigen V i e b m a r k t- vreife. Zum Verkaufe standen: 15 Ochsen, 0 aus Oesterreich 1 Bullen, 0 aus Oesterreich, 76 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, . 86.55 . 98.40 . 86 55 . 97.90 4°/o reichsmündelsichere bis 1913 tm- verlosbare und unkündbare Pfandbriefe und Communal-Obligationen der Hessischen Landes - Hypothekenbank in Darmstadt. Anmeldungen auf diese neuen Emissionspapiere — deren Zinsen vom hessischen Staate garantiert sind — nimmt die Rank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank) Depositenkasse Giessen von heute bis zum 9. Oktober d. J. zum Course von Sandel nnd Verkehr, Volkswirtschaft. Die Buderusschen Eisenwerke, Wetzlar, schreiben lins: Die in der außerordentlichen Hauptversammlung vom 9. Juni d. Is. wegen Ankauf der F ü r st l i ch Solms- Braunselsschen Gruben gefaßten Beschlüsse sind hinfällig geworden, weil die Firma Kruvp das Höch st angebot mit Mk. 6 0 0 0 0 0 0 abgegeben hat, während unser Angebot M k. 5 7 50 000 betrug. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Firma auch von dem Obervormundschastsqericht nunmehr den Zuschlag erhalten. Für diesen Fall ist zwischen der genannten Firma und uns (wie wir bereits kurz erwähnten. D. Red.), ein Vertrag getätigt worden, nach welchem die Firma Kruvp uns auf die Dauer von zehn Fahren jährlich 25 000 t Roteisenstein aus den bisherigen Fürstlich Braunielsschen ßlntben liefert. Mit anderen Firmen haben wir Er^lieserungsverträge für eine längere Dauer bereits getätigt; zum Teil schweben noch solche Verhandlungen. Mit Rücksicht auf die veränderten Verhältnifie auf dem Eisensteinmarkt gewinnt unser eigener ausgedehnter Gnibenbesih eine erhöhte Be- deutlmg, und es sind von uns inzwischen schon alle Anordnungen getroffen, um die eigene Eisensteinförderung nach und nach zu steigern. Hiernach darf angenommen werden, daß unser Erzbedari in seinem jetzigen Umfange für die nächsten Jahre volle Deckung findet. Zurzeit sind alle Betriebe so lebhaft beschäftigt, daß es nicht immer möglich ist, allen Anforderungen pünktlich nachzukommen. Wenn auch die Steigerung der Koks- und E r z p r e i s e und die fortgesetzte Erhöhung derArbeits- löhne die Gewinnungskosten verteuern, so hoffen wir doch aus einen guten Abschluß für das laufende Jahr. Dresdener Bank. In der Generalverfanunlnng wurde die Erhöhung des Grundkapitals um 20 Millionen Mark aus 180 Millionen Mark debattelos genehmigt. Tie neuen Aktien, die vom 1. Januar 1907 ab dividendenberechtigt sind, wurden zn 136,5 Prozent von einem Konsortium übernommen und werden den alten Aktionären zn 142 Prozent angeboten. Vom Vorfitzenden wurde mitgeteilt, daß sich die Effekten- und Konsortionalbestände trotz Zunahme der Beteiligung an fest verzinslichen Werten im laufenden Jahre vermindert hätten. Die bisherigen Gewinn- ergebnisse seien dnrchans zufriedenstellend, und die Direktion glaube, die gleiche Dividende wie im Vorjahre (damals 8,5 Prozent) verteilen zu können. Auch bei einem Rückgang der industriellen preußisch en Staatsarchiv ist al? Nachfolger de? verstorbenen Geheimrat? Dr. Sattler der bisherige Geh. StaatS- Arck'var Dr. Paul Bail len ernannt worden. Berlin, 27. Sevt. Die Fraae. in welcher Weile eine Aenderung in der Wahl der Offiziere des Beur- l a u h t e n st a n d e s bewirkt werden soll, wird im Kriegsministerium einaehend erörtert und die Gcneral-Koinmandeure find zu ?Ieußerunaen und Vorlchlägen darüber aulgelordert worden. Eine Entscheidung in dieser Angelegenheit dürste erst in einigen Monaten zu erwarten sein. Stettin, 27. Sevt. Gegen hundert Schüler Stettins und des Vorortes Pammerensdors rotteten sich zusammen und kämpften mit Knütteln und mit Mestern. Einer schoß einem Kameraden mit einem Revolver ins Gesicht und verletzte ihn schwer. Tie Polizei verhaftete eine große Anzahl der Beteiligten. V e t e r s b u r a , 27. Sept. Der M i n i st e r r a t arbeitet mit Volldamvf an der Ausarbeitung der Wahltaktik. Wöchentlich werden vier, statt sonst zwei, Sitzungen abgebalten. Das größte Gewicht wird aus die Reglementierung der Wahlversammlungen gelegt. Es wird gevlant, den Zutritt zu diesen nur Wahlberechtigten in dem betreffenden Bezirke zu gestatten, um jeden fremden Einstuß fernzuhalten. In den unruhigen Gegenden werden die Wahlen voraussichtlich erst sväter, vielleicht erst nach Zulammen- tritt der Dtima, stattsinden. Au der nächsten Sitzung wird Durnowa teilnehmen. Moskau, 27. Sevt. Ein nut gekleideter Mann überreichte gestern dem Reviervorsteber P i u s s e w i t s ch eine vergiftete Birne. Pfussewitsch gß die Birne und ist schwer erkrankt. Havanna, 26. Sevt. In einer Versammlung von Mitgliedern der kubanischen Legislatur, die zu der Moderatenvartei, der Partei des Präsidenten Palma, gehören, wurde die H a l t u n g der Vereinigten Staaten scharf verurteilt Mehrere Redner befürworteten einen Avpell Kubas an die Großmächte: andere regten an, das amerikanische Eigentum durch D n n a m i t z u zerstören. Konjunktur fei. für das erhöhte Kapital durch die Ausdehnung Filialsystems-Verbindungen eine nutzbringende Beschäftigung sichert. Märkte. le. F r a n k f u r t a. M., 27. Sept. (Telegr. Orig.