Nr. 71 Zweites Blatt 15«. Jahrgang Samstag 24. März i$M)6 Grlchewl MtzNch mit Auknahme bc3 Sonntags. Ei« ^Gietzrner Lamllienblätter- werden dem ,flmptaer tnermol wöchentlich beigelegt. Der Ehslsttch« L«-»trt- erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck imb Verlag der Vrüdl^cL« UnwersttälSdruckerei. R. Lange, Tie^ea. Redaktion, Expedition a. Druckerei Gchullkr 1, Tel. Nr. 6L Telegr^Adr. i Kn-etger iflußta. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Amtlicher Heit. Gießen, den 23. März 1906. Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des ansteckenden Scheldenkatarrhß des Rindviehs. Tas (tzrMerzoqliÄe Krcisaml Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. 91nd)bem unter dem Rindviehbestand der Geineinde Lich der ansteckende Scheidenkatarrh festgcstcllt worden ist, empfehlen wir Ihnen zur Verhütung einer Ausbreitung der Krankheit den Bullenwärtern und Büstenhaltern Ihrer Gemeinde aufzugeben, weibliches Rindvieh, welches aus der Gemeinde Lich zun» Spruug zugeführt werden soll, zurückzuweisen. Sollte die Krankheit in Ihrer Gemeinde beobachtet werden, so ist uns und dem zuständigen KreiSoeterinäramt sogleich Nachricht zu geben und dafür Sorge zu tragen, daß die nachstehend abgedruckten Vorschriften unserer Polizei-Vcordnung vom 20. Oktober 1902 strengstens eingehatten und Zuwiderhandlungen zu Anzeige gebracht werden. Dr. Merck. Verordnung. Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des ansteckenden Scheidenkatarrhs des Rindviehs. Aus Grund des 8 1 der Bundesratsmstruktion zur Ausführung der tzZ 19—29 deS Reichsgesetzes vom 23. Juni 1880 1. Mai 1894 die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen betreffend, tvetbpn mit Genehmigung Gcoßh. Ministeriums deS Innern vom 16. Oktober 1902 zur Unterdrückung deS ansteckenden ScheidenkalarchS des Rindviehs die nachstehenden Schutz- maßregeln für den Kreis Gießen angeordnet. § 1. Sobald der Ausbruch des ansteckenden Scheiden- katarihS in einem Orte festgestellt worden ist, darf weiblicher Rindvieh nur dann zur Begattung durch einen unverdächtigen Gemcindebuste» zugelaffen werden, wenn eS durch einen vom KreiSvetermärarzt zu instruierenden Ortseinwohner auf das Vorhandensein der fraglichen Krankheit untersucht und für unverdächtig erkannt worden ist. Die bei dieser Untersuchung als verdächtig erkannten Tiere sind so lange von der Begattung ausgeschloffen, biS ihre Unoerdächtlgkeit durch den KreiSoeterinärarzt bescheinigt wird. § 2. Die nach § 1 verdächtig befundenen Tiere sind von dem mit der Untersuchung beauftragten Ortseinwohner der OrtSpolizeibchöcde anzuzeigen. Der Wechsel deS Standorts dieser Tiere ist big zu deren Unverdächtigkeit nur nm besonderer polizeilicher Erlaubnis gestattet. Wird die Erlaubnis zur Verbringung eines verdächtigen Tieres in eine andere Gemeinde erteilt, so ist die Polizeibehörde derselben entsprechend zu benachrichtigen. 8 3. Das Verbringen von Kühen und Rindern eines Seuchenortes zu den in anderen Orten aufgestellten Bullen ist verboten. § 4. Nach dem Erlöschen der Seuche in einer Stallung ist die Desinfektion derselben, sowie der Stall- und Putzgeräte nach Angabe des KreiSoetennärarztes und unter polizeilicher Uebcrwachung vorzunehmen. § 5. Der Ausbruch und das Erlöschen der Seuche in einem Orte ist durch das Kreisblatt und in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. § 6. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Anordnungen werden, insoweit nicht nach bestehenden gesetzlichen Bestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist, nach § 66 Ziffer 4 des Reichsgesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen bestraft. Gießen, den 20. Oktober 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breid ert. KekamUmaHmig. Betr.: Maßregeln zur Unterdrückung des ansteckenden Scheidenkatarrhs des Rindviehs in der Gemeinde Lich. Unter dem Rindviehbestand der Gemeinde Lich ist der anstellende Scheidenkatarrh ausgebrochen. Gießen, den 23. März 1906. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Merck. Krttannlurachlmg. Betr.: Schweincvcrdacht zu Allendorf a. d. Lahn. Die wegen Schweineseucheverdachts über verschiedene Gehöfte zu Allendorf a. d. Lahn verhängte Sperre wird hiermit aufgehoben. Betr.: Milzbrand zu Holzheims Nachdem der Milzbrand unter den Viehbeständen des Hartmann Schmidt und Hch. Engel III. zu Holzheim erloschen ist, wird die verhängte Gehöftsperre aufgehoben. Gießen, den 23. März 1906. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Merck. Die Verlängerung der Geltungsdauer -es Gesetzes über Sie Gemcindcumlagen. Ter von Abg. Dr. G u t f l e i s ch erstattete Bericht des Finanzausschusses der 2. Hess. Kammer, der einen guten Ueberblick über den gegenwärtigen Stand dieser Materie bietet, lautet im wesentlichen wie folgt: Das Gesetz vom 30. März 1901 war nötig geworden, weil bei der mit dem 1. April 1901 in Geltung tretenden 'Neuregelung der Staatssteuer gewisse e als die Verewigung und die geflissentliche Verschärfung des konfessionellen Gegensatzes, der feit Jahrhunderten am Marke unseres Volkes zehre und die Einheit und Kraft der Nation untergrabe. Deshalb fei die Frage nicht als eine bloß preußische zu betrachten, und die Unterzeichneten hielten es für eine (tzreufache, in diesem krillschen Augenblick ihre Stimme zu erheben unb von bcu preußischen Volksvertretern bie bebingungslose Ablehnung ber konfessionellen Bestimmungen der Schulvorlage zu fordern. Unterzeichnet haben bic Erklärung u. a. folgende Professoren: Dr. Karl B in d in g-Leipzig, Tr. Lujo Brentano- München, Tr. Felix Dahn- Breslau, Tr. Rudolf E u ck c n - Jeira, Dr. Wllhelm F ö r st e r - Berlin, Dr. Albert Hänel-Kiel, Tr. Okto H amack-Stuttgart, Dr. Ignaz I a st r o w - Berlin, Dr. Georg I c llin c c-Heidelberg, Dr. iicttl Lamprech t-Leipzig, Dr. Theodor Lipps-München, Dr. Franz v. Liszt-Berlin, Dr. Paul Natorp- Marburg, Tr. Theodor N ö l d e kc-Straßburg, Dr. Werner Som b ar l-Breslau, Dr. Max Weber-Heidelberg, Dr. Heinrich W ö l s f l i n - Berlin, Dr. Wilhelm Wi u n d t - Leipzig, Tr. Theobald Ziegler-Straßburg. Tie Volksvertreter an der Steuerschraube. Es zeige sich immer mehr, daß den Herren in der Steuerkomuiission das Verständnis und der weite Blick fehlt für eine groß und gerecht angelegte Steuerpolitik, die die Hauptlasten auf die Schultern der kapitalkräftigen Volksschichten und nicht aus bie