Nr. »51 Zweites Blatt 156. Jahrgang Donnerstag »5. Oktober 1906 Erscheint tigllch mit Ausnahme des Sonntags, Die „Siebener KamNienbiStter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der Landwirt" erscheint monatlich einmal. Gietzener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Dießen. Redaktion, Expedition u.Dnlckerel: Schulstr.7. Tel. Nr. bl. Telegr.-Adr.: ^ln-eigcr Gießen. General-Anzeiger, Amts- nnd Anzeigeblatt für den Kreis Sichen. Eine Wagistralsverfaffuug für Kessen. Man schreibt unS aus Darmstadt, 24. Oktober: Bekanntlich enthält unsere derzeit geltende Städtcordnung Vorschriften über die sogen. Magistratsoerfassung. Sie sind bisher in feinem städtischen Gemeinwesen in Anwendung gekommen. Vor etwa 4 Jahren wurde in der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung ein Antrag gestellt, von der Magistrqtsverfassung Gebrauch zu inachen. Dieser Antrag kam aber nicht aus dem Ausschuß heraus, iuo er, weil aussichtslos, schon zurückgezogen wurde. Die Regierung hat dann in ihrer Vorlage einer neuen Städteordnung (in der vorigen Landtagssession) die bezüglichen Bestimmungen betr. Magistratsverfassung fallen gelassen. Sie begründete dies damals wie folgt: »Ihre (der Vorschriften über eine MaqistratSversassuug) Ueber- nahme empfiehlt sich nicht, da die.Bestimmungen insofern lückenhaft sind, als sie lediglich den Magistrat an Stelle des Bürgermeisters setzen, im übrigen aber nicht die mit dem Begriff »Magistratsverfassung" in der Gesetzgebung anderer Staaten verbundenen vollen Konsequenzen ziehen, nämlich Einführung einer dem Zweikammersystem ähnlichen Einrichtung mit dem Magistrat auf der einen und dem Stadtverordnetenkollegium aus der anderen Seite. In absehbarer Zeit dürste auch nad) übereinstimmender Ansicht der Städtebürgermeister die Einsühnmg dieses Systems und damit die Beseitigung des bis jetzt nur fruchtbringend gewesenen solidarischen Zusammenwirkens von Bürgermeister und Stadt- verordneten-Versammlung nicht zu erwarten sein. Sollte sich später einmal das Bedürfnis und der Wunsch in den Städten des Landes auf Einführung der Magistratsversafsung regen, so kann demselben immer noch durch Vorlage eines Gesetzentwurfs Reck)nung getragen werden, der unter Berücksichtigung aller mit der Magistrals- veriasfung auswärts gemachten Erfahrungen auszuarbeilen sein würde." Von verschiedener Seite wurde dieses Fallenlassen der sogen. Magistratsoerfaffung als ein Mangel des Gesetzentwurfs bedauert. Der alte Landtag konnte sich bekanntlich mit der Verwaltungsgesetzreform nicht mehr befassen. Die Regierung legte darauf dem neuen, jetzigen Landtag u. a. auch deu Gesetzentwurf über die Städteordnung wiederum vor. In der diesem neuen Entwurf beigegebenen Begründung erklärte die Regierung: »Nach den vorläufigen Ergebnissen der letzten Volkszählung Hal die Bevölkerung in den größeren Städten des Landes einen zum Teil erheblichen Zuwachs aufzuweisen. Die hierdurch hervor- gerufene weitere dienstliche Belastung der Städtebürgermeister läßt die Annahine berechtigt erscheinen, daß zur Bewältigung der zu leistenden Arbeit die eine oder andere Stadtvertretiing fiel) doch in vielleicht nicht ferner Zukunft zur Einführung einer Magistrats- verfassung veranlaßt sehen möchte . . Die Regierung sagt dann, daß sie barum von dem bisherigen Standpunkte abgehe und eine besondere Vorlage über die fakultative Einführung der sog. MaglstratSverfassung vorbereiten werde. Diese bereits kürzlich erwähnte Vorlage liegt nunmehr im Druck vor. Die Begründung beschränkt sich auf die vorstehend angeführten Argumente. Was die Frage, ob Magistratsverfassung oder nicht, anlangt, so ist sie nicht lediglich eine solche der Zweckmäßigkeit, wie es nach der Regierungsbegründung erscheinen möchte. Es handelt sich bei Einführung der Magistratsverfassung um Bildung eines Zweikammersystems, in dem naturgemäß der Magistrat ein gewisses Uebergewicht besitzen würde. Die Vorfrage wäre also die, wie die allgemeine St'cidteordnung beschaffen ist. Ob und inwieweit sie die Entscheidung auf den wichtigsten Gebieten der Gemeindeverwaltung dem Stadtverordnetenkollegium überläßt. Ob sie die Beigeordneten lediglich als „Amtsgehilfen" des Bürgermeisters betrachtet und so dem Bürgermeister eine ungeiunde Machtvo Klommenheit bewahrt, wie das in dem Gesetzentwurf der Regierung der Fall ist. Jedoch es besteht gerade in dieser Beziehung bei der derzeitigen Ausschußberatung der zweiten Kammer die Absicht einer durchgreifenden Aeuderung der Regierungsvorlage. Wird dies zur Wirklichkeit, dann dürfte die Frage, ob eine Stadt Magistratsversafsung annehmen will, sobald noch nicht aufgeworfen werden. Aber auch im einzelnen bedarf die Nachtragsvorlage der Regierung (Magistratsversasfung) einer Revision seitens der Kammer. So lautet ein Artikel (204): „Der Vorsitzende ist verpflichtet, die Ausführung eines MagistratSbefchlusses abzulehnen, der das Gemeinwohl oder das Gemeindeinteresfe erheblich verletzt" usw. Begriffe, wie „verletzt" oder nun gar „erheblich" verletzt, sollte der Gesetzgeber vermeiden. Wie die „Begründung" sagt, hat sich die Regierung die neuesten hessen-nassauischen Kvm- munalgesetze zum Muster genommen. Gesetze, die das preußische Abgeordnetenhaus geschaffen hat, werden von vielen Hessen von vornherein nichts weniger als für muster- gültig angesehen werden.