Nr. 231 Zweites Blatt 156. Jahrgang Dienstag 2. Oktober 1906 Erscheint Eßlich mit Ausnahme des Sonntags. Eie „Etetzener Zamilienblätter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessisch« Landwirt- erscheint monatlich einmal. Giehener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brü bliche» Universitätsdruckerei. R. Lang«, Eietz«. Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schuksir.L. Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: An-etga Gieße». General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Netzen. ______________ —--------------------------WIM ■ i ■! immii——■unmat^nMa«a—rTrg!aKaaa«iwnn»taMaa.'WPEg-i:.-guj i.jjLWLaj»3nBiiiimwBl> ■■■>» politische Tagesschatt. Die Unfallziffern im deutschen Bergbau stellen sich, wie sich auS dem soeben veröffentlichten Jahresbericht der Knappschafts-Berufsgenoffenschaft ergibt, immer ungünstiger, während eS m England durch verbesserte SicherheitLeinrichtungen gelungen ist, die früheren ungünstigen Ziffern herabzudrücken. Die Unfallziffer in Deutschland ist von 80 242 im Vorjahre auf 81178 im Berichtsjahre gestiegen, trotzdem in letzterem nahezu 200 000 Bergarbeiter infolge des Streiks einen Monat gefeiert haben. Die Zunahme ist keineswegs etwa auf selbstverschuldete Fälle zurückzuführen; diese haben sich im Gegenteil seit 10 Jahren um ein Drittel vermindert, während die durch ungenügende Sicherheit der Betriebe heroorgerufenen Unfälle sich in demselben Zeitraum um ein Fünftel erhöht haben. Gewiß nimmt die Gefährlichkeit des Bergbaues mit der Tiefe der Gruben zu; es ist aber nicht richtig, daß eS dagegen keine Vorkehrungsmaßregeln gäbe; zum mindesten sollte man die Arbeiter an der Grubenkontrolle mitwirken lassen, schon um sie selbst an der Verantwortung mit zu beteiligen. Die Lage der Bergindustrie in Deutschland ist z. Zt. wahrhaft glänzend; die Werke sind nicht entfernt imstande, die Aufträge zu erledigen. Die Jahresabschlüsse dec Gruben weisen Gewinnziffern auf wie nie zuvor. Sollte es da nicht für die Bergindustriellen ein nobile officium sein, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um durch vermehrte Sicherheitsmaßregeln die Zahl der Unfälle herabzumindern? * Der Eiseubahuminister und der Alkohol. Die ,Nordd. Allg. Zig." schreibt: Bekanntlich hat der Minister der öffentlichen Arbeiten vor etwa Jahresfrist allen im Eisenbahnbetriebe beschäftigten Bediensteten verboten, während des Dienstes alkoholische Getränke irgend welcher Art zu sich nehmen, und gleichzeitia tue Eisenbahndirektionen angewiesen, dafür zu sorgen, daß allen Bediensteten Gelegenheit geboten werde, ivährend des Dienstes Erfrischungen, insbesondere alkoholfreie Getränke, zu billigen Preisen zu verschaffen. Unter anderm hat er den Eisenbahndirektionen empsohlen, Vorrichtungen zur Herstellung von Brausemasser und Brauselimonade zu beschaffen, diese Ersrischungsmitlel zum Selbstkostenpreise an die Bediensteten abzugeben. Ein geringes Hinausgehen über den Selbstkostenpreis soll nur dann gestattet sein, wenn Arbeitergemeinschajlen oder Vereine der Angestellten die Herstellung auf ihre Kosten übernommen haben und die geringen Ueberschüsse zu WohlMhrtsem- richtungen für die Mitglieder verwenden. Abgabe der Erzeugnisse an Personen, die nicht im Eisenbahndienst beschäftigt sind, ist streng untersagt. Auch dürfen Getränke nur zum Verzehr während des Dienstes oder der Dienslpausen verabfolgt werden. Damit dieser Wohlfahrtseinrichtung möglichst viele Bedienstete teilhaftig werden, wird der Bedarf kleinerer Stationen, auf denen die Aufstellung eigener Apparate nicht lohnend wäre, von den größeren Stationen aus gedeckt. Die Versendung erfolgt als Dienstpost, lueil die Verwaltung im Interesse der sicheren Beförderung der Personen und Güter, welche die Eisenbahn benutzen, und im Interesse des Lebens und der Gesundheit der Angestellten großen Wert darauf legt, daß die Einhaltung des Alkoholverbots den Bedien st eten möglich st erleichtert iv i r d. Im übrigen sind tue Preise so zu bemessen, daß sämtliche Herstellungskosten, wie Löhne, Materialien, Apparate, Flaschen »isw. voll gedeckt werden. Wenn neuerdings in der Presse Aeuße- rungen laut werden, die behaupten, daß die Verwallnng bei der Preisfestsetzung für diese Getränte die Selbstkosten nicht hinreichend berücksichtige, so sind diese Aeußerungen ebenso unbegründet, wie die wettete Behauptung, daß sie mit dieser Einrichtung Mineral- wassersabrikanten unerträgliche Konkurrenz bereitet. Denn Käufer dieser von der Eisenbahn hergestellten Getränke sind vordem als Abnehnter öffentlich angeborener Mineralwässer ihres viel höheren Preises wegen nur ganz ausnahmsweise in Betracht gekommen. Der Kongreß für Kiuderforschuug und Jugendfürsorge trat am Montag in der Unioersitätsaula in Berlin zusammen. Den Vorsitz führte Geheimrat Prof. Dr. Münch-Berlin. Vertreter entsandten die Städte Hamburg, Stuttgart, Antwerpen, Kiel, Dortmund, Gelsenkirchen und Rixdorf, der Landesdirektor der Provinz Brandenburg, der Bund des Deutschen Frauenvereins, tue Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen, der Verein für ländliche Wohlfahrtspflege und andere. Die Fragen, um die es sich bei diesen Beratungen handelt, sind von hoher Bedeutung. Man braucht nur an die erschreckende Zahl jugendlicher Verbrecher zu denken, um den Wert vorbeugender Maßregeln auf dem Gebiete der Jugendfürsorge zu erkennen. In der ersten Versammlung, die unter sehr starker Beteiligung stattfand, erläuterte, wie unser Berliner L.