breiten, finanziell bedeutend schwächer gestellten Massen wälzen würde. Am merkwürbigsten muß ber Beschluß der Steuerkommission berühren, den von der Regierung vorgefchlagenen Fix- slcrnpel auf Fahr kar ten durch einen sogenannten Kilo- m c t e r z u s ch l a g auf die L, 2. und 3. Klasse zu ersetzen. Tenn ber Eintrag ber Steuerkommission mürbe, vorausgesetzt, baß er Gesetzeskraft erlangt, bie Eisenbahntarif e weit erheblicher verteuern als der Fix- stempel. Wenn ein Abgeordneter bei der Degrünbung meinte, Daß bie kleinen Tetailreisenben meist von einem solchen Zuschlag frei blieben, unb es bem, ber eine größere Reife macht, auf 2—3 Mk. mehr ober weniger nicht ankomme, so befinbe er sich in einem gcmaUigen Irrtum. Gewiß, bei ben großen Geschäftshäusern, bie nur mit großen Stunb* ichafien arbeiten, spielt cs keine 5tolle, ob bie Verteuerung oer Bahnfahrten bie Spesen ber Reisenden um ein paar Mark erhöh! ober nicht, aber speziell bei jenen Reifenden, Die sich mit bescheidenem Gewinne vom Klcinhanbel nähren, ,ällt selbst die geringste Erhöhung der Fahrkartenpreise ins Gewicht. Außerdem gibt es bekanntlich noch eine Menge anderer Leute, bie nicht Kaufleute sind unb trotzdem öfters Reifen machen müssen, unb benen ebenfalls eine jebe weitere Verteuerung bauet recht fühlbar wirb. Angesichts ber Tatsache, baß bas Reifen in Deutschland ohnehin ein kostspieliges Vergnügen ist im Verhältnis zu den weit billigeren Tarifen inan deren Ländern, ivie beispielsweise Oesterreich-Ungarn, muß jedem Bcrteuerungsverfuch enlschieben entgegengetreten merbeu. Tie St en c r k o m m i s s io n beschloß am Freitag entsprechen!) bem Anträge Herold (Zentrum), bei F r a ch t u r k u n d e n die S ch i f f s g e f ä ße bis zu 250 Tonnen stempelfrei zu lassen. Bei der Beratung des Antrags Nacken (Zxntr.), nach dem Ausstellungen von "Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und Gesellschaften m. b. H. über die Höhe der gesamten Vergütungen an Aufsichtsratsmtt^ glieder mit 10 Proz. der Gesamtsumme besteuert werden sollen, ausgenommen, wenn die Gesamtsumme 5000 Mark nicht übersteigt, drückte Staatssekretär Frhr. von Stengel seine Sympathie zu der Idee des Antrags aus. Zei der Abstimmung wiro beschlossen, die Tagegelder, soweit sie 50 Mort täglich nicht übersteigen, sowie die Reisegelder, soweit sie bare Auslagen betreffen, steuerfrei zu lassen. Sodann wird gemä$ bem Antrag Herolb, mit dem sich Nacken einverstanden erklärt, ber Steuersatz von 10 Proz. auf 8 Proz. herabgesetzt. Ein Antrag Mielczynski, statt 5000 Mk. 10000 Mk. zu sagen, wirb abgelehnt. Ein Antrag am Zehnhoff, nach bem bie Abgabe nur insoweit erhoben werden soll, als sic aus der Hälfte des 5000 Mk. übersteigenden Betrages geoeckt werden kann, damit nicht unter Umständen Aufsichtsralsmitglieder, die mehr als 5000 Mk. erhalten, sich schlechter stehen, als solche, bie weniger beziehen, wird angenommen. Bei ber Gesamtabstimmung wird der so abgeänderte Antrag Nacken mit großer Mehrheit angenommen. Dagegen stimmten geschlossen die Sozialdemokraten und die Frei- sinnigen. Mrchttehe Nachrichten« tzvangetrsche Gemetnoc. Tie Kinderkirche der M a t t h ä u s g e m e i n d e muß Sonntag Ausfallen. — > ' । ■ ■ । 