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Bei einem Schaf und einem Hammel der Fürstlichen Gutsverwaltung zu Kolnhausen bei Lich ist Rauschbrand festgestellt und Sperre verhängt worden. Gießen, den 23. Juli 1906. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. 23.: Dr. Wörn er. - ■ Kaiser Wilhelm in Aalesrmd. Aalesund, 25. Juli. Der Deutsche Kaiser ist heute vor Aalesund eingetroffen. Er wurde durch den Bürgermeister, die Stadtbehörden, den Pfarrer und den deutschen Konsul begrüßt. Der Vorsitzende des Stadtrates hielt eine Ansprache, in der er der unauslöschlichen Dankbarkeit der Stadt für die Hilfe, die der Kaiser der durch. Brau dun glück vor 21/., Jahren so schwer geschädigten Bevölkerung zuteil werden ließ, Ausdruck gab und mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. .. , „ e Der Kaiser dankte für den :hm beredeten Empfang und für die freundliche Ansprache. Es sei ihm Herzens- bedürfnis, auLzusprechen, wie lieb ihm Norwegen sei, an besten gastlichen Gestaden er alljährlich Ruhe und Erholung von der Last der Arbeit fände. Schon bei seinem Besuche vor zwei Jahren habe er den Eindruck gewonnen, daß die Bevölkerung Aalesunds in festem Gottoertrauen und froher Zuversicht in die Zukunft sich in angestrengter Arbeit und mit Anspannrmg aller Kräfte an den Wiederaufbau der Stadt machen werde. Hierin habe er sich nicht getauscht, denn in der kurzen Frist von zwei Jahren sei die Stadt aus der Asche neu erstanden. In Norwegen fühle er sich als Gast des Königs Haakon, welchem die Bevölkerung Aalesunds vor kurzem ihre Huldigungen hätte darbringen können und der es an väterlicher Fürsorge für die Stadt niemals fehlen lasten werde. Der Kaiser schloß mit einem dreifachen Hurra auf König Haakon. Alsdann wurde eine Rundfahrt durch die neuen Teile -er Stadt unternommen und nach einstündigem Aufenthalt die Reise nach dem Geiranger-Fjord fortgesetzt. Politische Lage-scharr. Die „Auslaodstruppe". Nachdem der Große Generalstab auf Grund der Erfahrungen im südwesttafrikanischen Feldzug zu dec Ueberzeugung gekommen ist, die Bildung einer stehenden Kolonialtruppe sei unumgänglich, dürfte schon für bie nächste Session mit einer entsprechenden Vorlage an den Reichstag zu rechnen sein. Das Berliner Organ der Zentrumspartei, die ,Germania-, bezeichnet als wünschenswert, daß im Rahmen des bestehenden Militäretats etwa zwei Reiterregimenter als Kolonialtruppe ausgebildet werden. Von einer derartigen „Schwächung- der Armee wollen nun aber die Äerufsmilitärs nichts wissen, sie fordern die Errichtung einer besonderen „Auslandstruppe", die aus Dreijährig-Freiwilligen zu bilden, in der Heimat zu stationieren und im Falle eines europäischen Krieges — bei ruhigen Zuständen in den Kolonien — zur Küstenverteibigung heranzuziehen -fein würde. Es bedarf keines besonderen Scharfsinnes, um sich darüber klar zu werden, daß sich die Regienmg zu einer Aenderung der bestehenden Heeresformation, d. h. zu einer Umwandlung von Reiterregimentern in eine Kolvnialbrigade, nicht verstehen wird. Denn sie erachtet bas, was ihr der Reichstag an Kavallerie bewilligte, knapp für ausreichend, um der Reiterwaffe in der Organisation der 'Armee die erforderliche Geltung zu verschaffen. Sie wirb also nicht ein einziges Kavallerie-Regiment entbehren wollen. Die „Auslandstruppe- dürfte danach durch Spezialg-setz vom Reichstag gefordert und als besondere Formation gebildet werben. Laut telegraphischen Meldungen aus Windhuk wurde aus einem Patrouillenritt bei Garunarub am 21. Juli der LeutnantBlock von der 4. Kolonne-Abteilung durch einen Bauch stich schwer verwundet. Der Reiter Voß derselben Patrouille fiel. Er hatte gleichzeitig Kopf-, Hals- und Brpst- wunden erhalten. * Nationale Würdelosigkeit. Während der Engländer sich im Verkehr mit dem Auslände rücksichtslos seiner Muttersprache bedient, sind die Deutschen in dieser Hinsicht von einer Zuvorkommen- Heit, die sehr oft an nationale Würdelosigkeit grenzt, ja eS in manchen Fällen auch tatsächlich ist. Was soll man beispielsweise dazu sagen, wenn reichsdeutsche Firmen nach B>öhmen tschechische, rmd nach Ungarn magyarische Offerten richten? Aber dem Kaufmannsstande, bet hart mit der Konkurrenz zu ringen hat, kann man solche Entgleisungen weniger zum Vorwurfe machen, als den anderen Ständen, die eS wahrlich nicht notwendig haben, ihre deutsche Muttersprache zu verleugnen. So wurde neulich in London der 7. internationale Architektentag eröffnet. Jede Delegation erwählte einen Sprecher, der den Kongreß im Namen seines Vaterlandes begrüßte. Diese Ansprachen durften nur deutsch, englisch, französisch und italienisch gehalten werden. Während der österreichisch-ungarische (1) Vertreter sich der deutschen Sprache