Erstes Blatt ISS. Jahrgang Ichivers.-Buch-u. btucteret. tk. L General-Anzeiger Lange. lag der Brühl'schen .Stein- Redaktion, Erpeditüm und Druckerei: Schul st ratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Erped. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Donnerstag Ä5. Oktober 1906 Ä BezngSpretSi ^9 monatlich 7bPi.,oieriei- " jährlich Mk. 2.20; durch zlb()o(c- iu Zweigstellen js?® w* monatlich 65 Ps.; durch W M d W diePoslMk.2.-viertel- v^r lTj jährl. ausschl. Bestellg. ® ® ® Annahme von Anzeigen k’l für die TageSnunnner bis vormittags 10 Uhr. ZcilenpreiS:lokall2Ps^ auSwärtS 20 Pfg. Verantwortlich iür den polit. und atigern. (reis Gießen MW zeigenteil: HanS ®ei Kr. «51 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamilien. blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Ver- 5>ie heutige Yummer umfaßt 8 Seiten. Hraf FosadowsKy und die Ileischteuerung. Aus einer oborhessisch en Stadt Wird uns geschricbenr Die „Dtsche. Tagesztg." ist bei ihrem Bestreben, eine Oeffnung der Grenzen zur Einführung von Schlachtvieh hintanzuhallen, auf einen seltsamer: Einfall gekommen. Sie rechnet mit der Möglichkeit, daß der Staatssekretär Gras Posadowsky aus seiner Reserve bezüglich der Fleisch- teuerung heraustreten werde, da die feinem Ressort unter- stelUen Alterst und Invalidenversicherungs- an st alten eine Unterernährung des Volkes infolge der andauernd hohen Fleisch preise und damit eine frühzeitige Jnaktivität der Arbeiter konstatieren. Das Blatt sucht nun eine entsprechende Stellungnahme des Staatssekretärs zur Fleischteuerungsfrage von vornherein dadurch unmöglich zu machen, daß es ihm unterstellt, er sei viel zu gut unterrichtet, um tatsächlich zu glauben, daß durch eine Einschränkung des Fleischgenusses eine Unterernährung des Volkes herbeigeführt werden müsse. Wenn er aber nicht in diesem Sinne unterrichtet wäre, — und beiläufig die Belehrung durch das Organ des Bundes der Landwirte ablehnen sollte —, dann werde er doch kaum Neiaung verspüren, sich in einen gewissen Gegensatz zur Poirtik des Reichskanzlers und der preußischen Regierung zu stellen. Deutlicher «ist wohl selten ein Druck aus ein Mitglied der Regierung versucht worden, als es hier geschieht. Wir wissen nicht, ob der Leiter der „D. T.", der frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Derlei, aus persönlicher Erfahrung über die Wirkung eingeschränkten Fleischgenusses aus den Ernährungszustand urteilt. Jedenfalls ist Dr. Oertel wirtschaftlich so gestellt, daß ihn die Höhe der Fleischpreise nicht sonderlich anfechten dürfte. Ungezählte Tausende im Volk befinden sich aber nicht in der sozialen Lage des Dr. Oertel, und es handelt sich hier keineswegs nur um Arbeiter, denen immer die „Lohnerhöhung" entgegengehalten wird. Der ganze M.ittelstand, die Beamten, Handelsangestellten, Gewerbetreibenden 2c. spüren die Folgen der Fl e i s ch t e u e ru n g in ihrem Haushaltsbudget. Mur wird von der an hohen Viehpreisen interessierten Seite jeder Einwand bekämpft durch Hinweis auf die „Gefährdung des Gesundheitszustandes des heimischen Viehbestandes". Nicht mindere Beachtung verdient aber wohl die durch Einschränkung oder gar Aufgeben "des Fleischgenusses bedingte Gefährdung des Gesundheitszustandes großer Bevölkerungsschichten; liegt doch ganz besonders ihn Staatsinteresse die kräftige Ernährung der Heranwachsenden Generation. Die kinderreichsten Familien weisen eben bekanntlich Mittel- und Arbeiterstand auf. Alle diese Dinge sind dem Grafen Posadowsky wohl bekannt. Der Staatssekretär ist nicht ein Sozialpolitiker des grünen Tisches, er kennt das wirkliche Leben; er weiß — von seinen Beziehungen zum Beamtenwohnungsverein her — um die bedrückte wirtschaftliche Lage der mittleren und unteren Beamten; er kennt das Elend in vielen Arbeiterkreisen, namentlich in den Familien, die aus der kümmerlichen Entlohnung der Heimarbeit ihr Dasein fristen; es kann ihm nicht zweifelhaft sein, daß für alle diese Leute unerschwingliche Fleischpreise eine Einbuße an Arbeitskraft bedeuten, da im Klima Deutschlands Fleischkost für ausreichende Ernährung unentbehrlich ist. Allerdings sind dem Staatssekretär auch die Sorgen der Landwirtschaft bekannt, er dürste sich in agrarischen Dingen mindestens ebenso auskennen als Dr. phil. Oertel, der sich früher von Berufs wegen mit der theologischen und historischen Wissenschaft beschäftigt hat. Zwar hat die Berlmer Regierung noch einen agrarischen Sachverständigen, den preußischen Landwirtschaftsminister v. Podbielsri. Er gilt vielen als Autorität. Es ist begreiflich, daß dieser Minister die Dinge durch die agrar. Brille betrachtet. Ein Staatsmann har aber vom Standpunkt des Interessenausgleichs zu urteilen. Deshalb ist es wünschenswert, daß der „Sozial-L-taatssekretär" Graf Posadowsky als Repräsentant der Interessen der breiten Masse des Volkes dem preußischen Landwirtschaftsminister im Bundesrat entgegentritt — auch wenn es die „Dtsch. Tagesztg." nicht erlauben will —, damit die Unbill der Fleischteuerung, diese Gefahr für die deutsche Volkskraft und Leistungsfähigkeit, mit Beschleunigung abgesiellt wird. Eine Regierungsstimme zur Acrgaröeiter- öewegung. Wie die NeichSregierung den Forderungen der Bergarbeiter int Ruhrreoier gegenübersteht, das märe recht schön aus den Auslassungen der „Nordd. Allg. Ztg." vom Samstag zu ersehen gewesen — wenn eben dieser so kräftig für die Arbeiter cintretende Artikel sonderbarerweise nicht alsbald als Privatleistung der Redaktion des offtziösen Blattes erklärt worden wäre. Heute nun enthält die „Nordd. Allg. ßtg." nochmals einen Beitrag zur Bergarbeiterbewegung. Dec neue Artikel stammt unzweifelhast aus einem amtlichen Bureau, aber wer da glaubt, Klarheit über die Haltung der Negierung zu gewinnen, tvird enttäuscht. Die „Nordd. Allg. Ztg." drückt den Wunsch aus, daß, nachdem nunmehr der Bergbauliche Verein gegen die Behandlung von Fragen, die das Arbeitsverhältnis einschließlich der Lohnbcdin- gungen betreffen, in Gemeinschaft mit den berufenen Arbeiterorganisationen sich '.acht mehr ablehnend verhalle, 0 0 it Seiten der Arbeitgeber die Forderungen der Ülrbeitcr wohlwollend g epr ü f t und, soweit sie berechtigt und d u r ch f ü b r b a r bH erfüllt luevöctt, daß andererseits die Arbeiter bei der Vertretung ihrer Interessen den tatsächlichen Verhältnissen Rechnung tragen. Im Anschluß hieran gibt sie eine ihr zugegangene Darlegung der einzelnen zur Erörterung stehenden Punkte. Danach handle es sich, von der Beseitigung der sogenannten Sperre, sowie dem hebet- und Nebenschichlenwesen abgesehen, um das Verlangen einer sünfprozentigcn Lohnerhöhung. Daß eine derartige gleichartige prozentuale Lohnerhöhung für mehrere Reviere und für sämtliche Arbeiterkategorien sämtlicher Zechen u n d u r ch f ü h r b a r ist, liege für jeden Kenner der Verhältnisse mit der Hand. Die Grundsätze