-Korrespondent schreibt, ein bemerkenswerter Vortrag des Professors Dr. Baginsky, des Direktors des Berliner Kaiserin Friedrich-Krankenhauses, den Einfluß der Umgebung auf die Kindesseele. Profeffor Baginsky kam dabei auf die Kinderaussagen vor Gericht zu sprechen, die bekanntlich in einer Reihe von mehr oder ntinbet sensationellen Prozessen der letzten Jahre eine große und entscheidende Rolle gespielt haben. Professor Baginsky meinte, Kinderaussagen vor Gericht seien für den wirklich erfahrenen Kinderkenner gradezu null und nichtig. Er wolle sich beinahe verpflichten, in ein Kind von 8 bis 9 Jahren jede beliebige Zeugenaussage hinein und wieder heraus zu examinieren. Diese Beobachtungen und Erfahrungen eines Gelehrten von dem Range Baginskys machen sicherlich auf Beachtung Anspruch. Dennoch wird man nicht so weit gehen können, die Kmderaussage vor Gericht zu beseitigen durch Einführung entsprechender Bestimmungen, etwa wie in Schweden, daß der als Zeuge zu Vernehmende mindestens ein Alter von 15 Jahren haben muß. Profeffor Baginsky ließ die Frage der Altersgrenze offen, befürwortete grundsätzlich aber die Abschaffung der Kinderaussagen. Wir glauben nicht, daß der Vorschlag in der deutschen Rechtspflege zur Ducch- fühtüng gelangen wird; es wäre durchaus nicht gut, wenn es geschähe. Denn die Gefahr liegt doch sehr nahe, daß dadurch ein starker Schutzwall den Kindern genommen würde, daß Verbrechen aller Art gegen Kinder, beispielsweise fortgesetzte Quälerereien, viel schwerer als jetzt, zu entdecken und zu ahnden wären, wenn die Kinderaussage null und nichtig sein soll. Unsere Gerichte behandeln diese Aussagen schon jetzt mit großer Vorsicht, und das genügt vollkommen. Keröanb junger KrveUer Deutschlands, n. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) Genoffe Katzenstein-Berlin legte zu dec Frage: Jugend und Alkohol folgende Thesen vor: Der Alkohol ist ein Giftstoff, der betäubend wirkt. Die dem Alkohol zugeschriebenen Wirkungen der Kräftigung, Erwärmung, Erfrischung, geistigen Anregung rc. sind Selbsttäuschungen. Der dem Alkohol zugeschriebene Nährwert ist in Wirklichkeit minimal. Trotz seines giftigen Charakters ist der Alkohol einer der beliebtesten Gegenstände des Massenverbrauchs. Die ungeheitre Zunahme des Alkoholgenusses verursacht fortgesetzt die schwersten Schädigungen des Volkslebens. Die Herstellung und der Vertrieb des Alkohols verzehren einen unverhältnismäßig großen Teil volkswirtschaftlicher Arbeit. Der Alkoholvertrieb unterhält eine große Zahl parasitischer Existenzen. Der Alkoholvertrieb vermindert die Arbeitsfähigkeit. Er ist eine eigentliche Volksseuche. Der Alkohol vermehrt die Unfälle. Er ist tue Ursache zahlreicher Straftaten und verursacht einen großen Teil der GeisteSkrank- feiten. Der Alkohol beeinträchtigt das Familenleben. ' Am schwersten leidet unter den Einwirkungen des Alkohols die Arbeiterklasse. Je geringer das Elnko>nmen ist, umso größer ist der vom Alköholgenuß in Anspruch genommene Teil. Je geringer die körperliche Widerstandsfähigkeit ist, um so gefährlicher sind die Einwirkungen des Alkohols. Die allgemeine Unsicherheit der Existenz des Arbeiters erhöhen für ihn die allgemeinen Gefahren alkoholischer Ausschreitungen. Die Arbeiterklasse ist in ihrem Befreiungskämpfe auf klarblickende Kämpfer angewieserr. Der Alkohol aber ist eine Quelle der Indifferenz und des bnitalien Egoisnius, ein Hemmnis der Organisation, eine Quelle des Streikbrechertums, der Korruption, der Unbesonnenheit. Daher ist die Arbeiterklasse in erster Reihe zur Bekämpfung des Alkohols berufen. Gleichfalls besonders den Gefahren deS Alkohols ausgesetzt ist die Jugend. Besonders gewissenlos ist die Verabreichung von Alkohol an Kinder. Insbesondere die erwachsene männliche Jugend wird durch Alkoholgenuß in ihrer Widerstandsfähigkeit beeinträchtigt. Dec junge Mann, der die Unterlagen zur Gründung einer Familie schaffen, später gesunde Kinder in die Welt setzen, im öffentlichen Leben seinen Mann stellen will, wird hierin durch den Alkohol beeinträchtigt und gefährdet. Der jugendliche Idealismus wird gehemmt durch die Wirkung des Alkohols. Darum ist vor allem die denkende und begeisterte Jugend der Arbeiterklasse bestimmt, den Vorkampf gegen den Alkohol zu führen. Als durchschlagendes Kampfmittel gegen den Alkoholis- mus hat sich nicht die Predigt der sogenannten Mäßigkeit, der die werbende Kraft des Beispiels abgeht und die oft nur einen Deckmantel für bequemes Sichgehenlassen abgibt, erwiesen — vielmehr, neben der wissenschaftlichen Aufklärung über Wesen und Gefahren des Alkohols, ausschließlich die Abstinenz: die grundsätzliche und völlige Enthaltung von alkoholhaltigen Getränken jeder Art. Die Abstinenz hat nicht zur Voraussetzung der Schädlichkeit auch des kleinsten Quantums Alkohol. Wie bei jedem Gifte, gibt es auch beim Alkohol ein Mindestmaß, das nicht mehr merklich schädlich wirkt. Indessen ist festgestellt, daß auch geringe Mengen bereits körperliche und geistige