bediente, hielt der deutsche Herr H. MnthesiuL seine Begrüßungsrede in englischer Sprache! Man sollte eS nicht für möglich halten, daß ein Deutscher so wenig Nationalbewußtsein haben kann! Wenn er mit seinem schlechten Englisch (sein in Aussprache und Satzkonstruktion schauderhaft unenglifcher Speach erregte verhaltene Heiterkeit unter den Engländern der Versammlung) vor einem ausschließlich aus Britten bestehenden Publikum paradiert hätte, so könnte man dagegen nichts einzuwenden haben, aber in einer international bunt gemischten Gesellschaft nicht in seiner Muttersprache eine offizielle Rede zu halten, das ist wirklich ein starkes Stück nationaler Würdelosigkeit. Was werden sich die Repräsentanten der anderen Staaten von einem solchen Deutschen wohl gedacht haben? Nicht zuletzt ist eS auch unsere Lauheit in nationalen Dingen, die viel dazu beigetragen hat, daß das Deutsche Reich in seiner auswärtigen Politik bei weitem nicht mehr mit jener Lichtung behandelt wird, wie zu Bismarcks Zeiten! * * „Ballinleben". Neuerdings finden wir in einem Blatte mit Bezug auf eine vom Direktor der HanGurg-Amerika-Linie, Ballin, ausgegebene Dienstanweisung folgende Bemerkungen: „S e i n e M a j e st a t Herr Ballinleben. Herr Albert Ballin ist der Freund Wilhelm II. Er gebietet vielen Tausenden, die jedem Wink von ihm — wenn sie ihm nicht gerade mal nebenbei einen Strich durch die Rechnmrg machen — gehorchen. Er ist Großadmiral der größten Handelsflotte der Welt. Fürsten sind seine Gaste und der Deutsche liaiser fahrt ihn auf einer Pinasse höchsteigenpersönltch nach einem Besuche auf der Kaiser-Jacht an Bord seines Schiffes zurück. Was Wiinder, wenn der kleine Jude mit der ordenbesäten Brust schließlich selbst die Allüren eines „Angestammteir" sich aneignet, und wenn er reift wie ein echter Gottesgnadenmann." Und wo stand dies zu lesen? Natürlich in der „VolkS- zvacht", so antwortet man. Sehr richtig, aber nicht in dem Friedberger, unfreiwilligen Witzblättchen der Herren Hirschel, Wolff 2c., sondern in der Breslauer sozialdemokratischen „Volksmacht-! Die Wahlreform m Oesterreich. Der Wahlreformausschuß hat jetzt erfreulicherweise die gefährliche Klippe der Mandatsverteilung für Böhmen umschifft, ohne daß es ztt der drohenden Mmisterkrisis gekommen wäre, und so dürste denn das schwierige Werk einer auf breiterer Basis als bisher aufgebauten Wahlreform für Oesterreich soweit vollendet sein, daß da§ Plenum des Abgeordnetenhauses nur Ja und Amen zu sagen braucht. Denn in Oesterreich wird bekanntlich die innere Politik stets hinter den Kulissen gemacht, und wenn eine Vorlage vor da§ Hans selbst kommt, so weiß man schon ziemlich genau, wer dafür und wer dagegen votieren wird. ES dürfte also jetzt nicht uninteressant fein, ein ungefähres Bild von den Veränderungen zu geben, welche die Wahlreform im österreichischen Abgeordnetenhause Hervorrufen wird. Gegenwärtig zählt der Neichsrat 425 Mitglieder, im neuen Hause wird er 516 umfassen. Jetzt sitzen im Parlamente 202 Deutsche, 88 Tschechen, 73 Polen, 16 Slovenen, 19 Italiener, 10 Nuthenen, 5 Rumänen und 12 Kroaten; im neuen Hause dagegen werden die einzelnen Nationalitäten stark sein: ca. 230 Deutsche, 109 Tschechen, 82 Polen, 25 Slovenen, 19 Italiener, 33 Nuthenen, 5 Rumänen und 13 Kroaten. Demnach hat sich die Zahl der derttschen Mandate um 28, der tschechischen um 21, der polnischen uni 9, der slooenischen um 9, der ruthenischen um 23 und der kroatischen um 1 erhöht. Mithin beträgt also die Erhöhung der slavischen Mandate überhaupt 63, die der deutschen im ganzen nur 28! Dieses Verhältnis verbessert sich jedoch dadurch, daß die von der polnischen Schlachta durch Jahrhunderte unterdrückten Nuthenen mit ihren Sympathien weit mehr aus Seite, der Deutschen als der Slaven stehen; allerdings kommt dagegen wieder in Betracht, daß die Sozialdemokratie, welche im alten Hause kaum ein Dutzend Mandate besitzt, im neuen mindestens doppelt so viel haben wird, und zwar wird diese Vermehrung zun: größten Teile leider auf Kosten deS nationalen Besitzstandes der Deutschen geschehen, denn bei den Tschechen hat sich die nationalsoziale Arbeiterpartei, die durch die radikalen Heißsporne Klovak, Fresl und Genoffen repräsentiert, wird als ein überaus wirksamer Damm gegen die rote Internationale erwiesen. Russische NeruhigungsnachrichLen. „Der Zar sieht außergewöhnlich frisch und munter ans. Die Auflösung der Duma erregt in ihm keinerlei Besorgnisse." So hat ein vom Zaren- hof kommender Gewährsmann einem Petersburger Korrespondenten versichert. Da die russische Negierlmg eine so starke Zuversicht zur Schau trägt, daß die „Niesen des Gedankens" mit dem Volksumvillen ohne große Mühe fertig werden, so mag eS schon so sein, daß