____________________ Mschicdsseier für Kirchenrat Jh'. Mauuianii. Gießen, 24. Oktober. Heute abend um 6 Uhr fand in dem festlich geschmückten Konsirmandensaal eine Abschiedsfeier für den am 1. Nov. in den Ruhestand tretenden Herrn Kirchenrat Dr. Naumann stätt, wozu sich die Gemeindevertretung der evangelischen Gesamtgemeinde versammelt halte. Nachdem der Herr Kirchenrat, geleitet von den Herren Pfarrer D. Schlosser, Karl Schwan und Friedrich Helm, erschienen war und in einem gleichfalls schön geschmückten Sessel Platz genommen hatte, hielt Pfarrer D. Schlosser nachfolgende Ansprache: Hochgeehrter Herr Kirchenrat! Ein ernster und bedeutungsvoller Einlaß hat uns hier zusammengeiührl. Tie Vertretung der evangelischen Gesamtgemeinde Gießen und der Johaimesgem'ciude wollen Abschied von Ihnen nehmen. Uns bciuefltj zuerst der Gedanke, wa? das für Sie bedeutet. Wir empfiiibcn es tiel nut Ihnen, wie schwer Ihnen der Entschluß, ans Ihrem Amt zu scheiden, werden mußte. Tenn nicht aus ganz freiem Entschluß, weil Sie sich nad) langem mühevollem Tagewerk nach Ruhe sehnten, wollen Sie tum m den Ruhestand treten, sondern tvctl Gott nach seinem nnerforschlichen Ratschluß es Ihnen burd) körperliche Le den also aideilcgt hat. Wir wissen es, ivie sehr Sie an Ihrem Amt nnd an Ihrer Arbeit hängen, mit ivelcher Arbeitssrendigkeit Sie noch bis zuletzt darin gestanden haben, und wir suhlen es mit Ihnen, was es Sie kostet, das aufzugeben. Unsere herzlichste Teilnahme hat Sie bei dem Ihnen daraus cv- wachsencn inneren Kampf begleitet, und es iit unser herzlicher Wunsch, daß Gott Ihnen, tote bisher, so and) ferner Kraft verleihen möge, die Bitterkeit dieser Schickung in demütiger Ergebung in seinen Willen zu überwinden. Vor allem aber ist eö uns, den Vertretern der evangelischen Gesamtgemeinde Bedürfnis, Ihnen in dieser Stunde den Tank aus- zusprechen für alles, ivaS Sie unserer Gemeinde seit 26 Jahren als erster Pfarrer geivejen sind. Wir fühlen uns gedrungen, es Ihnen zu bezeugen, daß diese Jahre auSgelüllt tvaren mit rastloser Arbeit zum Wohl unserer Gemeinde und mit der vollsten Hingabe an Ihre Pflicht nach allen Seiten. Das wird und kann unter uns nimmer vergessen werden. Auf Schritt und Tritt begegnen uns die Spuren Ihres erfolgreichen Wirkens. Tavott zeugt diese herr- lid)e Kirche, zeugen die neuen Psarr- und Gemeindehäuser, die gesamte Organisalton unseres (SeineitibclebenS, die reinliche Durchführung der nötig gewordenen Sck)eidnng zwischen kirchlicher und bürgerlicher Gentcinde, die musterhafte Ordnung in der Verwaltung aller äußeren Kirchenangelegenheiten. Leider hat die Rücksicht auf Ihren Gesundheitszustand uns verboten, zu dieser Abschiedsfeier, tute wir gerne gewollt hätten, die ganze Gemeinde einznladen. Aber wir können Ihnen die Versicherung geben, daß unser Tank der der ganzen Gemeinde ist. Aber die vielen, denen Sie mit dem Worte Gottes gedient haben, auf der Kanzel, in der Schule, im Konfirmandenunterricht, bei den mancherlei Vorfällen des Lebens freudiger und trauriger Art, die Sie getröstet tmd denen Sie geholfen haben, werden mit uns Ihr Scheiden beklagen und Ihr Gedächtnis in treuem dankbarem Herzen bewahren. Diesem Danke möri)ten auch wir, Ihre AmtLbrüder, uns anschließen. Sie sind uns jederzeit ein Muster und leuchtendes Vorbild aufopfernder Hingabe an unseren geistlichen Beruf gewesen. Wir haben viel von Ihnen gelernt und haben unö gerne von Ihnen führen lassen. Nur mit schwerem Herzen und ernster Empfindung unserer Verantwortung treten wir das Erbe der Arbeitsleistung, das Sie uns hinterlassen, an, aber zugleich auch mit dem dankbaren Gefühle, daß Sie uns überall gebahnte Wege, geordnete Verhältnisse hinterlassen, und daß wir nur nötig haben, auf dem von Ihnen gelegten Grunde weiterzubauen Mit unserem Dank verbinden wir die herzliche Bitte zu Gott, daß er Ihnen in der Ruhe, in die er Sie nun hineinführt, and) wirklich Ruhe schenken möge, ein friedliches Ausruhen von schwerer Lebensarbeit, daß er Ihnen verleihen möge, Ihren Lebensabend im Kreise Ihrer Familie nock) recht lange ohne drückende Beschwerden zu genießen. Und nun zum letzten Male: Herzlichen, innigen Dank! Gott geleite Sie I Darauf ergriff Herr Helm das Wort, um im Namen der Johannesgcmeinde dem scheidenden Seelsorger, der sich durch seine kraftvollen Predigten, seine Treue in Seelsorge und Armenpflege so hohe Verdienste um die Gemeinde erworben habe den innigsten Dank auszusprechen, und ihn zu versichern, daß, wie Kirchenvorstand und Gemeindevertretung, so auch alle Gcmeindeglieder seiner allezeit mit dankbarer Verehrung gedenken werden. Die herzlichsten Wünsche der Gemeinde geleiteten ihn in seinen ivohlverdienten Rtthestand. Sichtlich tief beivegt dankte Kirchenrat Dr. Naumann für die ihm erwiesene Liebe. Der Entschluß, in den Ruhestand zu treten, sei ihm in der Tat schwer geworden. Er