Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. Nr. INS Drittes Blatt 15«. Jahrgang Samstag 25. August 1906 Erscheint täglich mit Aufnahme de§ Sonntags. W & d Die „Gießener Zamilienblatter" werden dem Ä ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Vky T H WC eg H 9 BT 1 B S S £1 S rd „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. ▼ ▼ ■ B V'' BI W MT g V" General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen. Ire <^age des yesstschen KandwerLs. in. (Schluß.) In wie ausgedehntem Maße die beruflichen Interessen des Handwerks im Großherzogtum vertreten werden, zeigt die große Zahl der gewerblichen Vereinigungen. Es bestehen zur Zeit in Hessen 16 Zwangsinnungen mit ca. 1100 Mitgliedern und 36 freie Innungen mit ca. 1550 Mitgliedern. Von den Zwangsinnnngen haben 8 ihren Sitz in Mainz, 3 in Worms und je eine in Gießen, Offenbach, Alzey, Bingen und Kostheiin, so daß also in Rheinhessen 14 und in den beiden anderen Provinzen nur je eine Zwangsinnung zu verzeichnen sind. Von den 36 freien Innungen bestehen 7 in Darinstadt, 6 in Mainz, 5 in Worms, 4 in Lauterbach, 3 in Heppenheim, je 2 in Gießen, Offenbach, Bensheim, Bingen, Pfungstadt, je eine in Friedberg, Eberstadt, Griesheim, Michelstadt, Reichelsheim, Urberach, Viernheim und Westhofen, ferner ein Bäckerinnungsverband für Has Großherzogtlun und ein in Bildung begriffener Jnnungsausschuß in Mainz. Zil diesen Hand- werksverbänden kommen weiter noch 123 über das ganze Land verteilte OrtSgewcrbevereine mit ca. 11 000 Mitgliedern und 36 gewerbliche Vereinigungen von Handwerks- lneistern, darunter 15 in Darmstadt, 7 in Mainz, 5 in Gießen, 4 in Offenbach und je eine in WormS, Bensheim, Alzey, Friedberg und Seligenstadt. Die OrtSgewerbe- vereine sind nach den Kreisen des Landes in 13 Bezirksverbänden zusammengeschlossen. Von den Innungen besitzen sechs Schiedsgerichte, bezw. Einigungsämter, sechzehn Innungen Arbeitsnachweise, fünf Innungen Fachschulen, vier Innungen Krankenkassen (die M e tz g e r i n n u n g e n zu Darnlstadt, Mainz, Gieren und die Bäckcrinnling zu Mainz), elf Innungen Rohstoff- rc. Genoffenschaften und je zlvei Innungen Herbergen, Sterbekassen und Unterstützlingskaffen. Von der Handwerkskammer sind auf Veranlaffung der Behörden neben der Erfüllung ihrer umfangreichen allgemeinen Aufgaben auch zahlreiche Gutachten erstattet, sowie Ratschläge und tatsächliche Mitteilungen zur Förderung des Handwerks in Hessen abgegeben worden. Wir führen aus den darüber vorliegenden Berichten nur einige der interessantesten und wichtigsten hier an: Zunächst hat die Kammer für die Kreisämter eine Reihe gutachtlicher Ratschläge über Bildllng, Unlwandlung von Innungen, Lehrlingswesep :c. abgegeben und Erhebungen über die Ausführung von Arbeiten und Lieferungen in eigener Regie durch Staats- und Kommunal- behörden angestellt. Als Ergebnis fernerer Erhebungen über die Konkurrenz der Konsumvereine muß die Handwerkskammer das Vorhandensein einer fühlbaren Konkurrenz für die Gewerbetreibenden der Lebensmittel-, wie der Bekleidungsbranche feststellen. Dagegen läßt der Gesamtcindruck des erhaltenen Materials kaum darauf schließen, daß eine direkte Konkurrenz für das selbständige Handwerk in dem Umfange, wie man ihn sich in der Regel bei Vorhandensein von Konsumvereinen denkt, besteht. Jnwieiveit jedoch eine