Nikolaus II. eine heitere und siegesgewisse Miene zeigt. Die russische Telegraphenagentur entsendet eine beruhigende Nachricht nach der andern in die Welt. Kaum irgendivo wird die Nahe ernstlich gestört, und wo sich der Versuch einer Bewegung regt, da entfalten die Behörden sofort eine nachdrückliche Tätigkeit. So wird heute offiziös aus Petersburg gemeldet: In den Arbeitervierteln her-rscht Ruhe. In einer großen Versammlung von Arbeitern der Pudikowschen Fabriken gelang es nach erregten Debatten den gemäßigten Elementen, den Heiß- fvornen von der Neranftaltung eines allgemeinen Aufstandes abjuraten. Andere Versammlungen verliefen gleich- allL ruhig. Die Tendenz, eine a b roa r t e n de Po litit zu befolgen, ist vorherrschend. Vertreter der äußersten Linken sprachen sich m dem Sinne aus, daß ein Ausstand gegenwärtig ii ich t zweckmäßig sei. Tie Zahl der sämtlichen Ausständigen in Petersburg beläßt auf 7000. Das Zentral-Ai.sstandSkomUee hat an alle Fabriken eine Bekanntmachung versandt, daß es notwendig sei, sich deS p o l i t i s ch e n A u sstandeS zu e n t- halten. Eine ähnliche Bekanntmachung wird auch den Eisenbahnerverbänden zugestellt werden. Ju diese Kategorie fällt auch die heutige Moskauer Meldung der offiziösen „Peterb. Telegr.-Ag.-, eine Konferenz von Angehörigen der extremen Parteren habe sich gegen den Streik ausgesprochen. Elgentümttch berührt nn Vergleich damit die Meldung desselben offiziösen Bureaus,, daß in Moskau zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden. ES verlaute, „die revolutionäre Organisation sei völlig vernichtet. Die Führer der Organisation im Heere sind verhaftet. Die Werkstätte, in der die Bomben hergestellt wurden, ist entdeckt.- Man muß sich erinnern, daß noch vor der Auflösung der Duma in Moskau von einem außerordentlich stark beuchten Kongreß mit überwältigender Mehrheit der allgemeine Ausstand zum Beschluß erhoben worden ist. ES ist klar, daß der Generalstreik nicht von einem Tag zum andern sich ins Werk setzen läßt, ober daß er kommt, ist jedenfalls wahr- cheinlicher, als daß er unterbleibt. Die russische Regierung hat gegenwärtig ein besonderes Interesse daran, Beruhigungstelegramme zu verschicken, um den Kurs der russischen Werte nicht ins Bodenlose fallen zu kaffen. Die Börse glaubt denn auch, waS sie wünscht, und begrüßt jede neue hoffnungsvolle und schönfärbende Depesche mit Genugtuung. In Berlin kam — wie man uns von dort schreibt — die Beunruhigung auf der Börse am Mittwoch anfangs umsomehr zur Geltung, als die befürchteten Provinzverkäuse für Ruffen nicht eintrafen — im Gegenteil, es kamen Kaufaufträge für Prioritäten und 4V2 Prozent. Anleihen. Das Geschäft war zum Teil recht lebhaft, nur die Spekulation zeigte einige Zurückhaltung. Banken waren etwas^ höher, Russische Bank stieg 2 Proz. Wir möchten davor warnen, den so rasch prücfge» ’ kehrten Optimismus zu teilen. Von einer Beruhigung isi Rußland vielleicht mehr denn je entfernt. Es ist*undenkbar, daß die Auflösung der Duma spurlos oorübergehen wird. Für Oktober sagen die aus London abgereisten Duma-Mit- glieder eine Revolution unter Beteiligung deS Heeres und der Flotte voraus. DaS ist wohl nicht zu kühn prophezeit. , Die Ereignisse und ihre Konsequenzen scheinen einem Manne Recht zu geben, der wegen seiner öffentlich bekundeten pessimistischen Beurteilung der Zukunft Rußlands lebhaft angegriffen wurde: dem Negierungsrat Martin. Im Einklang mit seiner Prophezeiung steht der andauernde Kursrückgang der russischen Staatsrente von 1902, die sich an der Berliner Börse bereits auf den Satz von 70 pCt. herunterentwickelt hat. Martin ist nun der Meinung, daß der eigentliche Tiefstand damit noch keineswegs erreicht ist; er sagt einen bis Ende nächsten Jahres zu gewärtigenden weiteren Kursverlüst von 20 pCt. voraus und steht nicht an, in einem in der Wiener „N. Fr. Pr.- veröffentlichten Artikel eS als sicher zu bezeichnen, daß Rußland in etwa drei Jahren gezwungen sein werde, die Zinszahlung ganz ein* zu stellen. An eine so weitgehende Zerrüttung der russischen Staats» sinanzen glauben wir denn doch nicht, schon aus dem Grunde nicht, weil die internationale Hochfinanz es dahin nicht kommen lassen kann. Frankreich, das Land der Rentner, wäre dem Ruin nahegebracht, wenn die Zinsscheine der russischen Fonds nicht mehr eingelöst würden, und das zu verhüten, würde nicht nur die französische, sondern auch die englische Finanzwelt sicherlich die energischsten Anstrengungen machen, denn England kann nicht ein volkswirtschaftlich aktionsunfähiges Frankreich in seine politischen Berechnungen einstellen. Martin übersieht wohl auch das russische KriegSentschädigungS* guthaben von 500 Millionen gegenüber der Türkei. An dessen Rückzahlung