habe sick) immer gewünscht, „in den Sielen" zu sterben. Aber er habe es als Gottes Wille erkannt, und sich dem gefügt. Es werde ihm dadurch erleiehtert, daß er ja mit der Gemeinde verbunden bleibe, und er freue sich, wenn er nun künftig als Gemeindeglied mit den anderen das Wort Gottes und das Sakrament empfangen könne, bis ihm einst einer der Amtsbrüder den letzten Segen ins Grab spenden werde. Ztim Schluß forderte Pfarrer Schlosser die Anwesenden auf, sich zur Versicherung bleibenden dankbaren Andenkens von ihren Plätzen zu erheben, und bat den Herrn Kirchenrat, den Sessel zur Erinnerung an diese Abschiedsfeier und als Verkörperung aller guten Wünsche für feinen Nuhe- stand anzunehmen. Ans SiUOt Utto LE0, Gießen, den 25. Oktober 1906. ** Vortragsabend. Im Festsaale des Cafö Leib spricht am Samstag, den 27. Oktober, abends 81/, Uhr, Herr Georg Wagner aus Dresden-Radebeul über „Die Gesundheitspflege nach naturgemäßer 9(n = schauung". Bedenkt mau, wie neben unserer Kulturentwickelung eine Herabsetzung der Widerstandskraft des Volkes einhergeht, die sich kennzeichnet in der Zunahme der Neurasthenie, dec Tuberkulose, der Herzkrankheiten usw., so darf man die Wahl obigen Themas wohl als ivichtig und zeitgemäß begrüßen. Der Redner ist eine in hygienischen Kreisen geschätzte Persönlichkeit, dem reiche Erfahrungen zur Seite stehen. ** Der frcis. Verein hielt am Dienstag abend im Gaf6 Ebel unter dem Vorsitz des Justizrats M-etz seine Generalversammlung ab. Rach Begrüßung der Anwesenden widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Eugen Richter einen tiefempfundenen warmen Nachruf, in dem er besonders hervorhob, daß der um die freisinnige Sache und das deutsche Vaterland hochverdiente Parteiführer auch in Gießen mehrfach gesprochen habe. Sein Andenken würden auch die Gießener Parteigenossen nicht besser ehren können, als durch weiteres tatkräftiges Wirken in seinem Sinne. Zur Bekräftigung dessen bitte er die Anwesenden, sick) von ihren Sitzen zu erheben, welcher Aufforderung die Versammlung tiefbewegt entsprach. Des weiteren mürbe das Andenken des hiesigen verstorbenen Parteigenosse Georg Emil Möhl durch Erheben von den Sitzen geehrt. Der Vereinsschriftführer, Stadtv. Eichenauer, erstattete sodann den Bericht über das verflossene Bereinsjshr. Der Parteitag in Wiesbaden war durch die Herren Justizrat Metz, H. Jughardt und Eichenauer besucht, der Parrertag zu Oberstein durch die Justizrate Dr. Entfleisch und Metz. Der Verein hielt vor einem Jahr eine Versammlung ab, in der Stadtv. Eichenauer über den Parteitag in Wresbadeir referierte. Weiter beteiligte er sich lebhaft an der Tätigkeit des sreis. Landesvereins und stimmte namentlich auch der Bestellung eines besonderen Parteisekretärs zu. Ständiger Vertreter des Vereins im Landesausschuß ist Herr Th. Hanbach, dessen StcllvertreLrr Herr Eich-nauer. Der Rcichstagsabg. Kommerzienrat Heyligenstaedt erstattete in einer gemeinsamen Sitzung der beiden liberalen Vereine einen Bericht über die bevorstehende Reichsfinanzreform. Sodann machte der Redner noch Mitteilungen ütier eine am! letzten Sonntag abgehaltene S'.tznng des LandeSausschusseI und über die für den 3. und 4. November festgesetzte Landes* Versammlung in Darmstadt. Die Rechnungsablage des Herrn Leib konnte befriedigende Kassenverhältnisse verzeichnen. Hierauf erstattete LandtagSabg. Reh einen aus-, sührlichen Bericht über den Parteitag des Verbandes der freisinnigen Volkspartei für Südtvestoentschland. Aus den Verhandlungen sei'hervorgehoben, daß der nächste Partep-, tag in Ober-Ingelheim stattsinden soll. Eilten Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete die Stellungnahme zu der Darmstädter Wahl, wobei das Vorgehen der Darmstädter Freisinnigen bei der Hauptwahl, in der daS Zusammenfassen der entschieden liberalen Elemente trefflich gelang, sowie» ihre Sdichivuhlparole durchaus gebilligt wurde. Der Partei-, tag beschäftigte sich sodann ferner mit der Frage der Einigung der Liberalen, über deren Notwendigkeit bei den Delegierten keinerlei Meinungsverschiedenheit bestand. An eine weitere Einigung der-lib. Parteien in Hessen ist nach Ansicht des Redners solange nicht zu denken, n!. sich die nationalliberale Partei nicht mehr nach linlv 'wickle. Der Redner schloß mit der Artssorderung zu rech, eifriger Arbeit, dann brauche es um die Zukunft des Liberalismus niemanden bange zu sein. (Zustimmung.) Hierauf machte Landesparteisekretär Kuhlmann Mitteilungen Über den beabsichtigten Ausbau der Organisation. Zum Schluß wurde- noch die Vorstandswahl vorgenommen, bie die Wiederwahl' der seitherigen Mitglieder durch Zuruf ergab. "Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde gab sich in ihrer Hauptvorsammlung vom 23. Oktober Rechenschaft über ihre vorjährige Tätigkeit. Das vergangene Vereinsjahr ist in gewohnter Weise verlaufen. Es brachte Vorträge über Marokko, Birma, über die Ent- Wickelung des nordamerikanischen Westens, über die Entdeckungsgeschichte Südamerikas, über die Indianer am Amazones, ttnd über Neuseeland, alles Stoffe, die regstes Interesse beanspruchten. Die