Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ^Ppel. >vV i 'C I. B. von von auf der Asche des allen erwachsen. Hochwalbhausen, 22. April 1906. TM v,v Prag, 23. April. Die hiesige Polizei verbot den Anschlag von fozialdern. Plakaten, in denen znr Teil- nahme an der Maifeier ausgcsordcrt wird, mit der L.gründung, das; der Inhalt des Aufriifes zu Ungesetzlichkeiten aufteize und Ruhestörungen befürcften lasse. :1> Nr. 95 Erscheint täglich außer Sonntags. Dein Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit deni heffischsn Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Unwers.-Buch-u.Stem- drnckerei. ÖL Lange. Redaktion, Ervebit ioa und Druckerei: Schul st raße 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.^^öl Adresse für Depeschen: Anzeiger Vießen. ; ** chlüffm M H) r Die Diatenvorlage findet, wie vorauszusehen war, die verschiedenartigste 93curteil* ung, vollen Beifall an f keiner Seite. Der Reichstag' wird also die bessernde Hand anlegen, aber wahrscheinlich sehq bald zu einem Einvernehmen mit der Negierung gelangen, denn der Wunsch ist allgemein, die '"bis zum Ueberdruß behandelte Diäteuvorlage schleunigst aus der Welt zu schaffen. Die „Voss. 31 g." meint, die Vorlage bedeute eine pe i n l i che E n 11 ä u s cb- ung und eine schwere Schädigung des Ansehens des Reichstags, arg ist es wohl nicht, aber das; in dem Entwurf hier mmb da ein kleinlicher Geist sich geltend macht, kann kaum bestritten werden. Tie Bestimmungen über die Inhaber von Doppelmandaten z. B. sind selbst der ^,Kreuzztg." nicht sympathisch. Sie vermißt die wünichenswerte Rücksicht auf die Selbständigkeit der Einzel- ft a a t c n und auf die persönliche Würde der Reichstagsabgeord- neten. Auch die gesetzliche Festlegung der Kontrollmaßregeln stößt auf Widerspruch. Hier würde man in der Tat am besten den Reichstag selbst schalten lassen. Doch es handelt sich bei der Vorlage um das erste, nicht um das letzte Wort der Regierung. Sie wird sicherlich die Land bieten, um die Angelegenheit zu einem guten Ende zu bringen. * Kanadier. Einen dicken Strich 'durch die politische Rechnung gewisser „Ueber"-Amerikaner machte dieser Tage der Generalgouverneur Kanadas, Earl Grey. In einem Newyorker Briese der „Kreuz- 3tg." wird diese ergötzlich GLsckickste ausführlich erzählt. Danach war bei einem vom britischen Botschafter in Washington veranstalteten „Zweck-Essen" ein Fanatiker des angelsächsischen Bei> politische Tagesschau. „Made in Gerinany“. Der deutsche Botschafter in Washington, Frhr. Speck Stern bürg, hat wieder einmal vor einem Publikum Amerikanern, die ihn zu Gaste geladen hatten, gc- .\#7T . > \v sämtlichen Schaufenster der ganzen Stadt, zertrümmert waren. Ta dainals noch keine Bahnverbindung nach dem Osten bestand, alle Waren noch mit Schissen kamen, so dauerte es geraume Zeit, bis alle Schäden ausgebesjert waren. Inzwischen war San Francisco zu einer Metropole des Stillen Ozeans mit nahezu einer halben Million Menschen angewachsen, zu einer der schönsten Städte der Welt, dank seiner günstigen Lage, dem unermeßlichen Reichtum des Landes, einem herrlichen, gesunden Stimm und durch den unermüdlichen Arbeilsgeist feiner Bevölkerung, die zum zehnten Teil aus Deutschen bestand. Möge es ,hr gelingen, auch das große über sie hereingebrochene Unglück kraftvoll zu überwmden und ein neues, noch schöneres Gemeinwesen Heimische Anleihen. Tie kurz vor -Ostern erfolgte Subskription auf 260 Millionen Mark 3i/eproz. R e i ch san le i h e und 300 Mill. Mart Zi/'proz. Ä'onsols hat bekanntlich einen wenig günstigen Erfolg gehabt. Auf erstere sind nur zirka 400 Millionen Mark, auf letztere 142 Millionen Mark angemeldet