durch die ständig in Geldnöten befindliche Pforte ist freilich kaum zu denken, aber einer Beleihung dieses Guthabens steht zu keiner Zett irgend etwas im Wege, und die derart flüssig zu machenden Millionen dürften hinreichen, die Zinszahlung ter russischen Anleihen auf Jahre hinaus sicherzustellen. Martin greift also wohl fehl zum mindesten in seiner Geneigtheit, das mit Naturschätzen gesegnete Niesenreich in seiner staatswirtschaftlichen Entwicklung mit Griechenland und Portugal auf eine Stufe zu stellen. Die Gerüchte, daß die preußische Seehandlung es ablehne, für die Folge russische Werte als Unterlage gegen Lombard anzunehmen, haben außerordentliche Aufregung in interessierten Kreisen verursacht. Wiederholt mußten diese Gerüchte dementiert werden, auch durch das offiziöse Wolff'sche Depeschenbureau. Die Ursache der Nachricht tarn daher, daß die Seehandlung recht bebeutenbe Beträge der verschiedensten russischen Wertpapiere als Lombard-Unterpfand besitzt und diesen Besitz in so kritischer Zeit nicht noch weiter ausdehnen wollte. Sie gab ihrem ßombarboerniittler die Weisung, bei weiteren Abschlüssen in Lombarddarlehen die fernere Annahme russischer Wertpapiere nach Möglichkeit zu vermeiden. Dec Vermittler mag nun wahrscheinlich gesagt haben, die See- Handlung lombardiere Nuffen nicht mehr und wer weiß, wie überaus schnell derartige Nachrichten ihren Weg durch alle Jntereffentenkreise machen, unter Umständen dazu noch auf- gebauscht werden, dem ist das Entstehen des Gerüchts nicht unbegreiflich. Anders aber a-lS die offiziösen lauten die privaten Meldungen. Da erfährt man: Der Petersburger StabettenHub wurde auf Befehl der Polizei geschlossen. Trotzdem hielten die Kadetten in verschiedenen Lokalen Teilvcrsammlungen ab. Die Eisenbahn- angestellten, Sozialisten, Revolutionäre und Bauern haben kn einer Versammlung Schritte beraten, um Mittel und! Wege zu finden, der jetzigen Lage ein Ende zu bereiten. Die Zeitungen werden meist beschlagnahmt und unter der Hand verkauft. In Petersburg wurden gegen hundert Verhaftungen vorgenommcn. Tw Arbeiter warten auf das Signal zum allgemeinen Ausstand, das bald gegeben werden durfte. Stolypin sucht mit den gemäßigten Parteien des Landes in Fühlung zu kommen und bot den liberalen Duma-Abgg. Graf Heyden und' Stachowitsch 2Kt- nsffterpvr tefeuilles ohne Resjprt an. Aübererseüs keiftet der neue Minister der Reaktion Vorschub" und läßt die mSSalcn Klubs gewaltsam schließen. Er veranlaßte auch, Laß ein riesiges Militäraufgebot nach Petersburg gezogen wwLe. Ein italienischer Korrespondent hlatte- eine Unterredung Wit einem Mitgliede der russischen Botschaft in Paris, ^welcher erklärte, der frühere Premierminister Witte sei Die Ur faefi c der jetzigen Zu st än d e. Hätte er seinerzeit einen größeren "Truck aus den Zaren auSgeübt, so würde .bte Duma nicht aufgelöst worden sein. Stolypin befürworte die Ernennung von Wahlagenten, die für die Neuwahlen gemäßigte Ideen in allen Teilen des Landes zu verbreiten -haben würden. Heber dieMeuterei im ^Regiment Brest-Litowsk!wrrd Noch gemeldet, daß die Truppen des Regiments Wladikaws- kas die Meuterer umzingelten und zur Niederlegung der Waffen zwangen. Meuterer haben den General Jwa- noff und andere Offiziere verletzt. Auch unter den Genietruppen haben Verhaftungen stattgefunden. In Warschau wurde am 25. Juli der Oberst Sa- kam at o w, der Gehilfe des Gendarmeriechefs, erdolcht. Die beiden Täter entkamen. In Lublin streiken die Arbeiter der Gasanstalt. Die ganze Stadt ist ohne .Beleuchtung. Des Abends hört jeder Verkehr auf. IN Lodz wurde der Lokalpresse verboten, irgend etwas über die Tätigkeit der Duma-Abgeordneten zu schreiben, unter der Drohung des völligen Verbots der Zeitungen und der Verhaftung ihrer Mitarbeiter. Auf preußischem Gebiete bei Laurahütte wurde ein Buchhalter aus dem poln. Städtchen Bendzin, der sich auf dem Wege zur Zollkammer in Galodz befand, von einem russischen Grenzposten ohne Veranlassung belästigt und als er floh, tot» geschossen. Ferner meldet man aus Warschau, daß große Un- narhen in Alexandrowrtsch in der Nähe der deutschen Grenze ausgebrochen sind. Der Pöbel tmrrde von meuternden Soldaten unterstützt und loyal gebliebene Truppen kämpften gegen beide. Viele wurden getötet und verwundet. Viele Einwohner flüchten nach der deutschen Grenze in der Absicht, Sicherheit auf deutschem 'Poden zu finden. • Die offiziöse „Petersb. Tel.