Minderleistungen verursachen, umsomehr, je mehr sie gewohnheitsmäßig genossen werden und je geringer die Widerstandskraft der Person ist. Die Abstinenz ist das einzig sichere Mittel, sich vor Schaden, wie die Ueberschreitung eines individuell verschiedenen, immer aber sehr geringen Mindestmaßes ihn verursacht, zu bewahren. Sie ist das wirksamste Mittel der Propaganda. Die Veredlung deS geselligen Lebens erheischt die Befreiung vom Trunk mit den damit verknüpften Unsitten und Ausschreitungen aller Art. Die Abstinenz ist nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel im Ringen um höhere Kultur, um Gesundung der Rassen im Befreiungskämpfe des arbeitenden Volkes. Da die Alkohol- gewohnheiten aus sozialen Uebelständen mannigfachster Art erfließen und durch geistige Rückständigkeit gefördert werden, muß der Kampf gegen den Alkoholismus Hand in Hand gehen mit sozialpolitischer Reformarbeit und gründlicher Aufklärung auf allen Gebieten. Dabei darf die Pflege alkoholfreier edler Geselligkeit, die Bekämpfung des Trinkzwanges und der Trink- sitten nicht unterbleiben. Die Bekämpfung des Alkohols ist eine Aufgabe der gesamten Arbeiterbewegung, deren politische, sozialpolitische, gewerkschaftliche und genoffenschaftliche Betätigung in dieser Richtung zu wirken hat. Die Vertrauenspersonen der Bewegung sind in erster Linie berufen, diese Frage zu studieren und die Konsequenzen ihrer Erkenntnis zu ziehen. Je früher dieses Studium beginnt, je früher der Einwurzelung dec Alkoholsitten ein Damm gesetzt wird, um so kräftiger und klarer wird die weitere Bewegung sich entfalten. Insbesondere in Zeiten lebhafter Bewegung, bei Streik» und Wahlbewegungen, wo die Aufgabe der Selbstbeherrschung von größter Wichtigkeit ist, ergibt sich die Forderung der Abstinenz. Eine wirksame Massenstreikbewegung hat die Alkoholenthaltsamkeit zur Voraussetzung. So ist die Arbeiter-Abstinenzbewegung ein Mittel der Aufrüttelung, der Willens«rtüchtlgung, der Selbstbefreiung des arbeitenden Volkes. Der Redner schließt seine Thesen mit Ibsens Wort: „Das Wort ist wie im Meer ein Pfad, Doch eine tiefe Wegspur läßt die Tat.* Man hatte erwartet, daß das Thema der militaristischen Propaganda einiges Interesse bet den jungen Gardeleuten erwecken würde. Bei der Festsetzung der Tagesordnung hielten die »Jugendlichen" aber das Thema für ziemlich unwichtig, denn sie erhärten, sie wollten erst die anderen Themen erledigen, jetzt da noch alle Delegierten anwesend seien. Die Absage an Liebknecht war also ziemlich deutlich. Eine ausgiebige Debatte entfesselte die Beratung der Statuten. Dr. Frank konnte dabei unter der Heiterkeit der Versammlung den „frischen revolutionären Ton" eines Jugendlichen aus Pirmasens loben. Ueber die Frage, in welchem Alter man die Genossen aus der Jugend-Organisation zum Anschluß an die Partei veranlassen müsse, war man sich nicht im klaren. Das 23. Lebensjahr sicht man im allgemeinen als Scheideweg an. Auch der Anregung, weibliche Mitglieder in die Organisation aufzunehmen, standen viele Genossen nicht sympathisch gegenüber. Die Organisation der Fabrikmädchen sei Arbeit der Fcauenorganisation. Das Statut wird en bloc angenommen. Dr. Frank, die treibende Kraft der Jugendorganisation, legt dann das Verhältnis zwischen Partei und Jugeudgarde dar. Die sozialdemokratische Partei erwartet von unS Arbeit auf drei Gebieten: 1. Wir müssen uns gegen die Ausbeutung der Jugend, gegen die Mißachtung dec Jugendschutzbestimmungen wenden, wie unsere österreichischen Genossen. 2. Der junge Mensch muß auf spätere politische Wirksamkeit vorbereitet werden. Dazu ist Aufklärung auf allen Gebieten erforderlich. 3. Der Proletarier muß zu dec Ueberzeugung kommen, daß der jetzt bestehende Militarismus nicht mehr von langer Dauer sein kann. Es wird notwendig sein, den Proletariern das Bewußtsein beizubringen, daß der Mann in der Uniform trotzdem noch Arbeiter bleibt. Planmäßig muß das Klassenbewußtsen geschaffen und entwickelt werden. In dec Diskussion trat man dafür ein, daß der jungen Garde von den alten Genossen Geldmittel zur Verfügung gestellt würden. Dr. Dunk er-Dresden: Die Jugendorganisation sollte sich die Pflege der Massengesangs angelegen sein lasten. Ick habe gehört, daß gestern beim BegrüßungSabend auch KupletS zum Vortrag gekommen sind. Dis gehören nicht in Ihre Reihen. Halten Sie auf Reinheit. Für Sie ist die Hauptsache, zu lernen. Lehrer Schulz-Bremen: Treten Sie nicht in den Kampf gegen die alte Garde. (Beifall). Eine Resolution des Dr. Frank, welche die Errichtung von Lehrlingsschutzkommissionen fordert, wird angenommen. In später Stunde sprach Rechtsanwalt Dr. Karl Lie b«* knecht über Militarismus. Es müsse in eine weitgehende Agitation eingetreten werden. Ueber Umfang und Art dieser Agitation müssen genaue Vereinbarungen getroffen werden. Zur Behandlung dieser Frage soll vom Verband der Jugendlichen eine Kommission eingesetzt werden. Stach Erledigung verschiedener Anträge und nach Voc- nahme der nötigen Wahlen wird dann die Tagung geschloffen. Das letzte Viertel des Jahres hat begonnen. So laden wir denn zum Abonnement auf den Gießener Anzeiger für dieses Quartal em. Einer Darlegung unseres Programms' oder Anpreisung des Inhaltes unseres Blattes, das sich weitesten