der Lohnpolitik und die die Lohnbildung beeinflussenden Verhältnisse seien so verschiedene, daß eine gleichartige Behandlung der Frage der Erhöhung ausgeschlossen sei iind nlw von einer A u s g le i ch u u g, nicht aber von einer gleichmäßigen prozentualen Erhöhung die Rede fein könne. Die Ziischrift folgert demgemäß, daß tatsächlich nur die e i n z e 1 n e n Z e ch e n mit ihren Belegschaften in Verhandlungen über Lohnregulierung eintreten können, vorausgesetzt, daß die Voraussetzungen einer allgemeinen Neuregelung der Löhne nach oben überhaupt vorlägen. Die Frage, ob der A n t c i l der Ruhrbergleute an den materiellen Erfolgen der Konjunktur u n z u - r eichend sei, werde bejaht unter Himveis auf den Lohnanteil an dem Gcsanitertrage des Steinkohlenbergbaues im Cbctbevg- amtsbezirk Dortmund. Zahlen rechtfertigen jedoch den gezogenen Schluß nicht. Berücksichtige man das und dies und dies und das Mid noch anderes, so werde man verstehen, daß die Zechen iüd)t mehr als eine der Konjunktur folgende Auswärlsregulicrung der Gedinge in Aussicht stellen können, dagegen ivird im Interesse des Friedens von den Zecheiiverwaltimgeii ertvartct iverden müssen, daß sie in versöhnlicher, entgegenkommender Form mit den Belegschaften verhandeln nnb ernstlich bestrebt sind, etwaige Uneben« heilen in den Löhne n, besonders den Schichtlöhnen, a u s z u g l e i ch e ii. Charakteristisch und für die Beurteilung der Verhältnisse von Interesse dürfte es sein, daß die Zechen, die Ueber- nnb Dieben- schichten nicht verfahren lassen, über Abivanderung der Arbeiter nach solchen Zechen klagen, bei denen diese Beschränkung nicht besteht. Der Drang d e r A r b e i t e r, z u verdienen, ist eben st ärk er, als das Drängen der Arbeiterführer aiif Beschränkung des Ueber- und N e b e ii s ch i ch t e n w e s e n s. Was die Siebenerkomniission anlantze, so sei im Ruhrrevier höchstens d i e H ä l f t e d e r A r b e i t e r 0 r g ft n i j i e r t, in den anderen Revieren, besonders int Saarrevier, noch weniger; man könne es daher dem Bergbaulichen Verein schon aus diesem Grunde nid)l verdenken, wenn er die Komniission nicht als berufene Vertretung der gesamten Bergarbeiterschast anerkenne. Ter Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." schließt: Mit deut letzleii Beschluß des Bergbaulichen Vereins ist der Weg zum Ausgleich der Gegeiisätze beschritten. Auf beiden Seiten wird man von denl Be-- wußlfein beseelt fein müssen, yon welcher ernsten Tragweite für das ivirlschaftliche Leben in unserem Vaterlande die Uiiterbrechuiig der Kohlenförderung sein würde. Es ist zu hoffen, daß Al n ß i g u n g a ii f Seiten der Arbeiter und Wohlwollen aus Seiten der Arbeitgeber die Gefahren eines Streiks a d tv e n d e n werden. Die „Zuschrift" wird wohl der Bergmeister Engel verfaßt haben, der bei der letzten Bergarbeiterbewegiing sich so lebhaft der Unternehmerintercssen annahm und jetzt ins preußische Handelsministerium berufen ist. Die Negierungsstimme aber, die den Arbeitern „Mäßigung" und den Arbeit- gebern „wohlwollende Prüfung" empfiehlt, wendet sonst für eine rechtzeitige Vermittlung in dieser für die Industrie und den PrivathaiiShalt so ungeheuer tvichtigen Angelegenheit nichts auf? Morgen, Freitag, bereits treten die Vorstände der Bergarbeiterverbände und die Siebenerkommission zusammen. Bisher sind Lohnerhöhungen nur ganz vereinzelt zugestanden. Danach ist es leider wahrscheinlich, daß eine in hohem Grade nachteilige Unterbrechung der Kohlenförderung eintreten wird. Eine Hoffnung besteht nur noch darin, daß die Arbeiter nicht sofort streiken, sondern den Vertrag kündigen. Diese Frist müßte unverzüglich zu einer Vermittlung genutzt werden. Lotttssche Sagesschan. Baron Aehrenthal. Aus Wien, 14. Okt., wird uns geschrieben: Seit die Stellung des Grafen Goluchowski als Minister des Aeußern und Vorsitzenden im gemeinsamen Ministerrate der habsburgischen Monarchie für erschüttert galt, wurde unter den Kandidaten seiner Nachfolge der Botschafter in St. Petersburg, Baron Aehrenthal, genannt. Und man erzählte sich, daß er damit beschäftigt sei. Unterricht in der ungarischen Sprache zu nehmen. Zn St. Petersburg hat er den größten Teil seiner Laufbahn, vom Attache beginnend,- zugebracht, und als Botschafter in hervorragendem Maße mitgewirkt an dem guten Einvernehmen zwischen der Monarchie, die er vertrat, und der, bei der er beglaubigt war. Jetzt hat er die Nachfolge des Grasen Goluchowski angetreten. _ Alohs Leopolo Baptm Frecherr Lexa von Aehrenthal wurde 1854 geboren als der älteste Sohn des in Böhmen mit großem Grundbesitze angesessenen Freiherrn Johann Baptist Lexa von Aehrenthal. Der Reichtum der Familie wurde begründet durch Johann Anton Lexa von Aehrenthal, der als Besitzer einer Kotton-Fabrik in Prag 1790 den böhmischen Adel und 1792 den Reichsrittersrand erhielt. Dessen Sohn, Vizepräsident des Apellationsgerichtes zu Prag, Oberst-Hoslehensrichter in Böhmen, Mähren und Schlesien, wurde 1828 Freiherr. Er war der Großvater des Botschafters. Baron Aehrenthal ist seit 1902 mit der Gräfin Pauline Szächenyi in kinderloser Ehe verheiratet; seine Gemahlin ist eine Tochtek des Grafen Julius Szächenyi, früheren Ministers a latere. In politischer Beziehung hat Baron Aehrenthal bisher noch nicht Gelegenheit gehabt, öiientlich in den Vordergrund der Geschehnisse zu treten. Man rühmt ihm, bei persönlichem Ehrgeize, eine große diplomatische Gewandtheit, verbindliches Wesen und gute Formen nach — Eigenschaften, die allerdings für einen Diplomaten seines Ranges eigentlich nur Selbstverständlichkeiten sind. Der Kaiser Franz Josef stattete dem Grasen Goluchowski persönlich einen Besuch ab und verlieh ihm die Brillanten zum Stephansorden. Tie Vereidigung des Barons von Aehrenthal findet heute statt. Im Avgeoroneienhause erklärte heute Ministerpräsident Freih. v. Beck zu der Demission des Ministers des Aeußeren, daß Goluchowski seine Temission in freier Entschließung gegeben hat und baß keine Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Regierungen und dem Ministerium des Aeußeren in einer dem Gebiete der allgemeinen Angelegenheiten angehörigen Frage im Spiele war. Der Kurs unse rcr a u sw artigen Politik wird trotz des Personenwechsels keine neue Richtung einschlagen. Wir werden nach wie vor eine F r i e d e n s m 0 n a r ch i e fein, die ihre,wichtigste Ausgabe darin erblickt, durch Förderung aller Friedensoestrebungen den materiellen und kulturellen Interessen, die unsere Zeit bewegen, Spielraum zu voller Entfaltung zu gewähren. Wenn schon ans diesem Grunde der D r e i b u nd, diese vornehmste Bürgschaft des europäischen Friedens, auch fernerhin die tragende Säule unserer auswärtigen Politik bleiben wird, so werden wir bestrebt sein, dazu noch weitere Friedensgarantien durch die Pflege freu 11 d- schaftlicher Beziehungen zu den a nd e r cu Mächten wie auch zu den Balkan ft aalen zu schaffen. Die ungarische Regierung erklärte, daß sie an den neuen Minister des Aeußeren keine anderen Forderungen stellen wolle als jene, die auf den gesetzlichen Bestimmungen des Ausgleichs von 1867 beruhen. Deutsche» Resch. Berlin, 24. Okt. Im Anschluß an die gestrige Parforcejagd in Töberitz waren bei dem Kaiser zur Abend- tafcl geladen der Master General ä, la suite Graf Hohenau und fein Vertreter Graf Spee, Generaladjutant v. Scholl, Oberslallmeister Jrhr. 0. Reisbach und Rittmeister v. Holtzing. — Heute vormittag hörte der Monarch die Vorträge des Chefs des Zioilkabmetts Wirkt. Geheimrats Dr. v. Lucanus und des Staatssekretärs Krätke und empfing den öster.