indirekte Schädigung des selbständigen Handwerks durch Konsumvereine herbeigeführt wird, ist auS den Erhebungen schwer nachzuweisen. Zahlreiche Beschwerden beziehen sich auf das Konsnm- vereinSwesen, das sich mit dem Rabattsystem befaßt, besonders in der Nahrungsmittel- und Bekleidungsbranche und unter diesen Verhältnissen leiden sie besonders in den Städten. Die Konstlmveceine stellen sich den eingegangenen Berichten zufolge als recht bedeutend dar; einer derselben stellt einen Umsatz von 900 000 Mk. in Aussicht. Zu einer der wichtigsten politischen Tagesfragen in Heffen, der G e m e i n d e u m l a g e n - R e f o r m, äußert sich die Handwerkskammer über die Frage des Schuldenabzugs: Mit Befriedigung konnte davon Kenntnis genommen werden, daß bei den nach dem Entwurf in Aussicht genommenen Besteuerung auf die persönliche Leistungsfähigkeit des Einzelnen in höherem Maße, wie bisher, Rücksicht genommen ist, und daß insbesondere bei der Gewerbesteuerveranlagung nicht mehr die Klassisizierung der Gewerbebetriebe und die Einschätzung nach äußeren Merkmalen, sondern eine Besteuerung des Vermögenswertes des im einzelnen Gewerbe arbeitenden Anlage- und Betriebskapitals vorgesehen ist. Indessen glaubte der Vorstand gegen die Bestimmung, daß ein Abzug von Schulden oder sonstigen persönlichen Lasten nicht stattfinden solle, Stellung nehmen zu müssen. Die jedenfalls bestehende Absicht des Gesetzes, den kleinen Handwerkern und Gewerbetreibenden durch eine gerechtere Besteuerungsform zu entlasten, wird wesentlich beeinträchtigt durch die Vorsehung, daß Schulden nicht in Abzug gebracht werden dürfen. Nun arbeitet aber eine große Zahl Gewerbetreibender gerade mit fremdem Betriebskapital, sodaß diese mehr oder weniger von einer Entlastung nichts merken werden. Da immerhin die Besteuerung nach dem vorliegenden Entwurf der bisherigen Bestimmungsart vorzuziehen ist, so sprach sich der Vorstand dahin aus, daß, wenn nicht eine Gefährdung des ganzen Entwurfs damit verbunden ist, ein Abzug von Schulden oder eines Teils derselben in Aussicht genommen werden möge. Bezüglich der Frage der Fleischteuerung, die gerade in diesen Tagen wieder aktuell geworden ist, hatte die Handwerkskammer ebenfalls an den Reichskanzler eine Vorlage gerichtet nnb darin ausgeführt, daß die abnorme Höhe der Viehpreise die Fleischversorgung der Bevölkerung ernstlich gefährde und das Fleischergewerbe in eine äußerst schwierige Lage gebracht habe. Es scheine dringend geboten, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, welche die Ergänzung des Bedarfs an Fleisch aus dem Ausland ermöglichen 2c. Vor allem aber sei bei solchen Maßnahmen darauf Bedacht zu nehmen, daß das Fleischerhandwerk in seinem „handwerksmäßigen" Betrieb nicht T aber nur in Maschen, wo 'Utakate aushüngen. D Verlobte Möbel Moderne kaufen keine Einrichtung ohne vorher das grosse Muster-Hauptausstellungshaus der Darmstädter Möbelfabrik, Heidelbergerstrasse, welches als Sehenswürdigkeit I. Banges und bedeutendstes Haus seiner Art bekannt ist, besichtigt zu haben. Man verlange Preisliste mit Abbildungen. (Perspektiv-Aufnahmen von completten, Zimmern'. b23/s Sport. — Großer Preis von Gießen. Man schreibt uns: Wer bleibt Sieger im Großen Preis von Gießen? Diese Frage ist schwer zu beantworten, da die drei Fahrer sämtlich mit ausgezeichnetem