Ansehens erfreut, bedarf es nicht. Der „Gieß. Anz." ist anerkanntermaßen die größte, und zwar völlig unabhängige, für die Versöhnung der Gegensätze zwischen Stadt und Land, sowie der beiden wesentlichen politischen Gruppierungen unter den bürgerlichen Parteien Hessens eintretende, die berechtigten Interessen von Industrie und Landwirtschaft nach Möglichkeit fördernde Zeitung Oberhessens. Ganz besonders machen wir auf den in dem wöchentlich viermal erscheinenden Beiblatt „Gießener Familienblätter" seit dem 12. September zum Abdruck gelangenden ungemein spannenden Roman „Im Banne deL Geheimnisses" aufmerksam, dessen Anfang auf Verlangen nach- geliefert wird. Die Bestellung ist sofort bei den Postanstalten oder unseren Boten zu veranlassen. WcgcUerbrechenS im Amt vor dem Schwurgericht- th. Gie ßen, 2. Oktober. Gestern entrollte die Verhandlung vor den Geschworenen ein überaus bedauernswertes Veanrten-Elend. An- geilagt wegen Unterschlagung von 1050 Mk. zum Nachteil des Eisenbahnfiskus mrd wegen unrichtiger Führung und Verfälschung der Bücher war der 34jah-rige, der Tat geständige frühere Weichensteller Otto Ullrich, früher zu Geiß-^öidda, der am 1. Januar d. I. als stellvertretender Stationsvorsteher nach Dorheim versetzt ist. Die Anklage vertrat Gerichtsassessor Dr. Hetzel, die .Verteidigung führte Justizrat Dr. Gut fleisch. Der Angeklagte, dem als Beamter und als Familienvater das denkbar beste ßeugnis gegeben wird, verdieirte vor seiner Anstellung den Tag 2,50 Mk., er hatte eine seit längerer Zeit kranke Frau und drer Kinder zu ernähren und geriet, bevor er nach Dorheim versetzt worden war, in Schulden. Nach seiner Versetzung nach Dorheim hatte er UOU Mk. Gehalt und 60 Atk. Wohnungsgeld. Bei der ersten Gehaltszahlung wurden dem Be^ tonten 75 ML aWezvgen für STetb'er, dl'e Woymmgsnrlete betrug jährlich 150 MI. und 54 Mk. entfielen als Beiträge für Versicherungen. Die Krankheit der Frau kostete Geld, die Gläubiger drängten und die Familie wvllte leben. In dieser verzweifelten Lage griff der Mann fremdes, ihw anvertrautes Gut an, das er aber mit Hilfe von Verwandten bis auf den letzten Pfennig ersetzte, als man seine Dat entdeckt hatte. Der Anklagevertreter, (?>erichtsässessor Dr. Hetzel, erklärte, man müsse unumwunden zugesteh^n, daß der M'ann auf der Anklagebank kein Verbrecher sei. Widrige Verhältnisse, die den Angeklagten in eine bedauernswerte Notlage gebracht hätten, bildeten die Veranlassung, daß er sich an fremdem Gut vergriffen habe und deshalb nach dem Gesetz bestraft werden müßte. Der geständige Angeklagte müsse schuldig gesprochen Werden des Verbrechens im Amt, doch müsse man nach Lage des Falles auch die Frage nach mildernden Umständen besahen. Der Verteidiger Justizrat Dr. Gut fleisch bittet die Geschworenen, den Anträgen des Staatsanwalts zu folgen. Er müsse zwar sagen, daß, wenn es nur irgendwie möglich Wäre, er beantragen würde, auf Freisprechung zu erkennen, aber wie die Sache liege, lasse sich di"s nicht rechtfertigen. Menschlich betrachtet, könne der Angeklagte einem leid tun, man müsse ihn bedauern, aber das eine müsse er sagen, daß dieser Fall beweise, daß man dem öffentlichen Funktionär die Mittel bewilligen müsse, die notwendig seien, seine Familie zu ernähren. Dr. Gutfleisch schildert, wie der Angeklagte, als er die ersehnte Anstellung erhielt, nach all den Abzügen, die man ihm am Gehalt machte, eigentlich Wertiger Geld zum Lebensunterhalt für sich und die Seinigen hatte, als vorder. Verhältnisse, wie sie die Verhandlung vvrgeführt habe, drängen einen Menschen mit einer gewissen Naturnotwendigkeit zum Verbrechen. Der Verteidiger erklärt, er werde an anderer Stelle dafür eintreten, daß man hier nicht rechne und feilsche, sondern Wandel schaffe, wie sich dies gehöre. Nachdem die Geschworenen die Tatfrage, aber auch daS Vvrliegen mildernder Umstände bejaht, beantragten der Anklagevertreter und der Verteidiger übereinstimmend gegen den Angeklagten die niedrigste im Gesetz zulässige Strafe, nämlich 6 Monate Gefängnis. Demgemäß erkannte der Gerichtshof. Die Geschworenen werden einstimmig an S. K. H. den Großherzvg ein Gnadengesuch für den Verurteilten richten. Am Mittwoch dieser Woche kommt noch eine weitere Anklage vor den Geschworenen zur Verhandlung.. Es handelt sich um einen versuchten Totschlag, den Heinr. Wargand aus Frankenthal begangen laben soll. Die Frau Landesrat als Gattenmörderin. Aus Innsbruck schreibt man: Vor dem hiesigen Schwurgericht wird, wie wir bereits meldeten, der Prozeß gegen Luise Rutthofer, die Gattin des Landesrats Wilhelm Rutthofer verhandelt, die ihren Mann im April dieses Jahres mit einem Küchenmesser erstochen hat und darauf einen Arzt holte, um den Tod ihres Mannes konstatieren zu lassen. Die Angeklagte, eine vierzigjährige, nicht unansehnliche Frau, behauptet, in der Notwehr gehandelt zu haben, da ihr Mätrn, der sie schon wiederholt mißhandelt, ihr mit einem Revolver gedroht habe. Als ihr Gatte in der Mordnacht nach Hause kam, es war gegen 11 Uhr, stand die Angeklagte mit ihrem Hausfreund, dem Studenten der Jurisprudenz Ivan v. Sablic, in der Haustür; sie ffüchtete vor ihrem Gatten in die Wohnung, während ihr Haus- freurrd an dem betrogenen Manne vorbei ins Freie eilte. Als fte