-ungar. Feldzeugmeister Grafen Beck. — Frhr. v. d. Goltz, der kommandierende General de§ 1. Armeekorps, wird der Londoner »Finanz-Chronik" von einem Berliner Mitarbeiter als Kandidat für den Posten des Reichskanzlers genannt, falls dieser aus Gesundheitsrücksichten sich nicht würde im Amte halten können. Es wird hinzugefügt, daß in einer Kanzlerschaft v. d. Goltz nach hohen Aeußerungen „ein Geschenk an die deutsche Intelligenz" zu erblicken sein würde. Ohne uns die Kombination zu eigen machen zu wollen, wollen wir doch nicht verfehlen, sie einfach zu registrieren. — Vorbesprechungen über die allgemeine politische Lage und über die nächsten Arbeiten des Reichstages wird der^eichskanzler Fürst Bülow in einigen Tagen mit einigen parlamentarischen Führern abhalten. — Eine für hellte abend vom Grafen Pückler einberufene Volksversammlling wurde nach kurzer Dauer polizeilich aufgelöst. Stach beleidigenden Ausfällen gegen den preußischen Richterstand aus Anlaß der jüngsten Gerichtsverhandlung gegen den Grafen versuchte er, die Person des Kaisers in den Kreis seiner Kritik zu ziehen. Als der Redner schwere Beleidigungen gegen den neu ernannten Kolonialdirektor Dernburg aussprach, verfiel die Versammlung der Allflösung. — Die Königl. bayerische Kreisregierung der Pfalz hat, ivas viele heute besonders interessieren dürfte, schon vor Jahren die Wahl eines Sozialdemokraten zum ersten Adjunkten der Stadt Ludwigshafen a. Rh. bestätigt. Nürnberg, 25. Okt. Der „Fränk. Kur." weiß zu inelden, daß die kleine Pia Monica, die Tochter der Gräfin Montignoso, weder bei derMlitter bleiben, noch an den Dresdener Hof kommen soll. Man will sie in einer altadeligen, katholischen, dem sächsischen Hofe nahestehenden Familie in Bayern unter ganz besonderer Aufsicht erziehen und für das Klosterleben vorbereiten lassen. Ausland. Paris, 24. Okt. In der heutigen Sitzung des Internationalen Kongresses zur Bekämpfung des Mädchenhandels entspann sich über die Frage der Verträge der Sängerinnen eine längere Diskussion, an der sich Major Wagner, Pastor Maltzen, die Fürstin von Erbach und Saburoff beteiligen. Ter Kongreß fordert die nationalen Komitees auf, von den Behörden die lieber- wachung und Unterdrückung der unsauberen Machenschaften solcher Theater- und Konzertagenten, sowie solcher Lokale, die unter dem Vorwand, künstlerische Zwecke zu verfolgen, nur der Prostitution dienen, zu verlangen. Darauf wuroe der Kongreß geschlossen. — Bei Besprechung des neuen Kabinetts sagt der „Gaulois": Wir glauben nicht, daß Clömenceau ein Diktator sein wird, aber man darf trotzdem mit Recht befürchten, daß er eine Diktatur herbeizuführen sich bemühen wird. „Eclair" ist derselben Ansicht. Tie „Lan- terne" erwartet vom neuen Kabinett ein offenes radikal- sozialistisches Proaramm. Wien, 24. Okt. Heute nachmittag wurden die parlam. Mitglieder des Ministeriums vom Kaiser in Audienz empfangen. Wie verlautet, sollen sie nachdrücklich daraus aufmerksam gemacht worden sein, daß der Kaiser auf eine rasche Erledigung der W a h l r e f 0 r m großes Gewicht lege. — Dem „N. K.-B." zufolge wurde der Reichskriegs- mrn r st er v. Pittr eich auf seine Bitte unter gleichzeitiger Verleihung des Großkreuzes des Stephansordens von fernem Drenstposten enthoben. Zu seinem Nachfolger wurde der Minister der Landesverteidigung, Schönaich, ernannt und ihm gleichzeitig das Großkreuz des Leopoldordens verliehen. - . Abgeordnetenhaus Lntcr??rJlcrteJ"atEed die Regierung bezüglich des all- deutsch en Verbandes, der zahlreiche deutsche Staats-^ j Ausschußarbeiten fommcn, bcoor die Schlußbestimmungen treffen, i .-i mcl)': bieten. Immerhin Sperrsitzreihen begnügen. ** Gewerbeschiedsgerichte. Schon verschiedentlich ist auf Versammlungen von OrtsgewerbSvercinen die ftrnge behandelt worden, ob nicht zur Schlichtung gewerblicher Streitigkeiten ständige Schiedsgerichte durch die Gewcrbevercine eingerichtet werden könnten in der Weise, wie es bei Innungen möglich ist. Letzteren steht nämlich eine derartige Befugnis auf Grund des § 81 b, Ziffer 4 der Gewerbeordnung zu. Die Fange bezüglich der Verleihung eines ähnlichen Rechts an die Ortsgewerbevereine wird n. d. „Darmst. Ztg." verneint werden müssen, da die Gewerbeordnung keine Grundlage für den Erlaß einer solchen Anordnung bietet. Die Ziele, die von den Ortsgewerbevereinen bei ihren Wünschen verfolgt werden, lassen sich iedoch auf Grund des Gewerbegerichtsgesetzes erreichen. Die interessierten Vereine werden am zweckmäßigsten bei den zuständigen Kreisämtern die Errichtung von Gewerbegcrichten für die betreffenden Kreise oder Teile derselben anregen. Die Kreisümter sind bereits durch frühere ministerielle Verfügung angewiesen, der Errichtung solcher Gerichte ihre besondere Auftnerksamkeit zu schenken und sie werden den Wünschen der Gewerbetreibenden sicher entsprechen, sobald man ihnen die Notwendigkeit solcher Gerichte nachweist. •* Die ortsanwesende Bevölkerung des Großherzogtums Hessen belief sich nach dem endgiltigen Ergebnis dcrVolkszählung vom 1. Dezember 1905 auf 1 2 0 9 17 5 Personen. Der Zuwachs beträgt demnach in fünf Jahren 90 196 gleich 8.00 Proz. Die Städte über 10 000 Einwohner sind Mainz 91 179, Darmstadt 83 123, Offenbach 59 765, Worms 43 841 und Gießen 28 769. •• Fürsorgekasse für Gemeindebeamte. Im Ausschuß der zweiten hessischen Kammer für die Verwaltungs- rcsorm wurde mitgetcilt, daß die Vorstellung der Ortsund Polizeidiener, die am 11. Februar zu Darmstadt bcschloffcn wurde, von der Negierung in der allernächsten Zeit beantwortet und wahrscheinlich durch eine in Aussicht stehende NegicrungSvorlage betr. die Bildung einer Fürsorgekaffe für Gemcindebeamte im Sinne der Orts- und Polizei- diener erledigt werden soll. -f- Hochelheim, 24. Okt. Unsere vergrößerte und renovierte Kirche ist setzt vollendet und am Sonntag fand uücder zum ersten Male Gottesdienst darin statt. — Im nahen Hörnsheim wurden am Sonntag die neuen Glocken eingeweiht; sie wurden in Kaiserslautern gegossen. () Nordeck, 24. Okt. Frau W. M o l i n e u s verkaufte das ibr seit 10 Jahren gehörige Schloß und Gut Nordeck an die Herren S. Strauß^Marbura, M. Wolff-Marburg und D. Stern-dLordeck für 