worden, sodaß der aufgelegte Betrag bei beiden Anleihen nur etwa iy3facf) gezeichnet wurde. Tas Gesamtresultat bleib. also weil hinter dem der letzten Anleihen zurück. Taß dieses bei einem Bankdiskont von 5 Proz. auf Zeichnungen spekulativen Charakters in dem früheren Umfange nicht gerechnet werden konnte, lag klar zu Ta&e. [ClMier Stimmen Reparieren Polieren W. Bnaolph sprachen. Er war am Freitag abend Ehrengast bei einem Festmahl, welches der „Traffic Club" von Pittsburg, eine Bereinigung von Persönlichkeiten, die mit dem Eisenbahnwesen in Verbindung stehen, veranstaltete. Der Botschafter hielt bei dieser Gelegenheit eine längere Ansprache in englischer Sprache über das Thema „Made in Ger- many“. Das „Wölfische Bureau" gab bereits Samstag mittag den vollen Wortlaut dieser Bankettrede wieder, gerade als ob es sich um eine politische Angelegenheit von größter Wichtigkeit handelte. Gewiß war es eine wohlgesetzte Rede, allein eine volle Spalte des Raumes unserer Zeitung der Wiedergabe dieser Tischrede zu widmen, schien uns angesichts der Fülle sonstiger wichtiger Ereignisse als unangebrachte Verschwendung. Wir wollen heute aus der sofort mit der ihr gebührenden Ironie aufgenommenen Rede nur noch hervorheben, daß Frhr. Speck von Sternbiirg unter anderem äußerte: „Die Entwicklung (der deutschen Industrie) ging nun rasch vorwärts, besonders untädigt, das (Gebäude der Union Telegraphen-Ge-iell- schaft zeigte einen Riß, der von der Spitze des Giebels nach dem gegenüberliegenden Sockel sich eritredte, kleine Beschädigungen waren fast an allen Häusern oorgefommen, die zu der damaligen Zeit zum allergrößten Teil noch Fachwerkbauten waren, sogenannte F-rame-Häus r. Wäre das Erdbeben 10 Minuten später cingctreten, so hätten hunderte von Bauarbeitern, die um 8 Ulw ihre Tätigkeit aus,rahmen, verunglücken können. Während des Stoßes wurde eine gewaltige Welle an der Wafferfront der Bai emporgeschleudert, ohne indessen besonderen Schaden anzuricksten. — Blieb also die Stadt vor größerem Unglück damals bewahrt, so hatten andere Orte im ^laat (Kalifornien mehr zu leiben, in Oalland, Älameda, Stockton, und anderen Plätzen stürzten Häuser ein, viele zum Teil tödliche Verletzungen wurden gemeldet, im großen Ganzen war aber das Beben in seinem Verlaus ein ziemlich harmloses Bon Geschäft war an diesem und dem uackwlgeudeu -tage füinn die Rede, noch wagten Tausende nicht, die Nacht im Hause zu verbringen, die Straßen, insbesondere die ungewöhnlich breite Alarketstraße, die freien Plätze, dienten als Schlasslätts,,. Zu einem ruhigen Schlafe kam aber niemand, noch war bange Furcht vor einer Wiederholung der Erschütterungen eines jeden Begleiterin. Hur die Bauleute gab es in der Folge viel Arbeit, besonders für die Glaser, da abertausende von Fensterscheiben, vor allem die ist anzunehmen, daß ein großer Teil der deutschen Gewert- schaften in die Front der am 1. Mai Feiernden einschwenkcu wird, obwohl im vorigen Jahr auf dem Kölner Gewerk- schaftskongreß der Meinung Ausdruck gegeben wurde, die Maifeier fei kein gewerkschaftliches At'tionsmittel. Es empfehle sich deshalb, von einer allgemeinen Arbeitsruhe abzusehen und die Feier auf den Abend zn verlegen, um nicht Kämpfe mit den: Untcrnehnrertnm zu provozieren, deren Opfer in keinem Verhältnis zu dem Wert oer Arbeitsruhe stäudcn. 