Schrittmachermalerial unterstützt sind. Der Neger wird von Telloß ans Eoln, bem früheren Schrittmacher Schmitters, ge-- sührt, Drescher, der einen neue», 18 bp Schrittmacher hat, wird von Wohn atis Mainz unterstützt, während der Frankfurter Fröhlich sich die Dienste Seidenspinners ebenfalls mit emem 18 hp Motor gesichert hat. Die Eittscheidnng dürste zwischen den beiden Matadoren Vendredi und Drescher liegen. Am. letzten Sonntag schlug Drescher beit Neger im goldenen Rad von Mainz in zwei Läusen, ebenso oft mußte er sich vor bem Neger beugen. Es wirb zwischen beit beiben ein erbittertes Ringen geben. Wer von ben beiben als Sieger hervorgeht, muß aus alle Fälle ein schweres Rennen liefern. Ter Frankfurter wirb ben beiben Pleistern gegenüber einen schweren Stand haben. Die Reinten beginnen nachmittags 4 Uhr bei jeder Witteruna. Eisenbahn-Zeitring. — F ü r die z n s a nr m e n st e l l b a r e n Fahrscheinhefte soll die Giltigkeitsbauer verlängert werden; sie beträgt jetzt bei Reisen von 600 bis 2000 Kilometer 45 Tage, bei längeren Reisen (bis 3000 Kilometer) 60 Tage und darüber hinaus 90 Tage. Diese Fristen reichen nicht mehr aus, seit die Einbeziehung ’ langer, überseeischer Schiffsverbindungen in ben Vereinsreiseverkehr eine außerorbentliche Erweiterung bes Gebietes ber Fahrscheinhefte bewirkt hat. Tie Zurücklegung bieser großen Strecken innerhalb ber jetzigen höchsten Giltigkeitsbauer von 90 Tagen ist ben meisten Reisenden kaum möglich; aus bem Grunbe haben bie betreffenben SchiffSgesellschaften ihren Rückfahrkarten eine größere Gellungsbaner, zum Teil bis zu zwölf Monaten beigelegt. Die erheblich kürzere Giltigkeitsdauer ber Fahrscheinhefte hemnit also gewisserniaßen bic Entwickelung bes Verems- relseverkehrs. Um bem entgegenzuwirken, hat ber Ausschuß für Angelegenheiten bes Personeiiverkehrs beschlosseii, die höchst zulässige Geltungsdauer der Fahrschemheste auf 120 Tage zu erhöhen und auch bie übrigen Eutseruungsgrenzen hinaufzurücken. Danach würden bie Fahrscheinhefte bei Reisen bis zu 3000 Kilometer 60 Tage, bis zu 5000 Kilometer 90 Tage nnb für weitere Entfernungen 120 Tage Geltung haben. Mit diesem Anträge wirb sich ber Verein beutscher Eisenbahnverwaltungen in seiner am 4. k. M. in Wien stattsinbenben Bersammlimg beschäftigen. gefährdet oder gar auSgeschaltet nnb zu einem reinen „Fleisch- handel" herabgedrückt ,verde. — Als solche Maßnahmen bezeichnet die Kammer die Einfuhr von geschlachteteul Vieh, sowie alle, welche darauf hinaliSgehen, das Vieh im Großen zu schlachten und das Fleisch im Kleinen an die Metzger ab- zugeben, sei dieses an den Grenzen, in den Städten oder sonst,vo. Nicht nur sei der Metzgereibetrieb auf das Selbst- schlochten des Viehes angewiesen, weil er der dabei entfallenden Nebenprodukte zur Erzielung eines einigermaßen befriedigenden geschäftlichen Nutzens dringend bedarf. Seine Eigenart bringe es mit sich, daß eine peinlichst genaue Verwertung der kleinsten Teile, ein stetes, zielbeivußtes Zusammenarbeiten aller, die Familie des Meisters mit einbegriffen, dringend nötig fei, um zu prosperieren. Dem vorgeschlagenen Versuch des Kanzlers, daß die Stadtverwaltungen selbst die Versorgung mit Fleisch in die Hand nehmen sollten, könnte mit Ruhe und ohne Furcht entgegengesehen werden. — Eine Antwort auf diese Eingabe scheint leider nicht