400 000 Mark. Das Gut, ea. 500 Acker groß, ist seit einigen Jahren im einzelnen verpachtet. Der dazu gehörige Wald, 88 Anteile, ist Jnteressentenwald. Wie man hört, beabsichtigen die Käufer das Gut zu varzellieren. △ Aus der Wetterau, 24. Okt. Das massenhafte Auftreten der Feldmäuse war im bald verflossenen Herbst zu einer Plage geworden, besonders großen Schaden haben sie ein den Hackfrüchten angerichtet. Infolge des gelinden Wetters sicht man die Mäuse jetzt noch scharenweise auf dem Felde und befürchtet für die Winteranssaat. Es ist deshalb in einigen Gemeinden behördlicherseits gestatte worden, auf den Aeckern zur Vertilgung der Schädlinge Gift zu legen. )( Lauterbach, 24. Okt. Ihre goldene Hochzeit begingen im Kreise ihrer Familie Schuhmachermeister Dufei'er g und Iran, geb. Höck. Beide sind noch sehr rüstig und stehen im Alter von 75 bezw. 72 Jahren. — In dem Dorfe H c b l o s beschlossen die Landwirte die Einführung der Feld- bereinigung. — In Maar, b?m größten Dorfe unseres Kreises, ist der Lehrer Ritz nach fast 50 jährig er Berufstätigkeit in den Ruhestand getreten; er hat 31 Jahre in Adaar gewirkt. Die gesamte Gemeinde, die Vereine und Vorstände brachten dem scheidenden Lebrer einen Fackelzug und ein Ständchen dar. Ritz zieht nach D a r m st a d t. Vermischtes. ♦ Ein Schiffsunalück. Aus Hamb urg wird uns geschrieben: „Am 17. Oktober scheiterte das Segelschiff „Catharina" auf hoher See. Nachdem die aus 4 Mann bestehende Besatzung drei Tage ohne Essen und Trinken aufPlanken getrieben war, wurde sie von einem englischen Dampfer nach Hamburg gebracht. Unter der Besatzung ist der Leichtmatrose Fuß aus Gießen." . * K ö n i g s b e r g i. Pr., 24. Okt. Heute mittag ver,uchte eine etwa 60 Jahre alte Frau dem im hiesigen Schlosse wohnenden Prinzen Friedrich Wilhelm ein Anliegen vorzubringen. Sic gab sich bei dem Doppelposten vor dem Schlosse als eine Prinzessin von 01 b c n t Heer rriid Flotte. _ Der Kaiser und die Bensberger Kadetten. Bei seinem Aufenthalt im Rheinlande hat der Kaiser in der vorigen Woche auch die Stadt BenSberg besucht und auf dem dortigen Schloßplatze eine Parade über das Kadettenkorps abgenommen. Die Kadetten ftihrten einen vorzüglichen Parademarsch aus und defilierten in Sektionen an dem Monarchen vorbei, der über ihre Leistungen sichtl>">h freut war. Zum Schluß ließ er die Kadetten ein Karree bilden itnb hielt an sie, wie wir in der .Magdcb. Zig." lesen, folgende Ansprache: »Meine lieben Kadetten I Der Parademarsch hat mir sehr gut gefallen. Ich wünsche und hoffe, daß ihr bald brauchbare Offiziere und dereinst tüchtige Führer meiner Armee werdet. Denkt daran, was vor hundert Jahren passiert ist! I h r st e h t mir dafür, daß solches nicht wieder vorkommt. Im übrigen könnt ihr jetzt a u \ meine Kosten s o viel Schokolade und Kuchen essen, als ihr Herunterstopsen könnt. Adieu/ Die Zuständigkeit der Kreisgeometer. Bezüglich der A b g r e n u n g der Znständigkeit der Kreisgeometer haben seither vielfach Zweifel bestanden, die ihren Ausdruck auch in Kl^aen bAr die Vrivatpro'is betreibenden Geometer und der sonstigen Interessenten über allzu weite Ausdehnung des Kreises der allein ben Kreisgeometern zustehenden Arbeiten gefunden haben. Zur Beseitigung dieser Zweifel hat, wie wir der „Darmst. Zta." entnehmen, das G^nßh. Ministerium, der Finanzen. Abteilung für Steuerwesen, im Einvernehmen nut Großh. Ministerium d^s Innern die nachstehenden Vorschriften erlassen, die am 1. ds. Mts. in Kraft getreten sind und vom Großh. Katasteramt allen. Geometern zur Kenntnis gebracht wurden: , , 1. Arbeiten für Private dürfen von den Kreisver- messungsämtern nur auf besonderen Wunsch ber Interessenten, und zwar auf Grund schriftlichen Auftraos derselben ausgeführt werden. Den Kreisverrnffsungsämtern ist es bei Disiivlinar- irofe untersagt, sich für solche Arbeiten mizubieten oder anmeten zu lassen. Dia Gebühren für solche Arbeiten fließen selbstverständlich in die Staatskasse. . . 2. Bezüglich der im Interesse her Kreise und Gemeinden vorznnehmenden Arbeiten, die nach Z'ffer 4 der Bekanntmachung, die Einsührung des Instituts der Kreisgeometer nsw betr. vom 19. Juli 1902 von den Kreisvermessungsämtern auszufuhren find, ist das folgende bestimmt: Als im Interesse von Kreisen, Gemeinden usw. vorgenommen gelten Arbeiten nicht schon dann, wenn sich eine Vermessung infolge Ausführung eines Privatnnteimehmens nur rn untergeordneter Weise zufällig und rein äußerlich auf Kreis- oder Gemeindegeläude erstreckt, sondern nur dann, wenn bei ihnen der Kreis oder die Gemeinde ,allein oder doch vorwiegend nicht nur als sachliche Interessentin an der Vermessung, sondern auch an dem die Vermessung und Besitzveränderuna bedingenden Unternehmen erscheint. Eine Kreis- bezw. Gemeindearbeit liegt somit z. B. nicht vor, wenn: ...... a) sich bei Vornahme von Grenzregulierunaen an Grundstücken von Privaten erst hei Ausführung der Vermessung die Notwendigkeit der Zweckmäßigkeit einer Grenzregulierung mit Kreis- ober Gemeindegelande ergibt: h) an Gr""dstücken von Privaten z-r besseren Grenzregulierung gegen Wege ober Straßen verhältnismäßig kleine Flächen an Kreis- oder Gemeindeaelände ab- oder zugehen. Außerdem wird darauf aufmerksam gemacht, daß unter der Vorschrift ber Zfffer 4 jener Bekanntmachung nur dieienigen Kreis- unb Gemeindearbeiten fallen, die sich 'als geometrische darsteUen, d b. die nur von einem patentisierten Geometer borgenommen werden dürfen. Arbeiten, die ihrer Natur nach bestimmungsgemäß auch von einer nicht als Geometer patentisierten Person, z. B einem Techniker, ausgeiührt werden dürfen, wie Ortsbau- vläne usw.. können von den .Kreisen und Gemeinden somit auch anderen Sachverständigen als den Kreisgeometern übertragen werden. . . Zweifel über die Frage, ob eine Arbeit im Interesse des Kreises oder der Gemeinde ansgeführt wird, sollen von,Großh. Ministerium der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen im Benebln mit Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft. Hanhel m*b Gewerbe entschieden werden. Der Fra'"6erhauptmann von Köpenick. Wie das ,Köpn. Tagebl.* meldet, will man in Könenick selbst eine neue Spur des KaffcnräuberS entdeckt haben. Ein Gärtner teilt mit, daß er vor mehreren Jahren einen Gehilfen beschäftigt habe, auf den das Signalement paffe und dem die Tat wohl zuzutrauen sei. Er habe auch in der Nähe de§ einen Mundwinkels eine anscheinend von einer Verbrennung herrührende Narbe, wie sie der Gastwirt Lange, bei dem der Pseudo-Hauptmann eingekehrt war, an diesem gesehen haben will. Dieser Gehilfe, NamenS Olzewski, hat Köpenick vor drei Jahren verlaßen, wurde aber im Sommer mehrfach in der Umgebung gesehen. Die Polizei sucht jetzt seinen Aufenthalt zu ermitteln. Die Stadt Köpenick erhöhte die Belohnung auf die Ermittelung deS Kassenräubers von 500 auf 1000 Mark. Aus Leipzig kam eine Meldung, wonach der Kasten- räuber gefaßt fein sollte: es handelt sich aber um einen Geisteskranken, der sich der Tat selbst bezichtigt hat. Eine andere Meldung weist auf einen ehemaligen geisteskranken Offizier hin. Die „Dortm. Ztg.