Gesellschaft hielt sich in ihrer Mitgliederzahl in altgewohnter Höhe. Der Jahresabschluß war recht günstig: er gestattet in diesem Jahre einen lieber- schuß zur Herausgabe eines neuen Bandes der »Geographischen Mitteilungen aus Hessen* zu verwenden. Der Vorstand, an dessen Spitze Professor Sievers als Vorsitzender steht, wurde wieder gewählt, für den verdienstvollen seitherigen Rechner muß Ersatz geschaffen werden. Die Gesellschaft tritt nun in aller Kürze, schon am 30. er. in ihre Wintcrtätigkeit ein. Das Arbeitsprogramm sieht folgende wieder in der Aula der Universität abzuhaltenden Vorträge vor: Prof. Dr. Emil Deckert-Frankfurt a. M. über daS Erdbeben von San Franzisko; Dr. R. Hartmeyer-Berlin über Westaustraliett; Bezirksgeologe Dr. Lotz-Berlin über Süd- westafrika; Hofrat Dr. P. Hagen-Frankfurt über seine Reisen im Malayischen Archipel; Prof. Dr. Kurt Hassert-Köln über die italienischen Kolonien Eritrea; Hofrat Professor Dr. G. Steinmann-Boun über seine Reise in Bolivien Bei genügen-1 der Beteiligung sollen wie in früheren Jahren wieder Fachsitzungen mit DiSkttssion im Geogr. Institut der Universität eingerichtet werden. Die Vorträge der Gesellschaft haben von jeher 51t den bemerkenswertesten populärwissenschaftlichen Unternehmungen unserer Universitätsstadt gehört. Ihr Besuch ist ohne große Kosten verbunden, da der Jahresbeitrag von Mkk 4 den Mitgliedern und ihren Angehörigen alle Vorträge kostenlos bietet. Für Studierende ist ein billiges Sonderabonnement eingerichtet. So steht zu erwarten, daß der Gesellschaft auch dieses Jahr wieder ihr altbewährter Erfolg treu bleibt. •• Der Verein für jüdische Geschichte unb Literatur hielt am Sonntag im Hotel Central seine General-Versammlung ab. Der Vorsitzende Dr. Sand-er konstatierte in seiner Berichterstattung über das 5. Vereinsjahr, daß der Verein seinem Ziele, durch Vorträge auS dem reichen Schatz der jüdischen Geschichte die Atit- glieder anzttregeu und zu belehren, bisher mit Erfolg nachgestrebt hat und daß auch die angelegte Bibliothek rege benutzt worden ist. Der Vorstand habe beschlossen, im laufenden Winterhalbjahr wieder fünf Vorträge halten zu lassen, von denen die ersten drei bereits festgelegt seien. Der Verein zählt 120 Mitglieder und wird ant Sonntag, 28. Oktober» aus Anlaß deL hundertjährigen Geburtstages des verstorbenen Rabbiners Dr. Levy, der über ein Menschenalter in Gießen gewirkt hat, eine Gedenkfeier veranstalten. LevyS Amtsnachfolger, Rabbiner Dr. Sander, wird hierbei ein Lebensbild von ihm entwerfen. Die Vorstandswahl hatte das Ergebnis, daß die seitherigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt wtirdcn. •• Eugen Richter-Denkmal. Man schreibt un§t Für das dem verstorbenen Abg. Eugen Richter in Berlin zn errichtende Denkmal sind von Gießener Mitgliedern der freisinnigen Partei itnb Verehrern dieses hervorragenden Parlamentariers gegen 700 Mk. beigesteuert worden. Es wirb angenommen, daß es noch ntehr Verehrer dieses schwer zn ersetzenden Führers der Freis. Volkspartei gibt, die auch einen Beitrag stiften und mit dazu beitragen wollen, daS Denkmal in recht würdiger Weise zur Ausführung zu bringen. Dio Vorstandsmitglieder deS Gießener freis. Vereins sind bereit, derartige Beiträge entgegenzunehmen. Erwünscht wäre allerdings, wenn solche alsbald eingeliefert würden; attch die kleinsten iverdett mit Dank angenommen. ** Der milde Herbst verursacht fortwährend neue merkwürdige Erscheinungen in der Pflanzenwelt. So wurden tms gestern mehrere Zweige überbracht, an denen reife Him- be er en in großer Anzahl hingen. Die voll ausgereiften und sehr süßen Früchte sind im Braunkohlenbergwerk Ferme gewachsen. 2luch in einem Garten in Klein-Linden wurden dieser Tage reife Himbeeren gepflückt. X Schotten. 24. Okt. Unsere älteste Bewohnerin^ diese neue unumgängliche die Kosten einer solchen nicht aus den regulären werden können, das trifft manten vertagt. Ebenfalls nicht verhandelt wurde über beit Ausbau der verlängerten Bismarckstraße zu Friedberg; hier R e k l a m a t i o n des Elias Hofmann gegen Heranziehung zu den Straßenbaukosten, da der gegen eine Entscheidung des Kreiscnisschuffes des Kreises Friedberg eingelegte Rekurs von den Anwälten des Hofmann zurückgenommen worden mar. Der Beschwerde der Philipp Marbach Erben zu Leidhecken gegen einen Polizeibeiehl des Großh. Kreisamts Büdingen lag folgender Tatbestand zu Grunde: Die Marbach Erben besitzen an der Ortsstraße in Leidhecken ein Wohnhaus, das sich in reparativ, bedürftigem Zustande befindet. Ta das Großh. Kreisamt Büdin c einen Einsturz des Gebäudes befürchtete, erließ es einen Pol: -e:-- befehl an die Erben, in dein diese zur Niederlegung des Gebaute-.