erfolgt z,t sein. ein Fräulein von Gramont. seine Freiheit wieder, — was ihm wahrscheinlich durchaus nicht vermischte». * Der amerikanische General H e i n r. Süß, ein geb. Hesse, der einer der bet'annteflcn und prominentesten deutschen Geschäftsleute in Denver, Colo., war, ist dieser Tage im Alter von 69 Jahren nach kurzem Krankenlager an der Gesichtsrose, zu der sich zuletzt noch Harnruhr gesellt hatte, gestorben. Der Entschlafene wurde 1837 in Darmstadt geboren und genoß eine sorgfältige Erziehung und Schulbildung. Angeborene Wanderlust und ungestümer Tatendrang trieben den jungen Mann im 17. Lebensjahre dazu, nach Amerika aus- zuwanbern, wo er sich anfänglich in Romeo niederließ und nach zweijährigem Aufenthalt dort verheiratete. Als der Bürgerkrieg ausbrach, eilte er zu den Fahnen und trat als Major in das 7. Missouri-Kavallerie-Rcgimcnt, in welchem er bis zum Friedensschluß mit Auszeichnung diente. Mit dem Rang eines Brigade-Generals nahm er seinen Abschied, ließ sich in Scdalia, Mo., nieder, wo er mehrere Jahre als Besitzer eines Sattlergeschäfts tätig war, und übernahm dann in Houston, Texas, die General-Agentur der Anheuser-Busch Brauerei, die er vier Jahre lang mit großem Erfolg leitete, worauf er 1881 in gleicher Eigenschaft nach Denver berufen wurde. Seiner fähigen Leitung während einer 25 jährigen Tätigkeit dort ist es zu danken, daß die Denver-Agentur sich zu nie geahnter Blüte emporschwang. In die Zeit seines Aufenthalts in Denver fällt das Hinscheiden seiner ersten Lebensgefährtin, die ihm nach einer überaus glücklichen Ehe anfangs der 90 er Jahre im Tode vorausging. 1897 ging er mit Frau Katherine Semen Taylor eine zweite Ehe ein. Ter Verstorbene war Freimaurer, ferner Mitglied der Denver Handelskammer und der Colorado Commandur der Loyal Legion. 1885 bekleidete er die Würde eines Repräsentanten in der^ Colorado Legislatur. Eine Witwe, Katherine Lemen-Süß, 2 Söhne, 4 Töchter, sowie drei Stiefsohne, betrauern den Verlust des Verblichenen. * Eine geschiedene Fürstenehe. Es ist noch nicht viel mehr als ein Jahr her, so schreibt man uns aus Paris, da war die „fine Fleur" der französischen Aristokratie versammelt, um einer Hochzeit beizuwohnen, bie zwei junge Mitglieder ihrer vornehmsten Familien fürs Leben miteinander verbinden sollte. Bräutigam war der Prinz Leon R a d z i w i 11, der einzige Sohn des Prinzen Konstantin Radziwill, der durch seine Ehe mit Mademoiselle Louise Blaue, einer Tochter des Spielpächters von Monte Carlo, ein nach vielen Millionen zählendes Vermögen besitzt. Und Braut wa: Fräulein Claude von Gramont, eine Richte des Herzogs Ag6nor von Gramont und Enkelin jenes Ministers des zweiten Kaiserreiches, der Frankreich in den Krieg gegen Deutschland stürzte. Dem jungen Paare schien eine Zukunft voll Glanz und Glück beschieden zu fein. Aber es kam anders. Aus Gründen, die sich der Feststellung oder richtiger der Wiedergabe entziehen, vernachlässigte der Prinz Radziwill seine junge Frau vom ersten Tage seiner Ehe an und bald trennte er sich gänzlich von ihr. Es blieb der Prinzessin nichts weiter übrig. unangenehm ist. , _ * Heber bie Ferienarbert eines Seminaristen wird uns aus Pommern berichtet: Während der Sommerferien stellte sich der Zögling eines pommerschen Seminars eines Tages' dem Postamt seines Wohnorts als Hilfsbriefträger zur