-Ag." ist in der Lage, folgende Mitteilungen über die Gründe zu machen, die zu dem Entschlüsse führten, die Reichsduma nufzulösen: Vom ersten Tage ihres Bestehens an habe die Duma alle Grenzen des Gesetzes überschritten. In der Ant- wortadresse aus die Thronrede verlangte sie eine Abänderung der Grundgesetze durch die Forderung der Abschaffung eines ve'rant- wortlichen Kabinetts. Durch ihr auf die Expropriation des Landbesitzes gegründetes A g r a r p r o g r a m m habe sic unerfüllbare Hoffnungen erregt und die schon geringe Achtung vor fremden Eigentun) verringert. In ihren! Reden haben die Mitglieder der Duma beständig die Regierung diskreditiert, indem sie diese sogar der Veranstaltung von Jndenhetzen und Unruhen beschuldigten. Indem die Duma Delegierte nach Bjelostok entsandte, Hal sie offen danach gestrebt, sich die Macht der Exekutive anzumaßen. Viei-zehn Abgeordnete haben sich an das Volk gewandt und es zu Unruhen aus gefordert. Dieser Schritt hat feine Mißbilligung in der Reichsduma hervorgerufen. In den letzten Tagen ihres Bestehens hat die Duma dann erklärt, daß die Regierung ungesetzlich handle, indem sie der Bevölkerung die Natur des von der Duma vorgelegten Agrar- gesetzeMwurss auseinandersetzte. Die Duma hat bann den Beschluß gefaßt, sich mit einer Erklärung an das Volk zu wenden, in der sie dieses überredete, der Regierung in dieser Airgelegenheit keinen Glauben zu schenken und die Losung der Frage durch die Duma" abzuwarten. Schließlich haben mehrere Abgeordnete Aqitations- reisen in das Innere Rußlands unternonunen, und ihr Erscheinen hat eine Wiederzunahme von Unruhen, Judenhetzen und Ausständen zur^ Folge gehabt. Alle diese Gründe haben zu dem Entschluß geführt, die Duma ausznlösen. • Die „Nordd. Allgern. 3t g/ schreibt: Der „Vor- wärts" will in seinen beiden letzten Nummern den Jnter- ventions gerächten einen neuen Anhaltspunkt geben. Er behauptet, daß Deutschland oder Preußen an einem Abkommen beteiligt fei, durch welches die angeblich von dem Verlaufe der Dinge in Rußland zu gewärtigende Erstehung eines autonomen Polens verhindert werden solle. Damit nicht aus unferm Schweigen falsche Schlüsse gezogen werden, stellen wir hiermit fest, daß eine derartige Abmachung zwischen Deutschland oder Preußen einerseits und Rußland oder Oesterreich-Ungarn oder beiden Mächten andererseits nicht existiert. Im englischen Unterhaus richtete der konservative Abg. Turnour an die Regierung die Anfiage, ob sie der russischen Regierung ihre guten Dienste anbieten wolle zur Neubildung der Duma. Der Premierminister erwiderte, er wisse nicht, ob Turnour im Ernste Beantwortung seiner Frage wünsche. Seine Antwort auf die Anfrage sei verneinend. Im weiteren Verlaufe der Sitzung erwiderte Unterstaatssekretär Runciman auf eine An- frage, daß die Regierung Grund habe zu glauben, daß sich auf den Alandinseln nunmehr russische Truppenteile befänden. Anstand. 25. Juli. Laut „Daily Telegraph" werden pW lne Kriegsmarine 50 Unterseeboote, 135 Fuß lang, •an ' breit mit 15 Knoten Fahrgeschwindigkeit gebaut, en, 25. Jütt. Wie verlautet, steht ein Pairsfchub bevor. Für den verstorbenen Ferdinand v. Saar soll Peter ’ 0 Herrenhaus berufen werden. £T c o, 2'^Iüli. Die nativistische Bewegung nimmt hrer bedenklichen Charakter an. Alle Auslän der würden brrefM aufgefordert, vor beut 16. September das « verlassen, weil die Republik der , h d)aft des ausländischen Kapitals' ent - rWi?-.r.n Präsident Diaz berief die Gouverneure sanglicher Provrnzen in die Hauptstadt. Die Regierung benJ!£etnben Een in zivilisierten Staaten üblichen Schutz gewahren. 5 a 3m Schlosse Het Loo liefen ^^bschen auslandiicher Fürstlichkeiten ein, unter denen au sh erzliche Depesche Kaiser Mr^lrns befand in der dieser seine Teilnahme an dem herben Geichrck ausdrückt. Auch die interparla- Mentaryche Frredenskonferenz in London bekundete ihre ^mpatl/ie mit !wv Königin. Das Staatsministerium be- Moß aus Grund des ärztlichen Befundes die sofortige .Regelung der Thr on folge herbeizuführen. ^om, 25. ^uli. Von der „Tribuna" veröffentlichte hrstomiche Remnnszenzen aus dem Jahre 1869 beschäftigen die gesamte Presse. Heute rechtfertigt sich Visconti Venosta gegeit den Vorwurf, als habe er bei den Verhandlungen übev bett' antiprenßiischen Dreib'und von 1869 die Hand im Spiele gehabt. ^Der Redakteur, Graf Nigra, habe ihm selbst bestätigt,?-die ^antipreußische "Allianz sei lediglich an der Drvhnng! des Zaren, sich eventuell zu Preußen zu schlagen, gescheitert. Tientsin, 25. Juli. Nach einem gilt begründeten Gerücht, wird der Zopf beim Militär und bei der Polizei noch vor den Herbstmanövern abgeschafft werden. Die chinesischen Zeitungen berichten, daß ein Verbot des Fußbindens bevorstehe. Airche unfc Schule. Dortmund, 26. Juli. Das Presbyterium der Rei- noldi-Gemeinde beschloß, an der Wahl des nicht bestätigten liberalen Pfarrers Cesar fest zuhalten und wegen der Nichtbestätigung den Beschwerdeweg zu beschreiten. Aus StaSt uns Lau». Gießen, den 26. Juli. *♦ Personalien. S K. H. der Grotzherzog haben den Rabbiner Dr. David Selo er in Darmstadt unter Anerkennung seiner ersprießlichen Dienste in den Ruhestand versetzt. — Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Ludw. Klingel Höfer au§ Gießen eine Lehrerstelle an der Gemeindcschule zu Staden. — Ernannt wurde der frühere Bezirksfeldwebel Martin Hassel in Mainz zum Hilfsgerichtsschreiber bei den Untersuchungsrichtern am Landgericht der Provinz Rheinhessen. " Militärpersonalien, v. Bonin, Oberlt. z. D. und Bezirksoffizier beim Landw.