> aufgefordert wurden. Der Vertreter derselben wandte sich beschwerde- führend an den Provinzialausschuß. In der heutigen Verhandlung machte der Anwalt geltend, daß der Polizeibefehl nicht ordnungsmäßig zugestellt worden sei. Die Sache mußte daher behufs Anstellung weiterer Ermittelungen vertagt werden. Zum Schlüsse wurde das Urteil in Sachen: Enteignung für das Hauptsiel und die Kläranlagen der Stadt Gsi e ß e n, hier die Entschädigung betreffend, verkündet. Durch zahlreiche Eintragungen und Berichtigungen, die von unseren Adrefsen- amAlern an ®rt und Stelle vorgenommen verden müssen, hat sich die Abholung der hanslisten in einigen Straßen verzögert. Vir bitten trotzdem von einer Zusendung der Listen an uns absehen zu wollen, weil die Eintragungen bei der Abholung geprüft werden müssen. Sitzung des Provinzial-Ansschusses. Gießen, 24. Oktober. fid) nicht aus, daß manche Klage laut geworden, daß manche Aeußerung des Unmuts zum Ausdruck kam und kommt. Eine bittere Pille für den Hauseigentümer bedeutet der Aufwand für die Hausanschlüsse, die zu seinen Lasten kommen und die für manchen kleinen Mann eine kostspielige Auflage darstellen, der er kaum gewachsen ist. Dabei darf aber nicht verkannt werden, daß das Haus durch die Anlage einen Wertzuwachs erfährt, wenn er auch zunächst, rein wirtschaftlich betrachtet, nicht sonderlich in Erscheinung treten wird. Die vorausgegangenen Betrachtungen ergeben, daß erst die, die nach uns kommen, einen reineren Genuß der in ihren Wirkungen segensreichen Anlage haben werden, und daß der heutige Stadlvorstand und die opferwillige Einwohnerschaft Gießens sich die künftigen Generationen um so mehr zu Dank verpflichten. Das ist natürlich nicht dahin zu verstehen, daß die ganze Anlage aus unserer Hand empfangen werden soll, ohne daß sie auch für die Kommenden Pflichten erzeugte: Es bleibt die Amortisation des Anlagekapitals, seine Verzinsung, die Kosten der Unterhaltung und Verwaltung des Werks; die hierzu erforderlichen Summen müssen im Wege besonderer Versteuerung aufgebracht werden, künftighin, wie jetzt. Der Zeitpunkt ist gekommen, in dem sich der Stadtvorstand schlüssig machen und die Wege finden muß, die zur Herbeischasfung der erforderlichen Mittel einzuschlagen sind. Die Polizeiverordnung vom 1. August 1904 bett, die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städt. Kanalisation bestimmt im § 1: „Alle bebauten Grundstücke in dem Gebiete der allgemeinen Entwässerungsanlage der Stadt Gießen müssen.... entwässert werd en Damit ist der Anschluß zur Pflicht gemacht, und es kann sich dieser Pflicht niemand entziehen. Die gleiche Verordnung sieht ünt § 12 ein besonderes Ortsstatut vor, das die Vervslichtung zur Zahlung von Kanalbeittägcn regeln soll. Heute, nachdem schon zahlreiche Anschlüsse fertiggestellt sind, muß dieser § 12 zur Ausführung kommen und, wie man hört, wird diese Kanalgebührenvorlage, von deren Inhalt im Einzelnen man bis jetzt nichts weiß, durch den Herrn Oberbürgermeister an die Herren Stadtverordneten gelangen. Sie werden zu ent- Iie Kanalgebühreu. Vortrag, gehalten in der Versammlung des Bürgervereins Gießen am 22. Oktober 1906 von Rechtsanwalt Leun. Die Kanalisation, mit der sich gegenwärtig unsere Stadt -ersieht und die hoffentlich recht bald ihrer Vollendung entgegengeht, ist ein Werk von ungeheurer Bedeutung, eine Unternehmung namentlich sanitärer Art, die Gießen in der Reihe derjenigen Städte einen Platz sichert, die sich bereits der Wohltat einer Kanalanlage erfreuen. Ein hervorragendes Stück öffentlicher Gesundheitspflege ist es, das die Stadt G. in richtiger Erkenntnis der ihr obliegenden Pflichten zum Wohle ihrer Einwohner und Besucher zur Ausführung bringt, eine der wichtigsten kommunalen Aufgaben, die als nächstwichtigste derjenigen der Lebensmittelversorgung folgt. Alle die seither und noch gegenwärtig geübten Systeme, die Städte von Abwässern und Fäkalien zu befreien, waren unzulänglich, die Art der Abfuhr ekelerregend und üblen Geruch verbreitend, mag nun das Tonnen- oder das Grubensystem in Frage kommen. Wir haben ja zu unserem Verdruß noch jeden Tag Gelegenheit, beide Systeme praktisch geübt zu sehen. Es ist nicht Aufgabe des heutigen Referats, den hygienischen Wert und die technischen Schwierigkeiten der Anlage, ihren Wert für uns und künstige Geschlechter zu würdigen, es mag aber betont sein, daß oie Unternehmung um so dankenswerter ist, als nicht unerhebliche technische Schwierigkeiten zu überwinden waren und noch sind, daß dennoch aber die Stadtvertretung, unterstützt durch die Einwohnerschaft Gießens, entschlossen an ihre Ausführung herangetreten ist. Es darf uns, die gegenwärtige Generation, nicht abhalten, den Wert der Anlage zu würdigen, der Umstand, daß uns die Anlegungsarbeiten viel Unersreuliches, Lästiges und Unangenehmes und vor allem auch Kosten gebracht haben, bringen und noch bringen werden. Das alles liegt in der Natur der Sache, wenn auch vielleicht bei Herrichtung der Hausanschlüsse systematischer hätte zu Werk gegangen werden können. Im allgemeinen muß anerkannt werden, daß die zu den Hanptkanälen erforderlichen Arbeiten unter gebührender Rücksichtnahme auf die Verkehrssicherheit vorgenommen wurden. Das schließt natür- langen. Von dieser Befugnis, die Kosten durch Umlagen auszubringen, haben viele preußischen Städte Gebrauch gemacht, darunter auch Frankfurt a. M. Weiter geht, wie das badische Gesetz, auch die hessische allgemeine Bauordnung. Die letztere insbesondere läßt es zu, daß auch die Anlieger