* will hierüber erfahren haben, daß ein Berliner Militärarzt nach der Be- fchreibung ded Köpenicker Hauptmanns in ihm einen früheren Patienten erkannt habe, der Hauptmann war, Veteran deS Krieges 1870/71 und Ritter deS Eisernen Kreuzes sei. Er Wusstsches. Ministerpräsident Stolppin erließ au bie OrtS- Lehörden ent Zirkular über die rückständtge Zahlet n g von Sem stWv - Ab gnb e n auf Ibi Iren. Der Minister erklärt, daß diese Zahlungsrüastande da^ Ansehen der Regierung schädigen und befiehlt, daß die Außenstände sofort mit allen Zwangsmaßregeln beizu treiben seien. Bei hartttackigem Widerstand hat die Behörde den Minister zu benachrichtigen, welcher alsdann seine Maßregeln treffen hrirb. , Auf Antrag des Finanznvinisters hat der Ministerrat beschlossen, die Verzinsung der von der Bauern- ’b a n I entnommenen Beträge auf 4Vs Prozent herabzusetzen, was dem durchschnittlichen Zinsfuß der Adelsbank entspricht. Diese Maßnahme bildet einen weiteren Schritt tn den Erleichterungen für die Bauern zur Erwerbung von der Regieruna. der Krone und Privatleuten gehörigen'Ländereien. Die den Bauern bewilligte Zinsherabsetzung bedeutet eine Ersparnis von 1 Rubel 25 Kopeken auf je 100 Rubel. Die Anleihen sind für die Dauer von 55 Jahren gewährt. Die der Bank erwachsende Verniinderung des Einkommens wird dem Staatsschätze zur Last fallen. Am 23. d. M'. fand im Ministerium des Aeußern eine Sitzung der Konferenz für den M'schluß eines Handels- v er träges mit Japan statt. Ein Korrespondent der „Voss. Ztg." hört aus guter Quelle, in maßgebenden Kreisen werde die Ernennung des Grafen Witte zum Statthalter von Polen in Vorschlag gebracht. Zuverlässigen Meldungen zufolge wird der „Ämtr Ztg." aus Paris gedrahtet, Witte habe insbesondere bei Rothschild die größten Anstrengungen gemacht, nm Geld für Rußland zu bekommen. Der Mißerfolg war jedoch vollständig. • Ein von Kursk kommender Postwagen wurde von zehn Räubern überfallen und um 29 000 Rubel beraubt. Die Grenzwache verfolgt die Räuber. In Werchne UdinSk wurde bic Güterstation von zwanzig Räubern überfallen. Doch schlugen die Soldaten von dem bei der Station haltenden Militärzug die Räuber in die Flucht und nahmen sechs von ihnen fest. Das Mönchskloster Pawlogradsk wurde von räubernden Revolutionären nachts überfallen. Mehrere Mönche wurden auf grausame Weise ermordet. Geld und Wertsachen wurden geraubt. tofamer und Würdenträger zu seinen Mitgliedern zahlt und Iber angeblich die ,Einv er leibung Oesterrcich- «Ungarns anstrebe. >Der Redner prägt, ob diese Agitation Gtit her Erneuerung^des Dreibundes Vereinbart und ob furcht Abhilfe geschafft werden könnte. Bern, 24. Okt. Der ViehexssVrt aus der Schweiz nimmt große Dimensionen an. Letzte Woche «wurden Von einem Berner Viehl)ündler 300 Stück Mastvieh nach Berlin, 61 Stück Zuchtvieh nach Ungarn geliefert. Diese ^Woche wurden wieder 20 Wagenladungen Zuchtvieh nach Rumänien exportiert, welche durch Extrazug befördert werden. '__________________ Mainz, 24. Okt. Eine peinliche Ausschreitung eines Stadtverordneten im Theater hat sich, wie das „9)1. T." berichtet, ereignet. Der Stadtverordnete und frühere Bierbraucreibesitzer Geb ursch überfiel den früher mit ihm befreundet gewesenen ehemaligen Karnevalspräsidenten Max Weller und mißhandelte ihn in gröblichster Weise. Von Augenzeugen wird darüber berichtet: Während einer Zwischenpause ging der bejahrte Weller aus der Treppe zum Sperrsitz an dem ihm gleichaltrigen Gebürsch vorüber, der ihm ein gehässige? Schimpfwort zurief. Als sieh Weller, jedoch ohne ein Wort zu erwidern, erstaunt umdrehte, stürzte Gebürsch sich auf ihn zu und schlug ihm • ohne weiteres ins Gesicht und riß ihm ein Stuck seines VollbartcS aus. Bevor sich Weller, der auS dem Mund blutete, noch von seiner Bestürzung erholt ha tte, war Gebürsch, Schimpsworte auSstoßend, dgvongelaufen. Weller soll sich über Gebürsch wiederholt lustig gemacht und versucht haben, durch Erzählen von allerhand Witzen ihn lächerlich zu machen. Daß Gebürsch zur Abwebr hierfür andere Mittel geboten waren, als im Stadttheater einen solchen Auftritt zu provozieren, bedarf keiner Ausführung. b. Frankfurt a. M., 24. Okt. Wie die Blätter melden, hat die Strafkammer die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Stadtv. ZiclowSki abgelehnt. Bekanntlich hatte die Staatsanwaltschaft auf Antrag der Stadtverordncten-Versammlung gegen Zielowski Anklage wegen Beleidigung erhoben. Es sollte damit ZielowSki die Möglichkeit gegeben werden, das Bcweismaterial für seine Beschuldigungen, das er dem Senioren-Konvent der Stadt- verordneten-Versammlung vorenthielt, vor einer richterlichen Behörde vorzulegen. — Der Inhaber der Blücher-Apotheke, Edgar Rüdel, wurde heute früh in seiner Wohnung, Gut- leutstraße 102, erschossen aufgcfunden. Er hatte die Apotheke erst vor drei Wochen übernommen. Die Tat ist anscheinend gestern abend erfolgt. Nervöse Ueberreiztheit dürfte die Ursache sein. Rüdel ist unverheiratet und 50 Jahre alt. — Der 24 jährige unverheiratete Knecht Bernhard Brehm war von dem Fuhrunternehmer Emil Fischer in Rödelheim wegen häufiger Trunkenheit und Bedrohung entlasten worden. Als er gestern sein Backsteinfuhrwerk sah, welche? sein Nachfolger leitete, schwang er sich auf den Wagen, um den neuen Knecht herunter zu reißen. Dieser setzte sich zur Wehr und schlug mit dem Peitschenstiel auf seinen Gegner ein. Brehm fiel vom Wagen und geriet unter die Näder. Der Kopf wurde ihm vollständig zerquetscht, sodaß der Tod sofort eintrat. Der Knecht Wenzel soll lediglich in Notwehr gehandelt haben. Er wurde vorläufig in Haft genommen. [] Marburg, 24. Okt. Privatdozent Dr. Paul Menzer auS Berlin wurde zum a. o. Professor der Philosophie an der hiesigen Universität ernannt. — Heute fand in der lutherischen Kirche hier die von etwa 200 Geistlichen und Synodalen besuchte diesjährige Diözesen-Synode für das kurhessische Oberhessen statt. Vielfach wurde über die überhandnehmenden Festlichkeiten und Vereine Klage geführt. R. B. Darmstadt, 24. Okt. Der Verwaltungsrevision saus sch ich der zweiten Kammer hat die Durchberatung des Gesetzentwurfs, betr. die Städteord- soll mebrfad, in irrenärjttifte Behandlung, aber mich schon nung, wieder um ein bedeutendes Stück vorwärts gc- mit den. Streiken in Konflikt gekommen sein. Der geisieg. bracht Et am b.s Artikel 138 d-r Vor age nnd hat damr kranke Mner sei seit der Köoenicker Affaire ans seinen, dis. d.e An stml w.wt.gsten g»^ dw Kgp^uber berigcn Aufenthaltsorte verschwunden. — Die Dresdener 120 des Gesetzentwurfs, ber die Tätigkeit und die Spur scheint hinfällig zu sein. Der Schreiber Sch. dienstliche Stellung