Verfügung Er wurde angenommen und mit bem üblichen Banbe am Arm, als solcher beschäftigt. — In Amerika oerbienen sich viele Stubentcn in ben Universitätsferien ihren Scmester- wechsel als Kellner ober in anberen Berufen. * Das Automobil als Heiratsbureau. Vor einigen Jahren noch gehörte zu ben bekanntesten unb beliebtesten Pariser VarietL-Sängerinuen, bie sich übrigens oft auch im Auslände hören ließ, Mabame Bob Walter. Sie wirkte nicht durch äußere Reize, denn biefe hatte bie Natur ihrer kurzen, ge- brungenen Figur so ziemlich gänzlich versagt Dafür besaß sie aber viel Humor unb Witz. Daß es ihr auch nicht an rlugem Gcsch-stssinne fehlt-, das hat Madame Walter eigentlich -r>t bewiesen, f'eitbem sie von ber Buhne bes Tingeltangels Abfchieb nahm. Währenb sonst für Künstlerinnen dieses Schlages, bas Alter oft gleidjbebeutenb mit Not unb Entbehrung ist, bennbet sich Mabame Walter auf bem besten Wege, reich zu werben Unb bas Mittel durch bas sie biesem Ziele zustrebt, ist cm höchst ingeniöser Trick. Man entsinnt sich, währenb ber letzten Monate mehrmals aus Paris von Entführungen gefrort zu haben, biebort in Szene gesetzt würben, wenn ber,ehelichen Vereiing- ung eines liedenben Pärchens bie notige Zustimmung der Eltern fehlte Diese Entführungen, bte stets mit großem Geschicke ar- ranaiert waren unb regelmäßig bannt endeten, baß dem geprellten Vater nichts anderes übrig blieb, als angesichts der vollendeten Tatsachen schleunigst 1em.. ^anwrtJ« das Werk der ehemaligen Couplet angenn .Bob Walter. Sie besitzt ein Automobilinstitut, das sich hauptfachlichi mit solchen Entführungen besaßt. Ter Chaupeur, der mit ihnen betraut ist richm?sich mit Stolz, daß ihm noch keine einzige bteicr Unternehmungen mißglückt sei. Niemals gelang es den Verfolgern, ifrn und das Pärchen unter feinem Schutze zu erwychen. Er bringt es in Sicherheit, man benachrichtigt die Eltern der jungen Tarne davon, daß sic gut aufgehoben ist, und kann den Liebenden dann gewöhnlich sehr schnell die Botschaft: „Kehrt zurück! Alles ist vergessen und verziehen!" übermitteln. Und so endet denn das Ganze mit einem solennen Hochzeitsdincr. Ob Bob Waller aus Dankbarkeit zu diesem zugezogen zu werden pflegt, entzieht sich allerdings der Kenntnis. Tic Hauptsache aber ist, daß ifrr Geschäft blüht und sie nächstens schon an die Vergrößerung ihres eigenartigen Heiratsbureaus zu benfen gezwungen sein wirb. * Unter heitern Erinnerungen an bie Berliner königliche Bibliothek, bie im „Leipz. Tgbl." Der- öffentlidjt werben, sinben wir auch folgcnbc Anekdote: Eine komische Geschichte verbindet die Erinnerung ans jüngerer Zeit mit, dem langen Professor X., der am letzten Fenster vorn im Lesesaal wohl als dessen Vorstel)er einen etwas erhöhten Sitz hatte. Ein aiiswärtiger Freund von mir, der Kunstgeschichte studierte, wünschte eines Tages eine große illustrierte Ausgabe von Vitruv, dessen berühmtes Werk „De architeetura" er zu seinen Arbeiten dringend brauchte, bei mir zu benutzen. Ich bestellte das Werk genau nach Erscheinungsjahr, Format usw., bekam aber den Zettel mit dem seltsamen Vermerk: „Bitte persönlich!" und der Unterschrift eines mir bekannten Bibliothekars zurück. Ich stellte mich am andern Tage bei Dr. G. ein, ber, mich zum Katalog führte. Da stand neben bem genau angeführten Titel ber Vitruv-Ausgabe, die mein Freund wünschte, etwa folgendes: „Nicht im Fach 1840". „Ubi? 1845". „Unter nebenstehender Bezeichnung nicht zu finden. 