9lun, solche Kämpfe, brauchen diesmal nicht provoziert zu werden, sie sind bereits da an verschiedenen Orten und in verschiedenen Branchen, aber die Maifeier kann eine bedauerliche .Verschärfung der Situation zur Folge haben. Offenbar um die Arbeiter zu warnen, tveist die „Nordd. Allg. Ztg." darauf hin, daß die Arbeitgeber fast durchweg ihre Organisationen ausgebildet haben und im Gefühl ihrer verstärkten Rüstung den Mbeitskämpfen weit zuversichtlicher cutgegenzutreten in der Lage sind, als in früheren Jahren. ES wird des weiteren an die günstigen Erfahrungen erinnert, welche die Berliner Metallindn- dust'riellen im vorigen Jahre mit der AussperrungS- taitif machten. Man kann nur wünschen, daß es nicht der Maifeier wegen zu umfangreicher Anioendung dieser Taktik lommt, denn die Arbeiteraussperrung ist es gewesen, die in Breslau zu den beklagenswerten Straßenkrawatten führte. In dieser Beziehung kann Deutschland immer noch zuversichtlicher der nächsten Zukunft entgegensetzen, als Frankreich. Im norbftanzi. ^cheu Grub e n b e z'ir k herrscht völlige Llnarchie, in der Regierung ein nnerhör- ter Mangel an Entschlossenheit und Tat kraft. Namentlich versagt der Minister des Innern Clemenceau, auf den die radikalen Kreise so große Hoffnungen setzten. Das Kabinett Sarrien trug zwar schon bei Der Bildung den Keim der Zersetzung in sich, aber jetzt bei der Nähe der Wahlen, konnte man sich- einer so schwankenden .Haltung von ihm nicht versehen. Die Zeit der ll'ompromißkabmettc ift nun wohl dahin, es werden aller Wahrscheinlichkeit nach die äußersten Flügel aus der Linken und der Rechten von den Wahlen Nutzen ziehen. Zu einer überwiegend sozia- llstiscben Regierung dürfte es freilich noch nicht kommen, doch der Sozialismus gewinnt in Frankreich an Bedeutung, wie die Zunahme der Arbeiterausstände erkennen läßt. Der letztere Umstand und die 2cähe der Wahlen stellen einen stürmischen Verlauf der Maifeier jenseits der Vogesen in Aussicht. Nach einem Beschluß des französischen Gewerv- schaftSkongresses sott am 1. Mai zur Erringung des achtstündigen "Arbeitstages überall da zur „direkten Aktion" übergegangen werden, wo die Arbeitgeber nicht aus freien Stücken diese Forderung bewilligen. Daß die Durchführung deS Beschlusses neue Streits und Aussperrungen znr Folge haben wird, darüber sind sich die Gewerkschaften nicht im Zweifel, aber sie scheinen den Beschluß selbst auf die Gefahr hin ausrecht erhalten zu ivotten, daß es zu noch blutigeren Zusammenstößen kommt, als sie im Grubenrevier zwischen den Arbeitern und der benaffneten Macht ftattgefunben haben. Tie durch die Wahlbewegung ohne- Das Erdötben zu San Krancisco vom 21. ^litoüer 1868. (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) Das entsetzliche Schicksal, das in den letzten Tagen über die Stadt nm „goldenen Tor" lMeingebrochen ift, ruft m mir die Erinnerung wach an den 21. Oktober 1868 anjueldtfin Luge das damals etwa 140 000 Einwohner zahlende E Francisco ebenfalls von einem Beben Heimgesuchi wuroe des.cn Verlaus im Vergleich mit dem jetzigen geradezu rarmlos zu nennen war. Aber das Entsetzen, die Angst und Furcht, die Ungewißheit über das Schicksal der nächsten Sekunden, ..hatte die lon.t io 1 arglose Bevölkerung in eine nn Wahnstin Srenzeiwe Aufregung versetzt und es bedurfte längerer Wochen,^bis da» Gesuhl völliger Sicherheit wieder zur .Herrschaft gelangte Trotz nahezu 40 Jahren, die inzwischen vergangen, sind die.Bilder und ^zenenGuS jenen mtterlebten Tagen mir noch in ihrer Gesamtl-eü gegeiiwartig, soweit ich OkügeulKit zur Beobachtung, sand. In einem Geschäft in Montgomery Street jn^tclluug, das um 8 Uhr geöffnet wurde, verließ ick meine o stich der Market- straßc gelegene Wohnung so zeitig, uni püit.llich zur teile zu ein: jeden Morgen traf ick »nick derzeit mit einem Kapeler Landsmann, dessen Weg in gleicher Richtung lag, an der Kreuzung der Dritten und Marketstraße. WalTrend luir nun über die etwa 100 Meter breite Markctstroßc gingen, genau w Minuten nor 