des Bürgermeisters und der Beigeord- komme, wie jetzt die dortige Polizeidircktion bekannt gibt, als neten behandelt, wurde zwecks gleichzeitiger Beratung mit Täter nicht in Betracht. der neuen, dieser Tage von der Regierung vor gelegten In militärischen Kreisen gebt das Gerücht um, der Magistratsversassung vorläufig zurückgestellt. Ist über diese Kaiser beabsichtige bei der Rekrutenvereidigung eine Kabi- Materie im parlamentarischen Ausschuß endgültig Klarheit nettSordre zu erlösten, in der neue Bestimmungen erlassen geschaffen, so dürften die weiterer: vier ^tel ber' got age werben, wodnrch Vorgänge a la Köpenicker Rat- dw Verwaltung des s adtgchen Vermog-Nn dw stadt.schen ..... c Umlagen, besonderen Ausschläge, Abgaben UNO cvcvuyren, hauSbesatzung durch M'lltarpersoen unmoglreh bU staatliche Oberaufsicht über die städtische Verwaltung gemacht werden sollen. Die herrschenden Beltmimungen handelrr und endlich näber "*Li.............. betreffs Verhaftung von Zivilpersonen durch Militär im leine wesentlichen Scistch.i g Frieden sind indes so klar, daß sie Erläuterungen nicht be- aber wird trotz der eifrig u'f dürfen. Da den Kaiser der Köpenicker Vorgang natürlich das zweite Drittel deS Nov______ , unliebsam berührt haben wird, so ist es freilich nicht auSge- gemeinsamen Beratungen mit der ticgicrjina ihren Anfang schloffen, daß Sorge getragen wird, den Mannschaften die be- nehmen können. treffenden Bestimmungen genau in JnstruktionSstunden klar- zulegen. 21 us Stadt und Land. Gießen, 25. Okt. 1906. " Ordensauszeichnung. S. K. H. der Groß- Herzog haben dem bisherigen Polizeidiener Karl S ch m i t t III. zu Lollar das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Dienste" verliehen. — In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog am Mittwoch u. a. Leutnant Herrn. Riedesel Freiherr von Eisenbach vom 2. Großh. Dragoner- Regiment Nr. 24. •• KreiSamtSpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den KreiLamtmann bei dem Kreisamt Gieß e n Dr. Paul Wörner zum Ministerialsekretär im Ministerium deS Innern, und den Ministerialsekretär bei dem Ministerium deS Innern Dr. Nikolaus Reinhart zum KreiSamtmann bei dem KreiSamt Mainz ernannt. •• Znm Kurdirektor in Bad Nauheim wurde von S. K. H. dem Großhcrzog Major a. D. Freiherr Wilhelm von Starck ernannt. " Theaterverein. Um einem zu späten Schluß der Aufführung deS .Graf Essex" am Freitag vorzubeugen, wird die Vorstellung mit dem Glockenschlag 8 Uhr beginnen. Die Besucher werden gebeten, ihre Plätze schon vor 8 Uhr einzunehmen. Etwa zu spät Kommende wollen sich bis zum Schluß des ersten Akts mit einem Stehplatz hinter den kurg aus, worauf die Posten präsentierten. Die Haupt-1 wache trat ins (Gewehr, das Spiel wurde gerührt. Der die Wache kommandierende Vizefeldtvebel bot der angeblichen Prinzessin auf deren Wunsch einen Stuhl an. Es entstand eine große Menschenansammlung, auf welche die Polizei aufmerksam wurde. Die Dame wurde darauf sistiert und später als eine geisteskranke Witwe aus Königsberg festgestellt. Sie wurde nach dem städtischen Krankenhause gebracht. Der Prinz war im Schlosse nicht anwesend. * Ein schwerer Eisenb ahlnunfall ereignete sich auf dem Bahnhof zu Hannover. Als ein Güterzug nach Braunschweig die Halle verlassen wollte, rangierte eine Maschine einen Postwagen hinter den Bremer Personenzug. Der Güterzug hatte kaum die Halle verlassen, als er von der Maschine in einer .Kreuzung angefahren wurde. Der Anprall war so heftig, daß die Maschine zur Seite flog. Etwa 10 Wagen sind beschädigt. Der im Postwagen Dienst tuende Schaffner Hitzemann wurde schwer verletzt. Anscheinend erlitt er einen Bruch des Rückgrates. Ein Bremser des Güterzuges wurde gleichfalls verletzt. Die Geleise blieben noch eine Stunde gesperrt. — Auf der Station Mattierzoll bei Jarzheim (Prov. Sachsen) fuhr ein Eilgüterzua auf einen Rangierzug. Der Materialschaden ist beträchtlich, vom Personal wurde niemand verletzt. * Kleine Tageschronik. In.Köln wurde ein M ä d - ch e n h ä n d l e r in der Person eines Friseurs von der Kriminal- polizei verhaftet. Er hatte unerfahrene Mädchen öffentlichen Käufern überliefert und mit ihnen einen schwunghaften Handel nach dem Auslande aetrieben. — Der Oberförster Schönberger geriet in P o t s d a m , bei dem Versuch, aus einem bereits in Bewegung befindlichen Zuge seinen im Coupee stehen gelassenen Regenschirm zu holen, unter die Räder. Schönberg wurden beide Beine abgefahren, sangst er in hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause gebracht werden mußte. — Vom Fürstenwalder Svar- und Vorschußverein wird berichtet, daß von einem Berliner Revisor die Bilanz aufgestellt worden ist, die mit einem Fehlbetrag von 332000 Mark abschließt, wofür 250 Mitglieder haftbar find. — Als Mörder des Landwirts Strathmann in Petersdorf (Oldenburg) wurde der Landmann Emken, ein Verwandter des Ermordeten, verhaftet. Emken hat ein Geständnis abgelegt. — Der ,.Standard" meldet, daß große Negerunruhen in Philadelphia stattsanden. In dem Walnut-Street-Theater wurde ein Drama aufgeführt, das zahlreiche für die Neger beleidigende Stellen enthält. Während der Vorstellung drangen mehr als 2000 Neger ins Theater ein, um die weitere Aufführung des Stücks gewaltsam zu verhindern. Die Neger bewarfen die Scbau- fvieler mit faulen Feuchten, Eiern und Steinen. Schließlich stürmten sie auf die Bühne und verjagten die Schausvieler. Die Polizei war machtlos. Schließlich gelang es Negerpastoren, die Neger zu beruhigen. Gerichtssaal. Erfurt, 25. Okt. Das Kriegsgericht verurteilte den Unter- osfizier Krüger vom 95. Infanterie-Regiment wegen fortgesetzter schwerer Soldatin-Mißhandlung zu 4 Monaten Gefängnis und Degradation. Erfurt, 24. Okt. Die Strafkammer verurteilte den Redakteur v. L o j e w s k i von der sozialdemokratischen Tribüne wegen öffentlicher Beleidigung des Pastors Kirchner zu 3 Monaten Gefängnis. Anon pme Briefe! Die Strafkammer zu Neuwied verurteilte nach achttägiger Verhandlung die frühere Seminaristin Dannauer, die durch' anonvme Briefe gemeinsten Inhalts angelehene Personen schwer beleidigt hat, wegen Urkundenfälschung im Zusammenbanae mit Beleidigung und Bedrohung zu einem Jahre Gefängnis. Im Laufe der Verbandlnna r:n«> vnonA-n Wi’JrtPiM verhaftet. Arbeiterbewegung. Herborn, 22. Okt. Nachdem die Bergarbeiter-Bewegung auch auf das Lahn- und Dilltal überaegrifsen hat, wurden gestern aegen 20 Verfammliinaen abgehalten, in denen die Bergarbeiterlöhne des Lahn- und Dilltals zur Svrache kamen. Einstimmig wurde in allen Versammlungen eine Resolution angenommen, in der die Gewerkschaften ausgesordert wurden, unter anderem die Normalschichtlöhne auf 3.20 Mk. zu erhöhen, regelmäßige Arbeitcrausschilüsihungen zu gewähren und bei festem Gedinge 15 proz. Lohnerhöhung zu genehmigen. 