-Bezirk Gießen (Alsfeld) der Charakter als Rittm. verliehen. Wende, Lt. in der 2. Ers.- Batt. (2. Feldart.-Abteil.) scheidet aus der Schutztruppe für Südwestafrika aus und wird im 2. Pomm. Feldart.-Regt. Nr. 17 angcstellt. Hauptmann, Lt. im 4. Großh. Hesi. Jnf.-Regt. (Prinz Karl) Nr. 118, zu den Res.-Offizieren des Rgts. übergeführt. v. Blum en st ein, Major, aggreg. dem Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Groß. Hesi.) Nr. 117, der Abschied m. P. bewilligt mit der Erlaubnis zum Tragen der Rgts.-Uniform. Roethig, Hauptm. und Komp.-Chef im 5. Großh. Hesi. Jnf.-Regt. Nr. 168, mit Pension aus- geschieden. "Landesuniversität. S. K. H. der Großherzog haben den außerordentlichen Profesior bei der philosophischen Fakultät der Landesuniversität, Dr. Friedr. Schwally in Gießen, zum ordentlichen Professor in dieser Fakultät mit Wirkung vom 1. August 1906 an ernannt. " Prof. Dr. Wünsch, Ordinarius der klassischen Phllologie an der Landes-Universität, hat aus dein preußischen Kultusministerium die ehrenvolle Anfrage erhalten, ob er bereit wäre, in den preußischen UniversitätSdienst überzutreten. " Ein Tuberkulose-Museum wird am Sonntag, 29. Juli in den Räumen der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe zu Darmstadt, von der Landesversicherungsanstalt Großh. Hesien eröffnet werden. Das Museum ist an Werktagen von 11—121/, Uhr und an Sonntagen von 11—1 Uhr geöffnet. Die Ausstellung soll später in allen größeren Orten Hesiens als Wander-Museum zur Schau kommen. ** Die hessischen Feldschützen, die ein Jahresgehalt von 700—800 Mk. beziehen, ohne pensionsberechtigt zu sein, wollen auf Veranlassung der Feldschützen des Kreises Groß-Gerau beim Landtage vorstellig werben, damit ihr Einkommensverhaltnis verbessert werde. Jetzt gibt es z. B. Leute von 30 Dienstjahren mit 725 Mk. Jahreseinkommen, ohne Aussicht auf ein Ruhegehalt. "Das Kaiser-Kornett-Quartett aus Berlin, das durch Profesior Koslek, dem Nestor der heutigen Trompeterkunst, begründet wurde, konzertiert am Mittwoch, 1. August in Steins Saalbau. Die Künstler verfügen über prachtvolle, au5 Silber gefertigte Instrumente, die in ihrer Zusammensetzung als Sopran-, Alt-, Tenor- und Baßkornett eine völlig homogene Tonbildung aufweisen, so daß man ein einziges Instrument zu hören glaubt. Den Intentionen des Kaisers folgend, hat sich das Quartett die Aufgabe gestellt, ganz besonders das Volkslied zu pflegen. Daß die vier Herren auf diesem Gebiete geradezu Muster- giltiges leisten, ist durch zahlreiche Kritiker anerkannt worden. " Vom Turnvereins-Jubiläum. Ein Hauptanziehungspunkt des vom 4.—6. August stattfindenden Festes wird das Musterriegenturnen sein, das für die Vereine des Gaues Hesien in Form eines Riegen-WetturnenS geplant ist. 38 Riegen haben sich dazu gemeldet, und zwar 32 von auswärtigen Vereinen, 2 vom Männerturnoerein Gießen und 4 von dem festgebenden Verein. Erfreulicherweise sind bei den Anmeldungen alle Geräte, sowie Freiübungen vertreten, sodaß sich dieser Teil der Festordnung recht abwechslungsreich gestalten wird. ES wird ein Schauturnen werden, wie es in dieser Ausdehnung seit dem mittel- rheinischen KrciSturnfest im Jahre 1895 nicht mehr stattfand. Ein Teil der Vorführungen findet auf der Bühne in der Festhalle statt, so z. B. das Turnen der Damenricge und die Stab- und Keulenübungen. An den allgemeinen Freiübungen werden sich 300—400 Turner beteiligen. — Liebhaber von Ansichtspostkarten wird die Mitteilung interessieren, daß eine originelle farbige Festpostkarte herauSgegeben wird; ihre Anfertigung und der Vertrieb wurde der Firma Ernst Jung, Papierhandlung, übertragen. X Großen-Linden, 25. Juli. Der vor kurzem hier gegründete Sängerbund „Wetterau-Lahngau^ hält nächsten Sonntag in Krofdorf einen Sängertag ab. fc. Friedb erg, 25. Jüli. Die Nachricht, daß bei dem Bundesfest des Bundes der Landwirte im Offenheimer Wäldchen am 22. d. M. ein vollständiges Gefährt gestohlen worden fei, bestätigt sich nicht. Der vermißte dunkle Wallach mit weißer Blesse und der gelbe Jügdwagen fand sich 5n der Frühe des 23. Jüli ^abseits vom Wege im hohen Getreidefeld unter einem breitästigen Apfelbaum vor. Der Eigentümer des Gefährts hatte, als! er sein Vehikel nicht an dem