1850" usw. Jede dieser kollationierenden Bemerkungen war mit bem Namen eines ber Ressortbibliothekare unterschrieben, darunter in der langen Reihe von Jahren seit 1840 bis in die siebziger Hein auch mehrmals ber Name von Professor X. Da starb ber Gelehrte, unb sein Nachsolger auf bem Eckplatz im Lesesaal nahm bas Kissen von Professor X's Stuhl herunter. Unter bem Kissen lag ber dicke, illustrierte Vitruv. Professor X. hatte 30 Jahre auf dem auch von ihm soviel gesuchten Buche gesessen. * Die Abnahme der Schwalben. Nach den systematisch vorgenommenen Zählungen, die während des Herbstes beim Zuge der Vögel nach Süden angestetlt worden sind, hat sich gezeigt, daß die Schwalben von Jahr zu Jahr abnehmen. Tie Ursache dieser Schwalbendezimierung liegt nach der Ansicht Dr. Gänglers hauptsächlich in zwei Tatsachen. Einerseits verschwinden die unge- pflafterlen Städte (insbesondere Klein- unb Mittelstädte) mehr und immer mehr, und in gepflasterten kann die Schwalbe ihre Lebensbedingungen nicht finden, weil sie ziim Sau ihres Nestes feuchte Straßeuerde braucht, die leicht ziisammeiigeklebt werden kann. Ein solches Material zum Nesterbaii findet sich aber in gepflasterten Städten nicht. Außerdeni ist es die veränderte Art der Bebauung der Felder, die der Schivalbe das Dasein erschwert, da in ihnen die Larven von Insekten, die sie ziim Leben braucht, nicht mehr so gut fortfommen wie früher, ivo man die Felder oft lange Zeit brach liegen ließ. Da nun diese ökonomischen Verhältnisse sich geändert haben, so muß ber Bestand der Schwalben darunter leiden. als, da sie noch minderjährig ist, durch ihren Vater, den Grafen Alfred von Gramont, vor Gericht eine Scheidungsklage wegen böswilligen Verlassens und Nichterfüllung der ehelichen Pflichten anzubringen. Der Prozeß, der vor einigen Wochen geführt wurde und größtes Aufsehen erregte, endete damit, daß der Prinz für den schuldigen Teil erklärt und seine Ehe zu seinem Nachteile geschieden wurde. Außerdem verurteilte das Tribunal, unter lebhafter Mißbilligung seiner Handlungsweise, ihn dazu, seiner verlassenen Gemahlin eine Jahresrente von 50000 Fr. zu zahlen. — Jetzt hat diese traurige Affäre noch ein Nachspiel gehabt. Auf Eintrag des Grafen von Gramont hat nämlich der Vatikan bic Ehe feiner Tochter für null unb nichtig erklärt, gestützt auf einen ber wenigen Gründe, aus benen bie Kirche sich biefe Macht zuerkennt: weil bie Ehe nur auf bem Papiere geschlossen, tatsächlich aber nicht vollzogen worben sei. So verwanbelt sich bie arme kleine Prinzessin roieber zurück in ~ Unb Prinz L^on Rabziwill hat mitten in herrlicher Gebir^swaldun^, Altbewährtes Sodlbad. Grösstes nhalatorium Deutschlands. 's es o a = £2 LV gl“ e s nr> 3< <£-: 02 « Ö» 42 es“ 5 >3< S3 iS LV e U S 09 5 5 LV 5 D« L2 > ö 3 Ö S s cn ö>e2 31 iS LU S SZ.8 e S'Z' n (V# — & LV ü# :=! ö? 02 02 s to rs 42 Ö 0 A % 2 a 3 s Z o —iV a — s. s « 6'< 03 0 Z c Ö er ~ C*f sr Ö r2 ö b2vj % Ö w » 42 2r 0 A9 42 2. S C9 K? c: o ffi f-c >3^ S 09 Öl do CP 42 ß?O9 co M cd: czc-2 P» =3 CO 3? 