8, empsanden wir plötzlich den von dump>em Rollen bc- nieiteteu Erdstoß, der, wenn ich mich reckst erinnere, eine Tauer von 15 Sekunden hatte. Im Versuch, dem Körper bo§ Gleick- aewicht zu erhalten, warf man die Arme hock, eme Bewegung, die unwillkürlick non allen Belroftenen ausgeubt wurde. = Eine unbeschrciblickc Verwirrung entstand, alles draiigte aus der Nähe ber schwankenden Häuser nack Der Mitte der Straße, ivildcs Geschrei durLdrm-g Die Luft, ans den Haufcrn stürzten imig und all, groß und klein, ohne Rüchickt aus ihre jeweilige Be- fieibutig, viele noch im Hemd, direkt ans den Betten kommend. Turckmeaanaeue FuMwenc icder Art, mit und ohne Führer rasten dft ^raße dab^, alles schien fick in Auflösung zu beenden, Die heutige Rümmer umfaßt 8 Seiten. Aie Alnfwellc der sozialen Kampfbewegung wird mit den Demonstrationen am Arbeiter-Wältfeiertag, am 1. Mai, ihren Höhepunkt erreichen. Ter „Vorwärts" schreibt stolzen Tones, der GedMike der Maifeier habe int proletarischen Bewußtsein feste Wurzeln geschlagen. Sie solle nicht allein eine Manifestation für den Achtstundcn- tag sein, sondern auch eine Kundgebung für die Verbrüderung der Stationen im Zeichen deS Sozialismus, ein umfassendes Kulturbekennttiis. Die deutsche Sozialdemokratie will die diesjährige Maifeier bekanntlich unter das besondere Zeichen des Wahlrechtskampfes stellen, aber bei der Häufung der Streikbewegungen in jüngster Zeit dürfte auch in Teutschlcuid das politische Moment hinter das wirtschaftliche zurücktreten. Deshall» Tie am 10. April v I. zur Subskriptton aufgelegten 300 Millionen Mark 3'/°proz. ReichSanleihe waren rund löfach, die am 17. April 1903 aufgelegten 290 Millionen sogar 47h»faü) gezeichnet worden. Eine Partei hält den^ wenig günstigen Erfolg für einen Mißerfolg, bei dem das Deutsche! Reich und Preußen bei ihrem Appell an den Kapitalmarkt Fiasko erlitten haben, andere ziepen bic bcglcircnden Umstände in Rechnung und wissen Entschuldigungen dafür, ja in leitenden zrreisen soll man über den Ausgang durck>- aus nicht überrascht gewesen sein. Dennoch berührt die: geringe Beteiligung seltsam, denn man durfte doch annehmen, daß weitere kapitalistische Kreise von dem reichlich 1 Proz. billiger gestellten Sitbskriptionspreise mehr Gebrauch machen würben. Eine allgemeine Beteiligung, bie eine nationale Pflicht gewesen wäre, hat also nicht stattgefunden. Worin suchen wir nun die Gr ün b c für dieses Faktum? Einerseits wirb darüber geklagt, baß bas große Publikum auf die bcrcitstehenben An leihen nicht genügend aufmerksam gemacht wocbeu ist, andererseits schiebt man die neue russische Anleihe vor und von kompetenter Seite lvirds sogar behauptet, das; im Mai und Juni die Emission glücklicher verlaufen wäre. Nun, wie dem auch fei, ein Anlaß zu bcsonde'-er Befriedigung liegt zwar keineswegs vor, aber auch teirr Anlaß zu ernsten Beunruhigungen. Die internationale Finanzlage ließ unserer Finanzverwaltung eS geboten erscheinen, .o schnell als möglich zuzufassen, uniN wenn die diesmaligen Zeichner nur seriöse Zeichner find, alle Konzertzeichner und die Spekulation diesmal fort» geblieben sind, so ist dieses nur em Vorteil für unsere Aw» leihen. Sehr bemerkenswert ist aber nock> daß bie vielen; neuerbings stark uerinctyrteu Anlagewerte die weniger wohtz- habenden Levölkerniigsschichten veranlaßt haben, zu biefenr Spar- unb Anlagemittel zu greifen und den Reichsanleihen mit ihrem geringen Zinsfuß beu Rücken zu kehren. Auch hat bas "Reich durch eigene Gesetzgebung unb Verwaltung sich den Minbererfolg geschaffen, beim bie Landesversicher- mißen geben jährlich viele Millionen zu sozialpolilischew Zwecken her unb entziehen