an bestehenden und bebauten Straßen herangezogen werden. In Hessen bestehtdieMöglichkeit, daß die Gemeinde die gesamten K an a l isatio ns ksfte n durch Umlagen aufbringt, also auf die Einzelnen abwälzt. In Bremen haben die Anlieger die Kanalkosten aufzubringen. Sie berechnen sich nach dem Verhältnis der angrenzenden Straßen- oder Fußwegfläche und der betreffenden Saumsteinlänge. In Straßburg werden die Beiträge nach der Fassadenlänge berechnet. Man kann nicht sagen, daß diese Art, die Kosten aufzubringen, viel für sich hätte, sie ist ungerecht, weil sie das Prinzip von Leistung und Gegenleistung ganz außer Acht läßt und es der zufälligen Ausdehnung der Straßenfront überläßt, die Höhe der Beittagsvflicht zu bestimmen. Danach zahlt ein Grundstück, das eine Mietskaserne trägt oder aus anderen Gründen den Kanal stark in Anspruch nimmt, die Hülste von einem beispielsweise doppelt so langen Anwesen, auf dem sich nur ein Einfamilienhaus befindet. Städte, wie Frankfurt a. M. und andere haben eine sogenannte Anschlußgebühr ein geführt. Dies ist für preußische Städte deshalb praktisch, weil so auch die Anlieger bereits bebauter Straßen zu den Kosten herangezogen werden können, was im anderen Falle nicht möglich wäre. Bei einer solchen Heranziehung des Einzelnen darf nun nicht etwa der freie Wille über Anschluß und Nichtanschluß entscheiden, ein Modus, der auch deshalb vermieden werden muß, weil so der ganze Erfolg der Anlage, ihre hygienische Wirkung, in Frage gestellt würde. Es muß ein direkter oder indirekter Zweck zum Anschluß bestehen, entweder so, daß der Anschluß obligatorisch ist, oder es wird die seitherige Entwässerunasart unter Strafe gestellt, also verboten. Auch der Gebührenmodus ist wieder mannigfaltig. Zwei Beispiele: 1. In Frankfurt a. M. beträgt die Anschlußgebühr, die ein für alle mal zu zahlen ist, 30 Mkrk pro laufenden Meter Straßenfrontlänge. Grenzt ein Grundstück an mehrere Straßen oder öffentliche Plätze, so werden von der kürzesten Seite höchstens 20 Meter zugerechnet. Außerdem wird bei einem Neu-, Um- oder Anbau 1 Prozent der festzustellenden Bausumme, wenn dieselbe 1000 Mark übersteigt, als „Zusatzkanalgebühr" erhoben. (Aehnlickies gilt in Stuttgart und Hamburg, letzteres unterscheidet zwischen bebautem und unbebautem Grund.) 2. G an z abweichend ist das Er h e b u n g s s y st e m in Würzburg. Man Hot hier vermeiden wollen, die Straßenfrontlänge, die über die Art und den Umfang der Benutzung gewiß keine Anhaltspunkte gibt, allein entscheiden zu lassen. Dabei ging man von der Erwägung aus, daß der bebaute Grund und Boden, sowie die Zahl und Ausdehnung der Stockwerke als wesentliche Momente für den Umfang der Benutzung berücksichtigt werden müßten. Man wollte hier dem Grundsatz von Leistung und Gegenleistung eine größere Berücksichtigung angedeihen lassen. Deshalb erhebt man in Würzburg zweierlei Gebühren: a) 10 Mark für den Meter Straßensrontlänge, b) 50 Pf, für den Quadratmeter überbauter Fläche, letztere in sämtlichen Geschoben berechnet. (Schluß folgt.). ko. F r a n k f u r t a. M., 23. Oft. Der Gastwirt Fritz Dedecke in Oberrad hatte in der Vorballe seiner Wirtschaft einen Choko- la deautoinaten stehen, der auch am Sonntag geöffnet war. Die Polizei bedachte den Wirt dafür mit einem Strafzettel von 3 Mk., weil er während der Sonntagsruhe eine offene V e r k a u f s st e l l e in Betrieb halte. Tas Schöffengericht sprach ihn frei, da nicht erwiesen sei, daß der Automat auch von Nicht- gästen in Anspruch genommen werde. Die Strafkammer verwarf die Verustma des Skaotsanivalts gegen dies Urteil. gÄm Marie Katharine Seuntng, wird morgen, wie schon kurz mitgeteilt wurde, hundert Jahre. Sie ist die Witwe des Glasermeisters Adam Leuning, mit dem sie in langjähriger glücklicher Ehe lebte. Als sie voriges Jahr ihren 100. Geburtstag feierte, befand sich auch S. K. H. der Großherzog unter den Gratulanten, er sandte der Greisin sein Bild. Sie ist geboren am 25. Oktober 1806 als Tochter des hiesigen Einwohners Martin Weitz. Nächst dem 101 jährigen Geometer 1. Klasse, Euler-Gießen, ist sie der älteste Einwohner Ober- ihessens. -f- Lauterbach, 24. Okt. Am 1. Oktober 1907 soll hier eine Eisenbahnbetrieb-Inspektion errichtet werden, wenn bis dahin die notwendigen Wohnungen und Diensträume hergestellt werden können. Es sind 8 bis 10 Wohnungen für Beamte erforderlich. Die Stadt will für Beschaffung der Räume Sorge tragen. Auch Alsfeld hat sich beworben. Der hiesige Bahnhof soll eine Erweiterung erfahren. a. Lauterbach, 23. Okt. Zu der von uns gestern gemeldeten Brandstiftung in der Eichmühle sei noch folgendes erwähnt: Die Brandstifterin Maria Rockel, die in der Eichmühle bedienstet war, ist seit ihrem sechsten Lebensjahre eine Vollwaise. Sie stammt aus Maar, wo sie auch bis zur Konfirmation untergebracht war. Seit 1. Jan. l. I. war sie als Magd in der Eichmühle, sollte aber Ende dieses Jahres entlaffen werden. Zur Tat selbst gibt sie an, daß sie eine glühende Kohle aus dem Küchenfeuer genommen und diese auf einen Haufen in der Scheuer liegendes Stroh geworfen habe. Sie habe die Tat