sah, daß ihr Mann zunächst gleichmütig blieb, folgte sie ihm in fein Schlafzimmer und versuchte, wvhl um sich zu rechtfertigen, ein Gespräch mit ihm anzufangen. Er wies sie wiederhvlt hinaus, und als sie schließlich in ihr Zimmer gegangen sei, sei ihr M'ann ihr mit den Worten: „So, nun wollen wir abrechnen", gefolgt. Nun habe sie nach einem Messer gegriffen, welches sie unter der Tischdecke verborgen hatte, und habe gerufen: „Rühr' mich nicht an, geh' nicht her." Er habe sich aber wie ein Tiger auf sie gestürzt, und da habe sie zu ihrer Verteidigung einen Stich gtzgen ihn geführt, worauf ihr Mann einen Revolver zog und ffe auf das Sofa Warf. Nun habe sie blindlings zugestoßen, und da sei ihr Mann rücklings zu Boden gefallen. Dann habe fte sich angekleidet und sich gegen ein Uhr nachts ins Krankenhaus begeben, um einen Arzt zu holen. Es sei ihr bedeutet worden, daß keiner der Krankenhmlsärzte kommen könne, und fte sei schließlich an Dr. Kofler gewiefen worden, der ihr auch gefolgt sei und den Tod ihres Mannes festgestellt habe. Die Anklage bestreitet aber das Vorliegen einer Notwehr. Dagegen spreche aus anderen Gründen auch ihr Verhalten nach der Tat. Sie habe noch am Morgen nach der Tat ihren Liebhaber auf seinem Zimmer besucht und ihm mitgeteilt, daß sie ihrem Mann bereits zwei Stiche in die Herzgegend versetzt habe, bevor er sie mit dem Revolver bedrohte. Die Anklage nitnmt sogar an, daß die Behauptung der Angeklagten, von ihrem Manne mit dem Revolver bedroht zu sein, völlig unwahr ist. Der Revolver ist nämlich ausländisches Fabrikat, wie es bei den Waffenhändlern . in Innsbruck gar nicht geführt wird. Vielleicht hat sie ihn einmal auf einer ihrer Reisen gekauft. Die Freunde des Mannes können sich nicht erinnern, jemals diese Waffe bei ihm gesehen zu haben. Als Mvtiv der Tat betrachtet die Anklage den jahrelangen Haß gegen den Gatten, den sie um jeden Preis los werden wollte, um ihrem seit jeher moralisch Verwerffichen Lebenswandel ungestört fröhnen^ zu können. Die Angeklagte tff das uneheliche Kind einer Dienstmagd und hat selbst einen unehelichen Sohn. Mit ihrem 14. Lebensjahre trat sie als Lehrmädchen in einen Putzladen und war dann in verschiedenen Geschäften angestellt, bis sie der Landesrat Rutthofer heiratete. ^er Präsident hob hervor, daß die Angeklagte eine nachlässige Hauswirtin gewesen fei', nicht selbst kochte, nicht die Wäsche besorgte, sondern lieber sehr gepfefferte Gedichte machte. Rutthofer, ein sehr gutmütiger und schwacher Mensch, habe stets selbst den Kaffee gekocht. Der erste Liebhaber der Angeklagten von Sablic ist 27 Jahre alt, ein kräftiger Mann mit dunklen Gesichtszügen und buschigem Schnurrbart. Der Zeuge, der Serbe ist, spricht nur schlecht deuffch. Er gab an, daß er die Angeklagte am vorigen Weihnachtsfeste kennen gelernt habe; anfangs habe er sie vom Theater abgeholt und fte nach Hause begleitet: außer einigen Küssen sei nichts vor- gekommen. Im Februar sei er zu Frau Rutthofer in nähere Beziehungen getreten, die drei bis vier Tage vor der Tat noch bestanden hätten. Die Angeklagte habe ihm erzählt, daß sie ihr Mann mit dem Hammer geschlagen habe. Der zweite Liebhaber der Angeklagten, Baron August Eoreth, ist ein mittelgrosser, durchaus nicht hübscher junger Mann, der fast knabenhaft jugendlich aussieht. Er ist 25 Jahre alt und landwirtschaftlicher Praktikant. Er belastete mit feiner Aussage die Angeklagte schwer. Er sei 'vor zehn Jahren, als er noch Realschüler war, mit der Familie Rutthofer bekannt geworden. Eines Tages habe ihm Frau Rutthofer einen Kuß gegeben. Er sei sehr überrascht gewesen und habe es seiner Mama sagen wollen; er habe es aber dann nicht getan. Er könne sich nicht erinnern, wie das Verhältnis mit Frau Rutthofer begonnen habe. Er habe s i e eigentlich "cht ausstehen können. Im Jahre 1900 sei er zum Militär eingetreten und habe dann den Verkehr fortgesetzt, weil sie ihn gedrängt habe. Der Zeuge erklärt, daß er gern die Beziehungen zu Frau Rutthofer gelöst hätte, er habe sich aber vor ihr gefürchtet. Sie habe ihm auch gesagt, wenn er etwas verrate, werde sie ihn erstechen. Frau Rutthofer habe ihm auch erzählt, daß sie ihren Mann nicht möge, und es ihr am liebsten wäre, wenn er bald stürbe, damit sie die volle Pension bekomme und frei leben könne. Der Zeuge gab weiter an, daß Rutthofer unter dem Pantoffel seiner Frau gestand en habe, aber manchmal zu heftigen Anfällen geneigt gewesen sei. Als er, der Baron, am Tage der Tat gegen neun Uhr abends zu Frau Rutthofer gekommen sei, habe diese ihm gesagt, daß ihr Mann heute schlecht aufgelegt sei und gedroht habe, sich an ihr zu vergreifen, fte habe auch schon ein .Küchenmesser bereit gehalten. Er habe zu ihr gesagt: „Geh', mach' keine Dummheiten." Als Rutthofer zurückkam, war er sehr mürrisch, weil die Frau ihm, dem Zeugen, Bier vorgesetzt habe. Rutthofer sagte: „Der bekommt Bier und ich nicht." Die Baronin Leopoldine Eore th, die Mutter des jungen Baron Eoreth, erzählt, daß sie drei Jahre die Wohnungsnachbarin der Rutthofer war. Rutthofer sei ruhig, etwas schwermütig aew-esen, i^deß seelengut zu seiner Frau. Er säuberte selb st die Wohnung, während seine Frau las. Es sei vorgekommen, daß der Landesrat eine Schürze um hatte und die W o b n