9(nch soll eine Verschmelzung sämtlicher rechtsrheinischer Knapv- schaftskassen des Oberbergamts Bonn zu einer einheitlichen Kasse angestrebt werden. (Frkf. Ztg.) Hamburg, 24. Okt. In der Angelegenheit des Binnen- schiffer-Ausstandes beschlossen die Arbeitgeber, sich kei- nesfallsmit derAnsstandsleitungbezw. derSek- tion des Binnenschifser- und Hafenarbeiterve r- b and es in irgendwelche Verhandlungen emznlassen, sondern nur von ihren Arbeitern Forderungen und Wünsche entgegen zu nehmen unter der Bedingung, daß die Arbeit von ihnen sofort bedingungslos wieder ausoenommen wird'. Dresden, 24. Okt. Die hier versammelten Direktoren der Elbschisfahrt-Gesellschaftcri lehnten die Verhandlungen mit der Oraanisations-Leitnng der Binnenschiffer ab, wollen aber mit ihren Arbeitern über die Lohnforderungen verhandeln, wenn diese vorher die Arbeit wieder aufnehmen. Brüssel, 24. Okt. Die nun nahezu vier Wochen dauernde Aussperrung der Webereiarbeiter von Verviers hat bereits einen Lohnverlust von mehr als IV2 Mill, verursacht. — Die Glasarbeiter von Charleroi haben den Ausständigen 50 000 Francs Unterst ützunqsgelder gesandt. Es scheint sich eine Versöhnung anzubahnen. Die Wcbereibesitzer haben eine versöhnliche Erklärung erlassen, in der sie die Gewerkschaften anerkennen. Weitere Streitpunkte sollen du.rch einen gemischten Anslckn'ß entschieden werden. Tttrehe und Schule. — Wie der „Voss. Ztg." aus Freiburg gemeldet wird, ist die A m t s e n t s e tz u n g des Meineid-Pfarrer Gaiserts ans ministerielles Eingreifen erfolgt. Israelitische Netigionsgesettschast. Hotlesdicnll. Sabbathfeier am 27. Oktober 1906: Freitag abend 4.40 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr, nachmittag 3.30 Uhr. Sabbath-Ausgang 0.00 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 7.00 Uhr, abends 8.00 Uhr. Israelitische Neligionsgcmeindc. (fcoffesbienff in der Snnagege (Südanlage). Samstag, den 27. Oktober 1906. Vorabend 5.00 Uhr. Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Schristerklärnng. Sabbathausgang 6.00 Uhr. Märkte. th. (Sieben, 24. Oktober. Der dieswöchige V i e h m a r k t hatte einen Auftrieb von etwa 1250 Stück Großvieh, 150 Kälbern und 600 Schweinen. Ter Vorhandel in Milchvieh war ausnahmsweise sehr bedeutend und ließ in dieser Viehgattung ein glänzendes Geschäft aus dem eigentlichen Markte erwarten. Trotzdem es auch an Käufern für tragende und frischmelkende Kühe nicht fehlte — sogar von der Mosel und der Nahe waren Käufer erschienen — war kein flotter Handel zu erzielen, die Käufer ver- hielteic sich abwartend und deckten den Bedarf erst, als die immer- hin noch hohen Preise des letzten Marktes abschlugen. Ebenso war der kleine Vorrat in jungen Rindern für Zuchtzwecke diesmal knavv unterznbringen. Fette Rinder und fette Kühe, die in schöner Ware am Markt waren, wurden gesucht und schnell zu guten Preisen abgefetzt. Ebenso war der Handel in Kälbern bei dem kleinen Vorrat recht flott. Etwa 12 Paar Gangochsen, die am Markt waren, gingen zu guten Preisen fort. Das Geschäft in Schweinen war wieder nur zu weichenden Preisen zu machen. Bei den hohen Kartoffelpreisen würden die Preise für Magerschweine und Ferkel noch mehr abschlagen, wenn der Gießener Markt für die Handelsleute mit Ware aus dem benachbarten Preußischen Gebietsteilen vom Markt nicht ausgeschlossen sein würde. Man begreift nicht recht warum die Sperre für Schweine aus Preußen andauert, obschon doch die Seuche dort allgemein für erloschen erklärt ist. Man hofft, daß der neue Kreisveterinärbeamte, sobald er sein Amt angetreten haben wird, dafür eintritt, daß die Sverre aufgehoben wird, wodurch wieder auf unfern Märkten eine gesunde Konkurrenz geschaffen würde. Gebandelt wurden das Stück: Frischmelkende und tragende Kühe 1. Qual. 500—450 Mk. (einzelne schwere Tiere bis 525 Mk.), 2. Qual. 420—360 Pik., 3. Qual. 330— 275 Mk., junge Zuchtrinder 5—7 Monate alt 160—110 Mk., 9— 12 Monate 200—175 Mk. Fettvieh wurde verkauft der Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinder 1. Qual. 808—7 Mk., 2. Qual. 75— 74 Mk., fette Kühe 1. Qual. 78—76 Mk., 2. Qual. 75—73 Mk. Kälber 1. Qual. 74—72 Mk., 2. Qual. 70—65 Mk., 3. Qual. 62—58 Mk. Gangochsen gingen fort pro Paar schwere Tiere 900—825 Mk., leichttere Ware 800—750 Mk. Die Preise für Schweine stellten sich das Paar: Ferkel, 4—6 Wochen alt, 42—33 Mk., 8—12 Wochen alt. 66—50 Mk., Läufer, 3—5 Monate alt, 110—80 Mk., Einlegschweine wurden je nach Güte mit 65—80 M k. das Stück abgegeben. Die nächsten Markttage finden am 13. und 14. November d. I. statt, am zweiten Tage auch Krämermarkt. (th.) Gießen, 25. Okt. Der gestrige Zwiebelmarkt auf Oswaldsgarten wies einen Vorrat von etwa 400 Zentner, meist Wetterauer Ernte, nur ein kleiner Teil sächsische Ware, auf. Ter Handel am Vormittag war recht lebhaft, doch versuchten die Verkäufer vergeblich einen höheren Preis herauszuschlagen, wie beim ersten Markt. Die große Anfuhr brachte es sogar fertig, daß billiger verkauft werden mußte. Beste Mare wurde durchschnittlich zu 4—41/4 Mk. her Zentner abgesetzt, sächsische Ware konnte man sogar mit 3V2—3"'.i Mk. haben. Bei kleinerer Abnahme stellten sich die Preise durchschnittlich um V? Mk. höher. 0 Büdingen, 22. Okt. Der heutige Gallusmarkt war sehr stark mit jungen Schweinen befahren. Viele Händler waren auch erschienen, welche namhafte Abschlüsse machten, Transporte von 50 bis 60 Stück wurden von ihnen angekaust. Die teils mangelhafte Kartoffelernte drückte die Preise; nur die gute Hälfte kosteten Ferkel im Alter von 7—8 Wochen gegen vorige Märkte. Das Paar Ferkel wurde leicht zu 24—25 Mark erstanden, das früher 50—60 Mark kostete. Einleger waren ebenfalls billig, 50—60 Mark vro Ko Vf. Die Landleute fuhren zum großen Teil, da sie aus den früheren hohen Preisen bestanden, mit ihrer Ware wieder nach Haufe. Für fette Schweine legten die Metzger 70—72 Pf. an. — Der Krämermarkt ist immer mehr int Schwinden. Limburg a. d. L., 24. Okt. F r u chtmark t. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen (Nassauischer) 15.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 12.30 Mk., Gerste 9.50 Mk., Hafer 7.80 Mk. Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. ke. Frankfurt a. M., 25. Okt. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen her heutigen Viebmarkt- vreise. Zum Verkaufe standen: 33 Ochsen, 3 aus Oesterreich 10 Bullen, 0 aus Oesterreich, 65 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Oester., 563 Kälber, 401 Schafe und Hammel, 16 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schastämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 85—89 Mk., 2. Qualität 76—80 Mk., 3. Qualität 69—72 Mk.; Bullen 1. Qual. 77—80, 2. Qual. 00—00; Kühe 1. Qualität 81—83 Mk., 2. Qual. 79—00 Mk., 3. Qual. 67—70 Mk., 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 100—106 Pfg., Lebendgewicht 60—63 Pfg., 2. Qualität 96—100 Pfg., Lebendgewicht 56-59 Pfg., Schlachtgew. 