so bas Geld ben Staats- uni* ReichTpapi er en; gleichfalls wirb bie demnächst im Mgc- orbnctcnljaufe zur Beratung stehenbe Vorlage betreffs Einlage vpn Kapitalien der Sparkassen bas ihrige dazu beitragen, weitere Gelder den "Reickjstäpitalanlageii zu ent» fremden. hin erhitzte politische Leidenschaft deS Volkes kann also schlimme Tage über die Republik bringen, wenn die Regierung, der schließlich nickfts übrig bleibt, durch daS Militär energisch Ordnung schaffen läßt. Möglicherweise reiht sich den ntandjerlei Katastrophen, die das lausende Jahr schon gebracht hat, ein stürmtscher "Arbeiter-Weltfeiertag an. "Rach sozialdemokratischer Auffassung würbe er einen kräftigen Ätjritt bedeuten auf dem Wege zur Beseitigung der Klassenunterschiede. Ob so das Ziel erreicht werden wird, ist aber wohl zweifelhaft. Tie nächste unb sichere Wirkung wäre eine Schädigung auch der Interessen der Arbeiter. Seite sE [<> gclbc seist bei 10 P- E stÄ s-sLö- ,nbOll Erstes Blatt 156. Jahrgang Dienstag Ä4. April 1906 xj y o u Vezngöpretsr M zk A monatlich7bP!.,viertel- Gietzener Anzeiger j w • Seneral-Anzeiger " SsL Teil: P. Will ko- für ,Sladt unb Land^ unb -GerichtSfaal": Ernst Heß: ’ür den Anzeigenteil: HanSBeck. N r t iMtehr 1'™ $ ®‘lt Uf)r. Dffe,,,. •J’?« Mai ds. Js, h' den 20. April 1906. öwßh. Amtsgerich. WMUI nachmittags 2 Uhr 1 im Blekerlchm CriL^ :l$ianino,l tifom, 1 Spitzel, i nßj' id)tommcbt, 2 ML Wz ifler, Ketic-z.T erstergemg. :ustaa. 6tu .i.ö.'ihie., ii. 2 llhr Mzttt 14 aöt 55 bahitk gtyai'^a? g: :ei S)r effinlt, Handel?. Mn, eme So-miafchr. id)tnt uiiö eichene cheniiämMstM'rMlt b divche dibbel eE % 1234 des tqt. »esttzduches: 1 Parli!i»> nsichtskauen und te. e Versteigerung zu-.st bestimm!, im übniu weise statt. jorii. __ peibank. ite von 4 Uhr ab: s9"„ >eiuesleisch58M__- Fnlberang&rtbffrtknS, Mr. Eho ale, ging er zu ihm und sagte ihm, wer er sei. Ter Bauer war so erschrocken, daß er nichts mehr sprechen konnte, aber der Kaiser lud ihn ein, auf das Schloß zu kommen, wo er sich das Bild des Kaisers nebst einem Geschenk holen sollte. Ter Landmann bedankte sich vorläufig uni) sagte noch wörtlich: „Grüß Se mer aach Ihre Fraa en Kinne r", worauf der Kaiser auch ihm an feine Freut Grüße auftrug. meistert Regner aus Bretzenheim zu verantworten. In der „Volksztg." war im November während der Landtagswahl dem Bürgermeister als Wahlkommissar der Vorwurf gemacht worden, daß er die Wahlliste leichtfertig anfgeftellt, von im ganzen 613 Wählern 140 auf Reklamation des' soziald. Wahl- komitecs hätten nachgetragen werden müssen. Dabei war gesagt, dem ultramontanen Bürgermeister sei nicht über den Weg zu trauen ufw. Durch seine Bummelei sei ein soziald. Wahl mann nicht in die Wahlliste gekommen und dadurch seine Wahl für ungiftig erklärt worden, und an seine Stelle ein ultromontancr Wahlmann getreten. Der Staatsanwalt beantragte 200 Mark Geldstrafe, das (ifericht verurteilte den Angeklagten zu 300 Mark und Urteilsvublikation in der „Volksztg." Arbeiterbewegung. Berlin, 23. April. Der deutsche 9)1 ctaHor beiter- Verband läßt verkünden, das; er auch ohne fremde Hilfe die Aussperrung noch mindestens ein Viert eljahr aushalten könne. Auf der anderen Seite wollen die Arbeitgeber die Aussperrung auch noch in anderen Bezirken als in Dresden, Breslau, Frankfurt, Hannover usw. eintreten lassen, wenn die Former und 6Peher die Arbeit nicht bald wieder cmßiehmen. Gegenwärtig sind mehr als 50000 Arbeiter der Metallindustrie brotlos. Dresden, 23. April. Der F o r m e r a u s st a n d und die damit zusammenhängende A n s s p e r r u n g der organisierten Metallarbeiter im Bezirk der Krcishauptmannschaft Dresden geht voraussichtlich