aus Rache verübt, weil sie mit ihrer Herrschaft mehreremal Streit gehabt habe. Die Rockel macht einen äußerst stupiden Eindruck und wird als sehr dumm geschildert. Die Besitzerin Johs. Wacker V. Wwe. ist nur gering versichert und erleidet einen erheblichen Schaden. — Die in der hiesigen Wurstfabrik bei dem gestrigen Brande zu Schaden gekommenen Fleisch- und Wurst waren, ca. 70 Zentner, wurden versteigert. Rüdesheim, 23. Okt. In einer Unterredung, die der Reichstagsabgeordnete von Bingen, Schmidt-Elberfeld, in Berlin mit dem Eisenbahnminister hatte, wurde das Prozent einer feften Rhein brücke Rüdesheim- Bingen vorerst als aussichtslos bezeichnet, weil weder ein militärisches noch ein staatliches Bedürfnis vorhanden fei Das große, dringende wirtschaftliche Bedürfnis allein könne nicht entscheiden. Wie notwendig eine feste Brücke an der Stelle ist, kann man in der gegenwärtigen Nebelzeit wieder täglich erkennen. Auch das beiderseitige Hinterland ist daran sehr interessiert. (Frkf. Ztg.> "Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Limburg hat sich ein Italiener, der kürzlich verhaftet wurde, weil er einen Polizeidiener erschossen hat und einen Schichtmeister zu ermorden versuchte, im hiesigen Landgerichtsgefängnis erhängt. Eingesandt. (Für den Inhalt der unter dici'er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ein Bewohner der L u d w i g st r a ß e, die bekanntlich von vielen ruhebedürftigen Studenten beoölfcrt ist, erlaubt sich die ganz ergebene Anfrage, ob unbedingt, wie dies in mehreren Häusern geschieht, bei offenen Fenstern musiziert werden muß. Etwas mehr Nücksicht ani die Mitmenschen!________________ _ Elfern toe“ Gesichtsfarbe und wenn d^ese b|ass, wenn ^01 jakHiy Müdigkeit. Mangel an Appetit usw. vorhanden, dann ist es höchste Zeit die Blutbildung zu unterstützen ............... Leverkusen b. Mülheim a. Rh., den 3. August 06. Wunschgemäß teile Ihnen ergebenst mit, daß ich Bioson für meine 3 Mädchen im Alter von 8, 6, 4 Jahren anwende. Seit Gebrauch desselben kann ich konstatieren, daß die Kinder zugenominen und recht rotbackig werden. Ich werde das Bioson für meine Kinder weiter gebrauchen. Hochachtungsvoll H. Stein. Bioson ivird von berufenen ärztl. Autoritäten und in Kliniken, Krankenhäusern usw. nach umfassenden Versuchen fortgesetzt als bester', stärkstes, billigstes, znträglichstes, bllsterzeligendes Mittel angewandt und ist in Apotheken, Drogerien usw. das halbe Kilo-» paket zu drei Mart erhältlich. (Wie, HamMesr-NacTMehterr. Verlobte. Fräulein Frieda Binding, mit Herrir Albrecht Schneider, Unter-Widdersheim. — Fräulein Toni Herbst, mit Herri, Herinann Stapelmami, Burgsolms. — Fräulein Kätchen Zulauf, Eisa, mit Herrn Christian Zinn, Wallenrod. G e st o r b e n e. Herr Wilhelm Schneck, Ludwigshütte. — Herr Georg Wehn, Biedenkopf. — Fräulein Henriette Kissel, Darmstadt. — Fräulein Marie Schmidt, Schlitz. — Frau Anna Elisabctha Hyll, Alsfeld. — Fran Lehrer Tröller, Niederwetz. . Kanalkostenbeiträge basieren auf dem Baufluchtgesetz vom 2. Juli ' 1875. Bei Anlegung neuer oder bei Verlängerung schon bestehen- i der Straßen, bei Anbau an bestehende, aber bis dahin unbebaute Straßen können die Städte die gesamten Kosten zur . Entwässerung und für die höchstens fünfjährige Unterhaltung \ der Anlagen einen verhältnismäßigen Beittag oder den (Srfafe derselben durch Ortsstatut auf die angrenzenden Eigentümer umlegen oder die Beschaffung der Entwässerungsanlagen ver- Jn der heutigen Sitzung wurde zuerst über das Gesuch des Erich John zu Butzbach um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschast im Hause Färbgasse Nr. 3 enfichieden. Dieses Gesuch war von dem Gemeinderat nicht besiirivortet worden, weil sich in nächster Nähe bereits sechs Wirtschaften befänden. Der Kreisausschuß des Kreises Friedberg lehnte daher die Erteilung der Konzession wegen mangelnden Bedürfnisses ab. Der Gesuchsteller ergriff gegen diese Entscheidung Rekurs an den Provinzialausschuß. Auch dieser kam heute zu der gleichen Ansicht, wie der Kreisausschuß und wies den Rekurs kostenfällig ab. Die nächste Sache, Reklamatton des Georg Schmidberger zu Friedberg gegen die Berechnung der Sttaßenbaukoste><,^,' Dieffenbachstraße wurde auf Antrag des Vertreters des nicht nur auf Gießen, sondern auf alle Städte zu, die sich mit einer Kanalisation versehen haben und noch versehen werden. Zunächst sind die Mittel zur Ausführung des Kanalnetzes durch Aufnahme einer Anleihe bereit zu stellen, die verzinst und amortisiert sein will. Sodann erfordert die Anlage eine dauernde Verwaltung und Unterhaltung, die wiederum besondere Kosten veranlaßt. Steht man vor der Lösung einer solchen Aufgabe, so ficht man sich nach Mustern um, man fragt sich, welche Wege haben andere Städte eingeschlagen, um die notwendigen Mittel zu beschaffen. Diese Wege sind mannigfacher Art, sie sind verschieden nach den grundlegenden Landesgesetzen, nach Anschlußzwang oder An- schlußfrciheit, nach dem Umlagcmodus, nach der Höhe der aufzubringenden Kosten, nach Zulässigkeit der Abführung der Fäkalien: Verbot der Einleitung derselben