u n g aufräumte. Der Universitatsprofessor Dr. Jpsen gab sein Gutachten über den Befund der Leiche und über die Ergebnisse der Untersuchung an Frau Rutthofer ab. Er hat 16 Verletzungen an der Leiche Rutthofers konstatiert. Die Frau wies nur zwei oberflächliche Hautverfärbungen unterhalb der beiden Ohrläppchen auf und einen Stich an der Hand, von dem sie selbst erklärte, daß sie sich diesen beim Ringen mit ihrem Gatten selbst beigefügt hatte. Das Schwurgericht verurteilte die Wittwe Rutthofer wegen Totschlages zu 7 Jahren verschärften schweren Kerkers. Die Preise der Gießener Hunde-Ausstellung. H iFortsetzung statt Schluß.) Für langhaarige deutsche Vorstehhunde, offene Klaffen: Otto Nuhn-Lollar 1. Pr., H. Dornberger' Gießen 2. Pr. Nebenklaffen: Heinrich Schadeck VII., Lollar, Otto Nuhn-Lollar, je 1. Pr. Für kontinentale drahthaarige Vorstehhunde, offene Klassen: Baron v. Gingivs-Hohenau zwei 1. und zwei Ehrenpr., I. Hoesl-Unterkrankenohe zwei 2. Pr. imd ein Ehrenpr., Prof. Dr. Olt-Gießen 3. Pr. Nebenklaffen: Baron v. Gingius- Hobenau, I. Hoesl-Unterkrankenohe, Hotelier Kraemer-Solingen, je 1. Pr.; Prof. Dr. Olt-Gießen, I. Hoesl-Untersrankenobe, Hotelier Kraemer-Solingen, je 2. Pr.; fterb. Schmidt-Gießen 3. Pr. Für Pointers, offene Klaffen und Nebenklaffen: Wilhelm Kitsch-Erpolzheim 1. Pr. Für Irish Setters, offene Klaffen: E. Schiffnie-Gießen 1. Pr. und Ehrenpr. Nebenklaffen: Paul Homberger- Gießen zwei 3. Pr. Für Schweißhunde, Nebenklaffen: Rechtsanwalt Grünern ald-Gießen 2. Pr. Für Dachsbracken, offene und Nebenklaffen: Alb. Jos. Dorn-Bornheim zwei 3. Pr. Für Pudel, offene Klaffen: Johann Liebler - Frankfurt, F. W. Heß-Offenbach, je 1. Pr.; Frau Mahler-Fraukiurt 2. Pr. Nebenklaffen: Johann Liebler-Frankfurt, F. W. Heß-Offenbach, je 1. Pr.^ K. Kramer-Sachsenhausen, Georg Heß-Hochheim, je 2. Pr. Für Spitze, offene Klassen: Wilhelm Arnold-Grüningen 1. Pr.; Conrad Walther-Gießen, Heinrich Knobloch-Kassel, je 2. Pr.; Peter Bechtold-Gonsenheim 3. Pr. Für Dobermannpinscher, offene Klaffen : Jakob Schulz- Mainz, I. Müller-Heidesheim, Wilhelm Klippel-Griesheim, je 1. und Ehrenpr.; Konrad Dietz-Gießen, Joh. Schäler-Gießen, je 2. Pr., letzterer auch Ebrenpr: Earl Görlich-Frank'urt, Friedr. Ritter- Grünberg, je 3 Pr.; Louis Lotz-Gießen, Salli Ullmann-Bingen, Karl Vogt-Butzbach, Hugo Schleiden-Mechenich, Heinrich Röhrig- Kirchgöns, je H. L. E. Nebenklaffen: Joh. Schnier - Gießen, I. Müller-Heidesheim, je 1. und Ebrenpr.; Karl Görlich-Frankfurt, Karl Belz-Gießen, Jakob Schulz-Mainz, Wilhelm Klippel-Griesheim, Fritz Hobbach-Altenkirchen je 1. Pr.; Karl Volk-Gießen, Jul. Wallenstein-Alten-Buseck, Salli Ullmann-Bingen, Jakob Schulz- Mainz, je 2. Pr.; Karl Vogt-Butzbach, Adoli Schäfer-Darmstadt, Werksührer Dönges-Nodheim, Fritz Marr°DorIar, Fritz Hobbach- Altenkirchen, je 3. Pr.; Hugo Schleiden-Mechernich, Justus Lenz- Gießen, Karl Hofmann-Gelnhausen, Heinrich Nöhrig-Kirchqöns, je H. L. E. Für Deutsche Boxer, offene Klaffen: Karl Goennewia- Siegen, Alired Hinsmann-Coblenz je 1. und Ehrenpreis; Richard Toennes-Sonnborn zwei 2. und Ehrenpreis; Georg Hermes- Wetzlar, R. Toennes-Sonnborn je 3. Preise; H. Eckhardt- Kassel, Emil Leuthold-Hauau, Wilhelm Rothkops-Düffeldors, Joh. Leitung-Griesheim, Jakob Becker-Wiesbaden je H. L. E. Nebenklaffen: Richard Toennes-Sonnborn, Gg. Hermes-Wetzlar, Arthur H. Weber-Gießen, Karl Goennewig-Siegen, Heinrich Kemper- Düffeldors je 1. Preise, der Letzte auch Ehrenpreis; Heinrich Kemper-Düsseldorf, Jakob Becker-Wiesbaden, Johann Leitung- Griesheim, Emil Leutbold-Hanau je 2. Preise; Wilhelm Rotbkops- Düsseldors, Heinrich Kemper-Düffeldorf, C. Naumann-Griesheim, H. Bartholomaeus-Bebra je 3. Preise; H. Müller I.-Holzheim H. L. E. Für Bulldoggen, offene Klaffen: LouiS Hammel-Gießen, 1. Breis und 2 Ehrenpreise; Berthold Frankenstein-Frankfurt, 2. Preis. Nebenklassen: Louis Hammel-Gießen, 2. Preis; Karl Vogt-Wenings, 3. Preis. Für deutsche rauhhaarige Pinscher, offene Klassen: Carl Brodt-Wiesbaden, Heinrich Winter-Cronberq je 1. und Ehrenpreis ; Frau Hermine Puth°Kießen 2. und Ehrenpreis; Julius Foucar-Koeppern 2. Breis : K. Gaul-Frankiurt 3. Preis ; D. Bnlling- Frankiurt H. L. E. Nebenklassen: Carl Brodt-Wiesbaden, K. Gaul- Frankfurt, Heinrich Winter-Cronberg je 1. Preise; Frau Hermine Putb-Gießen, Hermann Walther-Hochweisel, K. Gaul-Frankfurt je 2. Preise; August Zeltinger-Gießen, D Bulling-Franksurt je H. L. E.; F. Harnickel-Gießen L. E. Für deutsche gl atthaarige Pinscher, offene Klassen: Willy Jacoby-Frankiurt, August Noll-Gießen je 1. und Ehrenpreise ; Friedrich Steininger-Sachsenhausen 2. und Ehrenpreis; Fritz Marr-Dorlar 2. Preis; W. u. G. Scbuchard-Gießen, Carl Planck-Gießen je 3. Preise; Hermann Mettenheimer-Gießen H. L.E.; Heinrich Rosenschon-Friedberg L. E. Nebenklassen: Willy Jacoby- Frankstirt, Friedr. Steininger-Sachsenhausen je 1. Preise; Fritz Marr-Dorlar 2. Preis; Georg Bichler-Gießen, Ehr. Biecker-Gießen je 3' Preise; Heinrich Rosenschon-Friedberg, Gg. Bichler-Gießen, Wilhelm Mayer-Gießen, Conrad Diehl-Hochweisel, Heinrich Eberhardt-Offenbach je H. L. E.; Valentin Gonter-Gießen L. E.; Hermann Strobel-Gießen L. E. Für Airedale Terriers, offene Klaffen: Heinrich Lenz- Wiesbaden, Wilhelm Bongard-Schlitz ie 1. und Ehrenpreis; C. H. Stavelberg-Aachen 2. Breis; E. Fiimer-Haqen i. 23. 