Platze, den er ihm angewiesen hatte, vorfand, die Polizei benachrichttgt, daß Roß und Wagen ihm gestohlen worden seien. -j- Au§ dem Kreise Alsfeld, 25; Juli. Die 84 Gemeinden unseres Kreises erheben im Rechnungsjahr 1906/07 ----- 570,000 Mk. an Gemeindesteuern. Davon erhebt Alsfeld 105,000 Mk. — 101 Prozent, Homberg a. Ohm 22,000 Mk. ---- 127,4 Prozent, Kirtorf 10,000 Mk. ----- 97,3 Prozent, Romrod 12,800 Mk. --- 130 Prozent, Zell 12,600 = 124,5 Prozent, Nieder-OhmeN' 12,200 Mk. ----- 98 Prozent,' Grö'ß? Felda 15,600 Mk. = 130 Prozent, Burg-Gemünden 8100 Mk. — 169 Prozent, Altenburg 10,000 Mk. — 110 Prozent und Nieder-Ofleiden 10,500 Mk. ----- 157 Prozent. Den höchsten Prozentsatz erheben Vockenrode — 221,5 Prozent, Ruhlkirchen — 220,7 Prozent, Ober-Ofleiden — 210 Prozent, Udenhausen — 209 Prozent, Höingen — 203,4 Prozent, Hainbach — 202,8 Prozent und Seibelsdorf — 202 Prozent Gemeindesteuer. sd. Darmstadt, 25. Juli. Heute nachmittag Tur# vor 3 Uhr wurde die Feuerwache nach der Großh. Hof- meierei in der Erbachersttaße gerufen, wo bei Ankunft des 1. Löschzuges eine Scheuer, die an die Straße stößt, in hellen Flammen stand. Der 2. Löschzug traf ebenfalls schnell ein, und es gelang den Bemühungen bet Wehr, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Die Scheuer, die etwa 2500 Zentner Heu, Stroh und Gerste enthalten hat, brannte völlig nieder. Das Feuer war in etwa li/» Stunden gelöscht. Der entstandene Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Man vermutet, daß der Brand durch Selbstentzündung frischen Heus entstanden ist. Die Aufräumungsarbeiten nahmen die Feuerwehr bis in die Abendstunden in Anspruch. fc. Darmstadt, 26. Jüli. Die 21jährige Frau des Negierungsbaumeisters Hofmann aus München beging gestern abend in ihrer Villa bei Nieder-Ramstadt Selbst- mord durch Erschießen. Vorher erschoß sie ihre zwei Kinder im Alter von 2 Jahren und 7 Monaten. Mainz, 25. Jüli. In einer gestern in Momb'ach unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Göttelmann ab- gehaltenen Sitzung der Eingemeindungskommission wurdew die von Mainz gestellten Bedingungen einsttmmig angenommen und der Termin für die Eingemeindung auf den 1. April 190 7 festgesetzt. — d^ach einer Vereinbarung der Brauereien werden dieselben für die Folge bei der Miete von Wirtslokalen keine bestimmten Mietpreise mehr mit den Hauseigentümern vereinbaren, sondern die Miete wird nach dem Konsum festgesetzt. Für je einen Hektoliter Bier, der in einem gemieteten Lokal verzapft wird, erhält der Hauseigentümer eine Mietsentschädigung von 4 Ma r k. Das Vorhandensein vieler unrentabler, mit hoh!er Miete belasteten Wirtslokale hat die Brauereien zu diesem Schritt veranlaßt. fc. Frankfurt a. M., 25. Jüli. In der Vorstandssitzung der „Vereinigten Landwirte von Frankfurt a. M. und Umgegend", die am1 19. Juli d. I. in der „Stadt Wiesbaden" hier ab gehalten wurde, und die sich vor allem mit der Preiserhöhung der Milch ab 15. August befaßte, ist ein Beschluß, das Liter Milch ab 15. August auf 16 Pfennige zu erhöhen, wie mehrere Dagesblätter berichteten, nicht gefaßt worden, man war im Gegenteil der Ansicht, daß vorläufig der seitherige Preis festgehalten werden solle. Eine demnächst stattfindende Generalversammlung der „Vereinigten Landwirte" wird end-giltig beschließen, ob ein Preisaufschlag der Milch erfolgen soll. h. Franksurta. M., 25. Jüli. Eine junge Korrespondentin wurde heute früh in ihrem Zimmer erschossen ausgefunden. Es handelt sich um Selbst- nrord, doch sind die Gründe noch nicht aufgeklärt. Die Tote ist ein Frl. Zuber und war in einer hiesigen Trockenplattenfabrik beschäftigt gewesen. — Die Stadt Frankfurt soll in der Nähe der hiesigen großen Tannenwaldungen größeres Terrain zur Errichtung einer Rekonvaleszen- ten-Anstalt füt Lun genkran ke erworben haben. [] Marbur g, 25. Jüli. Der Besuch der vom hiesigen Altertumsverein veranstalteten Ausstellung Marburger und hessischer Altertümer ist andauernd gut. Man sieht hier manches Stück Hausrat, das vvr Zeiten in keinem Haushalte fehlen durfte, wieder. Auch die Bilder- und Trachtenausstellungen, die hessischen Bauernstuben usw. erwecken großes Interesse. Welleicht findet die Ausstellung später lm „alten Kilian", dieser ältesten Kapelle Marburgs, einen dauernden Platz, um eine neue Sehenswürdigkeit unserer Stadt zu bilden. ** Kleine Mitteilungen au9 Hessen und d'en Nachbarstaaten. In Dillenburg feiert der Gesangverein „Liederkranz" in den Tagen vom 4. bis 6. August sein 60jähriges Jubiläum. Damit ist die Weihe ber neuen VereinSfahne verbunden. — Johannes Wilhelm von Ober-Ofleiden ist als Beigeordneter für diese Gemeinde gewählt und bestätigt worden. handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Markte. § Grünberg, 