75—78 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 81—83 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh Markt flau, Ueberstand be-1 deutend; bei Kleinvieh stau, fein Ueberstand. Orrginal-DrahtmelStr iigen. Vosen. 25. Okt. Erzbischof v. StablewSki erhielt, wie der „Dziennik* hört, zahlreiche Beweise he? Mitgefühls und der Anerkennung, insbesondere von den Bischöfen, die ihm versichern, daß sie die in seinem Hirtenbriefe ausgesprochenen Anschauungen voll und ganz teilen. Ein Pole in Kosten hat, wie die „Gazetta Polska" mitteilt, den dortigen Lehrer Kuban arg mißhandelt, weil er sein Kind bestraft hatte. Breslau, 25. Okt. Wegen der Verhängung der General-Aussperrung über die organisierten Metallarbeiter hat das Oberlandesgericht entschieden, daß gegen die Direktoren des Verbandes der Industriellen, Glasenapp und Neumann, auf Grund des § 153 der Gewerbeordnung strafrechtlich einzuschreiten ist. München, 25. Okt. Der sächsische Kronprinz und Prinz Georg Christian von Sachsen sind hier angekommen und wurden von dem sächsischen Gesandten und dem sächsischen Konsul in Empfang genommen. Es handelt sich bei ihrer Ankunft um ein Zusammentreffen mit ihrer Mutter, der Gräfin Montignoso. Colmar i. Els., 25. Okt. Der Kaiser hat den Prinzen Alexander zu Hohenlohe in den einst- w eiligen Ruhe st and versetzt. London, 25. Okt. Das „Daily Chronicle" meldet aus Rewyork, daß im Staate Pennsylvanien ein großer politischer Skandal bekannt geworden sei. Der Schatzmeister des Staates macht öffentlich bekannt, daß bei der Rechnungsprüfung seines Departements sich ein Fehlbetrag von 6 Million Dollars ergeben habe. Das Geld fei in die Taschen ihm persönlich bekannter republikanischer Politiker geflossen. Er werde die gesetzlichen Schritte tun, um sie zur Wiederherausgabe des Geldes zu nötigen. Wien, 25. Okt. Die Wahlreform erscheint nunmehr völlig gesichert, da soeben nach hartnäckigem Kampf die Sicherung der Wahlkreiseinteilung für beide Parteien zugestanden wurde. Warschau, 25. Okt. In der Nähe her Station Zwerinkä wurden zwei Damen, welche allein imFrauen-Couvs reiften, von zweiMännern, welche auf einer kleinen Station eingestiegen waren, unter Drohungen ihres S ch m u ckes im Werte von 10 000 Rubel und des Bargeldes im Betrage von 1000 Rubeln beraubt. Die Räuber sprangen dann aus dem Zuge und entkamen. Pittsburg, 24. Okt. Heute ereignete sich ein Eisenbahnunfall auf der Pdnnsvlvania-Babn. Ein Personenzug, welcher auf einer Brücke bei Wvan im Staate Indiana hielt, wurde von einem Güterzuge ungefähren. Ein Pullmann-Wagen wurde zerstört. Verschiedene Güterwagen stürzten ins Wasser. 10 Reisende erlitten schwere Verletzungen. Mehrere Personen werden vermißt. Man vermutet, daß sie ertrunken sind. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen nm Freitag, den 26. Oktober: Meist trüb. Keine erheblichen Niederschläge. Kalt. Mäßige nördliche Winde. T elefomsclhe des Giessener Anzeigers, jnitg-t und Indnsti Frankfurter Börs 3 °/0 Beichsanleihe . . 97.70 3% do. . . 85.90 3y2°f0 Konsols .... 97.75 3% do 85 95 3M°/o Hessen 27.00 3 %°/0 Oberliessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 98.40 4‘/6 Oesterr. Silberrente 99.80 4% Umrar. Goldrente . . 94.15 4% Italien. Rente . . . 102.70 3% Portugiesen Serie I . 68.70 3% Portugiesen „ III 69.75 4%°(0 russ.Staatsanl. 1905 87.30 4y°'n japan. Staatsanleihe 92.00 4 % Conv. Türken von 1903 93 80 Türkenlose ..... 143.70 4% Griech. Monopol-Anl. 52 80 4% äussere Argentinier . 87.80 3°/0 Mexikaner . . . 67.25 4X°/0 Chinesen .... 9515 Aktien: Bochum Guss 236.50 Buderus E. W . . . . 125.25 Tendenz: schwach. Berliner Börse, 2 Canada E. B 175.00 Darmstädter Bank . . . 136.90 Deutsche Bank .... 236.75 Dortmunder-Union C. . . 8120 Dresdner Bank .... 154.10 Tendenz: matt. Kursberichte eilt von der Bank für Handel •ie, Glessen. e, 25. Oktober, 1.15 Uhr. Elcktriz. Lahmeyer . . . 138 50 Elektriz. Schnckert . . .121.50 Eschweiler Bergwerk . . 238 50 Gelsenkirchen Bergwerk . 218.50 Hamburg-Amerik. Paketf. 157.80 Harpen er Bergwerk. . . 208 75 Lanrahütte 244.50 Nordd. Lloyd 124.30 Oberschles. Eisen-Industrie 125.45 Berliner Handelsges . . 168.00 Darmstädter Bank . . . 137 20 Deutsche Bank . . • 236.60 Deutsch-Asiat. Bank . . 170.75 Diskonto-Kommandit. . . 180.40 Dresdner Bank . . . 154.50 Kreditaktien 210.60 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . 119.00 Gotthardbahn —•— Lombard. Eisenbahn . . 36 20 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.40 Prince-Henri-Eisenbabn . 145.30 >. Oktober. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 208.75 Lanrahütte .... 244.50 Lombarden E. B. ... 36.20 Nordd. Lloyd 124.70 Türkenlose . .... 144.20 Adam Heppert und Kinder 07943 Der Vorstand. 6490 3488 Bürger- Lebende Lahnfische 6497 zu den billigsten Preisen frisch eingetroffen. [07945 Gr. Bürgermeisterei Allendorf a. Lahn. Volk. 1907 liegt vom 27. ds. Mts. an acht Tage lang auf dem meisterei-Bureau zur Einsicht der Interessenten offen. Reiskirchen, ben 25. Oktober 1906. Großh. Bürgermeisterei Reiskirchen. Wagner. Für bei dem innigsten Danksagung die vielen Beweise, herzlicher Teilnahme, uns betroffenen schweren Verluste, sagen Dank KAfnimW Slclltortinitlhiüg Gießen, Süd-Anlage 7 (Frauen-Verein) Kostenlos für Mitglieder des Kausm. Vereins für weilbliche Angestellte. Anschluß an die Zentrale der verbündeten Kausm. Vereine Westdeutschlands, Frankfurt 0. M. Schristliche Mitteilungen jederzeit; geöffnet täglich von 2—6 Uhr und Montag, Mittwoch, Freitag abends von */?9 bis VolO Uhr.9494 Gießener Fifchhcms 30 Sonnenstraße 30 Verein -er Wickle von Kiefen nnd Hingegen- (eingetr. Verein) Unseren Mitgliedern die traurige Nachricht von dem Ableben unseres Kollegen Peter Blinke Um allseitige Beteiligung bei der am Freitag stattfinden- den Beerdigung ersucht Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Allendorf a. Lahn für das Rechnungsjahr 1907 liegt vom 27. Oktober bis einschließlich den 3. November 1906 auf unserem Bureau zur Einsicht der Jntereffenten offen. Allendorf a. Lahn am 25. Oktober 1906. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Reiskirchen für das Jahr Prima lebendfrische Schellfische nnfkis soeben eingetroffen u. billigst bei ____ August Wallenfels Cabim» vorm. H. E. Jughardt 6040 Marktplatz 15 Telesou 390 Turn-Verein Gegründet 1846 Montag, den 29. Oktober, abends 81/2 Uhr, findet im „Cafö GbeP (unterer Saal) Generalversammlung statt. Tagesordnung. 1. Bericht. 2. Rechnungsablage. 3. Vorstandswahl. 4. Auslosung von Anteilscheinen. 5. Verschiedenes. Wir ersuchen unsere Mitglieder, recht zahlreich zu erscheinen. v,8/,n Der Borstand. Praktische Hausfrauen kaufen nur die altbe- wäMe |yg/\GG|s würze In Originalflaschen und nachgefüllt bestens empfohlen von C,6/1( Eberhard Dort, Wallthorstr. 45. Freitag, den 26. 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