3. Breis; A. Walter-Fulda ö. L. E. Nebenklaffen: Heinrich Lenz-Wiesbaden, W. Neuß-Frankfurt, E. Fiscber-Haaen, Wilhelm Bonaard-Schlitz je 1. Preise; C. H. Stapelbcra-Aachcn, Leutnant Ebel-Gießen, Bruno Bütiner-Gießen je 2. Preise: A. Walter-Fulda, Bruno Büttner-Gießen je 3. Preise; Heinrich Selbst-Gießen, Conrad Lauer- Gießen, Bruno Büttner-Gießen, Alfred Kortüm-Gießen, Heinrich Herlinqer-Gießen je H. L. E. ^Schluß folgte Ans Stadt und Land. Gießen, 2. Okl. 1906. • • 23ärgeruerein. Eine für alle Interessenten höchst wichtige Frage: „Die Kaualge bohren in Gießen" bildet die Tagesordnung einer am Donnerstag, 11. d, Mts., int Neuen Saalbau stattstndenden allgemeinen Bürg er - Versammlung. Der Vorstand des Bürgervereins hat in der allgemeinen Ferienzeit doch rege gewirkt. Aus vielen Städten ist Material verschafft worden, ein geeigneter Referent ist ebenfalls gewonnen und die Versammlung dürfte eine der allerwichtigsten seit Bestehen des Vereins werden. • * Das Fest der silbernen Hochzeit begehen am 4. Oktober d. I. die Maschinennteister Karl Wagner Eheleute hier, Westanlage. — Fellingshausen, 1. Oft. Lehrer Berg, der seit 5 Jahren hier amtierte, hat unS dieser Tage verlassen, um in seiner Vaterstadt Frankfurt a. M. seiner Militärdienstpflicht zu genügen. Der scheidende Lehrer, der in der ganzen Gemeinde sehr beliebt war, hatte auS diesem Anlaß den Gesangverein Concordia, dessen Dirigent er 3 Jahre lang war, zu einer Abschiedsfeier eingeladen, deren schöner Verlauf der beste Beweis der allgemeinen Wertschätzung des Herrn Berg bei den Gemeindeangehörigen war. Der Vereinspräsident, Herr Wilh. Weber, widmete dem Scheidenden warme Worte des Abschieds, in denen namentlich auch betont wurde, wie sehr sich der Verein unter dessen Leitung gehoben hat. Herr Berg dankte mit bewegten Worten und bemerkte, daß er sich nur ungern von Fellingshausen und dessen Jugend trenne. Frankfurt a. M., 1. Oft. Heute feierte 0 6er- landeSgerichtSpräsident Dr. Karl Hagens sein 50jährige? Dienstjubiläum. Am Vormittag versammelten sich der Festausschuß, die Mitglieder des Ober- landesgerichts, die Abordnungen der Land- und Amtsgerichte, der Staatsanwaltschaft und Rechtsanwaltschaft, die Vertreter der juristischen Gesellschaft und der mittleren Justizbeamten des OberlandeSgerichtS. Als Vertreter des Justizministers war Unterstaatssekretär Künzel erschienen, der außer den Glückwünschen des Justizministers die Ernennung Dr. Hagens zur Exzellenz und zum Wir kl. Geh. Rat überbrachte. Senatspräsident Lossen übergab im Namen deS Festausschusses einen prachtvollen silbernen Aufsatz als Ehrengabe und gleichzeitig eine Geldstiftung der Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Justizbeamten des OberlandeS- gerichtSbezirkS. Sie soll die Grundlage bilden zu einem Kapital, auS dessen Zinsen den mittleren und unteren Beamten der Justiz, den Gehilfen der Rechtsanwälte sowie den Witwen und Waisen Unterstützungen zuteil werden sollen. NamenS der Staatsanwaltschaft sprach Oberstaatsanwalt Dr. Huppertz, als ältester Landgerichtspräsident Herr Dehnhardt, für die Handelsrichter Julius Hofmann, für die Amtsrichter Geh. Juftizrat Dr. Giar, für die Rechtsanwälte Geheimrat Dr. Hnmser, für die Frankfurter jurist. Gesellschaft Justizrat Dr. Fester, der eine wertvolle Festschrift überbrachte, für die juristische Fakultät in Heidelberg der Dekan Geh. Rat Richard Schröder, für die Handelsakademie Professor Burchard und für die mittleren Justizbeamten Kanzleirat Pähler. — Um 12 Uhr traf General v. Eichhorn mit seinem Stabe und sämtlichen hiesigen Generälen, ferner General v. Stülpnagel ein. Ferner waren anwesend: Bürgermeister Grimm, Eisenbahn-flkasident Thome, Postdirektor Meyer, Polizeipräsident Scherenberg, Exzellenz Prof. Dr. med. Schmidt-Metzler, Exzellenz v. Chappuis. Ein Bankett ist wegen der Erkrankung einer Schwester des Jubilar? von ihm abgelehnt worden. Spielplarr brr vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 2. Oktober*): »Figaros Hochzeit/ Mittwoch ben 3. Oktober: „Unbine." Donnerstag den 4. Oktober: Zum e r st e n Male: „Beatrice uud Benedikt.* Hieraus, z u m ersten Male: „D i e Altweibermühle/ Freitag den 5. Oktober geschloffen. Samstag den 6. Oktober: „Aida/ Sonntag den 7. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: „Alessandro Stradella." Abends 7 Uhr: „Don Juan.' Montag den 8. Oktober: .Maurer und Schlaffer/ Hierauf: „Die Altweibermühle.* Schauspielhaus. Dienstag den 2. Oktober*): „Ein idealer Gatte.* Mittwoch- den 3. Okober: „Gras Essex.* Donnerstag den 4. Oktober, abends halb 8 Uhr: „Mamsell Nitouche." Freitag den 5. Oktober: „Einidealer Gatte." Samstag den 6. Oktober: Zum ersten Male: „Helden." Komödie in 3 Auszügen von Bernard S ch a w. Sonntag den 7. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: „Judith." Abends 7 Uhr: „Helden.