oder Verpflichtung, sie einzuleiten: nach der Art der Abwässer, die unterschieden werden in Hauswasser und Jndusttiewasser, nach der Person des Zahlungs- pslichttgeu und so fort Es .ist ein buntes Bild, was sich da entrollt, befaßt man sich mit den verschiedenen gegenwärtig geltenden Verordnungen. Aus dem mir vorliegenden Material kann ich feftstellen, daß auch nicht zwei Städte, von denen ich im Folgenden berichten werde, den unbedingt gleichen Weg gegangen sind, irgendwelche Abweichung, ist immer vorhanden, meist ist sogar eine grundsätzliche Verschiedenheit zu beobachten. Die Ortsstatute in den preußischen Stödten über sKeiden haben, auf wessen Schultern Steuerlast abgewälzt werden soll. Es versteht sich von selbst, daß Anlage bedeutend sind und daß sie Einnahmen der Stadtgemeinde gedeckt Aörehbuch-verlag. Vermischtes. * Der „schlagfertige" König der Bo hörne. Im Intimen Theater zu München, in dem zurzeit allabendlich der aus Darmstadt stammende Danny Gürtler, der „König der Bohömc", auftritt, kam es am Montag abend zu Szenen, die bisher in München zu den größten Seltenheiten gehören. Gürtler forderte das Publikum auf, seinem Tadel, wenn ihm etwas nicht gefiele, entsprechend Ausdruck zu verleihen. „Sie können auch zischen, wenn Sie wollen", setzte er ausdrücklich hinzu. Eine kleine Tischgesellschaft, der verschiedene Leistungen des Dichters, Sängers und Rezitators nicht gefielen, zischte denn auch sehr vernehmlich. Als diese Herren, Kunstmaler Geiger, dessen Bruder, Lehramtskandidat Geiger und Kunstmaler Zeillinger, fortgingen, stürzte Gürtler am Ausgang aus Zeillinger mit den Worten zu: „Sie Bursche haben gezischt, und schlug ihm mehrmals ins Gesicht. Dem jählings Ueberfallenen fiel das Augenglas durch ben Schlag zu Boden, sodaß er wehrlos war. Seine Freunde kamen ihm zu Hilfe, worauf Gürtler sein Heil in der Flucht suchte. Der Geschlagene und noch mehrere andere Personen warteten hierauf draußen auf der Straße auf das Erscheinen Gürtlers, um ihn zur Rede zu stellen. Als dieser erschien, sprang er rasch in einen bereitstehenden Wagen, in dem auch seine Frau saß, worauf sich eine erregte Szene abspielte, die damit endete, daß von einer unbekannten Persönlichkeit mit einem Stock das Fenster der Droschke eingcschlagcn wurde. Gürtler und seine Frau wurden hierbei durch Glassplitter leicht verletzt. Bevor der Wagen sich in Bewegung setzte, rief der Held des Dramas ans: „Was wollt Ihr, das Ganze ist doch nur die schönste Reklame für mich!" Der Wagen fuhr hierauf zur Polizei, zu der sich auch der Ueberfallene und die beiden Brüder Geiger begaben, von denen der Kunstmaler Willi Geiger eine ziemlich erhebliche Verletzung am Handgelenk erlitten hatte. • In einer Stunde getraut und geschieden. Ein Ehescheidungsrekord wurde, wie das „Gil Blas' berichtet, in Rorriatown, einer kleinen Stadt in Pennsylvanien, aufgestellt, dank der Entschiedenheit und der Unduldsamkeit einer jungen Frau. In Gegenwart einer Schar von Zeugen und Verwandten hatte die junge Dame eben dem Standesbeamten ihr Jawort ausgesprochen und Treue und Gehorsam gelobt, als das junge Paar das Rathaus verließ und in ein nahe gelegenes Restaurant zog, um das Ereignis fröhlich zu feiern. Alle Gäste tranken auf das Wohl des jungen Paares, und der frisch gebackene Ehemann tat ihnen in der Freude seines Herzens so eifrig Bescheid, daß er nach wenigen Minuten angehettert und nach einer Viertelstunde völlig betrunken war. Darüber aber geriet die junge Frau so außer sich, daß sie sofort wieder in das Rathaus stürzte und ihre Ehescheidung verlangte und auch durchsetzte. In einer Stunde war alles vorüber, Eheschließung und Scheidung. Das Geschichtchen schmeckt nach Erfindung, aber nach feiner schlechten. % -■« ~ ~ r> E = O SS rs ö ö"3 DZ 28 s S (?) ö e» (35 tÖ -ÖD' e (L3 * 6S @ S C°(*n «» (?) 2 (9a A = ÖD 'S* L A Ö 5s* (?) ?A Ö? <Ö> ro ZG) 'S* § a CD 2 n ~ to to to to to CD to to to CC to to to ^2. rs Cu cO o '~ÖD (DCr?C? « Os s o. « ♦-! (?) G)2-D ö *äöB 3 3 A & CD cs S 13 o Gl Gl AA ® GlG) F G) 6) G) ÖA rs A* «I? d y CO ÖD A (?) A to to ÖD Ä LS Ö (?) A (?) A Q co y 2 © rs 3 (s- A öl A 35 OIC5V ArtnßlHu A Z § A » O CT ÖS 2 g 3 i 3 S CO ro A ® 22. ro S> A S 5 »co C.A 8-g A. ro UH (3 =f- O A to to to H* to e 2’ A s CD Ö « A 3 o S>4 »o • CD " AO ,,, uiw Ajndtk VB ti» CB £—1 O CO (?) e to-^ti 2:A (?) A 'o'cD S- y Gl V» A ©Ss ?a A=: daß W®, FinJ'"d Rezitators ehmlich. Als diese Lehramtskandidat en, stlirzte Gürtler Sorten zu: ,tzie mehrmals ins 'l das Augenglas )rloS war. Seine "tler sein Heil in nd noch mehrere en aus der Straße r Rede zu stellen, ncn bereitstehenden auf sich eine erregte i einer unbekannten er der Droschki seine Frau wurden letzt. Bevor d« Held des Dramos I nur die föönlh fuhr hierauf jui ne und die beiden ■ Kunstmaler Willi ung am Hand« Lüo? m. ieit und 8°. LJM* gaumen *ü9 der '«iogctt. Aeudnug Wen, 4 XN geprüft «CO SteN« »[ibted'i nd, &» L 2 = 3 A -' 3 ° Gl G)^ G) ;A "" 3 ;»•** fe ^'2 w6* s = to 2--L'A M chösiengericht f pr°° 5mataud)»on^. Strafkammer w Urteil. — I J <ö» für die alle Hautunret- nigkeiten, d Bickel, Mitesser,