25. Juli. Der Jakobimarkt nahm einen guten Verlauf. Die Auffahrt auf dem Riedviehmarkt mochte etwa 60—70 Stück betragen. Lebhafte Nachfrage bedingte hierbei flotten Handel bei recht hohen Preisen. Unsere Land'leute, die eben Vieh markt- bereit haben, machen gute Geschäfte. Der Schweinemarkt, der gut befahren war, zeigte in seinen Preisen einen bemerkenswerten Rückgang. Die Preisdifferenz betrug gegen die seitherige Stufe per Paar Ferkel im Durchschnitt zehn Mark. Damit nähert sich der Marktpreis wieder gesünderen Verhältnissen. Das Paar Ferkel wurde verkauft zu 50—55 Mk., 55—60 Mk., 60—75 Mk., nur ganz schwere Qualität erzielte 75—80 Mk, Ganz geringe Ferkel blieben mehrfach unverkauft. V Ulrichstein, 25. Juli. Unser dreitägige „Jakobimarkt" blieb diesmal vom Verregnen verschont. Der Viehmarkt zeigte die normale Auffahrt an Rindvieh. Der Handel bewegte sich auf hoher Preisstufe und ging recht flott. Der ausgezeichnete Ausfall der Heuernte wirkt hierbei ersichtlich. Für einjährige Rinder bezahlte man 150—180 Mk., für das Paar einjährige Ochsen 440—480 Mk., zweijährige 500—550—600 Mk. bessere und ältere Qualitäten 800—900 Mk. Der Schweine markt war gut befahren. Auch hier zeigte sich ein lebhaftes Geschäft bei hohen Preisen, die jedoch gegen daS Frühjahr einen Rückgang aufweisen. Das Paar Ferkel wurde bezahlt mit 60—70 Mk., bessere Sorten mit 70—75 Mk., billigere Sorten unter 60 Mk. Der Dergnügungsmarkt hatte sehr zahlreichen Besuch aus der Umgegend aufzuweisen. Auch viele Sommerfrischler des Vogelsbergs sahen sich daS be- roegte Leben und Treiben an. ke. F r a n k f u r t a. M., 26. Juli. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 44 Ochsen, 6 aus Oesterreich 3 Brrllen, 0 aus Oesterreich, 72 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oester., 585 Kalber, 53 Schafe und Hämmel, 0 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 78—81 Mk., 2. Qualität 72—74 Mk., 8. Qualität 00—00 Mk.; Bullen 1. Qual. 72—74, 2. Qual. 00-00; Kühe 1. Qualität 73-75 Mk., 2. Qual. 71—72 Mk., 3. Qual. 54—56 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kalber 1. Qual. 96—100 Pfg., Lebendgewicht 57—60 Pfg., 2. Qualität 82—88 Pfg., Lebendgewicht 48— 52 Pfg., Schlachtgew. 63—67 Pfg.; Schafe: i. Qual. 78—80 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh flau, Ueberstand bedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. Der Rheinisch-Westfälische Effektenmarkt. Tagesbericht der Firma WalterHammcrstein. Mülheim a. d. Ruhr, 25. Juli 1906. Der Kohlenkux e n markt zeigte eine festere Tendenz, die namentlich für schwere Werte zum Ausbruch kam. Auch waren die Umsätze etwas umsangreicher als in den letztrn Tagen. Gehandelt würben Borussia, Caroline, Constantin der Große, Graf Schwerin, Königin Elisabeth, Mont Cenis, Lothringen rmd.Trier. Für leichte Werte bestand wenig Interesse. / Tn flau, •iSffSS KLLÄ vslkrwirtlchait- ;1i.ii«“',±5 « ’**“fc*R jSSfe^ ^t“Ä‘i»ß-80Ä Häuft, . (igtohtmorl1* a wiflte d'' not- .;?'•. irojut” ^A-u lbt" --- ?il' M- = 203 4 »**> ,**?*te taV°f- De^^die Str^ -rhKs eÄ”„3te r- Ne nt^benfS^ in *tet, boAj ist k «ÄA® “fe des MU WZ e»Ä^eD Vmm° ,b Een jur die s^lge Af Teine bestimmen entumern vereinbaren ronium festgesetzt. W .tn bmem gemieteten -Wntumer eine Miets- dorhandensein vieler Mten Airtslokale hat manlastt. lti- In der Vorstands- ? bon Frankfurt a. U r d- I. in der „Stadt , und die sich vor allem Milch ab 15. August •r Milch ab 15. August - mehrere Tagesblätter man war im Gegenteil jerige Preis festgehalten adenve Generülversamm- nrdendgiltig beschließen, 'folgen soll. i GinejungeKorre- in ihrem Zimmer er» andelt sich um Selb sich nicht aufgeklärt. Die einet hiesigen Trockcn- - Die Stabt Frankfurt ßen ZannenMun^n rRckonvales^e.'a» nke ertootbeix W». esuch der vvm hieWn ussteNrrug Mai> :tiltneT ist andauernd ,tü(f Hausrat, das vor n durste, wieder. Auch en, die hessischen Bauern» esse. Vielleicht sinket die im", dieser ältesten > n Platz, um eine neue zu biLen. aud dessen und den der Gchnzvkrtin „Liedalr-nz 60jährige§ Jubilam. Daui't itr für düse Smeinde gewählt LansW bewegt sich aa, 5fgf( btt zeichnete jäbtigeOch goo-900^' cheen. M Jüjbja&r tff r®«1» *ran zum Wecktragen gesucht. 15 05355) Walltorstraße 19. llliehiehidie Wilhelmstraße 8, im 3.Stock ist eine b-Zimmerwohiiung M. Bad sofort zu vermieten. [2880 Birkeupock & Schneider. Die Fabrik-Lizenz eines chem.-techn. vorzügl. begutacht. Gebrauchsartikels, 500ö/0 Verdienst, m. 4 gold. u. silb. Medaillen prämiiert, zuletzt Weltausstellimg Lüttich, soll s. Hessen, Hessen- Nassau u. d. Pfalz befand. Umstände halb, für 8000 Mark verk werden. Der Artikel ist bereits eingesührt. 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