1 — I-! ■■■_■ «II Märkte. Gießen, 24.März. Aiarklberichl. Aui beutigem Wockeninarkt- kosteten: Butter pr. Pkd. 1.05—1.10 Mk., Hühnereier 1 St. 7—8 Mg. 2 Slck. 00—00 Psg., Gänseeicr 00—00 Psg., Enteneier 0—0 Pkg., Haft pr. Slck. 6—8 Pf., Kasematte 2 St cf. 5—6 Pfg. Erbsen pr. Liter'21 Big.. Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80—1,06 Pik., Hühner pr.Sr 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Ganje vr. Pck. 00—00 Pfg., Ochfeusteijch pr. Pfd. 74—82 Pig., Kuh- und Rindfleisch pr. Psund 70—72 Pig., Echivelue- lleisch pr. Pfund 86—90 Pfg., Schiveincfleijch, gejalzen, pr. Piuud 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—80 Pfg., Hanrmelfleijch pr. Piuud 60—80 Pig. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—0,00 Aik., Ziviebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepiel per Pjuiid 25 bis 00 Pig., in Körben 00 Pig., Nüsse 100 Stück 50 - 00 Pig., Birnen per Pid. Mk. 0.15—0.20, Weißkraut per Stück 20—30 Pfg., per Zenuter Dik. 0.00—0.00. — Moritzen 8—2 llhr. le. Frankfurt o. 2)1, 23. März. H e u- unb Stroh- marft. Mau notierte: Heu Mk. 3.80 bis Mk. 4.20, Stroh Mk. 2.90.—3.20 Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest. 02009| Ecke Querstraße. zu vermieten. 6 Ebert). Metzger. 552 j Läden etc. 1279 Goethestr. 35. 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Für die vielen Beweise innigster Teilnahme, sowie für die überaus zahlreichen Blumcnspendcn anläßlich des Hinscheidens meines innigstgeliebten, unvergeßlichen Gatten, unseres vielgeliebten Vaters, Schwiegervaters und Großvaters, des SmsÄnMts Karl Keller sagt herzinnigen Dank Im Namen der Hinterbliebenen: In tiefer Trauer Olga Noll und sechs Kinder. Gießen, den 23. März 1906. 1909 rS3 1912 bei Bareinkäufen 85 pCf. Skonto 15 pCt M.Kann Christian Wallenfels Telephon 262 gestellten gegenüber J der Stadtkirche. Friedberg, den 23. März 1906. . Die Beerdigung findet statt in Darmstadt Montag, den 26 März 1906, vormittags 11 Uhr vom Portale des Friedhofs aus. Die Ueberführung nach Darmstadt findet in Friedberg Sonntag, den 25. März 1906, nachmittags 4 Uhr vom Sterbehause Kaiaerstrasse 12b aus statt. 1 empfiehlt seine rühmlichst bekannten sorgfältigst zusammen- s SWthckii-KMl an I. Stelle zu 33/i und 4 Proz. vermittelt Adolf Schmidt, 01325] Landgrasenstraße 5, I. Immobilien und öi)oothcfen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unserer lieben, unvergeßlichen Eu^enie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Schwabe, sowie den Mitschülerinnen und Kindern der Markus- gemeinde sagen auf diesem Wege innigsten Dank Tie tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Bertha Letsch Wwe., geb. Mickel Familie Philipp Miüel. Gegründet 1826 17 Marktplatz 17 Beehre mich, meiner verehrten Kundschaft von hier und auswärts mitzuteilen, daß ich mein Frisenr-Geschiift:Ä5!;Ä stach Ludwigsplatz 8 verlege. Es wird mein Bestreben sein, das mir seither in so großem Maßegebrachte Vertrauen auch in Zukunft zu rechtfertigen und bitte, mir dasselbe auch ferner, in meinem vollständig neu eingerichteten Geschäfte darbcingen zu wollen. 1QG7 Ausnahmstage Bis 14. 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