zu Ende. In der heute von etwa 1200 Metallarbeitern besuchten Versammlung wurde eine Kommission gewählt, welche sofort mit ihren Fabrikleitungen wegen Beilegung des Ausstandes in Verbindung treten soll. Die neue Bahnstrecke Gedern-HartmannZ- hain-Gr eben ha in. Der östliche Vogelsberg, der bis vor wenigen Jahren von jedem Verkehr abgeschlossen lag, erhielt vor etwa 5 Jahren durch Eröffnung der Strecke Lauterbach- Grebenhain die erste Verkehrslinie. Gleichzeitig entstand auch das Projekt, das den Vogelsberg ü6or Gedern, Swckheim, Helden- bergcn und Vilbel in direkte Verbindung mit Frankfurt bringen sollte, und hiervon erwartete man mit Neckst die größten Vorteile, zumal dann der Händler und Landwirt in einem Tage seine Produkte nach Frankfurt bringen, bezw. seine Geschäfte und Einkäufe dort besorgen und noch am gleichen Tage zurücklehren könne. Nach dem neuen Fabrplan hat sich dies aber nickst bestätigt. Leider ist nur für die Markttage zu Frankfurt em Frühzug ab Grebenhain 4.38 Uhr eingelegt, der es den Händlern möglich macht, um 10 Uhr in Frankfurt zu sein. Mer auch! der Mendzug von Stockheim aus geht nur bis Gebern — er trifft 11,13 Uhr ein — anstatt weiter bis Grebenhain zu führen. Dieser Mißstand wird vvn den Bewohnern des südöstlichen Vogels- berg sehr beklagt, und es erheben sieb Stimmen, die vorstellig werden, das; die Verbindung mit Frankfurt, das doch für Vogelsberger das Haupiabsatzgebiet bildet, besser und günstiger tv1- stallet wird. Auch die Verbindung mit der Provinzialhauptstadt Gießen ist nicht sehr günstig. )( 'S' au bring en, 23. April. Unser Schu lhau s- n en bau wurde vom Gemeinderat mit einem Kostenaufwand von 26 000 Mk. genehmigt. Tas Gebäude enthält 3 geräumige Schulsäle und eine Vikarwohuung. Die Pläne sind von Baurat Tiehm-Gießen entworfen und die Arbeiten sollen in einigen Tagen zur Ausschreibung gelangen. —t— Friedberg, 23. April. Tie rege Musikpflege in unserer Stadt bereitet der Allgemeinheit in1 dankenswerter Weise fortgesetzt erhebende Kunstgenüsse. So fand am Charfreitag ein Volkskirchenkonzert statt, dessen Wsichtcn und Ausführung die größte Anerkennung sich erwarben. Vierzehn Tage vorher hatte der hiesige Musikverein in der bei ihm gewohnten Vollendung den „Messias" gegeben. Tabei, wie bei früheren derartigen Veranstaltungen, war vielfach dem Bedauern Ausdruck gegeben worden, daß die in solchen Aufführungen angefaiw* melten Resultate monatelanger Mühen und Arbeit nicht mehr ausgenützt, m. a. W., datz solche Ausführungen nicht mehrmals wiederholt und damit noch weiteren Kreisen zu Gehör gebracht werden könnten. Bezüglich des „Messias" steht jenen Wünschen nun teilweise Erfüllung in Aussicht, da beabsichtigt ist, dieses Oratorium in der neuerbauten Daukeskirche zu Bad-Nauheim als Eiuweih- ungsfeierlichkeit zu wiederholen. Zu den früheren Mitwirkenden wird noch zugezogen die Nauheimer Kur- kapelle, ebenso die Kirchenorgcl. Der dafür bestimmte Tag ist Mittwoch, 27. Juni; Beginn nachm. 5 Uhr. h. Vilbel, 23. April. Heute nachmittag hielt der 1.30 Uhr hier fällige Personenzug von Frankfurt einige Kilometer hinter der hiesigen Station auf offenem Felde. Der Transporteur des Gefangenentransportes hatte die Notbremse gezogen und im Halten des Zuges bemerkte man, wie zwei Insassen des Gefangenen wagens zu entweichen versuchten. Es sollten beide jedoch die goldene Freiheit nicht lange genießen, denn in einer Entfernung von etwa 100 Metern wurden beide Verbrecher mit Hilfe eines gerade des Weges kommenden Landwirts vom Zugpersonal wieder ergriffen und in den Wagen zurücktransportiert. Der eine der Verbrecher, ein wegen schweren Straßenraubes zuletzt mit 6 