* Montag den 8. Oktober: „Graf Effex." * ) Anfang, wenn yicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. , Märkte. Gießen, 2.Okt. Marktbericht. Auf heutigemWochenmackte kosteten: Butter pr. Psd. 1.00—].05 Mk., Hühnereier 1 St. 8-9 Psg., 2 Stck. 00-00 Pfg., GJcnfeeier 00—00 Psg., Enteneier 0 Psg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2 Stck. 5—6 Psg. Erbsen p.Psund 22Psg., Linsen v. Pfund 32 Pfg., Tauben pr. Paarst,80—1,00 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hahne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse nr. P?d. 00-00 Pfg., Ochsensteisch pr. Psd. 82—88 Pfg., Kuh- und Rindsteisch pr. Pfund 80—82 Psg., Schweine- steisch vr. Mund 90—100 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 104 Pfg., Kalbsteisch pr. Pfd. 84—90 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—7,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,50—6,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepsel per Zentner 10 bis 18 Mk., in Körben 00 Psd., Nüsse 100 Stück 30 Psg., Birnen per Psd. Mk. 0.00—0.00, per Ztr. 9—15 Mk., Zwetschen per Ztr. 2,00—3 Mk^ Weißkraut ver Stück 10-15 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit 8—2 Nbr. ________________________________ Ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel für Säuglinge, welche keine Mutterbrust erhalten oder von derselben entwöhnt werden sollen, bildet Kusekes Kindermehl mit Zusatz von Kuhmilch. Ku^ekes Kindermehl erhöht durch seinen Gehalt an Eiweiß- und Mineralstoffen nicht nur die Nährkrast der verdünnten Kuhmilch, sondern es macht dieselbe durch die im Magen des Kindes erzeugte seinflockige Gerinnung leichter verdaulich; es ist sehr wohlschmeckend, sodaß es von allen Kindern gern genommen wird, sehr ausgiebig und daher billig, gut haltbar, immer gleichmäßig zusammengesetzt und kann, da es keine unveränderte Stärke enthält, den Kindern schon oont ersten Monate an gegeben werden. Die mit Kusekes Kindermehl und Milch ernährten Kinder gedeihen zur großen Freude der Eltern vorzüglich. hv8/tt ass**: ssrfs "• He»inch itrOft* 1906- ?* M QQ ®,eto ?' 111 d, Ms 'nen ^flrrt ,§'' ^tcins'i c” tf* "nt b" SB?'5* »i» ■“«Sntr Eh,, >i«i ?er ganzen ®c. *, M 5 2°h-° J *» Wn([ ^krhchahung bc§ a‘. Ter Vereins, ^idenden warine ^uch betont wurde, '"8 gehoben hat. ,b bemerkte, daß ,b dessen Jugend feierte Ober, Sagens jein Vormittag ter» lieber bc§ Ober* und Amtsgerichte, afi, die Vertreter een Justizbeamten eS Justizministcrs der außer den nnung Dr. Hagens Rat überbrachte. ien deS Festaus* ltz als Ehrengabe Richter, Staats- deS Oberlandes* bilden zu einem , nnd unteren der Rechts* Baifen Unter* ien§ bet Staats» jpafy als ättdteü ie Handelsrichter ch. Justizrat Dr. humjer, für die fyjta. der eine Uche frWin Lchrbder, für die für die mittleren 2 Uhr traf General hen hiesigen Gene* Ferner waren an* -Präsident Thome, .renberg, VM [fnj o. Kappms. öiff 6chweßer deS . Aadttheatrr. cheil.' L Cftober: 8um t* fiterau', $>*m r,< ?ireitag den Aida.' Som'tag »ffandro Etradella. Oktober: Ianrer e.* -/.sä&s Mk Enten pl' o'chlen^chwetne' W- ®7$hinb c6, qefft ?tA’"inb «M ?fb- 2 Veibkra'! ßO-0-00, lt Zn'ay «jrtjeiö* }L LsK ue 5 8 UD C6 8 E 3 CO 73> 3 CD O CT> ** ö 3 Cf CD o oy rv. sr <2 er ra n cp 3 3 CD «- O ?O Z o - 3 er 8 8 « "* <» o 3 CO o> CD UB 3 3 ~ 3 3 O 3 «TS rt er 3 <2 3 « er 3 2® ~ n CD O Üt * Ä 06 rt 'S* CM er 3 er 5^ 3 ST « %’ Q± « Ä ~ s ^>4 >s 3 o IX i ! s I 0 3:^ ZJ 3 3 3 CO T5 » O CP zr ®» er -— « 3 cpö gg 3 «o 3 3 ? -» 3 3 ÖD o co -2, 3 o 5 3 2.«- 5 = 8 rt 'E’ ro J-S* 3 5 CO er ZT. 5 W® ♦2 2. 3 CO EL O< 3^5* <-! "o1 er q cx- WZ> Ul) JZ. CD O CD co co KD CT S* CO 3 O CT 3 S Z CT' 3 « CT Z S " O - co er US O or — A o cS'g. ^5; 8 3 2 co x ®-e 138 öS- 3 cP or 2, 2 or « r» 3 ÄD = ^JS* <— CD 3 Or , ~ CO rt -Ls- e <2 (A =1« 3"-c ■37 D s* = ter s CD ,D i®4 3 ^3 er ZS E D 3 S 5©: 3 —‘ S 3 CD §* 3 — uv'vv =.5-* Uv ez? 3 CD ~j O Uv es s? £■ o ro 2* E 3 © 8" 3 l c ® n « er D:—«i 3 CD r! rs 3* § = KsUs « ' or SoS® S fff s 3 o 2 (N s 3* 3 z? CO 3 CD rt •“- « zz«* »Z.S SS fs.-? * A2D g.__Ct 5 Z-x -Z- ~ « 2. $S"3> 5* 3.3 @ = Q? 00 3 Ä T? «*^ 3 " ÖD öS 2. uv 0 2 2 ä S- 3 — 3, o Uv 3 o 2, O S = 3 CD D G? rt g 2. rt rt 3 er <2 *S*. 3* S- gy o 3 5* rr 3 3 «° 3 2 Co 3 2-— ä s •« tS - „ & « • 5 SS ÖS CO ^2 c* £ uv "3 © 5- LSZ^ c 07» . er- ?6) 2 ■ärS = —r ■ k - Z x Seltersweg 52, Goldene und silberne Medaille St. Louis, Marktplatz 6 Marktplatz 6. wässern dieses beste Präparat macht das Leder weich, wasserdicht u. dauerhaft, - Fabrikant: Car! Gentner. töppiigen. Seminar-Oberlehrer G. Partheil-Dessau schreibt am Schluss einer längeren, sehr günstigen Besprechung: -Die ganze Ausstattung ist eine vornehme, die Ausführung eine solide, sodass ich die Anschaffung dieser vorzüglichen Wandkarte angelegentliche! empfehlen kann. Im Interesse der Schule wünsche ich ihr eine weite Verbreitung.“ Ausführliche Prospekte gratis und franko. Emil R0tll,V erlagsbncbhandl., GlCSSen. ___ L M HD W für i Tage: sehiei obivol mit b Jnbe Parti schäft boykc Press sie ir Felde Äenr ivärts Zenti gereg über iubez saßt^ VoN x U strei * ist 9 Besch itärt prok! der mau cven lasse dett< l'ioni noch dazu o.bgt strei obiui Spul der i Lewe [dient) l'ueitu, W Wir ha daß b' hast st wenn rZamil die n heim erl* auiit tein®1 ,veM beiiif die S'tk Hü«« 1 ißoe giotatio lag de- Univtt bntdei Kedak im «ch —R yVamser’8 Handkarte von Deutschland für Schüler. Massstab 1 : 500000. 30 X 33 cm. Preis 20 Pfg. Auf Pappe (einmal gebrochen) 85 Pfg. Auf Leinwand und Karton (Buchformat) 45 Pfg. 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