09 S? 03 o m CP 5 2 CP 2 3 42 2Ä Ö* 02 s 'nC$, ;*• i A 2. ro fflielm an der c o CO o 42 L 3< 4^9 Lvcs r s> Öl - 3- 5 o ä L» K> LV LV LV Öl V» LV LV LV LV 3 5 L LV LV LV LV 3 t>D 3 LV Lc LV UV LV •Sb 09 uv Öl Uv to UV 09 uv LV 07 LV LV LV UV UV LV 5 2 LV «B a CQ r K ■ 4 .j4 .. lachu ) nm 2 1906. reisam W ö r ii :Z n Kreisblatt für den Kreis Gietzen Siebener Anzeiger. Glänzende sind unerreicht in Konstruktion, stabiler Bauart und Leichtzügigkeit W8 W A Spiritus- NähereAuskunft, Prospekte u.Antragsformulare kostenfrei bei der Gcneralvertretting für Hessen, Hessen-Nassau und die Pfalz in Darmstadt: August Berbenich, Zimmerstr.3; in Gietzeu: Hauptagent Wilk. Dürbeck, Kfm., Neustadt; S m Grotzcu-Buseck: ILühl. Kfm.; in Gr.-Liudeu: B Bleinr. Weiss, Bauunternehmer; in Laubach: Wilk, Q JKlipstein; in Wieselt: Ludwig Kirchner, Kausm. I Nerven - Spannkraft - Er- Schöpfung, deren Verhütung u völlige Heilung von Spezialarzt Dr. Ramler. Preisgekröntes, eigenartiges, nach neuen Gesichtspunkten bearbeitetes Werk, 840 Seiten, viele Abbildungen. Wirklich brauchbarer äusserst lehrreicher Ratgeber und bester Wegweiser zur Verhütung und Heilung von Gehirn- und Rückenmarks-Erschöpfung, d-r auf einzelne Organe konzentrierten Nerven-Zen,.ttung und deren Folgezustände. 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Zn haben in Apotheken, Drogerien, Par- fümerien, Frtseurgeschäften oder Carl HnnuiuS, um vom 2. bis 5. September 1906 ---- verbunden mit der 85. Generalversammlung des Vereins nass. Land- und Forstwirte und Hauptviehscliau nebst Preiszuerkennung Landwirtschaftliche Ausstellung (Pferde, Rinder, Schweine, Ziegen, Kaninchen, Bienen, Geflügel, Fische, Obst, landw. Erzeugnisse, Maschinen u. Geräte) Arbeitsvergebung. Die Lieferung und Aufstellung einer Umzäunung aus zinktem Drahtgeflecht für den Niedcrdruckbehälter auf Lutherberg soll auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung verabfolgt Profpekte uud Anmeldeformulare. Die Stiftung wird durch Aushändigung der von uns ansgestellten Versicherungsurkunden, Einlage-Quittungen und Nückgewährscheine verpflichtet. Diese Urkunden werden in längstens 8 Wochen nach der Einzahlung von der Zahlstelle gegen Rückgabe der von ihr erteilten Quittungen über die Einzahlung ausgehändigt. Berlin W., Mauerstraße 85, im August 1906. Direktion der Kaiser Wilhelms-Spende, Bekanntmachung. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß Herrn W. Jullmann in Gietzeu, Bahnhofstraße die Verwaltung einer Zahlstelle der unter dem Protektorat Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen Adnance Neueste Elevator- Garbenbinder j mit direktem Hebelantrieb Neueste starke Gctreidcmäher Neueste Grasmäher mit Haudablage in Kon- Bauder Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden und des Vereins nassauischer Land- uud Forstwirte. Feier des 75jährigen Bestehens des landwirtschaftlichen Vereins des Kreises Biedenkopf. Generalversammlung des Verbandes der Herdbuchgesellschaften für das Vogelsberger Rind. Montag, den 3. September: Generalversammlung des Vereins nass. Land- u. Forstwirte. Festessen, Konzert und Tanz. Beleuchtung des Schloßbergs seitens der Stadt Biedenkopf. Dienstag, den 4. September: Festzug, Preiszuerkennung. Generalversammlung des Verbandes der Herdbuchgesellschaften für das Vogelsberger Rind, Konzert und Tanz.