Jahren 7 Monaten Zuchthaus verurteiltes Individuum namens Fleckenstein, hatte vorher den Transporteur gebeten, ihm zur Benutzung des ToiletteraumS die Fesseln zu lösen. Darnach überfiel er den Beamten, entriß ihm den Revolver und schlug ihm die Waffe mehrmals über den Kopf. Das Handgemenge mochte schon einige Minuten dauern, bis der Transporteur dem Angreifer wieder die Waffe entrißen hatte, um mit einem wuchtigen Schlag den letzteren an der Stirn zu treffen und das Halten des Zuges zu veranlassen. In Butzbach wurden beide Verbrecher zur Verbüßung ihrer Strafen, die sich durch diesen Vorfall noch um etwas verlängern dürften, von der Gen- darrnerie in Empfang genommen. fc. Au s' Nieder Hess en, 23. April. Tie Preise für fette Schweine sind feit den Feiertagen wieder im Steigen, dagegen sind die Preise für Zuchtschweiue bedeutend im Fallen. So bezahlte man Anfang April für ein Paar vier Wochen alte Ferke'l 48 Mk., während zurzeit die gleichen jetzt für 35 Mk. zu haben find. * Kleine Tag eschrvnik. In Landshut wurde der Nvtar Joses Hippler plötzlich vom Amte suspendiert und in das Landgerichtsgcfängms eingeliefert. Der Notar wirb eines Sittlichkeits-Verbrechens beschuldigt. — In M ü n - ch en sollte am 23. d. M. der Tagearbeiter Pöltl, dessen 18 K i u- b er iedesmal gleich nach d e r G eb u r t g e ftvr b e n sind und dem man nachweisen konnte, daß er mindestens vier dieser Kinder vergiftet hatte, vor dem Schwurgericht abgeurteilt werden. Er hat sich ‘in seiner Zelle erhängt. — Eine Korrespondenz meldet aus Bozen: Der Privatdozent Hans Kin- Singer aus Frankfurt a. M. stürzte auf dem Nolle Paß einige Meter tief in eine Felsspalte und erlitt bedeutende Verletzungen am Kvpse und an den Armen. — In dem russischen Grenzstädtchen P i l w i s ch l i brach ein Brand aus, durch welchen 35 Gebäude eingeäsckert und zahlreiche Familien obdachlos imirbeit. — Bei Trinidad (Kvlorado) wurden durch eine Kohlenstaubexplosion in dem der Kolorado-Kohlen- und Eisengesellschaften gehörigen Bergwerk nm Sonntag 22 Arbeiter, nieist Indianer und Japaner, getötet. SiHsnbahn-Iertnng. — D i e Sätze der neuen E i s e n b a h n t a r i f r e s o r IN, wie sie sich nach den neuen Vereinbarungen der deutschen Stacits- eisenbahnverwaltnngen stellen werden, stellt die „Voss. Ztg." iolgendermaßen zusammen: 1) Fahrpreise für Personen: Einheits- sätze für 1 Personen-Kilometer : 1. öllasse 7 Psg,, 2. Klasse 4,5 Psg., 3. Klasse 3 Psg., niedrigste 5tlasse (3.b ober 4.) 2 Psg. 2) ftcfk Schnellzugszuschläge: Für 1—75 Km. 0,4 Mk., in 1./2.SU., 0,25 Mk. in 3. Klasse; für 76—150 Km. 1 Mk. m 1./2. Klasse, 0,5 Mk. in 3. .Klasse, über 150 Km. 2 Alk. in 1./2. Klasse, 1 Mk. in 3. Klasse. 3) Gepäcktarif (der Tarif finbet nur Anwendung bei gleichzeitiger Lösung einer Fahrkarte): Nahzone 1—25 Km., Zone I 25- 50 Km., Zone II 51—100 Km., Zone III 101—150 Km., Zone IV—X um je 50 Km. steigend, Zone XI 501—600 Km.. Zone XU 601—700 Km., Zone XIII 701—800 Km. und Zone XIV über 800 Km. Die Gepäckirachlen werden berechnet für Sendungen im Gewichte von je 25 Kg., also für 1—25 Kg., 26—50 Kg., 51—75 Kg. n. s. w. bis 200 Kg. (Für höhere Gewichte ist die Bestimmung der Gebühr noch Vorbehalten.) 