-Bericht Gericht-saal. (d.l Mainz, 26. Setzt. Schwurgericht. In der heutigen Sitzung wurde gegen den 32 jnfr-inen Fuhrmann Johann Krämer aus Worms wegen Totschlags verhandelt. Der Angeklagte ist 21 mal vorbestraft. Im Mai kam er aus dem hieiiaen Gefängnis, er trat bei einem Fuhrunternehmer in Worms in Arbeit. Am 6. Juli verließ er die Arbeit, am darausfolgenden Samstag erhob er seinen Wochenlohn. Nachdem er 4—5 Glas Bier getrunken, besuchte er die Wirtschaft seines Bruders in der Nömerstraße. Als er dort gegen 1 lUhr zu singen begann, untersagte ihm dies sein Bruder, auch verweigerte er ihm die Verabfolgung weiteren Bieres. Der Mgestaate geriet nun mit seinem Bruder in einen kurzen Distzut. in dessen Verlaus er ihm ein Bierglas gegen die Schläfe schlug. Der in der Wirtschaft mit seinem Mädchen weilende Sackträger Ludwig Jäger wollte den Wirt, bei dem er ivohnte, vor weiteren Tätlichkeiten seines Bruders schützen, er faßte den Angeklagten von hinten und warf ihn zu Boden. Hierauf wurde der Angeklagte von Jäger zum Lokal hinausbefördert und draußen von dem letzteren nochmals zu Boden geworfen. Der Angeklagte rief nun dem Jäger und seinem Bruder zu, daß er ihnen heute noch den Hals abschneiden werde. Der Angeklagte begab sich hierauf nach der Jndengasse in die Wohnung von Jägers Bruder, woselbst er in Kost war und nahm ein auf dem Tische liegendes großes Brotmesser mit feststehendem Griff. Das Messer verbarg er in seinem Rockärmel und begab sich dann wieder vor die Wirtschaft seines Bruders. Ludwig Jäger wollte nun das Lokal verlassen, um sein Mädchen nach Hanse zu begleiten. Der Wirt Krämer gab Jäger, da er die Gefährlichkeit seines Bruders kannte, einen Farrenschwanz zu seinem Schutze mit. Kaum hatte der Jäger die Treppe zum Wirtslokal verlassen, als auch schon der Angeklagte auf ihn zustürzte. Jäger erhob den Farrenschwanz, in demselben Moment hatte er von dem Angeklagten auch schon einen wuchtigen Stich in die rechte Halsseite erhalten. Ter auf den Tod Verletzte rief hierauf seinem Mädchen zu: „Babett, er hat mich erstochen, ich sterbe vor Deinen Augen!" Jäger wurde sofort ins städtische Hospital verbracht und wurde eine Operation an ihm vorgenommen, er starb aber alsbald. Die Geschworenen bejahten die Fragen des Totschlags und der schweren Körperverletzung unter Ausschluß mildernder Umstände. Das Gerich verurteilte den Angeklagten zu 7 Jahren 1 M " n " t Z n cfrtfrnna und Ehrverlust. den 29. September bleiben unsere Geschäftslokalitäten bis 7 Uhr abends geschloffen. Springmann's Schuhivarenhaus Gießen, Bahnhofstraße 38. Eigene Geschäfte: Aschaffenburg — Bad-Kisfingeu — Würzburg. a”/, Neu-Eröffnung: Aschaffenburg. Schuhwarenhaus größeren Stils. In dem Konkurse über den Nachlaß der Konrad Wissig Eheleute von Lich soll die Schlußverteilung stattfinden. Die verfügbare Masse beträgt 471 Mark 87 Pfg.; zu berücksichtigen sind 1 Mk. 73 Pfg. bevorrechtigte und 763 Mk. 30 Pfg. nicht bevorrechtigte Forderungen. Das Verzeichnis der zu berücksichtigenden Forderungen kann in der Gerichts- schreiberei Großh. Amtsgericht Lich eingesehen werden. Lich. den 25. Sept. 1906. 5858 Der Konkursverwalter ________Karl Vogt._____ Am 2. Oktober l.JS. werden von der Bahnmeisterei 2 Gießen ca. 170 alte, unbrauchbare, tzöl- zerneBahnschwctten meistbietend versteigert. Ansang 7Uhr30vorm. auf Haltepunkt Äirchgöno. [B"/» Großh. Belr.-Fnsp. 1 Gießen. Prima 5864 SchstifisGhe in feinster frischer Ware treffen ein bei ChristianWallenfels 17 Marktplatz 17 Telephon 262. Gegründet 1826. Kieler Bücklinge- ger. Schellfische mar. Heringe rc. re. empfiehlt 5867 J. M. Schulhof. Braunschweiger Blutwurst 5854 per Pfd. 60 Pfg. ________I Mtftinhäfispr. Leb. Backfische lebende Spiegelkarpfen empfiehlt 5863 I. M. Schulhof. Ziistoich MviltWs,Mitti».u.FttitllB von 1) Uhr ab Friedrich föoil ____________Hofbäcker._______[4054 Vorzügliche Orientierung über Mok-Niihkite« bietet das neueste Favorit-Moben- album, nur 60 Pfennig, Jugend- Modenalbum nur 40 Pfg. bei Alex. 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