____________ Bitte um £efl. Besichtigung meiner elf Schaufenster Billigste Bedienung. Frachtfreie Lieferung. Langjährige Garantie. Hrmmnetgras -Versteigerungen der Fürstlich Solmsischcn Rentei Lich. Der Grummetgras von den Fürstlichen Wiesen ?c. wird versteigert: Donnerstag, den 30. August 1906, vormittags präzis 8 Uhr von den Wiefen in der Gemarkung Lich, oberhalb der Stadt, zufannnen 115 Morgen. Zusammenkunft an der Saubrücke nächst der Peinmühle. An demselben Tage, nachmittags präzis 1 Uhr, von den Wiefen unterhalb der Stadt Lich. Zusammenkunft im Schloßgarten an der Eifenbahnbrücke. Freitag, den 31. August 1906, vormittags präzis 8 Uhr von den Wiefen in den Gemarkungen Mühlfachfen, Ober-- und Niederbessingen un Ganzen 130 Morgen. Zusammenkunft in Mühlfachfen. Montag, ben 3. September 1906, vormittags präzis 9 Uhr von der Fürstlichen Mönch- und Strauchivaldwiese, Gemarkung Burkhardsfelden zusammen 70 Morgen. Zusammenkunft in der Mönchwiese. B21/6 Lich, den 20. August 1906. Fürstlich Solmsische Rentei Kreiling. Einfachste wie reiche Wohnungs-Ausstattung individueller künstlerischer Art, Teppiche, Gardinen, Dekorationen, Kunstge^enstände zu sehr billigen Preisen. Spezialabteilun^: Schlafzimmer-Möbei i komplette Schlafzimmer-Elmichtungen 4,anz aussergewöhnlich billig. Brennspiritus Marke „HeroOd“ 30Pf.ca.90Vol.-Proz. W 3 3 Pf. ca. 95 Vol.-Proz. eitLGlas — Ueberall erhältlich — Arbeitsvergebuug. Die Erd- und Maurer-, Pflaster- und Chaussicrarbeiten für den Ailsbau der Friedrichstratze zwischen der Frankfurter Straße und dem Wetzlarer Weg sollen Mittwoch, den 5. September, vormittags 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibuiigen und Bedingungen liegen währeiid der Dienststunden bei im§ auf Zimmer Nr. 1 zur Einsicht offen. Auge- bore auf vorgcschriebeneni Forniular, das daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum vorgenannten Zettpiliikt verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 23. August 1906. Städtisches Tiefbauamt B-* /„] Braubach. Gustav-Adolf-Kest. Der Butzbacher Zweigverein der Gustav-Adolf-Stiftung feiert sein Jahresfest Pshl-GÜNs am Sonntag, den 26. August d. I. Zu denr Feste sind alle Freunde und Förderer des Vereins herzlich^willkommewEstgotte^dieiistes: Nachmittags 2 Uhr Festprediger: Dekan Hainer, Hungen. Tie Nachversammlung findet in der Gartenwirlfchast von Wilhelm Jung statt Ter .Ärrchcuvorstand zu Pohl-GonS. Hießener Areiw. Ieuerweyr sowie sämtliche Mannschaften der Pflicht-Feuerwehr Montag, den 27. August, abends 8l/4 Uhr Allgemeinen Deutschen Stiftung für Alters-Reuteu- ____________und Äapital-Perficherung.__ Nebenstehende Marke gilt als einziges Zeichen der Aechiheit von Wendelsteiner Haeusners Brennesselspiritus geben werden. Die Bedingungen, Zeichnungen usw. liegen während der Dienststunden auf unserem technischen Bureau ziir Einsichtnahme auf, woselbst auch nähere Auskuiift erteilt wird. Angebote sind bis zum 7. September d. I. vorrnittags 11 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bei^ uns einzureichen. B23/a Gießeii, den 23. August 1906. Städtisches Gas° und Wasserwerk Gietzeu Otto Bergen. Uefoung Die Mannschaften der Pslichtscuerwchr haben punkt 8 Uhr am Turmhaus am Brand anzutreten. Das Kommando. ilMti Der beste Beweis für die vorz. s Funktion des Reichsherdes No. 28 1 sind die zahlreich einlaufenden Nach- bestellungen und die Garantie, LT --$» weicheich jedem Käufer für gross- i artigen Zug und gut backenden Bratofen leiste. 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