2lbmeichungen von den Fahrpreisen für Personenbeförderung sind bei den zusammenstellbaren Fahrscheinheften beibehalten worden. Unverändert bleiben ermäßigte Preise für Kinder, sowie für Monats-, Schüler-, Arbeiter- unb Conntags- fnrten. Es bleiben nurf) die Fahrpreisermäßigungen für Schul- ährten und Ferienkolonien, für milde Zwecke (öffentliche Krankenpflege) und für Sonderzüge, insbesondere Ferien-Sonderzüge. Tie Rückfahrkarten kommen bekanntlich in Wegfall. Gerrchtssacrl. Cb. M a i II •, 23. April. Der Redakteur dec s o z i a l d e m v- kratischeu „Volkszeitung", Gottl. Hitzler, hatte fielt heute vor der Strafkammer wegen Beleidigung des Bürger- Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. — Nene R e i ch s b a n k st e l l e n. Am 1. Mai d. I. wird in Varel (Oldenburg) eine von her Reichsbankstelle in Emden und am 15. Mai in Colbitz eine von der Reichsbankhauptstelle in Leipzig abhängige Reichsbanknebenstette mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. London, 23. April. Das "Bankhaus Baring Brothers fordert zur Subskription des auf England entfallenen Teiles der neuen russischen 5proz. Anleihe in Höhe von Lstr. 13 101 000 zum Kurse von 80 Proz. auf. Zum ruftsifchen Emissionsprospekt. Jetzt, da! der Pi-ofpekt an allen Pläl-^n aufliegt, unterzieht die „F. Z." benfclben einer Kritik und schreibt: Der einzelne Kapitalist muß sich bewußt fein, daß er mit seiner Beteiligung an einer fremden Anleihe nicht nur eine finanzielle, sondern auck eine politische Maßnahme ausführt, daß er damit nicht nur sein Geld anlegt, sorwemr zugleich ein ganz bestimmtes politisches Pi-inzip, eine bestimmte Negierung und ihr inner- und außervol'tischcs' System zu unterstützen, sich entschließt. Wie stark dieser Faktor gerade bei der gegenwärtigen russischen Anleihe in Betracht zu ziehen ist, das haben nicht nur die Erörterungen über die deutsche Ve- teiligung, sondern noch viel überzeugender die russischen Stimmen gezeigt, die die Anleihe erst nach Zusammentritt der Duma und nur mit deren Bewilligung ausgenommen wissen n-ollten. Wer sich trotzdem an der russischen Anleihe beteiligt, der weiß, das; cs die gegenwärtige russische Regierung ist, die er mit seinem Gelde unterstützt. Und das ist schließlich Geschmackssache. Die Berliner Börse ist verhältnismäßig recht matt und sehr wenig spekulationslustig gegenüber den letzten Tagen der vergangenen Woche. Am Montan markt kommt man wieder auf die Absichten der konservativen Partei des Abgeordnetenhauses zu sprechen, die gern einen Exportzoll für Kvhleu und Kali sähe. Wünsche, die aber hoffentlich nicht in Erfüllung gehen. Paketfahrt-Mtien und Lloyd waren angeboten infolge ungünstiger Frachtmarkt-Nachrichten. Lombarden waren gebessert. Amerikaner hielten sich. Im weiteren Verlauf des Geschäftes war die Haltung ruhig und fest. Von einem regeren Geschäft war auf keinem Gebiete etwas zu bemerken. Das steife Geld drückt; Privatdiskont 33/s Proz. Markte. Gießen, 24. April. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmackte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.10—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 6-7 2. §3 o äjP — er --■ co §: ~ 2.- 3 <0 5 3 -o» 3 2 3 ~ er - ir e 3 L2 A, 3 O Ti -2 fy) ~ (2g « o _. o 2. er = C-- o» cös 08 er E« er^.a’^o @ « 3? 2 » 3 * ”■ 3 5« ~ 2 2"« -'LS o CD 00 •s ö a («?idr Z3^ & 5* uv to 7-,' K) #iO CL £3 3*3^ @ 3 <50 w «3^? £ uv o 53 *s ö UV 3 3 ÄS 3 LiSS 3 o 7; •S^ä- S 2.- to)<ö> 3 » o 3 3 2 3 Ä o 2. — ur- 3 X' uv 3 er5 67 S) ■e 2 2-" 3 L 5^3 -■5' o- U'VrS" 3 UV uv 5 3 to 3 6, LS 003 er 3- ro ro <3 UV c rt O 3 3* uv <=< LS R4» Z .A8 ©2. 3 £v 3' uv ich und Frucht : und Brotvreisc 1906. 5) iS 3> 2 £7 03®. rr.« a*P 3* ^3- 3 % 2;c5 to) 3 3^0 2^ £3 UV « UV A o w>esv 2 to> --t'-3 5-e -5« g2S COD «42- 2^5 2 S" 2--3 2 3*g -s L er 3* 6) SZ k'r? 2 3 □ L a’e» 6fö o heMemWockerLti MnerernlCt. ß-71, (., Enteneier 7 P!c. r"i ^q. Wen p.EßiunbSv' .8Ö-1.OOT7L, önOnexr.'- 1,80 M., Guten pr. cf4 j?iq„ Cdiienfleiirti pt.R unb 70-72% CchiM- ifleiicb, geialzen, pr. N ., Hammelfleisch or. -'■ - Kartoffeln pr. 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